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Die Wohlfahrtsleistung der Kommunen, öffentliche Grünflächen anzulegen und zu unterhalten, wird im bisherigen Umfang nicht mehr durchzuhalten sein. (Handrich et al., 1999) |
(...) die Zeiten, in denen sich die Städte verpflichtet fühlten, ihren Bürgern Grünanlagen bereitzustellen, gehören der Vergangenheit an – die städtischen Kassen sind leer. (Schröder, 2000) |
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Die Lebensstile haben sich geändert. Jeder von uns fliegt doch nach Mallorca oder Hawaii oder fährt zumindest ins Umland. Jeder geht ins Fitness-Center. Wer braucht da noch wohnungsnahe Grünflächen? (Senatsbaudirektor Hans Stimmann auf der 8. Sitzung des ‚Stadtforum von unten', zitiert nachdie tageszeitung, 1997) |
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Die Prognosen für die Zukunft des öffentlichen Grüns in den Städten – die Zitate zeigen es – sehen düster aus. Angesichts der Finanzlage der Kommunen könne man sich öffentliche Grünanlagen nicht bzw. nicht mehr im gleichen Umfang wie in der Vergangenheit leisten und aufgrund neuer Lebensstilorientierungen sei dies auch gar nicht mehr nötig. Öffentliches Grün sei nicht mehr zu finanzierender Luxus vergangener Zeiten bzw. substituierbar durch andere Freizeitaktivitäten. Die Bedeutung und Funktionen öffentlichen, d.h. prinzipiell allen StadtbewohnerInnen und StadtbesucherInnen zugänglichen Grüns kommt in einer solchen Argumentation nicht mehr vor. Stattdessen seien Neuorientierungen gefragt.
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Die Zukunft sieht sicher viel mehr Stadtparks in privater Trägerschaft. Fiktives Beispiel: ein kleiner Stadtteilpark, eingezäunt, Eigentümer eine Bank als Anlieger. (...) Bewohner (....) erwerben gegen eine Jahrespauschale eine Chipkarte und können mit dieser einen qualitativ hochwertig gestalteten und gepflegten Garten betreten. (Handrich et al., 1999) |
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Es ist ein wachsendes Interesse erkennbar, auf verschiedenen Verwaltungsebenen die Verantwortung bei der Einrichtung von Freiflächen immer mehr auf die Bürger zu übertragen. (Luz, 1987) |
Vor dem Hintergrund der zurückgegangenen finanziellen Mittel für die öffentliche Grünflächenpflege werden gegenwärtig in Wissenschaft und Praxis verschiedene Auswege diskutiert und praktiziert. Neben alternativen Bewirtschaftungsmethoden (wie z.B. Aufforstungen) gehe es vor allem darum, Wirtschaft und BürgerInnen stärker für die Erhaltung und Pflege von Grünanlagen in die Pflicht zu nehmen (Handrich et al., 1999). Möglichkeiten dazu bestünden u.a. in der Privatisierung von Parks oder in Form der Auslagerung der Pflege an private Firmen und Wohnungsbaugesellschaften (u.a.Krug-Gbur und Preisler-Holl, 2004), Sponsoring (u.a.Schröder, 2000), Eintrittspreise für öffentliche Parks sowie verstärktes bürgerschaftliches Engagement für das öffentliche Grün (u.a.EA.UE, 2000). Die Frage, der im Rahmen dieser Arbeit nachgegangen werden soll, lautet, welchen Beitrag das Engagement der BewohnerInnen im Umgang mit der Krise des öffentlichen Grüns tatsächlich leisten kann und welche Risiken dieses Konzept birgt.
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Es gibt bisher noch wenige Erkenntnisse darüber, wie und wo bürgerschaftliches Engagement im Grünflächenbereich entstehen kann, welche Personengruppen es leisten können und wollen und welche Rahmenbedingungen die Kommune für ein Funktionieren notwendigerweise beisteuern muss. Wie sich die Einbeziehung nicht-kommerzieller AkteurInnen in die Grünflächenbereitstellung in der Praxis gestalten kann und welche politischen Implikationen dies beinhaltet, ist folglich noch zu klären. Die Beantwortung dieser Fragen soll daher anhand einer empirischen Studie zu einer spezifischen Form solcherart Engagement erfolgen: den Gemeinschaftsgärten in Berlin. Ich wähle Gemeinschaftsgärten als Untersuchungsgegenstand, da es dabei im Gegensatz zu anderen Formen ehrenamtlichen Engagements wie z.B. Patenschaften für existierende Grünanlagen oder sporadische Freiwilligeneinsätze, um Neuschaffungen von öffentlichen Grünflächen nach den Vorstellungen der Engagierten selbst und um längerfristiges Engagement geht.
Gemeinschaftsgärten sind in der Bundesrepublik bisher nicht wissenschaftlich charakterisiert und umfassender erforscht. Aufgabe der vorliegenden Arbeit ist deshalb zunächst eine Klärung des Begriffs und des Gegenstands ‚Gemeinschaftsgärten’. In der vorliegenden Arbeit werden darunter Freiflächen verstanden, welche durch eine gärtnerische Nutzung, eine gemeinschaftliche Pflege der Flächen und die Orientierung auf eine allgemeine Öffentlichkeit gekennzeichnet sind. Gemeinschaftsgärten entstehen dabei – so die These dieser Arbeit – vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Wandels, der einerseits Freiräume für BewohnerInnen schafft, andererseits auch die Gefahr einer Abwälzung bislang staatlicher Aufgaben sowie eine ungleiche Versorgung mit öffentlichen Freiräumen befürchten lässt.
Wie aus der Schilderung der Problemlage ersichtlich, muss für die Erforschung von Gemeinschaftsgärten folgender Kontext berücksichtigt werden:
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Aus dem geringen Forschungsstand zu Gemeinschaftsgärten, den potenziellen Möglichkeiten wie Problemen ergibt sich die zentrale Frage:
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Welchen Beitrag können Gemeinschaftsgärten zur Lösung der Krise des öffentlichen Grüns leisten? |
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Dabei geht es sowohl um die konkreten grünplanerischen Chancen als auch potenzielle politische Risiken. Dazu gehört vor allem die Frage nach den Grenzen solcher Prozesse der Erstellung öffentlicher Freiräume durch „Bürgerarbeit“, d.h. durch unbezahlte, außerberufliche Freiwilligenarbeit der StadtbewohnerInnen. Von dieser zentralen Frage lassen sich vier Leitfragen ableiten:
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Die Beantwortung der Leitfrage 1 ist notwendig, um das stattfindende Engagement in den Gemeinschaftsgärten sowie die Forderung danach in seinem gesellschaftlichen Kontext beurteilen zu können. Sowohl der Rückgang der personellen und finanziellen Mittel für die Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen als auch der Rückgriff auf freiwilliges Engagement der BewohnerInnen werden hier als Ausdruck eines gewandelten Verständnisses von Staat und Planung vor dem Hintergrund ökonomisch-gesellschaftlicher Umbrüche seit den 1970ern kontextualisiert. Dies bildet die Grundlage, um die aktuellen Veränderungen nachvollziehen und beurteilen zu können. Für das Verständnis der Probleme im Grünflächensektor muss zunächst herausgearbeitet werden, welche Bedeutungen und Funktionen (öffentlichen) städtischen Freiflächen zugeschrieben wurden und werden und aus welchen Gründen dies zu einer kommunalen Aufgabe wurde. Der gesellschaftliche Wandel wird in der vorliegenden Arbeit in Anlehnung an VertreterInnen der Regulationsschule nachgezeichnet, da diese besonders gut ökonomische und gesellschaftliche Phasen und Umbrüche erfasst und viele sonst meist isoliert betrachtete Phänomene der derzeitigen wirtschaftlichen und Fiskalkrise in einen sinnvollen Zusammenhang theoretisch einbinden.
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Leitfrage 2 spiegelt den Charakter der Grundlagenforschung wider. Angesichts bislang ausstehender umfassender Studien hierzulande muss zunächst eine genaue Charakterisierung des Phänomens Gemeinschaftsgärten erarbeitet werden. Die folgenden offenen Fragen dienen daher der explorierenden Erfassung des (sozialen und räumlichen) Phänomens:
Nachgegangen wurde diesen (und den folgenden) Fragen vor allem mit der Methode der qualitativen problemzentrierten Interviews mit Projektbeteiligten, UnterstützerInnen und externen WissenschaftlerInnen, durch (teilnehmende) Beobachtung, Auswertung von Primärdokumenten (z.B. Projektdarstellungen, Broschüren) sowie mit Hilfe von Methoden der planerisch-geographischen Bestandsaufnahme (Kartierung, Auswertung von Gebietsstatistiken etc.)
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Zur Untersuchung der relevanten Ziele, Interessen und Motivationen (Leitfrage 3) wurden qualitative Interviews mit GemeinschaftsgärtnerInnen sowie relevanten AkteurInnen aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft geführt. Untersuchungen zufolge (u.a.Homann et al., 2002;Selle, 1993) ist die Bereitschaft der Verantwortungsübernahme für privat genutzte Freiflächen (z.B. MieterInnengärten) größer als für gemeinschaftlich nutzbare Flächen. Die Frage ist entsprechend, warum es dennoch Menschen gibt, die sich ehrenamtlich und freiwillig für gemeinschaftlich nutzbare Freiflächen im öffentlichen Raum einsetzen? Zudem ist zu fragen, welche konkreten Ziele die beteiligten Institutionen wie z.B. Bezirksämter oder Sanierungsbeauftragte mit solchen Projekten verbinden.
Die Analyse der Wirkungen (Leitfrage 4) von Gemeinschaftsgärten werden zunächst konkret aus den Interviews und den Beobachtungen abgeleitet: Welche Wirkungen werden von den interviewten AkteurInnen als bedeutsam herausgestellt? Welcher Nutzen und welche Probleme treten empirisch feststellbar auf? Welche Wirkungen nehmen nicht-beteiligte AnwohnerInnen wahr? Für die Schlussfolgerungen hinsichtlich der Potenziale und Risiken werden diese Aussagen und Beobachtungen um die Beantwortung der durch die Literaturauswertung aufgeworfenen Fragen zur Operationalisierung und Präzisierung der Frage nach Wirkungen von Gemeinschaftsgärten ergänzt. Aus der Aufarbeitung der empirischen Ergebnisse sowie relevanter Literatur werden schließlich konkrete, praktische Hinweise für die Gründung und den Betrieb eines Gemeinschaftsgartens für die verschiedenen Zielgruppen sowie allgemeine Handlungsempfehlungen entwickelt.
Es handelt sich bei der vorliegenden Arbeit um eine stadtgeographische Arbeit mit dem Ziel der Beschreibung, Benennung, Definition und Analyse eines räumlichen Phänomens auf der Mikroebene und der Herstellung von Bezügen zu aktuellen Tendenzen der Stadtentwicklung „vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Wandels“ (Brunotte et al., 2001/2002). Aufgrund der komplexen und interdisziplinären Fragestellung und da es eine stadtgeographische Methode im engen Sinne nicht gibt (vgl.Brunotte et al., 2001/2002), bediene ich mich methodischer und theoretischer Ansätze aus den Disziplinen Geographie, Stadtplanung, Politikwissenschaft und Soziologie.
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Ziel der vorliegenden Arbeit ist es,
Die Analyse der Entstehung, Funktionsweise und Wirkungen soll auf theoretischer Ebene zum Verständnis derzeitiger Stadtentwicklungstendenzen und der Bedingungen und Grenzen freiwilligen Engagements bei der Erstellung kollektiver Güter und Dienstleistungen beitragen.
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Die folgende Graphik (Abb. 1) zeigt überblicksartig den Aufbau der Arbeit. Teil I beinhaltet die grundlegende Einführung in Methoden, Kontext und Problemlage. Teil II umfasst die Darstellung der Ergebnisse der empirischen Erhebung, d.h. die Vorstellung der Berliner Situation und der gewählten neun Gemeinschaftsgartenprojekte. Die tiefergehende Analyse und Diskussion sowie Schlussfolgerungen hinsichtlich der Motivation, Potenziale, Risiken sowie Handlungsempfehlungen finden sich in Teil III. Die Arbeit schließt mit der zusammenfassenden Beantwortung der Leitfragen sowie einem theoretischen Ausblick. Im Anhang befinden sich neben methodischen Nachweisen auch inhaltliche Ergänzungen des Hauptteils.
| Abb. 1: Aufbau der Arbeit | ||
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| DiML DTD Version 4.0 | Zertifizierter Dokumentenserver der Humboldt-Universität zu Berlin | HTML-Version erstellt am: 22.11.2006 |