11. Zusammenfassung

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Behandlungserfolg und Differenzierung der unterschiedlichen Therapiearme

Die Responderrate des gesamten Kollektivs lag bei 21,2%. Von den Patienten, die ausschließlich α-Interferon erhielten, waren 26,1% nach Beendigung der Nachbeobachtungszeit noch virusnegativ („sustained response“). Dies ist im Vergleich mit entsprechenden Studien ein unerwartet gutes Ergebnis. Im Gegensatz dazu belief sich die Responderrate bei den Patienten, die ohne vorhergehende Therapie die Kombination von α-Interferon und Ribavirin erhielten, nur auf 20,8%. Diese unerwartet schlechte Quote kann nicht durch den Virusgenotyp oder den Leberschädigungsgrad zurückgeführt werden. Auch Patienten, die bei einer vorangegangenen α-Interferontherapie Non-Responder waren, zeigten unerwartet schlechte Resultate der Kombinationstherapie von nur 15,8% „sustained response“.

Der Virusgenotyp 1 und Alter > 40 Jahre konnten als negative Prädiktoren bestätigt werden. Der Schädigungsgrad der Leber, beurteilt anhand von laborchemischen Parametern und des histologischen Ausgangsbefunds, hatte keinen signifikanten Einfluß auf den Erfolg der Behandlung.

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Die unter Therapie rasch abfallenden Transaminasen erreichten bei den Respondern schon nach 4 Wochen Werte, die im Normbereich lagen, während die Non-Responder weiter pathologische Werte aufwiesen. Diese Beobachtung ließ jedoch nur bei 78,6% der Responder die richtige Voraussage zu, weshalb dieser frühe Meßwert nicht als ausschlaggebendes Kriterium bei der Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch der Therapie dienen sollte.

Es konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen Ausgangsdepressivität und Behandlungserfolg festgestellt werden.

Psychologische Charakteristika des Hepatitis C- Kollektivs

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Entgegen der Erwartungen wurden bei den Patienten mit chronischer Hepatitis C keine erhöhten Werte für Depressivität auf den Skalen der Allgemeinen Depressions Skala (ADS) und des Beck Depressions Inventar (BDI) gegenüber gesunden Vergleichsstichproben gefunden. Es muß daher hinterfragt werden, ob die klinische Beschreibung von depressiver Verstimmung im Rahmen einer Virushepatitis 1) wirklich den klinischen Kriterien der Depressivität entspricht und 2) ob diese Verstimmung nicht eher ein Charakteristikum der akuten Virushepatitis oder von Infektionskrankheiten im allgemeinen ist. Eine Leberspezifität der depressiven Verstimmung konnte demnach nicht bestätigt werden.

Psychiatrische bzw. subjektive Auswirkungen der Therapie mit -Interferon

Im Durchschnitt stieg die Depressivität der Hepatitispatienten unter Behandlung mit α-Interferon mit oder ohne Ribavirin (durch die letztgenannte Substanz ergaben sich keine signifikanten Zusatzeffekte) auf ein Niveau, das dem von chronischen Schmerzpatienten entsprach. Der Anstieg der Depressivität betraf die meisten Behandelten, aber nicht alle. Patienten, die schon vor Therapiebeginn eine hohe Depressivität aufwiesen, zeigten einen weniger starken Zuwachs auf den Skalen von ADS und BDI als Patienten, die sich vor der Therapie als weniger depressiv beschrieben. Es könnte daraufhin spekuliert werden, ob die Depressivität hier eine Art Deckeneffekt aufweisen könnte. Letztendlich blieben die primär depressiven Patienten jedoch auch während der Therapie depressiver als die primär nicht-depressiven Patienten.

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Um diejenigen Patienten frühzeitig erkennen zu können, die durch die depressiven Nebenwirkungen des α-Interferons am meisten gefährdet sind, wurden Grenzwerte auf der ADS definiert, anhand derer eine engmaschige therapiebegleitende Kontrolle empfohlen wurde. Als Kriterium für besondere Gefährdung diente der von den Testautoren errechnete Summenwert von > 17 vor Therapiebeginn und der von der Autorin der vorliegenden Arbeit errechnete Summenwert von ≥ 30 während der α-Interferontherapie. Anhand dieser Grenzwerte konnten 75% derjenigen Patienten, die im Verlauf der Therapie in psychiatrische Einrichtungen aufgenommen werden mußten oder wegen schwerster depressiver Symptomatik abbrechen mußten, identifiziert werden.


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24.10.2005