Ergebnisse

4.1  Praxissilierversuche

↓91

Das Grünfutter wurde bei allen Silierversuchen in einem relativ späten Schnittzeitpunkt geerntet. Der Rohfasergehalt im Siliergut war jedoch mit 242 bis 297 g/kg T in einem überwiegend normal verdichtbaren Bereich. Die Rundballen (R) waren für das angewandte Preßverfahren als normal bis gut verdichtet einzuschätzen. Die infolge kürzerer Häcksellängen ca. 10-15 % höher verdichteten Rundballen (RS) konnten für dieses Preßverfahren als gut bis sehr gut verdichtet eingeschätzt werden. In den Compactrollen (C) wurden als hochverdichtet einschätzbare Grassilagen erzeugt. Besondere Schwierigkeiten bei der Probenahme führten dazu, daß auch die bezüglich der Gärqualität beurteilten Proben teilweise verschimmelte Silage enthielten. Die Einflußfaktoren auf Gärqualität und Pilzwachstum konnten dadurch nicht eindeutig getrennt voneinander untersucht werden.

4.1.1  Gärqualität

Durch verschiedene Welkzeiten sowie Witterungseinflüsse variierte der T-Gehalt im Siliergut zwischen 322 und 637 g/kg. Die Milchsäurebakterienzahl lag mit Werten unterhalb 30000 KBE/g FM im normalen Bereich. Das Siliergut war nahezu nitratfrei. Die nach einer Silagelagerung von 4 bis 6 Monaten erreichte Gärqualität wird in den Tab. 6 bis 10 dargestellt. Bei jedem Versuch wurden je-weils die Auslagerungstermine ausgewählt, an denen weitgehend 2 Ballen je Variante verfügbar waren. Die Versuche werden in der Reihenfolge ihrer Durchführung dargestellt. Die Beurteilung der Gärqualität erfolgte nach dem 1992 vorgeschlagenen DLG-Bewertungsschlüssel mit den aktuellen Änderungen von 1997 zur Bewertung niedriger Essigsäuregehalte [WEISSBACH und HONIG, 1992; WEISSBACH und HONIG, 1997]. Der DLG-Schlüssel (1992 / 1997) ist in Tab. A 3 dargestellt.

In Versuch P 1 wurde ein für die Ballensilierung sehr hoher T-Gehalt (637 g/kg) im Grünfutter erzeugt. Das Siliergut war bei einem Vergärbarkeitskoeffizient von 85 als gut vergärbar einzuschätzen. Wegen der geringen Wasseraktivität war nur eine geringe Fermentation zu erwarten. Wie aus Tab. 6 hervorgeht, waren bei den erzeugten 12 Silageballen nach 4 Monaten Lagerung die Gehalte an Gärprodukten generell sehr niedrig. Auf eine grafische Darstellung vor allem des Buttersäuregehaltes wird daher verzichtet. Die Silagen waren frei von Buttersäure und die Ammoniakgehalte sehr niedrig. Gemessen daran wurde in den Silagen eine gute Gärqualität erreicht. Die schlechten Noten nach dem DLG-Schlüssel sind vor allem auf die ungewöhnlich hohen pH-Werte zurückzuführen. Diese lassen auf einen teilweise starken Pilzbefall infolge Lufteinfluß verbunden mit nachträglichem Milchsäureabbau und pH-Wert-Anstieg bei den Silagen schließen. Der Punktabzug für niedrige Essigsäuregehalte führte ganz allgemein zu einer weiteren Abwertung der Gärqualität.

↓92

Das gleichmäßige Vorgehen bei der Probenahme bedingte, daß bei Vorhandensein von Schimmel in den Probenahmezonen auch anteilig verschimmelte Silage in die jeweilige Probe gelangte. Nach der Probenahme wurde keine Klassifizierung der Proben bezüglich Pilzbefall mehr vorgenommen. Die chemischen Analysen zur Beurteilung der Gärqualität wurden bei allen Silageproben einheitlich durchgeführt. Die hohen pH-Werte können als das Ergebnis eines hohen Anteils verschimmelter Silage in den jeweiligen Proben bzw. in den entsprechenden Entnahmezonen angesehen werden. Dieser tendenzielle Zusammenhang ist z.B. aus der Beziehung zwischen Pilzkeimzahl und pH-Wert in den Silagen von Versuch P 1 ersichtlich (Abb. 8). Bei den anderen Versuchen traten ähnliche Zusammenhänge auf. Sie waren jedoch weniger deutlich und werden nicht extra dargestellt.

Abb. 8: Versuch P 1 - Beziehung zwischen Pilzkeimzahl (lg) und pH-Wert in den Silagen

↓93

Tab. 6: Versuch P 1 - Einfluß von Dichte und Folienlagenzahl auf Gärparameter in Rand und Kern von Silagen nach 4 Monaten Lager (n = 2)

LDI

SZ

F-A

T-DI

T-GH

pH

MS

ES

PS

BS

AL

NH3

NH3-N

DLG

SCHI

kg T/m3

g/kg (korr.)

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

% des Ges-N

Punk-te

No-te

%1)

R

Ra

2 F

189

627,8

7,26

3,9

0,5

0,2

1,4

n.n.

0,6

2,2

25

5

>102)

4 F

179

639,3

6,66

2,9

0,8

0,1

1,2

0,9

0,9

3,2

25

5

5-10

6 F

187

611,7

6,34

5,2

0,5

0,1

1,5

1,4

0,8

2,8

30

5

5-10

Ke

2 F

189

629,4

5,65

6,5

0,9

n.n.

0,8

3,0

0,3

1,1

45

4

5-10

4 F

179

646,9

5,56

4,7

0,9

0,1

0,9

2,7

0,4

1,7

50

4

< 5

6 F

187

613,0

5,56

3,7

0,9

0,2

0,5

5,4

0,3

1,3

50

4

< 5

C

Ra

2 F

342

635,2

7,33

7,7

0,7

n.n.

0,8

n.n.

0,7

2,1

25

5

>102)

4 F

306

647,1

6,22

4,3

0,6

0,1

0,9

3,7

0,6

1,8

30

5

5-10

6 F

331

675,8

5,65

4,4

0,9

n.n.

0,6

3,4

0,3

1,1

45

4

0

Ke

2 F

342

639,2

5,61

7,0

1,4

n.n.

0,8

5,8

0,4

1,6

45

4

< 5

4 F

306

646,3

5,65

4,2

0,8

0,2

1,1

4,1

0,4

1,3

45

4

< 5

6 F

331

675,6

5,54

4,0

0,7

0,4

0,6

3,2

0,3

1,3

50

4

0

1) – prozentuale Einschätzung des Anteils verschimmelter an der insgesamt vorhandenen Silage in der Probenahmezone der Silageballen; 2) – nicht fütterungstauglich wegen starken Schimmelbefalls

Bei einem äußeren Luftabschluß von 2 und 4 Folienlagen wurden in den Randzonen aller Silagen infolge der auch visuell starken Verschimmelung relativ hohe pH-Werte festgestellt. Die Silagen waren daher teilweise als fütterungsuntauglich einzuschätzen. Durch die Erhöhung von 4 auf 6 Fo-lienlagen wurde in den Rundballensilagen (R) keine erkennbare Verbesserung erzielt. In den Compactrollensilagen (C) dagegen waren ab 6 Folienlagen hinsichtlich der Gärqualität keine wesentlichen Unterschiede zwischen Rand- und Kernzone mehr erkennbar. In diesen Silagen bestanden bezüglich des Porenvolumens gegenüber den Rundballen anscheinend nur relativ geringe Unterschiede zwischen Rand- und Kernzone. Erst auf Grundlage einer hohen Lagerungsdichte konnte durch die Erhöhung der äußeren Luftabschlußgüte ein ausreichender Luftabschluß erzielt werden. Die trotzdem schlechte Benotung der Gärqualität dieser Silagen nach dem DLG-Schlüssel ist vor allem auf den Punktabzug für niedrige Essigsäuregehalte zurückzuführen. Die Frage, inwieweit wegen niedriger Essigsäuregehalte die Gärqualität negativ zu werten ist bzw. ein Punktabzug in diesem Zusammenhang gerechtfertigt ist, wird in der Literatur kritisch diskutiert [KAISER et al., 1998].

Tab. 7: Versuch P 2 - Einfluß von Dichte und Folienlagenzahl auf Gärparameter in Rand und Kern von Silagen nach 6 Monaten Lager (n = 2)

LDI

SZ

F-A

T-DI

T-GH

pH

MS

ES

PS

BS

AL

NH3

NH3-N

DLG

SCHI

kg T/m3

g/kg (korr.)

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

% des Ges-N

Punk-te

No-te

%1)

R

Ra

2 F

177

497,9

6,93

5,5

9,9

0,7

6,2

1,2

4,2

11,7

15

5

>102)

4 F

158

541,3

5,73

5,2

0,7

0,3

3,1

8,7

0,9

3,1

40

4

5-10

6 F

187

479,5

5,16

35,0

9,1

0,7

4,9

3,5

3,6

9,7

60

3

5-10

8 F

184

461,4

6,02

18,4

13,7

1,8

9,1

13,4

3,9

11,8

25

5

< 5

Ke

2 F

177

512,6

5,75

2,5

5,4

1,3

9,5

3,5

3,3

10,6

25

5

>102)

4 F

158

547,0

5,47

1,9

1,7

1,7

3,2

6,6

1,0

3,3

45

4

< 5

6 F

187

468,9

6,43

4,2

9,8

3,3

23,0

4,4

4,8

13,6

- 5

5

< 5

8 F

184

473,0

5,84

3,9

6,4

1,6

9,6

6,0

2,9

8,0

25

5

0

C

Ra

2 F

327

470,5

5,83

3,3

10,9

1,5

6,2

1,7

4,3

16,2

25

5

>102)

4 F

298

469,5

5,09

14,3

3,4

0,6

6,3

2,9

2,0

6,6

55

3

< 5

6 F

306

501,7

5,06

14,0

2,5

0,3

3,0

8,2

1,6

5,0

70

3

0

8 F

289

490,7

4,63

40,6

5,9

0,1

2,2

6,6

2,3

6,7

85

2

0

Ke

2 F

327

475,8

5,24

25,8

4,0

0,7

7,2

2,6

2,6

7,8

40

4

< 5

4 F

298

465,9

4,87

17,8

3,4

0,5

6,3

5,0

1,5

4,7

60

3

0

6 F

306

498,7

4,86

9,0

1,3

0,2

1,8

7,0

1,6

4,9

75

2

0

8 F

289

475,6

4,80

17,4

2,7

n.n.

3,0

7,0

1,6

5,1

75

2

0

1) – prozentuale Einschätzung des Anteils verschimmelter an der insgesamt vorhandenen Silage in der Probenahmezone der Silageballen; 2) – nicht fütterungstauglich wegen starken Schimmelbefalls

↓94

In Versuch P 2 lag ein für die Ballensilierung normaler T-Gehalt (472 g/kg) im Ausgangsmaterial vor. Das Siliergut war mit einem Vergärbarkeitskoeffizient von 69 als gut vergärbar einzuschätzen. Insgesamt wurden 32 Silageballen erzeugt und nach einer gestaffelten Lagerungsdauer geöffnet. Trotz der guten Vergärbarkeit des Ausgangsmaterials konnte bei den normalverdichteten Rundballensilagen (R) nach 6 Monaten Lagerung (Tab. 7) zumeist nur eine sehr schlechte bis schlechte Gärqualität mit stellenweise hohen Buttersäuregehalten festgestellt werden. Die Anzahl der Folienlagen hatte darauf offensichtlich keinen gerichteten Einfluß genommen. Es ist anzunehmen, daß auch bei relativ hoher äußerer Luftabschlußgüte sowohl im Rand- als auch Kernbereich der Silagen keine ausreichend anaeroben Silierbedingungen vorlagen. In den hochverdichteten Compactrollensilagen (C) dagegen wurden bereits ab 4 Folienlagen eine mittelmäßige Gärqualität sowie nur noch geringfügige Unterschiede zwischen Rand- und Kernzonen registriert. Bei weiterer Erhöhung der äußeren Luftabschlußgüte auf 6 und 8 Folienlagen konnten in Rand- und Kernzonen nahezu einheitliche und dabei weitgehend buttersäurefreie Silagen mit guter Gärqualität erzielt werden.

Abb. 9: Versuch P 2 - Einfluß von Dichte und Folienlagenzahl auf den Buttersäuregehalt in Rand und Kern von Silagen im Verlauf der Silierung (n = 2)

Es ist anzunehmen, daß in den Rundballensilagen während der Lagerung bei allen Varianten der Folienlagenzahl die Lufteinwirkung nicht auf den Rand beschränkt blieb sondern den Kern mit erfaßt hat. Darauf deuten vor allem die Unterschiede im Gärverlauf zwischen normal- und hochverdichteten Silagen in Versuch P 2 hin, die in Abb. 9 am Beispiel der Entwicklung der Buttersäuregehalte nach einer Lagerungsdauer von 2 und 6 Monaten deutlich werden. In den normalverdichteten Rundballensilagen wurden sowohl in den Rand- als auch den Kernzonen selbst bei hoher äußerer Luftabschlußgüte stellenweise sehr hohe Buttersäuregehalte festgestellt. Bei den hochverdichteten Compactrollensilagen dagegen konnte die Buttersäurebildung ab einer äußeren Luftabschlußgüte von 6 Folienlagen eingeschränkt werden. Daraus kann geschlußfolgert werden, daß hinsichtlich der Erzeugung eines ausreichenden Luftabschlusses die Lagerungsdichte gegenüber der äußeren Luftabschlußgüte primären Charakter besitzt. Offenbar waren unabhängig von der äußeren Luftabschlußgüte bei der Dichte in den Compactrollen im Vergleich zur Dichte in den Rundballen für die Fermentation und Lagerung der Silagen allgemein günstigere anaerobe Bedingungen gegeben.

↓95

Tab. 8: Versuch P 3 - Einfluß von Dichte und Folienlagenzahl auf Gärparameter in Rand und Kern von Silagen nach 6 Monaten Lager (n = 1-2)

LDI

SZ

F-A

T-DI

T-GH

pH

MS

ES

PS

BS

AL

NH3

NH3-N

DLG

SCHI

kg T/m3

g/kg (korr.)

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

% des Ges-N

Punk-te

No-te

%1)

R

Ra

2 F

n.v.

4 F

176

329,3

6,34

2,6

5,5

n.n.

12,8

5,2

5,8

17,8

- 5

5

>102)

6 F

186

338,8

5,73

6,1

6,2

0,7

12,2

17,0

4,6

17,1

10

5

5-10

8 F

181

318,4

5,36

6,9

12,5

0,4

3,9

7,4

2,4

8,7

55

3

5-10

Ke

2 F

n.v.

4 F

176

330,6

5,48

5,6

6,1

n.n.

13,0

10,0

3,4

11,4

20

5

< 5

6 F

186

340,0

5,40

32,0

6,3

1,2

10,2

18,5

5,8

21,8

15

5

< 5

8 F

181

322,7

5,59

7,4

6,7

0,6

14,4

13,6

3,9

14,1

10

5

< 5

C

Ra

2 F

306

334,4

5,20

19,6

13,9

0,2

6,4

9,0

2,9

9,4

50

4

>102)

4 F

326

327,3

4,67

34,1

6,8

n.n.

5,1

11,3

2,9

9,1

65

3

0

6 F

320

340,5

4,69

34,5

5,2

n.n.

3,1

9,5

2,7

7,6

75

2

0

8 F

321

321,5

5,15

28,3

7,0

0,2

7,6

12,3

4,4

14,0

35

4

0

Ke

2 F

306

335,7

5,17

20,0

6,1

1,3

14,8

11,0

3,4

11,4

25

5

< 5

4 F

326

328,8

5,09

28,2

5,5

0,7

10,5

10,8

3,0

8,9

40

4

0

6 F

320

341,1

5,10

31,1

4,1

0,2

4,3

10,7

2,9

8,5

50

4

0

8 F

321

320,6

4,97

41,0

5,8

0,5

7,1

10,9

3,6

11,6

45

4

0

1) – prozentuale Einschätzung des Anteils verschimmelter an der insgesamt vorhandenen Silage in der Probenahmezone der Silageballen; 2) – nicht fütterungstauglich wegen starken Schimmelbefalls

In Versuch P 3 wurde ein für die Anwelksilierung relativ geringer T-Gehalt (322 g/kg) im Siliergut erzeugt. Das Grünfutter wies einen Vergärbarkeitskoeffizient von 42 auf und war als unzureichend vergärbar einzuschätzen. Stabile Silagen waren unsicher bzw. konnten nicht erwartet werden. Aufgrund des geringeren Futterertrages beim 3. gegenüber dem 1. Aufwuchs konnten nur 23 Silageballen erzeugt und eine Variante (Rundballen / 2 Folienlagen) nicht angelegt werden. Nach 6 Monaten Lagerung (Tab. 8) wurde bei allen Silagen überwiegend eine sehr schlechte bis schlechte Gärqualität festgestellt. Unabhängig von Verdichtung und Folienlagenzahl waren die Silagen generell buttersäurehaltig. Die nach 6 gegenüber 2 Monaten Lagerung (Abb. 10) teilweise niedrigeren Buttersäuregehalte sind wahrscheinlich auf die besonderen Schwierigkeiten bei der Probenahme zurückzuführen. Die hochverdichteten Compactrollensilagen (C) wiesen gegenüber den normalverdichteten Rundballensilagen (R) tendenziell geringere Buttersäure- sowie Ammoniakgehalte auf. Darüber hinaus lagen die Milchsäuregehalte (Abb. 11) in den Compactrollensilagen gegenüber den Milchsäuregehalten in den Rundballensilagen meist auf einem auffallend höheren Niveau.

Abb. 10: Versuch P 3 - Einfluß von Dichte und Folienlagenzahl auf den Buttersäuregehalt in Rand und Kern von Silagen im Verlauf der Silierung (n = 1-2)

↓96

Abb. 11: Versuch P 3 - Einfluß von Dichte und Folienlagenzahl auf den Milchsäuregehalt in Rand und Kern von Silagen im Verlauf der Silierung (n = 1-2)

Es ist anzunehmen, daß in den Compactrollensilagen infolge günstigerer anaerober Fermentationsbedingungen eine intensivere Milchsäurebildung als in den Rundballensilagen stattfand. Wegen der unzureichenden Vergärbarkeit des Ausgangsmaterials konnte aber in den Compactrollensilagen trotz hoher Lagerungsdichte eine Buttersäurebildung anscheinend nicht verhindert werden.

In Versuch P 4 lag ein für die Anwelksilierung mittels Siloverfahren normaler T-Gehalt (374 g/kg) im Grünfutter vor. Für die Ballensilierung war dieser Wert jedoch als relativ gering einzuschätzen. Das Siliergut wies einen Vergärbarkeitskoeffizient von 55 auf und war als ausreichend vergärbar einzuschätzen. In diesem Versuch wurden erstmals neben der Compactrollenpresse gleichzeitig zwei Rundballenpressen eingesetzt. Beide Rundballenpressen waren nahezu bauartgleich. Die zusätzlich eingesetzte Presse verfügte jedoch über eine wesentlich verbesserte Vorschneideinrichtung, wodurch das Siliergut vor der Einsilierung intensiver zerkleinert wurde. Bei mehr als der Hälfte der mit dieser Presse erzeugten Rundballen wurde dadurch eine etwa 10-15 % höhere T-Dichte als bei den mit der Presse mit normaler Vorschneideinrichtung produzierten Rundballen erzielt. Mit allen 3 Pressen wurden am selben Tag insgesamt 60 Silageballen erzeugt und gewickelt.

↓97

Tab. 9: Versuch P 4 - Einfluß von Dichte / Häcksellänge (RS) und Folienlagenzahl auf Gärparameter in Rand und Kern von Silagen nach 5 Monaten Lager (n = 2)

LDI

SZ

F-A

T-DI

T-GH

pH

MS

ES

PS

BS

AL

NH3

NH3-N

DLG

SCHI

kg T/m3

g/kg (korr.)

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

% des Ges-N

Punk-te

No-te

%1)

R

Ra

2 F

190

371,9

6,43

1,4

3,1

0,8

15,1

3,9

2,9

12,2

-10

5

>102)

4 F

188

364,4

5,06

4,9

3,3

1,0

16,2

6,6

3,3

16,7

20

5

< 5

6 F

182

354,3

5,08

10,1

2,6

0,8

12,1

5,6

2,1

9,7

35

4

< 5

8 F

190

392,3

5,18

22,5

2,6

0,6

11,4

5,3

2,1

9,6

30

5

< 5

Ke

2 F

190

374,6

5,12

0,8

4,4

1,8

20,3

5,9

3,8

18,6

10

5

5-10

4 F

188

370,1

5,09

9,0

1,3

0,5

9,6

4,0

1,7

7,2

40

4

0

6 F

182

379,3

5,01

6,8

3,1

1,1

15,5

6,8

2,6

12,8

25

5

0

8 F

190

358,5

5,18

13,4

1,8

0,5

9,4

8,1

2,0

9,4

35

4

0

RS

Ra

2 F

216

361,0

6,19

1,6

6,5

1,9

20,6

3,4

3,1

15,5

-10

5

5-10

4 F

209

365,4

5,10

6,0

5,1

2,1

29,6

7,3

4,0

23,1

5

5

0

6 F

223

383,3

5,18

4,8

6,8

1,9

23,2

7,8

4,0

18,2

10

5

0

8 F

203

376,2

4,73

16,6

3,0

1,3

21,8

7,4

2,7

14,4

25

5

0

Ke

2 F

216

362,0

5,12

0,7

8,7

2,5

22,3

6,7

4,4

22,3

10

5

< 5

4 F

209

401,3

5,21

1,6

5,8

3,0

29,6

6,7

4,0

19,1

0

5

0

6 F

223

362,5

5,14

2,9

7,6

2,4

25,3

8,5

4,6

20,6

15

5

0

8 F

203

409,5

5,09

0,9

5,4

2,2

25,5

7,5

3,2

14,0

25

5

0

C

Ra

2 F

291

412,4

5,08

6,6

5,3

1,2

16,2

3,5

3,1

17,7

25

5

5-10

4 F

338

372,8

5,15

6,9

3,5

1,2

17,6

4,8

2,5

11,5

20

5

0

6 F

304

412,9

4,63

10,9

3,2

1,3

8,8

5,9

3,1

15,7

45

4

0

8 F

333

380,1

4,90

1,9

1,2

0,7

14,0

2,6

1,5

6,2

45

4

0

Ke

2 F

291

377,6

4,71

6,3

6,3

1,9

21,2

6,3

4,4

22,8

20

5

0

4 F

338

368,1

4,99

2,3

5,9

1,9

22,6

7,9

4,4

23,0

15

5

0

6 F

304

358,7

4,70

6,7

3,2

1,8

19,0

7,0

3,4

15,7

40

4

0

8 F

333

362,0

4,35

23,0

3,2

1,6

26,0

7,2

2,9

12,8

40

4

0

1) – prozentuale Einschätzung des Anteils verschimmelter an der insgesamt vorhandenen Silage in der Probenahmezone der Silageballen; 2) – nicht fütterungstauglich wegen starken Schimmelbefalls

Abb. 12: Versuch P 4 - Einfluß von Dichte / Häcksellänge (RS) und Folienlagenzahl auf den Buttersäuregehalt in Rand und Kern von Silagen im Verlauf der Silierung (n = 1-2)

Ungewöhnlich ist, daß trotz der guten Vergärbarkeit des Siliergutes in allen Silagen nach 5 Monaten Lagerung (Tab. 9) durchweg nur eine sehr schlechte bis schlechte Gärqualität festgestellt werden konnte. Bemerkenswert sind die allgemein relativ niedrigen Milch- und Essigsäuregehalte. In den hochverdichteten Compactrollensilagen (C) wurde jedoch ab 6 Folienlagen gegenüber allen Rundballensilagen (R / RS) ein durchschnittlich niedrigeres Aziditätsniveau erreicht. Die durchgängig relativ hohen Buttersäuregehalte waren aufgrund der derzeit bekannten Parameter der Vergärbarkeit T-Gehalt und WLKH/PK - Quotient aber nicht zu erwarten gewesen. Es ist nicht auszuschließen, daß die unerwartete Buttersäurebildung auf das Fehlen des natürlichen Clostridieninhibitors Nitrat im Siliergut zurückzuführen ist [WIERINGA, 1966; KAISER et al., 1994; KAISER et al., 1997; KAISER und WEISS, 1997]. In den mit verbesserter Vorschneideinrichtung erzeugten bzw. höherverdichteten Rundballensilagen (RS) wurde gegenüber den normalverdichteten Rundballensilagen (R) keine Verbesserung bezüglich der Gärqualität erzielt. Im Vergleich zu allen anderen Si-lagen fand in den höherverdichteten Rundballensilagen (RS) sogar eine tendenziell stärkere Buttersäurebildung statt (Abb. 12). Es ist anzunehmen, daß durch die intensivere Zerkleinerung des Siliergutes und die bessere Verfügbarkeit von Gärsubstrat in erster Linie die Buttersäuregärung in den Silagen angeregt wurde. Bei dem im Siliergut vorliegenden T-Gehalt führte die durch die Silier-gutzerkleinerung erzeugte höhere Verdichtung anscheinend nicht zu einer besseren Gärqualität.

↓98

In Versuch P 5 wurde ein für die Ballensilierung hoher T-Gehalt (538 g/kg) im Ausgangsmaterial erzeugt. Für praxisübliche Bedingungen ist dieser Wert aber als relativ normal einzuschätzen. Das Siliergut war bei einem Vergärbarkeitskoeffizient von 77 als gut vergärbar einzuschätzen. Mit allen 3 Ballenpressen wurden am selben Tag insgesamt 38 Silageballen hergestellt. Der Futterertrag war höher als beim entsprechenden 3. Aufwuchs im Vorjahr. Wegen der durch die 2. Rundballenpresse insgesamt breiteren Variation mußte jedoch die Variantenzahl bezüglich der Lagerungsdauer auf maximal 3 Auslagerungstermine begrenzt werden. Nach 4 Monaten Lagerung (Tab. 10) waren alle Ballensilagen im wesentlichen buttersäurefrei und enthielten nur geringe Mengen an Ammoniak. Daran gemessen wurde eine gute Gärqualität erreicht. Die schlechte Benotung nach dem DLG-Schlüssel ist ähnlich wie in Versuch P 1 auf die relativ hohen pH-Werte zurückzuführen. Diese können als das Ergebnis von Lufteinfluß mit nachträglichem Milchsäureabbau und pH-Wert-Anstieg infolge Pilzbefall angesehen werden. Der Punktabzug für die niedrigen Essigsäuregehalte führte zur weiteren Abwertung der Gärqualität. Die höherverdichteten Rundballensilagen (RS) waren allgemein fütterungstauglich und wurden gegenüber den normalverdichteten Rundballensilagen (R) vor allem im Randbereich tendenziell besser bewertet. Mit der Siliergutzerkleinerung und höheren Verdichtung wurde offenbar ein etwas besserer Luftabschluß erreicht, so daß im Randbereich ein pH-Wert-Anstieg infolge Pilzbefall eingeschränkt werden konnte. Die höherverdichteten Rundballensilagen (RS) waren in Rand und Kern von weitgehend einheitlicher Gärqualität. In den hochverdichteten Compactrollensilagen (C) wurde abgesehen von der Variante mit 2 Folienlagen eine überwiegend gute und in Rand und Kern einheitliche Gärqualität erzielt. Dies geht auch aus der Entwicklung der Milchsäuregehalte (Abb. 13) im Verlauf der Silierung nach 2 und 4 Monaten Lagerung hervor. Bei allen Varianten der äußeren Luftabschlußgüte wurden hier durchschnittlich höhere Milchsäuregehalte festgestellt. Die allgemein sehr niedrigen Buttersäuregehalte werden grafisch nicht dargestellt. Die tendenziell bessere Gärqualität in den Compactrollen gegenüber den Rundballen wurde offenbar aufgrund günstigerer anaerober Fermentationsbedingungen erreicht.

Tab. 10: Versuch P 5 - Einfluß von Dichte / Häcksellänge (RS) und Folienlagenzahl auf Gärparameter in Rand und Kern von Silagen nach 4 Monaten Lager (n = 1-2)

LDI

SZ

F-A

T-DI

T-GH

pH

MS

ES

PS

BS

AL

NH3

NH3-N

DLG

SCHI

kg T/m3

g/kg (korr.)

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

% des Ges-N

Punk-te

No-te

%1)

R

Ra

2 F

194

521,3

6,14

1,0

0,5

0,4

1,1

7,7

0,8

2,9

35

4

>102)

4 F

200

569,2

5,93

2,0

0,8

0,5

1,0

5,2

0,8

3,2

40

4

5-10

6 F

194

519,4

6,23

2,0

0,6

0,3

0,7

4,8

0,7

2,7

30

5

< 5

8 F

192

552,4

6,03

6,4

1,3

0,3

1,3

5,3

1,1

4,7

35

4

5-10

Ke

2 F

194

518,0

5,95

2,6

0,5

0,2

1,4

5,5

0,7

2,7

40

4

5-10

4 F

200

521,9

5,91

1,5

0,7

0,1

1,6

7,1

0,8

3,0

40

4

< 5

6 F

194

544,2

5,92

0,4

0,5

0,3

0,7

2,8

0,5

2,0

40

4

< 5

8 F

192

536,2

5,27

6,9

1,0

0,2

1,7

4,9

0,9

3,7

50

4

< 5

RS

Ra

2 F

212

535,9

5,85

2,4

0,8

0,7

1,3

7,4

0,6

1,7

40

4

5-10

4 F

202

604,1

6,00

0,5

0,4

0,4

0,8

3,8

0,5

1,7

40

4

5-10

6 F

222

561,5

6,00

0,4

0,5

0,3

1,0

5,4

0,8

3,0

40

4

< 5

8 F

216

510,3

5,90

0,6

0,7

0,3

1,1

2,9

0,6

2,1

40

4

0

Ke

2 F

212

529,1

5,42

3,4

1,0

0,4

2,3

9,9

1,1

4,1

50

4

< 5

4 F

202

545,5

5,85

3,3

0,4

0,2

1,3

10,7

0,9

3,1

40

4

< 5

6 F

222

517,8

5,91

3,8

0,9

0,3

1,2

4,7

1,0

3,4

40

4

0

8 F

216

549,4

5,99

3,4

0,5

0,3

1,1

5,9

0,7

2,4

40

4

0

C

Ra

2 F

305

541,5

5,80

4,5

2,0

0,1

0,6

11,0

1,1

4,0

45

4

5-10

4 F

298

544,0

5,40

17,4

2,8

n.n.

0,4

3,5

1,4

5,1

55

3

< 5

6 F

331

510,6

5,33

11,0

2,4

0,1

1,2

2,2

1,0

3,2

55

3

0

8 F

315

537,8

5,30

9,8

2,5

0,4

1,2

3,1

0,9

3,6

60

3

0

Ke

2 F

305

576,1

5,48

15,7

4,5

0,2

0,8

7,1

1,2

4,1

50

4

< 5

4 F

298

540,8

4,90

6,8

2,2

0,2

1,6

4,5

1,1

3,9

75

2

0

6 F

331

519,1

5,51

6,7

2,2

0,4

1,6

3,5

1,1

3,8

50

4

0

8 F

315

553,4

5,59

5,1

3,5

0,4

0,9

6,1

1,2

4,3

50

4

0

1) – prozentuale Einschätzung des Anteils verschimmelter an der insgesamt vorhandenen Silage in der Probenahmezone der Silageballen; 2) – nicht fütterungstauglich wegen starken Schimmelbefalls

Abb. 13: Versuch P 5 - Einfluß von Dichte / Häcksellänge (RS) und Folienlagenzahl auf den Milchsäuregehalt in Rand und Kern von Silagen im Verlauf der Silierung (n = 1-2)

↓99

Zusammenfassend kann festgehalten werden:

Das Siliergut wies bei 4 von 5 Versuchen einen Vergärbarkeitskoeffizient (VK) größer als 45 auf und war als ausreichend vergärbar einzuschätzen. In einem Versuch (P 3) war die Vergärbarkeit unsicher. Im T-Bereich unterhalb 400 g/kg war das Siliergut offenbar nicht ausreichend angewelkt, weshalb meist nur eine sehr schlechte bis schlechte Gärqualität erreicht wurde. Es ist nicht auszuschließen, daß die bei ausreichender Vergärbarkeit des Grünfutters (nach VK-Werten) unerwartete Buttersäurebildung auf das Fehlen von Nitrat im Siliergut zurückzuführen ist. Im T-Bereich zwischen etwa 450 und 500 g/kg wurden bei hohem Luftabschluß (T-Dichte der Compactrollen, mindestens 6 Folienlagen) nahezu buttersäurefreie Silagen mit geringen Ammoniakgehalten und niedrigen pH-Werten erzielt. Die an diesen Parametern gemessen sehr gute Gärqualität wurde wegen niedriger Essigsäuregehalte nach dem DLG-Schlüssel abgewertet. Im T-Bereich oberhalb 500 g/kg wurden generell buttersäurefreie Silagen mit geringen Ammoniakgehalten erzeugt. Die Fermenta-tion war infolge der geringen Wasseraktivität relativ gering. Wegen der hohen pH-Werte und niedrigen Essigsäuregehalte wurde nur eine schlechte bis mittelmäßige Gärqualität erreicht. Bei Lufteinfluß verschlechterte sich die Gärqualität infolge Milchsäureabbau und pH-Wert-Anstieg.

Durch die Siliergutzerkleinerung wurde bei den Rundballen eine 10-15 % höhere Lagerungsdichte erreicht. Die höhere Dichte führte aber nicht zwangsläufig zu einer besseren Gärqualität in den Si-lagen. Insgesamt wurde jedoch ein verbesserter Luftabschluß erreicht, was in einer zwischen Rand und Kern ausgeglicheneren Gärqualität sowie einem geringeren Pilzbefall zum Ausdruck kam. Bei der hohen Dichte in den Compactrollen wurde in den Silagen eine allgemein bessere und einheitlichere Gärqualität als bei der normalen Dichte in den Rundballen erzielt. Die Lagerungsdichte war gegenüber der äußeren Luftabschlußgüte offenbar von primärer Bedeutung hinsichtlich der Erzeugung eines ausreichenden Luftabschlusses. In den Compactrollen bestanden im Vergleich zu den Rundballen bezüglich des Porenvolumens anscheinend wesentlich geringere Unterschiede zwischen Rand- und Kernbereich und das Porenvolumen war hier allgemein kleiner. Dadurch war bei hoher Dichte ein Lufteinfluß meist nur im äußeren Randbereich möglich, was bei einer äußeren Luftabschlußgüte von 6 Folienlagen in der Regel eingeschränkt werden konnte. Durch die in Rand und Kern gleichermaßen günstigen anaeroben Bedingungen verlief die Fermentation in diesen Be-reichen offenbar in gleichem Umfang und dabei wesentlich intensiver als in den Rundballen. Dies führte in den Compactrollen letztendlich zu einer ausgeglicheneren und besseren Gärqualität. Ein nachträglicher Milchsäureabbau wurde nur bei geringer Folienlagenzahl und im Rand festgestellt.

4.1.2 Pilzwachstum

↓100

Im Siliergut variierte die Pilzkeimzahl zwischen 1,7x106 und 2,2x107 KBE/g FM und der Ergosteringehalt lag zwischen 10,7 und 54,0 mg ERG/kg T. In jedem Versuchsjahr waren die Werte beider Parameter bei den 3. generell höher als bei 1. Aufwüchsen. Die in den Silagen festgestellte Pilzkeimzahl (logarithmische Schreibweise) und die Ergosteringehalte werden in Tab. 11 und 12 nach einer Lagerungsdauer von 4 bis 6 Monaten dargestellt (analog der Gärqualität im Kapitel 4.1.1). Die den Schwellenwert der Verderbnisstufe 1 [ GEDEK, 1973] von 10000 Koloniebildenden Einheiten/g FM (KBE/g FM) übersteigenden Werte werden fettgedruckt hervorgehoben. Bedingt durch die Analysenmethode, die für die Bestimmung der Pilzkeimzahl zur Verfügung stand, wurden bei der Analyse der Proben nicht nur Schimmelpilze sondern auch Hefen erfaßt. Zur genaueren Einschätzung des Schimmelwachstums in den Silagen wurde zusätzlich in allen Proben der Ergosteringehalt bestimmt. Die visuelle Einschätzung der Verschimmelung wird ebenfalls dargestellt. Wegen geringen Futterertrages nicht angelegte Varianten sind als „nicht vorhanden“ gekennzeichnet.

In Versuch P 1 wurde nach 4 Monaten Lagerung (Tab. 11) bei einer äußeren Luftabschlußgüte von 2 Folienlagen im Randbereich aller Ballensilagen eine sehr hohe Pilzkeimzahl und ein gegen-

Tab. 11: Versuche P 1 bis P 3 - Einfluß von Dichte und Folienlagenzahl auf den Pilzbefall in Rand und Kern von Silagen nach 4 bis 6 Monaten Lager

Silierversuche

P 1 1), 3)

P 2 2), 3)

P 3 2), 4)

Varianten

T-DI

PK-Z

ERG

SCHI

T-DI

PK-Z

ERG

SCHI

T-DI

PK-Z

ERG

SCHI

LDI

SZ

F-A

kg T /m3

KBElg /g FM

mg /kg T

%5)

kg T /m3

KBElg /g FM

mg /kg T

%5)

kg T /m3

KBElg /g FM

mg /kg T

%5)

Siliergut →

6,23

10,7

6,57

24,1

7,34

54,0

R

Ra

2 F

189

7,25

211,1

>106)

177

8,03

179,7

>106)

n.v.

4 F

179

4,53

122,6

5-10

158

4,72

99,8

5-10

176

8,89

97,3

>106)

6 F

187

6,30

72,0

5-10

187

7,48

48,4

5-10

186

< 3,0

94,3

5-10

8 F

n.v.

184

3,74

75,8

< 5

181

6,32 7)

90,3

5-10

Ke

2 F

189

4,74

124,1

>106)

177

6,98

40,6

>106)

n.v.

4 F

179

3,69

20,2

< 5

158

< 3,0

37,6

< 5

176

3,85

98,2

< 5

6 F

187

3,20

13,8

< 5

187

3,00

43,0

< 5

186

< 3,07) 91,7

< 5

8 F

n.v.

184

< 3,0

41,3

0

181

4,75 7)

89,3

< 5

C

Ra

2 F

342

6,58

168,6

>106)

327

5,66

63,7

>106)

306

5,70

91,1

>106)

4 F

306

5,36

74,6

5-10

298

5,48

39,6

< 5

326

3,00

89,3

0

6 F

331

3,70

28,8

0

306

< 3,0

36,1

0

320

< 3,0

68,5

0

8 F

n.v.

289

< 3,0

31,1

0

321

< 3,0

75,8

0

Ke

2 F

342

4,34

54,7

< 5

327

4,31

26,2

< 5

306

3,18

79,2

< 5

4 F

306

3,69

14,7

< 5

298

3,00

27,5

0

326

< 3,0

52,2

0

6 F

331

< 3,0

13,6

0

306

< 3,0

27,4

0

320

3,34

61,2

0

8 F

n.v.

289

< 3,0

28,6

0

321

< 3,0

59,0

0

1) / 2) – 4 / 6 Monate Lagerung; 3) / 4) – n = 2 / 1-2; 5) – prozentuale Einschätzung des Anteils verschimmelter an der insgesamt vorhandenen Silage in der Probenahmezone der Silageballen; 6) – nicht fütterungstauglich wegen starken Schimmelbefalls; 7)– direkter Nachweis von Listerien

↓101

über dem Siliergut drastisch erhöhter Ergosteringehalt festgestellt. Die Silagen in diesem Bereich wurden wegen der auch visuell sehr starken Verschimmelung als fütterungsuntauglich eingestuft. In den Kernzonen war der Lufteinfluß bei 2 Folienlagen offenbar noch soweit gegeben, um auch hier einen starken Schimmelbefall zu verursachen. Es wurden jedoch Unterschiede zwischen normalverdichteten Rundballen- (R) und hochverdichteten Compactrollensilagen (C) erkennbar. Bei den Rundballen waren die Silagen im Kernbereich wegen starker visueller Verschimmelung ebenfalls als fütterungsuntauglich einzuschätzen. Im Kernbereich der Compactrollensilagen dagegen lag die Pilzkeimzahl nur wenig über dem Schwellenwert und der visuelle Pilzbefall sowie der Ergo-steringehalt waren gegenüber den Rundballensilagen stark reduziert. Die Gasaustauschrate und das Eindringen von Luft vom Rand- aus in den Kernbereich wurden offenbar bei der höheren Verdichtung verringert. Auch bei nur 2 Folienlagen (praxisunüblich), womit in den Untersuchungen vor allem ein verminderter äußerer Luftabschluß durch z.B. Folienverletzungen nachempfunden werden sollte, wurde hier der Pilzbefall zumindest verlangsamt und in seinem Umfang eingeschränkt.

Abb. 14: Versuch P 1 - Einfluß von Dichte und Folienlagenzahl auf die Pilzkeimzahl (lg) in Rand und Kern von Silagen im Verlauf der Silierung (n = 2)

Ab 4 Folienlagen lag die Pilzkeimzahl im Kernbereich aller Silagen unterhalb des Schwellenwertes, während der Randbereich offenbar weiterhin unter Lufteinfluß stand. Ab 6 Folienlagen waren die hochverdichteten Compactrollensilagen (C) sowohl im Rand- als auch im Kernbereich als mikrobiologisch unbedenklich einschätzbar. Die Pilzkeimzahl (Abb.14) lag unterhalb des Schwellenwertes bzw. der Nachweisgrenze und visuell war kein Pilzbefall feststellbar. Der Ergosteringehalt in den Silagen war nur geringfügig höher als der im Siliergut. In den normalverdichteten Rundballensilagen (R) dagegen wurde bei 6 Folienlagen im Rand noch starker Schimmelbefall festgestellt.

↓102

In Versuch P 2 wurden nach 6 Monaten Lagerung (Tab. 11) ähnliche Beobachtungen wie in Versuch P 1 gemacht. In den Rundballensilagen (R) konnte erst ab 8 Folienlagen im Rand- und Kernbereich eine Pilzkeimzahl unterhalb des Schwellenwertes erreicht werden. Der Ergosteringehalt war auch hier bei vergleichbaren Varianten der Folienlagenzahl in den Rundballen- stets höher als in den Compactrollensilagen. Die Entwicklung der Pilzkeimzahl im Verlauf der Silierung (Abb. 15)

Abb. 15: Versuch P 2 - Einfluß von Dichte und Folienlagenzahl auf die Pilzkeimzahl (lg) in Rand und Kern von Silagen im Verlauf der Silierung (n = 2)

verdeutlicht die nachhaltige Einschränkung des Pilzwachstums bei höherer Dichte. Während der Lagerung nahm die Pilzkeimzahl in den hochverdichteten Compactrollensilagen (C) auch bei gerin-ger Folienlagenzahl in Rand und Kern tendenziell ab. In den normalverdichteten Rundballensilagen (R) dagegen stieg die Pilzkeimzahl teilweise an. Hinsichtlich der Einschränkung des Pilzwachstums war die Lagerungsdichte gegenüber der Folienlagenzahl anscheinend von primärer Bedeutung.

↓103

In Versuch P 3 (3. Aufwuchs 1996) war nach 6 Monaten Lagerung (Tab. 11) der Pilzbefall, insbesondere die visuelle Verschimmelung, bei den Rundballensilagen (R) im Vergleich zu den entsprechenden Rundballensilagen von Versuch P 2 (1. Aufwuchs 1996) durchschnittlich stärker. Bei den Compactrollensilagen (C) waren bezüglich des Pilzbefalls derartige Unterschiede zwischen den Versuchen (Aufwüchsen) nicht erkennbar. Die höhere Pilzkeimzahl und der höhere Ergosteringehalt in den Rundballensilagen lassen auf ein stärkeres Pilzwachstum als in den Compactrollensilagen schließen. Selbst bei 8 Folienlagen wurden nicht nur im Rand- sondern auch im Kernbereich der Rundballensilagen eine relativ hohe Pilzkeimzahl und ein visuell starker Pilzbefall festgestellt.

Abb. 16: Versuch P 3 - Einfluß von Dichte und Folienlagenzahl auf die Pilzkeimzahl (lg) in Rand und Kern von Silagen im Verlauf der Silierung (n = 1-2)

Im Verlauf der Silagelagerung (Abb. 16) stieg die Pilzkeimzahl in den normalverdichteten Rundbal-lensilagen (R) überwiegend an. In den hochverdichteten Compactrollensilagen (C) dagegen sank mit Ausnahme der Variante mit 2 Folienlagen die Pilzkeimzahl während der Lagerung auf Werte unterhalb des Schwellenwertes bzw. der Nachweisgrenze ab. Die Rundballensilagen waren erst ab 6 Folienlagen, die Compactrollensilagen dagegen schon ab 4 Folienlagen fütterungstauglich. Offenbar wegen des größeren Porenvolumens im Vergleich zu den Compactrollen war der Lufteinfluß in den Rundballen nicht nur auf den Rand beschränkt sondern erfolgte auch im Kern der Silagen. Das Schimmelwachstum in den Rundballensilagen vom 3. Aufwuchs 1996 wurde durch den beim 3. Aufwuchs gegenüber dem 1. Aufwuchs höheren Pilzbesatz im Siliergut anscheinend beschleunigt. Dagegen war bei der hohen Dichte in den Compactrollensilagen der Pilzbesatz im Siliergut kaum von Bedeutung für den Pilzbefall der Silagen. Dies ist ein Ausdruck dafür, daß bezüglich der Erzeugung eines ausreichenden Luftabschlusses zur Einschränkung von Schimmelwachstum die Lagerungsdichte gegenüber der äußeren Luftabschlußgüte primären Charakter besitzt. In den Rundballensilagen fanden durch den gegenüber den Compactrollensilagen geringeren Luftabschluß und die höheren pH-Werte noch weitere mikrobielle Schaderreger offenbar günstige Bedingungen vor. Dies verdeutlichte der direkte Nachweis von Listerien vor allem in den Rundballensilagen [FENLON et al., 1995; GRANT et al., 1995; WELCHMANN et al., 1997; MOLSAN et al., 1998].

↓104

In Versuch P 4 wurde nach 5 Monaten Lagerung (Tab. 12) im Unterschied zu den anderen Versuchen nur bei einer äußeren Luftabschlußgüte von 2 Folienlagen und auch nur im Randbereich der Silagen teilweise eine Pilzkeimzahl oberhalb des Schwellenwertes festgestellt. Ab 4 Folienlagen waren alle Silagen fütterungstauglich. Bei den mit verbesserter Vorschneideinrichtung erzeugten und höherverdichteten Rundballensilagen (RS) wurde gegenüber den normalverdichteten Rundballensilagen (R) ein geringerer Schimmelbefall beobachtet. Es ist anzunehmen, daß durch die höhere Verdichtung offenbar ein besserer Luftabschluß erzielt wurde. Den allgemein niedrigsten Ergosteringehalt wiesen jedoch die hochverdichteten Compactrollensilagen (C) auf, was auf ein relativ geringes Pilzwachstum in diesen Silagen hindeutet. Darüber hinaus ist auch nicht auszuschließen, daß der in diesem Versuch relativ hohe Buttersäuregehalt der Silagen eine inhibito-rische Wirkung auf das Schimmelpilzwachstum ausübte [MOON, 1983; REIß, 1986]. Dies kann vor allem bei den höherverdichteten Rundballensilagen angenommen werden, bei denen im Vergleich zu den anderen Silagen die intensivste Buttersäurebildung festgestellt wurde. Die Entwicklung der Pilzkeimzahl im Verlauf der Silierung wird in Abb. 17 nach 2 und 5 Monaten Lagerung dargestellt. Nur bei 2 Folienlagen stieg die Pilzkeimzahl in den Silagen während der Lagerung teilweise an. In den höherverdichteten Rundballensilagen (RS) lag nach 5 Monaten der niedrigste Pilzbefall vor.

In Versuch P 5 wurde wie schon im Versuchsjahr 1996 beim Siliergut vom 3. gegenüber dem Siliergut vom 1. Aufwuchs ein allgemein höherer Pilzbesatz festgestellt. Nach 4 Monaten Lagerung (Tab. 12) wurde ähnlich wie in Versuch P 3 (3. Aufwuchs 1996) in den normalverdichteten Rundballensilagen (R) trotz einer hohen äußeren Luftabschlußgüte von 8 Folienlagen nicht nur im Rand- sondern auch im Kernbereich der Silagen eine Pilzkeimzahl oberhalb des Schwellenwertes und eine visuell starke Verschimmelung festgestellt. In den höherverdichteten Rundballensilagen (RS)

Tab. 12: Versuche P 4 und P 5 - Einfluß von Dichte / Häcksellänge (RS) und Folienlagenzahl auf den Pilzbefall in Rand und Kern von Silagen nach 4 bis 5 Monaten Lager

Silierversuche

P 4 2), 3)

P 5 1), 4)

Varianten

T-DI

PK-Z

ERG

SCHI

T-DI

PK-Z

ERG

SCHI

LDI

SZ

F-A

kg T /m3

KBElg /g FM

mg /kg T

%5)

kg T /m3

KBElg /g FM

mg /kg T

%5)

Siliergut →

6,85

21,0

7,18

36,0

R

Ra

2 F

190

6,48

143,6

> 106)

194

6,78

88,0

> 106)

4 F

188

< 3,0

65,5

< 5

200

5,01

40,6

5-10

6 F

182

< 3,0

33,9

< 5

194

3,65

41,3

< 5

8 F

190

< 3,0

37,3

< 5

192

4,70

41,6

5-10

Ke

2 F

190

< 3,0

32,6

5-10

194

< 3,0

46,5

5-10

4 F

188

< 3,0

52,2

0

200

3,78

39,4

< 5

6 F

182

< 3,0

49,4

0

194

3,00

48,5

< 5

8 F

190

< 3,0

65,6

0

192

4,22

46,9

< 5

RS

Ra

2 F

216

3,40

67,6

5-10

212

5,00

65,3

5-10

4 F

209

< 3,0

48,8

0

202

4,08

69,2

5-10

6 F

223

< 3,0

47,8

0

222

< 3,0

60,5

< 5

8 F

203

< 3,0

47,5

0

216

3,00

50,4

0

Ke

2 F

216

< 3,0

56,5

< 5

212

4,48

37,7

< 5

4 F

209

3,00

35,8

0

202

5,00

36,9

< 5

6 F

223

< 3,0

36,3

0

222

3,48

43,3

0

8 F

203

< 3,0

33,1

0

216

3,70

48,8

0

C

Ra

2 F

291

5,55

32,4

5-10

305

5,47

45,8

5-10

4 F

338

< 3,0

34,9

0

298

< 3,0

49,0

< 5

6 F

304

< 3,0

34,2

0

331

< 3,0

37,0

0

8 F

333

< 3,0

24,6

0

315

< 3,0

39,9

0

Ke

2 F

291

< 3,0

23,3

0

305

4,84

46,7

< 5

4 F

338

< 3,0

24,2

0

298

3,74

43,2

0

6 F

304

< 3,0

36,9

0

331

3,30

37,9

0

8 F

333

< 3,0

22,6

0

315

3,00

38,6

0

1) / 2) – 4 / 5 Monate Lagerung; 3) / 4) – n = 2 / 1-2; 5) – prozentuale Einschätzung des Anteils verschimmelter an der insgesamt vorhandenen Silage in der Probenahmezone der Silageballen; 6) – nicht fütterungstauglich wegen starken Schimmelbefalls

↓105

Abb. 17: Versuch P 4 - Einfluß von Dichte / Häcksellänge (RS) und Folienlagenzahl auf die Pilzkeimzahl (lg) in Rand und Kern von Silagen im Verlauf der Silierung (n = 2)

Abb. 18: Versuch P 5 - Einfluß von Dichte / Häcksellänge (RS) und Folienlagenzahl auf die Pilzkeimzahl (lg) in Rand und Kern von Silagen im Verlauf der Silierung (n = 1-2)

dagegen wurde ab 6 Folienlagen das Pilzwachstum soweit eingeschränkt, daß in Rand und Kern der Silagen eine Pilzkeimzahl unterhalb des Schwellenwertes vorlag. Ab 6 Folienlagen war auch visuell kaum noch Schimmelbefall feststellbar. Es ist anzunehmen, daß durch die Siliergutzerkleinerung und höhere Verdichtung in Rand und Kern dieser Rundballensilagen (RS) gegenüber den normalverdichteten Rundballensilagen (R) offensichtlich ein geringeres Porenvolumen und damit verbunden ein besserer Luftabschluß erzielt wurde. Bei den hochverdichteten Compactrollensilagen (C) sank die Pilzkeimzahl im Vergleich dazu bereits ab 4 Folienlagen im Rand- und Kernbereich unter den Schwellenwert ab. Hierbei war auch visuell nahezu kein Pilzbefall mehr erkennbar.

↓106

Die Entwicklung der Pilzkeimzahl im Verlauf der Silierung wird in Abb. 18 nach 2 und 4 Monaten Lagerung dargestellt. In den normalverdichteten Rundballensilagen (R) stieg die Pilzkeimzahl teilweise auf Werte oberhalb des Schwellenwertes an. In den höherverdichteten Rundballensilagen (RS) dagegen sank die Pilzkeimzahl meist ab. Bei 6 und 8 Folienlagen wurde nach 4 Monaten La-gerung eine Pilzkeimzahl unterhalb bzw. im Bereich des Schwellenwertes erzielt. In den hochver-dichteten Compactrollensilagen (C) fiel die Pilzkeimzahl bereits ab 4 Folienlagen unter den Schwel-lenwert und sank mit steigender Folienlagenzahl tendenziell weiter ab bis hin zur Nachweisgrenze. Mit steigender Dichte war ein ausreichender Luftabschluß offenbar mit weniger Folienlagen erzielbar. Der mit zunehmender Dichte bessere Luftabschluß und tendenzielle Rückgang der Pilzkeimzahl wird zusammengefaßt in Abb. 19 deutlich. Jedes Kästchen steht für eine Probe (n = 330). Die Pilzkeimzahl war bei relativ geringer Dichte breiter gestreut als bei hoher Dichte. Bei hoher Dichte lag eine Pilzkeimzahl oberhalb des Schwellenwertes im wesentlichen bei geringer Folienlagenzahl und meistens nur im Rand vor. Mit steigender Folienlagenzahl sank tendenziell die Pilzkeimzahl.

Zusammenfassend kann festgehalten werden:

Das Siliergut wies beim 1. gegenüber dem 3. Aufwuchs in jedem Versuchsjahr eine niedrigere Pilz-keimzahl und einen geringeren Ergosteringehalt auf. Der Infektionsdruck durch Pilz- und andere Schadkeime war bei den 3. Aufwüchsen höher. Bei der hohen Dichte in den Compactrollen wurden aber relativ unabhängig davon ab einer äußeren Luftabschlußgüte von 4 Folienlagen generell fütterungstaugliche Silagen erzeugt. In den Kern- und meist auch den Randzonen der Compactrollen-silagen wurde dabei eine Pilzkeimzahl unterhalb des Schwellenwertes (10000 KBE/g FM) erreicht. Ab 6 Folienlagen waren die Compactrollensilagen allgemein weitgehend unverschimmelt. Bei normaler Rundballenverdichtung (R) dagegen konnte auch bei 6 bis 8 Folienlagen eine Einschränkung des Schimmelbefalls nicht in jedem Versuch erreicht werden. Vor allem im Randbereich war auch bei hoher äußerer Luftabschlußgüte häufig eine visuell starke Verschimmelung feststellbar. Bei den mit verbesserter Vorschneideinrichtung erzeugten bzw. höher verdichteten Rundballensilagen (RS) wurde gegenüber den normalverdichteten Rundballensilagen (R) tendenziell ein geringerer Schim-melbefall festgestellt. Durch die intensivere Siliergutzerkleinerung wurde offenbar ein verbesserter Luftabschluß erzielt. Es ist anzunehmen, daß sich mit steigender Lagerungsdichte die Grundlagen für einen ausreichenden Luftabschluß prinzipiell verbesserten. Die Lagerungsdichte besaß bezüglich der Einschränkung des Schimmelbefalls gegenüber der Folienlagenzahl primären Charakter.

↓107

Abb. 19: Versuche P 1 bis P 5 - Einfluß von Lagerungsdichte und Folienlagenzahl auf die Pilzkeimzahl in Rand und Kern der Silagen (n: R = 122 / RS = 60 / C = 148)

In Tab. 13 werden ausgewählte Parameter der in den Versuchen während der Silierung festgestell-ten Gärqualität und die jeweils ermittelte Pilzkeimzahl zusammenfassend dargestellt. Es wurde ein äußerer Luftabschluß von 6 Folienlagen gewählt, der bei Silageballen als ausreichend angesehen wird [ITOKAWA et al., 1995; KELLER et al., 1997]. Bei normaler Rundballendichte (R) bestanden trotz 6 Folienlagen in der Gärqualität teilweise deutliche Unterschiede zwischen Rand- und Kernbereich. Eine Pilzkeimzahl oberhalb des Schwellenwertes war relativ häufig. Durch eine Siliergutzer-kleinerung und höhere T-Dichte bei den Rundballen (RS) verbesserte sich tendenziell der Luftabschluß und die Unterschiede zwischen Rand und Kern wurden geringer. Es konnten hier aber nur 2 Versuche durchgeführt werden. Bei der hohen T-Dichte in den Compactrollen (C) wurde offenbar ein ausreichender Luftabschluß erzielt. Die Silagen waren relativ unabhängig vom Siliergut bei je-der Auslagerung in Rand und Kern meist von einheitlicherer und besserer Gärqualität als die Rund-ballensilagen. Die Pilzkeimzahl lag in der Regel unterhalb oder im Bereich der Nachweisgrenze.

Tab. 13: Versuche P 1 bis P 5 - Einfluß von Dichte / Häcksellänge (RS) auf ausgewählte Gärparameter und die Pilzkeimzahl in Rand und Kern von Silagen bei 6 Folienlagen

Lagerungsdauer (Monate)

4

2

6

2

6

2

5

2

4

LDI

SZ

Parameter

P 1

P 2

P 3

P 4

P 5

R

T-DI

kg T/m3

187

187

187

175

186

201

182

196

194

Ra

pH

6,34

6,01

5,16

6,43

5,73

4,80

5,08

6,29

6,23

BS

g/kg T

1,5

7,6

4,9

7,2

12,2

18,7

12,1

1,8

0,7

PK-Z

KBElg/g FM

6,30

4,08

7,48

6,36

< 3,0

< 3,0

< 3,0

5,00

3,65

Ke

pH

5,56

5,83

6,43

5,60

5,40

5,38

5,01

4,69

5,92

BS

g/kg T

0,5

6,4

23,0

23,4

10,2

12,0

15,5

1,5

0,7

PK-Z

KBElg/g FM

3,20

4,33

3,00

4,40

< 3,0

< 3,0

< 3,0

3,48

3,00

RS

T-DI

kg T/m3

n.v.

204

223

198

222

Ra

pH

n.v.

5,19

5,18

5,52

6,00

BS

g/kg T

n.v.

18,4

23,2

0,8

1,0

PK-Z

KBElg/g FM

n.v.

< 3,0

< 3,0

4,01

< 3,0

Ke

pH

n.v.

5,29

5,14

6,48

5,91

BS

g/kg T

n.v.

15,9

25,3

1,6

1,2

PK-Z

KBElg/g FM

n.v.

3,00

< 3,0

4,86

3,48

C

T-DI

kg T/m3

331

319

306

317

320

288

304

284

331

Ra

pH

5,65

5,14

5,06

5,45

4,69

5,01

4,63

5,32

5,33

BS

g/kg T

0,6

2,5

3,0

11,4

3,1

22,7

8,8

0,7

1,2

PK-Z

KBElg/g FM

3,70

< 3,0

< 3,0

4,84

< 3,0

< 3,0

< 3,0

< 3,0

< 3,0

Ke

pH

5,54

5,00

4,86

5,18

5,10

5,18

4,70

5,06

5,51

BS

g/kg T

0,6

3,9

1,8

9,3

4,3

23,1

19,0

3,2

1,6

PK-Z

KBElg/g FM

< 3,0

< 3,0

< 3,0

3,58

3,34

3,30

< 3,0

< 3,0

3,30

↓108

4.1.3 Mykotoxingehalt

Die Silagen wurden bezüglich des Mykotoxinvorkommens auf Roquefortin C hin untersucht, das in der Literatur auch als „Leittoxin“ bei der Kontamination von Silagen mit Penicillium roqueforti - Toxinen angesehen wird [ARMBRUSTER, 1994; AUERBACH, 1996]. Der Anteil Roquefortin C - positiver (≥ 0,05 mg ROF/kg T) an den insgesamt analysierten Silageproben wird in Tab. 14 dargestellt.

Tab. 14: Versuche P 1 bis P 5 - Einfluß von Dichte / Häcksellänge (RS) und Folienlagenzahl auf das Vorkommen von Roquefortin C (≥ 0,05 mg ROF/kg T) in den Silagen (n = 330)

Versuche

P 1 (1. AW)

P 2 (1. AW)

P 3 (3. AW)

P 4 (1. AW)

P 5 (3. AW)

Varianten

n1)

davon

n1)

davon

n1)

davon

n1)

davon

n1)

davon

LDI

SZ

F-A

positiv2)

positiv2)

positiv2)

positiv2)

positiv2)

 

C

Ra

2 F

2

0

4

0

4

2

5

4

4

0

4 F

2

0

4

2

4

3

5

4

4

0

6 F

2

0

4

0

4

3

5

5

4

0

8 F

n.v.

4

0

4

3

5

4

4

0

Ke

2 F

2

0

4

1

4

4

5

5

4

0

4 F

2

0

4

0

4

4

5

5

4

0

6 F

2

0

4

0

4

4

5

5

4

1

8 F

n.v.

4

0

4

4

5

5

4

0

R

Ra

2 F

2

0

4

2

n.v.

5

4

3

0

4 F

2

0

4

0

2

2

5

5

3

0

6 F

2

0

4

1

3

3

5

5

3

0

8 F

n.v.

4

0

2

1

5

4

3

0

Ke

2 F

2

0

4

0

n.v.

5

5

3

0

4 F

2

0

4

1

2

2

5

5

3

0

6 F

2

0

4

0

3

3

5

5

3

0

8 F

n.v.

4

1

2

2

5

4

3

0

RS

Ra

2 F

n.v.

5

5

2

0

4 F

n.v.

5

5

2

0

6 F

n.v.

5

5

3

0

8 F

n.v.

5

5

3

0

Ke

2 F

n.v.

5

5

2

0

4 F

n.v.

5

5

2

0

6 F

n.v.

5

5

3

0

8 F

n.v.

5

5

3

0

1) - Summe der Silageproben von allen Auslagerungsterminen; 2) - Nachweisgrenze: ≥ 0,05 mg ROF/kg T

↓109

Die Höhe der in den Silagen nach 4 bis 6 Monaten Lagerung festgestellten Roquefortin C - Gehalte wird in Tab. 15 dargestellt (analog Gärqualität und Pilzwachstum in den vorhergehenden Kapiteln).

In Versuch P 1 konnte Roquefortin C in allen Ballensilagen nicht nachgewiesen werden. In Versuch P 2 waren 8 von insgesamt 64 Silageproben toxinpositiv, davon 5 Proben nach 6 Monaten Lagerung. Überwiegend wurden jedoch nur Gehalte im Bereich der Nachweisgrenze festgestellt.

Tab. 15: Versuche P 1 bis P 5 - Einfluß von Dichte / Häcksellänge (RS) und Folienlagenzahl auf den Roquefortin C - Gehalt in Rand und Kern von Silagen nach 4 - 6 Monaten Lager

Silierversuche

P 1 1), 4)

P 2 3), 4)

P 3 3), 5)

P 4 2), 4)

P 5 1), 5)

Varianten

T-DI

ROF

T-DI

ROF

T-DI

ROF

T-DI

ROF

T-DI

ROF

LDI

SZ

F-A

kg T /m3

mg /kg T

kg T /m3

mg /kg T

kg T /m3

mg /kg T

kg T /m3

mg /kg T

kg T /m3

mg /kg T

C

Ra

2 F

342

n.n.

327

n.n.

306

n.n.

291

0,33

305

n.n.

4 F

306

n.n.

298

0,06

326

0,06

338

0,15

298

n.n.

6 F

331

n.n.

306

n.n.

320

0,05

304

0,25

331

n.n.

8 F

n.v.

289

n.n.

321

0,06

333

0,36

315

n.n.

Ke

2 F

342

n.n.

327

n.n.

306

0,24

291

0,31

305

n.n.

4 F

306

n.n.

298

n.n.

326

0,31

338

0,27

298

n.n.

6 F

331

n.n.

306

n.n.

320

0,27

304

0,20

331

n.n.

8 F

n.v.

289

n.n.

321

0,75

333

0,14

315

n.n.

R

Ra

2 F

189

n.n.

177

0,05

n.v.

190

0,36

194

n.n.

4 F

179

n.n.

158

n.n.

176

0,09

188

0,44

200

n.n.

6 F

187

n.n.

187

0,35

186

0,23

182

0,22

194

n.n.

8 F

n.v.

184

n.n.

181

n.n.

190

0,17

192

n.n.

Ke

2 F

189

n.n.

177

n.n.

n.v.

190

0,44

194

n.n.

4 F

179

n.n.

158

0,05

176

0,39

188

0,33

200

n.n.

6 F

187

n.n.

187

n.n.

186

0,30

182

0,22

194

n.n.

8 F

n.v.

184

0,05

181

0,25

190

0,13

192

n.n.

RS

Ra

2 F

n.v.

216

0,23

212

n.n.

4 F

n.v.

209

0,26

202

n.n.

6 F

n.v.

223

0,45

222

n.n.

8 F

n.v.

203

0,33

216

n.n.

Ke

2 F

n.v.

216

0,40

212

n.n.

4 F

n.v.

209

0,35

202

n.n.

6 F

n.v.

223

0,47

222

n.n.

8 F

n.v.

203

0,42

216

n.n.

1) / 2) / 3) – 4 / 5 / 6 Monate Lagerung; 4) / 5) – n = 2 / 1-2; n.n. - nicht nachgewiesen; n.v. - nicht vorhanden

↓110

In Versuch P 3 waren dagegen etwa 93 % der Rundballen- und 84 % der Compactrollensilagen toxinpositiv. Nach 6 Monaten Lagerung wurde bis auf 2 Ausnahmen in allen Silagen Roquefortin C nachgewiesen. Die Gehalte (0,05 - 0,75 mg ROF/kg T) waren tendenziell etwas höher als die Gehalte in Versuch P 2. Sie konnten aber unter Berücksichtigung von Angaben in der Literatur noch als relativ niedrig eingeschätzt werden [ARMBRUSTER, 1994; AUERBACH, 1996]. In Versuch P 4 war der Anteil toxinpositiver an den gesamten Proben insgesamt noch höher, bei allen Ballensilagen mehr als 90 %. Dies ist insofern bemerkenswert, als in den Silagen dieses Versuches zumeist

Abb. 20: Versuche P 1 bis P 5 - Vorkommen von Roquefortin C (≥ 0,05 mg ROF/kg T) in den Silagen in Abhängigkeit von Pilzkeimzahl (lg) und T-Gehalt (n = 330)

eine relativ niedrige Pilzkeimzahl festgestellt wurde. Nach 5 Monaten Lagerung wurde in Rand und Kern von allen Ballensilagen Roquefortin C im Bereich 0,13 - 0,47 mg ROF/kg T nachgewiesen. In Versuch P 5 wiederum wurde nur bei einer von insgesamt 76 Silageproben Roquefortin C im Bereich der Nachweisgrenze festgestellt. Nach 4 Monaten Lagerung konnte kein Mykotoxin in den Si-lagen nachgewiesen werden. Der Grad des Pilzbesatzes im Siliergut übte offenbar keinen unmittel-baren Einfluß auf die Mykotoxinbildung aus. Obwohl der Pilzbesatz im Siliergut von Versuch P 5 (3. Aufwuchs 1997) gegenüber dem Siliergut von Versuch P 4 (1. Aufwuchs 1997) allgemein höher war, wurde in den Silagen vom 3. Aufwuchs bis auf die erwähnte eine Ausnahme kein Roquefortin C nachgewiesen. Die Silagen vom 1. Aufwuchs 1997 waren dagegen überwiegend toxinpositiv.

↓111

In den Abb. 20 und 21 stellt jedes Kästchen eine von insgesamt 330 analysierten Proben (toxin-positiv oder -negativ) dar und ist im jeweiligen T-Bereich angeordnet. In Abb. 20 ist ersichtlich, daß

Abb. 21: Versuche P 1 bis P 5 - Vorkommen von Roquefortin C (≥ 0,05 mg ROF/kg T) in den Silagen in Abhängigkeit von Lagerungsdichte und T-Gehalt (n = 330)

bei den toxinpositiven Silagen die jeweils ermittelte Pilzkeimzahl zu etwa 66 % unterhalb der Nach- weisgrenze bzw. zu etwa 83 % unterhalb des Schwellenwertes lag. Von einem geringen Schimmel-befall konnte demnach offenbar nicht auf eine mykotoxinfreie Silage geschlußfolgert werden. Aus Abb. 21 geht hervor, daß bei einem T-Gehalt unterhalb 450 g/kg scheinbar unbeeinflußt durch die Lagerungsdichte in etwa 88 % der untersuchten Silagen Roquefortin C nachgewiesen wurde. Im T-Bereich zwischen 450 und 550 g/kg wurden noch etwa 10 % toxinpositive Silagen angetroffen. Die hier gemessenen Gehalte lagen meist im Bereich der Nachweisgrenze (≥ 0,05 mg ROF/kg T). Bei einem T-Gehalt über 550 g/kg konnte Roquefortin C in den Silagen nicht nachgewiesen werden.

↓112

Zusammenfassend wurde die Mykotoxinbildung in nahezu allen Praxissilierversuchen ungeachtet von T-Dichte, Folienlagenzahl und Rand- und Kernbereich anscheinend vor allem durch den Welkgrad des Siliergutes bzw. den T-Gehalt der Silagen beeinflußt. Die in den Silagen gemessenen Toxingehalte waren jedoch relativ niedrig. Sie lagen in der Regel unterhalb 1,0 mg ROF/kg T.

4.2 Laborsilierversuche

Das Grünfutter für die Silierversuche wurde in einem mittleren bis späten Schnittzeitpunkt geerntet. Der T-Gehalt im frischen Mähgut war in jedem Versuchsjahr bei den 3. Aufwüchsen generell höher als bei den 2. Aufwüchsen. Der Rohfasergehalt lag mit Werten von 204,6 bis 277,2 g/kg T in einem normal verdichtbaren Bereich. Die erzeugte T-Dichte tendierte zwischen 95 und 211 kg T/m³.

In Versuch L 1 mit Faßsilos betrug die Schichthöhe etwa 0,8 m. Hiermit sollte der Randbereich von Horizontalsilos simuliert werden. Die Laborsilos (L 2 bis L 5) waren 0,4 m hoch. Dadurch sollte vor allem die Randzone der in den Praxissilierversuchen erzeugten Ballensilagen simuliert werden. Die technisch bedingt (wegen des Plexiglases) meist per Hand erzeugte Verdichtung erreichte nicht die T-Dichte der Compactrollen. Das Verhältnis von beim Gasaustausch wirksamer Folienfläche zum Volumen der eingelagerten Silagen war etwa mit dem der Ballensilagen in der Praxis vergleichbar.

4.2.1  Gärqualität

↓113

Bei jedem Versuch wurde Siliergut mit 2-3 verschiedenen T-Gehalten einsiliert. Das gehäckselte Grünfutter wies gegenüber dem Siliergut in den Praxissilierversuchen eine höhere Milchsäurebakterienzahl auf, die während des Welkens tendenziell anstieg. Der Gehalt an WLKH war allgemein relativ niedrig. Stabile Silagen waren meist nicht zu erwarten. Das Siliergut war überwiegend nitrat-frei. Die in den Silagen nach 3 Monaten (L 1) bzw. 1 Monat (L 2 - L 5) Lagerung erreichte Gärqualität ist in Tab. 16 bis 19 dargestellt.

In Versuch L 1 wurde bei Lufteinwirkung von der Oberfläche der Silos aus vor allem die Einflußnahme ausgewählter Silierzusätze auf die Gärqualität sowie bezüglich der Einschränkung von Pilz-wachstum untersucht. Das Siliergut wies frisch (186 g T/kg) und gewelkt (294 g T/kg) Vergärbarkeitskoeffizienten von 30 bzw. 43 auf und war als unzureichend vergärbar einschätzbar. Vor allem bei dem gewelkten Siliergut wurde bei der Einsilierung eine starke Rückdehnung beobachtet. Die obere Schicht der Silagen war nach 3 Monaten Lager bei Folienverschluß meist 10-20 cm tief verschimmelt. Diese Schicht wurde bis zu 30 cm tief abgenommen und als „Rand“- Probe angesehen. Als „Kern“- Probe wurde einheitlich die 10-15 cm starke Schicht etwa 45-60 cm vom oberen Faßrand entfernt entnommen. Bei Deckelverschluß war die Gärqualität sensorisch relativ einheitlich und kein Pilzbefall erkennbar. Die entsprechenden Proben wurden daher miteinander vermischt.

Die ohne Silierzusatz erzeugten Silagen (Tab. 16) waren bei Folienverschluß (6 F) von schlechter und in den Schichten verschiedener Gärqualität. Die Randschichten wiesen vor allem einen niedrigeren Milchsäuregehalt und höheren pH-Wert auf als die Kernschichten. Durch die verwendeten Silierzusätze (Milchsäurebakterien, Propionsäure) konnte im wesentlichen nur die Gärqualität der Kernschichten verbessert werden. In den stärker luftbeeinflußten Randschichten konnten die Silier-zusätze einem pH-Wert-Anstieg infolge Pilzbefall nicht entgegenwirken. Das Anwelken hatte eine stärkere Rückdehnung vor allem der Randschichten zur Folge, was hier den Lufteinfluß vergrößer-te und zu noch höheren pH-Werten führte. Durch Zusatz von Propionsäure konnte nur in den Kern-schichten die Gärqualität verbessert werden. Hier wurde mit Propionsäurezusatz eine etwas bessere Gärqualität als in der Variante mit Deckelverschluß erreicht. Allgemein wurde aber bei Deckel-verschluß (D) bzw. relativ luftdichter Lagerung auch ohne Anwendung von Zusätzen eine einheitliche und gute Gärqualität erzielt. Vor allem traten keine Verderbschichten und kein Pilzbefall auf.

↓114

Tab. 16: Versuch L 1 - Einfluß von T-Gehalt, Dichte, Silierzusätzen und äußerem Luftabschluß auf Gärparameter in Rand und Kern von Silagen (Faßsilos) nach 3 Monaten Lager (n = 2)

WG

F-A

SZ

SM

T-DI

T-GH

pH

MS

ES

PS

BS

AL

NH3

NH3-N

DLG

kg T/m3

g/kg (korr.)

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

% des Ges-N

Punk-te

No-te

W 0

6 F

Ra

1)

112

198,0

5,11

2,3

18,8

0,3

6,9

n.n.

1,4

6,5

45

4

PS

112

195,7

5,67

3,8

20,4

4,8

3,3

n.n.

0,2

0,9

45

4

MSB

112

198,4

6,59

5,0

22,0

0,1

8,1

0,5

1,2

5,8

25

5

Ke

1)

112

196,8

4,23

40,4

12,3

1,0

30,3

3,2

2,1

9,8

45

4

PS

112

202,3

3,69

54,8

18,4

14,3

3,7

4,3

0,8

3,7

95

1

MSB

112

191,1

3,95

59,7

18,9

0,2

7,6

4,2

1,3

6,7

75

2

D2)

1)

112

197,4

4,28

65,5

19,9

1,8

3,8

5,1

1,5

5,7

90

2

W 1

6 F

Ra

1)

176

286,2

6,71

6,5

8,5

1,1

13,5

0,3

1,9

7,2

15

5

PS

176

283,7

6,11

19,5

4,1

3,2

2,8

0,3

1,4

5,0

30

5

Ke

1)

176

304,2

4,82

22,6

5,9

2,0

32,6

3,9

2,3

8,2

35

4

PS

176

308,5

4,10

43,6

5,1

11,1

7,5

3,1

0,6

2,2

75

2

D2)

1)

176

288,0

4,80

25,3

2,7

2,1

4,2

4,1

0,9

3,7

55

3

1) - ohne Silierzusatz; 2) - mit Deckelverschluß, keine unterschiedlichen Probenahmezonen

Tab. 17: Versuche L 2 und L 3 - Einfluß von T-Gehalt, Dichte und Folienlagenzahl auf Gärparameter in Silagen nach 1 Monat Lager bei Erdeintrag und verstärkter Lufteinwirkung (n = 3-4)

V

WG

LDS

F-A

T-DI

T-GH

pH

MS

ES

PS

BS

AL

NH3

NH3-N

DLG

kg T/m3

g/kg (korr.)

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

% des Ges-N

Punk-te

No-te

L2

W 1

VDS

2 F

119

341,1

4,49

136,1

41,5

1,3

12,5

8,8

7,8

16,7

60

3

6 F

119

311,6

4,51

108,7

32,6

0,5

11,5

9,1

7,5

15,3

60

3

NDS

2 F

119

326,1

4,56

54,4

10,8

0,1

5,3

5,0

3,6

10,8

65

3

6 F

119

328,8

4,55

80,7

12,7

0,2

7,8

5,6

4,7

10,3

60

3

W 2

VDS

2 F

153

406,7

4,63

135,7

39,4

0,7

3,7

9,3

11,4

29,4

60

3

6 F

153

406,8

4,59

125,3

32,5

0,1

4,6

8,9

11,6

25,6

65

3

NDS

2 F

153

396,9

4,73

67,0

16,2

0,3

5,1

5,8

5,0

11,2

65

3

6 F

153

396,4

4,74

68,6

13,1

n.n.

4,0

5,2

4,8

10,4

75

2

L3

W 0

VDS

2 F

124

343,2

5,31

88,4

15,3

1,0

22,3

8,2

5,4

11,2

25

5

5 F

124

345,8

5,07

86,0

19,0

0,3

18,1

6,4

5,8

11,8

40

4

8 F

124

337,8

5,23

72,5

18,5

0,7

17,6

6,4

5,8

12,0

30

5

NDS

2 F

124

316,5

4,52

61,2

10,9

n.n.

3,6

5,7

3,0

6,1

80

2

5 F

124

319,2

4,43

56,1

9,9

1,4

4,2

3,8

2,3

5,0

80

2

8 F

124

308,5

4,62

56,2

7,4

n.n.

5,3

3,5

3,3

7,2

65

3

D

124

310,1

4,39

66,0

7,9

n.n.

2,4

7,3

2,6

5,3

85

2

W 1

VDS

2 F

154

385,8

4,83

51,7

12,6

n.n.

8,9

4,7

3,2

6,8

55

3

5 F

154

373,7

5,38

37,9

17,3

0,1

7,5

5,4

4,7

10,0

45

4

8 F

154

372,2

5,35

33,9

18,1

0,2

8,8

5,0

4,6

9,6

45

4

NDS

2 F

154

388,7

4,86

51,2

12,0

n.n.

8,9

4,3

2,7

5,7

60

3

5 F

154

385,9

4,89

35,1

8,1

n.n.

8,0

3,9

2,1

4,6

55

3

8 F

154

391,5

4,85

22,5

6,6

n.n.

5,2

3,9

2,5

4,9

60

3

D

154

399,6

4,96

34,3

5,7

n.n.

6,4

8,4

2,6

5,2

55

3

W 2

VDS

2 F

201

513,0

5,33

46,6

12,4

n.n.

4,1

1,9

3,6

7,6

55

3

5 F

201

510,2

4,93

81,9

12,9

n.n.

3,5

4,0

4,0

8,7

75

2

8 F

201

502,0

4,87

64,0

10,6

n.n.

3,8

3,4

3,6

7,7

80

2

NDS

2 F

201

510,5

4,89

35,3

8,7

n.n.

2,9

3,6

2,4

4,9

80

2

5 F

201

512,6

4,85

32,9

11,8

0,1

2,1

2,8

2,7

5,4

85

2

8 F

201

505,4

4,95

29,0

10,7

n.n.

6,8

2,7

2,9

5,7

65

3

D

201

510,0

4,87

36,9

8,9

n.n.

2,8

6,4

2,6

5,6

80

2

In den Versuchen L 2 bis L 5 waren alle Silos bei Folienverschluß in der Regel etwa 1 - 4 cm tief verschimmelt. Deutliche visuelle Unterschiede zwischen den Versuchen und Varianten traten nicht auf. Die visuell verschimmelte Silage wurde vor der Probenahme abgenommen und verworfen. Zur Probenahme wurden die visuell unverschimmelten Silagen einer Variante miteinander vermischt.

↓115

In den Versuchen L 2 und L 3 wurde vor allem der Einfluß von Luftzutritt auf die Gärqualität und das Pilzwachstum bei praxisüblicher Schadbelastung durch Erdeintrag untersucht. In Versuch L 2 (2. Aufwuchs 1996) wies das gewelkte Siliergut bei T-Gehalten von 299 bzw. 382 g/kg Vergärbarkeitskoeffizienten von 33 bzw. 40 auf und war als unzureichend vergärbar einzuschätzen. In Versuch L 3 (3. Aufwuchs) mit T-Gehalten von 310, 386 bzw. 503 g/kg lagen Vergärbarkeitskoeffi-zienten von 34, 41 bzw. 55 im Siliergut vor. Die Silagen (Tab. 17) vom 2. Aufwuchs wiesen gegenüber denen vom 3. Aufwuchs bei vergleichbarem T-Gehalt und T-Dichtegrad sowie Vergärbarkeits-koeffizienten des Siliergutes eine tendenziell bessere Gärqualität auf. Sie enthielten vor allem mehr Milch- und Essigsäure, aber auch etwas mehr Ammoniak. Naheliegend ist die Annahme, daß dieser Unterschied mit der allgemein höheren Besatzdichte der epiphytischen Milchsäurebakterienflora beim 2. Aufwuchs (> 1,0 x 108 KBE/g FM) gegenüber dem 3. Aufwuchs (≤ 1,0 x 107 KBE/g FM) zusammenhängt. Bei normaler Lufteinwirkung (NDS-Varianten) wurden aber in beiden Versuchen Silagen mit mittelmäßiger bis guter Gärqualität erzeugt. Wesentliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Varianten von T-Gehalt bzw. T-Dichte sowie der Folienlagenzahl waren hier nicht feststellbar. Bei verstärkter Lufteinwirkung (VDS-Varianten) durch Druckschwankungen wurden in allen Silagen jedoch offenbar intensivere Gärprozesse induziert. Bei niedrigem T-Gehalt bzw. niedriger T-Dichte führte dies in der Regel zu einer schlechteren Gärqualität als in den vergleichbaren Varianten mit normaler Lufteinwirkung. Vor allem wurden mehr Buttersäure und Ammoniak sowie ein höherer pH-Wert festgestellt. Durch eine höhere Folienlagenzahl war kein erkennbarer Einfluß möglich. Mit steigendem T-Gehalt bzw. höherer T-Dichte nahmen die Unterschiede zwischen den Varianten mit normaler und verstärkter Lufteinwirkung deutlich ab, vor allem verringerte sich der Gehalt an Buttersäure. In der höchsten Stufe des T-Gehaltes bzw. der T-Dichte (etwa 500-520 g/kg bzw. 200 kg T/m³) waren hinsichtlich der Gärqualität nur noch geringe Unterschiede zwischen den Lufteinfluß-Varianten erkennbar. Weiterhin konnte bei dieser T-Dichte durch eine höhere Folienlagenzahl ein positiver Effekt auf die Gärqualität erzielt werden. Offenbar war trotz verstärkter äußerer Lufteinwirkung bei hoher T-Dichte das Eindringen von Luft in die Silagen primär eingeschränkt. Der Lufteinfluß konnte hierbei durch eine höhere Folienlagenzahl gezielt weiter reduziert werden.

In den Versuchen L 4 und L 5 wurde die Auswirkung verstärkter Lufteinwirkung auf Gärqualität, Pilzwachstum und Mykotoxingehalt bei Schadbelastung durch Pilzsporenbeimpfung untersucht. Das Siliergut in Versuch L 4 (2. Aufwuchs 1997) mit T-Gehalten von 238, 310 bzw. 358 g/kg wies Vergärbarkeitskoeffizienten von 27, 33 bzw. 38 auf und war als unzureichend vergärbar einschätzbar. In Versuch L 5 (3. Aufwuchs) mit T-Gehalten von 366, 528 bzw. 606 g/kg war das Siliergut bei Vergärbarkeitskoeffizienten von 40, 55 bzw. 61 mit Ausnahme der unteren Welkstufe als ausreichend vergärbar einzuschätzen. In der oberen Welkstufe von Versuch L 5 war das Siliergut schwer verdichtbar. Hier konnten nur je 1,5 kg FM (sonst 2,0 kg FM) in die Laborsilos eingelagert werden.

Ähnlich wie im Versuchsjahr 1996 waren auch 1997 die Silagen vom 2. Aufwuchs (Tab. 18) gegen-über denen vom 3. Aufwuchs (Tab. 19) tendenziell von einheitlicherer und besserer Gärqualität. Bemerkenswert ist, daß trotz als unzureichend vergärbar einschätzbarem Siliergut die Silagen vom 2. Aufwuchs (Versuch L 4) bei allen Welkstufen nahezu buttersäurefrei waren und die Silagen vom 3. Aufwuchs (Versuch L 5) nur in der unteren Welkstufe (VK=40) geringfügig (> 3-6 g/kg T) Buttersäure enthielten. Es ist nicht auszuschließen, daß mit Wegfall der Schadbelastung durch Erdeintrag, die in den Versuchen L 2 und L 3 vorlag, im Siliergut eine geringere Keimzahl an Clostridien vorhanden war. Dabei ist zu beachten, daß das Siliergut für die Versuche L 4 und L 5 auf einem anderen Grünland-Standort gewonnen wurde. Dieser Standort war besser gepflegt und das mikrobielle Risiko primär geringer [ZIMMER, 1990]. In Versuch L 4 nahm die Gärqualität mit steigendem T-Gehalt und höherer T-Dichte tendenziell zu (höherer Milchsäure- und niedrigerer Ammoniakgehalt). Ab einem T-Gehalt von etwa 350-400 g/kg wurde eine einheitlich gute Gärqualität erreicht.

↓116

Tab. 18: Versuch L 4 - Einfluß von T-Gehalt, Dichte und Folienlagenzahl auf Gärparameter in Silagen nach 1 Monat Lager bei verstärkter Lufteinwirkung und Pilzsporenbeimpfung (n = 1-2)

WG

SB

F-A

T-DI

T-GH

pH

MS

ES

PS

BS

AL

NH3

NH3-N

DLG

kg T/m3

g/kg (korr.)

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

% des Ges-N

Punk-te

Note

W 0

PBI

2 F

95

253,0

4,78

79,2

28,2

n.n.

1,9

8,3

5,1

13,3

80

2

5 F

95

251,8

4,78

83,6

26,8

n.n.

2,5

9,4

5,9

15,9

75

2

8 F

95

254,5

4,63

75,9

26,2

n.n.

2,1

8,4

4,2

10,9

85

2

OBI

2 F

95

245,6

4,51

116,7

31,5

n.n.

2,4

13,6

5,8

15,2

80

2

5 F

95

243,6

4,92

90,5

27,3

1,1

1,7

8,8

5,9

15,5

65

3

8 F

95

255,2

4,61

81,5

30,3

0,7

2,5

8,9

4,7

12,7

85

2

W 1

PBI

2 F

124

339,3

4,77

65,6

25,9

n.n.

2,1

7,2

5,1

12,5

85

2

5 F

124

332,2

4,95

66,8

23,2

n.n.

2,2

7,9

5,9

14,9

75

2

8 F

124

348,8

4,90

107,7

55,3

n.n.

2,2

7,0

4,9

12,0

70

3

OBI

2 F

124

327,0

4,80

71,6

28,4

n.n.

2,7

6,5

6,1

15,2

80

2

5 F

124

332,3

4,81

72,1

33,5

n.n.

1,9

7,4

5,8

14,6

80

2

8 F

124

330,7

5,11

61,5

25,1

n.n.

1,8

6,5

6,8

17,2

65

3

W 2

PBI

2 F

143

384,4

4,70

107,3

42,6

n.n.

2,5

7,7

4,1

8,6

90

2

5 F

143

389,2

4,87

100,9

41,9

n.n.

2,4

6,6

4,7

10,2

80

2

8 F

143

380,7

4,73

95,8

36,5

n.n.

1,6

6,4

4,0

10,5

80

2

OBI

2 F

143

396,0

4,70

114,8

44,3

n.n.

2,1

8,3

4,0

9,4

90

2

5 F

143

389,4

4,77

122,7

42,9

n.n.

3,3

6,0

4,1

9,5

80

2

8 F

143

382,4

4,78

115,9

49,3

n.n.

2,2

6,1

3,9

8,4

80

2

In Versuch L 5 verbesserte sich mit steigendem T-Gehalt bis etwa 500-550 g/kg ebenfalls die Gärqualität. Dies äußerte sich vor allem durch geringere Gehalte an Buttersäure und Ammoniak in den Silagen. Oberhalb 600 g T/kg verschlechterte sich die Gärqualität. Die Pilzsporenbeimpfung (PBI-Varianten) in den Versuchen L 4 und L 5 übte keinen wesentlichen Einfluß auf die Gärqualität aus.

Tab. 19: Versuch L 5 - Einfluß von T-Gehalt, Dichte und Folienlagenzahl auf Gärparameter in Silagen nach 1 Monat Lager bei verstärkter Lufteinwirkung und Pilzsporenbeimpfung (n = 1-2)

WG

SB

F-A

T-DI

T-GH

pH

MS

ES

PS

BS

AL

NH3

NH3-N

DLG

kg T/m3

g/kg (korr.)

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

g/kg T

% des Ges-N

Punk-te

Note

W 0

PBI

2 F

147

356,7

5,16

67,1

24,1

n.n.

4,2

6,6

6,2

16,6

55

3

4 F

147

365,2

5,04

61,3

19,8

n.n.

4,2

8,2

7,0

17,7

55

3

6 F

147

363,1

5,09

57,1

18,1

n.n.

3,5

5,3

6,1

16,4

60

3

8 F

147

365,7

5,07

64,9

21,3

n.n.

4,1

7,6

6,4

18,7

55

3

OBI

2 F

147

351,1

5,15

66,9

27,3

n.n.

3,8

8,8

4,7

11,9

65

3

4 F

147

350,3

5,19

69,4

30,4

n.n.

4,2

5,5

7,7

19,5

50

4

6 F

147

368,1

5,04

66,2

28,4

n.n.

3,5

5,8

7,0

20,1

60

3

8 F

147

361,4

5,01

72,0

28,4

n.n.

4,0

7,7

5,8

14,9

65

3

W 1

PBI

2 F

211

539,4

5,22

39,7

14,3

n.n.

1,5

2,4

3,9

9,7

70

3

4 F

211

522,1

5,20

31,9

9,9

n.n.

2,1

1,8

3,5

7,1

70

3

6 F

211

548,2

5,20

34,9

8,1

n.n.

1,2

2,1

3,3

8,1

70

3

8 F

211

548,7

5,18

33,9

11,5

n.n.

1,3

2,9

3,5

6,8

75

2

OBI

2 F

211

551,2

5,15

37,1

12,4

n.n.

1,3

2,8

3,9

9,8

75

2

4 F

211

559,0

5,30

36,4

15,0

n.n.

1,1

3,0

3,5

9,7

75

2

6 F

211

566,0

5,14

29,8

10,9

n.n.

1,4

2,8

2,9

7,6

75

2

8 F

211

558,7

5,12

36,0

12,5

n.n.

0,9

4,5

3,4

8,7

75

2

W 21)

PBI

2 F

182

679,2

5,98

8,3

5,0

n.n.

1,2

1,1

2,2

5,7

45

4

4 F

182

688,2

5,93

9,1

4,0

n.n.

1,4

1,6

2,1

5,2

40

4

6 F

182

685,3

5,78

6,9

3,0

n.n.

1,6

1,2

2,0

4,3

45

4

8 F

182

679,7

5,73

6,2

3,1

n.n.

1,0

1,2

1,9

4,6

45

4

OBI

2 F

182

672,7

6,12

6,9

2,1

n.n.

1,4

1,5

2,4

5,2

35

4

4 F

182

639,1

6,00

7,3

4,6

n.n.

1,5

1,0

2,5

5,9

40

4

6 F

182

617,4

5,90

10,1

4,9

n.n.

1,9

3,5

2,3

5,5

40

4

8 F

182

653,1

5,84

6,0

2,9

n.n.

1,5

1,3

2,2

5,4

40

4

1) – versuchstechnisch bedingt geringere Silierguteinwaage (1,5 kg FM) bzw. FM-Dichte in den Laborsilos dieser Welkstufe

↓117

Zusammenfassend kann festgehalten werden:

Die Silagen vom 2. Aufwuchs waren gegenüber denen vom 3. Aufwuchs bei vergleichbarem T-Ge-halt und T-Dichtegrad sowie Vergärbarkeitskoeffizienten des Siliergutes von tendenziell besserer Gärqualität. Es ist anzunehmen, daß dies mit der höheren Besatzdichte der epiphytischen Milchsäurebakterienflora beim 2. Aufwuchs im Vergleich zum 3. Aufwuchs im Zusammenhang steht. Beim 2. Aufwuchs wurde ab einem T-Gehalt von ca. 350-400 g/kg eine einheitlich gute Gärqualität erzielt. Beim 3. Aufwuchs war dafür ein Anwelken bis zu einem T-Gehalt von etwa 500-550 g/kg erforderlich. Das weitere Anwelken des Siliergutes verminderte deutlich die Fermentation in den Silagen. Eine Schadbelastung durch Erdeintrag konnte tendenziell die Gärqualität verschlechtern, während eine Kontamination mit Pilzsporen keine erkennbare Auswirkung auf die Gärqualität hatte.

Bei niedrigem T-Gehalt bzw. geringer T-Dichte führte eine verstärkte äußere Lufteinwirkung meist zu einer schlechteren Gärqualität, was sich durch höhere Gehalte an Buttersäure und Ammoniak äußerte. Durch eine höhere Folienlagenzahl konnte dem nicht entgegengewirkt werden. Mit der Er-höhung des T-Gehaltes bzw. der T-Dichte wurde auch bei verstärkter äußerer Lufteinwirkung ein verbesserter Luftabschluß und eine bessere Gärqualität in den Silagen erreicht. Bei hoher T-Dichte war durch eine höhere Folienlagenzahl tendenziell ein positiver Effekt auf die Gärqualität erzielbar. In den Faßsilos (L 1) wurde bei luftdichter Lagerung (Deckelverschluß) auch ohne Silierzusätze selbst bei unzureichend vergärbarem Siliergut eine gute Gärqualität erreicht. Bei Lufteinfluß (Fo-lienverschluß) bildeten sich Rand- und Kernschichten aus. Die Randschichten wiesen einen hohen pH-Wert und relativ starken Pilzbefall auf. Dem konnte mit den angewandten Zusätzen nicht entgegengewirkt werden. Das Anwelken bewirkte im Rand eine stärkere Rückdehnung und noch größeren Lufteinfluß. In den offenbar weniger luftbeeinflußten Kernschichten verbesserte sich durch die Silierzusätze in der Regel die Gärqualität, insbesondere durch den Zusatz von Propionsäure.

4.2.2 Pilzwachstum

↓118

In jedem Versuchsjahr war der Pilzbesatz beim 3. Grünfutter-Aufwuchs tendenziell höher als beim 2. Aufwuchs. Im frischen Grünfutter variierte die Pilzkeimzahl zwischen 1,4x106 und 2,0x107 KBE/g FM und der Ergosteringehalt zwischen 12,9 und 32,4 mg ERG/kg T. Während des Anwelkens stiegen beide Parameter allgemein an. In den Versuchen L 2 und L 3 mit einer Schadbelastung des Siliergutes durch Erdeintrag wurden mit einer Pilzkeimzahl von 2,1x108 bzw. 5,4x108 KBE/g FM und einem Ergosteringehalt von 108,3 bzw. 116,1 mg ERG/kg T relativ hohe Werte festgestellt. Der in den Silagen festgestellte Pilzbefall wird in Abb. 22 bis 24 dargestellt.

In Versuch L 1 wurden nach 3 Monaten Lagerung (Abb. 22) bei Folienverschluß erhebliche Unterschiede zwischen Rand- und Kernschichten hinsichtlich des Schimmelpilzbefalls deutlich. Während die Pilzkeimzahl in den Kernschichten noch unterhalb des Schwellenwertes von 10000 KBE/g FM lag, wurde in den Randschichten eine hohe Pilzkeimzahl und visuell ein sehr starker Schimmelbefall beobachtet. Die verwendeten Silierzusätze führten hier zu keiner wesentlichen Verbesserung im Vergleich zur Variante ohne Silierzusatz. Bei relativ luftdichter Lagerung (Deckelverschluß) wurde dagegen so gut wie kein Pilzbefall in den Silagen nachgewiesen. Das Anwelken des Siliergutes bewirkte in den Randschichten vor allem eine deutliche Zunahme des Gehaltes an Ergosterin, was auf starkes Mycelwachstum unter offenbar guten Umweltbedingungen für Schimmelpilze hindeutet. Durch die stärkere Rückdehnung wurde anscheinend der Lufteinfluß verstärkt. In den Kernschichten wurde dagegen bei höherem T-Gehalt eine tendenzielle Abnahme der Pilzkeimzahl und des Ergosteringehaltes festgestellt. Es ist anzunehmen, daß hier ein verbesserter Luftabschluß vorlag.

In den Versuchen L 2 und L 3 wurde nach 1 Monat Lager (Abb. 23) allgemein in den Silagen vom 2. Aufwuchs gegenüber den Silagen vom 3. Aufwuchs ein geringerer Pilzbefall festgestellt. Bei nor-maler Lufteinwirkung sank bei Erhöhung der Folienlagenzahl die Pilzkeimzahl in den Silagen vom 2. Aufwuchs unter die Nachweisgrenze ab. Demgegenüber lag in den Silagen vom 3. Aufwuchs die

↓119

Abb. 22: Versuch L 1 - Einfluß von T-Gehalt, Silierzusätzen und Luftabschluß auf den Pilzbefall in verschiedenen Schichten von Silagen (Faßsilos) nach 3 Monaten Lager (n = 2)

Pilzkeimzahl offenbar unbeeinflußbar durch die Folienlagenzahl deutlich über dem Schwellenwert. Auch bei verstärkter Lufteinwirkung war der Pilzbefall in den Silagen vom 2. Aufwuchs vergleichsweise geringer. Mit dem Anwelken des Siliergutes bzw. einer höheren T-Dichte war in den Silagen vom 2. Aufwuchs eine tendenzielle Abnahme der Pilzkeimzahl verbunden. In den Silagen vom 3. Aufwuchs war kein derartiger Effekt erkennbar. Es ist anzunehmen, daß in den Laborsilos auch in der höchsten Stufe des T-Gehaltes bzw. der erreichbaren T-Dichte (ca. 500-520 g/kg bzw. 200 kg T/m³) hinsichtlich der Einschränkung von Pilzbefall kein ausreichender Luftabschluß erzielt wurde.

↓120

In den Versuchen L 4 und L 5 wurde nach 1 Monat Lager (Abb. 24) erwartungsgemäß bei den mit einer Penicillium roqueforti - Sporensuspension beimpten Silagen überwiegend eine höhere Pilzkeimzahl als in den unbeimpften Silagen festgestellt. Die Differenzen bei den Pilzkeimzahl-Werten

Abb. 23: Versuche L 2 und L 3 - Einfluß von Aufwuchs, T-Gehalt, Folienlagenzahl und Lufteinfluß auf den Pilzbefall in Silagen bei Schadbelastung durch Erdeintrag, 1 Monat Lager (n = 3-4)

Abb. 24: Versuche L 4 und L 5 - Einfluß von Aufwuchs, T-Gehalt, Folienlagenzahl und Pilzsporenbeimpfung auf den Pilzbefall in Silagen bei verstärktem Lufteinfluß, 1 Monat Lager (n = 1-2)

↓121

waren jedoch wesentlich höher als die eingesetzte theoretische Impfdichte von 10000 KBE/g FM. Im Verlauf der Silierung hatte in den beimpften Silagen anscheinend ein intensiveres Pilzwachstum als in den unbeimpften Silagen stattgefunden. Die Silagen vom 2. Aufwuchs (Versuch L 4) wiesen tendenziell einen geringeren Pilzbefall als die Silagen vom 3. Aufwuchs (Versuch L 5) auf, auch im vergleichbaren Bereich von T-Gehalt und T-Dichte (etwa 350-400 g/kg bzw. 140-150 kg T/m³). Bei relativ hohem T-Gehalt (Versuch L 5) stieg der Pilzbefall tendenziell an. Bei Erhöhung der Folienlagenzahl war als Effekt im wesentlichen nur eine Einschränkung der Ergosterinbildung erkennbar.

Zusammenfassend kann festgehalten werden:

In den Silagen vom 2. wurde gegenüber denen vom 3. Aufwuchs auch bei Schadbelastungen und simulierter verstärkter Lufteinwirkung ein tendenziell geringerer Pilzbefall festgestellt. Bei normaler Lufteinwirkung war in den Silagen vom 2. Aufwuchs ein guter Luftabschluß meist mit einer geringeren Folienlagenzahl erreichbar und der Pilzbefall wurde bei höherer T-Dichte tendenziell verringert. In den Silagen vom 3. Aufwuchs war dieser Effekt nicht erkennbar bzw. wesentlich geringer. Der Pilzbesatz im Siliergut war bei den 3. Aufwüchsen höher, was anscheinend den Pilzbefall der Silagen beschleunigte. Die in den Laborsilos technisch erreichbare T-Dichte war offenbar zu niedrig für einen ausreichenden Luftabschluß zur Einschränkung des Pilzbefalls und vor allem von Penicillium roqueforti. In den Faßsilos bildeten sich bei Lufteinfluß (Folienverschluß) sehr stark verschimmelte Randschichten aus, was durch die verwendeten Silierzusätze nicht wesentlich eingeschränkt werden konnte. Bei höherem T-Gehalt wurde in den Randschichten eine stärkere Rückdehnung festgestellt, wodurch Lufteinwirkung und Pilzbefall noch weiter verstärkt wurden. In den Kernschichten dagegen wurde der Luftabschluß mit steigendem T-Gehalt bzw. höherer T-Dichte offenbar verbessert und ein Pilzbefall tendenziell eingeschränkt. Hier war auch ein Effekt der Silierzusätze erkennbar. Bei sehr gutem Luftabschluß (Deckelverschluß) wurde ein Pilzwachstum nahezu unterbunden.

4.2.3 Mykotoxingehalt

↓122

In Versuch L 1 mit Silierzusätzen konnte versuchstechnisch bedingt keine Mykotoxinanalyse vorgenommen werden. In den Versuchen L 2 und L 3 war nur eine Probe toxinpositiv. In den Versuchen L 4 und L 5 wurde durch die Beimpfung des Siliergutes mit Penicillium roqueforti - Stämmen in den Silagen eine Bildung von Roquefortin C provoziert. Dadurch sollte bei verstärkter Lufteinwirkung gezielt die Einflußnahme von Aufwuchs, T-Gehalt und Folienlagenzahl auf die Mykotoxinbildung untersucht werden. Die in der Sporensuspension gebildete und mit der Beimpfung in das Si-liergut eingebrachte Mykotoxinmenge betrug etwa 0,11 mg ROF/kg FM. Die in den beimpften Silagen nach jeweils 1 Monat Lagerung festgestellten Roquefortin C-Gehalte werden in Abb. 25 dargestellt. Die Silagen vom 2. Aufwuchs (L 4) wiesen einen tendenziell geringeren Toxingehalt auf. Im vergleichbaren Bereich von T-Gehalt und T-Dichte (etwa 350-400 g/kg bzw. 140-150 kg T/m³) war der Toxingehalt in den Silagen vom 2. Aufwuchs nur etwa halb so groß wie der Toxingehalt in den Silagen vom 3. Aufwuchs (L 5). Das Welken des Siliergutes bewirkte in der Regel bei beiden Versuchen bzw. Aufwüchsen eine Abnahme der Mykotoxinbildung in den Silagen. In den Silagen vom

Abb. 25: Versuche L 4 und L 5 - Einfluß von Aufwuchs, T-Gehalt und Folienlagenzahl auf den Mykotoxingehalt in beimpften Silagen bei verstärkter Lufteinwirkung, 1 Monat Lager (n = 1-2)

Abb. 26: Versuche L 4 und L 5 - Beziehung zwischen T-Gehalt und Roquefortin C-Gehalt in mit Penicillium roqueforti beimpften Silagen bei verstärkter Lufteinwirkung, 1 Monat Lager (n = 1-2)

↓123

3. Aufwuchs war jedoch eine deutlichere Beziehung zwischen T-Gehalt und Roquefortin C-Gehalt erkennbar (Abb. 26). Weiterhin wurde mit steigendem T-Gehalt bzw. höherer T-Dichte der Mykotoxingehalt tendenziell auch durch eine höhere Folienlagenzahl verringert. Hierbei muß jedoch ein-schränkend beachtet werden, daß es sich nur um 2 Versuche mit insgesamt 21 Proben handelte. Zusammenfassend war der Umfang der Mykotoxinbildung in den Silagen vom 2. gegenüber den Silagen vom 3. Aufwuchs tendenziell geringer. Den größten Einfluß auf die in den Silagen jeweils gebildete Toxinmenge übten jedoch anscheinend T-Gehalt und T-Dichte aus. Durch die Erhöhung des T-Gehaltes bzw. der T-Dichte verringerte sich tendenziell die Mykotoxinbildung in den Silagen.

4.3 Pilzwachstum und Ergosteringehalt

In der Literatur wird davon ausgegangen, daß Pilzwachstum mit Ergosterinbildung verbunden ist. Zur genaueren Beurteilung des Pilzbefalls wird zusätzlich zur Pilzkeimzahl- die Ergosterinbestim-mung empfohlen [MÜLLER und SCHWADORF, 1988; SCHWADORF, 1995; SARAF et al., 1997].

Abb. 27: Versuch P 3 - Einfluß von Lagerungsdichte und Folienlagenzahl auf den Ergosteringehalt in Rand und Kern der Silagen (n: R = 14 / C = 32)

↓124

In den Abb. 27 und 28 wird der Einfluß des Luftabschlusses auf die Ergosterinbildung in den Pra-xissilierversuchen dargestellt, wo mit 330 Silageproben ein relativ guter Stichprobenumfang vorlag. Jedes Kästchen stellt eine Probe dar. Der Versuch P 3 wird separat dargestellt. Hier lag bereits im

Abb. 28: Versuche P 1, P 2, P 4 und P 5 - Einfluß von Lagerungsdichte und Folienlagenzahl auf den Ergosteringehalt in Rand und Kern der Silagen (n: R = 108 / RS = 60 / C = 116)

Siliergut ein relativ hoher Ergosteringehalt (54 mg/kg T) vor. Der Ergosteringehalt in den Silagen war bei relativ geringer T-Dichte breiter gestreut als bei hoher T-Dichte und erreichte häufig auch im Kernbereich der Ballensilagen selbst bei 6 und 8 Folienlagen vergleichsweise hohe Werte. Mit zunehmender Verdichtung wurde eine tendenziell geringere Ergosterinbildung in den Silagen festgestellt. Die Lagerungsdichte übte im Vergleich zur Folienlagenzahl anscheinend einen größeren Einfluß auf die Ergosterinbildung aus. Der Luftabschluß der Silagen hatte demnach nahezu ähn-liche Auswirkungen sowohl auf die Ergosterinbildung als auch auf die Entwicklung der Pilzkeimzahl. Zwischen den jeweils ermittelten Werten der Parameter Pilzkeimzahl und Ergosteringehalt wurde bei den Silageproben aber nur teilweise wie z.B. in den Versuchen L 1 und P 1 (Abb. 29) ein tendenzieller Zusammenhang festgestellt. Bei den Praxissilierversuchen (n = 330) insgesamt kann die Beziehung zwischen beiden Parametern nur als relativ gering eingeschätzt werden (Abb. 29).

↓125

Abb. 29: Beziehung zwischen Pilzkeimzahl und Ergosteringehalt in ausgewählten Versuchen

Dabei ist zu beachten, daß der Ergosteringehalt der Silagen versuchstechnisch bedingt nicht unmittelbar aus derselben in Ringerlösung extrahierten Probeneinwaage (40 g frische Silage) für die Pilzkeimzahlbestimmung ermittelt werden konnte. Für die Analyse von Ergosterin und weiterer Pa-rameter wie Roquefortin C wurden von jeder Silageprobe ca. 1 kg frische Silage luftgetrocknet und gemahlen. Die bei der Ergosterinbestimmung analysierte Probeneinwaage war im Vergleich zu der für die Pilzkeimzahlbestimmung deshalb etwas homogener. Ein analytischer Vorteil der Ergosterin-

Abb. 30: Versuche P 1 bis P 5 - Pilzkeimzahl (logarithmisch) und Ergosteringehalt in Rand und Kern der Silagen in Abhängigkeit von der Folienlagenzahl (n: R = 122 / RS = 60 / C = 148)

↓126

gegenüber der Pilzkeimzahlbestimmung war die auch aus eingefroren und / oder getrocknet gelagerten Proben mögliche Analyse, die damit nicht unmittelbar nach der Probenahme erforderlich war. Als wesentlicher Vorteil der Ergosterin- gegenüber der Pilzkeimzahlbestimmung erwies sich, daß alle Silagen prinzipiell aufgrund ihres Ergosteringehaltes differenziert werden konnten. Auch Silagen, die anhand der Pilzkeimzahl als mikrobiologisch unbedenklich einschätzbar waren bzw. in denen die Pilzkeimzahl bei der Auslagerung unterhalb der Nachweisgrenze lag, konnten bezüglich der Ergosterinbildung unterschiedlich eingeschätzt werden (Abb. 30). Eine Beurteilung und vergleichende Wertung der während der Lagerung in den Silagen stattgefundenen Ergosterinbildung war schwierig, wenn wie in Versuch P 3 bereits im Siliergut ein relativ hoher Ergosteringehalt vorlag.

Insgesamt konnte in den Untersuchungen anhand des zusätzlich bestimmten Ergosteringehaltes der Einfluß der Varianten von Verdichtung und Folienlagenzahl auf das Pilzwachstum in den Silagen umfassender beurteilt werden. Schlußfolgernd kann angenommen werden, daß bei der Lagerung von Futtermitteln ein eventueller Befall durch Schimmelpilze durch eine zusätzlich zur Analyse der Pilzkeimzahl durchgeführte Bestimmung des Ergosteringehaltes besser einzuschätzen ist.

4.4 Gasdurchlässigkeit von Silierstretchfolie

Ziel der Versuche war, die angewandten Varianten der äußeren Luftabschlußgüte von 2 bis 8 Fo-lienlagen physikalisch zu definieren und mit den angegebenen technischen Daten der Hersteller bzw. der zuständigen Prüfstelle zu vergleichen. Die Untersuchungen sollten sowohl Aufschluß über die Diffusionseigenschaften der einzelnen Varianten der äußeren Luftabschlußgüte als auch über den Nutzeffekt einer Erhöhung der Folienlagenzahl in bezug auf die Gasdurchlässigkeit geben.

↓127

Abb. 31: Gasdurchlässigkeit bei unterschiedlicher Anzahl von Stretchfolienlagen (1 F bis 8 F)

Auffallend bei den Untersuchungen war, daß es insbesondere bei geringen Folienlagenzahlen zu kurzfristigen Schwankungen in der Gasdurchlässigkeit kam. Da Windeinwirkungen und Temperaturschwankungen ausgeschlossen werden konnten, wurde dies auf Änderungen des atmosphärischen Luftdrucks während der Messungen zurückgeführt. Bei den während des Untersuchungszeitraums gemessenen Luftdruckwerten wurden tägliche Schwankungen bis zu 25 mbar festgestellt. Diese Beobachtung wurde durch Luftdruckdaten vom Deutschen Wetterdienst Potsdam bestätigt. Die bei den einzelnen Folienlagen gemessene Gasdurchlässigkeit ist in Abb. 31 dargestellt. Hierbei werden die bei den einzelnen Folienlagenzahlen jeweils gemessenen Maximal- und Minimalwerte der Gasdurchlässigkeit angegeben. Die Schwankungsbreite betrug bis 2,2 l/m² in 24 h.

Mit zunehmender Folienlagenzahl wurde der Nutzeffekt bezüglich der physikalischen Gasdurchlässigkeit geringer. Bei einer Erhöhung von 4 auf 6 Folien verringerte sich die Gasdurchlässigkeit um 0,7–1,0 l/m² in 24 h, von 6 auf 8 Folien wurde nur noch eine Abnahme um 0,2 – 0,3 l/m² in 24 h er-reicht. Mit zunehmender Folienlagenzahl erhöht sich aber in jedem Fall die mechanische Stabilität gegen eventuelle Verletzungen der Hülle durch Vögel oder bei Lagerung und Transport. Die verwendete Preßballenstretchfolie AGRI-STRETCH: weiß / uv-stabilisiert / 500 mm breit / 0,025 mm stark (UNTERLAND) ist „DLG anerkannt“. Von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft e.V. (DLG) wird für diese Stretchfolie eine Sauerstoffdurchlässigkeit von maximal 12,29 l/m² in 24 h bei 1 Folienlage angegeben [N.N., 1992]. In den eigenen Untersuchungen wurde eine Gasdurchlässig-keit von maximal 11,77 l/m² in 24 h gemessen. Dieser Wert stimmt in seiner Größenordnung mit der DLG - Messung nach DIN 53380, bei der eine andere Meßmethode angewandt wird, überein.

4.5 Aerobe Stabilität der Silagen

4.5.1  Methodenvergleich

↓128

In den Versuchen P 2 bis P 5 sowie L 2 bis L 4 wurde nach der Auslagerung der Temperaturverlauf in den Silagen erfaßt. Bei den Silagen der Versuche P 2 bis P 5 wurde darüber hinaus parallel der Sauerstoffverbrauch bestimmt. Für die Messung des Sauerstoffverbrauchs standen nur 12 Meßplätze gleichzeitig zur Verfügung. In den Versuchen P 2 bis P 5 wurden dadurch bedingt einheitlich nur die Proben aus den Kernzonen der Silageballen auf ihren Sauerstoffverbrauch hin analysiert. Bei den Silagen wurde als aerob instabil ein Temperaturanstieg von mehr als 1 K/100 g T bzw. ein Sauerstoffverbrauch von mehr als 0,5 g O2/50 g T gewertet [WOLTHUSEN et al., 1989]. Die Ergebnisse der Methoden wurden miteinander verglichen. Die Auswertung ist in Abb. 32 dargestellt.

Bei einheitlicher Untersuchungsdauer von 7 Tagen stimmten die Ergebnisse beider Methoden bei 71 von 107 untersuchten Silagen in ihrer Aussage miteinander überein. Nur bei einer Silage war die Abweichung größer als 3 Tage. Das Gerätesystem zur Messung des Sauerstoffverbrauchs bei den Silagen kann in dem Zusammenhang allgemein als genauer und sensibler angesehen werden. Bei über 80 % der untersuchten Silagen betrug die Abweichung jedoch höchstens 1 Tag, weshalb die angewandte Methode zur Messung des Temperaturanstiegs als hinreichend genau für Routine-untersuchungen und die Beurteilung der Silagen in der Praxis eingeschätzt werden kann. Die Messung des Temperaturanstiegs war gegenüber der Messung des Sauerstoffverbrauchs vor allem in der Handhabung einfacher und robuster. Weiterhin konnten für einen Meßplatz zur Erfassung des Temperaturanstiegs wesentlich niedrigere Investitionskosten veranschlagt werden. Die Analysenkapazität bezüglich der Anzahl gleichzeitig untersuchter Silagen war auch dadurch bedingt bei der Messung des Temperaturanstiegs erheblich größer als bei der Messung des Sauerstoffverbrauchs.

Abb. 32: Versuche P 2 bis P 5 - Vergleich der Meßergebnisse von zwei Methoden (Temperaturanstieg / Sauerstoffverbrauch) zur Beurteilung der aeroben Stabilität von Silagen (n = 107)

4.5.2 Aerobe Stabilität und Luftabschluß

↓129

Die 306 Silagen der Versuche P 2 bis P 5 wurden bezüglich ihres Temperaturanstiegs miteinander verglichen. Die Ergebnisse sind in Tab. 20 dargestellt. Die aerobe Stabilität ist taggenau unterteilt. In den Versuchen P 2 bis P 4 wurde bei den Silagen meist eine aerobe Stabilität von mehr als 2-3 Tagen festgestellt. Bei den Silagen aus dem Kernbereich wurde gegenüber den Silagen aus dem Randbereich der Ballensilagen in allen Versuchen durchschnittlich eine längere Dauer der aeroben Stabilität beobachtet. In Versuch P 2 enthielten vor allem die Rundballen- mehr Buttersäure als die Compactrollensilagen und wiesen daher tendenziell eine längere Dauer der aeroben Stabilität auf. Die längste Dauer der aeroben Stabilität wurde bei den überwiegend stark buttersäurehaltigen Sila-gen in den Versuchen P 3 und P 4 festgestellt. In Versuch P 5 waren die Silagen im wesentlichen buttersäurefrei und wiesen dadurch bedingt eine deutlich kürzere Dauer der aeroben Stabilität auf.

Buttersäurehaltige Silagen gelten als relativ aerob stabil [PAHLOW, 1991]. In buttersäurefreien Si-lagen ist der Essigsäuregehalt ein wesentliches Kriterium für die aerobe Stabilität [WOLTHUSEN et al., 1989]. Essigsäure war in allen Ballensilagen jedoch nur wenig vorhanden. Hinsichtlich des Einflusses von T-Dichte und Folienlagenzahl auf die aerobe Stabilität von Silagen werden in Abb. 33 nur buttersäurefreie Silagen miteinander verglichen. Es wurden die nahezu buttersäurefreien Com-pactrollen- und Rundballensilagen aus Versuch P 5 nach 2 und 4 Monaten Lagerung ausgewählt.

Tab. 20: Versuche P 2 bis P 5 - Aerobe Stabilität (Temperaturanstieg) in Rand und Kern der Silagen bei Unterteilung in die einzelnen Varianten der Verdichtung (C / R / RS)

V

LDI

Aerobe Stabilität der Silagen - Zeitdauer bis zum Temperaturanstieg von ΔT = > 1 Grad Kelvin (Angabe der Probenzahl)

> 0 – 1
Tag

> 1 – 2
Tage

> 2 – 3
Tage

> 3 – 4
Tage

> 4 – 5
Tage

> 5 – 6
Tage

> 6 – 7
Tage

> 7
Tage

Silozone

Ra

Ke

Ra

Ke

Ra

Ke

Ra

Ke

Ra

Ke

Ra

Ke

Ra

Ke

Ra

Ke

Σ n

P 2

R

1

1

5

4

6

4

2

2

1

3

1

2

32

C

5

6

2

1

3

4

2

2

2

5

32

P 3

R

1

2

1

1

2

1

1

5

14

C

2

1

2

1

1

3

1

1

1

2

7

10

32

P 4

R

1

1

1

1

1

17

18

40

RS

1

1

1

1

16

20

40

C

1

1

1

17

20

40

P 5

R

1

2

3

5

1

2

3

1

2

1

3

24

RS

2

1

3

1

1

1

1

2

3

2

3

20

C

2

1

1

5

4

5

5

3

3

2

1

32

Σ n

13

8

10

6

16

7

18

16

21

17

9

12

5

6

61

81

306

↓130

Abb. 33: Versuch P 5 - Einfluß von T-Dichte und Folienlagenzahl auf die aerobe Stabilität (AE-T) in Rand und Kern von 2 und 4 Monate gelagerten buttersäurefreien Silagen (n: R=24 / C=24)

Die aerobe Stabilität der buttersäurefreien Silagen im unteren Dichtebereich (Rundballen) war rela-tiv breit gestreut. Demgegenüber war die aerobe Stabilität der buttersäurefreien Silagen im oberen Dichtebereich (Compactrollen) einheitlicher. Bei den meisten Silagen, vor allem den Compactrollen, betrug die Dauer der aeroben Stabilität etwa 2-4 Tage. Mit zunehmendem Luftabschluß verbesserte sich allgemein die aerobe Stabilität der Silagen. Bei nur 2 Folienlagen betrug die Dauer der aeroben Stabilität bei weit mehr als der Hälfte der jeweiligen Silagen weniger als 2 Tage. Ab 4 bis 6 Folienlagen dagegen war die Dauer der aeroben Stabilität meist mehr als 2 Tage. Ab 8 Fo-lienlagen wiederum wurde bei den jeweiligen Silagen eine Dauer der aeroben Stabilität von mindestens 2 Tagen festgestellt, bei einem Drittel der Silagen (8 Folienlagen) betrug sie mehr als 4 Tage.

Die Beziehung zwischen der Dauer der aeroben Stabilität und der jeweils ermittelten Pilzkeimzahl in den buttersäurefreien Silagen aus Versuch P 5 wird in Abb. 34 dargestellt. Hier wird tendenziell der Zusammenhang deutlich, daß bei den buttersäurefreien Silagen die Dauer der aeroben Stabilität um so länger war, je geringer die bei der Auslagerung in den Silagen vorliegende Pilzbelastung war. Dabei ist zu berücksichtigen, daß methodisch bedingt die aerobe Stabilität der Silageproben nicht unmittelbar aus derselben in Ringerlösung extrahierten Probeneinwaage für die Pilzkeimzahlbestimmung ermittelt werden konnte. Die für beide Analysen jeweils verwendeten Probeneinwaagen wurden jedoch aus denselben Silageproben (Rand / Kern) eines Silageballens entnommen.

↓131

Abb. 34: Versuch P 5 - Beziehung zwischen aerober Stabilität (Temperaturanstieg) und Pilzkeimzahl (lg) in 2 und 4 Monate gelagerten buttersäurefreien Silagen (n: R=24 / C=24)

4.6 Toxinbildungsvermögen von Penicillium roqueforti-Isolaten

Ziel der Untersuchung des Roquefortin C-Bildungsvermögens von Penicillium roqueforti - Isolaten war die Selektion von natürlich in Grassilagen vorkommenden und toxinbildungsfähigen Impfkulturen für die Laborsilierversuche L 4 und L 5. Weiterhin war von Interesse, ob Zusammenhänge zwischen dem Roquefortin C-Bildungsvermögen der Isolate und einem Roquefortin C-Vorkommen in den entsprechenden Silagen bestanden, aus denen die Pilzstämme isoliert wurden. Die Ergeb-nisse der Untersuchungen werden in Tab. 21 angegeben. Die Protokolle der DSMZ über die Identifizierung der Impfkulturen für die Versuche L 4 und L 5 sind in Abb. A 17 bis A 19 dargestellt.

Alle aus Grassilagen isolierten Penicillium roqueforti - Stämme bildeten unter den Versuchsbedingungen (Grassilagemedium, 14 Tage aerobe Inkubation bei Raumtemperatur) teilweise relativ ho-he Mengen an Roquefortin C. Die drei nicht toxinbildenden Pilzstämme wurden aus dem Siliergut des Praxissilierversuches P 3 isoliert. Sie wuchsen auf dem Grassilagemedium nicht an. Nur bei einem Drittel der Isolate wurde in den Silagen, aus denen die Pilze stammten, Roquefortin C nachgewiesen. Ein potentielles Bildungsvermögen für dieses Mykotoxin war jedoch bei fast allen Penicillium roqueforti - Isolaten vorhanden. Das „Nicht - Vorhandensein“ von Roquefortin C in den Silageproben konnte nicht auf ein fehlendes Toxinbildungsvermögen der aus diesen Silagen isolierten Pilzstämme zurückgeführt werden. Ein direkter Zusammenhang zwischen den Toxingehalten in den Proben und den durch die Stämme im Labor gebildeten Toxinmengen bestand jedoch nicht.

↓132

Die „Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH“ (DSMZ) überprüfte und bestätigte die als Impfkulturen für die Versuche L 4 und L 5 ausgewählten Penicillium roqueforti - Isolate Pc.24 und Pc.38. Die eigenen mikrobiologischen Bestimmungen waren damit als relativ genau einzuschätzen. Die Isolate wurden unter „Penicillium roqueforti DSM 11484“ (= Pc.24) bzw. „Penicillium roqueforti DSM 11485“ (= Pc.38) in die öffentliche Sammlung der DSMZ übertragen.

Tab. 21: Toxinbildungsvermögen von aus Grassilagen isolierten Penicillium roqueforti - Stämmen (Nährmedium: Grassilage, 14 Tage abgedunkelt bei Raumtemperatur aerob inkubiert)

Isolat

Pc.-Nr.

ROF

mg/kg T

Isolat

Pc.-Nr.

ROF

mg/kg T

Isolat

Pc.-Nr.

ROF

mg/kg T

Isolat

Pc.-Nr.

ROF

mg/kg T

Isolat

Pc.-Nr.

ROF

mg/kg T

Isolat

Pc.-Nr.

ROF

mg/kg T

11)

28,90

8

46,07

15

43,75

22

40,05

29

74,25

36

n.n.

2

46,43

9

7,90

16

46,10

23

68,80

30

43,21

371)

58,90

3

18,28

10

39,21

17

59,70

241), 2)

89,95

31

n.n.

381), 2)

87,15

4

14,99

111)

24,96

18

47,40

25

56,80

321)

30,40

391)

19,85

5

24,42

12

23,63

19

58,90

26

39,45

331)

20,00

401)

39,90

61)

34,28

13

37,35

201)

28,35

27

54,90

34

5,07

411)

36,65

7

12,15

14

10,25

21

40,95

28

77,90

35

n.n.

421)

33,05

1) – In der Silageprobe, aus der das Isolat stammte, wurde Roquefortin C nachgewiesen. 2) – Pilzisolat wurde von der DSMZ überprüft und bestätigt


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
11.10.2006