5 Diskussion der Ergebnisse und Schlussfolgerungen

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Das Land Brandenburg ist reich an alten Obstgehölzen. Eine Vielzahl an Kernobstsorten, bei der Obstart Apfel mehr als 800, und das Alter einzelner Pflanzungen mit bis zu 200 Jahren bei Äpfeln und mehr als 300 Jahren bei Birnen wurden in einem Modellvorhaben von 1994-98 erfasst und bewertet. Dieser Reichtum an genetischen Ressourcen wurde wegen der überwiegend leichten Böden und des relativ rauen Klimas nicht vermutet (SCHWÄRZEL und SCHWÄRZEL 1999). Die Regionen in denen die Bäume sehr alt wurden, sind räumlich getrennt und unterscheiden sich in den Bodenwasserverhältnissen und den Klimazonen (Mittelmaßstäbige landwirtschaftliche Standortkartierung der DDR, HEYER 1962). Neben Grund- bzw. Stauwasser fernen traten Stauwasser beeinflusste Diluvialstandorte und im Bereich des Oderbruchs Grund- bzw. Stauwasser beeinflusste Alluvialstandorte auf.

Um den extensiven Anbau von hochstämmigen Obstbäumen als wesentliches Element einer artenreichen Kulturlandschaft künftig zu erhalten, war es notwendig, die Bedingungen, unter denen die Obstbäume eine hohe Wachstumsintensität und Lebenserwartung erzielen konnten, zu analysieren.

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Durch dendrochronologische Untersuchungen an Obstbäumen, welche die gesamte natürliche Standdauer der Bäume erfassten, konnten für den Zeitraum von 1871-1996 Positiv- und Negativweiserjahre und der Einfluss der Standortfaktoren auf die Zuwachsleistung nachgewiesen werden. Da für die Untersuchungen tote Bäume verwendet wurden, waren zunächst das Alter und die Lebenszeiträume der Bäume unbekannt. Die Bestimmung der Anzahl der Erfassungsjahre war durch Auszählung der Jahresringe gegeben. Die Grundlage für die Zuordnung der Erfassungsjahre zu den Lebenszeiträumen bildete die Reaktion auf obstbauliche Schadwinter (GOETHE 1908, GOLLMICK 1941, RUDORF, SCHMIDT und ROMBACH 1942, KEMMER und SCHULZ 1952). Die Analyse der Wintertemperaturen ab 1767 wies starke Jahreseinflüsse aus. Die extremen Wintertemperaturen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts traten in den nachfolgenden 150 Jahren nicht auf. Von besonderer Bedeutung für die Zuordnung der Lebenszeiträume waren die Jahre 1929, 1940 und 1942 sowie 1954 und 1956 (Negativweiserjahre mit Summe der negativen Tagesmittel der Lufttemperatur von November des Vorjahres bis März des Kalenderjahres über 350 °C, strenge Winter nach HELLMANN 1917). Die Zuordnung der Lebenszeiträume bei den Obstbäumen erfolgte ausschließlich auf der Grundlage der obstbaulich bedeutsamen Schadwinter, da die Übertragbarkeit der Ergebnisse der forstlichen Dendrochronologien auf den Obstbau nicht geprüft und wegen der unterschiedlichen Winterfrosthärte der Gehölze fraglich war. Die Verwendung weiterer Klimafaktoren wie zum Beispiel die Höhe der jährlichen Niederschläge war wegen der nachgewiesenen Beziehungen zwischen den Gehölzen, den Bodenwasserverhältnissen und der Niederschlagsverteilung nicht möglich (PILGER 1951, WAZNY 1990). Die Richtigkeit der Zuordnung der Lebenszeiträume auf der Basis der strengen Winter bei den Obstbäumen wurde durch die niederschlagsabhängige Zuwachsleistung an Grund- bzw. Stauwasser fernen Standorten bestätigt (Jahre mit verminderter Zuwachsleistung 1911, 1913, 1947, 1976, 1988, 1989 und 1992, Jahre mit erhöhter Zuwachsleistung 1954-1956). Die kombinierte Wirkung ungünstiger Witterungsverläufe auf die Zuwachsleistung der Bäume konnte durch die Definition und Einführung neuer Klimakennziffern (Niederschläge je Bezugsjahr, Klimaindex aus den Niederschlägen der Vegetationsperiode und den negativen Gradsummen des vorangegangenen Winterhalbjahres) aufgezeigt werden. Die Unterschiede zu den Indexwerten von LANG, REICHEL und DE MARTONNE (zitiert bei NEBE 1992) beruhen auf einer unterschiedlichen Zusammenfassung der Niederschläge. Der Klimaindex und die Niederschlagsverteilung während des Untersuchungszeitraumes von 1893-1996 wiesen auf eine Zunahme ungünstiger Witterungserscheinungen hin. Bedeutsam für den hochstämmigen Obstanbau auf Grund- bzw. Stauwasser fernen Standorten war in erster Linie die gehäufte Verminderung der Niederschläge während der Vegetationsperioden ab 1976 unter 300 mm.

Die dendrochronologisch untersuchten Obstbäume unterschieden sich in mehreren Merkmalen. Für 25 Apfel-, 3 Birn-, 2 Süsskirsch- und 2 Pflaumen/ Zwetschenbäume war eine Zuordnung der Arten möglich. Aussagen zu den jeweiligen Sorten konnten nicht gemacht werden. Aus den Empfehlungen in den Pomologien und Obstbaulehrbüchern des 19. und 20. Jahrhunderts ist eine Beschränkung der Sorten für Obstäcker und Wegbegleitpflanzungen aufgrund der Lebenserwartung, Standortansprüche, Wuchsstärke oder Anfälligkeit der Früchte bekannt (Illustrirtes Handbuch der Obstkunde 1864-1875, GAUCHER 1902, BECHTLE 1908), so dass bei Pflanzungen von hochstämmigen Gehölzen Sorten mit ähnlichem Anbauwert berücksichtigt wurden bzw. nicht geeignete Kombinationen nicht überlebten. Die Verwendung von Sämlingsunterlagen für die Anzucht von Hochstämmen erscheint wahrscheinlich und wird durch genetische Untersuchungen an Apfelunterlagen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts von LENTZSCH (1998) bestätigt. Es konnten keine identischen Genotypen bei den Unterlagen nachgewiesen werden. Aus der Anzahl an Erfassungsjahren und den Lebenszeiträumen der Bäume resultierten unterschiedliche Belastungen durch Winterfröste. Die ältesten Bäume mit 105-121 Erfassungsjahren überstanden 11, zum Teil sehr strenge Winter, während der jüngste Baum mit 33 Jahren nur 4 strengen Wintern ausgesetzt war. Weitere Unterschiede bestanden in der durchschnittlichen Wachstumsintensität. Der jüngste Baum wies mit 33 Erfassungsjahren einen Stammumfang von 1,74 m auf, während der älteste mit 121 Erfassungsjahren nur 1,47 m Stammumfang erreichte. Die Spannen der durchschnittlichen Zuwachsleistungen bezogen auf die Stammquerschnittsfläche betrugen 9,40 bis 73,4 cm² je Jahr. Den größten Einfluss übten die Bodenwasserverhältnisse aus. Bei den Grund- bzw. Stauwasser beeinflussten Standorten erreichten die Apfelbäume (43-67 Erfassungsjahre) durchschnittliche Zuwachsleistungen von 27,9-37,3 cm² Stammquerschnittsfläche je Jahr. Absenkungen der Wasserstände zum Beispiel durch meliorative Maßnahmen konnten wie an dem Standort Batzlow zu Beginn der 70er Jahre zu einer nachhaltigen Verminderung der Zuwachsleistung führen. Die Untersuchungen von WAZNY (1990) an Eichenbeständen in Polen bestätigten den negativen Einfluss großflächiger Wasserabsenkungen auf die Zuwachsleistung.

An Grund- bzw. Stauwasser fernen Standorten lagen die Durchschnittswerte der Apfelbäume (43-121 Erfassungsjahre) mit 12,0-18,9 cm² Stammquerschnittsfläche je Jahr unter denen an Grund- bzw. Stauwasser beeinflussten Standorten. Abweichend zeigten einzelne Bäume an Grund- bzw. Stauwasser fernen Standorten eine höhere Wachstumsintensität. Bei den Apfelbäumen J und c85/86 lagen die Zuwachsleistungen im Bereich von 23,6-27,3 cm² Stammquerschnittsfläche je Jahr. Als Ursachen für die höhere Zuwachsleistung kamen die individuelle Wuchsstärke der Sorten-Unterlagen-Kombination und kleinräumig begrenzte Unterschiede in der Wasserversorgung an den Gehölzstandorten in Frage.

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Die Analyse der Einflussgrößen auf die Zuwachsleistung erforderte eine schrittweise Bewertung von Einzelfaktoren.

Im Vergleich zu den forstlichen Gehölzen wiesen die hochstämmigen Obstgehölze sehr starke Jahresschwankungen in der Zuwachsleistung aus, die nicht mit Witterungsverläufen (Winterfrösten oder Dürrestress) erklärbar waren (MATSCHKE 1992). Phasen mit regelmäßigem Wechsel von hohen und niedrigen Zuwachsleistungen basierten mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Ertragszyklus des jeweiligen Baumes. ABBASS (1972) stellte diesen Zusammenhang bei seinen dendrochronologischen Untersuchungen an 22 jährigen Apfelbäumen auf Klonunterlagen erstmals fest. Auch HOLMSGAARD zitiert bei WILPERT (1992) konnte an 100 jährigen Buchen nachweisen, dass in Mastjahren (Vollertrag) die Zuwachsleistung in dem betreffenden Jahr und zum Teil in den nachfolgenden Jahren negativ beeinflusst wurde. Die Möglichkeit der mehrjährigen Schwächung der Bäume nach einem Vollertrag geht aus den Beschreibungen des Verhaltens der alten Kernobstsorten hervor. Aus den Pomologien (Illustrirtes Handbuch der Pomologie 1864-1875, KOLOC 1967 und PETZOLD 1989) war bekannt, dass einzelne Sorten einen dreijährigen Alternanzzyklus aufweisen oder unregelmäßig fruchteten. Diese Aussagen stützten sich überwiegend auf Beobachtungen an alten hochstämmigen Obstbäumen.

Der Einfluss der Niederschlagsmengen und der Bodenverhältnisse auf die Entwicklung der Gehölze wurde durch die Kurvenglättung und die Bereinigung der Winterfrost und Alternanz bedingten Schwankungen deutlich. Die jährlichen Schwankungen der Niederschlagsmengen je Vegetationsperiode oder Bezugsjahr waren hoch. Die Gesamtmenge mit durchschnittlich 378,4 mm je Vegetationsperiode und 587,6 mm je Bezugsjahr entsprachen einer geringen bis mittleren Versorgung. In dem Zeitraum von 1893-1997 trat nur eine Serie (1954-56) mit drei aufeinander folgenden niederschlagsreichen Jahren auf und gestattete Rückschlüsse auf die Beeinflussung der vegetativen Leistung. In dieser Zeitspanne konnten an Grund- bzw. Stauwasser fernen Standorten bei ca. 70 und 100 jährigen Bäumen erhöhte Zuwachsleistungen nachgewiesen werden (Positivweiserjahre). Die durch höhere vegetative Leistungen aufgefallenen Apfelbäume J, c85/86 reagierten nicht auf die Erhöhung der Niederschlagsmengen mit einer gesteigerten Zuwachsleistung, was für eine ausreichende Wasserversorgung in den vorangegangenen Jahren durch die Nachlieferung aus dem Boden spricht.

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Niederschlagsabhängige Reaktionen der Bäume von Grund- bzw. Stauwasser beeinflussten Standorten traten nicht auf, oder konnten wegen der künstlichen Regulierung der Wasserstände im Oderbruch oder in dem Siedlungsbereich der Orte Batzlow und Müncheberg nicht nachgewiesen werden (Meliorationsmaßnahmen und Pumpstationen).

Die Stichprobenumfänge der anderen Obstarten gestatteten keine separate Bewertung. Die bei den 32 Obstbäumen enthaltenen Bäume der Arten Birne, Pflaume/ Zwetsche und Süßkirsche zeigten ähnliche Reaktionen wie die Apfelbäume.

Da mit den dendrochronologischen Untersuchungen die Beziehungen zwischen Wuchsleistung und den Boden-/ Bodenwasserverhältnissen nur bedingt erklärt werden konnten, wurde an umfangreichen Beständen hochstämmiger Obstbäume (Alleen) unterschiedlicher Altersstufen dieser Zusammenhang untersucht. Für die Einschätzung der Qualität landwirtschaftlich genutzter Böden standen das Kartenmaterial der Reichsbodenschätzung und der Mittelmaßstäbigen landwirtschaftlichen Standortkartierung der DDR zur Verfügung. Die Reichsbodenschätzung analysierte die Bodenarten (heute Körnungsarten) der Böden sehr genau und leitete Wertzahlen für den Anbauwert landwirtschaftlicher Kulturen ab. Die Mittelmaßstäbige landwirtschaftliche Standortkartierung berücksichtigte in stärkerem Maße den Schichtaufbau der Böden und die Wasserversorgung und legte keine Wertzahlen für den Anbau landwirtschaftlicher Kulturen fest. Bei der Wasserbeeinflussung der Standorte wurden die Stufen Grund- bzw. Stauwasser beeinflusst, teilweise Grund- bzw. Stauwasser beeinflusst und Grund- bzw. Stauwasser fern unterschieden. Eine eindeutige Zuordnung der Bodenwasserverhältnisse für die Gehölze in der zweiten Stufe war nicht gegeben.

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Um die Zusammenhänge zwischen Standortbedingungen und der Zuwachsleistung der Obstbäume aufzuklären, wurden beide Informationsquellen genutzt und der Einfluss der Boden- /Bodenwasserverhältnisse untersucht. Die extensiv gepflegten hochstämmigen Obstgehölze konnten die Langzeitwirkung der Standortfaktoren auf die vegetative Leistung deutlicher als einjährige landwirtschaftlichen Kulturen aufzeigen. Die Grund- und Stauwasser beeinflussten Standorte wurden getrennt von den -fernen betrachtet.

Durch die Darstellung der Boden- und Bodenwasserverhältnisse (Bodenarten/ Leitbodenformen) und durch die standortbezogene Analyse der vegetativen Leistung der Gehölze konnten Zusammenhänge von vegetativer Leistung und Standortkriterien besser aufgezeigt werden. Bei der Obstart Apfel, Sorte ’Klarapfel’, wurden die höchsten vegetativen Leistungen an lehm- oder sandüberlagerten Ton-Amphigley Böden erreicht. Statistisch gesicherte Unterschiede bestanden zu den Ton- und Ton-Amphigley Böden. Bei den Sorten ’Klarapfel’ und ’Schöner aus Boskoop’ erreichten die Bäume an den Grund- bzw. Stauwasser beeinflussten Standorten mit Bodenzahlen von 30-79 ausgeglichene vegetative Leistungen. Im Gegensatz zu den Apfelbäumen zeigten die Birnbäume die höchste vegetative Leistung nicht auf den Lehmstandorten sondern auf Tonböden (Ton-Amphigley) mit Bodenzahlen von 38-73. Wuchsdepressionen traten unabhängig von den Leitbodenformen erst bei der Bodenart L 3Al mit Bodenzahlen von 71-79 auf. Als Ursache für die Reaktionen der Birnbäume kommt eine höhere Toleranz der Unterlagen gegenüber Staunässe in Betracht. Holzbirnen (Pyrus pyraster L.) sind Bestandteil der Hartholzauen (z. B. in den Muldewiesen bei Dessau) und werden jährlich bis in den Stammbereich überschwemmt, ohne Schaden zu nehmen. Die Verwendung von Holzbirnensämlingen als Gehölzunterlagen vor 200 Jahren ist durch die Literatur belegt (SCHILLER 1794).

Die Bewertung der vegetativen Leistung der Apfelbäume an Grund- bzw. Stauwasser fernen Standorten konnte durch Berücksichtigung der Wechselwirkungen von Niederschlagshöhe, Wasserspeicherfähigkeit und -nachlieferungsvermögen der Böden erfolgen.

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Als wertvolle Standorte für den extensiven Obstanbau erwiesen sich die Tieflehm-Fahlerden (Leitbodenform D 4a-1). Sie ermöglichten den Bäumen der Obstart Apfel mit einem breiten Sortenspektrum an Standorten mit Bodenzahlen von 12-50 eine Lebenserwartung von 100 und in einer Allee von mehr als 200 Jahren. Die Wuchsleistung der Bäume erreichte bei dieser Leitbodenform bei den Bodenarten Sl 4D bzw. SL 4D (Bodenzahlen 28-51) die Maximalwerte. Die Wuchsleistungen auf Sand-Rosterden (Leitbodenform D 1a-1) lag bei den Bodenarten S 6D, S 5D und S 4D (Bodenzahlen 12-26) unter den Werten der Tieflehm-Fahlerden. In der Leitbodenform Sand-Rosterde konnten Bäume mit einem Alter von ca. 100 oder 200 Jahren erst an Standorten mit Bodenzahlen über 28 nachgewiesen werden.

Bei der Sorte ’Klarapfel’ nahm in einem ca. 40 jährigen Bestand die Wuchsstärke mit der Steigerung der Bodenzahlen von 12 an zu. Die Maximalwerte wurden in dieser Leitbodenform bei Bodenzahlen von 28-51 erreicht. Die Leitbodenform Sand-Braunerde und Tieflehm-Fahlerde (D 3b-1) nahm eine Zwischenstellung bei der Bewertung der obstbaulichen Eignung ein. Die höchsten vegetativen Leistungen wurden in dieser Leitbodenform bei der Bodenart Sl 3D (Bodenzahlen 35-42) erreicht. Der positive Einfluss dieser Bodenart konnte auch bei den ca. 200 jährigen Bäumen nachgewiesen werden.

Die Bewertung des Verhaltens der Sorten auf einer Klonunterlage bietet den Vorteil, dass eine ungewollte Beeinflussung durch die Unterlagengehölze ausgeschlossen werden kann und die Ergebnisse reproduzierbar sind. Einschränkungen bei der Verallgemeinerung der Ergebnisse leiten sich aus der individuellen Verträglichkeit von Sorte und Unterlage ab. Die Sorten-Unterlagen-Kombination und das Pflegeregime wirken im Komplex auf die Entwicklung der Bäume und wurden als solcher in obstbaulichen Versuchen auf diluvialen Standorten nachgewiesen (SCHWÄRZEL und SCHNEIDER 1996, SCHWÄRZEL und SCHWÄRZEL 1996). Nur aus vergleichenden Versuchsanstellungen mit mehreren Unterlagen und Sorten könnten verallgemeinerungsfähige Rückschlüsse auf das Verhalten der Sorten gezogen werden. Aus Versuchen von GROH und KOCH (1979) ging hervor, dass die Unterlage A2 in der Wuchsstärke dem Sämling gleichzusetzen war bzw. zu stärkerer Wuchsleistungen bei den Kombinationen führte. Unter einheitlichen Bedingungen des Versuchsfeldes bestanden bei Apfelbäumen in Kombination mit der Unterlage A2 Sortenunterschiede in der vegetativen und generativen Leistung. Außerdem unterschieden sich die Einzelbäume innerhalb der Sorten. Die jährliche Zuwachsleistung war von der Ertragsbildung sowie Witterungseinflüssen (Höhe der Niederschläge je Vegetationsperiode sowie Bezugsjahr) abhängig. Diese Aussagen wurden durch Untersuchungen der Zuwachsleistung an den 32 alten Bäumen aus den Alleen und durch die Untersuchungen von ABBASS (1972) bestätigt.

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Die Wirkung von Polarwintern konnte in dem Untersuchungszeitraum nicht und die des Dürrestresses anteilig nachgewiesen werden.

Ausgehend von den dendrochronologischen Untersuchungen über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren an extensiv gepflegten, hochstämmigen Obstbäumen, der begleitenden Analyse der Klimaverläufe von 1767-1997, der umfangreichen Bewertung der Boden-/ und Bodenwasserverhältnisse in 12 Obstalleen und den Ergebnissen der Untersuchungen an Apfelsorten im Sortengarten konnten Kriterien zur Standort- und Gehölzauswahl bei extensiven Anpflanzungen von hochstämmigen Obstbäumen erarbeitet werden.

Der Erfolg extensiver Obstgehölzpflanzungen wird durch das Zusammenwirken der Standortfaktoren Boden (Boden-/ Bodenwasserverhältnisse), Klima (Temperaturverläufe und Niederschlagsverteilung) und der ökologischen Anbaubreite der Sorten-Unterlagen-Kombination bestimmt.

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Eine Grundforderung an die Wahl der Sorten-Unterlagen-Kombinationen ergibt sich aus den periodisch auftretenden Polarwintern. Die hochstämmigen Obstbestände wurden während der vergangenen 200 Jahre mehrmals zu 30-75 % durch Winterfröste vernichtet. Daraus resultiert die Forderung nach Winterfrost harten Sorten-Unterlagen-Kombinationen als Voraussetzung für den extensiven Obstanbau. Bei der Unterlagenwahl sind Winterfrost harte Sämlingspopulationen zu bevorzugen und mit Sorten zu kombinieren, die eine ausreichende Winterfrosthärte aufweisen (SALZER 1984). Von zahlreichen Altsorten der verschiedenen Obstarten ist die Winterfrosthärte bekannt (RUDORF, SCHMIDT und ROMBACH 1942). Experimente mit neuen Sorten sollten nur in geringem Umfang durchgeführt werden, um im Schadensfall nicht ähnlich hohe Verluste wie nach dem Winter 1928/29 beklagen zu müssen. Da die Wuchsstärke und das Ertragsverhalten der Sorten sehr stark variieren, sollten bevorzugt starkwachsende, in den ersten Standjahren wenig fruchtende Sorten verwendet werden, da nur diese den Anspruch an ein langlebiges, landschaftsprägendes Gehölz erfüllen können. Bei der Obstart Apfel sind besonders die starkwachsenden triploiden Sorten hervorzuheben.

Eine wesentliche Bedeutung kommt neben der Wahl der Sorten-Unterlagen-Kombination den Boden- / und Bodenwasserverhältnissen am Standort zu. Die Wasserversorgung der Böden bestimmt in erheblichem Maße die Wachstumsintensität der Gehölze. Tritt das Wasser nicht als Limitfaktor auf, so können Kernobstbäume (Obstarten Apfel und Birne) an Standorten mit Bodenzahlen von 30-79 ausgeglichene Wuchsleistungen erbringen (Grund- bzw. Stauwasser beeinflusste Standorte). Bei der Obstart Apfel werden an sand- und lehmüberlagerten Alluvialstandorten höhere Zuwachsleistungen als an Deckton-Standorten erzielt. Die Obstart Birne erreicht an Deckton-Standorten Zuwachsleistungen, die zum Teil deutlich über denen an sand- und lehmüberlagerten Alluvialstandorten liegen. Wuchsdepressionen treten bei der Obstart Birne erst an den schweren L3 Al Standorten auf.

Die Bedeutung der Leitbodenformen und der Bodenarten (Körnungsarten und Bodenzahlen) tritt an Grund- bzw. Stauwasser fernen Standorten durch die Wechselwirkungen mit den Niederschlägen deutlich hervor. Von den untersuchten Leitbodenformen war unabhängig von der Bodenart des Oberbodens die Tieflehm-Fahlerde für den extensiven Obstanbau die Günstigste. Bei Sand-Rosterden und Bändersand-Rosterden werden Lebenserwartungen der Bäume von 100 Jahren erst an Standorten mit Bodenzahlen von 28-34 und mehr erreicht.

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Die Standortwahl sollte aufgrund der Kenntnis der Klimazonen und den damit verbundenen Erwartungswerten für die Niederschläge so erfolgen, dass der nachgewiesene Dürrestress für die Obstbäume möglichst gering bleibt oder diese sich vom Sickerwasser unabhängig entwickeln können. Die anthropogen verursachte Veränderung des Klimas, welche sich auch in einer Erhöhung der niederschlagsarmen Jahre ausdrückt, sollte Berücksichtigung finden.

Aus den Ergebnissen leiten sich die nachfolgend genannten Kriterien zur Standort- und Gehölzauswahl bei extensiven Anpflanzungen von Obstbäumen ab.

Boden/ Klima

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Gehölze (Sorten-Unterlagen-Kombinationen)

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10.04.2008