| Siegmann, Stefanie : Primäre bildgebende Diagnostik von polytraumatisierten Patienten mittels Spiralcomputertomographie |
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Die Behandlung polytraumatisierter Patienten stellt in ihrer Komplexität hohe Anforderungen an die aparativen und personellen Voraussetzungen einer Klinik. Dies bedingt einen erheblichen Kostenaufwand sowohl für die primäre Diagnostik und Therapie als auch für die Rehabilitation.
Im Unfallkrankenhaus Berlin sieht der Algorithmus der Polytraumaversorgung nach klinischer Erstversorgung und sonographischer Untersuchung von Abdomen und Thorax die weitere primäre radiologische Diagnostik von Schädel, Halswirbelsäule, Thorax, Abdomen und Becken mittels Spiral-Computertomographie nach einem standardisiertem Untersuchungsprotokoll vor. Im Zeitraum von September 1997 bis Juli 1999 wurden 334 aufeinander folgende Patienten erfasst, bei denen unter dem Verdacht auf ein Polytrauma eine CT-Untersuchung im Rahmen des klinikinternen Algorithmus durchgeführt wurde. Unter Kenntnis aller Untersuchungsbefunde erfolgte die retrospektive Gruppenbildung mit Unterscheidung in polytraumatisierte (n=116) und nicht polytraumatisierte (n=220) Patienten. Der durchschnittliche ISS lag bei 32 (+/- 10) in der Gruppe der tatsächlich polytraumatisierten Patienten und bei 15 (+/- 9,4) in der Gruppe der nicht polytraumatisierten Patienten. In der weiteren Auswertung wurden die in der primären CT-Untersuchung erhobenen Diagnosen anhand des klinischen Verlaufs, operativer und anderer therapeutischer Maßnahmen sowie der weiteren Bildgebung überprüft.
Die Computertomographie ist den konventionellen bildgebenden Verfahren wie Röntgenübersichtsaufnahmen und der Sonographie in der Aufdeckung sowie im Ausschluss von Verletzungen im Bereich von Kopf, Wirbelsäule und Körperstamm überlegen. Mit einer einzigen Untersuchungsmethode lässt sich somit, abgesehen von den Extremitätenverletzungen, das gesamte Verletzungsmuster eines polytraumatisierten Patienten erfassen, ohne dass der Patient für einzelne Aufnahmen speziell gelagert werden muss. Lediglich die Arme sollten nach Möglichkeit für die Untersuchung von Thorax und Abdomen hochgelagert werden. Mit der Spiral-Computertomographie kann die Untersuchungszeit deutlich verkürzt werden, so dass unter zeitökonomischen Gesichtspunkten die Untersuchung auch auf Patienten mit kritischen Kreislaufsituationen ausgedehnt werden kann. Als strukturelle Voraussetzung muss hierbei allerdings die unmittelbare Nachbarschaft
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von Schockraum und CT-Untersuchungsraum gewährleistet sein. Zudem ist ein eingespieltes Team notwendig, um Umlagerungszeiten möglichst zu minimieren.Bei der Frage nach der diagnostischen Sicherheit in bezug auf die einzelnen Körperregionen zeigte sich die hohe diagnostische Aussagekraft der Computertomographie, welche sich anhand der klinischen Verläufe bestätigte.
Im Bereich des Schädels und des Mittelgesichtes wurde je eine frontobasale Fraktur und eine Felsenbeinfraktur nicht primär diagnostiziert. Daraus resultierte eine Modifizierung des Untersuchungsprotokolls noch während des erfassten Zeitraumes, welche die Nachrekonstruktion der Schädelbasis im HR-Modus vorsieht. Bei 4 weiteren Patienten konnte eine intrakranielle Kontusions- bzw. Scherverletzung erst in der MRT-Untersuchung nachgewiesen werden.
Bis auf einzelne Rippenfrakturen wurden alle thorakalen Verletzungsfolgen vollständig erfasst. Insbesondere in bezug auf Verletzungen des Aortenbogens konnten die primär erhobenen Befunde als richtig positiv bzw. richtig negativ bestätigt werden.
Wie in der Literatur beschrieben zeigte sich auch anhand der hier untersuchten Patienten bei der Abklärung abdomineller Verletzungen insbesondere die Schwierigkeit in der sicheren Diagnose bzw. in dem sicheren Ausschluss von Hohlorganverletzungen sowie Verletzungen des Mesenteriums. Deshalb ist bei stumpfem Bauchtrauma eine engmaschige Nachuntersuchung der Patienten mittels Sonographie und eine Kontrolle der Laborparameter unerlässlich.
Im Bereich der Wirbelsäule und des knöchernen Beckens wurden alle Verletzungen vollständig erfasst.
Die Spiral-Computertomographie ist somit in der Lage, das Verletzungsmuster eines polytraumatisierten Patienten, abgesehen von Extremitätenverletzungen, nahezu vollständig und mit großer Sicherheit zeiteffizient zu erfassen. Die hier vorgestellte Untersuchung zeigt, dass von der Durchführung des standardisierten Untersuchungsprotokolls bei der Aufdeckung von Verletzungen insbesondere die tatsächlich polytraumatisierten Patienten profitieren. Der große Anteil der nicht polytraumatisierten Patienten profitiert hier vorwiegend vom Verletzungsausschluss. Hier muss die Indikationsstellung überaus kritisch erfolgen.
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