2.  Literaturteil

2.1.  Wachstum

↓9

Das Wesen des Wachstums besteht in der Zunahme der Masse, der Größe und des Volumens eines Körpers infolge der Vermehrung, der Differenzierung und Massezunahme seiner Zellen in der Zeiteinheit. Dieser Prozess führt zur Entwicklung und Reifung funktioneller Systeme für die Regulation der Organismus-Umweltbeziehung und damit der Erhaltung der Art (MIELKE et al. 1983).

- 1. Lebensjahr

In der internationalen und nationalen Literatur werden zahlreiche Normwerte für die Lebendmasseentwicklung für das 1.Lebensjahr im Jungrinder- und Färsenbereich genannt. Die Abbildung 1 stellt drei verschiedene Wachstumsverläufe für das Erreichen eines Erst-kalbealters von 24 Lebensmonaten vor.

↓10

Abbildung 1: Normwerte zur Lebendmasseentwicklung von weiblichen Jungrindern im 1. Lebensjahr bei einem anzustrebenden Erstkalbealter von 24 Lebensmonaten (SKIDMORE 1995, REIMANN et al. 2000, HOFFMANN 2001, WOLF et al. 2000)

HUTJENS (2002), MÖCKLINGHOFF-WICKE (2000) und WARZECHA (2001) nennen eine Lebendmasse zum 12. Lebensmonat von 300 bis 340 kg.

WOLF et al. (2000) zeigen in nachfolgender Tabelle Orientierungswerte zur Fütterung von Kälbern und Jungrindern bis zum 15.Lebensmonat zum Erreichen eines Erstkalbealters von 24 Monaten.

↓11

Tabelle 1: Orientierungswerte zur Fütterung von Kälbern und Jungrindern bis zum 15.Lebensmonat für ein Erstkalbealter von 24 Monaten (WOLF et al. 2000)

Merkmal

Alter in Monaten

05. – 08.

09. - 15.

Lebendmasse (kg)

145 – 255

256 – 418

Tägliche Zunahme (g)

900

765

Bedarf:

kg TM / Tag

MJ ME / kg TM

RP / kg TM (g)

3,5 – 5,5

11

17

5,5 - 9,0

9,5

≥13

PLATEN und KROCKER (2001), ERHARDT (2000) und HOFFMANN (2001) empfehlen ein weibliches Jungrind nicht vor dem 12. Lebensmonat auf die Weide aufzutreiben.

Eine Weidehaltung innerhalb des 1.Lebensjahres ist deshalb nicht zweckmäßig, da im 1.Jahr die lebens- und leistungsnotwendigen Organe ausgebildet werden. Erste Eierstockfunktionen setzen ein, die Euteranlage entwickelt sich, die wichtigen Zellteilungsprozesse setzen sich fort, während im 2.Lebensjahr hauptsächlich das Zellgrößenwachstum abläuft.

↓12

Die Notwendigkeit einer intensiven Aufzucht im 1.Lebensjahr zeigt die nachfolgende Tabelle in der Beziehung Lebendmasse nach Beendigung des 12.Lebensmonats zur Milchleistung, zum Erstkalbealter und zur weiteren Lebendmasseentwicklung.

Tabelle 2: Milchleistung, Erstkalbealter und weitere Lebendmasseentwicklung in Beziehung zur Lebendmasse in einem Alter von 12 Monaten (HOFFMANN 2001)

Lebendmasse in kg

12 Monate

n

Erstkalbealter in Monaten

Milch

in kg

Lebendmasse in kg

18 Monate

Lebendmasse in kg

p. p.

<250

16

29,0

6.352

315

510

251-300

69

27,9

6.364

355

519

301-350

71

26,8

6.523

406

549

>350

17

26,3

6.804

459

589

Durchschnitt

173

27,3

6.487

399

537

Die Tiere mit einer Lebendmasse zum 12.Lebensmonat von über 300 kg lagen in den untersuchten Parametern Milchleistung 1.Laktation, Erstkalbealter und weitere Lebendmasse-entwicklung ( 18. Lebensmonat und p.p.) deutlich über dem Durchschnitt.

↓13

Besondere Bedeutung verdient laut FALCONER (1980) und SEJRSEN et al. (1982) der präpubertale Lebensabschnitt im 2.Lebenshalbjahr, da zu diesem Zeitpunkt die Zelldifferenz-ierung für das Drüsengewebe des Euters verstärkt einsetzt.

ZAUGG (1975) sowie LEUENBERGER und SCHNEEBERGER (1982) zeigten deutliche Unterschiede zwischen den Jahren im Zuwachs der geälpten Tiere auf.

Die Färsenaufzucht mit zweimaliger Älpung kann aufgrund des beschriebenen Zuwachs-verhaltens keine maximalen Wachstumsleistungen erbringen.

↓14

PRIEBE (2000) spricht sich für eine zweimalige Weidehaltung der weiblichen Jungrinder während der Aufzuchtphase aus.

Zweitmals weidende Jungrinder haben höhere tägliche Zunahmen. Ergebnisse von Unter-suchungen Ende der 80er Jahre mit Tieren der Rasse SMR bestätigen diese Aussage.

Nachfolgende Tabelle stellt die Untersuchungsergebnisse vor.

↓15

Tabelle 3: Tägliche Lebendmassezunahmen (g / Tier und Tag) von Jungrindern in der 1. und 2. Weideperiode (PRIEBE 2000)

1. Weideperiode

2. Weideperiode

Tierzahl

1435

1100

Tägliche Lebendmassezunahme

465

599

Spannweite

380 - 650

438 – 883

Bei betrieblicher Aufzucht der Jungrinder auf der Weide sollte möglichst vielen Tieren ein zweimaliger Weidegang ermöglicht werden. Dazu können Halbtagsweiden für über 6 Monate alte Kälber genutzt werden.

Die Tiere haben Bewegung an frischer Luft, lernen frühzeitig Gras fressen und machen allmählich Bekanntschaft mit den Endoparasiten, welche die Ausbildung einer diesbezüg-lichen Immunität fördert. Stallnahe Weiden bieten für die Halbtagsweide optimale Voraus-setzungen:

↓16

WEISE et al. (1986) empfehlen einen Nachtrieb von Jungrindern in der Altersgruppe 10. bis 12. Lebensmonat bis Anfang August, um ebenfalls einem hohen Anteil der Jungrinder zwei Weideperioden zu gewährleisten.

↓17

Geschlechtsreife

Beim Rind ist der Zeitpunkt der Geschlechtsreife (1. Ovulation) laut STEWARD et al. (1980) und FERRELL (1982) nicht nur ein rassespezifisches Merkmal.

In bestimmtem Maße hängt der Zeitpunkt der Geschlechtsreife von der Fütterungsintensität und damit vom Erreichen einer bestimmten Lebendmasse ab.

↓18

Nach SCHWARK und FAHR (1976) sowie RIECK und ZEROBIN (1985) ist der Termin für den Eintritt der 1.Ovulation wesentlich stärker vom Wachstumsverlauf als vom Alter ab-hängig.

Durch die Verbesserung des Aufzuchtniveaus der weiblichen Jungrinder wird eine zeitigere 1.Ovulation der Tiere erreicht (SCHWARK 1985). Interessanterweise traten aber zwischen den Versuchen und zwischen den Intensitätsstufen kaum Differenzen für das Merkmal Lebendmasse zur 1.Ovulation auf. Die Lebendmasse ist demnach ein entscheidender Faktor für das Auslösen der 1.Ovulation. Die Korrelationskoeffizienten für die Beziehungen von Wachstumskennwerten (Lebendmasse und tägliche Zunahme) und dem Alter zur 1.Ovulation liegen im Bereich von r = - 0,4 bis r = - 0,6. Für den Zusammenhang zwischen den Merk-malen des Wachstums und der Lebendmasse zur 1.Ovulation wurden wesentlich niedrigere positive Korrelationskoeffizienten gefunden.

FRANCK (1993) gibt die Lebendmasse für das Erreichen der Fortpflanzungsfähigkeit mit 40% der adulten Körpermasse an.

↓19

- 2. Lebensjahr

In der internationalen und nationalen Literatur werden für das 2.Lebensjahr eine Vielzahl von Normwerten für die Lebendmasseentwicklung im Jungrinder- und Färsenbereich beschrieben. In folgender grafischer Darstellung werden drei verschiedene Wachstumskurven für das 2.Lebensjahr bei einem anzustrebenden Erstkalbealter von 24 Lebensmonaten gezeigt.

Abbildung 2: Normwerte zur Lebendmasseentwicklung von Färsen im 2. Lebensjahr bei einem anzustrebenden Erstkalbealter von 24 Lebensmonaten (SKIDMORE 1995, REIMANN et al. 2000, HOFFMANN 2001, WOLF et al. 2000)

↓20

Zuchtreife

Nach BURGSTALLER (1999) ist für die Zuchtreife der Jungrinder die Lebendmasse wesentlicher als deren Alter. Dagegen orientiert sich der Praktiker mit dem 1.Besamungs-bzw. Decktermin vielfach noch stärker am Alter als am Entwicklungsstand des Jungrindes.

Für Holstein-Friesian–Rinder wurden von TRILK (1999) 400 kg, von WEIHER et al. (1997) über 400 kg, von FRANCK (1993) 338 bis 360 kg, von HUTJENS (2002), REIMANN et al. (2000), MÖCKLINGHOFF-WICKE (2000), WARZECHA (2001), SPIEKERS und SOMMER (2000) 380 bis 420 kg sowie von RIECK und ZEROBIN (1985) 320 bis 400 kg notwendige Lebendmasse zur Erstbelegung angegeben.

↓21

Verschiedene Arbeiten zu Auswirkungen der Lebendmassezunahmen (z.B.: BUSCH et al. 1983) beschreiben steigende Konzeptionschancen bei Zunahmen von über 650 g je Tier und Tag.

ZEROBIN und BINDER (1982) fanden heraus, dass bei HF-Tieren mit über 700 g Tageszunahmen die Konzeptionschancen wieder sanken.

In der Abbildung 3 zeigen PLATEN und KROCKER (2001) die Auswirkungen einer über-höhten Fütterung von weiblichen Jungrindern bzw. Färsen im 2.Lebensjahr auf die 1.Laktation.

↓22

Abbildung 3: Auswirkung einer überhöhten Fütterung der Färsen im 2. Lebensjahr auf die 1.Laktation (PLATEN und KROCKER 2001)

WOLF et al. (2000) stellen in Tabelle 4 Orientierungswerte zur Fütterung von Färsen ab dem 16.Lebensmonat zum Erreichen eines Erstkalbealters von 24 Lebensmonaten dar.

Tabelle 4: Orientierungswerte zur Fütterung von Färsen ab dem 16.Lebensmonat für ein Erstkalbealter von 24 Monaten (WOLF et al. 2000)

Merkmal

Lebensalter in Monaten

16. – 22.

23. / 24.

Lebendmasse (kg)

419 – 565

566 – 630

Tägliche Zunahme (g)

690

1.000

Bedarf:

kg TM / Tag

MJ ME / kg TM

RP / kg TM (g)

9,0 – 11,0

9,3

≥13

11,0 – 12,0

11,2 (6,8 NEL)

16,5 – 17,0

↓23

- Kompensatorisches Wachstum

JÄHNE (1985) nennt als besondere Eigenschaft des wachsenden Rindes das kompen-satorische Wachstum. Unter kompensatorischem Wachstum versteht man das rasche Wachstum bzw. eine gesteigerte Wachstumsintensität, welche sich nach Perioden einer Restriktion der Nährstoffzufuhr zeigt. Es ist das Vermögen eines Tieres, nach einer Phase der Mangelernährung und damit vermindertem Wachstums mit einer überdurchschnittlichen Steigerung der Wachstumsrate und einer verbesserten Nährstoffverwertung in der anschließenden intensiven Ernährungsphase gegenüber vergleichsweise regelmäßiger, normgerechter Nährstoffzufuhr zu reagieren.

Eine vom Optimum abweichende Unterversorgung als auch Überversorgung in einzelnen Lebensabschnitten beeinträchtigt den Wachstumsverlauf der Jungrinder.

↓24

Nach BREUNUNG (1979) werden kurzzeitige Abweichungen ohne Schäden für die späteren Leistungen kompensiert. Jedoch sollten restriktive Fütterungsperioden 3 Monate nicht überschreiten und 80 % des normativen Energiebedarfs nicht unterschritten werden.

Die maximale Länge des restriktiven Fütterungsabschnittes von 3 Monaten bestätigt JÄHNE (1985), nennt aber 50 % des normativen Energiebedarfs als unterste Grenze.

Solche Perioden sind durch zweckmäßige Gestaltung der nachfolgenden Kompen-sationsperioden auszugleichen. Ein Beispiel sind die auf der Weide etwas extensiver gehaltenen Jungrinder, welche nach SCHÜLER und MÜLLER (1994) in der Lage sind, einen gewissen Rückstand in der Lebendmasseentwicklung bei der anschließenden Stallhaltung zu kompensieren, wenn ihnen durch eine entsprechende Fütterung die Möglichkeit dazu geboten wird.

↓25

- Peripartaler Zeitraum der 1. Laktation

Amerikanische Untersuchungen zur Lebendmasse nach dem 1.Kalben gehen laut KROCKER und PLATEN (1999) von einer durchschnittlichen Lebendmasse bei einem Erstkalbealter bis 25 Monaten von 594 kg und bei einem Erstkalbealter ab 26 Monate von 639 kg aus.

HUTJENS (2002), REIMANN et al. (2000), MÖCKLINGHOFF-WICKE (2000) und WARZECHA (2001) nennen bei einem Erstkalbealter von 20 bis 24 Monaten eine Lebendmasse nach der Abkalbung von 560 bis 570 kg. Die Widerristhöhe nach der Abkalbung sollte 132 bis 142 cm betragen und die BCS-Note zum Kalbetermin bei 3,25 bis 3,50 liegen. Dagegen geben WEIHER et al. (1997) nur 510 kg Lebendmasse nach der Abkalbung an.

↓26

Laut LARSEN (1986) kann eine intensive Fütterung der Färsen vor der Kalbung die Konzentration des Wachstumshormons im Blut sogar um die Hälfte vermindern, welche eine schwächere Entwicklung der Milchdrüsen und eine geringere Milchleistung bewirken kann.

Ein Erstkalbealter von 24 Monaten ist bei Weidegang nur bei täglichen Zunahmen von 700-800 g erreichbar, dies setzt aber exzellent geführte Weiden und ein optimiertes Weide-management voraus (ERHARDT 2000).

Durchaus tragbar ist laut PLATEN und KROCKER (2001) die Kalbung mit 25 Monaten, da sie sich als kostengleich mit einer extensiven Grünlandaufzucht erweist. Im Sinne eines seuchenhygienisch geschlossenen Systems mit eigener Reproduktion und einer gesicherten Aufzuchtqualität ist die eigene, intensive Stallaufzucht der extensiven, ausgelagerten Variante vorzuziehen.

↓27

WOLF et al. (2000) raten bei einem anzustrebenden Erstkalbealter von 24 Monaten von einer Weidehaltung im 2.Lebensjahr ab, da Weidefutter allein die notwendigen Lebenstagszu-nahmen nur in Ausnahmefällen ermöglicht.

Für Grünlandstandorte kann nach HOFFMANN (2001) ein Erstkalbealter im Mittel von 26 bis 27 Monaten richtig sein. Ein Erstkalbealter von 27 Monaten setzt tägliche Zunahmen von etwa 500 g je Tier und Tag voraus, was Schlussfolgerungen für die Bewirtschaftung der Weiden zulässt.

Nach WARZECHA (2001) beeinflusst die Einbeziehung der Weidehaltung auf extensivem Grünland durch zeitweise Mangelernährung die Lebendmasseentwicklung negativ, wodurch die Aufzuchtperiode verlängert wird mit einem hohem Erstkalbealter.

↓28

- Frühlaktation

ROBINSON (2000) und HUTJENS (2002) sehen zwischen hochtragenden Färsen bzw. Erstlaktierenden und älteren Kühen in der Transitfütterungsphase und Frühlaktation folgende große Unterschiede:

Trockenmasseaufnahme - Färse 1,8 kg geringere tägliche TM-Aufnahme gegenüber einer älteren Kuh

↓29

Rohproteinbedarf in der Trockenmasse - 12 % für Kühe und 14 % für Färsen

Fressverhalten - Häufigkeit und Futtermengen

Deshalb wird für die Transitfärsen eine separate Gruppe und Futterration vor dem Kalben, eine Gruppe für Erstlaktierende und eine langsamere Rationsanpassung nach dem Kalben gefordert.

↓30

DUCKER et al. (1985) sowie FERGUSON und CHALUPA (1989) fanden heraus, dass bei früh kalbenden Färsen die Lebendmassezunahme p.p. Priorität vor der Milchleistung und Fruchtbarkeit hat.

Für Hochleistungsküheist die Frühlaktation ein besonders kritischer Zeitraum. Die Kühe können gar nicht genügend fressen, um ihren Energiebedarf voll zu decken. Bei negativer Energiebilanz bauen die Tiere im Körper gespeicherte Fettreserven ab (STAUFENBIEL und GELFERT 2002).

Als allgemeine Anhaltsgröße gelten für „normale“ Lebendmasseverluste nach ROSSOW und BOLDUAN (1994) 10 % der Lebendmasse während der ersten 6 bis 8 Wochen der Laktation.

↓31

- Weidehaltung

PRIEBE (2000) schätzt ein, dass Weidehaltungauch bei steigenden Leistungsanforderungen in die Aufzucht von Färsen integriert werden kann. Dazu sind intensiv bewirtschaftete Weiden mit einem verbesserten Weide- und Herdenmanagement Bedingung.

Dazu gehören:

↓32

Leistungsfähige Grasnarben etablieren und möglichst lange durch entsprechende Düng-ung, Pflege und Nutzung erhalten.

Regelmäßige Bestandsbonituren, bei nachlassender Qualität sind Nach- oder Neusaaten in Betracht zu ziehen. Nachsaaten sind mit rund 100 €/ha wesentlich kostengünstiger als Neuansaaten mit rund 300 €/ha.

Jüngere Tiere unter 6 Monaten erhalten Auslauf.

↓33

Teilweide der über 6 Monate alten Kälber

Parasitenprophylaxe durch weidehygienische Maßnahmen beachten.

Den Weidetieren ständig frisches und sauberes Tränkwasser anbieten.

↓34

Stets ausreichendes Angebot weidereifen Futters für zweitweidende Tiere sichern. Nötigenfalls ist Zufutter zu verabreichen, auch Maissilage kann dafür in Frage kommen.

In Untersuchungen konnte WARZECHA (2001) eine tägliche Lebendmassereduzierung von 692 g bzw. 899 g von weidenden Jungrindern zu Beginn der Weideperiode im Jahr 1998 ermitteln. Im Jahr 1999 wies WARZECHA (2001) 65 g Zunahmen je Tier und Tag während einer Weideperiode in einem landwirtschaftlichen Unternehmen Thüringens aus.

HAYS und BIANCA (1976) beobachteten bei einer Älpung zunächst einen deutlichen Rückgang der Lebendmasse der Rinder, so dass insgesamt während der 3-monatigen Älpung nur Tageszunahmen von 100 g gegenüber 620 g in der vorhergegangenen Talperiode erreicht wurden.

↓35

Zur gründlichen Vorbereitung der Jungrinder auf die Weidehaltung rät SPIEKERS (2000 a) zur Zufütterung von Mais- oder Grassilage, sowie gutem Heu in den ersten 1 bis 2 Wochen. Ideal ist eine Fütterung im Stall und ein zunächst nur stundenweiser Austrieb auf die Weide.

Der Austrieb der Tiere sollte frühzeitig, zu Beginn der Weidereife, erfolgen.

SCHÜLER und MÜLLER (1994) sowie WARZECHA (1999) fordern zur Vorbereitung der Jungrinder auf die Weideperiode eine mindestens 2-bis 3-wöchige Umstellung von Stall- auf Weidefutter in einer Vorbereitungskoppel.

↓36

Die Weidereife des Grases definiert PRIEBE (2000) mit einem Rohfasergehalt von 18 - 23 %, einer Energiedichte von 6,3 - 6,7 MJ NEL / kg TM (etwa 10,5 -11,0 MJ umsetzbare Energie je kg TM ) und einem mittleren Rohproteingehalt von rund 24 g je kg TM. SPIEKERS (2000 b) nennt Empfehlungen für den nutzbaren Rohproteingehalt in Mischrationen für Färsen ab 150 kg bzw. ab 350 bis 400 kg Lebendmasse mit 135 g bzw. 110 g je kg TM.

Nach PRIEBE (2000) könnten zweitmals weidende Tiere bei entsprechender Zufütterung schon bei einem Ertrag von etwa 40 dt OS / ha aufgetrieben werden. Weidefutterreste bis 20 % sind dabei einzukalkulieren. Die Anforderungen an die Qualität der Jungrinderweide sind mit denen für Milchkühe gleichzusetzen.

LEMME und PATZER (1978) weisen darauf hin, dass über haltungstechnische Massnahmen und die Fütterung bei der Weidehaltung noch Reserven in der Eingewöhnungsphase und in der Endperiode ab Mitte September bestehen.

↓37

Die Durchsetzung des Mähweidesystems auf allen maschinell bearbeitbaren Grünlandflächen empfehlen WEISE et al. (1986). Die Portionsweide erfolgt überwiegend ohne Stabilzaun, nur mit Elektrozaun. Die Weidevorbereitung beginnt Anfang März durch gezielte Fütterungs-, Hygiene- und Pflegemaßnahmen sowie auf den Weiden durch Pflege und Düngung.

Nach PRIEBE (2000) leiden erstmalig weidende Rinder besonders unter Endoparasiten (Magen-Darm-Würmer, Lungenwürmer), weil sie noch keine Immunität gegen diese Parasiten aufbauen konnten. Werden diese Tiere auf stark kontaminierte Weiden aufgetrieben, werden sie vom 1.Weidetag an „attackiert“ und die Jungrinder reagieren darauf mit deutlich geringeren Lebendmassezunahmen. Deshalb sollten erstweidende Tiere möglichst auf „saubere“ (wurmfreie) Koppeln aufgetrieben werden. Als saubere Weiden gelten Neuan-saaten, im Vorjahr nicht von Rindern beweidete bzw. nur gemähte Flächen. Eine Mahd im Spätsommer trägt auch maßgeblich zur Reduzierung der Larvenkonzentration für das folgende Jahr bei. Können keine wurmfreien Koppeln bereitgestellt werden, ist bei stark verseuchten Koppeln eine Auftriebsbehandlung zu empfehlen.

LIPPMANN und STEINHÖFEL (2002) stellten fest, dass unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Kosten für die Grundfuttermittel ein steigendes Erstkalbealter nur mit Weidehaltung vertretbar ist. Der Aufzuchttag einer Färse kostet durchschnittlich 1,50 €. Da fast 50 % davon Futterkosten sind, ist eine deutliche Reduzierung nur möglich, wenn die Nährstoffkosten der Grundfuttermittel gesenkt werden können. Hier haben zum Beispiel Betriebe mit Weidehaltung Vorteile gegenüber Betrieben mit ausschließlicher Konservat-fütterung.

↓38

In der Literatur ist die Zufütterung, insbesondere von Kraftfutter auf der Weide, durch die Verdrängung der Trockenmasseaufnahme aus dem Weidefutter sehr stark umstritten. Sie wird von vielen Autoren empfohlen, aber auch von vielen abgelehnt. Sicherlich ist sie abhängig vom Standort, vom Weideertrag, dem saisonalen Futterangebot, dem Weidemanagement und dem Produktionsziel. Auf extensivem Grünland mit niedrigen und stark schwankenden Grünmasseerträgen erscheint die Zufütterung von Kraftfutter zur Stabilisierung der Lebend-masseentwicklung der Jungrinder angebracht (WARZECHA 2001, SPIEKERS 2000 a, PLATEN und KROCKER 2001).

Extensive, mäßige Weidestandorte lassen nur ein geringes Wachstum zu. Auf solchen Flächen muss während der gesamten Weideperiode hochwertiges Grund- und Kraftfutter zugefüttert werden.

Auf die Weide sollten nur tragende Rinder aufgetrieben werden (ERHARDT 2000, HOFF-MANN 2001).

↓39

Das 2. Lebensjahr zeigt ein deutliches Abflachen der Wachstumskurve bei gleichzeitig weiter steigendem TM-Aufnahmevermögen. Dies ermöglicht ein weiteres Zurückfahren der Fütterungsintensität und kann bei Weidegang durchaus einen Verzicht auf Zufütterung bedeuten. Bei einem anzustrebenden Erstkalbealter von 24 Monaten dürften die geforderten Zunahmen mit entsprechender Zufütterung, zumindest in bestimmten Abschnitten (bei noch nicht weidereifem Futter im Frühjahr, im Herbst und bei drohendem Weidefuttermangel), auch auf der Weide realisierbar sein (PRIEBE 2000).

- Management in Jungrinderaufzucht

Um eine optimale Jungrinderaufzucht zu gewährleisten, muss eine ständige Kontrolle der altersabhängigen Gewichtsentwicklung bei den Jungrindern erfolgen. In den landwirt-schaftlichen Betrieben Thüringens und darüber hinaus liegen selten dazu erfasste Daten vor, da eine Produktionskontrolle in der Regel nicht erfolgt (WARZECHA 1999).

↓40

MÖCKLINGHOFF-WICKE (2000) bestätigt die Aussagen von WARZECHA (1999) zur Notwendigkeit regelmäßig durchzuführender Ermittlungen der Lebendmasse und Beurteilung der Körperkondition der wachsenden weiblichen Jungrinder mit Erfahrungen aus der holländ-ischen Jungrinderaufzucht.

Für die Leitung, Planung und Analyse sollten laut WEISE et al. (1986) folgende Unterlagen geführt und erstellt werden: Weidetagebücher, Weideordnung, Weidehygieneordnung, Weidekonzeption mit Weideauftriebsplan, Tierbestandsentwicklung und ein Wägenachweis für Auf- und Abtrieb und für Kontrollmessungen.

2.2. Fruchtbarkeit

Die Fruchtbarkeit ist ein Merkmalskomplex, für den nur ein niedriger Erblichkeitsfaktor geschätzt wird. Daher ist das Management und die Umwelt ausschlaggebend für das Ergebnis. Dies wird durch die große Variabilität der Fruchtbarkeitsleistung zwischen den Herden und auch innerhalb der Gruppen mit vergleichbarer Milchleistung belegt (JAHNKE 2002).

↓41

Nach HEUWIESER (2002) ist die Fruchtbarkeit betriebsspezifisch und wird durch die Halt-ung, Hygiene, Fütterung, Körperkondition, allgemeine Gesundheit, Züchtung, den Kuh-komfort und viele andere zum Teil auch unbekannte Faktoren beeinflusst.

- Vergleich Stall- und Weidehaltung

Die Frage eines Einflusses der Stall- und Weidehaltungsverfahren der Rinder auf deren Fruchtbarkeit lässt sich hinsichtlich der Schwierigkeit einer exakten Abgrenzung einzelner Haltungsfaktoren auf die Fruchtbarkeit nur schwer beantworten (BERGER 1979).

↓42

Untersuchungen von BERGER (1979) zum Einfluss der Stall- und Weidehaltung im Färsenalter auf den Besamungsindex zur 1.Trächtigkeit ergaben zwischen den Weide- und Stalltieren mit 1,11 bzw. 1,24 signifikante Unterschiede. Der Besamungsindex zur 2.Trächtigkeit zwischen den Jungkühen, die aus unterschiedlichen Haltungsformen während der Färsenaufzucht stammen, unterschied sich laut BERGER (1979) nicht signifikant.

GOLZE (1997) nannte in seinen Untersuchungen mit Färsen aus Mutterkuhbeständen und durchgeführten natürlichen Deckakten eine Trächtigkeitsrate von 92,1 %. Bei der 2.Zucht-benutzung der Mutterkühe lag die Trächtigkeitsrate bei gerade 62,4 %.

BERGER (1979) zeigte in seinen Untersuchungen mit einem durchschnittlichen Färsen-konzeptionsalter der Weide- bzw. Stalltiere von 582 bzw. 586 Tagen kaum Unterschiede.

↓43

Signifikante Unterschiede beim Geburtsverlauf mit operativer Geburtshilfe zwischen zeit-weise weidenden Färsen und Tieren mit ganzjähriger Stallhaltung zugunsten der Weidetiere ermittelte BERGER (1979). Ebenfalls schneiden die ehemaligen Weidetiere bei der spontanen Geburt ohne Hilfeleistungen sowie den Totgeburten, einschließlich der Verendungen in den ersten 24 Stunden besser ab, jedoch sind die Unterschiede statistisch nicht zu sichern.

Bei den Rast- und Zwischentragezeiten wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Tieren, die aus unterschiedlichen Haltungsformen während der Färsenaufzucht stammen, sichtbar. Auf die Fruchtbarkeit der Jungkühe wirkten die Umweltfaktoren der Milchviehanlage und nicht die Einflüsse der verschiedenen Haltungsverfahren während deren Färsenaufzuchtphase (BERGER 1979).

Keine signifikanten Differenzen waren durch BERGER (1979) für die Fruchtbarkeits-parameter innerhalb der 1. Laktation der Stall- und Weidetiere feststellbar.

↓44

Untersuchungsergebnisse von TRILK et al. (2003) zeigten den positiven Einfluss der Weide-haltung auf die Höhe der Reproduktionsrate (Tabelle 5).

Tabelle 5: Vergleich der Reproduktionsrate zwischen ganzjähriger Stallhaltung und kombinierter Stall-und Weidehaltung (TRILK et al. 2003)

Kategorie

Ganzjährige Stallhaltung

Stall- Weidehaltung

Jungrinder

43,8 % (20 % der Betriebe)

38,1 % (80 % der Betriebe)

Milchkühe

40,6 % (69 % der Betriebe)

35,6 % (31 % der Betriebe)

Im Vergleich zur ganzjährigen Stallhaltung von Jungrindern und Kühen war die Reproduktion der jeweiligen Kuhbestände bei Stall-/Weidehaltung um etwa 5 % geringer. Offenbar ist es trotz der in den letzten Jahren erreichten Verbesserungen der Aufstallungsbedingungen nicht gelungen, den wachsenden Ansprüchen der Tiere zu entsprechen und somit Fruchtbarkeit und Gesundheit zu gewährleisten.

↓45

- Geschlechtsreife

Aus verschiedenen Untersuchungen, in denen eine restriktive, eine normale und eine intensive Fütterungsform der Jungrinder miteinander verglichen wurden, geht hervor, dass bei den intensiv aufgezogenen Tieren der Zeitpunkt der 1.Ovulation als Maß für die Geschlechtsreife bei gleichem erreichten Körpergewicht deutlich früher einsetzt (SCHWARK et al. 1977, FAHR et al. 1980).

In einem Vergleich zweier Zwillingsschwesterngruppen, von denen eine Gruppe vollwertig, die andere um 30% reduziert ernährt wurden, ermittelten KORIATH et al. (1970) für die restriktiv Ernährten eine 40-tägige Brunstverzögerung.

↓46

Beim Rind spielen für den Eintritt der Geschlechtsreife (1. Ovulation) Haltungseinflüsse wie Licht, Bewegung, Klima eine mitentscheidende Rolle (BERCHTHOLD 1982, SCHWARK 1985, VALENTIN 1983).

- Erstbelegung

Ein weiterer wichtiger biologischer Abschnitt ist die Erstbelegung. Eine Vielzahl von Untersuchungen sagen aus, dass für eine erfolgreiche Besamung und optimale Gravidität nicht das Alter der Färsen, sondern deren Körpermasse von entscheidender Bedeutung ist.

↓47

Zwei Drittel aller Rinder könnten bereits in einem Lebensalter von 8-10 Monaten erfolgreich besamt werden (GRAVERT et al. 1975).

Folgende Literaturempfehlungen zum Erstbelegungsalter sind von FEIGE (1929) mit

15-21 Monaten, SCHWARK (1985) mit 16-17 Monaten, LOTTHAMMER (1994) mit

↓48

16-18 Monaten und WEIHER et al. (1997) mit 15-19 Monaten zu nennen.

MÖRSTEDT (2002) stellt die Entwicklung des Erstbelegungsalters anhand von vorliegenden Angaben des Landesverbandes Thüringer Rinderzüchter e.V. von 1999 mit 19,2 Monaten über das Jahr 2000 mit 18,6 Monaten bis zu 17,9 Monaten im Jahr 2001 dar.

WOLF et al. (2000) zeigen die Auswirkungen des unterschiedlichen Herangehens an die Erstbesamung an der unterschiedlichen Anzahl von Besamungen bis zur Trächtigkeit. Während bei einer gewichtsabhängigen Erstbesamung in allen Altersgruppen nur 6 bis 10 % der Tiere mehr als zwei Besamungen aufweisen, steigt bei einer altersabhängigen Erstbesamung der Anteil der mehr als zweimal besamten Jungrinder in den schweren Lebend-masseklassen zum Teil bis auf 30 % an.

↓49

Vermutungen der Verfettungsgefahr, bei Tageszunahmen von über 800 g, mit einem Einfluss auf Konzeption und Geburtsverlauf (ZEROBIN und BINDER 1982, LANGHOLZ 1984) treffen sicherlich dann zu, wenn eine intensive Aufzucht nicht auch mit einer frühen Erstbelegung beantwortet wird.

- Konzeption

Das Färsenkonzeptionsalter in Thüringen entwickelte sich laut MÖRSTEDT (2002) von 1999 mit 602 Tagen über das Jahr 2000 mit 587 Tagen bis zu 567 Tagen im Jahr 2001.

↓50

Der Zeitraum zwischen 1.Belegung und Konzeption (Verzögerungszeit) wurde von JAHNKE (2002) mit 27-36 Tagen bei Kühen ab der 1.Laktation angegeben.

Mit steigender Anzahl nicht genutzter Ovulationen kann eine sinkende Konzeptionsbereit-schaftvermutet werden (SCHWARK 1985 ).

Währenddessen fand WOHANKA (1960), zit. nach VALENTIN (1983), nur geringe Beziehungen zwischen Alter und Konzeptionsbereitschaft, wenn die Färsen im Alter zwischen 18 und 33 Monaten bedeckt werden.

↓51

- Besamungsindex bei Färsen und Milchkühen

Färsen:

Im Zeitraum 1999-2001 betrug der Besamungsindex für Färsen in Thüringen stabil 1,6 Besamungen bis zur 1.Trächtigkeit (MÖRSTEDT 2002).

↓52

Nach JAHNKE (2002) sollte ein Besamungsindex von weniger als 1,5 bei Färsen angestrebt werden.

Mit einer hohen durchschnittlichen Milchleistung von 10.000-12.000 kg je Kuh und Jahr und einem gutem Fruchtbarkeitsmanagement innerhalb des Milchkuhbestandes wiesen BUCHWALD und PIEPER (2001) einen Besamungsindex von 1,2 bei Färsen nach.

Analysen von SCHWARK (1985) zeigten bei steigendem Erstbelegungsalter auch an-steigende Besamungsindizes mit 1,17 bei einem Erstbelegungsalter von 15-17 Monaten, bis zu 2,77 bei 24-36 Monaten.

↓53

KORIATH et al. (1970) ermittelten in einem Vergleich zweier Zwillingsschwesterngruppen, von denen eine Gruppe vollwertig, die andere um 30% reduziert ernährt wurden, über 3 Laktationen, einen um 0,32 höher liegenden Besamungsindex für die vollwertig ernährten Tiere.

Nach PANICKE et al. (1984) lagen bei großrahmigeren Kühen mit höheren Laktations-leistungen von 270 kg und auch 307 Fett-kg in der 2.Laktation der Besamungsaufwand mit 3,0 als Jungkuh und 2,6 als Färse als Bestätigung für die nachgewiesenen negativen Beziehungen zwischen Wachstum und Fruchtbarkeit wesentlich höher.

Für die Besamungsindizes von Friesianfärsen bei reichlicher, mittlerer und verhaltener Fütterungsintensität ermittelte TASSELL (1967) Werte von 1,33; 1,64 bzw. 1,89.

↓54

Milchkühe:

Bei guter Fruchtbarkeit der Milchkuhherde und einem Leistungsniveau von 9.000 kg Milch je Tier und Jahr sollte nach JAHNKE (2002) einen Besamungsindex von 1,8 erreicht werden.

Unter Praxisbedingungen wurden bei hohem Leistungsniveau der Milchkuhherden und gutem Fruchtbarkeitsmanagement ein Besamungsindex von 1,7 erzielt (BUCHWALD und PIEPER 2001).

↓55

MÖRSTEDT (2002) wies in Thüringen im Zeitraum 1999-2001 einen Besamungsindex von 2,1 für die Milchkühe aus.

- Erstkalbealter

SCHLEITZER (1999) spricht sich für Jungkühe mit einem Erstkalbealter von 24 bis 26 Monaten zur Bestandsergänzung für 10.000-Liter-Milchkuhherden aus, welche in der 1. Laktation schon 90 % der durchschnittlichen Leistung der Herde erreichen.

↓56

Jungkühe sollten, so es die Herdengröße zulässt, in einer separaten Gruppe stehen, um nicht von Altkühen bedrängt zu werden (Rangordnung).

In Israel liegt das durchschnittliche Erstkalbealter bereits seit Jahrzehnten bei 24 bis 26 Monaten ( LEVI 1970, PLATEN und GROSS 1997).

PLATEN und KROCKER (1995) konnten keine Abhängigkeit der folgenden Fruchtbarkeit vom Erstkalbealter feststellen.

↓57

- Kalbeverlauf

Die Ursachen für Schwergeburten sind nach SCHWARK (1985) komplexer Natur und in der steigenden Geburtsmasse der Kälber, des zunehmenden Elastizitätsverlustes und der einsetzenden Verfettung des Geburtsweges und der Verknöcherung des Beckens bei den Muttertieren zu suchen.

Nach BUSCH (1989) kommt es bei 5 % aller Geburten zu Komplikationen, bei einem Drittel ist Zughilfe notwendig. Große geburtshilfliche Eingriffe führen in 20-50 % der Fälle zu Zuchtunfähigkeit. Etwa 3-5% der Kälberverluste treten perinatal oder bis zu 24 Stunden postnatal auf. Der Genotyp spielt allerdings beim Kalbeverlauf eine große Rolle.

↓58

Neben den Fleischrindrassen bringt auch bei Milchrind- und Zweinutzungsrassen die Zucht auf Großrahmigkeit in vielen Populationen einen hohen Anteil an Schwergeburten mit sich. Insbesondere ist diese Aussage auf die Rasse Holstein Friesian anzuwenden.

Ein deutlicher Antagonismus besteht zwischen Abkalbeeigenschaften und Bemuskelungs- bzw. Rahmenmerkmalen (PIRCHNER 1981, WEGNER 1986).

Eine hohe Milchleistung als Zuchtziel kann ebenfalls das Gebärvermögen indirekt kontraselektiv beeinflussen, da sie mit einer erhöhten Neigung zu peripartalen Stoff-wechselstörungen einhergehen und diese in Verbindung mit Umweltauslösern zur sekundären Wehenschwäche beitragen kann (PLATEN 1997).

↓59

Prädisponierende Umweltfaktoren können das Haltungssystem am Ort der Abkalbung oder die Art der Grundfuttervorlage vor der Abkalbung sein (STREIT und ERNST 1992).

Färsen:

Nach JAHNKE und WOLF (2001) ist die Entwicklung bei Färsenabkalbungen besonders kritisch, denn hier wird im Landesdurchschnitt bereits jedes fünfte Kalb tot geboren. Ein hoher Schwergeburtenanteil verursacht bei Färsen auch immer eine hohe Rate tot geborener Kälber, da Schwergeburten häufiger als normale Abkalbungen zu Totgeburten führen. Ergebnisse aus der Praxis zeigen, dass durch die Fütterung Einfluss auf die Kondition der Färsen und möglicherweise auf die Geburtsmasse der Kälber und damit auf die Schwer- und Totgeburtenrate genommen werden kann. Auch ist bei mangelnder Überwachung eine sofortige Versorgung der Kuh und des Kalbes nicht immer gesichert.

↓60

Ein weiterer Grund ist die Umzüchtung der ostdeutschen Kuhbestände vom SMR zu Deutschen Holsteins. Während sich durch die Verdrängungskreuzung vom SMR zum DH die Lebendmasse, die Brusttiefe und die Kreuzbeinhöhe der Jungkühe um 4 - 6 % erhöht haben, beträgt die Differenz in der Beckenbodenbreite nur 1 % bzw. 0,6 cm. Diese nur geringfügig veränderte Breite im Verhältnis zu den anderen Maßen und der Körpermasse kann möglicher-weise eine der Ursachen für den schlechten Kalbeverlauf bei Jungkühen mit hohem DH-Genanteil sein.

Untersuchungen von DREYER, zit. nach SCHWARK (1985), zeigen in nachfolgender Tabelle, dass mit steigendem Erstkalbealter die Schwergeburten in % bei Ostfriesischen Schwarzbunten Rindern ansteigen.

Tabelle 6: Schwergeburten in % bei Ostfriesischen Schwarzbunten Rindern in Abhängigkeit vom Erstkalbealter (DREYER, zit. nach SCHWARK 1985)

Erstkalbealter in Monaten

Schwergeburten in %

bis 24

12,90

25 bis 30

15,60

31 bis 34

18,80

über 34

21,90

↓61

Mit zum Teil deutlich unter 25 Monate sinkendem Erstkalbealter ist keine Häufung der Schwergeburtenfrequenz festzustellen (BARZ 1982).

Das vermehrte Auftreten von Schwergeburten bei Erstkalbinnen ist demnach nicht zwingend an das Erstkalbealter gebunden, sondern beruht auch auf einer Einengung des genetischen Spektrums, einer Vorselektion bei statistischen Erhebungen in Kuhpopulationen, denn für disponierte Färsen war die 1.Abkalbung nicht selten die Letzte (WEGNER 1993).

Die Kälber Erstgebärender sind laut BUSCH (1989) in großem Maße vor, während und nach der Geburt gefährdet. Als Gründe werden der erhöhte Schwergeburtenanteil und der niedrige Immunglobulingehalt des Kolostrums genannt.

↓62

Die Gefahr von Schwergeburten unabhängig davon, ob sie bei Erstkalbinnen oder anderen Kühen und bei Einlings- oder Mehrlingsgeburten auftreten, ist durch optimale Betreuung und Vorsorge reduzierbar (STOLZENBURG und SCHÖNMUTH 1979, STOLZENBURG 1980, MÜNNICH 1990, MÜNNICH und PLATEN 1997).

- Totgeburten

In vielen Milchproduktionsbetrieben Mecklenburg – Vorpommerns hat sich laut JAHNKE und WOLF (2001) der Anteil der Totgeburten in den letzten 10 Jahren ständig erhöht .

↓63

Während 1991 nur 5,2 % aller Kälber tot zur Welt kamen bzw. in den ersten 48 Stunden nach der Geburt verendeten, hat sich dieser Anteil im Jahr 2000 mit 11,7 % mehr als verdoppelt.

WARZECHA (2000) nennt in seinen Untersuchungsergebnissen aus Thüringer Betrieben ähnlich hohe Totgeburtenraten von 5,0 – 13,0 %.

Auch in Sachsen muss nach SACHER und DIENER (2002) von einem Anteil totgeborener Kälber zwischen 8 und 10 % ausgegangen werden.

↓64

- Rastzeit

Untersuchungsergebnisse von JAHNKE (2002) aus elf Landwirtschaftsbetrieben Mecklen-burg-Vorpommerns zeigten im Mittel eine Rastzeit von 80 Tagen.

BUCHWALD und PIEPER (2001) nannten aus zwei Unternehmen des Landes Brandenburg mit sehr hoher Milchleistung mittlere Rastzeiten von 75 bzw. 76 Tagen.

↓65

HEUWIESER (2002) empfiehlt für Hochleistungskühe eine Rastzeit von 60 bis 70 Tagen, da der Besamungserfolg bei längeren Rastzeiten nur noch unwesentlich ansteigt.

In den Jahren 2000 und 2001 erreichten die Milchkühe in Thüringen eine durchschnittliche Rastzeit von jeweils 86 Tagen (MÖRSTEDT 2002).

- Zwischentragezeit

↓66

Bei gutem Fruchtbarkeitsmanagement in Milchkuhbeständen mit einer Jahresleistung von 10.000-12.000 kg Milch errreichten BUCHWALD und PIEPER (2001) Zwischentragezeiten von 96 und 98 Tagen.

Thüringenweit stieg von 1999 bis 2001 nach MÖRSTEDT (2002) die Zwischentragezeit der Milchkühe von 125 auf 129 Tage an.

Nach ANACKER (2003) hat die Tiergesundheit einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Bei wegen Fruchtbarkeitsproblemen behandelten Tieren liegt die Zwischentragezeit im Vergleich zu unbehandelten Kühen bedeutend höher.

↓67

Als Zielgröße für Kühe mit einem jährlichen Leistungsniveau von etwa 7.700 kg sollte nach JAHNKE (2002) eine Zwischentragezeit von 105 bis 125 Tage realisiert werden.

- Zwischenkalbezeit

EVANS (2003) macht deutlich, dass wenn eine Zwischenkalbezeit von 12 bis 14 Monaten erreicht werden soll, beachtet werden muss, dass die Follikelentwicklung bereits im geburts-nahen Zeitraum, also auch schon vorgeburtlich, beginnt.

↓68

Die Follikelentwicklung unterliegt hinsichtlich Reifung und Größe einer ganz deutlichen Ernährungsbeeinflussung und dass auf der anderen Seite die Follikel in frühen Stadien empfindlich gegen Störungen sind. Zu diesen Störungen gehört eine stark ausgeprägte negative Energiebilanz, Hitzestress und dazu gehören jedwede Art von Krankheiten. Je länger die Tiere brauchen, um eine ausgeglichene Energiebilanz zu erreichen, desto länger benötigen sie bis zur 1.Ovulation.

In einem Vergleich zweier Zwillingsschwesterngruppen, von denen eine Gruppe vollwertig, die andere um 30% reduziert ernährt wurden, ermittelten KORIATH et al. (1970) über drei Laktationen eine Verlängerung der Zwischenkalbezeit um 16,5 Tage für die vollwertig ernährten Tiere.

Die Zwischenkalbezeit nach einem Erstkalbealter von über 30 Monaten ist länger als die nach einem Erstkalbealter von 25-30 Monaten (RIECK und ZEROBIN 1985).

↓69

- Management

Das Management ist ausschlaggebend für das Ergebnis der Fruchtbarkeitsleistungen in den Milchviehherden (BUCHWALD und PIEPER 2001, JAHNKE 2002).

Ein erster Schritt zur Verbesserung des Fruchtbarkeitsgeschehens sollte nach JAHNKE (2002) die stetige, aktuelle Analyse der Rastzeiten, der Erstbesamungserfolg und die Beurteilung der Wiederbesamungsintervalle sein.

↓70

Beachtet man die aktuellen Ergebnisse des Thüringer Verbandes für Leistungs- und Qualitätsprüfung in der Tierzucht e.V. (TVL), welche ein durchschnittliches Erstkalbealter für das Jahr 2003 von 27,9 Monaten ausweist, ist abzusehen, wie umfangreich die Aufgaben bei der Integration der Jungrinderaufzucht in das System einer effektiven intensiven Milch-produktion sind.

2.3. Gesundheit

- Ergebnisse zu Erkrankungshäufigkeiten

Laut ANACKER (2003) liegen umfangreiche statistische Erhebungen zum Erkrank-ungsgeschehen von Milchkühen ausschließlich in den skandinavischen Ländern vor. Als Beispiel soll die Entwicklung wichtiger Krankheiten in norwegischen Milchkuhherden in Tabelle 7 angegeben werden.

↓71

Tabelle 7: Wichtige Krankheiten in norwegischen Milchkuhherden (Krankheitsanteil in %) nach OSTERAS (2001)

Jahr

Frucht-barkeit

Nachgeburts-verhaltung

Milchfieber

Ketose

Mastitis

Andere Erkrankungen

1995

7,9

3,7

7,2

12,1

46,7

22,5

1996

8,0

3,8

7,3

13,0

44,9

23,0

1997

8,4

3,9

7,1

12,1

44,6

23,9

1998

9,2

4,4

7,4

10,5

44,0

24,5

1999

9,3

4,6

7,3

9,7

44,7

24,4

2000

9,1

4,1

7,6

10,2

45,0

23,9

Eutererkrankungen nehmen fast die Hälfte der Erkrankungen in der Milchviehhaltung Norwegens ein. Bedeutungsvoll ist der relativ hohe Anteil an Erkrankungen im Stoff-wechselbereich.

ANACKER (2003) gibt folgende Behandlungsschwerpunkte in der 1.Laktation und ab der 2.Laktation der Jahre 2001 und 2002 aus einem Landwirtschaftsbetrieb in Thüringen an (Tabelle 8).

↓72

Tabelle 8: Behandlungsschwerpunkte in der 1.Laktation und ab der 2.Laktation in den Kalbejahrgängen 2001 und 2002 (ANACKER 2003)

Behandlungsart

2001

2002

1.Lakt.

ab 2.Lakt.

1.Lakt.

ab 2.Lakt

Abkalbungen in Stück

135

216

120

184

Nachgeburtsverhaltungen in %

15,5

16,3

1,7

11,4

Fruchtbarkeitsstörungen in %

45,9

46,8

40,9

50,5

Festlieger in %

0,7

9,3

4,9

6,5

Stoffwechselerkrankungen in %

2,2

3,3

0,0

2,7

Mastitis in %

20,7

30,9

17,6

25,0

Klauen-/Gliedmaßenerkrankungen in %

13,3

18,1

2,4

3,6

Sonstige Erkrankungen in %

17,6

22,3

10,0

10,2

- Stoffwechselerkrankungen

↓73

Die kritischste Phase für die Milchkuh ist nach STAUFENBIEL und GELFERT (2001) der Übergang von der Trockenstehperiode in die Laktation. Eine hohe Futteraufnahme nach dem Abkalben ist für die Hochleistungskuh von zentraler Bedeutung. In der Frühlaktation können eine Vielzahl verschiedenartiger Fruchtbarkeits- und Gesundheitsstörungen auftreten.

Das Herdenmanagement sollte sich auf die Prophylaxe von drei Erkrankungen konzentrieren: die Ketose, die Gebärparese und die Pansenazidose.

Können über systematisch eingesetzte Prophylaxemaßnahmen diese Erkrankungen erfolg-reich vermieden werden, können damit indirekt andere Erkrankungen der Milchkuh wie die Labmagenverlagerung, Klauenerkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen vermindert und eine hohe Futteraufnahme der Kühe erreicht werden.

↓74

Subakute Pansenazidose:

STAUFENBIEL und GELFERT (2002) zählen die subakute Pansenazidosezu den derzeitig häufigsten gesundheitlichen Störungen bei Milchkühen. Als auslösender Faktor von Frucht-barkeitsstörungen und diversen Erkrankungen (Mastitis, Labmagenverlagerungen, Klauen-sohlengeschwüre) besitzt die subakute Pansenazidosegroße ökonomische Bedeutung und trägt stark zum Rückgang der Nutzungsdauer der Milchkühe bei. Leider ist das Problem einer Vorbeugung gegen die subklinische Pansenazidose bisher nur unbefriedigend gelöst.

Pansenazidosen werden immer durch Fütterungsfehler verursacht und sind den sogenannten Produktionskrankheiten zugeordnet. Am häufigsten treten sie in den 1.Laktationswochen im Zusammenhang mit dem Rationswechsel von der Trockensteh- zur Laktationsperiode auf.

↓75

Deshalb stellt die Optimierung der Futteraufnahme der Tiere in der Transitperiode nach STAUFENBIEL (1999) die zentrale Maßnahme zur Prophylaxe von Leistungsdepressionen, Fruchtbarkeits- und Gesundheitsstörungen dar. Aber auch jede andere Futterumstellung mit einer Erhöhung der Energiekonzentration, Anhebung des Zucker- und Stärkeanteils und der Abnahme des Verzehrs an strukturierter Rohfaser sind potenzielle Risiken. Erstkalbinnen sind nach dem Abkalben besonders gefährdet, da das Futteraufnahmevermögen um 20-25 % niedriger gegenüber den Altkühen liegt.

Die große ökonomische Bedeutung der subklinische Pansenazidose resultiert daraus, dass Fruchtbarkeitsstörungen und andere wirtschaftlich relevante Probleme gefördert werden können. Dazu gehören: Verzehrsdepressionen, Milchleistungs- und -fettabfall, Verfettung, Ovarialzysten, verlängerte Zwischentragezeit, erhöhter Besamungsaufwand, Pansenschleim-hautveränderungen, Leberabzesse, erhöhte Infektanfälligkeit und hohe Abgangsraten.

Ketose:

↓76

Eine weitere Stoffwechselerkrankung für Milchkühe in der Frühlaktation stellt die Ketose dar.

In diesem Zeitraum können die Tiere gar nicht genügend fressen, um ihren Energiebedarf voll zu decken. Bei negativer Energiebilanz müssen im tierischen Körper gespeicherte Fett-reserven abgebaut werden. Dabei steigt das Ketoserisiko. Zur Prophylaxe ist ein optimales Fütterungsmanagement, sowie eine regelmäßige Überwachung des Energiestatus der Tiere durch Konditionsbeurteilung erforderlich. Die Konditionsbeurteilung ermöglicht es auch, die Tiere entsprechend ihrer Kondition und ihrer Leistung den einzelnen Futtergruppen zuzuordnen. Damit ist eine zur Kalbung optimale Konditionsentwicklung möglich. Die Kuh kann dann ihr physiologisches Energiedefizit mit ihren Reserven decken, ohne den Stoff-wechsel, inbesondere die Leber, zu überlasten. Mit der Milchazetonbestimmung kann die Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen überprüft werden (STAUFENBIEL und GELFERT 2001).

Gebärparese:

↓77

Die Gebärpareseberuht auf einer Störung im Kalziumstoffwechsel. Gefördert wird die Erkrankung durch eine stark alkalische Ration und einen hohen Kalziumgehalt im Futter.

Zur Vorbeugung gegen Gebärparese ist die Verfütterung saurer Salze am besten geeignet, da diese bei einer sorgfältigen Einarbeitung in die Ration nicht zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Futteraufnahme führen und aus Sicht des Management am einfachsten einzusetzen sind (STAUFENBIEL und GELFERT 2002).

- Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen

↓78

FIEDLER (2002) nennt als Hauptursachen für gehäuftes Auftreten von Klauen- und Glied-maßenerkrankungen bei Hochleistungskühen mangelhafte Haltungsbedingungen, wie geringe Aktionsflächen je Tier, harte Stallböden, unbequeme Liegebereiche, Fütterung bis an die Grenzen der metabolischen Kapazität der Tiere und mangelhafte Stallhygiene.

Auch wenn Klauenerkrankungennach BENZ (2003) multifaktoriell bedingt sind, darf die Haltung keineswegs eine zusätzliche Belastung darstellen. Wenn sich die Kühe im Stall wie auf der Weide bedarfsdeckend und physiologisch korrekt fortbewegen können, ist die Gefahr für Klauenschäden als gering einzustufen. Weiche Beläge vermögen die positiven Eigen-schaften des Naturbodens zu imitieren. Das uneingeschränkte Laufen begünstigt eine aus-reichende Blut- und Nährstoffversorgung der lebenden Epidermis und schafft damit gute Voraussetzungen für die Bildung gesunden Horns als Basis für gesunde Klauen.

Mit der Auflage weicher Gummibeläge ist die notwendige und sinnvolle Anpassung des Haltungssystems an die Bedürfnisse der Kuh hinsichtlich Verhalten und Klauenfunktion möglich.

↓79

Weiche Böden sind klauenfreundlich und rutschsicher, sie vermögen den Teufelskreis schädlicher Wechselwirkungen zwischen Tiergesundheit und Tierverhalten zu durchbrechen und fördern Gesundheit, Langlebigkeit und Wohlbefinden der Milchkuh.

Aufgrund ihrer Konstruktion und Funktionsweise ist die Klaue der Milchkühe nach MÜLLING (2003) nicht für dauerhaften Aufenthalt auf harten Böden konstruiert. Erkenntnisse aus der Forschung zeigen, dass biomechanischen Faktoren in der Entstehung der wichtigsten Klauenerkrankungen eine große Rolle zukommt. Die Bodenbeschaffenheit hat Auswirkungen auf die Klauenform, die Hornproduktion und die Hornarchitektur sowie die Biomechanik. Dies erklärt die Bedeutung des Bodens bei der Entstehung von Klauener-krankungen. Mit Blick auf die positiven Auswirkungen weicher Böden auf die Klaue wird das enorme Potential für die Verbesserung der Klauengesundheit deutlich. Haltungssysteme mit weichen Lauf- und Liegeflächen reduzieren Klauenerkrankungen und damit Schmerzen und Stress für den Organismus. Das Leistungspotential der Milchkühe wird besser genutzt. Insgesamt führt dies zu einer wirtschaftlich erfolgreicheren und tierschutzgerechteren Milch-viehhaltung.

Dermatitis digitalis:

↓80

Bei der Dermatitis digitalishandelt es sich nach FIEDLER (2002) um eine Faktorenkrankheit mit infektiöser Komponente. Erst durch Stress des Tieres im weitesten Sinne kommt diese Klauenerkrankung zum Ausbruch. Zu diesen Stressfaktoren zählen andere Infektions-krankheiten, nicht bedarfsgerechte Futterzuteilung in Qualität und Quantität, schlechte Haltungsbedingungen, feuchtwarmes Stallklima, Unruhe im Stall, schlechte Stallhygiene und mangelhafte Klauenpflege. Die Befallshäufigkeit auf der Weide ist bedingt durch die günstigeren Umweltbedingungen meist niedriger als im Stall.

In der Folge kommt es dann neben aufwendigen, teils kostenintensiven Behandlungen zu Milchrückgang, Fruchtbarkeitsproblemen und Gewichtsverlust.

Klauenrehe:

↓81

Die Klauenrehe ist keine ansteckende Entzündung der hornbildenden Lederhaut an der Klaue.

Die Veränderungen spielen sich somit innerhalb der Hornkapsel ab und sind zunächst nicht von außen sichtbar. Klauenrehe bei Einzeltieren hat ihre Ursachen meist eher in chronischen Erkrankungen (Mastitis, Metritis usw.). Bei einem Herdenproblem (mehr als 5 % der Tiere betroffen) ist das Hauptaugenmerk zunächst auf die Fütterung und die Haltungsbedingungen zu legen (FIEDLER 2002).

- Mastitis

↓82

Untersuchungen von Anacker (2000) zeigten einen hohen Infektionsgrad von Mastitiserregern bereits in Färsen- und Jungkuhbeständen Thüringens.

Als Kernpunkte zur Vorbeugung von Euterentzündungen sind nach TENHAGEN (2002) eine optimale Haltungshygiene, guter Kuhkomfort, eine leistungs- und wiederkäuergerechte Fütterung sowie eine hervorragende Melktechnik und Melkarbeit zu nennen. Chronisch kranke Kühe gehören nicht in die Herde, sondern sollten alsbald zur Schlachtung gegeben werden, auch dann, wenn sie durch hohe Leistung vermeintlich wertvoll sind. Eine Überwachung des Milchviehbestandes ist anhand der Zellzahlen aus der Milchkontrolle und durch bakteriologische Untersuchungen möglich.

Zur Einschätzung der Eutergesundheit sowohl der Einzelkuh, als auch der Herde sind laut WENDT und SPOHR (2003) folgende Kenngrößen verwendbar:

↓83

  1. Zellzahl von Sammelmilch
  2. Anteil euterkranker Tiere in der Herde
  3. Klinische Mastitisrate

Als Ziel ist eine Zellzahl von Sammelmilch im 6-monatigen geometrischen Mittel von weniger als 250.000 Zellen / ml anzustreben. Die im Rahmen der Milchleistungsprüfung bestimmten Gemelkszellzahlen ermöglichen eine sichere und einfache Erkennung chronisch euterkranker Kühe. Die Gemelkszellzahl einer gesunden Kuh liegt unter 150.000 Zellen / ml und sollte bei altmelkenden Kühen den Wert von 250.000 Zellen / ml nicht übersteigen.

Der Eutergesundheitstatus einer Milchkuhherde kann nach folgendem Schema bewertet werden (Tabelle 9).

↓84

Tabelle 9: Schema zum Eutergesundheitsstatus nach WENDT und SPOHR (2003)

Eutergesundheitsstatus

Verteilung der Gemelkszellzahlen

< 100 000

100 000 - 300 000

> 500 000

Gut

> 75%

10 - 15 %

< 5%

Problematisch

< 70%

> 20%

< 10%

Neben der Auswertung der MLP-Zellzahlen ist die Erfassung der klinischen Mastitisrate notwendig. Sie sollte kleiner als 0,2 klinische Mastitiden/ Kuh und Jahr sein und umfasst sowohl Neuinfektionen als auch Rezidive.

Als hilfreiche und aussagekräftige Maßzahlen zur Bewertung der Eutergesundheit sind folgende Indikatoren verwendbar:

↓85

Indikator

Ziel

 

Zellzahl Sammelmilch

<250.000 Zellen / ml

Anteil euterkranker Kühe (MLP)

<20 %

Klinische Mastitisrate

<0,2 klinische Mastitiden/ Kuh und Jahr

2.4. Milchleistung

Die Laktation der Hochleistungskuh wird als komplexer Prozess, welcher eine sehr hohe Stoffwechselleistung repräsentiert und durch endogene wie exogene Faktoren gesteuert wird, angesehen (SCHWARK 1985).

RADKE und SCHULZ (2001) nennen drei für die Leistung der Milchkuh verantwortlichen Hauptfaktoren. Diese sind mit 60 % das Futter (Futterqualität, Fütterungsmanagement), mit 20 % die Haltung und Umwelt (Haltungs-, Melkverfahren, Kuhkomfort) und abschließend mit weiteren 20 % die Zucht und Besamung (Fruchtbarkeit, Tierbeobachtung).

↓86

- Einfluss der Aufzuchtintensität auf die Milchleistung

Die wesentlichsten Beziehungen, die für die Gestaltung der Aufzucht und ihre Gewährleistung mit Hilfe eines betrieblichen Systems der zootechnischen Produktions-überwachung Bedeutung haben, sind in der Abbildung 4 dargestellt.

Abbildung 4: Biologische Basisbeziehungen zum Einfluss der Jungrinderaufzucht auf die Milchproduktion (FRIEDEL et al. 1986)

↓87

Nach FRIEDEL et al. (1986) ist die Variation von Aufzuchtfaktoren sehr hoch und erst bei bedeutenden Abweichungen vom Optimum treten ungünstige Einflüsse auf die Milch-produktion auf. Das Puffervermögen des Rindes gegenüber verschiedenen Einflüssen spielt dabei die entscheidende Rolle.

Die Tiere wurden nach der Milchleistung der 1.Laktation durch FRIEDEL (1984) gruppiert und danach die Lebendmassen der zurückliegenden Jugendentwicklung bestimmt. Obwohl sich die Milchleistung in den Gruppen sehr deutlich unterscheidet, sind die Differenzen in den Körpermassen nur gering. Die durchschnittliche Tendenz, dass höhere Körpermassen auch eine größere Milchleistung mit sich bringen, ist entsprechend der losen Korrelation und niedrigen Regressionen schwach zu erkennen.

Außerdem werden die Prozesse „Wachstum“ und „Milchproduktion“ trotz bestimmter Beziehungen weitgehend durch andere physiologische Regelmechanismen, die genetisch nur wenig gekoppelt sind, gesteuert (FRIEDEL et al. 1986).

↓88

MISSELVITZ (1979) ließ die Tiere in zwei Aufzuchtbetrieben mit unterschiedlicher Intensität aufziehen. Anschließend wurden die Tiere beider Aufzuchtbetriebe auf 20 Milchviehbetriebe mit stark unterschiedlichen Milchleistungsniveau verteilt.

Die Auswertungen zeigen, dass es durchaus Einflüsse der Aufzucht auf die spätere Milchleistung gibt. Jedoch spielen die Haltungs- und Fütterungsbedingungen während der Laktation die Hauptrolle für die Milchleistung.

Eine gleiche Tendenz lässt sich aus Untersuchungen mit umfangreichem Datenmaterial von WARZECHA (2003) bei Jungkühen zur 1.Laktation erkennen, welche unter gleichen Aufzuchtbedingungen mit Weide auf extensivem Grünland in einem Aufzuchtbetrieb gehalten wurden und danach in 5 verschiedenen milchproduzierenden Betrieben die 1.Laktation absolvierten. Die ermittelten Laktationsleistungen differierten zwischen 8.449 und 6.516 kg Milch je Kuh und Jahr.

↓89

HOFFMANN (2001) stellte in nachfolgender Tabelle fest, dass die Wachstumsrate der Tiere im 1.Lebensjahr einen großen Einfluß auf die Milcheinsatzleistung und auf die Persistenz in der 1.Laktation hat.

Tabelle 10: Einfluss der Lebendmasse der Färsen auf die 1.Laktationsleistung (MLP) (HOFFMANN 2001)

Lebendmasse in kg

Milchmenge in kg

12. Monat

14 Tage p. p.

1.Laktation

255

552

5.822

289

568

6.214

348

681

6.989

381

687

6.898

n= 686 (3 Betriebe)

Eine zielorientierte Jungrinderaufzucht wirkt sich laut Untersuchungsergebnissen aus Tabelle 10 von HOFFMANN ( 2001 ) positiv auf das Leistungsvermögen der Jungkühe aus

↓90

In dem Vergleich zweier Zwillingsschwesterngruppen, von denen eine Gruppe vollwertig, die andere um 30% reduziert ernährt wurden, ermittelten KORIATH et al. (1970) für die restriktiv Ernährten eine reduzierte Erstlaktationsleistung gegenüber der vollwertig ernährten Gruppe.

WOLLENWEBER et al. (1993) fanden keine Einflüsse der Aufzuchtintensität auf die 1.Laktationsleistung.

JÄHNE et al. (1976) haben bewiesen, dass die bis zum 18.Lebensmonat erreichte Lebend-masse bei Färsen keinen Einfluss auf die Milchleistung hatten, jedoch Färsen, die am Tage der erfolgreichen Besamung 320 kg wogen, in der 1.Laktation 250 kg Milch und 11 kg Fett weniger erreichten als Tiere, die zum gleichen Zeitpunkt über 320 kg wogen.

↓91

Die Tabelle 11 zeigt Untersuchungsergebnisse von WEIHER et al. (1997) über den Einfluss der Lebendmasse mit 18 Monaten auf die Milchleistung der 1.Laktation und das Erstkalbealter.

Tabelle 11: Einfluss der Lebendmasse mit 18 Monaten auf die Milchleistung der 1. Laktation und das Erstkalbealter (WEIHER et al. 1997)

Lebendmasse (kg)

n

Milch (kg)

EKA (Monate)

bis 380

27

5208

28,5

381 – 400

41

5334

29,1

401 – 420

30

5703

27,2

Über 420

30

5519

26,9

Die Ergebnisse zeigen Differenzen zwischen den Milchleistungen in der 1.Laktation der Färsen bis zu einer Lebendmasse mit 18 Lebensmonaten von 380 kg und denen zwischen 401 – 420 kg von 495 kg Milch je Kuh und Jahr.

↓92

PAWLINA und NOWICKI (1990) fanden heraus, dass das Wachstumstempo und die Lebendmasse der Färsen der polnischen, rotbunten Niederungsrasse bis zum 18. Lebensmonat keinen negativen Einfluss auf die Milchleistung und auf die Fettleistung der Milch in der 1. Laktation ausübten. Die Färsen verloren nach der Kalbung an Lebendmasse durchschnittlich 67,8 kg, d.h. 11,5 % und während der Laktation nahmen sie im Durchschnitt 69,3 kg, d.h. 13,3 % zu. Eine hohe Milchleistung war tendenziell mit einem größeren Verlust an Lebend-masse nach der Kalbung, einer geringeren Zunahme während der Laktation, einer Verlänger-ung der Zwischentragezeit und einer Verschlechterung der Fruchtbarkeit verbunden.

- Lebendmasse p.p. auf die Milchleistung

WOLF et al. (2000) zeigt Ergebnisse zum Einfluss der Lebendmasse nach der Abkalbung auf die Milchleistung in der nachfolgenden Tabelle.

↓93

Tabelle 12: Einfluss der Lebendmasse p.p. auf die Milchleistung (WOLF et al. 2000)

Lebendmasse

für Klassen

(p. p.)

Merkmal

Relative LM (% zum Normwert)

Milch-kg

(305-TL)

LM p. p.

in kg

EKA in Monaten

Alter in Monaten

6

12

18

p. p.

bis 550 kg

6267

522

26,7

94

94

93

95

551 – 580 kg

6683

564

26,6

99

101

99

103

über 580 kg

6939

617

26,6

100

108

113

112

Diese strenge Abhängigkeit der Milchleistung von der Abkalbemasse bei insgesamt sehr schwach aufgezogenen Färsen bestätigen auch umfangreiche Praxiserfahrungen, sowie wissenschaftliche Untersuchungen, u.a. von PANICKE et al. (1984), RYBKA und WOLF (1983) und SCHÖNMUTH (1984).

- Einfluss des Erstkalbealters auf die Milchleistung

↓94

Der Einfluss des Erstkalbealters bzw. des 1.Konzeptionstermines (Färsenkonzeptionsalter) auf die Milchleistung ist laut SCHWARK (1985) im direkten Zusammenhang mit der Aufzucht-intensität der weiblichen Jungrinder und Färsen zu sehen.

SCHWARK (1985) untersuchte die Beziehung Erstkalbealter und 1.Laktationsleistung an SMR-Jungkühen. Die Ergebnisse werden in der Tabelle 13 dargestellt.

Tabelle 13: Milchleistung in der 1. Laktation bei variierendem Erstkalbealter (SMR) (SCHWARK 1985)

EKA

Monat

FCM

kg

Fett

%

Eiweiß

%

Fett

kg

Eiweiß

kg

FCM / 100 kg LM

18.

3711

4,19

3,60

151

130

976

21.

3796

4,05

3,51

152

153

942

24.

4258

4,00

3,36

170

143

951

↓95

Eine dominierende Rolle für die Wahl des Erstkalbealters spielt in jedem Falle das altersab-hängige Erreichen der milchrindnormgerechten Körperentwicklung der zuchttauglichen Färse, womit der Rinderzüchter letztlich auch den Zeitpunkt der Zuchtreife der Jungrinder bestimmt.

Am Beispiel eines amerikanischen Praxisbetriebes mit 500 Kühen wurden durch VAN AMBURGH, M.E,. zit. nach VEAUTHIER, G. (2000), folgender Einfluss des Erstkalbealters auf die Milchleistung nachgewiesen (Tabelle 14).

Tabelle 14: Einfluss des Erstkalbealters auf die Milchleistung (VAN AMBURGH, M.E. zit. nach VEAUTHIER, G. 2000)

Erstkalbealter

in Monaten

Milchleistung je Kuh und Jahr in kg

Anzahl

Laktationen

1. Laktation

Lebensleistung

 

21

8888

21330

2,4

22

10075

31230

3,1

23

10363

38345

3,7

24

11298

36154

3,2

25

10026

32085

3,2

26

9332

21465

2,3

27

9504

19960

2,1

↓96

In einem innerbetrieblichen Vergleich von Färsen mit einem über 26 Monate liegendem Erst-kalbealter wurden deutliche Leistungsvorteile bezüglich Milch- und Inhaltsstoffleistung für die jünger kalbenden Tiere ermittelt (PLATEN und KROCKER 1995).

Nach RIECK und ZEROBIN (1985) ist die Persistenz während der 1.Laktation unabhängig vom Erstkalbealter.

- Hauptinhaltsstoffe der Milch

↓97

Der prozentuale Gehalt an den Hauptinhaltsstoffen der Milch durchläuft nach SCHIEMANN (1981) im 2. bis 4.Laktationsmonat ein Minimum, um gegen Ende der Laktation wieder stärker anzusteigen.

Milcheiweißgehalt

Wenn keine Konditionsbewertungen (Messung der Rückenfettdicke) gerade im 1.Laktations-drittel vorgenommen werden können, dann ist laut STAUFENBIEL (2001) der Milchprotein-gehalt der beste Parameter, der die Probleme des Energiestoffwechsels bei der Milchkuh aufzeigt. Je mehr die Tiere Energie abbauen, desto niedriger wird der Milchproteingehalt in der Milch zwischen dem 50. und 100. Laktationstag. Bei Milchproteinwerten unter 3,2 % und Laktationkurven mit gutem Einstieg und Abfall ab 100. Laktationstag sind Fruchtbarkeits-probleme zu erwarten.

↓98

Milchfettgehalt

Liegt der Milchfettgehalt in der Frühlaktation um 5,0 %, treten Ketoseprobleme auf. Nach PIEPER (2000) liegen bei Milchfettgehalten in der Frühlaktation um 5,5 % erhebliche Defizite in der verfütterten Ration vor. STAUFENBIEL (2001) nennt als Hauptursache mangelhafte Silagequalitäten.

- Einflüsse verschiedener Krankheiten auf die Milchleistung

↓99

Die Einflüsse verschiedener Krankheiten auf die Milchleistung zeigen Untersuch-ungsergebnisse aus den USA von FOURCHION et al. (1999), zit. nach EVANS (2003). Die Ergebnisse zeigt folgende Tabelle.

Tabelle 15: Einflüsse von Krankheiten auf die Milchleistung von FOURCHION et al. (1999), zit. nach EVANS (2003)

Krankheit

Verlust an täglicher Milchmenge je Kuh in Liter

Geburtsstörungen

0,5 - 2,3

Totgeburt

0,7 - 1,3

Milchfieber

Nicht nachweisbar

Nachgeburtsverhaltung

0,5 – 2,3

Gebärmutterentzündung

0,5 – 2,3

Eierstockzysten

Nicht nachweisbar

Ketose

0,7 – 1,3

Labmagenverlagerung

0,8 – 2,5

Lahmheit

0,7 – 1,3

Werden die zum Teil erheblichen Verminderungen der Milchleistungen über die gesamte Laktation aufsummiert, kann leicht die Bedeutung dieser Leistungsverluste eingeschätzt werden.

↓100

- Milchleistungsniveau in Thüringen

WARZECHA (2000) nannte bei Milchkühen im Zeitraum 1996-2000 schwankende 100-Tageleistungen innerhalb der 1.Laktation von 1.886 bis 2.416 kg und 305-Tageleistungen in der 1.Laktation von 5.697 bis 6.867 kg. Untersuchungsergebnisse von WARZECHA (2000) zeigen tägliche Einsatzleistungen von Jungkühen von 26,7 bis 30,7 kg Milch je Tier.

WARZECHA (2003) ermittelte in den Jahren 1994 bis 1998 eine mittlere 305-Tageleistung in der 2.Laktation je Tier von 7.267 bis 8.551 kg Milch. Die Milchkühe erreichten in der 1. Laktation 75,6 bis 81,1 % des Leistungsniveaus der 2.Laktation.

2.5. Nutzungsdauer

↓101

- Abgänge in Aufzuchtphase

SACHER und DIENER (2002) nennen in einzelnen Betrieben Sachsens das Verlustgeschehen kritisch. In zahlreichen Beständen stehen mehr als 15 % aller geborenen weiblichen Kälber gar nicht zur Bestandsreproduktion zur Verfügung.

WARZECHA (2003) stellte in einem Jungrinderaufzuchtbetrieb Thüringens im Jahr 2002 höhere Abgänge bei den Jungrindernab 18 Monaten durch Fruchtbarkeitsstörungen, Euter, Klauen und Gliedmaßen fest.

↓102

Im Zeitraum von der Besamung bis hin zur Abkalbung wurden Abgänge um 7,0 % festge-stellt. Hauptabgangsgründe in diesem Zeitraum waren Zuchtuntauglichkeit, Eutererkrank-ungen sowie Gliedmaßen- und Klauenschäden (JAHNKE und WOLF 2001).

- Aktuelle Situation des Abgangsgeschehens in der Milchviehhaltung

Die Anzahl Abgänge in vielen Milchviehherden Thüringens ist so hoch und meist gekoppelt mit schlechten Aufzuchtergebnissen, dass die eigene Reproduktion des Milchviehbestandes nicht mehr ausreicht, dieses zu kompensieren. Eine notwendige Leistungsselektion innerhalb der Kuhbestände kann so nicht mehr ermöglicht werden.

↓103

Die nachfolgende Tabelle 16 soll diese kritische Situation im Abgangsgeschehen von MLP-Kühen im Jahr 2002 in der Bundesrepublik Deutschland und Thüringen aus dem aktuellsten Bericht „Rinderproduktion in der Bundesrepublik Deutschland“ der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter e.V. (ADR) aufzeigen.

Tabelle 16: Abgangsursachen in % bei Milchkühen in Deutschland und Thüringen 2002 (ADR Bericht „Rinderproduktion in der BRD“ 2003)

Abgangsursachen

Deutschland

Thüringen

Verkauf Zuchtvieh

9,0

5,1

Alter

4,0

0,7

Leistungsselektion

8,2

8,3

Fruchtbarkeitsstörungen

20,6

11,7

Sonstige Krankheiten

6,3

12,1

Euterkrankheiten

15,2

16,8

Melkbarkeitsprobleme

1,9

2,4

Klauen/Gliedmaßenerkrankungen

9,1

14,3

Stoffwechselstörungen

2,9

6,8

Sonstiges

22,8

21,7

Abgangsrate insgesamt

37,6

41,9

Die Abgangsrate insgesamt 2002 der MLP-Kühe lag bundesweit im Vergleich zu Thüringen um 4,3 % niedriger. Über ein Fünftel aller Abgänge kann nicht eindeutig einer Abgangsursache zugeordnet werden, dieser Sachverhalt verschlechtert die Aussagefähigkeit der Daten. Schwerpunktmäßig sind als Abgangsursachen für Thüringer Kühe die Euter-, Gliedmaßen- und Klauen- und sonstige Erkrankungen sowie Fruchtbarkeitsstörungen zu nennen.

↓104

In der Tabelle 17 werden nachfolgend die prozentuale Aufteilung der Abgänge an Milchkühen (MLP) nach Abgangsursachen der Kontrolljahre 2001 und 2002 aus Thüringen mit einem Vergleich der sächsischen Zahlen aus dem Jahr 2001 gezeigt. Die Quellen sind der Thüringer Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen in der Tierzucht e.V. (TVL) und der Sächsischer Landeskontrollverband e.V..

Tabelle 17: Prozentuale Abgangsrate nach Abgangsursachen in Milchviehbeständen Thüringens in den Jahren 2001 und 2002 mit Vergleichszahlen aus Sachsen 2001 (Thüringer Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen in der Tierzucht e.V./Sächsischer Landeskontrollverband e.V.)

Abgangsursache

Einheit

Thüringen 2001

Sachsen 2001

Thüringen 2002

Durchschnittsbestand Milchkühe

Stück

127.617

123.268

Verkauf zur Zucht

%

5,8

3,9

5,2

Merzungen:

Sonstige Gründe

%

25,4

17,4

21,7

Eutererkrankungen

%

16,4

21,3

16,8

Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen

%

14,0

13,8

14,3

Fruchtbarkeitsstörungen

%

10,6

12,8

11,7

Sonstige Krankheiten

%

9,9

13,1

12,1

geringe Leistung

%

8,7

8,8

8,3

Stoffwechselerkrankungen

%

5,9

5,0

6,8

Melkbarkeitsprobleme

%

2,6

2,8

2,4

Alter

%

0,7

1,1

0,7

Die Abgangsschwerpunkte liegen mit einigen geringen Verschiebungen in beiden Bundes-ländern in den nicht näher definierbaren sonstigen Gründen, den Euter-, Klauen-, Glied-maßenerkrankungen und den Fruchtbarkeitsstörungen.

↓105

BENZ (2003) nennt durchschnittlich 10% Abgänge aufgrund von gravierenden Klauen-schäden aus betriebswirtschaftlicher Sicht alarmierend. In den letzten Jahren haben die Lahmheiten und daraus resultierende Tierabgänge auch in Thüringen (Tabelle 17) zugenom-men.

- Abgänge innerhalb der 1.Laktation in Thüringen

ANACKER (2003) und WARZECHA (2003) nannten mittlere Abgangsraten in der 1. Laktat-ion von 17,8 % bis 25,7 %. Diese hohen Schwankungen begründen sich in unterschiedlichen betrieblichen Bedingungen, aber auch zwischen den einzelnen Jahren herrschen Unterschiede.

↓106

Als Hauptabgangsursache in der 1.Laktation sind die Fruchtbarkeitsstörungen zu nennen.

- Abgänge ab der 2.Laktation in Thüringen

ANACKER (2003) nannte mittlere Abgangsraten von 21,8 % der Kühe zur 2. Laktation.

↓107

Untersuchungen von WARZECHA (2003) weisen Merzungsraten in der 2.Laktation von 36,0 % aus. Die Hauptabgangsursache in höheren Laktationen sind ebenfalls Fruchtbarkeitsstör-ungen. Eine wesentliche Ursache für Abgänge in der 2.Laktation stellen Stoffwechsel-störungen dar. Der Anteil dürfte aber noch höher sein, denn sicher ist ein Teil der Abgänge wegen Allgemeinerkrankungen auf Stoffwechselprobleme zurückzuführen. Die Abgänge wegen Stoffwechselstörungen und Klauenerkrankungen haben sich erhöht. Zwischen beiden Erkrankungskomplexen besteht ein enger Zusammenhang. Es ist anzunehmen, dass Kühe mit Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen sich aufgrund der Schmerzen weniger bewegen, wodurch die Futteraufnahme eingeschränkt ist und damit Stoffwechsenprobleme vor-programmiert sind.

Der Anteil der Abgänge wegen Fruchtbarkeitsstörungen in der 1.Laktation lag mit 30,7 % deutlich höher als in der 2. und weiteren Laktationen mit 23,9 bzw. 20,6 %.

- Effekt von Krankheiten auf Abgangshäufigkeiten

↓108

Der Effekt von Krankheiten auf Abgangshäufigkeiten wird durch GROHN und EICKER (1998), zit. nach EVANS (2003), an 7.532 Kühen aus 10 amerikanischen Herden über 10 Monate in nachfolgender Tabelle 18 vorgestellt.

Tabelle 18: Effekt von Krankheiten auf Abgangshäufigkeiten von GROHN und EICKER (1998), zit. nach EVANS (2003)

Krankheit

Vorkommen in %

Merzung in %

Milchfieber

6,0

47,1

Nachgeburtsverhaltung

9,5

31,7

Labmagenverlagerung

5,3

26,9

Ketose

5,0

32,5

Gebärmutterentzündung

14,5

32,7

Lahmheit

20,4

20,9

Mastitis

14,5

32,7

Ohne Befund

61,7

21,5

Von erkrankten Milchkühen, unabhängig von der Erkrankung, müssen mindestens ein Fünftel gemerzt werden, d.h. eine gute Prophylaxe ist immer ökonomisch günstiger als eine Behandl-ung einer Krankheit.


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17.11.2006