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Zusammenfassung

Ziel der Arbeit war es, die Leistung von Kamerunlämmern und K1- und K2-Kreuzungs­lämmern vor und nach dem Absetzen bei unterschiedlichen Haltungsbedingungen zu untersu­chen. Bei Wachstumsversuchen nach dem Absetzen ging es darum die Effekten verschiedener Fütterungsniveaus bei Stalltemperatur zu untersuchen und die Reaktion von Kamerunlämmern und K1- und K2-Kreuzungslämmern festzustellen und zu vergleichen. In einem weiteren Versuch in der Klimakammer (bei 31°C/50% relativer Luftfeuchte am Tage und 15°C/70% relativer Luftfeuchte nachts) wurde das Wachstum von Kamerun- und K2-Kreuzungslämmern und dessen physiologischen Reaktionsmuster untersucht. Die Milchleistung von Kamerun- und K1-Mutter-Tiere wurde ermittelt und verglichen unter Anwendung der “Suckling”-Methode.

Die Kreuzungslämmer wurden durch Kreuzungen von Kamerunhaarschafen mit Deutschen Rassen (d. h. Texel, Blauköpfiges Fleischschaf, Rauhwolliges Pommersches Landschaf, Coburger Fuchsschaf, Braunes Bergschaf, Merino Landschaf, Weißes Ostfriesisches Milch­schaf und Braunes Ostfriesisches Milchschaf) erzeugt. Zur Ermittlung des Wachstums vor dem Absetzen standen folgende Versuchstiere zur Verfügung: 67 (9 Kamerun, 31 K1 und 27 K2) männliche und weibliche Lämmer in der laktogenen Phase im Jahr 1994 und 60 (11 Kamerun, 21 K1 und 28 K2) männliche und weibliche Lämmer in der laktogenen Phase im Jahr 1995. Zur Ermittlung des Wachstums nach dem Absetzen standen folgende Versuchstiere zur Verfügung: 30 (10 Kamerun, 10 K1 und 10 K2) abgesetzte männliche und weibliche Lämmer im Jahr 1995 und 10 (5 Kamerun und 5 K2) abgesetzte männliche und weibliche Lämmer für die Temperaturbehandlung in der Klimakammer im Jahr 1996. Für den Milchlei­stunsversuch standen folgende Versuchstiere zur Verfügung: 17 (8 Kamerun und 9 K1) laktie­rende Mutterschafe im Jahr 1995.

Zahlenmäßig wurden ca. 46% der K1-Lämmer durch Kreuzung zwischen Kamerun x Texel; und ca. 47% der K2-Lämmer durch Kreuzung zwischen K1 (Kamerun x Weißes Ostfriesisches Milchschaf) und K1 (Kamerun x Braunes Ostfriesisches Milchschaf) erzeugt.

Die folgenden Parameter wurden benutzt: Körpergewicht, Milchleistung, Futteraufnahme, Wasseraufnahme, Rektaltemperatur, Atemzüge pro Minute und Schlachtkörperwert.

Alle Experimente wurden in der Tierversuchsstation Dahlem der Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführt.

Die Ergebnisse der Untersuchungen sind wie folgt zusammengefaßt:

1. Vergleich des Wachstums von Lämmern unterschiedlicher Genotypen während der laktogenen Phase

2. Milchleistung der Mutterschafe ermittelt über die “Suckling”- Methode


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3. Vergleichendes Wachstum der Lämmer unterschiedlicher Genotypen nach dem Absetzen

3.1. Einfluss verschiedener Fütterungsniveaus

Im Vergleich zwischen alternierender Hoch-Niedrig- und Niedrig-Hoch-Fütterung ergab sich, daß bei letzteren Fütterungsregime ein signifikant (p 0.05) höheres Lebendgewicht in der zwölften Woche ermittelt wurde. Das Endgewicht der K1- und K2-Kreuzungslämmer war signifikant (p 0.001) höher als das der Kameruner. Der Unterschied zwischen den K1- und K2-Kreuzungslämmern war nicht signifikant, aber die K2-Tiere haben ein größeres Endgewicht erlangt als die K1-.

Die tägliche Zunahme war als Folge der Niedrig-Hoch-Fütterung signifikant (p 0.001) höher als der umgekehrten Fütterungsform. K1- und K2-Kreuzungslämmer haben eine sig­nifikant (p 0.001) höhere tägliche Zunahme erlangt als die Kamerunlämmer. In der Tendenz erreichten die K1-Kreuzungslämmer eine hohere tägliche Zunahme als die K2-. Dieser Unterschied konnte statistisch, jedoch nur in der 2. Versuchsabshnitt gesichert wer­den. Der Verlauf von ermittelter täglichen Zunahme pro Woche zeigt ein unterschiedliches Bild zwischen den beiden Fütterungsregimen.

Die Aufnahme von der gesamten umsetzbaren Energie war zwischen den Füttterungs­regimen (Hoch-Niedrig- und Niedrig-Hoch-Fütterung) nicht unterschiedlich. Dagegen zeigte die Energieaufnahme oberhalb des Erhaltungsbedarfes signifikante (p 0.001) Unter­schiede, indem in der Niedrig-Hoch-Fütterungsregime in der 2. Versuchshälfte mehr Energie aufgenommen wurde. Zwischen den verschiedenen Genotypen gab es keine signi­fikante Unterschiede, jedoch nahmen in der Tendenz die Kameruner die höchste Energie­menge oberhalb des Erhaltungsbedarfes auf und die K1-Tiere die niedrigste.

Die Weizenstrohaufnahme war uber den gesammten Versuchszeitraum betrachtet nicht unter­schiedlich zwischen den Fütterungsregimen. Während der Niedrig-Fütterungsphasen wurde jeweils signifikant (p 0.05) mehr Weizenstroh aufgenommen als in den Hoch- Fütterungspha­sen. Die Weizenstrohaufnahme war zwischen den K1- und K2-Kreuzungslämmern im Ver­gleich zu den Kamerunlämmern aufgrund von der höheren Lebendmasse signifikant (p 0.001) erhöht. Bei hohen Fütterungsniveau war die relative Aufnahme von Weizenstroh (Trocken­substanz von Weizenstroh: Gesamt-Trockensubstanz) bei den K1- und K2-Tieren höher als bei den Kamerunern.

3.2. Einfluss erhöhter Lufttemperatur während des Tages und alternierender Fütte­rungsniveaus

Die K2-Kreuzungslämmer haben über die Zeit des Versuchs in der Klimakammer höhere tägliche Zunahmen erlangt als die Kamerunlämmer, aber der Unterschied zwischen ihnen war nicht signifikant. Die K2-Kreuzungslämmer haben erst während der zweiten Hoch-Fütterung-Phase von Woche 9 bis Woche 12 signifikant (p 0.05) höhere tägliche Zunah­men erlangt als die Kamerunlämmer. Die männlichen Tiere erreichten während der letztge­nannten Phase und während der Zeit des ganzen Versuchs signifikant (p 0.05) höhere täg­liche Zunahme als die weiblichen Tiere.

Die Aufnahme von Energie (p 0.01) und Kraftfutter (p 0.05) war bei den K2- Kreuzungs­lämmern signifikant höher als bei den Kamerunlämmern und bei den männlichen Tieren signifikant höher als bei den weiblichen während der Zeit des ganzen Versuchs. Nichts­de­stoweniger war die Aufnahme von Energie oberhalb des Erhaltungsbedarfes signifikant (p 0.01) höher bei den Kamerunlämmern als bei den K2- Kreuzungslämmern während der ersten Hoch-Fütterung-Phase von Woche 1 bis Woche 4 und während der Zeit des ganzen Versuchs (p 0.05). Die Aufnahme von Energie oberhalb des Erhaltungsbedarfes war bei den männlichen Tieren auch signifikant (p 0.05) höher als bei den weiblichen während der zweiten Hoch-Fütterung-Phase von Woche 9 bis Woche 12.

Die Aufnahme von Weizenstroh war signifikant (p 0.05) höher bei den K2- Kreuzungs­lämmern als bei den Kamerunlämmern während der ersten Hoch-Fütterung-Phase von Woche 1 bis Woche 4.

Die erhöhte Tagestemperatur und die Hoch-Niedreig-Hoch-Fütterung ergaben kein physiologisches Hindernis zur Haltung von Kamerun- und K2- Kreuzungslämmern.

Mit Ausnahme von den K2- Kreuzungslämmern während der restriktiven Phase in der 5. - 8. Woche, war die Rektaltemperatur gemessen um 1200 Uhr bei 31°C/50% relative Luft­feuchte immer niedriger als Rektaltemperatur gemessen um 2000 Uhr bei 15°C/70% rela­tive Luftfeuchte, ungeachtet des Genotyps. Die weiblichen Tiere haben immer höhere Rektaltemperatur- und Atemfrequenzwerte erlangt als die männlichen. Niedrige Rektal­temperatur bei den männlichen Tieren war mit höherer Energieaufnahme verbunden (siehe oben). Atemfrequenz war bei den K2- Kreuzungslämmern meist [page 4↓]höher als bei den Kame­runlämmern. Nach der 2. und der 3. Versuchsphase war der Unterschied der Rek­taltrempe­ratur gemessen um 1200 Uhr bei 31°C/50% relativer Luftfeuchte zwischen den Kamerunern und den K2- Kreuzungslämmern und zwischen den männlichen und den weiblichen Tieren erhöht. Während der Niedrig-Fütterung-Phase von Woche 5 bis Woche 8 ergaben sich auch erhöhte Unterschiede in der nächtlichen Rektaltremperatur gemessen um 2000 Uhr bei 15°C/70% relativer Luftfeuchte zwischen den Kamerunern und den K2- Kreuzungsläm­mern und auch zwischen den männlichen und weiblichen Tieren.

Die Unterschiede der Rektaltemperaturen gemessen um 1200 Uhr bei 31°C/50% relativer Luftfeuchte und um 2000 Uhr bei 15°C/70% relativer Luftfeuchte kompensierten sich zwi­schen den Kamerunlämmern und den K2- Kreuzungslämmern: tagsüber waren die Tempe­ratur-Werte bei den Kamerunlämmern erniedrigt, nachts erhöht gegenüber den K2- Kreu­zungslämmern. Eine derartige Kompensation der Rektaltemperatur gemessen um 1200 Uhr bei 31°C/50% relativer Luftfeuchte und um 2000 Uhr bei 15°C/70% relativer Luft­feuchte zwischen männlichen und weiblichen Tieren, trat nicht auf.

Als Folge der Niedrig-Fütterung-Phase von Woche 5 bis Woche 8 war der Unterschied in der Atemfrequenz gemessen um 1200 Uhr erhöht bei den Kamerunlämmern gegenüber den K2- Kreuzungslämmern. Während der Niedrig-Fütterung-Phase von Woche 5 bis Woche 8 und während der zweiten Hoch-Fütterung-Phase von Woche 9 bis Woche 12, war der Unterschied der Atemfrequenz bei den männlichen gegenüber den weiblichen Tieren auch erhöht.

4. Schlachtwert

4.1. Einfluss verschiedener Fütterungsniveaus

Die signifikante Erhöhung der täglichen Zunahme als Folge von Niedrig-Hoch-Fütterung ist das Ergebnis der Erhöhung der Gewichte der Verdauungsorgane. Niedrig-Hoch- Fütte­rung führte zu einer Erhöhung der Gewichte von Leerkörper, Muskel, Fett (außer von Kammfett) und Knochen (außer der Knochengewichte von Schulter, Kamm und Hals) der selektierten 7 wertvollen Körperteile, die aber nicht statistisch gesichert werden konnte.

Das Leerkörpergewicht war bei den K2-Kreuzungslämmern größer als bei den K1-. Auch das relatives Gewicht (Muskel: Körperteil) der meisten wertvollen Körperteile (Schulter, Rucken und Keule) war bei den K1- und K2-Tieren signifikant höher als bei den Kameru­nern. Für die Körperteile, Brust und Hals, haben die K2-Tiere einen höheren Wert erlangt als die Kamerun- und K1-Tiere.

Das Fellgewicht war bei den K1- und K2-Kreuzungslämmern signifikant (p 0.001) höher als bei den Kamerunlämmern. Der Unterschied zwischen den K1- und K2-Kreuzungsläm­mern war nicht signifikant, aber die letztgenannten haben einen höheren Wert erlangt.

Der Effekt der Fütterungsformen auf relatives Gesamtfett, Nieren-Fett und Magen-Darm-Fett war nicht signifikant. Der Effekt von Genotyp (p 0.05) und Geschlecht (p 0.05) auf relatives Gesamtfett, Nieren-Fett und Magen-Darm-Fett war aber signifikant. Die Kame­runlämmer haben signifikant höhere Werte erlangt als die K1- und K2-Kreuzungslämmer. Der Unterschied zwischen den K1- und K2-Kreuzungslämmern war nicht signifikant, aber letztgenannten haben einen höheren Wert erlangt.

4.2. Einfluss höher Lufttemperatur während des Tages und alternierender Fütterungs­niveaus

Die K2-Kreuzungslämmer erzielten ein größeres Schlachtkörpergewicht bei fast allen Merkmalen gegenüber den Kamerunlämmern. Relatives Gewicht (Muskel: Körperteil) von Keule und Dünnung war bei den K2 hochsignifikant (p 0.001) höher als bei den Kameru­nern. Im Vergleich zum letztgenannten Experiment, scheint der Fleischeinsatz der K2-Tiere gegenüber den Kamerun- für den meisten wertvollen Körperteilen (außer von Keule und Hals) benachteiligt zu sein als Folge von höher Temperatur.

In der Klimakammer unter obengenannten Fütterungsregime und mit alternierender höher und niedriger Temperatur tagsüber bzw. nachts erzielten die Kamerunlämmer ein signifi­kant höheres relatives Gewicht bezüglich Gesamtfett (p 0.01), Nieren-Fett (p 0.001) und Magen-Darm-Fett (p 0.001) gegenüber den K2-Kreuzungslämmern. Im Vergleich zu Hoch-Niedrig- und Niedrig-Hoch-Fütterung im Jahr 1995 unter Stalltemperaturbedingun­gen war in der Klimakammer (1996) eine geschlechtsbedingte Umsteuerung der Ablage­rung vom relativen Gewicht von Magen-Darm-Fett festzustellen: die männlichen Tiere erzielten höheren Werte gegenüber den weiblichen, der Unterschied zwischen ihnen war nicht signifikant, auch wenn dies absolute signifikant (p 0.05) war. Die Rektaltemperatur- und Atemfrequenzwerte während des Tages waren bei den Kamerunlämmer und den männlichen Tieren signifikant niedriger als bei den K2- Kreuzungslämmern bzw. den weiblichen Tieren. Die Umsteuerung von der Ablagerung von innerem Fett unter hohen Temperaturbedingungen könnte einen Thermoregulationsmechanismus mit Langzeitwir­kung darstellen.


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