Sarnowski, Daniella: Entwicklung eines Virtuellen Fachbibliotheksportals im Internet für die Film-, Fernseh- und Medienwissenschaft (Virtual Library Film and Media Studies) mithilfe der Erhebung und Bedarfsanalyse spezifischer Informationsanforderungen

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Kapitel 1. Einleitung und Problemstellung

1.1 Einleitung

Ausgehend von Definitionen des Begriffs „Portal“ diskutiert die vorliegende Arbeit den Nutzen bibliothekarischer Fachportale im Internet. Zudem werden die Ziele und Besonderheiten eines filmwissenschaftlichen Portals erläutert.

Die Film- und Fernsehwissenschaft ist eine vergleichsweise junge Fachdisziplin. In Deutschland bestehen zwar etliche Filmbibliotheken und universitäre Fachbereiche, die sich mit Film und Medien beschäftigen. Diese auf verschiedene Orte verteilten Informationsressourcen könnten jedoch in ihrer Wissensorganisation für die Kunden transparenter und zugänglicher sein, wenn die vielfältigen Informationen mittels Internet miteinander verknüpft wären. Die Suche nach Wissen kostet den Kunden viel Zeit. Inwieweit können Wissensportale diese Recherchezeit verkürzen? Die institutionellen Ressourcen umfassen neben den Bibliotheken auch Netzwerke der Mediatheken und Filmarchive. Diese Institutionen bieten umfangreiche Mediensammlungen an. Doch wenn sie zusätzlich miteinander vernetzte Wissensgemeinschaften (Knowledge Communities) bilden, die einen besseren Informationsfluss und einen überregionalen Austausch an Fachwissen bieten, könnten so Synergieeffekte genutzt werden.

Auf der Basis einer Analyse der bereits vorhandenen virtuellen Fachbibliotheken untersucht diese Arbeit die allgemeinen Kriterien der Informationsbereitstellung und die Übertragung ihrer Methoden auf die Film- und Fernsehwissenschaft. Die methodische Vorgehensweise war hierbei so, dass diese Punkte zuerst, d.h. noch vor Durchführung der für den Kapitel 3 geplanten Experteninterviews, geklärt wurden. Damit sollte sichergestellt werden, dass sich die den Experten gestellten Fragen an den Erkenntnissen über die unterschiedlichen Portalmöglichkeiten orientierten.

Um die Komplexität der informatorischen Ansprüche von Dozenten bzw. Wissenschaftlern an ein Filmportal herauszuarbeiten, ist eine Kombination aus unterschiedlichen Methoden erforderlich. Jede Methode hat Stärken


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und Schwächen und beweist sich vor allem im Zusammenspiel mit anderen. Entsprechend wird ein sogenannter „Methoden-Mix“ aus verschiedenen Ansätzen der Sozialforschung verwendet, um die Bedürfnisse und Erwartungen der potenziellen Nutzer zu untersuchen. Die Instrumente der qualitativen Bedarfsanalyse sind im bibliothekarischen Bereich noch nicht weit verbreitet; die vorliegende Arbeit soll deshalb auch neue methodische Erkenntnisse liefern. Außerdem wird das medienwissenschaftliche Umfeld in seinen akademischen Forschungsschwerpunkten beispielhaft dargestellt.

Mit welchen Inhalten sich Film-, Fernseh- und Medienwissenschaft beschäftigen, wird im Abschnitt 3.1 untersucht. Eine Marktanalyse der filmwissenschaftlichen Informationslandschaft erleichtert hier die Einordnung der zu entwickelnden virtuellen Filmbibliotheksseite.

Ein weiterer Blick gilt der Abgrenzung von wissenschaftlichen und populären Filminformationsgehalten.

Zudem werden Besonderheiten und Inhalte des Faches wie die Suche nach Filmtiteln und speziellen Datenbanken oder die Mehrsprachigkeit herausgearbeitet.

Die Untersuchungsindikatoren umfassen dabei nicht die fachspezifischen Inhalte, sondern lediglich die Angebotsstruktur der einzelnen Portale. Daraus sollen dann Portalsegmente entwickelt werden, die den fachspezifischen Anforderungen eines Filmportals genügen und bei den anderen Fächern in Ansätzen schon angewandt wurden.

Kapitel 3.2 ergründet die Ansprüche an ein filmwissenschaftliches Portal anhand von Experteninterviews. Die Fragen, was eigentlich genau mit bedarfs- oder nutzergerecht gemeint ist, wo der konkrete Informationsbedarf liegt und welcher Nutzer mit einem Fachportal angesprochen werden soll, stehen im Mittelpunkt. Neben Qualität und nachträglicher Erfolgsmessung entscheidet ein bedarfsgerechtes Angebot über den Erfolg eines Angebotes. Ein Interviewleitfaden sollte dazu dienen die einzelnen informations-wissenschaftlichen Bedürfnisse angemessen abzuschätzen. Diese Methode wird in der Bibliothekswissenschaft bisher nur ansatzweise eingesetzt, und wenn, dann nur nach Einführung einer Dienstleistung. Ziel der


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Befragung war es, die Informationsanforderungen einer Nutzerzielgruppe zu bestimmen, um schließlich einen Portaldienst effizient gestalten zu können.

Die Interviews wurden mit Wissenschaftlern der Hochschule für Film und Fernsehen, Potsdam, und der Hochschule für Fernsehen und Film, München, geführt. Diese beiden Hochschulen wurden deshalb ausgewählt, weil sie sich sowohl institutionell als auch hinsichtlich ihrer Anwendung filmwissenschaftlicher Lehre ähnlich sind - und dies trotz des regionalen Unterschieds. Die individuellen Interessen von Dozenten werden durch die Befragungen unterschiedlicher Filmhochschulen und Fachbereiche relativiert, und das jeweilige Fach erhält ein objektiviertes Bedarfsprofil.

Die spezifische Zielgruppenbestimmung der Lehrenden ist in dieser Arbeit zentral. Wie und ob daneben auch Studierende, Wissenschaftler, Journalisten und Fernsehmacher das geplante Portal benutzen, wird aufgezeichnet, ebenso eine benötigte genaue Zielgruppenuntersuchung.

Lehrende an den genannten Hochschulen (die teilweise auch als Wissenschaftler arbeiten) sollten als Experten in qualitativen Face-to-Face-Interviews ihre Ansprüche beschreiben. Die qualitative Exploration eignet sich für das verwirklichte Forschungsvorhaben besonders, da die Anforderungen als sehr vielschichtig eingeschätzt werden. Acht Lehrende an den beiden Filmschulen erklärten sich nach schriftlicher Anfrage zu Interviews bereit.

Zusätzlich wurden Informationsvermittler, nämlich Filmbibliothekare aus verschiedenen Bundesländern, mithilfe von Fragebögen um Auskunft gebeten, wie sie den Informationsbedarf der Filmwissenschaftler, insbesondere den der Dozenten, einschätzen würden. Da die Filmbibliothekare als Intermediäre eine Vielzahl von Sachanfragen erhalten und sie somit die Zielgruppenbedürfnisse einschätzen könnten, sollten ihre Fragebögen ausgewertet und mit den Ergebnissen der Interviews verglichen werden.

Zum Schluss (Kap. 4) wird das Konzept Virtual Library Film and Media Studies mit möglichen Strukturen und Methodiken des zu entwickelnden Bibliotheksportals vorgestellt. Dabei finden auch die inhaltliche Konzeption


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sowie der Stellenwert der einzelnen möglichen Portalsegmente Berücksichtigung.

1.2 Problemstellung und Portaldefinition

Der Wandel der Informationsinfrastruktur durch die Entwicklungen im Bereich des Internet zieht gravierende Veränderungen in der Forschung und Lehre und damit der Bibliotheken nach sich. „In der ’Informationsgesellschaft‘ werden sich Methoden und Techniken der Erzeugung, Verbreitung und Vermittlung von Wissen grundlegend ändern.“<1> Lehre benötigt Information zur Bildung von Wissen. „Die King Research Inc. hat im Auftrag der amerikanischen Regierung festgestellt, dass amerikanische Wissenschaftler ohne Bibliotheken 40 % mehr Zeit bei der Informationsbeschaffung brauchen. Insgesamt würde ohne die Bibliotheken die wissenschaftliche Produktivität um 10 % sinken.“<2>

Die Zukunft wird zeigen, ob es den Informationsanbietern gelingt, die technischen Potenziale der Entwicklungen für wissenschaftliche Information und Kooperation zu nutzen.

Die Probleme bei der Suche im Internet betreffen vor allem die chaotischen Informationsstrukturen und das enorme Anwachsen bereitgestellter Informationen (Information Overload), bei gleichzeitiger Unsicherheit, ob diese auch immer wieder verfügbar sind. Die Informationsmenge nimmt nicht nur drastisch zu, sondern auch der Zugriff auf die Informationen ist einfacher, da grundsätzlich von überall her möglich, nicht zuletzt durch die Globalisierung lokaler Daten und einer wachsenden Bandbreite der Netze. Auf der anderen Seite ist es sehr einfach, Texte im Internet umgehend zu veröffentlichen, die allerdings auch nur vorübergehende Bedeutung haben können.


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Internetportale sollen nun die Fachinformation strukturieren, indem mit ihrer Hilfe Information bewertet und übersichtlicher als bisher im Internet dargestellt wird. Spätestens seit dem Deutschen Bibliothekarstag 2000 haben die Bibliotheken den Begriff Portal für sich entdeckt.

Das derzeitige Modewort Portal wird oft fälschlicherweise für Homepages verwendet, die auch Links zu anderen Seiten sammeln. Was aber ist ein Portal im Internet in Bezug auf Bibliotheken?

Bisher gibt es keine allgemein gültigen Definitionen von digitalen, virtuellen, elektronischen oder hybriden Bibliotheken, ebenso wenig wie von Wissensportalen, Meta Libraries, Virtuellen Fachbibliotheken, Virtuellen Forschungsbibliotheken, Clearinghouses,<3> (Subject) Gateways,<4> Informationsportalen, Plattformen, Kompetenzcentern, Scouts oder Vortalen. Überschneidungen - besonders die Begriffe elektronisch, virtuell und digital - werden oft synonym benutzt. Allen Begriffen gemeinsam ist das Bestreben, eine neue Informationsinfrastruktur zu benennen und sie neu zu ordnen, d.h. elektronische und digitale Publikationen in das Dienstleistungsspektrum integrieren, und die Informationsumgebung eingehend erschließen und überregional verfügbar machen.

Für die vorliegende Arbeit sind Begriffsdefinitionen nicht das Hauptthema, da es mittlerweile andere Ausarbeitungen dazu gibt, beispielsweise die von Wiesenmüller.<5> Diese stellt fest, dass traditionelle Definitionen des Begriffes „Portal“ vor allem auf die Entmaterialisierung der Bibliotheken abheben und häufig auch der Aspekt der Kooperation vieler Anbieter im Vordergrund steht.<6> Konkurrierende Bezeichnungen wie „Digitale Bibliothek“ und „Virtuelle Bibliothek“ werden oft synonym verwendet.


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Die „Digitale Bibliothek“ meint die elektronische Speicherung und Bereitstellung von digitalen Informationen (Hochschulschriften, Zeitschriften, CD-ROMs, digitalen Filmen etc.). Die Erschließung erfolgt meist durch Metadaten. Die „Digitale Bibliothek“ integriert die Bestände und Bibliotheksdienste unter einer virtuellen Benutzeroberfläche. Der alleinige elektronische Zugriff auf nicht-digitale Dokumente ist dabei nicht per se eine „Digitale Bibliothek“.<7>

Eine detailliertere Einteilung in Ober- und Unterbegriffe von Digitaler, Elektronischer, Virtueller Bibliothek ist in diesem Zusammenhang nicht relevant; allein die Definition soll den bisher unpräzisen Sprachgebrauch aufklären:

„Die Digitale Bibliothek beinhaltet im Gegensatz zur klassischen Bibliothek nicht nur gedruckte Bücher bzw. andere analog gespeicherte und publizierte Dokumente. Sie ist durch die wesentliche Erweiterung um binäre Informationen gekennzeichnet. Im Gegensatz zur klassischen Dokumentation weist sie die Dokumente nicht nur bibliographisch nach, sondern stellt sie auch im Volltext zur Verfügung.“<8> Die Elektronische Bibliothek bietet lediglich Nachweis und Zugang auch zu Printmedien.

Die Virtuelle Bibliothek bezeichnet eine Sammlung von Verweisen auf verteilt gehaltene Informationsangebote in einem überregionalen Verbund, die sich nicht im Besitz der nachweisenden realen Bibliothek befinden müssen. Bibliotheksportale bieten eine solche Gesamtansicht bzw. den dazu gehörigen Überbau.

„Virtuelle Bibliotheken“ können Bestandteil einer „Digitalen Bibliothek“ sein. Sie sind generell digital, und konkrete Medienangebote dienen als Basisdienstleistung. Digitale Bibliotheken sind aber keineswegs immer virtuell.

Neubauer und Binder führen in ihrem gemeinsamen Beitrag aus:


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„Danach wird man von einer virtuellen Bibliothek als Form der elektronischen Bibliothek sprechen können, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen:

1. Die virtuelle Bibliothek ermöglicht die Nutzung einer umfassenden Sammlung elektronischer Dokumente über eine einheitliche Zugriffsmethode, die in folgendem Sinne ortsunabhängig ist:

Die Dokumente können entweder verteilt oder an einem bestimmten Ort gespeichert sein.? Die Benutzung ist ortsunabhängig, indem sie von jedem Computerplatz aus erfolgen kann, sofern gewisse technische Voraussetzungen gegeben sind.

2. Die virtuelle Bibliothek verfügt über Möglichkeiten und Methoden der Erschließung bzw. des Nachweises der gespeicherten Dokumente. Die elektronischen Dokumente können als Volltexte (bzw. bei multimedialen Produkten in ihrer Gänze) an den Nutzer transferiert werden.

3. Die virtuelle Bibliothek realisiert das Recht auf Information unter sozial verträglichen Bedingungen, indem die Informationen für jedermann unter finanziell zumutbaren Bedingungen zugänglich sind.

4. Das Informationsangebot ist nicht exklusiv bezüglich der Anbieter.“<9>

Die Virtuelle Bibliothek kann ein Bibliotheksportal sein, weil ein einheitlicher Einstiegspunkt anzutreffen ist und dabei große, verteilte, d.h. verstreute Informationsmengen konzentriert werden. Heterogene Quellen werden dabei zusammengefasst; die Angebote sind fachlich geprüft, insbesondere die Internetadressen.

Weniger allgemein und eher fachspezifisch wird mit dem Begriff Portal ein virtuelles sowie digitales Angebot im Netz mit einem Mehrwert an zusätzlichen Dienstleistungen, auch von Bibliotheken, umschrieben (Dokumentenlieferungen, Informationsplattformen, personalisierbare Nutzerprofile, Volltextzugänge etc.). Dieser Informationseinstieg soll einen einheitlichen Zugang zu heterogenen, räumlich verteilten Informationsquellen bieten.


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Der Kunstbrockhaus definiert Portal aus dem Lateinischen: „ ... die oft bed. Ausmaße annehmende Außentür eines Baues.“<10> Die Vermittlung zwischen Innen und Außen, also zwischen der Bibliothek und der Öffentlichkeit, verdeutlicht die Vermittlerfunktion eines Bibliotheksportals über das Internet für den Endkunden.

Das Portal in diesem Sinn hat sich durch den Einfluss der Werbewirtschaft aus den Suchmaschinen entwickelt. Es verfügt über einen Mehrwert (z.B. Kataloge, Kleinanzeigen, Chats, e-commerce), und lädt damit den Nutzer zum Verweilen auf der Seite ein, die ihm auch als persönliche Startseite dienen soll. Das Portal kommt dem Bedürfnis entgegen, das Internet zu strukturieren und einen klaren Einstiegspunkt zu haben. Bekannte Anfänge im Internet gab es bei Yahoo oder Lycos. Durch die Experteninterviews soll die spezifische Fachstruktur ermittelt werden.

Ein Fachportal sollte eine von der Zielgruppe anerkannte wissenschaftliche Einstiegsseite für die Fachrichtungen sein, einen selbsterklärenden Zugang besitzen und eine Kombination von Suchmaschinen und Katalogen mit Zugriff auf die Bezugsquellen ermöglichen, wobei die Personalisierungsoption ein markantes Merkmal gegenüber bloßen Suchmaschinen ist.<11> Die Nutzer können dabei eine individuelle Einstiegsseite konfigurieren. Ebenso wichtig ist nach Rösch die kommunikative Aktivität für die „Community-building-services“.<12>

Eine weitere Definition von Hilberer für die Virtuelle Bibliothek:

’Virtuell‘ bedeutet bekanntlich ’der Möglichkeit nach vorhanden‘: eine Virtuelle Bibliothek sammelt elektronische Informationen, ordnet sie und stellt sie zur Verfügung. Während eine Reale Bibliothek aber die Informationsträger (= u.a. Bücher) tatsächlich besitzt, verweist eine Virtuelle Bibliothek


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auf Informationen, deren physischer Sitz über die ganze Welt verstreut ist.“<13>

Die prinzipielle Differenzierung in horizontale und vertikale Portale ist seit dem Bibliothekartag 2001 verdeutlicht worden:

a) Horizontale Portale sind fachlich universell, besitzen also eine thematische Breite wie z.B. Die Digitale Bibliothek in NRW. <14>

Sie können regionale sowie bibliothekstypologische Kooperationen wie die der Fachhochschulen (FINT) mit der Erschließung von fachspezifischen Linkseiten umfassen.

b) Vertikale Portale, auch „Vortale“ (vertical portal) genannt, sind themenbezogen bzw. zielgruppenorientiert wie z.B. die einzelnen Virtuellen Fachbibliotheken<15> oder das zu entwickelnde Filmportal, das für eine bestimmte Gruppe (community) konzipiert werden soll. Zentraler Unterscheidungspunkt ist der klar definierte Benutzerkreis. Hier geht Qualität vor Quantität, d.h. das Ziel ist Vollständigkeit in einem speziellen Fach oder einer Fächergruppe. Die Allzweck-Portale können längst nicht mehr den professionellen Informationsbedarf decken. Spezifische Daten für spezielle Nutzergruppen sind auch das Thema dieser Arbeit.

Auf verschiedene Anwendungsfelder bezogen können a) und b) folgende inhaltliche Ausprägung annehmen:

1. Unternehmensportale, die institutsbezogen sind. Homepages mit einem Mehrwert an Suchfunktionen außerhalb des Unternehmens integrieren also andere Informationsdienste in das übergeordnete Portal. Der Portalbegriff entstand ursprünglich aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten, um einen zielgruppenspezifischen Absatz von Werbung zu ermöglichen. 1996/7 entstanden personalisierte Dienste wie My Yahoo,<16> die der Kun


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denbindung dienen sollten. Mittlerweile benutzt die virtuelle Buchhandlung Amazon<17> solche personalisierten Dienste, um den e-commerce zu optimieren. Bei Verkauf der Daten liegen für die Werber sehr spezifizierte Benutzerprofile vor. Voraussetzung ist die Registrierung der Daten eines Kunden. Diese kehren durch Personalisierungen fünfmal häufiger zurück als ohne solche Möglichkeit.<18> Diese Kundenbindung wird auch für die zielgerichtete Bewerbung von neuen Produkten eingesetzt.

So wird das Internet zu einem weiteren Werbekanal neben den schon existierenden wie z.B. dem Fernsehen und dem Radio.

Ebenfalls wichtig in diesem Internetgenre sind die unternehmensrelevanten Informationen, die auch eine Verbindung zum Intranet bilden können und das Unternehmenswissen strukturieren (Knowledge management).

Die Anpassung von Informationen auf den Webseiten kann durch den Benutzer vorgenommen werden, d.h. er kann Informationen auswählen oder weggelassen. Dieses „Weglassen“ schafft einen Vorteil bei der Reduktion der Datenflut. Das Problem ist, dass die Angaben zu den Interessen ungenau sein können, wenn das vorgegebene Formular nicht exakt ausgefüllt wurde. Auch kann die Klassifizierung der Internetseite unpräzise sein, so dass bei eingeschränkter Suche die Information verloren geht. Ein Vorteil bei der speziell abgestimmten Information sind die verkürzten Suchzeiten.

2. Wissenschaftsportale, die sich an spezielle Nutzergruppen aus dem Wissenschaftsbereich wenden und zur Strukturierung alle wichtigen Informationen unter einer Internetseite zusammenfassen. Die Kunden sparen Zeit und effektiveres Arbeiten ist möglich. Wissenschaftsportale müssen auf den veränderten Informationsbedarf der Wissenschaftler eingehen (siehe auch Studie „STEFI“ Kapitel 3.6). Einzelne Disziplinen können im Mittelpunkt stehen und werden für die jeweilige Wissensgemeinschaft in


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Metaportalen aufbereitet, die wiederum auf verschiedenen Fachportale Zugriff bieten.

Beispiele, die nicht von Bibliotheken erstellt wurden, sind MathNet und Chemguide,<19> International ist das OCLC (Online Computer Library Center, Dublin/Ohio) und sein Projekt CORC (Cooperative Online Resource Catalog) erwähnenswert.

Ein lokales Wissenschaftsportal wäre das hochschulweite Intranet einer Hochschulbibliothek. Die fachspezifischen Wissenschaftsportale sind auch in Großbritannien als Subject portals ausgeprägt. Zu den deutschen Fachportalen siehe das Kapitel 2.2.

In einer wissenschaftlichen Portalkonzeption wird das hochschulweite Wissensmanagement möglichst kooperativ bewältigt.

Auf die Zielgruppenorientierung weist Rösch hin: „Besonderes Gewicht kommt daneben der vertikalen Kumulation der am wissenschaftlichen Kommunikations-, Erkenntnis- und Verwertungsprozess beteiligten Personen und Institutionen zu. Das Wissenschaftsportal ist damit typologisch verwandt mit dem Unternehmensportal, es zeigt zudem ausgeprägte Merkmale eines B2B-Portals. Idealerweise integriert das Wissenschaftsportal disziplinspezifische Subportale und erlaubt den zugehörigen Institutionen Anpassungen und Modifikationen nach jeweiligem Bedarf.“<20>

So ist anzunehmen, dass die Aufnahme von wissenschaftlichen Newsgroups in die Suchmaschine Google<21> auch für das Wissensmanagement von Filmhochschulen interessant ist.

Da im Zusammenhang mit vorliegender Arbeit die Wissenschaftsportale von besonderem Interesse sind, sollen Segmente dieser Portale näher


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charakterisiert werden. Spezifische Anforderungen eines Wissenschaftsportals sind nach Becker:<22>

Der letzte Punkt ist von den hier untersuchten Sondersammelgebiets-Bibliotheken nur teilweise umgesetzt worden, obwohl die Suche über verschiedene Ressourcen eine zentrale Dienstleistung eines Portals darstellen sollte.

Typische Funktionsmerkmale eines Wissenschaftsportals im Internet nach Rösch sind: <23>

Gemeinsam ist bei den Wissenschafts- und Unternehmensportalen das zentrale Suchinstrument über die unterschiedlichen Datenbanken und Dokumente hinweg.

Auch Angebote im Intranet einer Universität können Wissenschaftsportale darstellen, wenn sie Mehrwerte, d.h. direkte Bestellmöglichkeiten und z.B. überregionale Verbundangebote enthalten. Innerbetrieblich lassen sich individualisierte, lokale Angebote (z.B. CD-ROM-Datenbanken) vermitteln, die ebenfalls einen Mehrwert zu einer normalen Homepage darstellen.

3. Personenbezogene Portale, die sehr subjektiv aufgebaut sind, da sie nur von einer Privatperson erstellt wurden, aber trotzdem teilweise übersichtlich sein können.<24>

Ein Unternehmens- oder Wissenschaftsportal kann mehrere Vortale zusammenfassen. Sie erlauben einige Kombinationsmöglichkeiten, durch die die Qualität des Inhaltes verbessert wird. „Information Sharing als Resultat der kollaborativen Tools von Unternehmensportalen erlaubt in potenziertem Maße Bewertung und Validierung von Informationen. Für den einzelnen Mitarbeiter wird damit die Möglichkeit entscheidend erleichtert, aus Informationen Wissen zu generieren, zu lernen bzw. dieses in neuerliche Informationsprozesse einfließen zu lassen“.<25>


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In der letzten Zeit hat es sich eingebürgert, dass wenig seriöse Portalanbieter den Begriff „Portal“ für kommerzielle Zwecke missbrauchen und lediglich einige Links auf ihrer Seite anbieten. „Umso wichtiger ist es, eindeutige Kriterien zu gewinnen, die es erlauben, solche ’Blendportale‘ von wirklichen Portalen unterscheiden zu können.“<26> Eine Abgrenzung zu einer einfachen Homepage ergibt sich durch den Mehrwert der Portale, die Search-and-Browse-Funktionen einschließen. In der Praxis unterscheiden besonders Firmen aus Werbegründen nicht zwischen einem Mehrwertportal und einer einfachen Homepage.

Ein Beispiel für ein allgemeines, nicht-wissenschaftliches Portal aus dem Filmbereich ist die Adresse

http://www.filmportal.de

<27>; der Mehrwert ist auf eine Bestellmöglichkeit von Medien reduziert. Ein solches horizontal ausgerichtetes Trivialportal ist nicht für die filmwissenschaftliche Recherche nützlich, da es nicht auf die Bedürfnisse der Zielgruppe ausgerichtet ist.

Ein filmwissenschaftliches Bibliotheksportal ist als Mischung aus Vortal und Wissenschaftsportal zu kategorisieren. Für ein Wissenschaftsportal kommen Strukturierung und Aufbereitung von Informationen sowie die Integration in eine einheitliche Suchumgebung als typische Merkmale hinzu. Die Digitale Bibliothek NRW besitzt diese einheitliche Oberfläche für parallel zugreifbare Bibliothekskataloge, Linksammlungen, kosten-pflichtige Datenbanken u.a.m.

Ein anderes Beispiel für ein gelungenes Subject Portal, das nicht von einer Bibliothek stammt, ist SOSIG aus Großbritannien.<28> Ein Browsing Index bietet nicht nur eine übersichtliche Navigation durch die sozialwissenschaftlichen Internetseiten, sondern auch ein Kommunikationsforum (Grapevine), das Wissenschaftler zusammenführt, die an verwandten Themenbereichen arbeiten (Likeminds).

Die Qualitätskontrolle wird durch die Zusammenarbeit bibliothekarischer Anbieter und eines fachlichen Wissenschaftspublikums gewährleistet.


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Das Spezielle eines Wissenschaftsportals fördert also ein institutionsübergreifendes Wissensmanagement auf einem Wissensgebiet, das medien- und dienstleistungsorientierte Angebote zusammenfasst.

„Das Wissenschaftsportal verspricht ein zukunftsweisendes Konzept für Bibliotheken in der Informationsgesellschaft und eine tragende Infrastruktur für den veränderten Informations- und Kommunikationsbedarf der Wissenschaften zu werden.“<29>

1.3 Wissenschaftliche Bibliotheksinfrastruktur

Eine Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen am Wissenschaftsstandort Deutschland ist durch Kooperation im informationstechnischen Bereich ausbaubar.

„Die Leistungen der Hochschulen stehen zunehmend - nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre- in einem nationalen und internationalen Wettbewerb. Der Erfolg der Hochschulen wird in hohem Maße davon abhängen, inwieweit es ihnen gelingt, die neuen technischen Möglichkeiten für die wissenschaftliche Information und Kommunikation zu nutzen.“<30>

Ein Paradigmenwechsel an Hochschulen findet in den Zeiten des e-learnings statt, zumal sich der Wettbewerb zwischen den deutschen Hochschulen untereinander verschärft. Der Wissenschaftler entscheidet, ob er sich vom Arbeitsplatz in die Bibliothek oder in ein anderes Internetportal von Verlagen oder Fachgesellschaften einwählt. Virtuelle, teilweise auch private Hochschulen entstehen und befinden sich in Konkurrenz zu den existierenden staatlichen Einrichtungen.

Schon 1989 stellte Umstätter fest, dass Bibliotheken die Aufgabe haben, in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft Konzepte für eine zügige Veröffentlichung nichtkonventioneller Print-Publikationen, für direkte Zugriffs


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möglichkeiten auf elektronische Zeitschriften und für die dauerhafte Archivierung selbstständiger oder in Mailinglisten erscheinender elektronischer Publikationen zu suchen.<31>

Virtuelle Hochschulen entstehen<32>, z.B. die virtuelle Universität Regensburg oder das Projekt „Vernetztes Studium Chemie“, das auf einer elektronischen Plattform Wissen erschließt und vernetzt.<33> Hierdurch soll das Chemiestudium auch innerhalb Europas harmonisiert und die Attraktivität der deutschen Hochschulen für ausländische Studierende erhöht werden.

Die Lehre findet immer mehr in Form von interaktiven Lehrangeboten, Online-Skripten, virtuellen Seminaren und mit einer die Lehrveranstaltungen begleitenden Kommunikation statt.<34> Das Internet wird zur Informations- und Kommunikations-Plattform für Lehre und Forschung. Vom Wandel der Hochschulen sind somit auch die Hochschulbibliotheken und deren Strukturen sowie Dienstleistungen betroffen:

„Librarians over the years have been the organizers of knowledge. They have taken the written word and categorized it to bring order out of chaos. However, librarians have not applied these same organizational skills to the electronic world of their academic library web pages.“ <35>

Forschungsergebnisse müssen, um genutzt bzw. zitiert zu werden, zugänglich sein. Der freie Online-Zugang ist jedoch nicht immer gewährleistet.


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Durch den Einsatz multimedialer Techniken entwickeln sich neue Lehr- und Lernformen. Die Lehrangebote werden durch die gemeinsame Nutzung verteilter Angebote und die verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten belebt.

Eine Informations-Infrastruktur für die Filmwissenschaft soll die verschiedenen Aktivitäten, besonders im Netz, koordinieren und aufeinander abstimmen. Orientierung zwischen den diversen fachspezifischen Informationsinseln ist notwendig, da die Filmbibliotheken über das ganze Land verteilt sind.<36>

Ordnungskriterien und die Organisation von Informationsbereitstellung des internetbasierten Expertennetzwerkes, das auch Newsgroups enthält, sind zu planen. Die Publikationen der akademischen Lehre, sei es in Universitäten oder der angewandten Forschung, verlangen nach Bündelung für die Lehre. Die Situation des Medienwissenschaftlers muss verifiziert werden, damit klar wird, ob vollständige und/oder eher aktuelle, übersichtliche Information benötigt wird.

Wissenschaftler und Informationsspezialisten müssen miteinander kommunizieren, um Bedürfnisse zu ermitteln. Es existieren filmspezifische Portalanbieter, Informationsinseln (Fachgesellschaften, Verlage, Verbünde, lokale Bibliotheken, Industrie), die in der vernetzten Wissenslandschaft oft gleiche Ziele verfolgen, als da wären:

Bibliotheken können die Informationsinfrastruktur bereitstellen, aber auch andere Anbieter auf dem Informationsmarkt. So haben z.B. Fachinformationszentren und Verlage ähnliche Angebote und sind bei einer Portalkon


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zeption zu berücksichtigen.<37> Vorteil der Bibliotheken ist, dass sie über den Print-Content, also die Buchbestände, verfügen. Die Bibliotheken befinden sich in einer Neupositionierung auf dem Informationsmarkt. Marktforschung, d.h. qualifizierende Daten über die Nutzer von Online-Angeboten werden benötigt. Für einen Fächerkanon, der Film-, Fernseh- und Medienwissenschaft umfasst, sollen Methoden entwickelt und angewandt werden.

Die Bibliothekswelt (und hier sind auch Archive und Mediatheken gemeint) verfügt auch im filmwissenschaftlichen Bereich über eine wertvolle hybride Informationswelt mit verteilten Informationsressourcen. Dieses hybride „Gateway“ kann auf lokale und virtuelle Ressourcen gleichzeitig zugreifen. Das ist der unschlagbare Vorteil von Bibliotheken gegenüber anderen Fachanbietern.

Rusbridge favorisiert die „Hybridbibliothek“, die als logische Folgerung der digitalen und virtuellen Bibliothekswelten zu sehen ist: „The hybrid library was designed to bring a range of technologies from different sources together in the context of a working library, [...]. The hybrid library should integrate access to different kinds of resources [...], using different technologies from the digital library world, and across different media.<38>

Das klassische Printangebot von Bibliotheken wird stärker mit digitalen Informationen ergänzt. Online-Ressourcen verbessern die Informationsversorgung, da der Online-Zugriff die schnellste Verfügbarkeit gewährleistet.

Spezialbibliotheken erfahren durch ein klares inhaltliches Profil sowie Spezialisierung auf festgelegte Fächerinhalte eine verstärkte Bedeutung für die Wissenschaften. Die Universitätsbibliotheken mit ihren Sonder


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sammelgebieten sind dabei ein Aspekt und deshalb als DFG-geförderte Fachbibliotheksportale im Internet abgebildet. Der Wissenschaftsrat fordert daher von den Fachgesellschaften, dafür Sorge zu tragen, dass in Zusammenarbeit mit den Bibliotheken Fachportale auf- und ausgebaut werden .<39>

Artikel von Wissenschaftlern sollten demnach auf diesen Seiten gespeichert werden, damit das Artikelangebot nicht nur über teure Datenbanken läuft. Freier Zugang für die Lehre und Wissenschaft muss gewährleistet sein.

Der Wissenschaftsrat kommt zum Schluss, dass auf absehbare Zeit „Hybridbibliotheken“, die sowohl gedruckte als auch digitale Publikationen und Informationsquellen bereitstellen, das vorherrschende Modell sein werden.

Die Position im umkämpften Informationsmarkt wird nur durch Kooperation mit fachspezifischen Wissenschaftseinrichtungen und Rechenzentren gesichert.

Kuhlen beschreibt (siehe Abbildung) den Informationsmarkt, der die Bibliotheken umgibt, auch als Outsourcing-Möglichkeiten. <40> Portalangebote von Hochschulbibliotheken müssen mittels spezifischer Angebote ihren Platz zwischen Verlagen, Buchhandel, Datenbankanbietern, Katalogdiensten und Informationsvermittlern suchen.


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Abbildung 1: Umfeld der Bibliotheken mit Einfluss auf Strukturveränderungen (entnommen aus siehe Fußnote 40)

Bibliotheken können aus dem kommerziellen Portal-Bereich (wichtige Stichworte in diesem Zusammenhang sind e- und m-commerce, Kundenbindung durch Personalisierung) Erkenntnisse übernehmen, indem ein personalisierter Zugang in Abhängigkeit von Standort, Sicht und Sprache vorgenommen wird. Eine Voreinstellung aller regionaler Standortquellen ist dabei hilfreich.

Neue Kooperationsplattformen entstehen, indem Information verdichtet wird und überregionale Nachweise auch von digitalen Publikationen eingebracht werden.

1.4 Ziel eines bibliothekarisch-wissenschaftlichen Filmportals

Qualitativ unzureichende Ergebnisse von Internet-Suchmaschinen und undurchsichtige Rankingverfahren erfordern viel Zeit für Recherchen. Das Internet ist mittlerweile für viele Hochschullehrer so selbstverständlich wie das Telefon geworden und bietet verbesserten Zugang zur Information.


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Allerdings finden es Wissenschaftler zunehmend schwierig, in der ständig wachsenden Menge der verfügbaren Rechercheergebnisse die richtige Information zu finden. Die traditionelle Wissensgesellschaft ist keineswegs von einem Mangel, sondern ganz im Gegenteil von einer Flut an Information geprägt.

Wenn immer mehr Wissenschaftler und Wissensinstitutionen ihre Seiten erstellen, ergibt sich die Frage, ob Wissenschaftler und Hochschulen dann überhaupt noch wissenschaftliche Fachportale von Bibliotheken benötigen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wirkt diesem Zweifel durch ihre zentrale Unterstützung der „Virtuellen Fachbibliothek“ entgegen. <41> „Eine solche virtuelle Fachbibliothek soll Fachinformationseinrichtungen, wissenschaftliche Fachgesellschaften, Verlage und weitere Bibliotheken zusammenschließen, um dem Nutzer einen direkten und möglichst vollständigen Zugriff auf die für ihn relevanten wissenschaftlichen Informationsressourcen zu ermöglichen. Damit soll es möglich sein, fachbibliothekarische Datenbanken direkt mit Bestandsnachweisen der in der SSG-Bibliothek vorhandenen Bestände zu verknüpfen; zugleich sollen in dieses Konzept digitale Medien, wie elektronische Zeitschriften, aber auch fachliche Internet-Ressourcen integriert werden.“<42>

Die Module einer virtuellen Fachbibliothek umfassen folglich neben der elektronischen und der Print-Dokumentenebene die Metadatenebene, also Onlinekataloge, Fachbibliographien und fachliche Suchmaschinen. Ziel einer Literaturrecherche sollte in Zukunft der schnellstmögliche Weg zu den Originalquellen sein.

Durch bibliothekarische Kategorisierung und die qualitative Sicherstellung mittels der Institution Bibliothek, die nicht unmittelbar marktabhängig ist, wird ein geführter Zugang zu einem Informationspool mit angeschlossenen Medienbeständen angeboten. Dies ist bei Bibliotheksportalen durch einen zentralen Zugang mit paralleler Suche in verteilten Informationssys


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temen möglich. Fachportale nutzen Fachdatenbanken, sind aber nicht mit ihnen zu verwechseln!

Eine detailliert ausgearbeitete Konzeption zu einem Filmportal ist Voraussetzung für eine spätere technische und organisatorische Umsetzung. Erkenntnisse über filmwissenschaftliche Informations-bedürfnisse stellen hier die Grundlage dar. Klarheit über den Zweck, präzise Zielgruppenbestimmung und Schwerpunktsetzungen sind Grundvoraussetzungen, ebenso wie die Informationsinfrastruktur der Filminformationsangebote im Web.

Wersig definiert zusammenfassend die Problemfelder der Angebote einer qualitativen Internetseite. Er nennt das Bewertungs-, Recherche-, Filter- sowie Bewahrungsproblem.<43> Diese Kernaufgaben sind auf den Filmbereich übertragbar.

Was aber sollen Bibliotheken besser machen als große, schon vorhandene Suchportale?

Gerade Filmbibliotheken verknüpfen sehr viele Ressourcen an Print- und AV-Medienbeständen. Aufgeteilte Wissensquellen werden als Objekte in Filmmuseen gesammelt, Bibliotheken archivieren und erschließen Printprodukte, Filmarchive wie das Deutsche Rundfunkarchiv archivieren Unikate. Dies ist eine Kompetenzdifferenzierung, die eventuell mithilfe eines Portals überwunden werden kann. Einer transdisziplinären Kooperation wird im Allgemeinen laut Ratzek durch die Spartenteilung entgegengewirkt.<44> Dies ist dem „one-stop-shopping“ nicht förderlich. Eine Entwicklung von Portalen zum „one-stop-shop“ bedeutet die Integration von Recherchemöglichkeit und Ergebnisprodukt in einem Schritt.

Nach Wersig „[ist] die Leitrolle bei der Bewältigung der Problemzonen der Wissensgesellschaft derzeit nicht besetzt“<45>.Übertragen auf Bibliotheken


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würde dies zunächst bedeuten, auf eine medienwirksamere Gestaltung von Wissensaneignung und auf Vorteile der langjährigen Routine des Bibliothekarberufs und ebenso auf die aktuellen Innovationen in Richtung Wissensmanagement verstärkt hinzuweisen.

Zimmer bringt es auf den Punkt: „Der Beruf des Bibliothekars wird sich mit den Bibliotheken verändern, hin zum Bibliothekar - Informatiker - Dokumentaristen.“<46>

Wird eine Innovation in Bibliotheken eingeführt - in diesem Fall Wissenschaftsportale - ist es zentral, dass die Weiterbildung dahingehend gestärkt wird und damit die Methoden des bibliothekarischen Innovationsmanagement einsetzen.<47>

Ziel eines Filmportals ist also die bessere überregionale Information durch die Vernetzung von Filmbibliotheken und die Kooperation mit der filmwissenschaftlichen Forschung und Lehre. Das Angebot an allgemeinen Filmportalen, auch im Edutainmentbereich, ist groß, eine umfassende wissenschaftliche Seite fehlt jedoch. Hier könnten sich Bibliotheken profilieren.

Mehrere Bibliotheken können effizient durch Synergiegewinnung zusammenwirken, z.B. bei Fragen

Virtuelle Bibliothek und reale Bibliothek könnten sich bei den wissenschaftlichen Informationsaktivitäten ergänzen, zumal das Internet auch für die Lehre ein stark genutztes Informationsinstrument geworden ist. Die Kritik an Informationserschließung aus dem Internet durch allgemeine Suchmaschinen ist ein Ergebnis der in Kapitel 3.3 ausgewerteten Interviews. Ein qualitativer Umgang mit dem neuen Medium wurde gefordert.

Reale Bibliotheken bleiben weiterhin zentrale Anbieter gedruckter Informationen und deren Vermittlung. Die virtuelle Komponente der Informationsbereitstellung durch Bibliotheken erleichtert jedoch den Zugang zum Fachwissen immens.


Fußnoten:

<1>

Informationsstruktur im Wandel - Herausforderungen für die Hochschulen und ihre Informations- und Kommunikationseinrichtungen. Hochschulrektorenkonferenz, Juli 1996. In: Bibliotheksdienst H. 11, 1997.

http://www.dbi-berlin.de/dbi_pub/bd_art/97_11_08.htm 05.11.01

<2>

Umstätter, Walther: Was verändert die Informationstechnologie. In: Bibliothek. Forschung u. Praxis, 1989, H.2, S. 206-215.

http://www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/pub44.html 15.03.02

<3>

Ein Clearinghouse bietet einen strukturierten fachlichen Zugang zu Informationen im Internet. Dabei werden die Informationsquellen inhaltlich erschlossen und bewertet.

<4>

Der Begriff Subject Gateway wird mittlerweile in Großbritannien durch den Begriff Subject Portal ersetzt. Powell, Andy: DNER Portal Architecture.

http://www.rdn.ac.uk/publications/mia/ 05.11.01 .

<5>

Wiesenmüller, Heidrun: Das Konzept der „virtuellen Bibliothek“ im deutschen Bibliothekswesen der 1990er Jahre. Köln: Greven 2000. (Kölner Arbeiten zum Bibliotheks- und Dokumentationswesen, H. 26).

<6>

Siehe Ebd., S. 14 f.

<7>

Vgl.: Rusch-Feja, Diann: Digital Libraries. Informationsform der Zukunft für die Informationsversorgung und Informationsbereitstellung, Teil 1. In: B.I.T.online, H.2,1999, Kap.1.

http://www.b-i-t-online.de/archiv/1999-02/fachbeit/rushfeja/artikel.htm 28.01.02 .

<8>

Ewert, G. und Umstätter, W.: Lehrbuch der Bibliotheksverwaltung. Begründet von Wilhelm Krabbe und Wilhelm Martin Luther, Stuttgart: Hiersemann Verl. 1997, S. 13.

<9>

Neubauer; Karl Wilhelm; Wolfgang Binder: Vom Netz zur virtuellen Bibliothek. S.178-201, S. 183.

http://www.bis.uni-oldenburg.de/bisverlag/hv1/21-neuba.pdf 12.05.02 .

<10>

Der Kunst-Brockhaus. Wiesbaden: Brockhaus 1983, Bd. 2 L-Z, S. 294.

<11>

Vgl.: Rösch, Hermann: Internetportal, Unternehmensportal, Wissenschaftsportal. In: Informationskompetenz - Basiskompetenz in der Informationsgesellschaft. Proceedings des 7. Internationalen Symposiums für Informationswissenschaft (ISI 2000). Hrsg. Gerhard Knorz; Rainer Kuhlen. Konstanz: UVK, Univ.-Verl. Konstanz 2000, S. 245-264, S. 249.

<12>

Vgl.: Ebd., S. 250.

<13>

Hilberer, Thomas: Was ist eine Virtuelle Bibliothek?

http://www.uni-duesseldorf.de/ulb/virtdef.html 15.03.02 .

<14>

Die Digitale Bibliothek NRW.

http://www.digibib.net/Digibib 05.11.01 .

<15>

DIE VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK.

http://www.virtuellefachbibliothek.de/ 05.03.02 .

<16>

Mein Yahoo!

http://de.my.yahoo.com/ 13.06.02

<17>

Amazon.

http://www.amazon.de 25.12.01 .

<18>

Frenko, Andreas: Internet-Portal-Sites. Aktueller Hype oder mehr?

http://www.webagency.de/infopool/internetwissen/ak981123.htm 05.11.01 .

<19>

Math-Net Internet Information Services for Mathematics.

http://www.math-net.de 30.11.01

(ist von der Konferenz der mathematischen Fachbereiche erstellt), FIZ Chemie Berlin.

http://www.fiz-chemie.de 30.11.01 .

<20>

Rösch, Hermann: Internetportal, Unternehmensportal, Wissenschaftsportal. In: Informationskompetenz - Basiskompetenz in der Informationsgesellschaft. Proceedings des 7. Internationalen Symposiums für Informationswissenschaft (ISI 2000). Hrsg. Gerhard Knorz; Rainer Kuhlen. Konstanz: UVK, Univ.-Verl. Konstanz 2000, S. 245-264, S. 261.

<21>

Google. Deutschland: Groups.

http://www.google.de 30.11.01 .

<22>

Becker, Christine: Portale als Zugang für fachspezifische Wissensressourcen. Vortrag vor der AG Information/Dokumentation Brandenburg, Berliner Arbeitskreis für Information, Potsdam 26.4.2001.

http://www.uni-potsdam.de/u/zeik/allgemein/personal/Becker/portale/tsld018.htm 30.11.01 .

<23>

Vgl.: Rösch, Hermann: Wissenschaftsportal - bibliothekarische Konzeption in der Informationsgesellschaft, S.4.

http://bt2000.univie.ac.at/abstracts/roesch.pdf 30.11.01 .

<24>

z.B. Virtuelle Bibliothek Rechtsgeschichte von Steffen Breßler, Doktorand und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

http://www.geocities.com/rechtsgeschichte 15.11.01 .

<25>

Rösch: Internetportal, a.a.O., S. 257.

<26>

Rösch: Internetportal, a.a.O., S. 249.

<27>

Filmportal.de. Die Welt der Filme.

http://www.filmportal.de 12.06.02 .

<28>

Social Science information gateway.

http://www.sosig.ac.uk/

30.11.01.

<29>

Rösch, Hermann: Wissenschaftsportal-bibliothekarische Konzeption in der Informationsgesellschaft a.a.O., S.15.

<30>

Zentrum für Kommunikation und Informationsverarbeitung, Deutscher Bibliotheksverband, Sektion 4, AG der Medienzentren an Hochschulen: Informationsinfrastruktur im Wandel. In: Bibliothek. Forschung und Praxis, 22. 1998, H.1, S.14-17, S. 15.

http://webdoc.gwdg.de/edoc/aw/bfg/t8022001.htm

29.11.01.

<31>

Vgl.: Umstätter, Walther: Was verändert die Informationstechnologie in den Universitätsbibliotheken? In: Bibliothek in Forsch. u. Praxis, 1989, H.2, S.206-215.

http://www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/pub44.html

15.03.02.

<32>

Hehl, Hans: Die elektronische Bibliothek. Literatur- und Informationsbeschaffung im Internet. 2., überarb. u. erw. Aufl. 2001, S. 181.

<33>

Vernetztes Studium - Chemie.

http://www.vs-c.de/ziele/kurzfassung.html

10.03.02.

<34>

Vgl.: Midendorff, Elke: Computernutzung und Neue Medien im Studium. Ergebnisse der 16. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) durchgeführt vom HIS Hochschul-Informationssystem. Hrsg. Bundesministerium für Bildung und Forschung. Bonn 2002, S. 57ff.

<35>

Shemberg, Marian: Through the Web: door to academic libraries. Reference Services Review , 28/2, 2000, S. 178.

<36>

Siehe dazu auch die Abbildung Filmbibliotheken in Deutschland in Kapitel 3.1, Abb. 13.

<37>

Andere Anbieter, die im Rahmen dieser Arbeit nicht evaluiert werden können: z.B. FIZ (Fachinformationszentrum Karlsruhe, Gesellschaft für wissenschaftlich-technische Information mbH), traditioneller Anbieter seit knapp 25 Jahren, wirbt mit dem Motto: „Information als Dienstleistung. Aktuell, umfassend, schnell, zuverlässig. Informationsvorsprung ist der entscheidende Faktor im Wettbewerb. Partner der Wissenschaft und Wirtschaft“. Literaturvermittlung und Recherchedienste, Verlegerdienste und IT-Dienstleistungen gestalten das Angebot, das von ca. 310 Mitarbeitern betreut wird, sehr umfassend.

<38>

Rusbridge, Chris: Towards the hybrid library. 1998.

http://www.dlib.org/dlib/july98/rusbridge/07rusbridge.html

. In: D-Lib Magazine

http://www.dlib.org/back.html

. Nr. July/August 1998. 15.03.02.

<39>

Vgl.: Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur digitalen Informationsversorgung an Hochschulen. Wissenschaftsrat 16.7.2001.

http://www.wissenschaftsrat.de/texte/4935-01.pdf

, 29.11.01, S. 28.

<40>

Kuhlen, Rainer: Informationsmarkt: Chancen und Risiken der Kommerzialisierung von Wissen. Konstanz: UVK, Univ.-Verl. 1995, S. 538.

<41>

DIE VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK.

http://www.virtuellefachbibliothek.de

. 30.11.01.

<42>

Das Sondersammelgebiets-Fachinformationsprojekt (SSG-FI) der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen: GeoGuide, MathGuide, Anglo-American History Guide und Anglo American Literature Guide (

http://www.SUBUni.Goettingen.de/ssgfi/

); Dokumentation/ Deutsches Bibliotheksinstitut (Projektleiter: Wilfried Enderle) Berlin: Dt. Bibliotheksinst. Teil 1, 1999. (Dbi-Materialien; 165), S. 7.

<43>

Wersig, Gernot: Perspektiven der Informationsgesellschaft. In: nfd 8, 2000, S. 461-465, S.463f.

http://www.kommwiss.fu-berlin.de/~gwersig/publi-pro/www/potsdam.htm

. 16.05.02.

<44>

Ratzek, Wolfgang: ABD-Institutionen zwischen Tradition und Fortschritt - Platz für alle? In: nfd 52, 2001, S. 101-104, S. 102.

<45>

Wersig: Perspektiven der Informationsgesellschaft, a.a.O., S. 465.

<46>

Zimmer, Dieter: Die Bibliothek der Zukunft Hamburg 2000, S. 15.

<47>

Vgl.: Sarnowski, Daniella: Einsatzmöglichkeiten neuer Informations- und Kommunikationsmittel in öffentlichen Bibliotheken mit Hilfe des Innovationsmanagements. Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Magister Artium im Fach Informationswissenschaft, Fachbereich Kommunikationswissenschaft bei Prof. Gernot Wersig, Juli 1991, S. 89f.

<48>

Neubauer; Karl Wilhelm; Wolfgang Binder: Vom Netz zur virtuellen Bibliothek. S.178-201, S. 189.

http://www.bis.uni-oldenburg.de/bisverlag/hv1/21-neuba.pdf

12.05.02.

<49>

Eine Untersuchung der Koordination der VIRTUELLEN FACHBIBLIOTHEK der DFG hat ergeben, dass überregionale Zusammenarbeit der Bibliotheken durch das Internet sowohl Verbesserungen als auch Schwierigkeiten mit sich bringt, da nicht alle zur Kooperation bereit sind.


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Wed Nov 19 10:20:01 2003