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1  Zum Verhältnis von Subjekt und Diskurs: Theoretischer Hintergrund

Die nachfolgenden Überlegungen und Analysen stützen sich auf Subjekttheorien, die die gesellschaftlichen und transindividuellen Dimensionen und die Dynamiken der Subjektkonstitution betonen. Die Kernthese ist, daß Subjektpositionen und Subjektivität nur in diskursiven Kontexten existieren und von den jeweiligen Regeln und Bedingungen des Diskurses abhängen. Subjekt-Sein im Sinne von Selbstverständnis, jedoch auch im Sinne von "Positionen in der sozialen Welt innehaben" ist nicht gegeben, sondern wir müssen an der Oberfläche des Sprechens und Interagierens, in permanenten Mikropraktiken des Sprechens und anderen Formen des symbolischen Austauschs immer wieder aufs Neue als Subjekte entstehen. "Subjekt-Sein" ist also entgegen der geläufigen Definition als Zustand andauernde Performanz als alltägliche Reproduktion vieler unscheinbarer Mikropraktiken – Identität ist (praktische) Routine (Butler 1991). Der überwiegende Teil solcher subjekt(re)-konstitutiven Performanzen und Routinen sind sprachlich strukturiert, Praktiken des Sprechens, Kommunizierens, und der Interaktion.

Im Unterschied zu Positionen der Bewußtseinsphilosophie und des idealistischen Humanismus, die Subjekte als autonome, diskursunabhängige Handlungs- und Entscheidungsträger betrachten, sogar fordern, um zu moralischen oder ästhetischen Urteilen zu gelangen, wo also Subjekte Sprache verwenden und sich ihrer bedienen zum Zwecke des adäquaten "Ausdrucks", gehen diskursorientierte Theorien davon aus, daß Subjekte gleichzeitig durch inhaltliche Strukturen und formale Bedingungen des Sprechens determinierte, aber zunächst "leere" und von jedem einnehmbare Positionen innerhalb spezifisch strukturierter Diskurse darstellen. Subjektpositionen als Leerstellen können potentiell von allen Menschen eingenommen werden, die sich den Regeln unterwerfen, wie und worüber unter je spezifischen Bedingungen gesprochen werden muß, um legitimer Diskursteilnehmer zu sein. Erst durch die Besetzung solcher diskursiver Leerstellen werden Menschen erst zu Subjekten,8 werden in einem bestimmten Rahmen handlungsfähig, bekommen Konturen und Möglichkeiten, sich selbst zu "erkennen" und von anderen erkannt zu werden (Foucault 1973:139; Benveniste dt.1974:283;293). Im Unterschied zu sozialpsychologischen und soziologischen Termini wie "Individuum" und "Identität" (im Singular), ist das Subjekt immer historisch, gesellschaftlich und kulturell geprägt, und bezeichnet Positionen, die den sprechenden, am Diskurs beteiligten Menschen definieren, nicht jedoch "ursprünglich" diesem Menschen eigen sind.

Das "Positioniert-Werden-in-der-Rede" durch Diskursstrukturen ist ein universelles Phänomen, man kann nur innerhalb von Interpretations- und Handlungsrahmen über Konturen, Positionen und Haltungen, Handlungen und [Seite 14↓]Anschlußhandlungen verfügen. Aber partikulare Positionierungen können (wenn sie als überwindbar, als Alternativen zu anderen Positionen im Lauf der Entwicklung erkannt werden) vermieden und abgelehnt werden, neue Rahmen können für den einzelnen relevant werden. Insofern steht das Subjekt in einem dialektischen Verhältnis von Freiheit und Struktur: es kann kaum wählen, frei von fremden Positionierungen zu handeln und repräsentiert zu werden, aber es kann wählen, welche gesellschaftlich verfügbaren Positionierungen es (nicht) einnehmen möchte. Oder, frei nach Barthes: wir bleiben Sklaven der Sprache (des Diskurses), aber wenigstens wir können wir über die Art der Fesseln entscheiden.

In diesem Sinne sind Subjekte nicht Voraussetzung, sondern Effekte einer bestimmten Art des Sprechens/Schreibens, Resultate, nicht ihr Ursprung. Der Diskurstyp bringt seine Subjekte ebenso hervor, wie das Subjekt seinen Diskurs. Es drückt sich nicht nur aus in der Rede, sondern wird durch die Rede, in der Rede (die historisch und gesellschaftlich organisiert und strukturiert ist) konstituiert.

1.1 Benveniste

Der französische Linguist Émile Benveniste (frz. 1966; dt. 1974) zeigt, wie konkret die Diskursabhängigkeit des Subjekts ist. Die Fähigkeit, "Ich" zu sagen oder zu denken, definiert das Subjekt, den subjektiven Modus. Dieses "Ich" kann jedoch als Pronomen nie auf ein außerhalb der aktuellen Redesituation (bzw. jeder durch ein Zeichensystem organisierten Situation mit dem entsprechenden Zeichen für "Ich") befindliches Individuum referieren, sondern immer nur als "Ich, der/die SprecherIn" referentiell bestimmt werden. "Ich" ist daher eine Position im Diskurs (in der dialogisch strukturierten Grundkonstellation), das Subjekt, das sich durch "Ich" selbst bezeichnen will, kann sich nur durch den Verweis auf eine genuin diskurslinguistische Kategorie bestimmen: Ich, der Sprecher, le locuteur. "Über die Subjektivität in der Sprache" (1958/dt.1974:287ff.) beschreibt die deiktischen Elemente der Sprache (wie Pronomina) als "Instrument ... einer Umwandlung, die man die Umwandlung der Sprache in den Diskurs nennen kann" (S.283). Die Personalpronomen "Ich" und "du" operieren dabei als Signifikanten, die allein in der aktuellen Redesituation und nur momentan ein Signifikat und einen Referenten haben - nämlich ihre Sprecher oder Hörer (=Du). Sie sind leere Signifikanten ohne konventionelles (aber dafür mit kontextuellem) Signifikat. Denn jeder Benutzer des Pronomens "Ich" wird erst dadurch, aber dafür unweigerlich zum "Ich": Ego est qui dit Ego.

Benveniste unterscheidet zwei Aspekte des Subjekts: das sujet de l'énonciation, oder referierendes Äußerungssubjekt und das sujet de l'énoncé, auf das referiert wird, und das im Falle der gesprochenen Sprache dem geäußerten Pronomen "Ich" entspricht (Subjekt der Äußerung). Der Wert und die Bedeutung dieser Pronomen ist nur als Relation bestimmbar. Er ist zum [Seite 15↓]einen abhängig von der Redesituation, vom "Diskurs" als dialogisch strukturierter Situation zwischen zwei oder mehreren Partnern, denn nur in einer solchen Situation gibt es ein "Ich" und dadurch ein "Du". Zum anderen ist ihr Subjektstatus innerhalb des dialogischen Paradigmas instabil, weil es Diskontinuität aufgrund des dialogischen Wechsels der Sprecherpositionen beinhaltet: Wer eben noch "Ich" sagte und dadurch Ich war, wird im nächsten Augenblick, nach erfolgtem Sprecherwechsel, zum "Du". In den Intervallen, während des Wechsels haben diese beiden Terme keine Bedeutung. "Ich" (und damit die Subjektivität des Sprechers) hat nur momentane Existenz und Referenz. Die Realität, auf die "Ich" verweist und in der "Ich" allein gültig ist, ist die Realität des Diskurses: "Da sie keine materielle Referenz besitzen, können sie nicht 'schlecht' angewendet werden; da sie nichts behaupten, sind sie der Bedingung der Wahrheit nicht unterworfen und entgehen jeder Verneinung" (dt. 1974:283). "Ich" kann immer behauptet werden, aber nur im Akt der Behauptung gibt es "Ich". Theoretisch impliziert dies auch: Nur während der Rede gibt es "mich". Das ist natürlich in lebensweltlichen Zusammenhängen eine unsinnige Feststellung, weil mein "Gefühl für mich als Subjekt" aus mannigfaltigen Subjektpositionierungen und -aspekten besteht und nie alle zugleich "schweigen", außerdem geht der Ich-behauptende Diskurs auch als innerer Monolog und durch ein Sich-Denken weiter. Doch theoretisch ist eine Subjektposition diskontinuierlich, muß immer wieder neu besetzt, reproduziert, vergegenwärtigt und mittels Sprache oder anderer symbolisch strukturierter Systeme "in Szene" gesetzt werden (auch z.B. künstlerische, nicht-sprachliche Produkte gelten oft als Ich-Setzung oder Ich-Negation, aber man kann auch diese symbolischen Systeme als "Sprachen" definieren – vgl. dazu Barthes 1983).

Benveniste zeigt, daß nur im Kontext einer auf die Sprechsituation gültigen Kategorie das subjektkonstitutive Pronomen "Ich" Sinn und Existenz hat. Subjekte treten nur im aktuellen Vollzug von Sprache in Erscheinung und sind daher von den Regeln und Grundlagen des Sprachgebrauchs abhängig. Erst in der Ausübung von Sprache liegt die Möglichkeit von Subjektivität begründet (Benveniste dt.1974:291).

In dieser Skizze sind bereits die wichtigsten definitorischen Merkmale des diskursiven Subjekts enthalten. Diskursive Subjektpositionen sind diskontinuierlich und müssen daher immer wieder performativ aktualisiert werden. Das bedeutet auch, daß im Laufe von Interaktionen und aktuellen Diskurssituationen, aber auch in unterschiedlichen diskursiven Kontexten unterschiedliche Subjektpositionen etabliert werden. Das diskursive Subjekt ist daher fragmentiert, aus vielen Positionen zusammengesetzt, die nicht immer alle gleichzeitig in einem bestimmten Kontext aktualisiert werden. Andererseits können heterogene oder "widersprüchliche" Positionierungen im selben diskursiven Kontext vom Subjekt eingenommen werden. Das Subjekt ist "un-eins", zusammengesetzt aus vielen Positionen und diese bilden kein kohärentes Ganzes, sondern Widersprüche, Brüche und Lücken, wo sie nicht zusammenpassen. Weiterhin ist das Subjekt abhängig von einem Gegenüber, [Seite 16↓]einem anderen. Es definiert sich nur in Relation zu weiteren Kategorien und Diskurspositionen: Ich/Du; Wir/Jene, Sprecher/Hörer usw.

1.2 Das semiotische Subjekt

Das Subjekt ist nicht nur definiert als sprechende Instanz, es ist auch der Ort, an dem Bedeutung stattfindet: the site of meaning-making, locus of signification (Fiske 1987:129). Das folgt aus seiner relationalen Konstituiertheit. Abhängig von einem Gegenüber, einem "Du", kann es sich selbst immer nur in Anwesenheit eines Gegenübers als "Ich" positionieren, als Subjekt erfahren. Dieses Gegenüber kann aber auch ein symbolisch strukturiertes Ensemble sein, daß nur mittelbar "zu ihr/ihm spricht": ein Film, ein Roman, eine Sendung im Fernsehen, Bilder, Werbung usw. In diesen Kontexten definiert sich das "Ich" über signifizierende Akte wie: ich sehe etwas, mir gefällt etwas, ich glaube, daß.., die das Gegenüber entziffern, lesen, "verstehen" wollen (es sind im Grunde dieselben Akte, die es auch in der diskursiven Situation mit einem sprechenden Gegenüber einnimmt. Doch es gibt wichtige Unterschiede: z.B. wechseln die Positionen nicht und das Bild, der Film usw. kann nicht rückbestätigen, ob das Resultat des Entzifferns "richtig" ist). Hier wird ein weiterer Aspekt des diskursiven Subjekts sichtbar, nämlich das durch den Text/Film "aus- oder angesprochene" Subjekt, der implizite Leser oder Rezipient.

In der Terminologie der Filmsemiotikerin Silverman entspricht das dem spoken subject," i.e. the subject produced through the identification with the subject of the speech, novel, or film ... the subject produced through discourse" (Silverman 1983:47). Wichtig an der Konzeption solcher Konstellationen ist vor allem, daß der Text/das Bild/der Film in seinen Strukturen bereits bestimmte Lesehilfen (preferred readings, Hall 1982) gibt und Interpretationen nahelegt, also Leserpositionen vorwegnimmt, die - werden sie genau so im tatsächlichen Lesevorgang auch dekodiert - nicht als Leistung des Subjekts, sondern als Leistung des Texts gelten müssen. Insofern wäre das Subjekt im scheinbar produktiven, aktiven Vorgang des Lesens und Entzifferns doch ein "Sklave" (Barthes 1957) der Textstruktur - ohne es zu bemerken. Denn der Vorgang des Lesens selbst ist eine Aktivität. "Wir" lesen, also ist es "unser" Sinn. Aber er war schon da, bevor wir ihn "gemacht" haben, wir reproduzieren in einem solchen Fall nur fremde Definitionen (Althusser 1970; Williamson 1978), aber wir glauben es nicht, bemerken es nicht (das ist der ideologische Vorgang - zu glauben, es sei unser "eigener" Sinn, wo wir nur fremden Sinn reproduzieren).

Ich möchte die Argumentation und die Entwicklung dieser Diskussion bewußt kurz und möglichst einfach halten, da es viele kompetente Stellen gibt, die diese Zusammenhänge differenziert und umfassend beschreiben (siehe z.B. Silverman 1983 und Williamson 1978 für brillante semiotische Studien zu Film und Werbung). Im Zusammenhang mit den Subjektkonstitutionen in Talkshows sind jedoch folgende Punkte wichtig. Zum einen werden sowohl im inneren [Seite 17↓]Kommunikationskreis (Linke 1985) zwischen Gästen, Moderatoren und ExpertInnen Subjektpositionen konstituiert als auch in der Interaktionsdyade Sendung-Zuschauer. Andererseits ist im Zusammenhang mit der Wissenszirkulation und dem von Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey selbstdefinierten Projekt "to bring people closer to knowing themselves" nicht unerheblich, daß dieses "Wissen von/um einen selbst" immer schon vermitteltes, vorher bestehendes Wissen ist. Die Selbsterkenntnis, die persönliche Erfahrung und die authentische Wahrheit des Subjekts (des Alltagsmenschen in der Talkshow und vor dem Bildschirm), die dort verhandelt werden, sind als "bedeutsame" signifikante Fakten über gesellschaftliche Definitionen und Diskurse fremdvermittelte. D.h., das Bewußtsein - als Selbstbewußtsein und Möglichkeit, sich selbst zu erkennnen - wird durch gesellschaftliche Diskurse und nicht durch individuelle Vorstellungen geprägt; es ist gerade nicht "subjektiv" im Sinne der "eigenen Vorstellungen", die dem Individuum immerzu unterstellt werden (für die komplizierten intrapsychischen Prozesse der Subjektkonstitution durch das Raster und die Lenkung mittels fremder, äußerlicher Symbolsysteme vgl. Lacan u.a. 1986:61ff.).

Verschiedene Diskurse stellen verschiedene Subjektivitätsmodi und Subjektpositionen zur Verfügung, und die Art, wie bestimmte Diskurse Subjekte konstituieren, hat Folgen für die Reproduktion der Machtverhältnisse oder den Widerstand dagegen. Das Subjekt-im-Prozeß stellt den Schauplatz der durchaus widerstreitenden möglichen Versionen der "Bedeutung" (wie sie in Diskursen und diskursiven Feldern repräsentiert sind) von Ereignissen und Erfahrungen dar.

Was ein Ereignis, eine Erfahrung für ein Individuum bedeutet, ist von seiner Interpretation der Welt, von den ihm in einem bestimmten Augenblick zugänglichen Diskursen abhängig. So hängt bspw. die Art, wie eine Frau häusliche Gewalt erfährt und auf sie reagiert, davon ab, welche Interpretationsformen ihr dafür überhaupt zur Verfügung stehen. Dies schließt ihr Selbstbild und ihre Vorstellungen von Weiblichkeit sowie ihre Ansichten über Männlichkeit und Familienleben mit ein. (Weedon 1990:103)

Das Zitat ist besonders für den hier untersuchten Kontext der Talkshows sehr passend, denn solche Diskurse und Interpretationsformen strukturieren dort die soziale Wirklichkeit der Gäste (und der ZuschauerInnen vor dem Bildschirm). Die Frage stellt sich dann, ob Talkshows nicht massiv dazu beitragen, bestimmte Subjektivitätsangebote massenhaft zu verbreiten und zu fördern, die den Alltagsmenschen in der Sendung immer wieder nahegelegt werden, ob sie nicht auf ihre Weise subjektkonstitutive Funktionen erfüllen, besonders wenn man die Funktionen der "ExpertInnen" in solchen Shows bedenkt, die regelmäßig die Erfahrungen und Geschichten der eingeladenen Gäste interpretieren:

Die Bedeutung von Erfahrungen stellt vielleicht den entscheidendsten Punkt des politischen Kampfes um Bedeutungen dar, da das Individuum hier persönlich, psychisch und emotional an ihr beteiligt ist. Sie spielt auch bei der Bestimmung der Rolle des Individuums als eines sozial handelnden Wesens eine große Rolle. Sie beeinflußt sowohl das Wo und das Wie des individuellen Handelns als auch, ob seine Handlungsweise auf zustimmender Anerkennung ihrer Bedeutung und Auswirkung, auf bewußtem Widerstand [Seite 18↓]gegen sie oder auf den Forderungen anderer, äußerer Notwendigkeit basiert. (Weedon 1990:104)

1.3 Althussers Subjekt

Der marxistische Philosoph Louis Althusser hat das Subjekt als Ort, an dem Signifikant und Signifikat artikuliert werden,9 als bedeutungskonstitutive Instanz in genau dieser Eigenschaft wohl am radikalsten in Frage gestellt. Er interessierte sich für den Ursprung der Bedeutung, die das Subjekt scheinbar in den Dingen und Vorgängen des Lebens "erkennt" oder herstellt. Ist diese Bedeutung "kreativ" oder "reproduziert" sie immer schon Vorgegebenes? Wer hat es vorgegeben und welche Zwecke stecken dahinter? Gibt es das Subjekt vor den Bedeutungsprozessen, oder wie entsteht es? Was strukturiert die "Sinnherstellungsinstanz" ihrerseits? Auf diese Fragen hat Althusser versucht, Antworten zu finden, und eine zentrale These lautet (gröbstens verkürzt): Jedes "Selbst-Erkennen" ist Selbsttäuschung,10 denn wir erhalten unsere Bilder über uns immer von fremden Instanzen, auch wenn es sich vordergründig als freie Leistung unseres scheinbar selbstbestimmten Bewußtseins darstellt, als unsere eigene Definition, unser Selbstverständnis, unsere Vorstellung darüber, wer wir sind. "Die" Ideologie generiert das Subjekt, das sich als selbstbestimmt wahrnimmt und in Wirklichkeit doch nur eine "Erfindung" des "Systems" zum Zwecke der reibungslosen Reproduktion der Produktionskräfte ist. Althussers marxistische Philosophie kann hier nicht weiter diskutiert werden, aber die Frage nach dem Zusammenhang von Subjekt und Ideologie hat interessante Aspekte.

Radikal-semiotisch ließe sich Althussers Ausgangsthese so reformulieren: Die Ideologie sorgt dafür, daß Subjekte sich nicht einfach nur als "Empfänger" von Botschaften sehen, sondern sich in einem aktiven Sinn als die Urheber der Bedeutungen wähnen - sie allein geben den Dingen "ihren" Sinn. Aber, und das ist die Crux von ideologischen Operationen: wir sind doch nur vermeintliche "Urheber", weil wir von den Texten, Diskursen und anderen gesellschaftlichen Instanzen aufgefordert, angestiftet werden, als solche tätig zu werden, diesen (oder jenen) Sinn zu entziffern. Dieser Sinn jedoch ist schon in den diskursiven und textuellen Strukturen und Praktiken hinterlegt, anderswo geschaffen, nicht "unser eigener" Sinn. Mustergültig läßt sich diese Annahme für die Analyse von Werbung einsetzen (z.B. Williamson 1978). Der dort entzifferte Sinn ist von professionellen Teams besprochen und bis ins Detail [Seite 19↓]vorab festgelegt,11 im Auftrag des Kunden konzipiert und soll nun vom potentiellen Konsumenten nur noch "herausgelesen" werden. Das Verkennen der Fremdbestimmtheit von Sinn und v.a. von unseren Selbstbildern und unserem Selbstverhältnis - kurz unserer Subjektivität - ist nach Althusser der zentrale Mechanismus aller ideologischer Operationen.

Der Begriff des spoken subjects (s.o. Silverman 1984) leitet sich von Althussers Subjekttheorie ab, die ihrerseits Benvenistes Grundgedanken umkehrt. Benveniste beschreibt die diskursive Grundsituation als Bedeutungstransaktion zwischen zwei Personen, wobei die eine die andere anspricht und in diesem Vorgang sich selbst definiert. Althusser hingegen, dessen umfassende marxistische Theorie der ideologischen Staatsapparate (1970/dt.1977) hier nur in ihrem Teilaspekt der ideologischen Subjektkonstitution angerissen werden kann, verweist darauf, daß diese Transaktion nicht nur zwischen zwei "Privatmenschen" abläuft, sondern zwischen kulturellen und gesellschaftlichen Institutionen (den ideologischen Staatsapparaten wie Schule, Kirche, Familie usw.) und dem einzelnen, der durch die Diskurse dieser Institutionen, durch ihre impliziten, interessegeleiteten Perspektiven auf die Welt geprägt wird. Dieser Prägungsvorgang wird von Althusser als "Anrufung" (interpellation 12) beschrieben. Die gesellschaftlichen Institutionen benennen den einzelnen unter einer bestimmten Perspektive, fordern ihn auf, sich als ein Bestimmter "zu erkennen", in ihrem Spiegel zu betrachten, und definieren durch diese Transaktionen des Sinnes weniger sich selbst als vielmehr die Identität der jeweils anderen Person (Benvenistes "Du"). Ideologisch im Sinne Althussers ist daran, daß die Ideen, die das Subjekt scheinbar freiwillig entwickelt, vor allem die über sich selbst, nicht einem autonomen, spersönlichen Bewußtsein, sondern ideologisch funktionalisierten Apparaten und Institutionen entspringen. Das individuelle Bewußtsein wird von den dort ausgehenden, auf das Individuum gerichteten Definitionen durch den Vorgang der Anrufung geprägt. Althusser beschreibt dies so:

Wir behaupten, daß die Ideologie in einer Weise 'handelt' oder funktioniert, daß sie durch einen ganz bestimmten Vorgang, den wir Anrufung nennen, aus der Masse der Individuen Subjekte 'rekrutiert' (sie rekrutiert sie alle) oder diese Individuen in Subjekte 'transformiert' (sie transformiert sie alle). Man kann sich diese Anrufung nach dem Muster der einfachen und alltäglichen Anrufung durch einen Polizisten vorstellen: "He, Sie da!" Wenn wir einmal annehmen, daß die vorgestellte theoretische Szene sich auf der Straße abspielt, so wendet sich das angerufene Individuum um. Durch diese einfache physische Wendung um 180 Grad wird es zum Subjekt. Warum? Weil es damit anerkennt, daß der Anruf 'genau' ihm galt und daß es 'gerade es selbst war, das angerufen wurde' (und niemand anderes). (Althusser dt.1977:142-3)

Dieses Szenario verdeutlicht, daß es eine klare Trennung zwischen den Konzepten des speaking subjects (der Staat in Gestalt des Polizisten) und des [Seite 20↓] spoken subject (das sich umwendende, gemeintfühlende Subjekt) gibt. Es wird auch deutlich, daß es keine klare Trennung zwischen einem diskursiv konstituierten und einem psycho-sozialen Subjekt geben kann (Maingueneau 1996): Das Bewußtsein davon, wer man ist und wann man "gemeint" ist, sich in irgend etwas wiedererkennt, ist immer durchzogen von sozialen Bedeutungen, kollektiver Signifikanzen, an deren Zustandekommen die einzelnen nicht beteiligt waren. Darum stellt das Subjekt die sozial (über Diskurse) konstituierte Dimension des Menschen dar. Im Gegensatz zum soziologisch oder lebensweltlich verwendeten Begriff des Individuums, wird "Subjekt" unter einer kritischen Perspektive als Konstruktion im Dienste der herrschenden Verhältnisse betrachtet (Fiske 1987).

Althussers Metaphorik (einer übermächtigen Institution, eines ohnmächtigen Individuums) hat kafkaeske Züge, und die Ohnmacht vor "der Ideologie" (als scheinbar einheitlicher zumal) ist in ihrer Zuspitzung theoretisch und praktisch nicht haltbar. Pan-ideologische Ansätze nehmen sich die Möglichkeit, kritisch zu sein. Ohne mich in die deterministischen Fallstricke von Althussers Denken begeben zu wollen, meine ich dennoch, daß der interaktive Aspekt der Anrufung und ihre Verortung in gesellschaftlichen Formationen (als Diskursformationen oder Institutionen), die die Identifikation und Selbstwahrnehmung des einzelnen maßgeblich und von Anfang an strukturieren, nur effizient und reproduktiv funktionieren, wenn sie angenommen werden. Definitionen, Namen, Klassifikationen müssen "freiwillig" als die "richtigen" ratifiziert werden, es muß Konsens zwischen Individuum und Anrufungsinstanz herrschen, um eine wirksame Einfügung in die bestehenden Verhältnisse zu sichern. All dies scheinen mir durchaus haltbare Thesen, die gerade für eine kritische Analyse auf der interpersonellen Ebene der Sprache überlegenswert sind. Althussers Anrufungsmodell ist als Vorgangsbeschreibung sprachwissenschaftlich relevant, da grundsätzlich jeder kommunikative Akt "anrufenden" Charakter besitzt (Appellfunktion, Bühler 1930; Sprechakttheorie und performative Sprechhandlungen vgl. Austin 1962; Searle 1969). Insofern könnte die Anrufungstheorie als ideologiekritische Erweiterung der Sprechakttheorie betrachtet werden, die ja als erste linguistische Richtung durch den Begriff der Illokution auf die interpersonelle Handlungsdimension von Sprache verwiesen hat.

Ein Beispiel aus dem Bereich der Talkshows soll das verdeutlichen. Die Eröffnungssequenzen jeder Show gestalten sich als direkte Ansprache an die Zuschauer zu Hause seitens der Moderatorinnen. Das Thema wird meistens durch Äußerungen mit dem Pronomen "you" in thematischer Position eingeführt, und das ist vermutlich kein Zufall. Picture this, you are sitting in front of the television, watching...; See if you can relate to any of these women's symptoms...; What you're seeing there may look like mayhem in an American household... Dieses Pronomen besitzt nur in der diskursiven Situation Bedeutung, und nur insofern als sich die so Angesprochene damit identifiziert, sich im Ausgesagten "you" (subject of speech) als Angesprochene "erkennt" und damit zum spoken subject des folgenden Diskurses wird bzw. idealerweise [Seite 21↓]werden soll:13 "Ich, die ich fernsehe, ich, die ich vielleicht auch solche Symptome zeige, ich, die ich etwas sehe" usw., ich werde, es ist unbestreitbar und wahr, als diskursiv Beteiligte positioniert und definiert, als "Zuschauerin" erkannt – denn ja, ich sehe fern, ich sehe die Moderatorin, ich betrachte die Szene usw. Die Verlaufsform der Verben verweist auf den gegenwärtigen Moment, ihre Semantik (fern-/sehen) verankert die Identifikation zusätzlich im Hier und Jetzt des laufenden Diskurses, denn was tue ich sonst? Ich schaue (fern). Also bin ich es, auch ich bin eines dieser "you" sobald ich hinsehe, und damit unweigerlich im Rahmen der Show fest verankert. Sie steckt den Rahmen für die möglichen Subjektpositionen ab, die für "uns" von den Moderatorinnen immer wieder explizit "annehmbar" gemacht werden. Angesprochen von diesem Pronomen, haben wir schon eingewilligt in seine diskursiven Implikationen (des Hierseins, des Schauens, des Dabeiseins usw.), und es erfordert zusätzlichen kognitiv-psychischen Aufwand, sich – sei es nur vor sich selbst - davon zu distanzieren, wenn es denn gelingt.14 In welchen Kontexten und in welchem Umfang die Subjektpositionierungen von tatsächlichen RezipientInnen aufgenommen, ob sie statisch sind oder variabel (siehe auch nächster Abschnitt), ob die TV-Texte selbst solchermaßen explizite Botschaften und Positionierungen bereithalten, müssen andere Untersuchungen (z.B. Medienrezeptionsstudien) erweisen. Textorientierte Analysen können immer nur ergeben, was in den Text- und Sprachstrukturen angelegt ist, bleiben Auskunft über empirische Interpretationen der anderen Rezipienten (allerdings ist auch die kulturkritische Textanalytikerin eine von ihnen) natürlich schuldig.

1.4 Partielle Anrufung und heterogene Positionierung

Entgegen Althussers pessimistischer Darstellung vollziehen sich Anrufungen auf recht unterschiedliche Weise und haben eher diffuse als eindeutige Absender (für Althusser gab es noch "die (kommunistische) Partei" und "den Staat" als klar identifizierbare Ruferinstanzen). Sie umfassen eine Vielzahl von sehr heterogenen, uneinheitlichen Positionierungen und "Subjektivierungsangeboten", die abwechselnd an- und aufgenommen oder [Seite 22↓]fallengelassen werden können15 von einem Publikum, das ebensowenig eine einheitliche Masse darstellt wie die mehrdeutigen, polyphonen TV-Texte (Fiske 1987). A. Keppler (1988) meint sogar, daß sog. Unterhaltungssendungen im Gegensatz zu ihren ernsten Pendants wie Nachrichten und Magazinsendungen tendenziell offenere, also vieldeutige Strukturen aufweisen, gerade weil sie möglichst vielen Zuschauern möglichst viele Identifikationsangebote eröffnen wollen. Ganz besonders für Fernsehtexte gilt: "Both the text and the subjectivity are discursive constructs and both contain similar competing or contradictory discourses. It is out of these contradictions that the polysemy of the text and the multiplicity of readings [subject positions, B.S.] arise" (Fiske 1987:67). Durch hohe Variabilität unterschiedlichster Subjektpositionierungen durch den Text (hier als TV-Sendung) finden die BetrachterInnen oft viele Perspektiven, mit denen sie sich identifizieren können, oder springen nach Wunsch und Situation (z.B. in einer soap) einmal in die Position der Bösen, und wenn es gar zu unerträglich böse wird, wieder in eine andere Position (ibid. 230ff.). Viele unterschiedliche Subjektpositionen anzubieten, suggeriert eine gewisse Freiheit und Kontrolle über den Text, eine Machtposition in bezug auf den Text. Dieses Allmachtsgefühl bereitet Lust – und diese ist ein wichtiger Aspekt von Entertainment.

Aufgrund seines (durch den dialogischen Wechsel der Positionen immer schon) diskontinuierlichen Status ist das Subjekt in der Lage, unter sprachlichen und symbolischen Elementen, aber auch unter verschiedenen Diskursen (z.B. als Frau zwischen konservativen oder feministischen Interpretationen von der Wirklichkeit der Frau in der Gesellschaft) zur Sinnkonstitution und Verstehenssicherung zu wählen. Dennoch ist es gleichzeitig in jeder Hinsicht vorab determiniert, da die bereitstehenden sprachlichen und diskursiven Mittel und Versatzstücke - als Stereotyp, als Zitat, als gattungsspezifische Vorgabe, als erwartete Handlung usw. bereits existieren und dem Subjekt, das sie verwendet, vorgängig sind. Denn die Ausdruckselemente und -möglichkeiten sind vorgeformt und durch das komplexe, für den einzelnen Sprecher unüberschaubare Zusammenspiel historischer und kultureller Bedingungen unabhängig von jedem persönlichen Einfluß entstanden, bevor sie in der individuellen Äußerung aktualisiert werden. Und es ist sehr schwer, eine eigene Sprache (z.B. in der Kunst) zu finden, die dennoch verständlich bleibt.

Sowohl Subjektpositionen als auch die sinnkonstruierenden Subjektivitäten der (textlesenden) RezipientInnen sind diskursive Ensembles. Beide bestehen aus Widersprüchen, Brüchen und konkurrierenden Diskurssträngen, und ergeben auf textueller Ebene Polysemie und Intertextualität, auf Leserseite unterschiedliche, ambivalente Subjektpositionierungen und eine Pluralität von Lesarten. Die Frage, ob dies nicht ihrerseits ideologisch-verblendete Interpretationen der Forscher sind, d.h., ob es nicht eine Illusion ist, daß man als (textlesendes) Subjekt "frei" sei und die [Seite 23↓]pluralen Lesarten der Texte im Griff habe und kontrollieren könne, muß hier unbeantwortet bleiben. Doch als vorläufiges Zwischenergebnis der Debatten um Freiheit der Lesarten und Interpretationen (als Freiheit des Subjekts, das die Zeichen liest) oder enge, ideologische Vorgaben der (TV-) Texte, läßt sich festhalten, daß wir als LeserInnen und ZuschauerInnen nicht - wie Althusser meinte - "unentrinnbar" in den Fängen der (einen, universellen, bürgerlich-kapitalistischen, neo-liberalen) Ideologie stecken können, weil es verschiedene Diskurse in Texten realisiert werden, die unterschiedliche und auch heterogene Subjektpositionen bereithalten, von den wir als ZuschauerInnen-Subjekte angesprochen und konstituiert werden oder auch nicht. Und zum Schluß gibt es immer den Schalter zum Ab- oder Umschalten.

In semiotischen und strukturalistischen Theorien zur sprachlich (interaktionell, diskursiv) determinierten Subjektkonstitution geht es um das Verhältnis von psycho-sozialem und sprachlichem Subjekt, deren Untrennbarkeit gezeigt werden soll. Dabei spielen letztlich vor allem die Selbstbilder, das "Sich-Selbst-Erkennen", das Bewußtsein eine zentrale Rolle. Die Struktur und Funktionsweise des (individuellen) Bewußtseins wird dabei jedoch aus verschiedenen Perspektiven als außengelenkt, fremdbestimmt und von gesellschaftlichen Verhältnissen strukturiert, also als "nicht-eigenen Ursprungs" aufgezeigt. Es konstituiert sich aus dem Individuum vorgängigen, gesellschaftlichen Partikularinteressen dienenden Bildern und Modellen (auch und vor allem als sprachliche Repräsentationen), die jedoch aufgrund der unhintergehbar semiotischen Natur jedes Verstehens- und Erkenntnisprozesses leicht als eigene, scheinbar individuelle Sinn-Erzeugnisse anerkannt und genau hierin verkannt werden. Denn als Ort der Signifikation ist das Subjekt durchaus aktiv an der Bedeutungsproduktion beteiligt, es fügt die Teile (Signifikant und Signifikat) zusammen zu sinnvollen Einheiten, indem es liest, "versteht" und Handlungen anschließt an solche Verstehensprozesse. Doch diese vordergründig als produktives Tun erscheinende "Sinnstiftung" des Subjekts ist meistens - in den kritischen Einschätzungen semiotischer Ansätze - ein passiver, reproduzierender Vorgang, der den Sinn herstellt, der vorher schon da war. Es handelt sich also in der Regel eher um das permanente Wiederholen eines bereits vorhandenen, gewohnten und daher wie selbstverständlich einleuchtenden Sinnes. Das Verkennen der Ebene der Aktivität (nämlich nur als Reproduzent, nicht als genuiner, kreativer Produzent von Sinn – hier als Repräsentationen von Selbst- und Weltverhältnissen), steht der im Dienste von Partikularinteressen und ist der ideologische Effekt katexochen.

Die Foucault'sche Theorie zur Subjektkonstitution verläßt die Bewußtseinszentriertheit semiotischer Subjekttheorien und die Ebene der Selbstbilder, und fragt nach den historischen Entstehungsbedingungen des modernen Subjekts und lenkt den Blick auf diskursive Praktiken (im Unterschied zu Repräsentationen und Selbstbildern) die das Subjekt hervorgebracht haben.


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1.5  Foucault

Foucaults Rekonstruktionen der Entstehung des Subjekts als historisches Phänomen richtet den Blick auf die bedingenden Faktoren und gesellschaftlichen Umstände, die im Laufe der Zeit zu modernen (postmodernen) Formen der Subjektivität geführt haben. Sein Forschungsinteresse gilt den Techniken und Verfahren, die ein Wissen vom Menschen und Erkenntnisse über die Natur (der psychisch-charakterlichen Interna) des Menschen möglich gemacht haben. Dabei zeigt er, wie in bestimmten Epochen und bestimmten sozialen Umfeldern zunächst heterogen organisierte, nicht von Anbeginn strategisch geplante diskursive und nicht-diskursive Praktiken über lange Zeiträume hinweg zu Diskursformationen und wissenschaftlichen Disziplinen zusammenfließen. Das heutige "Arzt-Subjekt" und seine soziale Position entstanden z.B. erst in einem langen Prozeß der Ausdifferenzierung sozialer Gruppen (Arzt und Frisör waren in Spanien jahrhundertelang gleich kategorisiert und gestellt), städtischer Orte (Kerker, Irrenhäuser, Klinik) und Wirkungsstätten (Klinik, Praxis, Labor, Universität), die sehr unterschiedliche Praktiken und Handlungen des "Arztes" etablierten. Die Entstehung des modernen Arzt-Subjekts ist dabei mit der Entstehung des klinischen Diskurses verbunden. In dieser Subjektposition werden vorher heterogene Praktiken, Wirkungsstätten und Verfahren plötzlich gebündelt und die institutionellen Orte neu definiert, von denen aus Ärzte sprechen, wahrnehmen, forschen, beobachten, unterrichten können (1973:78ff.). Die Entstehung der Klinik mit ihrem zentralen Subjekt ist ein Ergebnis (ein Effekt) der veränderten Anforderungen der Industriegesellschaft, die die Gesundheit der Bevölkerung für ihre Zwecke der Steigerung der Produktivität zur ökonomischen Norm machte (ibid. S.76). Erst die Herausbildung der Insititution Krankenhaus mit allen damit verbundenen Tätigkeiten und dem entsprechenden Personal hat die Subjektposition "Arzt" generiert, nicht eine bestimmte Mentalität, Hilfsbereitschaft, Helfersyndrome oder ein (wie auch immer verkennendes) Bewußtsein eines individuellen Edelmuts oder Forscherdrangs. Arzt ist (und die Wahrheit über menschliche Krankheiten und pathogene Zustände spricht nur aus), wer in bestimmten Zusammenhängen in bestimmter Weise handelt, spricht, mit bestimmten Gruppen kommuniziert, bestimmten Techniken und Wahrnehmungsweisen folgt, in bestimmtem Verhältnis zu bestimmten Gegenständen und sozialen Gebieten steht. Diese Bündelungen von Tätigkeiten, Verhältnissen, Sprechweisen und Techniken, die Wissen und Wahrheiten produzieren, nennt Foucault Diskurse. Die Diskurse, die Wissen und Wahrheit über den Menschen hervorbringen, werden von ihm als Humanwissenschaften klassifiziert und, analog zum klinischen Diskurs, der die Voraussetzung für das ärtzliche Subjekt ist, sind die humanwissenschaftlichen Diskurse die Voraussetzung für die Entstehung des modernen Subjekts (moderner Subjektivitätsformen und Rahmen für die Herstellung von Selbstverständnis). Praktiken der Erkundung und Erforschung der tieferen Gründe und der inneren Vorgänge, der Seelengeheimnisse, [Seite 25↓]Neigungen und Regungen etablierten ein Wissen (eine "Wahrheit") über Subjekte, formieren sich aus unterschiedlichen Richtungen zu diskursiven Wissensblöcken und wissenschaftlichen Disziplinen, z.B. zur Biologie, Psychologie, Soziologie, Medizin. Diese Wissenschaften vom Leben und den Menschen dienen dann wieder zur Kontrolle und "Disziplinierung" der Bevölkerung und werden als Normen, Normalitäten und Selbstverständlichkeiten in Diskursen reartikuliert und verbreitet.

Wichtig ist, daß das in Diskursen artikulierte Wissen (das auch der Rahmen für Selbstverständnis des Subjekts bildet) eine Funktion von Techniken ist, mit denen dieses Wissen hervorgebracht wird. Wissensgenerierende Techniken sind oft sprachliche Praktiken und Verfahren wie Befragungstechniken, Techniken der Notierung von Beobachtungen, Dokumentationstechniken, Informationstechniken (die das Wissen weitervermitteln), Lehr- und Kommunikationspraktiken, Techniken des Erklärens, inklusiver aller Transformationen der diskursiven Akte (z.B. vom Patientengespräch zu Krankenbericht oder Supervisionsgespräch) usw.16 Insofern also das "Wissen vom Subjekt" durch solche sprachlich-diskursiven Praktiken entsteht, dokumentiert, weiterverarbeitet, verbreitet und gelehrt wird, und dieses "Wissen" mit dem Subjekt gleichgesetzt wird, weil Subjekt-Sein sich durch ein "Wissen-um-Sich"/Selbsterkenntnis definiert, insofern ist das Subjekt als ein Produkt und ein Effekt diskursiver Praktiken zu verstehen.

Die Hervorbringung von Wissen steht für Foucault immer in einem komplexen Verhältnis zur Macht. Denn Wissen ermöglicht Vorhersehbarkeit, Kalkulierbarkeit, Kontrolle über die Objekte des Wissens. Und über den Rekurs auf Wissen, Wahrheit und Wissenschaft werden Disziplinierungen und Normierungen legitimiert. Im Falle des Wissens vom Subjekt läßt sich der "Macht/Wissen-Komplex" (auch) als Formation von Wissen durch die Disziplinierung und Subjektivierung von Menschen zum Zwecke ihrer Handhabbarkeit und Sicherstellung ihrer Funktionstüchtigkeit im Rahmen der gesellschaftlichen Bedingungen explizieren.

In seinen späteren Schriften (1977; 1983) wird deutlich, wie eng Disziplinierung und Subjektivierung verknüpft sind. Subjektiviert wird der Mensch nach Foucault auf zwei grundlegende Arten. Einmal durch Objektivierungspraktiken (1987:243ff.), d.h. er wird zum Objekt von Untersuchungen, von Blicken, von Forschungen, aber auch zum Objekt von Belehrung und Drill, er wird erforscht, untersucht, auf ihn wird eingewirkt bis sich ein "wissenschaftliches Bild des Menschen" ergibt. Obwohl es über objektivierende Verfahren erreicht wird, besteht Foucault darauf, daß es Techniken der Subjektkonstitution sind (ibid.). Darüber hinaus entwickeln sich auch Subjektivierungspraktiken, die ebenfalls zu vermehrtem Wissen vom [Seite 26↓]Menschen beitragen, aber andere diskursive Techniken erfordern. In diesem Fall muß der Mensch zum Reden über sich selbst gebracht werden, soll er seine innersten Regungen und Gefühle sagen, die dann von dafür zuständigen Instanzen als die Wahrheit über ihn gedeutet werden (im therapeutisch-psychologischen Bereich). Subjekte sind also nie Gegebenheiten, sondern das Resultat gesellschaftlicher Verhältnisse, die sich in diskursiven Praktiken niederschlagen. Diese diskursiven Praktiken können den Status von Wissenschaften erlangen (Biologie, Psychologie, Medizin usw.). Es kann sich aber auch allgemeiner um "Teilungspraktiken" handeln, die auf Basisoppositionen aufbauen und den Effekt haben, gesellschaftlich verbindliche und diskursiv artikulierte Differenzen zwischen "Normalen" und "Verrückten", "guten Bürgern" und "Kriminellen" oder "Gesunden" und "Kranken" zu etablieren. All diese Praktiken und Techniken - der objektivierenden Verwissenschaftlichung, der Teilung oder der Selbstbekenntnis - sind diskursive Praktiken und disziplinieren Menschen(-massen), indem sie sie in Kollektive einreihen, klassifizieren, kategorisieren, meßbar und kalkulierbar machen.

Was in Frage steht, ist die Weise, in der Wissen zirkuliert und funktioniert, seine Beziehungen zur Macht. Kurz, das Regime des Wissens... Diese Form von Macht wird im unmittelbaren Alltagsleben spürbar, welches das Individuum in Kategorien einteilt, ihm Individualität aufprägt, es an seine Identität fesselt, ihm ein Gesetz der Wahrheit [seiner Wahrheit] auferlegt, das er anerkennen muß und das andere in ihm anerkennen müssen... [und] aus Individuen Subjekte macht."(Foucault 1987:246)

Je mehr Aspekte des Selbst entwickelt werden, je facettenreicher das Selbstbild, desto mehr Bedürfnisse, Neigungen usw. können artikuliert und durch den Markt gesteuert werden. Je klarer das "eigene Bild" ist, desto enger ist der Spielraum für Alternativen. Je besser man zu identifizieren ist, desto besser sind die Kontrollmöglichkeiten. So ließen sich die Implikationen dieses Zitats reformulieren.

Es handelt sich um eine Art der Disziplinierung durch Selbsterkenntnis des Menschen, und diese geschieht in hohem Maß durch sprachliche, interaktive und kommunikative Praktiken. Um Subjekte und Formen der Selbsterkenntnis geht es auch in den untersuchten Fernseh-Talkshows. Die Frage ist, ob sich in den diskursiven Praktiken der Shows Subjektivierungspraktiken (als objektivierende, teilende, disziplinierende und selbstbekennende Praktiken) herausarbeiten lassen, welche sprachlichen Korrelate sie haben und mit welchen Effekten sie in diesen Zusammenhängen aktualisiert werden.

1.6 Zwei Achsen der Subjektkonstitution


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Für die diskursive Subjektkonstitution lassen sich nun zwei Achsen erkennen. Zum einen geht es um Selbstbilder und Selbstkonzeptionen, die über identifikatorische Prozesse verlaufen. Da diese Repräsentationen sprachlich (symbolisch) vermittelt sind und über gesellschaftliche, interessengeleitete Institutionen kanalisiert werden, können es nie genuin eigene Selbstbilder sein, mit denen man/frau sich identifiziert. In dieser Hinsicht steht das Subjekt unter dem Joch der fremden Repräsentationen, die ihm als eigene zurückgespiegelt werden. Inwiefern sie dabei gegen ihre eigenen Interessen für fremde funktionalisiert werden, ist nicht generell zu beantworten, doch die Möglichkeiten, dabei in "Täuschungsbeziehungen" zu den Produzenten der Bilder zu stehen, sind vorhanden. Subjektivierung wirkt auf dieser Achse vor allem im inneren, kognitiven, psychologischen Bereich, auf der Ebene von Zeichenpraktiken und Sinnverstehen.

Auf einer zweiten Achse operiert Subjektwerdung/Subjektivierung weniger über Repräsentationen als über diskursive Praktiken und institutionalisierte Kommunikations- und Interaktionsformen. Die Subjektkonstitution erfolgt dabei über spezifische Zugangsmöglichkeiten zu Diskursen, über Wahrheitsoperatoren, die bestimmte Aussagen möglich machen und andere ausschließen, die Sagbarkeit festlegen. Sie findet statt über Bedingungen, die wahres oder falsches Sprechen und Kategorisierungen in sich ausschließende Oppositionen wie "normal/verrückt(krank)", "richtig/falsch", "Recht/Unrecht", festlegen, die jedoch selbst das Ergebnis diskursiver Tätigkeiten sind und keineswegs "die stumme Existenz einer Realität" bezeugen (Foucault 1973:74).

Die diskursiven Subjekt-Effekte sind gerade auf dieser zweiten Achse alles andere als transparent. Denn sie sind in Praktiken und Techniken der Rede eingelassen, die hintergründiger operieren und häufig die Organisation und die impliziten Grundpfeiler der diskursiven Ereignisse betreffen. Auf der Ebene von Sprachanalysen geht es in der vorliegenden Arbeit also vermehrt um die interpersonellen Funktionen von Sprache, die das Verhältnis der Sprecher, die Interaktionsprozesse und den Handlungscharakter der Äußerungen definieren. In der nun folgenden Untersuchung wird vor allem diese zweite Achse der Subjektkonstitution genauer beleuchtet und im Vordergrund stehen. Die Konstitution von Subjektpositionen erfolgt nicht nur über Repräsentationen (d.h. über den Darstellungsaspekt von Sprache), sondern hintergründiger, aber dafür möglicherweise um so wirkungsvoller über interaktionelle Praktiken, Diskursstrategien, Techniken des Sprechens. Sie stehen hier im Zentrum und begründen das theoretische Übergewicht von Foucaults Ansatz z.B. im Vergleich zu semiotischen Subjekttheorien oder Althussers Konzeption. Aus diesem Grund wird in der folgenden Analyse ein Rückgriff auf ethnomethodologische konversationsanalytische Methoden auch unverzichtbar sein. Doch das Beharren dieser Schule auf scheinbar neutrale, rein deskriptive Verfahren macht eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Standpunkt erforderlich (siehe nächstes Kapitel).


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Zusammenfassung

Von Foucault wird übernommen, daß Subjekte und Subjektpositionen funktionale Stellen im Diskurs darstellen, die insofern "leer" sind, als sie von allen Menschen, die innerhalb dieses Diskurses reden, eingenommen werden können, und diese Positionen somit nichts mit dahinterliegenden "Wahrheiten" über eine Person, ihrem Charakter und Stil zu tun haben.

Benveniste verdanken wir den Hinweis, daß es sich bei der Positionierung als Subjekt immer um einen dialogisch strukturierten Vorgang, um eine Transaktion zwischen Partnern handelt und daß Subjektpositionen diskontinuierlich sind und permanent reproduziert werden müssen. Subjektivität ist kein Zustand, sondern ein dauerhaftes Verfahren der reproduzierenden Performanz. Subjekt-Sein ist ein dynamischer Prozeß. Das bedeutet für diskursive Ereignisse wie Talkshows, daß auch dort Identitäten produziert, reproduziert und ausgehandelt werden. Der Vorgang der Identitätszuschreibung, -bildung, usw. muß sich sprachlich niederschlagen und daher auch durch linguistisch-textuelle Analysen faßbar werden. Der Zwang zur Reproduktion und Festigung ist insoweit wichtig, als sie im Dialog aufgenommen und zugelassen werden muß, um ein Bild zu ergeben. Wer dies steuert und wie sich dies im Talkshowdiskurs vollzieht, soll im folgenden genau ermittelt werden.

Von Althusser wird das Modell der Anrufung übernommen, das Benvenistes Transaktion zwischen zwei Parteien auf abstraktere, durch institutionelle Praktiken und Redeweisen vermittelte gesellschaftliche Akteure (Staat, Erziehungs- und Bildungssysteme, alle Institutionen) ausdehnt und darauf verweist, daß Subjekte nicht nur durch ihre eigene Rede in Erscheinung treten, sondern auch durch und in der Rede fremder Instanzen, durch die sie sich gemeint und angesprochen fühlen, mit der sie sich identifizieren bzw. in der sie sich als Angesprochene wiederzuerkennen glauben. Allerdings wird sich im Verlauf der Arbeit zeigen, daß Althussers ideologische Vereinnahmung durch den fremden Diskurs in Talkshows nicht nur auf der Ebene der Vermittlung von Weltbildern und Selbstrepräsentationen erfolgt. Vielmehr liegen die ideologischen Prämissen in der Art des Miteinanderredens, des Umgangs, des Redestils begründet, in den (Un-)Möglichkeiten, sich als Sprecher und Diskursteilnehmer in bestimmter Weise zu positionieren, die einhergehen mit Solidarisierungsangeboten und Komplizenschaften für bestimmte Positionen und gegen andere, die motiviert sind und systematisch in bestimmte Richtungen abzielen, tendenziös sind.


Fußnoten und Endnoten

8 Analog zu Benvenistes Argument, daß Subjekte erst durch die Entwicklung von Sprache entstehen konnten, weil sie nur als SprecherInnen das Pronomen "Ich" besetzen und sich dadurch positionieren können als getrennt von einem "Du", siehe dazu weiter unten.

9 Ästhetische und psychoanalytische Theorien argumentieren allerdings häufig gegenteilig: daß das Subjekt der Ort ist, an dem das Zusammenfügen von Signifikat und Signifikant scheitern muß, der Ort, an dem sich die Lücke offenbart, die niemals geschlossen werden kann. Diese Unabschließbarkeit der Sinnkonstitution mag nicht nur für ästhetische Diskurse gelten, sondern findet auch im Alltag statt. Allerdings muß auch für das Konstatieren des Scheiterns immer zuerst der Versuch unterstellt werden, Signifikat und Signifikant zusammenzubringen, was in der Regel auch geschieht.

10 s.a. Lacans Diktum (1986) – "me connaitre c'est méconnaitre".

11 Zumindest gilt das für Werbung bis Ende der achtziger Jahre, danach ist der Sinn diffuser, gehen die Strategien immer mehr dazu über, Atmosphäre, Stimmungen und Life-Style-Referenzen zu reproduzieren. Sie sind nicht mehr so deutlich auf klare Botschaften zugeschnitten.

12 "interpellation" bedeutet im Französischen auch: vorläufige Festnahme zur Feststellung der Identität einer (verdächtigen) Person.

13 In dieser Lücke zwischen Anrufung und tatsächlichem Wiedererkennen liegt begründet, weshalb es in den siebziger Jahren zu Auseinandersetzungen zwischen Kultur- bzw. Ideologiekritik und ethnographisch-empirisch verfahrenden Studien zum Publikumsverhalten kam. Die einen betrachten Anrufung und das Sich-Darin-Wiedererkennen als unvermeidlichen Vorgang, die anderen verweisen darauf, daß Textbedeutungen nicht unweigerlich von den tatsächlich existierenden LeserInnen angenommen werden müssen. Ich schließe mich mit der vorliegenden Arbeit tendenziell ideologiekritisch-semiotischen Ansätzen an, die die "Annahme" der Anrufung bereits darin sehen, daß auch ein im Text hinterlegter Sinn "dekodiert" werden muß, um ihn sinnvoll erscheinen zu lassen.

14 Ich empfehle den Zweiflern an dieser Stelle, sich einmal für nur kurze Zeit das sog. Jugendradio KISS-FM in Berlin (im Jahr 1999) anzuhören, um den unwillkürlichen Sog dieses Pronomens zu erleben. Die ModeratorInnen sprechen ihre HörerInnen nämlich alle durchweg mit DU an: "Paß auf, es gibt Kontrollen auf den Strecken...", "Du kannst eine der vielen Eintrittskarten für..gewinnen, ruf an" usw. - es ist unerträglich nah, auch ohne Blicke in die Kamera, die bei TV noch erschwerend hinzukommen. Baudrillard nennt es das Phänomen des "Hyperrealen" - mitgerissen eher durch sinnliche-psychische Vorgänge als durch rationale Imperative, die so starke Effekte haben, daß sie zu einer gelebten ERFAHRUNG in diesem Moment werden.

15 Vgl. Benveniste für diskontinuierliche Positionierung, welche dieses Wechselspiel ermöglicht, vgl. auch die Notwendigkeit, daß beim Lesen von Texten "Lustgefühle/pleasure" entstehen muß, um die Zuschauer bei Laune, d.h. bei der Sendung zu halten - im Anschluß an Barthes' Ausführungen zu "le plaisir du texte" ausführlich Fiske 1987:Kap.5 und 6).

16 Aber auch nicht direkt mit klassischen Berufsbildern, d.h. nicht mit dem expliziten Erlernen eines Fachjargons und mit Schriftlichkeit verbundene, gesellschaftlich konstruierte Subjektpositionen wie der der "Mutter" unterliegen denselben Prämissen: eine gute Mutter (im bürgerlichen Sinn) ist nur, wer wie eine solche spricht, ihr Selbstverständnis als Mutter im bürgerlich-kernfamilienzentrierten Jargon artikuliert - auch wenn es nur in Nebensätzen sein mag -, sich als solche versteht und dies in Redeweise und –inhalten des weißen, westlichen Mittelstands ausdrückt. Ansonsten sind es "schlechte" Mütter, "keine guten" Mütter oder "Rabenmütter" (vgl. Leyrer 1989).



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04.05.2005