3 Ergebnisse

↓26

Die Untersuchung zeigte Unterschiede im Aktivitätsverhalten von bei der Geburt sehr untergewichtigen Kleinkindern und einer reif geborenen Referenzgruppe während der Entwicklungsdiagnostik mit dem Griffiths-Test. Zudem wurde untersucht, inwieweit das Aktivitätsverhalten mit dem Geburtsgewicht, dem Gestationsalter, der subjektiven Einschätzung durch Eltern und Untersucher und dem Entwicklungsstand korreliert. Auch der mögliche Einfluss von Geschlecht, Schulbildung der Mutter und familiärer Häufigkeit wurde berücksichtigt.

3.1  Aktivitätswerte bei Studien- und Referenzkindern

Zur Einschätzung der Aktivität wurde die ermittelte prozentuale Häufigkeit des Aktometermesswertes 0 als Parameter für motorische Ruhe für die Testphase am Tisch und für die Gesamttestsituation herangezogen. Die prozentuale Häufigkeit des Wertes 0 in der Testphase am Boden wurde nicht berechnet, da das Kind in dieser Situation zur Aktivität angeregt wurde. Die berechneten Medianwerte der Aktometermessung wurden für die Testphasen Tisch, Boden und gesamte Testzeit verglichen.

↓27

Für die Gruppe der Studienkinder (N=43) lagen komplette Datensätze bei 37 Kindern vor. In die statistische Auswertung eingeschlossen wurden Teildaten von zwei Kindern, bei denen nur die Testphase am Tisch erfasst wurde, und die von zwei Kindern, bei denen die gesamte Testphase nicht in Tisch- und Bodenphase gegliedert werden konnte. Bei zwei Kindern konnten wegen technischer Probleme keine Daten aufgezeichnet werden.

In der Referenzgruppe (N=19) lagen für 17 Kinder komplette Datensätze vor, bei einem weiteren Kind wurde die Aktivität am Tisch aufgezeichnet. Bei einer Untersuchung gab es ein technisches Problem mit dem Aktometer.

In der statistischen Auswertung zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den früh und reif geborenen Kindern in der Häufigkeit ihrer Ruhemomente sowohl während der Testsituation am Tisch als auch in der gesamten Testsituation. Bei der Betrachtung der Medianwerte des Aktivitätsausmaßes waren die Werte für die Tisch- und Gesamtsituation ebenfalls signifikant unterschiedlich. Der Vergleich der Bodensituation ergab für die Studienkinder höhere Werte als für die Referenzgruppe, der Unterschied war jedoch nicht signifikant (Tabelle 4).

↓28

Tabelle 4 .: Mit dem Aktometer ermittelte Aktivitätsdaten der Studien- und Referenzkinder während des Griffiths-Tests im Alter von 20 Monaten

Studiengruppe

Referenzgruppe

Signifikanz

Prozentuale Häufigkeit von Ruhe am Tisch

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

gültige N

40,0

31,5

50,7

N=39

52,7

44,7

67,0

N=18

p=0,002

Prozentuale Häufigkeit von Ruhe gesamt

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

gültige N

31,8

19,6

41,9

N=39

46,6

34,8

57,2

N=17

p=0,002 p=0,002

Medianwert am Tisch

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

gültige N

3

0

7

N=39

2

0

3

N=18

p=0,01

Medianwert am Boden

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

gültige N

21

15

30

N=37

18

15

23

N=17

p=0,21

Medianwert gesamt

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

gültige N

7

3

12

N=39

3

0

5

N=17

p=0,002

3.2 Zusammenhang von Geburtsgewicht und motorischer Aktivität

3.2.1  Aktivitätsvergleich VLBW – ELBW

Der hohe Anteil von 42% ELBW-Kindern in der Studiengruppe legte einen Vergleich zwischen zwei auf das Geburtsgewicht bezogenen Untergruppen der Studiengruppe nahe.

Tabelle 5 .: Vergleich der Häufigkeit des Wertes 0 in der Aktivitätsmessung mit dem Aktometer während des Griffiths-Tests bei Frühgeborenen unterschiedlichen Geburtsgewichtes

<1000 g Geburtsgewicht

1000 -1499 g Geburtsgewicht

Signifikanz

Prozentuale Häufigkeit von Ruhe am Tisch

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

gültige N

36,7

20,1

47,1

N=16

40,6

33,3

53,5

N=23

p=0,12

Prozentuale Häufigkeit von Ruhe gesamt

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

gültige N

21,7

16,9

39,9

N=18

33,5

30,0

41,9

N=21

p=0,06

↓29

Die Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1000 g verfügten über weniger Ruhemomente als die Kinder mit Geburtsgewicht zwischen 1000 und 1500 g, der Unterschied war bei relativ kleiner Fallzahl nicht signifikant (Tabelle 5).

3.2.2 Korrelation von Geburtsgewicht und Aktivitätsverhalten

Eine Überprüfung der Korrelation zwischen Aktivitätsverhalten und Geburtsgewicht fand statt. Wurden Studien- und Referenzkinder gemeinsam betrachtet, ergab sich ein Korrelationskoeffizient von r=0,35 für die Testphase am Tisch (p=0,007) und von r=0,40 für die gesamte Testphase (p=0,002). Bei Betrachtung der Studiengruppe allein ließen sich Korrelationskoeffizienten von r=0,11 für die Testphase am Tisch und von r=0,21 für die gesamte Testphase berechnen. Diese Korrelationen (p=0,49 und p=0,19) waren nicht signifikant.

Es zeigte sich, dass der Zusammenhang zwischen Geburtsgewicht und Aktivität positiv korreliert war, d.h. je höher das Geburtsgewicht lag, desto häufiger war die Anzahl der Ruhemomente im Verlauf der Testphase. Besonders deutlich wurde dies bei der gemeinsamen Analyse früh und reif geborener Kinder.

3.3 Zusammenhang von Gestationsalter und Aktivitätsverhalten

3.3.1  Aktivitätsvergleich unterschiedlich reifer Frühgeborener

↓30

Nicht nur das Geburtsgewicht, sondern auch die Reife spielt für die Entwicklungsmöglichkeiten eines zu früh geborenen Kindes eine Rolle. Es wurden die Aktivitätswerte von Kindern mit einem Gestationsalter von weniger als 28 Schwangerschaftswochen und solchen mit 28 und mehr Schwangerschaftswochen miteinander verglichen (Tabelle 6). Bei den reiferen Kindern bestand ein Trend zu mehr Ruhemomenten während der Untersuchungssituation. Bei großer Streuung und verhältnismäßig geringer Fallzahl war der Unterschied nicht signifikant.

Tabelle 6 : Vergleich der Häufigkeit des Wertes 0 in der Aktivitätsmessung mit dem Aktometer während des Griffiths-Tests bei Frühgeborenen unterschiedlichen Gestationsalters

:

<28 SSW

>=28 SSW

Signifikanz

Prozentuale Häufigkeit von Ruhe am Tisch

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

gültige N

38,9

21,4

53,7

N=14

40,0

33,3

48,9

N=25

p=0,52

Prozentuale Häufigkeit von Ruhe gesamt

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

gültige N

23,2

15,0

45,0

N=15

31,8

27,6

41,9

N=24

p=0,28

3.3.2 Korrelation von Gestationsalter und Aktivitätsverhalten

Die Korrelationskoeffizienten wurden mit r=0,35 (p=0,007) für die Testphase am Tisch und mit r=0,40 (p=0,002) für die gesamte Testphase für die ganze Gruppe der Studien- und Referenzkinder berechnet. Wurden in der Korrelationsanalyse nur die Daten der Studiengruppe betrachtet, lagen r=0,08 (p=0,62) für die Testphase am Tisch und r=0,17 (p=0,31) für die gesamte Testphase vor.

↓31

Es wurde deutlich, dass eine positive Korrelation zwischen dem Gestationsalter und dem Aktivitätsverhalten bestand. Signifikante Werte stellten sich nur dar, wenn das gesamte Kollektiv in die Auswertung einbezogen wurde, innerhalb der VLBW-Gruppe gab es keine signifikante Korrelation. Innerhalb der Studiengruppe war die Korrelation zwischen Gestationsalter und Aktivitätsverhalten etwas weniger eng, als die Korrelation von Geburtsgewicht und Aktivitätsverhalten.

3.4 Subjektive Aktivitätseinschätzung durch die Eltern und die UntersucherInnen

Der aus dem Fragebogen für die Eltern der zu früh geborenen Kinder ermittelte Wert wurde mit dem der Eltern der Referenzgruppe verglichen. Die statistische Analyse zeigte den Trend, dass Eltern sehr untergewichtiger Frühgeborener das Verhalten ihrer Kinder unruhiger einschätzten als dies bei Eltern reif geborener Kinder der Fall war (Tabelle 7).

Tabelle 7 : Aktivitätseinschätzung durch die Eltern bei früh- und reif geborenen Kindern (nach Angaben auf dem Fragebogen); je höher der Score (0-30), desto aktiver wurde das Kind eingeschätzt

Studiengruppe

Referenzgruppe

Signifikanz

Aktivitäts-

einschätzung

durch die Eltern (Score)

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

gültige N

13

9

15

N=34

11

6

12

N=18

p=0,09

↓32

Im Rahmen der Testdurchführung erfolgte auch eine subjektive Einschätzung der Kinder hinsichtlich ihres Aktivitätsverhaltens seitens der UntersucherInnen. Das motorische Aktivitätsverhalten wurde in drei Kategorien eingeteilt (Tabelle 8). Der Chi-Quadrat-Test zeigte einen signifikanten Unterschied im Aktivitätsverhalten der beiden Gruppen mit p=0,048.

Tabelle 8 : Häufigkeit einzelner Kategorien bei der Einschätzung des Aktivitätsverhaltens der Kinder durch die UntersucherInnen

Studiengruppe N=43

Referenzgruppe N=19

unterdurchschnittlich

1

2

durchschnittlich

33

17

überdurchschnittlich

9

0

Die Gegenüberstellung der Beobachtungen von Eltern und UntersucherInnen zeigte eine gute Übereinstimmung bezüglich der subjektiven Einschätzung der kindlichen Aktivität. Kinder, die von ihren Eltern in ihrem Verhalten unruhiger beschrieben wurden, wurden auch von den UntersucherInnen aktiver eingeschätzt. In der statistischen Auswertung war die Übereinstimmung signifikant (Tabelle 9).

↓33

Tabelle 9 : Vergleich der subjektiven Einschätzung des Aktivitätsverhaltens der untersuchten Kinder von Eltern (Scorewert aus Fragebogen) und UntersucherInnen (drei Kategorien)

Einschätzung durch UntersucherInnen

Signifikanz

unterdurch-schnittlich

durch-schnittlich

überdurch- schnittlich

 

Aktivitätsein- schätzung

durch die Eltern (Score)

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

Gültige N

8

7

.

N=2

11

9

13

N=42

16

13

18

N=8

p=0,001

3.5 Subjektive Aktivitätseinschätzung und objektive Aktivitätsmessung im Vergleich

Es sollte dargestellt werden, inwieweit die Einschätzungen der UntersucherInnen und die Messdaten zu ähnlichen Ergebnissen bzgl. des Aktivitätsniveaus der Kinder führen. Die Elterneinschätzung des Aktivitätsverhaltens der Kinder wurde ebenfalls mit den Messwerten verglichen.

Tabelle 10 : Vergleich der subjektiven Einschätzung durch die UntersucherInnen und der objektiven Messwerte durch das Aktometer

Einschätzung durch UntersucherInnen

Signifikanz

unterdurch-schnittlich

durch-schnittlich

überdurch-schnittlich

 

Prozentuale Häufigkeit von Ruhe am Tisch

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

Gültige N

71,0

46,1

.

N=3

45,9

36,3

54,9

N=48

30,1

20,1

35,7

N=6

p=0,004

Prozentuale Häufigkeit von Ruhe gesamt

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

Gültige N

60,0

41,9

.

N=3

38,0

31,0

46,1

N=45

18,8

15,2

28,7

N=8

p=0,000

↓34

Der Vergleich von UntersucherInnenbeobachtung und Aktometermessung machte eine gute Übereinstimmung der subjektiven Einschätzung der UntersucherInnen mit den objektiven Messwerten des Aktometers deutlich (Tabelle 10).

Um die Übereinstimmung von Elternbeobachtung und Aktometermessung auszuwerten, wurde der Korrelationskoeffizient berechnet. Dieser betrug für die Testphase am Tisch r=-0,24 (p=0,10) und für die gesamte Testphase r=-0,35 (p=0,02). Diese negativen Korrelationen zeigten, dass bei Kindern mit wenigen Ruhemomenten in der Testsituation auch die Aktivitätseinschätzung durch die Eltern hoch war. Signifikanzniveau erreichte die Korrelation von Elterneinschätzung und Aktometermessung in der Auswertung der gesamten Testphase.

Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass die subjektive Einschätzung der UntersucherInnen in dieser Untersuchungsreihe mit der objektiven Messmethode besser übereinstimmte als die subjektive Einschätzung durch die Eltern.

3.6 Beobachtung durch die UntersucherInnen – Spielzeug vom Tisch werfen

↓35

Als möglicherweise richtungweisender Parameter für höheres Aktivitätsverhalten war während des Tests erfasst worden, wie häufig ein Kind Spielzeug vom Tisch warf. Es ließen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen der Studien- und Referenzgruppe ermitteln. Die Unterteilung führte zu teilweise sehr kleinen Fallzahlen innerhalb einer Gruppe, die für die statistische Auswertung nicht ausreichend waren. Unter den Frühgeborenen fand sich jedoch ein prozentual kleinerer Anteil von Kindern, der nicht mit Spielzeug warf, als bei den Kindern der Referenzgruppe. Der Prozentsatz von Kindern, die Spielzeug warfen, war bei den früh geborenen Kindern höher als bei den Kindern der Referenzgruppe (Tabelle 11).

Tabelle 11 : Vergleich der Häufigkeit von Spielzeugwerfen bei der Studien- und Referenzgruppe während des Griffiths-Tests

Studiengruppe

N=42

Referenzgruppe

N=19

Gesamt

N=61

Spielzeug werfen

Nein

N, (%)

17

40,5%

10

52,6%

27

44,3%

Einmal

N, (%)

11

26,2%

5

26,3%

16

26,2%

Mehrmals

N, (%)

14

33,3%

4

21,1%

18

29,5%

3.7 Zeitliche Dauer der Testdurchführung

Während der Untersuchung ermittelte das Aktometer alle zwei Sekunden einen Messwert. Die Anzahl der Messwerte geteilt durch dreißig ergab die Dauer der jeweiligen Untersuchungssequenz in Minuten. Der Medianwert für die Untersuchungsdauer am Tisch lag bei 21,9 min (Quartilen 18,3/25,3) für die VLBW-Kinder und bei 22,4 min (Quartilen 19,4/27,6) für die Referenzkinder. Für den gesamten Test wurden bei den VLBW-Kindern ein Medianwert von 28,4 min (Quartilen 25,0/34,8) und bei den Referenzkindern von 32,3 min (Quartilen 26,8/42,5) berechnet. Im Durchschnitt war die Untersuchungsdauer bei den früh geborenen Kindern etwas kürzer als bei den reif geborenen Kindern. Die statistische Auswertung ergab keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen (p=0,33 und p=0,15).

3.8 Griffiths-Entwicklungsquotienten

↓36

Beim Vergleich der Ergebnisse des Griffiths-Tests zeichneten sich für den Gesamtentwicklungsquotienten und für vier der fünf Subskalen signifikante Unterschiede zwischen den VLBW-Kindern und ihrer Referenzgruppe ab. Die deutlichsten Unterschiede waren beim Gesamtentwicklungsquotient und bei den Subskalen Persönlich-Sozial und Leistungen zu beobachten. In der Subskala Auge und Hand war der Unterschied nicht signifikant (Tabelle 12).

Tabelle 12 : Vergleich der Subskalen und des Gesamtentwicklungsquotienten des Griffiths-Tests der Studien- und Referenzgruppe

Entwicklungsquotient

Studiengruppe

N=43

Referenzgruppe

N=19

Signifikanz

A) Motorik

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

101,0

91,1

103,6

106,3

100,5

107,7

p=0,006

B) Persönlich-Sozial

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

93,4

83,6

101,3

105,8

97,6

111,6

p=0,000

C) Hören und Sprechen

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

88,4

74,6

98,8

95,4

80,9

105,8

p=0,04

D) Auge und Hand

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

92,8

87,9

98,4

97,4

92,6

100,5

p=0,06

E) Leistungen

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

93,9

86,2

100,8

105,5

99,0

113,4

p=0,000

Gesamt-

entwicklungs-quotient

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

91,9

85,8

98,8

103,0

97,5

106,3

p=0,000

3.9 Zusammenhang von Aktivität und Ergebnissen des Griffiths-Tests

Es wurde geprüft, in welchem Zusammenhang das Aktivitätsverhalten eines Kindes mit seinen Ergebnissen des Griffiths-Tests steht. Als Parameter für die Aktivität wurde die aus den Aktometermessungen berechnete prozentuale Häufigkeit von Ruhephasen während der Testphase am Tisch und während der gesamten Testsituation gewählt.

3.9.1  Aktivität und Gesamtentwicklungsquotient

↓37

Wurden die früh- und reif geborenen Kinder zu einer Gruppe zusammengefasst, ließen sich die Korrelationskoeffizienten mit r=0,47 (p=0,000) für die Testphase am Tisch und mit r=0,40 (p=0,002) für die gesamte Testphase berechnen. Das bedeutet, dass je höher der prozentuale Anteil der Ruhemomente war, desto höher auch der Entwicklungsquotient lag (Abbildung 2).

Abbildung 2 : Korrelation von Aktivität und Entwicklungsquotient, auf der Abszisse ist der prozentuale Anteil von Ruhephasen während der gesamten Testsituation dargestellt, die Ordinate zeigt den Entwicklungsquotienten an.

ungefüllte Zeichen: VLBW-Kinder; gefüllte Zeichen: Referenzkinder

Bei der Berechnung der Korrelationskoeffizienten für die Gruppe der VLBW-Kinder allein waren die Parameter Aktivität und Entwicklungsquotient positiv korreliert mit r=0,28 (p=0,08) für die Tischphase und mit r=0,18 (p=0,28) für die Gesamtphase, ohne Signifikanzniveau zu erreichen.

3.9.2 Aktivität und Griffiths-Subskalen

↓38

Der Zusammenhang von Aktivität und den Ergebnissen der einzelnen Skalen des Griffiths-Tests stellte sich unterschiedlich dar. Signifikante Korrelationen auf unterschiedlichem Signifikanzniveau fanden sich für die gesamte Gruppe der VLBW- und Referenzkinder in den Bereichen Persönlich-Sozial / Hören und Sprechen / Auge und Hand / Leistungen, sofern die Testsituation am Tisch berücksichtigt wurde, und für die Bereiche Persönlich-Sozial / Auge und Hand / Leistungen bei Auswertung der Gesamtsituation (Tabellen 13 und 14).

Tabelle 13: Zusammenhang von Aktivitätsverhalten während der Testphase am Tisch und den Griffiths-Subskalen

Griffiths-Subskalen

Prozentuale Häufigkeit von Ruhe am Tisch

Referenz- und Studiengruppe

N=57

Studiengruppe

N=39

Referenzgruppe

N=18

A) Motorik

Korrelation r / Signifikanz p

0,16 / 0,23

0,08 / 0,62

-0,20 / 0,41

B) Persönlich-Sozial

Korrelation r / Signifikanz p

0,47 / 0,000

0,22 / 0,17

0,64 / 0,004

C) Hören und Sprechen

Korrelation r / Signifikanz p

0,35 / 0,008

0,19 / 0,25

0,39 / 0,11

D) Auge und Hand

Korrelation r / Signifikanz p

0,45 / 0,000

0,40 / 0,01

0,23 / 0,36

E) Leistungen

Korrelation r / Signifikanz p

0,33 / 0,01

0,16 / 0,34

0,03 / 0,91

Berechnungen, bei denen nur die VLBW-Kinder eingeschlossen wurden, ergaben eine signifikante positive Korrelation für die Skala Auge und Hand in der Testphase am Tisch und in der gesamten Testphase. Bei den Referenzkindern zeigte sich eine signifikante Korrelation der Häufigkeit der Ruhemomente mit der Griffiths-Subskala Persönlich-Sozial in den beiden ausgewerteten Untersuchungsphasen (Tabellen 13 und 14).

↓39

Tabelle 14: Zusammenhang von Aktivitätsverhalten während der gesamten Testphase und den Griffiths-Subskalen

Griffiths-Subskalen

Prozentuale Häufigkeit von Ruhe gesamt

Referenz- und Studiengruppe

N=56

Studiengruppe

N=39

Referenzgruppe

N=17

A) Motorik

Korrelation r / Signifikanz p

0,10 / 0,44

-0,00 / 0,99

-0,21 / 0,41

B) Persönlich-Sozial

Korrelation r / Signifikanz p

0,40 / 0,002

0,09 / 0,55

0,63 / 0,006

C) Hören und Sprechen

Korrelation r / Signifikanz p

0,23 / 0,08

0,05 / 0,74

0,25 / 0,33

D) Auge und Hand

Korrelation r / Signifikanz p

0,42 / 0,001

0,32 / 0,04

0,17 / 0,49

E) Leistungen

Korrelation r / Signifikanz p

0,35 / 0,007

0,19 / 0,25

-0,01 / 0,96

3.10 Geschlechtsdifferenzen

In der Normalpopulation sind Jungen häufiger von Hyperaktivität betroffen als Mädchen. Um einen möglichen Einfluss des Geschlechts zu untersuchen, wurden die Jungen und Mädchen beider Gruppen getrennt voneinander hinsichtlich der Häufigkeit ihrer Ruhemomente verglichen. Das Geschlecht hatte in dieser Studie keinen signifikanten Einfluss auf das Aktivitätsverhalten der Kinder der Studien- und Referenzgruppe (Tabelle 15).

Tabelle 15: Geschlechtsdifferenzen im Aktivitätsverhalten der Studien- und Referenzkinder

Studiengruppe

Referenzgruppe

Mädchen

Jungen

p

Mädchen

Jungen

p

prozentuale Häufigkeit von Ruhe

am Tisch

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

Gültige N

44,0

32,7

51,7

N=18

38,6

29,2

50,6

N=21

0,47

62,0

47,1

67,2

N=8

47,4

39,6

65,7

N=10

0,29

prozentuale Häufigkeit von Ruhe gesamt

Median

25. Perzentil

75. Perzentil

Gültige N

38,1

20,5

41,9

N=16

31,2

18,9

44,5

N=23

0,63

46,2

37,3

57,3

N=8

46,6

32,1

56,9

N=9

0,63

↓40

Der Gesamtentwicklungsquotient des Griffiths-Tests lag bei den untersuchten Mädchen (N=28) mit einem Median von 98 (Quartilen 90,3/104) etwas höher als bei den Jungen (N=34) mit einem Median von 94 (Quartilen 88,3/100,8). Der Unterschied war nicht signifikant (p=0,11).

3.11  Aktivitätsverhalten unter Berücksichtigung der Schulbildung der Mutter

Um den Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf das Aktivitätsverhalten zu betrachten, wurde der Parameter Schulbildung der Mutter gewählt. Es wurden Mütter ohne Schulabschluss, mit Hauptschulabschluss und vergleichbarem Schulabschluss zur Gruppe einfacher Schulabschluss und Mütter mit Realschulabschluss und Abitur zur Gruppe höherer Schulabschluss zusammengefasst. Mütter mit einfachem Schulabschluss fanden sich häufiger bei VLBW-Kindern: 50% (21 von 42); bei den Referenzkindern gab es 16% (drei von 19) Mütter mit einfachem Schulabschluss (p<0,05). Ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Aktivitätsverhalten der Kinder und der Schulbildung der Mutter stellte sich weder für die Testphase am Tisch (p=0,58) noch für die gesamte Testphase (p=0,22) dar.

3.12 Hyperaktivität in der Familie

Insgesamt hatten 14,3% der untersuchten Kinder eine positive Familienanamnese für HKS. (Tabelle 16). Für eine weitere statistische Betrachtung dieses Parameters waren die einzelnen Gruppen zu klein.

↓41

Tabelle 16: Häufigkeit von Hyperaktivität in den Familien von Studien- und Referenzkindern

Studiengruppe

N=31

Referenzgruppe

N=18

Gesamt

N=49

Hyperaktivität

in der Familie

keine

N, (%)

27, (87,0%)

15, (83,3%)

42, (85,7%)

Mutter

N, (%)

2, (6,5%)

0, (0,0%)

2, (4,1%)

Vater

N, (%)

2, (6,5%)

2, (11,1%)

4, (8,2%)

Geschwister

N, (%)

0, (0,0%)

1, (5,6%)

1, (2,0%)


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HTML-Version erstellt am:
01.09.2006