5 Zusammenfassung

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Die Bedeutung der HLA-Kompatibilität konnte in dieser Arbeit bestätigt werden. Dabei korreliert das Nierentransplantatüberleben positiv mit dem Grad der Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger. In dieser Arbeit konnte auch gezeigt werden, daß vermehrte Transfusionen und vorhergehende Transplantationen die Organüberlebenszeit deutlich verkürzen. Betrachtet man ganz allgemein das Antikörperverhalten von Rezipienten vor und nach Transplantation, so können vier Antikörpergruppen definiert werden. Die beste Transplantatüberlebenszeit zeigten Patienten ohne Antikörpernachweis sowohl vor als auch nach Transplantation. Ähnlich gut fielen die Ergebnisse bei Patienten aus mit Antikörpernachweis vor Transplantation, die dann unter Immunsuppressiva nach Transplantation nicht mehr nachweisbar waren. Eine deutlich schlechtere Nierenfunktion war nachweisbar bei Patienten mit persistierenden HLA-Antikörpern nach Transplantation, wobei Empfänger mit positivem Antikörpernachweis bereits vor Transplantation eine kürzere Überlebenszeit zeigten, als Patienten, die erst nach Transplantation Antikörper bildeten.

Diese Arbeit konnte vor allem zeigen, daß die Sensibilisierung der Transplantatempfänger die wesentliche immunologische Rolle für den Transplantationserfolg spielt. Aufgrund der klinischen Relevanz empfehlen wir ein intensives Antikörperscreening vor Transplantation und ein Monitoring nach Transplantation. Man gewinnt Informationen zum individuellen Antikörperverhalten, die es ermöglichen, eine auf den Patienten abgestimmte Therapie anzubieten. So kann man einerseits bekannten „Low Respondern“ eine Niere mit geringer Gewebeübereinstimmung einpflanzen, die gut akzeptiert wird. Andererseits können aufgrund von Vorbefunden verbotene Antigene und erlaubte Missmatche definiert werden, die das Spenderangebot sinnvoll erweitern bzw. eingrenzen. Und schließlich können „High Responder“ definiert werden, die zu einer guten Transplantatfunktion eine maximal hohe Gewebeübereinstimmung benötigen.

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Unabhängig vom individuellen Antikörperstatus sollten generell Sensibilisierungen möglichst vermieden werden. Als Sensibilisierungsquelle dienen einerseits Transfusionen. Mit Einführung des Erythropoeitin und Umstellung auf leukozytendepletierte Erythrozytenkonzentrate und Plasmen konnte hier eine gute Basis geschaffen werden. Andererseits führen auch Transplantationen zur Sensibilisierung. Da heutzutage die Anzahl der Patienten, die eine wiederholte Transplantation erhalten, zunimmt, sollte eine gute Histokompatibilität auch bei Ersttransplantation von nicht-sensibilisierten Patienten angestrebt werden.

Standard für das Matching ist zur Zeit die Kalkulation von breiten und Split-Spezifitäten der HLA-Antigene. In Zukunft sollte das Matching noch detaillierter auf Ebene von Aminosäureunterschieden erfolgen. Damit werden die molekularen Unterschiede der HLA-Antigene berücksichtigt, die letztendlich zur HLA-Antikörperantwort führen. Für immunologische Risikopatienten (Retransplantierte, Patienten mit Immunisierung durch Transfusionen und Schwangerschaften) sollte eine molekulargenetische HLA-Typisierung erfolgen. Zusammen mit Informationen aus der HLA-Antikörperdiagnostik wird es dann möglich, akzeptierte und zu vermeidende HLA-Inkompatibilitäten zu definieren. Für hochimmunisierte Patienten wird dieses Verfahren in einigen Zentren bereits angewandt. Die Erweiterung auf alle sensibilisierten Patienten ist zu empfehlen.


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27.05.2005