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9  Zusammenfassung

Diese Arbeit beschäftigt sich vergleichend mit der lexikalischen Sicht des Scramblings im D. und K. In Kapitel 1 wird Scrambling als eine variable Beschreibung des relativen strukturellen Paar-Begriffes ,,Topik und Fokus‘‘ definiert, der im nominalen funktionalen Kopf NK bzw. D grammatikalisiert wird. Das Scrambling stellt bezüglich der Distanz zum Prädikat eine aktuelle Relativierung der nominalen Satzglieder dar: Die nominalen Teile eines Satzes werden nach ihrer jeweiligen Entfernung vom Prädikat dimensioniert. Kapitel 2 behandelt den unterschiedlichen Charakter von Kasus-Form, -Funktion und Satzstruktur. Die Form der Kasus im D. ist flektierbar und sie besitzen nur grammatische Bedeutung; im K. treten sie in agglutinierender Form und auch mit lexikalischem Bezug auf. Ihre Funktion ist darum so unterschiedlich, dass die koreanischen Kasus den Satzgliedern die Scramblingfähigkeit zuordnen können, die deutschen aber nicht: Die koreanischen Kasus fungieren als Topik- und Fokusmarker, wohingegen den deutschen diese Funktion fehlt. Das Kapitel 3 demonstriert: Das K. ermöglicht entgegen dem D. langes Scrambling im finiten Satz. Die Satzform beider Sprachen ist verschieden: Der verbale linksstehende funktionale Kopf C schränkt im D. die kontinuierliche Relativierung von ,,Topik und Fokus‘‘ der nominalen Satzglieder im Gegensatz zum K. ein, wo der funktionale Satzkopf C rechts erscheint. Kapitel 4 zeigt, dass Multi-WH-Scrambling aufgrund des unterschiedlichen Charakters der WH-Phrase im K. üblich, im D. aber nur beschränkt möglich ist. Das uniform in den deutschen WH-Phrasen befindliche morphologische WH-Merkmal verhindert das Scrambling mehrerer Fragewörter. Da dieses morphologische WH-Merkmal in koreanischen Fragewörtern nicht existiert, gilt dort diese Einschränkung nicht. Im K. ist es, wie Kapitel 5 schildert, durch den differierenden Charakter der grammatischen deutschen und lexikalischen koreanischen Kasus gebräuchlich, im D. aber nur beschränkt möglich, unabhängig von der Lokalität zum Prädikat die Satzglieder frei und mehrfach zu scrambeln. Nach Kapitel 6 entsprechen die deutschen Artikel {d-/ein-} den koreanischen neutralen Kasusmorphemen {(n)un/i, ka, (l)ul}. Der unbestimmte Artikel im D. ein bzw. eine hat eine neutralere Form bezüglich des Scramblings als der bestimmte Artikel d-, der mit den 4 phonetischen Formen der/den/die/das die NOM- und AKK-Kasus kennzeichnet. Im K. ist Scrambling anders als im D. ohne Unterschiede zwischen den Nomina mit dem un-/bestimmten Artikel realisierbar. Kapitel 7 behandelt die Funktion der Topik-Fokus-Graduierung, die als allgemeines Linearisierungsprinzip Topik vor Fokus einschließt. Sie illustriert die Relativität der Entfernung der Satzglieder zum Prädikat. Damit kann man die aktuellen Wortstellungs- und [Seite 155↓]Bedeutungsvarianten aus einer Grundwortstellung und -struktur ableiten. Kapitel 8 beschäftigt sich mit morphosyntaktischen Morphemen im K., insbesondere Fokusmorphemen und der Funktion der Kasusmorpheme als Topik- und Fokusmarker mit der semantischen Kategorie 0/0.


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20.11.2003