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5.  Zusammenfassung

Der Lipidstoffwechsel bei nierentransplantierten Patienten und seine Beeinflussung durch verschiedene Faktoren ist nach wie vor Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Neben der Beziehung erhöhter Lipidparameter zur kardiovaskulären Morbidität der Patienten rückt mehr und mehr ihre Auswirkung auf die Transplantatfunktion und der Zusammenhang mit Rejektionskrisen in den Fokus der Forschung.

Wir untersuchten in einer Querschnittsanalyse die Lipid- und Apoproteinparameter von
201 nierentransplantierten Patienten unserer Klinik, die sich dafür einer Blutabnahme nach 12 Stunden Nahrungskarenz unterzogen. Die so ermittelten Laborwerte wurden zu anderen Faktoren wie Immunsuppression, Transplantatfunktion, Rejektionshäufigkeit, BMI, Dialysedauer und Transplantatalter in Beziehung gesetzt und ausgewertet.

Von den untersuchten Patienten wiesen 80 % eine Gesamtcholesterol- und LDL-Erhöhung auf, die Hälfte zeigte erhöhte Triglyzeridwerte, während die HDL-Spiegel bei fast allen im Normbereich lagen. Bei 60 % war das Apo B und bei 70 % das Lp(a) erhöht. Die Verteilung der Apo E-Genotypen wies keine Abweichungen von der Verteilung in der Normalbevölkerung Deutschlands auf.

Unsere normolipämischen Patienten zeigten niedrigere Nierenfunktionsparameter als Patienten mit hyperlipämischer Stoffwechsellage. In der Literatur sind die Beziehungen zwischen Nierenfunktion und Fettstoffwechsel nach Nierentransplantation sehr unter­schiedlich beschrieben worden. Ein bedeutender Einflussfaktor für beide Stoffwechsel ist die Immunsuppression, vor allem die gleichzeitige Therapie mit CyA und Steroiden führt zu einer Verschlechterung der Lipidstoffwechsellage, was wir an unserem Patientengut auch zeigen konnten. Die erhöhten Kreatinin- und Harnstoffwerte unter einer Kombinations­therapie im Vergleich mit Patienten, die nur eines der beiden Immun­suppressiva erhielten, könnten auch durch eine Selektion der Patienten mit häufigeren Abstoßungen erklärt sein - hier fällt eine genaue Differenzierung schwer. Patienten mit mehreren Abstoßungskrisen erhielten häufiger eine Triple-Therapie und wiesen schlechtere Nieren­werte auf. Obwohl unsere Patienten mit steigender Rejektionsanzahl höhere LDL-Werte zeigten, ist die Rejek­tionshäufigkeit beim Vergleich zwischen Patienten mit und ohne Fettstoffwechselstörung in unserer Untersuchung nahezu gleich.

Weitere Beziehungen bestehen zwischen dem Lipidstoffwechsel und der Dialysedauer, dem BMI sowie dem Transplantatalter. Der Apo E-Genotyp stand bei unseren Patienten in keinem signifikanten Zusammenhang mit dem Lipid- und Nierenstoffwechsel.


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In der Literatur wird die Rolle der Hyperlipidämie als möglicher Risikofaktor für die Transplantatabstoßung und das Transplantatüberleben weiterhin kontrovers diskutiert. Die Ergebnisse der Studien sind recht uneinheitlich. Unsere Untersuchung gibt weitere deutliche Hinweise auf das Risikopotential der Hyperlipidämie für die Nierentransplantatfunktion. Sie macht den Bedarf an großen, prospektiven Studien mit langem follow-up an nierentrans­plantierten Patienten deutlich. Weiterhin bleibt für die Zukunft zu hoffen, dass lipid­stoffwechselneutrale Immunsuppressiva ohne schädigende Wirkung auf die renale Funktion gefunden werden, die eine suffiziente Prophylaxe von Rejektionskrisen ermöglichen.


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05.03.2004