7. Patientenkollektiv

↓84

In die Studie des hepatologischen Zentrums der Charité Berlin, Campus Virchow, wurden 79 Patienten mit chronischer Hepatitis C eingeschlossen, von denen 66 auch in die Untersuchung der Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin aufgenommen werden konnten. Zunächst mußten zum Einschluß in den somatischen Teil der Interferonstudie bestimmte Kriterien (Tab.9) erfüllt werden. Die Patienten, die nach dieser Vorauswahl auch in die Teilnahme an der psychosomatischen Begleitstudie einwilligten, wurden für diese registriert.

Tab. 9: Einschluss- und Ausschlusskriterien der vorliegenden Studie

Einschlusskriterien

Ausschlusskriterien

- eine nachgewiesene chronische HCV-Infektion, bisher unbehandelt oder erfolglos mit Interferon vorbehandelt

- mindestens 6 Monate Therapiepause seit einer vorangegangen Behandlung

- eine nicht länger als 1 Jahr zurückliegende Leberbiopsie, die histologisch eine chronische Entzündung belegt

- Alter zwischen 18 und 70 Jahre

- schriftliche Einverständniserklärung

- Transaminasenerhöhung (GOT, GPT)

- positiver HCV-RNA-Nachweis (PCR)

- positiver HCV-Antikörper-Nachweis

- dekompensierte Leberzirrhose

- Hepatitis durch ein anderes Agens als das HCV

- Autoimmunerkrankungen

- Schwangerschaft oder Stillperiode

- Leukozytopenie unter 2500/µl

- Thrombozytopenie unter 70000/µl

- Hämoglobin unter 11 g/dl

- Serumkreatinin über 1,5 mg/dl

- Malignome oder andere Grund- oder Begleiterkrankung

- Immunschwäche

- bekannte Überempfindlichkeit gegen Interferon oder Albumin

- ZNS-Erkrankungen, inklusive Depressionen

- Schilddrüsenfehlfunktion

- eingeschränkte Geschäftsfähigkeit

- Mischinfektionen

- Teilnahme an einer anderen Studie in den letzten 3 Monaten

- Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel

- schwere Systemerkrankungen

↓85

Das in die psychosomatische Studie aufgenommene Patientenkollektiv stellt sich wie folgt dar (Tab.10):

Untersucht wurden 36 Männer (54,5%) und 30 Frauen (45,5%). Der Anteil der Männer im Studienkollektiv ist damit höher als der entsprechende Anteil in der Berliner Bevölkerung, 48,3% (1996). 45 Patienten (68,2%) wurden als "naiv" eingeteilt, d.h. sie hatten noch nie zuvor eine Therapie mit Interferon erhalten. Von diesen 45 Patienten erhielten 23 (12 Männer, 11 Frauen) nur Interferon (Therapiearm 1), insgesamt 22 (10 Männer, 12 Frauen) Interferon und Ribavirin (Therapiearm 2). 21 Patienten (14 Männer, 7 Frauen) waren Non-Responder aus einer vorherigen Interferon-Therapie und erhielten ausnahmslos die Kombinationstherapie (Therapiearm 3).

Tab. 10: Geschlechtszugehörigkeit und Zuteilung der Therapieform

Geschlecht

Therapieform

Häufigkeit

n

Prozent

%

männlich

Arm 1

12

33,3

Arm 2

10

27,8

Arm 3

14

38,9

Gesamt

36

100,0

weiblich

Arm 1

11

36,7

Arm 2

12

40,0

Arm 3

7

23,3

Gesamt

30

100,0

↓86

Arm 1:

IFN-α Monotherapie

Arm 2:

IFN-α + Ribavirin ("naive" Patienten)

Arm 3:

IFN-α + Ribavirin (ehemalige Non-Responder)

Das durchschnittliche Alter des Gesamtkollektivs lag bei 46,58 Jahren (±10,46). 62,1% der Patienten waren zwischen 40 und 59 Jahre alt (Tab.11).

Tab. 11: Altersverteilung der Hepatitispatienten

Altersgruppe

Häufigkeit
n

Prozent
%

20-29 Jahre

2

3,0

30-39 Jahre

17

25,8

40-49 Jahre

19

28,8

50-59 Jahre

22

33,3

60-69 Jahre

6

9,1

Gesamt

66

100,0

↓87

Die große Mehrzahl der Patienten waren als Angestellte/r tätig, nämlich 13 Männer (44,8% der Erwerbstätigen, 36,1% aller Männer) und 20 Frauen (87,0% der Erwerbstätigen, 66,6% aller Frauen), dagegen nur 6 Männer und 2 Frauen als Beamte, 5 Männer und 1 Frau als Arbeiter. 5 Männer, aber keine Frau, waren selbständig. Von den Männern, die nicht erwerbstätig waren, waren 57,1% arbeitslos, bei den nicht erwerbstätigen Frauen machte die Berentung mit 57,1% den größten Anteil aus. Auffällig ist eine insgesamt niedrige Arbeitslosenquote von 8,1%. Nach den Angaben des Statistischen Landesamtes Berlin (telefonische Auskunft) gab es im Jahr 1996 eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 15,3% (16,2% der Männer, 14,3% der Frauen).

Von den Männern waren 10 ledig (27,7%), 21 verheiratet (58,3%) und 4 getrennt. 30 (83,3%) lebten in einer Partnerschaft, 5 alleine. Bei den Frauen waren es nur 2 Ledige (6,6%), 16 Verheiratete (53,3%) und 9 Getrennte oder Geschiedene (30,0%). Eine Frau war verwitwet. Von den weiblichen Patienten lebten 22 in einer Partnerschaft (73,3%), 6 alleine. Ein Mann und zwei Frauen machten zu diesen Fragen keine Angaben.

Von den 35 Männern und 28 Frauen, die die Frage nach ihrem Schulabschluß beantworteten, besaß die Mehrheit die Mittlere Reife (40% der Männer, 64,3% der Frauen), am zweithäufigsten war der Hauptschulabschluß mit 31,4% der Männer, 21,4% der Frauen. Abitur besaßen 9 Männer (25,7%) und 3 Frauen (10,7%), während zwei Patienten keinen Schulabschluß hatten. Auch die Angaben zur Schulbildung weichen von den Durchschnittszahlen für das Land Berlin ab (Tab.12).

↓88

Tab. 12: Schulbildung im Land Berlin 1996 und im Hepatitiskollektiv

Land Berlin
n = 3 468 300

Hepatitiskollektiv
n = 66

Männer
%

Frauen
%

Gesamt
%

Männer
%

Frauen
%

Gesamt
%

Hauptschule

32,9

38,7

36,0

17,7

9,7

27,4

Realschule

18,8

21,6

20,3

22,6

29,0

51,6

Polytechnische Hochschule

15,9

15,2

15,5

-

-

-

Abitur/FHS

32,4

24,4

28,2

12,9

4,8

17,7

Kein Abschluß

-

-

-

1,6

1,6

3,2

Die Erkrankungdauer lag größtenteils über 5 Jahren: 18 Männer (50%) und 16 Frauen (53,3%) gaben diesen Zeitraum seit Erwerb der Infektion an. Nur 12 Männer und 11 Frauen gaben eine geringere Jahresanzahl an, während 9 Patienten zu diesem Punkt keine Angaben machen konnten.


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24.10.2005