Schade, Tobias: „Sonographische Untersuchungen von fokalen nodulären Hyperplasien“ Retrospektive Analyse der Sonomorphologie, Beobachtungen des natürlichen Verlaufes und prospektive Untersuchungen mit Echosignalverstärkern unter dem Einsatz der Power-Doppler-Sonographie und 2nd Harmonic Imaging

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Kapitel 5. Zusammenfassung

Nach retrospektiver Auswertung der Daten von 161 Patienten mit fokalen nodulären Hyperplasien zeigte sich, daß diese bevorzugt subkapsulär bzw. die Organkontur überschreitend in beiden Leberlappen vorkommen. Frauen sind bevorzugt betroffen. Die Diagnose wurde überwiegend im dritten bis vierten Lebensjahrzehnt gestellt. Der Durchmesser der Herde lag im Mittel bei 6 cm. In einer Beobachtungszeit bis zu 12 Jahren trat bei der Hälfte der Fälle eine Größenregredienz ein. Ein Drittel veränderte seine Tumorabmessungen nicht, während bei 17% eine Wachstum der FNH zu verzeichnen war.

Im sonographischen Bild erschien die FNH lobuliert (94%) und scharf abgrenzbar (85%). In 96% der Fälle war ein zentraler Narbenstern nachzuweisen. Bei Verfettung des umgebenden Leberparenchyms zeigte sich die Raumforderung überwiegend reflexarm. Ein echoarmes Halo wurde in 22% beobachtet; intratumorale Verkalkungen traten in 15% der Fälle auf.

Im nativen Doppler erschien die FNH zu 97% als gefäßreicher Herd. Die Tumorarterien wiesen im Mittel einen geringen Widerstand (RI 0,42±0,11) bei niedriger Pulsatilität auf (PI 0,57±0,20). Die mittlere Differenz zwischen den RI der Tumorarterien und dem der Arteria hepatica communis betrug 0,34±0,13.

In einer weiteren Studie wurde das Verhalten von 138 fokalen nodulären Hyperplasien unter Einsatz eines Echosignalverstärkers mit der Power-Doppler-Sonographie und 2nd Harmonic Imaging untersucht. Bei 26 Läsionen war die Diagnose der FNH von vornherein gesichert, 112 wurden prospektiv als Raumforderung unklarer Dignität untersucht.

Die retrospektive Untersuchung der fokalen nodulären Hyperplasien zeigte, dass ein charakteristischer Ablauf der Tumorkontrastierung auftritt. Entsprechend dem niedrigen Gefäßwiderstand begann der Mikroblaseneinstrom in die Läsion sehr frühzeitig. In der früharteriellen Phase kontrastierte sich das zuführende Gefäß mit zentrifugaler Auffüllung radspeichenartig angordneter Tumorarterien entlang der Narbensepten. In der Kapillarphase war die Läsion scharf und signalintensiv abzugrenzen. Das Kontrastierungsmaximum lag in der Portalphase.

In der prospektiven Untersuchung von 112 unklaren Raumforderungen gelang die Diagnose der FNH nach diesen Kriterien in 94% der Fälle. In den übrigen 6% wurde zumindest eine bösartige Neubildung ausgeschlossen.

Die vorliegende Arbeit macht deutlich, daß die fokale noduläre Hyperplasie unter Einsatz eines Echosignalverstärkers sonographisch ausreichend sicher diagnostiziert werden kann.


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Beim Nachweis der kontrastspezifischen Kriterien einer FNH ist die Biopsie nicht notwendig. Voraussetzung ist ein erfahrener Untersucher.

Neben weit geringerer Kosten bei einfacher Handhabung und vertretbarem technischen Aufwand stellt die Vermeidung der Strahlenbelastung durch CT oder Szintigraphie einen Gewinn für die Patienten dar.

Die Ergebnisse dieser Arbeit belegen, daß ein abwartendes Verhalten bei einer FNH gerechtfertigt ist, da tumorbedingte Beschwerden selten und Komplikationen der Neoplasie rar sind. Zusätzlich kann in der zweiten Hälfte des Lebens von einer spontanen Regression der fokalen nodulären Hyperplasien ausgegangen werden.


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Mon Apr 28 15:40:36 2003