8. Ergebnisse: Biomedizinische Parameter

8.1. Biomedizinischer Ausgangsstatus

8.1.1. Leberschädigung

↓88

Leberparenchym- und Gallengangsenzyme

↓89

Der Normbereich der Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT) liegt zwischen 7 und 27 U/l. Der Mittelwert des untersuchten Kollektivs zum Zeitpunkt der Voruntersuchung lag bei 28,5 U/l (±13,97). 42,9% der Patienten wiesen pathologisch erhöhte Werte auf, die maximal gemessene Enzymaktivität lag bei 84 U/l.

Der Normbereich der Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT) liegt zwischen 1 und 21 U/l. Der Mittelwert der untersuchten Kollektivs zum Zeitpunkt der Voruntersuchung war 62,0 U/l (±37,97). 93,8% der Patienten hatten pathologisch erhöhte Enzymwerte. Der maximal gemessene Wert lag bei 187 U/l.

Daraus errechnet sich ein Anteil von 95,2% aller Patienten, deren DeRitis-Quotient vor Therapiebeginn unter 1 lag, was beim Vorliegen von pathologischen Leber- und Gallengangsenzymerhöhungen für einen eher leichten Leberschaden spricht (Herold 1995).

↓90

Der Normbereich der γ-Glutamyltransferase (γGT) liegt unter 15 U/l. 86,2% aller Patienten des Hepatitiskollektivs befanden sich über diesem Grenzwert. Der Mittelwert war 45,7 U/l (±37,06), der maximal gemessene Wert 173 U/l.

Virusnachweis und -typisierung

Alle Patienten waren zum Zeitpunkt des Screenings HCV-RNA-positiv, wie dies in den Einschlußkriterien gefordert wurde.

↓91

Die Typisierung des Virus ergab 34 Patienten mit Genotyp 1b (51,5%), 12 mit 1a (18,2%), 7 mit 3a (10,6%), 4 mit Genotyp 2b (6,1%) und 3 mit nicht näher spezifiziertem Genotyp 1 (4,5%). Die restlichen Patienten verteilten sich einzeln (je 1,5%) auf Mischformen wie 1a/1b, 1b/3a, 2a/2c, 4c/4d und 4e. Von einem Patienten liegen keine Daten zum Virusgenotyp vor.

Leberhistologie

Die Leberbiopsie wurde 12 - 4 Wochen vor Therapiebeginn durchgeführt und nach vier Kriterien beurteilt und dokumentiert. Von einem Patienten (1,5%) liegen keine Daten zur histologischen Auswertung vor.

↓92

Syntheseparameter

Der Normbereich des Albumins im Serum liegt zwischen 3,5 und 5,0 g/dl. Nur der Wert eines einzelnen Patienten des untersuchten Kollektivs war erniedrigt, was unter anderem ein Ausdruck einer eventuellen Synthesestörung sein könnte. Der Mittelwert der gesamten Gruppe war 4,68 g/dl, bei einer Standardabweichung von 0,44.

↓93

Die Serumcholinesterase-Aktivität ist zwischen 3000 und 8000 U/l normal. Keiner der Patienten erreichte hier einen pathologisch erniedrigten Wert.

Der physiologische Quick-Wert (Prothrombinzeit, Thromboplastinzeit) bewegt sich zwischen 70 und 130%, was im untersuchten Kollektiv bei einem Mittelwert von 107,6% (±14,61) auch der Fall war. Nur ein Patient wich mit einem Quick-Wert von 65% geringfügig ab.

Die beiden einzelnen Fälle mit erniedrigtem Albumingehalt bzw. Quickwert stellen Werte zweier verschiedener Patienten dar.

↓94

Bilirubin

Der Normbereich des Gesamtbilirubins im Serum liegt unter 1 mg/dl. 82,3% der Patienten befanden sich unter diesem Grenzwert. Es ergab sich ein Mittelwert von 0,86 mg/dl (±0,35). Maximal wurde ein Wert von 2,1 mg/dl gemessen.

Rotes Blutbild

↓95

Vor Therapiebeginn lag der Hämoglobinwert des Gesamtkollektivs bei 14,64 mg/dl (±1,28). Da aber für beide Geschlechter verschiedene Normalwerte gelten, die vom Zentrallabor des Universitätsklinikum Charité vorgelegt wurden, wird dieser Befund differenziert betrachtet.

Für Frauen wird der Normbereich mit 12 und 16 mg/dl angegeben. Der Mittelwert der Frauen des Studienkollektivs lag bei 13,71 mg/dl (±1,07). 6,7% der Patientinnen besaßen leicht erniedrigte Hämoglobinkonzentrationen.

Für Männer wird der Normbereich mit 13 bis 18 mg/dl angegeben. Der durchschnittliche Wert der Männer des Studienkollektivs lag vor der Therapie bei 15,44 mg/dl (±0,82). Kein Patient wies erniedrigte Hämoglobinkonzentrationen auf.

↓96

Weißes Blutbild

Kein Patient des untersuchten Kollektivs wies zum Zeitpunkt der Voruntersuchung eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen auf (>10800/μl). 10,9% der Patienten hatten allerdings erniedrigte Werte, d.h. unter 4300/μl, zum Zeitpunkt des Therapiebeginns waren es sogar 20%.

Thrombozyten

↓97

Der Normbereich für Thrombozyten liegt zwischen 150000 und 350000/μl. Der Mittelwert des Studienkollektivs vor Therapiebeginn war 211950/μl (±65800). Damit befanden sich 13,8% der Patienten im Bereich unter der unteren Normgrenze.

8.2. Therapieverläufe

8.2.1. Leberschädigung

Leberparenchym- und Gallengangsenzyme

Die Werte von γGT, GOT und GPT sanken innerhalb der ersten drei Therapiemonate deutlich ab (Tab.13, Abb.7). Der Mittelwert erreichte ein Niveau, das unter dem vor Therapiebeginn gemessenen Wert lag. Dabei werden hier absichtlich nur die ersten drei Monate aufgeführt, da in dieser Zeit noch fast alle Patienten an der Untersuchung teilnahmen. Nach drei Monaten (t12) fielen diejenigen Patienten weg, die bis dahin keine Responder (Kriterien siehe 8.3.1.) waren, wodurch sich bei einer Betrachtung der Werte zwischen t12 und dem Therapieende nach einem Jahr (t52) natürlich "falsch" niedrige Werte eines dann fast ausschließlich aus Respondern bestehenden Gesamtkollektivs errechnen lassen.

↓98

Tab. 13: Leberparenchym- und Gallengangsenzyme im Verlauf

Therapiearm

t0

MW (SD)

t4

MW (SD)

t8

MW (SD)

t12

MW (SD)

F

p

GPT

U/l

Arm 1

Arm 2

Arm 3

Gesamt

96,2 (121,4)

45,7 (28,3)

65,8 (36,1)

68,7 (77,1)

27,6 (16,8)

19,8 (12,8)

35,7 (30,2)

27,1 (21,1)

46,3 (104,7)

18,0 (10,6)

35,6 (31,8)

32,7 (64,2)

24,7 (21,3)

20,2 (12,2)

34,2 (28,6)

25,8 (21,5)

6,197

7,865

5,166

15,276

0,004

0,001

0,012

<0,001

GOT

U/l

Arm 1

Arm 2

Arm 3

Gesamt

38,6 (37,4)

22,9 (10,7)

29,4 (10,7)

30,1 (24,0)

17,4 (8,4)

13,9 (6,1)

19,1 (7,9)

16,6 (7,7)

24,2 (33,6)

13,3 (5,5)

20,4 (10,7)

19,1 (21,0)

16,7 (10,9)

14,9 (7,3)

20,1 (11,1)

17,0 (9,9)

7,892

8,074

10,113

20,654

0,001

0,001

0,001

<0,001

GT

U/l

Arm 1

Arm 2

Arm 3

Gesamt

42,5 (28,5)

40,9 (42,0)

58,6 (35,6)

46,6 (36,3)

34,8 (31,7)

29,7 (26,0)

41,3 (26,4)

34,9 (28,1)

31,0 (32,1)

23,7 (17,5)

38,2 (26,8)

30,3 (26,1)

30,1 (35,7)

22,3 (15,8)

36,3 (23,7)

29,0 (26,4)

2,185

4,446

8,348

9,118

0,125

0,016

0,002

<0,001

MW

Mittelwert; SD Standardabweichung

Arm 1:

IFN-α Monotherapie

Arm 2:

IFN-α + Ribavirin ("naive" Patienten)

Arm 3:

IFN-α + Ribavirin (ehemalige Non-Responder)

t(x)

Anzahl Wochen nach Therapiebeginn

F

einfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung

p

Signifikanzniveau

Das Absinken der Enzymaktivitäten zeigte signifikante zeitliche Verläufe in den ersten drei Monaten (Tab.13 und Abb.7). Insgesamt fiel die GPT anteilig mehr ab als die GOT. Daraus ergab sich ein größerer mittlerer DeRitis-Quotient nach drei Monaten (0,80 ±0,30) als vor Therapie (0,52 ±0,18).

↓99

Abb. 7: Enzymaktivitätsverläufe von GPT, GOT und γGT (in U/l) während der ersten 12 Wochen der Therapie

In der nun folgenden Grafik (Abb.8) wird stellvertretend der Enzymaktivitätsverlauf der GPT über ein gesamtes Jahr dargestellt. In diesem Fall wird nach Respondern bzw. Non-Respondern differenziert, da sich sonst verfälschte Gesamtwerte ergeben.

Abb. 8: Vergleich der GPT-Verläufe der Responder und der Non-Responder

↓100

Bei Betrachtung dieser Darstellung fällt der steile Abfall der GPT-Werte schon während der ersten vier Wochen auf. Es wird ebenfalls deutlich, daß sich schon in diesem Zeitraum die Enzymverläufe der Non-Responder und der Responder zu unterscheiden scheinen. In den ersten 4 Wochen fiel der GPT-Wert der Responder um durchschnittlich 68,14 U/l (±61,17), der GPT-Wert der Non-Responder nur um 34,27 U/l (±78,84). Zur statistischen Überprüfung dieser Beobachtung wird eine Variable erstellt, die die Differenz zwischen dem Mittelwert nach vier Wochen und dem Mittelwert am Therapiebeginn abbildet (GPT(t4) minus GPT(t0)). Dieser Differenzwert erweist sich bei Vergleich der Responder mit den Non-Respondern im T-Test für unabhängige Stichproben als nicht signifikant (T 1,486; p 0,142). Betrachtet man die individuellen Enzymverläufe, so gibt es nur 9 Patienten, bei denen der GOT-Wert nach vier Wochen noch pathologisch waren. Alle diese 9 Patienten waren Non-Responder. 30 Patienten hatten nach vier Wochen Therapie noch pathologische GPT-Werte, davon waren 27 Patienten Non-Responder.

Natürlich interessiert auch die Differenzierung nach der jeweiligen Therapieform und deren Auswirkung auf die entsprechenden Enzymverläufe (Abb.9). Es stellte sich allerdings heraus, daß sowohl die Enzymverläufe über ein ganzes Jahr als auch die Verläufe über die ersten drei Monate zwischen den drei Gruppen nicht signifikant unterschieden werden können. Zudem ist zu beachten, daß die Ausgangswerte der Patienten in den drei Therapiearmen offensichtlich verschieden waren. Die Gruppe, die nur mit α-Interferon therapiert wurde, hatte zu Therapiebeginn einen GPT-Mittelwert von 96,2 U/l (±121,4), die Gruppe mit nicht vorbehandelten Patienten, die die Kombinationstherapie erhielten, 45,7 U/l (±36,1) und die Gruppe der ehemaligen Non-Responder, die mit der Kombination behandelt wurden, einen GPT-Mittelwert von 65,8 U/l (±28,3). Diese Werte erweisen sich bei Überprüfung durch die einfaktorielle Varianzanalyse (ANOVA) jedoch als nicht signifikant unterschiedlich.

Abb. 9: GPT-Aktivitätsverläufe der drei Therapiearme während der ersten drei Monate der Behandlung

8.2.2. Arzneimittelnebenwirkungen

↓101

Rotes Blutbild

Wie aus Tabelle 14 zu ersehen ist, sank der Hämoglobinmittelwert innerhalb der ersten drei Monate im Gesamtkollektiv von 14,6 mg/dl auf 12,9 mg/dl. Da aber die Mechanismen dieses Phänomens für die Therapiearme unterschiedlich sein sollten - α-Interferon verursacht eine Knochenmarkssuppression, Ribavirin eine Hämolyse - werden in der folgenden Grafik (Abb.10) die Kurven für jeden Therapiearm getrennt dargestellt.

Tab. 14: Hämoglobinwerte der drei Therapiearme innerhalb der ersten drei Behandlungsmonate

Hämoglobin

(mg/dl)

t0

MW (SD)

t4

MW (SD)

t8

MW (SD)

t12

MW (SD)

F

p

Arm 1

14,6 (1,3)

14,3 (1,5)

13,8 (1,3)

13,8 (1,2)

7,079

0,003

Arm 2

14,4 (1,4)

12,3 (1,6)

12,3 (1,4)

11,8 (2,1)

27,027

<0,001

Arm 3

15,0 (1,1)

11,8 (2,1)

12,6 (1,5)

12,5 (1,3)

30,312

<0,001

Gesamt

14,6 (1,3)

12,8 (2,0)

12,9 (1,5)

12,9 (1,3)

34,319

<0,001

↓102

MW

Mittelwert; SD Standardabweichung

Arm 1:

IFN-α Monotherapie

Arm 2:

IFN-α + Ribavirin ("naive" Patienten)

Arm 3:

IFN-α + Ribavirin (ehemalige Non-Responder)

t(x)

Anzahl Wochen nach Therapiebeginn

F

einfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung

P

Signifikanzniveau

Abb. 10: Verlauf der Hämoglobinwerte der drei Therapiearme im Vergleich

Deutlich ist das Abfallen der Hämoglobinwerte über die ersten drei Monate in allen drei Therapiearmen zu sehen. Weiterhin kann man auf der Grafik zwischen dem frühzeitigen Absinken des Hämoglobins durch Hämolyse (bei Kombinationstherapie) und dem langsamen Absinken durch α-Interferoneinwirkung (Monotherapie) gut unterscheiden.

↓103

Bei der Überprüfung dieser unterschiedlichen Verlaufsformen anhand der GLM-Meßwiederholungen zeigt sich eine hohe Signifikanz der Verknüpfung zwischen den Therapiearmen und den entsprechenden Hämoglobinwerten: Wilks-Lambda-Wert 0,418, F-Wert 10,008 und p <0,001 für den Zeitraum von drei Monaten.

Bei Überprüfung der Reversibilität der Hämolyse durch das Ribavirin kann bestätigt werden, daß nach Absetzen des Medikamentes nach drei Monaten ein rasches Ansteigen der Hämoglobinwerte erfolgte, so daß drei Monate nach Beendigung der Ribavirintherapie wieder annähernd die Ausgangswerte erreicht wurden. Auch in diesem Abschnitt (t12 bis t24) unterschieden sich die Therapiearme erwartungsgemäß signifikant mit einem Wilks-Lambda-Wert von 0,705, F 3,442 und p 0,012.

Weißes Blutbild

↓104

Zum Zeitpunkt des Therapiebeginns fand sich ein Mittelwert der Leukozytenanzahl von 6400/μl (±2200). Dies bedeutet, daß 20% aller Patienten unter dem Normbereich lagen. Differenziert man diese Werte nach der Einteilung in Therapiearme, so ergeben sich zunächst wenig unterschiedliche Mittelwerte (Arm 1: 6500/μl; Arm 2: 6800/μl; Arm 3: 5800/μl), aber der Anteil leukopenischer Patienten in den jeweiligen Gruppen war schon vor Behandlungsbeginn deutlich verschieden: in Arm 1 (nur α-Interferon) waren es 27,3% der Patienten, in Arm 2 (α-Interferon und Ribavirin für Naive) nur 8,3%, in Arm 3 (Kombination für ehemalige Non-Responder) 26,3%. Dies bleibt für die Beurteilung der Gruppenunterschiede im Verlauf zu berücksichtigen.

Im Verlauf (Tab.15, Abb.11) sollte kein Gruppenunterschied beobachtet werden können, da alle Patienten die gleiche Dosis des knochenmarksupprimierenden α-Interferons bekamen, von Ribavirin aber keine solchen Effekte bekannt sind.

Tab. 15: Verlauf der Leukozytenwerte der drei Therapiearme im Vergleich

Leukozyten

(/nl)

t0

MW (SD)

t4

MW (SD)

t8

MW (SD)

t12

MW (SD)

F

p

Arm 1

6,5 (2,4)

4,9 (2,1)

4,8 (1,7)

4,7 (2,5)

13,859

<0,001

Arm 2

6,8 (2,0)

4,2 (1,4)

4,7 (1,6)

4,1 (1,5)

15,845

<0,001

Arm 3

5,8 (2,0)

4,0 (1,2)

3,6 (0,9)

3,5 (0,8)

11,338

<0,001

Gesamt

6,4 (2,2)

4,4 (1,6)

4,4 (1,5)

4,1 (1,8)

37,667

<0,001

↓105

MW

Mittelwert; SD: Standardabweichung

Arm 1:

IFN-α Monotherapie

Arm 2:

IFN-α + Ribavirin ("naive" Patienten)

Arm 3:

IFN-α + Ribavirin (ehemalige Non-Responder)

t(x)

Anzahl Wochen nach Therapiebeginn

F

einfaktorielle Varianzanalyse mit Meßwiederholung

P

Signifikanzniveau

Abb. 11: Verlauf der Leukozytenwerte der drei Therapiearme im Vergleich

Wie erwartet, unterschieden sich die Leukozytenverläufe der drei Therapiearme im angegebenen Zeitraum nach der Testung anhand der GLM-Meßwiederholungen nicht signifikant (Wilks-Lambda-Wert 0,883, F 1,181, p 0,322). Allerdings kann man grafisch einen stärkeren Leukozytenabfall bei den Therapiearmen mit Kombinationstherapie erkennen als bei der Gruppe mit der α-Interferon-Monotherapie. Nach Absetzen von Ribavirin zeigte sich zumindest auf der grafischen Darstellung ein erneutes Ansteigen der Leukozytenzahlen.

↓106

Thrombozyten

Ähnlich wie bei der Betrachtung der Leukozytenzahlen kann erwartet werden, daß die Thrombozytenzahlen in allen drei Therapiearmen gleich stark abfielen, da dies auf den knochenmarksupprimierenden Effekt des α-Interferons zurückzuführen sein dürfte. Von Ribavirin sind keine ähnlichen Nebenwirkungen bekannt.

Nach Prüfung des zeitlichen Verlaufs der Thrombozytenwerte allerdings stellte sich heraus, daß die Therapiearme sich mit einem Wilks-Lambda-Wert von 0,667 (F 4,038; p 0,001) signifikant voneinander unterschieden (Tab.16, Abb.12).

↓107

Tab. 16: Thrombozytenverläufe der drei Therapiearme im Vergleich

Thrombozyten

(/nl)

t0

MW (SD)

t4

MW (SD)

t8

MW (SD)

t12

MW (SD)

F

p

Arm 1

222,1 (54,4)

167,6 (48,6)

157,2 (39,9)

163,5 (50,4)

25,123

0,000

Arm 2

230,1 (71,9)

218,3 (83,5)

209,0 (74,7)

193,9 (57,2)

3,460

0,038

Arm 3

177,3 (59,1)

182,0 (77,5)

163,8 (60,6)

148,5 (47,3)

4,830

0,015

Gesamt

211,9 (65,8)

190,5 (74,0)

178,5 (64,3)

170,0 (54,7)

16,906

0,000

MW

Mittelwert, SD Standardabweichung

Arm 1:

IFN-α Monotherapie

Arm 2:

IFN-α + Ribavirin ("naive" Patienten)

Arm 3:

IFN-α + Ribavirin (ehemalige Non-Responder)

t(x)

Anzahl Wochen nach Therapiebeginn

F

einfaktorielle Varianzanalyse mit Meßwiederholung

P

Signifikanzniveau

Abb. 12: Thrombozytenverläufe der drei Therapiearme im Vergleich

↓108

In diesem Falle ließ sich kaum ein Effekt feststellen, nachdem das Ribavirin abgesetzt worden war. Es scheint, als zeigten die Patienten, die α-Interferon in Monotherapie erhielten, den stärksten Niedergang der Thrombozytenzahlen, während erstaunlicherweise die Werte der Patienten des Therapiearmes 3 (Kombination für ehemalige Non-Responder) sogar nach 6 Monaten noch eine eher fallende Tendenz aufwiesen.

8.3. Behandlungsergebnisse

8.3.1. Response

Die Einteilungskriterien, anhand derer der Therapieerfolg beurteilt wurde, beziehen sich auf die "virological response", d.h. die Nachweisbarkeit von HCV-RNA im peripheren Blut, und die "biochemical response", d.h. die Entwicklung der Transaminasenwerte im Therapieverlauf.

Die Unterteilung erfolgte in zwei Gruppen:

↓109

"Response": Patienten, die nach einem Jahr Behandlung mit α-Interferon mit oder ohne Ribavirin und bis zum Ende der Nachbeobachtungszeit virusnegativ waren und normale Enzymwerte aufwiesen. Dieser Status wurde als "sustained response" bezeichnet.

"Non-Response": Patienten, die am Ende der Beobachtungszeit viruspositiv waren und/oder pathologische Enzymwerte aufwiesen. Diese Gruppe wurde in folgende Gruppen differenziert:

↓110

Eine "sustained response" zeigten 14 Patienten von 66 (21,2%), darunter waren 8 Männer und 6 Frauen. Die 52 Patienten, die als "Non-Response"-Gruppe definiert wurden (78,8%), teilten sich auf in "complete responder" (8/52, 15,4%), "partial responder" (6/52, 11,5%), "non-responder" (24/52, 46,2%), "break-through" (10/52, 19,2%) und "drop-out" (4/52, 7,7%).

Differenziert nach den drei Therapiearmen war die Responderrate für die α-Interferon-Monotherapie 26,1%, für die "naiven" Patienten mit Kombinationstherapie 20,8% und für die ehemaligen Non-Responder auf Interferon-Monotherapie, die nun die Kombinationstherapie erhielten, 15,8% (Tab.17). Die Unterschiede zwischen den drei Therapiearmen sind allerdings mit einem χ² von 0,807 und p 0,668 statistisch nicht signifikant.

Tab. 17: Behandlungsergebnisse der drei Therapiearme im Vergleich

Arm 1

n

Arm 2

n

Arm 3

n

Gesamt

n

Non-Response

17

19

16

52

complete responder

5

2

1

8

partial responder

3

2

1

6

non-responder

5

8

11

24

break-through

2

6

2

10

drop-out

2

1

1

4

Response

6

5

3

14

sustained responder

6

5

3

14

↓111

Arm 1:

IFN-α Monotherapie

Arm 2:

IFN-α + Ribavirin ("naive" Patienten)

Arm 3:

IFN-α + Ribavirin (ehemalige Non-Responder)

8.3.2. Einfluß somatischer Parameter auf die Behandlungsergebnisse

Geschlecht und Alter als Einflußgrößen

Von den 14 Patienten, die "sustained response" zeigten, sind 8 Männer und 6 Frauen. Die Gruppe der 52 Non-Responder läßt sich in 28 Männer und 24 Frauen unterteilen. Nach Testung dieser Verteilung mit dem Chi-Quadrat-Test ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen.

↓112

Das Durchschnittsalter der Responder lag bei 40,29 Jahren (±9,60), das der Non-Responder bei 48,27 Jahren (±10,11). Nach Vergleich dieser Mittelwerte mit dem T-Test für unabhängige Stichproben ergab sich eine signifikante Differenz zwischen beiden Gruppen mit einem T-Wert von 2,588 (p 0,012). Dies bestätigt die Ergebnisse anderer Studien, in denen ein Alter unter 40 Jahren als positiver Prädiktor für Therapieerfolg beschrieben wurde.

Virustypisierung als Einflußgröße

Schon aus vorangegangenen Studien ist bekannt, daß der Genotyp 1b ein negativer Prädiktor für den Therapieerfolg ist. In der vorliegenden Untersuchung wurden 34 Patienten (51,5%) mit diesem Genotyp behandelt. Die Responderrate unter diesen Patienten war nur 2,9% (1 Patient von 34). Die Verteilung dieser 34 Patienten auf die drei verschiedenen Therapieregimen war gleichmäßig (10/12/12). Dies bestätigt die relativ hohe Resistenz des Genotyp 1b gegen die antivirale Therapie.

↓113

Die Responderrate der 12 Patienten mit Genotyp 1a lag bei 25%, die Verteilung auf die Therapiegruppen war unregelmäßig (3/7/2), wobei im Therapiearm 2 (Kombinationstherapie für "naive" Patienten) nur 1 Patient von 7 (14,3%) zu den Respondern gehörte.

Die in der vorliegenden Studie drittgrößte Patientengruppe mit dem Genotyp 3a (7 Patienten) hatte eine Responderrate von 71,4%, mit unregelmäßiger Verteilung auf die Therapiearme (4/2/1).

Alle weiteren Genotypen waren in zu kleiner Anzahl vertreten, als daß die statistische Berechnung ihrer prädiktiven Aussagefähigkeit sinnvoll erschiene.

↓114

Die Überprüfung des Zusammenhangs zwischen der Responderrate und dem vorliegenden Genotyp mit dem Chi-Quadrat-Test ergab eine Signifikanz von p <0,001 mit einem Chi²-Wert von 34,19. Damit wird bestätigt, daß die Virustypisierung vor Therapiebeginn eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolges machen kann. Der Genotyp 1b scheint eine relativ resistente Virusform darzustellen, während der Genotyp 3a relativ gut therapierbar zu sein scheint.

Leberenzyme und Leberhistologie als Einflußgrößen

Bei der Überprüfung der Frage, ob eine bestimmte Ausgangskonstellation von histologischen oder biochemischen Befunden als Ausdruck für den Grad der Leberschädigung den Therapieerfolg beeinflußt, mußte entgegen der Erwartungen festgestellt werden, daß sich keine signifikanten Zusammenhänge ergaben. Dies bedeutet, daß in der vorliegenden Studie auch die Patienten, die schon initial stärkere Leberschäden aufwiesen, keine schlechteren Therapieergebnisse hatten als die Patienten, deren Krankheit weniger aktiv bzw. weniger weit fortgeschritten war.

8.4. Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

↓115


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
24.10.2005