Sarnowski, Daniella: Entwicklung eines Virtuellen Fachbibliotheksportals im Internet für die Film-, Fernseh- und Medienwissenschaft (Virtual Library Film and Media Studies) mithilfe der Erhebung und Bedarfsanalyse spezifischer Informationsanforderungen

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Kapitel 5. Zusammenfassung und Schlussbetrachtungen

Der epochale Strukturwandel, den gerade Medienbibliotheken auf dem Weg von der realen zur hybriden Bibliothek gestalten, hat zum Ziel, auch virtuelle Informationsangebote qualitativ aufzuarbeiten. Die Herausforderung besteht außerdem darin, andere Anbieter virtueller Angebote zu integrieren.

Allgemeine Filmportale leisten zwar bisher eine Kategorisierung von Informationsquellen im Internet, doch spezielle filmwissenschaftliche Ansprüche wie die Personalisierung der Inhalte und die Suche in verschiedenen Informationsquellen sind nicht möglich, ebenso wenig das wissenschaftliche Navigieren in Fachthemen, die im Internet präsentiert und diskutiert werden. Der Zweck von bibliothekarischen Fachportalen und speziell der Zweck des Wissenschaftsportals Film besteht in der Integration unterschiedlicher Fachprojekte, Datenbanken und Institutionen. Zielgruppenspezifisch sollen für Hochschulangehörige personalisierbare Fachinformationen in einem zentralen, überregionalen Zugang angeboten werden. Der Einstieg in filmbibliothekarische Dienstleistungen ist dabei ein wichtiger Mehrwert, der die Besonderheit eines bibliothekarisch-filmwissenschaftlichen Portals darstellt.

Die unterschiedlichen Informationsgewohnheiten der Angehörigen technischer Studienfächer sowie medien- bzw. kommunikationswissenschaftlichen Fachbereichen sind unter einem Dach zu integrieren. Durch Personalisierung können die Angebote speziell zugeschnitten werden.

Es existieren weltweit eine große Anzahl von Internetportalen, die allerdings inhaltlich von sehr unterschiedlicher Qualität sind. Ein Verbund regional verteilter Dienstleistungen in eine Benutzerschnittstelle sowie Verzeichnisse über Webseiten und die Möglichkeit der Personalisierung sind Mindestforderungen, die bei dem Vergleich der Portale der Virtuellen Fachbibliotheken herausgearbeitet wurden. Zentral war dabei auch die Kommunikationsfunktion der Fachwissenschaftler untereinander (Community-Foren).


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Das Ergebnis des Vergleichs der Virtuellen Fachbibliotheken, die durch die DFG gefördert werden, ergab, dass ihre methodische Herangehensweise zur Informationsvermittlung von einem Filmportal übernommen werden kann, aber die Fachspezifika eigens entwickelt werden müssen.

Ein großer Nachteil der bisher geförderten DFG-Fachportale ist, dass die aufgebaute Virtuelle Fachbibliothek im Internet nur die eigenen Medienbestände anbietet und keinen Verbund der Fachbibliotheken recherchierbar macht. Eine Metasuche über mehrere Fach-OPACs erscheint für ein effizientes bibliothekarisches Fachportal unumgänglich. Erst die Vernetzung der Medien wäre der große Vorteil, den Bibliotheken gegenüber anderen Portalen bieten könnten.

Der Nutzen eines bibliothekarischen Medienportals liegt darin, mehrere Dienstleistungskomponenten im Internet zu verbinden, die im Idealfall mithilfe einer Metasuchmaschine gebündelt und unter einer einheitlichen Suchoberfläche abzufragen sind. Ein solcher One-stop-shop bietet dann sowohl elektronische Medien als auch Printmedien, die intensiv erschlossen sind. Direktbestellungen sollten möglich sein, gerade beim Sondersammelgebiets-Schnelldienst (SSG-S).

Die Erarbeitung der hier verwendeten Verfahren (1. Fragebogen Intermediäre, 2. Experteninterviews) zur direkten Integration des wissenschaftlichen Nutzers in das organisatorische und technische Konzept der Virtuellen Fachbibliothek hat sich vorwiegend im zweiten Fall bewährt. Die detaillierten Interviews ergaben konstruktive Ergebnisse, die es erlaubten, ein Konzept „Virtual Library Film and Media Studies“ bedarfsgerecht zu erstellen. Ein Ergebnis der Experteninterviews besteht darin, dass die Zielgruppe um die Studierenden der Medienwissenschaft erweitert werden müsste. Die Experteninterviews ließen bei den Dozenten eine induktive Fallverallgemeinerung zu. Die Ansprüche an die zu entwickelnden Dienstleistungen wurden deutlich.

Die Form des Fragebogens für Bibliothekare erwies sich als eher statisch. Nachfragen, also Sekundärfragen, konnten nicht gestellt werden, um gegebenenfalls eine spezifische Problematik zu vertiefen. Aus diesem Grund wurden nur punktuelle Ergebnisse des Fragebogens eingebracht.


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Der Ausbau internetbasierter filmwissenschaftlicher Fachinformation über verteilte Kompetenzzentren ist ein zentraler Lösungsweg, um auf die Bedürfnisse der Lehrenden und Wissenschaftler einzugehen. Dazu werden gemeinsame Metadatenformate benötigt. Ließe sich die Welt des Dozenten/Wissenschaftlers mit der des Informationsspezialisten / Bibliothekars verbinden, würde daraus ein effektives gemeinsames Fachportal entstehen. Online-Datenbanken und E-Journals ergänzen die Medienangebote der Filmbibliotheken. Diese Angebote sind den Lehrenden aber noch nicht genügend bekannt. Hier bleibt für die Bibliothekare noch ein Feld im Wissensmanagement und -marketing zu besetzen, d.h., das kombinierte Angebot von internen und externen Ressourcen kann noch ausgearbeitet werden. Filminformationen werden unter einer WWW-Oberfläche strukturiert präsentiert. Informationsinseln werden ortsunabhängig zusammengestellt. So soll nicht nur die wissenschaftliche Kommunikation, sondern auch der Zugriff auf die Fachinformation verbessert werden.

Fachinformation ist für den Lehrenden und Wissenschaftler notwendig, ihre Beschaffung kostet jedoch Zeit. Auch die Auswertung kann sehr aufwändig sein. So geht den Hochschulen nicht nur Arbeitszeit verloren, sondern auch Fachwissen, das an anderen Orten vorhanden ist; es bleibt ungenutzt oder lokal begrenzt. Der zügige Zugriff auf die richtige Information, die im Kontext eines Faches eingebettet ist, bedeutet Wissen und Zeitgewinn.

Der bibliothekarische Informationsspezialist kann die Recherche der Experten unterstützen und den effizienten Austausch internationaler Fachkollegen mit dem Angebot eines Fachportals unterlegen. Eine dezentrale Dokumentenbearbeitung der Medien in Bibliotheken und eine zentrale Verlinkung ist am effektivsten, wenn ein gemeinsames systematisches Ordnungssystem für virtuelle Bibliotheksangebote angewandt wird. Die fachspezifischen Verbundsysteme sind ebenso erfolgversprechend wie die bisherigen regionalen Verbundsysteme. Allerdings steht diesen regionalen Verbünden die fortschreitende Internationalisierung entgegen. Es kann sein, dass die horizontalen Portalverbünde an Bedeutung verlieren, oder sie verknüpfen sich mit vertikalen fachspezifischen Portalen, wie dies schon ansatzweise passiert.


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Die Zentralisierung des Zugriffs auf ein Fachportal, das über verteilte Systeme verfügt, erleichtert die Arbeit des Wissenschaftlers. Konsortien und Erwerbungsabsprachen können helfen, begrenzte Mittel einzusetzen; die Koordination des Aufbaus digitaler Hochschularchive kann effektiv auch in technischer Zusammenarbeit erfolgen. Andere fachspezifische Informationsanbieter sind für ein wissenschaftliches Fachportal von großer Bedeutung.

Das neue Dienstleistungsspektrum, das durch die Iuk-Technologien möglich ist, benötigt finanzielle und personelle Ressourcen, die weit über den reinen klassischen Bestandsaufbau hinausgehen. Hier bleibt zu überlegen, ob eine Öffnung der Angebote in Richtung Medienwirtschaft als Zielgruppe einen Vorteil bringen würde. Die mittlerweile üblichen Gebühren im Internet für Wissenschaftler erscheinen hingegen aufgrund des Ideals der Freiheit von Lehre und Forschung nicht gerechtfertigt.

Die Anforderungen von Seiten der Forschung, der Lehre und des Studiums an die fachwissenschaftliche Informationsinfrastruktur wächst. Zuständigkeiten zwischen Fachwissenschaftlern, Informatikern und Bibliothekaren müssen neu geregelt werden. Auf jeden Fall übernimmt die Hochschulbibliothek neben den klassischen Aufgaben immer mehr die Funktionen eines Medienzentrums, eines Dokumentationszentrums. Zusammen mit der jeweiligen Institution sollten die Wissenschaftsprodukte der Hochschule, sei es von Dozenten oder Studierenden, über das Internet angeboten werden.

Um eine erfolgreiche Perspektive zu schaffen, ist der kontinuierliche Kontakt zu den definierten Zielgruppen unabdingbar.

Neue Dienste werden entstehen, auch aufgrund technologischer Änderungen, die selbstverständlich aufgegriffen werden sollten. Wegen der Schnelllebigkeit des Internets sollte sich die Virtual Library Film and Media Studies kontinuierlich weiterentwickeln - ebenso wie der Fächerkanon der Film-, Fernseh- und Medienwissenschaft.

Eine Realisierungsmöglichkeit ergab sich bei Abschluss der Arbeit durch eine Kooperation der Universitätsbibliotheken Frankfurt/M. und Leipzig,


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die beide als Sondersammelgebietsbibliotheken DFG-förderungsfähig sind.

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Wed Nov 19 10:20:01 2003