Rompola, Eirini: Effektivität von Schmelzmatrixproteinen in der chirurgischen Behandlung von gingivalen Rezessionen

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Kapitel 7. Zusammenfassung

Seit einigen Jahren wurden Schmelzmatrixproteine, die sich überwiegend aus Amelogeninen zusammensetzen, vermehrt in der Regeneration parodontaler Defekte, die durch entzündliche Prozesse induziert worden sind, eingesetzt. Mittels dieser Proteine wird versucht, Vorgänge, die sich in der Odontogenese vollzogen haben, in der Wundheilung zu imitieren und dadurch die Neubildung von Zement mit inserierenden Fasern zu fördern.

Ziel dieser klinischen Studie war, die Langzeiteffektivität von EMDOGAIN® als ein Schmelzmatrixderivativ in der Regeneration nicht entzündlich bedingter marginaler Rezessionen zu evaluieren. Dazu wurde bei der chirurgischen Deckung der Rezession EMDOGAIN® mit einer koronalen Verschiebeplastik kombiniert.

Mit Messungen der Rezessionstiefe und -breite, des klinischen Attachmentniveau und der Sondierungstiefe wurde untersucht, ob EMDOGAIN® in der Lage ist, die Qualität des Attachments zu erhöhen und die Heilung nach operativer Deckung qualitativ und quantitativ zu fördern.

Die Studie wurde als eine intra-individuelle, longitudinale, Placebo-kontrollierte und randomisierte doppelblind-Studie mit einer Dauer von 12 Monaten konzipiert.

44 gleichartige bukkale Rezessionsdefekte mit mindestens 3mm Tiefe, die sich kontralateral im selben Kiefer befanden, wurden bei 22 Patienten behandelt (Split-Mouth-Design).

EMDOGAIN® besteht aus zwei Komponenten; zum einem aus einem Proteingemisch (Derivative von Schmelzmatrixproteine) in steriler, resorbierbarer, implantierbarer und lyophilisierter Form, zum anderen aus einer Trägersubstanz (Propylenglycolalginat) in Gelform.

Die Testzähne wurden mit EMDOGAIN® nach Herstellerangabe behandelt, während auf die Kontrollzähne bei gleicher chirurgischer Technik nur die Trägersubstanz als Placebo appliziert wurde. Die chirurgische Deckung beider Zähne wurde in einer Sitzung vorgenommen und der Proband nahm nach 1 Woche, 3 Wochen, 3 Monaten, 6 Monaten und 12 Monaten an Recallsitzungen teil. In diesen Sitzungen wurden die Zähne klinisch mittels Messungen und photographisch dokumentiert. Es wurde die Rezessionstiefe und -breite, die Breite der keratinisierten Gingiva, das Attachmentniveau, die Sondierungstiefe und


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der alveoläre Knochenrand gemessen. Insgesamt nahmen an der Studie 22 Probanden im Alter zwischen 24-64 Jahren teil.

12 Monate nach der Therapie zeigten beide Behandlungsmethoden statistisch signifikante Ergebnisse in der Rezessionsdeckung und beim Attachmentniveau. Von einer mittleren initialen Rezessionstiefe von 4,5 mm in der Testgruppe und 4,4 mm in der Kontrolgruppe reduzierten sich die Rezessionstiefen in jeder Gruppe auf 1,5 mm. Diese Werte entsprechen eine mittlere Deckung von 71,7% in der Testgruppe und 73,6 % in der Kontrollgruppe. Der Gewinn an Attachment war 3,09 mm für die Testgruppe und 3,02 mm für die Kontrollguppe. Die Sondierungstiefen blieben stabil im Vergleich zu den präoperativen Werten und zeigten keine pathologischen Tiefen. Beide Behandlungsmethoden zeigten signifikanten Alveolarknochengewinn. Die Unterschiede zwischen den zwei Gruppen waren für keinen der klinischen Parameter signifikant. Man erkennt eine Tendenz zur Stabilisierung der verbleibenden Rezession in der Testgruppe zwischen 6 und 12 Monaten postoperativ. Diese muß allerdings mit weiteren Evaluationen in den nächsten Jahren bestätigt werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die koronale Verschiebeplastik kombiniert mit EMDOGAIN® nach 12 Monaten vergleichbare Ergebnisse in der chirurgischen Deckung der marginalen Gingivarezession wie die koronale Verschiebeplastik alleine zeigt. Ob EMDOGAIN® den Erfolg der Rezessionsdeckung nach 24 oder 36 Monaten positiv beeinflusst, erfordert weitere Kontrollen.


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Wed Oct 2 10:41:44 2002