Schade, Tobias: „Sonographische Untersuchungen von fokalen nodulären Hyperplasien“ Retrospektive Analyse der Sonomorphologie, Beobachtungen des natürlichen Verlaufes und prospektive Untersuchungen mit Echosignalverstärkern unter dem Einsatz der Power-Doppler-Sonographie und 2nd Harmonic Imaging

Kapitel 1. Einleitung

Die nichtinvasive bildgebende Diagnostik des Abdomens erfolgt mit technologisch sich ständig verbessernden Untersuchungsmethoden wie Farb- und Power-Doppler-Sonographie, Spiral-CT oder MRT. Da auch niedergelassene Ärzte diese Techniken einsetzen, steigt die Anzahl zufällig entdeckter Leberraumforderungen.

1.1 Epidemiologie der fokalen nodulären Hyperplasie

Die fokale noduläre Hyperplasie (FNH) ist eine gutartige Läsion, deren Inzidenz mit etwa 10/100 000 nach den Hämangiomen an zweiter Stelle der benignen Leberraumforderungen liegt (WANLESS et al. 1985; ZOLLER und LIESS 1994).

Die FNH verhält sich weitestgehend asymptomatisch. Wegen ihrer guten Prognose erfordert sie keine Therapie. Daher ist eine Untersuchungsmethode mit hoher Treffsicherheit und geringer Patientenbelastung wünschenswert, die zudem kostengünstig und nichtinvasiv ist.

Goldstandard der Diagnostik von Lebertumoren ist die Histologie. Da gutartige Leberherde aber meist als asymptomatischer Zufallsbefund entdeckt werden, sie oft klein oder für eine Punktion ungünstig gelegen sind, erfolgt die Abklärung zunächst mit bildgebenden Verfahren. Choleszintigraphie und Magnetresonanztomographie (MRT) erreichen dabei die höchste Spezifität (CHERQUI et al. 1995; KURTARAN et al. 1997). LÜNING et al. (1991) sind der Meinung, daß die kontrastmittelgestützte Computertomographie (CT) und Sonographie zur ausreichend sicheren Diagnosestellung nur in Kombination zu nutzen sind.

Die ausschließlich radiologischen und nuklearmedizinischen Verfahren sind strahlenbelastend und kostenaufwendig. Daher muß nach anderen Methoden gesucht werden. Es gilt, strahlenbelastende Techniken (Szintigraphie, Computertomographie) zu vermeiden, preiswerter als die MRT zu arbeiten und möglichst ein bereits etabliertes Verfahren zu verbessern. Dazu bietet sich die Sonographie an, besonders, da sie in der Primärentdeckung asymptomatischer Leberherde eine überragende Rolle spielt.

Nach HILFIKER (1992), GOLLI (1993) und UGGOWITZER (1999) lassen sich durch die fundamentale B-Bild-Sonographie keine pathognomonischen Merkmale für die FNH finden. Die Befunde heute verfügbarer hochauflösender Scanner gestatten, diese Meinung anzuzweifeln.

Aus der Farb-Doppler-Sonographie ist bekannt, daß sich die für die FNH typische radspeichenartige Gefäßarchitektur manchmal darstellen läßt. Wegen der geringen Gefäßdurchmesser intranodaler Arterien ist dieses charakteristische Bild im nativen B-Bild meist nicht erkennbar. Deshalb bietet es sich an, die FNH mit Echosignalverstärkern zu untersuchen.


8

Diese Mittel gestatten eine wesentlich höhere Auflösung perfundierter Blutgefäße als das fundamentale B-Bild.

Das Problem der fundamentalen Doppler-Sonographie liegt in der niedrigen Sensitivität und schwierigen Unterscheidung von Artefakten und langsamen Blutströmungen.

Die Kombination der Signalanalyse harmonischer Schwingungen mit Ultraschall-„Kontrastmitteln“ unter 2nd Harmonic Imaging oder der Pulsinversionstechnik gestattet vom physikalischen Ansatz her eine Verbesserung des Signal-Rausch-Verhältnisses bei gleichzeitiger Verringerung der Artefakte aus Gewebsbewegungen (WERMKE und GASSMANN 1998, BEISSERT et al. 2000). Durch die echosignalverstärkte Power-Doppler-Sonographie wird die Rückstreuamplitude des Blutes mittels injizierter Mikroblasen um 20 bis 30 dB erhöht. Dadurch lassen sich kleinere Gefäße nachweisen als mit der fundamentalen Methode und gleichzeitig sehr geringe Blutströmungen detektieren (WERMKE und GASSMANN 1998).

1.2 Zielstellung und Fragen

Ziel der Untersuchung war es, die sonographischen Erscheinungsbilder der fokalen nodulären Hyperplasie und ihr Verhalten im natürlichen Verlauf zu beschreiben. Dabei sollten Neuentwicklungen sonographischer Technologien unter dem Einsatz von Echosignalverstärkern und deren diagnostische Wertigkeit beurteilt werden.

Es ergeben sich folgende Fragestellungen:

  1. Wie ist die Alters- und Geschlechtsverteilung bei Patienten mit einer FNH?
  2. Bevorzugen fokale noduläre Hyperplasien bestimmte Regionen der Leber?
  3. Gibt es typische sonomorphologische Kriterien für eine FNH?
  4. Wie verhalten sich die Größe und die Sonomorphologie der FNH im natürlichen Verlauf?
  5. Welche zusätzlichen Aussagen zur B-Bild-Sonographie lassen sich durch die pw-Doppler-Sonographie und die Farb-Doppler-Sonographie über eine FNH treffen?
  6. Existieren charakteristische Signalmuster für die FNH unter Einsatz von Echosignalverstärkern in der Power-Doppler-Sonographie unter 2nd Harmonic Imaging und wie hoch ist deren Nachweishäufigkeit?
  7. Sind kontrastspezifische Perfusionsphasen abgrenzbar und wie häufig treten diese auf?
  8. Gibt es Gemeinsamkeiten bei den Kontrastmittel einsetzenden Schnittbildverfahren in der Diagnostik der FNH?
  9. Welche differentialdiagnostischen Probleme treten bei der FNH in der echosignalverstärkten Power-Doppler-Sonographie auf?

© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Mon Apr 28 15:40:36 2003