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5  Zusammenfassung

Die partielle Ventrikulektomie (PLV) stellt eine chirurgische Alternative zur Therapie der terminalen Herzinsuffizienz dar. Über die hämodynamischen Veränderungen und Auswirkungen auf die linksventrikuläre Funktion sowie präoperative Einflussfaktoren ist bislang relativ wenig bekannt. Ziel dieser Arbeit war es, den Einfluss der PLV auf die kardiale Leistungsfähigkeit zu untersuchen. Ferner sollte eine Aussage zum Verhalten der linksventrikulären Funktion unter Belastung nach PLV gemacht werden. Dabei sollten Unterschiede zwischen Patienten mit idiopathischer Kardiomyopathie und Patienten mit ischämischer Myopathie aufgedeckt werden.

In dieser Arbeit wurden 75 Patienten, die sich im Zeitraum von 1995 bis 1999 in der Klinik für Kardiovaskuläre Chirurgie der Charité einer PLV unterzogen hatten, berücksichtigt. Die postoperativen Untersuchungen erfolgten an 19 Patienten. Die linksventrikulären Parameter wurden mittels transthorakaler und transösophagealer Echokardiographie einschließlich Stressechokardiographie erhoben. Das Gesamtkollektiv wurde nach der Ätiologie der Erkrankung in die Untergruppen ID (idiopathische Kardiomyopathie) und IS (ischämische Myopathie) aufgeteilt.

In beiden Gruppen war postoperativ eine hochsignifikante Verbesserung der NYHA-Klassifikation zu registrieren. Die echokardiographischen Untersuchungen ergaben in beiden Gruppen eine Verbesserung der Ejektionsfraktion (EF) als Maß für die linksventrikuläre Funktion. Ferner war eine Verringerung des linksventrikulären enddiastolischen Durchmessers (LVEDD) und ein signifikanter Rückgang der Mitralinsuffizienz (MI) festzustellen. Die postoperative Stressechokardiographie zeigte für die Gruppe IS eine tendenziell physiologische Steigerung der Kontraktilität unter Dobutamin. Für die Gruppe ID konnte dies nur bedingt gezeigt werden. In den folgenden Tabellen sind die wichtigsten Werte aufgeführt:

Tab. 44: prä- und postoperative Echokardiographieparameter

Parameter

Gruppe

Prä

Post

P (Wilcoxon-Test)

LVEDD

ID

M (N = 20)= 77,00 mm

M (N = 8)= 67,00 mm

0,141 (N = 8)

IS

M (N = 41)= 70,00 mm

M (N = 10)= 63,15 mm

0,172 (N = 10)

EF

ID

M (N = 22)= 20,0 %

M (N = 7) = 41,0 %

0,047 (N = 7)

IS

M (N = 42) = 21,0 %

M (N = 11)= 46,0 %

0,016 (N = 11)


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Tab. 45: Ergebnisse der postoperativen Stressechokardiographie

Parameter

Gruppe

Ruhe

Dobutamin

P (Wilcoxon-Test)

EF

ID

M (N = 7) = 41,0 %

M (N = 7) = 41,0 %

0,844 (N = 7)

IS

M (N = 11) = 45,7 %

M (N = 11) = 59,0 %

0,002 (N = 11)

LVESVI

ID

M (N = 8) = 88,12 ml/m²

M (N = 6) = 86,71 ml/m²

1,000 (N = 6)

IS

M (N = 11) = 81,55 ml/m²

M (N = 8) = 49,22 ml/m²

0,016 (N = 8)

CI

ID

M (N = 8) = 2,65 ml/min/m²

M (N = 6) = 4,99 ml/min/m²

0,063 (N = 6)

IS

M (N = 10) = 3,63 ml/min/m²

M (N = 8) = 5,51 ml/min/m²

0,016 (N = 8)

FAC

ID

M (N = 7) = 24,70 %

M (N = 8) = 28,73 %

0,016 (N = 8)

IS

M (N = 10) = 28,67 %

M (N = 10) = 39,24 %

0,020 (N = 10)

Bei der Überlebensanalyse nach Kaplan-Meier ergaben sich ebenfalls signifikante Unterschiede der beiden Gruppen: Nach 1 und nach 2 Jahren lag die Rate der Gruppe IS bei 73,3 %. und damit deutlich höher als in der Gruppe ID mit 62,5 % nach 1 Jahr bzw. 52,1 % nach 2 Jahren. Insgesamt lag die Überlebensrate hinsichtlich kardialer Todesursachen nach 1 Jahr bei 69,9 % und nach 2 Jahren bei 66,7 %.

Beurteilend lässt sich feststellen, dass die hier erfassten Patienten mit einer Steigerung der körperlichen Belastbarkeit und einer Verbesserung der Ventrikelfunktionsparameter von der Operation profitieren konnten, wobei sich ein besseres Abschneiden der Gruppe IS zeigte. Dazu passend wies auch die postoperative stressechokardiographische Untersuchung vor allem für die Gruppe IS auf myokardiale Reserven hin.

Die hier aufgezeigten Unterschiede der Gruppen, die sich auch in den Überlebensraten widerspiegeln, machen die Bedeutung von guten Selektionskriterien deutlich, die in weiteren Studien noch differenzierter betrachtet werden müssen. Damit zusammenhängend kommt auch der Anpassung der mit der PLV kombinierten Eingriffe an die Ursachen der Myopathien besondere Wichtigkeit zu.


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15.10.2004