Scholz, Martina: In vitro-Permeationsstudien von hydrophilen und lipophilen Arzneistoffen an okularen Geweben und Zellkulturen

5

Kapitel 1. EINLEITUNG

Augenerkrankungen werden überwiegend durch topische Applikation entsprechender Dar-reichungsformen, für die es eine Vielzahl von Formulierungsvarianten gibt, therapiert. Die Anforderungen an Ophthalmika, sowohl vom Anwender als auch Gesetzgeber, sind vielfältig. Der Patient erwartet neben hoher Wirksamkeit, guter Verträglichkeit und Unschädlichkeit eine möglichst geringe Beeinträchtigung des Sehvermögens. Der Arzt setzt weiter eine gute Haftfähigkeit und rasche Verteilung am Auge voraus und der Apotheker hat darüber hinaus eine angemessene Haltbarkeit zu sichern.

Die Penetration eines Pharmakons in und die anschließende Permeation durch die okularen Gewebe sind nicht nur von den physikalisch-chemischen Eigenschaften des Wirkstoffs und dem individuellen Zustand des Auges abhängig, sondern in hohem Maße auch von der Arzneiform und den verwendeten Hilfsstoffen. So bieten Augensalben oder auch ölige Lösungen bzw. Suspensionen gegenüber wässrigen Augentropfen den Vorteil, dass sie eine wesentlich längere Verweildauer im präcornealen Bereich zeigen und damit über längere Zeit Wirkstoff in das Auge abgeben [1,2,3,4,5]. Allerdings wirkt sich ihr relativ hoher Brechungs-index nachteilig aus, so dass es zum Verschwommensehen kommen kann.

Eingesetzte Hilfsstoffe, wie z.B. quartäre Ammoniumverbindungen, die als Konservierungs-mittel dienen, können das Hornhautepithel schädigen [6 ] und dessen Permeabilität verändern [7 ]. Andere Vehikel nehmen direkt Einfluss auf die okulare Verfügbarkeit oder die physio-logischen Parameter des Auges.

Die Wirkstoffe topischer Arzneiformen zur Anwendung am Auge sollen nach ihrer Frei-setzung entweder direkt an der Konjunktiva angreifen oder durch die Cornea bzw. Konjunk-tiva permeieren, um dann in der vorderen oder hinteren Augenkammer und an den Rezeptoren des mittleren und hinteren Auges ihre Wirkung zu entfalten. D.h., dass Kenntnisse sowohl der cornealen als auch der konjunktivalen Transportwege von Interesse für die Bioverfügbarkeit sind. So ist z.B. die corneale Permeation hydrophiler Substanzen, auch organischer Ionen, im Vergleich zu lipophilen Verbindungen erheblich eingeschränkt. Für ihr Eindringen sind Poren verantwortlich [8,9,10,11]. Außerdem ist die Permeation eines Arzneistoffs vom jeweiligen Lipid-Wasser-Verteilungskoeffizienten (VK) [1,12,13,14], sowie von seinem Dissoziations-grad [8,9] und von der Partikelgröße [15] abhängig.


6

Weiterhin sind für die Bioverfügbarkeit neben individuellen Faktoren der Gesundheitszustand des Auges bzw. der Cornea von Bedeutung. Die Durchlässigkeit der Cornea nimmt deutlich bei Entzündung [1,13,16] oder nach Entfernung des Epithels, z.B. nach erfolgter Photorefrak-tiver Keratektomie (PRK), die in dieser Arbeit eine bedeutende Rolle spielt, zu.

In vitro-Permeationsstudien an isolierten Augengeweben verschiedener Provenienz bzw. an Zellkulturen, wie sie im Rahmen dieser Arbeit durchgeführt wurden, vermitteln Vorstellungen über den Arzneistofftransport in vivo, auch wenn Aspekte, wie Wirkstoffverlust durch Ablei-tung über die Tränenkanäle, Bindung an Eiweiße der Tränenflüssigkeit und die Verdünnung der Zubereitung durch die Tränenflüssigkeit, unberücksichtigt bleiben. Weiterhin gestatten diese in vitro-Methoden, den Einfluss verschiedener Parameter auf die Permeation der Wirk-stoffe zu untersuchen, so dass es möglich wird, optimierte Formulierungen zu konzipieren. Damit lassen sich u.a. Überdosierungen, verbunden mit unnötiger Belastung des Patienten und vermehrten Nebenwirkungen, oder Unterdosierungen, gefolgt von verzögertem bzw. fehl-endem Therapieerfolg, weitgehend ausschließen.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Tue Sep 16 16:33:54 2003