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3  Scramblingeigenschaften

Die deutsche Sprache gehört zu den flektierenden Sprachen und erscheint subjekt-orientiert; die koreanische Sprache ist eine agglutinierende Sprache und wird unter den subjekt- und topik-orientierten Sprachen eingeordnet1. Obwohl beide Sprachen sprachtypologisch zu verschiedenen Sprachgruppen gehören, haben sie das Scramblingphänomen gemeinsam. Dieses vergleichend zu untersuchen, die Ursache für Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden, stellt das Hauptziel dieses Kapitels dar. Das ermöglicht also die Aufdeckung der Natur des Scramblings und die uniforme Erklärung von Übereinstimmung und Verschiedenheit bei Scrambling im D. und K. aus der Sicht der lexikalischen Analyse. In Abschnitt 3. 1 werden die gemeinsamen und unterschiedlichen Sprachdaten untersucht und verglichen. Die nominalen Elemente DP kommen darin gemeinsam, aber bei langem Scrambling und Scrambling der fokalen Elemente verschieden vor. In Abschnitt 3. 2 werden die Strukturen und Bedingungen behandelt, die dafür Verantwortung tragen. Strukturell verhält sich die deutsche Sprache in der Position der funktionalen Köpfe gemischt: Der Kopf C steht links und die Köpfe T/v rechts. Die koreanische Sprache hingegen zeigt sich einheitlich rechtsköpfig. Als lexikalische Bedingung haben die grammatischen Köpfe (nominaler funktionaler KopfNK oder Determinator D) des D. und des K. das relative Grad-Paarmerkmal von ,,Topik und Fokus‘‘ gemeinsam. Es wird aber unterschiedlich spezifiziert: Es existiert morphologisch in der deutschen D-Kategorie nicht-topikal und nicht-fokal, während es im koreanischen nominalen grammatischen Kopf topikal und fokal erscheint. In Abschnitt 3. 3 werden die verglichenen Daten mit der Topik-Fokus-Graduierung und der morphologisch unterschiedlichen Spezifizierung des gemeinsamen Merkmales des NK analysiert.


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3.1  Vergleich der Daten bei Scrambling im D. und K.

Man kann anhand der folgenden Daten Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Scramblingphänomens im D.2 und K. feststellen. Zuerst wird der Unterschied zwischen lokalem und langem Scrambling in beiden Sprachen gezeigt.

(1)

a.

dass Hans Peter gesagt hat [S dass dieses Buch Maria ti besitzt].

 

b.

* dass dieses Buchi Hans Peter gesagt hat [S dass Maria ti besitzt].

Wie die Sätze (1) zeigen, ist es im D. unmöglich, dass eine Satzkonstituente aus einem finiten Satz heraus gescrambelt wird. Währenddessen bietet das K. die Möglichkeit, das Objekt aus dem finiten Satz hinauszuscrambeln, wie der Satz (2) b illustriert.

In den folgenden Sätzen sind auch Ähnlichkeiten und Unterschiede des D.3 und K. dahingehend feststellbar, was gescrambelt werden kann.

In dem Satz des D. wird das direkte Objekt das Buch gescrambelt. Im K. bewegt sich das mit dem Kasusmorphem –ul gekennzeichnete AKK-Objekt chayk-ul. Scrambling stellt also in beiden Sprachen nominale Satzglieder (DPs) um. Für die folgenden Sätzen gilt das Gleiche.

In diesen Sätzen (4) werden die Prä-/Postpositionalen Phrasen (PP) ohne Liebe, salang-epssi gescrambelt. Diese Adjunkte fungieren als Satzadverbiale und dienen in beiden Sprachen als Scramblingobjekt. Argumente und Adjunkte treten also als gemeinsame Scramblingelemente in Erscheinung

Es gibt auffallende Unterschiede in beiden Sprachen, ob WH-Phrasen und fokussierte Elemente gescrambelt werden können.

Die Sätze (5) a, b haben basisgenerierbare Wortfolgen für die WH-Phrase was und mwues-ul in beiden Sprachen. Im D. ist der Satz mit der gescrambelten Phrase verschieden in Grammatikalität bzw. Akzeptabilität, im Gegensatz zum K., wo die WH-Phrasen ohne den Grammatikalitäts- bzw. Akzeptabilitätsunterschied gescrambelt werden können, wie Satz (5) d zeigt.


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Die folgenden Sätze illustrieren den Unterschied, dass im D. anders als im K. die fokussierten Satzglieder in der unterschiedlichen Grammatikalität bzw. Akzeptabilität gescrambelt werden können.

In den Sätzen (6) a, b werden die AKK-Objekte das BUCH, CHAYK-ul fokussiert. Diese Elemente werden in den Sätzen (6) c, d gescrambelt, wobei sich die unterschiedliche Grammatikalität beider Sprachen zeigt. Im D. ist der Scrambling-Satz von fokussierten DP entweder (un)grammatisch oder der Satz klingt schlecht. Im Gegensatz dazu klingt der Satz mit Fokusphrase-Scrambling im K.4perfekt.

Die Gemeinsamkeit des Scramblingphänomens in beiden Sprachen besteht also in der Umstellung der Satzkonstituenten DP und Adjunkte innerhalb eines Satzes.

Ein Unterschied liegt in der Zulässigkeit von lokalem und langem Scrambling. Im D. besteht überwiegend nur die Möglichkeit zu lokalem Scrambling, während man im K. nicht nur lokales, sondern auch langes Scrambling finden kann. Der nächste Unterschied beim Scramblingphänomen liegt im Verhalten von fokussierten Elementen und WH-Phrasen. Das D. schränkt im Gegensatz zum K. die Scramblingmöglichkeit solcher Konstituenten ein. Im folgenden Abschnitt werden die Restriktionen behandelt, die diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede verursachen.


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3.2  Die Strukturen und Bedingungen

Bei dem gemeinsamen linguistischen Phänomen Scrambling in der deutschen und koreanischen Sprache liegt die Ähnlichkeit in den bewegungsfähigen Elementen, den Argumenten und Adjunkten.

Der Unterschied zwischen den Sprachen ist die Bewegungsdomäne innerhalb und außerhalb eines Satzes. Im D. bewegen sich gescrambelte Elemente innerhalb eines Satzes. Im Gegensatz dazu können Scramblingobjekte im K. die Satzgrenze überwinden. In diesem Abschnitt werden die Bedingungen erläutert, die die Ursache der Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Scramblings sind. Die gleichartige deutsche und koreanische Grundreihenfolge kann zunächst wie folgt (7) angesetzt werden.

(7)

a. Die Grundreihenfolge im Deutschen5:

Subjekt + Indirektes Objekt+ Direktes Objekt + Direktional + Verb

 

b. Die Grundreihenfolge im Koreanischen6:

Subjekt + Indirektes Objekt+ Direktes Objekt + Direktional + Verb

Beispiele für die Grundreihenfolge in beiden Sprachen sind :

An diesen Grundreihenfolgen im D. und K. kann man sehen, dass beide Sprachen die gleichen Satzgliedstellungen als Basiswortfolge haben. Für diese Reihenfolgen kann die deutsche (9) und koreanische (10) Satzstruktur angegeben werden.


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(9)Die deutsche Satzstruktur:

In dieser deutschen Satzstruktur werden die in ihrer Ausrichtung verschiedenen grammatischen Kategorien C/T/v angegeben. Die C-Kategorie liegt auf der linken Seite der Struktur, die anderen Köpfe befinden sich auf der rechten Seite der Struktur. Die C-Kategorie, in der Konjunktionen oder finite Verben erscheinen7, fungiert als Begrenzungselement für Scrambling, weil sie lexikalisch nicht-nominal ist und strukturell links steht. Scrambling ist eine kontinuierliche Relativierung von Topik (= Ferne) und Fokus (= Nähe) nominaler Elemente bezüglich des Prädikates.

Die folgende koreanische Struktur zeigt die uniforme Positionierung der grammatischen Kategorien.

(10) Die koreanische Satzstruktur:

Die C-Kategorie erscheint nicht zwischen den nominalen Ausdrücken, sondern sie steht rechts und kann damit nicht das Scrambling der nominalen Elemente strukturell begrenzen. Bei den Satzstrukturen in (9) und (10) gibt es also einen Unterschied in der Lage der C-Kategorie.

Die folgenden lexikalischen Bedingungen verursachen die Gemeinsamkeit und die Unterschiede des Scramblings in beiden Sprachen, wobei erstere zunächst auf der gemeinsamen Bedingung (11) beruht.


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Der nominale funktionale Kopf NK, der Artikel im D. und Kasusmorpheme im K. betrifft, zeigt das kategorische Merkmal [+N, -V] in GF und das semantische Merkmal [(-)Def] in SF. Er ist also lexikalisch nominal und sein Merkmal [Topi] kennzeichnet die möglichen relativen Paarmerkmale von ,,Topik und Fokus‘‘. Die nominale Kategorie NK kann sowohl als Kasus- wie auch als Topik- und/ oder Fokusmarker für Nomina wirken. Die nominale funktionale Phrase DP kann also im Satz als topikales und/oder fokales Element erscheinen. Das lexikalische nominaleMerkmal [Topi] in Kategorie NK unterscheidet sich charakteristisch von Flexions- sowie Kongruenz-, Genus- und Numerusmerkmalen, welche die internen Formen der Wörter abwandeln. Das Merkmal [Topi] der betrachteten Satzglieder verändert syntaktisch die grundlegende Wortfolge und ihre Topik-/Fokus-Grade exklusive der grundlegenden θ-Struktur des Verbs. In dieser Arbeit8 wird das Wort ,,Topik und Fokus‘‘ als relativer Struktur-Dimensionierungsbegriff in der Bedeutung der Topik-Fokus-Graduierung von nominalen Satzgliedern für Scrambling im D. und K. verwendet (vgl. Kap. 1, Abs.1.3.3).

Das gemeinsame Merkmal der nominalen grammatischen Kategorie NK spezifiziert sich aber unterschiedlich im D. und K.

Die koreanischen Kasusmorpheme realisieren sich als topikales und fokales Merkmal; die deutschen Kasusträger, z.B. Artikel, erscheinen nicht-topikal und nicht-fokal. Das graduierbare Paarmerkmal [Topi] der nominalen funktionalen Kategorie kann folglich im K. durch die affigierten Kasusmorpheme, d.h. morphologische ,,Topik und Fokus‘‘, erkannt werden. Im D. aber ist das topikale und fokale Merkmal [Topi] der Kategorie D durch die Bewegung der kasustragenden Phrasen aufzufassen: Es stellt syntaktische ,,Topik und Fokus‘‘ dar.

In diesem Abschnitt wird zu Strukturen und Bedingungen für Scrambling folgendes erwähnt: Lexikalisch gesehen, bildet der strukturell linksstehende Kopf C keine nominale Einheit. Er begrenzt im D. die kontinuierliche Graduierung von ,,Topik und Fokus‘‘ der DPs; im K. aber wegen der Satzend-Stellung nicht.

In beiden Sprachen hat die grammatische Kategorie NK die lexikalischen relativen Grad(uierungs)-Merkmale von ,,Topik und Fokus‘‘ [Topi] gemeinsam inne. Das Scrambling im D. und K. ist also eine syntaktische aktuelle Äußerungsform dieser Merkmale [Topi] durch die nominalen Elemente. Das Scrambling der nominalen Konstituente dient der varianten Identifizierung des lexikalischen Merkmales [Topi] der nominalen funktionalen Kategorie [Seite 40↓]NK. Das gemeinsame Merkmal von ,,Topik und Fokus‘‘ [Topi] der grammatischen Kategorie NK differenziert sich morphologisch im D. als nicht-topikal und nicht-fokal; im K. aber als topikal und fokal.

3.3 Die Analyse

Die oben erwähnten Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Scramblingphänomens in beiden Sprachen werden in diesem Abschnitt anhand der Strukturen und der lexikalischen Bedingung aus Abschnitt 3. 2 analysiert. Zuerst wird die gemeinsame Möglichkeit des Scramblings der Argumente und Adjunkte behandelt. Die betreffenden Daten werden hier aus dem Abschnitt 3. 1 wiederholt.

In Satz (12) des D. und K. haben die Phrasen das Buch, chayk-ul aufgrund ihrer nominalenMerkmale das relative Topik- und Fokus-Merkmal inne. Dieses lexikalische Merkmal wird gemäß der Topik-Fokus-Graduierung syntaktisch identifizierbar. Die Identifizierung dieses Paarmerkmales durch die Bewegung der Worte das Buch, chayk-ul ist das AKK-DP-Scrambling im D. und K.

Die folgenden nummerierten Strukturen illustrieren das Zusammenspiel beim Übergang der Dimensionierungseigenschaft ,,Topik und Fokus‘‘, d.h. Topik- und Fokusgrad der Satzglieder bzw. Entfernung vom und Annäherung an das Prädikat in Scramblingsätzen, um die Auswirkungen davon auf das gescrambelte Element und die anderen Satzkonstituenten zu zeigen (vgl. Kap.1, Abs.1.3.3).

Bei diesen Sätzen kann man feststellen, dass durch das Scrambling der Topik-Grad der direkten Objekte das Buch, chayk-ul von 0 in der normalen Wortfolge auf 1 im Scramblingsatz und der der indirekten Objekte seinem Vater, apeci-eykey gleichzeitig automatisch von 1 auf 0 fällt: Die direkten Objekte das Buch, chayk-ul werden topikaler (= entfernter vom Prädikat), die indirekten Objekte seinem Vater, apeci-eykey fokaler (= näher am Prädikat).

Man kann also Scrambling als eine syntaktische Fokussierungsmethode (= geringere Entfer-nung vom Prädikat) mit Hilfe von Topikalisierung (= größere Entfernung vom Prädikat) ansehen bzw. umgekehrt.

Die folgenden Daten zeigen den Unterschied bei lokalem und langem Scrambling im D.9 und K.

(14)

a. dass Hans Peter gesagt hat [S dass dieses Buchi Maria ti besitzt].

b. * dass dieses Buchi Hans Peter gesagt hat [S dass Maria ti besitzt].

In diesen Sätzen beobachtet man eine klare Differenz zwischen dem kurzen und langen AKK-Scrambling im D. und K. Als Ursache dafür erweist sich folgendes: Die nicht-nominalen Elemente gesagt hat, dass begrenzen die kontinuierliche Topik-Fokus-Graduierung zwischen den nominalen Elementen dieses Buch, Maria in Satz (14) b. Im koreanischen Satz (15) b stehen aber die entsprechenden verbalen Elemente -ko malha-yess-ta (,gesagt hat dass‘) rechts im Satz. Sie unterbrechen nicht die Topik-Fokus-Graduierung in den nominalen Elementen pap-ul (‚Reis‘), Chelswu-ka.

Die folgenden Strukturen zeigen die Topik-Fokus-Graduierung im lokalen und langen Scrambling.

Anhand von Satz (16) a kann man verstehen, dass bezüglich der Entfernung des Prädikates besitzt die Wörter Maria als topikal (Topikgrad 1) und dieses Buch demzufolge als fokal (Topikgrad 0) gesehen werden. Im folgenden Satz kann man den Effekt des kurzen Scramblings des Objektes dieses Buch feststellen:

Das Ergebnis des kurzen AKK-Scramblings

Steigerung des Topikgrades des AKK-Objekts dieses Buch: 0→1
Erniedrigung des Topikgrades des Subjekts Maria: 1→0, daraus folgt:
[Seite 43↓]Steigerung des Fokusgrades des Subjekts Maria: 0→1

Satz (16) b zeigt, dass das Objekt dieses Buch durch Scrambling als topikal (d.h. mit größerer Distanzierung vom Prädikat bzw. Steigerung des Topikgrades) und das Subjekt Maria als fokal (d.h. mit geringerer Distanzierung vom Prädikat bzw. Steigerung des Fokusgrades) zum Prädikat beschrieben werden.

Für den folgenden langen Scramblingsatz lautet aber die Topik-Fokus-Graduierung anders.

Das Ergebnis des langen AKK-Scramblings

Steigerung des Topikgrades des AKK-Objekts dieses Buch: 0→2
Erniedrigung des Topikgrades des Subjekts Maria: 1→0, daraus folgt:
Keine Steigerung des Fokusgrades des Subjekts Maria: 0→0, da nur ein nominales Element vorhanden ist

Es lässt sich also feststellen, dass es keine Fokusgrad-Steigerung des Subjektes Maria relativ zur Steigerung des Topikgrades des lang gescrambelten Objektes dieses Buch gibt. Die relative Kombination von Topikalisierung und Fokussierung existiert also bei der Ausführung des langen Scramblings nicht.

Die folgenden Strukturen von lokalem Scrambling im K. zeigen die dem D. gleichende Form.

Man kann so auch verstehen, dass durch die Entfernung des Prädikates mek-ess-ta (‚gegessen hat‘) das Subjekt Yengi-ka als topikal (Topikgrad 1) und das Objekt pap-ul (‚Reis‘) als fokal (Topikgrad 0) dargelegt werden.

Im folgenden Satz ist die Auswirkung des kurzen Scramblings des Objektes pap-ul (‚Reis‘)zusehen:

Das Ergebnis des kurzen AKK-Scramblings

Steigerung des Topikgrades des AKK-Objekts pap-ul: 0→1
Erniedrigung des Topikgrades des Subjekts Yengi-ka: 1→0, daraus folgt:
Steigerung des Fokusgrades des Subjekts Yengi-ka: 0→1

Der Satz (17) b zeigt, dass das gescrambelte Objekt pap-ul (‚Reis‘) durch Scrambling topikal (größere Entfernung vom Prädikat bzw. Steigerung des Topikgrades) und das Subjekt Yengi-ka fokal (Annäherung an das Prädikat bzw. Steigerung des Fokusgrades) vor dem Prädikat stehen.

Im folgenden Beispiel macht sich der Einfluss des langen Scramblings strukturell anders als im deutschen Satz (16) c bemerkbar.

Das Ergebnis des langen AKK-Scramblings

Steigerung des Topikgrades des AKK-Objekts pap-ul: 0→2
Erniedrigung des Topikgrades des Subjekts Yengi-ka: 1→0, daraus folgt:
Steigerung des Fokusgrades des Subjekts Yengi-ka: 0→2

Zwischen dem gescrambelten Element pap-ul (‚Reis‘) und dem Prädikat mek-ess-ta (‚gegessen hat‘) kommen keine prädikativen Elementevor, die die Geltung des Scramblings für die benachbarten Argumente verhindern würden. Der anvisierte Effekt, durch das Scrambling des eingebetteten Objektes pap-ul (‚Reis‘) das Subjekt Yengi-ka zu fokussieren (= Annäherung an das Prädikat bzw. Steigerung des Fokusgrades), wird also ohne Einbeziehung der anderen lexikalischen Elemente deutlich.


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In den Transitionsstrukturen der Topik-Fokus-Graduierung illustriert sich eine relative Verbindung der Topikalisierung (der größeren Entfernung vom Prädikat bzw. Steigerung des Topikgrades) mit der Fokussierung (der Annäherung an das Prädikat bzw. Steigerung des Fokusgrades).

Mit den oben genannten lexikalischen Bedingungen können auch die folgenden Daten erklärt werden, wobei der Unterschied des Scramblings in beiden Sprachen auffallend ist.

Im D. 10 kann das gescrambelte direkte Objekt das GELD mit der phonetischen Fokussierung grammatikalisch unterschiedlich akzeptiert werden, wie der Satz (18) b zeigt: Das bewegte Objekt das GELD wandelt sich zwar syntaktisch (durch Scrambling) zu einem topikalen Element (d.h. es liegt weit vom Prädikat entfernt), aber es behält gleichzeitig die phonetische Fokussierung. Im K. klingt der Satz (19) b im Gegensatz zu dem entsprechenden deutschen Satz (18) b perfekt.

Das relative Paarmerkmal [Topi] im nominalen funktionalen Kopf NK oder D ist ein Symbol der Scramblingfähigkeit der Satzglieder (Entfernung vom Prädikat oder Annäherung an das Prädikat). Es erscheint morphologisch im D. als nicht-topikales und nicht-fokales Merkmal, im K. als topikales und fokales Merkmal: Im D. funktionieren Kasusträger, z.B. Artikel, nicht als topikales oder fokales Signal, aber im K. sind sie dafür zuständig. Man kann darum mit den Kasusträgern im D. nicht morphologisch bestimmen, ob das Element das Geld ein topikales und/oder fokales Element ist. Es lässt sich nicht nur syntaktisches Scrambling zur genauen Bestimmung von ,,Topik und Fokus‘‘ verwenden, sondern auch z.B. Akzentuierung [Seite 46↓]oder Kontexte. Genauso wie in Satz (18) b kann das gescrambelte Element phonetisch fokussiert werden, um es als ein fokales Element zu identifizieren. Im K. signalisieren die Kasusmorpheme morphologisch die Topikalisierungs- oder Fokussierungsmöglichkeit ihrer Nomina. Die Akzentuierung der Nomina als Fokus hat keinen Einfluss auf die Grammatikalität, wie der Satz (19) b zeigt.

3.4 Schluss

Scrambling ist eine syntaktische Methode der Topikalisierung und Fokussierung innerhalb eines Satzes. Die Ursache für die Gemeinsamkeiten dieses Phänomens im D. und K. besteht im relativen Paarmerkmal [Topi] in der nominalen grammatischen Kategorie NK oder D.

Die Unterschiede in Lokalität und Konstituenten des D. und des K. erscheinen im jeweiligen lexikalischen Charakter der grammatischen Kategorien C/T/v/D: Das K. ermöglicht langes Scrambeln im finiten Satz, da die rechtsköpfige nicht-nominale Kategorie C nicht die kontinuierliche Topik-Fokus-Graduierung in den nominalen Elementen beschränkt. Im D. steht die nicht-nominale Kategorie C linksköpfig. Sie begrenzt die kontinuierliche Topik-Fokus-Graduierung in den nominalen Elementen.

Im D. wird im Gegensatz zum K. eine fokale Phrase üblicherweise nicht gescrambelt. Man kann die gescrambelte Phrase genau phonetisch (bzw. kontextuell) als ein fokales Element bezeichnen, d.h. phonetische Betonungen und kontextuelle Informationen bewirken die Grammatikalität der deutschen Scramblingsätze, bei koreanischen aber nicht. Die deutsche nominale funktionale Kategorie D ist morphologisch nicht-topikal und nicht-fokal: Die Scramblingfähigkeit (= Topikalisierung und Fokussierung bzw. größere und geringere Entfernung vom Prädikat) der Satzglieder wird durch sie nicht angezeigt. Im K. wird die Scramblingfähigkeit der Satzteile durch die Kasusmorpheme erkennbar, und das Motivmerkmal ,,Topik und Fokus‘‘ des nominalen funktionalen Kopfes erscheint bei Scrambling deutlicher.


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3.5  Anmerkungen

1. Vgl. Cho, See-Young (1992, S. 2).

2. Der deutsche Beispielsatz stammt aus Grewendorf, Günter und Joachim Sabel (1997, S. 58).

3. Die deutschen Beispielsätze sind entnommen aus Stechow, A.v. & W. Sternefeld (1988, S. 452, 465-466).

4. Im K. ist der akustische phonologische Fokus auf Satzgliedern, ausgedrückt durch Stärke, Länge oder Höhe des Lautes, der schwächste linguistische Fokus. Außerdem gibt es morphologische und syntaktische Methoden. Scrambling ist eine syntaktische Methode für Topikalisierung/Fokussierung (Kwuen, Jay-Il (1992), S. 191-192). Ein Satzglied vor dem Prädikat wird aber typischerweise ohne phonetische Betonung fokussiert. Die normale Fokusposition ist demzufolge vor dem Prädikat, und die neutrale Intonation im Satz erscheint an dieser Stelle (Jo, Mi-Jeung (1986)).

5. Die Grundreihenfolge im D. und der Beispielsatz dafür entstammen dem Forschungsseminar von M. Bierwisch (Sommersemester 1998).

6. Die Grundreihenfolge des K. und der Beispielsatz dafür sind entnommen aus Nam, Mi-Hyey (1988) S. 66.

7. Finite Verben und Konjunktionen als eine lexikalische funktionale Einheit haben gemeinsam das syntaktische Merkmal [+V], das für die Beschreibung des relativen Paarbegriffes ,,Topik und Fokus‘‘ der nominalen Ausdrücke als Barriere wirkt. Die verbalen bzw. nicht-nominalen funktionalen Einheiten, z.B. Konjunktionen, Tempusmorpheme und Hilfsverben, gehören lexikalisch nicht zu den nominalen Ausdrücken und verursachen die Unterbrechung der kontinuierlichen Graduierung der Paarbedeutung ,,Topik und Fokus‘‘ in Satzgliedern. Ein finites Verb zwischen Vor- und Mittelfeld im Hauptsatz oder eine Konjunktion im Nebensatz unterbindet die Kontinuität der Topik-Fokus-Graduierung. Langes Scrambling im D. ist darum im finiten Satz unmöglich.

8. Moltmanns (1990) Behauptung und Daten hat Lee, Young-Suk (1993) entnommen. Sie hat geschrieben, dass der Begriff ,Specificity‘ mit dem K. nicht vereinbar ist, deshalb als besten Begriff ,Presuppositionality‘ von Diesing (1990) für Scrambling im K. angenommen und vorgeschlagen, dass nur präsupponierte Elemente gescrambelt werden können. Kim, Dae-Bin (1993) hat ebenfalls mit dem Begriff ,Presuppositionality‘ von Diesing (1990) das Scrambling im K. analysiert. In meiner Arbeit benutze ich unabhängig von den erwähntenScrambling-Begriffenden relativen strukturellen Paarbegriff ,,Topik und Fokus‘‘ (= [Topi] ), der als das morphologische Merkmal der Scramblingmöglichkeit (= Entfernung vom Prädikat und Annäherung an das Prädikat) der nominalen Satzglieder bezeichnet wird.

9. Im D. existiert kein langes Scrambling über die finite Satzgrenze. Man kann es aber in der spezifischen verbalen Infinitivkonstruktion finden, wie folgt (vgl. Grewendorf & Sabel (1994)).

  1. daß den Hundi keiner ti zu füttern versuchte
  2. daß den Hund zu füttern ikeiner ti versuchte
  3. *daß zu fütterni keiner den Hund tiversuchte
  4. *daß zu fütternj den Hundi keiner titjversuchte
  5. *daß keiner zu fütterni den Hund ti versucht hat

Sie analysieren mit dem Begriff abstract incorporation von Baker (1988) sowohl das lange Scrambling als auch die folgende Asymmetrie von remnant topicalisation und remnant adjunction.

  1. Zu fütterni hat keiner den Hund ti versucht.
  2. Zu fütternj versuchtk hat den Hundi keiner ti tj tk.
  3. Zu fütternj versuchtk hat keiner den Hund tj tk.

Man sieht, dass nur die a- und b-Sätze mit Scrambling der nominalen Satzglieder grammatisch richtig sind. In den c-, d- und e- Sätzen ist das Prädikat, d.h. ein nicht-nominales Element gescrambelt. Die verbalen Elemente beschränken die Relativierung von ,,Topik und Fokus‘‘ zwischen den nominalen Elementen. Scramblingobjekte sind also zwar nominale Ausdrücke, aber Topikalisierung im Vorfeld hat keine solche Beschränkung. Die f-, g- und h-Sätze mit Topikalisierung der nicht-nominalen Elemente sind darum grammatisch akzeptiert. Für die folgenden eingebetteten Verb-Zweit-Sätze gilt das Gleiche.

  1. Zu küssenj glaube ich hat den Studenteni Maria ti tj versucht.
  2. *Zu küssenj glaube ich den Studenteni hat Maria titj versucht.
  3. Über welchen Autorj glaubt Hans hat noch keiner ein Buch tj geschrieben?
  4. *Über welchen Autorj glaubt Hans ein Buchi hat noch keiner titj geschrieben?

Das lange Scrambling in eingebetteten Topiksätzen ist ungrammatisch, wie die b- und d-Sätze zeigen. Das finite Verb hat unterbricht die Verknüpfung von Topik- und Fokusgrad bei den nominalen Satzgliedern den Studenten und Maria im b-Satz, ein Buch und keiner im d-Satz. Scrambling ist also eine Beschreibung der zueinander relativen Bedeutung ,,Topik und Fokus‘‘ durch nominale Elemente (Argumente und Adjunkte) eines Prädikates: Dabei wird die syntaktische Rolle (Argumentstruktur) der Satzglieder, die ein Prädikat determiniert, bewahrt. Wenn Scrambling die Argumentstruktur eines Prädikates nicht eindeutig festlegt, dann wird die Akzeptabilität der Scramblingsätze verschlechtert. Die nicht-nominalen bzw. verbalen funktionalen Einheiten Konjunktionen (C), Tempusmorpheme (T) und Hilfsverben (v) blockieren die fortgesetzte Relativierung von „Topik und Fokus“ in nominalen Ausdrücken, weil sie lexikalisch nicht-nominal sind.

10. Auf der Basis von Lenerz´s (1977) Analyse der deutschen Wortfolge demonstriert Webelhuth (1989 S. 396, 420-422), dass Scrambling im D. von der Fokusbeschränkung abhängig ist. Seine Behauptung über die Fokusbeschränkung für Scrambling im D. ist das Constraint, dass das gescrambelte Element notwendigerweise unfokussiert ist, d.h. es muss durch das Merkmal [-Fokus] gekennzeichnet sein.


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