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6  Artikel und Scrambling

In diesem Kapitel werden die Artikelform und deren Funktion bei Scrambling im D. und K. überprüft.1 Der Vergleich der koreanischen neutralen Kasusmorpheme {(n)un} und {i/ka, (l)ul} mit den Artikeln des D. stellt das Ziel dieses Kapitels dar.

In Abschnitt 6. 1 werden die allgemeine Kasusfunktion der Artikel im D. und die Kasusmorpheme im K. kurz erklärt. Die syntaktische Hauptfunktion der Artikel ist die Bezeichnung der grammatischen Kasus der Nomina im Satz. Wenn die Artikel als Determinator eine universelle Kategorie in natürlichen Sprachen bilden, sind die dem D. entsprechenden Artikel im Sinne von Kasusbezeichnungen, z.B. den neutralen Kasusmorphemen wie Nominativ- {(n)un, i/ka}2 und Akkusativmarker {(l)ul}, im K. vorhanden.

In Abschnitt 6. 2 werden die un-/bestimmten Artikel des D. und die dementsprechenden Kasussuffixe des K. lexikalisch-semantisch behandelt. Die semantische Funktion der Artikel bestimmt die begrifflichen Verwendungsbereiche der Nomina. Bei Bierwisch (1970, 31)3 wird diese Rolle der Artikel als delimiting features erklärt, die den Umfang der durch Nomen referierten Menge determinieren, und darunter sind DEFINITE (= [Def] ), INDEFINITE (= [Indef]) und SPECIFYING (= [Spec]) klassifiziert worden. Damit grenzen die Artikel die Größe der formalen Extension der Nomina ein. Die Artikel {d-, ein-} im D. und die neutralen Kasusmorpheme {(n)un, i/ka, (l)ul} haben gemeinsam die semantischen Merkmale [Def], [Spec] und [Indef] inne: Die bestimmten Artikel {der/die/das/des/dem/den, (n)un} signalisieren das semantische Merkmal [Def] und die unbestimmten Artikel {ein-, i/ka/(l)ul} zeigen das [Indef]- oder [Spec]-Merkmal.

Das Scrambling im D. und K. richtet sich nach den Artikelformen, die die Lokalität zum Prädikat anzeigen. Bezüglich dieser Distanz zum Prädikat kommen Satzglieder topikal (entfernt) und fokal (nahe) vor. Das Scrambling ordnet die Nomina mit un-/bestimmten Artikeln so ein, dass die Satzteile als topikale oder fokale Elemente aufgrund der Artikelform auftreten.

In Abschnitt 6. 3 wird ein kurzer Blick auf die als Artikel möglichen anderen Wörter im K. geworfen.


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6.1  Die Funktion der Artikel

In diesem Abschnitt wird der Versuch anhand der syntaktischen Funktionen der Artikel im D. ausgeführt, ob die Kasusmorpheme {un/nun, i/ka, ul/lul} im K. den Artikeln {der/des/dem/den/das/die, ein(-er/-em/-es/-en/-e)} im D. im Sinne von Kasusbezeichnungen entsprechen. Damit ordnen sich diese grammatischen Morpheme der funktionalen Kategorie Determinator zu.

Es folgt eine kurze Erklärung der syntaktischen Funktion der Artikel im D. und K., welche gleichzeitig die notwendigen Gründe für die Satzgebundenheit4 des Scramblings in beiden Sprachen darstellt.

Eine Methode, die die grammatischen Funktionen der Argumente des Verbs kennzeichnet, ist die Wortstellung im D. und K., wie die Sätze (1), (2) zeigen.

(1) a. Ich glaube, dass meine Schwester eine Freundin besucht hat.
b. Die Mutter küßte die Tochter.

Diese ambigen Sätze der Subjekt- und Objekt-Funktion haben gemäß der Wortstellung das erste Nomen als das Subjekt ihres Satzes. Gleiches gilt für das K., wie folgt.

In diesen Sätzen im K. werden nach der Wortstellung die ersten Nomina als Subjekte der Sätze interpretiert, wenn man die Satzglieder ohne Suffixe im Satz benutzt.

Die folgenden Sätze demonstrieren die syntaktischen Funktionen der Satzglieder durch die Prä-/Postposition im D. und K.


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(3) a. Ich schreibe einen Brief an meinen Vater.
b. Ich habe ein Paket an meinen Bruder geschickt.

In diesen Sätzen sind die indirekten Objekte durch die Präposition an gekennzeichnet. Gleiches gilt auch für die folgenden Sätze im K.

In diesen Sätzen sind die indirekten Objekte saki apeci (,sein- Vater‘), Seoul durch die Postpositionen ekeylo, lo festgelegt worden.

Außer diesen sekundären Wortstellungen und Prä-/Postpositionen sind die syntaktischen Funktionen, d.h. die grammatischen Relationen zum Verb in beiden Sprachen hauptsächlich von der Subkategorisierung des Verbs abhängig. Die Zahl und Position der Argumente und die semantische Selektionsbeschränkung der Argumente, welche an der Subkategorisierung des Verbs teilnehmen, stellen die primäre Norm der syntaktischen Funktionen der Argumente im Satz dar. Diese latenten syntaktischen Funktionen der Argumente realisieren sich durch die Kasusformen der Artikel, wenn der Sprecher die konkreten Nomina im Lexikon nummeriert und durch die kombinierende Arbeit mit den Artikeln und den Nomina eine bestimmte Determinator-Phrase für einen Satz selektiert. Es gibt also diese Gemeinsamkeit in der syntaktischen Funktion der Artikel und Kasusmorpheme im D. und K.

Man benutzt die Null-Form (oder φ-Funktion) der Artikel/Kasusmorpheme, d.h. wenn sich die grammatischen Funktionen der Argumente/Adjunkte im Satz ohne Artikel/ Kasusmorpheme hauptsächlich gemäß der Argumentstruktur des Verbs bzw. gemäß der Wortstellung identifizieren, dann funktioniert der φ-Marker (oder Null-Kasus). Sonst würden die Artikel/Kasusmorpheme vor oder nach Nomina markiert, um den grammatischen Status der Argumente deutlich zu kennzeichnen.


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Im Sinne dieser syntaktischen Form des potenziellen Kasus funktionieren die Artikel {d-, ein-} im D. und die neutralen Kasussuffixe {(n)un, i/ka/(l)ul} im K. gleichartig; die kasusmarkierten Argumente zeigen die Lokalität zum Verb im Satz.

Folglich kann man sagen, dass die entscheidende Stütze für den grundlegenden syntaktischen Status der Argumente im Satz die Argumentstruktur des Verbs ist und sich diese latenten Kasus durch die Artikel {d-, ein-} im D. und die Kasussuffixe {(n)un, i/ka/(l)ul} im K. realisieren lassen5.

6.2 Die Position der Artikel

6.2.1 Probleme

Dieser Abschnitt zielt darauf, dem Vorschlag von Bierwisch (1970) zufolge die universelle Kategorie Determinator D im K. im Vergleich mit dem Artikelsystem im D. zu finden.

Nach Bierwisch (1970) sind die semantischen Funktionen der Artikel als delimiting features tätig, d.h. die bestimmten Artikel als [Def] und die unbestimmten Artikel als [-Def] ([Indef] und [Spec]) determinieren den durch Nomina referierten Begriffsumfang und spielen ihre Rollen im Diskurs. Gemäß den semantischen Merkmalen [Def/-Def] lassen sich die semantischen Funktionen der Artikel im D. mit den Kasusmorphemen im K. vergleichen: Die semantische Funktion [Def] in bestimmten Artikeln des D. entspricht im K. dem Kasusmorphem (n)un, und die semantische Funktion [-Def] in unbestimmten Artikeln des D. findet die Entsprechung in den Morphemen i/ka und (l)ul des K.

Die folgenden Beispielsätze betreffen die Problematik der Artikel im D. und K., wobei versucht wird, die Parallelität in der semantischen Funktion der Artikel zu finden.

(5) A dog is clever.

(6) The dog is clever.

Mit diesen beiden Sätzen können die unterschiedlichen semantischen Funktionen der Artikel gezeigt werden. Die Rolle des unbestimmten Artikels a ist es in dem Satz, den begrifflichen Umfang des Nomens dog auf ein spezielles oder beliebiges Nomen dog zu begrenzen. Die erste Lesart wird als Spezifizität ([Spec]), die zweite als Indefinitheit ([Indef]) bezeichnet.


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Im Gegensatz zu der unbestimmten Artikelfunktion a ist die Rolle des bestimmten Artikels the im entsprechenden Satz, dass er die konzeptuelle Größe des Nomens dog mit der definiten Bedeutung, d.h. Definitheit ([Def]) misst. The dog in Satz (6) kann aber auch als das Nomen dog mit der Eigenschaft, die allgemein bekannt ist, benutzt werden. Diese Bedeutung heißt Generizität ([Gen]).

Die folgenden Sätze zeigen, dass die ambigen semantischen Funktionen [Spec] oder [Indef] des unbestimmten Artikels a im anschließenden Kontext bestimmt werden.

(7) James asked me for a newspaper.

(8) a. and I will send it to him.
b. and I will send one to him.

Die semantischen Merkmale des unbestimmten Artikels a in Satz (7) sind [Spec] bzw. [Indef]. Diese beiden semantischen Merkmale, die der unbestimmte Artikel a seinem Nomen newspaper zuweisen kann, können sich in dem Satz allein nicht differenzieren. In den Anschlusssätzen, die für diese notwendige Differenzierung zwischen beiden Lesarten die neuen Kontexte stellen, ist [Spec] durch das Personalpronomen it, [Indef] durch das Indefinitpronomen one identifiziert worden. Gleiches gilt für die Artikelbedeutungen im D., wie folgendes illustriert.

(9) a. Der Schornsteinfeger ist gerade vom Dach gefallen.
b. Maria kennt einen Schornsteinfeger.
c. Maria möchte einen Schornsteinfeger kennenlernen.

Durch den bestimmten Artikel der in der DP der Schornsteinfeger wird die begriffliche Größe seines lexikalischen Elements Schornsteinfeger auf das semantische Merkmal [Def] begrenzt. Der unbestimmte Artikel einen kann mit seinem semantischen Merkmal [-Def] (entweder [Spec] oder [Indef]) die Konzept-Größe seines Nomens Schornsteinfeger begrenzen. Diese Differenzierung zwischen [Spec] und [Indef] kann in jedem eigenen neuen Kontext durchgeführt werden.

Das Gleiche kann man im K. wie folgt finden.

Das Morphem un in Satz (10) a weist semantisch dem Nomen kkoch (,Blume‘) die Generizität [Gen] zu, und diese Blume ist die Blume, die als eine generelle Eigenschaft ein semantisches Merkmal ´schön` besitzt. Das Suffix un wird auch für die Darstellung über ein feststellbares Ding kkoch (,Blume‘) benutzt: Das Suffix un trägt also das semantische Merkmal [Def].

Im Gegensatz zu dem Suffix un erlaubt das Morphem i in Satz (10) bseinem Nomen kkoch (,Blume‘) eine engere Begriffsgröße [-Def] ([Spec] bzw. [Indef]). Der Satz mit dem Suffix i könnte die Äußerung über eine individuelle schöne Blume sein. Die Identifizierung von [Spec] und [Indef], die das Nomen kkoch (,Blume‘) bekommen kann, ist in dem abgelaufenen Kontext, d.h. in einem Satz nicht möglich. Dafür braucht man weiteren Kontext als Anschlusssatz.

Das hier anvisierte Wichtige ist, dass der begriffliche Unterschied von un-Satz und i-Satz durch die Suffixe un und i verursacht wird, weil sie ihrem Nomen kkoch (,Blume‘) verschiedene konzeptuelle Größen zuweisen.

Im folgenden Satz (11) mit dem Kasusmorphem -ul kann man die mehrdeutigen semantischen Merkmale [-Def] erkennen.

Das Suffix -ul in Satz (11) gibt seinem Nomen kkoch (‚Blume‘) die semantischen Merkmale [-Def]. Das Nomen kkoch (,Blume‘) deutet also auf eine gewisse oder beliebige Blume. Das AKK-Kasusmorphem (l)ul im K. entspricht also dem deutschen unbestimmten Artikel.

Den weiteren Beweis für die Entsprechung illustrieren die folgenden Beispielsätze.

Das Kasusmorphem un in Satz (12), (13) kennzeichnet das semantische Merkmal [Def]. Es wird also nicht für die Darstellungen des [-Def]-Merkmals der Satzglieder benutzt. Die WH-Wörter ueyn (,irgendein-‘) und mwues (,was‘) haben lexikalisch-semantisch das Merkmal [-Def] inne, und sie sind nicht mit dem definiten Suffix un kombinierbar. Die lexikalisch-semantische Eigenschaft [-Def] der WH-Phrasen in Satz (12), (13) passt folglich zu dem Kasusmorphem i/ul. Die Kasusmorpheme i/ka/(l)ul erscheinen also als das semantische Merkmal [-Def]. Das Suffix (n)un im K. entspricht im D. dem bestimmten Artikel in der definiten Lesart; die Morpheme i/ka/(l)ul im K. entsprechen dem unbestimmten Artikel im D. in der indefiniten oder spezifizierten Lesart. Wenn man also gemäß der semantischen Funktion die bestimmten und unbestimmten Artikel im D. betrachtet, dann entsprechen ihnen die neutralen Kasusmarker (n)un und i/ka, (l)ul im K.

6.2.2 Strukturen

Der bisherige Vergleich ergab, dass die semantischen Merkmale [Gen] und [Def] dem grammatischen Morphem (n)un im K. so wie den bestimmten Artikeln im D. inhärent sind, während die Morpheme i/ka, (l)uldie semantischen Merkmale [Spec] und [Indef] so wie die unbestimmten Artikel im D. besitzen. Infolge der semantischen Merkmale der Artikel korrespondieren die bestimmten Artikel {das/die/der/den/des/dem, (n)un} und die unbe-stimmten Artikel {eine(-s/-m/-n/-r), i/ka/(l)ul} miteinander.

Die folgenden Vergleichsstrukturen illustrieren die unterschiedlichen Positionen der erwähnten Artikel im D. und K.


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(14) D.: die DP in der PP-Struktur

(15) K.: die DP-Struktur

 

(P 1 = Postpositionale Phrase : Pluralmarker tul.

 

P 2 = Prä-/Postpositionale Phrase : Kasusmarker exklusive der in

 

D 4 erscheinenden NOM-Marker i/ka und AKK-Marker (l)ul.

 

P 3 = Postpositionale Phrase : Delimiter exklusive der in D 4

 

erscheinenden Topikmarker (n)un.

 

D 4 = Determinator-Phrase : Topikmarker (n)un und NOM-Marker i/ka,

 

AKK-Marker (l)ul.)

Es gibt vier auffällige Erscheinungen in den Vergleichsstrukturen. Die Erste liegt in der P1, welche im D. die Plurale für Nomina durch die Artikelform oder Artikellosigkeit ausdrückt und in der im K. ein Plural-Morphem tul als ein direkt an Nomina anschliessendes Suffix benutzt wird. Die Zweite taucht in der P2 auf, in der die Oblique-Kasus im D. und K. erscheinen. Die Dritte befindet sich in der im D. nicht existenten P3, die im K. als Delimiter oder als Diskursfunktion-Marker betrachtet wird. Die Vierte besteht in der D4, wobei die Artikel als Determinatoren ihrer Nomina im D. und K. vorkommen. In diesen DP-Strukturen steht die jeweilige Position D4 für die deutschen Artikel und die entsprechenden koreanischen Kasusmorpheme {(n)un, i/ka, (l)ul}.

Durch das folgende lexikalische Format der bestimmten und unbestimmten Artikel des D. und K. wird schließlich die Parallele in dem semantischen Merkmal [Def/-Def] und dem morphosyntaktischen Merkmal [Topi] gezeigt. Die beiden un-/ bestimmten Artikel werden als Topik- und Fokus-DPs benutzt.

Die Merkmale [Def/-Def], [Topi] umfassen die lexikalischen Merkmale, welche die morphologischen Elemente d-/ein- des D. und (n)un/i,ka,(l)ul des K. in ihren lexikalischen Einträgen führen. (Außerdem kann im K. das semantische Merkmal [Kontrast] in den Lexikoneinheiten von den Suffixen sprachspezifisch registriert werden).6 Die Morpheme {(n)un}/{i/ka, (l)ul}7 entsprechen den semantischen Merkmalen [Def/-Def] der un-/bestimmten Artikel im D. und können den Paarbegriff ,,Topik und Fokus‘‘ beschreiben. Das Scrambling im D. und K. kann also dazu dienen, durch die un-/bestimmten Artikel {ein(-es/-em/-en/-er/-e), i/ka/(l)ul / d(-er/-es/-em/-en/-as/-ie), (n)un} mit dem semantischen Merkmal [Def/-Def] den Relativbegriff ,,Topik und Fokus‘‘ [Topi] auszudrücken.

6.2.3 Artikelform

In den folgenden Sätzen wird der Unterschied der Funktion der deutschen Artikel {d-/ein-} und der entsprechenden koreanischen Artikel {(n)un/i, ka, (l)ul} im Hinblick auf Scrambling illustriert.

(18) a. ?dass den Studenten eine Frau t getroffen hat.
b ??dass eine Frau der Student t getroffen hat.


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Im D. gibt es einen Unterschied in der Akzeptabilität der Scramblingsätze. Das Scrambling mit dem bestimmten Artikel klingt besser als das mit dem unbestimmten, obwohl beide Sätze nicht perfekt akzeptiert werden.

Die folgenden Scramblingsätze im K., die im Sinne der Artikelfunktion dem D. entsprechen, sind aber perfekt.

Die Ursache für die Akzeptabilitätsunterschiede beider Sprachen folgt aus den unterschiedlichen Funktionen der Artikel. Es ist im D. schwer verständlich, in einem einfachen Satz mit Subjekt und Objekt die Satzglieder zu scrambeln, weil das Scrambling die AS (Argumentstruktur) des Originalsatzes nicht verdeutlicht. Beide Sätze sind deshalb nicht perfekt annehmbar. Man kann aber durch die vom Prädikat geforderte NOM-/AKK-Rolle, die der Artikel bezeichnet, die Topikalität (d.h. Ferne vom Prädikat) bzw. Fokalität (Nähe zum Prädikat) auffassen. Die deutsche Artikelform ist flektierbar: der bestimmte Artikel erscheint z.B. mit 4 Realisierungsformen (der/den/das/die) für NOM- und AKK-Kasus, während der unbestimmte Artikel mit 3 Formen (ein/einen/eine) dafür zuständig ist. Im Sinne der morphologischen Form der NOM- und AKK-Kasus ist der unbestimmte Artikel neutraler als der bestimmte Artikel. Die unbestimmte Artikelform eine kann lexikalisch (morphologisch) als NOM- und AKK-Marker benutzt werden, aber die bestimmte Artikelform der bezeichnet nur die NOM-Rolle.


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Im K. wird die Scramblingmöglichkeit der Satzglieder morphologisch markiert: Kasus-morpheme mit der nicht-flektierenden unveränderlichen Form deuten auf die topikale und fokale Eigenschaft ihrer Nomina hin. Das Satzglied mit dem un-Morphem in Satz (19) a kann wegen der topikalen und fokalen Kennzeichnung der eigenen Kasusform gescrambelt werden. In Satz (19) b kann das Satzglied mit dem ul-Kasusmarker ebenfalls gescrambelt werden, weil das Suffix -ul sein Nomen latent neutral topikal und fokal vorbezeichnet. Darum sind die Scramblingsätze im K. im Gegensatz zum D. perfekt.

Die folgende Topik-Fokus-Graduierung repräsentiert die unterschiedliche Akzeptabilität der Scramblingsätze im D. und K.

Dieser Positionswechsel des Subjektes eine Frau aus der topikalen Position im ungescrambelten Satz in die fokale Position in Satz (20) a und die entsprechende Verschiebung des Objektes den Studenten ist möglich, weil sich der Artikel eine in der DP eine Frau hinsichtlich der NOM- und AKK-Rolle neutral8 verhält. Diese DP kann also in der topikalen wie auch in der fokalen (= vom Prädikat entfernten oder dazu nahen) Position auftreten. Dieser Positionstausch des Subjektes mit der neutralen Artikelform eine in die fokale Position klingt folglich besser als die folgende Repräsentation9.

Der bestimmte Artikel der kann bei dem Nomen Student nur die NOM-Rolle bezeichnen. Die Phrase der Student würde zur topikalen (vom Prädikat entfernten) Position passen, weil sie die NOM-Rolle in Satz (20) b trägt. Auf der Topik-Fokus-Graduierung erscheint sie aber an fokaler Stelle (Top 0 bzw.Fok 1). Die Umstellung des unbestimmten Objektes vor das bestimmte Subjekt klingt also weniger akzeptabel als die des bestimmten Objektes vor das unbestimmte Subjekt in Satz (20) a.

Die folgenden Strukturen im K. sind die Repräsentationen der dem D. entsprechenden Scramblingsätze.


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Es gibt kein kontextbezogenes Problem wie im D., weil der bestimmte Artikel - un seinem Nomen haksayng (,Student‘) klar die Subjekt-Rolle zuweist und auch zur Signatur seiner Scramblingfähigkeit (= topikale und fokale Eigenschaft bzw. Verschiebung nach links und rechts, oder nach oben/vorne und unten/hinten) dient. Es wird also durch das Anfügen des Suffixes an das Nomen gewährleistet, dass das Satzglied zu scrambeln ist.

Der unbestimmte Artikel - ul bezeichnet das Nomen pwuin (,Frau‘) mit der grammatischen Objekt-Rolle und weist ihm die topikale und fokale Eigenschaft zu. Das Objekt pwuin-ul (,eine Frau‘) kann also über das bestimmte Subjekt haksayng-i (,Student‘) gescrambelt werden. Im K. wird die topikale und fokale Eigenschaft der Nomina bereits morphologisch, d.h. durch die Kasusmorpheme neutral gekennzeichnet. Durch Scrambling wird dann der topikale und fokale Charakter relativ deutlich: in Satz (21) b z.B. werden die topikale Eigenschaft des Satzteiles pwuin-ul (,eine Frau‘) und der fokale Charakter des Satzgliedes haksayng-i (,der Student‘) ausgeprägt.


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6.3  Die Verwendungsmöglichkeit der Artikel

Das K. bietet das Wort ku (d-), das den bestimmten Artikeln im D. entsprechen kann. Außerdem gibt es die gleichartigen Wörter i (dies-), ce (jen-). Diese drei Wörter i, ku, ce, nicht zu verwechseln mit Kasusmorphemen, entsprechen aber syntaktisch der Kategorie Attribut-Adjektiv im D. und gehören semantisch nicht zum Artikel. Das Wort ku kann z.B. dem bestimmten Artikel im D. unter { i, ku, ce } am meisten im Sinne der anaphorischen Funktion [Def] ähneln, welche die begriffliche Größe eines Nomens auf den vorangegangenen Ausdruck beschränkt10. Es hat jedoch kein semantisches Merkmal [Gen], das in bestimmten Artikeln im D. erscheint. Im Suffix (n)un hingegen treten beide Lesarten [Def] und [Gen] auf. Sind diese beiden Merkmale eine Norm, welche die bestimmten Artikel definiert, dann entspricht das Suffix (n)un im K. den bestimmten Artikeln im D. {der/des/dem/den/die/das} im Sinne der semantischen Funktionen beider Morpheme. Der Status der Wörter i, ku, ce gehört folglich zur Kategorie der Prä-Nomina im K., die im D. der Kategorie der Adjektive entspricht. Aufgrund der nicht flektierbaren festen Form der Wörter korrespondieren sie mit den prädikativen, im Sinne der Position vor den Nomina kongruieren sie mit den attributiven Adjektiven im D.

Gleiches gilt für das Prä-Nomen han (ein-), das möglicherweise den unbestimmten Artikeln im D. entspricht. Bei diesem Wort finden sich aber keine semantischen Merkmale [Spec] bzw. [Indef] des unbestimmten Artikels. Es wirkt direkt auf die lexikalische Bedeutung des Nomens, nicht auf den Umfang der Extension des Nomens. Im Gegensatz dazu binden die Suffixe i/ka/(l)ul ihre Referenzen an eine gewisse oder beliebige Sache.


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6.4  Schluss11

In diesem Kapitel wurden die Artikelformen und deren Bedeutung bei Scrambling im D. und K. verglichen.

Die syntaktische Hauptfunktion der Artikel liegt in der Bezeichnung der grammatikalischen Kasus der Nomen im Satz. Wenn die Artikel als Determinator einer universellen Kategorie in natürlichen Sprachen angesehen werden, entsprechen die neutralen Kasusmorpheme {i, ka, (l)ul/(n)un} im K. den un-/bestimmten Artikeln {ein-/d-} im D. im Sinne der semantischen Funktion. Diese besteht darin, mit ihren semantischen Merkmalen den Umfang der durch die Nomina referierten Menge zu begrenzen. Unter diesen Merkmalen versteht man [Def] ([DEFINITE]) bei bestimmten Artikeln und [-Def] ([-DEFINITE], d.h. [INDEFINITE] und [SPECIFYING]) bei unbestimmten. Der bestimmte Artikel determiniert also die begriffliche Größe der Nomina durch das Merkmal [Def], der unbestimmte durch das Merkmal [-Def]. Aufgrund dieser semantischen Eigenschaften [Def/-Def] können jeweils die bestimmten Artikel {der/des/dem/den/die/das, (n)un} und die unbestimmten Artikel {ein(-e/-er/-es/-em/-en), i/ka/(l)ul} korrelieren.

Das Scrambling und damit das Topik und der Fokus werden z.B. im D. von den bestimmten und unbestimmten Artikeln beeinflusst, weil sich der unbestimmte Artikel beim Bezeichnen der NOM- und AKK-Rolle neutraler als der bestimmte verhält.

Daher können Satzglieder mit der in NOM- und AKK-Kasus neutralen Artikelform durch Scrambling sowohl in der topikalen (vom Prädikat entfernten) als auch fokalen (dazu nahen) Position auftauchen. Im K. kennzeichnen Kasusmorpheme morphologisch topikale und fokale Eigenschaften. Die Artikelform zeigt im D. und K. folglich an, dass sich Satzglieder nach links/hoch oder rechts/unten (d.h. topikal oder fokal) einordnen können.


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6.5  Anmerkungen

1. Hier wird behauptet, dass das Paarmerkmal [Topik/Fokus] eine Art lexikalisches Merkmal ist, welches durch die bestimmten und unbestimmten Artikel im D. und K. beeinflusst wird. Scrambling steht für ein Phänomen, bei dem dieses lexikalische Merkmal syntaktisch dargestellt wird. Die bestimmten Artikel der/die/das/dem/ den/des und die unbestimmten ein(-e/-es/-em/-er/-en) im D. entsprechen dem Kasusmorphem (n)unbzw. den Kasusmorphemen i/ka und (l)ul im K. Diese grammatischen Morpheme sind aber, syntaktisch gesehen, in Kasus neutral und, semantisch gesehen, zeigen sie die Merkmale [Def/-Def]. Außerdem gibt es noch zahlreiche weitere Kasusmorpheme.

2. Ein Delimiter to (‚auch‘) gehört zu dem Paradigma der Artikel ebenso wie (n)un, i/ka, (l)ul. Das Morphem to als Topik- und gleichzeitig Subjektmarker wird in diesem Kapitel nicht behandelt, weil das Suffix (n)un schon in den repräsentativen grammatischen Funktionen mit dem Wort to identisch ist, und das Morphem to in Bedeutung und Distribution eingeschränkter gegenüber dem Morphem (n)un benutzt wird.

3. Das Merkmal [Def] spezifiziert den bestimmten Artikel, die Merkmale [Spec/Indef] unbestimmte Artikel, und das Merkmal [Indef] ist auf den Skopus der intentionalen Verben oder Negationen beschränkt. Das semantische Merkmal [Def] ist eine früher referierte spezielle Menge und die Merkmale [Spec] und [Indef] sind früher nicht referierte spezielle Mengen, wobei der Unterschied der Merkmale [Spec] und [Indef] darin liegt, ob das Objekt in der Menge fix ist. Wenn die unbestimmten Artikel das Merkmal [Spec] aufweisen, dann wird dargestellt, dass die Menge ein fixes Objekt hat. Die Gemeinsamkeit der Merkmale [Def] und [Spec] ist, dass die Argumente der Merkmale immer bestimmt und identifizierbar sind (vgl. Bierwisch (1970), S. 27-50).

4. Der hauptsächliche Grund für die Satzgebundenheit des Scramblings im D. und K. liegt in der Argument-struktur des Verbs in einem Satz. Im D. gibt es die Komplexverb-Konstruktion, in der mehrere Verben in einem Satz serialisiert und als affigierte Verben behandelt werden (vgl. Bierwisch (1990)). Genauso wie die Infinitiv-Konstruktion der Verb-Klasse II im D., die nur die kohärente Konstruktion erlaubt, gibt es die Komplexverb-Konstruktion im K., die es teilweise zulässt, die Satzglieder lang zu scrambeln, wie im folgenden ausgeführt.

Im D. ist die ungesättigte θ-Rolle der serialisierten Verben in der Komplexverb-Konstruktion der Grund dafür, dass mehrere Verben als Affixe behandelt werden. Deshalb werden die unselbständigen Verben durch die functional composition mit anderen Verben in ihrer θ-Rolle saturiert. Im K. dient das untergeordnete Verb ilk-ess-ta (,gelesen hat‘) wegen der konjunktiven Endung -ko (die Funktion der Endung -ko ist das Verbinden der Hilfsverben mit Hauptverben) als ungesättigtes Affix-Verb ilk-ess-ta-ko (,gelesen‘), das in seiner Argument-struktur eine Argumentposition für das Hauptverb enthält. Diese Argumentposition des Affix-Verbs ilk-ess-ta-ko [Seite 96↓]fordert das Erfüllen der θ-Rolle durch das andere Verb, in diesem Fall das Hauptverb malha-yess-ta (,gesagt hat‘). Im folgenden Satz kann man feststellen, dass sich die beiden nebeneinander gestellten Verben wie ein Komplexverb verhalten.

Das untergeordnete Objekt chayk-ul (,Buch‘) ist über die Satzgrenze an den Beginn des Matrixsatzes lang gescrambelt worden, weil die beiden Verben als ein Verb und die beiden Sätze darum als ein Satz angesehen werden. Der entscheidende Grund für die Scramblingmöglichkeit des untergeordneten Satzgliedes chayk-ul (,Buch‘) liegt aber in der Argumentstruktur des Verbs, wie die folgenden Scramblingsätze zeigen.

Die Ungrammatikalität der Scramblingsätze c und d liegt in der Veränderung der Argumentstruktur der Satzglieder, wobei beide Subjekte den Argumentstrukturen der jeweils anderen Verben angehören und das Matrixsubjekt Chelswu dem untergeordneten Verb ilk-ess-ta (,gelesen hat‘)und das untergeordnete Subjekt Sunhi dem Matrixverb malhay-ess-ta (,gesagt hat‘) zugeordnet wird. Die Argumentstruktur des untergeordneten Verbs ilk-ess-ta ist mit der Argumentstruktur des Hauptverbs malhayessta bei der Veränderung der grund-legenden θ-Rollen kombiniert worden; die ursprünglichen θ-Rollen der Argumente des Komplexverbs ilk-ess-ta-ko malhay-ess-ta dürfen während des Scramblings nicht verändert werden. Die native Bestimmung der grammatischen Funktionen der Argumente ergibt sich also aus der Argumentstruktur eines Verbs. Es ist darum notwendig, in der overten Syntax die Lokalität der Argumente mit ihrem Verb einzuhalten und nur innerhalb des Satzes die Satzglieder zu scrambeln.

5. In diesem Kapitel werden die Suffixe {(n)un, i/ka/(l)ul} aus den ,Postpositionen‘ in Artikelfunktion ausgeklammert. Das Wort ,Postposition‘ bezeichnet allgemein die hinter einem Nomen stehenden Suffixe, in denen das Pluralmorphem ´tul`, das mit den deutschen Pluralartikeln kongruiert, die im D. den Präpositionen entsprechenden Kasusmarker, die sogenannten Delimiter, und die mit Artikelfunktion erscheinenden Suffixe {(n)un, i/ka, (l)ul} enthalten sind. Das Ziel der gesonderten Betrachtung der Suffixe ist versuchsweise die Einprägung ihrer Artikelfunktion, die die anderen Delimiter und Kasusmarker nicht besitzen können: Die Relation zwischen den Suffixen {(n)un, i/ka, (l)ul} ist paradigmatisch, die Suffixabfolge N + Pluralmarker + Kasusmarker + Delimiter + Artikel syntagmatisch. Die Kasusmorpheme {(n)un, i/ka, (l)ul} existieren zur [Seite 97↓]Bezeichnung der grammatischen Funktion der Argumente nur einmal an jedem Nomen, aber unter anderen Kasusmorphemen bzw. Delimitern kann man die doppelte Anfügung an ein Nomen finden.

6. Das folgende Beispiel führt die lexikalische Information mit dem lexikalischen Format von Bierwisch (1990, 1997, 1998) auf, die die einfache Illustration der nicht notwendigen Einbeziehung von Kontexten und Satzintonationen bei Scrambling im K. darstellt.

Die drei Kasusmorpheme {(n)un, i/ka, (l)ul} werden für die morphologische Topikalisierung und Fokussierung der nominalen und auch verbalen Elemente der Werte [αN, αV] ( in der GF) verwendet. Scrambling fungiert als syntaktische Realisierung der nominalen Merkmale [[+N, -V], [Topi]] (in der AS) der Morpheme.

7. Das Topik- und Kasusmorphem un wird bei einem Nomen mit Konsonant-Auslaut benutzt; nun mit einem vokalen Auslaut. Das Kasusmorphem i/ka steht als ka nach einem Nomen mit Vokal-Auslaut und i zusammen mit einem Konsonant-Auslaut. Das Morphem (l)ul erscheint als lul nach dem mit Vokal auslautenden Nomen und als ul nach dem mit Konsonant auslautenden Satzglied.

8. Beispielsweise wird an dem folgenden Satz die Bewegungsmöglichkeit des Subjektes mit seinem Prädikat aufgrund des un-/bestimmten Artikels illustriert.


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Der Satz b zeigt die kaum mögliche Bewegung des Subjektes der Außenseiter, das durch den Artikel der als NOM-Kasus markiert wird. Die DP der Außenseiter ist also ein topikales (d.h. vom Prädikat entferntes) Element. Auf der Topik-Fokus-Graduierung, die durch die gemeinsame Bewegung des Hauptverbes und des Subjektes entsteht, hat aber ungünstigerweise das Subjekt den Topik- 0 bzw.Fokusgrad 2. In Satz a hingegen weist das Subjekt ein Außenseiter den unbestimmten Artikel ein auf, der eine morphologisch neutrale Form in NOM- und AKK-Kasus (d.h. Nominativ für Maskulinum und Neutrum, Akkusativ für Neutrum) bildet und also lexikalisch bei Nomina anders als der bestimmte Artikel der Subjekt- und Objekt-Rolle bezeichnen kann. Sein Nomen kann auch fokal (d.h. zum Prädikat nahe) auftreten, wie die Topik-Fokus-Graduierung des Satzes a zeigt (vgl. H. Haider 1990, S. 93-112).

9. Der Satz, in dem das Objekt mit dem unbestimmten Artikel gescrambelt wird, verhält sich normal, wenn nur entsprechende Hervorhebung die Umstellung dieser Objekte ermöglicht. Es ist also schwer, das Scrambling im D. richtig zu analysieren, ohne bestimmte Kontexte und Satzintonationen in die Umstellung der Satzglieder einzubeziehen. Das K. bietet durch bestimmte grammatische Morpheme das Mittel, das Scrambling losgelöst vom Kontext zu untersuchen, weil es ohne dieses morphologische Kennzeichen unmöglich ist. Aufgrund der eigenen lexikalischen Informationen haben die Suffixe die Scramblingmerkmale [Topik/Fokus], die ihren Stämmen die Scramblingfähigkeit geben.

10. Der Unterschied der Funktionen der Demonstrativ- und Personalpronomina kann in diesem Fall festgestellt werden. Demonstrativpronomina haben zwei Funktionen, d.h. die demonstrative Funktion, die vor Ort des Gespräches erschienenen Objekte zu referieren, und die aus dem semantischen Merkmal [Def] kommende anaphorische Funktion, die im vorher erwähnten Kontext identifizierte Sache zu referieren. Personalpronomina weisen aber nur die anaphorische Funktion auf, ihre Referenzen nur im vorerwähnten Kontext zu identifizieren. Beispielsweise kann man in den folgenden Sätzen die unterschiedlichen Eigenschaften von Personal- und Demonstrativpronomina sehen.

  1. *Es haben wir nicht gewußt.
  2. Das haben wir nicht gewußt.
  3. ?*Es kam der Brief an.
  4. Es kam ein Brief an.

Das Element das stellt die demonstrative und anaphorische Funktion dar; das Wort es aber nur die anaphorische Funktion. Das Demonstrativpronomen das referiert also im Gegensatz zu dem Personalpronomen es bekannte oder nähere Sachverhalte, die schon am aktuellen Ort des Gespräches identifiziert werden können. In den Sätzen (a), (b) sind die Positionen vor dem Hilfsverb haben (d.h. die topikalste Position) also passender für das Demonstrativpronomen das als für das neutrale Personalpronomen es. In Satz (d) kann das Personalpronomen es im Vorfeld auftreten, weil das Wort ein Brief die lexikalisch neutrale Artikelform ein zur Markierung von NOM- und AKK-Rolle besitzt, in der sich das Wort es ebenfalls neutral verhält. Beide Wörter es und ein Brief können darum kombiniert werden. In Satz (c) dagegen hat das Satzglied der Brief den bestimmten Artikel der, der in NOM- und AKK-Kasus im Gegensatz zu dem Pronomen es nicht neutral ist. Die Kombination des markierten Satzgliedes der Brief mit dem neutralen Wort es in Satz (c) ist nicht gebräuchlich, aber akzeptabel.


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11. Die Topik- und Fokus-Merkmale sind also die nominalen Merkmale, die die un-/bestimmten Artikel aufweisen. Die Form der Artikel kann Einfluss auf das Scrambling im D. und K. haben. Die Kasusmorpheme {(n)un, i/ka, (l)ul} im K. sind neutral in Kasus. Sie können im Satz als topikale und fokale Kennzeichnung fungieren, genau so wie die Artikel im D., wo die Satzglieder mit der neutralen Kasusform auch in der topikalen (= vom Prädikat entfernten) und fokalen (dazu nahen) Position stehen können. Je neutraler in Kasus die Artikelform ist, umso scramblingfähiger wird ihr Nomen; z.B. sind die Pronomen es oder sie beweglicher als ihm oder ihr.


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20.11.2003