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5  Topikalisierung und Scrambling

In diesem Kapitel wird vergleichend auf Topikalisierung und Scrambling im D. und K. eingegangen.1

In Abschnitt 5. 1 wird die unterschiedliche Topikalisierung beider Sprachen gezeigt. Im D. existieren zwei Varianten der Umstellung: die einer Konstituente ins Vorfeld (d.h. Topikalisierung) bzw. einer oder mehrerer Konstituenten innerhalb des Mittelfeldes (d.h. Scrambling). Im Gegensatz dazu ist die Topikalisierung im K. kein syntaktisches Phänomen, sondern erscheint durch Kasusmorpheme verursacht morphologisch. Sie entsteht in situ durch die Suffigierung eines Kasusmorphems an ein oder mehrere Satzglieder.

In Abschnitt 5. 2 wird das Verhältnis von Topikalisierung und Scrambling dargestellt. Im Unterschied zu der Topikalisierung im Vorfeld mit der Zweitstellung der verbalen Elemente im D. bewegen sich die in situ morphologisch topikalisierten Phrasen innerhalb eines Satzes im K. frei, weil es keine entsprechende Zweitstellung des finiten Verbes gibt.

In Abschnitt 5. 3 wird mittels der Topik-Fokus-Graduierung die unterschiedliche Beziehung zwischen der Topikalisierung und dem Scrambling beider Sprachen untersucht. Außerdem wird die Differenz von morphologischer Topikalisierung und Scrambling im K. gezeigt.

5.1 Die Position der Topikalisierung

Beide Sprachen unterscheiden sich in Bezug auf Topikalisierung. Im D. können im Vorfeld eine bewegte Phrase und im Mittelfeld mehrere vorkommen. Die erste Umstellung heißt Topikalisierung, die zweite Scrambling2. Im K. erscheint keine positionelle Aufteilung eines Satzes in Vor- und Mittelfeld, und Topikalisierung entsteht durch die Suffigierung eines Kasusmorphems an ein oder mehrere Satzglieder. Die Bildung eines Topiksatzes ist kein syntaktisches Phänomen, sondern eine morphologische Topikalisierung.

Die folgenden Sätze illustrieren die unterschiedliche Topikalisierung im D.3, 4 und K.

(1) a. Niemandi hat gestern ti dem Großvater geholfen.
b. Dem Großvaterj hat gestern niemand tj geholfen.
c. Gesternk hat niemand tk dem Großvater geholfen.
d. Geholfenl hat gestern niemand dem Großvater tl .
[Seite 65↓]e. Dem Großvaterj geholfenl hat gestern niemand tjtl .
f. Gesternk hat dem Großvaterj niemand tktjgeholfen.

Der Unterschied liegt darin, dass der Topiksatz im D. syntaktisch durch Bewegung, im K. morphologisch gebildet wird. Im D. können Satzglieder durch die Bewegung ins Vorfeld mit Anschluss der verbalen Elemente (vgl. Satz (1) a bis e) und innerhalb des Mittelfeldes ohne einen solchen Anschluss (Satz (1) f) versetzt werden.

Im K. wird das Topikmorphem –nun an das jeweilige lexikalische Element in situ angefügt, wie die Sätze (2) a bis f zeigen. Die Bewegung dieser morphologisch markierten Phrase wird Scrambling genannt. Dieses ist eine syntaktische Bewegung der morphologisch suffigierten [Seite 66↓]Elemente, denn durch Kasusmorpheme in ihrer Rolle klar gekennzeichnete Satzglieder können gescrambelt werden.

Morphologisch gesehen sind Scramblingobjekte nominale bzw. nicht-verbaleElemente, die das scramblingbetreffende Merkmal ,,Topik und Fokus‘‘ [Topi] aufweisen: Durch Scrambling können sie im Mittelfeld des D. und im Gesamtsatz des K. umgestellt werden.

5.2 Paarbegriff

5.2.1 Topik- und Scramblingsatz

In diesem Abschnitt wird behandelt, welchen Unterschied es im D. bei Scrambling von Satzgliedern in Vor- und Mittelfeld gibt. Topikalisierung im Vorfeld und Scrambling im Mittelfeld sind verschieden. Im K. ereignet sich Scrambling innerhalb eines Satzes frei, aber es erscheint eine Differenz zwischen morphologischer Topikalisierung und Scrambling.

Die folgenden Sätze betreffen den Unterschied, der in den positionsabhängigen Satzgliedern im D. und den morphem-kennzeichnenden Satzgliedern im K. liegt.

(3) a. *Niemand geholfen hat gestern dem Großvater.
b. Dem Großvater geholfen hat gestern niemand.

In Satz (3) wird die unterschiedliche Akzeptabilität von Subjekt und Objekt bei Bewegung gemeinsam mit dem Hauptprädikat gezeigt. Die Bewegung des Subjektes ist dabei schwerer möglich als die des Objektes.

Im folgenden Satz im K. wird hingegen kein Unterschied in der Grammatikalität von Subjekt- und Objekt-Bewegung gezeigt.


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Die beiden Sätze (4) a, b klingen gleich gut, anders als die entsprechenden deutschen Sätze (3) a, b. Das Subjekt Chelswu-ka in Satz (4) a und das Objekt halapeci-lul in Satz (4) b zeigen keinen Akzeptabilitätsunterschied in Bewegung mit dem Prädikat towa-ss-ta (,geholfen hat‘).

Die folgenden Sätze im D. 5 stellen die unterschiedliche Bewegung von Satzgliedern aus dem Haupt-/Nebensatz dar.

(5) a. Diesen Satz produziert hat bis heute keiner.
b. *wenn diesen Satz produziert bis heute keiner hat.

(6) a. ?*Ich glaube, dass diese Oper mein Bruder mag.
b. Diese Oper mag mein Bruder.

Die Sätze (5), (6) zeigen den Unterschied von Topikalisierung und Scrambling der vorhandenen Elemente. Die verbale Phrase diesen Satz produziert in Satz (5) a kann topikalisiert werden, aber sie kann in Satz (5) b nicht scrambeln. Das Scrambling des Objektes diese Oper in Satz (6) a über das Subjekt mein Bruder ist schlecht möglich, aber seine Topikalisierung in Satz (6) b ist grammatisch. Das bedeutet, dass es einen Unterschied zwischen Topikalisierung und Scrambling gibt. Es soll also geklärt werden, welche Faktoren im D. auf diese Akzeptabilitätsunterschiede wirken.

Die folgenden Sätze betreffen die Differenz von morphologischer Topikalisierung und syntaktischer Bewegung (d.h. Scrambling ) im K.

In den Sätzen (7) im K. ist es umstritten, welcher Unterschied zwischen dem morphologischen Topiksatz und dem Scrambling aus dem morphologisch topikalisierten Satz erscheint, und welche Wirkungen dies hat. Das sind allgemeine Fragen zu Topikalisierung und Scrambling, die in diesem Kapitel noch beantwortet werden.

5.2.2 Affixform

Es ist im D. nur beschränkt, im K. aber uneingeschränkt möglich, mehrere Satzglieder innerhalb eines Satzes umzustellen. In diesem Abschnitt werden die dabei wirksamen Faktoren angegeben.

Die syntaktische Rolle der Satzglieder im D. und K. wird gemäß der Lokalität zum Verb entschieden. Die grammatischen Funktionen der Argumente sind also durch die Argumentstruktur des Verbs und die inhärenten semantischen Merkmale der Argumente bestimmt. Wenn durch diese syntaktische Methode die grammatischen Relationen der Argumente im Satz nicht identifiziert werden, dann erscheinen notwendigerweise die morphologischen Mittel (d.h. Affixe, z.B. Artikel im D. und Kasusmorpheme im K.) als Markierung der grammatischen Relationen der Satzglieder. Die Funktion der Affixe liegt also in dieser Kennzeichnung, wobei die syntaktischen Funktionen der Argumente des Verbs hauptsächlich in der Argumentstruktur bestimmt werden. Das Scrambling erfordert dieses morphologische Mittel zur Identifizierung der grammatischen Relation zum Verb, weil der Positions-Tausch der Argumente ohne Affixe auf ihre Funktionsänderung wirkt. Im D. und K. gibt es solche grammatischen Morpheme für die Umstellung der Satzglieder. Die grammatischen Funktionen der Satzglieder sind mit Affixen gekennzeichnet. Diese affigierten Elemente können bewegt werden; ohne Affixe können sie folglich nicht gescrambelt werden.


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Die Kasusmorpheme im K. signalisieren die Scramblingfähigkeit (= die topikalen und fokalen Eigenschaften bzw. größere und geringere Entfernung zum Prädikat) der Satzglieder, die darum Unabhängigkeit von der Lokalität zum Prädikat gewinnen und die freie Satzgliedumstellung ermöglichen.

Die Suffixe, z.B. die neutralen Kasus-Marker {(n)un, i/ka, (l)ul}6 werden sowohl für die Kennzeichnung der grammatischen Funktionen ihrer Nomina als auch für die des topikalen und fokalen Charakters benutzt. Sie haben eine eigene Form und erscheinen nicht mit ihren Nomina verschmolzen, sondern getrennt von diesen hintereinander und damit deutlich sichtbar. Dies ist die typische Eigenschaft einer agglutinierenden Sprache.

Im D. hingegen wirken Kasusmorpheme, z.B. Artikel anders. Kasus werden also in der mit dem Stammwort verschmolzenen oder nicht-verschmolzenen Form7 gezeigt. Sie deuten nicht die topikale und fokale Eigenschaft ihrer Nomina an. Es ist darum schwer möglich, mehrere Satzglieder in das Vorfeld und innerhalb des Mittelfeldes nach vorn zu bewegen. Die Argumente/Adjunkte müssen die syntaktische Lokalität zum Verb einhalten, um ihren grammatischen Status im Satz zu bewahren. Dadurch kann man den Paarbegriff „Topik und Fokus“, d.h. die Topikalität (bzw. die Entfernung vom Prädikat) oder die Fokalität (bzw. die Annäherung an das Prädikat) verstehen.

5.3 Vergleich der Topikalität

An dieser Stelle soll gezeigt werden, worin die Relation von Topikalisierung und Scrambling im D. und K. besteht, wie im D. die Topikalisierung des Vorfeldes und das Scrambling des Mittelfeldes differenziert wird, und welchen Unterschied es bei Scrambling im D. und K. gibt. Es wird die Differenz zwischen der morphologischen Topikalisierung und dem Scrambling im K. demonstriert. An den folgenden Sätzen wird die unterschiedliche Akzeptabilität aufgrund der Topik-Fokus-Graduierung im D. illustriert.


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(Die Richtung der Graduierung von ,,Topik und Fokus‘‘ ist hier wegen ihrer Definition über die Grundreihenfolge SOV anders als im vorigen Kapitel, weil das Hauptverb ins Vorfeld versetzt wird. Das Element vor diesem versetzten Verb beginnt also mit dem Topikgrad 0, da das Prädikat nicht zweigeteilt ist. Vgl. Kap. 1, Abs. 1.3.3)

Im Originalsatz, der durch die Spur angezeigt wird, bildet das Subjekt niemand ein topikales Element (d.h. ein weit vom Prädikat entferntes) und das Objekt dem Großvater ein fokales (d.h. ein dazu nahes). Auf der Struktur der Topik-Fokus-Graduierung in Satz (8) a befindet sich das Subjekt niemand aber unpassend als fokales (Topik- 0 bzw.Fokusgrad 2), das Objekt dem Großvater in Satz (8) b passend als fokales Element (Topik- 0 bzw. Fokusgrad 2). Satz (8) a klingt darum anders als Satz (8) b nicht gut.

Im K. kann die Relativität des Paarbegriffes ,,Topik und Fokus‘‘ der Satzglieder durch Kasusmorpheme (außer ihrer eigentlichen Funktion) wie folgt gekennzeichnet werden:

Im K. bezeichnen die Kasusmorpheme -ka, -lul die Wörter Chelswu, halapeci (,Großvater‘) als topikal und fokal und etikettieren deren Kasus.Diese besitzen dadurch sowohl die syntaktische Rolle als Subjekt, Objekt als auch Topik-/Fokus-Charakter. Damit ist ihre Scramblingfähigkeit, d.h. die Möglichkeit großer/geringer Entfernung vom Prädikat, direkt durch die Kasusmorpheme gegeben. Es gibt darum keinen Akzeptabilitätsunterschied im Scrambling des Subjektes und des Objektes, obwohl das Scrambling des Subjektes Chelswu-ka in Satz (9) a und des Objektes halapeci-lul (,dem Großvater‘) in Satz (9) b jeweils die fokale Eigenschaft deutlich macht, wie die Topik-Fokus-Graduierung zeigt.


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Das Folgende betrifft den Unterschied zwischen Topikalisierung und Scrambling im Haupt-/ Nebensatz des D.

Die Plazierung der Konstituente diesen Satz produziert im Vorfeld stellt eine Topikalisierung oder Fokussierung des Satzgliedes diesen Satz im Hinblick auf das zusammengesetzte Verb produziert hat dar. Das Vorkommen des verbalen Elementes produziert mit dem benachbarten finiten Verb hat markiert die Kontinuität von ,,Topik und Fokus‘‘ der nominalenbzw.nicht-verbalen Satzglieder diesen Satz, bis heute und keiner. Das Satzglied diesen Satz in der Spitzenstellung des Satzeswird also als fokalstes (= dem Prädikat nächstes, Fokusgrad 2) gesehen, wie die Zahlenstruktur zeigt. Der folgende Satz mit Scrambling des finiten Verbes produziert illustriert aber anders als die Topikalisierung in Satz (10) a keine Relativität von ,,Topik und Fokus‘‘ der Satzglieder.

Scrambling ist ein relatives Zusammenspiel der nicht-verbalen Satzglieder diesen Satz, bis heute und keiner ohne dazwischen stehende verbale Elemente. Inmitten der nominalen Elemente steht aber das verbale Element produziert, das die Kontinuität von ,,Topik und Fokus‘‘ der Satzgliederbegrenzt; zwischen den getrennt stehenden verbalen Elementen produziert und hat kommen nicht-verbale Satzglieder vor. Innerhalb des Nebensatzes klingt also die Umstellung eines Satzgliedes mit dem verbalen Element nicht gut, wie Satz (10) b zeigt. Die Ursache dafür liegt folglich darin, dass der relative topikale oder fokale Charakter der Satzglieder diesen Satz, bis heute und keiner an der umgestellten Position nicht ermittelt werden kann.

In den folgenden Sätzen bildet Scrambling die Topik-Fokus-Struktur anders.

In Satz (11) a tritt das Wort mein Bruder topikal (d.h. vom Prädikat entfernt) in der Subjekt-, das Satzglied diese Oper fokal (d.h. dazu nahe) in der Objektposition auf. Die Topik-Fokus-[Seite 72↓]Graduierung zeigt dementsprechend den Topik- 1 bzw. Fokusgrad 0 des Subjektes. Als Folge des AKK-Objekt-Scramblings von NOM- und AKK-Satzglied trägt das Subjekt einen fokalen Grad, d.h. Topikgrad 0in Satz (11) b. Dieser Effekt bedeutet keine relative Veränderung des Topik-Fokus-Grades in beiden Satzgliedern, sondern einen Wechsel der grundlegenden Argument-Struktur (AS) dieses einfachen Satzes, wie der folgende Satz8 illustriert.

(12) a. Ich glaube, dass mein Sohn dieses Buch lesen wird.
b. ?*Ich glaube, dass dieses Buch mein Sohn lesen wird.

Rückt die Konstituente mein Sohn aus der Subjektposition durch AKK-Scrambling in den Fokus, dann bricht das Scrambling folglich die Basisstruktur AS des einfachen Satzes ab.

Soll das AKK-Objekt in Satz (11) a bewegt werden, dann darf man das Satzglied nicht scrambeln, sondern muss es wie folgt topikalisieren.

Der Topiksatz (13) ist grammatisch, weil trotz der Topikalisierung des Objektes diese Oper die Topikposition nicht vom Subjekt mein Bruder in die Fokusposition wechselt: Auf der Topik-Fokus-Struktur des Satzes bleiben die topikalen Eigenschaften des Subjektes gleich (Top 1 bzw.Fok 0).

In den folgenden Sätzen mit Scrambling der Personalpronomina im D. 9 und K. erscheint die Relativierung des Paarkonzeptes ,,Topik und Fokus‘‘ unterschiedlich.

Die deutliche Relativierung von ,,Topik und Fokus‘‘ unter den pronominalen Ausdrücken ihn, ihm, ich ist in Satz (14) a´ schwer möglich: Die bewegten DPs ihn, ihm werden zwar als topikal (d.h. vom Prädikat entfernt) gesehen, aber die nicht bewegte DP ich ist nicht klar als fokal (d.h. zum Prädikat nahe) zu akzeptieren. Das Personalpronomen ich bezeichnet in Satz [Seite 73↓](14) a ganz klar den NOM-Kasus, mit dem es normalerweise vom Prädikat entfernt bzw. topikal erscheinen muss. Als Folge des Scramblings der Pronomina ihn, ihm nähert es sich aber in Satz (14) a´ seinem eindeutigen Nominativ-Kasus unangemessen dem Prädikat, d.h. es erscheint ungünstigerweise in der fokalen Position. Es ist also nicht einleuchtend, das Subjekt ich relativ zum Prädikat als fokales Element zu markieren (Top 0 bzw. Fok 2).

Auf den folgenden Satz b wirkt das Subjekt meine Mutter anders.

Die DP meine Mutter trägt sowohl das topikale als auch das fokale Merkmal durch den Determinator meine. Dieser Artikel kann morphologisch den Kasus des Nomens nicht nur als Nominativ, sondern auch als Akkusativ kennzeichnen. Er kann wie in den Sätzen (14) b, b´ in der topikalen oder fokalen Position auftreten. Das Wort meine Mutter in Satz (14) b´ relativ zum Prädikat als fokales Element (Top 0 bzw. Fok 2) zu betrachten, ist daher verständlich.

Für den koreanischen Beispielsatz (14) c mit Personalpronomina-Scrambling gilt das Gleiche wie für den deutschen Satz (14) b´.

An die drei pronominalen Elemente na (,ich/meiner/mir/mich‘), kukes (‚es/seiner/ihm‘) und ku (,er/seiner/ihm/ihn‘) werden jeweils die Kasusmorpheme -nun (Nominativ), -ul (Akkusativ) und -eykey (Dativ) angehängt. Durch die Kasusmorpheme in Satz (14) c wird das [Seite 74↓]topikale und fokale Merkmal der Pronomina gekennzeichnet. Die Personalpronomina kukes-ul (‚es‘) und ku-eykey (,ihm‘) werden in Satz (14) c´ durch Scrambling topikaler. Damit wird das unbewegte Subjekt-Pronomen na-nun (‚ich‘) in der relativen Distanz zum Prädikat als fokal aufgefasst, wie die nummerierte Topik-Fokus-Graduierung zeigt.

Der Unterschied des Scramblings beider Sprachen liegt folglich in Kasusform und -funktion. Im D. bezeichnen Kasus, z.B. die Artikel in einer Kasusform, nicht direkt die topikale und fokale Eigenschaft der Nomina. Es ist möglich, durch die mit dem Stamm verschmolzenen oder nicht-verschmolzenen Kasusformen z.B. die NOM- und AKK-Rolle zu erkennen. Dann kann man die Positionierung der Nomina in Bezug auf das Prädikat bestimmen. Im K. hingegen wirken Kasus mit ihrer eigenen unveränderlichen Form als topikales (= vom Prädikat entferntes) und fokales (= dazu nahes) Signal der Satzglieder. Die Satzglieder mit Kasus sind also unabhängig von der Position beweglich.

Im Folgenden wird der Unterschied zwischen der morphologischen Topikalisierung und dem Scrambling im K. dargelegt.


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Vergleich der Topik-Fokus-Graduierung des Grundfolgesatzes a und des
morphologischen nun-Topiksatzes b

 

die Veränderung des Topikgrades von Chelswu: 1(0→0+1), daraus folgt:

 

die Veränderung des Fokusgrades von Chelswu: 0(1→1)

 

die Veränderung des Topikgrades von Swuni-ka: 0(1→1), daraus folgt:

 

die Veränderung des Fokusgradesvon Swuni-ka: 1(0→0+1)

Im morphologischen nun-Topiksatz wird die hochgestellte zusätzliche Zahl +1 benutzt, um die einstufige Steigerung der Topikstärke durch die morphologische Topikalisierung mit dem Topikmorphem -nun zu illustrieren.

Der folgende Satz stammt aus dem Scrambling der morphologisch nun-topikalisierten Phrase in Satz (15) b.

Vergleich der Topik-Fokus-Graduierung des morphologischen nun-Topiksatzes b und des Scramblingsatzes c

 

die Veränderung des Topikgrades von Chelswu-nun : 1(0+1→1+0+1), daraus folgt:

 

die Veränderung des Fokusgrades von Chelswu-nun : 1(1→0)

 

die Veränderung des Topikgrades von Swuni-ka: 1(1→0), daraus folgt:

 

die Veränderung des Fokusgrades von Swuni-ka: 1(1→1+0+1)

Vergleich der Topik-Fokus-Graduierung des Normalsatzes a und des
nun-Scramblingsatzes c

 

die Veränderung des Topikgrades von Chelswu: 2(0→0+1 +1), daraus folgt:

 

die Veränderung des Fokusgrades von Chelswu: 1(1→0)

 

die Veränderung des Topikgrades von Swuni-ka: 1(1→0), daraus folgt:

 

die Veränderung des Fokusgradesvon Swuni-ka: 2(0→0+1 +1)


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Wenn man die morphologisch lul-markierte Phrase in Satz (15) a scrambelt, dann entsteht der folgende Satz.

Vergleich der Topik-Fokus-Graduierung des Normalsatzes a und des
Scramblingsatzes d

 

die Veränderung des Topikgrades von Chelswu-lul : 1(0→1), daraus folgt:

 

die Veränderung des Fokusgrades von Chelswu-lul : 1(1→0)

 

die Veränderung des Topikgrades von Swuni-ka: 1(1→0), daraus folgt:

 

die Veränderung des Fokusgrades von Swuni-ka: 1(0→1)

Vergleich der Topik-Fokus-Graduierung des morphologischen nun-Topiksatzes b und des Scramblingsatzes d

 

die Veränderung des Topikgrades von Chelswu: 0(0+1→1), bzw.

 

die Veränderung des Fokusgrades von Chelswu: 1(1→0)

 

die Veränderung des Topikgrades von Swuni-ka: 0(1→0), bzw.

 

die Veränderung des Fokusgrades von Swuni-ka: 0(0+1→1)

Vergleich der Topik-Fokus-Graduierung des Scramblingsatzes c und des Scramblingsatzes d

 

die Veränderung des Topikgrades von Chelswu : 1(0+1+1→1), bzw.

 

die Veränderung des Fokusgrades von Chelswu : 0(0→0)

 

die Veränderung des Topikgrades von Swuni: 0(0→0), bzw.

 

die Veränderung des Fokusgrades von Swuni: 1(0+1+1→1)


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(16) Das Ergebnis der Veränderungskurve des Topik-Fokus-Grades der Sätze:

Scramblingsatz mit dem Topikmarker nun> Scramblingsatz mit dem Kasusmarker lul>

Morphologischer nun-Topiksatz > Grundfolgesatz mit dem Kasusmarker lul

Als Ergebnis der Topik-Fokus-Graduierung kann man zusammenfassen, dass die in situ morphologischen Sätze deutlich verändert werden, wenn die Satzglieder in den Sätzen scrambeln.

Zu untersuchen war, welche syntaktischen Unterschiede zwischen Topikalisierung und Scrambling in beiden Sprachen vorliegen. Das D. wird dadurch gekennzeichnet, dass Scrambling in der Bewegung der Satzglieder viel beschränkter ist als Topikalisierung: Topikalisierung stellt eine Satzgliedumstellung mit verbalen Elementen, Scrambling demgegenüber eine solche ohne diese dar. Im K. gibt es keine Entsprechung des syntaktischen Phänomens ,Verb-Zweitstellung‘ des D. Die affigierten Satzglieder können also gescrambelt werden, gleichgültig, ob sie von verbalen Satzgliedern gefolgt werden: die koreanischen verbalen Elemente, z.B. Konjunktionen, Tempusmorpheme und Hilfsverben, sind morphologisch ein Teil eines Prädikates, der davon nicht getrennt werden kann und im Satz als zusammengesetztes Wort vorkommt.

Die Kasusmorpheme werden in unveränderlicher Form an Nomina angehängt und nicht nur als grammatische Funktion-Marker der Satzglieder, sondern auch als Topik- und Fokus-Marker benutzt. Die affigierten Satzglieder werden darum von der syntaktischen lokalen Beziehung zum Verb unabhängig, was die freie Umstellung innerhalb des Satzes möglich macht.

Im D. gibt es eine andere Art von Affixen. Kasus bezeichnen als nicht-verschmolzene oder verschmolzene Artikelform die syntaktische Rolle ihrer Nomina, aber nicht ihre topikale und fokale Funktion. Die Bewegung mehrerer Satzglieder in einem Satz ist nur beschränkt möglich, weil die Kasusrelationen der Nominalphrasen an das Verb gebunden sind und die [Seite 78↓]Lokalität der Satzglieder zum Verb in der overten Syntax gehalten werden muss. Damit kann die Topikalität bzw. Fokalität der Satzglieder bestimmt werden.

5.4 Schluss10

Topikalisierung und Scrambling betreffen den relativen mehrdimensionalen Paarbegriff ,,Topik und Fokus‘‘, der auf der Argumentstruktur eines Satzes basiert. Topikalisierung ist eine Realisierung der voneinander abhängigen Paarmerkmale durch nominale bzw. nicht-verbale Satzglieder zusammen mit verbalen Elementen; Scrambling bedeutet eine Realisierung ohne verbale Elemente.

Die Kasusmorpheme in beiden Sprachen kennzeichnen die grammatischen Funktionen der Argumente/Adjunkte. Die Unterschiede zeigen sich daran, dass im D. z.B. die Artikel zur Kennzeichnung der syntaktischen Rollen der Nomina genügen; im K. aber werden Kasusmorpheme11 sowohl für das Bezeichnen der grammatischen Rollen als auch für das des topikalen und fokalen Charakters der Satzglieder benutzt.

5.5 Anmerkungen

1. In diesem Kapitel werden die beiden Arten der Satzglied-Umstellung im D. erwähnt. Die erste erfolgt ins Vorfeld und heißt Topikalisierung; die zweite innerhalb des Mittelfeldes nach vorn Scrambling. Im K. ist Topikalisierung ein morphologischer Prozess, verursacht durch die neutralen Kasus-Morpheme (n)un, i/ka und (l)ul. Diese suffigierten Elemente werden innerhalb eines Satzes frei umgestellt. Die Positionierung der morphologisch markierten Satzglieder bedeutet eine syntaktische Topikalisierung und bezeichnet das Scrambling im K.

2. Bei Bierwisch (1966a, S. 52) sind die vier Felder für den Handlungsraum der Umstellungen der Satzglieder im D. wie folgt erklärt worden.

„Statt der bisher in verschiedener Form vorherrschenden Auffassung von einer Teilung des Satzes in zwei Felder - markiert durch die Zweitstellung des finiten Verbs – oder aber der gleichberechtigten Aneinanderreihung aller Satzglieder haben wir eine hierarchische Gliederung aufgestellt mit wenigstens vier ´Feldern`: Das Subjekt, der von VE abhängige Komplex, davon durch Pv getrennt die restlichen Verbalergänzungen und schließlich der Auxiliarkomplex. Die Reihenfolgebeziehungen in diesem letzten Komplex, zu dem auch das Hauptverb gehört, unterliegen nur obligatorischen Permutationstransformationen: Die Reihenfolge der verschiedenen Hilfsverben ist vollständig determiniert und kann im allgemeinen keinen stilistischen und emphatischen Umstellungen unterliegen. Für das zweite und dritte Feld bestehen unter diesem Gesichtspunkt unterschiedliche Bedingungen. Jedes Element dieser beiden Felder kann, mit verschiedenen Emphasebedingungen, vor das Subjekt gestellt werden, wenn der Satz kein Nebensatz ist. Ist der Satz ein Nebensatz, dann bestehen besonders für die Elemente [Seite 79↓] aus dem dritten Feld starke Beschränkungen. Innerhalb des zweiten Feldes gibt es große Freiheiten bei der Permutation, die aber in der oben angedeuteten Weise von Artikelform und Pronominalisierung abhängen.“

In meiner Arbeit werden die Umstellungen der Satzglieder im zweiten Feld im D. und K. verglichen, d.h. die Anordnungen der Adverbialbestimmungen (= Satzadverbialien) und Objekte, weil die Parallelität bei Scrambling im D. und K. nur da möglich wäre. Das Subjekt im D. kann nur ins Vorfeld topikalisiert und nicht gescrambelt werden. Im K. können Subjekte innerhalb eines Satzes gescrambelt werden, z.B. in der Multi-Subjekt-Konstruktion, aber Wörter der Negation (so wie nicht im D.) und Affirmationspartikel (so wie doch, bestimmt im D.) oder Adverbien für bestimmte Kategorien (Adjektive, Verben) können nicht gescrambelt werden, unabhängig davon, ob sie besondere Intonation, Akzente und Artikelform aufweisen; anders als im D., wo die Grammatikalität der Scramblingsätze mit solchen Satzgliedern nach den Intonations- oder Akzentverhältnissen und der Artikelform eindeutig abgestuft wird (ebd. S. 96-106).

3. G. Webelhuth (1990) Diagnostics for Structure, in Scrambling and Barriers, S. 41-75.

4. H. d. Besten & G. Webelhuth (1990) Stranding, in Scrambling and Barriers, S. 77-92.

5. Die deutschen Beispielsätze (5) und (6) sind jeweilig entnommen aus I. Rosengren (1994, S. 175) und J. Lenerz (1977, S. 110).

6. Beispielsweise können im K. die Topik-Morpheme gemäß ihrer Funktion wie folgt eingeteilt werden.

   
 

syntaktische Funktion

semantische Bedeutung

(1). (n)un

Nominativ-Marker

Generizität, Definitheit, relativer Kontrast

(2). i/ka,

Nominativ-Marker

Spezifizität, Indefinitheit, absoluter Kontrast

(l)ul

Akkusativ-Marker

Spezifizität, Indefinitheit, einzelner Kontrast

   

Die Topikmorpheme haben lexikalisch verschiedene Bedeutungen inne. Besonders fallen verschiedene Kontrast-bedeutungen auf. Das Suffix (n)un deutet z.B. auf die Variationsmöglichkeiten mit der ausgedrückten Referenz und den nicht-ausgedrückten Alternativen, das Suffix i/ka aber auf den absoluten Kontrast der ausgewählten Referenz zu den anderen hin: Der absolute Kontrast, dass das durch ein Satzglied bezeichnete Ding mit den anderen konkurrierenden nicht variiert werden kann. Das Suffix (l)ul zeigt die einzelne Kontrastbedeutung an, dass die ausgewählte Referenz keine Konkurrenz hat: Sie nimmt auf andere mögliche Alternativen gar keine Rücksicht. In den relativen und absoluten Kontrast-Beziehungen hingegen wird nicht nur die anvisierte Referenz, sondern werden auch die nicht ausgewählten Referenzen berücksichtigt. In der einzelnen Kontrastierung werden aber die anderen Dinge nicht eingeprägt, sondern nur die gezielte Referenz allein gerät in den Kontrast. Möglicherweise haben die neutralen Suffixe {(n)un, i/ka, (l)ul} als Kasus-Marker die Artikelfunktion, so wie es im D. bzw. in europäischen Sprachen der Fall ist.

7. Die nominalen Elemente im D. sind topikale oder fokale Elemente im folgenden Sinne: Wenn sie in der Subjektposition der Grundreihenfolge vorkommen, dann erscheinen sie topikal, in der Objektposition fokal. [Seite 80↓]Wenn aber ein Wort eine neutrale Artikelform in NOM- und AKK-Kasus zeigt, dann kann es sowohl in der topikalen als auch in der fokalen Position stehen. Das bedeutet, dass die Satzglieder zur Umstellung fähig sind. In Kapitel 6 wird die Beziehung der Kasusform mit der Scramblingfähigkeit der Kasusträger näher erläutert.

8. Entnommen aus J. Lenerz (1977, S. 117).

9. Entnommen aus J. Lenerz (1994, S. 163-164).

10. Das Scrambling im K. kann der Emphasebetonung des D. und die morphologische Topikalisierung im K. der Kontrastbetonung des D. entsprechen. Bei Emphase im D. bekommt die entsprechende Konstituente den Primärakzent und zugleich werden anders als bei Kontrastbetonung alle anderen Akzente stärker herabgedrückt. Der rhythmische Körper der Intonation besteht genau aus dem einzigen Hauptakzent. Durch Scrambling im K. erhält die gescrambelte Konstituente einen höheren Topik- und niedrigeren Fokusgrad und die übrigen tragen automatisch einen niedrigeren Topik- und höheren Fokusgrad. In dem Sinne, dass die Kontrastakzente mehreren Satzgliedern in einem Satz gleichzeitig als Primärakzent zugeschrieben werden, kann man die Kontrastbetonung im D. als der morphologischen Topikalisierung im K. entsprechend ansehen. Das kann darin bestehen, dass bei kontrastiver Betonung nicht ein bestimmtes Wort den Fokus trägt, sondern die jeweilige Zuordnung der Wörter fokussiert wird.

11. Es gibt grundlegende Unterschiede zwischen den Kasusformen/-funktionen im D. und K. Gemeinsam erscheint die Artikelfunktion, die als Affix der Nomina ihren Gebrauch determiniert und die Relationen der Satzglieder zeigt. Der erste Unterschied liegt in den flektierenden gebundenen Morphemen im D., die nicht getilgt werden können, und den wortartigen Morphemen im K., deren Tilgung im Gegensatz dazu möglich ist. Der zweite Unterschied zeigt sich darin, dass im K. die Kasus die grammatische und lokale Funktion gleichzeitig, im D. aber nur die grammatische Funktion besitzen, die bedeutet, dass sie nur die grammatischen Relationen der Nomina zu anderen Konstituenten im Satz als abstrakte Funktion zeigt. Die lokale Funktion liegt darin, dass sie die konkreten Bedeutungen der Nomina ergänzt. Im K. führen Kasusmorpheme beide Funktionen aus. Der dritte Unterschied besteht darin, dass Kasus im K. die Tiefenkasus darstellen; in dem Sinne, dass die Kasus im Satz die mit dem Verb verknüpften syntaktischen, semantischen bzw. pragmatischen Rollen verkörpern. Die θ-Struktur des Verbs bestimmt in beiden Sprachen die Rollen der Nomina im Satz. Die Kasusmorpheme im D. kennzeichnen aber hauptsächlich die syntaktische Rolle der Argumente und Adjunkte des Verbs. Im K. werden die Kasusmorpheme als Topik- und Fokus-Morpheme gleichzeitig benutzt, aber im D. werden die Kasusmarker wie z.B. die un-/bestimmten Artikel nicht als topikal und/oder fokal gekennzeichnet. Also werden im D. Kasusmorpheme als Marker des [+Def/-Def]-Merkmales benutzt, aber im K. werden die entsprechenden neutralen Kasusmorpheme, z.B. {(n)un, i/ka, (l)ul}, sowohl als Topik- wie auch als Fokusmarker verwendet.


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20.11.2003