5. Ergebnisse

In der vorliegenden retrospektiven Studie wurden die nach NASCET Kriterien bestimmten Stenosegrade der extrakraniellen Abschnitte der Arteria carotis in der Magnetresonanzangiographie (MRA) mit den gemessenen Stenosegraden in der digitalen Subtraktionsangiographie (DSA) (Goldstandard) verglichen. Um die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse des Untersuchers und die Zuverläs-sigkeit der Methoden zu überprüfen, wurde eine Reliabilitätsanalyse durch-geführt. Die Stenosegrade der Gefäße sind neben den NASCET Kriterien auch nach den ECST Kriterien beurteilt worden. Ein Vergleich dieser beiden Metho-den erfolgt im Anschluss.

Von den ursprünglich 101 durch das radiologische Informationssystem MEDOS rekrutierten Patienten (202 Gefäße) wurden 84 Patienten (163 Gefäße), welche die Einschlusskriterien erfüllten, in die Auswertung einbezogen. In 10 Fällen war die Qualität der MRA Aufnahmen durch Artefakte stark beeinträchtigt. Die Artefakte wurden durch Bewegungen des Patienten oder störende Gegen-stände verursacht. In der DSA-Technik war die Möglichkeit der exakten Stenoseausmessung in einem Fall ebenfalls nicht gegeben. Bei einem Pati-enten wurde bei der DSA lediglich eine Seite dargestellt. In einem Fall zeigten MRA und DSA eine Dissektion der Arteria carotis. Insgesamt wurden 163 Gefäße in die Auswertung einbezogen.

Das Gesamtkollektiv wurde nach dem Schweregrad der Gefäßveränderung in Prozent, gemäß NASCET in folgende Gruppen aufgeteilt:

Gruppe 1 -

0 - 29 %

-Geringgradige Stenose

Gruppe 2 -

30 - 69 %

-Mittelgradige Stenose

Gruppe 3 -

70 - 99 %

-Schwergradige Stenose

Gruppe 4 -

100%

-Verschluss des Gefäßes


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Die Arteria carotis interna war bei 161 der beurteilten Gefäße stenosiert (Abb.20, 21). Die Arteria carotis communis war bei 2 der beurteilten Gefäße stenosiert.

Abb. 20: DSA der A. carotis communis (ACC), der -interna (ACI)und –externa (ACE) links, Stenose in der ACI

Abb. 21: MRA der A. carotis communis (ACC), -interna (ACI) und -externa (ACE) und A.vertebralis (AV) links, Stenose in der ACI

5.1. Ergebnisse der Messung des Stenosegrades nach NASCET in der DSA

Bei der DSA wurden nach Messung der Stenosen gemäß NASCET Kriterien die Stenosen von 66 Gefäßen der Gruppe 1 zugeordnet, d. h. geringgradige Stenose. Der zweiten Gruppe, mittelgradige Stenosen, wurden von der DSA die Stenosen von 60 Gefäßen zugeordnet. Der dritten Gruppe, schwergradige Stenosen, wurden von der DSA die Stenosen von 21 Gefäßen zugeordnet.

Ein Gefäßverschluss wurde bei 16 Gefäßen gesehen.


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5.2.  Ergebnisse der Messung des Stenosegrades nach NASCET in der MRA

In der MRA wurden nach Messung der Stenosen nach NASCET Kriterien die Stenosen von 61 Gefäßen der Gruppe 1, d.h. geringgradige Stenose, zugeordnet. In die zweite Gruppe, mittelgradige Stenosen, wurden bei der MRA die Stenosen von 36 Gefäßen eingeordnet. In die Gruppe der schweren Stenosen fielen in der MRA die Stenosen von 50 Gefäßen.

Ein Gefäßverschluss wurde bei 16 Gefäßen gesehen.

5.3. Vergleich der Ergebnisse der Messungen des Stenosegrades nach NASCET von DSA und MRA

Die Stenosen von 60 Gefäßen zeigten in beiden Methoden unauffällige Gefäßverhältnisse ohne hämodynamisch relevante Stenosen. Sie wurden der Gruppe 1 zugeordnet. Sechs in der DSA als geringgradige Stenosen ein-geschätzte Einengungen wurden in der MRA als mittelgradige Stenosen (Gruppe 2) gemessen. Bei einem Gefäß wurde in der DSA eine Stenose gemessen, die 30%<= <70% (Gruppe 2) eingeschätzt wurde. In der MRA wurde dagegen keine Einengung gesehen. Im Bereich der mittelgradigen Stenosen sind 29 Gefäße von DSA und MRA der gleichen Gruppe zugeordnet worden. Die Stenosen von 30 Gefäßen wurden von der MRA überschätzt, d.h. die gemessenen Werte fielen in die Gruppe der schwergradigen Stenosen. Der dritten Gruppe wurden nach beiden Methoden 20 Gefäße zugeordnet. Die Stenose von einem Gefäß wurde von der DSA unterschätzt. Alle 16 in der DSA verschlossenen Gefäße wurden auch von der MRA erkannt (siehe Tabelle 7). Die fett und kursiv gedruckten Zahlen und Prozentwerte in der Diagonale entsprechen den Werten, die in der DSA und in der MRA den gleichen Gruppen zugeordnet wurden.

Insgesamt zeigt sich eine starke Korrelation zwischen den gemessenen Stenosegraden gemäß der NASCET Kriterien in der DSA und MRA. In 38 von 163 Fällen wurde der Stenosegrad in der MRA gegenüber der DSA (Gold-standard) überschätzt. In 2 von 163 Fällen wurde der Stenosegrad in der MRA gegenüber der DSA unterschätzt. Anhand der Abbildung 22 werden diese


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Ergebnisse unterstrichen. Im Bereich der mittelgradigen Stenosen in der DSA ist eine Abweichung der Werte der MRA erkennbar.

Tabelle 7: Vergleich der bestimmten Gruppen zugeordneten Stenosewerte, der DSA mit denen der MRA, gemäß NASCET-Kriterien

Methode

MRA

Gesamt

Gruppe

1

2

3

4

DSA

1

Anzahl

60

6

  

66

% der Gesamtzahl

36.8%

3.7%

  

40.5%

2

Anzahl

1

29

30

 

60

% der Gesamtzahl

0.6%

17.8%

18.4%

 

36.8%

3

Anzahl

 

1

20

 

21

% der Gesamtzahl

 

0.6%

12.3%

 

12.9%

4

Anzahl

   

16

16

% der Gesamtzahl

   

9.8%

9.8%

Gesamt

Anzahl

61

36

50

16

163

% der Gesamtzahl

37.4%

22.1%

30.7%

9.8%

100.0%

Bei den zusätzlich erhobenen Befunden sahen wir bei 10 Probanden in der MRA eine hypoplastische Arteria vertebralis, bei zwei Aufnahmen eine Elon-gation der A. vertebralis. In der DSA wurde bei vier Arteriae carotis internae eine Schleifenbildung in DSA und MRA gesehen.


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Abb. 22: Korrelation der Stenosewerte von DSA (Ordinate) und MRA (Abszisse). Dargestellt sind Wertepaare der ermittelten Stenosegrade in % der DSA und MRA gemäß NASCET

Um eine konkrete Aussage über den Grad der Korrelation zwischen den Stenosegraden, die auf den Aufnahmen der DSA und denen der MRA gemessen wurden, machen zu können, wurde der Kappa-Koeffizient, der gewichtete Kappa-Koeffizient und der Intraklassenkorrelationskoeffizient be-rechnet.

Der Kappa Test ergab den Wert: κ = 0,68

Ein Kappa Wert von κ = 0,68 bedeutet, dass zwischen den verglichenen Werten der DSA und MRA eine starke Korrelation vorliegt.

Kappa

Übereinstimmung

< 0.10

Keine

0,10 – 0,40

Schwache

0,41 – 0,60

Deutliche

0,61 – 0,80

Starke

0,81 – 1,00

fast vollständige


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Der gewichtete Kappa-Test ergab: κ w = 0,88

Das Ergebnis des gewichteten Kappa-Tests mit κw = 0,88 ergibt eine fast vollständige Korrelation zwischen den verglichenen Werten der DSA und der MRA.

Der Intraklassenkorrelationskoeffizient ergab: I k = 0,83

Dieses Ergebnis bedeutet eine gute Korrelation der Einzelwerte in Prozent von DSA und MRA.

Zur Verdeutlichung der oben getroffenen Aussagen bezüglich Korrelation von DSA- und MRA-Werten, wurden die Ergebnisse graphisch in Diagrammform dargestellt. Die Kreisdiagramme zeigen, inwieweit die Werte unterschiedlichen Gruppen zugeordnet wurden und somit übereinstimmen oder nicht überein-stimmen (Abb. 23, 25, 27, 29). Der Grad der Übereinstimmung wurde wie folgt festgelegt:

 

völlige Übereinstimmung

Werte wurden der gleichen Gruppe zugeordnet

 

gute Übereinstimmung

Werte weichen nicht mehr als eine Gruppe voneinander ab

 

mäßige Übereinstimmung

Werte weichen nicht mehr als 2 Guppen voneinander ab

In die Berechnung sind 163 Gefäße eingegangen, davon wurden 76,7% (125 Gefäße) von DSA und MRA der gleichen Gruppe zugeordnet, 23,3% der Fälle (38 Stenosen) sind verschiedenen Gruppen zugeteilt worden.


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Abb. 23: Korrelation der Stenosewerte der DSA im Vergleich zu denen der MRA gemäß NASCET

In den Säulendiagrammen wird veranschaulicht, inwieweit die Werte von der MRA im Vergleich zur DSA unter-, überschätzt wurden bzw. übereinstimmen (Abb. 24, 26, 28, 30, 33, 34, 37, ).

Abb. 24: Vergleichende Übersicht von DSA und zugehörigem MRA-Wert von Stenosen der ACI nach NASCET

Dargestellt sind die übereinstimmenden und fehlklassifizierten Stenosen

der MRA gegenüber der DSA, wobei die MRA die Stenosen gegenüber der DSA unterschätzt hat (A), d.h. DSA – Wert > MRA - Wert, gleich geschätzt hat (B), d.h. DSA – Wert = MRA – Wert und überschätzt hat (C), d.h. DSA – Wert < MRA - Wert

Überschätzt bedeutet, dass in der DSA ein kleinerer Wert gemessen wurde als in der MRA. Der von der MRA gemessene Wert fiel in eine andere Gruppe. [Seite 42↓]Unterschätzt bedeutet, dass in der DSA ein größerer Wert gemessen wurde als in der MRA. Dieser fiel in eine andere Gruppe. Übereinstimmend bedeutet, dass die von beiden Methoden gemessenen Werte der gleichen Gruppe zu-geordnet wurden. Übereingestimmt haben im Gesamtkollektiv die Werte von 125 Gefäßen (76,7%) im Vergleich von DSA und MRA. Die Werte von 37 Gefäßen (22,1%) sind von der MRA im Vergleich zur DSA überschätzt worden. In einem Fall sind die Werte von der MRA unterschätzt worden.

5.4. Teilkollektive

Um zu sehen, in welcher Gruppe die höchste Anzahl an Fehlklassifizierungen zu finden ist, haben wir die Teilkollektive gesondert untersucht, denn nicht jede Abweichung der Werte ist gleich schwer. In Gruppen mit höheren Stenose-graden ergeben sich möglicherweise bei Abweichung der Werte andere thera-peutische Konsequenzen.

Aufgrund der kleinen Fallzahlen wurde bei der Betrachtung der Teilkollektive auf eine Korrelationsanalyse verzichtet und die Darstellung in Diagrammen ge-wählt.

5.4.1.  Gruppe der geringgradigen Stenosen (Gruppe 1; 0%<= DSA – Wert < 30%)

Insgesamt wurden nach NASCET Kriterien 66 Gefäße von der DSA der Gruppe 1 zugeordnet. Von der MRA wurden 60 Gefäße in die gleiche Gruppe eingeor-dnet. Dies ergab eine fast völlige Übereinstimmung von 90,9%. Sechs Steno-sen wurden fehlklassifiziert, d.h. sie wurden von der MRA verglichen mit der DSA einer anderen Gruppe zugeordnet. Es zeigte sich, dass alle 6 fehl-klassifizierten Stenosen von der MRA überschätzt wurden. Bei diesen 6 Steno-sen wurden in der MRA Stenosewerte >=30% bis <70% gemessen, so dass sie in die zweite Gruppe fielen. Dies ergab bei 9,1 % eine gute Übereinstimmung (Abb. 25).


[Seite 43↓]

Abb. 25: Korrelation der Werte von DSA und MRA nach NASCET Kriterien in der Gruppe 1

In der Gruppe 1, d.h. im Bereich der geringgradigen Stenosen, sieht man keine gravierenden Unterschiede zwischen den in der DSA (Goldstandard) und den in der MRA gemessenen Stenosewerte.

Es kam bei lediglich 6 von 66 Fällen zu einer Fehleinschätzung in der MRA, wobei alle 6 Fälle von der MRA überschätzt wurden (Abb. 26).

Abb. 26: Vergleichende Übersicht von DSA und zugehörigem MRA-Wert von Stenosen der ACI nach NASCET in der Gruppe 1 ( 0,0% <= DSA-Wert < 30%), Dargestellt sind die übereinstimmenden und fehl
-klassifizierten Stenosen der MRA gegenüber der DSA, wobei die MRA die Stenosen gegenüber der DSA unterschätzt hat (A), d.h. DSA – Wert > MRA - Wert, gleich geschätzt hat (B), d.h. DSA – Wert = MRA – Wert,
überschätzt hat (C), d.h. DSA – Wert < MRA - Wert


[Seite 44↓]

5.4.2.  Gruppe der mittelgradigen Stenosen (Gruppe 2; 30% <= DSA – Wert < 70%)

In diese Gruppe fielen nach Beurteilung der DSA die Stenosen von 60 Ge-fäßen.

Abb. 27: Korrelation zwischen DSA Werten und MRA Werten in der Gruppe 2 gemäß NASCET.

Abb. 28: Vergleichende Übersicht von DSA und zugehörigem MRA-Wert von Stenosen der ACI nach NASCET in der Gruppe 2 ( 30,0% <= DSA-Wert < 70%,)

Dargestellt sind die übereinstimmenden und fehl-klassifizierten Stenosen der MRA gegenüber der DSA, wobei die MRA die Stenosen gegenüber der DSA unterschätzt hat (A), d.h. DSA – Wert > MRA - Wert, gleich geschätzt hat (B), d.h. DSA – Wert = MRA – Wert,
überschätzt hat (C), d.h. DSA – Wert < MRA - Wert


[Seite 45↓]

Von den 60 in der DSA der Gruppe 2 zugeordneten Stenosen wurden nur 29 (48,3%) von der MRA der gleichen Gruppe zugeordnet. Mehr als die Hälfte wurden fehlklassifiziert, über- oder unterschätzt. Die Stenosen von 30 Gefäßen wurden von der MRA überschätzt. In einem Fall hat die MRA den Stenosegrad im Vergleich zur DSA unterschätzt. ( Abb. 27, Abb. 28).

In der Gruppe der mittelgradigen Stenosen sieht man deutlich die Tendenz der MRA, die Stenosegrade im Vergleich zur DSA zu überschätzen.

5.4.3. Gruppe der hochgradigen Stenosen (Gruppe 3; 70%<= DSA Wert < 100%)

In diese Gruppe wurden von der DSA 21 Gefäße eingeordnet. Davon sind 20 Stenosen von der MRA der gleichen Gruppe zugeordnet worden. Es gab nur eine Fehlklassifikation der MRA im Vergleich zur DSA (Abb.29, 30).

Abb. 29: Korrelation zwischen DSA und MRA in der Gruppe 3 gemäß NASCET


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Abb. 30: Vergleichende Übersicht von DSA und zugehörigem MRA-Wert von Stenosen der ACI nach NASCET in der Gruppe 3 ( 70,0% <= DSA-Wert < 100%)

Dargestellt sind die übereinstimmenden und fehlklassifizierten Stenosen
der MRA gegenüber der DSA, wobei die MRA die Stenosen gegenüber der DSA unterschätzt hat (A), d.h. DSA – Wert > MRA - Wert,
gleich geschätzt hat (B), d.h. DSA – Wert = MRA – Wert,
überschätzt hat (C), d.h. DSA – Wert < MRA - Wert

In der Gruppe 3 der schwergradigen Stenosen zeigt sich eine sehr gute Übereinstimmung der in der MRA gemessenen Stenosewerte im Vergleich zur DSA.

5.4.3.1. Die filiforme Stenose

Nun ist die Gruppe von 70% - <=100% eine sehr weit gefasste Gruppe. Je höhergradiger die Stenosen werden, desto schwieriger wird eine exakte Mes-sung. Ab einem bestimmten Restlumen, bei dem nur noch eine feine Linie als Lumen sichtbar ist, verwendet man den Begriff der filiformen Stenose (Abb. 31, 32).


[Seite 47↓]

Da bei filiformen Stenosen aufgrund der erwähnten messtechnischen Schwie-rigkeiten kein exakter Prozentwert angegeben werden kann, haben wir den Vor-schlag von Johnson et al (2000) erweitert und nehmen an, dass die Prozent-werte bei >95% - <100% liegen würden. Johnson et al. haben einem kurzstreckigen Signalverlust bei MRA Aufnahmen mit anschließend wieder sichtbarem Lumen Stenosewerte > 95% zugeordnet.

Abb. 31: DSA der ACC, ACI,

Abb. 32: MRA der ACC, ACI, ACE, AV, filiforme Stenose der ACI in der MRA nach NASCET

Von der DSA wurden die Stenosen von 7 Gefäßen als filiform eingeschätzt. Ebenfalls als filiform eingeschätzt wurden von der MRA 4 Stenosen. Die Stenosen von 6 Gefäßen zeigten eine Flussunterbrechung im Bereich der Stenose (Abb. 33).


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Abb. 33: Vergleichende Übersicht von DSA und zugehörigem MRA-Wert von Stenosen der ACI nach NASCET bei filiformer Stenose in der DSA , bei denen die MRA die Stenosen ebenfalls als > 95% bzw. filiform oder als Flussunterbrechung eingeschätzt hat

In der folgenden Abbildung (34) wird eine umgekehrte Version betrachtet. Hier wird analysiert, wie sich im Bereich der schweren Stenosen die Ergebnisse der DSA im Vergleich zur MRA darstellen. Besonderes Augenmerk wird hierbei den in der MRA als filiform eingeschätzten Stenosen geschenkt, bei denen man zwar von einer hochgradigen Einengung des Gefäßes ausgehen kann, jedoch kein exakter Stenosewert angegeben werden kann.

In 28 Fällen wurde in der MRA eine Stenose als filiform eingeschätzt. Die Ergebnisse der DSA zeigten in nur 4 Fällen ebenfalls eine filiforme Stenose. In die Gruppe der schweren Stenosen wurden von der DSA die Stenosen von 4 Gefäßen eingeordnet. Die Stenosen von 20 Gefäßen wurden der Gruppe der mittelgradigen Stenosen zugeordnet (Abb. 34).


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Abb. 34: Vergleichende Übersicht von DSA und zugehörigem MRA-Wert von Stenosen der ACI nach NASCET bei filiformer Stenose in der MRA, wobei die DSA Stenosegrade von >=30% <70% geschätzt hat, >= 70% <95% und >95% bzw. filiform

Bei der Betrachtung der höhergradigen Stenosen der MRA im Vergleich zur DSA wird sehr deutlich, wie stark die MRA in diesen Bereichen die Stenosegrade überschätzt, vor allem aber, wie ungenau man den exakten Grad der Stenose angeben kann, aufgrund der oft als filiform angegebenen Stenose und der Flussunterbrechung in der MRA.

5.4.3.2.  Die Flussunterbrechung in der MRA

Ein weiteres Problem in der Einschätzung des Stenosegrades in der MRA war die Flussunterbrechung in und um den Bereich der Stenose. Proximal der Stenose war der Fluss sichtbar, in Höhe der Stenose war das Flusssignal unterbrochen. Distal war das Signal wieder erkennbar und somit das Gefäß wieder darstellbar (Abb. 35, 36). Hier sind wir dem Vorschlag von Johnson et al (2000) gefolgt und haben diesem Signalverlust eine Lumeneinengung von größer 95% und kleiner 100% zugeordnet.


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Abb. 35: DSA der ACI, ACE, mittelgradige Stenose in der ACI in der DSA gemäß NASCET

Abb.36 : MRA der ACC, ACI, ACE, AV, Flussunterbrechung in der ACI bei Stenose in der MRA gemäß NASCET

In 22 Fällen wurde in der MRA eine Flussunterbrechung bei den stenosierten Gefäßen gesehen. In der DSA stellten sie sich im Vergleich zur MRA 3 (13,6%) Stenosen als filiform dar. Die Stenosen von 9 Gefäßen (40,9%) wurden der Gruppe der schweren Stenosen (Gruppe 3) zugeordnet. In 10 Fällen (45,5%) wurden in der DSA Stenosegrade von 30%<= DSA Wert <70% (Gruppe 2) gemessen (Abb. 37). Diese Diskrepanzen zwischen den Flussunterbrechungen in der MRA und den Werten der DSA sind erheblich.


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Abb. 37: Vergleichende Übersicht von DSA und zugehörigem MRA-Wert von Stenosen der ACI nach NASCET bei Flussunterbechung in der MRA, wobei in der DSA die Stenosen gegenüber der MRA zum grossen Teil geringer geschätzt hat

Der Versuch, eine Art „cut-off-point“ für die Flussunterbrechungen in der MRA festzulegen, ist leider nicht gelungen. Damit ist gemeint, dass danach gesucht wurde, ob den Gefäßen, die in der MRA eine Flussunterbrechung zeigen, ein bestimmter Mindestwert der Stenosegrade der DSA-Aufnahmen zugeordnet werden kann. So hätte man zum Beispiel sagen können, dass, wenn in der MRA eine Flussunterbrechung zu sehen ist, man davon ausgehen kann, dass diese in der DSA größer einem bestimmten Stenosewert entspricht. Doch bei dem Vergleich der Werte der Flussunterbrechung in der MRA mit den Werten der DSA fand sich eine sehr breite Streuung, die von filiformen Stenosen in der DSA bis zu mittelgradigen Stenosen um 50% reichte.

Von den 22 Flussunterbrechungen erwiesen sich nur 12 (55%) in der DSA als größer gleich 70%, 16 (72,73%) wurden als >= 60% eingeschätzt. 7 Einen-gungen lagen sogar unter 60%. Dieses Problem hat therapeutische Auswir-kungen, da die operative Intervention nur bei Einengungen größer 70% einen Vorteil brachte.

Die Aufnahmen mit Flussunterbrechung konnten bei 16 Gefäßen in 2 Ebenen dargestellt werden, sechsmal ließ sich nur eine Ebene beurteilen. In 5 Fällen zeigten sich Unterschiede zwischen den Ebenen. Viermal zeigte sich eine


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filiforme Einengung in der einen Ebene und in der anderen die Fluss-unterbrechung. Einmal war die Stenose in der DSA > 60% und eine Flussunterbrechung in der MRA.

Die Länge der Flussunterbrechung variierte von 0,02 cm bis 1,5 cm.

Die größten Differenzen ergeben sich für die Gruppe >=30% bis <70%, in der mehr als die Hälfte der Einengungen fehlklassifiziert wurden. Zu 50 % wurden sie von der MRA einer höheren Gruppe zugeordnet. Nach Empfehlung der NASCET würde für diese Patienten eine operative Therapie empfohlen werden.

Als problematisch stellt sich auch die Beurteilung der MRA Werte dar, wenn sie eine Flussunterbrechung zeigen, da kein zugehöriger Mindestwert in der DSA ermittelt werden konnte.

5.5. Reliabilitätsanalyse

Bei der Reliabilitätsanalyse wurde bei 30 Gefäßen in der DSA und MRA eine zweite Messung nach der NASCET-Methode vorgenommen, um die Genau-igkeit und Nachvollziehbarkeit der Methode zu überprüfen. Die zweite Beurteilung der Gefässe erfolgte durch denselben Untersucher zu einem anderen Zeitpunkt.

Wir haben den Vergleich der Ergebnisse der ersten Messung der Stenosen der DSA mit den Ergebnissen der zweiten Messung vorgenommen. Das Gleiche erfolgte mit den Ergebnissen der beiden Messungen der Stenosen der Gefäße der MRA-Aufnahmen. Zusätzlich sind auch die beiden Messungen der Stenosen der DSA und MRA miteinander verglichen worden.

5.5.1.  Reliabilitätsanalyse der DSA

Bei dem Vergleich der beiden Messungen in der DSA ergab der Intraklassenkorrelationskoeffizient einen Wert von Ik = 0,98. Dieser Wert spricht für eine hohe Korrelation der Messwerte. Betrachtet man das zugehörige Streudiagramm, kann man Wertepaare sehen, die nahe der Winkel-halbierenden liegen. Dies bedeutet, dass die Wertepaare sehr gut überein


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stimmen (Abb. 38).

Abb. 38: Korrelation der Wertepaare der Messungen 1 (DSA1N) und 2 (DSA 2N) der Stenosen der ACI von 30 Gefäßen in der DSA nach der NASCET-Methode durch den gleichen Untersucher zu zwei verschiedenen Untersuchungszeitpunkten.

5.5.2. Reliabilitätsanalyse der MRA

Bei dem Vergleich der beiden Messungen der MRA bietet sich ein ähnliches Bild wie beim Vergleich der Messungen der DSA. Der Wert des Intraklassen-korrelationskoeffizienten beträgt hier Ik = 0,98, womit eine sehr hohe Korrelation gegeben ist. Dies ist auch gut bei der Betrachtung des zugehörigen Streudiagramms zu sehen. Die Wertepaare sind nahe der Winkelhalbierenden aufgetragen (Abb. 39).


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Abb. 39: Korrelation der Wertepaare der Messungen 1 (MRA1N) und 2 (MRA 2N) der Stenosen der ACI von 30 Gefäßen in der MRA nach der NASCET Methode durch den gleichen Untersucher zu zwei verschiedenen Untersuchungszeitpunkten.

Die Wertepaare liegen nahe der Winkelhalbierenden, was für eine hohe Korrelation der ermittelten Werte der beiden Messungen spricht.

5.5.3. Reliabiltätsanalyse von MRA und DSA

Man erkennt eine gute Übereinstimmung im Bereich der mittelgradigen Stenosen und eine Überschätzung der Stenosegrade in der MRA im Bereich der höhergradigen Stenosen (Abb. 40).


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Abb. 40: Korrelation der Wertepaare der zweiten Messung (MRA2N) und (DSA 2N) der Stenosen der ACI von 30 Gefäßen in der MRA und DSA nach der NASCET Methode durch den gleichen Untersucher

Bei dem Vergleich der zweiten Messungen von 30 Gefäßen nach der NASCET Methode der DSA und MRA erkennt man ein ähnlich gutes Ergebnis, wie es schon das Streudiagramm des gesamten Kollektives erkennen ließ.

Die Berechnung des Intraklassenkorrelationkoeffizienten ergab Ik = 0,84.

Im Bereich der mittelgradigen Stenosen besteht eine gute Übereinstimmung zwischen den Messwertpaaren der DSA und MRA. In den Bereichen der höhergradigen Stenosen zeigt sich abermals die Überschätzung der Stenose-grade durch die MRA im Vergleich zur DSA. Die Vergleiche der Doppel-beurteilungen brachten eine sehr gute Übereinstimmung.

5.6. Vergleich von NASCET und ECST

Die nordamerikanische und die europäische Studie zur Diagnostik und Behandlung von symptomatischen Carotisstenosen sind die beiden größten Studien. Wir haben die ECST Methode mit der Methode nach NASCET


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verglichen. Die Ergebnisse nach der Messung der Stenosen sind nahezu identisch. Die einfache Korrelationsanlyse ergab einen Wert von 0,99. Auch anhand des Streudiagramms ist dieses Ergebnis gut nachvollziehbar. Die Wertepaare liegen nahezu auf der Winkelhalbierenden. Es ist nur eine geringe Streuung der Werte erkennbar (Abb. 41).

Abb. 41: Korrelation der Messungen der Stenosewerte in der DSA nach der ECST Methode (DSA1E) im Vergleich zur NASCET Methode (DSA1N), dargestellt anhand eines Streudiagramms.

Es ist eine sehr große Übereinstimmung zwischen den einzelnen Messwerten zu sehen. Um die Winkelhalbierende besteht nur eine geringe Streuung


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19.04.2005