[Seite 100↓]

7  Wortstellung und Scrambling

In diesem Kapitel wird die Beziehung zwischen Scrambling und Wortstellung im D. und K. behandelt.

In Abschnitt 7. 1 wird der strukturelle Unterschied in Sätzen, die gemeinsam die SOV-Wortstellung als Basiswortfolge nutzen, gezeigt. Das Scrambling bestimmt die Wortstellung der nominalen Phrasen, wobei normalerweise die topikalen Elemente vor die fokalen gestellt werden. Da im K. nur die SOV-Wortfolge auftritt, gestaltet sich das Scrambling wegen der fehlenden Verb-Zweit-Stellung und des rechtsstehenden verbalen funktionalen Kopfes C freier als in den SOV- und SVO-Wortstellungen des D.

In Abschnitt 7. 2 werden die allgemeinen Wortstellungsprinzipien C-Kommando und Topik vor Fokus, aus deren Beachtung die Gemeinsamkeit in der Wortstellung beider Sprachen folgt, erklärt. Durch Scrambling können mehrere Wortstellungen aus der gleichen Grundstruktur gebildet werden. Die so erzeugten Scramblingsätze bekommen durch ihre jeweilige Topik-Fokus-Graduierung verschiedene Bedeutungen zugewiesen.

In Abschnitt 7. 3 werden die Scramblingsätze mit den genannten Wortstellungsprinzipien analysiert. Damit wird das Scrambling als eine syntaktische Transformation1 illustriert, die die aktuelle Stellung und Struktur von ,,Topik und Fokus‘‘ der Satzglieder realisiert.

7.1 Die Positionen der funktionalen Köpfe

7.1.1 Die Satzstruktur im D. und K.

Es werden hier die beiden Basis-Satzstrukturen im D. und K. zur Demonstration der verschiedenen Positionen der verbalen funktionalen Köpfe C/T/v wiederholt.

(1) Die Satzstruktur im D.

In dieser Struktur können die nominalen Phrasen innerhalb der verbalen Grenzen C und T/v gescrambelt werden. Die funktionalen Köpfe C/T/v sind lexikalisch verbal, d.h. sie tragen keine nominalen Merkmale. Beim Scrambeln der Satzglieder stellen sie eine Barriere dar.


[Seite 101↓]

(2) Die Satzstruktur im K.

Hier erscheinen die funktionalen Köpfe an einer anderen Position. In dieser Struktur stehen die funktionalen verbalen Kategorien C/T/v uniform rechts. Sie können das Scrambling der nominalen Satzglieder nicht verhindern.

7.1.2 Die Daten des Scramblings im D. und K.

Die folgenden Daten illustrieren das DAT- und AKK-Scrambling im D. und K.


[Seite 102↓]

Es ist im K. möglich, die drei Satzglieder Adjunkt ecey (,gestern‘),DAT-Objekt hoikyey-eykey (,dem Kassierer‘)und AKK-Objekt ton-ul (,das Geld‘) vor dem Subjekt Chelswu-ka im Gegensatz zum D. zu scrambeln, wie die folgenden Beispielsätze zeigen.


[Seite 103↓]

Die vier Satzglieder Subjekt Chelswu-ka, AKK-Objekt ton-ul (,das Geld‘),DAT-Objekt hoikyey-eykey (,dem Kassierer‘)undAdjunkt ecey (,gestern‘) können innerhalb des Satzes nebeneinander gescrambelt werden, wie die Scramblingsätze (5) zeigen. Diese freie Umstellungsmöglichkeit ist aber im D. eingeschränkt, wie die Sätze (6) darstellen.


[Seite 104↓]

Die folgenden Daten (7) demonstrieren das mögliche Scrambling der Satzglieder über das Subjekt im D.

Der Unterschied zwischen D. und K. liegt in der Artikelform der Subjekte niemand, ein Auto. Im D. sind sie in den Formen für NOM- und AKK-Kasus neutral, d.h. die Kasusform in den Wörtern niemand, ein Auto kann sowohl NOM- als auch AKK-Rolle bezeichnen. Die Subjekte können also in beiden (topikal oder fokal, vom Prädikat entfernt bzw. dazu nahe) Positionen stehen. In (6) verhält sich das Wort ich in Bezug auf beide Kasus nicht neutral, denn es kann nur eine NOM-Rolle bezeichnen. Das passt zur topikalen Position in der Topik-Fokus-Struktur.

Im K. werden die unveränderlichen Kasusmorpheme an die Satzglieder wie in den Sätzen (4), (5) angefügt, und deren syntaktische, semantische bzw. pragmatische Rollen werden dadurch deutlich festgelegt. Sie können in einem Satz frei gescrambelt werden. Die grammatischen Funktion-Marker kennzeichnen morphologisch die jeweilige topikale und fokale Eigenschaft der Satzglieder.


[Seite 105↓]

7.2  Die Faktoren der Wortstellung

Die Gemeinsamkeit in der Wortstellung der Satzglieder bei Scrambling im D. und K. stammt aus der Beachtung der Wortstellungsprinzipien C-Kommando und Topik vor Fokus. Die Wortstellungsprinzipien sind folgendermaßen:

(8) Die Beschränkungen für die Wortstellungen bei Scrambling im D. und K.

1. C-Kommando
2. Topik vor Fokus

Die Beschränkung 1 spiegelt den strukturellen Charakter des Scramblings wider: Man kann dem ersten Prinzip folgend die Stelle prognostizieren, an die sich die betrachteten Satzglieder bewegen werden. Das Scrambling in beiden Sprachen wird also eine syntaktische2 Operation sein, mit der eine Wortstellungsvariation entsteht.

Die Definitionen der Kondition C-Kommando und des anschließenden Begriffes Dominieren sind anhand folgender Struktur demonstriert:

(9) C-Kommando :

(10) Dominieren :

α dominiert β, gdw. β unter α hängt.


[Seite 106↓]

(11) Struktur der Wortstellung:

In dieser Struktur ist die Linearität zwischen j, m und p die {j, m, p}, die besagt, dass gemäß der C-Kommando-Relation j vor m und p, m vor p und j vor p steht. Die Kategorie j c-kommandiert asymmetrisch p und m, und die Linearität von m und p hängt von der Komplexität der Kategorie p ab. Wenn man p als eine verzweigende komplexe Kategorie betrachtet, dann befindet sich gemäß der C-Kommando-Relation m vor p. Die Linearität zwischen den Kategorien j und p, die den gescrambelten Satzgliedern entsprechen, wird also durch die C-Kommando-Relation festgelegt. Unter Beachtung dieser strukturellen Konzepte C-Kommando und Dominieren können mehrere Wortstellungen aus einer Grundstruktur durch Scrambling erzeugt werden.

Die Beschränkung 2 stellt anders als der erste lokale Strukturbegriff ein morpho-syntaktisches Wortstellungsprinzip dar, dem Scrambling folgt. In dieser Arbeit wird sie durch die Topik-Fokus-Graduierung strukturell verdeutlicht: Scrambling wird als Bildung einer mehr-dimensionalen Umstrukturierung bzw. Relativierung in nominalen Satzgliedern analysiert. Es bewirkt keine Veränderung der grundlegenden inhaltlichen Ebene; sondern es handelt sich um Varianten oder wechselseitige Beziehungen der Satzglieder hinsichtlich des Topik- (d.h. der Ferne zum Prädikat) bzw. des Fokusgrades (d.h. der Nähe zum Prädikat). Das Wortstellungsprinzip Topik vor Fokus wirkt also je nach der Distanz der Satzglieder zum Prädikat, die durch die morphologische Artikel- bzw. Kasusform bezeichnet wird. Je neutraler sich die Form des Satzgliedes in beiden Kasus verhält (d.h. wenn die Kasusform des Satzgliedes sowohl die NOM- als auch die AKK-Rolle anzeigen kann), desto freier kann es [Seite 107↓]in beiden (d.h. topikalen und fokalen bzw. vom Prädikat entfernten und dazu nahen) Positionen stehen.

Im folgenden Abschnitt werden die Scramblingsätze gemäß den allgemeinen Wortstellungsprinzipien C-Kommando und Topik vor Fokus illustriert.

7.3 Scramblingeffekt

7.3.1 Wortstellungs- und Graduierungsvariation bei Scrambling im D.

Die folgenden Scramblingsätze repräsentieren die Wortstellungen mit den abstrakten Teilstrukturen, wobei die C-Kommando-Relation zwischen den Satzgliedern ihre Präzedenzrelation bestimmt. Anschließend werden die Wortstellungen durch das mit der Topik-Fokus-Graduierung illustrierte Prinzip Topik vor Fokus erklärt.

In dieser vP-Struktur platzieren sich die benachbarten Satzglieder das Geld, dem Kassierer dem C-Kommando zufolge. Das AKK-Objekt das Geld kann das unbewegte DAT-Objekt dem Kassierer c-kommandieren, aber umgekehrt gilt das nicht: Den ersten verzweigenden Knoten des DAT-Objektes bildet die VP-Kategorie, die das AKK-Objekt nicht dominiert. Durch das AKK-Scrambling entsteht also zwischen beiden eine sequenzielle Beziehung {das Geld, dem Kassierer}.

Für den folgenden Satz gilt das Gleiche.

Das DAT-Objekt dem Kassierer ist vor dem Adjunkt gestern gescrambelt, wobei es das benachbarte Satzglied gesternc-kommandieren kann. Die umgekehrte Situation ist strukturell aber nicht möglich: Die erste verzweigende Kategorie v´ des Adjunkten dominiert nicht das DAT-Objekt.


[Seite 108↓]

Im folgenden Satz (14) wirkt der Strukturbegriff C-Kommando ebenfalls.

Nach Beschränkung 1 kann das AKK-Objekt das Geld das nächste Satzglied gestern c-kommandieren, aber die umgekehrte Situation ist positionell unmöglich: der erste verzweigende Knoten des Adjunkten gestern ist die v´-Kategorie, die das AKK-Objekt das Geld nicht dominiert. Darum kann sich diese Reihenfolge {das Geld, gestern} bilden.

Die folgenden Sätze (15), (16) zeigen Multi-Scrambling, wobei in einem Satz mehrere Satzglieder umgestellt werden.

Entsprechend dem C-Kommando erscheint das DAT-Objekt dem Kassierer vor dem AKK-Objekt das Geld,das vor dem Adjunkt gestern steht: Die erste vom DAT-Objekt verzweigende Kategorie vP dominiert das AKK-Objekt, aber das AKK-Objekt kann das DAT-Objekt nicht dominieren, denn der erste Teilknoten des AKK-Objektes ist die v´-Kategorie. Das AKK-Objekt c-kommandiert den Adjunkt gestern, weil unter der ersten vom DAT-Objekt verzweigenden Kategorie v´ der Adjunkt hängt, aber das AKK-Objekt sich nicht unter dem ersten von dem Adjunkt geteilten Knoten v´ befindet. Aufgrund der transitiven Relation in den drei Satzgliedern gestern, dem Kassierer, das Geld entsteht die Wortabfolge {dem Kassierer, das Geld, gestern}. Den folgenden Satz (16) steuert das Prinzip C-Kommando in gleicher Weise wie in Satz (15).

Wenn man beide Objekte betrachtet, c-kommandiert das AKK-Objekt das Geld das DAT-Objekt dem Kassierer: Das AKK-Objekt dominiert das DAT-Objekt, aber das Gegenteil ist nicht der Fall, weil es nicht unter dem ersten von dem DAT-Objekt verzweigenden Knoten v´ hängt. Die bewegten Elemente das Geld und dem Kassierer c-kommandieren den Adjunkt gestern, aber der Adjunkt kann die beiden nicht c-kommandieren, denn sie stehen nicht unter dem ersten von dem Adjunkt verzweigenden Knoten v´. Gemäß der transitiven Beziehung der drei Satzglieder entsteht folglich die Reihenfolge {das Geld, dem Kassierer, gestern}.

Scrambling zeigt eine unterschiedliche Wortstellung in Zusammenhang mit der Veränderung der Topik-/Fokus-Grade (vgl. Kap. 1, Abs. 1.3.3). Die folgenden Schemata unter den Scramblingsätzen stellen also den semantischen Effekt des Scramblings dar. Diese Steigerung des Topik-/Fokus-Grades (= große/geringe Entfernung vom Prädikat) der Satzglieder, die das Scrambling verursacht, wird durch die Topik-Fokus-Graduierung mit der fettgedruckten Zahl wie folgt illustriert.

An der Topik-Fokus-Graduierung des normalen Satzes (17) a kann man feststellen, dass der Adjunkt gestern als topikalstes Element und das AKK-Objekt das Geld als fokalstes dimensioniert werden. In den folgenden Scramblingsätzen werden die Satzteile entsprechend ihrer Entfernung vom Prädikat verschieden graduiert bzw. relativiert.

Das AKK-Objekt das Geld ist das fokalste Element in der Originalposition vor dem Prädikat in Satz (17) a. Es hat die in NOM- und AKK-Kasus neutrale Artikelform das, die in beiden (topikalen und fokalen bzw. vom Prädikat entfernten und dazu nahen) Positionen auftreten [Seite 110↓]kann. Das AKK-Objekt das Geld kann daher aus der fokalen Position in die topikale versetzt werden. Das DAT-Objekt dem Kassierer wechselt als Folge des AKK-Objekt-Scramblings aus einer gemischt topikalen und fokalen Originalposition in Satz (17) a zur fokalsten, wie die Topik-Fokus-Graduierung des Satzes (17) b zeigt. Im folgenden wird das DAT-Objekt dem Kassierer zum topikalsten Element im Mittelfeld.

Das DAT-Objekt ordnet sich in der Originalposition in Satz (17) a in die mittlere topikale und fokale Position zwischen dem Adjunkt gestern und dem AKK-Objekt das Geld ein. Es wird also durch Scrambling über den Adjunkt gestern zum topikalsten Element, wie die Topik-Fokus-Graduierung des Satzes (17) c zeigt. Der folgende Satz (17) d führt das Element das Geld als topikalstes im Mittelfeld.

Das topikale und fokale Wort Geld mit dem in NOM- und AKK-Kasus neutralen bestimmten Artikel das kann vor dem Adjunkt gestern stehen. Der Adjunkt gestern ist morphologisch in Kasus neutral; er kann überall im Satz topikal oder fokal auftreten. Die Wortstellung der beiden Elemente das Geld und gestern wird durch das Wortstellungsprinzip Topik vor Fokus geregelt.

Wie die Topik-Fokus-Graduierung des Satzes (17) e darstellt, werden durch das Multi-Scrambling der beiden Argumente dem Kassierer, das Geld das DAT-Objekt dem Kassierer zum topikalsten und das AKK-Objekt das Geld zum topikalen Element im Mittelfeld. Damit kann das Adverb gestern aus der topikalsten Originalposition in Satz (17) a zur fokalsten neuen Stelle vor dem Prädikat (17) e wandern. Der anschließende Satz (17) f stellt das AKK-[Seite 111↓]Objekt das Geld als das topikalste Element und den Adjunkt gestern als das fokalste im Mittelfeld dar.

Das AKK-Objekt das Geld befindet sich im Originalsatz (17) a in der fokalsten Position vor dem Prädikat. Es kann in Satz (17) e als topikal, wenn auch weniger als das DAT-Objekt dem Kassierer, erscheinen. In Satz (17) f hingegen taucht es durch das AKK- und das DAT-Scrambling über den Adjunkt gestern im Mittelfeld als topikalstes Satzglied auf. Damit wird das DAT-Objekt dem Kassierer topikaler als der Adjunkt gestern; der Adjunkt gestern zum fokalsten Element.

Man kann in der Topik-Fokus-Graduierung sehen, dass alle Satzglieder durch Scrambling einen veränderten topikalen (d.h. vom Prädikat entfernten) und fokalen (dazu nahen) Grad bekommen, der durch Fettdruck angezeigt wird und dem Vergleich mit dem Originalsatz (17) a und der Scramblingsätze (17) b bis f untereinander dient. Obwohl sie eine gemeinsame Argumentstruktur des Verbs besitzen, die den Basisinhalt des Satzes darstellt, entstehen also Scramblingsätze mit unterschiedlicher Bedeutung. Die dadurch gebildete Struktur zeigt die verschiedenen semantischen Interpretationen eines Satzes hinsichtlich der Graduierung bzw. des Vergleiches der Referenten der Satzglieder an. Die deutschen Kasusmorpheme, z.B. Artikel, sind morphologisch nicht-topikal und nicht-fokal: Sie können morphologisch nicht die Scramblingfähigkeit (= die topikale und fokale Eigenschaft bzw. die Lokalität zum Prädikat) ihrer Nomina anzeigen. Darum kann man die Topikalität oder Fokalität der Satzglieder syntaktisch auffassen: Je näher zum Prädikat das Element steht, desto fokaler ist es, oder je entfernter es vom Prädikat vorkommt, desto topikaler erscheint es.


[Seite 112↓]

7.3.2  Wortstellungs- und Graduierungsvariation bei Scrambling im K.

Die beiden Wortstellungsprinzipien C-Kommando und Topik vor Fokus wirken ebenso auf das Scrambling im K. Das Scrambling betrifft die nominalen Konstituenten im Satz. Kasusmorpheme bezeichnen mit ihrer unveränderlichen Form die Kasus der Satzglieder, und sie werden schon morphologisch neutral als topikal und fokal verstanden.

Anhand der folgenden Sätze werden die Wortstellungen bei Scrambling nach dem Wortstellungsprinzip Topik vor Fokus erklärt.

In der Grundabfolge des Satzes (18) wird die aktuelle Abfolge Topik vor Fokus des Adjunktes ecey (,gestern‘)und der drei Argumente Chelswu, hoikyey (,Kassierer‘)und ton (,Geld‘)gestaltet. Der Adjunkt ecey kennzeichnet eine Umstandsbestimmung hinsichtlich der Zeit des vom Satz bezeichneten Geschehens, die in Kasus neutral und darum wenig an die Argumentstruktur gebunden ist. Er kann in der topikalen und auch fokalen Position im Satz auftreten. Die Argumente hoikyey (,Kassierer‘)und ton (,Geld‘) hingegen richten sich streng nach der Argumentstruktur des Satzes4. Die Kasusmorpheme mit der topikalen und fokalen Eigenschaft –ka (NOM), -eykey (DAT), -ul (AKK)werden an sie angefügt5. Damit wird die syntaktische (bzw. semantische und pragmatische) Rolle ihrer Nomina deutlich bezeichnet und die Nomina können frei gescrambelt werden. In der Grundabfolge stellen sich folglich das Subjekt Chelswu-ka als das topikalste (d.h. das vom Prädikat entfernteste), das AKK-Objekt als das fokalste (das dem Prädikat nächste) und die dazwischen stehenden Elemente, d.h. der Adjunkt ecey (,gestern‘) und das DAT-Objekt hoikyey-eykey (,dem Kassierer‘) als topikale und/oder fokale dar, wie in der entsprechenden Topik-Fokus-Graduierung des Satzes (18) aufgeführt. Im folgenden Satz (19) erscheint das AKK-Objekt ton-ul (,das Geld‘) als hinlänglich topikal.

Die alte Abfolge in Satz (18), wobei das AKK-Objekt ton-ul (,das Geld‘) hinter dem DAT-Objekt hoikyey-eykey (,dem Kassierer‘) als dem Prädikat nächstes (d.h. fokalstes) steht, verwandelt sich nach dem Scrambling in die aktuelle Wortfolge, d.h. das vom Prädikat entfernte (d.h. topikale) AKK-Objekt tritt vor dem DAT-Objekt auf. Im folgenden Satz (20) kommt das DAT-Objekt hoikyey-eykey (,dem Kassierer‘) topikaler als der Adjunkt ecey (,gestern‘) vor.

Aus der grundlegenden Abfolge {ecey, hoikyey-eykey} in Satz (18) wird das DAT-Objekt hoikyey-eykey (,dem Kassierer‘) über den Adjunkt ecey (,gestern‘) gescrambelt. Damit wird das DAT-Objekt relativ zu dem Adjunkt ecey topikaler (bzw. vom Prädikat entfernter), der Adjunkt ecey (,gestern‘) fokaler (dazu näher).

Im folgenden Satz (21) wird das fokalste (das dem Prädikat nächste) AKK-Objekt ton-ul (,das Geld‘) der Originalposition in Satz (18) in die gegenüber Satz (19) topikalere Position versetzt.


[Seite 114↓]

Das fokalste AKK-Objekt ton-ul (,das Geld‘) aus der grundlegenden Wortabfolge {Chelswu-ka, ecey, hoikyey-eykey, ton-ul} in Satz (18) wurde über das Satzabverb ecey und das DAT-Objekt hoikyey-eykey gescrambelt. Damit formt das AKK-Objekt bezüglich des Adjunkten ecey und des DAT-Objektes hoikyey-eykey die lineare Wortstellung Topik vor Fokus: es wird topikaler (d.h. vom Prädikat entfernter), die anderen fokaler (dem Prädikat näher).

Im folgenden Satz (22) wird die Topik-Fokus-Wortfolge durch das Multi-Scrambling bestimmt.

Die beiden Argumente hoikyey-eykey und ton-ul werden über den Adjunkt ecey gescrambelt, um zu bewirken, dass sie bezüglich dieses Adjunkten topikaler werden und gleichzeitig dieser Adjunkt bezüglich der beiden gescrambelten Argumente zu dem fokalsten (d.h. dem Prädikat nächsten) Element der Satzglieder wird.

An dem folgenden von Satz (22) verschiedenen Multi-Scrambling zeigt sich, dass sich das AKK-Objekt ton-ul topikaler als das DAT-Objekt und der Adjunkt ausdrückt.

An dieser aktuellen Wortabfolge {ton-ul, hoikyey-eykey, ecey} kann man ablesen, dass jeweils relativ zu den anderen Elementen die beiden Argumente hoikyey-eykey und ton-ul topikal und der Adjunkt ecey fokal ausgedrückt werden, und dass gleichzeitig unter diesen beiden gescrambelten Argumenten das AKK-Objekt ton-ul topikal und das DAT-Objekt hoikyey-eykey fokal erscheint. Von den drei Satzgliedern {ton-ul, hoikyey-eykey, ecey} wird folglich [Seite 115↓]hinsichtlich des Prädikates das erste als das topikalste, das zweite als das topikale und fokale, das dritte als das fokalste verstanden.

Bis jetzt wurde folgendes deutlich: Nach dem Wortstellungsprinzip Topik vor Fokus werden die aktuellen Wortstellungen aus der Grundreihenfolge der Träger einer syntaktischen Rolle erzeugt. Die so gewonnenen Sätze werden durch die nummerierte Zahlenstruktur, d.h. die unter den Sätzen notierte Topik-Fokus-Graduierung bzw. -Struktur illustriert. Diese Graduierung von ,,Topik und Fokus‘‘, die durch das Scrambling bewirkt wird, deutet die strukturelle Dimensionierung der Satzglieder an. Dem Topik- (d.h. der Ferne vom Prädikat) und Fokusgrad (d.h. der Nähe zum Prädikat) zufolge wird der unterschiedliche dimensionale Charakter der syntaktischen Rolle der Satzglieder bei Scrambling veranschaulicht.

7.4 Schluss

In beiden Sprachen wird gemeinsam die SOV-Wortstellung als Basiswortfolge betrachtet. Die grammatischen Kategorien C/T/v erscheinen aber in unterschiedlichen Positionen. Anders als im K., wobei alle grammatischen Kategorien auf der rechten Seite uniform auftreten, steht im D. die C-Kategorie links, während sich die übrigen grammatischen Kategorien rechts befinden. Obwohl sich solche unterschiedlichen Positionen der grammatischen Kategorien zeigen, bilden beide Sprachen die gleichen Variations-Wortfolgen aus den gemeinsamen SOV-Grundstrukturen. Diese Gemeinsamkeit der Wortstellungsvariation entspringt der Beachtung der Wortstellungsprinzipien C-Kommando und Topik vor Fokus.

Die verschiedenen durch Scrambling erzeugbaren Wortstellungen6 werden gemäß der Topik-Fokus-Graduierung zusammengestellt. Die dabei entstehenden Sätze sind nicht gleich-bedeutend. Scramblingsätze besitzen nicht nur die Grundinformation der Argumentstruktur, sondern auch unterschiedliche relative Topik-Fokus-Graduierung (= die variante Dimensionalität) der Satzglieder.


[Seite 116↓]

7.5  Anmerkungen

1. Das folgende Zitat (Bierwisch 1966a, S. 27-28)) belegt, dass das Scrambling im D. und K. keine fakultative Transformation ist.

„In der ganzen Grammatik ist die Unterscheidung zwischen fakultativen und obligatorischen Regeln von Bedeutung. Die letzteren müssen angewendet werden, damit überhaupt ein grammatisch richtiger Satz abgeleitet wird, sie bilden also den automatischen Teil der Regularität, der von keinen außergrammatischen Faktoren beeinflußt wird. Die fakultativen Regeln sind die für die sprachliche Kommunikation eigentlich entscheidenden: Die Entscheidung über ihre Anwendung hängt von außersprachlichen Informationen ab, also vom eigentlichen Zweck der Kommunikation.“

Im D. kann Scrambling im Mittelfeld sowohl ein fakultatives als auch obligatorisches Phänomen sein (ebd. S. 88-120). In dieser Arbeit betrifft das Scrambling das lexikalische Merkmal [Topi], das die nominalen funktionalenKategorien (z.B. Artikel/Kasusmorpheme im D./K.) aufweisen. Dieses Paar-Merkmal ,,Topik undFokus‘‘ der nominalen Satzglieder genügt der Scramblingkondition Topik-Fokus-Graduierung. Im folgenden Sinn erweist sich also Scrambling als obligatorisch. Zunächst sind die Scramblingobjekte nominalePhrasen. Ohne die Markierung der klaren syntaktischen Rolle durch die Kasusform (z.B. Artikel/Kasusmorpheme) funktioniert Scrambling nicht. Die nicht-gescrambelten normalen und Scramblingsätze sind ungleich in der Bedeutung der Topik-Fokus-Graduierung der Satzglieder. Wenn man beliebige Satzglieder positionell anders dimensionieren möchte, bildet man Scramblingsätze. Dabei entsteht die durch die Distanz vom Prädikat bestimmte relative Strukturierung der Satzglieder. Der Hauptfaktor für das Auslösen dieses Scramblings besteht in dem Grad- bzw. Vergleichsmerkmal [Topi] der syntaktischen Rolle. Die mit diesem Merkmal zusammen-hängenden Wörter, d.h. Argumente und Adjunkte, können scrambeln.

2. Die syntaktische Eigenschaft bedeutet eine lineare Stellung und hierarchische Struktur der Satzglieder, was die Phrase-Marker zeigen. Die bisherigen Analysen haben die beiden Eigenschaften für voneinander unabhängig gehalten. In der GB-Theorie wurde der Kopf-Parameter als das Wortstellungsprinzip für natürliche Sprachen vorgeschlagen. Travis (1984) hat behauptet, dass die Zuweisungs-Direktionalität der thematischen Rolle und des Kasus sprachverschieden ist und der Unterschied der Direktionalität die Wortstellung der Sprache bestimmt. Stowell (1981) hat die Case Adjacency Condition zur Bestimmung des Wortstellungsprinzips gezeigt. Das Wortstellungsprinzip LCA (Linear Correspondence Axiom) von Kayne (1994) stellt die strenge Beziehung zwischen der Präzedenz- und der Dominanz-Relation der Satzglieder her.

3. In dieser Arbeit wird das Wortstellungsprinzip LCA von Kayne (1994) im Sinne des Begriffes ‚Projektion‘ anders benutzt. Das gezeigte Wortstellungsprinzip C-Kommando basiert direkt auf den terminalen Satzgliedern, die die Köpfe selbst sind. Das Prinzip LCA ist eigentlich für die Linearität der nonterminalen Elemente gültig, welche die Linearität der terminalen Elemente imaginieren. Das Mengenzeichen wird benutzt, damit sich die Linearität der Glieder im Satz zeigt. Das Wortstellungsprinzip C-Kommando weist also auf die transitive, totale und antisymmetrische Relation zwischen den terminalen Satzgliedern hin.


[Seite 117↓]

4. Im folgenden Zitat (ebd. S.50) kann man den grammatischen Unterschied zwischen Argumenten und Satzadverbialien sehen:

„Wie wir bereits festgestellt haben, unterscheidet sich Advb von allen möglichen Objekten dadurch, daß es in jedem Satz, unabhängig von der Klassenzugehörigkeit des Verbs, auftreten kann. Ferner können die verschiedenen Elemente, zu denen Advb expandiert wird, in jedem Satz durch Temporal-, Modal- und Lokalsätze substituiert werden. Sie bilden so die Basis für die Einbettung einer großen Zahl von Nebensätzen. Bei den Objekten können nur abstrakte Nominalkomplexe im Akkusativ durch Nebensätze ersetzt werden. Ferner können die aus Advb abgeleiteten Segmente des Satzes in beschränktem Maße außerhalb des sogenannten Satzrahmens an das Ende des Satzes gestellt werden, was sie von allen Objekten unterscheidet. Wir wollen annehmen, daß folgende Sätze mindestens bedingt möglich bzw. unmöglich sind:

(e) Man setzte die Urlauber über in einem Boot.

(f) Du hast die Maschine dorthin gestellt gestern.

(g) *Man setzte in einem Boot über die Urlauber.

(i) *Du hast gestern die Maschine gestellt dorthin.

... (i) zeigt übrigens, daß das Gesagte nur für die auf Advb zurückgehenden Segmente zutrifft, aber nicht auf die Adverbiale, die zu Vb gehören, dorthin ist ein Richtungsadverb.“

Im K. können die Argumente und die Satzadverbien bzw. Adverbialbestimmungen innerhalb eines Satzes umgestellt werden. Die auf bestimmte Kategorien beschränkten Adverbien, z.B. die V-Adverbien und Negationswörter, können also nicht gescrambelt werden. Die grundlegende semantische Beziehung der modifizierenden Elemente mit ihren Argumenten (d.h. die Argumentstruktur der betreffenden Kategorien, AS) wird abgebrochen, wenn sie gescrambelt werden. Die AS einzuhalten ist eine Voraussetzung für Scrambling im D. und K.

5. In der Grundreihenfolge von Objekt-Argumenten steht schon die Wortstellung Topik vor Fokus fest, weil das DAT-Objekt weniger als das AKK-Objekt vom Verb abhängig ist. Das DAT-Kasusmorphem eykey wird manchmal als Oblique benutzt; mit dem AKK-Kasusmorphem dagegen geht das nicht. D.h. das DAT-Objekt kann man als grammatische Funktion Oblique im Satz weglassen, aber nicht das AKK-Objekt. Also ist das DAT-Morphem neutral in Kasus und kann als beides (topikal und fokal bzw. vom Prädikat entfernt und dazu nahe) im Satz vorkommen. Die Wortabfolge Topik vor Fokus in beiden Argumenten DAT- und AKK-Objekt ist so wie im Originalsatz (17) gebildet worden.

6. Mit den syntaktischen Phänomena WH-Bewegung und Topikalisierung wird Scrambling als eine Wortstellungstransformation für die laufende Wortfolge angesehen. Bei Bierwisch (1966a, S. 20) sind z.B. die folgenden Sätze als die auf Wortbildung wirkenden Phänomena enthaltend erwähnt worden.


[Seite 118↓]

„Hier sind zwei verschiedene Arten von Transformationsregeln zu unterscheiden. Die erste ändert die Reihenfolge der Elemente und den Stammbaum einer durch den Formationsteil abgeleiteten Endkette – wobei auch Elemente hinzugefügt oder eliminiert werden können – und ergibt so eine neue Endkette mit neuem Stammbaum. Auf diese Weise können z.B. Fragesätze, Passivsätze, emphatische Sätze, Inversionen, elliptische Sätze usw. gebildet werden.“

Während das morphologische Operatormerkmal Q oder Wh- also in der overten Syntax identifiziert wird, um die aktuelle Wortstellung zu bilden, ist Scrambling eine für die nominalen Satzglieder gültige Transformation gemäß der Wortstellungsregel Topik-Fokus-Graduierung.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 3.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
20.11.2003