4. Zum analytischen Potenzial der Theorie der Strukturierung: Die Strukturierung der Moderne

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Wenngleich der Ausgangspunkt von Anthony Giddens’ soziologischer Theoriearbeit in der Auseinandersetzung mit den Klassikern der Disziplin und insbesondere deren analytischer Konzeptualisierung der Struktur und Entwicklungsdynamik moderner kapitalistischer Gesellschaften (1971b) zu verorten ist, zeigt ein Blick auf seine Werkentwicklung, dass er diese Problemperspektive weder kontinuierlich noch systematisch weiterverfolgte, er sich vielmehr nur sporadisch mit zeitdiagnostischen Problemstellungen auseinandersetzte, wie etwa seine Studien zu Fragen der Elitenrekrutierung, der Staatsbürgerrechte oder allgemeiner Veränderungsprozesse in der Klassenstruktur moderner Gesellschaften belegen. Stattdessen konzentrierte er sich lange Zeit auf die Problematisierung methodologischer und sozialtheoretischer Fragestellungen. Dies mündete in die Ausarbeitung des strukturierungstheoretischen Ansatzes als einer sozialtheoretischen Alternative zu den bestehenden Gesellschaftstheorien, ohne dass diese grundlagentheoretischen Überlegungen explizit mit der Analyse zeitgenössischer Gesellschaften verknüpft wurden.

In den letzten Jahren zeichnet sich jedoch ein Wandel ab. Anthony Giddens scheint sein Programm der paradigmatischen Erneuerung der Gesellschaftstheorie zugunsten einer stark analytischen Fokussierung auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungsprozesse stillgelegt zu haben, und an die Stelle der intensiven Auseinandersetzung mit den Arbeiten der Gründerväter der Disziplin und der Reformulierung der theoretischen und begrifflichen Grundlagen des Faches rücken nunmehr zeitdiagnostische Fragestellungen mit dem Ziel, „die Diskontinuitäten (zu) ermitteln, die die gesellschaftlichen Institutionen der Moderne von den sozialen Ordnungen der Tradition trennen“ (Giddens 1995a: 14).

Bedeutet dieser Perspektivenwechsel hin zu einer „Institutionenanalyse der Moderne“ (ebd.: 9) nun den Bruch mit seinen strukturierungstheoretischen Grundannahmen?263 Um dies zu prüfen, ist es notwendig, Giddens’ Ansatz vor dem Hintergrund des systematischen Dreischritts von disziplingeschichtlicher Selbstverständigung, grundlagentheoretischer Reflexion und zeitdiagnostischer Gegenwartsanalyse zu diskutieren. Denn nur wenn es gelingt, alle drei Theoriebausteine zu verklammern, eröffnet dies die begriffliche und konzeptionelle Möglichkeit, den Anspruch einer grundlegenden Revision und Neubestimmung der Gesellschaftstheorie einzulösen und einen umfassenden theoretischen Neuansatz vorzulegen, der sowohl dem sozialtheoretischen Reflexionsniveau der Disziplin gerecht wird als auch darüber hinaus die Chance eröffnet, dies mit dem eigentlichen Kernbereich der soziologischen Forschung zu verknüpfen: der Analyse der charakteristischen Struktur moderner Gesellschaften.

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Folgt man dieser Lesart, so wird deutlich, dass es für die Auseinandersetzung mit Giddens’ strukturierungstheoretischem Projekt notwendig ist, die in der Sekundärliteratur vorherrschende Konzentration auf die sozialtheoretischen Implikationen264 zu erweitern und auch dessen neuere Arbeiten zur Bestimmung zentraler Problemzonen und Entwicklungschancen moderner Gesellschaften mit in die Analyse aufzunehmen.265 Zwar kommt der Problematisierung dominanter sozialwissenschaftlicher Theorieansätze sowie der Weiterentwicklung zentraler sozialtheoretischer Grundbegriffe weiterhin eine wichtige Rolle in seinem Theorieprogramm zu,266 doch bleiben seine konzeptionellen und methodologischen Ausführungen so lange abstrakt bzw. ‚proto’- oder ‚meta-soziologisch’, solange es nicht gelingt, sie für die empirische Analyse der Handlungsmöglichkeiten und Strukturbedingungen in der Moderne fruchtbar zu machen. Während die Sozialtheorie nach Giddens auf die Ausarbeitung einer „ganz allgemeinen Sozialontologie“ (Giddens 1988b: 287) bezogen ist mit dem Ziel, die Grundlagen für sämtliche Sozialwissenschaften zu entwickeln, besteht die zentrale Aufgabe der Soziologie darin, moderne Gesellschaften zu analysieren: „it is the task of sociology as I would formulate the role of that discipline at any rate, to seek to analyze the nature of that novel world, which in the late 20th century, we now find.“ (Giddens 1985: 33. Hervorh. S.S.) Das heißt, der Hauptfokus von Giddens Arbeiten seit Mitte der achtziger Jahre liegt auf dem Versuch, abstrakte Theoriebildung und empirische Analyse zu relationieren und für die Analyse der Moderne fruchtbar zu machen: „Modernity is the core concern of sociology“ (Giddens 1991b: 201).

Nun stellt die konzeptionelle Bezugnahme auf die so genannte Moderne schon immer und in mehrerer Hinsicht ein konstitutives Merkmal soziologischen Denkens dar, ohne dass es zu einer übereinstimmenden kategorialen Bestimmung der Moderne gekommen wäre. In historischer Perspektive zeigt sich, dass die Entstehung der Disziplin in engem Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Entwicklungen und „Großen Transformationen“ (Polanyi) stand, die den Bruch mit traditionalen Gesellschaften markierten und in deren Folge sich die politischen, ökonomischen und insbesondere sozialen Bedingungen in Europa radikal wandelten. Im Zuge der zunehmenden Industrialisierung wie auch der politischen und rechtlichen Durchsetzung der bürgerlichen Gesellschaft gerieten die Grundkoordinaten des sozialen Zusammenlebens unter enormen Veränderungsdruck. Diese sozialstrukturellen Wandlungsprozesse hatten weitreichende Konsequenzen für die Lebensbedingungen und auf die Lebensführung der Menschen, denn die traditionalen, institutionell vorgeprägten Handlungsmuster verloren zunehmend an sozialer Bindungskraft, und die Grunderfahrung des modernen Individuums war im Zuge einer Differenzierung und Pluralisierung der Handlungsmöglichkeiten durch eine tief greifende Kontingenz267 und Ambivalenz gekennzeichnet.

Die in der Folge dieser gesellschaftlichen Wandlungsprozesse entstandenen sozialen Problemlagen und gesellschaftlichen Verwerfungen führten dazu, dass sich die Soziologie als Wissenschaft von der modernen Gesellschaft in einem Prozess der disziplinären Selbstbestimmung von den Staatswissenschaften,268 der Politischen Ökonomie269 und der Philosophie270 abzugrenzen begann. Sie gewann ihr eigenes Profil als wissenschaftliche Reflexions- und Krisendisziplin271 und wurde institutioneller Ausdruck des praktischen Interesses unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen an sozialen Reformen272 bzw. ihrer Hoffnung, soziale Probleme zu analysieren, zu objektivieren und damit kontrollierbar zu machen. Darüber hinaus hatte dies die thematische und methodische Fokussierung der Soziologie auf den Prozess der radikalen Transformation gesellschaftlicher Verhältnisse zur Folge. Die empirische Untersuchung fortgeschrittener Gesellschaften bezeichnet den spezifischen Objektbereich des neuen Faches, wobei gerade die Analyse der institutionellen Arrangements zeitgenössischer Gesellschaften zum Prüfkriterium der diagnostischen Kraft der Disziplin wird. Erst muss die Soziologie die „Strukturbedingungen und Funktionsweisen“ (Weber) der „Moderne“ aufklären, bevor sie deren Reformierung in Angriff nehmen kann.

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Dieses klassische Forschungsprogramm, wie es insbesondere von den Gründervätern der Disziplin in Auseinandersetzung mit der sich durchsetzenden kapitalistischen Industriegesellschaft ausgearbeitet wurde, stellt auch für Giddens den entscheidenden Referenzpunkt seines soziologischen Denkens dar.273 Gleichzeitig verweist er jedoch auf die Notwendigkeit, zentrale, in diese Bestimmung eingehende analytische Kategorien des Fachs zu problematisieren, um angesichts der radikalen Transformationen und Veränderungen in der modernen Welt diese Aufgabe adäquat lösen zu können: „As far as I can see the modern world is just a stupendously disquieting and difficult world to understand“ (Giddens 1987b: 96).

So lehnt er etwa die in der Soziologie, insbesondere im modernisierungstheoretischen Diskurs lange Zeit vorherrschende Vorstellung ab, wonach sich der gesellschaftliche Wandel gleichsam evolutionär entfaltet und einer endogenen Entwicklungslogik folge.274 Denn ein analytischer Blick auf die Komplexität und Heterogenität der historisch beobachtbaren Entwicklungen verdeutlicht, dass die sozialen Wandlungsprozesse, in deren Folge sich die modernen Gesellschaften ausbildeten, gerade nicht einem linearen Entwicklungspfad folgten. Diese verlaufen weder geradlinig noch kontinuierlich auf ein bestimmtes Ziel zu, sondern sind durch kontingente Ereignisse, radikale Brüche und Verwerfungen geprägt. So stoppen Kriege oder Revolutionen gesellschaftliche Prozesse oder lenken sie in eine völlig unerwartete Richtung um, spezifische Entwicklungen stellen nicht notwendigerweise „Sonderwege“ dar, die entweder theoretisch und methodisch als Ausnahmefälle marginalisiert oder aber als zeitlich verzögerte Prozesse einer nachholenden Entwicklung anheimgestellt werden. Sie bezeichnen vielmehr individuelle Entwicklungsverläufe, deren Spezifika sich besonderen historischen Konstellationen verdanken und eventuell Ausdruck besonderer Entdifferenzierungen oder Devolutionen sind.275

Folgt man Giddens, dann ist es zur soziologischen Aufklärung der Struktur moderner Gesellschaften notwendig, deren Entstehung und Genese gerade nicht als Folge kontinuierlich wirkender sozialer Prozesse zu bestimmen. Stattdessen gilt es, die Kontingenz und Diskontinuität dieser Entwicklung ins Zentrum der Analyse zu rücken.276 Die Kritik an den so genannten Entfaltungsmodellen sozialen Wandels277 steht in konzeptioneller Hinsicht in engem Zusammenhang mit seiner skeptischen Haltung gegenüber der dominanten, oftmals unspezifischen und kategorial mehrdeutigen soziologischen Verwendungsweise des Gesellschaftsbegriffs:278 „For in spite of the ubiquity of its usage, the term ‚society’ has figured largely as an unexamined one in sociological discourse“ (Giddens 1987a: 25).279 

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Vergleichbar der begrifflichen Zurückhaltung, wie sie G. Simmel, M. Weber oder auch N. Elias substantialisierenden Bestimmungsversuchen von Gesellschaft entgegenbrachten, und die sie deshalb in Prozesskategorien wie soziale Wechselwirkung, Vergesellschaftung oder Figuration transformierten, bestimmt auch Giddens die Gesellschaft weniger als eine systematische denn als eine empirische Kategorie, die analytisch wenig aussagekräftig ist und bestenfalls allgemeine Zuschreibungen zulässt280. Als ‚Gesellschaften’ werden so differente soziale Formationen wie komplexe, ausdifferenzierte moderne Industrienationen oder große agrarische Imperialreiche ebenso bezeichnet wie kleinräumige, stammesähnliche Gemeinschaften, ohne dass hinreichend deutlich wird, auf welche gemeinsamen Merkmale sich eine solche Kennzeichnung bezieht. Sucht man stattdessen die konstitutiven Dimensionen sozialer Großeinheiten genauer zu bestimmen, dann ist es in strukturierungstheoretischer Perspektive notwendig, den Gesellschaftsbegriff zu desaggregieren. Wenngleich sich allgemeine gesellschaftliche Struktur- und Entwicklungsmuster identifizieren lassen, so verweist dies keineswegs auf eine interne Homogenität der gesellschaftlichen Einheiten. Gesellschaften setzen sich vielmehr aus Gruppen zusammen, „zwischen denen Autonomie- bzw. Abhängigkeitsbeziehungen bestehen, die sich in unterschiedlichen Konflikten und Spannungen niederschlagen“ (Giddens 1995b: 182), so dass deren Ausdehnung respektive ‚Geschlossenheit’ über Raum und Zeit chronisch problematisch bleibt281 und keinem einmalig vorgegebenen Entwicklungspfad folgt.

Ähnlich wie auch Weber die Charakteristika von gesellschaftlich relevanten Entwicklungen immer nur im Zusammenhang mit ihrer Wirkung auf besondere Wertsphären und Lebensordnungen analysierte,282 betont auch Giddens, dass Gesellschaft weder als eine schon bestehende Entität noch als ein umfassendes Sozialsystem zu bestimmen ist, sondern ein ‚Cluster’ institutionalisierter Verhaltensweisen darstellt .283

Gesellschaft ist immer, so müsste man Giddens strukturierungstheoretisches Credo von der Dualität der Struktur hier konkretisieren, ein historisch-variabler Handlungszusammenhang, der von den Akteuren geschaffen und reproduziert wird, wobei dieses Handeln immer durch unterschiedliche institutionelle Kontexte ermöglicht wie auch beschränkt wird. Versucht man auf dieser Grundlage unterschiedliche soziale Ordnungstypen zu analysieren und zu charakterisieren, dann ist es notwendig, diejenigen sozialen Mechanismen aufzuklären, die konstitutiv für die Ausbildung spezifischer sozialer Praktiken waren und deren raum-zeitliche Ausdehnung stabilisierten.

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Vor dem Hintergrund dieser kategorialen Überlegungen und der Ablehnung jeglicher Einheitskonzeption von Gesellschaft wird deutlich, dass auch in Bezug auf eine begrifflich scharfe Bestimmung des Konzepts der „Moderne“ ein hoher Problematisierungsbedarf besteht. Obwohl die Kategorie der „modernen Gesellschaft“ dauerhaft im soziologischen Diskurs präsent ist und diagnostisch in der Regel auf westliche Gesellschaftsformationen284 bezogen wird, finden sich gegenwärtig eine Vielzahl unterschiedlichster Definitions- und Bestimmungsversuche.285 Unter den Begriff der „Moderne“ werden eine Vielzahl divergierender Prozesse subsumiert, und er scheint in seiner Vielschichtigkeit und Ambivalenz einem „Sozialmythos“ (Wehling 1992) zu ähneln, der sich einer systematischen Analyse verschließt.286 Zwar werden Prozesse wie Differenzierung, Rationalisierung, politische und rechtliche Demokratisierung oder Individualisierung immer wieder als konstitutiv für die Durchsetzung der Moderne angeführt,287 es bleibt jedoch offen, ob und wie Modernität hierüber trennscharf bestimmt werden kann. Zum einen lassen sich, je nach Interpretationsinteresse, eine Vielzahl weiterer modernisierungsrelevanter Prozesse benennen, so dass die Erklärungskraft der einzelnen Eigenschaften beliebig wird und relativiert werden muss. Zum anderen, und dies scheint zentral zu sein, verbleiben diese Kennzeichnungen so lange soziologisch vage, solange unaufgeklärt bleibt, wie diese Prozese aufeinander bezogen sind, welche strukturellen Zusammenhänge bestehen und welche empirische Relevanz damit verknüpft ist. So findet man zwar eine Vielzahl von begrifflichen Bestimmungsversuchen, die den Beginn des Projektes der Moderne auf das späte 18. und frühe 19. Jahrhundert terminieren und diese epochale Zäsur als Neuzeit, Sattelzeit, Aufklärung, Industrialisierung oder Revolutionszeitalter etikettieren. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese Zuschreibungen meist ohne eine explizite Rückbindung an die empirische Erfahrungswirklichkeit der Akteure waren und rein auf spezifische Diskursformationen oder Ideenkomplexe einzelner Eliten bezogen blieben.288

Der Begriff der Moderne subsumiert demnach zu viele heterogene Kategorien, als dass er analytisch aussagekräftig wäre, und es bedarf, wenn man in soziologischer Perspektive versucht, die Spezifika der „Moderne“ als eine besondere neuartige Ordnungskonfiguration zu analysieren, einer exakten Bestimmung der konkreten sozialen und institutionellen Praktiken, ihrer wechselseitigen Relationen wie auch der davon betroffenen Akteurkonstellationen, um den Einfluss unterschiedlichster Wandlungsprozesse auf die Entwicklung von Gesellschaften aufklären zu können289.

Vor diesem Hintergrund betont auch Giddens, dass die bestehenden soziologischen Erklärungsversuche des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses aufgrund der fehlenden kategorialen Ausdifferenzierung (Giddens 1982c: 136ff.) einer Revision bedürfen, und verweist darauf, dass über eine generelle Kennzeichnung der Moderne innerhalb der Sozialwissenschaften hinaus „ihre Hauptmerkmale fürs erste unangetastet in einer Black Box verstaut bleiben“ (Giddens 1995a: 9, Herv. S.S.). Zwar teilt er noch die im sozialwissenschaftlichen Diskurs vorherrschende These einer grundlegenden sozialstrukturellen Differenz moderner Gesellschafen gegenüber traditionellen Ordnungstypen wie auch die Annahme, dass die sozialen Prozesse, die in der Regel mit dem so genannten Projekt der Moderne verknüpft werden, zeitlich und räumlich bestimmbar sind,290 doch betont er gleichzeitig, der Logik seiner Kritik an den soziologischen Entfaltungsmodellen folgend, dass sich der weitreichende gesellschaftliche Modernisierungsprozess gerade nicht über den Rekurs auf einen zentralen, quasi kausalen Mechanismus aufklären lässt: „I think that in our times you no longer can suppose that there is a single agency of change“ (Giddens 1987a: 113). Vielmehr geht er in der Folge seiner Kritik am Entfaltungsmodell sozialen Wandels von einer multifaktoriellen Verursachung dieser Entwicklung aus, deren Analyse die Interessen und Intentionen der jeweiligen Akteure mit berücksichtigen muss und die ihren gesellschaftlich relevanten Ausdruck in wechselnden institutionellen Konfigurationen findet. Die damit einhergehende Ablehnung jeglicher begrifflicher Generalisierungen im Rahmen der Bestimmung sozialer Wandlungsdynamiken291 betont demzufolge nicht nur die Diskontinuität der Moderne in der Folge der Fragilität dieser Prozesse und der Wahrscheinlichkeit ungleicher Entwicklungstempi und -richtungen (Giddens 1995b: 185ff.), sondern verweist gleichzeitig auf die Notwendigkeit einer historischen Kontextualisierung der Moderne.292 

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Seinem frühen Postulat folgend, wonach die Erneuerung der Gesellschaftstheorie auf der Analyse von Institutionen aufbaut und mit den klassischen Traditionen der Theorie der Industriegesellschaft brechen müsse, setzt Giddens Gesellschaftstheorie mit der institutionellen Analyse der Moderne gleich. Erst die konzeptionelle Bestimmung der modernen Gesellschaft als einer historisch variablen Institutionenkonfiguration eröffnet ihm die Möglichkeit, sozialtheoretische Reflexion und die Untersuchung gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse nicht mehr als zwei eigenständige Dimensionen soziologischen Arbeitens zu fassen, sondern, im Gegenteil, als zwei notwendige und sich gegenseitig ergänzende Seiten sozialwissenschaftlicher Analyse. Anlässlich seiner Inaugurationsvorlesung an der University of Cambridge postuliert Giddens die Aufgabe der Soziologie demnach folgerichtig: „Sociology is concerned with the comparative study of social institutions, giving particular emphasis to those forms of society brought into being by the advent of modern industrialism. There might be differences of opinion as to how modern societies should best be studied, but to suggest that such societies are not worthy of systematic enquiry seems more than faintly absurd“ (Giddens 1987a: 1).

Soziologische Analyse bezeichnet die empirische Untersuchung und Bestimmung der Struktur und Dynamik zeitgenössischer Gesellschaften, ihrer zentralen Institutionen und Lebensformen, wie sie sich seit Beginn der Moderne als Folge der Überschneidungen individueller oder kollektiver Interessen mit den bestehenden ‚Structural properties’ (Strukturmomenten) sozialer Systeme ergeben haben. Diese allgemeine Fassung seines soziologischen Forschungsprogramms verweist darauf, dass die soziale Realität, wie sie sich dem Forscher darstellt, nur dann zu verstehen und zu erklären ist, wenn er sich der Tatsache bewusst ist, dass die Genese und die Entstehungsgeschichte der Sozialordnung unmittelbaren Einfluss auf das soziale Leben besitzt. Giddens hebt hierdurch nicht nur – wenngleich weitgehend implizit – die Aktualität des lange Zeit in den Hintergrund getretenen Programms der historischen Soziologie293 hervor, sondern betont auf der Grundlage seiner strukturierungstheoretischen Prämissen gleichzeitig die Möglichkeit der Spezifizierung und Weiterentwicklung dieses Programms als einer allgemeinen Grundorientierung des Faches.294

Den Ausgangspunkt von Giddens’ Analyse der Moderne295 stellt die Beobachtung der pluralen, polyarchischen Verfasstheit moderner Gesellschaften dar. Entgegen der Annahme, dass der Prozess der Modernisierung einer dominanten Entwicklungslogik folge, die in der Ausbildung einer weitgehend hegemonialen Institutionenordnung mündet, sieht er die historische Konfiguration der Moderne durch eine Vielzahl sich wechselseitig beeinflussender Faktoren bestimmt. Weder Kapitalismus (Marx) noch Industrialismus (Durkheim) oder Rationalismus (Weber) allein beschreiben somit die spezifische Dynamik und Gestalt gegenwärtiger Gesellschaften adäquat, diese sind vielmehr das Ergebnis der Wirkung und Durchsetzung differenter historischer Prozesse.

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Diese plurifaktorielle Ausdifferenzierung der Moderne spiegelt sich auch in ihrer institutionellen Multidimensionalität wider, die Giddens entlang seiner typologischen Bestimmung distinkter — allokativer und autoritativer — institutioneller Ordnungen nachzeichnet, wobei er vier institutionelle Dimensionen identifiziert, die konstitutiv für die Moderne sind. Einerseits verweist er auf zwei allokative Institutionenkomplexe: den Kapitalismus, d.h. das System der Warenproduktion und des Tausches, das über die Beziehung von privatem Kapital und besitzloser Lohnarbeit strukturiert wird, und den Industrialismus, in dessen Kontext die Natur durch technologische Entwicklungen und Effekte der Wirtschaftsform transformiert wird, so dass es damit einhergehend zur Entwicklung einer „geschaffenen“ Natur kommt.

Andererseits wird der soziale Raum „Moderne“ zur selben Zeit durch zwei autoritative institutionelle Cluster bestimmt: den (national)staatlichen Überwachungsapparat, der in Form administrativer Macht die Kontrollgewalt sowohl über Informationen als auch — im Zuge der unmittelbaren Beaufsichtigung — über untergeordnete Personen innerhalb staatlicher und politischer Organisationen inne hat; die militärische Macht ist von konstitutiver Bedeutung für die Gegenwart, denn die Verfügung über die Mittel der Gewaltanwendung im Rahmen vorgegebener territorialer Grenzen stellt vor dem Hintergrund der „Industrialisierung des Krieges“ ein grundlegendes Merkmal moderner Nationalstaaten dar. Mit der Auszeichnung dieser vier institutionellen Dimensionen konkretisiert Giddens den Rahmen für seine Analyse der zentralen Charakteristika moderner Gesellschaften (vgl. Schaubild 15). Gleichzeitig verweist dieses Modell aber auch darauf, dass die einzelnen institutionellen Bereiche trotz ihrer relativen Autonomie keineswegs unabhängig voneinander untersucht werden können, sondern dass sich die historischen Entwicklungsverläufe oder die potenziellen Entwicklungsoptionen der Moderne erst dann angemessen aufklären lassen, wenn man sich des engen Wechselwirkungsverhältnisses zwischen den einzelnen Dimensionen bewusst ist.

Schaubild 14: Die institutionellen Dimensionen der Moderne (vgl. Giddens
1995a: 80)

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Blickt man auf die soziologische Tradition zurück, so zeigt sich nach Giddens, dass die Interdependenzen zwischen diesen vier Dimensionen kaum problematisiert wurden, und stattdessen in der Regel immer nur zwei dieser vier institutionellen Bereiche dauerhafte Aufmerksamkeit erlangten. Der soziologische Diskurs ist durch ein weitreichendes und differenziertes Problembewusstsein hinsichtlich der Thematisierung des Kapitalismus und des Industrialismus als den konstitutiven Dimensionen zeitgenössischer Gesellschaften charakterisiert. Mit Blick auf die Dimensionen der Überwachung wie auch der militärischen Gewalt zeigt sich aber ein auffallendes Desideratum an problemorientierten Arbeiten.296 Zwar finden sich bei einzelnen klassischen Autoren wie M. Weber, O. Hintze oder R. Aron grundlegende Überlegungen zum Zusammenhang von militärischer Macht und Nationalstaaten, und auch die Bedeutung der immer umfassenderen Praxis staatlich gesteuerter Überwachungs- und Disziplinierungsmechanismen auf den Entstehungsprozess der Moderne wurde insbesondere von M. Foucault deutlich herausgearbeitet, doch wurden diese Gedanken nicht in systematischer Weise Teil des modernisierungstheoretischen Diskurses.297 

Der Modernisierungstheorie scheint vielmehr „der Traum von der gewaltfreien Moderne“ (Joas 1994: 309-318) inhärent zu sein. Die Moderne gilt als das aufgeklärte Gegenmodell zu der langen historischen Phase der kriegerischen Auseinandersetzungen, das sich spätestens seit dem 19. Jahrhundert und der nationalstaatlichen Organisation von Gesellschaften kontinuierlich ausgebildet hat. Obwohl es immer wieder zu zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen kam und sich politische Regime auf der Basis ungebremster binnenstaatlicher Gewaltanwendung konstituierten, galten diese Konflikte als Rückfälle in vormoderne, quasi barabarische Zeiten und wurden als Sonderfälle aus dem optimistischen, fortschrittsorientierten Theoriemodell exkludiert.298 

Die unterschiedlichen Formen gewalttätiger Auseinandersetzungen in inter- wie intrastaatlichen Beziehungen lassen sich jedoch nur dann als Modernisierungsbrüche interpretieren, wenn man davon ausgeht, dass der Prozess der Entstehung moderner Gesellschaften das Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung war. Im Gegensatz hierzu betont Giddens die Fragilität von Geschichtsverläufen und verweist auf die grundlegende Differenz der Moderne gegenüber allen traditionalen bzw. vormodernen Gesellschaftsformationen. Ihre Genese stellt einen vielschichtigen und diskontinuierlichen Prozess dar, der nur auf Kosten einer analytischen Entdifferenzierung als monokausal verursacht bestimmt werden kann. Historische Ereignisse sind kontingent, sie sind weder vollständig aus den gegebenen srukturellen Bedingungen rekonstruierbar, wie das Beispiel des Zusammenbruchs der realsozialistischen Gesellschaften Osteuropas anschaulich verdeutlicht,299 noch sind sie ein kalkulierbares Ergebnis intendierter Handlungen, wie die unzähligen unintendierten Folgen individuellen oder kollektiven Handelns verdeutlichen. Vielmehr bedarf es, um die historische Strukturierung des Handelns aufzuklären, der theoretischen Einsicht in die wechselseitige Konstitution von Handeln und Struktur.

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So lehnt Giddens folgerichtig im Rahmen seiner ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Historischen Materialismus (Giddens 1981c, 1985a) das evolutionäre Stufenschema des Marx’schen Theorems der Produktivkraftentwicklung als adäquates Erklärungsmodell ab, wie es dieser im Vorwort zur Kritik der Politischen Ökonomie (Marx 1961) pointiert entwickelt hat. Er arbeitet aber gleichzeitig die Möglichkeit eines konstruktiven Anschlusses an Marx heraus, indem er mit Claude Lefort auf Marx´ alternative Geschichtsinterpretation verweist, wie sie dieser im „Grundrisse“-Kapitel über die „Formen, die der kapitalistischen Produktionsweise vorangehen“ entwickelt hat und die — ganz im Gegensatz zu den evolutionistischen Vorstellungen der Marx’schen Theorie — betont, dass eine eigenständige Form der kapitalistischen Vergesellschaftung besteht. Der Kapitalismus stellt dieser These zufolge nicht die Summe eines weltgeschichtlichen Prozesses dar, sondern bezeichnet einen historischen Sonderfall gesellschaftlicher Entwicklung, der in grundsätzlicher Weise von allen anderen Gesellschaftstypen zu unterscheiden ist300 und sich jeglicher Vorstellung einer geschichtlichen Kontinuität entzieht. Die modernen Gesellschaften lassen sich mit Marx sehr wohl als kapitalistische kennzeichnen,301 ohne dass hiermit notwendigerweise auf die evolutionstheoretischen Implikationen des Historischen Materialismus rekurriert werden muss.

Insofern ist es unbestritten, dass die Moderne in besonderem Maße durch die enorme Dynamik des weltumspannenden Kapitalismus geprägt wurde. Ihre spezifische Strukturform lässt sich analytisch jedoch nur dann erschließen, wenn man in historisch genetischer Perspektive deutlich machen kann, dass eine enge Verschränkung zwischen ökonomischer Entwicklung und Durchsetzung des Nationalstaatsprinzips konstitutiv war, wie sie sich seit Beginn des Absolutismus abzeichnete.302 Wenngleich die zentralen typologischen Unterschiede nach Giddens in der Differenz zwischen den traditionalen, klassengeteilten Gesellschaften und den modernen, kapitalistischen Gesellschaften zu finden sind,303 so bedarf es einer genaueren Untersuchung der historischen Konstellation des absolutistischen Zeitalters, d.h. die Aufklärung der sozialen Prozesse und Mechanismen, die konstitutiv für die Etablierung und Durchsetzung des modernen Nationalstaates waren, wenn man beabsichtigt, diesen als eine typisch moderne Gesellschaftsform auszuzeichnen304.

Wenngleich schon das präabsolutistische Europa als ein System sich permanent bekriegender Staaten zu beschreiben ist, markiert erst der Übergang zum Absolutismus eine wichtige Zäsur im modernen Staatsbildungsprozess. Zwar kam es nicht zur Ausbildung eines dominanten Großreiches, doch transformierte sich das bestehende Staatensystem rasant und wies erste charakteristische Züge dessen auf, was im modernen Sinne als Europa bezeichnet wird. Auf der Grundlage territorialer Zuordnungen und einer quasi-pyramidalen Reorganisation des politischen Systems veränderten sich die politischen Ordnungen in Richtung auf die künftigen Nationalstaaten.305 Die nach außen gerichtete militärische Gewalt blieb zwar weiterhin dominantes Muster der zwischenstaatlichen Beziehungen, sie veränderte ihren Charakter aber grundlegend im Zuge der gegenseitigen Anerkennung legitimer Sphären staatlicher Autonomie. Die Entstehung dieses „novel type of reflexively monitored state system“ ist nach Giddens (1985a: 93) ein entscheidender Indikator, der die Modernität des Absolutismus anzeigte. Die modernen europäischen Nationalstaaten unterscheiden sich von allen bisherigen Staatsformen durch ihre klar bestimmbaren territorialen Grenzen und ihre Eingebundenheit in ein umfassenderes Staatensystem. Auch im Binnenverhältnis kam es zu weitreichenden Veränderungen. An die Stelle der traditionalen, meist religiös legitimierten Herrscher traten nach und nach säkulare politische Führer, und damit einhergehend kam es zu einer Institutionalisierung der Idee der Souveränität der Fürsten oder Monarchen bzw. unpersönlicher Regierungssysteme. Die Verbindung traditionaler lokaler Fürsten mit der staatlichen Elite führte zu einer zunehmenden Neubestimmung der noch für die traditionalen Gesellschaften konstitutiven Stadt-Land-Beziehung auf der Basis einer weitreichenden administrativen Durchdringung der Gesellschaft und zur Ersetzung der politischen Leitideen. An die Stelle territorial gebundener Interessen traten abstrakte politische Wertvorstellungen: „the ruling ideas are not those of the ruling class; they are the idea of rule“ (Friedland 1987: 41).

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Diese für das absolutistische Zeitalter zentralen Prozesse der territorialen Selbstbestimmung der Staaten im Rahmen eines zwischenstaatlichen Systems und der Etablierung einer neuen säkularen politischen Ordnungsidee wurden durch eine Reihe zusätzlicher, rechtlicher, ökonomischer und militärischer Prozesse flankiert und kulminierten nach Giddens in der Etablierung der Nationalstaaten als dominanter Staatsform: „The nation state, which exists in a complex of other nation states, is a set of institutional forms of governance maintaining an administrative monopoly over territory with demarcated boundaries (borders), its rule being sanctioned by law and direct control of the means of internal and external violence“ (Giddens 1981a: 190).

So wurden mit der Etablierung, Homogenisierung und Zentralisierung einer Reihe rechtlicher Regelungen und Vorgaben, wie beispielsweise der teilweisen Anerkennung von Privateigentum oder der juristischen Durchdringung der Arbeitsbeziehungen, nicht nur die Grundlagen zur institutionellen Autonomisierung der kapitalistischen Praxis gelegt306 — vormoderne Gesellschaften kannten die institutionelle Trennung von Ökonomie und Gesellschaft noch nicht (Giddens 1981c: 88f.) —, sondern es kam darüber hinaus, auf Grund der damit gegebenen Möglichkeit der Steigerung der Steuereinnahmen, zu einer Stärkung des Souveränitätsanspruchs wie auch der Durchsetzungsmacht der staatlichen Institutionen gegenüber den Individualinteressen. Der zunehmenden Überwachung der Arbeiter im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise entsprach auf gesamtgesellschaftlicher Ebene die Forcierung des staatlichen Disziplinierungsanspruchs gegenüber den Bürgern, wie ihn Giddens in Anlehnung an Foucault nachzeichnete.307 Unmittelbare persönliche Gewaltbeziehungen wurden mehr und mehr verdrängt und durch die Monopolisierung der Gewaltmittel in den Händen des Staates ersetzt, wozu die im Zuge der industriellen Expansion gegebenen technologischen Fortschritte die notwendigen Mittel lieferten. Die Entwicklung neuartiger Transport- (Eisenbahn) und Kommunikationsmittel (Telegraph) veränderte nicht nur die raum-zeitliche Organisation der Gesellschaft grundlegend, sondern ermöglichte die Intensivierung und Etablierung des staatlichen Überwachungsanspruchs.

Die rechtlich, politisch und ökonomisch bedingte Erhöhung des administrativen Überwachungs- und Disziplinierungspotenzials führte zu einer Verminderung möglicher Konfliktanlässe im Binnenverhältnis der Gesellschaften, in deren Folge die militärischen Kräfte erstmals in der Geschichte von der Aufgabe der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung befreit wurden und sie sich vollständig nach außen richten konnten. Diese neue Aufgabenstellung in Verbindung mit tiefgreifenden Veränderungen der Waffentechnologie ließ die Armee zum Hauptakteur der zwischenstaatlichen Politik der Nationalstaaten werden und den Krieg als legitime „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ (Clausewitz) erscheinen: „Der moderne europäische Staat war Kriegsstaat und ohne die immerwährende Möglichkeit und Vorbereitung des Krieges nicht zu denken“ (Mann 1960: 491).

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Neben diesen politischen Implikationen der neuen Rolle des Militärs bestand auch ein konstitutiver Zusammenhang zwischen der dauernden Kriegsführung und der kapitalistischen Entwicklung. Die Durchsetzung des modernen Geld- und Wirtschaftssystems war eine Folge der veränderten Produktivkraftentwicklung und in gleichem Maße das Ergebnis des wachsenden Finanzierungsbedarfs der veränderten militärischen Organisation. „ (...) my (A. Giddens, S.S.) theme will be that the correlate of the internally pacified state — class relationships that rest upon a mixture of ‘dull economic compulsion’ and supervisory techniques of labour management — is the professionalized standing army“ (Giddens 1985: 160). Obgleich Giddens keine explizite Theorie des Krieges oder des Militarismus entwickelt,308 weist er doch immer wieder darauf hin, dass die militärische Gewalt nicht nur eine zentrale, weichenstellende Rolle bei der Genese der europäischen Moderne309 spielt, sondern darüber hinaus eines der Wesensmerkmale darstellt, die ihre Entwicklung nachhaltig prägte.310 

Der Einfluss des militärischen Sektors auf den Prozess der Modernisierung ist demnach nicht auf einzelne historische Perioden zu beschränken, sondern muss als grundlegender Entwicklungstrend moderner Gesellschaften gefasst werden. Gerade in dieser Betonung des generellen Charakters des Militärs für die Moderne zeigt sich somit eine spezifische Differenz des Giddens’schen Ansatzes im Vergleich zu der Mehrzahl der soziologischen Moderne-Theorien, die diesen Problemen meist nur eine arbiträre Bedeutung zusprachen. Die besondere historische Konfiguration des absolutistischen Zeitalters mit den sich wechselweise beeinflussenden Prozessen der Nationalstaatsbildung, der kapitalistischen Entwicklung und der Monopolisierung der staatlichen Gewaltausübung nach innen wie nach außen, bezeichnet nach Giddens demnach den spezifischen Kontext, aus dem heraus sich die modernen Gesellschaften als grundlegend neue Formen sozialer Ordnung ausbilden konnten: „The social order (...) initiated by the advent of modernity is not just an accentuation of previous trends of development. In a number of specifiable and quite fundamental respects, it is something new“ (Giddens 1985a: 33). Der Nationalstaat lässt sich zusammenfassend als ein Machtstaat oder ‚Power Container’311 charakterisieren, der durch einen Prozess der Ressourcenallokation entlang der vier zentralen gesellschaftlichen Achsen von Kapitalismus und Marktwirtschaft, industrieller Aneignung der Natur, Informationsüberwachung und sozialer Kontrolle sowie Verfügung über Gewaltmittel im Bereich des militärischen Apparates strukturiert ist.312 War in klassengeteilten Gesellschaften die Stadt derjenige territorial bestimmbare soziale Interaktionsraum, in dem sich die zentralen Machtressourcen konzentrierten und in spezifischen Organisationen generierten, dann zeigt sich beim Übergang zur europäischen Moderne und der damit verknüpften Ausdehnung der administrativen Kontrollmöglichkeiten, dass „(...) the modern state, as nation-state, becomes in many respects the pre-eminent form of power-container, as a territorially bounded, (although internally high regionalized) administrative unity“ (Giddens 1985a: 13).

Dieser Versuch einer historisch-genetischen Bestimmung und Erklärung der Entstehung moderner Gesellschaften als Folge der Überschneidung von Kapitalismus, Industrialismus und Nationalstaatsbildung als unabhängigen, sich jedoch wechselseitig beeinflussenden institutionellen Bereichen begründet Giddens radikale Ablehnung jeglicher monokausaler oder evolutionärer Bestimmung der gesellschaftlichen Modernisierung, wie sie etwa dem Historischen Materialismus zu Grunde liegt. Stattdessen betont er die Multidimensionalität dieser Entwicklung, die sich in der polyarchischen Ausdifferenzierung moderner Gesellschaften widerspiegelt und sich in der Fähigkeit der Nationalstaaten, sowohl die allokativen wie die autoritativen Ressourcen in einem spezifischen Institutionenset zu bündeln (Storage Capacity), zeigt.

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Giddens hieraus abgeleitete axiale Bestimmung der Moderne,313 die auf der Verschränktheit der differenten Institutionenkomplexe Kapitalismus, Industriegesellschaft, bürokratischer Überwachung und militärgestützter Gewaltanwendung aufbaut, eröffnet ihm somit nicht nur die diagnostische Möglichkeit, die institutionelle Konfiguration der Gegenwartsgesellschaften — die in keinerlei Kontinuitätsverhältnis zu traditionalen Gesellschaften stehen (Giddens 1985a: 33) — als historisch einmalig auszuzeichnen, sondern verweist gleichzeitig auf seinen theoretischen Ansatz, wonach gesellschaftliche Wandlungsprozesse als variabel und entwicklungsoffen zu bestimmen sind. Die Entwicklung sozialer Einheiten folgt weder einer internen, normativ bestimmbaren Logik noch der rationalen Planung der Akteure, sondern lässt sich nur über die Auszeichnung spezifischer institutioneller Konstellationen analysieren, im Rahmen derer sich auch vermeintliche Paradoxien und Ungleichzeitigkeiten des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses bestimmen lassen.

In diesem Zusammenhang ist auch Giddens’ Zurückhaltung gegenüber einem Erklärungsanspruch innerhalb der Sozialwissenschaften zu sehen, der auf die Aufstellung kausaler Verallgemeinerungen und sozialer Gesetzmäßigkeiten abzielt. Stattdessen betont er die Kontextgebundenheit jeglicher sozialwissenschaftlicher Erklärung.314 Denn eine Generalisierung sozialer Prozesse ist nicht nur in Bezug auf diejenigen Handlungsabläufe möglich, in denen es gilt, die strukturellen Ursachen aufzuklären, die den Akteuren unbewusst und verborgen bleiben, sondern es lassen sich auch wissenschaftliche Verallgemeinerungen in denjenigen Fällen treffen, in denen die Akteure ihre Handlungen bewusst vollziehen und sie die hierfür notwendigen Gründe und Bedingungen kennen und anwenden. Obwohl bei diesem zweiten Typus von Verallgemeinerungen der Sozialwissenschaftler primär Transformations- als Aufklärungsarbeit leisten muss — da dem Akteur die Bedingungen seines Handelns weitgehend klar und rational nachvollziehbar sind, besteht die Aufgabe des Wissenschaftlers in erster Linie darin, diese in wissenschaftliche Terminologie zu übersetzen und damit diskursfähig zu machen –, so ist es doch unerlässlich hierauf zu verweisen, um die Aussagekraft und Reichweite soziologischer Erklärungen vollständig bestimmen zu können. Aus der Einsicht, dass „die Kausalmechanismen in sozialwissenschaftlichen Verallgemeinerungen von den Gründen der Handelnden abhängen – im Kontext einer »Mischung« von beabsichtigten und unbeabsichtigten Handlungsfolgen“ (Giddens 1988a: 403), folgert Giddens, dass Erklärungen immer als historisch variabel gefasst werden müssen. Die Akteure sind fähig, sich über Lernprozesse immer wieder neu an die Bedingungen ihres Handelns und dessen Situiertheit anzupassen, so dass sie auch in der Lage sind, den Geltungsraum der von der Sozialwissenschaft ‚entdeckten‘ Gesetze zu modifizieren.315

Für sozialwissenschaftliche Analysen bedeutet dies, sich primär auf die Aufklärung der Kontextbedingungen des Handelns als eines Beschränkungs- wie auch Ermöglichungsraumes zu konzentrieren. Dieser ist durch zahlreiche Einflussfaktoren zu charakterisieren, die teilweise den Zugriffsmöglichkeiten der Akteure entzogen sind, teilweise aber auch von diesen kontrolliert werden. Diese Relativierung eines zu eingeschränkten Erklärungsbegriffs, der in der Regel strukturalistisch verengte Analysen zur Folge hat, arbeitet Giddens jedoch nicht weiter in Richtung auf eine spezifische Forschungsmethode aus. Stattdessen konzentriert er sich auf die Neubestimmung der sozialtheoretischen Grundbegriffe von Handeln und Struktur und sucht hierüber die kategoriale Basis einer Forschungsperspektive zu entwickeln, die es ermöglicht, spezifische soziale Konstellationen angemessen zu problematisieren. So verweist insbesondere der theoretische Umbau der Struktur-Kategorie auf eine Öffnung der Fragestellungen dahingehend, dass auch Handlungs- und Interaktionsmuster in die Erklärung sozialer Vergesellschaftungsprozesse mit aufgenommen werden können, ohne dass dies zu einer vollständigen Umorientierung in Richtung auf eine handlungstheoretisch ausgerichtete Position führen muss.

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In Hinblick auf eine schärfere Bestimmung einer strukturierungstheoretischen Analyse- und Erklärungsperspektive lassen sich aus diesen Überlegungen somit zweierlei Implikationen ableiten: Einerseits versucht Giddens, auf der Basis einer relationalen Bestimmung der soziologischen Grundbegriffe des Handelns und der Struktur, wie er sie im Konzept der Dualität der Struktur vorschlägt, und der damit einhergehenden Differenzierung zwischen dem theoretischen Konzept der sozialen Struktur und der Bestimmung von sozialen Systemen als konkreten Interaktionsbeziehungen der Einsicht gerecht zu werden, dass es für die Erklärung sozialer Prozesse und Phänomenbereiche eines theoretischen Zugriffs bedarf, der auf eine klare Bestimmung der begrifflichen Grundlagen der Untersuchung abhebt mit dem Ziel, differente soziale Kontexte rekonstruieren und kontingente gesellschaftliche Entwicklungsprozesse analysieren zu können.

Andererseits muss deutlich gemacht werden, dass soziale Phänomene immer an konkrete Handlungsvollzüge und Interaktionsbeziehungen rückgebunden sind und nur auf dieser Ebene angemessen untersucht werden können,316 so dass insbesondere einer hermeneutisch informierten Aufklärung der Handlungskontexte zentrale Bedeutung zukommt. Nach Giddens muss die sozialwissenschaftliche Forschung somit zwischen den Polen einer interpretativ informierten und hermeneutisch orientierten Aufklärung der Deutungs- und Erfahrungsschemata der Akteure einerseits, die seines Erachtens sowohl für die Bestimmung der voluntaristischen wie auch der strukturellen Einflüsse auf Kontextbedingungen sozialer Interaktionen von konstitutiver Bedeutung sind, und einer Analyse der institutionellen Konstellationen, die in besonderer Weise die Bedingungen der sozial- und systemintegrativen Prozesse moderner Gesellschaften prägen, andereseits verortet werden.317 Hierdurch soll jedoch nicht die Trennung zwischen quantitativer und qualitativer Forschung oder die Differenzierung unterschiedlicher Analyseebenen wie gesellschaftlichem Mikro- oder Makrobereich erneuert werden, sondern diese Bestimmung ist vielmehr geleitet von der Überzeugung, dass es notwendig ist, beide Forschungsperspektiven zu verklammern. Die starke Betonung einer hermeneutischen Zugangsweise zum Phänomenbereich der Soziologie im Sinne einer „dichten Beschreibung“ (Geertz) eröffnet damit nicht nur die Möglichkeit, soziale Prozesse, die sich auf der Ebene konkreter Interaktionsbeziehungen abspielen, angemessen analysieren zu können, sondern stellt darüber hinaus eine wichtige Voraussetzung dar, um hiervon ausgehend Aggregationsprozesse und Vernetzungen dieser Interaktionen zu gesellschaftlich bedeutsamen institutionellen Konstellationen nachzuweisen.

Trotz der weitreichenden theoretischen und begrifflichen Vorarbeiten, wie sie sich im strukturierungstheoretischen Ansatz systematisch rekonstruieren lassen, erscheint es innerhalb der Giddens’schen Arbeiten gegenwärtig noch kaum möglich, über die Kennzeichnung der einzelnen Dimensionen institutioneller Konstellationen hinaus deren historische Besonderheit angemessen erklären zu können. Zur Überwindung dieses Desiderats wäre es notwendig, eine historisch komparative Methodik zu entwickeln — wie dies in den letzten Jahren im Rahmen der Historischen Soziologie angestrebt wird318 — über die analytische Bestimmung konstitutiver Kontextbedingungen hinaus auch die klassifikatorischen Mittel an die Hand zu bekommen, die es ermöglichen, Kontext und Phänomen zu trennen und dessen Genese wie Sinnbezug aufklären zu können.

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Gerade angesichts der Zentralität, die einer angemessenen Analyse der Moderne innerhalb der Soziologie zukommt, und der Ablehnung der Monolinearität modernisierungstheoretischer Erklärungsmuster aufgrund der Einsicht in die Komplexität und Widersprüchlichkeit zeitgenössischer Gesellschaften kommt einer komparativen Forschungsheuristik in diesem Zusammenhang besondere Bedeutung zu. Denn es zeigt sich, dass interne gesellschaftliche Gefährdungen, wie beispielsweise Totalitarismus (Giddens 1985a: 295ff.), Nationalismus oder Fundamentalismus, keineswegs antimoderne, quasi-regressive Entwicklungen darstellen; diese Phänomene sind vielmehr der institutionellen Kernstruktur der Moderne inhärent, wie die Entwicklungen der vergangenen Jahre verdeutlichen, und offenkundiger Ausdruck ihrer Vielschichtigkeit und lassen sich demzufolge auch nur im reflexiven Bezug auf diese aufklären.

Die Moderne unterscheidet sich als Ordnungstypus von allen bisherigen nicht nur aufgrund ihrer spezifischen institutionellen Konfiguration, die sich in den letzten drei Jahrhunderten herausgebildet hat; ihr ist darüber hinaus auch eine außergewöhnliche Dynamik eingeschrieben, die die Grundlagen des sozialen Vergesellschaftungsprozesses radikal in Frage zu stellen und zu verändern scheint. Der sich hierauf beziehenden, mittlerweile ausufernden und soziologisch diffusen Debatte um das Ende der Moderne und den damit einhergehenden Aufbruch in ein so genanntes postmodernes Zeitalter steht Giddens skeptisch gegenüber. Obgleich sich eine Reihe tiefgreifender Brüche und Verwerfungen innerhalb der gegenwärtigen Gesellschaftsentwicklung konstatieren lassen, induzieren diese eher eine Radikalisierung der bisherigen Prozesse als deren Ende: „Wir treten nicht in eine Periode der Postmoderne ein, sondern wir bewegen uns auf eine Zeit zu, in der sich die Konsequenzen der Moderne radikaler und allgemeiner auswirken als bisher. Jenseits der Moderne können wir nach meiner These zwar die Umrisse einer neuen und andersartigen, einer ‚postmodernen’ Ordnung ausmachen, doch diese Ordnung ist völlig verschieden von dem, was zur Zeit von vielen ‚Postmoderne’ genannt wird“ (Giddens 1995a: 11).

Nach Giddens sind es insbesondere die Prozesse der Trennung von Raum und Zeit, der Entbettung oder Entflechtung sozialer Systeme (disembedding) sowie der institutionellen Reflexivität, die in unterschiedlichem Grad Einfluss auf die axialen Prinzipien und Strukturen moderner Gesellschaften nehmen und konstitutiv auf deren besondere Dynamik und Gestalt einwirken. Der damit verknüpfte Radikalisierungs- und Globalisierungsdruck lastet sowohl auf den zeitgenössischen Institutionenkomplexen und produziert eine Vielzahl von Risiken, die zwischen wie innerhalb der institutionellen Arrangements potenzielle Konflikte und Widersprüche generieren, wie er auch gleichzeitig die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Ausbildung von Intimität beeinflusst und transformiert.

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So zeigt es sich, dass die enorme Zunahme der Geschwindigkeit und der Reichweite des sozialen Wandels in erster Linie mit der Trennung von Raum und Zeit zusammenhängt, wie sich auch die unmittelbare Verknüpfung von Raum und Zeit, die noch für die Organisation des Alltagslebens in vormodernen Gesellschaften typisch war, grundlegend verändert. Mit der Erfindung des Kalenders und der Uhr wird die Zeit standardisiert und von allen partikularen Bedingungen getrennt. Es ist nicht mehr notwendig, zur genauen Bestimmung einzelner temporaler Ereignisse auch den Ort mit anzugeben, an dem diese stattgefunden haben. Vielmehr zeigt sich, dass mit der Durchsetzung unterschiedlich präziser Zeitmessmethoden, insbesondere seit der Erfindung und Verbreitung der mechanischen Uhr, auch die Einteilung menschlicher Aktivitäten von ihrer räumlichen Fixierung abzulösen begann. „Die Uhr brachte die einheitliche Dimension ‚leere’ Zeit zum Ausdruck, welche derart quantifiziert wurde, daß die präzise Bezeichnung von Zeitzonen des Tages (wie zum Beispiel der täglichen ‚Arbeitszeit’) möglich wurde“ (Giddens 1995a: 29).

Dem Prozess der „Entleerung der Zeit“ folgt nach Giddens notwendig der der „Entleerung des Raumes“. Hiermit markiert er das Auseinanderdriften der Dimensionen Raum und Ort, die in traditionalen Gesellschaften noch eng aufeinander bezogen waren. Die räumliche Organisation der Sozialitäten war weitgehend durch die Anwesenheit der Interaktionspartner gekennzeichnet und deren Handlungen durch den unmittelbaren physischen Kontext, innerhalb dessen sie stattfanden, geprägt. Auch diese Verbindung löst sich mit der Durchsetzung der Moderne. Beziehungen zwischen Abwesenden wurden in der Folge neuer Kommunikationsmedien und Transportmittel möglich, so dass die Interaktionen nicht mehr notwendig auf der physischen Anwesenheit der Teilnehmer beruhte. „Der Ort ist etwas Phantasmagorisches geworden, denn die für ihn konstitutiven Strukturen werden nicht mehr lokal organisiert“ (Giddens 1995a: 137), die Oberflächenwahrnehmung eines Ortes ist nicht mehr charakteristisch für dessen Lokalität, dieser kann durch weit entfernte Beziehungen und Ereignisse strukturiert sein.319 

Im Zuge der Synchronisierung und Standardisierung der Zeitmessung kommt es nicht nur zu einer Trennung von Raum und Zeit über die unmittelbaren räumlichen Erfahrungsbereiche hinaus, sondern damit einhergehend lässt sich auch eine Erweiterung der Interaktionsoptionen konstatieren, so dass diese nicht mehr auf den Bereich unmittelbarer Kopräsenz eingeschränkt sind. Dies stellt nach Giddens ein weiteres zentrales Merkmal des dynamischen Charakters der Moderne dar und präformiert den zweiten zentralen Aspekt dieser Entwicklung, die Entbettung oder Entflechtung sozialer Systeme und Tätigkeiten durch abstrakte Systeme.

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Der Prozess der Entbettung hat nach Giddens nicht nur die Herauslösung von Interaktionsbeziehungen aus konkreten räumlichen Gegebenheiten zur Folge,320 wobei es zu einer völlig neuartigen „raumzeitlichen Abstandsvergrößerung (mit) unbegrenzter Reichweite“ (Giddens 1995a: 72)321 kommt, sondern er schuf die Voraussetzung zur Systemintegration unter Abwesenden, so dass ihm weitreichende Bedeutung für die Entwicklung moderner Institutionen zukam. Hierfür sind zwei Mechanismen verantwortlich: einerseits symbolische Zeichen, wie etwa Geld oder politische Legitimität, und andererseits Expertensysteme, die generalisiertes, aus lokalem Wissen herausgelöstes Systemvertrauen bereitstellen.

Symbolische Zeichen sind allgemein gültige Austauschmedien, die von den Akteuren situational genutzt werden können und in keiner Weise an spezifische Merkmale von Gruppen oder Individuen geknüpft sind.322 Vergleichbar der systemtheoretischen Bestimmung generalisierter Kommunikationsmedien durch T. Parsons oder N. Luhmann, betont auch Giddens die Notwendigkeit, allgemeine Medien der Interaktion auszuzeichnen, die von besonderer Bedeutung für den Prozess der gesellschaftlichen Integration sind. Seinen strukturierungstheoretischen Annahmen folgend sind diese aber nicht auf den wechselseitigen Austausch zwischen funktional ausdifferenzierten Teilsystemen bezogen, sondern regeln soziale Austauschprozesse, unabhängig von ihrer jeweiligen räumlichen und zeitlichen Kontextuierung.

Als zentrales symbolisches Interaktionsmedium hebt Giddens das Geld hervor, da dies in besonderer Weise zur raumzeitlichen Abstandsvergrößerung in der Moderne beigetragen hat.323 Das Geld ermöglicht sowohl eine weitreichende Verklammerung von Zeit über die Einführung von Äquivalenten wie Krediten oder Wechseln, so dass die jeweiligen Transaktionen aus ihren temporären Kontexten gelöst werden können, als auch von Raum, wie er mit Bezug auf G. Simmel betont: „Die Fernwirkung des Geldes gestattet dem Besitz und dem Besitzer so weit auseinanderzutreten, daß jedes seinen eigenen Gesetzen ganz anders folgen kann, als da der Besitz noch in unmittelbarer Wechselwirkung mit der Person stand, jedes ökonomische Engagement zugleich ein persönliches war“ (Simmel , zit. nach Giddens 1995a: 37). Historisch zeigt sich die konstitutive Bedeutung des Geldes als eines zentralen Entbettungsmechanismus etwa bei der institutionellen Freisetzung des ökonomischen Bereiches im Zuge der Expansion kapitalistischer Märkte im internationalen Maßstab.

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Den zweiten Entbettungsmechanismus markieren Expertensysteme, d.h. „Systeme technischer Leistungsfähigkeit oder professioneller Sachkenntnis, die weite Bereiche der materiellen und gesellschaftlichen Umfelder, in denen wir heute leben, prägen“ (Giddens 1995a: 40f.). Das von immer stärker spezialisierten Berufsgruppen generierte Wissen durchdringt in der Moderne in immer größerem Maße das Alltagsleben und strukturiert die Lebensbedingungen in bislang nicht bekanntem Maße. Zeigte sich in traditionalen Gesellschaften eine weitgehend homogene Wissensverteilung in dem Sinne, dass Akteure in der Regel im Besitz von Kenntnissen waren, die sie zu einer nahezu reibungslosen Gestaltung ihres Alltagslebens bzw. zur Bewältigung ihrer Alltagsprobleme benötigten, so ändert sich dies in modernen, arbeitsteilig organisierten Gesellschaften grundlegend. Hier wird das Alltagswissen, meist sozialstrukturell bedingt, ungleich verteilt. Der Einzelne hat weder die Möglichkeit noch die Fähigkeit, sich alle für seine Lebensgestaltung nötigen Wissensbestände anzueignen und muss sich stattdessen in vielen Lebensbereichen auf die Kompetenzen anderer verlassen. Es kommt demnach einerseits zu einer gesellschaftlich relevanten Bedeutungserhöhung des Experten- oder Spezialistentums in dem Maße, wie das Fachwissen das Alltagsleben durchdringt. Andererseits zeigt sich aber auch durch die zunehmende Ausdifferenzierung der Wissensbereiche eine enorme Spezialisierung dieser Gruppen.324 Obgleich Giddens diese sozialstrukturellen Effekte nicht thematisiert und diese Prozesse in erster Linie nur benennt, bilden sie den Hintergrund für seine These, dass die Entstehung von Expertensystemen einen zentralen Entbettungsmechanismus darstellt, der für eine Ablösung der sozialen Beziehungen und Handlungsabläufe aus den unmittelbaren Kontexten verantwortlich ist.

Interessanterweise stellen die Expertensysteme für Giddens aber keinesfalls Indikatoren einer zunehmenden Entfremdungserfahrung in der Moderne dar, wie es beispielsweise im Rahmen der Beckschen Zeitdiagnose der Fall ist.325 Er betrachtet sie, im Gegenteil, als notwendig, um in zeitgenössischen Gesellschaften Sicherheit zu erlangen. Denn ähnlich wie die symbolischen Medien für die Akteure einen gewissen Grad an Verlässlichkeit dadurch herstellen, dass sie die Interaktionen strukturieren und die Erwartbarkeit in die Handlungen der Partner stabilisieren, ohne dass dieser Mechanismus in allen Einzelheiten bekannt sein muss, schaffen auch Expertensysteme Vertrauen und Erwartungssicherheit in Handlungssituationen, die durch individuell nicht mehr steuerbare, raumzeitlich gedehnte Bedingungen geprägt werden. Abstrakte Systeme wie Geld oder Expertensysteme sind somit in die dauerhafte Regulation und Integration sozialer Beziehungen in der Moderne eingebunden, wobei sie hierfür auf Vertrauen als dem zentralen, die Stabilität garatierenden Mechanismus zurückgreifen.

Die konstitutive Bedeutung des Vertrauens für die Integration sozialer Handlungssysteme zeigt sich nach Giddens schon in vormodernen Gesellschaften, wobei er insbesondere vier zentrale Vertrauenskontexte auszeichnet.326 Erstens garantiert das Verwandtschaftssystem eine weitgehende Erwartungssicherheit zwischen den Akteuren, da diese sich in der Regel an die einmal eingegangenen Verpflichtungen halten und auf dieser Basis dauerhafte soziale Verbindungsnetze aufbauen. Zweitens kommt der geringen räumlichen Ausdehnung dieser Gesellschaften für die Organisation der sozialen Beziehungen eine zentrale Bedeutung zu. Diese sind lokal fundiert, in Bezug auf den jeweiligen Ort organisiert und stellen demnach zusammen mit der hieraus folgenden geringen Mobilität die Grundlage für die Ausbildung der ontologischen Sicherheit der Akteure dar. Drittens hebt Giddens den Einfluss religiöser Kosmologien hervor, die als moralische und praktische Orientierungsmuster eine Vielzahl von Handlungen regulieren und damit auch ein zentrales Moment für den Aufbau der Erwartungssicherheit der Handelnden darstellen. Hiermit hängt eng der vierte Vertrauenskontext vormoderner Gesellschaften zusammen. Die Tradition stellt nach Giddens einen grundlegenden Modus der Strukturierung von Handlungen über längere Zeitperioden hinweg dar und ermöglicht die Fortführung von Handlungsmustern, die sich in der Vergangenheit bewährt haben. Als routinisiertes Handeln steht auch Tradition in engem Zusammenhang mit dem Aufbau von ontologischer Sicherheit, da „sie das Vertrauen in die Kontinuität von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufrechterhält“ (Giddens 1995a: 133) und mit den sozialen Praktiken verknüpft.

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Die zunehmende raum-zeitliche Distanzierung, die Befreiung der sozialen Beziehungen aus traditionellen Bezügen wie auch deren Herauslösung aus lokal bestimmten Handlungskontexten im Modernisierungsprozess führen zu einer zunehmenden Auflösung und Zerstörung dieser Vertrauensumwelten. Vertrauen wird zu einer zentralen Ressource, die von den Individuen variabel und reflexiv genutzt werden kann, um die strukturelle ‚Unsicherheit‘ der Handlungssituationen in modernen Gesellschaften zu reduzieren und reziproke Verhaltenserwartungen aufzubauen. Dieses aktive Eingreifen der Akteure in die Handlungssituation basiert auf einem spezifischen Vertrauenspotenzial, das sich die Individuen im Sozialisationsprozess erwerben. Giddens verweist hierbei darauf, dass der Prozess der Identitätsbildung auf den frühen Erfahrungen des Kindes in der Mutter-Kind-Beziehung basiert und dem sich daraus ergebenden Gefühls einer ontologischen Sicherheit. Vertrauen entwickelt sich in der Folge von Anerkennung und Bewältigung der raum-zeitlichen Abwesenheit der unmittelbaren Bezugspersonen des Kindes. „Vertrauen bildet nicht nur eine Schutzhülle, klammert nicht nur die Ängste des Alltaglebens ein und hält sie auf Distanz, Vertrauen ist auch die Basis für die Entwicklung der Wahrnehmung von Realität, die auch aus Abwesendem besteht, überhaupt für Lernprozesse auf der Basis vermittelter Erfahrung, für Kreativität, die immer auch eine Bewältigung von Verlustangst, einen Sprung ins Unbekannte erfordert. Soziale Kreise zu verlassen, gegen Normen und Konformität zu rebellieren, ein unabhängiges, freies Selbst zu entwickeln (...), ist ohne dieses Grundvertrauen nicht möglich“ (Wenzel 1995: 126).

Über dieses im Sozialisationsprozess erworbene Urvertrauen hinaus ist es jedoch notwendig, Vertrauensbeziehungen permanent zu erneuern und zu stabilisieren, will man deren handlungsregulierende Funktion auf Dauer stellen. Denn im Zuge der nachlassenden Bindungskraft vormoderner Vertrauensumwelten wird die dauerhafte Generierung von Vertrauen zur notwendigen Voraussetzung für die soziale Integration moderner Gesellschaften. Aktives Vertrauen als zentraler Mechanismus der kommunikativen Herstellung und Reproduktion stabiler Interaktionsformen gewinnt in nachtraditionalen Gesellschaften immer größere Bedeutung. Zwar stellt es „sich nur mit erheblichem Aufwand ein und muss wachgehalten werden,“ doch beruhen die zeitgenössischen Formen gesellschaftlicher Kohäsion hierauf, „seien es intime Beziehungen oder globale Interaktionssysteme“ (Giddens 1995c: 319).

Eine zusätzliche Bedeutungsdimension für die Reproduktion gesellschaftlicher Einheiten gewinnt der Vertrauenmechanismus in der Moderne, da er nicht nur für die Stabilisierung personaler Beziehungen von grundlegender Bedeutung ist, sondern darüber hinaus auch in die Prozesse der Systemreproduktion konstitutiv eingebunden ist. Vertrauen wird immer dann erforderlich, wenn das Wissen der Akteure über die Handlungssituation begrenzt ist. Vergleichbar der Simmelschen Charakterisierung, wonach „der völlig Wissende nicht zu vertrauen (braucht), der völlig Nichtwissende vernünftigerweise nicht einmal vertrauen (kann)“ (Simmel 1968: 263), ist der Vertrauensbegriff auch bei Giddens unmittelbar mit dem Informationsbegriff verknüpft,327 so dass er auch in Bezug auf abstrakte Systeme, die durch große raum-zeitliche Distanzierungen, die Abwesenheit der Interaktionspartner sowie eine unvollständige Informationsverteilung gekennzeichnet sind, Anwendung findet. Zwar reduzieren abstrakte Systeme einen Großteil der Gefahren unseres Alltags, doch zeigt sich im selben Moment, dass hierdurch neue Risiken und Unsicherheiten geschaffen werden, so dass das latente Gefährdungspotenzial in der Moderne nicht eliminiert wird, aber doch kalkulierbar erscheint. Das Vertrauen basiert in diesen Fällen auf dem Glauben in die Verlässlichkeit und die Evidenz bestimmter Regelungen und Prinzipien, die der Einzelne nicht mehr durchschaut, und es ist zu bestimmen als „Zutrauen zur Verläßlichkeit einer Person oder eines Systems im Hinblick auf die gegebene Menge von Ergebnissen oder Ereignissen, wobei dieses Zutrauen einen Glauben an die Redlichkeit oder Zuneigung einer anderen Person bzw. an die Richtigkeit abstrakter Prinzipien (technischen Wissens) zum Ausdruck bringt“ (Giddens 1995a: 49) .

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In strukturierungstheoretischer Perspektive ist der Vertrauensmechanismus demnach als eine rekursive Form des Handelns zu bestimmen, die unmittelbar auf den relationalen Beziehungsmodus von personaler und systemischer Ebene verweist. Zwar zeichnen sich abstrakte Systeme durch einen gewissen Grad an Institutionalisierung und Entpersonalisierung aus, doch bewährt sich das ihnen entgegengebrachte Vertrauen immer nur vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die die Individuen mit den Experten und dem von diesen produzierten Fachwissen machen. Gerade in ihrer Funktion als Experten repräsentieren diese die abstrakten Systeme und bezeichnen einen Bereich, an dem sich Personen- und Systemvertrauen überschneiden.

Das heisst, sowohl mit Blick auf Situationen der Kopräsenz wie auch auf die für die Moderne typischen Situationen unbegrenzt über Raum und Zeit ausgedehnter sozialer Beziehungen zeigt sich die fundamentale Bedeutung der Vertrauensbeziehungen für das Funktionieren und die Stabilisierung zeitgenössische Gesellschaften.

Schließlich ist die Moderne durch eine besondere institutionelle Reflexivität und reflexive Aneignung von Wissen gekennzeichnet. Die Produktion von systematischem Wissen über das soziale Leben und dessen reflexive Anwendung wird zum integralen Bestandteil der Systemreproduktion, befreit das soziale Leben immer mehr von den Verbindlichkeiten überlieferter Traditionen, birgt jedoch gleichzeitig die Gefahr der permanenten Revision sozialer Praktiken vor dem Hintergrund des kumulierten Wissens.

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Alle diese drei dynamischen Mechanismen führen zu Prozessen der Beschleunigung und der Globalisierung in ökonomischer, politischer und kultureller Hinsicht. Die weltkapitalistische Ökonomie und die internationale Arbeitsteilung, das System von Nationalstaaten und die weltmilitärische Ordnung, die elektronischen Massenmedien und die Entstehung einer Weltöffentlichkeit sind bedeutsame Prozesse der Überwindung von Raum und Zeit. Die von Giddens als dominant in der Spätmoderne identifizierten vier institutionellen Komplexe bilden jedoch nicht nur wichtige Parameter, anhand derer sich die Globalisierungstendenzen der Gegenwart in besonderem Maße verdeutlichen lassen, sie bezeichnen gleichzeitig auch die zentralen gesellschaftlichen Widerspruchs- und Konfliktarenen, die in der Folge zu radikalen sozialen Transformationen führen können.

Für Giddens ist die Moderne, so lässt sich resümierend festhalten, durch ihren reflexiven Charakter gekennzeichnet: durch den doppelten Prozess der Globalisierung und der Entzauberung traditionaler Handlungskontexte (Giddens 1993: 476). Globalisierungsprozesse sind die Transformationen von Raum und Zeit, das Globale wird mit dem Lokalen zunehmend verbunden, „handeln aus der Ferne“ wird wahrscheinlich, Abwesenheit überwiegt Anwesenheit. Die enorme Intensivierung dieser Globalisierungsprozesse führt, wie gesehen, zur Entwicklung neuer Kommunikations- und Massenverkehrsmittel: „Unsere täglichen Handlungen werden zunehmend von Ereignissen beeinflusst, die auf der anderen Seite der Welt stattfinden; umgekehrt werden örtliche Lebensstile folgenreich für die Welt“ (Giddens 1994: 459). Auf der anderen Seite lässt sich heute von einer post-traditionalen Ordnung sprechen. Damit ist nicht eine Ordnung gemeint, aus der alle Traditionen verschwunden sind, sondern eine Ordnung, in der sich Traditionen der Diskussion und Befragung stellen müssen. Zwar hat die Modernisierung schon immer Traditionen zerstört, doch gab es in der Frühphase der Entwicklung der Moderne ein Zusammenwirken von Tradition und Moderne. In den westlichen Gesellschaften waren das Überleben und die Schaffung von Traditionen eine zentrale Legitimationsstütze der Staatsmacht. „Tradition stabilisierte einige der zentralen Aspekte des zentralen Lebens - nicht zuletzt die Familie und die Sexualität“ (Giddens 1993: 445) - und wurden gleichzeitig oft erfunden, wie etwa der Nationalismus. Erst in einer sich globalisierenden Gesellschaft gelangen Traditionen vollständig in den Fokus der Aufmerksamkeit und müssen nun mit Gründen gerechtfertigt werden. Nur vor dem Hintergrund dieser post-traditionalen Gesellschaft ist, so Giddens, das Auftauchen des Fundamentalismus zu verstehen. Er bezeichnet ein relativ neues Phänomen, und ist eine Tradition, die in traditionaler Weise verteidigt wird also eine Dialogverweisung (Giddens 1994: 11).

Die Prozesse der Globalisierung und Enttraditionalisierung sind charakteristisch für die Phase der reflexiven Modernisierung und werden begleitet von einer Ausdehnung sozialer Reflexivität. Eine Folge dieser zunehmenden Reflexivität sind nach Giddens Prozesse der Demokratisierung. Weiterhin werden zunehmend bürokratische Hierarchien von flexibleren und dezentralisierten Autoritätssystemen abgelöst. Schließlich ist eine ständige Zunahme von sozialen Bewegungen und Selbsthilfegruppen zu verzeichnen, die sich gegen bestehende Autoritäten wenden.

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Zeitdiagnostisch gewendet und bezogen auf die vier institutionellen Kernbereiche bedeutet dies, dass hinsichtlich des Kapitalismus der zentrale Widerspruch in dem ihm inhärenten Aspekt chronischer Akkumulationsprozesse gesehen wird, der im Zusammenhang mit Globalisierungsprozessen eine Vielzahl massiver Ungleichheiten und Entbehrungen erzeugt, und dass angesichts begrenzter Weltressourcen potenziell mit dem Zusammenbruch ökonomischer Wachstumsmechanismen zu rechnen ist.

Die Überwindung der sich hieraus ergebenden Konflikte müsste dann darauf abzielen, neue Strukturprinzipien zu entwickeln, in deren Zentrum dann primär ein ‚System nach der Knappheit’ zu stehen hätte. Mögliche Träger einer solchen Entwicklung sieht Giddens nicht mehr in der klassischen Arbeiterbewegung, sondern eher in den neuen Formen alternativer Lebensplanung.

Auch der den Strukturprinzipien des Industrialismus inhärente Widerspruch zwischen technologischer Innovation im Zuge der Expansion der kapitalistischen Wirtschaft und der damit einhergehenden Transaktion mit der natürlichen Umwelt scheint sich unter den Bedingungen der Spätmoderne dahingehend zu dramatisieren, dass er Gefahr läuft, beispielsweise aufgrund einer ökologischen Katastrophe die Bedingungen seiner Möglichkeit aufzuheben. Insofern zeigen erste Auseinandersetzungen um die Humanisierung der Technologie die Abkehr vom instrumentalistischen Umgang mit der Natur und die Entstehung einer ökologischen Gegenkultur an.

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Die Widersprüchlichkeit des Nationalstaates als einer Militärmacht zeigt sich sowohl angesichts der zunehmenden Globalisierung und der Ausbildung von Weltsystemen als auch der im Zusammenhang mit dem Industrialismus aufgezeigten Paradoxien technologischer Fortentwicklungen. Sie bleiben nichts destotrotz besonders virulent, wie ein Blick in die Tageszeitung verdeutlicht.

Abschließend stellt sich die Frage, ob nach dem Zusammenbruch des Sozialismus als einer Alternative zum Nationalstaat im Sinne einer administrativen Überwachungsmacht, mögliche Konflikte entfallen. Auch hier scheinen jedoch Widersprüche, wie die mangelnde Partizipationsmöglichkeit und die Gefahr einer Überbürokratisierung im Sinne des Anwachsens totalitärer Macht, potenzielle Konfliktarenen auszubilden, innerhalb derer demokratische Bewegungen gerade auf eine Überwindung nationalstaatlicher Grenzen hin zu globalen demokratischen Ordnungskonzepten wirken.

Aufgabe einer reformulierten radikalen Politik wäre es nach Giddens, den Bürgern und Bürgerinnen die Mittel zur Verfügung zu stellen, die die Voraussetzung ihrer Selbstorganisation sind. Eine solche Politik nennt er generative Politik. Generative Politik ist eine Politik, die Individuen und Gruppen im Kontext übergreifender sozialer Belange und Ziele die Möglichkeit einräumen will, Dinge geschehen zu lassen, anstatt dass sie ihnen geschehen. Eine Hauptaufgabe generativer Politik liegt darin, denjenigen eine Autonomie zuzugestehen oder bei der Entwicklung der Autonomie Unterstützung zu geben, die von spezifischen Programmen und politischen Maßnahmen betroffen sind. Diese Anerkennung von Autonomie erfordert allerdings eine Dezentralisierung der Macht und Intensivierung des Kommunikationsfluses „von unten nach oben“.

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Festzuhalten bleibt, dass Giddens offenbar davon ausgeht, dass im Prozess der Modernisierung die Fähigkeit der Subjekte wächst, die sozialen Bedingungen ihres Lebens zu reflektieren und auch zu ändern. So thematisieren beispielsweise soziale Bewegungen Grundwidersprüche der Moderne, drängen auf ihre Überwindung und haben dadurch eine modernisierende Wirkung. Individuelles und kollektives Handeln, soziale Mobilisierung, Demokratisierungs- und Autonomieforderungen sind die Phänomene, die nach Giddens immer häufiger in der Gesellschaft zu beobachten sind und auf die die Politik praktisch und die Gesellschaftstheorie theoretisch zu reagieren haben.


Fußnoten und Endnoten

263  P. Berger (1995b) hebt beispielsweise eine Reihe von Brüchen innerhalb des Giddensschen Oeuvres hervor, während D. Jary und J. Jary (1994) eher dessen Kontinuität betonen.

264  Vgl. B. Kießling (1988), I. Cohen (1989), G.A. Bryant/D. Jary (1991), J. Clark/ C. Modgil/S. Modgit (1990) oder D. Held /J.B. Thompson.

265  Zwar stellt Giddens schon mit seinen Bänden zur Kritik am Historischen Materialismus (1981, 1985) das Programm einer Analyse moderner Gesellschaften in Aussicht, doch erst mit Beginn der 90er Jahre arbeitet er systematisch und kontinuierlich an der Ausarbeitung einer Theorie der Moderne.

266  „I regard structuration theory as only one part of my writings as a whole“ (Giddens 1990b: 201).

267  Vgl. hierzu M. Makropoulos (1997).

268  Vgl. hierzu E. Pankoke (1984).

269  Vgl. G. Therborn (1976), P. Wagner (1991).

270  Vgl. R. Kilminster (1991).

271  Vgl. W. Lepenies (1981).

272  Die konstitutive Bedeutung sozialreformerischer Zielsetzungen während der Institutinalisierungsphase der Soziologie an amerikanischen Universitäten und High Schools zeigt deutlich F.L. Tolman (1904/5).

273  Insofern wird er nicht müde, im Kontrast zu Talcott Parsons darauf zu verweisen, dass die Arbeiten der soziologischen Klassiker sehr viel stärker durch eine inhaltliche denn durch eine methodologische Konvergenz gekennzeichnet sind, die von weitreichender Bedeutung für die zeitgenössische Soziologie ist: „One of the things that I tried to show in this book was that they (Marx,Durkheim,Weber, S.S.) were all concerned with fundamental problems of social development and that their ideas are still the basic parameters within twentieth-century social thought“ (Giddens 1987b: 96).

274  Vgl. hierzu den informativen Überblick von Jeffrey Alexander (1995), der die zentralen Theorieentwicklungen im Bereich der Modernsierungstheorie der letzten 30 Jahre nachzeichnet.

275  Vgl. hierzu etwa auch das Konzept der multiplen Moderne, wie es insbesondere S.N. Eisenstadt in den letzten Jahren herausgearbeitet hat.

276  Vgl. hierzu A. Giddens (1990: 12ff. ) und (1985).

277  Vgl. hierzu A. Giddens (1995: 181) und (1984: 236ff.). Eine ähnliche Kritik an den klassischen modernisierungstheoretischen Entwicklungstheorien formulieren auch eine Reihe von Autoren, die dem so genannten Neofunktionalismus zuzurechnen sind. Vgl. etwa die Aufsätze in P. Colomy/J. Alexander (1991).

278  „The notion of ‘society’ has frequently been used in sociology in ways which I wish to reject“ (Giddens 1981b:42).

279  Mit fast denselben Kennzeichnungen verwies schon F. Tenbruck (1972: 34) auf die Problematik einer undifferenzierten Verwendungsweise des Gesellschaftsbegriffs in der Soziologie: „Tatsächlich ist der sozialwissenschaftlichen Ideengeschichte kaum etwas so invariabel wie die Überzeugung, daß die Geschichte einer Gesellschaft verstanden und aus dieser Gesellschaft erklärt werden müsse.“

280  Vgl. S. Sigmund (2001: 85-88).

281  Vgl. A. Giddens (1984b: 165).

282  So ist Webers Werk gekennzeichnet von der Überzeugung, dass der Rationalismus zwar das Signum der modernen okzidentalen Kultur ist, dessen „Entwicklungsrichtung von universeller Bedeutung und Gültigkeit“ (Weber 1988: 2) für die Moderne war, doch gleichzeitig schrieb er diesen Prozess niemals auf ein gesellschaftlich Ganzes zu, sondern analysierte ihn immer nur in Bezug auf einzelne gesellschaftliche Teilbereiche und Lebensordnungen. Trotz der hierbei aufscheinenden Entwicklungsanalogien betonte er die Heterogenität und Diskontinuität dieser sozialen Prozesse, die bestenfalls in einem ‚Wahlverwandtschaftsverhältnis’ zueinander standen, aber keineswegs Ausdruck der Gesellschaft waren. Vgl. hierzu etwa T. Schwinn (2001).

283  Vgl. A. Giddens (1982c: 8f.).

284  Klassisch sicherlich bei D. Lerner (1968) zu finden. Vgl. darüber hinaus auch D. Chirot (1985).

285  Vgl. etwa die umfassende Studie von P.Wehling (1992) hierzu. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die für die Soziologie unübliche Häufung von Metaphern, wie bspw. Webers Bild eines „stahlharten Gehäuses“ bei der Bestimmung der Moderne. In diesem Zusammenhang sei auch auf Alan Scotts (1997) Analyse der Verwendung der Maschinenmetapher in der Soziologie der Moderne verwiesen.

286  „Die ‚Moderne’, ‚die Aufklärung’, ‚die Vernunft’ — das gibt es nicht, sondern es gibt manches, was sich unter die in bestimmten theoretischen Kontexten konzipierten Begriffe ‚Moderne’, ‚Aufklärung’ und ‚Vernunft’ sinnvoll subsumieren läßt“ (Schnädelbach 1989:26).

287  So beispielsweise W. van der Loo/W. van Reijen (1992) oder aber J. Berger in einer Reihe von Arbeiten (1986, 1988, 1996).

288  Vergleiche hierzu auch P. Wagners vorzügliche Studie: Soziologie der Moderne (1995).

289  Soziologisch hilflos erscheinen vor diesem Hintergrund Versuche, die Moderne auf die Verfolgung oder Durchsetzung reiner Ideenkonstellationen zu beziehen, wie dies beispielsweise M. Horkheimer und T.W. Adorno oder J. Habermas mit der Konstruktion eines ‚Projektes der Aufklärung’ versuchten.

290  Folgt man der interessanten Studie von S. Toulmin (1990), so ist dies im Hinblick auf die historische Verortung der Moderne nicht mehr uneingeschränkt zu bestätigen. Denn wie dieser überzeugend darstellt, lassen sich eine Reihe von Prozessen, die konstitutiv mit der Moderne verbunden sind, in ihren Ursprüngen schon sehr viel früher nachweisen. Auch die exklusive Rolle des Okzidents scheint nicht mehr länger unhinterfragt bleiben zu können; so schlägt B. Lewis (1997) vor, den christlich-westlichen Absolutheitsanspruch auf die Moderne zu relativieren, und verweist darauf, dass sich sehr wohl auch im Islam Anschlüsse an die Antike finden lassen, die den Prinzipien der Moderne entsprechen.

291  Vgl. A. Giddens (1991b: 206).

292  Vgl. P. Wagner (1995a), der explizit den Anspruch auf eine historische Soziologie der Moderne erhebt und sich hierfür teilweise auf Giddens’ institutionentheoretische Überlegungen bezieht.

293  Vgl. zur immerwährenden, wenngleich nicht immer wirksamen Aktualität einer historisch orientierten Soziologie etwa W. Sprondel (1992) oder W. Spohn (1996).

294  So etwa P. Abrahms (1982: 2) bei seinem Versuch einer Neufassung/-begründung der historischen Soziologie auf der Grundlage der strukturierungstheoretischen Grundannahmen. A. Giddens’: „Historical Sociology is thus not some special kind of sociology; rather it is the essence of the discipline.(...) The twosidedness of society, the fact that social action is both something we choose to do and something we have to do, is inseparably bound up with further fact that whatever reality society has is an historical reality, a reality in time.“

295  Vgl. insbesondere Giddens (1985a, 1991a, 1992, 1995a).

296  Vgl. A. Giddens (1985: 294f.).

297  So verweist H.P. Bahrdt darauf, dass Sozialkundebücher und Einführungen in die Soziologie den Eindruck vermitteln, dass wir in Gesellschaften ohne Militär und Polizei leben würden. Zitiert nach H. Joas (1994).

298  Vgl. hierzu etwa M. Miller/H.G. Soeffner (1996).

299  Vgl. hierzu etwa J. Kocka (1991), C. Meier (1992 ) oder F. Ettrich (1999).

300  „Capitalism, in some key respects at any rate, is more different from each of the other types of society Marx distinguishes than they are different from each of the other types of society“ (Giddens 1981: 81).

301  Vgl. B. Jessop (1989: 194).

302  „ ...the conjunction between the rise of capitalism and the absolutist state system produced a system of nation-states that, far from being ephemeral, is integral to the world capitalist economy” (Giddens 1981: 198). Zu Weber und Hintze Giddens (1987a: 166ff.) sowie Giddens (1981: 198).

303  Vgl. B. Jessop (1989: 108f.), der sechs zentrale Differrenzpunkte zwischen traditionalen und modernen Staaten auszeichnet.

304  Vgl. zum Folgenden A. Giddens (1985a) und ( 1987a: 169ff.).

305  „Die wesentlichste Einrichtung, die aus dem Mittelalter in die europäische Moderne hinübergeht, aber in ihr ungleich schärfer ausgeprägt wurde, ja, deren immer schärfere Ausprägung recht eigentlich den Beginn der Moderne bedeutet, ist der Staat“ (Mann 1960: 482).

306  „Daß der zentrale Aspekt der gesellschaftlichen Veränderungen, die die europäische Modernität konstituieren , in der Ausdifferenzierung funktionaler Teilbereiche besteht, ist (...) einschlägiger Konsens der Soziologie“ (Hahn 1984: 189).

307  Vgl. A. Giddens (1981: 169-176) und (1985: 182-186).

308  Vgl. auch M. Shaw (1989).

309  Hinsichtlich der Betonung der konstitutiven Rolle von Krieg und Gewalt für die Ausbildung der Moderne zeigt sich in der historischen Soziologie seit Mitte der 80er Jahre eine interessante Übereinstimmung, wie neben A. Giddens’ ‚Nation, State and Violence’ (1985) insbesondere die zeitgleich erschienenen Arbeiten von J. Hall (1986) und M. Mann (1986) verdeutlichen. Vgl. hierzu u.a. B. Jessop (1989: 118f.), A. Smith (1991) und W. Knöbl (1993). Darüber hinaus betont insbesondere Hans Joas (1994, 1996) in einer Reihe von neueren Studien die Notwendigkeit, vor dem Hintergrund der zentralen Rolle, die Krieg und Gewalt in der europäischen Geschichte spielten, einer kategorialen Neubestimmung der Modernisierungstheorie. Dass dies nicht nur in Bezug auf Europa gilt, verdeutlicht die Tatsache, dass der rasante Modernisierungsprozess, den die japanische Gesellschaft seit Mitte des 19. Jahrhunderts durchmachte, auch deren Militärmaschinerie einschloss, so dass die japanische Kriegsflotte im Russisch-Japanischen Krieg (1904/05) den russischen Gegner bei Port Arthur schlug; die erste militärische Niederlage, die ein asiatisches Land einem westlichen Land zufügte.

310  „Giddens goes so far as to suggest that capitalism even has become the dominant world mode of production primarily because of the military power possessed by the nation-states with which it was associated“ (Jary 1991: 133).

311   Vgl. hierzu insbesondere C. Dandecker (1990: 262). Vgl. Giddens (1987a: 57f.); (1985a: 12f.); (1981c: 5f., 35, 94) Ähnlich auch Michael Mann (1990ff.), der vier Formen der Macht unterscheidet.

312  Michael Mann (1990ff.) rekurriert in seiner weitreichenden Studie über die Geschichte der Macht in diesem Zusammenhang explizit auf A. Giddens’ Theorieansatz.

313   Hier zeigt sich eine interessante Parallele zu den diagnostischen Arbeiten Daniel Bells, der ebenfalls axiale Prinzipen zur Bestimmung der Besonderheiten postindustrieller Gesellschaften heraushebt (Bell 1975).

314  Vgl. hierzu Giddens (1988a: 32ff.; 273ff.) oder (1977a).

315  „Soziologisches Wissen schraubt sich in den Bereich des sozialen Lebens hinein und aus diesem Bereich wieder heraus, und es gehört als integraler Bestandteil mit zu diesem Vorgang, daß dieses Wissen dabei sowohl sich selbst als auch diesen Bereich umgestaltet“ (Giddens 1995a: 26).

316  Ein Blick auf die Weber’sche Soziologie, die auf der Basis der Methode der Idealtypenbildung versucht, historisch vergleichende Institutionenanalyse zu betreiben, scheint diesen Überlegungen nicht nur Pate zu stehen, sondern zeigt gleichzeitig auch die Fruchtbarkeit einer so ausgerichteten Forschungsperspektive auf. In dieser Hinsicht wäre ein Vergleich des strukturierungstheoretischen Ansatzes mit Webers Überlegungen zur methodologischen Grundlegung der Soziologie aufschlussreich.

317  Vgl. hierzu A. Giddens (1988: 383ff.).

318  Vgl. hierzu insbesondere die Arbeiten von T. Skocpol/M. Somers (1980), T. Skocpol (1984), C. Tilly (1984), A.A. van den Braembusche (1989), J. Matthes (1992), J. Breulilly (1992) oder T. Welskopp (1995).

319  „Modern social organizations presumes the precise coordination of the actions of many human beings physically absent from one another; the when of these actions is directley connected to the where, but not, as in premodern epochs, via the medium of place“ (Giddens 1991a: 17).

320  Nach Giddens beschreibt der Mechanismus der Entflechtung den Übergang traditionaler zu modernen Gesellschaften sehr viel präziser als das innerhalb der Soziologie üblicherweise benutzte Differenzierungs-Konzept. Denn Differenzierungsansätze folgen zumeist funktionalistischen und evolutionistischen Grundannahmen und verfehlen es, die zentrale Bedeutung raumzeitlicher Abstandsvergrößerung angemessen zu thematisieren. Gerade die räumliche Dekontextualisierung sozialer Beziehungen und Institutionen sowie deren spezifische Rekombination ist, nach Giddens, zentrales Charakteristikum moderner Gesellschaften (vgl. Giddens 1991a, 1995a). Vergleiche auch die Arbeit von T. Schwinn (2001), der, wenngleich er nicht explizit an Giddens anschließt, ebenfalls eine alternative, stärker handlungstheoretisch fundierte, differenzierungstheoretische Perspektive vorschlägt.

321  Vgl. P.A. Berger (1995a).

322  Vgl. A. Giddens (1991: 18; 1995a: 34ff.).

323  Im Gegensatz zu Parsons und Luhmann verweist Giddens jedoch darauf, dass Macht kein Austauschmedium darstellt, da er diese nicht als soziale Beziehungsform thematisiert, sondern als ein Wesensmerkmal, das der menschlichen Handlungsfähigkeit inhärent ist.

324  Die zunehmende Bedeutung dieser Entwicklung verdeutlicht auch die in den letzten Jahren zu beobachtende Wiederkehr einer systematischen Beschäftigung mit Berufsgruppen und Professionellen innerhalb der Soziologie. Vgl. für den US-amerikanischen Kontext beispielsweise die Arbeit von E. Freidson (1986).

325  Vgl. hierzu die einschlägigen Passagen in U. Becks risikosoziologischem „Klassiker“ (1986), sowie darüber hinaus U. Beck (1987, 1994).

326  Vgl. hierzu insbesondere A. Giddens (1995a: 129ff.).

327  In dieser Tradition steht auch Luhmanns Vertrauenskonzeption, die darauf abhebt, dass Vertrauen ein zentraler Mechanismus zur Reduktion von – für die Akteure nicht mehr kontrollierbarer — gesellschaftlicher Komplexität darstellt. „Es (das Vertrauen) dient zur Überbrückung eines Unsicherheitsmoments im Verhalten anderer Menschen, das wie die Unvorhersehbarkeit der Änderung eines Gegenstandes erlebt wird (Luhmann 1989: 23). Vertrauen stellt somit immer eine riskante Vorleistung dar, da es sich auf unsichere Handlungsalternativen bezieht. Für handlungstheoretische Ansätze wie etwa M. Deutsch (1976) oder J. Coleman (1991) stellt Vertrauen demgegenüber das Ergebnis subjektiv rationaler Kalkulationsprozesse und Entscheidungen in Interaktionen dar. Vgl. hierzu auch P. Preisendörfer (1995), C. Offe und M. Endress (2002)



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16.01.2008