1 Einleitung und Problemstellung

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Die Sicherung einer offenen und artenreichen Kulturlandschaft in Mitteleuropa erfordert die Landschaftspflege in der Agrarlandschaft [MEISEL, 1984; MAYERL, 1990]. Großflächige Landschaftspflege besteht überwiegend aus Maßnahmen zum Offenhalten von Grünlandbiotopen in Form einer extensiven Landwirtschaft und ist an die ortsansässigen, landwirtschaftlichen Betriebe gebunden [N.N., 1993; BEDNARZ, 1994]. In extensiv ausgerichteter Grünlandwirtschaft und der Landschaftspflege fallen große Mengen rohfaserreichen Grünfutters an [ZIMMER, 1990; KNAUER, 1993]. Die Verwendung fütterungstauglichen Mähgutes in der Tierhaltung sollte Vorrang vor dessen Entsorgung durch Verfahren wie Mulchen oder Kompostieren besitzen [PROCHNOW, 1994].

Ausreichende Winterfutterkonservierung erfordert, dieses Material durch das allgemein dominierende Konservierungsverfahren, die Silagebereitung, nutzen zu können. In der Fütterung nicht verwertbare Aufwüchse können durch Silierung für die Nutzverbrennung [BAUER et al., 1994; KASPER und HAHN, 1994] oder Biogasgewinnung [STEWART, 1980] aufbereitet werden. Ergebnisse zur Silierung von extensiv erzeugtem Grünfutter liegen jedoch erst in begrenztem Umfang vor [KAISER et al., 1994; WEISSBACH und HONIG, 1996]. Infolge des mangelnden Nitratgehaltes im Mähgut wird insbesondere mit dem frühzeitigen Auftreten von Buttersäure und einer erhöhten Clostridienbelastung in den Silagen gerechnet [KAISER et al., 1997; KAISER und WEISS, 1997].

Bei Silierversuchen mit überständigen Aufwüchsen aus der Landschaftspflege wurde vor allem eine unerwartet starke Schimmelpilzentwicklung bei den erzeugten Silagen festgestellt. Obwohl die Silageballen praxisüblich mit bis zu 6 Folienlagen umwickelt wurden, waren die Silagen bei der Auslagerung bis in den Kernbereich hinein stark verschimmelt [PROCHNOW, 1994]. Nach bisherigen Erkenntnissen ist bei einer Anzahl von 6 Folienlagen ein ausreichender Luftabschluß von Silageballen gewährleistet, so daß während der Lagerung kein derart starkes Schimmelpilzwachstum stattfinden dürfte [ITOKAWA et al., 1995; FYCHAN und JONES, 1996; KELLER et al., 1997]. Es wurde deutlich, daß die für konventionell erzeugtes Grünfutter bekannten Silierverfahren hinsichtlich der Einschränkung von Schimmelpilzwachstum nicht ohne weiteres auf die Silierung von extensiv erzeugtem Grünfutter und Landschaftspflegegut übertragbar sind.

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Neben speziellen Mähguteigenschaften [DANIEL, 1984], wie chemische Zusammensetzung und Kontaminationsgrad mit Schimmelpilzen, kommen siliertechnische Faktoren als Ursache der erhöhten Pilzentwicklung bei Silagen aus extensiv erzeugtem Siliergut in Betracht. Die Gefahr von Schimmelpilzwachstum in Silagen besteht allgemein bei zunehmendem Gasaustausch, der durch Mängel im Luftabschluß hervorgerufen wird [LINDGREN, 1991]. Der Umfang des Gasaustausches zwischen Silage und Umgebungsluft ist dabei vor allem von der Größe des Porenvolumens in der Silage abhängig, das seinerseits durch die Lagerungsdichte der Silage bestimmt wird [MÜLLER, 1969; RETTIG, 1972; WEISE et al., 1975; WEISE, 1978; HONIG, 1991; MCGECHAN, 1991].

Besondere Probleme im Hinblick auf die Verdichtbarkeit bereitet physiologisch älteres Pflanzenmaterial, wie es häufig unter extensiven Produktionsbedingungen und in der Landschaftspflege vorliegt [OTTO et al., 1993; PROCHNOW, 1994]. Aufgrund seiner starken Rückdehnungseigenschaften läßt sich dieses trockenmasse- und rohfaserreiche Material nur schwer verdichten und ein ausreichender Luftabschluß ist kaum zu gewährleisten [MÜLLER, 1969; FÜRLL, 1973; FÜRLL, 1975; MÜLLER und BREUNIG, 1981]. Mit einem mehr oder weniger starken Lufteintrag während der Lagerung ist hier sowohl in den Randschichten von Silos (z.B. Horizontalsilo, Freigärhaufen, Schlauchsilierverfahren) als auch bei den verschiedenen Arten von Ballensilagen zu rechnen. Dies ist wahrscheinlich die Ursache dafür, daß es in Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter und Landschaftspflegegut während der Lagerung oft zu einem starken Schimmelpilzwachstum kommt.

Schimmelpilzbefall und dadurch eventuell verursachte Mykotoxinbildung müssen bei der Silierung von Halmgut sicher und nachhaltig unterbunden werden, ungeachtet, ob die Silagen verfüttert oder einer anderen Verwertung zugeführt werden. Neben der Minderung des Futterwertes der Silagen geht von Pilzsporen und insbesondere von Mykotoxinen eine Gesundheitsgefährdung für Landwirte und Nutztiere aus. Darüber hinaus besteht bei Fütterung toxinhaltiger Futtermittel infolge „carry over“ das Risiko einer Mykotoxinbelastung der von den Nutztieren gewonnenen Lebensmittel.

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Vor der Mykotoxinbildung steht immer das Wachstum toxinogener Schimmelpilze. Der Mykotoxinbelastung kann nur durch vorbeugende Maßnahmen zur Einschränkung des Pilzwachstums wirkungsvoll entgegengewirkt werden. Eine Beseitigung bereits vorhandener Mykotoxine ist bei Silagen nicht praktikabel. Pilzwachstum und Mykotoxinbildung auf Pflanzen bzw. in Futtermitteln sollten zuallererst durch geeignete agrartechnische Maßnahmen verhindert werden [BAUER, 1994].

Die Parameter Lagerungsdichte und Porenvolumen sowie die äußere Abdichtung des Futterstapels gegenüber atmosphärischen Einflüssen können nur durch die Siliertechnik beeinflußt werden.

Ziel der Untersuchungen ist deshalb die Ermittlung der notwendigen siliertechnischen Parameter, bei denen Schimmelpilzwachstum während der Silagelagerung eingeschränkt werden kann. Die Grenzbedingungen der hierbei wirksamen Einflußfaktoren Lagerungsdichte und äußere Luftabschlußgüte sind zu diesem Zweck näher zu charakterisieren. Vor allem die Wechselwirkungen zwischen den Eigenschaften des Ausgangsmaterials, wie Trockenmasse- und Rohfasergehalt sowie Vergärbarkeit und siliertechnischen Parametern sind dabei besonders zu berücksichtigen.

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Schwerpunkt sind Silierversuche unter Praxis- und Laborbedingungen mit Silagen aus extensiv er-zeugtem Grünfutter, die infolge relativ hoher Rohfasergehalte besonders schwer verdichtbar sind. Die Ergebnisse werden als übertragbar auf Silagen aus konventionell erzeugtem Grünfutter angesehen. Es ist anzunehmen, daß Silagen bei geringerem Rohfasergehalt leichter verdichtbar sind.


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11.10.2006