Saykham, Voladet: Das Menschenrecht bei Immanuel Kant

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Kapitel 2. Der Dualismus zweier Welten und die Verankerung zum Subjektivismus als theoretische Grundlegung in der Rechts- und Staatsphilosophie Kants

Immanuel Kant gehört bekanntlich zu den bedeutenden Philosophen der Neuzeit, die durch ihre philosophische Leistung im kulturellen Zusammenleben der Menschen eine Epoche schufen. Seine historische Bedeutung in der Kultur, vor allem in der Philosophie darf keinesfalls geringer gesetzt werden als die der größten Denker aller Zeiten. Seine philosophischen Gedanken und Ideen bilden nicht nur den Übergang von der feudalistischen zur modernen bürgerlichen Gesellschafts- und Weltordnung, sondern sind zugleich eine Herausforderung im gesellschaftlichen Zusammenleben der Menschen der Gegenwart, die das Bewusstsein und das Denken des Menschen wesentlich mitbestimmt.

In seiner erkenntnistheoretischen Philosophie, - oder besser gesagt in seiner Kritik der reinen Vernunft - kritisiert Kant die angebliche Möglichkeit und Fähigkeit des Menschen, aus den mathematischen, naturwissenschaftlichen Axiomen, Konstruktionen, Sätzen und Grundsätzen, die rein, d.i. a priori im Denken des Subjekts gegeben sind, die Erkenntnis von der Welt als Ganzem logisch deduktiv abzuleiten, d.h. die Erkenntnis a priori, d.i. nicht auf der Grundbasis der empirisch gegebenen Fakten zu gewinnen und zu begründen.

Die Rationalisten des 17. und 18. Jahrhundert (Descartes, Spinoza, Leibniz, Wolf etc.)<2> gingen davon aus, dass eine logisch-deduktive Entwicklung apriorischer Sätze und Grundsätze es ermögliche, die Grenze der Erfahrung, d.i. der erfahrbaren Welt, zu überschreiten und ins jenseits der Erfahrung Liegende vorzudringen.

Eine solche Art der Anwendung apriorischer Sätze, Grundsätze, Axiome, Konstruktionen etc. lehnt Kant ab. Er behauptet einerseits, dass solche apriorischen Sätze, Grundsätze, Axiome etc., die rein im Denken des Subjekts gegeben sind, in der Wissenschaft, in der Theorie nur dazu geeignet, aber auch unverzichtbar sind, empirisch gegebene Fakten, Daten zu synthetisieren, zu systematisieren und zu ordnen.

Andererseits ist Kants Philosophie auch in der Hinsicht kritisch, dass er die Offensichtlichkeit der sinnlichen Wahrnehmungen kritisiert - in dem Sinne, dass sie uns bereits Erkenntnisse offenbare. Diese sind nach Kant nur durch den theoretischen Verstand zu formieren, zu ordnen und zu systematisieren.<3>

Es geht somit bei Kant um die Erkenntnisse, die tatsächlich a priori möglich sind, indem sie erstens von den in der Sinneserfahrung, empirisch gegebenen Fakten ausgehen, zweitens jedoch über diesen sinnlich gegebenen Inhalt hinausgehen.

Für ihn werden die wirklichen Erkenntnisse nicht bereits durch die Sinneserfahrung gebildet; sie sind aber auch nicht unabhängig von den hier gegebenen Inhalten und erstrecken sich nicht auf jenseits der Erfahrung liegende Bereiche.

Kant geht somit davon aus, weder dass die Erkenntnis bereits mit der Erfahrung gegeben ist noch ist er der Auffassung, dass die Erkenntnis ohne jegliche Erfahrung möglich ist.

Anders formuliert: Kant bestreitet nicht, dass alle Erkenntnis von der Erfahrung ausgeht, d.h. durch sinnliche Wahrnehmung vermittelt wird, darauf basiert und an Erscheinungen gebunden ist. Dies allein gebe uns aber noch keine Erkenntnis.<4>

"Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauung ohne Begriffe sind


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blind."<5>- so meint Kant. "Der Verstand vermag nichts anzuschauen, und die Sinne nichts zu denken."<6> Um zur Erkenntnis zu gelangen, bedürfen wir beider.

Es geht somit bei Kant nicht um die Erkenntnis von irgendwelchen transzendenten Objekten, Gegenständen oder Realitäten, sondern um eine transzendentale Erkenntnisgewinnung in der Erfahrung durchaus gegebener empirischer Fakten (die erst durch den erkennenden Verstand zum Gegenstand werden). Da die bloße, auf dem sinnlich Gegebenen beruhende Erfahrung noch keine wissenschaftliche Erkenntnis ist, führt Kant eine neue Sicht des Apriorismus als Form des Wissens ein, die über die Grenzen der Erfahrungswelt hinaus nicht anwendbar sei, aber das Wissen, die Erfahrung, dennoch über das hinausführt, was in der sinnlichen Wahrnehmung unmittelbar gegeben ist.

Die durch unsere sinnlichen Wahrnehmungen vermittelten Inhalte sind nach Kant chaotisch, mannigfaltig und zusammenhanglos. Sie enthalten eine "Vielheit" und "chaotische Mannigfaltigkeit" und besitzen noch keinen "notwendigen Zusammenhang", resp. Ursachen, Wirkungen und Zusammenhänge.

Allein aufgrund dieser durch unsere sinnlichen Wahrnehmungen vermittelten Inhalte können wir nach Kant noch keine Erkenntnis bilden. Unsere Sinnlichkeit kann uns nur die Ereignisse oder Phänomenen zeitlich sukzessiv nacheinander und räumlich nebeneinander vermitteln, aber niemals einen notwendigen Zusammenhang, resp. gesetzliche Verbindung zwischen ihnen herstellen.

"Erfahrung lehrt uns (...) daß etwas so oder so beschaffen sei, aber nicht, daß es nicht anders sein könne"<7>- so meint Kant.

Notwendige Verknüpfungsgesetze, resp. Ursachen, Wirkungen, Zusammenhänge verschiedener Ereignisse können nicht durch die Sinnlichkeit, resp. sinnliches Vermögen hergestellt werden. Die Sinnlichkeit allein kann uns keine "Verbindung eines Mannigfaltigen", keine "Einheit von der Vielheit und Mannigfaltigkeit" liefern, sondern nur das Nacheinander oder auch die stets beobachtete Parallelität von sinnlich wahrgenommenen Ereignissen oder Objekten.<8>

Nur unser Verstand besitzt nach Kant die Fähigkeit und die Potenz zur Herstellung der Zusammenhänge der mannigfaltigen und zusammenhanglosen Ereignisse, zur Konstituierung derselben.<9>

Er (der Verstand) "synthetisiert" und ordnet die "chaotische Mannigfaltigkeit", die "zusammenhanglose Vielheit" des empirischen Materials, d.h. konstituiert aus einer Vielheit und Vielfältigkeit der sinnlichen Wahrnehmungen eine Einheit.<10>

Dadurch entsteht nach Kant eine "Objektivität der Erkenntnis", eine gesetzliche Verbindung, die sinnlich wahrgenommene Ereignisse verbindet, d.i. aus einer Zweiheit und Beziehungslosigkeit der empirischen Ereignisse eine "Einheit" konstituiert.<11>

Eine so zustande kommende Objektivität der Erkenntnis beinhaltet nicht schlechthin eine Widerspiegelung der objektiven Realität, des realen Seins, das in der Erfahrungswelt gegeben ist, sondern eine logische Allgemeinheit, Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit, die im Denken des Subjekts konstituiert und gegeben ist.

Die Kategorien, Begriffe des Verstandes, d.i. der Wissenschaft, drücken also nach


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Kant keinen objektiven, realen Inhalt aus, der in den sinnlichen Wahrnehmungen gegeben ist, sondern bloß Formen, die durch die Aktivität des Denkens entstanden und unter denen der Verstand, das Denken, das aus der Erfahrung gewonnene Material subsumiert.

Sie sind also keine Eigenart des Gesetzes, die aus den empirischen Erfahrungen, Beobachtungen und Gewohnheiten entstanden, sondern vielmehr apriorische Formen, Sätze und Grundsätze, die das Denken des Subjekts (mit Hilfe der sinnlichen Wahrnehmungen und Vorstellungen) konstituiert und nach denen es die Erfahrungen richtet, d.h. die es auf die Erfahrung anwendet.<12>

Kants Philosophie wird deswegen auch als Transzendental- Philosophie bezeichnet. Das bedeutet bei ihm u.a. den Einsatz von Verstandesformen, Kategorien, die der Erfahrung vorausgesetzt sind, d.h. nicht aus ihr resultieren, sondern diese als Gegenstände "formieren", ihren Inhalt formieren, so dass die Erkenntnis wesentlich Resultat der Verstandestätigkeit des erkennenden Subjekts ist.<13>

"Transzendental" ist die Analyse der reinen Vernunft hinsichtlich ihrer eigenen Erkenntnisbedingungen a priori - schließlich auch die Bestimmung der reinen praktischen Vernunft<14>. Dies ist aber nicht mit dem Begriff "transzendent" zu verwechseln. "Transzendent" bezeichnet etwas, das jenseits jeglicher Erfahrung liegt, etwas, das nicht nur ihr vorausgesetzt, sondern nie ein Erfahrungsinhalt werden kann, worüber also "positives" Wissen letztlich unmöglich ist. Dieses gilt für die Vernunftideen Kants, die in der transzendentalen Dialektik behandelt werden.

Zu jeder Erkenntnis bedarf es also des Apriorischen (von der bloßen Erfahrung Unabhängigen), damit die Wahrnehmung zur Erkenntnis werden kann. Es muss ein transzendentales, ein apriorisches Moment hinzutreten.

Kant unterscheidet folgende apriorische Formen:

1/Raum und Zeit als apriorische Formen der Anschauung. Im Raum und in der Zeit werden nach Kant die Gegenstände gegeben, auf die sich allein der Verstand bezieht. Raum und Zeit sind jedoch nach Kant keine Verstandeskategorien. Im Unterschied zu den Kategorien des Verstandes sind nach ihm Raum und Zeit unmittelbar im Subjekt gegeben. Die Kategorien des Verstandes sind hingegen durch die Aktivität des Denkens konstituiert und gegeben.

2/Die Kategorien des Verstandes, unter denen der Verstand das aus der Erfahrung gewonnene Material subsumiert.

3/Die Vernunftideen, die Kant in der transzendentalen Dialektik behandelt und in seiner praktischen Philosophie weiterentwickelt hat.

Der Prozess der Erkenntnis vollzieht sich nach Kant im Subjekt und durch die Aktivität des Subjekts. Im Subjekt werden die "gesamten Zusammenhänge", oder "Einheiten" der Erscheinungen konstruiert und gegeben.<15>


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Das apriorische Subjekt wird demzufolge bei Kant zur herrschenden und übergreifenden Instanz, die die gesetzlichen Verbindungen und gesamten Zusammenhänge der Erscheinungen konstituiert, wodurch die Erscheinungen erst möglich werden. Alles, was geschieht, ist nach Kant nur in der Verbindung und im Zusammenhang mit dem Subjekt möglich. Es geschieht nichts ohne Subjekt und alles geschieht nach den gesetzlichen Regelungen, die im Subjekt gegeben sind.<16>

Somit hat Kant die Einstellung oder Position des apriorischen Subjekts in seiner Philosophie gegenüber der vorangegangenen Epoche neu bestimmt, die er treffend mit der des Kopernikus vergleicht, der bei der Erklärung der Himmelsbewegung in Schwierigkeiten geriet, wenn er annahm, das ganze Sternenheer drehe sich um den Zuschauer und dann versuchte, das Gegenteil anzunehmen, dass sich der Zuschauer um das Sternenheer drehe. So hat Kant das Verhältnis des apriorischen Subjekts zu der Erscheinung in sein Gegenteil verkehrt.<17>

Diese neubestimmte Einstellung oder Position des apriorischen Subjekts wird zum grundlegenden Prinzip in der erkenntnistheoretischen Philosophie Kants erhoben, das dann in der praktischen Philosophie weiter ausgearbeitet und noch höher angesetzt wird.

In der theoretischen Philosophie wird das apriorische Subjekt bei Kant zum Gesetzgeber und Herrscher, der die gesamten Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der Erscheinungen konstituiert, wodurch die Erscheinungen möglich werden. In der praktischen Philosophie wird es dann zu einem unmittelbaren "Selbstgesetzgeber", der seine eigenen Gesetzmäßigkeiten und seinen eigenen Zusammenhang konstituiert.

Im Anschauen ist der Mensch nach Kant passiv. Er vermag nur das aufzunehmen und zu erfassen, was ihm erscheint oder ihm räumlich und zeitlich gegeben ist, was also von der "transzendentalen Ästhetik" überliefert wird. Im Denken ist er aber hingegen aktiv.<18> Er denkt den Gegenstand aktiv nach und stellt gesetzliche Verbindungen zwischen mannigfaltigen Ereignissen in der Natur her.

Sollen z. B. die Verknüpfungsgesetze, resp. Ursachen, Wirkungen, Zusammenhänge verschiedener Ereignisse A (die Sonne scheint) und B (die Temperatur erhöht sich), die uns zeitlich aufeinanderfolgend gegeben sind, festgestellt werden, dann ist dies nach Kant nur dadurch zu gewährleisten, indem wir aktiv denken. Solche notwendigen Gesetze, die verschiedenen Ereignisse, Phänomenen verknüpfen, verbinden, d.i. aus einer Vielheit, Mannigfaltigkeit und Zusammenhanglosigkeit verschiedener Ereignisse eine "Einheit" machen, sind nach Kant das Resultat des aktiven Denkens des Subjekts.

Im Anschauen vermögen wir nach Kant die Ereignisse und Erscheinungen nur so zu erfassen, wie sie zeitlich aufeinanderfolgend und räumlich nebeneinanderstehend gegeben sind, niemals aber solche Verknüpfungsgesetze zu erfassen und aufzufassen, dass, wenn A (die Sonne scheint) gegeben ist, B (die Temperatur erhöht sich) notwendig folgt.

Solche Verknüpfungsgesetze, resp. Ursachen, Wirkungen, Zusammenhänge der Dinge als Erscheinungen, also: die "Wenn-Dann-Bestimmungen" sind nach Kant niemals in der Erfahrung gegeben, sondern nur durch die Aktivität des Denkens des Subjekts möglich. Alles, was aus den Erfahrungen, empirischen Anschauungen, Beobachtungen


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und Gewohnheiten entsteht, ist nach Kant nur relativ, d.h. nicht allgemeingültig und nicht unbedingt notwendig.<19>

Dadurch unterscheidet Kant auch zwischen der Erkenntnis a priori und der Erkenntnis a posteriori<20>. Die Erkenntnis a posteriori hat ihre Quelle in der Erfahrung und ist relativ. Die Erkenntnis a priori hat hingegen ihre Quelle im Denken des Subjekts und ist allgemeingültig und unbedingt notwendig.<21> Die strenge Allgemeinheit und Allgemeingültigkeit sind bei Kant das sichere Kennzeichen der Erkenntnis a priori.

Dies schließt dann aber ein, dass A (die Sonne scheint) keine Ursache von B (die Temperatur erhöht sich) ist, sondern dass B (die Temperatur erhöht sich) notwendig auf A (die Sonne scheint) nach dem Verknüpfungsgesetz C folgt, das vom Denken des Subjekts a priori konstituiert und gegeben ist.

Dieses a priori im Denken des Subjekts gegebene Verknüpfungsgesetz C, das die Ereignisse A und B, die zeitlich nacheinander folgend gegeben sind, verknüpft, verbindet oder aus dieser "Zweiheit" und "Beziehungslosigkeit" von A und B eine "Einheit" bildet, ist nach Kant die Kategorie der Kausalität.

Die Kausalität ist bei Kant ein reiner Verstandesbegriff, der einer zeitlichen Abfolge entspricht, in der eine notwendige Ordnung im Verknüpfen unserer Vorstellungen erforderlich ist, und eine Vorstellung oder ein Ereignis als notwendige Folge einer anderen bestimmt wird.

Ist eine bestimmte Vorstellung unseres subjektiven Vorstellungsablaufes als Moment einer objektiven (nach Kant "objektiv" im o.a. Sinne) Vorstellungsfolge zu erfassen, dann müssen wir sie als eine solche Vorstellung auffassen, die auf eine andere unvermeidlich, mit Notwendigkeit folgt. Wenn eine objektive bloße Abfolge, z. B. zeitliches Nacheinander ein geordnetes, verknüpftes Nacheinander bedeuten soll, so bedarf es der Kategorie der Kausalität, einer "Wenn-Dann-Bestimmung", einer Synthese von Ursache und Wirkung, die die beiden Vorstellungen von Ereignissen zusammenführt, verknüpft und aus der beziehungslosen "Zweiheit" eine Einheit konstituiert.

Soll ein Ereignis B als auf ein Ereignis A objektiv folgend vorgestellt werden, so ist dies nur dadurch zu leisten, dass wir B auf A nach einem Gesetz C folgend setzen.

Das apriorische Prinzip kausaler Verknüpfung impliziert dabei lediglich den allgemeinen Grundsatz des geregelten Verbindens, nicht die "Eigenart des Gesetzes."

Das letzte - die Eigenart des Gesetzes- liegt nicht in Kants Fragestellung: wie sind synthetische Sätze a priori möglich? Seine Intention ist nachzuweisen, dass Urteilen nach allgemeinen Grundsätzen möglich ist.

Die Kategorie der Kausalität und Verstandeskategorien<22> überhaupt sind somit nach Kant apriorische Prinzipien, die der Verstand aus seiner eigenen Aktivität konstituiert, und unter denen er (der Verstand) das in der Erfahrung Gegebene, das empirische Material subsumiert.


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Der Apriorismus wird also bei Kant zum "herrschenden" und "übergreifenden" Prinzip, das die gesamten Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der Erscheinungen konstituiert, wodurch die Erscheinungen erst möglich werden. Der Skeptizismus, Agnostizismus der erkenntnistheoretischen Philosophie Kants besteht darin, dass die damit geschaffene Struktur zwar einen Grund, aber kein "Pendant", kein Adäquates in der dem Denken gegenüber äußeren Wirklichkeit hat. Der Mensch als erkennendes, denkendes und verstehendes Wesen ist nach Kant nur in der Lage, sinnlich gegebene Fakten, Sinnesdaten zu synthetisieren, zu formieren und ihnen eine subjektive Form der Allgemeinheit, Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit zu geben, die für ihn "objektiv", von ihm nicht produzierbar, von ihm unabhängig und unbeeinflussbar sind. Über den Rahmen des sinnlich Gegebenen kann er aber prinzipiell nicht hinausgehen, d.h. der Wissenschaft, der Theorie sind nach Kant nur die Erscheinungen zugänglich, nicht aber das "Ding an sich".<23>

Die Erkenntnis der Erscheinungen ist auch nach Kant grundsätzlich grenzenlos, sie führt uns aber nicht zum Wesen der "Dinge an sich". Diese transzendentale "Realität" ist nicht erfassbar, sie ist transzendent hinsichtlich des Wissens, aber nicht hinsichtlich ihres Daseins, denn sie liegt den Phänomenen zugrunde, die wir erkennen können.

Von den "Dingen an sich" wissen wir nach Kant nur von ihrem "notwendigen Dasein", aber niemals von ihrem "So-Sein" und ihrer Beschaffenheit. Alles, was wir erkennen können, ist nach Kant nur bloße Erscheinung, die wesentlich die Erscheinung von irgend etwas sein muss und keine Sache sein kann, wie sie an sich ist.<24>

Die Dinge an sich sind nach Kant etwas, was jenseits von Raum und Zeit liegt und auf das sinnliche Vermögen des Subjekts einwirkt oder es antastet. Dadurch überliefern sie dem wahrnehmenden Subjekt das Material der Wahrnehmung, das dieses Material durch apriorische Formen der Anschauung (Raum und Zeit) zu Wahrnehmungen, Erscheinungen und Erfahrungen formiert, auf die sich allein der Verstand beziehen kann und darf.

Die Wahrnehmungen, Erscheinungen und Erfahrungen sind somit nach Kant keine Dinge, wie sie an sich sind, sondern vielmehr etwas, was das Subjekt mit Hilfe der sinnlichen Eindrücke, d.h. der Eindrücke der Dinge auf die Sinne, bildet<25> und somit subjektiv. Indem sich die theoretische Wissenschaft, der Verstand, so Kant, nur auf die sinnlichen Wahrnehmungen, Erscheinungen und Ereignissen bezieht, d.h. sie formiert, systematisiert und ordnet, ist das "Wesen der Dinge an sich" wissenschaftlich, theoretisch unzugänglich. Es übersteigt die Grenze der Erfahrungen, auf die sich der Verstand formierend, synthetisierend bezieht.

Einerseits wird somit die Rolle und Funktion des apriorischen Subjekts bei Kant in der erkenntnistheoretischen Philosophie, d.i. im Erkenntnisprozess auf die Sphäre der Erscheinung beschränkt, andererseits wird dieses apriorische Subjekt zur "herrschenden" und "übergreifenden" Instanz, die die gesetzlichen Verbindungen und Zusammenhänge der mannigfaltigen Ereignisse und Erscheinungen konstituiert,


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wodurch die Erscheinungen erst möglich werden.

Aufgrund solcher "herrschenden" und "übergreifenden" Einstellung oder Funktion des apriorischen Subjekts gib es bei Kant keinen Einwand dagegen, dass sich das Subjekt aus den ihm unmittelbar gegebenen und zu erkennenden Gegenständen, d.i. Erscheinungen emanzipiert und seinen zu erkennenden Gegenstand selbst bestimmt.

Letztlich wird dieser nicht nur Gegenstand für das Subjekt, sondern auch ein subjektiver Gegenstand in dem Sinne, dass er wesentlich Produkt des Subjekts wird, indem ihm angehörige objektive Bestimmungen und Zusammenhänge, die als solche nicht unmittelbar in der Erfahrung gegeben sind, zum Resultat der apriorischen Bestimmung des Subjekts werden.

Das Neue dieser Sicht besteht in der Aktivität des Subjekts. Dies ist zunächst in der theoretischen Philosophie der Ausdruck einer veränderten Rolle oder Position des apriorischen Subjekts, einer neuen Sicht auf dieses, d.i. auf das bürgerliche Individuum und schließlich in der Entwicklung des Menschengeschlechts, in der moralischen und geschichtlichen Entwicklung, auf die menschliche Gattung.

Diese neue Rolle des apriorischen Subjekts wird in der erkenntnistheoretischen Philosophie zur neuen Sicht des Apriorismus und dessen entscheidender Erkenntnisfunktion sublimiert.

In der praktischen Philosophie wird sie - wie schon erwähnt - weiter ausgearbeitet und noch höher angesetzt, das Subjekt wird zu einem unmittelbaren "Selbstdenker" und "Selbstgesetzgeber", welcher sich selbst zu seinem zu erkennenden Gegenstand macht und sich seine eigene Gesetzlichkeit und seine eigenen gesetzlichen Zusammenhänge konstituiert und gibt.

Schließlich hat das apriorische Subjekt allein in der Sphäre des Praktischen, des Sittlichen konstitutives Vermögen, indem es hier Begriffe konstituiert, Gesetze, die es sich selbst als Gesetz des sittlichen Handelns gibt, weshalb auch letztlich nur von der sittlichen Freiheit und Autonomie die Rede sein kann.

In der Erkenntnislehre ist bei Kant nur der Verstand, bedingt durch seine apriorischen Kategorien, konstitutiv. Die Vernunft hingegen ist "regulativ". Sie verhindert den "überschwenglichen" Einsatz des Erkenntnisvermögens, d.h. die Überschreitung von Grenzen oder Sphären oder der Welt, die in der sinnlichen Erfahrung umschrieben ist.<26>

Das heißt nicht, dass in der Erkenntnis des Verstandes nicht über das in der Erfahrung Gegebene - den empirischen Stoff oder Inhalt - hinausgegangen werden würde. Im Gegenteil: Erst die apriorischen Verstandeskategorien gewährleisten wirkliche Erkenntnis, die den Kriterien von Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit zu entsprechen vermag. Der erkennende Verstand geht zwar über den Inhalt des in der Erfahrung Gegebenen hinaus, nicht aber über den Bereich, der der sinnlichen Erfahrung überhaupt zugänglich ist.

Der Verstand dient der Erkenntnis der Erscheinungen und geht so über den in ihnen unmittelbar gegebenen Stoff oder Inhalt hinaus. Er kann sich aber nicht auf Dinge richten, die nicht in der Erscheinung gegeben sind, resp. nicht erscheinen oder keine Erscheinung , aus welchen Gründen auch immer, haben.<27>

"noumena", die als Ideen der reinen Vernunft keine Beziehung zur Erscheinung haben, erscheinen nicht und können niemals in der Erfahrung gegeben sein.

Die "noumena" gehören gleichsam zum Wesen der "Dinge an sich".<28> Sie sind aber keine "Dinge an sich", die den Erscheinungen zugrunde liegen, selbst aber keine Erscheinung sind, und damit nicht erkannt werden können.


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Die Vernunftideen, noumena, sind vollkommen transzendent und können niemals einen Gegenstand haben, der ihnen adäquat wäre und sich in der Erfahrung niederschlagen könnte. Sie "übersteigen die Grenze aller Erfahrungen."<29>

Durch die transzendentalen "Vernunftideen" kann nach Kant kein Objekt bestimmt werden. Sie sind aber auch kein Produkt der bloßen Phantasie, sondern durch "die Natur der Vernunft selbst aufgeben und beziehen sich daher notwendig auf den ganzen Verstandesgebrauch"<30>

"Ich verstehe" - schreibt Kant - "unter der Idee einen notwendigen Vernunftbegriff, dem kein kongruierender Gegenstand in den Sinnen gegeben werden kann. (...) Sie sind Begriffe der reinen Vernunft; denn sie betrachten alles Erfahrungserkenntnis als bestimmt durch eine absolute Totalität der Bedingung. Sie sind nicht willkürlich erdichtet, sondern die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, und beziehen sich daher notwendiger Weise auf den ganzen Verstandesgebrauch."<31>

In seiner "Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können" schreibt Kant: "Die reine Vernunft hat unter ihren Ideen nicht besondere Gegenstände, die über das Feld der Erfahrung hinauslägen, zur Absicht, sondern fordert nur Vollständigkeit des Verstandesgebrauchs im Zusammenhang der Erfahrung. Diese Vollständigkeit aber kann nur eine Vollständigkeit der Prinzipien, aber nicht der Anschauung und Gegenstände sein."<32>

"Die transzendentalen Ideen drücken also die eigentümliche Bestimmung der Vernunft aus, nämlich als eines Prinzips der systematischen Einheit des Verstandesgebrauchs."<33>

Es sind nicht etwa apriorische Verstandeskategorien, die nunmehr auf transzendente Objekte angewendet würden und weil bzw. insofern dies der Fall ist, zu "Vernunftkategorien" avancieren! "Es haben" - schreibt Saykham- "also diese Ideen eine ganz andere Bestimmung ihres Gebrauchs, als jene Kategorien, durch die, und die darauf gebauten Grundsätze, Erfahrung selbst allererst möglich ward."<34>

Die einen - die Verstandeskategorien - dienen der Systematisierung, Vereinheitlichung und Erklärung des in den sinnlichen Wahrnehmungen Gegebenen, der Formierung des empirischen Inhalts, die anderen - die Vernunftideen - dienen hingegen der Systematisierung und Vereinheitlichung des Verstandesgebrauchs.

Wollte man die Vernunftideen in der Weise, wie die Verstandeskategorien auf die Erkenntnis des in den sinnlichen Wahrnehmungen Gegebenen gerichtet sind, auf die Erkenntnis transzendenter Objekte anwenden, also auf "Gegenstände", wie z.B. Gott, Freiheit, unsterbliche Seele etc., wird es im Bereich der Vernunftideen "dialektisch"; diese Art verfällt dem "transzendentalen Schein". Das wäre das Resultat eines "überschwenglichen", über den Bereich der Erfahrung hinausgehenden Vernunftgebrauchs mit einer Zielsetzung, die nur die Verstandeskategorien erfüllen können, - nämlich konstitutiv für die Erkenntnis zu sein, d.i. die Erkenntnis von in den sinnlichen Wahrnehmungen Gegebenem, was aber bei den Vernunftideen nicht der Fall ist - sie haben keinen "kongruierenden Gegenstand."<35>

Die Vernunft wird "überschwenglich", wenn sie die Verstandesbegriffe - nicht die


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unmittelbaren Inhalte - über den Bereich der Erfahrung hinaus anwenden will, d.h. auf Gegenstände oder Objekte, die sich in keiner Wahrnehmung niederschlagen oder niederschlagen können. Sie strebt nach Wissen, wo sie nur Mutmaßungen anstellen kann, da nicht einmal die Erscheinungen der gleichfalls unerkennbaren, daher auch "transzendenten Dinge an sich" vorliegen, sondern die Gedankenwesen, die Ideen, "noumena."

Schließlich findet Kant in den Vernunftideen oder Prinzipien der Vernunft gleichsam zusätzliche, erweiternde Prinzipien des Verstandes, die aber nicht für die Erfahrung, für die theoretische Erschließung, Ausschließung und Formierung der Wahrnehmungsinhalte konstitutiv, wohl aber "regulativ" sind, um die Zusammenführung der einzelnen Erkenntnisse, Erkenntnis über die einzelnen Erscheinungen, zu einem System, zum Gesamtzusammenhang der möglichen Erfahrung, anzustreben.<36>

Der Verstand dient der Systematisierung, Vereinheitlichung und Ordnung der in den sinnlichen Wahrnehmungen gegebenen, empirischen Inhalte. Die (spekulative) Vernunft dient hingegen der Systematisierung, Vereinheitlichung und Ordnung den (nicht sinnlich) gegebenen Verstandeserkenntnisse. Sie synthetisiert und ordnet die Mannigfaltigkeit und zusammenhangslose Vielheit der Erkenntnis des Verstandes, d.h. sie konstituiert aus einer Vielfältigkeit und Zusammenhanglosigkeit der Erkenntnisse des Verstandes eine "Einheit".

"Der Verstand" - so Kant - "mag ein Vermögen der Einheit der Erscheinungen vermittelst der Regeln sein, so ist die Vernunft das Vermögen der Einheit der Verstandesregeln unter Prinzipien. Sie geht also niemals zunächst auf Erfahrung, oder auf irgend einen Gegenstand, sondern auf den Verstand, um den mannigfaltigen Erkenntnissen desselben Einheit a priori durch Begriffe zu geben, welche Vernunfteinheit heißen mag, und von ganz anderer Art, als sie von dem Verstande geleistet werden kann."<37>

Durch die transzendentalen Vernunftideen kann nach Kant kein Objekt bestimmt werden. Sie sind trotzdem "regulativ", denn sie können dem Verstand als Maßstab, Regel, Richtschnur oder "Kanon" seines Gebrauchs dienen. Dadurch erkennt der Verstand zwar keinen Gegenstand mehr, wie er ihn nach seinen apriorischen Kategorien erkennen würde, er kann aber durch diese Ideen in seiner Erkenntnis "besser und weiter geleitet" werden.<38>

Die Ideen der Vernunft sind nach Kant - ähnlich wie die Kategorien des Verstandes - kein real existierendes Sein, kein gegebenes Sein, das in der empirischen Erfahrung vorzufinden ist, sondern "notwendige Begriffe", "Konstruktionen" der reinen spekulativen Vernunft, die die Vernunft a priori, d.h. unabhängig von den Verstandeserkenntnissen konstituiert und zu denen sie die Mannigfaltigkeit und zusammenhangslose Vielheit der Verstandeserkenntnisse reguliert, formiert.

Der Prozess der Systematisierung, Vereinheitlichung und Ordnung der Erkenntnisse des Verstandes vollzieht sich durch die regulierende, formierende und systematisierende Rolle der Vernunft. In der (spekulativen) Vernunft werden die Gesamtzusammenhängen oder die Einheiten der Erkenntnis konstituiert und gegeben.

Die (spekulative) Vernunft wird bei Kant zur "herrschenden" und "übergreifenden" Instanz aufgehoben, die die Mannigfaltigkeit und zusammenhanglose Vielheit der


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Verstandeserkenntnisse synthetisiert, systematisiert und ordnet, d.h. ihnen a priori eine "Einheit" gibt.

Die Ideen der (spekulativen) Vernunft sind nach Kant Grundsätze der reinen Vernunft, nach denen sie die von dem Verstand geleisteten Erfahrungserkenntnisse, Erkenntnisse von den einzelnen Dingen zu einer höheren systematischen Einheit, zum Gesamtzusammenhang des Ganzen reguliert.

Ist der Verstand mit seinen apriorischen Kategorien Gesetzgeber und Herrscher der Natur als Erscheinung, dann ist die Vernunft mit ihren regulativen Ideen Gesetzgeber und Herrscher des Verstandes. Sie synthetisiert, systematisiert und ordnet die Mannigfaltigkeit und zusammenhangslose Vielheit der Verstandeserkenntnis, d.h. sie bildet aus einer Mannigfaltigkeit und zusammenhangslosen Vielheit der Verstandeserkenntnis eine "Einheit".

Dieser Exkurs in die theoretische Philosophie - die transzendentale Dialektik - Kants schien mir notwendig zu sein, um den Unterschied zwischen der theoretischen, resp. Vernunft und der praktischen Philosophie zu bestimmen und zu verdeutlichen. Die ethischen Kategorien sind nach Kant a priori in der Vernunft gegeben, daher kann auch ihre philosophische Analyse nicht von der Erfahrung ausgehen.<39>

In der theoretischen Philosophie kann die Vernunft den Verstandesgebrauch nach allgemeinen Prinzipien oder Ideen regulieren, d.h. zu einer "höheren systematischen Einheit" führen, selbst aber nicht die Erkenntnis von Gegenständen oder Objekten konstituieren. Eine solche "regulative" Funktion der Vernunft kann nicht als absolut frei und autonom bezeichnet werden, denn sie ist regulativ für den Verstandesgebrauch, d.h. auf diese "systematische Einheit"<40> orientiert, um "alle Erfahrungserkenntnisse als bestimmt durch absolute Totalität aller Bedingungen zu betrachten"<41>. Dieses bedingt die regulative Funktion der theoretischen Vernunft. Als weitere Vorbedingung kann die Tatsache betrachtet werden, dass die mittels der Verstandeskategorien erlangten Erkenntnisse Erkenntnisse über einzelne Gegenstände sind. Insofern ist die regulative Funktion der theoretischen Vernunft, vermittelt über den Verstand, indirekt, bedingt durch das sinnlich gegebene "Material" der Wahrnehmungen, dessen durch den Verstand bzw. die ihn bestimmende theoretische Vernunft geleitete Erkenntnis zu einer höheren "systematischen Einheit" geführt werden soll.

Wenn aber die Vernunft nur "regulativen Gebrauch" bezüglich der Welt der empirischen Gesetze geltend machen kann, d.h. "pragmatische Gesetze... zur Erreichung der uns von den Sinnen empfohlenen Zwecke"<42> nur konstituieren kann, die durch die empirische Welt bedingt sind, ist das noch nicht die Wirklichkeit der reinen (praktischen) Vernunft, die vom reinen Gesetz des Handelns vollkommen a priori bestimmt ist - ist noch nicht Autonomie. Davon bestimmte Gesetze wäre die moralischen Gesetze, resp. das Sittengesetz.

Im absoluten Sinne frei und autonom ist demzufolge nach Kant nur die reine praktische Vernunft, weil nur diese "selbstgesetzgebend" wirkt.

"Die Gesetzgebung durch den Freiheitsbegriff geschieht von der Vernunft, und ist bloß praktisch. Nur allein im Praktischen kann die Vernunft gesetzgebend sein; in Ansehung


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des theoretischen Erkenntnisses (der Natur) kann sie nur (als gesetzkundig, vermittels des Verstandes) aus gegebenen Gesetzen durch Schlüsse Folgerungen ziehen, die doch immer bei der Natur stehen bleiben."<43>

Man kann die Vernunft bei Kant auch als das Vermögen des Menschen, nach Grundsätzen zu urteilen und in der praktischen Rücksicht zu handeln, erklären.

Kant will nun umfassend das Sein; d.h. nicht allein die Erkenntnis des Seins "als Produkt der schöpferischen Freiheit des Menschen, als Akt seiner Tätigkeit, gleichsam als Postulat der praktischen Philosophie"<44> erklären.

Nach Buhr und Irrlitz umschließt der Begriff der Vernunft bei Kant - wie in der gesamten bürgerlichen Philosophie dieser Epoche - zwei Momente, die als neue Grundlegung gegenüber der vorangegangenen feudalistischen Welt- und Gesellschaftsbetrachtung gelten können:

1/ die die aufkommende bürgerliche Gesellschaft tragende Aktivität des bürgerlichen Individuums, d.h. des Subjekts.

2/ als Voraussetzung einer solchen Bestimmung des Menschen das Erkenntnisvermögen, welches die wissenschaftliche Erfahrbarkeit und praktische Gestaltbarkeit der Realität bestimmt und letzterer subordiniert ist.

Kant geht es darum, zu begründen, dass es auch für das Verhalten solche allgemeingültigen und notwendigen Prinzipien, apriorische Grundsätze des Wollens und Handelns gibt und geben muss; analog den allgemeinen und notwendigen Formen, den apriorischen Verstandeskategorien, die für die Erkenntnis konstitutiv sind.

Der Unterschied des Gesetzes der praktischen Vernunft zu den Verstandeskategorien besteht bei Kant darin, dass das praktische Gesetz sich selbst trägt<45>, gleichsam aus sich selbst bestimmt ist und nicht, wie die Verstandeskategorien, als Regeln der gedanklichen Synthese, als Form der Verstandestätigkeit zugleich Formen darstellen, die einen empirisch gegebenen Inhalt, die sinnliche "Vielheit" zur einer "Einheit" formieren und ohne diesen sinnlichen Inhalt "leer" wären. Sie sind als apriorische quasi-logische Gedankenformen zwar nicht auf sinnliche Erfahrung gegründet (etwa als geistige Abstraktion objektiver Strukturen, Zusammenhänge und Gesetze), sondern auf die "Vernunftnatur" des Menschen, aber auf einen Inhalt, den "Stoff" der sinnlichen Wahrnehmungen, bezogen.

Dieser Unterschied ist allerdings nicht sehr gravierend, da das Gesetz der praktischen Vernunft zwar von jeglichen empirischen Bestimmungsgründen des Wollens und Handelns befreit ist, andererseits aber auf das wirkliche und insofern empirische Handeln der Individuen abzielt. Deshalb ist hier die Vernunft nicht allein eine "Angelegenheit des bloßen Denkens", sondern soll auch das Handeln "leiten": Vernunft gilt bei Kant als "Vermögen, das Besondere als enthalten unter dem Allgemeinen zu denken."<46>

In der theoretischen Philosophie kann die Vernunft den Verstandesgebrauch nach allgemeinem Prinzip regulieren, d.h. zu einer höheren systematischen "Einheit" formieren, nicht aber selbst Erkenntnisse von Gegenständen konstituieren.

Die praktische Vernunft ist hingegen gesetzgebend und insofern konstitutiv. Besteht der Fortschritt in der Wissenschaft, in der Philosophie in der "Selbsterkenntnis" der Vernunft, so gilt nun in der praktischen Philosophie bei Kant die Vernunft als das Vermögen des Menschen, sein eigenes Schicksal auf sich selbst zurückzuführen, was über die theoretische Philosophie, die theoretische Wissenschaft hinausführt, wozu diese als Mittel dient und dadurch ihrerseits bedingt ist. Insofern konstatiert Kant so gar


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das "Primat der praktischen Vernunft."

"In der Verbindung also der reinen spekulativen mit der reinen praktischen Vernunft zu einer Erkenntnis führt die letztere das Primat, vorausgesetzt nämlich, daß diese Verbindung nicht etwa zufällig und beliebig, sondern a priori auf der Vernunft selbst gegründet mithin notwendig sei. (...) Der spekulativen Vernunft aber untergeordnet zu sein, und also die Ordnung umkehren, kann man der reinen praktischen gar nicht zumuten, weil alles Interesse zuletzt praktisch ist, und selbst das der spekulativen Vernunft nur bedingt und im praktischen Gebrauch allein vollständig ist."<47>

Insofern ist die praktische Philosophie, resp. Vernunft gegenüber der theoretischen nach Kant unbedingt, da die theoretische Philosophie, Vernunft, von den Erscheinungen abhängig ist, auf deren Erkenntnis sich die Wissenschaft richtet. Die praktische Philosophie hingegen zielt auf unbedingt gültige ethische, resp. Handlungsnormen, die autonom oder absolut unabhängig von den das Handeln bestimmenden empirischen Determinanten, Lebensumständen, Begierden, Existenzbedürfnissen und Triebstrukturen des Empirischen sind.

Es geht also bei Kant in der Sphäre der praktischen Vernunft, Philosophie um die Autonomie der Tätigkeit des Subjekts, der bestimmenden Gesetze, Normen gegenüber äußeren Umständen, wie auch gegenüber inneren Neigungen, Bedürfnissen und Trieben; d.h. darum frei zu sein von solchen Determinanten, d.i. sich frei zu machen durch Vernunftgebrauch<48>.

"Ein jedes Ding der Natur wirkt nach Gesetzen. Nur ein vernünftiges Wesen hat das Vermögen, nach der Vorstellung der Gesetze, d.i. nach Prinzipien zu handeln, oder einen Willen"<49>- so schreibt Kant.

Seine dritte Antinomie der reinen Vernunft<50>(These: "Die Kausalität nach Gesetzen der Natur ist nicht die einzige, aus welcher die Erscheinungen der Welt insgesamt abgeleitet werden können. Es ist noch eine Kausalität durch die Freiheit zur Erklärung derselben anzunehmen notwendig." Antithese: "Es ist keine Freiheit, sondern alles in der Welt geschieht lediglich nach Gesetzen der Natur."<51>) wird in einem Dualismus zweier Welten aufgelöst, der dem Dualismus in der Erkenntnislehre entspricht, - nämlich dem Dualismus zwischen den Dingen an sich und Erscheinungen, zwischen den Erscheinungen und dem Verstand etc.

Die Bestimmung durch die Freiheit, d.h. ob "noch eine Kausalität durch Freiheit" zur Erklärung der Welt "anzunehmen notwendig" sei, eine Frage, welche Kant in der "Kritik der reinen Vernunft" als theoretisch nicht beantwortbar (d.h. durch die Verstandeskategorien, resp. die theoretische Vernunft) begriff, erhält in der praktischen Philosophie eine grundlegende und zentrale Position.

In der praktischen Philosophie geht es Kant "nicht mehr um die Erkenntnis von Gegenständen möglicher Erfahrung (Verstandesleistung) bzw. die systematische Totalität der Welt der Erscheinungen und deren unbedingter Bedingung der Vernunft (Vernunftleistung) ..., sondern um die Erkenntnis und Möglichkeit der Verwirklichung des Sittengesetzes und dessen unbedingter Bedingung, die transzendentale Freiheit


21

..."<52>- so schreibt Stadler.

Mit dieser Bestimmung der reinen praktischen Vernunft wird nun die Rolle und Funktion des apriorischen Subjekts, d.i. der Vernunft weiter ausgearbeitet und noch höher angesetzt. Die Vernunft wird hier zu einem "unmittelbaren Gesetzgeber".

Das Sittengesetz, der kategorische Imperativ ist nach Kant die Idee, das Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft und unterscheidet sich wesentlich von den Ideen der spekulativen Vernunft. Diese dienen der Systematisierung, Vereinheitlichung und Ordnung der gegebenen Erkenntnisse des Verstandes. Das Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft dient der Systematisierung, Vereinheitlichung und Ordnung des Wollens und Handelns des vernünftigen Wesens und ist gleichsam ein Grundgesetz, das die vernünftigen Wesen miteinander verbindet, vereinheitlicht, d.h. - analog zu den Verstandeskategorien - aus der Mannigfaltigkeit und zusammenhanglosen Vielheit des Wollens und Handelns des vernünftigen Wesens eine "Einheit" konstituiert.

Mit dieser Idee der reinen praktischen Vernunft, dem kategorischen Imperativ, ist das Sein bei Kant in zwei Welten aufgeteilt, die im wesentlichen zwei verschiedene Sphären der Gesetzgebung und der gesetzlichen Ordnungen sind. Die eine verkörpert die Natur (Naturnotwendigkeit), die andere die Vernunft (intelligible Freiheit).

Ausgangspunkt dieser Trennung des Seins in zwei Welten - in Natur und Vernunft - ist das Sittengesetz. Vom ihm aus gesehen ist es möglich, notwendig und sinnvoll, überhaupt von zwei Welten und zwei Gesetzgebungen zu sprechen und deren Unterschied zu bestimmen. Man kann auch von einer Welt des "Bedingten" und einer Welt des "Unbedingten" sprechen, die "Heteronome" und "Autonomie" implizieren und ihren jeweiligen Gegensatz aus sich ausschließen.

Das Unbedingte enthält eine ganz andere Regel und Ordnung als die Naturordnung aufweist.<53>

Diese ganz andere Ordnung ist nicht die Gesetzmäßigkeit eines bestehenden Seins, sondern - als Vernunftidee - eine Gesetzmäßigkeit des Sollens, die das Wollen und Handeln des Menschen fordert nicht so, wie bestehende natürliche Tatsachen. Sie ist nicht faktisch Seiendes und auch kein Wollen, welches, von faktisch Seiendem als davon Bestimmtes ausgeht.

"Das Sollen drückt eine Art von Notwendigkeit und Verknüpfung mit Gründen aus, die in der ganzen Natur sonst nicht vor kommt. Der Verstand kann von dieser nur erkennen, was da ist, oder gewesen ist, oder sein wird. Es ist unmöglich, daß etwas darin anders sein soll, als es in allen diesen Zeitverhältnissen in der Tat ist; ja das Sollen, wenn man bloß den Lauf der Natur vor Augen hat, hat ganz und gar keine Bedeutung. Wir können gar nicht fragen, was in der Natur geschehen soll; ebenso wenig, als: was für Eigenschaften ein Zirkel haben soll, sondern was darin geschieht, oder welche Eigenschaften der letztere hat".

"Dieses Sollen nun drückt eine mögliche Handlung aus, davon der Grund nichts anders, als ein bloßer Begriff ist; da hingegen von einer bloßen Naturhandlung der Grund jederzeit eine Erscheinung sein muß."<54>

Das Sollen ist aber selbst unbedingt ein Sein, dem ein anderes Gesetz als in der Natur


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zugrunde liegt, wo der Grund "ein bloßer Begriff ist", d.h. nicht erscheinendes Sein oder darauf Zurückzuführendes.

Die Vernunft macht sich ihre eigene Ordnung nach der Idee "und folgt nicht der Ordnung der Dinge, so wie sie sich in der Erscheinung darstellen."<55>

Diese (dualistische) Konzeption - einerseits von einem vernünftigen Sein, das sich selbst bestimmt und begründet, das seinen Sinn und Zweck in sich selbst hat und nicht aus anderen (Anderssein) bezieht, und andererseits ein Sein durch Anderes, "reflektiertes Sein", Bezogen-Sein - ist die Voraussetzung, um Kants praktische Philosophie oder - genauer - die reine praktische Vernunft, seine Ethik verstehen zu können.<56>

Diese Konzeption zweier Welten ist dualistisch, da die zwei Welten unvermittelt nebeneinander bestehen und sich nicht gegenseitig bedingen oder durchdringen, sie ohne jede Beziehung aufeinander bestehen und eine Vermittlung nur durch die Vernunft stattfindet, welche die erfahrbare (empirische) Welt nach ihrer Gesetzlichkeit "formiert" oder reguliert.

Das Sittengesetz, das moralische Gesetz, die Autonomie ist als solche nur von der Zwei-Welten-Konzeption her begreifbar und die Konzeption der zwei Welten ist nur vom Standpunkt der Gesetze der reinen praktischen Vernunft, der Autonomie, den moralischen Gesetzen her sinnvoll zu konzipieren und zu verstehen, d.h. von der Autonomie und dem sittlichen Handeln der Individuen her. Die zwei Welten sind daher als Lebenswelten der Individuen zu verstehen.

Dieses löst den Dualismus der zwei Welten tendenziell auf und führt in einen "Monismus" zurück, da der Grund dieser Welten im Postulat des Sittengesetzes, resp. der "reinen praktischen Vernunft", dem sittlichen Handeln, liegt. Es gibt also, bei aller Trennung, durchaus eine innere Beziehung zwischen diesen beiden, angeblich beziehungslos nebeneinander bestehenden, Welten. Sie, d.h. ihre Konzipierung durch Kant, besitzen einen einheitlichen Grund - die reine praktische Vernunft bzw. ihre reine Begründung, die reine begriffliche Fixierung durch Kant.

Sie weisen eine sie verbindende Gemeinsamkeit und Lebenswelt auf, die sie zum sittlichen Handeln und praktischen Vernunftgebrauch auffordert.

Man kann daher auch resümieren, dass der noumenale Charakter dem phänomenalen zugrunde liegt und aus dieser Perspektive die beiden Welten nicht als "Antiwelten"<57> absolut voneinander getrennt sind.

Die Welt der "Dinge an sich", die intelligible Welt, ist die Ursache der sinnlich wahrnehmbaren, der empirischen Welt; sie liegt ihr zugrunde - wie in der theoretischen Philosophie Kants.

Die Vereinigung beider Welten kommt, so Kant, durch die Aktivität der praktischen Vernunft, d.i. des sittlichen Handelns zustande. In der praktischen Vernunft, im sittlichen Handeln werden Gesamtzusammenhänge oder Einheiten beider Welten hergestellt. Die praktische Vernunft, das sittliche Handeln ist für Kant der letzte Zweck und das Endziel, worauf das gesamte System seiner Philosophie abzielt.

Kants Philosophie ist aber auch nicht als reiner "Subjektivismus", als reiner "Intellektualismus", eine Philosophie der reinen Zweckmäßigkeit oder der intelligiblen Freiheit zu bezeichnen, denn seine Bemühung geht gerade darum, empirische Bestimmungen und Determinationen und damit den Dualismus zweier Welten zu überwinden und die Bestimmung des apriorischen Subjekts kontinuierlich zu stärken. Ob das Subjekt zur Geltung und zur absoluten Herrschaft gelangen kann und wird, ist


23

bei Kant skeptisch. Darin besteht also der Skeptizismus im systematischen Denken Kants. Somit kann der Dualismus zweier Welten Kants nicht als eine Idee und auch nicht als ein Postulat betrachtet werden, denn das Postulat bedeutet bei Kant eine Beziehung, eine Herausforderung der Idee zur empirischen Wirklichkeit, sondern als eine Mittelbarkeit, eine notwendige Einheit, die im Fortschritt der Menschengattung, in der Entwicklung der Vernunftsanlage des Menschen durch die alleinige Bestimmung der reinen praktischen Vernunft, d.i. des Subjekts kontinuierlich ersetzt werden soll. Der historische Prozess ist bei Kant deshalb ein Prozess hin zum Subjektivismus, d.i. zur sittlichen Freiheit und Autonomie. Diese Grundlegung der transzendentalen Philosophie Kants äußert sich in seinem Grundverständnis über den Menschen und damit auch über die menschliche Gesellschaft und den menschlichen Staat, die ich in den folgenden Abschnitten dieser Arbeit behandeln möchte.


Fußnoten:

<2>

Ebenda, 46

<3>

Höffe zählt Locke, Hume zu den Vertretern des Empirismus, der die Erkenntnis ausschließlich aus der Erfahrung gewinnt und begründet. ( Ebenda.)

<4>

KrV, 49f. / B, 1f.

<5>

KrV, 120 / B, 74

<6>

KrV, 120 / B, 76

<7>

KrV, 52 / B, 3

<8>

KrV, 17 / B, 102

<9>

KrV, 18 / B, 103f.

<10>

Kant schreibt in seiner Kritik der reinen Vernunft: "Allein die Spontaneität unseres Denkens erfordert es, daß dieses Mannigfaltige zuerst auf gewisse Weise durchgegangen, aufgenommen, und verbunden werde, um daraus eine Erkenntnis zu machen. Diese Handlung nenne ich Synthese." (KrV, 147 / B, 102f.). Er schreibt weiter: "Ich verstehe aber unter Synthesis in der allgemeinsten Bedeutung die Handlung, verschiedene Vorstellungen zu einander, und ihre Mannigfaltigkeit in einer Erkenntnis zu begreifen." (KrV, 147f. / B, 103)

<11>

KrV, 17 / B, 103

<12>

KrV, 28 / B, XVIf.

<13>

KrV, 74 / B, 25

<14>

Die Transzendental-Philosophie Kants ist -wenn man so will- eine Idee der Wissenschaft (eine Wissenschaft vom dem Wissen.) Zentrale Fragen der Transzendental-Philosophie sind bei Kant solche grundlegende Fragen der Wissenschaft, wie z.B.: was ist die Wissenschaft, wie kommt sie zustande?(wie ist sie möglich?) und wo liegt ihre Grenze?. Kant bezeichnet seine Transzendental-Philosophie deshalb als eine "Propädeutik"(eine Einführung in die Wissenschaft), also nicht die Wissenschaft selbst ( KrV, 74 / B, 25 ff.) Er bezeichnet sie auch als einen "Traktat von der Methode" (KrV, 32 / B, XXII) und als einen architektonischen Plan (einen Überbau) der Wissenschaft. Die Wissenschaft formal zu bestimmen ist also die zentrale Anlegung der Transzendental-Philosophie Kants.

<15>

Baumgartner schreibt: "Fragt man nach dem Grund der Einheit, der diese Verbindung, diese Synthesis leistet, dann bleibt zuletzt nichts anderes als die Einheit des Bewußtseins, eine reine ursprüngliche Apperzeption, oder anders gesagt: die Einheit des einigen Selbstbewußtseins, das sich im "Ich denke" zum Ausdruck bringt. Das "Ich denke" (...) ist zugleich der Beleg und die systematische Stellung dieser Einheit des Selbstbewußtseins. Dieser oberste Grund der Einheit wird transzendentale Einheit des Selbstbewußtseins genannt, weil es Bedingung der Möglichkeit der Einheitstiftung für die Erkenntnis überhaupt ist. Die synthetische Einheit der Apperzeption ist der oberste Grund und das oberste Prinzip des Verstandesgebrauchs, das Einheit im Urteilen und... Einheit in der Mannigfaltigkeit der Anschauungen stiftet." (Baumgartner, H. M.: Kants Kritik der reinen Vernunft. Eine Anleitung zur Lektur. Beck-Verlag. München 1988, 77f.)

<16>

Ebenda, 78

<17>

KrV, 28 / B, XVI

<18>

Streit, 342 / A, 119

<19>

KrV, 51 / B, 2f.

<20>

Nach Baumgartner bedeutet der Begriff "a posteriori" Kants Begriffe und Urteile, die ihre Quelle in der Erfahrung haben. Der Gegensatz zu "a posteriori" ist der Begriff "a priori". Dies bedeutet erfahrungunabhängige, von dem Subjekt/Denken ausgehende Begriffe und Urteile.(Baumgartner, H. M.: Kants Kritik der reinen Vernunft. Eine Anleitung zur Lektur. Beck-Verlag. München 1988, 29)

<21>

KrV, 52 / B, 2f.

<22>

Es gibt bei Kant insgesamt 12 Kategorien des Verstandes, die er in 4 Gruppen aufteilt:

1/ Quantität: Einheit, Vielheit und Allheit.

2/ Qualität: Realität, Negation und Limitation.

3/Relation: der Inhärenz und Subsistenz, der Kausalität und

Dependenz (Ursache und Wirkung), der Gemeinschaft

(Wechselwirkung zwischen dem Handelnden und

Leidenden).

4/ Modalität: Möglichkeit-Unmöglichkeit, Dasein-Nichtdasein und

Notwendigkeit-Zufälligkeit.

<23>

GMS, 109 / A, 151

<24>

"Aber hierin liegt eben das Experiment einer Gegenprobe der Wahrheit des Resultats jener ersten Würdigung unserer Vernunfterkenntnis a priori, daß sie nämlich nur auf die Erscheinung gehe, die Sache an sich selbst dagegen zwar als für sich wirklich, aber von uns unerkannt, liegen lasse..." (KrV, 30 / B, XVIIIf.)

<25>

Streit, 342 / A, 119

<26>

Baumgartner, H. M.: Kants Kritik der reinen Vernunft. Eine Anleitung zur Lektur. Beck-Verlag. München 1988, 70

<27>

KrV, 332 / B, 303

<28>

KrV, 341 / B, 310

<29>

KrV, 407 / B, 384

<30>

KrV, 407 / B, 384

<31>

KrV, 407 / B, 384

<32>

Prl, §44

<33>

Prl, §56

<34>

Prl, §44

<35>

"Diese Ideen sind deshalb Begriffe, denen kein kongruierender Gegenstand in den Sinnen gegeben werden kann: sie sind transzendentale Ideen. Werden diese Ideen nun falsch verstanden und falsch gebraucht, indem ihnen ein Gegenstand irrtümlicherweise unterstellt wird, so entspringen Fehlschlüsse der reinen Vernunft. Auf diesen Fehlschlüssen beruht der transzendentale Schein der reinen Vernunft, von dem Kant eingangs des Vernunftkapitels gesprochen hat. Allgemein betrachtet entsteht der transzendentale Schein dadurch, daß die subjektive Bedingung des Denkens, also hier insbesondere des Schließens, für die Erkenntnis des Objekts selber gehalten wird."(Baumgartner, H. M.: Kants Kritik der reinen Vernunft. Eine Anleitung zur Lektur. Beck-Verlag. München 1988, 103

<36>

KrV, 387 / B, 362f.

<37>

KrV, 384 / B, 358f.

<38>

"Die reine Vernunft enthält ausschließlich regulative Prinzipien, die über den empirischen Verstandesgebrauch hinausgehen. Sie entwerfen eine systematische Einheit unserer gesamten Erkenntnisse und führen gerade dadurch den Verstandesgebrauch zur höchstmöglichen Zusammenstimmung mit sich selbst. Darin haben sie ihre zentrale und wesentliche Erkenntnisfunktion." (Baumgartner, H. M.: Kants Kritik der reinen Vernunft. Eine Anleitung zur Lektur. Beck-Verlag. München 1988, 123)

<39>

GMS, 22f. / A, 389

<40>

Prl, §44

<41>

KrV, 407 / B, 384

<42>

KrV, 810f. / B, 828

<43>

KdU, 82 / B, XVIII

<44>

Buhr, M./Irrlitz, G.: Der Anspruch der Vernunft. Akademie-Verlag. Berlin 1968, 65

<45>

GMS, 74f. / A, 426

<46>

KdU, 87 / B, XXVI

<47>

KpV, 193f.

<48>

"Neigung ist blind und knechtisch, sie mag nun gutartig sein oder nicht, und die Vernunft, wo es auf Sittlichkeit ankommt, muß nicht bloß den Vormund derselben vorstellen, sondern ohne auf sie Rücksicht zu nehmen, als reine praktische Vernunft ihr eigenes Interesse ganz allein besorgen." (KpV, 189 / A, 123f.)

<49>

GMS, 56

<50>

Antinomie der reinen Vernunft ist der Widerstreit der Vernunft mit sich selbst. Sie entsteht genau dann, wenn zwei kontradiktorische Aussagen (These und Antithese) gleichermaßen bewiesen werden können, als genau dann, wenn A und Nicht-A in der gleichen Hinsicht zusammen wahr oder falsch sind. Man kann die Antinomie der reinen Vernunft bei Kant auch als Unfähigkeit der reinen Vernunft, mit ihrem bestehenden Grundsatz das bestehende Problem zu erklären, oder zu lösen, verstehen. Die Antinomie der reinen Vernunft bedeutet in diesem Sinne für die reine Vernunft eine Herausforderung, eine neue Grundlegung zu finden oder zu konstituieren, mit der sie das real bestehende Problem lösen kann.

<51>

KrV, 488f. / B, 473

<52>

Stadler, C. M.: Transzendentale Deduktion zwischen Theorie und Praxis. Vorüberlegung zur Staatstheorie nach Kant. JVC-Verlag. Bremen 1994, 103

<53>

KrV, 589 / B, 578

<54>

KrV, 586 / B, 574f.

<55>

KrV, 587 / B, 575

<56>

Beck, L. W.: Kants Kritik der praktischen Vernunft. Beck-Verlag. München 1985, 37

<57>

Siehe: Gulyga, A.: Die klassische deutsche Philosophie. Ein Abriß. Reclam - Verlag. Leipzig 1990, 93


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