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8  Die Beziehung der Morphologie zur Syntax im K.

Im folgenden Abschnitt1 wird der syntaktische Charakter der Morpheme im K. beschrieben. Sie bilden zwar zusammen mit Stämmen bzw. Wurzeln lexikalische Wörter und gehören als ein Teil zu diesen, aber ihre grammatikalische Funktion beeinflusst wie folgt die ganze Phrase bzw. den ganzen Satz.

Die unterstrichenen Morpheme formen zusammen mit dem Stamm ein Wort. In Satz a bildet das Morphem myen einen Teil des Verbs phwuli-myen (‚verbessern‘). Es wandelt das gesamte Gefüge nalssi-ka phwuli- (‚das Wetter wird gut‘) in einen Konditionalsatz. Das Morphem -ta gehört zu dem Verb ttena-keyss-ta (‚machen‘), markiert aber die gesamte Konstituente yehyayng-ul ttena-keyss- (‚Ich werde Urlaub machen‘) als deklarativen Satz.

In Satz b ist das Morphem -um zwar ein Teil des Adjektivs eps-um (‚nicht vorhanden‘), aber es nominalisiert die Wortgruppe ku-ka coy-ka eps- (‚er ist nicht schuldig‘).

Die anderen nicht unterstrichenen grammatischen Morpheme, d.h. die Kasusmorpheme -ka (Nominativ), -i (Nominativ), -ul (Akkusativ) und die Tempusmorpheme -keyss- (Zukunft) und -(a)ss- (Vergangenheit) bilden ebenfalls zusammen mit ihren Stämmen die lexikalischen Kategorien Nomina und Verben. Sie spielen eine syntaktische Rolle, d.h. im Satz teilen die Kasusmorpheme den Inhalt dadurch deutlich mit, dass sie die grammatischen Rollen der Satzglieder bezeichnen. Die Tempusmorpheme zeigen den Zeitpunkt des Geschehens des gesamten Satzinhaltes.

Dieser syntaktische Charakter wird im Einzelnen an Honorifik-, Fokus-, Kausativ-, Passiv-, Tempus-, Schluss-, Ad-/Nominalisierungs-Morphemen näher erklärt.


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8.1  Honorifikmorpheme

Es gibt drei Arten grammatikalischer Honorifikmorpheme, welche die Intention der Höflichkeit des Sprechers in Bezug auf Subjekt, Objekt und Hörer zeigen2.

Zunächst sind Honorifikmorpheme für das Subjekt das Honorifiksuffix -nim, die Subjekt-Honorifikendung -(u)si- und das Nominativ-Kasusmorphem -kkeyse. Anhand des folgenden Beispielsatzes lässt sich die Funktion der Subjekthonorifikmorpheme demonstrieren.

Das Honorifiksuffix -nim, das Kasusmorphem der Subjekthonorifik -kkeyse und die Subjekt-Honorifikendung -(u)si- treten im Satz zusammen auf. Die drei Morpheme stellen die grammatische Relation der Subjekt-Verb-Kongruenz dar, die semantisch die Höflichkeit in Bezug auf die Subjektperson hervorhebt. Die lexikalischen Formen der Honorifikmorpheme kann man wie folgt schematisieren.


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Die Komposition der beiden Morpheme a´ und a.


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Die Komposition der beiden Morpheme a´´ und b.


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c´. Die syntaktische Kongruenz zwischen b´ /sensayngnimkkeyse/ und c /-(u)si-/:

Die Merkmale in der GF dienen als morphologische Verbindungskonditionen für andere Kategorien. Das Merkmal [+N, -V] des Suffixes -nim und des Kasusmorphems der Subjekt- honorifik -kkeyse besagt, dass die Morpheme an Nomina angehängt werden können. Das Merkmal [±N, +V] der Subjekthonorifikendung -(u)si- erlaubt die Verbindung der Endung mit Verben bzw. Adjektiven.

Die Merkmale der AS sind syntaktische Bedingungen, die auf die grammatikalischen Funktionen der Satzglieder wirken. Das Merkmal [-N, +V] des Honorifiksuffixes -nim erfordert die Übereinstimmung des Morphems -nim mit dem Honorifik-Merkmal in der SF des Prädikates. Das Merkmal [-N, +V] des Honorifikkasusmorphems -kkeyse zeigt die Kongruenz dieses Morphems mit dem Honorifik-Merkmal der SF des Prädikates. Das Merkmal [NOM] der Honorifikendung -(u)si- kennzeichnet die Abstimmung des Honorifik-Merkmales der SF dieses Morphems mit dem gleichen Merkmal in der SF des Subjektes.

Im Folgenden wird die Objekt-/Hörer-Honorifik kurz erwähnt. Das Honorifiksuffix -nim und das Kasusmorphem -kkey sind Honorifikmorpheme des Objektes. Die honorifischen lexikalischen Morpheme stehen für die Konformität des Objektes mit dem Prädikat bei der Objekthonorifik, wie der folgende Beispielsatz illustriert.


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Die Objektperson sensayng (,Lehrer‘) ist durch ein lexikalisches Morphem tuli- (,übergeb-‘) und die zwei grammatischen Honorifikmorpheme -nim und -kkey honorifisiert. Das Anfügen des Honorifiksuffixes -nim und des Dativ-Kasusmorphems der Objekthonorifik -kkey an den Stamm sensayng (,Lehrer‘) deutet also darauf hin, dass das Honorifikmerkmal des Dativobjektes zum Honorifikmerkmal des Prädikates tuli- (,übergeb-‘) passt. Die lexikalischen Formen dieser drei grammatischen und lexikalischen Hononorifik-Morpheme -nim, -kkey und tuli- können wie in (6) charakterisiert werden.

Wegen den syntaktischen Merkmalen [-N, +V] und [DAT] der AS der drei Morpheme sind ihre Honorifikmerkmale der SF miteinander zu kombinieren. Dadurch zeigt sich die Objekt-Prädikat-Kongruenz in der Objekthonorifik im Satz.

Für Hörer- bzw. Gesprächspartner-Honorifik gibt es mehrere grammatische Morpheme, z.B. das Honorifiksuffix -nim, die repräsentative Hörerhonorifikendung -supnita und die Hörer-honorifikpartikel -yo. Man kann Sätze mit Hörerhonorifik wie folgt durch grammatische Morpheme bilden.

Der Satz a zeigt, dass die Honorifikmerkmale des auf Hörer referierten Suffixes -nim und der Hörerhonorifikpartikel -yo gleich sind. Nicht nur die Hörerhonorifikendung -supnita in Satz c, sondern auch -(u)o und -ney werden dem Grad der Hörerhonorifik nach gebraucht. Die folgenden Schemata dieser generellen grammatischen Morpheme der Hörerhonorifik können wie folgt betrachtet werden.

Außer diesen beiden häufig benutzten grammatikalischen Morphemen der Hörerhonorifik lässt sich der lexikalische Charakter der anderen Honorifikendungen für Gesprächspartner folgendermaßen aufzeigen.


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Diese generellen Formate der lexikalischen Charakteristika zeigen besonders die auf Höflichkeitsformen zutreffenden Merkmale in AS und SF. Diese Endungen tragen haupt-sächlich das Merkmal [Modalität]. Die Nummerierung 0 bis 3 im Honorifikmerkmal der SF quantifiziert den Grad der Höflichkeit. Die 0Honorifik klingt für den Hörer neutral, die 3Honorifik wird am höchsten bewertet. Als Zwischenstufen stehen noch 1/2Honorifik zur Verfügung, wobei die 2Honorifik höflicher als die 1Honorifik ist.

Die morphologischen Merkmale in der GF geben die für die Hörerhonorifik notwendigen Verbindungsbedingungen zwischen anschließenden Morphemen vor. Das Merkmal [-N, +V] der oben genannten Endungen der Hörerhonorifik zeigt an, dass sich diese Endungen mit [Seite 128↓]anderen Morphemen der gleichen Merkmale verbinden können. Sie können sich also an verbale Morpheme anhängen. Die redundante morphologische positionelle Information, z.B. die Endungen, stehen hinter den Tempusmorphemen, bzw. sie erscheinen am Ende der verbalen Kategorie und sind in der GF dieser produktiven Morpheme nicht registriert.

8.2 Fokusmorpheme

Der Begriff ‘Fokus’ umfasst hier in dieser Arbeit die Konzepte ‘Emphase, Kontrast, Betonung, Aufmerksamkeit und Interesse’3. Die Kategorie ‘Fokus’ ist die Intention, dass der Sprecher dem Hörer einen bestimmten Inhalt deutlicher mitteilen will. Die Fokusmorpheme im Satz stellen also die klare Äußerung der Sprecherabsicht heraus, sein Interesse an einem bestimmten Inhalt des Satzes zu verstärken.

Es gibt keine festen Fokusmorpheme im K., die ausschließlich Emphase auf inhaltliche Sachverhalte ausdrücken. Affixe, d.h. grammatikalische Morpheme wie Kasus-morpheme und prädikative Endungen, wirken gleichzeitig als Fokusmorpheme. Die Kasusmorpheme legen Nachdruck auf jedes bezeichnete Argument, und die Endungen markieren die Betonung der Prädikate. Affixe im K. verdeutlichen also den Inhalt des zugehörigen Wortes.

Als generelle Fokusendungen bzw. Fokus-Konjunktionen/-Komplementierer (Abkürzung: FOC) treten -nikka, -na, -myense, -ko, -nta, -ney, -pnita, -ni, -nunya, -na, -nunka, -pnikka, -o und -ci auf. Einige Beispielsätze für ihr Wirken sind folgende:

Die vier Sätze haben zwar eine gemeinsame Argumentstruktur wegen des gleichen Verbs, aber sie sind in den Fokusendungen, die eigenen lexikalischen Charakter haben, verschieden. [Seite 129↓]Die unterschiedliche Fokussierung des Basisinhaltes des Satzes durch jede lexikalische Einheit der Morpheme kann wie folgt differenziert werden.

Wegen diesen semantischen Bedingungen in der SF der Morpheme realisieren sich die deklarativen a-/b-Sätze und die c-/d-Fragesätze mit unterschiedlichen Fokussierungen. Das Merkmal [0Honorifik(Formalität P)] in der SF der Endungen besagt, dass diese mit der das gleiche Merkmal der SF tragenden Endung -ta harmonieren.

Eine andere Art des Fokus ist die Hervorhebung der nominalen Kategorien durch die Kasusmorpheme, die sowohl die Kasus der Satzglieder als auch ihre inhaltliche Fokussierung bezeichnen. Man kann den Satzinhalt ohne Suffigierung der Kasusmorpheme mitteilen und z.B. Kasusmorpheme weglassen, da die Grundinformation des Satzes weiterhin zu verstehen ist. Der Effekt der Verwendung von Kasusmorphemen besteht also in der deutlichen Mitteilung der Sprechabsicht, d.h. Fokussierung. Durch die unten gezeigte generelle lexikalische Form der Kasusmorpheme entsteht die syntaktische Wirkung.

Aufgrund dieses syntaktischen Charakters der Kasusmorpheme in der AS [Topi], der aus dem semantischen Merkmal [Fokus (Topik (P))] resultiert, können die Satzglieder in einem Satz frei scramblen. Dadurch realisiert das Merkmal [Topi] syntaktisch, welche Satzglieder mit dem [Topi]-Merkmal als mögliche top-position am Satzanfang und als mögliche bottom-position vor dem Prädikat erscheinen. Dieses syntaktische Phänomen ,Scrambling‘ beinhaltet also das Zusammenspiel von Topikalisierung und Fokussierung. Das Merkmal [Fokus (Topik)] der SF wirkt auf das implizierte Argument und das Prädikat. Die SF der Kasusmorpheme besitzt also beide Merkmale [Topik] und [Fokus]. Ihre AS erscheint als ein aktualisierbares Argument 4.

Die in (12) gezeigten Kasusmorpheme im K., die sowohl an. nominale Kategorien als auch an verbale Morpheme angehängt werden können, fungieren als Topik- und Fokusmarker der Satzglieder mittels Suffigierung. Diese morpho-syntaktischen Merkmale [Topi] der gramma-tischen Morpheme, welche in der AS und SF registriert sind, werden also durch die angehängten lexikalischen Morpheme erkennbar. Das kategoriale Merkmal [±N, ±V] zeigt darum die für die morphologische Konfiguration notwendige positionelle Eigenheit in der GF der Kasusmorpheme an. Die unter der SF in (12) angehängten semantischen Kategorien sind eine vorläufige intuitive Illustration zur Erfassung der semantischen Merkmale [Topik] und [Fokus] als Funktorkategorien. Die Begründung für die semantischen Typen der nicht-logischen Konstanten wurde hier offengelassen.

Im K. illustrieren die Tempusmorpheme -ni-/-n-, -kes-/-es- im deklarativen Satz Fokusendungen, die für die Betonung des Inhaltes des Prädikates immer mit Tempusmorphemen zusammen vorkommen, wie die Beispielsätze zeigen.

Man kann die lexikalischen Einheiten der betroffenen Morpheme der Beispielsätze folgendermaßen schematisieren.

Dieses lexikalische Schema nimmt die semantischen Merkmale und ihre semantischen Kategorien in einem ersten Ansatz auf. Das Einordnen in das obige generelle lexikalische Format beabsichtigt, dass das kategoriale Merkmal [-N, +V] in der AS der grammatischen Morpheme als syntaktische Kondition funktioniert, welche durch die Morpheme mit dem gleichen Merkmal erfüllt werden muss. Dementsprechend tangiert die generelle semantische Operation functional composition die lexikalischen und grammatischen Morpheme bei der Fusion von AS und SF. Zum Beispiel arbeitet die Kombination der verbalen lexikalischen Kategorie ka- (‚gehen‘) mit dem syntaktisch gleichartigen Aspektmorphem -nu- durch den semantischen Apparat wie die Kombination der Funktion 0/0 der Aspektkategorie -nu- und der Funktion 0/1 der lexikalischen Kategorie ka- (‚gehen‘) miteinander, so dass das flektierte Morphem kanu- (‚geht‘) die semantische Kategorie 0/l hat. Die gleiche syntaktische und semantische Bedingung wird auf die Kombination des Fokusmorphems /-ni-/ mit dem flektierten Wort /kanu-/ angewandt. Das konforme syntaktische Merkmal der Fokusendung /-ni-/ und der lexikalischen Kategorie /kanu-/ (‚geht‘) ermöglicht die Verbindung der grammatischen Kategorie /-ni-/ mit der lexikalischen Kategorie /kanu-/ (‚geht‘). Demzufolge haben das grammatische Morphem (die grammatische Kategorie /-ni-/ hat die semantische [Seite 133↓]Kategorie 0/0) und die lexikalische Kategorie (die flektierte Kategorie /kanu-/ hat den semantischen Typ 0/1) die semantische Kategorie 0 gemeinsam. Das zweimal flektierte Wort kanuni- belegt folglich die semantische Kategorie 0/1.

8.3 Kausativmorpheme

Der Begriff ´Kausativität`5 wird hier innerhalb eines Satzes so definiert, dass das Subjekt die Sache des Prädikates tatsächlich nicht selber ausführt, sondern dem Objekt die ausgedrückte Bewegung überlässt. Für die Äußerung dieses Sachverhaltes benutzt man die Kausativsuffixe -i-, hi-, -li-, -ki-, -wu-, -kwu- und -cwu-, die an intransitive und transitive Verben sowie an sehr wenige Adjektive angehängt werden6. Es folgt ein Beispielsatz für die Kausativisierung mit einem Kausativmorphem.

Die syntaktische Eigenschaft des Kausativmorphems -hi- stellt sich aufgrund seines lexikalischen Formates wie folgt dar:

An dem syntaktischen Merkmal [±N, +V] der AS des Kausativmorphems -hi- kann man die Verbindung mit dem Verb ilk- (,lesen‘) und die Umgestaltung der AS der verbalen lexikalen Kategorie feststellen. Durch die semantische Operation functional composition mit dem lexikalischen Morphem a und dem grammatischen Morphem b ergibt sich bei beiden die Veränderung von AS und SF. Die syntaktische Rolle [NOM] der AS in der lexikalischen Kategorie /ilk-/ (,lesen‘) wird in die grammatische Rolle [DAT] der AS des derivationalen Verbes /ilkhi-/ geändert und die kategoriale syntaktische Bedingung [±N, +V] der AS im grammatischen Morphem /-hi-/ in die konkreten Kasusinformationen von c /ilkhi-/ [Seite 135↓]verwandelt. Die Fusion der SFs von /ilk-/ und /-hi-/ ergibt das Auffüllen der Leerstelle P des Begriffes ´Kausativität` mit der konkreten Bedeutung ´Lesen`. Durch die generelle Form der Komposition fusioniert der semantische Typ des Kausativsuffixes -hi- 0/1/0 mit der semantischen Kategorie 0/1/1 des lexikalischen Morphems -ilk (,lesen‘), welche zuerst einmal so angesehen wird, dass wegen der Gleichheit der semantischen Kategorie 0 des Suffixes -hi- (,lassen‘) 0/1/0 und des lexikalischen Morphems ilk- (,lesen‘) 0/1/1 die Streichung 0/1/0 / 0/1/1 möglich wird. Das Komplexverb ilkhi- (,lesen lassen‘) hat folglich die semantische Kategorie 0/1/1/1. Das Symbol / bedeutet hier entsprechend der syntaktischen Operation ‘‘Suffigierung” die semantische Operation functional composition. Die semantischen Kategorien der Funktoren und Argumente und die semantische kategoriale Typenstruktur der Elemente in AS und SF werden hier zusätzlich aufgeführt.

In diesem Abschnitt wurden die syntaktischen Charakter und ihre Wirkung in Verbindung mit den grammatischen Morphemen im K. gezeigt. Wenn die Kausativisierung syntaktisch betrachtet wird, dann wird also durch die Suffigierung des kausativen Morphems -hi- an das lexikalische Morphem ´ilk- (,lesen‘) das neue Subjekt λz in die AS des Derivationsverbes ´ilkhi- (,lesen lassen‘) eingeführt und das Originalsubjekt λx der lexikalischen Kategorie ´ilk- (,lesen‘) in das DAT-Objekt verändert.

8.4 Passivmorpheme

Die Definition des Begriffes ´Passiv bzw. Passivität` bestimmt, dass das Subjekt im Satz die Handlung bzw. die Bewegung des Prädikates nicht selbst erledigt, sondern dass es diese von einem anderen Handlungsträger vermittelt bekommt7. Die Passivmorpheme nach diesem Begriff sind die Suffixe -i-, -hi-, -li-, -ki-, die sich an die in der Zahl beschränkten transitiven Verben anhängen können. Ein Beispiel für die Passivierung mit einem Passivmorphem zeigt (17).

Die syntaktische Wirkung des Passivmorphems -hi- wird auf Basis seines lexikalischen Eintrages folgendermaßen angesehen.

Gemäß dem syntaktischen Merkmal [-N, +V] und [Transitiv] der AS des Passivmorphems -hi- wird der Passivsatz so gebildet, dass der Akkusativ y des transitiven Verbes /cap-/ (,erwischen‘) durch die Suffigierung des Passivmorphems /-hi-/ in den Nominativ des nicht transitiven Verbes /caphi-/ syntaktisch verändert wird und semantisch Passivität bekommt. Man kann also am Zusammenschluss beider Morpheme erkennen, dass das Passivmorphem /-hi-/ an das transitive Verb cap- (,erwischen‘) angehängt wird und die AS der verbalen lexikalischen Kategorie beeinflusst. Die Veränderung der AS der beiden Morpheme a und b verursacht das Merkmal [-N, +V, Transitiv] des Prädikat-Funktors λP. Die syntaktische [Seite 137↓]Wirkung der Bedingung [-Transitiv] des Passivmorphems -hi- auf das zu verbindende transitive Prädikat P /cap-/ (,erwischen‘) ändert die syntaktische Rolle [AKK] von dessen AS in die grammatische Rolle [NOM] der AS des suffigierten passiven Verbes /caphi-/ (,erwischt werden‘). Der originale Nominativ x des lexikalischen Verbes cap- (,erwischen‘) wird in dem Komplexverb /caphi-/ (,erwischt werden‘) von AS und SF frei. Die semantische Fusionswirkung der SFs von /cap-/ und /-hi-/ besteht also in der Identifizierung mit dem Begriff ´Passivität` des grammatischen Morphems -hi- auf der AKK-Argumentstelle y des lexikalischen Morphems ´cap- (,erwischen‘). Das Suffigieren von Passivmorphemen aktualisiert hauptsächlich die Passivität des Akkusativ-Objektes.

8.5 Tempusmorpheme

Das grammatische Konzept ´Tempus` beschreibt den grammatischen Relationsbegriff von Ereigniszeitpunkt (Abkürzung: E) des Satzinhaltes (Handlung bzw. Zustand) und Sprech-zeitpunkt (Abkürzung: S) und formuliert damit die temporale Einordnung der Ereigniszeit bezüglich des Sprechmomentes des Satzes. Steht E vor S, wird die Vergangenheit bezeichnet; stimmt E mit S überein, erscheint der Satz im Präsens, und wenn E auf S folgt, dann zeigt er die Zukunft des Inhaltes. Die Tempuskategorie im K. kennzeichnet sowohl den dreiteiligen Gegensatz (Präsens, Vergangenheit und Zukunft) als auch das binäre Korrelat wie Vergangenheit und Nichtvergangenheit oder Präsens und Vergangenheit. In der natürlichen Zeit kann man die Differenzierung zwischen Präsens, Vergangenheit und Zukunft deutlich machen. Es gibt keine uniforme Methode, die zeitlichen Begriffe in der Sprache zu kategorisieren, denn in der Tempuskategorie werden die grammatischen Kategorien ´Aspekt`, ´Modalität` und ´Fokus` , die den Begriff ´Zeit` betreffen8, zusammengefasst.

Der grammatische Begriff ´Aspekt` führt aus, dass sich in der Zeit zwischen E und S die zeitliche Gestalt in Bezug auf das Ereignis zeigt. Es handelt sich zwar bei Tempus um die zeitliche Abfolge, aber bei Aspekt geht es um die innere Struktur dieses Ereignisses im Verlauf der Zeit, d.h. sein verändertes Erscheinen innerhalb dieses Zeitraumes. Den zeitlichen Formen des Ereignisses werden die semantischen Merkmale [Progressiv], [Perfekt], [Unbestimmtheit], [Vorbestimmung], [Beginn] und [Wiederholen] zugeordnet.

Die grammatische Kategorie ´Modalität` drückt die psychologische Haltung des Sprechers zum Satzinhalt hinsichtlich der Zeit aus. In der realen Welt wird die Handlung bzw. der Zustand erfasst, und in der nichtrealen Welt werden die Ereignisse konzipiert. Sie lassen sich [Seite 138↓]also realistisch objektiv, unrealistisch subjektiv und absichtlich erkennen. Die semantischen Merkmale [Realität], [Erinnerung], [Vermutung], [Möglichkeit], [Versprechung], [Deklarativ], [Exklamativ], [Frage], [Aufruf] und [Imperativ] weisen beispielsweise durch Tempusmorpheme auf die Modalität des Satzes hin.

Sachverhältnisse sind auch betont zu erfassen. Bestimmte Fokusendungen, die als Verbteil mit Tempusmorphemen erscheinen, deuten auf die grammatische Konzeption ´Betonung` im Satz. Beispiele für Fokus-Tempusmorpheme wurden schon in Abschnitt 8. 2 erklärt. Hier wird hauptsächlich das Tempus der Tempusmorpheme illustriert.

In grammatischen Tempusmorphemen der Vergangenheit treten typischerweise die Flexionsmorpheme -ess- ([Vergangenheit] im Tempus, [Perfekt] im Aspekt bzw. [Schließen] im Modalität) und -te- ([Vergangenheit] im Tempus und [Erinnerung] in der Modalität) auf. Die Tempusmorpheme für Zukunft sind -kess- und -(u)li- ([Zukunft] im Tempus, [Unbestimmtheit] im Aspekt und [Vermutung] in der Modalität ), und für Präsens -nun-/-n- und -nu-/-ni- ([Präsens] im Tempus, [Progressiv] im Aspekt, und [Realität] in der Modalität).

Die Adnominalizermorpheme (= Morpheme für die attributive Adjektivisierung) bezeichnen ebenfalls das Tempus. In der adnominalisierenden Endung -(u/nu/te)n erscheinen die Zeitformen Präsens bzw. Vergangenheit und in -(u)l Zukunft, welche wie bei Tempusmorphemen mit Aspekt und Modalität kombiniert werden.


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Die flektierenden Tempusmorpheme bezeichnen die absolute Zeit des Satzes, die bezüglich S bestimmt wird, und das durch die adnominalisierenden Morpheme bezeichnete Tempus stellt die relative Zeit dar, welche abhängig von E des Hauptsatzes interpretiert wird. Die folgenden Beispielsätze stehen für die Illustration der Flexion des Verbs mit Tempusmorphemen.


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Zur Äußerung der temporalen Merkmale [Tempus], [Aspekt] und [Modalität] fungieren die grammatischen Charakter der lexikalischen Einheiten wie folgt.

Aufgrund dieser lexikalischen Merkmale entstehen die unten gezeigten flektierten lexika-lischen Kategorien. Die Flexionsfolge der Morpheme, in der die temporalen Endungen bei der morphologischen Konfiguration des Verbs zusammengefügt werden, ist bei mehrmaliger Benutzungsabsicht wie folgt impliziert.

Diese Tempusmorpheme der Folge von 1 Tempus - 2 Aspekt - 3 Modalität - 4 Fokus spiegeln ihre Hauptfunktionen wider. Die Lambda-Funktion der AS der Tempusmorpheme, die als [Seite 141↓]Argument den Satztyp zeigen, deutet auf die syntaktische Wirkung der semantischen Merkmale der SF im ganzen Satz hin.

Es ist nicht notwendig, alle grammatischen Endungen an den Stamm anzuhängen (Die Klammern in der Verbindungsfolge der Endungen bedeuten die Auslassungsmöglichkeit der Endungen.), weil die Basisinformation des Prädikates ohne das Anhängen der Endungen an den Stamm vermittelt wird.

Die folgenden Formate zeigen die Suffigierung von Tempusmorphemen innerhalb eines Prädikates durch die funktionale kompositionale Operation.

Die schrägen Striche zur Trennung kombinierter Morpheme bedeuten die semantische Operation functional composition mit grammatischen und lexikalischen Morphemen. Die arbiträr gestellten semantischen Kategorien illustrieren hier, dass die auf die Operation zutreffenden semantischen Kategorien die komplexen Kategorien sind. Die Affigierung (d.h. [Seite 143↓]die Suffigierung und die Flexion) verkörpert also die Fusion von funktionierenden Kategorien, und die funktionale Komposition trägt hierfür Verantwortung.

8.6 Schlussmorpheme

Schlussmorpheme heißen die Satzschlussendungen, mit denen dem Hörer bestimmte Meinungen über Sachverhältnisse mitgeteilt werden. Durch die Endungen lässt sich das Denken einfach äußern, fragen und exklamieren, ohne die Absicht, dass der Sprecher die Haltung des Hörers verändern will. Die Meinungsmitteilung ist aber auch mit dem Willen möglich, die Handlung des Hörers zu beeinflussen. Diese absichtliche Modalität9 wird besonders in Schlussendungen der Imperativ-/Aufruf-Sätze bzw. der Sätze von Versprechungsaussagen bezeichnet.

In den Schlussendungen erscheinen sowohl Modalität als auch Höflichkeit und Formalität mit Bezug auf den Hörer, deren Charakter bei den Höflichkeitmorphemen in Abschnitt 8.1 erklärt wurde. Die neutrale Form in der Höflichkeit mit der Formalität ist die Endung -ta im Deklarativsatz, -nya im Fragesatz, -la im Imperativsatz und -ca im Aufrufsatz. Die folgenden lexikalischen Einträge der Satzschlussendungen zeigen ihren grammatischen Charakter in den anschließenden Beispielsätzen.

Diese Endungen, die in der GF die notwendige Kondition der morphologischen Verbin-dungsstelle anzeigen, gehören morphologisch zum Prädikat als verbale Bestandteile. Die generelle positionale morphologische Information, d.h. die Morphemreihenfolge ´Stamm-(Subjekthonorifikendung)-(Tempusendung)-Schlussendung`, ist in lexikalischen Einträgen nicht zu registrieren. Der lambda-Operator λP der AS, dessen Variable in der SF semantisch den Typ 0 besitzt, charakterisiert den ganzen Satz als syntaktischen Wirkungsbereich der semantischen Merkmale der SF, welche die Eigenschaft des Satzes identifizieren.

Der Kombinationsprozess des lexikalischen verbalen Morphems mit grammatischen Morphemen kann wie folgt betrachtet werden.

Wie die lexikalischen Schemata zeigen, plaziert die AS des verbalen lexikalischen Morphems ilk- (,lesen‘) in der AS jedes verbalen grammatischen Morphems. Das gemeinsame Merkmal [-N, +V] der lexikalischen und grammatischen Morpheme, welches als morphologische Verbindungsbedingung in der GF präsentiert wird, erscheint als gemeinsamer Typ 0/0 in der semantischen Operation. Die Satzschlussmorpheme gehören also morphologisch zu den verbalen Kategorien und wirken syn-semantisch auf den ganzen Satz.


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8.7  Nominalisierungsmorpheme

Es gibt im K. zwei Nominalisierungsmorpheme -(u)m, -ki 10, deren syntaktische Funktion [[-N, +V], [S]] der AS den kategorialen Charakter [-N, +V] der zu verbindenden lexikalischen Kategorien in die nominale Kategorie [+N, -V] verändert und auf den ganzen Satz [S] wirkt. Diese syntaktische Funktion der nominalisierenden Morpheme wird wie folgt lexikalisch formalisiert.

Diese grammatischen Morpheme mit dem kategorialen Merkmal [+N, -V] der GF sind die Köpfe der Suffigierung an die lexikalischen Kategorien mit dem Merkmal [-N, +V]. Das syntaktische Merkmal [S] weist der verbalen Kategorie, die morphologisch ein Glied des Prädikates ist, als Wirkungsraum den ganzen Satz zu. Die Erklärung der umstrittenen semantischen Merkmale in der SF wird hier ausgelassen. Das Hauptziel in diesem Abschnitt liegt darin, die syntaktische Funktion der grammatischen Morpheme zu zeigen. Aufgrund der lexikalischen Merkmale der Nominalisierungssuffixe werden die folgenden Beispielsätze gebildet.

Die betroffenen lexikalischen Einheiten lauten folgendermaßen:


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Die semantische Operation lambda conversion wirkt auf die Fusion der AS und SF von Morphemen bei der Suffigierung. In dem Funktor λP der AS und seiner Prädikat-Variable P der SF der grammatischen Morpheme sind AS und SF des lexikalischen Morphems ka- (,gehen‘) erfüllt, gemäß der syntaktischen Kondition des Funktors λP der AS, die das zu suffigierende Morphem mit dem kategorialen Merkmal [-N, +V] verlangt. In der AS des grammatischen Morphems -(u) m platziert der λy-Operator der AS des lexikalischen Morphems ka- (,gehen‘). Die Prädikat-Variable P der SF des grammatischen Morphems -(u) m erfüllt der SF-Körper des lexikalischen Morphems ka- (,gehen‘). Die Nominalisierung ergibt also das nominale Wort ka m (,Gehen‘), das die semantischen Typen 0/1 und 0/0/0 in (28) b, b´ besitzt.

Die gleiche Operation lässt aus den Morphemen ka- und -ki das komplexe Wort /ka ki/ entstehen. Wegen der syntaktischen Kondition [S] der Suffixe /-(u)m/ und /-ki/ wird durch die aus den Verben nominalisierten komplexen Wörter /ka m/ und /ka ki/ der Charakter ihrer eigenen Sätze nominalisiert.

8.8 Adnominalisierungsmorpheme

Die zwei Adnominalisierungsmorpheme (Abkürzung: ADNL) -(u/nu/te)n, -(u)l, deren syntaktische Kondition [[-N, +V], [S]] der AS den kategorialen Charakter [-N, +V] der zu suffigierenden lexikalischen Kategorien in die attributive adjektivische Kategorie11 [+N, +V]verwandelt und durch das Merkmal [S] den ganzen Satz beeinflusst, benutzt man bei Adjektivisierung im K. Diese syntaktischen Merkmale der adnominalisierenden Morpheme sind wie folgt lexikalisch zu schematisieren.

Die kategorialen Merkmale [+N, +V] der GF der Suffixe regieren die Suffigierung an die lexikalischen Kategorien mit dem Merkmal [-N, +V]. Das syntaktische Merkmal [S] erweitert den adnominalisierten Wirkungsraum vom Prädikat auf den ganzen Satz. Den lexikalischen Merkmalen der Adnominalisierungssuffixe entsprechend kann man die folgenden Beispielsätze bilden.

Im Folgenden wird die Kombination von lexikalischen und grammatischen Morphemen der AS und SF der betroffenen lexikalischen Einheiten gezeigt.

Die semantische Operation lambda conversion passiert bei der Fusion von AS und SF der Morpheme. Der λP-Abstraktor der AS und seine Prädikat-Variable P der SF des Adnominalizers sind durch das λ-Abstrakt der lexikalischen Kategorie ka- gesättigt. Die Fusion entsteht der syntaktischen Kondition des Argumentes P in der λ-Funktion der AS des grammatischen Morphems zufolge, die als kombinierbares grammatisches Merkmal das Merkmal [-N, +V] fordert. Die AS λy der lexikalischen Kategorie ka- (,gehen‘) nimmt den [Seite 151↓]Platz des Funktors λP der AS des Suffixes -n ein und die Variable x in der SF des Suffixes -n konvertiert in den SF-Wert der lexikalischen Kategorie ka- (,gehen‘). Folglich entsteht das adnominalisierte Wort ka n (,gehend‘), das semantisch die beiden Typen 0/1 und 0/0/0 besitzen kann, wie oben in (31) b, b´ gezeigt.

Die gleiche Operation auf die Morpheme ka- und -l appliziert bildet das komplexe Wort /ka l/. Nach der syntaktischen Kondition [S] der Suffixe /-n/ und /-l/ führen die aus den Verben adnominalisierten komplexen Wörter /ka n/ und /ka l/ die grammatische Funktion ihrer eigenen Sätze zu den adnominalisierten Sätzen hin.

8.9 Anmerkungen

1. In diesem Abschnitt versuche ich, den für die Berechnung der Sprache entscheidenden Charakter im K., die Affigierung (konkreter gesagt, Suffigierung, d.h. die derivationale Wortbildung und die Flexion) im Rahmen der LS-Theorie von M. Bierwisch (1990, 96, 97) zu begründen. Die generellen linguistischen Operationen betreffen die Suffigierung der grammatischen an die lexikalischen Morpheme. Die syntaktische Operation behandelt die morphosyntaktischen Merkmale, die in den GF und AS registriert werden, und die semantische Operation functional composition hat dementsprechend die Fusion der AS und SF des gleichen semantischen Typs zur Folge. In dieser Arbeit wird die grammatikalische Kategorie so definiert wie die Relation zwischen den an der Sprechaktion teilnehmenden Faktoren, d.h. nach dem Relationsbegriff zwischen Sprecher, Satz und Hörer. Manche grammatischen Kategorien, besonders ´Honorifik, Fokus`, besitzen darum als semantischen Typ aufgrund der kategorialen Syntax den Satztyp 0/0. Die grammatischen Morpheme, die Suffixe für derivationale Wortbildungen, grammatikalische funktionale Marker für nominale lexikalische Morpheme und flektierende Endungen für verbale lexikalische Morpheme einschließen, drücken diese grammatikalischen Kategorien einfach und natürlich aus.

2. Im Gegensatz zur deutschen Sprache tritt die grammatische Kategorie ´Honorifik` koreanisch-spezifisch auf. Unter den drei Arten der Honorifik-Formen (für Subjekt, Objekt im Satz und für Hörer bzw. Gesprächspartner) ist das generelle Subjekthonorifik -(u)si- produktiv grammatikalisiert. Als Objekthonorifik werden die für das Objekt honorifischen lexikalischen Wörter häufig benutzt. Das derivationale Honorifiksuffix -nim und das DAT-Kasusmorphem für Objekthonorifik -kkey arbeiten grammatisch in diesem Sinne. Zur Hörerhonorifik gehören die grammatischen Morpheme -o/op/- der Bescheidenheit und -p/sup/up- der Höflichkeit.

3. Diese grammatische Kategorie ´Fokus` kennzeichnet eine weitere wichtige koreanische Kategorie. Die Fokuskategorie beinhaltet die grammatische Betonung des bestimmten Argument-/Adjunkt-/Prädikat-/Satz-Inhaltes aufgrund der Sprechabsicht. Die Funktion der Fokuskategorie besteht in der deutlichen Mitteilung der bestimmten Argument-/Adjunkt-Inhalte. Um diese hervorzuheben, werden Kasusmorpheme an die nominalen lexikalischen Kategorien suffigiert; und um Prädikat-/Satz-Inhalte zu betonen, benutzt man Endungen bei Suffigierung der verbalen lexikalischen Kategorien hinter dem verbalen Stamm bzw. nach der Satzschlussendung. Der Relativ-Begriff ,,Topik und Fokus‘‘ umfasst die ungesättigte SF, wobei er als sprach-[Seite 152↓]partikularer nicht-logischer Funktor registriert werden kann. Die AS legt die aktualisierende Struktur der latenten Elemente der SF dar.

4. Man kann die Topik-Fokus-Struktur eines Prädikates im LS generell folgendermaßen schematisieren.

Die AS des Prädikates bedient sich der Fokus- und dessen SF der Topikstruktur, die zu fokussierende Einheiten, d.h. Argument x, Prädikat P und Satz P(x) impliziert. Die Topikstruktur (= SF) hängt in unterschiedlichem Maße von den Eigenschaften der Prädikate ab. Die Fokusstruktur (= AS) ist abhängig von der Scramblingkondition ,Topik-Fokus-Graduierung‘ aktualisierbar.

5. Die Definition des Begriffes ´Kausativität` erscheint umstritten, deshalb gestaltet sich die Definition in diesem Abschnitt problematisch. Das lambda-Kalkül in AS und SF stellt ebenfalls einen Grenzfall dar; besonders in der Anwendung der Typen-Theorie auf die semantischen Merkmale und ihre Argumente. Der Grund dafür, mit dem lambda-Abstraktor die AS zu zeigen und die Einheiten von AS und SF semantisch als Typ 0 bzw. 1 zu kategorisieren, liegt in der Präsentation des Hauptcharakters ´Agglutination` der koreanischen Sprache als Kombination von Funktoren.

6. Für die Äußerung des Begriffes ´Kausativität` wird auch die syntaktische Methode -key/tolok ha-/mantul- (‚tun/machen‘) benutzt, wobei die Konjunktorendung -key/tolok das lexikalische Hauptverb ha-/mantul- (‚tun/machen‘) mit dem einzubettenden Prädikat verbindet. Diese lange Form des kausativisierenden syntaktischen Gefüges -key/tolok ha-/mantul- (‚tun/machen‘) ist syntaktisch und semantisch verschieden von der Kausativisierung durch die kurze Form der derivationalen Kausativmorpheme (Shibatani 1973). Hier in diesem Abschnitt habe ich nur die derivationalen Kausativsuffixe vorgestellt, welche die Kausativkonstruktion im K. typischerweise bilden.

7. In der Passivbildung gebraucht man sowohl die morphologischen Passivsuffixe, die hier gezeigt werden, als auch die syntaktische Methode, die in Form von /-e ci-/ und /-key toi-/ erscheint. Die Konjunktormorpheme /-e/ und /-key/ kombinieren ihre einzubettenden Prädikate mit den Hauptverben /ci-/ und /toi-/ der Passivbildung. Wie schon in Anmerkung 5 über die derivationale Kausativisierung gesagt, ist die natürliche wesentliche Passivbildung im K. ihrem essenziellen agglutinierenden Charakter zufolge eine derivationale Suffigierung mit den bestimmten Passivmorphemen. Es gibt einen umstrittenen Aspekt bei der Analyse der Passivkategorie. Man kann mit den gleichen syntaktischen und semantischen Prinzipien Passiv und Kausativ, die die gleiche phonetische Form haben, behandeln. Als entscheidender Unterschied stellt sich dabei aber heraus, dass die passiven Verben syntaktisch intransitiv und die kausativen Verben transitiv sind.

8. Das Anzeigen der zeitlichen Präzedenzrelation der Situation bezüglich der time reference wird als primäre Funktion der Tempuskategorie angesehen. Ihre sekundäre Funktion liegt im Ausdruck der Begriffe ´Aspekt, Modalität und Fokus`. Ohne diese temporalen Morpheme kann man ein aus einem Stamm und einer Satzschluss-[Seite 153↓]endung bestehendes Prädikat ebenso benutzen. Wenn man aber die Tempusmorpheme ein- bzw. mehrmalig verwendet, dann spiegelt sich die semantische Hierarchie ´[(Tempus(Aspekt(Modalität/Fokus)))]` in der morphologischen Konfiguration eines Prädikates wider.

9. An den Satzschlussendungen kann man die Absicht des Sprechers in Bezug auf die Hörer feststellen. Der Sprecher kann durch die deklarativen Satzschlussendungen dem Hörer gegenüber seine Meinung äußern, durch Frage- bzw. Imperativ-/Ausruf-Endungen dem Gesprächspartner seinen Willen mitteilen, etwas zu beantworten bzw. eine erforderliche Handlung auszuführen. Die Absicht des Sprechers hinsichtlich des Hörers ist, durch die Satzschlussendungen zu bezeichnen, ob es Forderungen gegenüber dem Hörer gibt.

10. Die Differenz zwischen den beiden Nominalisierungssuffixen rührt aus den semantischen Merkmalen [Subjektivität] und [Objektivität] der SF her, nach denen sie ihre eigenen zu verbindenden Hauptverben beschränken. Daraus entsteht die Streitfrage, welche Bedeutungen sie haben. Hier kann ich ohne Begründung dafür nur aus meiner Intuition heraus vorläufige Merkmale vorstellen. Die Beurteilungsnorm der Subjektivität und Objektivität einer Situation hängt hauptsächlich von der Intention des Sprechers ab. Die unterschiedlichen ergänzten Tempusmerkmale [Vergangenheit] und [Präsens] der Suffixe zeigen die relative Zeitform, die vom Tempus des Hauptsatzes ausgehend ausgezeichnet wird. Deswegen haben die Tempusmerkmale der nominalisierenden Suffixe den Typ (0/1)/0 im Gegensatz zum normalen Typ 0/0.

11. Im K. klassifizieren sich die nominalisierenden grammatischen Morpheme -(u)m/-ki als syntaktische Kategorie [+N, -V] und die adnominalisierenden funktionalen Morpheme -(u/nu/te)n/-(u)l als lexikalische Kategorie [+N, +V]. Wegen dem gemeinsamen nominalen Merkmal [+N] erscheint der semantische Typ 0/0/1 bei beiden grammatischen Morphemen, obwohl sie sich syntaktisch unterscheiden. Tatsächlich gehören die lexikalischen Kategorien ´attributive Adjektive` und ´Determinator` zur gleichen Wortart, die im Bereich des Nomens als Hilfswort auftritt. In diesem Abschnitt wird für den Determinator, der dem Nomen semantisch gleicht, der semantische Typ ´0/0/1` vereinfachend festgestellt. Die Zeitform der adnominalisierenden Suffixe wird wie bei den nominalisierenden auch vom Tempus des Hauptsatzes abhängig interpretiert. Der semantische temporale Typ der adnominalisierenden Suffixe entspricht darum als Typ (0/1)/0 dem der nominalisierenden.


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20.11.2003