5. Diskussion

↓262

Die Zielstellung der Arbeit war, zu untersuchen inwieweit sich die Stall- bzw. Weidehaltung vom 15. bis zum 21.Lebensmonat (450. bis 630.Lebenstag) von weiblichen Jungrindern auf das spätere Wachstum, die Fruchtbarkeit, die Gesundheit, die Milchleistung und die Nutzungsdauer auswirkt. Bis zum 15. und ab dem 21.Lebensmonat wurden beide Versuchs-gruppen unter einheitlichen Stallbedingungen gehalten.

5.1.  Wachstum

Die Tabelle 58 zeigt zusammenfassend Ergebnisse der Lebendmasseentwicklung im Zeitraum verschiedener Haltungseinflüsse.

Tabelle 58: Lebendmasseentwicklung (kg) im Zeitraum verschiedener Haltungseinflüsse der Stall- und Weidegruppe

Zeitpunkt bzw. –raum

Stallgruppe

Weidegruppe

450.Lebenstag

402

420**

1. KB / erfolgreiche Bedeckung (504./511.Lebenstag)

441***

395

540.Lebenstag

469***

391

Ende verschiedener Haltungseinflüsse (590./628.Lebenstag)

512***

438

Signifikanzen (95 % Konfidenzintervall): * p < 0,05; ** p < 0,01; *** p < 0,001

↓263

Die ermittelten durchschnittlichen Lebendmassen zum 450. Lebenstag stimmen mit Ergeb-nissen von SKIDMORE (1995), REIMANN et al. (2000), HOFFMANN (2001) und WOLF et al. (2000) als Basis für ein Erstkalbealter zwischen 24 und 27 Lebensmonaten überein.

Mittlere tägliche Zunahmen je Tier bis zum 450.Lebenstag von 849 g in der Weide- bzw.

810 g in der Stallgruppe weisen auf ein gutes Aufzuchtniveau im Untersuchungsbetrieb hin.

↓264

Die in den Untersuchungen erreichte Lebendmasse zur erfolgreichen Bedeckung der Weidetiere (Tabelle 58) liegt laut WEIHER et al. (1997), SPIEKERS und SOMMER (2000), HOFFMANN (2001), WARZECHA (2001), WOLF et al. (2000), TRILK (1999), SKIDMORE (1995) und RIECK und ZEROBIN (1985) innerhalb des optimalen Lebendmassebereiches zum genannten Zeitpunkt.

Dem gegenüber waren die Tiere der Stallgruppe zur 1.Besamung zu schwer, d.h. diese Tiere wurden zu spät besamt (BURGSTALLER 1999). Deshalb wird die Einführung einer regelmäßigen Produktionskontrolle im Untersuchungsbetrieb über die gesamte Jungrinder- und Färsenaufzuchtphase durch Einzeltierwägungen und Exterieurbeurteilungen empfohlen. (WARZECHA 2001, MÖCKLINGHOFF-WICKE 2000). Ein unkontrollierter Wachstums-verlauf der Jungrinder, welcher den Zeitraum bis zur ersten Besamung bzw. Bedeckung verlängert, kann so verhindert werden.

Wie Tabelle 58 weiter zeigt, waren die 90 Haltungstage vom 450. bis 540.Lebenstag im Stall und auf der Weide gekennzeichnet von signifikanten Unterschieden bei der Lebendmasse-entwicklung zwischen den Stalltieren, welche im Durchschnitt 67 kg (745 g/d) zunahmen und den Weidetieren, die im Mittel 29 kg (324 g/d) abnahmen.

↓265

Hoch signifikant gestalteten sich die Unterschiede der täglichen Lebendmasseentwicklung besonders im Zeitraum vom 450.Lebenstag bis zur 1.Besamung bzw. erfolgreichen Bedeckung. Die Jungrinder der Weidegruppe verzeichneten eine tägliche Lebendmasse-reduzierung von 617 g und somit einen mittleren Lebendmasseverlust von 25 kg je Tier, dagegen wurde bei den Stalltieren eine tägliche Zunahme von 901 g und eine Lebend-massezunahme je Tier von durchschnittlich 39 kg erreicht.

Für diesen Haltungsabschnitt lagen die ermittelten täglichen mittleren Lebendmasse-zunahmen der Stalltiere über den Ergebnissen von SKIDMORE (1995) und REIMANN et al. (2000). Die Futterration während der Stallhaltung sollte für die Jungrinder im Altersabschnitt 450.-540.Lebenstag etwas restriktiver gestaltet werden.

Die Ergebnisse zur täglichen Lebendmassereduzierung von weidenden Jungrindern zu Beginn der Weideperiode stimmen mit denen von WARZECHA (2001) überein. Um die Lebend-massereduzierungen der Weidetiere zu Beginn der Weideperiode zu vermeiden, sollte für die Jungrinder eine sukzessive Umstellung von Stall- auf Weidefutter erfolgen. In der Praxis kann entsprechend der vorhandenen betrieblichen Bedingungen eine mindestens zwei- bis drei-wöchige Eingewöhnungsphase in einer Vorbereitungskoppel, eine kombinierte Stall- und Weidehaltung und eine Zufütterung von Mais- oder Grassilage in den ersten ein bis zwei Wochen der Weidehaltung empfohlen werden.

↓266

Der während der Untersuchungen ermittelte Rohfasergehalt des Weidefutters zwischen 21,6 und 26,9 % stimmte mit Empfehlungen von PRIEBE (2000) überein. Der nutzbare Rohproteingehalt (nXP) zwischen 135 g und 137 g je kg Trockenmasse wurde von SPIEKERS (2000 b) als ausreichend eingestuft. Der Energiegehalt zwischen 10,2 -10,3 MJ umsetzbarer Energie je kg Trockenmasse lag geringfügig unterhalb der Angaben von PRIEBE (2000).

Die Jungrinder beider Untersuchungsgruppen verzeichneten im Lebensabschnitt 540. - 630. Lebenstag eine positive Lebendmasseentwicklung, wobei die Tiere der Stallgruppe eine durchschnittlich höhere Lebendmassezunahme von 73 kg (813 g/d) im Vergleich zur Weidegruppe mit 49 kg (552 g/d) realisierten (Tabelle 58).

Die Versuchstiere der Stallgruppe lagen innerhalb der Lebendmassevorgaben für den 540. und 630. Lebenstag von WOLF et al. (2000) aber unterhalb von amerikanischen und holländ-ischen Empfehlung von SKIDMORE (1995) und REIMANN et al. (2000). Die mittleren Lebendmassen der Weidetiere stiegen in diesem Lebensabschnitt erwartungsgemäß nur gering.

↓267

Mit 590 (Stallgruppe) bzw. 628 Lebenstagen (Weidegruppe) endete der Zeitraum ver-schiedener Haltungseinflüsse. Die Jungrinder der Stallgruppe nahmen vom 450. bis zum 590. Lebenstag durchschnittlich 110 kg zu, währenddessen die Tiere der Weidegruppe während der Weideperiode vom 450. bis 628.Lebenstag nur im Mittel 18 kg Lebendmassezunahme erreichten. Über den gesamten Zeitraum verschiedener Haltungseinflüsse (450. bis 630.Lebenstag) unterschieden sich die mittleren täglichen Lebendmassezunahmen der Jungrinder der Stallgruppe und Weidegruppe mit 779 g bzw. 80 g signifikant.

Die erreichte tägliche Lebendmassezunahme der Stallgruppe lag oberhalb der Normative von WOLF et al. (2000) und HOFFMANN (2001), währenddessen die amerikanischen und holländischen Richtwerte von SKIDMORE (1995) und REIMANN et al. (2000) nicht erreicht wurden.

Über die gesamte Weideperiode wiesen die Weidetiere eine mittlere tägliche Zunahme von

↓268

80 g je Tier aus, damit werden die Ergebnisse von HAYS und BIANCA (1976) sowie WARZECHA (1999) bestätigt.

Bei den erreichten Widerristhöhen zwischen Stall- und Weidetieren mit 136 bzw. 134 cm und der durchgeführten BCS-Bonitur mit 3,4 bzw. 2,4 traten signifikante Unterschiede auf.

MÖCKLINGHOFF-WICKE (2000) nennt vergleichbare BCS-Noten von 3,25-3,50 für die Stalltiere vom 600. bis 720.Lebenstag. Die Weidetiere lagen bedingt durch die unter-schiedliche Lebendmasseentwicklung eine ganze Note im Vergleich zu den Stalltieren schlechter.

↓269

Um die Jungrinder besser auf die Weidehaltung zu trainieren, sollte auf Grünlandstandorten über eine zweimalige Weidehaltung von möglichst vielen weiblichen Jungrindern während der Aufzuchtphase nachgedacht werden. Dazu bietet sich die Halbtagsweide der über6 Monate alten Kälber an.

Das zweite Lebensjahr zeigt ein deutliches Abflachen der Wachstumskurve bei gleichzeitig weiter steigendem TM-Aufnahmevermögen. Dies ermöglicht eine geringere Fütterungs-intensität und kann bei Weidegang durchaus einen Verzicht auf Zufütterung bedeuten (PRIEBE 2000).

↓270

Dagegen empfehlen PLATEN und KROCKER (2001), EHRHARDT (2000) und HOFFMANN (2001) ein weibliches Jungrind nicht vor dem 12. Lebensmonat auf die Weide aufzutreiben. WOLF et al. (2000) raten bei einem anzustrebenden Erstkalbealter von

24 Monaten von einer Weidehaltung im zweiten Lebensjahr ab.

Prinzipiell ist die Weidehaltung auch bei steigenden Leistungsanforderungen in die Aufzucht von Färsen integrierbar. Bedingungen sind intensiv bewirtschafte Weiden mit einem verbesserten Weide- und Herdenmanagement.

↓271

Dazu gehören:

(EHRHARDT 2000 und PRIEBE 2000).

↓272

Die Zufütterung von Kraftfutter auf der Weide wird durch die Verdrängung der Trockenmasseaufnahme aus dem Weidefutter sehr kontrovers diskutiert. In Abhängigkeit vom Standort, vom Weideertrag, dem saisonalen Futterangebot, dem Weidemanagement und dem Produktionsziel erscheint die Zufütterung von Kraftfutter zur Stabilisierung der Lebendmasseentwicklung der Jungrinder angebracht. Die technische und logistische Realisierbarkeit der Konzentratzufütterung auf der Weide gerade in großen Unternehmen mit mehreren Jungrinderherden erscheint aber nach jetzigem Stand sehr problematisch.

Die folgende Tabelle stellt die Lebendmasseentwicklung der Jungrinder der Stall- und Weidegruppe aus dem Aufzuchtabschnitt 630. bis 730.Lebenstag dar. Dieser Haltungs-abschnitt verlief für alle Jungrinder wieder unter gleichen Fütterungs- und Haltungsbeding-ungen im Stall ab.

Tabelle 59: Lebendmasseentwicklung im Aufzuchtzeitraum 630. bis 730.Lebenstag der Stall- und Weidegruppe bei gemeinsamer Stallhaltung

Zeitpunkt

Stallgruppe

Weidegruppe

630.Lebenstag: Lebendmasse in kg

542***

440

730.Lebenstag: Lebendmasse in kg

613***

548

Tägliche Lebendmassezunahme 630.-730.Lebenstag in g

710

1.080***

Signifikanzen (95 % Konfidenzintervall): * p < 0,05; ** p < 0,01; *** p < 0,001

↓273

Die Ergebnisse in Tabelle 59 zeigen eindeutig das kompensatorische Wachstum der Tiere der Weidegruppe, welches sich nach der restriktiven Weidehaltung in der sich anschließenden intensiven Stallfütterungsperiode einstellte. Die vorhandene signifikante Differenz der mittleren Lebendmassen zwischen der Stall- und Weidegruppe reduzierte sich von 102 kg am 630. Lebenstag auf 65 kg am 730. Lebenstag. Diese hunderttägige Aufzuchtphase mit dem Effekt des kompensatorischen Wachstums reichte aber bei den Weidetieren nicht aus, den Lebendmasseverlust aus der Weidehaltung gegenüber den Stalltieren vollständig auszu-gleichen. In der Literatur beschreiben u.a. JÄHNE (1985), SCHÜLER und MÜLLER (1994), BREUNUNG (1979) das kompensatorische Wachstum als besondere Eigenschaft des wachsenden Rindes.

Die Lebendmasseentwicklung nach der 1.Abkalbung und bis zum 100.Laktationstag der 1.Laktation der Stall- und Weidegruppe zeigt die nachfolgende Tabelle 60.

Tabelle 60: Lebendmasseentwicklung nach der 1. Abkalbung und bis zum 100.Laktationstag der 1.Laktation der Stall- und Weidegruppe

Zeitpunkt

Stallgruppe

Weidegruppe

Abkalbegewicht p.p. in kg

557

508***

Widerristhöhe p.p. in cm

138

137

Rumpflänge p.p. in cm

159*

157

100.Laktationstag: Lebendmasse in kg

515

510

Lebendmasseentwicklung 1.-100.Laktationstag in kg

-42

2***

Lebendmasseentwicklung 1.-100.Laktationstag in g/d

-420

20***

Signifikanzen (95 % Konfidenzintervall): * p < 0,05; ** p < 0,01; *** p < 0,001

↓274

In der Literatur bestätigten HOFFMANN (2001), WARZECHA ( 2001), WOLF et al. (2000) und MÖCKLINGHOFF-WICKE (2000) die mittlere Lebendmasse zur Abkalbung der Jungkühe der Stallgruppe, währenddessen WEIHER et al. (1997) die niedrigere Lebendmasse p.p. der Tiere der Weidegruppe nannte. Amerikanische Ergebnisse zur Lebendmasse p.p. nach KROCKER und PLATEN (1999) zeigten insgesamt höhere Werte. In Untersuchungen von HUTJENS (2002), REIMANN et al. (2000) und SCHWARK (1985) wurden vergleichbare Widerristhöhen und Rumpflängen (Tabelle 60) zur 1.Abkalbung gemessen.

Die durch eine Hochleistungskuh nicht auszugleichende negative Energiebilanz während der Frühlaktation (ROSSOW und BOLDUAN 1994 und STAUFENBIEL und GELFERT 2002) erklären die Lebendmassereduzierung der Stalltiere während des 1.Laktationsdrittels der 1. Laktation.

↓275

Laut ROBINSON (2000) und HUTJENS (2002) gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Färsen/Erstlaktierenden und älteren Kühen u.a. in Bezug auf das TM-Aufnahmevermögen gerade in der Transitfütterungsphase und Frühlaktation. Deshalb wird empfohlen, im Untersuchungsbetrieb die Teilung der Transit- und Frühmelkergruppe in Färsen bzw. Erstlaktierende und Kühe ab 2. Laktation durchzuführen.

5.2. Fruchtbarkeit

Der Untersuchungsbetrieb setzte zur Belegung der Tiere der Weidegruppe einen betrieblichen Deckbullen über drei Monate während der Weideperiode ein. Aus betrieblicher Sicht ist diese Variante die praktikabelste und erfolgreichste Lösung für die Erstbelegung von weiblichen Jungrindern auf der Weide. Das Erstbelegungsalter und der Besamungsindex konnten deshalb bei den Weidetieren nicht ermittelt werden.

Die folgende Tabelle zeigt die Fruchtbarkeitsparameter in der Aufzuchtphase der Jungrinder.

↓276

Tabelle 61: Darstellung der Fruchtbarkeitsparameter in der Aufzuchtphase der Jungrinder der Stall- und Weidegruppe

Fruchtbarkeitsparameter

Stallgruppe

Weidegruppe

Erstbelegungsalter in d

477

-

Färsenkonzeptionsalter in d

507

500

Besamungsindex in Anzahl Besamungen

1,6

-

Das in Tabelle 61 dargestellte durchschnittliche Erstbelegungsalter der Stalltiere war mit Empfehlungen von FEIGE (1929), SCHWARK (1985), LOTTHAMMER (1994) und WEIHER et al. (1997) vergleichbar und war besser als der Durchschnitt in Thüringen für das vergleichbare Jahr 2000 (MÖRSTEDT 2002).

Ebenfalls deutlich besser im Vergleich zu BERGER (1979) und MÖRSTEDT (2002) lagen das mittlere Färsenkonzeptionsalter der Stall- und Weidetiere (Tabelle 61).

↓277

Der Zeitraum zwischen erster Belegung und Konzeption mit 30 Tagen bei den Stalltieren deckt sich mit Angaben von JAHNKE (2002). Der Besamungsindex der Stalltiere von 1,6 (Tabelle 61) war mit dem Landesdurchschnitt Thüringens im Jahr 2000 identisch. JAHNKE (2002) nennt einen Besamungsindex von weniger als 1,5 bei Färsen. BUCHWALD und PIEPER (2001) errreichten bei einer hohen Herdenleistung von 10.000-12.000 kg Milch und gutem Fruchtbarkeitsmanagement einen Besamungsindex von 1,2 bei Färsen.

Die Frage eines Einflusses der beiden verschiedenen Haltungssysteme der Rinder auf deren Fruchtbarkeit lässt sich hinsichtlich der Schwierigkeit einer exakten Abgrenzung einzelner Haltungsfaktoren auf die Fruchtbarkeit nur schwer beantworten (BERGER 1979).

Der etwas überhöhte Besamungsindex mit 1,6 Besamungen bei den im Stall gehaltenen Färsen zeigt noch Reserven im betrieblichen Fruchtbarkeitsmanagement auf. Eine Optimierung der Brunstbeobachtung, eine frühe Trächtigkeitsuntersuchung zwischen dem 38.und 50. Tag nach der Besamung, ein frühzeitiges Erkennen und Behandeln von Frucht-barkeitsstörungen und eine bessere Dokumentation und Analyse der Fruchtbarkeitsdaten sollte die Fruchtbarkeit im Färsen- und Milchkuhbestand verbessern.

↓278

Die Ergebnisse zu den Fruchtbarkeitsparametern im peripartalen Zeitraum der 1.Laktation stellt die nachfolgende Tabelle dar.

Tabelle 62: Ergebnisse zu den Fruchtbarkeitsparameter im peripartalen Zeitraum der 1. Laktation der Tiere der Stall-und Weidegruppe

Fruchtbarkeitsparameter

Stallgruppe

Weidegruppe

Erstkalbealter in Monate

26,2

25,9

Kalbeverlauf

1,3

1,4

Abkalberate in %

87,8

93,2

Totgeburtenrate in %

10,8

14,5

Die in Tabelle 62 dargestellten Erstkalbealter lagen im oberen Bereich der von vielen Autoren genannten Zielfunktion von 24-26 Monaten (SCHLEITZER 1999, LEVI 1970, PLATEN und GROSS 1997, REIMANN et al. 2000 und WOLF et al. 2000 ). Dagegen sinkt zwar das Erstkalbealter in Thüringen von 29,1 Monaten (2000), über 28,6 Monate (2001) bis 27,9 Monate (2003) , ist aber noch zwei Monate vom oberen Bereich der Zielfunktion von 24-26 Monaten entfernt.

↓279

Ein signifikanter Einfluss der beiden Haltungssysteme im Färsenalter auf den Kalbeverlauf der Tiere der Stallgruppe mit 1,3 und der Weidegruppe mit 1,4 konnte nicht festgestellt werden. Der Einsatz des nicht auf Schwerkalbigkeit geprüften betrieblichen Deckbullen in der Weidegruppe könnte eine Ursache für das etwas schlechtere Ergebnis im Kalbeverlauf der Weidetiere sein. Eine Einordnung bzw. ein Vergleich der Ergebnisse zum Kalbeverlauf ist sehr schwierig, weil national und international eine Vielzahl unterschiedlicher Analyse-kriterien und -verfahren existieren. Das Ergebnis widerspricht jedoch den vergleichenden Untersuchungen zwischen Stall- und Weidehaltung von Jungrindern (BERGER 1979), bei denen die Weidetiere gegenüber den Stalltieren in Bezug auf den Geburtsverlauf geringfügig besser abschnitten. In der Literatur werden viele Faktoren für die Schwerkalbigkeit genannt (SCHWARK 1985, BUSCH 1989, JAHNKE und WOLF 2001).

↓280

Aus beiden Untersuchungsgruppen lagen Abkalberaten (Tabelle 62) auf hohem Niveau vor.

Als eine Ursache für die Differenz zwischen den Abkalberaten von 5,4 % kann der dreimonatige Einsatz des Deckbullen in der Weidegruppe genannt werden. Untersuchungen von GOLZE (1997) zur Weidehaltung von Mutterkuhherden mit Deckbullen zeigten vergleichbare Abkalberaten.

Die höhere Totgeburtenrate wiesen die Kalbinnen der Weidegruppe mit 14,5 % im Vergleich zu den Jungkühen der Stallgruppe mit 10,8 % auf. JAHNKE und WOLF (2001) bestätigten die erreichten hohen Totgeburtenraten. Bei BERGER (1979) schnitten dagegen die ehemaligen Weidetiere bei den Totgeburten, einschließlich der Verendungen in den ersten

↓281

24 Stunden, auf niedrigerem Niveau besser ab. Eine Erklärung für die vergleichsweise höhere Totgeburtenrate bei den ehemaligen Weidetieren könnte das kompensatorische Wachstum des Muttertieres im letzten Drittel ihrer Trächtigkeit sein, welches auch zu einem verstärkten Fötuswachstum und damit höherem Geburtsmasse des Kalbes führte. Bei den ermittelten unterschiedlichen Totgeburtenraten könnte die Vererbung des eingesetzten Deckbullen in Bezug auf die Größe und Lebendmasse der Kälber eine Rolle gespielt haben.

Die nachfolgende Tabelle stellt die Ergebnisse zu den Fruchtbarkeitsparameter in der 1.Laktation dar.

Tabelle 63: Darstellung der Fruchtbarkeitsparameter in der 1.Laktation der Tiere der Stall- und Weidegruppe

Fruchtbarkeitsparameter

Stallgruppe

Weidegruppe

Rastzeit in d

60

71*

Zwischentragezeit in d

107

143*

Besamungsindex in Anzahl Besamungen

2,2

2,3

Signifikanzen (95 % Konfidenzintervall): * p < 0,05; ** p < 0,01; *** p < 0,001

↓282

Die erreichten Rastzeiten der Jungkühe der Stall- und Weidegruppe (Tabelle 63) unterliegen auch betrieblichen Vorgaben und unterschreiten Angaben von JAHNKE (2002), BUCHWALD und PIEPER (2001) und MÖRSTEDT (2002). Dagegen stellte BERGER (1979) keinen signifikanten Unterschied bei den Rastzeiten zwischen den Tieren, die aus unterschiedlichen Haltungsformen während der Färsenaufzucht stammen, fest.

Die in Tabelle 63 ausgewiesenen durchschnittlichen Zwischentragezeiten der Jungkühe in der Weide- und Stallgruppe unterschieden sich signifikant voneinander, dagegen fand BERGER (1979) keine Signifikanz heraus. BUCHWALD und PIEPER (2001) erreichten Zwischentragezeiten bei Hochleistungskühen von 96 und 98 Tagen und thüringenweit stieg von 1999 bis 2001 nach MÖRSTEDT (2002) die Zwischentragezeit der Milchkühe von 125 auf 129 Tage an. Von den auswertbaren Stalltieren erreichten 75,0 % die maximal anzustrebende Zwischentragezeit von 125 Tagen (JAHNKE 2002). Dagegen konnten gerade 52,6 % der auswertbaren Jungkühe aus der Weidegruppe mit einer Zwischentragezeit unter 125 Tagen ermittelt werden. Die Einflüsse der Weidehaltung während der Aufzuchtphase auf die Fruchtbarkeitsparameter der Jungkühe innerhalb der 1.Laktation sind auszuschließen. Laut BERGER (1979) dürften die Umweltfaktoren der Milchviehanlage auf die Frucht-barkeitsparameter der Jungkühe wirken. Die Aussage von ANACKER (2003), dass sich mit zunehmender Anzahl an Behandlungen von Fruchtbarkeitsstörungen die Zwischentragezeit von Milchkühen erhöht, wird durch eigene Untersuchungsergebnisse mit 23 Behandlungen von Fruchtbarkeitsstörungen in der Weidegruppe mit einer mittleren Zwischentragezeit von 143 Tagen und nur 2 Behandlungen innerhalb der 1.Laktation in der Stallgruppe mit einer durchschnittlichen Zwischentragezeit von 107 Tagen bestätigt.

Das Management ist ausschlaggebend für das Ergebnis der Fruchtbarkeitsleistungen in den Milchviehherden ( BUCHWALD und PIEPER 2001, JAHNKE 2002). Einen Herdenmanager, welcher für den gesamten Fruchtbarkeitssektor in der Milchproduktion verantwortlich ist, sollte im Untersuchungsbetrieb eingesetzt werden. Eine wichtige Aufgabe für einen Herdenmanager sollte die stetige, aktuelle Analyse der Rastzeiten, der Erstbesamungserfolg und die Beurteilung der Wiederbesamungsintervalle sein.

↓283

Der ausgewiesene Besamungsindex (Tabelle 63) zwischen den Tieren der Stall- und der Weidegruppe unterschieden sich gering (BERGER 1979) und lagen über dem Durchschnitt in Thüringen von 2,1 (MÖRSTEDT 2002). Empfehlungen aus Mecklenburg-Vorpommern gehen von einem Besamungsindex von 1,8 (JAHNKE 2002) und von 1,7 in Brandenburg (BUCHWALD und PIEPER 2001) aus.

Verwendet man die Trächtigkeitsrate nach JAHNKE (2002), welche den Anteil der aus Erstbesamung tragenden Tiere von allen tragenden Tieren innerhalb der Versuchsgruppen ausweist, erreichte die Stallgruppe eine Trächtigkeitsrate von 46,2 % und die Weidegruppe von 27,0 %. Vier Besamungen bis zur 2.Trächtigkeit benötigten 10,3 % aller tragenden Tiere der Stallgruppe und 8,1 % der tragenden Jungkühe aus der Weidegruppe.

Die Ergebnisse zu den Fruchtbarkeitsparametern im peripartalen Zeitraum der 2.Laktation zeigt die nachfolgende Tabelle.

↓284

Tabelle 64: Ergebnisse zu Fruchtbarkeitsparametern im peripartalen Zeitraum der 2.Laktation der Tiere der Stall-und Weidegruppe

Fruchtbarkeitsparameter

Stallgruppe

Weidegruppe

Zwischenkalbezeit in d

370

408*

Kalbeverlauf

1,6

1,6

Abkalberate in %

67,9

61,7

Totgeburtenrate in %

10,5

10,8

Signifikanzen (95 % Konfidenzintervall): * p < 0,05; ** p < 0,01; *** p < 0,001

Die durchschnittliche Zwischenkalbezeit der Milchkühe ab 1.Laktation der Weide- und Stallgruppe veranschaulicht die Tabelle 64. Zum Vergleich nennt JAHNKE (2002) als Optimum bei einer jährlichen Milchleistung von 6.500 kg eine Zwischenkalbezeit von

385 Tagen und bei etwa 7.700 kg Milch eine Zwischenkalbezeit von 385 bis 405 Tagen.

↓285

Als Ursache der hohen Zwischenkalbezeit der Weidetiere bei einer erreichten 305-Tage Milchleistung von durchschnittlich 5.436 kg könnte die vergleichsweise niedrige Lebend-masse p.p. von im Mittel 508 kg genannt werden, dadurch trat zu Laktationsbeginn bei den Jungkühen eine Kompensation des aufgetretenen Lebendmassedefizites auf, welche gleich-zeitig zu einer Verdrängung der einsetzenden Milchbildung und der Fruchtbarkeitsleistungen bei den Tieren führte (DUCKER et al. 1985, FERGUSON und CHALUPA 1989). Weiterhin erkannte EVANS (2003) bei der Follikelentwicklung hinsichtlich Reifung und Größe eine ganz deutliche Ernährungsbeeinflussung.

Den gleichen mittleren Kalbeverlauf zur 2.Abkalbung mit 1,6 wiesen die Milchkühe der Weide- und der Stallgruppe auf, dieser lag leicht über dem der 1.Abkalbung. Ursachen könnten in einer veränderten Grundfutterversorgung vor der Abkalbung (STREIT und ERNST 1992) und einer nicht optimalen Vorsorge und Betreuung der Kühe in der peripartalen Phase (STOLZENBURG und SCHÖNMUTH 1979, STOLZENBURG 1980, MÜNNICH 1990, MÜNNICH und PLATEN 1997) liegen.

Die Abkalberaten der Kühe zur 2. Laktation lagen in der Stallgruppe bei 67,9 % und in der Weidegruppe bei 61,7 %. Diese Werte decken sich mit Ergebnissen von GOLZE (1997) zur 2.Trächtigkeit aus der Mutterkuhhaltung. Die Mehrfachbelastungen p.p. der Erstkalbinnen mit dem eigenem Wachstum, der Milcherzeugung und der notwendigen erneuten Konzeption sind als Begründung dieser Ergebnisse zu nennen.

↓286

Die unterschiedlichen Abkalberaten zwischen Stall- und Weidegruppe sind auch mit der höheren Anzahl an Abgängen in der Weidegruppe mit 22 Stück im Vergleich zur Stallgruppe mit 15 Stück während der 1.Laktation erklärbar.

Im peripartalem Zeitraum der 2.Laktation glichen sich die erreichten Totgeburtenraten mit 10,5 % in der Stallgruppe und mit 10,8 % in der Weidegruppe an. In beiden Tiergruppen sanken im Vergleich zur 1.Abkalbung die Totgeburtenraten unterschiedlich mit 0,3 % bei den Stalltieren und 3,7 % bei den Weidetieren ab. Ein Einfluss der unterschiedlichen Haltungssysteme während der Aufzuchtphase, einschließlich der Unterschiede in der Besamung und Bedeckung auf die Totgeburtenrate zur 2.Abkalbung ist nicht erkennbar.

Die Höhe der Totgeburtenrate lag immer noch im Bereich der Angaben von JAHNKE und WOLF (2001).

↓287

Die Ergebnisse zu den Fruchtbarkeitsparametern in der 2.Laktation bis zum Versuchsende zeigt die nachfolgende Tabelle.

Tabelle 65: Ergebnisse der Fruchtbarkeitsparameter in der 2.Laktation bis zum Versuchsende der Tiere der Stall- und Weidegruppe

Fruchtbarkeitsparameter

Stallgruppe

Weidegruppe

Rastzeit in d

60

61

Zwischentragezeit in d

92

88

Besamungsindex in Anzahl Besamungen

2,2

1,7

Die mittleren Rast- bzw. Zwischentragezeiten der Milchkühe in der 2.Laktation sind aus Tabelle 65 ersichtlich. Diese erreichten Rast- und Zwischentragezeiten lagen unter den Untersuchungsergebnisse bzw. Zielvorgaben von JAHNKE (2002), BUCHWALD und PIEPER (2001) und den Angaben von MÖRSTEDT (2002).

↓288

Zwischen der Stall- und Weidegruppe unterschieden sich der Besamungsindex zwischen 2,2 und 1,7 Besamungen (BUCHWALD und PIEPER 2001) bis zur 3., durch TU nachge-wiesenen Trächtigkeit stärker.

Der Besamungsindex der Stalltiere lag über Ergebnissen von JAHNKE (2002) und Durchschnitt in Thüringen (MÖRSTEDT 2002).

5.3. Gesundheit

Die vorliegenden Untersuchungen zeigen tierärztliche Behandlungen an Jungrindern und Milchkühen innerhalb der 3 betrachteten Haltungsabschnitte Aufzuchtphase, 1. und

↓289

2. Laktation.

In der folgenden Tabelle 66 werden die Ergebnisse zu den tierärztlichen Behandlungen an den Jungrindern der Stall- und Weidegruppe in der Aufzuchtphase vorgestellt.

Tabelle 66: Veterinärmedizinische Behandlungen an den Jungrindern der Stall- und Weidegruppe in der Aufzuchtphase

Parameter

Stallgruppe

Weidegruppe

Anteil behandelter Tiere in %

39,2

18,9

Anzahl Behandlungen in Stück

davon Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen in %

davon Fruchtbarkeitsstörungen in %

davon Stoffwechselerkrankungen in %

davon Allgemeinerkrankungen in %

43

88,4

9,3

0,0

2,3

18

72,2

16,7

11,1

0,0

Anzahl Behandlungen je behandeltes Tier in Stück

1,5

1,3

↓290

Wissenschaftliche Erhebungen und Analysen zu veterinärmedizinischen Behandlungen in der Aufzuchtphase von weiblichen Jungrindern und Färsen vom 450.Lebenstag bis zur Abkalbung liegen in der nationalen und internationalen Literatur bisher nicht vor. Daran ist erkennbar, dass die Jungrinder-und Färsenaufzucht, ausgenommen die Kälberhaltung, in der Vergangenheit in der Praxis und Wissenschaft kaum eine Rolle spielte. Erst ökonomische Zwänge in den milchproduzierenden Betrieben zwingen dazu, sich auch wissenschaftlich intensiver mit dieser Problematik zu beschäftigen.

Der in Tabelle 66 ausgewiesene hohe prozentuale Unterschied der anteilig behandelten Jungrinder zwischen Stall- und Weidegruppe zeigte eindeutig die gesundheitsfördernde Wirk-ung der Weidehaltung innerhalb der Aufzuchtphase (SCHÜLER und MÜLLER 1994).

Zur Bestätigung lassen sich weitere Untersuchungsergebnisse zur Anzahl Behandlungen in der Stall- und Weidegruppe sowie die Anzahl Behandlungen je behandeltes Tier heranziehen.

↓291

Die Hauptbehandlungsursache in der Aufzuchtphase beider Haltungsgruppen waren die Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen. Die Differenz in der Behandlungshäufigkeit zwischen beiden Gruppen während der Aufzuchtphase lassen sich mit der unterschiedlichen Länge der Haltungsdauer im Stall begründen (BENZ 2003, MÜLLING 2003, FIEDLER 2002).

Alle Behandlungen der Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen der Färsen der Weidegruppe fanden erst nach dem Weideabtrieb während der Stallhaltungsphase statt, dies verdeutlicht die positive Wirkung des weichen Weidebodens und der günstigeren Umweltbedingungen der Weide auf die Klauengesundheit. Der hohe prozentuale Anteil an Behandlungen im Klauen- und Gliedmaßenbereich zeigt größere Mängel der vorhandenen Haltungsbedingungen innerhalb der 1930er Milchviehanlage. Das vorhandene Haltungssystem mit seinen vorge-gebenen technologischen und baulichen Zwängen ist sukzessive in den Liege- und Lauf-bereichen, einschließlich des Stallklimas, an die Erfordernisse von Hochleistungstieren anzupassen.

Bei allen in Tabelle 66 enthaltenen Behandlungen von Fruchtbarkeitsstörungen, der zweithäufigsten Behandlungsursache in beiden Versuchsgruppen, handelte es sich um die Feststellung der Unfruchtbarkeit der Jungrinder.

↓292

Die veterinärmedizinischen Behandlungen an den Jungkühen der Stall- und Weidegruppe innerhalb der 1.Laktation unterscheiden sich.

Tabelle 67: Veterinärmedizinischen Behandlungen an den Jungkühen der Stall- und Weidegruppe in der 1.Laktation

Parameter

Stallgruppe

Weidegruppe

Anteil behandelter Tiere in %

55,2

69,6

Anzahl Behandlungen in Stück

davon Eutererkrankungen in %

davon Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen in %

davon Fruchtbarkeitsstörungen in %

davon Stoffwechselerkrankungen in %

davon Allgemeinerkrankungen in %

78

37,2

34,6

2,6

17,9

7,7

125

33,6

33,6

18,4

6,4

8,0

Anzahl Behandlungen je behandeltes Tier in Stück

2,1

2,6

Ein Einfluss der unterschiedlichen Haltungsverfahren in der Aufzuchtphase der Tiere auf die veterinärmedizinischen Behandlungen innerhalb der 1.Laktation war nicht mehr erkennbar. Die betrieblichen Faktoren, wie die Fütterung, die Haltungsbedingungen im Stall, die Stallhygiene, das gesamte Gesundheitsmanagement der Milchviehherde spielte eine entscheidende Rolle. Der Anteil behandelter Jungkühe und die Anzahl Behandlungen während der 1.Laktation lag in der Weidegruppe im Vergleich zur Stallgruppe bedeutend höher (Tabelle 67). Durch die niedrige Lebendmasse p.p. der Weidetiere muß die Jungkuh zu Beginn der 1.Laktation weiter an Lebendmasse zulegen und zeitgleich mit der Milchbildung beginnen. Durch die vorhandene Doppelbelastung des tierischen Organismus werden die Fruchtbarkeit und die Gesundheit durch die aufgetretene Konkurrenzsituation vernachlässigt (DUCKER et al. 1985, FERGUSON und CHALUPA 1989).

↓293

Als Behandlungsschwerpunkte waren in beiden Gruppen die Mastitis und die Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen (Tabelle 67) zu nennen, diese nahmen über zwei Drittel aller Behandlungen ein. Das betriebliche Klauen- und Gliedmaßenproblem, welches sich auch in vergleichbaren Anlagen zeigt, setzte sich auch in der 1.Laktation der Tiere fort. Neben den bereits diskutierten notwendigen Verbesserungen in Haltung und Stallklima sollte über eine züchterische Bearbeitung des Milchviehbestandes in Bezug auf die Verbesserung der Klauen-gesundheit im Untersuchungsbetrieb nachgedacht werden (ANACKER 2003). Weiterhin zeigen praktische Erfahrungen in Bezug auf die Häufigkeit und den gewählten Zeitpunkt der Klauenpflege, sowie die regelmäßige Nutzung von Klauenbädern positive Effekte für die Klauengesundheit.

Der ausgewiesene hohe Anteil an Behandlungen von Euterentzündungen während der 1.Laktation konnte mit einem sehr hohen Infektionsgrad mit Mastitiserregern bei Färsen und Jungkühen von ANACKER (2000) bestätigt werden. Die Kernpunkte einer Vorbeugung gegen Euterentzündungen mit optimaler Haltungshygiene, gutem Kuhkomfort, einer leistungs- und wiederkäuergerechten Fütterung und hervorragender Melktechnik und -arbeit sind altbekannt und müssen nur entsprechend in der Praxis durchgesetzt werden (TENHAGEN 2002). Ein weiteres von vielen Praktikern noch nicht erkanntes Problem stellt das zu lange Festhalten an chronisch kranken, aber leistungsstarken Kühen im Bestand dar, welches zu einem höheren Infektionsdruck im gesamten betrieblichen Milchkuhbestand führt.

WENDT und SPOHR (2003) nannten mit der Zellzahl der Sammelmilch, dem Anteil euterkranker Tiere in der Herde und der klinischen Mastitisrate Kenngrößen zur Einschätzung der Eutergesundheit. Eigene praktische Erfahrungen zeigen, dass eine regelmäßige Einschätzung der Eutergesundheit sowohl der Einzelkuh, als auch der Herde anhand der Auswertung der Zellzahlen nach der Milchleistungsprüfung durch die Anlagenleiter bzw. Geschäftsführer in vielen milchproduzierenden Betrieben Thüringens noch nicht realisiert wird.

↓294

Behandlungsursachen innerhalb der 1.Laktation, wie die Fruchtbarkeitsstörungen, die Stoffwechsel- und Allgemeinerkrankungen lassen sich ähnlich den bereits beschriebenen beiden Hauptbehandlungsursachen in den von STAUFENBIEL (1999) sowie von STAUFEBBIEL und GELFERT (2001 und 2002) beschriebenen drei Erkrankungen, die Ketose, die Gebärparese und die Pansenazidose zurückführen, welche indirekt andere Erkrankungen der Milchkuh, wie u.a. die Labmagenverlagerung, Klauenerkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen verursachen. Von zentraler Bedeutung zur Vermeidung der drei obengenannten Stoffwechselerkrankungen ist eine hohe Futteraufnahme der Milchkühe nach der Abkalbung. Im Herdenmanagement sollte sich auf die Prophylaxe der Ketose, der Gebärparese und der Pansenazidose konzentriert werden.

Die folgende Tabelle 68 stellt die Ergebnisse zu den veterinärmedizinischen Behandlungen an den Milchkühen der Stall- und Weidegruppe innerhalb der 2. Laktation bis zum Versuchsende dar.

Tabelle 68: Veterinärmedizinischen Behandlungen an den Milchkühen der Stall- und Weidegruppe in der 2.Laktation bis zum Versuchsende

Parameter

Stallgruppe

Weidegruppe

Anteil behandelter Tiere in %

48,8

68,4

Anzahl Behandlungen in Stück

davon Eutererkrankungen in %

davon Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen in %

davon Fruchtbarkeitsstörungen in %

davon Stoffwechselerkrankungen in %

davon Allgemeinerkrankungen in %

75

56,0

25,3

0,0

12,0

6,7

73

54,8

17,8

11,0

4,1

12,3

Anzahl Behandlungen je behandeltes Tier in Stück

3,8

2,8

↓295

Ein Vergleich der eigenen Untersuchungsergebnisse zu Behandlungsursachen innerhalb der 1.und 2.Laktation mit Aussagen von ANACKER (2003) zeigten, dass jeweils die betrieblichen Bedingungen (Fütterung, Haltung, Management) den entscheidenden Einfluss auf das Erkrankungsgeschehen haben. Der Anteil behandelter Milchkühe während der 2.Laktation unterschied sich zwischen beiden Versuchsgruppen beträchtlich (Tabelle 68), lag aber unterhalb des Niveaus der 1.Laktation. Dagegen gab es zwischen der ermittelten Anzahl an Behandlungen zwischen den Tiergruppen kaum Unterschiede, dies schlug sich natürlich auf die Behandlungshäufigkeit der behandelten Tiere innerhalb der Gruppen entscheidend nieder. Werden die Behandlungshäufigkeiten zwischen 1.und 2.Laktation verglichen, fällt der extreme Anstieg von 2,1 auf 3,8 Behandlungen je behandelte Milchkuh innerhalb der Stallgruppe auf. Analog zur 1.Laktation waren in beiden Gruppen als Behandlungs-schwerpunkte während der 2.Laktation die Mastitis und die Klauen- und Gliedmaßener-krankungen (Tabelle 68) zu nennen, diese nahmen über 80 % aller Behandlungen in der Stall- und über 70 % in der Weidegruppe ein. Der vorliegende Anstieg der Behandlungen von Eutererkrankungen von der 1.zur 2.Laktation bestätigte zwar ANACKER (2003), aber nicht in seiner Intensität und Höhe. Ursachen und Konsequenzen für die Praxis wurden bereits bei den Behandlungen während der 1.Laktation diskutiert.

Die Klauen- und Gliedmaßenprobleme der Altkühe innerhalb der 2.Laktation aus den beiden Versuchsgruppen waren zwar im Vergleich zur 1.Laktation rückläufig, belegten aber immer noch den 2.Rang bei den Behandlungsursachen.

Die Zusammenhänge zwischen Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen und Stoffwechseler-krankungen, sowie haltungsbedingte Mängel und Lösungsansätze wurden schon in voran-gehenden Abschnitten beschrieben. Weitere aufgeführte Behandlungsursachen innerhalb der 2.Laktation (Tabelle 68) lassen sich ursächlich analog zur 1.Laktation begründen.

5.4. Milchleistung

↓296

Die Laktation der Hochleistungskuh wird als komplexer Prozess, welcher eine sehr hohe Stoffwechselleistung repräsentiert und durch endogene wie exogene Faktoren gesteuert wird, angesehen (SCHWARK 1985).

Das entscheidende Kriterium zur Feststellung der Leistungsfähigkeit einer Milchkuh ist die erreichte Milchleistung in einer Laktation, über die gesamte Nutzungsdauer oder wie in diesen Untersuchungen über einen festgelegten Zeitraum. Ein Einfluss der Parameter der Fruchtbarkeit, der Gesundheit und des Wachstums der Milchkuh auf die Höhe der erzielten Milchleistung ist unstrittig.

Der äußere Einfluss der Stall- und Weidehaltung auf die Tiere während der Aufzuchtphase auf deren spätere Milchleistung soll nachfolgend diskutiert werden.

↓297

In der 1.Laktation gibt es zwischen Stall- und Weidegruppe nur geringfügige Unterschiede.

Tabelle 69: Mittlere 100- und 305-Tageleistung der 1.Laktation der Jungkühe der Stall- und Weidegruppe

Parameter

Stallgruppe

Weidegruppe

100-Tageleistung

Milchmenge in kg

2.188*

2.024*

305-Tageleistung

Milchmenge in kg

5.648

5.436

Milchfettgehalt in %

4,49

4,40

Milchfettmenge in kg

252

236

Milcheiweißgehalt in %

3,34

3,35

Milcheiweißmenge in kg

188

181

Milchfett- u. –eiweißmenge in kg

440

417

Signifikanzen (95 % Konfidenzintervall): * p < 0,05; ** p < 0,01; *** p < 0,001

Unabhängig vom sehr niedrigen Leistungsniveau lassen sich anhand der in Tabelle 69 vorgestellten Ergebnisse zur 1.Laktationsleistung der Jungkühe bis auf die 100-Tageleistung keine signifikanten Unterschiede zwischen Stall- und Weidegruppe feststellen.

↓298

Eine Bestätigung dieser Ergebnisse zeigen Untersuchungen von MISSELVITZ (1979), WOLLENWEBER et al. (1993) und WARZECHA (2003) zu Auswirkungen von unterschiedlichen Aufzuchtintensitäten auf die spätere Milchleistung. Den größten Einfluss auf die Milchleistung in der 1.Laktation nehmen die vorhandenen Haltungs- und Fütterungsbedingungen in der Milchproduktion ein. FRIEDEL et al. (1986) nennen das große Puffervermögen des Rindes auf unterschiedliche Bedingungen in der Aufzuchtphase als Grund für den geringen Einfluss auf die spätere 1.Laktation.

Die niedrigen mittleren 100-Tageleistungen in der 1.Laktation sind mit Ergebnissen von WARZECHA (2000) vergleichbar. Ein Grund für den signifikanten Unterschied zwischen den mittleren 100-Tage-leistungen in der 1.Laktation wird in den signifikant unter-schiedlichen mittleren Lebendmassen p.p. der Stall- mit 557 kg und der Weidetiere mit 508 kg gesehen. Die Stalltiere können die höhere Lebendmasse p.p. und die höhere 100-Tageleistung aber nicht nutzen, die Persistenz bis zum Ende der 1.Laktation durchzuhalten.

Diese Erkenntnis widerspricht Ergebnissen vieler Autoren (HOFFMANN 2001, WOLF et al. 2000, PANICKE et al. 1984, SCHÖNMUTH 1984, RYBKA und WOLF 1983).

↓299

Stattdessen gleichen sich die mittleren Lebendmassen der Stall- mit 515 kg und der Weidetiere mit 510 kg bis zum Ende des 1.Laktationsdrittels fast an. Die Symptome der beschriebenen Lebendmassereduzierung der Stalltiere in der Frühlaktation, die sehr hohen Fettgehalte im 1.Laktationsmonat mit durchschnittlich 5,08 % in der Stallgruppe bzw. 4,97 % in der Weidegruppe und niedrigen Milchproteingehalten von 3,11 % in der Stall- und 3,19 % in der Weidegruppe lassen sich in der von STAUFENBIEL (1999 und 2001) und STAUFENBIEL und GELFERT (2001 und 2002) beschriebenen Stoffwechselerkrankung Ketose erklären. Diese verursacht indirekt andere Erkrankungen der Milchkuh, wie u.a. die Labmagenverlagerung, Klauenerkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen. Von zentraler Bedeutung zur Vermeidung der obengenannten Stoffwechselerkrankung ist eine hohe Futteraufnahme der Milchkühe nach der Abkalbung, welche nur mit ausgewogenen Futterrationen auf Basis sehr guter Grobfutterqualitäten realisierbar ist (PIEPER 2000, STAUFENBIEL 2001). Durch die bereits beschriebenen erheblichen Unterschiede zwischen Färsen / Erstlaktierenden und älteren Kühen u.a. in Bezug auf das Trockenmasseaufnahme-vermögen gerade in der Transitfütterungsphase und Frühlaktation (ROBINSON 2000, HUTJENS 2002) wird trotz der bekannten technologischen Probleme im Fütterungsbereich einer 1930er Milchviehanlage empfohlen, im Untersuchungsbetrieb mit einem hohen Milch-kuhbestand eine Teilung der Transit- und Frühmelkergruppe in Färsen bzw. Erstlaktierende und Kühe ab 2. Laktation vorzunehmen. RADKE und SCHULZ (2001) bestätigen aus praktischen Erfahrungen das Futter und die Fütterung als entscheidenden Faktor für die Leistung einer Milchkuh.

Dagegen verschlechtern sich sukzessive auf den Grünlandstandorten in den Mittelgebirgs-lagen Thüringens die Qualität und Quantität der Anwelksilagen auch bedingt durch die vorgeschriebenen extensiven KULAP-Bewirtschaftungsauflagen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob unter diesen Bedingungen überhaupt noch eine intensive, auf Effizienz ausgerichtete Milchproduktion in diesen Gebieten betrieben werden kann.

↓300

Währenddessen WEIHER et al. (1997) und WARZECHA (2000) teilweise ähnliche Ergebnisse in Bezug auf die in Tabelle 69 vorgestellte 305-Tageleistung in der 1.Laktation vorstellten, lagen die durchschnittlichen Laktationleistungen aller MLP-Kühe zur 1.Laktation während des Untersuchungszeitraumes im gleichen Landkreis um über 1.000 kg Milch-leistung je Kuh und Jahr höher. Der durchschnittliche Fettgehalt der Milch der Erst-laktierenden aus dem Untersuchungsbetrieb lag im Vergleich zu den Jungkühen aus dem gleichen Landkreis um 0,23 - 0,32 % höher. Der durchschnittliche Milcheiweißgehalt unterschied sich nur geringfügig zugunsten des Gesamtbestandes an Jungkühen aus dem Landkreis.

Die Ursachen für die niedrige Erstlaktationsleistung in beiden Untersuchungsgruppen sind vielfältig. Dem gesamten Fütterungskomplex wird aber ursächlich entscheidende Bedeutung zukommen müssen. Dieses beginnt offensichtlich mit Mängeln in der Transitfütter-ungsperiode, der Fütterung in der Frühlaktation und endet mit schlechten Silagequalitäten.

Dadurch wird die Gesundheit der Tiere negativ beeinflusst, was zu Leistungsdepressionen führt. Die Konkurrenz zwischen Milchleistung und Fruchtbarkeit im Energiestoffwechsel der Tiere spielt eine mitentscheidende Rolle. Die leistungslimitierenden Einflüsse des vorhandenen Haltungssystems, einschließlich des Stallklimas, müssen auch mit genannt werden.

↓301

Die folgende Tabelle 70 zeigt die mittlere hochgerechnete 305-Tageleistung der 2.Laktation der Milchkühe der Stall- und Weidegruppe.

Tabelle 70: Mittlere hochgerechnete 305-Tageleistung der 2.Laktation der Milchkühe der Stall- und Weidegruppe

Parameter

Stallgruppe

Weidegruppe

Hochgerechnete 305-Tageleistung

Milchmenge in kg

7400

7625

Milchfettgehalt in %

4,36

4,30

Milchfettmenge in kg

318

326

Milcheiweißgehalt in %

3,45

3,30

Milcheiweißmenge in kg

254

251

Milchfett- und –eiweißmenge in kg

572

577

Das in Tabelle 70 dargestellte Leistungsniveau war vergleichbar den durchschnittlichen Laktationsleistungen aller A+B Kühe des Untersuchungsbetriebes aus den Jahresberichten 2001 und 2002 des TVL, welche aber noch mit ca. 200 kg Milch je Kuh und Jahr unterhalb des Thüringer Durchschnittes 2002 lagen.

↓302

Mit Untersuchungsergebnissen WARZECHAS (2003) waren die erreichten 305-Tageleistung der Milchkühe in der 2.Laktation vergleichbar. Auswirkungen der verschiedenen Haltungsverfahren innerhalb der Aufzuchtphase waren auf die mittleren Milchleistungen in der 2.Laktation nicht mehr erkennbar.

Im Gegensatz zur 1.Laktation lagen die Weidetiere in der mittleren, hochgerechneten 305-Tageleistung mit 225 kg je Kuh und Jahr über den Stalltieren. Die Weidetiere haben sich in der 2.Laktationen nicht nur in Bezug auf die Milchleistung, sondern auch bei den Fruchtbarkeits- und Abgangsparametern im Vergleich zu den Stalltieren verbessert.

Als Grund für die unter dem Thüringer Durchschnitt liegenden Laktationsleistungen war die hohe Erkrankungsrate in beiden Tiergruppen während der 2.Laktation zu nennen, welche zu erheblichen Verminderungen der Milchleistungen führen kann (FOURCHION et al.1999; zit. nach EVANS 2003).

5.5. Nutzungsdauer

↓303

Der Freistaat Thüringen wies 2002 mit unbefriedigenden 41,9 % die vierthöchste Abgangsrate an MLP-Kühen aller Bundesländer auf und lag damit um 4,3 % über dem bundesweiten Durchschnitt von 37,6 % (ARBEITSGEMEINSCHAFT DEUTSCHER RINDERZÜCHTER E.V. 2003, Rinderproduktion in der BRD 2002).

In den Untersuchungen wurden während des gesamten Untersuchungszeitraumes insgesamt 27 bzw. 29 Abgänge in der Stall- bzw. Weidegruppe registriert, dies ergab Abgangsraten von 36,5 bzw. 39,2 %. Diese Ergebnisse lagen zwar unterhalb der Abgangsrate an Thüringer MLP-Kühen von 41,9 %, trotzdem liegen auch im Untersuchungsbetrieb in diesem Bereich noch große Reserven.

Die nächste Tabelle 71 stellt die eigenen Ergebnisse zu den Tierabgängen in der Aufzuchtphase innerhalb der Stall- und Weidegruppe dar.

↓304

Tabelle 71: Abgänge in der Aufzuchtphase innerhalb der Stall-und Weidegruppe

Parameter

Stallgruppe

Weidegruppe

n

%

n

%

Anfangsbestand besamungsfähiges Jungrind

74

74

Anzahl Abgänge / Abgangsrate an Anfangsbestand

7

9,5

5

6,8

Anteil an Gesamtabgängen

25,9

17,2

Abgangsursache

Klauen und Gliedmaßen / Anteil in Aufzuchtphase

Fruchtbarkeit / Anteil in Aufzuchtphase

Allgemeinerkrankung / Anteil in Aufzuchtphase

1

4

2

14,3

57,1

28,6

0

3

2

0,0

60,0

40,0

Für die Haltungsperiode der weiblichen Jungrinder/Färsen nach der Kälberaufzucht bis zur 1.Abkalbung konnten keine vergleichbaren Literaturangaben gefunden werden.

Während der Aufzuchtperiode der Versuchstiere vom 450. Lebenstag bis zur 1.Abkalbung wurde eine Abgangsrate von 9,5 % in der Stall- und 6,8 % in der Weidegruppe registriert.

↓305

Zwischen 17,2 und 25,9 % unterschied sich der Anteil an den Gesamtabgängen zwischen den Weide- und Stalltieren während der Aufzuchtphase (Tabelle 71).

Die Hauptabgangsursachen Fruchtbarkeit und Klauen/Gliedmaßen wurden von WARZECHA (2003) aus Aufzuchtbetrieben Thüringens bestätigt. Ein Einfluss der unterschiedlichen Haltungssysteme auf das Abgangsgeschehen in der Aufzuchtphase in beiden Tiergruppen ist nur bei dem Abgang nach einer Klauen- und Gliedmaßenerkrankung erkennbar.

Den höchsten Anteil an den Abgangsursachen bildeten während der Aufzucht die Fruchtbarkeitsstörungen, welche alle auf Erkrankungen der Geschlechtsorgane (Unfrucht-barkeit) der weiblichen Jungrinder basierten. Ein Einfluss der verschiedenen Haltungssystemen ist hierbei auszuschließen.

↓306

Eine verbesserte Diagnose der tatsächlichen Abgangsursachen bei den Allgemein-erkrankungen könnte dem Management des Unternehmens helfen, durch einzuleitende Prophylaxemaßnahmen, z.B. im Stoffwechselbereich, die Abgangsrate in der Aufzuchtphase weiter zu senken.

Die Tabelle 72 veranschaulicht die Ergebnisse zu den Abgängen in der 1.Laktation innerhalb der Stall- und Weidegruppe.

Tabelle 72: Abgänge in der 1.Laktation innerhalb der Stall- und Weidegruppe

Parameter

Stallgruppe

Weidegruppe

n

%

n

%

Anfangsbestand 1. Laktation

67

69

Anzahl Abgänge / Abgangsrate an Anfangsbestand

15

22,4

22

31,9

Anteil an Gesamtabgängen

55,6

75,9

Abgangsursache

Klauen und Gliedmaßen / Anteil in 1. Laktation

Eutererkrankungen / Anteil in 1. Laktation

Fruchtbarkeit / Anteil in 1. Laktation

Leistungsselektion / Anteil in 1. Laktation

Melkbarkeitsproblem / Anteil in 1. Laktation

Allgemeinerkrankung / Anteil in 1. Laktation

Stoffwechselerkrankungen / Anteil in 1. Laktation

3

2

1

2

0

3

4

20,0

13,3

6,7

13,3

0,0

20,0

26,7

6

5

5

2

1

2

1

27,2

22,7

22,7

9,1

4,6

9,1

4,6

↓307

Während der 1.Laktation wurden die höchsten Abgangsraten während des gesamten Untersuchungszeitraumes mit 22,4 % in der Stall- und 31,9 % in der Weidegruppe ermittelt.

Die Untersuchungsergebnisse zu den Abgängen der Stallgruppe während der 1. Laktation bestätigten ANACKER (2003) und WARZECHA (2003) bei unterschiedlichem Leistungs-niveau.

Der Anteil an den Gesamtabgängen während der 1.Laktation wurde zwischen den Weide- und Stalltieren mit 75,9 % bzw. 55,6 % registriert (Tabelle 72). Die höheren Behandlungsraten der Jungkühe der Weidegruppe setzen sich im höheren Abgangsgeschehen innerhalb der 1.Laktation fort. Über die Hauptursache, die zu geringe Lebendmasse p.p. der Weidetiere, und dessen negative Wirkung auf den Gesundheitsstatus dieser Tiere während der 1.Laktation wurde schon in vorangegangenen Abschnitten diskutiert.

↓308

Eine gesundheitsfördernde und damit abgangsminimierende Wirkung der Weidehaltung auf die Rinder über die Aufzuchtphase hinaus lässt sich anhand der eigenen Untersuchungen nicht feststellen. Die herrschenden betrieblichen Bedingungen innerhalb des Milchprodukt-ionszweiges stellen die entscheidenden Faktoren für die Leistungsfähigkeit des Hochleist-ungskuhbestandes dar, dieses betrifft auch das Abgangsgeschehen.

Das betriebliche Problem der Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen zeigte sich auch bei den Abgangsursachen mit 27,2 bzw. 20,0 % in der Weide- bzw. Stallgruppe und ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht alarmierend (BENZ 2003). Über die Zunahme von Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen national und international wiesen MÜLLING (2003) und BENZ (2003) hin.

Auch der hohe Abgangsanteil durch Eutererkrankungen von 22,7 und 13,3 % in Weide- und Stallgruppe während der 1.Laktation verlangen nach einer besseren Prophylaxe und Früher-kennung von Mastitisproblemen im Milchviehbestand (TENHAGEN 2002; WENDT und SPOHR 2003). Untersuchungen von ANACKER (2003) zeigen ähnlich hohe Abgangsraten durch Eutererkrankungen.

↓309

Die drittrangige Hauptabgangsursache Fruchtbarkeitsstörungen lag unterhalb der in Unter-suchungen von ANACKER (2003) angegebenen Werte. Trotzdem zeigten die Untersuch-ungsergebnisse in Bezug auf die Abgangsursache Fruchtbarkeitsstörungen eine größere Differenz zwischen Stall- und Weidegruppe, welche sich mit den ermittelten Unterschied in den Behandlungsschwerpunkten deckten.

Die Ursachen waren vielfältig, eine war das Vorhandensein von Stoffwechselerkrankungen in der Frühlaktation mit den bekannten Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Tiere (STAUFENBIEL 1999) und eine zweite der Antagonismus zwischen Wachstum und Fruchtbarkeit, bedingt durch die niedrige Lebendmasse p.p. der Weidetiere.

Auswirkungen der Weidehaltung innerhalb der Aufzuchtphase dürften keine Rolle mehr auf das Fruchtbarkeitsgeschehen in der 1.Laktation spielen (BERGER 1979).

↓310

Die Stalltiere wiesen mit 26,7 % einen sehr hohen Anteil an der Abgangsursache Stoffwechselstörungen auf. Bei diesen Tieren war das Energiedefizit in der Frühlaktation besonders hoch. Die Ketose führte zu hohen Lebendmasseverlusten im 1.Laktationsdrittel und somit zu Abgängen. Über Maßnahmen, wie separate Haltung und Fütterung von Färsen und Erstlaktierenden in der Transitfütterungsphase und der Frühlaktation, wurde schon ge-sprochen.

Die Tabelle 73 zeigt die Ergebnisse zu den Abgängen in der 2.Laktation bis zum Versuchsende innerhalb der Stall- und Weidegruppe.

Tabelle 73: Abgänge in der 2.Laktation bis zum Versuchsende innerhalb der Stall- und Weidegruppe

Parameter

Stallgruppe

Weidegruppe

n

%

n

%

Anfangsbestand 2. Laktation

41

38

Anzahl Abgänge / Abgangsrate an Anfangsbestand

5

12,2

2

5,3

Anteil an Gesamtabgängen

18,5

6,9

Abgangsursache

Klauen und Gliedmaßen / Anteil in 2. Laktation

Eutererkrankungen / Anteil in 2. Laktation

Allgemeinerkrankung / Anteil in 2. Laktation

Stoffwechselerkrankungen / Anteil in 2. Laktation

1

0

3

1

20,0

0,0

60,0

20,0

1

1

0

0

50,0

50,0

0,0

0,0

↓311

Während der 2.Laktation bis zum Versuchsende wurde in den Untersuchungen eine ver-gleichsweise geringe Abgangsrate von 12,2 % in der Stall- und 5,3 % in der Weidegruppe erreicht. Der aufgezeigte Trend von WARZECHA (2003) und ANACKER (2003), dass die Abgangsraten innerhalb der 2.Laktation ansteigen bzw. gleich bleiben, konnte nicht bestätigt werden. Zwischen 6,9 und 18,5 % variierte der Anteil an den Gesamtabgängen zwischen den Weide- und Stalltieren während der 2.Laktation (Tabelle 73).

Die nur 2 Abgänge während der 2.Laktation innerhalb der Weidegruppe zeigten, dass sich die Tiere dieser Gruppe auf gutem Niveau stabilisiert haben. Die beiden Abgangsursachen zeigten auch noch einmal die beiden betrieblichen Problemfelder Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen und die Mastitis.

Die Abgangstiere der Stallgruppe hatten als Hauptabgangsursache die Allgemein-erkrankungen. Diese sind schwer analysierbar, stehen aber in enger Beziehung zu den Stoffwechselerkrankungen Ketose, Gebärparese und Pansenazidose (STAUFENBIEL und GELFERT 2001 und 2002).

5.6. Untergruppen „schwer“ und „leicht“

↓312

Neben dem Datenvergleich der beiden Gesamtgruppen wurde eine weitere differenzierte Untersuchung in zwei Untergruppen, welche durch Halbierung der jeweiligen Gesamtgruppe zu Versuchsbeginn in schwere und leichte Tiere entstanden, durchgeführt.

Nachfolgend sollen schwerpunktmässig die Ergebnisse anhand einer Betrachtung der Mittelwerte diskutiert werden.

Wachstum

↓313

Die folgende Tabelle zeigt zusammenfassend Ergebnisse der Lebendmasseentwicklung in der Aufzuchtphase der Stall- und Weidegruppen „schwer“ und „leicht“ .

Tabelle 74: Lebendmasseentwicklung (kg) in der Aufzuchtphase der Stall- und Weidegruppen „schwer“ und „leicht“

Zeitpunkt bzw.-raum

Stallgruppe „schwer“

Stallgruppe „leicht“

Weidegruppe „schwer“

Weidegruppe „leicht“

Zeitraum verschiedener Haltungseinflüsse

450.Lebenstag

421

383

445

394

1.KB/erfolgreiche Bedeckung

464

416

411

375

540.Lebenstag

483

455

402

380

Ende verschiedener Haltungseinflüsse

533

491

453

423

Lebendmasseentwicklung

112

108

8

29

630.-730. Lebenstag

630.Lebenstag

566

528

450

431

730.Lebenstag

629

594

559

535

Lebendmasseentwicklung

63

66

109

104

Die durchschnittlichen Lebendmassen zum 450. Lebenstag stimmen in der Stallgruppe „schwer“ mit Ergebnissen von SKIDMORE (1995), REIMANN et al. (2000), HOFFMANN (2001) und WOLF et al. (2000) als Basis für ein Erstkalbealter zwischen 24 und 27 Lebensmonaten überein. Die Weidegruppe „schwer“ liegt über und die Stall- und Weidegruppe „leicht“ unter obigen Literaturangaben.

↓314

Beachtlich sind die großen Differenzen zwischen den mittleren Lebendmassen zum 450.Lebenstag zwischen den vier Untergruppen, obwohl die Tiere unter gleichen Haltungs- und Fütterungsbedingungen aufgezogen wurden. Die Ausschöpfung des Wachstumspotentials jedes Einzeltiers unterscheidet sich stark.

Die in den Untersuchungen erreichte Lebendmasse zur 1.Besamung bzw. erfolgreichen Bedeckung der Jungrinder der Stallgruppe „leicht“ und der Weidegruppe „schwer“ (Tabelle 74) liegt laut WEIHER et al. (1997), SPIEKERS und SOMMER (2000), HOFFMANN (2001), WARZECHA (2001), WOLF et al. (2000), TRILK (1999), SKIDMORE (1995) und RIECK und ZEROBIN (1985) innerhalb des optimalen Lebendmassebereiches zum genannten Zeitpunkt, währenddessen die Tiere der Weidegruppe „leicht“ geringfügig zu leicht waren. Die Stallgruppe „schwer“ hatte dem gegenüber zur 1.Besamung eine zu hohe Lebendmasse, d.h. diese Tiere wurden zu spät besamt (BURGSTALLER 1999).

Die Lebendmasseentwicklung der Stallgruppe „schwer“ und „leicht“ unterschieden sich im Zeitraum verschiedener Haltungseinflüsse nur gering zugunsten der schweren Tiere. Dagegen waren die Unterschiede der Weidegruppen „schwer“ und „leicht“ auf niedrigem Niveau zugunsten der leichten Tiere schon größer. Nach diesen Ergebnissen können sich leichtere Tiere besser an die herrschenden Weidebedingungen adaptieren.

↓315

Die Ergebnisse im Haltungszeitraum vom 630.-730.Lebenstag (Tabelle 74) zeigen eindeutig das kompensatorische Wachstum der Tiere der Weidegruppe, welches sich nach der restriktiven Weidehaltung in der sich anschließenden intensiven Stallfütterungsperiode ein-stellte. Die Weidegruppe „schwer“ erreichte eine geringfügig höhere Lebendmasseent-wicklung im Vergleich zur Weidegruppe „leicht“.

In der Literatur beschreiben u.a. JÄHNE (1985), SCHÜLER und MÜLLER (1994), BREUNUNG (1979) das kompensatorische Wachstum als besondere Eigenschaft des wachsenden Rindes.

Die Lebendmasseentwicklung nach der 1.Abkalbung bis zum 100.Laktationstag der 1.Laktation der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ zeigt die nachfolgende Tabelle 75.

↓316

Tabelle 75: Lebendmasseentwicklung (kg) im 1.Laktationsdrittel der 1.Laktation der Stall- und Weidegruppen „schwer“ und „leicht“

Zeitpunkt bzw.-raum

Stallgruppe „schwer“

Stallgruppe „leicht“

Weidegruppe „schwer“

Weidegruppe „leicht“

Lebendmasse p.p.

570

542

522

493

100.Laktationstag

528

502

519

501

Lebendmasseentwicklung

-42

-40

-3

8

In der Literatur bestätigten HOFFMANN (2001), WARZECHA ( 2001), WOLF et al. (2000) und MÖCKLINGHOFF-WICKE (2000) die mittlere Lebendmasse zur Abkalbung der Jung-kühe der Stallgruppe „schwer“. Währenddessen die Stallgruppe „leicht“ und Weidegruppe „schwer“ über der Lebendmasse p.p von 510 kg (WEIHER et al 1997) lagen, erreichte die Weidegruppe „leicht“ nur 493 kg.

Die durch eine Hochleistungskuh nicht auszugleichende negative Energiebilanz während der Frühlaktation (ROSSOW und BOLDUAN 1994, STAUFENBIEL und GELFERT 2002) erklären die Lebendmassereduzierungen der Stallgruppe „schwer“ und „leicht“, sowie der Weidegruppe „schwer“ während des 1.Laktationsdrittels der 1.Laktation.

↓317

Nur die Jungkühe der Weidegruppe „leicht“ mit der sehr niedrigen Lebendmasse p.p. haben eine geringe Lebendmassezunahme zu verzeichnen.

Fruchtbarkeit

Die Ergebnisse zu den Fruchtbarkeitsparametern im peripartalen Zeitraum der 1.Laktation der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ stellt die nachfolgende Tabelle dar.

↓318

Tabelle 76: Fruchtbarkeitsparameter im peripartalen Zeitraum der 1.Laktation der Stall-und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“

Fruchtbarkeitsparameter

Stallgruppe „schwer“

Stallgruppe „leicht“

Weidegruppe „schwer“

Weidegruppe „leicht“

Erstkalbealter in Monate

26,3

26,2

26,4

25,3

Kalbeverlauf

1,4

1,3

1,5

1,3

Abkalberate in %

86,5

89,2

97,3

89,2

Totgeburtenrate in %

12,5

9,1

8,3

21,2

Das in Tabelle 76 dargestellte Erstkalbealter lag in der Weidegruppe „leicht“ im Bereich der von vielen Autoren genannten Zielfunktion von 24-26 Monaten (SCHLEITZER 1999, LEVI 1970, PLATEN und GROSS 1997, REIMANN et al. 2000 und WOLF et al. 2000).

Die Stallgruppe „schwer“ und „leicht“ sowie die Weidegruppe „schwer“ lagen dagegen gering über 26 Monate Erstkalbealter.

↓319

Ein Einfluss der beiden Haltungssysteme im Färsenalter auf den Kalbeverlauf der Tiere der vier Versuchsgruppe konnte nicht festgestellt werden. Der Einsatz des nicht auf Schwer-kalbigkeit geprüften betrieblichen Deckbullen in der Weidegruppe könnte eine Ursache für das etwas schlechtere Ergebnis im Kalbeverlauf der Weidegruppe „schwer“ sein.

Aus den vier Untersuchungsgruppen lagen Abkalberaten (Tabelle 76) auf gutem Niveau vor.

Als eine Ursache für die höheren Abkalberaten in der Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ kann der dreimonatige Einsatz des Deckbullen in der Weidegruppe genannt werden.

↓320

Die höchste Totgeburtenrate mit 21,2 % wiesen die Kalbinnen der Weidegruppe „leicht“ auf.

Für die zu hohe Totgeburtenrate bei den Jungkühen der Weidegruppe „leicht“ könnte das kompensatorische Wachstum des Muttertieres im letzten Drittel ihrer Trächtigkeit ein Grund sein, welcher auch zu einem verstärkten Fötuswachstum und damit höherer Geburtsmasse des Kalbes führte. Der genetische Einfluss des eingesetzten Deckbullen in Bezug auf die Größe und Geburtsmasse der Kälber ist nicht zu unterschätzen. Letztlich spielt die geringe Lebendmasse der Färsen bzw. Jungkühe vor und nach der Abkalbung eine entscheidende Rolle.

Die ausgewiesenen Totgeburtenraten der Stallgruppe „schwer“ und „leicht“ sowie der Weidegruppe „schwer“ sind mit Ergebnissen von JAHNKE und WOLF (2001) vergleichbar.

↓321

Die Tabelle 77 stellt die Ergebnisse zu den Fruchtbarkeitsparameter in der 1.Laktation der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ dar.

Tabelle 77: Fruchtbarkeitsparameter in der 1.Laktation der Tiere der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“

Fruchtbarkeitsparameter

Stallgruppe „schwer“

Stallgruppe „leicht“

Weidegruppe „schwer“

Weidegruppe „leicht“

Rastzeit in d

55

62

75

67

Zwischentragezeit in d

86

120

132

151

Besamungsindex in Anzahl Besamungen

2,2

2,3

2,2

2,4

Die erreichten Rastzeiten der Jungkühe der Stall- und Weidegruppe (Tabelle 77) unterliegen auch betrieblichen Vorgaben und unterschreiten Angaben von JAHNKE (2002), BUCHWALD und PIEPER (2001) und MÖRSTEDT (2002).

↓322

Die durchschnittlichen Zwischentragezeiten der Jungkühe in der Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ waren am höchsten, wobei die 132 Tage der Weidegruppe „schwer“ nur gering über dem Durchschnitt Thüringens liegen. Die Tiere mit der geringsten Lebendmasse p.p haben Probleme wieder tragend zu werden (Zwischentragezeit: 151 Tage), dies zeigt sich auch am hohen Besamungsindex von 2,4. Die Zwischentragezeiten der Stallgruppe „schwer“ mit

86 Tagen und der Stallgruppe „leicht“ mit 120 Tagen positionieren sich unterhalb der maximal anzustrebenden Zwischentragezeit von 125 Tagen (JAHNKE 2002).

Der ausgewiesene Besamungsindex (Tabelle 77) zwischen den Tieren der Stall- und der Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ unterschieden sich gering und lagen über dem Durchschnitt in Thüringen von 2,1 (Mörstedt, 2002).

↓323

Empfehlungen aus Mecklenburg-Vorpommern gehen von einem Besamungsindex von 1,8 (JAHNKE 2002) und von 1,7 in Brandenburg (BUCHWALD und PIEPER 2001) aus.

Die Ergebnisse zu den Fruchtbarkeitsparametern im peripartalen Zeitraum der 2.Laktation der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ zeigt die Tabelle 78.

Tabelle 78: Fruchtbarkeitsparameter im peripartalen Zeitraum der 2.Laktation der Stall-und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“

Fruchtbarkeitsparameter

Stallgruppe „schwer“

Stallgruppe „leicht“

Weidegruppe „schwer“

Weidegruppe „leicht“

Zwischenkalbezeit in d

348

382

407

409

Kalbeverlauf

1,5

1,7

1,6

1,6

Abkalberate in %

51,9

82,8

54,8

69,0

Totgeburtenrate in %

21,4

4,2

17,6

5,0

↓324

Die durchschnittliche Zwischenkalbezeit der Milchkühe ab 1.Laktation der Weide- und Stallgruppe veranschaulicht die Tabelle 78. Zum Vergleich nennt JAHNKE (2002) als Optimum bei einer jährlichen Milchleistung von 6.500 kg eine Zwischenkalbezeit von 385 Tagen und bei etwa 7.700 kg Milch eine Zwischenkalbezeit von 385 bis 405 Tagen.

Als Ursache der hohen Zwischenkalbezeit der Tiere der Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ bei einer erreichten 305-Tage Milchleistung von durchschnittlich 5.521 und 5.358 kg könnte den vergleichsweise niedrigen Lebendmassen p.p. von im Mittel 522 bzw. 493 kg genannt werden, dadurch trat zu Laktationsbeginn bei den Jungkühen eine Kompensation des aufgetretenen Lebendmassedefizites auf, welche gleichzeitig zu einer Verdrängung der einsetzenden Milchbildung und der Fruchtbarkeitsleistungen bei den Tieren führte (DUCKER et al. (1985), FERGUSON und CHALUPA 1989).

Der mittlere Kalbeverlauf zur 2.Abkalbung wies bei den Milchkühen der Weide- und der Stallgruppe „schwer“ und „leicht“ nur geringe Unterschiede von 1,5-1,7 auf und lag leicht über dem der 1.Abkalbung.

↓325

Ursachen können in einer veränderten Grundfutterversorgung vor der Abkalbung (STREIT und ERNST 1992) und einer nicht optimalen Vorsorge und Betreuung der Kühe in der peripartalen Phase (STOLZENBURG und SCHÖNMUTH 1979, STOLZENBURG 1980, MÜNNICH 1990, MÜNNICH und PLATEN 1997) liegen.

Die Abkalberaten der Kühe zur 2. Laktation unterschieden sich von maximal 82,8 % in der Stallgruppe „leicht“ und minimal von 51,9 % in der Stallgruppe „schwer“ voneinander. Die Mehrfachbelastungen p.p. der Erstkalbinnen mit dem eigenem Wachstum, der Milcher-zeugung und der notwendigen erneuten Konzeption sind als Begründung dieser unter-schiedlichen Ergebnisse zu nennen.

Im peripartalem Zeitraum der 2.Laktation variierten die erreichten Totgeburtenraten mit maximal 21,4 % in der Stallgruppe „schwer“ und mit minimal 4,2 % in der Stallgruppe „leicht“ stark.

↓326

Ein Einfluss der unterschiedlichen Haltungssysteme während der Aufzuchtphase, einschließlich der Unterschiede in der Besamung und Bedeckung auf die Totgeburtenrate zur 2.Abkalbung ist nicht erkennbar. Die Höhe der Totgeburtenrate lag immer noch im Bereich der Angaben von JAHNKE und WOLF (2001).

Gesundheit

Die vorliegenden Untersuchungen zeigen tierärztliche Behandlungen an Jungrindern und Milchkühen innerhalb der zwei betrachteten Haltungsabschnitte Aufzuchtphase und 1.Laktation.

↓327

In der Tabelle 79 werden die Ergebnisse zu den tierärztlichen Behandlungen an den Jungrindern der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ in der Aufzuchtphase vorgestellt.

Tabelle 79: Veterinärmedizinische Behandlungen an den Jungrindern der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ in der Aufzuchtphase

Parameter

Stallgruppe „schwer“

Stallgruppe „leicht“

Weidegruppe „schwer“

Weidegruppe „leicht“

Anteil behandelter Tiere in %

45,9

32,4

18,9

18,9

Anzahl Behandlungen in Stück

26

17

11

7

davon Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen in %

88,5

88,2

81,8

57,1

davon Fruchtbarkeitsstörungen in %

11,5

5,9

0,0

42,9

davon Stoffwechselerkrankungen in %

0,0

0,0

18,2

0,0

davon Allgemeinerkrankungen in %

0,0

5,9

0,0

0,0

Anzahl Behandlungen je behandeltes Tier in Stück

1,5

1,4

1,6

1,0

Der in Tabelle 79 ausgewiesene hohe prozentuale Unterschied der anteilig behandelten Jung-rinder zwischen den Stall- und Weidegruppen „schwer“ und „leicht“ zeigte eindeutig die gesundheitsfördernde Wirkung der Weidehaltung innerhalb der Aufzuchtphase (SCHÜLER und MÜLLER 1994). Zur Bestätigung lassen sich weitere Untersuchungsergebnisse zur Anzahl Behandlungen in der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ sowie die Anzahl Behandlungen je behandeltes Tier heranziehen.

↓328

Die Hauptbehandlungsursache in der Aufzuchtphase der vier Untergruppen waren die Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen. Die Differenz in der Behandlungshäufigkeit zwischen Stall- und Weidegruppen während der Aufzuchtphase lassen sich mit der unterschiedlichen Länge der Haltungsdauer im Stall begründen (BENZ 2003, MÜLLING 2003, FIEDLER 2002). Bedingt durch die großen Unterschiede in der Lebendmasse der Tiere der Weide-gruppe „schwer“ und „leicht“ und die daraus folgende stärkere Belastung der Klauen der schweren Tiere lassen die Differenz in der Behandlungshäufigkeit zwischen schweren und leichten Tieren der Weidegruppe erklären. Alle Behandlungen der Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen der Färsen der Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ fanden erst nach dem Weideabtrieb während der Stallhaltungsphase statt, dies verdeutlicht die positive Wirkung des weichen Weidebodens und der günstigeren Umweltbedingungen der Weide auf die Klauengesundheit.

Bei allen in Tabelle 79 enthaltenen Behandlungen von Fruchtbarkeitsstörungen, der zweit-häufigsten Behandlungsursache in den Stallgruppen „schwer“ und „leicht“ sowie der Weide-gruppe „leicht“, handelte es sich um die Feststellung der Unfruchtbarkeit der Jungrinder.

Die veterinärmedizinischen Behandlungen an den Jungkühen der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ innerhalb der 1.Laktation unterscheiden sich.

↓329

Tabelle 80: Veterinärmedizinische Behandlungen an den Jungkühen der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ in der 1.Laktation

Parameter

Stallgruppe „schwer“

Stallgruppe „leicht“

Weidegruppe „schwer“

Weidegruppe „leicht“

Anteil behandelter Tiere in %

61,8

32,4

69,4

69,7

Anzahl Behandlungen in Stück

48

17

64

61

davon Eutererkrankungen in %

45,8

23,3

25,0

42,6

davon Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen in %

29,2

43,3

35,9

31,1

davon Fruchtbarkeitsstörungen in %

4,2

0,0

21,9

14,8

davon Stoffwechselerkrankungen in %

18,8

16,7

7,8

4,9

davon Allgemeinerkrankungen in %

2,0

16,7

9,4

6,6

Anzahl Behandlungen je behandeltes Tier in Stück

2,2

1,9

2,6

2,7

Der Anteil behandelter Jungkühe und die Anzahl Behandlungen während der 1.Laktation lag in den Weidegruppen „schwer“ und „leicht“ im Vergleich zu den Stallgruppen „schwer“ und „leicht“ bedeutend höher, wobei die leichten Tiere der Stallgruppe die geringste Anzahl an Behandlungen benötigte (Tabelle 80).

Durch die niedrige Lebendmasse p.p. der Weidetiere muß die Jungkuh zu Beginn der 1.Laktation weiter an Lebendmasse zulegen und zeitgleich mit der Milchbildung beginnen. Durch die vorhandene Doppelbelastung des tierischen Organismus werden die Fruchtbarkeit und die Gesundheit durch die aufgetretene Konkurrenzsituation vernachlässigt (DUCKER et al. 1985, FERGUSON und CHALUPA 1989).

↓330

Als Behandlungsschwerpunkte waren in allen vier Gruppen die Mastitis und die Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen (Tabelle 80) zu nennen, diese nahmen etwa zwei Drittel aller Behandlungen ein. Das betriebliche Klauen- und Gliedmaßenproblem setzte sich auch in der 1.Laktation der Tiere fort.

Der ausgewiesene hohe Anteil an Behandlungen von Euterentzündungen während der 1.Laktation konnte mit einem sehr hohen Infektionsgrad mit Mastitiserregern bei Färsen und Jungkühen von ANACKER (2000) bestätigt werden.

Behandlungsursachen innerhalb der 1.Laktation, wie die Fruchtbarkeitsstörungen, die Stoffwechsel- und Allgemeinerkrankungen lassen sich ähnlich den bereits beschriebenen beiden Hauptbehandlungsursachen in den von STAUFENBIEL (1999) sowie von STAUFENBIEL und GELFERT (2001 und 2002) genannten drei Erkrankungen, die Ketose, die Gebärparese und die Pansenazidose zurückführen, welche indirekt andere Erkrankungen der Milchkuh, wie u.a. die Labmagenverlagerung, Klauenerkrankungen und Fruchtbar-keitsstörungen verursachen. Von zentraler Bedeutung zur Vermeidung der drei obengenannten Stoffwechselerkrankungen ist eine hohe Futteraufnahme der Milchkühe nach der Abkalbung. Im Herdenmanagement sollte sich auf die Prophylaxe der Ketose, der Gebärparese und der Pansenazidose konzentriert werden.

↓331

Milchleistung

Das entscheidende Kriterium zur Feststellung der Leistungsfähigkeit einer Milchkuh ist die erreichte Milchleistung in einer Laktation, über die gesamte Nutzungsdauer oder wie in diesen Untersuchungen über einen festgelegten Zeitraum. Ein Einfluss der Parameter der Fruchtbarkeit, der Gesundheit und des Wachstums der Milchkuh auf die Höhe der erzielten Milchleistung ist unstrittig.

Tabelle 81: Mittlere 100- und 305-Tageleistung der 1.Laktation der Jungkühe der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“

Parameter

Stallgruppe „schwer“

Stallgruppe „leicht“

Weidegruppe „schwer“

Weidegruppe „leicht“

100-Tageleistung

Milchmenge in kg

2.174

2.198

2.087

1.966

305-Tageleistung

Milchmenge in kg

5.497

5.763

5.521

5.358

Milchfettgehalt in %

4,34

4,60

4,30

4,48

Milchfettmenge in kg

236

263

235

238

Milcheiweißgehalt in %

3,27

3,39

3,30

3,40

Milcheiweißmenge in kg

179

195

180

181

Milchfett- u. –eiweißmenge in kg

415

458

415

419

↓332

Unabhängig vom sehr niedrigen Leistungsniveau lassen sich anhand der in Tabelle 81 vorgestellten Ergebnisse zur 1.Laktationsleistung der Jungkühe nur geringe Unterschiede zwischen Stall- und Weidegruppen „schwer“ und „leicht“ feststellen.

Eine Bestätigung der Ergebnisse zeigen Untersuchungen von MISSELVITZ (1979), WOLLENWEBER et al. (1993) und WARZECHA (2003) zu Auswirkungen von unterschiedlichen Aufzuchtintensitäten auf die spätere Milchleistung. Den größten Einfluss auf die Milchleistung in der 1.Laktation nehmen die vorhandenen Haltungs- und Fütterungsbedingungen in der Milchproduktion ein. FRIEDEL et al. (1986) nennen das große Puffervermögen des Rindes auf unterschiedliche Bedingungen in der Aufzuchtphase als Grund für den geringen Einfluss auf die spätere 1.Laktation.

Die niedrigen mittleren 100-Tageleistungen in der 1.Laktation sind mit Ergebnissen von WARZECHA (2000) vergleichbar. Ein Grund für den Unterschied zwischen den mittleren 100-Tageleistungen in der 1.Laktation wird in den unterschiedlichen mittleren Lebendmassen p.p. der Stallgruppe „schwer“ und „leicht“ mit 570 bzw. 542 kg und der Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ mit 522 bzw. 493 kg gesehen. Die leichten Stalltiere hatten während der 1.Laktation bis auf den Milcheiweißgehalt in % die besten Milchleistungsparameter der vier Untersuchungsgruppen. Überraschenderweise erreichten die leichten Weidetiere eine höhere Milchfett- und –eiweißmenge im Vergleich zu den schweren Jungkühen der Stall- und Weidegruppe.

↓333

Nutzungsdauer

Die nächste Tabelle 82 stellt die Ergebnisse zu den Tierabgängen in der Aufzuchtphase und der 1.Laktation innerhalb der Stall- und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“ dar.

Tabelle 82: Abgänge in der Aufzuchtphase und der 1.Laktation innerhalb der Stall-und Weidegruppe „schwer“ und „leicht“

Parameter

Stallgruppe „schwer“

Stallgruppe „leicht“

Weidegruppe „schwer“

Weidegruppe „leicht“

Aufzuchtphase

Anfangsbestand besamungsfähiges Jungrind in Stück

37

37

37

37

Anzahl Abgänge in Stück

3

4

1

4

Abgangsursache

Klauen und Gliedmaßen in %

Fruchtbarkeitsstörungen in %

Allgemeinerkrankung in %

0,0

100,0

0,0

25,0

25,0

50,0

0,0

0,0

100,0

0,0

75,0

25,0

Êndbestand in Stück

34

33

36

33

1.Laktation

Anfangsbestand 1. Laktation in Stück

34

33

36

33

Anzahl Abgänge in Stück

10

5

14

8

Abgangsursache

Klauen und Gliedmaßen in %

Eutererkrankungen in %

Fruchtbarkeitsstörungen in %

Leistungsselektion in %

Melkbarkeitsproblem in %

Allgemeinerkrankungen in %

Stoffwechselerkrankungen in %

20,0

20,0

10,0

10,0

0,0

0,0

40,0

20,0

0,0

0,0

20,0

60,0

0,0

0,0

35,7

14,3

21,5

7,1

0,0

14,3

7,1

12,5

37,5

25,0

12,5

12,5

0,0

0,0

Verkauf von Zucht-und Nutzvieh in Stück

7

4

5

4

Êndbestand in Stück

17

24

17

21

↓334

Während der Aufzuchtperiode der Versuchstiere vom 450. Lebenstag bis zur 1.Abkalbung wurden jeweils 4 Abgänge in der Stall- und Weidegruppe „leicht“ registriert. In der Stallgruppe „schwer“ wurden 3 Abgänge und in der Weidegruppe „schwer“ nur ein Abgang ermittelt. Die Hauptabgangsursachen unterschieden sich zwischen den einzelnen Tier-gruppen. Fruchtbarkeitsstörungen, welche alle auf Erkrankungen der Geschlechtsorgane (Unfruchtbarkeit) der weiblichen Jungrinder basierten, waren in der Stallgruppe „schwer“ und der Weidegruppe „leicht“ die Hauptabgangsursache. Die Allgemeinerkrankungen führten in der Stallgruppe „leicht“ und Weidegruppe „schwer“ zu den meisten Abgängen.

Eine verbesserte Diagnose der tatsächlichen Abgangsursachen bei den Allgemein-erkrankungen könnte dem Management des Unternehmens helfen, durch einzuleitende Prophylaxemaßnahmen, z.B. im Stoffwechselbereich, die Abgangsrate in der Aufzuchtphase weiter zu senken.

↓335

Während der 1.Laktation wurden für die Weidegruppe „schwer“ mit 14 Abgängen die höchste Anzahl während des gesamten Untersuchungszeitraumes in den einzelnen Versuchsgruppen ermittelt. Es folgen die Stallgruppe „schwer“ mit 10 Abgängen, die Weidegruppe „leicht“ mit 8 Abgängen und mit nur 5 Abgängen die Stallgruppe „leicht“.

Über die Hauptursache, die geringe Lebendmasse p.p. der Weidetiere, und dessen negative Wirkung auf den Gesundheitsstatus dieser Tiere während der 1.Laktation wurde schon in vorangegangenen Abschnitten besprochen. Das betriebliche Problem der Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen zeigte sich auch bei den Abgangsursachen mit 35,7 % in der Weidegruppe „schwer“ und jeweils 20,0 % in der Stallgruppe „schwer“ und „leicht“. Über die Zunahme von Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen national und international wiesen MÜLLING (2003) und BENZ (2003) hin.

Auch der hohe Abgangsanteil durch Eutererkrankungen von 37,5 und 20,0 % in der Weidegruppe „leicht“ und der Stallgruppe „schwer“ während der 1.Laktation verlangen nach einer besseren Prophylaxe und Früherkennung von Mastitisproblemen im Milchviehbestand (TENHAGEN 2002; WENDT und SPOHR 2003).

↓336

Die drittrangige Hauptabgangsursache Fruchtbarkeitsstörungen konnte mit einem Abgangsanteil von 25,0 und 21,5 % in der Weidegruppe „leicht“ und „schwer“ bestätigt werden. Die Ursachen waren vielfältig, eine war das Vorhandensein von Stoffwechseler-krankungen in der Frühlaktation mit den bekannten Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Tiere (STAUFENBIEL 1999) und eine zweite der Antagonismus zwischen Wachstum und Fruchtbarkeit, bedingt durch das niedrige Abkalbegewicht der Weidetiere. Auswirkungen der Weidehaltung innerhalb der Aufzuchtphase dürften keine Rolle mehr auf das Fruchtbarkeitsgeschehen in der 1.Laktation spielen (BERGER 1979).

Die schweren Stalltiere wiesen mit 40,0 % einen sehr hohen Anteil an der Abgangsursache Stoffwechselstörungen auf. Bei diesen Tieren war das Energiedefizit in der Frühlaktation besonders hoch, die Ketose führte zu hohen Lebendmasseverlusten im 1.Laktationsdrittel und somit zu Abgängen. Über Maßnahmen, wie separate Haltung und Fütterung von Färsen und Erstlaktierenden in der Transitfütterungsphase und der Frühlaktation, wurde schon diskutiert.


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17.11.2006