Zusammenfassung

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Die weitgehende Vermeidung von Schimmelbefall ist eine Mindestanforderung an ein Silierverfahren. Neben der Verringerung von Nährstoffverlusten ist dies insbesondere für die Tiergesundheit bedeutsam. Für den Arbeitsschutz gilt diese Forderung sowohl bei der Verfütterung als auch bei anderweitiger Nutzung von Silagen wie etwa in der Nutzverbrennung oder Biogasgewinnung.

Ziel der vorliegenden Untersuchungen war die Ermittlung der Grenzbedingungen von Lagerungsdichte und äußerer Luftabschlußgüte, unter denen Schimmelbefall während der Silagelagerung eingeschränkt werden kann. Schwerpunkt bildeten 10 Praxis- und Laborsilierversuche mit extensiv erzeugtem Grünfutter, das infolge hoher Rohfasergehalte allgemein schwer verdichtbar ist und bei dessen Silierung oft starker Pilzbefall auftritt. Neben der Pilzkeimzahl wurde in den Silagen der Ge-halt an Ergosterin und Roquefortin C bestimmt, wobei für die Analyse von Ergosterin eine eigene Methode entwickelt wurde. Zusätzlich wurde u.a. die Gasdurchlässigkeit von Stretchfolie radiometrisch gemessen und ein Methodenvergleich zur Beurteilung der aeroben Stabilität durchgeführt.

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Im Versuchszeitraum 1995 - 1997 wurde Grünfutter jahreszeitlich verschiedener Aufwüchse unter landwirtschaftlichen Praxisbedingungen einsiliert. Mit Hilfe von drei verschiedenen Ballenpressen wurden insgesamt 165 Silageballen unterschiedlicher Lagerungsdichte erzeugt. In Verbindung mit gestaffelter Folienlagenzahl und Lagerungsdauer wurden der Einfluß des Luftabschlusses auf Gärqualität, Pilzwachstum und Mykotoxingehalt in den Silagen untersucht. Im Labor wurden vor allem Einflußfaktoren wie der Anwelkgrad sowie die Auswirkungen einer verstärkten Lufteinwirkung und von Schadbelastungen des Siliergutes auf die Silagen in Abhängigkeit von der Verdichtung geprüft.

In den Praxissilierversuchen trat bei einem T-Gehalt unterhalb 400 g/kg trotz teilweise ausreichender Vergärbarkeit des Siliergutes (nach dem Vergärbarkeitskoeffizient) in allen Silagen eine relativ starke Buttersäurebildung auf, die vermutlich auf unzureichenden Luftabschluß zurückzuführen ist. Als Ursache für die ungewöhnliche Buttersäurebildung ist jedoch auch das Fehlen von Nitrat im Si-liergut nicht auszuschließen. Im T-Bereich oberhalb 450 g/kg war bei dem vorliegenden extensiv erzeugten Grünfutter offenbar ein ausreichender T-Gehalt zur Sicherung der Gärqualität vorhanden, so daß bei ausreichendem Luftabschluß buttersäurefreie (≤ 3 g/kg T) Silagen erzielt wurden.

Die Erhöhung der Lagerungsdichte in den Silagen bildete in allen Versuchen die primäre Grundlage für die Erzeugung eines ausreichenden Luftabschlusses. Die äußere Luftabschlußgüte besaß demgegenüber sekundären Charakter. Als mindestens notwendige Grenzbedingungen für einen ausreichenden Luftabschluß sowohl im Hinblick auf die Erzeugung einer guten Gärqualität als auch in Bezug auf die Einschränkung von Pilzbefall in Silagen aus extensiv erzeugtem Grünfutter können aus den vorliegenden Ergebnissen eine Lagerungsdichte von etwa 200-210 kg T/m³ und eine maximale Gasdurchlässigkeit des Zudeckmaterials bzw. eine äußere Luftabschlußgüte von etwa 1,7 l/m² in 24 Stunden (entspricht 6 Folienlagen der verwendeten Stretchfolie) abgeleitet werden. Ein guter Luftabschluß erwies sich als Voraussetzung für die Wirksamkeit von Silierzusätzen bezüglich der Einschränkung von Pilzbefall sowie der Verbesserung der Gärqualität in den Silagen.

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In den Praxissilierversuchen wurde mit der Rundballenpresse mit normaler Vorschneideinrichtung offenbar eine im Mittel zu geringe Lagerungsdichte (Bereich: ca. 150-210 kg T/m³) in den Rundbal-lensilagen (R) erzeugt. Auch bei einer äußeren Luftabschlußgüte von 6 und 8 Folienlagen wurde bei einigen Versuchen bzw. Ausgangsmaterialien kein ausreichender Luftabschluß in den Silagen erreicht. Mikrobielle Schaderreger wie Schimmelpilze, Clostridien und Listerien, die in jedem Versuchsjahr anscheinend vor allem bei den jahreszeitlich späten Aufwüchsen im Siliergut vorlagen, fanden in den Rundballensilagen (R) günstige Entwicklungsbedingungen vor. Die Pilzkeimzahl lag hierbei auch im Kernbereich der Silagen teilweise über dem Höchstwert von 100000 KBE/g FM.

Bei höherer Lagerungsdichte und ausreichendem Luftabschluß in den Silagen war trotz Schadbelastungen im Siliergut eine gute Gärqualität und die Einschränkung mikrobieller Schaderreger mög-lich. Durch die Verwendung einer Rundballenpresse mit verbesserter Vorschneideinrichtung wurde das Siliergut intensiver zerkleinert und eine durchschnittlich um 10-15 % höhere Lagerungsdichte (Bereich: ca. 190-230 kg T/m³) in den Rundballensilagen (RS) erzeugt. Die Hälfte der mit verbesserter Vorschneideinrichtung hergestellten Rundballensilagen wies eine Lagerungsdichte oberhalb 210 kg T/m³ auf. Dadurch wurde offensichtlich ein besserer Luftabschluß in den Silagen erzielt und ab 6 Folienlagen der Pilzbefall überwiegend eingeschränkt. Die Pilzkeimzahl im Rand- und vor al-lem Kernbereich der Silagen lag hier in der Regel unter dem für Silagen angenommenen Höchstwert von 100000 KBE/g FM. Hinsichtlich der Einschränkung von Pilzbefall konnte demnach durch die höhere Lagerungsdichte ein ausreichender Luftabschluß in den Rundballensilagen (RS) erzielt werden. Da im T-Bereich 450 bis 500 g/kg witterungsbedingt keine Versuche mit der Rundballenpresse mit verbesserter Vorschneideinrichtung durchgeführt wurden, können für diesen T-Bereich keine Angaben gemacht werden. Für umfassende Aussagen zur hier mittels Siliergutzerkleinerung erreichbaren Gärqualität sind weitere Untersuchungen im T-Bereich 400 bis 500 g/kg notwendig.

Mit einer Compactrollenpresse, einem neuartigen Preßverfahren, konnte in den Silagen eine sehr hohe Lagerungsdichte (> 270 kg T/m³) und ein guter Luftabschluß erzielt werden. Die Pilzkeimzahl in den Compactrollensilagen (C) lag in allen Versuchen ab 6 Folienlagen im Kernbereich unter dem Schwellenwert (10000 KBE/g FM) und im Randbereich unter dem Höchstwert (100000 KBE/g FM). Die Silagen waren unabhängig vom jeweiligen Siliergut im Rand- und Kernbereich von relativ einheitlicher Gärqualität und im T-Bereich 450 bis 500 g/kg wurden buttersäurefreie Silagen erzielt.

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Die Mykotoxinbildung in den Silagen, die am Beispiel von Roquefortin C untersucht worden ist, wurde ungeachtet von Lagerungsdichte und äußerem Luftabschluß vor allem durch den T-Gehalt des Siliergutes beeinflußt. Unterhalb eines T-Gehaltes von 450 g/kg waren etwa 88 % der in diesem T-Bereich vorliegenden Silagen toxinpositiv. Im T-Bereich zwischen 450 und 550 g/kg enthiel-ten noch etwa 10 % der hier vorliegenden Silagen Roquefortin C, überwiegend aber nur im Bereich der Nachweisgrenze (≥ 0,05 mg ROF/kg T). Oberhalb eines T-Gehaltes von 550 g/kg im Siliergut wurde in den Silagen kein Roquefortin C mehr nachgewiesen. Die in den Ballensilagen gemessenen Gehalte waren mit < 1,0 mg ROF/kg T relativ niedrig. Sie sind bei Verfütterung der Silagen an Wiederkäuer nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand toxikologisch als nicht kritisch einschätzbar.


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11.10.2006