Diskussion

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In den Praxissilierversuchen ermöglichte die Verwendung unterschiedlicher Ballenpressen eine re-lativ breite Variantengestaltung bei den erzeugten Silagen (mit vertretbaren Kosten). Die erreichten Stufen von Lagerungsdichte und äußerer Luftabschlußgüte repräsentierten Lagerungsbedingungen von praxisüblichen Verfahren wie Silo- und Ballen-Silierverfahren. Die gewonnenen Ergebnisse werden in bezug auf Silagen aus konventionell erzeugtem Grünfutter als übertragbar angesehen. Mit den Silierversuchen unter Laborbedingungen wurden Einflußfaktoren untersucht, die technisch bedingt in der Praxis nicht geprüft werden konnten. Die Ergebnisse der Praxis- und Laborsilierversuche sind jedoch nur bedingt miteinander vergleichbar. Parameter wie die Schichthöhe der Silagen stimmten nicht überein und es lagen verschiedene Produktions- und Lagerbedingungen vor.

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Besondere Schwierigkeiten bei der Probenahme bei den Ballensilagen führten dazu, daß auch die Proben, die hinsichtlich der Gärqualität beurteilt wurden, teilweise verschimmelte Silage enthielten. Die Einschätzung der Gärqualität der Silagen wurde hierdurch beeinträchtigt. Vor allem konnten die Einflußfaktoren auf Gärqualität und Pilzbefall nicht eindeutig getrennt voneinander untersucht werden. Eine andere Form der Probenahme als die angewandte Methode war unter den gegebenen versuchstechnischen Bedingungen nicht praktikabel. Es wird davon ausgegangen, daß prinzipiell aus den Ergebnissen verallgemeinerungsfähige Schlußfolgerungen gezogen werden können.

5.1  Gärqualität der Silagen

Die Gärqualität von Silagen wird vor allem am Gehalt unerwünschter Gärprodukte gemessen. In den eigenen Untersuchungen wurde bezüglich Buttersäure nur n-Buttersäure analysiert. Deren Ge-halt macht jedoch in der Regel den größten Anteil der in Silagen vorkommenden Buttersäure aus. Ausgehend von dem gemessenen Gehalt an n-Buttersäure war deshalb eine gute Beurteilung der Gärqualität zu erwarten. Das Siliergut konnte nach dem Vergärbarkeitskoeffizient in 4 von 5 Praxis-silierversuchen als ausreichend vergärbar eingeschätzt werden. In den Laborsilierversuchen war das Siliergut nur bei einem T-Gehalt oberhalb 500 g/kg als ausreichend vergärbar einzuschätzen.

Ungewöhnlich war in den durchgeführten Praxissilierversuchen, daß bei einem T-Gehalt unterhalb 400 g/kg in allen Ballensilagen überwiegend nur eine sehr schlechte bis schlechte Gärqualität erreicht wurde. Unabhängig von der Lagerungsdichte waren die Silagen mehr oder weniger buttersäurehaltig. Nach dem Vergärbarkeitskoeffizient (VK) des Ausgangsmaterials war zumindest in Versuch P 4 (VK = 55) eine Buttersäurebildung nicht zu erwarten gewesen. In der Literatur wird ei-ne unerwartete Buttersäurebildung trotz ausreichender Vergärbarkeit des Siliergutes nach VK-Wer-ten vor allem auf das Fehlen von Nitrat im Siliergut zurückgeführt [KAISER et al., 1994; KAISER und WEISS, 1997]. In den eigenen Untersuchungen wurde das Siliergut unter den Bedingungen ei-ner extensiven Grünlandwirtschaft erzeugt (keine Maßnahmen einer Stickstoffdüngung, relativ spä-te Schnittzeitpunkte) und war dadurch bedingt weitgehend nitratfrei (weniger als 1,0 g NO3/kg T).

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Im T-Bereich oberhalb 450 bis etwa 500 g/kg wurden in den Praxissilierversuchen teilweise weitgehend buttersäurefreie Ballensilagen mit geringen Ammoniakgehalten und relativ niedrigen pH-Werten erreicht. Gemessen daran wurde in den jeweiligen Silagen eine sehr gute Gärqualität erzielt, die jedoch wegen der sehr niedrigen Essigsäuregehalte nach dem DLG-Schlüssel abzuwerten war. Diese gute Gärqualität wurde aber nur bei der hohen Lagerungsdichte in den Compact-rollen (> 270 kg T/m³) und ab einer äußeren Luftabschlußgüte von 6 Folienlagen erzielt. Anscheinend wurde in den buttersäurehaltigen Ballensilagen kein ausreichender Luftabschluß erreicht.

Eine schlechte Gärqualität bei Grassilagen und vor allem Ballensilagen wird häufig auf einen unzureichenden Welkgrad im Siliergut zurückgeführt [WOOLFORD, 1984; ZIMMER, 1987]. Feuchtigkeit ist für das Wachstum buttersäurebildender Clostridien ein kritischerer Faktor als für das Wachstum von Milchsäurebakterien [LINDGREN et al., 1985]. Eine Clostridienhemmung erfolgt um so eher, je geringer die Wasseraktivität und höher die Konzentration undissoziierter Gärsäuren (vor allem Es-sigsäure) in Silagen ist [WEISSBACH et al., 1974; CATO et al., 1986 ; JONSSON und LINDGREN, 1989]. Das Anwelken des Grünfutters verbessert die erreichbare Gärqualität [DELLAGLIO, 1985; HONIG, 1987; WEISSBACH, 1993]. In der Literatur werden jedoch unterschiedliche Mindest-T-Ge-halte angegeben. Nach MCDONALD et al. werden Clostridien ab einem T-Gehalt von 300 g/kg all-gemein gehemmt [MCDONALD et al., 1991]. In Ballensilagen dagegen sehen JONSSON et al. ei-nen T-Gehalt von 350 g/kg als zu niedrig hierfür an [JONSSON et al., 1990]. In den eigenen Untersuchungen war unter praxisüblichen Bedingungen der Ballensilierung bei dem vorliegenden extensiv erzeugten Grünfutter offenbar ein T-Gehalt von mindestens ca. 450 g/kg im Siliergut notwendig.

Bezüglich des Epiphytenbesatzes im Siliergut wurde in den vorliegenden Untersuchungen hauptsächlich die Milchsäurebakterien- und die Pilzkeimzahl bestimmt. Die Milchsäurebakterienzahl war bei den Labor- höher als bei den Praxissilierversuchen. Nach Angaben in der Literatur kann angenommen werden, daß durch den mechanischen Reiz der versuchstechnisch bedingten Zerkleinerung des Siliergutes unmittelbar nach der Ernte die höhere Milchsäurebakterienzahl induziert wurde [HONIG, 1991; MCDONALD et al., 1991; LIN et al., 1992]. In den Silierversuchen mit Laborsilos war das Siliergut bei einem T-Gehalt unterhalb 400 g/kg allgemein als unzureichend vergärbar ein-zuschätzen. Es fiel auf, daß ungeachtet dessen in jedem Versuchsjahr in den Silagen vom 2. Aufwuchs gegenüber denen vom 3. Aufwuchs eine tendenziell bessere Gärqualität erzielt wurde. Es ist naheliegend anzunehmen, daß dies in den Laborsilierversuchen mit der in jedem Versuchsjahr beim 2. gegenüber dem 3. Aufwuchs höheren Besatzdichte der epiphytischen Milchsäurebakterien-flora im Zusammenhang steht. Dadurch fand während der Einsilierung in den Silagen von den 2. Aufwüchsen offenbar ein schnellerer und intensiverer Aziditätsrückgang statt, wodurch eine bessere Gärqualität erzielt wurde. Ein wichtiger Einfluß auf die Gärqualität ist die Schnelligkeit, mit der der pH-Wert unter den kritischen Wert absinkt [WHITTENBURY et al., 1967; WOOLFORD, 1984]. Schnelligkeit und Ausmaß des Aziditätsrückgangs sind nicht nur von der Verfügbarkeit und Konzentration wasserlöslicher Kohlenhydrate und der Pufferkapazität des Siliergutes sondern auch von der Zusammensetzung und Besatzdichte der Milchsäurebakterienflora abhängig [PETTERSSON, 1988; WEISSBACH, 1993]. In den Praxissilierversuchen konnte jedoch bei ausreichendem Luftabschluß auch mit einer gegenüber den Laborsilierversuchen geringeren Milchsäurebakterienzahl im Siliergut eine gute Gärqualität der Silagen erreicht werden. Der epiphytische Besatz mit Milchsäurebakterien ist ein wichtiger Einflußfaktor, aber nicht von alleiniger Bedeutung für die erreichbare Gärqualität [PAHLOW und HONIG, 1986; PAHLOW und MÜLLER, 1990; MÜLLER et al., 1991].

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Auffallend war in den Silierversuchen mit Laborsilos die im Versuchsjahr 1997 gegenüber 1996 durchschnittlich geringere Buttersäurebildung. Die Silagen vom 2. Aufwuchs 1997 waren nahezu buttersäurefrei. Als Erklärung dafür könnte angenommen werden, daß in den 1997 durchgeführten Laborsilierversuchen im Unterschied zu 1996 keine Schadkeimbelastung durch Erdeintrag vorgelegen hat. Darüber hinaus wurde das Siliergut 1997 auf einem besser gepflegten Grünland-Stand-ort gewonnen. Nach Angaben in der Literatur ist auf extensiv bewirtschaftetem Grünland das mikrobielle Risiko (Clostridien, Enterobakterien) wegen verschmutzter Bestände und abgestorbenen Pflanzenmaterials allgemein höher [ZIMMER, 1990]. Clostridien gehören nicht zur ursprünglichen Mikroflora von Futterpflanzen, sondern gelangen während der Ernte infolge Erdeintrag in das Grün-futter [GIBSON, 1965]. In der Literatur wird die bei Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter häufig festgestellte verminderte Gärqualität u.a. auch auf eine höhere Schadbelastung des Grünfutters zurückgeführt [ZIMMER, 1990; OTTO et al., 1993; PROCHNOW, 1994]. Insbesondere in den Praxissilierversuchen wurde jedoch trotz Schadbelastung durch Erdeintrag, worauf die teilweise hohen Rohaschegehalte in Siliergut und Silagen hinweisen, vor allem in den Compactrollensilagen eine gute Gärqualität erzielt. Eine Beimpfung mit Schimmelpilzsporen übte in den Silierversuchen mit Laborsilos keinen erkennbaren Einfluß auf die Gärqualität aus. In den Praxissilierversuchen waren die 3. Aufwüchse allgemein höher mit Pilzen belastet als die 1. Aufwüchse. Trotzdem war in den Silagen von den 3. Aufwüchsen eine gute Gärqualität erreichbar. Offensichtlich ist die mikrobielle Schadbelastung des Siliergutes bei ausreichendem Luftabschluß von untergeordneter Bedeutung für die erreichbare Gärqualität. Zur Verminderung von Risiken für Gärqualität und Tiergesundheit ist ein Erd- und Schmutzeintrag während der Silagebereitung jedoch soweit wie möglich zu reduzieren. Hierzu zählen auch vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen zur Pflege des Grünlands.

Die Grundlagen für einen ausreichenden Luftabschluß und eine gute Gärqualität in Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter wurden in den vorliegenden Untersuchungen durch die Erzeugung einer hohen Lagerungsdichte geschaffen. Eine hohe Lagerungsdichte wurde vor allem mit einem neuartigen Preßverfahren erzielt. Silierverfahren wie Horizontal- und Hochsilos bieten gute Voraus-setzungen für die Erzeugung einer hohen Lagerungsdichte [GIVENS et al., 1987; GIVENS et al., 1993]. Hier ist eine gute Gärqualität in Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter ebenso möglich. In den Praxissilierversuchen konnte im T-Bereich oberhalb 450 bis etwa 500 g/kg bereits ab 4 Fo-lienlagen bei der in den Compactrollen (C) erzeugten Lagerungsdichte (> 270 kg T/m³) gegenüber der in den Rundballen (R) erreichten Lagerungsdichte (etwa 150 - 210 kg T/m³) durchschnittlich eine bessere Gärqualität im Rand- und Kernbereich der Silagen erzielt werden (niedrigerer Buttersäure- und höherer Milchsäuregehalt, niedrigerer pH-Wert). Im Kernbereich der Rundballensilagen (R) wurden auch bei 6 und 8 Folienlagen meist mäßige (> 6-12 g/kg T) Buttersäuregehalte festgestellt. Dies weist auf einen stetigen, wenn auch geringen Lufteinfluß hin, der offenbar wegen zu großem Porenvolumen aufgrund unzureichender Lagerungsdichte vom Rand- aus den Kernbereich erfaßt hat. Nach Angaben in der Literatur kommt es bei Lufteinfluß zu oxydativen Prozessen im Silo und wasserlösliche Kohlenhydrate für die Milchsäuregärung gehen verloren [ZIMMER, 1987]. Geringere Gärsäurenbildung und von aeroben Mikroorganismen verursachter Gärsäurenabbau fördern indirekt buttersäurebildende Clostridien [JONSSON, 1989; KWELLA und WEISSBACH, 1991]. Die Compactrollensilagen (C) dagegen waren ab 6 Folienlagen buttersäurefrei (≤ 3 g/kg T).

Es ist allgemein bekannt, daß in Silagen durch höheren Verdichtungsdruck ein geringeres Porenvolumen erzielt werden kann [MÜLLER, 1969]. Das gebildete Kohlendioxid wird besser zurückgehalten und nur relativ wenig atmosphärischer Sauerstoff kann eindringen. In den Praxissilierversuchen wurden auch bei relativ hohem T-Gehalt des Siliergutes (oberhalb 500 g/kg) in den Compact-rollen- gegenüber den Rundballensilagen tendenziell höhere Milchsäuregehalte und niedrigere pH-Werte festgestellt. In der Literatur wird bei relativ hohem T-Gehalt im Siliergut (500-650 g/kg) bei Ballensilagen häufig von verminderter Gärqualität berichtet [HAIGH und PEERS, 1992; BEAULIEU et al., 1993]. Dies wird überwiegend auf eine zu geringe Wasseraktivität zurückgeführt und es wird davon ausgegangen, daß eine ausreichende Vergärung nicht möglich war [GIVENS et al., 1987; HAIGH, 1990; JONSSON et al., 1990; HAIGH et al., 1996]. Mit steigendem T-Gehalt sinkt jedoch die Gärgasbildung im Silo und wegen des gleichzeitig zunehmenden Porenvolumens steigt der An-teil der Luft am Gasaustausch [RETTIG, 1972; FÜRLL, 1973; KNABE et al., 1986]. Nach MÜLLER kann geringerer Lufteinfluß und Gasaustausch in Silagen nur mit einem kleineren Porenvolumen durch die Erhöhung der Lagerungsdichte erreicht werden [MÜLLER, 1969]. In den Praxissilierversuchen wurde trotz geringer Wasseraktivität im Siliergut bei der hohen Lagerungsdichte in den Compactrollensilagen aufgrund des offenbar verringerten Gasaustausches eine überwiegend gute Gärqualität mit nahezu buttersäurefreien Silagen erreicht. Die Abwertung der Gärqualität der Silagen nach dem DLG-Schlüssel erfolgte vor allem aufgrund der niedrigen Essigsäuregehalte. Inwieweit wegen niedriger Essigsäuregehalte die Gärqualität negativ zu werten ist, wird in der Literatur jedoch kritisch diskutiert [KAISER et al., 1998]. Es kann angenommen werden, daß eine bei hohem T-Gehalt im Siliergut verminderte Gärqualität der Silagen weniger auf geringe Wasseraktivität als vielmehr auf unzureichenden Luftabschluß infolge zu geringer Lagerungsdichte zurückzuführen ist.

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Unabhängig vom T-Gehalt wurde ab 6 Folienlagen bei der hohen Lagerungsdichte in den Compactrollensilagen (C) im Vergleich zu der geringeren Lagerungsdichte in den Rundballensilagen (R) eine ausgeglichenere und bessere Gärqualität erreicht. In den Rundballensilagen (R) war häufig auch bei 6 und 8 Folienlagen der Rand- gegenüber dem Kernbereich von schlechterer Gärqualität. Darin dürfte ein weiteres Merkmal für den bei höherer Lagerungsdichte erreichbaren besseren Luftabschluß zu sehen sein. In den Compactrollen bestanden hinsichtlich des Porenvolumens offenbar geringere Unterschiede zwischen dem Rand- und Kernbereich als in den Rundballen. Die anaeroben Bedingungen im Rand- und Kernbereich der Compactrollensilagen waren dadurch anscheinend relativ einheitlich. Die Milchsäuregärung konnte hier in allen Bereichen fast in gleichem Umfang und dabei intensiver als in den geringer verdichteten Rundballensilagen (R) verlaufen. Es ist daher anzunehmen, daß mit steigender Verdichtung und zunehmendem Luftabschluß die Verderbschicht (Randschicht) von Ballensilagen abnimmt. Nach Angaben in der Literatur wird mit Erhöhung der Lagerungsdichte in Silagen die durch Lufteinfluß während der Befüllung und Lagerung gefährdete Siliergutschicht bzw. Randschicht kleiner [KNABE et al., 1986; RETTIG und KLICH, 1986]. Darüber hinaus war auch die Gärqualität innerhalb der Wiederholungen einer Variante bei den Compactrollen- meist einheitlicher als bei den Rundballensilagen. Eine unausgeglichene Qualität von Ballensilagen ist ein in der Praxis oft genanntes Problem [KELLER et al., 1997]. Eine unterschiedliche Gärqualität innerhalb eines Silos wird überwiegend auf inhomogenes Siliergut zurückgeführt [WOOLFORD, 1984; LINDGREN et al., 1985; JONSSON, 1989; PETTERSSON und LINDGREN, 1990]. Es wird aber darauf verwiesen, daß eine gleichmäßige Verdichtung der Silagen mitunter schwer zu erreichen ist [MCDONALD et al., 1991]. Im Gärverlauf auftretende Unterschiede hängen nicht nur mit im Siliergut vorliegenden Differenzen in der Vergärbarkeit sondern auch oder zusätzlich mit ungleichmäßig verteiltem anaeroben Milieu im Silo zusammen [JONSSON et al., 1990; LINDGREN, 1991]. In den Praxissilierversuchen waren die Fermentationsbedingungen bei der hohen Lagerungsdichte der Compactrollen in den einzelnen Silageballen offenbar relativ einheitlich, wodurch nahezu homogene Futterpartien erzeugt werden konnten. Unter dem Aspekt, daß auf extensiv genutztem Grünland relativ häufig heterogene Pflanzenbestände vorliegen, ist bei den hier erzeugten Silagen eine hohe Lagerungsdichte daher von außerordentlicher Bedeutung.

In den Silierversuchen mit Laborsilos wurde der Einfluß höherer Verdichtung auf die Gärqualität vor allem bei der Variation der Lufteinwirkung deutlich (L 2 / L 3). Bei niedriger T-Dichte wiesen die Si-lagen mit durch Druckschwankungen verstärkter Lufteinwirkung gegenüber den Silagen mit norma-ler Lufteinwirkung auch bei hoher Folienlagenzahl eine allgemein schlechtere Gärqualität auf (höhere Buttersäuregehalte und pH-Werte). Mit steigender T-Dichte wurden diese Unterschiede zusehends geringer und die Gärqualität der Silagen verbesserte sich (höhere Milchsäure- sowie niedrigere Buttersäure- und Ammoniakgehalte). Anscheinend verringerte sich mit steigender T-Dichte der Einfluß der simulierten verstärkten Lufteinwirkung auf die in den Silagen erreichte Gärqualität. In der Literatur konnte in Laborsilierversuchen mit Kleinballen mit einer steigenden Verdichtung von 70 bis 250 kg T/m³ ebenfalls eine tendenziell bessere Gärqualität erreicht werden [KELLER, 1995].

Ab einem T-Gehalt oberhalb 500 g/kg lag in den Laborsilierversuchen (L 3 / L 5) gut vergärbares Siliergut vor. Bei der hier realisierten T-Dichte von etwa 200 bis 210 kg T/m³ wurden fast unabhängig von der Lufteinwirkung in jedem Versuchsjahr Silagen mit relativ guter Gärqualität erzielt. Hieraus kann die Schlußfolgerung abgeleitet werden, daß in Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter ab einer T-Dichte von 200-210 kg T/m³ ein ausreichender Luftabschluß und eine gute Gärqualität erreicht werden kann. Diese Lagerungsdichte entspricht etwa dem obersten Bereich der Verdichtung in den mit normaler Vorschneideinrichtung erzeugten Rundballen (R) und wurde in den durchgeführten Praxissilierversuchen in etwa 15 % der Rundballensilagen (R) erreicht. In den mit verbesserter Vorschneideinrichtung erzeugten Rundballen (RS) konnte diese Lagerungsdichte bei mehr als 80 % der erzeugten Rundballensilagen (RS) erreicht bzw. überschritten werden. In den unter Praxisbedingungen erzeugten Rundballensilagen (R / RS) wurde aber eine schlechtere Gärqualität als in den unter Laborbedingungen bei 200-210 kg T/m³ hergestellten Silagen festgestellt. Es ist nicht auszuschließen, daß die im Freien gelagerten Ballensilagen weiteren Einflußfaktoren auf den Gasaustausch wie witterungsbedingten Temperaturschwankungen und Wind ausgesetzt waren. Diese wirkten in den Laborsilos nicht in dem Maße auf die Silagen ein. Eine Temperaturerhöhung um 10 Kelvin steigert den Gasaustausch um 5-10 % [KNABE et al., 1986]. Hohe Tempera-turen durch Sonneneinstrahlung können bei im Freien gelagerten Ballensilagen zu Pilzbefall und pH-Wert-Anstieg führen [RANDBY, 1996]. Bei in Gebäuden gelagerten wurde gegenüber im Freien gelagerten Ballensilagen eine bessere Gärqualität erreicht [ANDERSON, 1985; JOKI-TOKOLA, 1992; HAIGH, 1995]. Eine Lagerung von Ballensilagen in Gebäuden ist jedoch praxisunüblich. Dies würde auch den Vorteil der von festen bautechnischen Voraussetzungen relativ unabhängigen Silierung aufheben. Hinsichtlich Windeinwirkung kann angenommen werden, daß die Ballensilagen einer stärkeren Einflußnahme unterworfen waren als die in den Laborsilos simulierte Lufteinwirkung (20 mbar). Hier sollten normale Schwankungen des atmosphärischen Luftdrucks simuliert werden. In der Literatur wird davon ausgegangen, daß bezüglich der Einwirkung von Temperaturschwankungen und Wind die Silierung in Silos wie z.B. Horizontal- und Hochsilos gegenüber der Silierung in Großballen wegen der größeren Schichthöhe und des günstigeren Verhältnisses von Oberfläche zu Silagemasse von Vorteil ist [SUNDBERG und THYLÉN, 1993; UPPENKAMP, 1994].

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Es ist anzunehmen, daß z.B. in Horizontalsilos ab einer Lagerungsdichte von ca. 200-210 kg T/m³ auch in Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter ein ausreichender Luftabschluß und eine gute Gärqualität erreichbar ist. In der Praxis ist bei Grassilagen in Horizontalsilos eine Lagerungsdichte von 200-210 kg T/m³ in der Regel erreichbar, während bei Grassilagen in Rundballen (R) im Mittel nur eine Lagerungsdichte von 170-190 kg T/m³ erreicht werden kann [DARBY und JOFRIET, 1993; UPPENKAMP, 1994; N.N., 1996]. Bei der Welksilagebereitung mit Siloverfahren (Horizontal- und Hochsilos) wird in der Literatur als erforderliche Einlagerungsdichte etwa 500-600 kg FM/m³ angegeben, was etwa einer T-Dichte von mindestens 180-200 kg T/m³ entspricht [KNABE et al., 1986, WEISE und RAMBUSCH, 1988]. Schlußfolgernd aus den vorliegenden Untersuchungen sollte da-gegen für eine gute Gärqualität bei Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter eine höhere Lagerungsdichte von etwa 200-210 kg T/m³ als mindestens notwendige Grenzbedingung zur Erzeugung eines ausreichenden Luftabschlusses angenommen werden. Insbesondere in Ballensilagen sollte dieser Bereich der Lagerungsdichte zumindest erreicht, nach Möglichkeit aber auch überschritten werden. Voraussetzung dabei ist ein ausreichender T-Gehalt im Siliergut. In der Literatur wird vor allem bei Quaderballen ab einem T-Gehalt von 450-500 g/kg eine T-Dichte von etwa 200-210 kg T/m³ angegeben [UPPENKAMP, 1994]. In den eigenen Untersuchungen wurden Rundballenpressen eingesetzt, die nach dem Konstantkammerverfahren arbeiten. Bei Nutzung einer Rundballenpresse mit variabler Preßkammer sind vermutlich gleichmäßiger und höher verdichtete Rundballen-silagen erzielbar. Durch Verdichtung des Ballenkerns bereits zu Beginn der Ballenformung kann bei diesem Preßverfahren die T-Dichte der Silagen um etwa 10 % gegenüber dem Konstantkammerverfahren erhöht werden [WYSS et al., 1991a; UPPENKAMP, 1994]. In den durchgeführten Praxissilierversuchen wurde jedoch durch Anwendung einer Rundballenpresse mit verbesserter Vorschneideinrichtung eine T-Dichte oberhalb 200-210 kg T/m³ in Rundballensilagen (RS) erreicht.

Im Versuchsjahr 1997 konnten im T-Bereich unterhalb 400 g/kg bzw. oberhalb 500 g/kg vergleichende Silierversuche mit normaler und verbesserter Vorschneideinrichtung bei den Rundballenpressen durchgeführt werden. Durch die intensivere Siliergutzerkleinerung mittels verbesserter Vorschneideinrichtung wurde eine etwa 10-15 % höhere Lagerungsdichte in den Rundballensilagen (RS) erzielt. In der Literatur wird bei Siliergutzerkleinerung in Rundballen ebenfalls von einer höheren Lagerungsdichte in dieser Größenordnung ausgegangen [NEITZ, 1993; UPPENKAMP, 1994]. In den Praxissilierversuchen konnte in den mit verbesserter Vorschneideinrichtung (RS) erzeugten Rundballen (etwa 190-230 kg T/m³) gegenüber den mit normaler Vorschneideinrichtung (R) erzeugten Rundballen (etwa 150-210 kg T/m³) durch die höhere Lagerungsdichte tendenziell ein verbesserter Luftabschluß erreicht werden. Insbesondere im Randbereich der Silagen konnte die Gärqualität besser bewertet werden und es traten allgemein geringere Unterschiede zwischen Rand- und Kernbereich auf. Darüber hinaus wiesen die höherverdichteten Rundballensilagen (RS) gegenüber den normalverdichteten Rundballensilagen (R) einen insgesamt geringeren Pilzbefall auf und waren in der Regel fütterungstauglich. Im T-Bereich unterhalb 400 g/kg wurde jedoch auch bei Siliergutzerkleinerung eine teilweise starke Buttersäurebildung festgestellt. Insbesondere bei unzureichendem T-Gehalt des Siliergutes führt eine höhere Lagerungsdichte anscheinend nicht zwangsläufig zu einer besseren Gärqualität. Im T-Bereich oberhalb 450 bis etwa 500 g/kg, in dem offenbar ein ausreichender Anwelkgrad vorlag, konnten witterungsbedingt mit der Rundballenpresse mit verbesserter Vorschneideinrichtung keine Versuche durchgeführt werden. Bei relativ hohem T-Gehalt oberhalb 500 g/kg war das Siliergut wiederum vergleichsweise schwer verdichtbar. Hinsichtlich der Erzeugung einer guten Gärqualität in Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter durch intensivere Siliergutzerkleinerung sind daher nur eingeschränkte Aussagen möglich. Es dürfte aber anzunehmen sein, daß durch die 10-15 % höhere Lagerungsdichte, die bei der Hälfte der erzeugten Rundballensilagen (RS) oberhalb 210 kg T/m³ lag, insbesondere im T-Bereich 450 bis 500 g/kg eine bessere Gärqualität als in den geringer verdichteten Rundballensilagen (R) erzielbar ist. Für diese Annahme sprechen auch Arbeiten in der Literatur, in denen durch intensivere Siliergutzerklei-nerung ein verbesserter Luftabschluß und damit verbunden auch häufig eine höhere Gärqualität in Rundballensilagen erreicht wurde [NEITZ, 1993; KELLER et al., 1997 und dort zitierte Literatur].

Der Einfluß der Siliergutzerkleinerung auf die Gärqualität ist relativ komplex: homogeneres, leichter und höher verdichtbares Siliergut / schneller erreichte anaerobe Bedingungen / besserer Luftabschluß / verringerter Gasaustausch / schnellerer Zellsaftaustritt / besser verfügbares Gärsubstrat [HONIG, 1991; NICHOLSON et al., 1991; MCDONALD et al., 1991; ASHBELL und WEINBERG, 1992]. Weiterhin wird die Milchsäurebakteriendichte im Siliergut erhöht [LIN et al., 1992]. Dies führt durch die bessere Substratverfügbarkeit für die Milchsäurebakterien bei ausreichend vorhandenen wasserlöslichen Kohlenhydraten häufig zu einem Anstieg der Milchsäurebildung [PAHLOW und MÜLLER, 1990]. In Arbeiten von WYSS und JANS traten zwischen in Hochsilos und in Rundballen silierten Grassilagen (T-Gehalt: 350-450 g/kg) nur geringe Unterschiede bezüglich der Gärqualität auf, wenn die Silierung bei beiden Verfahren mit zerkleinertem Siliergut erfolgte. Wurde das Siliergut jeweils nicht zerkleinert, war die Qualität der Ballensilagen schlechter [WYSS und JANS, 1993].

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In den Praxissilierversuchen wurde bei gleicher Variante der äußeren Luftabschlußgüte in den Compactrollen- gegenüber den Rundballensilagen allgemein eine bessere Gärqualität erreicht. Nach MÜLLER ist die äußere Luftabschlußgüte ein wichtiger Einflußfaktor zur Gewährleistung eines ausreichenden Luftabschlusses, sie trägt gegenüber der Verringerung des Porenvolumens durch Verdichten aber nur sekundären Charakter [MÜLLER, 1969]. Die größere Bedeutung der Lagerungsdichte gegenüber der Folienlagenzahl wurde auch dadurch deutlich, daß die Gärqualität vor allem im Kernbereich der Rundballensilagen (R) durch eine Erhöhung der Folienlagenzahl auf 6 und 8 bei einigen Versuchen bzw. Ausgangsmaterialien nicht wesentlich beeinflußt bzw. verbessert werden konnte. Dagegen war bei der hohen Lagerungsdichte in den Compactrollensilagen (C) in allen Versuchen bei einer höheren Folienlagenzahl in der Regel eine Verbesserung der Gärqualität erkennbar. Offensichtlich kann bezüglich der Erzeugung eines ausreichenden Luftabschlusses in Silagen eine zu geringe Lagerungsdichte nicht effektiv durch höhere Folienlagenzahl kompensiert werden. In den Praxissilierversuchen wurde bei der hohen Lagerungsdichte in den Compact-rollensilagen (C) gegenüber der geringeren Lagerungsdichte in den Rundballensilagen (R / RS) ei-ne vergleichbare Gärqualität meist mit einer geringeren Folienlagenzahl erzielt. Anscheinend kann mit steigender Lagerungsdichte ein ausreichender Luftabschluß mit einer geringeren Folienlagenzahl erreicht werden. Dies würde Einsparungen an Folienmaterial erlauben. In der Literatur wird jedoch darauf hingewiesen, daß höheres Verdichten nicht gleichermaßen die Anforderungen an den äußeren Hermetisierungsgrad herabsetzt [KNABE et al., 1986]. Bei der Gasdurchlässigkeit der Isolierhülle bzw. des Zudeckmaterials von Silos sind Mindestwerte einzuhalten [RETTIG, 1972].

In den eigenen Untersuchungen erwiesen sich 6 Folienlagen der verwendeten Stretchfolie bzw. eine Gasdurchlässigkeit des Zudeckmaterials von maximal etwa 1,7 l/m² in 24 Stunden als mindestens erforderliche Grenzbedingung der äußeren Luftabschlußgüte zur Erzeugung eines ausreichenden Luftabschlusses in Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter. Bei ausreichendem T-Ge-halt des Siliergutes oberhalb 450 g/kg wurde in den Compactrollensilagen (C) ab 6 Folienlagen überwiegend eine gute bis sehr gute Gärqualität mit nahezu buttersäurefreien Silagen erzielt. Hierbei war auch der Pilzbefall eingeschränkt. In den höherverdichteten Rundballensilagen (RS) war die ab 6 Folienlagen erreichte Gärqualität aufgrund geringerer Lagerungsdichte im Vergleich dazu etwas schlechter (geringere Milchsäuregehalte, höhere pH-Werte). Der Pilzbefall war jedoch eben-falls eingeschränkt und die Silagen waren fütterungstauglich. In den normalverdichteten Rundballensilagen (R) dagegen konnte infolge zu geringer Lagerungsdichte ein Pilzbefall insbesondere im Kernbereich der Silagen auch bei 6 und 8 Folienlagen nicht immer verhindert werden. Schlußfolgernd aus den vorliegenden Ergebnissen wird aber davon ausgegangen, daß die Gewährleistung der Grenzbedingung der Lagerungsdichte die Voraussetzung für die Erzeugung eines ausreichenden Luftabschlusses in Silagen darstellt. Die Ermittlung einer Grenzbedingung der äußeren Luftabschlußgüte bei zu geringer Lagerungsdichte der Silagen erscheint wenig sinnvoll. In der Literatur wird bei der Silagebereitung mit Siloverfahren (Horizontal- und Hochsilos) als maximale Gasdurchlässigkeit des Zudeckmaterials ein Wert unterhalb 24 l/m² in 24 h empfohlen, wobei eine Gasdurchlässigkeit von 2,4 l/m² in 24 h als Optimalwert angesehen wird [RETTIG, 1972; KNABE et al., 1986; RETTIG und KLICH, 1986]. Nach den eigenen radiometrischen Messungen würde der genannte Optimalwert bei der verwendeten Stretchfolie einer äußeren Luftabschlußgüte von mindestens etwa 4 bis 5 Folienlagen entsprechen. Es ist nicht auszuschließen, daß bei Ballensilagen die Mindestanforderungen an den Hermetisierungsgrad höher sind als bei Siloverfahren. Dies dürfte nach Angaben in der Literatur vor allem auf den bei Ballensilagen allgemein stärkeren Einfluß der Witterung, das ungünstigere Verhältnis von Oberfläche zu Silagemasse und eine häufig unzulängliche Wickelgenauigkeit zurückzuführen sein [SUNDBERG und THYLÉN, 1993; UPPENKAMP, 1994].

In der Literatur wird bei Ballensilagen aus konventionell erzeugtem Grünfutter als Grenzbedingung bzw. Mindestwert für die Erzeugung eines ausreichenden Luftabschlusses und einer guten Gärqualität ebenfalls häufig eine äußere Luftabschlußgüte von 6 Folienlagen genannt [JOKI-TOKOLA, 1992; ITOKAWA et al., 1995; KELLER, 1995; FYCHAN und JONES, 1996; KELLER et al., 1997]. Angaben zur Gasdurchlässigkeit der verwendeten Folienmaterialien fehlen aber meist. Es ist jedoch davon auszugehen, daß Stretchfolien, die „DLG anerkannt“ sind, sich in ihrer Gasdurchlässigkeit nicht wesentlich unterscheiden und insbesondere vorgeschriebene Höchstwerte einhalten. Schlußfolgernd ist daher anzunehmen, daß bezüglich der Grenzbedingung der äußeren Luftabschlußgüte für die Erzeugung einer guten Gärqualität kein wesentlicher Unterschied zwischen Silagen aus extensiv und konventionell erzeugtem Grünfutter besteht. In der Literatur bewirkten mehr als 6 Folienlagen nur noch eine geringfügige Verbesserung der Gärqualität [NEITZ, 1993; KELLER et al., 1997]. In den eigenen Untersuchungen war vor allem bei den radiometrischen Messungen ein entsprechender Trend bei der verwendeten Stretchfolie erkennbar. Der Nutzeffekt zur Verringerung der Gasdurchlässigkeit betrug bei einer Erhöhung von 6 auf 8 Folienlagen nur etwa 30 % des Nutzeffektes der Erhöhung von 4 auf 6 Folienlagen. Eine höhere Folienlagenzahl verbessert aber den mechanischen Schutz der Hülle. Schlußfolgernd aus der bei 8 Folienlagen noch festgestellten Gasdurchlässigkeit von etwa 1,4 l/m² in 24 Stunden ist bei Ballensilagen eine windgeschützte und schattige Lagerung ratsam. Aspekte wie Folienfarbe und UV-Stabilität wurden in den Untersuchungen nicht geprüft. In den wenigen dazu bekannten Arbeiten in der Literatur wird angenommen, daß dunkles Folienmaterial eine höhere Temperatur der Silage bewirken kann [ZILAKOVA et al., 1993].

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Durch biologische und chemische Silierzusätze konnte die Gärqualität von Grassilagen, auch die von Ballensilagen, nach Angaben in der Literatur mehrfach verbessert werden [JONSSON et al., 1990; CIOTTI et al., 1993; NEITZ, 1993; KELLER, 1995; HAIGH et al., 1996]. In den vorliegenden Untersuchungen wurden nur im Versuchsjahr 1995 (L 1) mit Faßsilos ausgewählte Silierzusätze geprüft. Das Siliergut war jedoch unzureichend vergärbar. Der in der Variante mit Milchsäurebakterien vorliegende T-Gehalt unterhalb 200 g/kg befand sich für biologische Zusätze nicht im optimalen Bereich [KELLER et al., 1994]. In den luftbeeinflußten Randschichten konnte auch bei Zusatz von Propionsäure keine wesentliche Verbesserung der Gärqualität gegenüber der Variante ohne Zusatz festgestellt werden. Die Randschichten wiesen starken Pilzbefall und dadurch bedingt relativ hohe pH-Werte auf. Das Welken des Siliergutes auf etwa 300 g/kg bewirkte hier anscheinend eine stärkere Rückdehnung und noch größeren Lufteinfluß. In den offenbar weniger luftbeeinflußten Kernschichten dagegen wurde durch den Zusatz der Siliermittel (vor allem Propionsäure) bei beiden T-Gehalten ein positiver Effekt auf die Gärqualität ausgeübt. Dieses Ergebnis war prinzipiell zu erwarten. Fehler bei der Silagebereitung wie Luftzutritt und zu geringe Lagerungsdichte können durch Silierzusätze nicht ausgeglichen werden [KELLER et al., 1997]. Die Wirksamkeit biologischer Siliermittel setzt immer anaerobe Bedingungen voraus [HONIG und PAHLOW, 1986; PAHLOW und HONIG, 1986]. Durch luftdichte Lagerung (Deckelverschluß) konnte die Gärqualität der Silagen auch ohne Silierzusätze verbessert werden. Hier wurde nur ein relativ geringer (> 3-6 g/kg T) Buttersäuregehalt festgestellt und es traten insbesondere keine Verderbschichten (Randschichten) auf. Von fest installierten Siloanlagen wie Horizontal- und Hochsilos ist bekannt, daß bei einer aufgrund unzureichender Vergärbarkeit eingeschränkten Fermentation ein verbesserter Luftabschluß zu einer guten Gärqualität beitragen kann [WOOLFORD, 1984; MCDONALD et al., 1991].

5.2 Pilzwachstum

Im Vordergrund stand die Ermittlung der Grenzbedingungen für Verdichtung und äußeren Luftabschluß, bei denen unabhängig vom Siliergut (T-Gehalt, Rohfasergehalt, Aufwuchs) während mindestens 4 - 6 Monaten Lager ein Pilzbefall in den Silagen eingeschränkt werden kann. Von Interesse war, inwieweit die Grenzbedingungen hierfür mit denen für die Gärqualität übereinstimmen.

Die Zusammensetzung der Schimmelpilzflora in Silagen ist sehr vielschichtig. In den eigenen Untersuchungen wurden in Stichproben Bestimmungen von Schimmelpilzgattungen und -arten durchgeführt. Die am häufigsten angetroffenen Gattungen waren Monascus, Penicillium und Mucoraceae. Angaben in der Literatur wurden damit im wesentlichen bestätigt [ARMBRUSTER, 1994; AUERBACH, 1996]. In Grassilagen spielen vor allem Vertreter der Gattungen Penicillium, Aspergillus und Monascus sowie Mucoraceae ein übergeordnete Rolle [GEDEK et al., 1981]. Vor allem im Randbereich der Ballensilagen wurden jedoch auch Vertreter der Gattung Fusarium festgestellt.

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Die sensorische Beurteilung des Pilzbefalls nach äußeren Merkmalen wie sichtbarer Schimmel und muffiger Geruch ist nicht ausreichend sicher. In den durchgeführten Untersuchungen wiesen auch visuell unverschimmelte Silageproben teilweise eine Pilzkeimzahl oberhalb des Schwellenwertes von 10000 KBE/g FM auf. Von AUERBACH wurde in dem Zusammenhang in 18 von 30 visuell unverschimmelten Grassilagen eine Pilzkeimzahl oberhalb 10000 KBE/g FM festgestellt [AUERBACH, 1996]. In den vorliegenden Untersuchungen wurde erwartungsgemäß in den visuell verschimmelten meist eine höhere Pilzkeimzahl als in den visuell unverschimmelten Silagen festgestellt. Teilweise war jedoch auch eine Verschimmelung visuell sichtbar und äußerte sich nicht in der Pilzkeimzahl. In der Literatur wird auf allgemeine Schwierigkeiten bei der Entnahme repräsentativer Proben aus Silagen und vor allem bei deren Homogenisierung verwiesen [KELLER, 1995; AUERBACH, 1996]. Der ermittelte Wert der Pilzkeimzahl wird darüber hinaus von der angewendeten Analysenmethode und hier z.B. durch das verwendete Nährmedium beeinflußt [SCHNÜRER und JONSSON, 1992]. Die Pilzkeimzahl gibt nur über entwicklungsfähige Pilzkeime Auskunft, der ermittelte Wert stellt jedoch innerhalb der empfohlenen Richtwerte eine wichtige Beurteilungsgröße für den Verderb dar [MÜLLER et al., 1984; MÜLLER und LEHN, 1988]. Über die Höhe eines Richtwertes in Futtermitteln, bei dem eine gesundheitliche Schädigung von Tieren eintreten kann, beste-hen aber keine einheitlichen Meinungen. Insgesamt zeigen Beobachtungen aus der Praxis, daß die Grenzen des Pilzbefalls im Futter für eine schädigende Wirkung beim Tier fließend sind. Eine Vielzahl von Einflußfaktoren wie aufgenommene Futtermenge und Fütterungsdauer sowie Rasse, Alter und Konstitution machen die genaue Festlegung eines Richtwertes schwierig. Allgemein ist jedoch anzunehmen, daß mit zunehmendem Pilzbefall das gesundheitliche Risiko steigt, vor allem wird die Mykotoxinbildung im Futter wahrscheinlicher [SCHMIDT, 1981]. In den eigenen Untersuchungen wurde für den einwandfreien hygienischen Status der Silagen ein Schwellenwert der Pilzkeimzahl von 10000 KBE/g FM festgelegt. Ab diesem Keimgehalt an Schimmelpilzen können nach Angaben in der Literatur gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Tieren auftreten [GEDEK, 1973]. Von der DLG wird in Futtermitteln ein Besatz an Hefe- und Schimmelpilzen erst ab einer Keimzahl von etwa 70000 KBE/g FM als kritisch angesehen [SCHNEIDER, 1994 und dort zitierte Literatur].

Ab einem Keimgehalt an Schimmelpilzen von mehr als 100000 KBE/g FM ist nach Angaben in der Literatur jedoch mit gesundheitlichen Schäden bei Tieren zu rechnen [GEDEK, 1974]. In den vorliegenden Untersuchungen wurden analytisch bedingt bei der Pilzkeimzahlbestimmung Schimmel- + Hefepilze erfaßt. Hefen besitzen in Silagen kaum eine toxikologische Bedeutung [GEDEK, 1973]. Das Risiko der überwiegend von Hefen induzierten aeroben Instabilität von Silagen steigt jedoch, wenn bei der Auslagerung der Keimgehalt an Hefen den Wert von 100000 KBE/g FM überschreitet [PAHLOW, 1982; JONSSON und PAHLOW, 1983; JONSSON und PAHLOW, 1984]. Schlußfolgernd könnte in den eigenen Untersuchungen ein Gesamt-Keimgehalt an Schimmel- + Hefepilzen von 100000 KBE/g FM als Höchstwert für den Pilzbefall der Silagen angenommen werden.

In der Literatur wird zur genaueren Beurteilung des Pilzbefalls zusätzlich zur Pilzkeimzahl- die Ergosterinbestimmung empfohlen [MÜLLER und SCHWADORF, 1988; SCHWADORF, 1995; SARAF et al., 1997]. Der Anteil des von Hefen gebildeten Ergosterins am Gesamt-Ergosteringehalt ist relativ gering [SCHWADORF, 1995; AUERBACH, 1996]. In den durchgeführten Untersuchungen war der ermittelte Ergosteringehalt der Silagen daher eine sinnvolle Ergänzung der jeweils festgestellten Pilzkeimzahl. Vor allem konnten durch die Ergosterinbestimmung auch die Silagen differenziert beurteilt werden, bei denen die Pilzkeimzahl bei der Auslagerung unterhalb der Nachweisgrenze lag. Die Einschätzung der während der Silagelagerung stattgefundenen Ergosterinbildung und de-ren vergleichende Wertung zwischen den einzelnen Versuchen war jedoch schwierig, wenn bereits im Siliergut ein relativ hoher Ergosteringehalt vorlag. Die Beziehung zwischen den jeweils ermittel-ten Werten der Parameter Pilzkeimzahl und Ergosteringehalt war bei den in den Praxissilierversuchen analysierten Silagen (n = 330) insgesamt nur relativ gering (r² = 0,33). Naheliegend als Erklärung hierfür ist, daß der Ergosteringehalt versuchstechnisch bedingt nicht unmittelbar aus derselben Probeneinwaage für die Pilzkeimzahlbestimmung ermittelt werden konnte. Von AUERBACH wurden bezüglich der Beziehung zwischen Pilzkeimzahl und Ergosteringehalt mit einem Bestimmtheitsmaß von r² = 0,38 im Mittel aller analysierten Silagen (n = 62) jedoch ähnliche Ergebnisse ge-wonnen [AUERBACH, 1996]. In Untersuchungen mit Getreide wurde demgegenüber mit r² = 0,77 eine engere Korrelation zwischen Pilzkeimzahl und Ergosteringehalt festgestellt [SCHNÜRER und JONSSON, 1992]. Schlußfolgernd aus den vorliegenden Ergebnissen dürfte es sehr schwierig sein, bezüglich des Ergosteringehaltes von Grassilagen einen allgemeingültigen Höchstwert festzulegen. Diese Meinung wird auch in der Literatur vertreten [AUERBACH, 1996]. Es ist davon auszugehen, daß zur Beurteilung des Pilzbefalls von Grassilagen die Ergosterin- die Pilzkeimzahlbestimmung nicht ersetzen kann. Die Analyse des Ergosteringehaltes zusätzlich zur Pilzkeimzahl erlaubt jedoch eine umfassendere Einschätzung des Schimmelbefalls während der Lagerung.

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In den eigenen Untersuchungen war der Pilzbesatz im Siliergut gemessen an Pilzkeimzahl und Ergosteringehalt bei den 3. Aufwüchsen allgemein höher als bei den 2. und 1. Aufwüchsen. Der Rohaschegehalt im Siliergut war ebenso bei den 3. Aufwüchsen generell höher, was auf einen stärkeren Erdeintrag als bei den 2. und 1. Aufwüchsen hindeutet [ZIMMER, 1990]. Es ist daher an-zunehmen, daß die mikrobielle Schadbelastung im Siliergut durch Pilz- und andere Schadkeime (Clostridien, Listerien, Enterobakterien) bei späten Aufwüchsen in der Regel höher ist als bei frühen Aufwüchsen. Nach Angaben in der Literatur ist mit zunehmendem Pflanzenalter und der Zunahme abgestorbenen Pflanzenmaterials mit einer stärkeren Verpilzung der Bestände zu rechnen [FEHRMANN und MÜLLER, 1990; MÜLLER et al., 1991], vor allem auf extensiv genutztem Grünland [OPITZ V. BOBERFELD, 1995; LANDES, 1996]. In den Praxissilierversuchen wurde in den Rundballensilagen (R) von Versuch P 3 (3. Aufwuchs 1996) unabhängig von der Folienlagenzahl ein deutlich stärkerer Pilzbefall als in den Rundballensilagen (R) von Versuch P 4 (1. Aufwuchs 1997) festgestellt. Hinsichtlich T-Gehalt und Verdichtbarkeit (Rohfasergehalt) war das Ausgangsmaterial der beiden Versuche annähernd vergleichbar. Es ist naheliegend anzunehmen, daß dieser Unterschied mit der allgemein höheren Schadbelastung des beim 3. Aufwuchs 1996 gegenüber dem beim 1. Aufwuchs 1997 vorliegenden Siliergutes zusammenhängt. Bei hoher Lagerungsdichte in den Compactrollensilagen (C) wurden derartige Unterschiede jedoch nicht bemerkt. Nach 6 Monaten Lagerung lag hier die Pilzkeimzahl ab 4 Folienlagen bei beiden Versuchen bzw. Aufwüchsen unterhalb des Schwellenwertes bzw. der Nachweisgrenze. Anscheinend fanden Schimmelpilze und andere mikrobielle Schaderreger bei der vergleichsweise geringen Lagerungsdichte in den Rundballensilagen (R) allgemein günstigere Entwicklungsbedingungen vor als bei der relativ hohen Lagerungsdichte in den Compactrollensilagen (C). Dies kam beim 3. Aufwuchs 1996 (P 3) auch zum Ausdruck durch den direkten Nachweis von Listerien insbesondere in den Rundballensilagen (R). Deren Auftreten in Silagen wird in der Literatur vor allem mit höheren pH-Werten und Lufteinfluß in Verbindung gebracht [FENLON, 1985; FENLON et al., 1989; RUXTON und GIBSON, 1995; ARIMI et al., 1997; RYSER et al., 1997; HOFFMANN et al., 1998]. Schlußfolgernd ist bei ausreichendem Luftabschluß die mikrobielle Schadbelastung des Siliergutes offensichtlich nicht von vorrangiger Bedeutung für den Entwicklungsverlauf mikrobieller Schaderreger während der Silagelagerung.

Bei in den vorliegenden Untersuchungen im Siliergut bestimmten Pilzen handelte es sich vor allem um Hefen und Fusarien und selten um Vertreter der Gattung Penicillium. Nach Angaben in der Li-teratur ist das Vorkommen von Lagerpilzen wie Penicillium roqueforti prinzipiell bereits auf wachsenden Pflanzen möglich [OLDENBURG, 1990; AUERBACH, 1996 und dort zitierte Literatur]. In zwei Laborsilierversuchen wurde eine Beimpfung des Siliergutes mit Penicillium roqueforti - Sporen vorgenommen. Hierdurch sollte eine verstärkte Belastung des Siliergutes mit Penicillium roqueforti simuliert und beispielhaft anhand dieser als dominierend beim Schimmelverderb von Silagen geltenden Pilzart [ARMBRUSTER, 1994; AUERBACH, 1996] der Einfluß des Luftabschlusses auf Pilzwachstum und Mykotoxinbildung untersucht werden. Nach einem Monat Lagerung wurde auch bei hoher Folienlagenzahl in den Silagen von beimpftem Siliergut gegenüber den jeweiligen Silagen von unbeimpftem Siliergut ein intensiver Anstieg der Pilzkeimzahl festgestellt. Es ist nicht auszuschließen, daß in den Silagen bzw. in den Laborsilos während der Silagelagerung kein ausreichender Luftabschluß zur Einschränkung des Pilzbefalls und vor allem von Penicillium roqueforti erreicht wurde. Die in den Laborsilos technisch erreichbare T-Dichte (maximal 200-210 kg T/m³) war bei der simulierten verstärkten Lufteinwirkung offenbar nicht hoch genug. Ein wichtiger Grund für die Aufmerksamkeit, die Penicillium roqueforti in der Literatur gewidmet wird, ist seine relativ hohe Toleranz gegenüber hohen Kohlendioxidkonzentrationen und niedrigen pH-Werten sowie organischen Säuren wie Essigsäure [MOREAU, 1980]. Im Vergleich zu anderen Pilzen kann Penicillium roqueforti auch bei relativ niedrigem Sauerstoffangebot noch wachsen und gilt als widerstandsfähig gegenüber längerfristigen anaeroben Bedingungen [YATES et al., 1967; LACEY und MAGAN, 1991]. In Arbeiten von AUERBACH konnte sich Penicillium roqueforti auch bei einer Sauerstoffkonzentration von weniger als 1 % entwickeln [AUERBACH, 1996]. In der Literatur wird allgemein davon ausgegangen, daß das Pilzwachstum mehr durch eine hohe Kohlendioxid- als durch eine niedrige Sauerstoffkonzentration eingeschränkt werden kann [LANDERS et al., 1967; LACEY, 1989; OMINSKI et al., 1994]. Die Schichthöhe der Laborsilos war mit 0,4 m sehr gering und sollte vor allem den Randbereich der Ballensilagen simulieren. Die Gesamt-Schichthöhe der hergestellten Ballensilagen betrug demgegenüber 1,0-1,2 m. Die Schichthöhe von Horizontalsilos erreicht im Mittel etwa 3-4 m [UPPENKAMP, 1994]. Es ist daher nicht auszuschließen, daß bei Vorliegen einer größeren Schichthöhe vergleichsweise mehr Kohlendioxid in den Silagen zurückgehalten wird und dadurch auch bei einer T-Dichte, die der in den Laborsilos technisch erreichbaren Lagerungsdichte entspricht, ein Pilzbefall und die Entwicklung so widerstandsfähiger Pilze wie Penicillium roqueforti eingeschränkt werden kann. Für diese Annahme spricht, daß in den Praxissilierversuchen ab einer Lagerungsdichte von etwa 200-210 kg T/m³ ein Pilzbefall in den Silagen (RS) eingeschränkt wurde.

In den Praxissilierversuchen wurde ein Schimmelbefall in den Ballensilagen insbesondere durch einen ausreichenden Luftabschluß eingeschränkt, der in erster Linie durch die Erzeugung einer hö-heren Lagerungsdichte erreicht wurde. Bei einigen Versuchen bzw. Ausgangsmaterialien wurde in den mit normaler Vorschneideinrichtung (R) hergestellten Rundballen (etwa 150 - 210 kg T/m³) auch bei 6 und 8 Folienlagen im Rand- und Kernbereich der Silagen ein visuell starker Schimmelbefall und eine Pilzkeimzahl oberhalb des angenommenen Höchstwertes von 100000 KBE/g FM festgestellt. In Untersuchungen von PROCHNOW wurden bei Silierversuchen mit Mähgut aus der Landschaftspflege ebenfalls bei mit normaler Vorschneideinrichtung erzeugten Rundballen (R), die mit bis zu 6 Folienlagen umwickelt waren, nach 6-8 Monaten Lagerung bis in den Kernbereich verschimmelte Silagen beobachtet. Unter Laborbedingungen erzielte PROCHNOW dagegen mit demselben von Juli bis September geernteten Siliergut schimmelfreie Silagen guter bis sehr guter Gärqualität [PROCHNOW, 1994]. In den eigenen Untersuchungen wurde in den mit verbesserter Vorschneideinrichtung erzeugten Rundballen (RS) durch intensivere Siliergutzerkleinerung eine durch-schnittlich höhere Lagerungsdichte (etwa 190 - 230 kg T/m³) erzeugt und ab 6 Folienlagen allgemein eine Einschränkung des Pilzbefalls erreicht. Die Pilzkeimzahl im Rand- und Kernbereich der Rundballensilagen (RS) lag dabei in der Regel unter dem angenommenen Höchstwert von 100000 KBE/g FM. Demnach lag in den mit normaler Vorschneideinrichtung erzeugten Rundballen (R) an-scheinend eine im Mittel zu geringe Lagerungsdichte vor. In den mit verbesserter Vorschneideinrichtung erzeugten Rundballen (RS) wurde durch die ca. 10-15 % höhere Verdichtung, die bei der Hälfte der erzeugten Rundballen (RS) oberhalb 210 kg T/m³ lag, offensichtlich ein besserer Luftabschluß erzielt. Bezüglich der Einschränkung von Pilzbefall ist der hierbei erreichte Luftabschluß als ausreichend einschätzbar. Es kann angenommen werden, daß in Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter ab einer Lagerungsdichte von etwa 200-210 kg T/m³ ein ausreichender Luftabschluß zur Einschränkung von Pilzbefall erreichbar ist. Dieser Wert wurde bereits hinsichtlich der Gärqualität als mindestens erforderliche Grenzbedingung der T-Dichte angenommen. Die durch intensivere Siliergutzerkleinerung bei den Rundballensilagen (RS) erzielte höhere Verdichtung konnte nicht bei jedem Versuch bzw. Ausgangsmaterial untersucht werden. Für die Annahme, daß durch die Erhöhung der Lagerungsdichte der Luftabschluß verbessert und damit der Pilzbefall eingeschränkt werden kann, spricht jedoch, daß bei der hohen Lagerungsdichte (> 270 kg T/m³) in den Compactrollensilagen (C) bei allen Versuchen bzw. Ausgangsmaterialien ab 6 Folienlagen das Pilzwachstum eingeschränkt werden konnte. Bei jeder Auslagerung lag die Pilzkeimzahl im Randbereich dieser Silagen (C) unter dem angenommenen Höchstwert (100000 KBE/g FM) und im Kernbereich unter dem Schwellenwert (10000 KBE/g FM). In der Literatur wurden mit einer Zerkleinerung des Siliergutes bei Ballensilagen ebenfalls positive Erfahrungen hinsichtlich der Einschränkung von Pilzbefall gemacht [KELLER et al., 1997]. Der nach Siliergutzerkleinerung verringerte Schimmelbefall in Rundballensilagen wurde vor allem auf die in den Silagen auch beobachtete Steigerung der Essigsäurebildung zurückgeführt [KELLER, 1995]. In den eigenen Untersuchungen war der Essigsäuregehalt in den Ballensilagen sehr niedrig. Offenbar bewirkt in erster Linie der durch Siliergutzerkleinerung und höhere Lagerungsdichte verbesserte Luftabschluß eine Einschränkung des Pilzbefalls.

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Die komplexe Beeinflussung der äußeren Luftabschlußgüte durch die in der Praxis vorliegenden Bedingungen ist im Labor kaum zu simulieren. Mit fortschreitendem Vegetationsstadium steigt der Rohfasergehalt an. Das Grünfutter wird sperriger, schlechter verdichtbar und der Gasporenanteil erhöht sich [MÜLLER, 1969]. Das sperrige Siliergut setzt darüber hinaus die Gefahr von Folienver-letzungen herauf. Die in den Praxissilierversuchen bei den Silageballen angewandte Netzbindung ist in diesem Zusammenhang vorteilhafter als die in der Ballensilierung ebenfalls übliche Garnbindung. Die Stengel liegen bei Netzbindung besser am Ballenkörper an [KELLER, 1995]. Nach Angaben in der Literatur perforieren bei Ballensilagen die ersten zwei Folienlagen häufig durch das Grünfutter selbst und erst die weiteren Folienlagen sichern den äußeren Luftabschluß [KELLER et al., 1997]. In den Praxissilierversuchen wurden die möglichen Auswirkungen von Folienverletzungen daher vor allem bei der Umwicklung der Silageballen mit nur 2 Folienlagen deutlich. Die Ballensilagen waren hierbei vor allem im Randbereich teilweise so stark verschimmelt, daß sie fütterungsuntauglich waren. Diese in der Praxis unübliche Variante der Folienlagenzahl wurde angelegt, um zu prüfen, inwieweit sich Folienbeschädigungen in Abhängigkeit von der Lagerungsdichte auf den Pilzbefall (und die Gärqualität) im Kernbereich auswirken können. Die vergleichsweise ge-ringe Lagerungsdichte der mit normaler Vorschneideinrichtung erzeugten Rundballensilagen (R) äußerte sich darin, daß hier bei 2 Folienlagen neben dem Rand- auch der Kernbereich einen visuell deutlichen Pilzbefall aufwies. Bei den mit verbesserter Vorschneideinrichtung erzeugten Rundballensilagen (RS) wurde demgegenüber bei 2 Folienlagen tendenziell ein geringerer Pilzbefall im Kernbereich festgestellt, der teilweise nur anhand der Pilzkeimzahl nachgewiesen werden konnte. Durch die intensivere Siliergutzerkleinerung und damit verbunden höhere und gleichmäßigere Lagerungsdichte dieser Rundballensilagen (RS) wurde anscheinend ein geringerer Gasaustausch er-zielt. Zusätzlich dürfte anzunehmen sein, daß infolge der intensiveren Zerkleinerung von Halmgutstengeln die Stretchfolie weniger perforiert wurde. Bei der hohen Lagerungsdichte in den Compact-rollensilagen (C) wurde der bei 2 Folienlagen durchschnittlich geringste Pilzbefall im Kernbereich festgestellt. Der Gasaustausch war in diesen Silagen offenbar im wesentlichen auf den Randbereich beschränkt und der Kernbereich wurde nur wenig davon erfaßt. Schlußfolgernd kann angenommen werden, daß unerwartete Beschädigungen der äußeren Folienhülle bei hoher Lagerungsdichte und relativ geringem Porenvolumen einen geringeren Einfluß auf Gasaustausch, Gärqualität und aeroben Verderb ausüben als bei vergleichsweise geringer Lagerungsdichte. Hiervon wird in der Literatur ebenfalls ausgegangen [WYSS et al., 1991a; SUNDBERG und THYLÉN, 1993].

In den durchgeführten Untersuchungen konnte bei 6 und 8 Folienlagen in Rundballensilagen (R), die mit normaler Vorschneideinrichtung erzeugt wurden, vor allem im Kernbereich ein Pilzbefall nicht immer verhindert werden. Die Ursachen hierfür werden nicht in einer bei 6 und 8 Folienlagen unzureichenden äußeren Luftabschlußgüte sondern in einer zu geringen Lagerungsdichte dieser Ballensilagen (R) gesehen. Für diese Annahme spricht, daß bereits bei ca. 10-15 % höherer Lagerungsdichte in den mit verbesserter Vorschneideinrichtung erzeugten Rundballensilagen (RS) ab 6 Folienlagen im Rand- und Kernbereich überwiegend eine Pilzkeimzahl unterhalb des angenommenen Höchstwertes von 100000 KBE/g FM erreicht wurde. Hinsichtlich der Einschränkung von Pilzbefall in Silagen wird daher davon ausgegangen, daß die Gewährleistung der Grenzbedingung der Lagerungsdichte die Voraussetzung für die Erzeugung eines ausreichenden Luftabschlusses darstellt. Schlußfolgernd ist anzunehmen, daß bei einer äußeren Luftabschlußgüte von 6 Folienlagen, die bereits hinsichtlich der Gärqualität als mindestens notwendige Grenzbedingung angenommen wurde, ein Pilzbefall in Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter eingeschränkt werden kann. Bezüglich der Einschränkung von Pilzbefall in Silagen wird ebenso davon ausgegangen, daß zwischen Silagen aus extensiv und konventionell erzeugtem Grünfutter kein wesentlicher Unterschied hinsichtlich der Anforderungen an die mindestens notwendige äußere Luftabschlußgüte besteht.

In den Praxissilierversuchen verbesserte sich mit zunehmendem Luftabschluß (T-Dichte ↑, Folienlagenzahl ↑) die aerobe Stabilität der buttersäurefreien Ballensilagen. Die Dauer der aeroben Sta-bilität der buttersäurefreien Ballensilagen war tendenziell um so länger, je geringer die bei der Auslagerung in den Silagen festgestellte Pilzkeimzahl war. Bei den buttersäurefreien Silagen, in denen bei der Auslagerung eine Pilzkeimzahl von 100000 KBE/g FM überschritten wurde, betrug die Dau-er der aeroben Stabilität bis auf eine Ausnahme (< 4 Tage) weniger als 2 Tage. Bei Ballensilagen besitzt die Dauer der aeroben Stabilität nach Lufteinfluß wegen des ungünstigen Verhältnisses von Oberfläche zu Silagemasse eine andere Dimension als bei Horizontalsilos. Folienbeschädigungen bei Lagerung und Transport stellen ein hohes Risiko dar. Sie führen zu erhöhtem Gasaustausch und begünstigen die Vermehrung fakultativ anaerober und aerober Mikroorganismen, die den aero-ben Verderb einleiten [JONSSON et al., 1990; MUCK et al., 1992]. Buttersäurehaltige Silagen gelten als aerob stabil [MCDONALD et al., 1991]. Der Essigsäuregehalt buttersäurefreier Silagen wird allgemein als Kriterium für deren aerobe Stabilität angesehen [MOON, 1983; WOLTHUSEN et al., 1989; COURTIN und SPOELSTRA, 1990]. Silagen mit niedrigem Essigsäuregehalt erfahren deswegen nach dem DLG-Schlüssel eine Abwertung [WEISSBACH, 1998]. In der Literatur wird vor allem bei Silagen mit hohen T-Gehalten und geringen Essigsäuregehalten nach einem Lufteinfluß mit dem Wachstum von Hefe- und Schimmelpilzen gerechnet [JONSSON, 1989]. In den eigenen Untersuchungen waren die Essigsäuregehalte der Ballensilagen allgemein sehr niedrig. Die Dauer der aeroben Stabilität der buttersäurefreien Silagen aus Versuch P 5, die im Mittel T-Gehalte von 500-550 g/kg aufwiesen, war aber bei hoher Lagerungsdichte und ausreichender äußerer Luftabschlußgüte relativ einheitlich und betrug in der Regel nach der Auslagerung mindestens 2-4 Tage. Schlußfolgernd ist anzunehmen, daß der Luftabschluß während der Lagerung ein wesentlicher Einflußfaktor auf die Dauer der aeroben Stabilität der Silagen ist und auch in Silagen mit niedrigen Essigsäuregehalten bei hohem Luftabschluß eine gute aerobe Stabilität erreicht werden kann. Es ist nicht auszuschließen, daß bei buttersäurefreien Silagen neben dem Essigsäuregehalt auch die Pilzkeimzahl bei der Auslagerung ein Kriterium für die Dauer der aeroben Stabilität darstellen kann.

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In diesen Untersuchungen wurde zur Beurteilung der aeroben Stabilität vor allem der Temperatur-anstieg in den Silagen gemessen. Diese Methode war im Vergleich zur Messung des Sauerstoffverbrauchs kostengünstiger und einfacher in der Handhabung. Die Ergebnisse beider Methoden stimmten bei etwa 66 % der hierbei untersuchten 107 Silageproben in ihrer Aussage überein. Insgesamt betrug bei über 80 % der mit beiden Methoden untersuchten Silagen die Abweichung maximal einen Tag. In Anbetracht der relativ geringen Investitionskosten für einen Meßplatz und angesichts der Robustheit und universellen Anwendbarkeit der Temperatursonden ist die Methode zur Messung des Temperaturanstiegs als für Routineuntersuchungen gut geeignet einschätzbar.

Von den Gärsäuren mit antimykotischem Wirkungsspektrum spielt Essigsäure eine zentrale Rolle bei der Einschränkung von Pilzbefall und der aeroben Stabilität von Silagen [MOON, 1983; WOLTHUSEN et al., 1989]. Propionsäure ist meist nur in Spuren vorhanden und Buttersäure wegen der Verschlechterung von Futterqualität und -aufnahme generell unerwünscht. Ein Mindestgehalt an Essigsäure wird bei der Silierung allgemein angestrebt. Dies ist siliertechnisch aber schwer zu steuern und hängt von der Zusammensetzung der epiphytischen Flora an Milchsäurebakterien im Siliergut und der Verfügbarkeit fermentierbarer Kohlenstoff-Quellen ab [WOOLFORD, 1984]. Die Fermentationsbedingungen, vor allem Lufteinfluß während der Silierung, beeinflussen ebenfalls die Essigsäurebildung. Bei Lufteinfluß kann in Silagen mehr Essigsäure gebildet werden als unter anaeroben Bedingungen [MCDONALD et al., 1991]. In der Literatur in diesem Zusammenhang beschriebene Unterschiede [AUERBACH, 1996] deuteten sich in den Silierversuchen mit La-borsilos vor allem zwischen den Varianten mit normaler und verstärkter Lufteinwirkung an. Die ten-denziell höheren Essigsäuregehalte in den Silagen mit verstärkter Lufteinwirkung waren jedoch teil-weise mit höheren pH-Werten verbunden. Der pH-Wert-abhängige Anteil an undissoziierter Essigsäure, der die größte antimykotische Wirkung ausübt, wurde dabei wahrscheinlich herabgesetzt und der Vorteil höherer Essigsäuregehalte zumindest teilweise wieder aufgehoben [LÜCK, 1985]. In der Literatur wird bei Inokulation von Silagen mit homofermentativen Milchsäurebakterien der gleichzeitige Zusatz heterofermentativer Milchsäurebakterien zur Steigerung der Essigsäurebildung oder der Zusatz von Mikroorganismen wie Propionsäurebakterien diskutiert [WYSS et al., 1991b; ASHBELL und WEINBERG, 1992; DAWSON et al., 1998]. Diese Zusätze sollen die aerobe Stabilität der Silagen erhöhen [PAHLOW, 1982]. Sie können einen guten Luftabschluß im Silo nicht ersetzen [PITT et al., 1991; RUXTON und GIBSON, 1994; WILLIAMS, 1994]. In den Praxissilierversuchen konnte in den Ballensilagen trotz niedriger Essigsäuregehalte bei ausreichendem Luftabschluß ein Pilzbefall eingeschränkt werden. Schlußfolgernd ist anzunehmen, daß zur Einschränkung von Pilzbefall der Gehalt an Gärsäuren mit antimykotischem Wirkungsspektrum gegenüber der Gewährleistung eines ausreichenden Luftabschlusses nur sekundären Charakter besitzt.

Silierzusätze wie Propionsäure werden bei Futtermitteln häufig gegen Schimmelbefall eingesetzt [MÜLLER et al., 1985; MAGAN und LACEY, 1986; LÄTTEMÄE und LINGVALL, 1996]. In den eigenen Untersuchungen bildeten sich in den Faßsilos (L 1), die den Randbereich von Horizontalsilos simulieren sollten, bei Lufteinfluß (Folienverschluß) in allen Varianten relativ stark verschimmel-te Randschichten aus. Die Wirkung von Propionsäure war erkennbar, aber nicht effektiv genug. In den Randschichten fand anscheinend ein permanenter Gasaustausch mit der Umgebung statt. Es ist anzunehmen, daß bei Lufteinfluß die Entwicklung von Oberflächenschimmeln in Silagen durch organische Säuren wie Propionsäure nicht wesentlich eingeschränkt werden kann. Darauf weisen auch Ergebnisse in der Literatur hin [PAHLOW, 1991; RANDBY, 1996]. Silierzusätze benötigen für ihre volle Wirksamkeit während der gesamten Lagerung anaerobe Bedingungen [HONIG, 1991]. Die Zahl lactat-assimilierender Hefen wie Vertreter der Gattungen Candida und Hansenula nimmt bei aeroben Bedingungen schlagartig zu [PAHLOW, 1982; JONSSON, 1989; WOOLFORD, 1990].

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Bei höherem Welkgrad (T-Gehalt etwa 300 g/kg) stieg der Pilzbefall in den Randschichten der Faßsilos allgemein weiter an. Offenbar vergrößerte sich die Rückdehnung der Silagen und es kam zu stärkerem Lufteinfluß. Nach Angaben in der Literatur kann in praxisüblichen Horizontalsilos die Rückdehnung in den ersten 10-12 Stunden nach der Einlagerung bei Welksilagen einen Dichteverlust von etwa 120 kg FM/m³ (Maissilagen: etwa 50 kg FM/m³) bedeuten, weshalb Welksilagen wesentlich intensiver als Maissilagen zu verdichten sind [EDNER, 1985]. In den Kernschichten der Faßsilos wurde dagegen mit steigendem T-Gehalt ein tendenzieller Rückgang des Pilzbefalls und darüber hinaus ein positiver Effekt der Propionsäure festgestellt. Die Kernschichten der Faßsilos wurden bei höherem T-Gehalt anscheinend besser verdichtet und wiesen bessere anaerobe Bedingungen auf. Extensiv erzeugtes Grünfutter gilt als trockenmasse- und rohfaserreich und damit relativ schwer verdichtbar. Es ist nicht auszuschließen, daß bei Silierung derartigen Grünfutters in Horizontalsilos eine stärkere Rückdehnung als bei konventionell erzeugtem Siliergut auftritt und vor allem die Randschichten durch Pilzbefall gefährdet sind. Nach den eigenen Ergebnissen und Angaben in der Literatur kann dem effektiv nur durch eine höhere Lagerungsdichte entgegengewirkt werden [MÜLLER, 1969]. Schlußfolgernd aus der Literatur ist nicht auszuschließen, daß bei extensiv erzeugtem Grünfutter der notwendige Verdichtungszeitaufwand höher ist als bei konventionell erzeugtem Grünfutter, was die mögliche Einlagerungsleistung verringern kann [EDNER, 1985].

5.3 Mykotoxingehalt

Die Mykotoxinbildung in den Silagen wurde in den Untersuchungen anhand von Roquefortin C un-tersucht. Dieses Mykotoxin wird in der Literatur auch als „Leittoxin“ bei der Kontamination von Silagen mit Penicillium roqueforti - Toxinen angesehen [ARMBRUSTER, 1994; AUERBACH, 1996]. Zur Analyse von Roquefortin C in den Silagen wurde eine in der Literatur beschriebene Methode [ARMBRUSTER, 1994] an die eigenen Bedingungen (getrocknete und gemahlene Silageproben) angepaßt. Die Nachweisgrenze der angewandten Analysenmethode lag bei ≥ 0,05 mg ROF/kg T.

In den durchgeführten Analysen konnte von einer geringen Pilzkeimzahl nicht auf eine toxinfreie Si-lage geschlußfolgert werden. Dies wird auch in der Literatur berichtet [BÖHM, 1989]. In den vorliegenden Untersuchungen zum Toxinbildungsvermögen von Penicillium roqueforti - Isolaten war bei allen aus Grassilagen isolierten Penicillium roqueforti - Stämmen ein Bildungsvermögen für Roque-fortin C vorhanden. Die entsprechenden Silageproben, aus denen die Pilzisolate stammten, waren jedoch nur zu einem Drittel toxinpositiv. Eine Toxinbildung setzt die Entwicklung von Pilzen voraus, aber ein Pilzwachstum hat nicht zwingend Toxinbildung zur Folge [THALMANN, 1989]. Die Mykotoxinbildung erfolgt gegenüber dem Wachstum unter engeren Bedingungen äußerer Einflußfaktoren wie Temperatur, aW-Wert, pH-Wert und Sauerstoff- bzw. Kohlendioxidkonzentration [PARK und BULLERMAN, 1983; MAGAN et al., 1984; OMINSKI et al., 1994; FRISVAD und THRANE, 1995].

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In den Praxissilierversuchen wurde die Bildung von Roquefortin C anscheinend vor allem durch den Trockenmassegehalt der Silagen beeinflußt. Unterhalb eines T-Gehaltes von 450 g/kg wurde in ca. 88 % der in diesem T-Bereich vorliegenden Silageproben Roquefortin C nachgewiesen, insgesamt in 153 von 174 Proben. Im T-Bereich zwischen 450 und 550 g/kg waren noch 9 von 94 Si-lageproben Roquefortin C - positiv. Dagegen konnte bei einem T-Gehalt oberhalb 550 g/kg in allen hier vorliegenden Silagen (n = 62) Roquefortin C nicht nachgewiesen werden. In den Laborsilierversuchen übte der T-Gehalt der beimpften Silagen anscheinend ebenfalls den größten Einfluß auf die Bildung von Roquefortin C aus. Es ist nicht auszuschließen, daß hier durch den T-Gehalt auch die gebildete Toxinmenge beeinflußt wurde, die sich steigendem T-Gehalt tendenziell verringerte.

Die Mykotoxinbildung in den Praxis- und Laborsilierversuchen war anscheinend an einen höheren aW-Wert gebunden als das Pilzwachstum. Dies kommt auch in zahlreichen Arbeiten in der Literatur zum Ausdruck [MAGAN et al., 1984; CUERO et al., 1988; LACEY, 1989; FRISVAD, 1991; LACEY und MAGAN, 1991; OMINSKI et al., 1994; MOSS, 1996]. Der Minimal-aW-Wert für die Mykotoxinbildung lag bei Pilzarten wie Penicillium cyclopium, Penicillium expansum und Penicillium patulum durchschnittlich um 1,0-1,2 Punkte höher als der Minimal-aW-Wert für das Wachstum [NORTHOLT et al., 1978; NORTHOLT et al., 1979a]. In den Praxissilierversuchen war in den Ballensilagen ungeachtet von Lagerungsdichte und äußerem Luftabschluß anscheinend noch genügend Sauerstoff für die Mykotoxinsynthese vorhanden. Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß bei der Silageberei-tung z.B. in Horizontalsilos wegen der größeren Schichthöhe als in Ballensilagen vergleichsweise mehr Kohlendioxid gebildet und insbesondere während der Lagerung zurückgehalten wird. Bezüglich der Mykotoxinbildung würden dadurch eventuell veränderte Bedingungen vorliegen. In der Lite-ratur wird jedoch darauf verwiesen, daß auch bei relativ gasdichter Lagerung von Futtermitteln wie Getreide bei einer Gaszusammensetzung der Atmosphäre von unter 0,1 % Sauerstoff und bis zu 80 % Kohlendioxid noch Toxine gebildet werden können [SCHNEIDER, 1994 und dort zitierte Literatur]. In Arbeiten in der Literatur konnten hohe Konzentrationen von Kohlendioxid eine Mykotoxinbildung nicht grundsätzlich verhindern [ESCOULA und HENRY, 1975; ORTH, 1976b; RICE, 1980; COLE et al., 1983; HOCKING, 1988; LACEY, 1989; LACEY und MAGAN, 1991]. Schlußfolgernd aus den eigenen Untersuchungen kann zumindest für Ballensilagen angenommen werden, daß zur Einschränkung von Toxinbildung (Roquefortin C) ein ausreichendes Anwelken des Siliergutes auf T-Gehalte oberhalb 450 g/kg empfehlenswert ist. Dieser T-Bereich ist ebenso im Interesse einer guten Gärqualität anzustreben und in der Ballensilierung auch praxisüblich [KELLER et al., 1997].

Die in den Praxissilierversuchen in den Silagen gemessenen Gehalte an Roquefortin C waren jedoch relativ niedrig. Sie lagen meist unterhalb 1,0 mg ROF/kg T. In der Literatur wurden bei Grassilagen ebenso meist Gehalte in diesem Bereich festgestellt, wobei in visuell stark verschimmelten Silagen teilweise bis 15,3 mg ROF/kg T vorkamen [ ARMBRUSTER, 1994; AUERBACH, 1996].

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Die Toxizität von Roquefortin C ist in der Literatur umstritten. Bei Schafen ergaben Fütterungsversuche (16-18 Tage) mit Roquefortin C - angereicherten Silagen (0 / 5 bzw. 25 mg/kg Silage) jedoch keine akute Intoxikation der Versuchstiere [BAUER et al., 1997]. Eventuelle Gesundheitsrisiken für den Menschen infolge „carry over“ wurden danach als äußerst gering eingeschätzt. TÜLLER et al. kommen in ihren Untersuchungen zu der Schlußfolgerung, daß die Toxizität von Roquefortin C als sehr gering einzustufen ist [TÜLLER et al., 1998]. Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse in der Literatur sind die in den durchgeführten Untersuchungen gemessenen Gehalte an Roquefortin C bei Verfütterung der Silagen an Wiederkäuer als sehr niedrig und nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand toxikologisch als nicht kritisch einschätzbar. Bei Vorhandensein von optimalen Bedingungen für das Schimmelpilzwachstum, welches einer Mykotoxinbildung immer vorausgeht, muß jedoch auch mit höheren als den in den Ballensilagen festgestellten Mykotoxingehalten gerechnet werden. Bei der Silagebereitung ist deshalb ein ausreichender Luftabschluß während der Lagerung zu gewährleisten und bei der Futterentnahme ist der Lufteinfluß auf ein Minimum zu begrenzen.


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11.10.2006