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4  Fallstudien

4.1 Die Partnerschaft zwischen LAET und MPST

4.1.1 Die Akteure und ihre Ziele

Das Programa Agroecológico da Transamazônica (PAET - Agroökologisches Programm der Transamazônica) ist eine gemeinsame Aktivität des LAET und des MPST, die sich auf eine Region von 8 Munizipien entlang einer Strecke von 500 km der Transamazônica sowie 3 Munizipien am Rio Xingu im Bundesstaat Pará bezieht (siehe Karte 1).1

Die Ziele des MPST sind unter anderem die Stabilisierung der bäuerlichen Landwirtschaft in der Region, die Bewahrung der natürlichen Ressourcen und die Verbesserung der Schulbildung. Im Jahre 1991 trat das MPST an die Universidade Federal do Pará (UFPA) heran mit dem Anliegen, ein Programm zur technischen Unterstützung der Bewegung einzurichten, um Finanzierungs­projekte für die Entwicklung der Region zu erarbeiten und die erforderlichen Kräfte für die Verwaltung dieser Projekte auszubilden2. Gleichzeitig wurde ein stärkeres Engagement der Forschung gefordert, um die Probleme der Region mit etwa 40.000 Bauernfamilien zu behandeln. Die Forderung orientierte sich an der Arbeit des CAT in Marabá (vgl. 1.5.4) und wünschte eine ähnliche Arbeit für die Transamazônica (vgl. Henchen 2002,39-46).

Dies führte 1993 zur Gründung des LAET, das an den Núcleo de Estudos Integrados sobre Agricultura Familiar (NEAF) der Agrarfakultät der UFPA und die EMBRAPA-CPATU angeschlossen ist, wobei es von der Groupe de Recherche et d'Échanges Technologiques (GRET, Paris) unterstützt wird3. Als interdisziplinäre Gruppe rechnet es mit den Mitarbeitern verschiedener Institutionen. Die Arbeit des LAET ist in ein größeres Programm eingebunden, das Forschung, Ausbildung und Entwicklung umfaßt und von NEAF geleitet wird und seinen Anfang 1989 mit der Gründung des CAT in Marabá nahm (vgl. Kap. 1.5.4). Diese institutionelle Einbindung des LAET war ein großer Erfolg für die Region, da sie sowohl die EMBRAPA unmittelbar an die Transamazônica zurückbrachte, als auch die UFPA mit Forschern in der Region verankerte.

Das Ziel des LAET ist, auf lange Sicht zur Entwicklung nachhaltiger bäuerlicher Betriebe sowie zu einem besseren Management natürlicher Ressourcen beizutragen (Castellanet et [Seite 114↓]al. 1996,142-144). Die Arbeit basiert auf einer dauerhaften Partnerschaft der interdisziplinären Forscherequipe mit den Bauernorganisationen und folgt dem Ansatz der Entwicklungsorientierten Forschung, bei dem in einem partizipativen und interaktiven Prozeß zusammen die Handlungslinien festgelegt werden.

4.1.2 Die Intensivierung der Landwirtschaft

Das PAET definierte als eine seiner Prioritäten die Intensivierung der Landwirtschaft4, also die intensivere Nutzung von Produktionsfaktoren wie Arbeit oder Kapital pro Flächeneinheit, im allgemeinen mit dem Ziel, die Produktivität (Produktion pro Flächeneinheit) zu erhöhen. Intensivierung kann auch die häufigere Nutzung einer bestimmten Fläche bedeuten, zum Beispiel die Zunahme der Intensität der Rotation infolge der Abnahme der Brachedauer oder mehrerer Ernten pro Jahr (Ruthenberg 1980,15-16). An der Transamazônica wird vorgeschlagen, die einjährigen Kulturen für längere Zeit auf der gleichen Fläche ohne Roden und Abbrennen anzubauen und die Mechanisierung zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität einzuführen.

Dies kann zu tiefgehenden Änderungen des traditionellen Systems und zum Übergang von der Brachewirtschaft zum permanenten Ackerbau führen. Der permanente Regenfeldbau einjähriger Kulturen in den feuchten Tropen ist jedoch nach Ruthenberg (1980,357-358) wenig nachhaltig. In späteren Arbeiten räumt er aufgrund von Erfahrungen mit intensiven Systemen ein, daß mit höherem Einsatz externer Betriebsmittel ein dauerhafter Anbau technisch möglich ist, aber das Kosten-Nutzen-Verhältnis dieser Systeme wegen der niedrigen Effizienz dieser Betriebsmittel unter den klimatischen Bedingungen im Vergleich zu Bewässerungsreis oder Dauerkulturen geringer sei und mögliche Risiken durch hohen Unkrautdruck und schwer zu kontrollierende Pflanzenkrankheiten die Wirtschaftlichkeit in Frage stellen (Ruthenberg & Andreae 1982,140-142). Die Erfahrungen zeigen, daß dies jedoch für Weidewirtschaft oder Dauerkulturen ebenfalls in hohem Maße zutrifft, so daß heute davon ausgegangen wird, daß die bäuerliche Landwirtschaft Amazoniens sich auf verschiedene Alternativen stützen muß, um zu überleben. Diese Strategie kann selbst bei Bauern, die ihr monetäres Einkommen fast ausschließlich aus Dauerkulturen beziehen, beobachtet werden. Auch sie verzichten nicht auf den Anbau einjähriger Kulturen zur Deckung des Eigenverbrauchs. Die Durchsetzung des Gesetzes über eine Waldschutzzone von 80% der Betriebsfläche würde den Druck hin zu intensiverer Landnutzung verstärken.

An der Transamazônica wird die Intensivierung der Landwirtschaft auch aus sozialen Gründen und zur Einsparung öffentlicher Mittel diskutiert. So sieht ein Vorschlag zur Neuordnung der bisherigen Kolonisierung im Munizip Uruará vor, einen Teil der Betriebsflächen von etwa 100 ha in die Nähe der Hauptverbindungsstraße (Transamazônica) oder der Stadt zu transferieren, um auf kleineren Flächen in günstigerer Lage intensiver zu wirtschaften. Die Restflächen würden einer entfernten Waldreserve zugewiesen. Dieser freiwillige Prozeß soll von den zuständigen Behörden zusammen mit den gesellschaftlichen Gruppen überwacht werden.


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4.1.3 Die Formulierung des Bedarfs

Die Mechanisierung5 wurde nach einer umfassenden Diskussion mit Bauern und Vertretern ihrer im MPST zusammengeschlossenen Organisationen während des ersten gemeinsamen Planungs­seminars im August 1993 als eine Priorität des gemeinsamen Programmes beschlossen6. Das Thema stand auch bei der Vorstellung eines Programmes zur Nahrungsmittelproduktion der Präfektur von Altamira im Oktober 1993 im Vordergrund, das zusammen von der EMATER und dem STR von Altamira erarbeitet worden war und als prinzipielle Aktivität die Einführung der Mechanisierung in etwa 50 Betrieben vorsah. Auch die "Erste munizipale Konferenz von Uruará über Alternative Ökonomische Projekte" mit etwa 400 Teilnehmern, in der Mehrzahl Bauern und ihre Vertreter, räumte dem Thema hohe Priorität ein. Die Mechanisierung wurde als eine Lösung für folgende Ziele vorgeschlagen (Emater-PA 1993; Relatório 19947):

Die Forscher des LAET reagierten mit Zurückhaltung, da sie durch die Mechanisierung erhebliche ökologische Probleme für die Böden des tropischen Regenwaldes befürchteten. Sie wurden jedoch nicht nur durch die Entscheidungen über das gemeinsame Programm, sondern auch durch die konkreten Aktivitäten des Projektes der Präfektur von Altamira und die Einladung herausgefordert, zusammen mit den übrigen Diensten an dem Vorhaben teilzunehmen. Die relativ junge Equipe, die mehrheitlich nicht aus der Region stammte, sondern aus Belém, Manaus, Rio de Janeiro und Frankreich kam, hatte gerade ihre Arbeit begonnen. Nach der Methode der Entwicklungs­orientierten Forschung sollten sie noch vor den ersten Aktivitäten die Region kennenlernen und eine Diagnose der bäuerlichen Landwirtschaft erstellen. Aufgrund ihres partizipativen Ansatzes und um das nötige Vertrauen für ihr anspruchsvolles Vorhaben zu gewinnen, mußten sie die Heraus­forderung annehmen.

Das LAET wählte in dieser Situation den naheliegendsten Ausweg: die Forschung. Anstatt sich ohne Überzeugung an der Aktion zu beteiligen, bot es die wissenschaftliche Begleitung des Projektes an (Beginn Ende 1993). Gleichzeitig schlug es die Erhebung bereits existierender bäuerlicher Erfahrungen mit Mechanisierung in der Region vor (Beginn März 1994). Das Ziel war herauszufinden, ob die Mechanisierung eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative für den Anbau von einjährigen Kulturen in der großen Mehrzahl der bäuerlichen Betriebe mit weniger fruchtbaren Böden ist.8


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4.1.4 Die Begleitung eines Verbreitungsprojektes

Da das Mechanisierungsprojekt der Präfektur von Altamira ohne Mitwirken des LAET zustande gekommen war, beschränkten sich die Forscher nun auf die Begleitung, ohne Verantwortung für die Ausführung zu übernehmen. Zu Beginn des Zyklus 1993/94 wurden Ackerflächen von 5 ha mit Planierraupen gerodet und von Wurzeln und Baumstümpfen befreit. Die Bodenbearbeitung erfolgte anschließend mit der Scheibenegge. Bereits im ersten Anbaujahr sollte die Unkrautkontrolle von den Bauern mit Zugtieranspannung durchgeführt werden. Dies geschah jedoch nur in wenigen Betrieben, wenn Techniker des Landwirtschaftsreferates zur Verfügung standen. Mit Ausnahme von einem Betrieb, der bereits vorher mit Traktor (Bodenbearbeitung, auch für Nachbarn gegen Bezahlung; Transport) und Zugtieren (Furchenziehen für die Aussaat; Unkrautkontrolle) arbeitete, erfolgte keine Verbreitung der Technologie (Tiere, Geräte, Anlernen) im ersten Jahr. Für diese Dienstleistung der Präfektur war eine Erstattung seitens der Bauern vorgesehen. Das Vorhaben begünstigte im ersten Jahr nur 22 der vorgesehenen 50 Betriebe, die alle direkt an der Trans­amazônica gelegen waren, eines der Kriterien für die Auswahl der Betriebe. Das LAET wählte 15 Betriebe für die Begleitung der mechanisierten Parzellen aus. Es wurden 3 Befragungen der Bauern zu unterschiedlichen Momenten innerhalb eines Zeitraumes von etwas mehr als zwei Jahren durchgeführt.

Die Beteiligung verlief jedoch für das LAET nicht in der ruhigen Weise wie erwartet. Während der Vorstellung des Projektes für die beteiligten Bauern und einem weiteren Treffen mit ihnen zur Erarbeitung der Vorgehensweise bei der Begleitung des Vorhabens machten die Forscher des LAET folgende Feststellungen (Simões & Schmitz 1998; Simões 1999,33-57):

Während das LAET sich bemühte, seine Haltung zu verdeutlichen und die Rolle jedes Partners aufzuzeigen, war der Diskurs der staatlichen Berater: "Wir sind alle zusammen im selben Boot, und im Fall von Fehlern irren alle gemeinsam, weil es danach sehr einfach ist, die Schuld von einem auf den anderen zu schieben ... Das LAET ... darf nicht nur in der Beobachterrolle bleiben, das ist bedenklich, weil alle hier die Verpflichtung haben, die Sache zum Funktionieren zu bringen ..." Simões 1999,46). Für die Berater handelte es sich um ein Verbreitungsprojekt, in dem sie keinen Forschungsbedarf sahen. Und die Bauern machten ebenfalls keine Anstalten, über die Durchführung des Projektes zu diskutieren. " ... Warten wir ab ... die Präfektur weiß und sie wird entscheiden, wie die Vorbereitung der Fläche sein wird ..." (Simões 1999,48). Es zeigte sich nach und nach, daß es nicht nur auf seiten der Vertreter von Forschung und Beratung Unterschiede gab, sondern daß es auch auf der Seite [Seite 117↓]der Bauernvertreter kein einheitliches Vorgehen gab. Das STR zog sich zurück, weil es nicht an der Auswahl der Bauern beteiligt war, die schließlich alle nicht organisiert waren, und - wie einige der nicht berücksichtigten Bauern feststellten - der Präfektur und einigen Beratern nahe standen (Simões 1999,37). Das MPST verblieb als regionale Organisation im Projekt, da es an der Verbreitung der Ergebnisse für die Organisationen in den anderen Munizipien interessiert war, die die Resultate für ihre Projekte mit Mechanisierung erwarteten. Das LAET wurde schließlich vom STR als Verbündeter der Präfektur angesehen, die ihr politischer Gegner war, als es mit den Beratern der offiziellen Dienste in den Betrieben auftauchte, um die Arbeit zu beginnen.

Das Projekt der Präfektur in Altamira hatte keine größeren Veränderungen zur Folge. Die Mehrheit baute zwar im zweiten Jahr noch einjährige Kulturen auf der Fläche an, die von 1,2 ha bis 7,5 ha reichte, was die Forscher nicht erwartet hatten. Aber nach den Aussagen der Bauern würden im dritten Jahr zusammen mit den Nahrungsmitteln bereits Gras oder Dauerkulturen gepflanzt, so daß am Ende dieses Zyklus etwa die Hälfte der Flächen mit Sicherheit nicht mehr mit einjährigen Kulturen bestellt würden. Die Leistungen der Präfektur (Rodung, Bodenbearbeitung, Unkraut­kontrolle) wurden entgegengenommen, da jedoch seitens des Landwirtschaftssekretärs keine Kontrolle bestand, bezahlten nur die "Aufrichtigen" dafür (43% der Befragten). Die Kultivatoren blieben als Geschenk bei den Bauern. Es ging kein Impuls für die Mechanisierung von dem Projekt aus, da keine Investition in die Mechanisierung (Zugtieranspannung oder Traktor) erfolgte. Aufgrund der Auswahlkriterien trug das Projekt auch wenig zur wissenschaftlichen Erkenntnis bei, da fast alle Flächen auf fruchtbarer, tiefgründiger Terra Roxa lagen und sich das Problem der Bodenfruchtbarkeit nicht wie bei den übrigen Betrieben stellte. Im Unterschied zu der eingangs geschilderten Praxis der Brachewirtschaft war auch die Ausgangssituation bei diesem Vorhaben etwas anders. Die Hälfte der Flächen war vor der Implementierung des Projektes Waldbrache (Sekundärwald zwischen 1 und 18 Jahren, Durchschnitt 8,8 Jahre), der Rest war Weide (Durchschnitt 13 Jahre) und ein Acker (2 Jahre Nutzung).

4.1.5 Die Erhebung der Erfahrungen in der Region

Für die Erhebung wählten die Partner Uruará aus, da mehr Erfahrungen im westlich von Altamira gelegenen Teil der Region identifiziert wurden und vor allem Betriebe mit weniger fruchtbaren Böden einbezogen werden sollten. Die wesentlichen Einfußfaktoren der Mechanisierung sollten mit einem Rapid Rural Appraisal (RRA) identifiziert werden. Die Forscher stellten eine Reihe von Hypothesen auf und erarbeiteten auf dieser Basis einen Fragebogen als Leitfaden für die Befragung, die darauf abzielte, die Betriebssysteme sowie die Strategien der Bauern kennenzulernen und das Wissen der wenigen Bauern mit Erfahrung in Mechanisierung voll auszuschöpfen. Als Techniken wurden neben dem Leitfadeninterview direkte Beobachtung, Betriebsbegehung (transsect walks), Anfertigung einer Karte des Betriebes, Erarbeitung eines saisonalen Kalenders der Arbeitsspitzen, Erstellung einer Rangordnung der wirtschaftlichen Situation der Bauern und ihrer Ent­wicklungs­tendenz angewendet.

Eine Agraringenieurin des MPST und ein Agrartechniker der EMBRAPA aus Uruará, also Vertreter des wichtigsten Partners des LAET und der lokalen Organisationen, wurden an der Forschung beteiligt, was gleichzeitig den Kontakt zu den Bauern erleichtern sollte. Die Betriebe wurden gemeinsam mit der Bauerngewerkschaft des Munizips sowie den Beratern der staatlichen Organisationen vor Ort ausgewählt, mit denen bei dieser Gelegenheit die Hypothesen und Unter­suchungs­methoden diskutiert wurden.


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Die Forscher gingen mit folgenden Hypothesen in die Untersuchungen mit den Bauern (vgl. Boserup 1987; Pingali et al. 1987; Schmitz et al. 1991; Schmitz et al. 1996). Wenn die Brachedauer abnimmt und der Boden für längere Zeit mit einjährigen Kulturen angebaut wird, wird die Erhaltung der "Umweltfruchtbarkeit"9 schwieriger. Wesentlicher Grund für die Einführung der Mechanisierung, die nicht Teil der landwirtschaftlichen Praxis in der Brachewirtschaft ist, ist der zunehmende Unkrautdruck infolge dieser Veränderungen und der damit wachsende Arbeitsbedarf, um ihn zu kontrollieren. Die Verringerung der Produktivität, die auch durch Rückgang der Bodenfruchtbarkeit hervorgerufen werden kann, wird häufig durch Vergrößerung der Anbaufläche ausgeglichen. Die Mechanisierung bietet für beide Probleme eine Erleichterung, ist aber erst ab einer bestimmten Situation wirtschaftlich, da sie selbst auch mit Arbeitsaufwand und Kosten verbunden ist. Die Bodenbearbeitung, beispielsweise durch das Pflügen, hat im allgemeinen bei den meisten Böden keine direkte Auswirkung auf die Produktivität10. Sie erhöht nicht die Bodenfruchtbarkeit, kann sie aber bei unbedeckt den Witterungseinflüssen (tropischer Regen, hohe Temperaturen) ausgesetztem Boden empfindlich beeinträchtigen.

Die Verringerung der Brachedauer hängt mit der Intensität der Landnutzung zusammen, die durch Bevölkerungsdruck oder Landkonzentration hervorgerufen werden kann. Untersuchungen in verschiedenen afrikanischen Ländern kamen zu dem Ergebnis, daß der Übergang von der Brachewirtschaft zu einem dauerhafteren Anbau und die Einführung der Mechanisierung ab einer Bevölkerungsdichte von mehr als 60 Einwohnern/km² zu beobachten ist (Pingali et al. 1987,27). Das traditionelle System in der Amazonasregion wird instabil ab einer Bevölkerungsdichte von 20 bis 25 Einwohnern/km² (Spencer 1977; Sanchez 1977; beide zitiert nach: Kitamura 1982,15). Obwohl diese Werte sehr standortspezifisch sind und die Zugtieranspannung bereits bei erheblich niedrigeren Werten, zum Beispiel bei der Grasbrachewirtschaft in Afrika, beobachtet wurde, zweifelten die Forscher, daß an der Transamazônica mit niedriger Bevölkerungsdichte, tropischem Regenwald und sehr kleinen Ackerflächen, gemessen an den Betriebsflächen von 100 ha und mehr, dieser Moment der Transition schon gekommen sei.11

Nach Ruthenberg (1980,358) gelten diese Hypothesen nur für die bäuerliche Landwirtschaft. Größere Betriebe mit genügend Ressourcen können durch Einsatz von Traktor und Mineraldünger einen abrupteren Übergang verwirklichen. Dies kann auch für gemeinschaftliche Maschinennutzung gelten, die zunehmend in bäuerlichen Betrieben im Nordosten des Bundesstaates Pará vorkommt (Conto et al. 1996). Die Problematik der Effizienz externer Betriebsmittel, die von Ruthenberg & Andreae (1982,142) betont wird, ist damit jedoch nicht aufgehoben. Die Zugtieranspannung bietet Vorteile, da sie weniger Kapital bedarf, auch auf kleineren Flächen wirtschaftlich sein kann und einfacher für die Unkrautkontrolle eingesetzt werden kann, die bei der Motomechanisierung häufig weiter mit [Seite 119↓]der Hacke gemacht wird oder den Herbizideinsatz verlangt. Sie hat im allgemeineren auch einen schonenderen Effekt hinsichtlich der Bodenbearbeitung. Der Übergang von der Zugtieranspannung zum Traktor ist nicht einfach eine Frage der Zeit, sondern hängt neben ökonomischen Faktoren auch von den lokalen Bedingungen ab (Größe der Parzelle, Topographie, Baumstümpfe auf der Ackerfläche).

Aufgrund der Ergebnisse der Betriebserhebungen und der Hypothesen über die Evolutionsdynamik der Produktionssysteme, düfte die Mehrzahl der Bauern an der Transamazônica, besonders wenn sie über weniger fruchtbare Böden verfügen, nicht ernsthaft an der Mechanisierung interessiert sein.

Die der Forschung zugrunde liegenden Hypothesen über die Dynamik der Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebssysteme und die Einführung der Mechanisierung waren bisher nicht Gegenstand der Diskussion über die Einführung der Mechanisierung in Pará. So werden in Pimentel et al. (1992) als Gründe für die geringe Annahme dieser Technologie vor allem fehlende Tradition, hohe Gerätekosten und Informationsmangel genannt. Ohne vorherige Auswertung bereits vorliegender Erkenntnisse und die Erarbeitung von Hypothesen wäre die fehlende Akzeptanz dieser Technologie seitens der Bauern an der Transamazônica im Rahmen der Erhebung des LAET nicht in vollem Umfang verstanden worden. Die Einordnung in einen theoretischen Rahmen ergab eine andere Sichtweise, erleichterte die konstruktive Diskussion und das Erkennen von Möglichkeiten und Grenzen der Mechanisierung unter den Bedingungen der Region.

Zur Überraschung des Forschungsteams wurden in dem ausgewählten Munizip nur sehr wenige Bauern mit Mechanisierungserfahrung identifiziert. Von den mindestens 3.000 Betrieben identifizierten die lokalen Organisationen nur 9 (0,3%). Die befragten Bauern nannten die Boden­fruchtbarkeit als Schlüsselelement, um für längere Zeit auf der gleichen Fläche produzieren zu können und die Mechanisierung einzuführen. Die einzige in der Praxis angewandte Methode zu ihrer Erhaltung war die Brache. Die Betriebe verfügen in ihrer Mehrheit noch über eine ausreichende Fläche, um die Brachewirtschaft fortzusetzen. Die Mechanisierung wird aus diesen Gründen nur äußerst begrenzt benutzt. Es wurden Traktoren und Geräte, auch für Zugtier­anspannung, angetroffen, die trotz der Erfahrung der Bauern mit Mechanisierung nicht mehr ge­nutzt werden. Diese Situation bestätigte im wesentlichen die Hypothesen der Forscher.

Die Befragungen und Gespräche mit den Bauern ergaben, daß sie das Problem der Fruchtbarkeit als begrenzenden Faktor für den wiederholten Anbau einjähriger Kulturen auf der gleichen Fläche erkannt hatten. Sie hatten auch eine klare Meinung über das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Einsatzes von Mineraldünger. Bei den aktuellen Preisen der Nahrungsmittelkulturen (einjährige Kulturen) war ihrer Meinung nach der Anbau mit Mineraldünger nicht wirtschaftlich. Die Ein­schätzung der Wirkung des Mineraldüngers war völlig unterschiedlich zwischen den Beratern an der Transamazônica und den Bauern. Sowohl die mögliche Produktivitätszunahme, als auch die Mineraldüngerpreise sowie die Preise der Produkte wurden für die "Berechnung" total unter­schied­lich angesetzt. In der Diskussion während der Vorstellung der Ergebnisse gingen einige Berater und Agrartechniker von total überhöhten Werten der Maisproduktion aus, die nicht einmal auf den Versuchsfeldern der EMBRAPA in Terra Roxa erzielt wurde. Sie hatten auch keine Empfehlungen für die Dosierung der Mineraldüngung, obwohl sie seit langem in der Region arbeiteten.

Die Forschung bestätigte die Fähigkeit der Bauern, eigene Experimente durchzuführen. Mehrere Bauern machten Versuche, anzubauen ohne abzubrennen. Sie legten sogar kleine Versuchsflächen an, auf denen sie verschiedene Düngungsmethoden ausprobierten und die sie [Seite 120↓]mit einer Fläche ohne Düngeranwendung verglichen. Sie kamen zu dem Ergebnis, daß dort, wo nicht abgebrannt wurde, die Erträge ohne Verwendung von Mineraldünger innerhalb kürzester Zeit empfindlich zurückgingen. Diese Ergebnisse deckten sich mit Erfahrungen, die sie vorher gemacht hatten, wenn eine gerodete Fläche wegen anhaltender Regenfälle nicht befriedigend abgebrannt werden konnte. Dabei handelte es sich jedoch nicht um systematische Versuche. Das Experiment wird nur einmal durchgeführt, ohne jedoch beispielsweise die Düngergabe zu reduzieren, um zu sehen, ob es nicht doch eine ökonomischere Lösung gäbe. Ein anderer gab immer etwas Mineraldünger zu einigen Flächen, ohne jedoch die Menge oder das Ergebnis zu registrieren. So ist es verständlich, daß sie die Begleitung durch die Forschung suchten.

Einige Bauern nutzen die Zugtieranspannung. Ihre Erfahrungen können dazu beitragen, die Hypothesen weiter zu überprüfen und günstige Bedingungen für den Übergang zur Mechanisierung zu finden. Die Forscher studierten die Praktiken dieser Produzenten, nicht nur an der Transamazônica, sondern auch in anderen Regionen des Bundesstaates Pará. So wird in den Campos 12 von Bragança die Zugtieranspannung seit längerer Zeit verwendet, wobei das System der "Parcagem" eine Rolle in der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit spielt: die Rinder werden einige Zeit vor dem Pflügen auf der Parzelle gehalten, um die spontane Vegetation zu weiden und dabei die Fläche zu düngen. Diese Technik konnte mit Erfolg in der Aktionsforschung ausprobiert werden. Ein anderer Bauer im Munizip Paragominas, der weithin als Ausnahme bekannt ist, wurde besucht. Er setzt seit Jahren Zugtieranspannung ein, wobei er als einzige Maßnahme zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit die Spontanvegetation einarbeitet. In Uruará wurde auch die Praxis der Wiederherstellung von "degradierten" Weiden (im allgemeinen durch Viehtritt verfestigt und verunkrautet) mit Zugtieranspannnung angetroffen.

Diese Etappe wurde mit Leitfadeninterviews des Landwirtschaftsreferenten von Altamira, der regionalen Leitung der EMATER, zwei Bauern aus dem Mechanisierungsprojekt in Altamira und Forschern der EMBRAPA in Belém abgeschlossen und durch eine Preiserhebung (Mineraldünger, Geräte; Agrarprodukte) ergänzt. Anschließend wurden die Ergebnisse von den Forschern analysiert und aufbereitet. Parallel dazu wurden Betriebe in anderen Regionen des Bundesstaates aufgesucht. Im allgemeinen handelte es sich dabei um Ausnahmesituationen, die die Ergebnisse bestätigten, aber auch einige Hinweise für den Einsatz der Mechanisierung erbrachten.

Aufgrund dieser Resultate und der wissenschaftlichen Kenntnisse über die Dynamik der Landwirtschaftlichen Betriebssysteme kamen die Forscher zu dem Schluß, daß die Mehrheit der Bauern mit weniger fruchtbaren Böden unter den regionalen Bedingungen13 kein Interesse haben dürfte zu mechanisieren.


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4.1.6  Die Reaktionen der Bauern und die Vermutungen der Forscher über deren Motive

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden den Bauern, ihren Vertretern und den lokalen Beratern in den betroffenen Munizipien, Altamira und Uruará, in zwei Seminaren (Rückgabe) vorgestellt. Die Reaktion auf die Ergebnisse, die die Mechanisierung als ökonomische und ökologische Alternative für die Mehrzahl der Betriebe an der Transamazônica in Frage stellten, war äußerst widersprüchlich. Generell war eine gewisse Unzufriedenheit bei den meisten Teilnehmern zu beobachten, wobei wahrzunehmen war, daß sie eine "positive" Einschätzung der Mechanisierung, sowohl mit Traktor als auch mit Zugtieren, vorgezogen hätten. Es wurde jedoch auch Zustimmung zu den Ergebnissen geäußert. Als die Bauern in Altamira jedoch gefragt wurden, ob sie selbst be­ab­sichtigten, die Mechanisierung einzuführen, zeigten sie nur wenig Interesse14 (vgl. Simões 2000).

Die lokalen Beratungsinstitutionen und die Organisationen der Bauern spürten, daß das LAET Zweifel und Kritik an dem Mechanisierungsvorhaben in Altamira und seiner Ausführung hatten. Es war offensichtlich, daß die Forscher sich nicht für das Projekt begeisterten. So kamen die Bauern zu der Ansicht, daß die Forscher die Realisierung ihrer Finanzierungsprojekte erschweren wollten, wie bei einem Treffen über die Einführung der Mechanisierung im Munizip Pacajá. "Die Mehrzahl der Anwesenden bei diesem Treffen war davon überzeugt, daß wir dort waren, um die Möglichkeit einer Finanzierung des Mechanisierungsprojektes durch das LAET zu studieren. Sie werden daher nichts mehr verstanden haben, als wir begannen, kaltes Wasser auf ihre Erwartungen zu gießen."15 Verschiedene Assoziationen hatten bereits Traktoren in ihre Projektanträgen vorgesehen, die sie nicht durch Zweifel des LAET an der Wirtschaftlichkeit behindern lassen wollten. Andere Ereignisse in diesem Zeitraum trugen ebenfalls mit dazu bei, daß die Forscher des LAET mehrere Monate nicht mehr zu den Diskussionen des MPST eingeladen wurden. Die Zusammenarbeit begann somit bereits in einem von Mißtrauen geprägten Klima.

Nach den Rückgaben fror das Verhältnis zu den staatlichen Beratern in Altamira ein, speziell zur EMATER, mit der bereits Erfahrungen in dem Mechanisierungsprojekt der Präfektur gemacht wurden.

Trotz der Ergebnisse der Forschung bildeten sich interessierte Gruppen von Bauern in verschiedenen Munizipien, die eine Erfahrung mit der Mechanisierung machen wollten und dazu die Begleitung des LAET anforderten. Im Munizip Anapu bat eine Gruppe von etwa 60 Bauern LAET und MPST, mit ihnen die Einführung der Zugtieranspannung zu diskutieren16. Nach einer konstruktiven Debatte, in der die Bauern die Probleme der Mechanisierung thematisierten, kam es jedoch nicht zu den vorgesehenen Aktivitäten, weil die Initiative trotz der Unterstützung durch das MPST aufgrund der Intervention einer der Organisation nahestehenden lokalen Führungs­persön­lich­keit abgebrochen wurde. Der Prozeß hatte sich ihrer Kontrolle entzogen.

Aufgrund der widersprüchlichen Reaktion der Bauern wollten die Forscher wissen, warum die Bauern sich derart für die Mechanisierung interessierten. Sie stellten verschiedene Hypothesen über die Motive der Bauern auf und identifizierten unterschiedliche Interessen. [Seite 122↓]Sie vermuteten, daß ein Teil der Bauern kein Interesse hatte, in die Mechanisierung zu investieren, und daß einige Teil­nehmer, speziell im Projekt in Altamira, nur an der subventionierten Entfernung von Baum­stümpfen und Wurzeln interessiert waren, um Weide anzulegen. Auch wenn der Anbau einjähriger Kulturen sich nicht rentieren würde, hätten sie bereits eine Fläche vorbereitet, um Gras zu pflanzen. Die Zurückhaltung dieser Bauern hinsichtlich der vorgesehenen Einführung der Zugtieranspannung erlaubte diese Interpretation. Andere erwarteten möglicherweise, an bezuschussten Projekten teilzunehmen. Einige wollten den subventionierten Einsatz der Planierraupe auch für andere Zwecke nutzen, wie die Anlage einer Straße oder eines Fischteiches auf dem Grundstück, oder einfach von der Wertsteigerung ihres Grundstückes durch die gesäuberte Fläche profitieren.

Bei einem anderen Teil der Bauern vermuteten die Forscher wirklich Interesse an der Mechanisierung, jedoch aus unterschiedlichen Gründen. Einige Bauern waren stark von den Forschern und Beratern der staatlichen Dienste, den Politikern und den Vertretern der eigenen Organisationen beeinflußt, die sich in ihrem Diskurs auf die 'Modernisierung' beriefen. Das Argument der Arbeitserleichterung spielte eine wichtige Rolle, besonders bei den älteren Bauern mit wenigen Arbeitskräften in der Familie. Die Verringerung der Abholzung war für andere wichtig, die an ihre Kinder dachten und eine Reserve an Wald oder Capoeira für die Erhaltung der "Umweltfruchtbarkeit" bewahren wollten. Die Analyse ergab für die Forscher des LAET eine Unterscheidung von sechs verschiedenen Strategien:

  1. Die schon länger die Mechanisierung in ihrem Betrieb nutzen;
  2. Die sie schon immer ausprobieren wollten, beispielsweise weil sie sie vorher in anderen Regionen bereits einsetzten und nun die Gelegenheit nutzen wollen;
  3. Die noch keine Erfahrung mit Mechanisierung haben, aber etwas Neues und Modernes ausprobieren wollen;
  4. Die einen kostenlosen Rodungsdienst für andere private Ziele ausnutzen wollen und sich aus dem Projekt zurückziehen würden, sobald mehr von ihnen verlangt würde;
  5. Die nur an der Anlage von Weideflächen interessiert sind;
  6. Die daran interessiert sind, die Brachewirtschaft in eine Feldgraswirtschaft zu überführen.

In den Interviews wurden die Bauern individuell befragt, warum sie an der Mechanisierung interessiert seien. Dies sollte die Hypothesen der Bauern einbringen und andererseits eine Diskussion über ihre Erwartungen ermöglichen. Nach der Häufigkeit ihrer Nennung ergaben sich folgende Antworten: etwas Neues auszuprobieren; die Arbeit besonders der Unkrautkontrolle zu erleichtern; die Produktion zu erhöhen; mehrfach auf der gleichen Fläche anbauen zu können und nicht jedes Jahr zu roden; modern zu sein; die Anbaufläche auszuweiten. Diese Antworten wurden später unter Leitung eines Moderators mit allen Bauern diskutiert. Während dieses Austausches individueller Erfahrungen diskutierten die Bauern auch Probleme der Bodenfruchtbarkeit, die Bedeutung der Bodenbedeckung, die Einarbeitung von organischer Substanz, die Rotation der Anbaukulturen und die Arbeitsproduktivität. Das Risiko der Mechanisierung wurde für alle besser einschätzbar und die Erwartungen an die neue Technologie realistischer. Trotzdem waren sie weiterhin motiviert, Neuerungen auszuprobieren. Dabei spielte sicher eine Rolle, daß es sich um Kolonisten handelte, von denen die meisten mehr als einmal den Ort auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen für sich und ihre Familie gewechselt hatten. Zudem verfügten sie über genügend Land, um ein Experiment zu wagen. Wenn es scheiterte, konnten sie zu ihrem traditionellen System der Brachewirtschaft zurückkehren. Sie wollten jedoch das Risiko der Intensivierung nicht allein tragen, sondern suchten ausdrücklich die Begleitung und Unterstützung der Forschung (vgl. Schmitz et al. 1997).


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Auch wenn es zum damaligen Zeitpunkt noch keine vollkommen befriedigende Erklärung für die Motive der Bauern gab, gingen die Forscher davon aus, daß der weitere Verlauf der Forschung eine Antwort auf diese Fragestellung bringen würde.

4.1.7 Die Aktionsforschung über Mechanisierung

Der Wunsch nach einer Begleitung der Einführung der Mechanisierung durch die Forschung wurde auch im Munizip Uruará geäußert. Hier hatten schon von der lokalen Bauerngewerkschaft (STR) und einer Assoziation (APRUR)17 organisierte Diskussionen stattgefunden, ehe das LAET eingeladen wurde, und ein erster Projektvorschlag des STR für ein Demonstrationsprojekt PD/A (Tropenwaldprogramm) zur Einführung der Zugtieranspannung war bereits erarbeitet. Trotz ihrer technischen Bedenken und der Zweifel an der Motivation der Bauern beschlossen die Forscher, dieser Nachfrage nachzugehen. So wurde zwischen LAET und MPST vereinbart, eine praktische Erfahrung in Form einer Aktionsforschung mit einer Gruppe von 27 interessierten Bauern zu machen. Die Aktionsforschung würde gleichzeitig der Problemlösung dienen und könnte Reaktionen hervorgerufenen, die Aufschluß über die Hintergründe geben könnte ('Diagnostizieren durch Intervention'). Technische Fragen ließen sich mit der Erforschung der Strategien der Bauern verknüpfen. Da das Projekt nicht mit der notwendigen Infrastruktur für eine ausreichende Begleitung bodenkundlicher und landwirtschaftlicher Fragenstellungen rechnen konnte, versprach man sich reichhaltige Ergebnisse von der Verbindung der Aktionsforschung mit einer Forschung auf Betriebsebene (on-farm research) .

Die Aktionsforschung begann zu Beginn des Jahres 1995 mit mehreren Versammlungen zur Besprechung der Zielsetzung und der Durchführung, an denen im Durchschnitt 20 Bauern, ihre Vertreter, Berater und Forscher teilnahmen. Neben der Erhebung ökonomischer Daten sollte die Entwicklung der Bodenfruchtbarkeit und die Veränderung der Arbeitsproduktivität nach der Einführung der Mechanisierung untersucht werden, um sichere Aussagen über die Nachhaltigkeit machen zu können. Die Versammlungen trugen dazu bei, daß sich die wirklich interessierten Bauern herauskristallisierten. Das STR hatte die Aufgabe, die endgültige Auswahl der Teilnehmer zu treffen. Alle stimmten zu, sich an die von ihnen selbst festgelegten Regeln zu halten. Schrittweise wurde nun bestimmt, welche Bestandteile der Aktion verbindlich sein sollten:

Die Auswahl der Flächen (Sekundärwald, Buschbrache, etc.), der Art des Rodens (mit oder ohne Abbrennen) und des Entfernens der Baumstümpfe (mit Planierraupe, Winde oder [Seite 124↓]manuell) erfolgte nach den Kriterien jedes Bauern. Auch die Auswahl der Zugtiere, der Geräte, des Zeitpunktes der Aussaat und der Pflanzabstände blieben in der ausschließlichen Verantwortung der Bauern. Es entwickelten sich einige Vorschläge in der Diskussion, die getestet werden sollten: Alternativen zur Ackervorbereitung mit der Planierraupe, Methoden der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit mit Gründüngungskulturen, Verwendung verschiedener Geräte und Scharformen.

Dem Projekt lag die Idee zugrunde, nicht "assistenzialistisch"18 vorzugehen: nichts sollte geschenkt werden, um der Tradition der Subventionen durch öffentliche Einrichtungen seit der Kolonisierung der Transamazônica und der Gewohnheit, Projekte finanziert zu bekommen, entgegenzuwirken, die die Entstehung einer assistenzialistischen Mentalität in der Region begünstigt hatte. Nur das Saatgut sollte verteilt werden, um ein Minimum an Homogenität zur Erreichung der Forschungsziele zu garantieren. Über diese Frage gab es Unstimmigkeiten unter den Forschern: während einer meinte, daß das LAET nicht das Material liefern dürfe, da die Bauern das Saatgut des LAET für Mißerfolge verantwortlich machen könnten, waren andere der Meinung, wenn nicht wenigstens dieser Faktor des Experimentes gleich sei, wäre es unmöglich zu vergleichen und Ursachen zu bestimmen. Die Geräte und Tiere sollten durch einen Kredit finanziert werden. Die Bauern, die sich für die Rodung mit Planierraupe entschieden, sollten für diese Dienstleistung der Präfektur zahlen, wobei das STR den Wert in Produkten festlegen sollte.

Es wurde eine technische Equipe aus Mitgliedern des LAET und der lokalen Forschung und Beratung EMBRAPA, EMATER und CEPLAC eingesetzt und eine Gruppe für die Verbreitung der Information (GCI - grupo de circulação de informação) aus Vertretern der Organisationen in den Munizipien des Aktionsradius des PAET gebildet, die zusammen mit den teilnehmenden Bauern die Aktionsforschung evaluieren sollten. Mit dem Einsatz von drei Bauern als Trainer und der technischen Equipe wurde ein Training über die Zugtieranspannung und den Gebrauch einer manuellen Winde realisiert, wobei letztere vom LAET als alternative Rodungsmethode eingeführt wurde19. Am Ende dieser Phase wurde eine Vertrag über die Rolle und Aufgabe jeden Partners erarbeitet, der Anfang 1996 von allen Bauern (14 Teilnehmer), den Forschern (LAET und Koordinator der EMBRAPA an der Transamazônica), dem Superintendenten der CEPLAC von Ost-Amazonien, den Regional- und Lokalchefs von CEPLAC, dem Technischen Direktor der EMATER-Pará und deren Regional- und Lokalchefs, der Präfektur von Uruará, dem STR, der APRUR, der FUNDASUR20 sowie dem MPST unterzeichnet wurde.21

Während zu Beginn 27 Bauern interessiert waren, führten die gegenseitigen Verpflichtungen und die Forderung nach Bezahlung der Dienstleistungen zu einem Selektionsprozeß. Unmittelbar vor der Beantragung des Kreditprojektes gab ein weiterer Bauer auf, weil die eigene Gruppe und die Forscher nicht einverstanden waren mit dem Einsatz der Planierraupe, [Seite 125↓]um eine Straße auf seinem Grundstück zu bauen, und den Wechsel der Parzelle für die Mechanisierung kritisierten, weil bereits die Bodenproben gezogen waren. Die Konfrontation zwischen individuellen und kollektiven Strategien reduzierte die Zahl der Teilnehmer auf 14.

Kurz darauf führten verschiedene Ereignisse dazu, den bisherigen Prozeß der "Konstruktion des sozialen Bedarfs" während etwa eines Jahres, in Frage zu stellen. Das Ausbleiben der Finanzierung und ein desmotivierender Diskurs, der gleichzeitig unter den Bauern verbreitet wurde, hatten äußerst negative Folgen für die Aktionsforschung. Um die Komplexität der Situation besser zu verstehen, muß man wissen, daß diese Störung von Personen ausging, die eine entscheidende Rolle bei die Entstehung des Projektes spielten. Die folgenden Bemerkungen lassen das Mikroklima dieser Phase besser spüren22:

Als keine Hoffnung auf die Finanzierung mehr bestand, stellten die Bauern dem LAET ein Ultimatum, andere Lösungen zu finden, damit das Forschungsprojekt vorangehe (also andere Finanzierungsquellen zu finden). Dies war in dem Vertrag nicht Aufgabe des LAET, sondern der Beratungsinstitutionen vor Ort. Von diesem Moment an nahm die Forschung einen neuen Auf­schwung, die durch folgende Schritte beschrieben werden kann:

Höhepunkt war die Debatte über den Vorschlag eines "kollektiven Kredits", der von der neuen Direktion des MPST eingebracht wurde. Der Vorschlag sah vor, die erwartete Finanzierung der Tiere und Geräte für die Zugtieranspannung durch einen verlorenen Zuschuss in einen Rotationsfond umzuwandeln, der von der APRUR gemeinsam mit den Teilnehmern des Projektes verwaltet werden sollte. Die Bezahlung der Investition sollte zu den zu diesem Zeitpunkt üblichen Bedingungen eines Agrarkredits für Bauern erfolgen. Der Vorschlag wurde nach einer ver­gleich­weise offenen Aussprache von allen angenommen. Eine Gruppe unter Leitung des MPST wurde beauftragt, die Regeln auszuarbeiten (Freistellungszeitraum, jährliche Raten, Zinsen, Verwaltung des Fonds)26. Die neue Direktion des STR, die kurz darauf ihre Arbeit aufnahm, unterstützte den Prozeß.

Die Forscher fragten sich in diesem Moment, welche Faktoren entscheidend zur Fortsetzung der Aktionsforschung beitrugen und eine neue Phase mit einer engagierteren Gruppe einleiteten. Aber die Situation war bei weitem nicht so stabil wie die Forscher dachten. In den folgenden drei Monaten reduzierte sich die Gruppe auf fünf Bauern. Erst in diesem Moment, als die von der sozialen Bewegung unterstützten Kandidaten die Kommunalwahlen in Uruará verloren hatten, zeigten sich die wahren Motive für die Teilnahme an der "Mechanisierungsgruppe". Die Teilnehmer waren von den Organisationen aus politischen Motiven ausgewählt worden, um den Erfolg des Vorschlags der sozialen Bewegung vor den Kommunalwahlen zu demonstrieren. Deshalb lagen auch die meisten der Betrieben direkt an der Transamazônica, um gut sichtbar zu sein. Allerdings waren aus verschiedenen Motiven auch weniger sichtbare Betriebe dabei. Politisches Engagement, der Diskussionsprozeß, die Werbung von Bekannten durchbrachen das ein­heitliche Muster, so daß einerseits selbst Anhänger anderer politischen Parteien darunter waren und andererseits Personen auch gehalten wurden, als offensichtlich war, daß sie niemals einen Werbeeffekt erzielen würden. Nun waren sie nicht mehr bereit, diesen "Dienst" für die Bewegung auf sich zu nehmen. Dies wurde besonders deutlich bei einem Bauern, dessen Frau Kandidatin für den Stadtrat war und der nun den Schaden wegen der hohen Investitionen in den verlorenen Wahlkampf spürte.

Grundsätzlich hatten die Forscher eine Verringerung der Zahl der Bauern erwartet, da die zentrale Hypothese die Probleme der Erhaltung der "Umweltfruchtbarkeit" in den Vordergrund stellte. Die Sicherung der Produktivität der einjährigen Kulturen unter den Bedingungen des mehrjährigen Anbaus ist ein komplexer Prozeß, der Enthusiasmus für das Experimentieren bei den Bauern voraussetzt. Dennoch waren die Forscher von dem [Seite 127↓]drastischen Rückgang der Teilnehmerzahl überrascht, die sich aus verschiedenen auch persönlichen Gründen der Bauern schließlich auf drei einpendelte, mit denen in den folgenden Jahren experimentiert wurde, um Praktiken zur Erhaltung des Produktionsniveaus mindestens auf dem gleichem Stand zu entwickeln. Endlich wurde die Finanzierung bewilligt und die Tiere und Geräte gekauft. Fast drei Jahre nach Beginn des Dialogs kann endlich die vorgesehene Arbeit beginnen.

Im Jahre 2000 liegen schließlich Erfahrungen von bis zu sechs Jahren kontinuierlichem Anbau auf der gleichen Fläche vor. Die Mechanisierung wurde eingesetzt, Praktiken zur Erhaltung der Fruchtbarkeit entwickelt und Alternativen zur der nachteiligen Entfernung von Wurzeln und Baumstümpfen mit der Planierraupe getestet. Bei Mais konnte der Ertrag über die Zeitdauer gesteigert werden. Der Ertrag von Reis sank erheblich, so daß die Kultur ebenfalls durch Mais ersetzt wurde. Dabei kommt es vor allem auf die rechtzeitige Kombination von Maßnahmen an, wie Einsatz von organischem Dünger, Bodenbedeckung durch Leguminosen und mechanische Unkrautkontrolle. Dies gelang noch nicht zufriedenstellend bei Reis, zeigte aber bei Mais seine Wirkung. Die Zeitdauer der Forschung war noch nicht ausreichend, um die Neuerung bereits zu stabilisieren. Als eines der wichtigsten Ergebnisse kann die Einführung der Leguminosen bei den Teilnehmern und vielen anderen Bauern der Region infolge der gemeinsamen Forschung angesehen werden, die zu anderen Projekten führte. Diese Innovation ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Entwicklung angepaßter Maßnahmen für die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit in dieser bisher gleichzeitig von Brachewirtschaft (einjährige Kulturen), wenig nachhaltigen27 Weideflächen und Dauerkulturen gekennzeichneten Landwirtschaft (Schmitz et al. 2001).

4.1.8 Die Konstruktion und Krise der Partnerschaft

Die Partnerschaft zwischen LAET und MPST kann in vier Phasen eingeteilt werden (vgl. auch Castellanet 1998,76)28:

  1. Die Phase des Abkommens reicht bis zum Abschluß des formalen Vertrags (bis Ende 1993);
  2. Die Phase der Konstruktion umfaßt die Erarbeitung einer kohärenten Strategie des PAET mit beschränkter Partizipation des MPST (von 1994 bis 1996);
  3. Die Phase der Kritik ist durch die Reaktion des MPST und den Beginn offener Kritik am LAET gekennzeichnet (1997-1998);
  4. Die Phase des Bruches ist durch Krisen, Brüche in der Beziehung und den Abbruch der Zusammenarbeit gekennzeichnet (1998 bis 2000).

Das LAET entstand aufgrund der Forderung des MPST, das sich an der Arbeit des CAT in Marabá orientierte und eine ähnliche Arbeit für die Transamazônica wünschte. Insofern stand der prinzipielle Partner des LAET im Grunde genommen schon von Anfang an fest, und der Eindruck von Castellanet (1998,73), daß "... das LAET 1993 entschied, eine regionale Bauernorganisation als bevorzugten Partner auszuwählen ...", ist sicher etwas irreführend, aber vielleicht für das Verständnis der Beziehung von Bedeutung. In Marabá gab es noch keinen starken Partner von seiten der Bauern. Daher entstand durch Initiative des Überbaus [Seite 128↓]CAT neben dem Forschungsbein LASAT das Bewegungsbein FATA. Die Tatsache, daß die Forscher an der Transamazônica auf eine gut organisierte Bewegung stießen, führte zu einer völlig unterschiedlichen Dynamik.

Der Beginn der Arbeit des LAET kann mit dem Seminar "Agrarökologische Forschung in der Region der Transamazônica" im August 1993 gleichgesetzt werden, obwohl umfangreiche Vorbereitungen und Verhandlungen bereits vorher stattfanden. Die Kontakte zum MPST, der CPT und den staatlichen Beratungsdiensten EMATER und CEPLAC waren von einem GRET-Mitarbeiter geknüpft worden, der mehrere Jahre in einer französischen Bauerngewerkschaft gearbeitet hatte. Zu Beginn des Seminars waren auch die Forscher bereits ausgewählt und vor Ort.

LAET und MPST präsentierten sich zum ersten Mal zusammen den anwesenden Bauern auf diesem Seminar, zu dem auch Vertreter der öffentlichen Forschungs- und Beratungsdienste sowie der Kirche geladen waren. Anschließend sollten die Bauern in Gruppenarbeit ihren Bedarf an die Forschung in drei großen Bereichen formulieren: landwirtschaftliche Produktion, Verarbeitung und Vermarktung sowie Umweltfragen. Für die Mehrheit der Bauern war jedoch noch nicht klar, was "die Forschung" wirklich leisten konnte. Außerdem zeigte sich, daß die Kapazität einiger Mitglieder des LAET schon gebunden war durch die Notwendigkeit, ihre Dissertationen mit bereits vorher definierten Themen zu erarbeiten. Auch das durch die Europäische Union (EU) finanzierte Forschungsprogramm war bereits vorher festgelegt. Das Seminar führte zu einer reichhaltigen Ideensammlung von konkreten Vorschlägen bis zu sehr allgemeinen Themen in Grundlagenforschung, Angewandter Forschung, Erhebung existierender Erfahrungen, Verbreitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse (durch die Beratungsdienste) und Mobilisierung der Bauern, die Aufgabe des MPST war29. Die Vorschläge wurden von den staatlichen Beratern beeinflußt, die nicht nur ihre Ideen vorstellten, sondern auch aktiv an den Diskussionen in den Arbeitsgruppen teilnahmen.

Um Prioritäten für diese umfangreichen Liste von Vorschlägen zu erarbeiten, traf sich das LAET kurz darauf mit drei Vertretern des MPST und einigen Vertretern der öffentlichen Forschung und Beratung.30 Anschließend unterzeichneten LAET und MPST einen Vertrag31 für die nächsten drei Jahre, in dem die Ziele und die "privilegierte Partnerschaft" zwischen den beiden Organisationen festgelegt wurden, wobei Abkommen mit anderen Partnern nicht ausgeschlossen waren. Das Ziel war, "... eine neue Politik für die ökonomische, soziale und agrarökologische Entwicklung der Region vorzuschlagen"32.

Ein Problem für die Equipe des LAET war der Widerspruch, daß der Bedarf der Bauern das Forschungsprogramm bestimmen sollte, aber gleichzeitig Verpflichtungen gegenüber der Finanzierungsinstitution bestanden, die ein Projekt mit definierten Zielen im Bereich des Ressourcenschutzes bewilligt hatte. So wurde im August 1994 beschlossen, eine Diskussion über die längerfristigen Ziele zu beginnen, um zu einem Konsens in der Equipe und einer Orientierung für die Zusammenarbeit mit dem MPST zu gelangen. Anfangs war keine Teilnahme von Vertretern des MPST vorgesehen, erst im letzten Moment wurde der Leiter des Landwirtschaftssektors eingeladen. An einem zweiten Seminar im November 1994 nahmen bereits fünf Vertreter des MPST neben acht Mitarbeitern von LAET teil. Es [Seite 129↓]beschäftigte sich mit der Möglichkeit der Fortsetzung der Arbeit des LAET über die Projektlaufzeit hinaus, seiner Verpflichtung hinsichtlich der politischen Linie des MPST und der Notwendigkeit, kurzfristige konkrete Resultate zu erzielen Das MPST forderte auch Aktivitäten in anderen Bereichen, vor allem der Erziehung. Die Forscher wiederum identifizierten verschiedene Widersprüche zwischen den langfristigen Zielen und dem kurzfristigen Engagement des MPST und schlugen eine Diskussion darüber vor. Sie stellten klar, daß das LAET nur die Entwicklungspolitik, aber keine Parteipolitik unterstützen könne (Castellanet 1998,79-80).33.

Nach dieser Debatte hielten die Direktoren des MPST eine größere Distanz zum LAET und luden die Forscher mehrere Monate nicht mehr zu ihren Diskussionen, sondern nur noch zu Besprechungen über spezifische Fragen ein (Castellanet 1998,80). Andere Differenzen, wie die kritische Haltung des LAET zu den Mechanisierungsprojekten, trugen zu dieser Reaktion bei. Auch die unterschiedlichen Positionenen von MPST und STR in dem Projekt der Präfektur von Altamira und die Verdächtigung seitens des STR, daß die Forscher Verbündete der Präfektur seien, beeinträchtigte die Partnerschaft. Es wurden zwei Strömungen innerhalb des MPST sichtbar: eine versuchte, die Partnerschaft zu stärken und gemeinsame Projekte durchzuführen, die andere meinte, daß das MPST die politische "Richtungsbestimmung" verlieren würde und sich "von einer Gruppe Ausländer" mit eigenen Interessen leiten lasse. Verschiedene Denkweisen, eine "politische Logik" und eine "ökonomische Logik" äußerten sich in diesen Widersprüchen, die zu unterschiedlichen Evaluierungen der Zusammenarbeit führte (Simões 1999,53-54). Trotz Abkühlung der Beziehung nahm die Zahl gemeinsam angegangener Arbeiten im Jahr 1994 zu.

Das "Zweite Regionale Treffen des PAET"34 im Dezember 1994, an dem 44 Bauern und geladene Gäste der öffentlichen Forschung und Beratung teilnahmen, brachte keinen Fortschritt in der Frage der Ausrichtung der zukünftigen Arbeit, vermutlich wegen der Dominanz der Forscher in den Debatten, die technischen Themen im Interesse der Bauern statt Momenten der Evaluierung des ersten Jahres gemeinsamer Arbeit den Vorzug gaben. Im Juni 1995 präsentierte das LAET dem Leiter des MPST schließlich ein Dokument, das eine Verbindung zwischen kurzfristigen und langfristigen Vorschlägen hergestellte und gleichzeitig das gemeinsame Projekt für die zweite Phase der Finanzierung durch die EU sein sollte. Die Direktoren des MPST waren von seinem Umfang überrascht, und es wurde ihnen wenig Zeit zur Stellungnahme gelassen, weil der Antrag schleunig eingereicht werden mußte. Wegen der Eile stimmten sie den großen Linien zu, aber die Chance für eine tiefergehende Diskussion und die Äußerung von Kritik oder Unzufriedenheit, besonders über die Verteilung der beantragten Mittel, wurde verpaßt.35. Die Mitarbeiter des LAET waren zu diesem Zeitpunkt überzeugt, daß die effektive Partizipation des MPST bei der Planung, insbesondere der zweiten Finanzierungsphase, garantiert war. Tatsächlich war aber die direkte Beteiligung des MPST gering und auf wenige, zudem wechselnde Direktoren, beschränkt, was zu dem Vorwurf führte, nicht angemessen konsultiert worden zu sein (Castellanet 1998,81-83).

Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits zahlreiche kritische Punkte wahrgenommen. So äußerten Vertreter des MPST, daß für viele Bauern die Rolle des LAET nicht klar war. Einige Vertreter des MPST meinten, daß sich das LAET zu sehr in interne Fragen des MPST einmische und daher eine größere Distanz eingehalten werden solle. Die Forscher stellten fest, daß die Bauern an der Basis nicht genügend an den Entscheidungen des MPST beteiligt waren. Einige Kritiken des MPST wurden angenommen: so wurde eine Forschung über [Seite 130↓]Pfeffer (kurzfristiger Ansatz) und eine Debatte über die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft der Region (langfristiger Ansatz) in das Programm aufgenommen.

Die Kritik am LAET wegen fehlender praktischer Resultate für die Bauern brach offen während des "Fünften Treffens für Strategische Planung des PAET" im Dezember 199636 aus. Zusätzlich wurde Kritik an der neuen Leitung des MPST37 geäußert, vor allem von Gründerpersönlichkeiten des MPST, die inzwischen Funktionen auf der Ebene des Bundesstaates und auf nationalem Niveau wahrnahmen, sie sei zu "unabhängig" und durch das LAET beeinflußt. Dies hatte offensichtlich mit dem schlechten Abschneiden der Kandidaten der sozialen Bewegung bei den Kommunalwahlen zu tun und wurde anscheinend zum Teil auf fehlende Unterstützung mit Resourcen und Infrastruktur durch die neue Leitung zurückgeführt (Castellanet 1998,86). Die Situation spitzte sich zu während eines Seminars über Agrarkredit38, bei dem die Meinungen auseinander gingen, inwieweit eine kritische Betrachtung der verschiedenen Folgen des Kredites angebracht ist angesichts der Notwendigkeit, Erfolge aufzuweisen, die sich in politisches Kapital bei den Wahlen umsetzen lassen. Eine Intervention der Gründerpersönlichkeiten einen Tag vor der Vollversammlung im März 1997, stellte die Weichen für die Veränderung an der Spitze des MPST (vgl. Castellanet 1997,165).

Dahinter stand unter anderem der Widerspruch, einerseits als Organisation zur Mobilisierung der Bauern für die Verteidigung ihrer Rechte auf regionaler Ebene weiter zu arbeiten und andererseits sich in eine Entwicklungsorganisation zu verwandeln mit der Fähigkeit, konkrete Aktivitäten wie Agrarkreditprojekte, Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte sowie Implementierung von Projekten zusammen mit staatlichen Stellen durchzuführen. Trotz ver­schiedener interner Versammlungen des MPST, zu der auch politische Führungspersönlichkeiten von außen eingeladen wurden, wurde nicht entschieden, ob man in Zukunft als repräsentative Organisation oder als Entwicklungsorganisation tätig sein solle, so daß sich die Unsicherheit über die einzuschlagenden Strategien fortsetzte.

Die überfällige Erneuerung des Vertrages zwischen MPST und LAET wurde vertagt. Hinzu kam ein weiterer Konflikt, die Auseinandersetzung um die Koordination des Campus der UFPA in Altamira. Die Wahl wurde von einer Gruppe von Dozenten, die der Arbeiterpartei PT und dem LAET angehörten gewonnen, gegen eine Gruppe, die von einem bereits wesentlich länger in Altamira arbeitenden Teil der sozialen Bewegung und einem anderen Flügel der PT unterstützt wurde. Das MPST war offensichtlich gespalten in dieser Frage, wobei die Direktion die Gruppe des LAET bevorzugte, dafür aber später empfindliche Kritik hinnehmen mußte. Dabei spielten Differenzen zwischen den verschiedenen Strömungen der PT eine Rolle. Dieses Ereignis bestätigte den Kritikern im MPST, daß das LAET inzwischen zu einer ernsthaften Konkurrenz um die Kontrolle der sozialen Bewegung geworden waren. Das MPST versuchte nun, einige Aktivitäten ohne die Unterstützung des LAET zu beginnen, zum Teil mit der Hilfe anderer Organisationen, und die Partizipation des LAET in laufenden Vorhaben zu reduzieren (Castellanet 1998,87-88).

Schließlich schlug das MPST dem LAET während einer der Verhandlungsrunden um die Fortsetzung des Vertrages vor, daß es sich als technischer Dienst in das MPST integrieren [Seite 131↓]sollte, unter Führung der Direktion des MPST, und damit seine Autonomie aufgeben solle. Es ging "... um die Hegemonie der Macht, auf der Ebene der Bauern zu intervenieren", wobei ein Stein des Anstoßes der direkte Kontakt mit der Basis war.39 Diese Unterordnung wurde von den Mitarbeitern des LAET abgelehnt. Im November 1997 gab es eine Übereinkunft, "Dreibein" genannt, die drei Koordinationen der Zusammenarbeit vorsah. Die Forschung wurde vom LAET geleitet, Entwicklung und Bildung vom MPST, wobei die andere Seite jeweils einen Stellvertreter benannte40.

Dieses Konstrukt überlebte etwa ein Jahr bis zu den Diskussionen um die Erneuerung des Antrags an die EU. Die Erarbeitung des Projektes für die Dritte Phase war bereits recht weit gediehen, als das MPST plötzlich im Dezember 1998 erklärte, daß es den Antrag nicht unterschreiben würde. Die Anstrengung der vergangenen Jahre, den Partner auch offiziell in das Vorhaben zu integrieren, führte nun dazu, das dies auch von dem Geldgeber vorausgesetzt wurde. Die Weigerung des Partners löste daher eine unerwartete Dynamik aus. Während das LAET die Idee wieder aufgriff, direkt ohne Einbeziehung des MPST mit den organisierten Bauern auf munizipaler Ebene zu arbeiten, ging das MPST zum Gegenangriff vor. Ein Brief an die Partner des LAET, NEAF, EMBRAPA, GRET und an die Finanzierungsinstitution EU stellte fest, daß die Zusammenarbeit mit dem LAET den Bauern keine Ergebnisse gebracht habe und daß eine Evaluierung erforderlich sei. Das LAET hüllte sich in Schweigen und verärgerte seine Partner, besonders NEAF (und damit die andere Equipe LASAT in Marabá), weil es nicht rechtzeitig über die Zuspitzung des Konfliktes informiert hatte und keine Stellungnahme zu der Angelegenheit abgab. Alte Konflikte innerhalb des LAET brachen auf und die "Vorherrschaft der Franzosen" (GRET) wurde scharf kritisiert. Schließlich kam es zu der Evaluierung, bei der das MPST an seiner Darstellung festhielt. Allerdings gab es bereits auf Initiative der Gründerpersönlichkeiten des MPST von seiten der FETAGRI Bestrebungen, den Konflikt zu moderieren, und es war klar, daß ein endgültiger Bruch vermieden werden sollte. So endete die Auseinandersetzung in einem Poker um die Geldmittel. Das MPST bestand darauf, daß der Kuchen zur Hälfte zwischen den beiden Partnern geteilt würde. GRET wollte nicht in die Verhandlung mit der EU eintreten, wenn es nicht mindestens einen festen Prozentsatz für Verwaltung, seinen Mitarbeiter im LAET und die Begleitung des Projektes erhalten würde. So fielen mangels Mittel die vorgesehenen Partner LASAT und FATA (Marabá) ohne Konsultation heraus, was neuen Ärger bis ins NEAF hinein auslöste. Der "Scherbenhaufen" blieb nach den turbulenten Tagen an der Transamazônica mit der Aufgabe zurück, sich über einen neuen Antrag zu einigen.

Wegen des Rücktritts der zuständigen Kommission der EU hatte man Zeit gewonnen, den Antrag besser zu diskutieren. Er wurde jedoch schließlich abgelehnt, höchst wahrscheinlich wegen des katastrophalen Evaluierungsergebnisses (Erklärung des MPST zum Erfolg der Zusammenarbeit, Konflikt zwischen den Partnern), was den realen Ergebnissen des PAET nicht gerecht wurde. Die Zusammenarbeit lief noch einige Zeit unterkühlt weiter, bis sie dann schließlich aufgrund der Ablehnung des Projektes und eines weiteren Konfliktes in einem Projekt über Ressourcenschutz in Porto de Moz (Rio Xingu) zum Stillstand kam.

Das MPST gab sich schließlich gegen Ende des Jahres 1999 eine neue Struktur. Die Vertretung der Bauern wird nun, wie in anderen Regionen auch, von der FETAGRI wahrgenommen, wobei Führungspersönlichkeiten des MPST auf diese Positionen rückten. Die Stiftung Leben, Produzieren, Bewahren (FVPP - Fundação Viver, Produzir, Preservar) übernahm die Aufgaben einer Ent­wicklungs­organisation und ist nun für die Durchführung [Seite 132↓]von Projekten zuständig. Das MPST wurde in ein Forum der für die ländliche Entwicklung umgewandelt und änderte seinen Namen in Movimento pelo Desenvolvimento da Transamazônica e Xingu (MDTX). Neben der Aufwertung der Region des Rio Xingu veränderte sich auch das Ziel: es geht nun nicht mehr um das "Überleben", sondern um die "Entwicklung" - ein Zeichen des Erfolges?

4.2 Das Lumiar-Projekt: ein klientenorientierter Beratungsdienst

4.2.1 Das Konzept und die Struktur

Das Lumiar-Projekt entstand Anfang 1997 als Reaktion der Brasilianischen Bundesregierung auf den politischen Druck, der von den Forderungen und Aktionen der Landlosenbewegung (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra - MST) ausging und durch die weltweite Empörung über das am 17. April 1996 von der Militärpolizei veranstaltete Massaker an Landlosen in Eldorado (Bundesstaat Pará) verstärkt wurde. Das Projekt wurde mit dem MST und dem Nationalen Zusammenschluß der Arbeiter in der Landwirtschaft41 (Confederação Nacional dos Trabalhadores na Agricultura - CONTAG) verhandelt.42

Das Lumiar-Projekt war ein Eingeständnis der Bundesregierung, daß die Landwirtschaftliche Beratung in den Agrarreformgebieten unzureichend sei und damit die Investitionen in die anderen Komponenten, Landrechte, Infrastruktur (Straßen, Schulen, etc.) und Kreditprogramme unwirksam werden könnten. Es wurde als ein "Notprogramm" eingerichtet und durch das Programm der brasilianischen Bundesregierung "Brasilien in Aktion" finanziert, wobei das Nationale Institut für Kolonisierung und Agrarreform INCRA für die Mittelbereitstellung sowie die Regelung und Überwachung der Aktivitäten verantwortlich war, obwohl die landwirtschaftliche Beratung niemals zu seinen Aufgaben gehörte. Das Projekt war nur für eine Übergangsperiode konzipiert43 und sah unter anderem vor, die Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Beratungsinstitutionen in Brasilien anzuregen, um schrittweise die Notwendigkeit der Aktion von INCRA in diesem Bereich zu verringern (INCRA 1997,6; 16). Das Lumiar-Projekt konnte somit Kern eines neuen Beratungsdienstes werden.

Das Ziel des Lumiar-Projektes war, die Ansiedlungsgebiete der Agrarreform zu funktionsfähigen, strukturierten Produktionseinheiten zu entwickeln, sie konkurrenzfähig in den Produktionsprozeß einzubeziehen, auf den Markt auszurichten und in die munizipale und regionale Ent­wicklungs­dynamik zu integrieren. Um dies zu erreichen, sollte Lumiar die technische Beratung für Organisation, Produktion und Vermarktung durchführen und einen [Seite 133↓]gemeinsamen Lernprozeß der Siedler­gemeinschaften zu nachhaltiger Entwicklung und Verbesserung der Lebensqualität initiieren (INCRA 1997,4).

Die Idee war, daß die Ansiedler (Bauern in den Agrarreformgebieten) die landwirtschaftliche Beratung unter Vertrag nahmen und INCRA die Bezahlung übernahm, sofern die Bauern die Qualität der Dienstleistung durch die monatliche Unterschrift ihrer Repräsentanten bestätigten. Das Lumiar-Projekt sollte die landwirtschaftliche Beratung nicht nur hinsichtlich quantitativer Kriterien, sondern auch in ihrer Qualität verbessern und auf die nachhaltige Entwicklung der Ansiedlungs­gebiete auszurichten. Dabei sollten "... die traditionellen Methoden der Beratung (extensão rural) vermieden werden, die sich vor allem auf die technisch-produktiven Aspekte des Pflanzenbaus und der Tierhaltung konzentrieren" (INCRA 1997,37), und "ein konstruktivistischer Erziehungsprozeß" ausgelöst werden (Moreira 1997,166).

Auf nationaler Ebene wurde das Projekt von einer Nationalen Kommission Procera44 / Lumiar geleitet, während innerhalb von INCRA die Direktion der Ansiedlungsgebiete (Diretoria de Assentamento) in Brasília zusammen mit der Nationalen Koordination des Lumiar-Projektes verantwortlich für die Durchführung war. Auf der Ebene der einzelnen Bundesstaaten war eine Staatliche Kommission Procera / Lumiar (Comissão Estadual Procera / Lumiar - CEPRO) das Entscheidungsorgan, deren Vorsitz vom Chef der Abteilung der Ansiedlungsgebiete (Divisão de Assentamento) von INCRA übernommen wurde. Die CEPRO war zusammengesetzt aus Repräsentanten des Agrarministeriums des Bundesstaates (Secretaria Estadual de Agricultura - SAGRI), den für die ländlichen Kreditprogramme zuständigen Banken (Banco da Amazônia S.A., Banco do Brasil) und den Organisationen der Bauern (FETAGRI, die auch die Ansiedler vertrat) und traf ihre Entscheidungen mit 2 Stimmen der Behörden, 2 Stimmen der Banken und 2 Stimmen der Bauernorganisationen. Die CEPRO wurde von einer Equipe von Supervisoren beraten.

Die Auswahl der Berater45 erfolgte auf Vorschlag der Bauern (FETAGRI, MST, STRs, Assoziationen) oder der Institutionen mit Verbindung zur Agrarreform (Universitäten, INCRA, staatliche Beratungsdienste), und wurde von der Supervisionsequipe in drei Schritten durchgeführt: Analyse des Lebenslaufs, Interview und Bewertung der Leistung während eines 10-tägigen Trainings, das die Vorbereitung der Berater durch die Erarbeitung einer Diagnose (vgl. Kap. 3.3.2) in einem für die Einrichtung von Lumiar vorgesehenen Ansiedlungsgebiete.

Die Beratung erfolgte durch interdisziplinäre, lokale Equipen von Beratern. Eine Lokalequipe war für die Beratung in einem bestimmten Gebiet zuständig (z.B. die Ansiedlungsgebiete eines Munizips) und setzte sich normalerweise aus 4 Fachkräften zusammen (Standardequipe), zwei Beratern mit mittlerer Bildung (vorzugsweise Agrartechniker) und zwei Beratern mit Universitätsausbildung, davon einer (z.B. Soziologe oder Sozialarbeiter) bevorzugt zur Unter­stützung der Organisation (der Gemeinschaft, der Vermarktung, der gemeinschaftlichen Verwaltung von Maschinen, etc.) und der andere mit Schwerpunkt in der Landwirtschaft (z.B. Agraringenieur). Diese Equipe sollte 300 Familien beraten (INCRA 1997,9). Die Equipen konnten die Hilfe von Spezialisten in Kurzeinsätzen beantragen.

Die Arbeit der lokalen Equipen wurde durch eine Trägerinstitution angeboten, die eine Arbeitskooperative der Lumiar-Berater oder eine andere Institution (öffentliches [Seite 134↓]Unternehmen, NRO, etc.) sein konnte, wobei die Berater Mitglieder einer selbstverwalteten Kooperative oder Angestellte sein konnten.

Kasten 15 : Träger des Beratungsdienstes

Im Amtsgebiet der Regionalen Superintendenz von Belém SR (01)46 waren folgende Träger unter Vertrag genommen:

FANEP (Fundação Sócio-Ambiental do Nordeste Paraense): eine NRO der Sozialen Bewegungen mit enger Verbindung zur FETAGRI, im Nordosten von Pará,

COODERSUS (Cooperativa de Prestação de Serviços em Apoio ao Desenvolvimento Rural Sustentável): eine Kooperative von Lumiar-Beratern in der Region der Bundesstraße Belém - Brasília,

COODESTAG (Cooperativa de Desenvolvimento Sustentável, Técnico e Social da Agricultura): eine Kooperative von Lumiar-Beratern an der Transamazônica;

POEMAR: eine NRO, die mit POEMA (Programa Pobreza e Meio Ambiente), einem Programm an der UFPA, verbunden ist;

UNIAGRO (Cooperativa de Trabalho dos Engenheiros Agrônomos do Pará Ltda): gegründet von Beratern der EMATER, um auf die mögliche Privatisierung des staatlichen Beratungsdienstes vorbereitet zu sein.

Im ersten Jahr war die CEPLAC (Comissão Executiva do Plano da Lavoura Cacaueira) Träger an der Transamazônica. Dieses Bundesinstitut für Kakaoforschung mit Sitz in Itabuna, dem Zentrum des Kakaoanbaus im Süden des Bundesstaates Bahia, führt außer der Forschung Beratung (Extensão, Verbreitung) und Ausbildung (Formação) durch. Es ist eines der letzten produktorientierten Institute, die früher eine erhebliche Bedeutung für die Exportproduktion hatten.

Auch die FASE (Federação de Orgãos para Assistência Social e Educacional), eine der größten und ältesten NROs Brasiliens, mit Sitz in Rio de Janeiro, war im ersten Jahr Träger, bis sie im Rahmen einer Reorganisation ihre Präsenz im ländlichen Raum von Pará reduzierte und das Projekt an die FANEP übergab.

Das MPST wurde trotz seiner Bewerbung nicht berücksichtigt.

Die staatlichen Beratungsdienste wurden nicht eingeladen, ihre Dienste im Rahmen des Projektes anzubieten. Sie konnten sich lediglich als Träger in das Projekt integrieren und Fachkräfte mit Zeitverträgen einstellen, jedoch nicht ihre staatlichen Berater anbieten. Von dieser Möglichkeit machten beispielsweise die CEPLAC in Pará sowie die EMATER des Bundesstaates Minas Gerais Gebrauch. Dies unterstrich den Eindruck, daß die Regierung vom Scheitern dieser Dienste ausging und neue Strukturen schaffen wollte. Es blieb jedoch auch Raum für die Interpretation, daß es nur um eine kurzfristige Reaktion in den Gebieten mit dem größten politischen Druck ging, wozu die Lösung, einen Dienst ohne längerfristige Stabilität flexibel anbieten zu können, besser geeignet war als eine "Revitalisierung" der staatlichen Dienste.


[Seite 135↓]

Der Ansatz sah die Supervisionsequipen als das wichtigste Leitungselement des Lumiar-Projektes an (INCRA 1997,10; INCRA 1998,25). Sie setzten sich aus externen Supervisoren, die von den Universitäten oder den Bauernorganisationen vorgeschlagen wurden, und internen Supervisoren, Mitarbeitern von INCRA, zusammen. Die externen Supervisoren begleiteten 2 Lokalequipen (also insgesamt 8 Berater), während die internen Supervisoren für 4 Equipen verantwortlich waren und daher mit 2 externen Supervisoren zusammenarbeiteten. Die Supervisoren wählten die Berater aus und waren für deren Training, Anleitung, Begleitung und Evaluierung zuständig. Ihre Aufgabe war auch die Evaluierung der Leistung der Kurzzeitexperten. Darüber hinaus erstellten sie technische Gutachten für die Abteilung der Ansiedlungsgebiete von INCRA und die CEPRO, die Entscheidungsträger auf der Ebene des einzelnen Bundesstaates.

Das Projekt hatte einen partizipativen Ansatz und bot einen klientenorientierten Dienst an, wobei erstmalig für einen Beratungsdienst in Brasilien die Bauernorganisationen auf lokaler, staatlicher und nationaler Ebene als wesentliche Elemente der Projektdurchführung anerkannt und offiziell in das Konzept eingebunden waren.

4.2.2 Die Praxis im Feld

Ansiedlungsprojekte können in Pará Gebiete mit einer Bevölkerung sein, die schon 50 Jahre auf ihrer Betriebsfläche wohnt, oder Gebiete, die erst kürzlich besetzt wurden. Die Felderfahrung dieser Fallstudie basiert im wesentlichen auf der Arbeit in drei Ansiedlungsprojekten an der Transamazônica, Surubim in Medicilândia (238.000 ha, 1.200 Familien, 6 Lumiar-Berater), Rio do Peixe in Uruará (30.000 ha, 340 Familien47, 4 Berater) und Rio Arataú in Pacajá (72.000 ha, Kapazität für 720 Familien, 4 Berater), die ab Mitte der 70er Jahre und zu Beginn der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts besetzt wurden. Surubim, das größte Gebiet, erstreckt sich über etwa 50 km parallel zur Transamazônica, von der es durch das offizielle Kolonisierungsgebiet getrennt ist, ein Band von etwa 15 km. Das Ansiedlungsprojekt ist in 12 Stichstraßen von mehr als 50 km Länge unterteilt, wobei die einzige Verbindung zwischen ihnen die Transamazônica ist. Die Berater mußten also bis zu 25 km auf der Transamazônica und weitere 15 km auf den schlechteren Stichstraßen zurücklegen, bis sie ihr Einsatzgebiet in einer mittleren Entfernung von 38 km von der Stadt erreichten.48

Das Lumiar-Projekt wurde als "Dezentralisierung in zentralisierter Form" (Oliveira, M.M. 1997,51)49 implementiert, lediglich auf nationaler Ebene mit den Bauernorganisationen aus­ge­handelt, so daß die Ansiedler davon keine Kenntnis hatten und nicht auf das Vorhaben vorbereitet waren. Trotz des enormen Fortschritts, den die Verhandlung des Lumiar-Projektes mit CONTAG und MST bedeutete, zeigte sich die Schwierigkeit der Kommunikation [Seite 136↓]zwischen den verschiedenen Ebenen der Organisationen der Bauern in einem Land von der Größe Brasiliens.

Die ersten Schritte des Lumiar-Projektes, die Auswahl der Ansiedlungsprojekte und der Assoziationen, geschah infolgedessen ohne Kontrolle durch die Organisationen.50 In drei der vier Munizipien an der Transamazônica traten in der Anfangsphase des Projektes aufgrund fehlender Berücksichtigung der Auswahlkriterien und infolge politischer Interessen erhebliche Probleme auf. Aufgrund der Überlastung der Repräsentanten der FETAGRI, deren wenige bezahlte Direktoren für eine nicht zu bewältigende Menge an Aufgaben zuständig waren51, kam es nicht zu der vorgesehenen Begleitung durch die Bauernorganisationen bei den Entscheidungen in der CEPRO und den Eignungsprüfungen der Ansiedlungsgebiete vor Ort.

Die Partizipation der Bauern über ihre Assoziationen bei der Ausführung des Projektes war ebenfalls komplex. Selbst die Arbeit mit Assoziationen, die mit dem STR verbunden waren und ähnliche politische Orientierung hatten, erforderte eine spezielle Aufmerksamkeit. In Medicilândia beispielsweise wurde bei der Implementierung des Lumiar-Projektes im August 1997 eine einzige Assoziation als Vertretung der Bauern des Ansiedlungsgebietes von INCRA anerkannt. Bei der feierlichen Vertragsunterzeichnung zur Aufnahme der Dienste der Lokalequipe des Surubim-Gebietes zeigten die Präsidenten zweier anderer bereits existierender Assoziationen deutlich ihre Unzufriedenheit mit dieser Bevorzugung. Die Organisation der Bauern nahm nach der Implementierung des Lumiar-Projektes signifikant zu. Ein Jahr später waren bereits 12 Organisationen innerhalb des Gebietes tätig, wobei es durch die Aufteilung in Stichstraßen kaum zu Gebietsüberschneidungen kam. Mehrere Versammlungen wurde auf Initiative des STR und des MPST durchgeführt, um zu einem gemeinsamen Vorgehen der Assoziationen bezüglich der Projektbegleitung zu gelangen. Das Lumiar-Projekt verpflichtete sich, im gesamten Ansiedlungsgebiet zu arbeiten und einen Arbeitsplan für alle Stichstraßen (etwa 1.200 Familien) zu erstellen.

Die Lumiar-Berater hatten in ihrer Mehrheit nur geringe Berufserfahrung. Einige der erfahreneren Berater hatten ihre Kenntnisse im Rahmen des Technologietransfers in der traditionellen Beratung (staatliche Dienste, Präfekturen) gewonnen. Einige wenige hatten an der Ausbildung des NEAF teilgenommen.52. Obwohl die Kenntnis der bäuerlichen Landwirtschaft ein wesentliches Auswahlkriterien war, brachten nur wenige Fachkräfte die nötige Ausbildung und Erfahrung für das Projekt mit.

Die erste Aufgabe der Lokalequipen war die Erarbeitung einer Diagnose der bäuerlichen Land­wirt­schaft, eines Entwicklungsplanes für das Ansiedlungsgebiet sowie die Abstimmung ihres Arbeits­planes mit den Bauern. Als Methode wurde die "Analyse und Diagnose von Agrarsystemen" (Garcia Filho 1999; Dufumier 1996) ausgewählt, wobei die Teilnahme eines Teils der Berater an einem 10-tägigen Trainingskurs in dieser Methode unter Leitung [Seite 137↓]von Marc Dufumier (INA-PG, Paris) im Rahmen des Abkommens FAO / INCRA sowie die Orientierung durch den externen Supervisor ausschlaggebend waren. Die Methode wurde mit Elementen des Kurses ITOG53 und der Partizipativen Kurzuntersuchung (PRA) angereichert. Die einzelnen Schritte waren: Analyse von Sekundärdaten, Landschaftsanalyse, historische Interviews, Zonierung, Charakterisisierung, ökonomische Analyse, Modellierung der Betriebssysteme, Marktstudie und Institutionenanalyse. Das Ergebnis war die Erstellung eines Entwicklungsplanes für das Ansiedlungsgebiet und die Erarbeitung von kurzfristigen Vorschlägen für die Entwicklung der bäuerlichen Landwirtschaft, die keine über die Vertragszeit des Lumiar-Projektes hinausgehende Erwartungen wecken sollten. In dieser Etappe befragten die Berater die Bauern, um Informationen zu sammeln, ihre Meinung zu hören und ihre Sichtweise kennenzulernen (Partizipation durch Rat, nach Pretty 1994; zitiert nach: Pretty & Volouhê 1997,49).

Während der Untersuchung wurden verschiedene Versammlungen mit Männern, Frauen und Jugendlichen durchgeführt und Vorschläge für jede Gruppe in dem Ansiedlungsgebiet diskutiert. Die Bauern wurden in die verschiedenen Typen, die bei der Diagnose identifiziert wurden, unterteilt, um differenzierte, an ihre Kapazität angepaßte Vorschläge zu erarbeiten. Eine Mehrheit ordnete sich zunächst in die Kategorie der "Kapitallosen" ein, da sie sich so höhere Chancen für die Gewährung einer Finanzierung versprachen. Die Equipe von Medicilândia, die als erste eingestellt worden war und daher eine Pilotfunktion hatte, verzichtete darauf, die von ihr erarbeitete Diagnose und ihre eigenen Fachkenntnisse in die Diskussion einzubringen und akzeptierte einfach eine "Vorschlagsliste" der Ansiedler für die Nutzung der erwarteten Kreditprojekte. Die schriftliche Erstellung der Diagnose verzögerte sich erheblich, da die Berater nicht gelernt hatten, Berichte zu schreiben, und weil sie die Arbeit im Feld bevorzugten. Es kam soweit, daß einige der Supervisoren die Berichte und Tabellen für die Berater erstellten, um innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens zu bleiben.54

Einer der problematischsten Punkte der alltäglichen Arbeit der Equipen war die Vermischung der Kontrolle der Bauern im Rahmen der Kreditprojekte mit der Beratungstätigkeit. Dies führte zu Schwierigkeiten beim Aufbau einer Vertrauensbeziehung und erforderte von den Beratern erhebliches Fingerspitzengefühl. Das Volumen der auf dem Spiel stehenden Mittel und das Fehlen einer rigiden externen Kontrolle erzeugt eine "Kultur der Unregelmäßigkeit", in die zahlreiche Akteure im ländlichen Raum verwickelt sind55. Die Bereitstellung der Infrastruktur (Hausbau; Straßenbau; etc.) bezieht ebenfalls erhebliche Mittel ein. Selbst wenn diese Praktiken im Detail bekannt waren, konnte das Lumiar-Projekt sie nicht denunzieren, ohne seine eigene Arbeit zu gefährden. Es war vielmehr Aufgabe der Bauernorganisationen und der offiziellen Institutionen (INCRA, Banken, Regierung) diese Praktiken zu unterbinden (was nicht ungefährlich ist; siehe Kontext). Es blieb die Herausforderung, zu gewährleisten, [Seite 138↓]daß die Lumiar-Berater sich nicht ebenfalls beteiligten, obwohl sie bereits eindeutige Angebote erhielten.

4.2.3 Die Qualitätssicherung

Anstatt eine hierarchische Struktur zu schaffen, um die Arbeit der Berater zu kontrollieren, setzte das Lumiar-Projekt auf die kombinierte Evaluierung von der Angebotsseite und der Nachfrageseite, das heißt einerseits durch die Supervisoren, zusammen mit der Abteilung der Ansiedlungsgebiete von INCRA und der CEPRO, und andererseits durch die Bauern und ihre Organisationen.

In der analysierten Erfahrung, hatten die externen Supervisoren eine spezielle Rolle, da sie sich durch eine gewisse Unabhängigkeit von institutionellen und politischen Interessen auszeichneten, andere methodologische Erfahrungen einbrachten und zum Teil an Aktivitäten beteiligt waren (Forschung, Lehre), die wiederum die Lumiar-Aktivitäten bereicherten. Die internen Supervisoren hatten vor allem die Aufgabe, die Aktivitäten des Lumiar-Projektes mit den Aktionen von INCRA zu vermitteln und die Institution zu repräsentieren. Da die Supervision nicht als eine zusätzliche Aufgabe verstanden wurde, die durch ein, selbst minimales zusätzliches Entgelt anerkannt wurde, hatte INCRA Schwierigkeiten, Mitarbeiter für diese Aufgabe zu gewinnen56. Die Aktivitäten des Projektsekretariats und der internen Supervision konzentrierten sich daher auf wenige Personen, die sich bemühten, die Arbeit der Lokalequipen zu begleiten. Diese Begleitung geschah normalerweise durch externe und interne Supervisoren zusammen, die auch zusammen an den Versammlungen der Supervisionsequipe teilnahmen.

Zu den Aufgaben der Supervisoren gehörte die methodische Anleitung, die Begleitung und die Evaluierung der Arbeit der Equipe, gleichzeitig hatten sie Kontroll- und Vorgesetztenfunktion. Das Verhältnis war kollegial, wobei die größere Erfahrung der Supervisoren respektiert wurde. Da die Ausbildung der Berater sowohl fachlich, als auch für die Beraterrolle denkbar schlecht war und weder die vorgesehene "kontinuierliche Weiterbildung", noch der Einsatz von Spezialisten realisiert werden konnten, lag die Hauptlast der Qualitätssicherung auf den Supervisoren. Die Anforderung an die Supervisoren war somit erheblich höher, als im Projektansatz vorgesehen; die Entfernungen und Transportbedingungen in Pará ließen den Aufwand ebenfalls anwachsen. Das Schwergewicht der Arbeit in der Untersuchungsregion lag auf methodischen Fragen: Durchführung der Diagnose, Gestaltung des Dialogs mit den Bauern, Planung der Aktivitäten, Orientierung bezüglich der Beratungsmethoden, Vorbereitung von Versammlungen, Vermeidung von politisch motivierten Störeingriffen, Verhalten bei Problemfällen des Agrarkredits, Begleitung der Arbeiten, Berichtswesen. Auch technische Fragen wie Bodenfruchtbarkeit, Erarbeitung technischer Referenz­daten für die Region sowie organisatorische Probleme wie Herstellung eines engen Kontaktes zur Forschung oder die spätere Gründung der Kooperativen der Berater. Es handelte sich um Aus­bildung im Dienst. Die Aufgaben gingen weit über die im T&V-Ansatz dem Spezialisten (Subject-Matter-Specialist) zugedachten Tätigkeiten, wie Ausbildung der Feldberater und Kontakt zur Wissenschaft hinaus. Die Supervisionsequipen waren zudem das Bindeglied zwischen den "Feldberatern" und der Koordinierungsstruktur.


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Ein wesentlicher Punkt war die Prozeßbegleitung, die als Beratung und coaching mit folgenden Beiträgen verstanden werden kann. Als Ressourcenperson sollte man etwas vom Thema der Be­ratung verstehen, um Ideen, Konzepte, Methoden, vergleichbare Erfahrungen und Vorstellung von der Vorgehensweise einbringen zu können. Als Fazilitator werden Denk- und Kommunikations­prozesse angeregt und die Menschen in ihrer Interaktion aufgewertet. Als Advocatus Diaboli werden Positionen und Visionen der Menschen, mit denen man arbeitet vertieft, indem Zweifel geäußert oder widersprüchliche Standpunkte vertreten werden. Als Wegbegleiter, "Mitstreiter" und Partner wird ein Minimum an Sicherheit und Strukturierung der Wegstrecke angeboten57 (Schwedersky et al. 1997,92). Ehret (1997,190) erwähnt unter anderem die Schaffung von Lernbereitschaft in der Organisation, Teamgeist, Austausch und Weitergabe von Erfahrungen auf den verschiedenen Ebenen.

Auf der Ebene des Bundesstaates war es möglich, in Zusammenarbeit zwischen der Abteilung für Ansiedlungsgebiete, der CEPRO und der Supervisionsequipe, die wesentlichen Aufgaben gemeinsam zu lösen. Der Aufbau des neuen Programmes benötigte erhebliche fachliche Unterstützung (Erarbeitung von Regelungen, Abläufen, Problemlösungen, Auswahlverfahren, Organisierung von Kursen, etc.), mit zahlreichen Sitzungen in Belém. Die Equipe entwickelte ein eigenes Kursprogramm für die Vorbereitung weiterer Berater, zusätzlicher Supervisoren und Mitarbeiter von INCRA, das sie mit insgesamt 45 Teilnehmer im November 1999 durchführte. In Pará kam es nicht zu gegensätzlichen Orientierungen der externen und internen Supervisoren oder einem Übermaß an Kontrollen der internen Supervisoren, was sich in einigen anderen Bundesstaaten sehr schädlich auf die Projektentwicklung auswirkte (MEPF/INCRA 1999). Da es sich bei den externen Supervisoren jedoch um eine Tätigkeit von offiziell nur 40 Stunden handelte58, wurde damit die gleichermaßen wichtige Feldphase beschnitten. Dies wog umso mehr, da die Entfernungen dieses Bundesstaates und die Schwierigkeiten des Transportes in einigen der Regionen die effektive Zeit vor Ort beschnitten, auch wenn der Enthusiasmus mancher Supervisoren zu einem gewissen Ausgleich in Form von Mehrarbeit führte, was jedoch keineswegs für eine nachhaltige Realisierung der Projektidee vorausgesetzt werden kann. So kam in Einzelfällen es zu Problemen infolge der geringen Präsenz der Supervision, unter anderem mußte eine Equipe an der Transamazônica in ein anderes Munizip verlegt werden.59

Ein landwirtschaftlicher Beratungsdienst ohne eigene Qualifikations- und Unterstützungsstruktur muß einige spezielle Problemen lösen. Was kann er überhaupt anbieten, wo findet er seine Inhalte und Methoden. Die CEPLAC gab anfangs eine gewisse Unterstützung. Die Kooperativenstruktur ist ein Rahmen, um das gemeinsame Vorgehen zu diskutieren, bietet aber wenig Möglichkeiten, mit Sanktionen bei Verletzung der Spielregeln zu drohen, beispielsweise wenn die Berater nicht in genügender Form ihrer Arbeit nachgehen. [Seite 140↓]Regelmäßige Arbeitssitzungen, interne Seminare und Weiterbildungsprogramme sind erforderlich. Die Supervision mußte häufig die jeweilige Koordination der Equipen unterstützen. Eine gewachsene NRO bietet sicher einige Vorteile in dieser Hinsicht, hat aber häufig auch eine sehr hierarchische Struktur (vgl. Ehret 1997,222-235).

Die Qualität der Supervision hing von der Auswahl der Supervisoren, ihrer Unabhängigkeit im Verhältnis zu dem Träger in ihrem Einsatzgebiet, der verfügbaren und erforderlichen Arbeitszeit und der Verpflichtung mit dem Projektansatz und der bäuerlichen Landwirtschaft ab. Echenique (1998,38) hält den Vorschlag der Supervision für geeignet, weist aber auf ähnliche Problempunkte hin. M.M. Oliveira (1997,28) bezweifelt jedoch, daß INCRA geeignete Kräfte zur Verfügung stellen könne. Wesentlich war jedoch das Funktionieren der Supervisionsequipe, selbst wenn einige der Supervisoren nicht alle Anforderungen erfüllten. Eine intensivere Betreuung wäre sicher vorteilhafter gewesen, um die Ausbildung während der Arbeit, die Prozeßbegleitung und den Aufbau eines effektiven Monitoring- und Evaluierungssystems zu erreichen. Eine naheliegende Lösung wäre die Vollzeittätigkeit als Supervisor gewesen. Dies wurde erst in Erwägung gezogen, als Probleme mit externen Supervisoren auftraten, die nicht ihre Aufgaben erfüllten. Es wäre jedoch nicht leicht gewesen, geeignete Personen mit diesem Anforderungsprofil und der verfügbaren Zeit zu finden. Mangel an qualifiziertem Personal für den Beratungsbereich stellte bereits Albrecht (1992b,132) in Bezug auf die Spezialisten im T&V-Ansatz fest und Bauer (1996,193-196). Eine Kombination der externen Supervisoren mit starken Regionalkoordinatoren vor Ort hätte ein Ausweg sein können.

Die Supervisionsequipe war zwar in der Lage, zusammen mit den übrigen Beteiligten das Lumiar-Projekt erfolgreich zu implementieren und auch kritische Situationen zu lösen. Es fehlte aber eine offene Debatte über die in den von ihnen betreuten Gebieten angewandten Methoden, die dort aufgetretenen Probleme und die mit den jeweiligen Beraterequipen erreichten Ergebnisse. Konkurrenz zwischen den (externen) Supervisoren und Angst vor Einmischung in den eigenen Arbeitsbereich waren die Motive. Trotz gemeinsamer Prinzipien des Lumiar-Projektes, existierten in der Praxis vier hinsichtlich der methodischen Ausrichtung unterschiedliche Projekte im Rahmen der Superintendenz (SR 01).60 Anstatt ihm eine einzige Handlungslinie aufzuzwingen, wurde die Vielfalt des Projektes gefördert und unterschiedliche Erfahrungen gewonnen

4.2.4 Evaluierungen und Veränderungen

Es gab keine gründliche Evaluierung des Lumiar-Projektes, weniger noch eine Debatte über die Erfahrungen mit Repräsentanten von Ansiedlern, ihren Organisationen, Beratern, Supervisoren und INCRA. Eine Evaluierung, die etwas mehr als ein Jahr nach der Umsetzung des Projektes (im November 1998) in acht Bundesstaaten durchgeführt wurde, darunter auch Pará, kam zu folgenden wesentlichen Ergebnissen (MEPF/INCRA 1999,35-39). Das Projekt verstärkte die Organisation der Ansiedler, die die Bedeutung des Dienstes einmütig bestätigten. Die Supervisionsequipe ist das wichtigste Instrument für die Qualitätssicherung des Projektes und die methodische Anleitung der Berater - falls sie funktioniert. In einigen Staaten erfüllten die externen Supervision jedoch nicht ihre Aufgaben und geringe Anwesenheit im Projekt führte zu Problemen. Das Projekt müsse besser an die Bedingungen [Seite 141↓]des Nordens und Nordostens Brasiliens angepaßt werden. Ein stabilerer Zeithorizont für die Dauer des Projektes sei erforderlich. Der Ansatz wurde hinsichtlich der Partizipation, seiner Pluralität, Diversität und Dezentralität bestätigt. Kritik wurde an der Art geübt, mit der große soziale Bewegungen61 das Projekt absorbieren und kontrollieren, die nicht funktional sei und von der Idee der Partizipation, Pluralität, Diversität und Dezentralität abweiche. Die Evaluierung befürwortete das Lumiar-Projekt, auch wenn Schwachpunkte festgestellt werden.

Eine Bewertung seitens der Direktion der Ansiedlungsgebiete auf einem Workshop in Brasília, bei der auch diese Evaluierung diskutiert wurde, zog den Schluß, daß die Ernennung speziell der externen Supervisoren das zentrale Problem des Projektes sei: fehlende Verpflichtung, die Ernennung aus politischen Gründen, unzureichende Arbeitszeit sowie fehlende Interaktion zwischen externen und internen Supervisoren.62 Der Direktor der Ansiedlungsgebiete von INCRA in Brasília stellte klar (CNASI 1999,72): "Wir haben ernsthafteste Probleme mit den externen Supervisoren. Es gibt viele Personen, die verdienen, ohne absolut nichts im Lumiar-Projekt zu tun. Nur daß diese unter Vertrag genommenen Typen von den Universitäten sind, es sind unsere lieben Kollegen und wir werden nicht ..." darüber mit ihnen diskutieren. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sahen vor, die Qualität des Dienstes durch eine verringerte Zahl von Supervisoren mit erhöhter Arbeitszeit zu verbessern. Die engagierten Supervisoren argumentierten, daß diese Maßnahme die Supervisoren aus den Universitäten63 unabhängig von ihrer Leistung ausschließe, da die Universitäten wohl kaum eine Arbeitszeit von 80 Stunden pro Monat für das Lumiar-Projekt akzeptieren würden. Die Befürchtung, daß die vorgeschlagenen Maßnahmen kaum geeignet waren, die aufgedeckten Defizite zu beseitigen, sondern allein dem Zweck dienten, die Kosten des Projektes zu reduzieren, und damit die Vorteile einer Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Institutionen der Agrarreform ohne eine wirkliche Korrektur der Probleme aufgegeben würden, sowie die Frage, welche Fachkräfte die Supervisoren, die sich seit Beginn des Projektes mit Enthusiasmus eingesetzt hatten, ersetzen sollten, beschäftigten die an der Weiterentwicklung des Lumiar-Projektes interessierten Akteure.

Es wurden von INCRA64 bessere Kriterien für die Auswahl der externen Supervisoren definiert und die Evaluierung ihrer Leistung gefordert. Dazu hätten aber die zuständigen Gremien von INCRA, die CEPRO und die Supervisionsequipe die Verantwortung übernehmen müssen, den Vertrag derjenigen Kollegen zu kündigen, deren Arbeit nicht den Anforderungen entsprach. Auf seiten der Bauern, die mehrheitlich niemals eine effiziente Beratung kennengelernt hatten, fehlten noch geeignete Kriterien und Mechanismen der Evaluierung. Wo vorher nichts existierte, war jede Arbeit zunächst willkommen. Die frühere Beziehung zu staatlichen Beratern, die sich keiner Evaluierung durch die Bauern stellen mußten, hatte ebenfalls noch ihre Wirkungen. Die Bauern­organisationen beurteilten das Projekt positiv und machten zunehmend von ihren Ein­fluß­möglich­keiten Gebrauch.

Ehe jedoch erste Ergebnisse der Projektaktivitäten vorliegen konnten, machte die Bundesregierung eine unerwartete Kehrtwendung in Bezug auf das Lumiar-Projekt und ließ [Seite 142↓]anderthalb Jahre nach den ersten Einstellungen die Zukunft des Projektes im Ungewissen.65 Die vorgesehenen Neueinstellungn im Rahmen der Superintendenz SR(01) wurden unmittelbar nach der Durchführung eines Einführungskurses durch die Equipe der Supervisoren für die Vorbereitung von mehr als 40 weiteren Beratern und 3 neuen Supervisoren im November 1998 unterbrochen, so daß diese Investition verloren war. Die Kreditlinie Procera wurde zeitweise eingestellt.66 Es kam mehrfach zu empfindlichen Verspätungen in der Mittelüberweisung an die Trägerinstitutionen und die Haushaltsprobleme von INCRA erschwerten die Aktivitäten der Supervision. Die Bezahlung der externen Supervisoren verzögerte sich mehr als acht Monate, ohne Garantie über spätere Erstattung. Die vorgesehene "kontinuierliche Ausbildung" der Berater und die Einstellung von Spezialisten fand praktisch nicht statt, vor allem aufgrund der Tatsache, daß die Entscheidung über diese Aktivitäten von der Nationalen Koordination des Projektes getroffen wurden.67 Schließlich wurde der vorgesehene Haushalt empfindlich gekürzt, was jedoch nicht nur auf die Instabilität des Finanzwesens auf Weltniveau Ende 1998 und Anfang 1999 zurückzuführen war.68

Die Zunahme der Probleme bestätigten die Befürchtung, daß sich die Bundesregierung von dem Projekt zurückziehen werde. Noch überraschender als seine Implementation wurde dann die Auflösung des Lumiar-Projektes (am 18.06.00) ohne vorherige Information der Beteiligten während einer Konfrontation zwischen Bundesregierung und MST beschlossen. Diese Maßnahme wurde vor dem Hintergrund verschiedener Konflikte getroffen, war jedoch auch Folge einer Veränderung der Bundespolitik hinsichtlich der bäuerlichen Landwirtschaft. Bis zur Redaktion dieser Arbeit (Februar 2002) wurde jedoch keine Entscheidung über die Zukunft der Landwirtschaftlichen Beratung getroffen, sondern die Erwartung durch immer neue "vorläufige" Diskussionspapiere am Leben gehalten. Eine zukünftige Lösung dürfte eher der Situation nach der Auflösung des Lumiar-Projektes ähneln, als der komplexen Struktur, die das Projekt während seines Funktionierens kennzeichnete. Diese Thematik und einige der Hintergründe werden im Kapitel 5.4 behandelt.


Fußnoten und Endnoten

1 Da es in dieser Arbeit im wesentlichen um die Beziehungen und Interaktionen zwischen den Akteuren ging, war die für die Fallstudien angewandte Forschungsmethode von einer Kombination verschiedener Ansätze ge­kennzeichnet (siehe Kap. 2.2). Der teilnehmenden Beobachtung, ergänzt um Elemente der Ethnographie sowie der Aktionsforschung, kam eine zentrale Rolle bei der Untersuchung zu. Weiter wurde die Triangulation mit der Auswertung von Texten (auch gemeinsamer Berichte) und zusätzlichen Befragungen angewandt.

2 Dokument: MPST 1991: Projeto global de desenvolvimento da região da Transamazônica, trecho Repartimento - Rurópolis. Altamira, 32p.

3 Die EMBRAPA-CPATU in Belém ist die größte Einheit der EMBRAPA im nationalen Vergleich. Ihr offizieller Name ist immer noch Centro de Pesquisa Agropecuária do Trópico Úmido, obwohl es zunächst seinen Namen informell in Centro de Pesquisa Agroflorestal da Amazônia Oriental und später in Embrapa Amazônia Oriental umgewandelt hatte. Ursprünglich sollte auch das Centre de Coopération Internationale en Recherche Agronomique pour le Développement, Montpellier (CIRAD) Partner des LAET sein, was sich jedoch in der Praxis nicht realisierte.

4 Die Begriffe intensive oder extensive Landwirtschaft beziehen sich auf eine Kombination einer Menge von Ressourcen, zum Beispiel Arbeitskraft oder Betriebsmittel, mit einer bestimmten Anbaufläche. So wird eine geringe Fläche, kombiniert mit einer großen Menge anderer Ressourcen, als intensive Kultur angesehen, während eine große Fläche, kombiniert mit einer geringen Menge anderer Ressourcen, eine extensive Kultur ist (Ellis 1993,205-206; Dufumier 1996,339).

5 Unter Mechanisierung wird hier die Nutzung von Zugtieranspannung oder Traktor (Motomechanisierung) für die Bodenbearbeitung verstanden.

6 Seminar "Agroökologische Forschung in der Region der Transamazônica" im August 1993 in Altamira; Teil­nahme 79 Personen, davon 41 Bauern und 35 Vertreter von Forschung, Beratung und anderer Institutionen. Nur 2 Bauern gaben keine Organisationszugehörigkeit an. Dokument: LAET; MPST. 1993: Relatório do seminário "pesquisa agro-ambiental na região da Transamazônica", 26, 27, 28 de agosto de 1993. Altamira. 44p.

7 Zusätzlich: Brandão, G. (Agrarreferent des Munizips Altamira): Persönliche Mitteilung (1994).

8 Die fruchtbaren Böden mit Terra Roxa machen nur maximal 8% der kolonisierten Flächen entlang der Trans­amazônica aus.

9 Dieser Begriff berücksichtigt, daß die "Fruchtbarkeit" nicht nur eine Funktion der physischen, chemischen und biologischen Eigenschaften des Bodens ist. Sie hängt auch von dem "Speicher" an Wald (Primär- oder Sekundär­wald), der in der Brachewirtschaft durch Abbrennen genutzt wird, vom Unkrautdruck und der Menge an Laub auf dem Boden ab (zu dem Begriff Umweltfruchtbarkeit vgl. Veiga 1999,176; auf die Problematik des Begriffs "Unkraut", auch Spontanvegetation oder Beikraut genannt, wird hier nicht weiter eingegangen). Dennoch wird im weiteren vor allem der bekanntere Begriff der Bodenfruchtbarkeit gebraucht, wenn nicht speziell auf diese Zusammenhänge hingewiesen werden soll..

10 Ausführliche Diskussion in Schmitz et al. (1991).

11 Die Problematik des Rotationsfaktors (vgl. Ruthenberg 1980; Ruthenberg & Andrea 1982; Pingali et al. 1987; Schmitz et al. 1991; Schmitz et al. 1996) in den spezifischen Bedingungen der Amazonasregion wird in einer anderen Arbeit behandelt.

12  Campos sind waldfreie Flächen, die früher auch eine wichtige Rolle als Weide für den Transport mit Lasttieren gespielt haben.

13 Bevölkerungsdichte, Verfügbarkeit von Primär- und Sekundärwald, Preise für Produkte und Betriebsmittel, Betriebsfläche, Bedeutung der einjährigen Kulturen, Entfernung zur nächsten größeren Stadt, etc.

14 Dokument: Bericht über das Seminar in Altamira. LAET, 1994.

15 Dokument: Simões, A.; Flohic, A. 1994: Relatório da missão ao Pacajá no período de 29/08 a 02/09/94. LAET, Altamira. 6p.

16 Dokument: Simões, A. 1994: Bericht über das Treffen mit an der Mechanisierung interessierten Bauern in Anapu. LAET, Altamira.

17 Associação dos Pequenos Produtores de Uruará (APRUR, Assoziation der Kleinproduzenten von Uruará).

18 Assistenzialismus bedeutet in Lateinamerika eine Politik finanzieller und sozialer Hilfe, die die Symptome, aber nicht die Ursachen gesellschaftlicher Übel bekämpft, und die Klientelnetze vor allem für die Schaffung einer politischen Basis aufbaut (Freire 1977:21).

19 Dokument: Schmitz, H.; Simões, A.; Martinez, G.B. 1995: Pesquisa-ação intensificação da agricultura em Uruará: Relatório do Treinamento dos agricultores nos dias 16-19/10/95. LAET, Altamira. 13p.

20 Die Fundação de Desenvolvimento Sustentável de Uruará (FUNDASUR - Stiftung zur nachhaltigen Entwicklung von Uruará) vereinigte die wichtigsten Akteure auf munizipaler Ebene: katholische Kirche, CPT, EMBRAPA, EMATER, CEPLAC, MPST e STR.

21 Dokument: LAET et al. 1996: Termo de compromisso sobre a pesquisa-ação intensificação do sistema de produção através do uso da tração animal e do manejo da fertilidade do solo na região da Transamazônica, município de Uruará. Altamira, Belém. 9p.

22 Dokument: Maia, C. 1996: Encontro de avaliação da pesquisa sobre tração animal. LAET, Altamira. 36p.

23 Mit "maracutaia" ist Betrug, Schwindel, Unehrlichkeit, Hinterziehung gemeint.

24 Kleinprojektefond (KPF) der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).

25 Die Hauptaufgabe der Forscher war, Lehrveranstaltungen an der UFPA, an der sie angestellt waren, durch­zu­führen. Dies schloß die Vorbereitung eines Ausbildungsganges für Agrarwissenschaft (Licenciatura Plena em Ciências Agrárias) in Altamira ein mit der Perspektive, auch Söhne und Töchter von Bauern auszubilden, zum Beispiel von zwei Teilnehmern der Aktionsforschung. LAET und MPST engagierten sich zu diesem Zeitpunkt, Kurse für die Vorbereitung von Interessenten aus dem ländlichen Raum zu organisieren, darunter ein Sohn und eine Tochter der Teilnehmer, damit sie die Eintrittshürden in Konkurrenz zu mittelständischen Jugendlichen aus der Stadt Altamira bestehen könnten. Dies war den Teilnehmern bekannt, was den Charakter der Gerüchte zeigt.

26 Dokument: LAET 1997: Contrato de transferência de bens. Proposta, 11.07.97. 2p.

27 Das gilt vor allem für den Pfeffer und die Weiden, nicht jedoch für den Kakao.

28 Christian Castellanet (GRET) spielte eine wesentliche Rolle bei der Gründung des LAET, war von 1995 bis 1997 Koordinator und arbeitete als Gastprofessor an den Lehrgängen des NEAF/CAP/UFPA mit. Als Kollegen haben wir verschiedene gemeinsame Aktivitäten (Lehre, Ausbildung, Veröffentlichungen) durchgeführt.

29 Dokument: LAET; MPST 1993:. Relatório do seminário "pesquisa agro-ambiental na região da Transamazônica", 26, 27, 28 de agosto de 1993. Altamira. 44p.

30 Dokument: Programação do trabalho do LAET depois do seminário, 30-31 de agosto de 1993. 6p.

31 Dokument: Convênio entre MPST e LAET, 31 de agosto de 1993. 2p.

32 Dokument: LAET 1993:. Programa agro-écológico da Transamazônica. Altamira. 8p.

33 Dokument: II seminário estratégico do PAET. 4 a 6 de nov. de 1994. LAET:Altamira, 1994. 14p.

34 Dokument: Atas do Segundo Encontro Regional do PAET, 7-9 de dezembro de 1994. 52p.

35 Dokument: III seminário estratégico do PAET. 29 a 31 de ago. de 1995. LAET:Altamira, 1994.

36 Dokument: Celestino Filho 1996: V Encontro de Planejamento Estratégico do PAET, 11-13 de dezembro de 1996. LAET, Altamira. 32p.

37 Einige Monate vorher hatte sich die Zusammensetzung der Leitung des MPST verändert, da zwei Direktoren wegen ihrer Kandidatur bei den Kommunalwahlen ausgeschieden waren, wodurch sich eine mehr ent­wicklungs­orientierte Linie durchsetzte und sich die Zusammenarbeit zwischen MPST und LAET verbesserte.

38 Dokument: Seminário de Crédito, Brasil Novo, 28.-30.11.96.

39 Dokument: Relatório da reunião LAET/MPST sobre as propostas de convênio. 21 de agosto 1998. LAET, Altamira, 1998. 9p.

40 Dokument: MPST. Proposta de ações para a parceria entre MPST/LAET. Altamira, o.D. 5p.

41 Arbeiter in der Landwirtschaft können Bauern sein, die einen offiziellen Landtitel haben, ein Stück Land besetzt haben und bestellen, Pächter, Landarbeiter (Tagelöhner) sein, sind aber im Kontext dieser Arbeit in der Mehrzahl Bauern.

42 Da es in dieser Arbeit im wesentlichen um die Beziehungen und Interaktionen zwischen den Akteuren ging, war die für die Fallstudien angewandte Forschungsmethode von einer Kombination verschiedener Ansätze gekennzeichnet (siehe Kap. 2.2). Der teilnehmenden Beobachtung, ergänzt um Elemente der Ethnographie sowie der Aktionsforschung, kam eine zentrale Rolle bei der Untersuchung zu. Weiter wurde die Triangulation mit der Auswertung von Texten (auch gemeinsamer Berichte) und zusätzlichen Befragungen angewandt.

43 Die Dauer des Projektes wurde jedoch nicht zeitlich festgelegt.

44 Procera (Programa de Crédito Especial para a Reforma Agrária) ist eine günstige Kreditlinie für die Ansiedlungsprogramme.

45 Es handelte sich um verschedene Berufsgruppen, wie Agraringenieure, Agrartechniker, Soziologen, etc.

46 Das Amtsgebiet der Regionalen Superintendenz SR (01) von INCRA in Belém umfaßt den gesamten Bundesstaat Pará mit Ausnahme des Südens von Pará. Diese Region, zu der unter anderem die Munizipien Marabá, Conceição do Araguaia und São Felix do Xingu gehören, wird von einer speziellen Regionalen Superintendenz SR (27 E) verwaltet. Diese Unterteilung wurde aufgrund der Intensität der Landkonflikte im Süden von Pará vorgenommen.

47 Von diesen 340 Familien wohnten nur 100 auf ihren Betrieben, da die Flächen weder demarkiert, noch zugänglich waren, 250 waren bereits in die Liste der Begünstigten aufgenommen, ein Formalisierungsprozeß von INCRA, der normalerweise länger dauert. Aufgrund der geringen landwirtschaftlichen Eignung eines Teils der Fläche von Rio do Peixe, wurden später etwa 70 Familien von INCRA in ein anderes Ansiedlungs­gebiet des Munizips transferiert.

48 Die größten Entfernungen waren etwa 90 km, wobei das letzte Stück im Kanu zurückgelegt werden mußte.

49 Viele Autoren benutzen den Begriff Dezentralisation nicht nur, um die Delegierung von Aufgaben an andere staatliche Einrichtungen zu beschreiben, sondern weiten ihn auf andere Prozesse aus, einschließlich der Auslagerung (Tertiarisierung), was der Fall bei Lumiar war.

50 Nach dem Projektvorschlag sollte der Prozeß von unten seitens der Organisationen der Ansiedler mit den Vorschlägen für die Trägerorganisationen und die Berater beginnen. Tatsächlich mußte man jedoch von einem dialektischen Prozeß ausgehen, da Lumiar nur in einem Teil der Ansiedlergebiete eingerichtet werden sollte und die Umsetzung unter Zeitdruck erfolgte, was eine Vorbereitung der Ansiedler fast ausschloß.

51 Die Aufgaben der Direktoren reichen von der Lösung von Landkonflikten, der Begleitung von Morden an ihren Führern, den Verhandlungen mit Behörden, der Problemlösung im Bereich der Agrarkredite, Mobilisierung für politische Forderungen, etc.

52 Der einjährige Spezialisierungskurs in Bäuerlicher Landwirtschaft und Nachhaltiger Entwicklung (DAZ) sah die Erarbeitung der Aufgaben für die einzelnen Diszipline in 4 Momenten des Jahres während etwa dreiwöchiger Aufenthalte in bäuerlichen Familien in Pará vor.

53 ITOG (Investimento, Tecnologia, Organização, Gestão) war der vorherrschende Kurs für die Vorbereitung der Lumiar-Berater und wurde im Rahmen des Abkommens INCRA / PNUD (Programa das Nações Unidos pelo Desenvolvimento) angeboten. Nur gegen hartnäckigen Widerstand des Nationalen Koordination des Lumiar-Projektes ließ sich auf einhellige Anforderung der Supervisionsequipe ein Kurs nach der im Rahmen der Zusammenarbeit FAO/INCRA angebotenen Methode "Analyse und Diagnose von Agrarsystemen" durchsetzen. Auch dem Vorhaben, einen dritten Kurs durch die Supervisoren vorzubereiten und durchzuführen wurden Hiindernisse in den Weg gelegt. Auf diesen "Krieg der Methoden" gehe ich an anderer Stelle ein.

54 Obwohl dieses Vorgehen von mir nicht übernommen wurde, verging viel Zeit mit den wiederholten Korrekturen, der Berichtigung des Portugiesisch und vor allem der Struktur des Textes. Es bestand Übereinstimmung unter den Supervisoren, daß ein Kurs im Berichtschreiben Teil der Ausbildung für die Berater sein müsse.

55 Dies kann auch als ein Klima der Korruption bezeichnet werden.

56 Tatsächlich handelte es sich um eine zusätzliche Aufgabe, da niemand für die Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Lumiar-Projekt eingestellt wurde. Im Kontrast dazu erhielten die externen Supervisoren ein "Stipendium" von 1.100 R$ monatlich, eine attraktives Entgelt.

57 Philippe De Leener über seine Rolle als prozeßbegleitender Berater.

58 Häufig hatten die internen Supervisoren wegen ihrer anderen Aufgaben in INCRA noch weniger Zeit, da niemand für die neuen Aufgaben eingestellt wurde.

59 Die Supervision in der Region der Transamazônica erreichte niemals das vorgesehene Zahlenverhältnis. Der interne Supervisor, wegen seiner Leitungsfunktion in INCRA überlastet, sowie der externe Supervisor, für die Arbeit in Anapu verantwortlich (östlicher Teil der Region), waren wenig präsent. Letzterer kündigte schließlich seine Mitarbeit im Lumiar-Projekt, als sein Zeitmangel allzu sichtbar wurde. Erst ab Mai 1998 nahm ein neuer interner Supervisor seine arbeit auf. Der externe Supervisor für den östlichen Teil wurde aufgrund von Entscheidungen der Direktion der Ansiedlungsgebiete in Brasília nie ersetzt. So waren schließlich ein externer und ein interner Supervisor verantwortlich für die Arbeit von 3 Equipen (14 Berater) in einer Entfernung von 450 km an einer schlechten Erdstraße, zu der man noch einen Flug von über einer Stunde hinzurechnen mußte.

60 Zu dieser Herausbildung führten folgende Faktoren: Orientierung der externen Supervisoren, Geschichte der sozialen Bewegung in der jeweiligen Region, Stärke und Politik der Bauernorganisationen, Trägerstruktur. Dies zeigte eine erstaunliche Flexibilität des Lumiar-Ansatzes.

61 Hier ist vor allem das MST gemeint.

62 Memo Circular INCRA/DP/147, 03.05.99. Diese Feststellung wurde in dieser einseitigen Form nicht durch die bereits zitierte Evaluierung bestätigt, die beispielsweise für Pará zu einem positiven Resultat kam (MEPF/INCRA 1999,47).

63 Die Supervisoren aus den Universitäten wurden zur Mitarbeit eingeladen im Rahmen einer Partnerschaft über Fragen der Agrarreform zwischen dem damaligen Spezialministerium für Landverteilungspolitik (Ministério Especial de Política Fundiária), INCRA und dem Rat der Rektoren der Brasilianischen Universitäten (Conselho dos Reitores das Universidades Brasileiras - CRUB).

64 Memo Circular INCRA/DP/147, 03.05.99.

65 Wenig mehr als ein Jahr nach den ersten Einstellungen in Pará. In einigen anderen Bundesstaaten war die Einstellung etwas früher erfolgt.

66 Später wurde sie durch den Kredit des Nationalen Programmes zur Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft (Programa Nacional de Fortalecimento da Agricultura Familiar - PRONAF) zu anderen Konditionen ersetzt.

67 Die Zentralisierung der Finanzierung der Supervisoren und Spezialisten in Brasília über eine Stiftung der Universidade de Brasília (UnB) für die Verwaltung von Projektmitteln, die die Mittel von INCRA über mehrere Vermittlungsinstitutionen erhielt, von denen jede ihre Verwaltungskosten einbehielt, führte zu zahlreichen Problemen (Verlust von Dokumenten und Berichten, erhebliche Verspätung bei der Bezahlung).

68 Die brasilianische Währung erfuhr im Zeitraum vom 11. bis 26.01.99 eine Abwertung um 35,6% (Almanaque 1999,23).



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13.08.2004