2 Probanden und Methoden

↓12

Vor dem Hintergrund der Fragestellung nach dem Aktivitätsverhalten von sehr untergewichtig geborenen Kindern im Kleinkindalter wurde eine Studie konzipiert, im Rahmen derer die VLBW-Kinder und eine gleichaltrige Referenzgruppe im Alter von 20 Monaten während der Entwicklungsdiagnostik mit dem Griffiths-Test ein Aktometer trugen. Die früh geborenen Kinder wurden im korrigierten Lebensalter untersucht.

In einer Pilotphase im Frühjahr 2001 wurde die Praktikabilität des geplanten Untersuchungsverfahrens an einer Gruppe von neun Kindern im korrigierten Alter von 20 Monaten (sieben VLBW-Kinder und zwei weitere Kinder) erprobt. Die Aktivitätsmessung während der Testdiagnostik bewährte sich; es musste lediglich das Untersuchungsprotokoll modifiziert werden. Für die weiteren Untersuchungen im Rahmen der Studie wurden zusätzlich zwei Fragebögen für die Eltern entwickelt.

↓13

Die Eltern der Kinder wurden vor der geplanten Untersuchung über die Funktionsweise des Aktometers und das Ziel der Messung informiert und unterschrieben eine Einverständniserklärung. Die Ethikkommission der Charité hat die Datenerfassung mittels Aktographie, auch bei Neugeborenen, mehrfach bewilligt.

2.1  Probanden

2.1.1  Herkunft und Charakteristik der Studiengruppe

Für die durchgeführte Querschnittstudie wurde eine anfallende klinische Stichprobe von sehr untergewichtigen Frühgeborenen herangezogen, die im Rahmen des strukturierten Follow-up in der Entwicklungsdiagnostischen Sprechstunde des Sozialpädiatrischen Zentrums für chronisch kranke Kinder, Bereich Neonatologie Campus Virchow-Klinikum des Universitätsklinikums Charité in Berlin, im korrigierten Alter von 20 Monaten vorgestellt wurden.

Um ein vergleichbares Setting zu gewährleisten, wurde die Aktivitätsmessung mit dem Aktometer nur bei Einlingen durchgeführt. Von der Messung ausgeschlossen wurden Kinder mit definierten angeborenen Erkrankungen wie HIV-Infektion, CMV-Infektion und Toxoplasmose oder bekannten genetischen Syndromen sowie Kinder mit einem deutlichen Entwicklungsrückstand (d.h. EQ im Griffiths-Test in der Subskala Motorik außerhalb der zwei-fachen Streuung, das bedeutet: kann nicht sicher laufen).

↓14

Bei jeder Follow-up-Untersuchung wurde eine Entwicklungsdiagnostik mit Hilfe des Griffiths-Tests durchgeführt, die aktuelle Anamnese erhoben und das Kind allgemein pädiatrisch sowie neurologisch untersucht. Die Aktivitätsmessung wurde während der Entwicklungsdiagnostik durchgeführt.

Da es notwendig war, alle Untersuchungen mit demselben Aktometer durchzuführen (vgl. Punkt 2.3.), wurde die Einbeziehung der Kinder in die Studie durch die Verfügbarkeit dieses einen Gerätes mitbestimmt.

In der ersten Phase fanden maßgeblich nach Geräteverfügbarkeit Probemessungen an Kindern aus dem laufenden Follow-up statt, die im Zeitraum 12.03.2001 bis 19.04.2001 zur o.g. Untersuchung einbestellt worden waren (N=7).

↓15

Weiterhin konnte die Aktivitätsmessung stets mit dem gleichen Aktometer bei 36 Kindern aus dem Follow-up-Programm mit errechnetem Geburtstermin zwischen dem 01.10.1999 und dem 30.09.2000 organisiert werden. Von den 36 Kindern wurden 33 in der Charité, Campus Virchow-Klinikum, und drei in anderen Krankenhäusern geboren.

Als Studiengruppe wurden die sieben Kinder, an denen die Probemessungen stattgefunden hatten, und die 36 Kinder eines Jahrgangs, bei denen die Untersuchung mit Aktometermessung möglich war, zusammengefasst (N=43). Zur Gruppe gehörten 20 (46,5%) Mädchen und 23 (53,5%) Jungen mit einem mittleren Geburtsgewicht von 1070 g und einem mittleren rechnerischem Gestationsalter von 29,1 Schwangerschaftswochen (Tabelle 1). Drei der Kinder waren hypotroph mit einem Geburtsgewicht unterhalb der 10. Perzentile. 41,9% der Kinder hatten ein Geburtsgewicht unter 1000 g. Zwei der Kinder konnten erst im Alter von 24 Monaten (24,3 und 24,5 Monate) untersucht werden. Der Ceiling-Effekt (vgl. Punkt 2.2.) traf bei diesen Kindern nicht zu (Entwicklungsquotient von 88,4 und 97,1).

Tabelle 1 : Studiengruppe: Geburtsgewicht, Gestationsalter und Untersuchungsalter

Studiengruppe (N=43)

Geburtsgewicht

Median (Quartilen)

min/max

1070 g (870 g/1345 g)

690 g/1495 g

Rechnerisches Gestationsalter

in Wochen

Median (Quartilen)

min/max

29,1 (27,1/31,3)

24,1/33,2

Korrigiertes Lebensalter bei

Untersuchung in Monaten

Median (Quartilen)

min/max

20,3 (20,3/21,1)

19,3/24,5

2.1.2 Herkunft und Charakteristik der Referenzgruppe

↓16

Die Referenzgruppe bildeten Kinder, die im Rahmen einer beobachtenden Untersuchung von Kindern mit angeborener Thromboseneigung ebenfalls im Alter von 20 Monaten von den gleichen UntersucherInnen mit dem Griffiths-Test entwicklungsdiagnostisch untersucht wurden. Im Januar 1999 startete das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt, in dem Kinder mit homozygotem oder doppelt heterozygotem Genotyp für Faktor V Leiden und die Faktor II G20210A Mutation durch ein Neugeborenenscreening erfasst und parallel zu heterozygoten Merkmalsträgern (Kontrollen) zunächst in einem Zeitraum von 2 Jahren beobachtet werden sollten (Hundsdoerfer et al. 2003). Innerhalb dieser Studie wurde unter Berücksichtigung der im Punkt 2.1.1. genannten Ausschlusskriterien die begleitende Messung mit dem Aktometer bei Kindern, die zwischen dem 15.10. 1999 und dem 20.10.2000 geboren wurden, durchgeführt.

Die genetischen Merkmale dieser Kinder hinsichtlich einer angeborenen Thromboseneigung waren den UntersucherInnen bei der Entwicklungstestung nicht bekannt. Von den so untersuchten 40 Kindern wurden nachträglich 20 als heterozygote Merkmalsträger entschlüsselt. Diese bildeten die Referenzgruppe für die sehr untergewichtig geborenen Kinder. Eines dieser Kinder erwies sich erst im Rahmen der Auswertung als Frühgeborenes (36,7 Schwangerschaftswochen). Die Zahl der Referenzkinder reduzierte sich so auf 19, davon waren acht Mädchen (42,1%) und elf Jungen (57,9%). Ein Kind war hypotroph mit einem Geburtsgewicht unterhalb der 10. Perzentile und eines hypertroph mit einem Geburtsgewicht oberhalb der 90. Perzentile.

Tabelle 2 : Referenzgruppe: Geburtsgewicht, Gestationsalter und Untersuchungsalter

Referenzgruppe (N=19)

Geburtsgewicht

Median (Quartilen)

min/max

3570 g (3250 g/3800 g)

2618 g/4765 g

Rechnerisches Gestationsalter

in Wochen

Median (Quartilen)

min/max

40,0 (39,1/40,3)

37,0/41,0

Lebensalter bei Untersuchung

in Monaten

Median (Quartilen)

min/max

20,2 (19,5/20,9)

18,9/21,8

2.2 Griffiths-Test

↓17

Die Griffiths-Entwicklungsskalen wurden zur Entwicklungsbeurteilung in den ersten zwei Lebensjahren entwickelt und sind an deutschen Kindern standardisiert. Sie erlauben die Voraussage einer normalen bzw. einer unterdurchschnittlichen Entwicklung recht gut.

Der Griffiths-Test ist in fünf Unterskalen unterteilt:

  1. Motorik
  2. Persönlich-Sozial
  3. Hören und Sprechen
  4. Auge und Hand
  5. Leistungen

↓18

In jedem Bereich können pro Lebensmonat zwei Punkte durch das Erfüllen der Testaufgaben erreicht werden. Die Summe aus den fünf Unterskalen, dividiert durch zehn, ergibt das Entwicklungsalter in Monaten. Der Gesamtentwicklungsquotient errechnet sich aus Entwicklungsalter dividiert durch Lebensalter multipliziert mit 100. Zur Berechnung des Lebensalters der Frühgeborenen ist eine Alterskorrektur nach dem errechneten Geburtstermin erforderlich.

In den Griffiths-Entwicklungsskalen wird von einer schweren Entwicklungsverzögerung gesprochen, wenn der Gesamt-EQ oder der EQ in einer der fünf Unterskalen zwei Standardabweichungen oder mehr unter dem Mittelwert liegt (< = -2SD) (Brandt et al. 2001).

Ab einem Lebensalter von 21 Monaten ist das Auftreten des Ceiling-Effektes (Unterbewertung eines Kindes, das seiner Entwicklung schon weit voraus ist und bereits alle möglichen Aufgaben bis zu 24 Monaten lösen kann) möglich. Durch die Untersuchung im Alter von 20 Monaten konnte dies vermieden werden.

2.3 Datenerfassung mittels Aktographie

↓19

Die Aktographie ist ein objektives, nicht invasives und rückwirkungsfreies Messverfahren. Das Aktometer registriert kontinuierlich Körperbewegungen und in Beziehung zur Zeit deren Geschwindigkeitsänderungen, also Beschleunigungen. Die erfassten Signale werden piezoelektronisch umgewandelt und fortlaufend nach einem bestimmten Zeitraum (in dieser Studie alle zwei Sekunden) gespeichert.

Zur Aufzeichnung der Daten wurde ein Aktometer "Actiwatch" Model AW4 der Firma Cambridge Neurotechnology Ltd. (CNT), Cambridge, UK, mit einer Speicherkapazität von 64 Kilobyte und einem Event-Marker (runde Vertiefung am Gerät) verwendet. Dieses Gerät arbeitet nach dem „time above threshold mode“, bei dem alle Beschleunigungen oberhalb eines vorab definierten Schwellenwertes aufgezeichnet werden. Actiwatch ist ein Aktivitätsmonitor mit einer Größe von 27x26x9mm und 16 g Gewicht, der einer Armbanduhr ähnelt.

Die Messungen wurden mit einem Leihgerät des Institutes für Medizinische Anthropologie der Humboldt-Universität Berlin (Charité Campus Mitte) begonnen und über den gesamten Zeitraum mit diesem Gerät fortgesetzt. So konnten Schwankungen von Messdaten, die auch nach Kalibrierung wegen unterschiedlicher Sensitivität einzelner Aktometer möglich sind, vermieden werden. Ein Selbstversuch zeigte, dass drei parallel am Handgelenk der Untersucherin getragene Aktometer des gleichen Modells in der Auswertung unterschiedliche Werte ergaben; dies führte zu der Entscheidung, alle Untersuchungen mit demselben Aktometer durchzuführen.

↓20

In der Regel wird das Aktometer wie eine Armbanduhr am Handgelenk der nicht dominanten Hand - bei Kleinkindern am Oberarm - getragen. In dieser Studie wurde das Aktometer bei allen Kindern am linken Oberarm befestigt, mit Ausnahme eines Studienkindes mit einer dezenten Hemiparese links, das das Aktometer am rechten Oberarm trug.

2.3.1  Datenverarbeitung

Zur Datenverarbeitung stand das vom Hersteller angebotene Softwareprogramm Actiwatch Sleep analysis 98 ® Version 4.24 zur Verfügung. Das Programm konnte während der Probemessungen im Institut für medizinische Anthropologie, Abteilung Humanethologie/Chronomedizin, zur Vorbereitung des Aktometers auf die Messung (Initialisieren) und zur Datenspeicherung nach der Messung (Auslesen) mitgenutzt werden und war ab Mitte Juni 2001 direkt im SPZ, Bereich Neonatologie des Virchow-Klinikums vorhanden.

Über eine Schnittstelle wird eine Verbindung zwischen Aktometer und Computer hergestellt. Beim Initialisieren werden der gewählte Dateiname, Alter und Geschlecht des Probanden, Startdatum, Startzeit und der gewünschte Zeitabstand zwischen den Messungen (Epochenlänge) eingegeben. Es kann zwischen verschiedenen Epochenlängen gewählt werden; Epochenlängen von 0,25, 0,5, 1 und 2 Minuten sind mit dem Sleep Analysis Program auswertbar, während Messungen mit Epochenlängen von 2 , 5 und 10 sec mit der separaten Fastwatch Software (AWF Plots) dargestellt werden können.

↓21

Für die geplante Kurzzeitmessung wurde die kleinstmögliche Epochenlänge von 2 sec ausgewählt. Die Speicherkapazität des Aktometers erlaubte dadurch eine kontinuierliche Aufzeichnung über ca. 36 Stunden bei einer Aufzeichnungsfrequenz von 30 Messwerten pro Minute.

2.3.2 Datenauswertung

Die gewonnenen Daten wurden zuerst im AWF Plotdargestellt.

Abbildung 1 : Beispiel für ein AWF Plot: auf der Abszisse ist die Uhrzeit angegeben, auf der Ordinate das Maß für die Aktivität; die mit einem M versehenen Balken kennzeichnen, zu welcher Zeit der Marker gedrückt wurde.

↓22

Diese Darstellung ermöglichte mit Hilfe der gesetzten Marker und unter Einbeziehung des UntersucherInnenprotokolls das Auffinden der Messdaten der zu analysierenden Untersuchungssituation aus der jeweiligen Gesamtaufzeichnung des Aktometers. Die Messdaten wurden mit zusätzlicher Anzeige des jeweiligen Messzeitpunktes in Excel-Tabellen kopiert und dann weiter bearbeitet. Jede Untersuchungsmessung enthielt mindestens drei Marker: einen zu Beginn der Untersuchung, einen beim Wechsel vom Tisch zum Boden und einen am Ende der Untersuchung. War das Drücken des Markers vom Gerät nicht registriert worden, konnten unterbliebene Marker an Hand des Protokolls und/oder des AWF Plot rekonstruiert und in die Excel-Tabelle eingefügt werden. Mehrfacher Wechsel vom Tisch auf den Boden führte zu aufwendigem Zusammenführen der zu analysierenden Daten. Für den statistischen Vergleich der Gruppen wurden in Excel arithmetische Mittel, Medianwerte, die Häufigkeit des Wertes 0 (entspricht der Häufigkeit der Ruhemomente) und die zeitliche Dauer für die Untersuchungssequenzen Testphase am Tisch, Testphase am Boden und Testphase gesamt berechnet (Tabelle 3). Nach diesem Vorgehen wurden die Messdaten von insgesamt 83 Kindern analysiert. Darunter waren 43 Kinder mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (Studienkinder) und 40 Kinder aus der Referenzgruppe, von denen die erst nachträglich entschlüsselten 20 homozygoten Merkmalsträger nicht in den statistischen Vergleich einbezogen wurden.

Tabelle 3 : Darstellung der in Excel berechneten Werte aus den bearbeiteten Rohdaten für die statistische Auswertung

Untersuchung

am Tisch

Untersuchung

am Boden

Untersuchung

insgesamt

Arithmetisches Mittel

x

x

x

Medianwert

x

x

x

Häufigkeit des Wertes 0 (keine Bewegung)

x

-

x

Dauer der Untersuchung

x

x

x

2.4 Protokoll- und Fragebögen

2.4.1  Protokollbogen für die UntersucherInnen

Für die Messungen in der Pilotphase war ein „Protokoll zur Kurzzeitanalyse“ entwickelt worden, in dem die persönlichen Daten des Kindes, Datum und Dauer der Untersuchung, anwesende Personen, die Einstellungen des Aktometers bei der Initialisierung, die programmierte Startzeit für die Messung, die Spieldauer am Tisch, die Zeitdauer des Bilderbuch-Anguckens (ein Testitem) und das Vorkommen von Spielzeugwerfen notiert werden sollten. Zusätzlich sollten fortlaufend während der Untersuchung die Uhrzeit, die jeweilige Aktivität des Kindes und Besonderheiten protokolliert werden. Da dieser Protokollbogen sich nur durch eine zusätzlich während des Tests anwesende Person bewältigen ließ, musste er modifiziert werden.

↓23

Auf dem „Protokollbogen zur Aktometermessung bei 20-Monats-Untersuchung“ wurden die Aktometereinstellungen, die Startzeit des Gerätes, die Zugehörigkeit zur Studien- bzw. Referenzgruppe, Name und Geburtsdatum (ggf. auch errechneter Geburtstermin) des Kindes, das Untersuchungsdatum, der Name des Untersuchers und der Untersuchungsraum notiert. Zusätzlich wurde vermerkt, zu welchen Uhrzeiten der Eventmarker des Aktometers gedrückt wurde (planmäßig zu Beginn der Testphase am Tisch, beim Wechsel zum Boden und am Ende der gesamten Testphase). Protokolliert werden musste auch, ob und wann der Eventmarker zusätzlich gedrückt wurde, ob die Reihenfolge von Tisch zu Boden eingehalten werden konnte, und ob sich das Kind durch das Aktometer irritiert zeigte. Die subjektive Einschätzung des Untersuchers betraf die Aktivität des Kindes (unterdurchschnittlich, durchschnittlich, überdurchschnittlich) sowie die Bewegungsqualität und das Verhalten des Kindes analog zum vorhandenen Untersuchungsbogen für die körperliche Untersuchung im Alter von 20 Monaten. Zusätzlich wurde notiert, ob und wie häufig das Kind Testmaterial weggeworfen hatte. Weiterhin war Raum für besondere Bemerkungen. Der Protokollbogen wurde während der und im Anschluss an die Untersuchung ohne Kenntnis der jeweiligen Messdaten ausgefüllt.

2.4.2 Fragebögen für die Eltern

Diese Fragebögen wurden erst im Anschluss an die Pilotphase entwickelt und standen deshalb für sieben der VLBW-Kinder nicht zur Verfügung.

2.4.2.1  Fragebogen zur Aktivität und zum Verhalten des Kindes

Der „Fragebogen zur Aktivität und zum Verhalten Ihres Kindes“ beschrieb zehn verschiedene Verhaltensparameter. Die Eltern wurden gebeten anzukreuzen, ob ihr Kind das jeweilige Verhalten nie (0 Punkte), manchmal (1 Punkt), oft (2 Punkte) oder sehr oft (3 Punkte) zeigt. Die Fragen wurden, unter Berücksichtigung der jüngeren Altersgruppe, in Anlehnung an die ähnlich aufgebaute IOWA (Inattention Overactivity With Aggression) Conners Teacher Rating Scale, die 1982 von Loney und Milich entwickelt wurde und die eine abgekürzte Form der Conners Teacher Rating Scale ist, zusammengestellt (Atkins et al. 1989; Pelham et al. 1989, PSYNDEXplus-Tests). Die Fragen Rennt Ihr Kind dauernd herum? Wirft Ihr Kind plötzlich mit Spielzeug? Schreit, schlägt oder beißt Ihr Kind ohne erkennbare Ursache? Unterbricht Ihr Kind Mahlzeiten durch Weglaufen? Ist Ihr Kind schnell traurig? Läuft Ihr Kind häufig weg? Findet Ihr Kind leicht Kontakt zu anderen Personen? sollten unruhiges Verhalten und Impulsivität eruieren. Die Fragen Finden Sie Ihr Kind insgesamt eher ausgeglichen? Kann Ihr Kind schon alleine spielen? Interessiert sich Ihr Kind für Bilderbücher? sollten die Fähigkeit zu Aufmerksamkeit, Konzentration und emotionaler Stabilität abbilden und wurden entgegengesetzt skaliert (nie=3 Punkte etc.).

2.4.2.2 Fragebogen zu anamnestischen Daten

↓24

In der Datenbank für sehr untergewichtige Frühgeborene der Klinik standen etliche Daten bereits zur Verfügung. Im Rahmen der Studienplanung wurde überlegt, welche Parameter mit der Aktivität eines Kindes korreliert sein könnten. Erfragt wurden: In wie vielen und welchen Sprachen wird Ihr Kind erzogen? Hat Ihr Kind als Säugling ohne erkennbaren Grund viel geschrieen? Wie lange braucht Ihr Kind im Allgemeinen, bis es einschläft? Hat Ihr Kind einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus? Hat Ihr Kind eine Neurodermitis? Gibt oder gab es Ernährungsschwierigkeiten? Erhält Ihr Kind zurzeit Therapie? Ist in der leiblichen Familie Ihres Kindes Hyperaktivität bekannt? Wie viele Geschwister hat das Kind? Als Item für die statistische Auswertung wurde die Frage nach Hyperaktivität in der Familie aufgenommen.

Die verwendeten Protokoll- und Fragebögen sind im Anhang beigefügt.

2.5 Untersuchungsablauf und UntersucherInnen

Bei der Terminvergabe für die 20-Monats-Untersuchung wurde die Tageszeit der Einbestellung auf den individuellen Tagesablauf des Kindes abgestimmt, damit die Kinder nicht hungrig oder müde waren. Vor Untersuchungsbeginn wurden die Eltern über das Aktometer informiert und um ihr Einverständnis gebeten.

↓25

Bei allen Kindern wurde die Untersuchung mit jenen Aufgaben des Griffiths-Test begonnen, die von den Kindern am Tisch bewältigt werden konnten. Dazu saßen die Kinder auf dem Schoß eines sie begleitenden Elternteils dem/der Untersucher/in gegenüber. Vor Beginn der Aufgabenstellung wurde den Kindern jeweils das Aktometer angelegt und die Startzeit der Messung durch Druck auf den Eventmarker des Aktometers markiert. Zusätzlich wurde die Startuhrzeit im Protokoll notiert. Nach Beendigung der Aufgaben am Tisch wurde der Wechsel zum Boden durch Drücken des Markerknopfes und Notieren der Uhrzeit im Protokoll dokumentiert. Das Ende der Untersuchung, nach Beendigung der Griffiths-Testaufgaben am Boden, wurde durch nochmaliges Drücken des Markers und Protokollieren der Uhrzeit festgehalten. Für den Fall, dass die Reihenfolge von Tisch zu Boden nicht eingehalten werden konnte, wurden möglichst alle Wechsel in der beschriebenen Weise dokumentiert. Für die Kinder der Studiengruppe schloss sich eine allgemein pädiatrische und neurologische Untersuchung durch eine Kinderärztin/-arzt an, für die Kinder der Kontrollgruppe war die Untersuchung nach dem Griffiths-Test beendet. Die begleitenden Eltern wurden zum Schluss gebeten, den zweiseitigen Fragebogen auszufüllen, der sich auf anamnestische Daten sowie auf die aktuelle Aktivitätseinschätzung des Kindes bezog.

Die Kinder wurden von zwei Ärztinnen, einem Arzt und der Psychologin des SPZ untersucht, deren Arbeitsweise durch jahrelange Teamarbeit sehr gut aufeinander abgestimmt ist. Der Autorin selbst, Ergotherapeutin mit pädiatrischer Erfahrung, wurde es nach ausgiebiger Schulung und Hospitation ermöglicht, 20% der Kinder selbst zu untersuchen.

2.6 Datenquellen

Die Daten, die der statistischen Auswertung zu Grunde gelegt wurden, beruhten auf den mit dem Aktometer gewonnenen Aktivitätsdaten, der Aktivitätseinschätzung durch Eltern und Untersucher, den Angaben auf den Fragebögen, den Ergebnissen des Griffiths-Tests und den anamnestischen Daten. Neben den selbst erhobenen Daten während der Untersuchung konnten einzelne Daten wie errechneter Geburtstermin, Geburtsgewicht etc. aus der Datenbank für sehr untergewichtige früh geborene Kinder der Klinik für Neonatologie sowie aus der Datenbank für die Studie zur angeborenen Thromboseneigung übernommen werden.

2.7 Statistische Methoden

↓26

Alle Daten wurden zuerst in einer Excel-Tabelle gesammelt und dann mit dem Statistikprogramm SPSS für Windows Version 11.5.1 ausgewertet. Da nicht von einer Normalverteilung der Aktivitätswerte ausgegangen werden konnte, wurden nichtparametrische Tests ausgewählt. Die Aktivitätswerte und andere stetige Variablen der beiden Gruppen wurden mit dem Mann-Whitney-U-Test verglichen, zur Darstellung der Korrelation von Aktivitätswerten mit anderen Parametern wurde der Korrelationskoeffizient nach Spearman-Rho verwendet. Bei mehr als zwei Gruppenvariablen wurde der Kruskal-Wallis-Test eingesetzt. Bei kategorischen Variablen kam der Chi-Quadrat-Test zur Anwendung. Die Signifikanz wurde durchgehend zweiseitig geprüft, das Signifikanzniveau wurde mit p=0,05 festgelegt.


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01.09.2006