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1  Einleitung

Bei LKG-Spalten handelt es sich um kongenitale Gesichtsfehlbildungen, die mit ca. 15% die zweit­häufigste (nach dem Klumpfuß) aller Fehlbildungen und den Hauptteil aller kraniofacialen Dysplasien darstellen (ANDRÄ/NEUMANN 1996).
Die Auftretensfrequenz von Spaltbildungen hat in den letzten Jahrzehnten ständig zugenommen. Sie treten in Mitteleuropa mit einer Häufigkeit von ca. 1:500 auf, d.h. von 500 Neugeborenen ist ein Kind Spaltträger.
Der Behandlungserfolg hängt u.a. von der interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Fachge­biete ab. Eines davon ist das der Sprachheilpädagogik/Logopädie, da bereits frühzeitig bei Kindern mit Spaltbildungen Abweichungen im Sprachentwicklungsverlauf von dem altersgleicher Kinder ohne Spaltbildungen auftreten.
Literaturaussagen zur Sprachentwicklung konzentrieren sich meist auf die Entwicklung der Sympto­matik der Gaumenspaltensprache ab einem Alter von ca. 3 Jahren.
Da sich jedoch nach eigenen Beobachtungen spezifische Abweichungen bereits in vorsprachlichen Stadien herauszubilden scheinen, sollen die

untersucht werden.
Sind allgemeine Entwicklungstendenzen bekannt, können daraus möglicherweise spezifische Behand­lungskonzepte mit adäquaten Fördermaterialien abgeleitet und entwickelt werden.
Die ersten Lebensjahre werden für eine rehabilitationspädagogische Intervention als besonders wichtig angesehen (sensible Phasen, kritische Perioden).

Die Dissertation besteht im wesentlichen aus den folgenden Teilen:

In dem sehr umfangreichen Teil der theoretischen Grundlagen (Vorbetrachtungen) werden folgende Themen behandelt:

Bei der Kennzeichnung des Begriffs Sprache werden sowohl die regelgerechte/normgerechte Sprache (Definition, Modalitäten, Funktionen und Ebenen) als auch die gestörte bzw. behinderte Sprache (Sprachstörungen, Sprachentwicklungsstörungen, Sprachbehinderungen, Sprachentwicklungsbehin­derungen) beschrieben.
In der Auseinandersetzung mit dem Spracherwerb erfolgt eine kurze Darstellung der populärsten wissenschaftlichen Spracherwerbstheorien: dem Nativismus, dem Kognitivismus und dem Interaktio­nismus. Die Abschlußbetrachtung enthält eine Zusammenfassung und einen Ausblick.
Der Abschnitt zum frühkindlichen Sprachentwicklungsverlauf umfaßt die Beschreibung der tempora­len und strukturellen Gestaltung verschiedener Entwicklungsabschnitte. Am Anfang der Entwicklung dominieren die frühen Phasen der oralen, visuellen und auditiven Organisation, die ausführlich charak­terisiert werden. Die sprachstrukturelle Entwicklung wird detailliert nach den Sprachebenen darge­stellt. Es überwiegt nach der Schwerpunktsetzung der Dissertation der Anteil der Auseinandersetzung [Seite 9↓]mit der phonetisch-phonologischen Entwicklung. Hier werden die Entwicklungsphasen (Schreien, Lallen, Sprechen) gekennzeichnet und phonologische Erklärungsansätze (physiologische, lerntheore­tische, universalistische, kognitivistische) diskutiert. Des weiteren wird auf das Verhältnis von Perzep­tion und Produktion phonologischer Strukturen, die Organisation phonologischen Wissens (zugrunde­liegende Repräsentationen) sowie auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung bis ca. 6 Jahre einge­gangen.
Letztendlich wird der normgerechten Sprachentwicklung die der Kinder mit Lippen-, Kiefer-, Gau­menspalten (LKG-Spalten), soweit Kenntnisse darüber vorliegen, gegenübergestellt. Auch hier werden die Entwicklungsabschnitte der frühkindlichen Dominanzphasen, der sprachstrukturellen Entwicklung und der weiteren Persönlichkeitsentwicklung berücksichtigt. Zusätzlich wird auf die spezifische Behandlung (prä- und postoperative Sprachförderung) eingegangen. Es werden entwicklungsphysio­logische und –psychologische Aspekte, die eine frühstmögliche medizinische und rehabilitationspä­dagogische Intervention begründen, dargestellt.

Die Untersuchung wurde an 100 Probanden durchgeführt. Diese entstammten dem Patientengut des

Universitätsklinikum(s) Charité
Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin (Mitte)
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie / Plastische Operationen.

Die Daten wurden als Querschnittuntersuchung (zu den einzelnen Phasen) und als Längsschnittunter­suchung (über den gesamten Erhebungszeitraum) ausgewertet.
Dieser Abschnitt beinhaltet die Darstellung der Vorarbeiten bzw. Vorüberlegungen, der Durchführung und schließlich der Ergebnisse.

Nach der Auswertung der Daten aus der Untersuchung erfolgt eine Analyse und Interpretation der Ergebnisse.
Daran schließt sich eine Methodenkritik an.
Der nächste Teil zieht Schlußfolgerungen und Konsequenzen aus den Ergebnissen der Untersuchung für Wissenschaft und Praxis. Die ausgewerteten Ergebnisse werden in den gegenwärtigen Erkenntnis­stand eingeordnet, bestehende Forschungsdefizite und weitere Forschungsmöglichkeiten werden aufgezeigt.
Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der gesamten Ergebnisse.


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03.03.2004