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5.  Diskussion

5.1.  Allgemeines

Die Datenerhebung erfolgte im Rahmen der Berliner Lärmstudie, die an 32 großen und mittleren Kliniken in Berlin durchgeführt wurde. Die Responderrate der potentiellen Studienteilnehmer lag bei 84 Prozent. In die Datenerhebung der vorliegenden Arbeit sind 2235 Probanden aufgenommen worden.

5.2.  Lärmbelästigung und Lärmempfindlichkeit

5.2.1.  Lärmbelästigung

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist die Bestimmung der Lärmbelästigung, die ein Individuum empfindet, schwierig. Die objektive Lärmbelastung als Schallpegel gemessen, wird vom Einzelnen unterschiedlich bewertet und wiedergegeben, wie in zwei amerikanischen Studien berichtet, die das psychologische Stressmodell mit dem Lärmschätzungsmodell verglichen [71 ] beziehungsweise die Belästigung durch Fluglärm untersuchten [72] .

Einen standardisierten Fragebogen zur Bestimmung der Lärmbelästigung gibt es nicht, sodass Kjellberg in seinem Resümee ein zweidimensionales Stressmodell favorisierte [26] und Borsky eine neunstufige Skala [28]. Für die Feldstudie um London, in der der Einfluss des Fluglärms auf die Psyche untersucht wurde, ist eine siebenstufige Skala zu Fragen nach der Lärmbelästigung entwickelte worden [27]. In einer Studie aus der ehemaligen DDR wurden die Angaben zur Lärmbelästigung nur mit „Ja“ oder „Nein“ bewertet [43].

In der vorliegenden Arbeit wurde zur Beurteilung der Lärmbelästigung die fünfstufige Likert-Skala gewählt.

Zusätzlich stellt sich das Problem der Allgegenwärtigkeit von Lärm. Dazu sollte zunächst die Hauptbelästigungsquelle ermittelt werden. Da nach der deutschen Verkehrsuntersuchung und der spanischen Studie in Valencia der Straßenverkehrslärm an erster Stelle steht, ist ihm in dieser Auswertung besondere Aufmerksamkeit beigemessen worden [17, 31].


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Andere mögliche Ursachen der Lärmbelästigung wurden außer Acht gelassen. Fluglärm, Lärm im Hausflur, Gaststättenlärm und anderer sind zwar im Alltag nicht zu vernachlässigen, doch wäre die Fallzahl zu gering, um die nötige Validität zu erreichen.

Straßenverkehrslärm ist permanent vorhanden, trifft fast jede Person und ist relativ unabhängig vom nachbarschaftlichen Miteinander.

Die Beurteilung wurde nach Tag und Nacht getrennt vorgenommen. Betrachtet man die Lärmbelästigung am Tag genauer, so konnten die Angaben einer Verkehrsuntersuchung in Deutschland, die von einer mittleren bis hohen Lärmbelästigung durch Verkehrslärm von 30 Prozent ausgehen, bestätigt werden [17]. Auf der fünfstufigen Likert-Skala betrug die Anzahl der Probanden, die drei, vier oder fünf Punkte angegeben haben, 32 Prozent. Nachts gaben 17 Prozent eine Lärmbelästigung durch Straßenverkehrslärm mit drei, vier oder fünf Punkten auf der fünfstufigen Likert-Skala an. Das ist eine hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass nach den Untersuchungen von Maschke bei Stressreaktionen während des Schlafes eine Reduzierung der Tief- und REM-Schlafphasen mit negativen Folgen für das Herz-Kreislaufsystem und den Stoffwechsel zu verzeichnen ist [9].

Während der Nacht sind andere beeinflussende Lärmquellen, wie Fernseher, Radio, Gespräche und Haushaltsgeräte kaum vorhanden, sodass der Lärm durch Straßenverkehr als wichtigster Stressor angesehen werden muss.


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5.2.2.  Lärmempfindlichkeit

Der zur Ermittlung der Lärmempfindlichkeit genutzte Weinstein-Fragebogen führte zu spontanen Reaktionen, als auch einige Zeit durchdachten Antworten. Beides ist positiv zu bewerten, da keine Gefahr bestand, dass irgendeine Art von Suggestion bei der Vorstellung der genannten Situationen auftreten könnte.

Manchmal musste der Interviewer mehrmals eine Frage vorlesen bis sie verstanden wurde. Während des Interviews konnten Probleme bei der Erfassung der Fragen bemerkt werden. Besondere Schwierigkeiten bereitete die Aufgabe, sich in eine fiktive Situation hineinzudenken. Das fiel bei den folgenden Fragen auf:

Frage 4:

Im Kino stört mich Flüstern und Rascheln von Bonbonpapier.

Frage 6:

Wenn es an meinem Arbeitsplatz laut ist, dann versuche ich Tür und Fenster zu schließen oder anderswo weiterzuarbeiten.

Frage 15:

In der Bibliothek macht es mir nichts aus, wenn sich Leute unterhalten, solange dies leise geschieht.

Die Interviewer haben häufig als erste Antworten folgende Aussagen erhalten:

„Ich gehe nie in die Bibliothek“ oder „Ich war seit 30 Jahren nicht mehr im Kino“.

Das kann man neben dem vorgerückten Alter der Probanden auch auf die unterschiedliche Ausbildung zurückführen. Hier merkt man deutlich, dass die Skala in einer Untersuchung entstand, in der nur Studenten das Probandengut darstellten.

Mit der Frage 6 konnten einige Probanden nicht umgehen. Immer wieder hieß es: „Tür und Fenster schließen geht nicht und woanders weiterzuarbeiten erst recht nicht“. Außerdem war oft die Erklärung nötig, dass der Lärm von außen gemeint ist und nicht der im Raum. Die drei Fragen zeigten auch in der Auswertung eine hohe Nonresponderrate.


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Da der Weinsteinsummenscore beim Auslassen nur einer Frage nicht mehr vergleichbar ist, entsteht eine große Zahl von fehlenden Werten. In der vorliegenden Arbeit traf das auf 24 Prozent der Probanden zu, die nicht auf jede der 21 Fragen antworteten.

Es gibt allerdings Alternativen, die hohe Zahl der fehlenden Werte unter solchen Bedingungen zu umgehen. Einmal kann man alle fehlenden Antworten als „nicht lärmempfindlich“ deuten. Diese Methode ist jedoch unsicher, da man hier wiederum schätzt und keine genauen Zahlen hat.

Die Methode der Wahl in dieser Auswertung war die Bildung des Mittelwertes aller beantworteten Fragen pro Proband. Dabei wurden die Probanden, welche weniger als 80 Prozent angegeben haben, nicht mit in die Studie aufgenommen. Multiplizierte man diese Mittelwerte wiederum mit der Gesamtzahl der Fragen, so erhielt man wieder einen Summenscore.

Diese Art und Weise halte ich für gerechtfertigt, weil so nur 14 von 2235 Probanden aus der Wertung fielen. Die unverfälschte Bewertung der Lärmempfindlichkeit war damit gesichert.

Da der Weinsteinsummenscore, wie bereits erwähnt, an Studenten entwickelt wurde, stellt sich allerdings die Frage, ob die Übertragung auf Stichproben aus der Gesamtbevölkerung gerechtfertigt ist. Der Autor selbst, wies in seiner Studentenwohnheimuntersuchung auf die eingeschränkte Generalisierbarkeit hin [45].

Warum die schwedischen Autoren Ekehammer und Dornic die Generalisierbarkeit der Skala bestätigten, war aus ihrem Artikel nicht abzuleiten [ 53] . Da auch diese Untersuchung an Studenten durchgeführt wurde, fehlte der Bezug zur Gesamtbevölkerung. Somit konnte der Artikel meiner Meinung nach die Frage der Generalisierbarkeit nicht lösen.

Die deutsche Version wurde von Zimmer et al. entwickelt, wobei auch hier eine genügend große Reliabilität und Konstruktvalidität festgestellt werden konnte [ 44] . Doch da wiederum nur Studenten an dieser Studie teilnahmen, war die Generalisierbarkeit nicht gesichert.

Um dieses Problem zu beheben, haben Zimmer und Ellermeier den Weinstein-Fragebogen in der deutschen Version auf 52 Fragen erweitert [73] . Diese Version wurde an einer Stichprobe aus der Gesamtbevölkerung getestet und die Generalisierbarkeit ist nachgewiesen worden.


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Die erweiterte deutsche Version des Weinstein-Fragebogens war zu Beginn der Berliner Lärmstudie noch nicht fertiggestellt und blieb somit unberücksichtigt. Zudem hätten die 52 Fragen allein zur Lärmempfindlichkeit unser zum Teil älteres und krankes Probandengut überfordert.


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5.3.  Zusammenhang zwischen Lärmbelästigung und Lärmempfindlichkeit

Sowohl am Tag als auch in der Nacht war ein positiver Zusammenhang zwischen der Lärmbelästigung und der Lärmempfindlichkeit statistisch signifikant nachweisbar.

Allerdings zeigte sich mit Hilfe des Korrelationskoeffizientens nach Pearson, dass der gegenseitige Einfluss von Lärmempfindlichkeit und Lärmbelästigung am Tag und in der Nacht (r p = 0.23 am Tag; r p = 0.19 in der Nacht) gering war.

Es ist interessant, dass sich die Korrelation am Tag stärker darstellte, als in der Nacht. Störfaktoren, wie Staub, Abgase und Stress, die vor allem am Tag zu finden sind, können die stärkere Korrelation zwischen Lärmbelästigung und Lärmempfindlichkeit am Tag erklären.

Man kann daraus schlussfolgern, dass ab einem gewissen Grad an Lärmempfindlichkeit eine allgemeine Sensitivität für die Umweltbelastung besteht, die bereits in der Tiroler Studie beschrieben wurde [67]. Diese allgemeine Sensitivität kommt am Tag mehr zum Ausdruck als in der Nacht und wird bei der Befragung nur durch die Lärmbelästigung erfasst.

Die Schlussfolgerung dieser Arbeit, dass die Lärmempfindlichkeit und die Lärmbelästigung kaum Einfluss aufeinander nehmen, steht im Widerspruch zu einigen Untersuchungen.

Betrachtet man die Art und Weise der Auswertungen dieser Untersuchungen genauer, so konnte keine von ihnen eine direkt lineare Beziehung unter standardisierten Bedingungen nachweisen. In der Tiroler Studie stellte man die Ergebnisse dichotom dar, bevor sie der multiplen Regression zugeführt wurden [67]. Eine andere Studie von Stansfeld et al. stellte nur in einem von zwei angewandten statistischen Modellen einen positiven Zusammenhang dar [74 ].

Des Weiteren zeigte sich, dass diese Studien teilweise nur an Frauen oder Studenten oder im Labor durchgeführt wurden [27, 45, 64]. Dass die Aufnahme nur eines Geschlechts in eine Studie Auswirkungen auf das Ergebnis hat, konnte durch eine Felduntersuchung in Bergen, die allein bei den Frauen einen Anstieg der Lärmempfindlichkeit mit der Lärmbelästigung fand, bestätigt werden [66].


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Auch die Größen der Stichprobe variierten stark und waren häufig zu klein, wie zum Beispiel in der Laborstudie von Dornic. Hier wurden 18 Probanden eingeschlossen [3]. In der Laborstudie von Jonsson und Sörensen lag die Zahl der Probanden bei 266 Studenten [23].

In der vorliegenden Arbeit wurden durch die Aufnahme beider Geschlechter, einer weiten Altersspanne und einer großen Stichprobe von 2235 Personen diese Makel vermieden.

Die Beachtung einer großen Anzahl von potentiellen Einflussfaktoren reduzierte die Gefahr der Darstellung von falschen Zusammenhängen.

Eine Amsterdamer Studie, an der 3445 Bürger der Stadt teilnahmen, kam zum gleichen Schluss, wie die vorliegende Arbeit. Es war kein relevanter Zusammenhang zwischen der Lärmempfindlichkeit und der Lärmbelästigung zu verzeichnen [34].

Betrachtete man die Lärmbelästigung am Tag in Abhängigkeit von der Lärmempfindlichkeit unter Einbeziehung des Geschlechts, des Alters und der soziodemografischen Faktoren im mehrfaktoriellen Modell, so waren 19 Prozent der Variationen der Lärmbelästigung am Tag erklärbar. Einen statistisch signifikanten Einfluss hatten neben der Lärmempfindlichkeit aber nur das Geschlecht, das Haushaltsnettoeinkommen und der Familienstand.

In der Nacht wurden 18 Prozent der Variationen der Lärmbelästigung durch die Lärmempfindlichkeit, das Alter und den Schulabschluss statistisch signifikant erklärt.

Meiner Meinung nach wird der Hauptanteil der Lärmbelästigung am Tag und in der Nacht durch den objektiven Lärmpegel beeinflusst. Dies wurde in einer schwedischen Studie, die die Belästigung durch Fluglärm in der Umgebung der Flughäfen von Landvetter und Save untersuchte und in einer amerikanischen Studie, welche die Belästigung durch Fluglärm in der Nähe vom Illinois Airport beschrieb, bestätigt [14, 16].

Die Einbeziehung des Geschlechts, des Alters und der soziodemografischen Faktoren erklärte im mehrfaktoriellen Modell mit Hilfe der Kovarianzanalyse 17 Prozent der Variationen der Lärmempfindlichkeit. Alle untersuchten Faktoren hatten einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Lärmempfindlichkeit.

Dass die Abhängigkeit der Lärmempfindlichkeit von diesen Faktoren deutlich größer war, als in der univariaten Auswertung durch die Lärmbelästigung allein, zeigt die Bedeutung der gleichzeitig vorhandenen Faktoren.

Es waren 83 Prozent der jeweils angegebenen Lärmempfindlichkeit nicht durch die untersuchten Faktoren beeinflussbar.


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Ich stimme daher mit den Feldstudien von Belojevic et al. und von Lercher und Kofler überein, die den Hauptanteil der Lärmempfindlichkeit in der Persönlichkeit begründet sahen [46, 62, 67]. Auch in der Laborstudie von Zimmer et al., an der Studenten teilnahmen, ist die Lärmempfindlichkeit als Teil der Persönlichkeit beschrieben [44].

Wie die allgemeine Sensitivität einer Person, ist meiner Meinung nach die individuelle Lärmempfindlichkeit in einem bestimmten Rahmen konstant.


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5.4.  Soziodemografische Faktoren

Obwohl die Rolle der erhobenen Faktoren für die Beziehung der Lärmempfindlichkeit und der Lärmbelästigung gering ist, haben sich doch interessante Beobachtungen ergeben.

I. Alter

Die große Anzahl der 55 bis 64-Jährigen bei Männern ist auf den typischen Altersgipfel des Herzinfarkts beziehungsweise des plötzlichen Herztodes in diesem Lebensabschnitt zurückzuführen. Die Epidemiologie der vaskulär bedingten Herzerkrankungen wurde bestätigt [70].

Die Beobachtung, dass sich bei Frauen kein Gipfel, sondern ein Anstieg der Häufigkeit des Herzinfarkts beziehungsweise des plötzlichen Herztodes mit dem Alter zeigte, ist aus der Literatur bekannt. Weibliche Hormone zögern vermutlich die Arteriosklerose der Gefäße und ihre Folgen zeitlich heraus [70].

Es ließ sich kein Zusammenhang zwischen dem Alter und der Lärmbelästigung am Tag nachweisen. Das entsprach den Angaben der Tiroler Studie, die aber die Lärmbelästigung nicht nach Tag und Nacht trennte [67].

In der Nacht zeigte sich in der mehrfaktoriellen Auswertung der vorliegenden Arbeit ein statistisch signifikanter Anstieg der Lärmbelästigung mit dem Alter.

In einer anderen Studie aus der ehemaligen DDR wurde eine statistisch signifikant höhere Lärmbelästigung in zwei Altersgruppen dargestellt [43]. Die Datenerhebung erfolgte hier durch die Auswertung von Eingaben an offiziellen Stellen aufgrund einer Lärmbelästigung. Die Altersverteilung der sich beschwerenden Personen entsprach den dominierenden Jahrgängen der Bevölkerungspyramide.

Die Lärmempfindlichkeit nahm mit steigendem Alter ab. Diese Assoziation war auch statistisch nachweisbar, aber gering.

In der norwegischen Studie von Nivison und Endresen, die an 82 Personen durchgeführt wurde, die beiderseits einer Straße mit moderatem und starkem Lärm wohnten, sowie in der Tiroler Untersuchung von Lercher und Kofler konnten dagegen keine Assoziationen gezeigt werden. [66, 67].


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II. Geschlecht

Frauen hatten eine statistisch signifikant höhere Lärmbelästigung am Tag zu ertragen als Männer. Ein Grund dafür könnte der längere Aufenthalt in der Wohnung sein. Da Frauen häufiger nicht arbeiten und früher in Rente gehen, können sie bei Fragen nach dem Wohnumfeld die täglichen Umweltbelastungen eher wiedergeben als Männer.

Einschätzungen verschiedener Studien, wie zum Beispiel der Amsterdamer Studie von Meijer et al., der Feldstudie aus Bergen oder der Tiroler Studie gaben an, dass Frauen lärmempfindlicher sind [34, 66, 67]. Das wurde unter anderem mit der allgemein höheren Sensitivität der Frauen begründet.

Nach einem Laborexperiment haben Frauen einen kleineren Gehörgang mit geringerem abgeschlossenem Gehörgangsvolumen und somit anderen Druckverhältnissen, welche die Lautstärke erhöhen sollen [75] . Die Schlussfolgerung daraus, dass deshalb Frauen lärmempfindlicher sind als Männer, kann nach meinen Untersuchungsergebnissen aber nicht gezogen werden.

Hinsichtlich der Lärmempfindlichkeit gab es in der vorliegenden Untersuchung keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der univariaten Auswertung.

III. Schulabschluss

Der überwiegende Teil der Probanden hatte die Volksschule besucht bzw. den Hauptschulabschluss gemacht, was mit den Daten des Statistischen Bundesamtes übereinstimmte [76 ].

Mit ca. 23 Prozent war der Anteil der Abiturienten und Fachhochschüler in der Studie im Vergleich zu den Angaben des Statistischen Jahrbuchs für die Bundesrepublik Deutschland höher. Dort wurde ein Anteil der Gymnasial- und Fachhochschulabschlüsse von 17 Prozent angegeben [76].

Deskriptiv betrachtet konnte eine höhere Schulausbildung einer stärkeren Lärmbelästigung in der Nacht zugeordnet werden. Die statistische Analyse bestätigte den positiven Zusammenhang.

Am Tag hingegen war keine Beziehung nachweisbar.

In der Tiroler Studie wurde kein Zusammenhang zwischen dem Schulabschluss und der Lärmbelästigung beschrieben [67]. Jedoch wurde die Lärmbelästigung dort nicht nach Tag und Nacht getrennt.


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Die Schulausbildung zeigte eine deutlich höhere Assoziation zur Lärmempfindlichkeit als alle anderen soziodemografischen Faktoren. Meiner Meinung nach stellte sie eine markante Größe dar. Die Untersuchungen von Stansfeld et al. in der Umgebung von London, von Meijer et al. in Amsterdam und von Nivison und Endresen in Bergen bestätigten die Assoziation [27, 34, 66]. Die Tiroler Studie konnte keinen Zusammenhang feststellen. [67].

IV. Haushaltsnettoeinkommen

Die Gruppe der mittleren Einkommensklasse war, wie in der gesamten deutschen Bevölkerung, am größten. Eine direkte Gegenüberstellung mit den Daten des Statistischen Bundesamtes war leider nicht möglich, da dort die Löhne und Gehälter in Brutto angegeben wurden [76].

Kritisch muss man die gesamte Auswertung im Bezug zum Einkommen einschätzen, weil 15 Prozent der Probanden keine Angaben machten. Das konnte mit der Umgebung des durchgeführten Interviews zusammenhängen, welches im Patientenzimmer teilweise mit mehreren Zuhörern stattfand.

Am Tag war ein Anstieg des Nettoeinkommens mit der Lärmbelästigung vorhanden. Untersuchungen von Stansfeld et al., Meijer et al. oder von Nivison und Endresen bestätigten die Assoziation zwischen dem Nettoeinkommen und der Lärmbelästigung [27, 34, 66].

Allerdings hat sich in der vorliegenden Studie kein Anhalt für einen Zusammenhang in der Nacht gezeigt.

Es existierte ein Einfluss des Haushaltsnettoeinkommens auf die Lärmempfindlichkeit. Eine positive Assoziation war in der univariaten Auswertung zu verzeichnen.

Hohe Einkommen sind oft mit lärmarmen Arbeitsplätzen und/oder mit ruhigen Wohngegenden verbunden. Die fehlende Gewöhnung an einen permanent hohen Lärmpegel, kann als Ursache für die Angaben einer höheren Lärmempfindlichkeit gesehen werden.


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Möglicherweise ist ein weiterer Faktor für die gefundene Assoziation verantwortlich. Die Beziehung zwischen der Schulausbildung und dem Einkommen, die statistisch nachzuweisen war, könnte einen Zusammenhang des Nettoeinkommens zur Lärmempfindlichkeit vorgetäuscht haben. Eine gute Schulausbildung erhöht die Wahrscheinlichkeit für ein später hohes Einkommen.

V. Personenanzahl im Haushalt

Mit einem Überwiegen der 2-3 Personenhaushalte wurde auch hier die Gesamtsituation in Deutschland widergespiegelt [76]. Die Kinder waren zumeist aus dem Haus und die Partner lebten wieder allein in ihrer Wohnung.

Die Einpersonenhaushalte bildeten die zweitgrößte Gruppe, in welcher höchstwahrscheinlich Lebensschicksale, wie Tod des Partners oder Scheidung, bereits stattgefunden hatten. Große Haushalte machten weniger als 10 Prozent aus. Das ist meiner Meinung nach auf die sozioökonomische Lage in der Bundesrepublik Deutschland zurückzuführen [76].

Dabei sind die Möglichkeit der Kontrazeption, die bessere finanzielle Lage mit keinem oder wenigen Kindern, die Zerstreuung der Familien durch Beruf und Altenheim als einige Ursachen zu nennen.

Die Beantwortung der Frage nach der Personenzahl durch die Probanden zeigte sich problematisch. Manche zählten ihre eigene Person mit, andere nicht. Zudem machte die Auswertung in der Hinsicht Schwierigkeiten, dass weitere Personen nicht näher beschrieben wurden. Es stellte sich zum Beispiel die Frage, ob die Mutter mit ihrer Tochter oder ihrem Partner zu zweit im Haushalt lebte. Mit Hilfe des Familienstandes konnte man diese Frage verallgemeinert beantworten. Zum Beispiel hatten von 2235 Probanden 1254 angegeben, dass zwei Personen in ihrem Haushalt lebten, wovon 1047 verheiratet waren. Damit lebten in mehr als 80 Prozent der 2 Personenhaushalte Ehepartner.


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Deskriptiv betrachtet, schien eine Zahl von 2-3 Personen pro Haushalt mit einer höheren Lärmbelästigung durch Straßenverkehr sowohl am Tag als auch in der Nacht assoziiert zu sein. Eine geringere Belästigung durch Straßenlärm wurde in den Haushalten mit 1 Person sowie in den Haushalten mit 4 oder mehr Personen angegeben. Das lässt sich durch eine geringere Lärmbelastung in der Wohnung bei Alleinstehenden und einer Gewöhnung an Lärm in großen Haushalten erklären. Der Zusammenhang zwischen der Lärmbelästigung und der Personenzahl war jedoch nicht statistisch signifikant.

Die Lärmempfindlichkeit war in den 2-3 Personenhaushalten am größten. Lebte ein Proband allein, so waren Störungen durch Mitbewohner nicht möglich, sodass die dargestellten Situationen, kaum nachvollziehbar waren. Andererseits waren Probanden aus großen Personenhaushalten meist stark lärmbelastet und die dargestellten Situationen wohlbekannt. Aber auch hier kann bei der Angabe zur Lärmempfindlichkeit, wie bereits zur Lärmbelästigung ein Gewöhnungsprozess stattgefunden haben.

VI. Familienstand

Wie für die Generation der 55 bis 70-Jährigen typisch, die vor allem in dieser Studie widergespiegelt wurde, überwog die konventionelle Ehe [76]. Bei der Aufnahme der Daten wurde die Ehe nochmals unterteilt in Paare, die zusammenlebten und Paare, die getrennt lebten. Mit 92 von 1444 Personen, die nicht zusammenlebten, obwohl sie verheiratet waren, betraf es nur ca. 6 Prozent. Sie wurden deshalb in der Auswertung der Kategorie der Verheirateten zugeordnet.

Die weiteren Möglichkeiten der Angaben, wie geschieden, ledig und verwitwet waren schwierig zu bewerten, da sie keine Auskunft darüber gaben, ob ein Partner mit im Haus lebte oder nicht. Der Vergleich mit den Angaben zur Personenzahl im Haushalt, die der jeweilige Proband machte, ermöglichte jedoch die Feststellung, dass die Mehrheit der Nichtverheirateten allein lebte.


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Dem Familienstand konnte ein Einfluss auf die Lärmbelästigung am Tag durch Straßenverkehr nachgewiesen werden. Sie war in der Gruppe der Ledigen am geringsten. Ein Grund für diese Assoziation ist aus meiner Sicht nicht auszumachen.

Die Studie aus der ehemaligen DDR von Schulze et al. stellte ebenfalls die Lärmbelästigung in Abhängigkeit vom Familienstand dar und bestätigte das Ergebnis der vorliegenden Arbeit. Dort fand sich absolut und prozentual (Anteil der Ledigen in der Bevölkerung) eine wesentlich geringere Zahl von Ledigen, die eine Eingabe wegen Lärmbelästigung machten, als bei den anderen Familienständen [43].

Eine erhöhte Lärmempfindlichkeit zeigte sich bei Probanden, die in einer Ehe oder eheähnlichen Gemeinschaft lebten. Sucht man nach einer Begründung, so fällt bei der Betrachtung der anderen Gruppen (ledig, geschieden, verwitwet) auf, dass hier mehr als zwei Drittel allein lebten. Das konnte eine Ursache für die geringere Lärmempfindlichkeit sein. Diese Personen hatten weniger Berührungspunkte mit unerwünschten Lärm innerhalb der Wohnung. Die dargestellten Situationen im Weinstein-Fragebogen waren daher für sie schwieriger nachzuvollziehen und meist nur aus der Vergangenheit bekannt.

Lärm muss kein unerwünschter Schall sein, wenn man sich nach Gesellschaft sehnt. Dieser Annahme steht die Aussage gegenüber, dass die Lärmempfindlichkeit ein unabhängiges Persönlichkeitsmerkmal ist. Ich halte das nicht für einen Widerspruch. Wie in der mehrfaktoriellen Auswertung deutlich wurde, war die Lärmempfindlichkeit bis zu 17 Prozent durch Faktoren von außen variabel. Das Persönlichkeitsmerkmal besitzt eine Grundtendenz, die in gewissen Grenzen verschiebbar ist.


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5.5.  Studiendesign und Datenerhebung

Die Bedeutung des Studienortes, basiert auf folgender These: Im Gegensatz zu Industriegebieten, wo der Geräuschpegel allgemein höher ist und die lärmverursachenden Objekte einen eventuellen Nutzen für die Bewohner mit sich bringen, werden die Bewohner ländlicher Gebiete vor allem durch den Verkehrslärm belästigt, dessen Nutzen für sie nicht erkennbar ist. Die Konsequenz daraus hat sich in der Untersuchung von Lercher und Kofler gezeigt, in der im Unterschied zu Lärmstudien in Industriegebieten die Angaben zur Lärmbelästigung bereits bei Pegeln von 40 bis 50 dB(A) hoch waren. Die Untersuchung fand in kleinen Orten Tirols statt [ 67] .

Unterschiedliche Angaben zur Lärmbelästigung in Abhängigkeit von der Einstellung zu Kraftwagen konnten allerdings in einer Feldstudie an einer Straße in Bergen, die 82 Probanden zum Zusammenhang Lärmbelastung, Lärmbelästigung, Lärmempfindlichkeit und gesundheitlichen Konsequenzen untersuchte, nicht gezeigt werden [66].

Betrachtet man frühere Studien genauer, vergleicht das Probandengut, die Meßmethoden und die statistischen Berechnungsgrundlagen, so tun sich dort erhebliche Differenzen auf.

Wie bereits erwähnt, lief die Berliner Untersuchung im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie. Obwohl die Interventionsstudie den besten Nachweis kausaler Zusammenhänge liefert und für die wissenschaftliche Arbeit eine nicht wegdenkbare Methode ist, eignet sie sich nicht bei Effekten, die sich erst nach langjähriger Exposition zeigen. Aus diesem Grund ist sie für die Bewertung chronischer Lärmbelastungen unzweckmäßig.

Die Kohortenstudie ist für langjährige prospektive Beobachtungen nützlich. Hier kann man Probanden, die eine bestimmte Exposition aufweisen, über einen festgelegten Zeitraum verfolgen und das eventuelle Eintreten eines Ereignisses beobachten. Von Vorteil ist, dass mehrere Effekte der Exposition erfassbar sind und ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Exposition und dem Ereignis bestimmt werden kann. Jedoch von Nachteil ist der erhebliche Zeitaufwand verbunden mit hohen Kosten. Gerade aber die Folgen von Lärm sind nicht bereits nach ein oder zwei Jahren erkennbar.


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Die gewählte Fall-Kontroll-Studie hat hier ihre Vorteile. Sie ist Zeit und Kosten sparend und kann mehrere Auslöser für einen Effekt erkennen. Von Nachteil ist hier, dass die Inzidenzrate des Effektes nicht direkt zu erheben ist. Des Weiteren ist sie anfällig für Selektions- und Beobachtungsbias.


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5.6.  Limitationen

Die Bestimmung der Lärmbelästigung und Lärmempfindlichkeit kann unabhängig von der Art der Datenerhebung durch viele Umstände erschwert werden. Nicht allen diesen Umständen kann man in den Untersuchungen gerecht werden.

Die individuelle Lärmbelastung wird zum größten Teil durch den Lärmpegel der Großstadt bestimmt. Dieser wird von verschiedenen Menschen zum Teil sehr unterschiedlich aufgenommen und bewertet.

Problematisch sind auch zeitliche Schwankungen des Lärmpegels, wie zum Beispiel Wanderbaustellen, die in der Studie nicht erfasst werden konnten. Eine Trennung zwischen ständiger Lärmbelästigung und aktuellen Lärmbelästigungsspitzen ist kaum möglich. So hält auch Fidell es für denkbar, dass die geschilderte Belästigung durch Lärm sich einmal durch aus der Erinnerung langfristiger Durchschnitte ableiten wird oder aber besonders laute Einzelereignisse im Vordergrund stehen [77 ].

Auch der Stress ist ein beachtenswerter Einflussfaktor auf die Lärmbelästigung und Lärmempfindlichkeit. Vor allem der berufliche Alltag kann durch Arbeitsstress die Angaben zur Lärmempfindlichkeit und Lärmbelästigung verändern. Die Arbeitsstelle selbst und der dortige Lärmpegel sind mögliche Ursachen von verschiedenen Angaben zur Lärmbelästigung in gleichen Wohngebieten. Von dem Beruf sind teilweise auch die Schlafgewohnheiten abhängig. Nachtschichten führen zur zeitlichen Verschiebung der Schlafphase in den Tag, was eine wesentlich häufigere Störung durch Lärm zur Folge hat.

Ein nächster Punkt, der die Angaben zur Lärmbelästigung beeinflussen kann, ist die Freizeitbeschäftigung. Der Genuss der Ruhe im Garten wird durch den Lärm von der Straße gestört. Die Motorsportsendung im Fernsehen kann den Verkehrslärm überdecken.

Dem Wegzug aus lärmintensiven Gebieten ist ebenfalls Beachtung zu schenken. Wenn nur die Teile der Bevölkerung in lärmintensiven Gebieten wohnen, die der Lärm nicht belästigt oder denen die finanziellen Mittel für ruhigere Wohnsiedlungen fehlen, findet eine Selektion statt, die sich in der Datenerfassung niederschlägt.


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Das Problem, dass manche Personen 24 Stunden am Tag zu Hause sind und andere nur kurze Phasen des Tages in der eigenen Wohnung verbringen, ist eine weitere Tatsache, die in der Datenerhebung zu bedenken ist. Vor allem bei den unterschiedlichen Angaben von Mann und Frau zur Lärmbelästigung am Tag, scheint dieser Fakt besonders zum Tragen zu kommen, da Frauen häufiger tagsüber zu Hause sind als Männer.

Die Wohndauer in der angegebenen Wohnung spielt vor allem für die Interpretation der Lärmbelästigung eine Rolle. Während der Interviews der vorliegenden Studie wurde deshalb bei einer Wohndauer von weniger als 5 Jahren zusätzlich die Frage nach der Lärmbelästigung in der alten Wohnumgebung gestellt. Da 95 Prozent der Probanden mehr als 5 Jahre in ihrer aktuellen Wohnung lebten, konnten die Angaben der Lärmbelästigung und der Lärmempfindlichkeit zum Zeitpunkt des Interviews mit den soziodemographischen Faktoren und der Lärmempfindlichkeit verglichen werden.

Eine weitere Limitation der Interpretation einer Studie stellen mögliche Selektionsbias dar. Selektionsbias entstehen, wenn in die Auswahl einer Stichprobe zur Studie nicht alle geeigneten Personen aufgenommen werden. Das kann durch den begrenzten Umfang der Studie oder durch Personen, die nicht in die Studie einwilligen, geschehen.

Die vorliegende Lärmstudie wurde in Berlin durchgeführt. So war sie repräsentativ für die Stadt Berlin, aber nicht für die ganze Bundesrepublik. Ländliche Regionen sind höchstwahrscheinlich einer anderen Lärmbelastung ausgesetzt als Ballungsgebiete, speziell Berlin. Zu einer weiteren Selektion kam es, wenn Patienten, vorwiegend beruflich Selbstständige, die früh und gegen ärztlichen Rat entlassen wurden, nicht in der Studie erfasst worden sind.

Auch die Interviewbereitschaft limitierte die Datenerhebung. Große Angst um die Einhaltung des Datenschutzes, gesundheitliche Unfähigkeit zur Durchführung des knapp einstündigen Interviews und Probleme mit der Offenbarung mancher Details spielten eine wichtige Rolle. Besonders deutlich wurde es bei den Angaben zur Einkommenslage. Da 15 Prozent der Probanden keine Aussagen zum Haushaltsnettoeinkommen machten, sind die Ergebnisse nur eingeschränkt interpretierbar.

Doch oft kam es gar nicht erst zur Befragung, wenn die Vorbehalte unüberwindlich waren. Haustür- und Telefonverhandlungen mit negativen Erfahrungen sind häufig als Begründung genannt worden.


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Regelmäßige Interviewerschulungen und ein standardisiertes Vorgehen erwiesen sich als sehr nützlich, um Beobachtungsbias zu minimieren. Diese können zum einen vonseiten des Interviewers („interviewer bias“) und zum anderen vonseiten des Probanden („recall bias“) eingebracht werden [78 ]. „Interviewer bias“ entstehen leicht bei interviewgestützten Untersuchungen. In der vorliegenden Arbeit kam es vor, dass sich die Probanden gelegentlich nicht an den genauen Wortlaut der Antwortskala hielten und der Interviewer gezwungen war sie darauf hinzuweisen und eine Hilfestellung zu geben. Das Wissen des Interviewers um den Zustand des Probanden konnte die Aussage des Probanden durch die Hilfestellung beeinflussen.

Das Wissen um das Thema beim Befragten und das Interesse des Interviewers an der Meinung des Probanden zu Lärm sind mögliche Ursachen für „recall bias“. Gerade die Herzinfarktpatienten könnten bei ihrer persönlichen Suche nach einer Erklärung für ihren Zustand den Lärm überbewertet haben. Die Unterbewertung des Lärms durch Verdrängung oder das Festhalten an anderen Erklärungsversuchen wäre ebenfalls möglich. Durch die Angaben des Interviewers, dass allgemeine Umwelteinflüsse auf die Häufigkeit des Herzinfarktes untersucht werden sollten, wurde die Gefahr von „recall bias“ minimiert.


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5.7.  Schlussfolgerung

Es war eine statistisch signifikante Beziehung zwischen der Lärmempfindlichkeit und der Lärmbelästigung durch Straßenverkehrslärm nachweisbar. Doch die Stärke der Assoziation zeigte sich gering. Die stärkere Korrelation am Tag (r p = 0.23) gegenüber der Korrelation in der Nacht (r p = 0.19) stellte die wichtige Rolle der allgemeinen Umweltstressoren dar, die am Tag mehr zum Tragen kamen als in der Nacht.

Meiner Meinung nach sprechen die Ergebnisse dieser Untersuchung gegen einen praktisch relevanten Zusammenhang zwischen der Lärmempfindlichkeit und der Lärmbelästigung durch Straßenverkehrslärm.

Es wurden 19 Prozent der Variationen der Lärmbelästigung am Tag neben der Lärmempfindlichkeit durch Geschlecht, Haushaltsnettoeinkommen und Familienstand erklärt. Das Alter und der Schulabschluss erklärten zusammen mit der Lärmempfindlichkeit 18 Prozent der Variationen der Lärmbelästigungsangaben in der Nacht.

Man kann nach diesem Schluss die Angaben zur Lärmbelästigung durch Straßenverkehrslärm als Spiegel der Wohnsituation betrachten. Hier hatten 32 Prozent der Befragten eine mittlere bis sehr starke Lärmbelästigung angegeben. Es sind deshalb Präventivmaßnahmen, wie die Verbesserung des Straßenbelags oder die Errichtung von Lärmschutzwänden zu begrüßen.

Auch mit der Berücksichtigung von Geschlecht, Alter und soziodemografischen Faktoren waren die Variationen der Lärmempfindlichkeit nur zu 17 Prozent erklärbar, wobei alle untersuchten Faktoren einen statistisch signifikanten Einfluss hatten.

Die Lärmempfindlichkeit ist unabhängig von der Lärmbelästigung und repräsentiert eher einen Teil der individuellen Persönlichkeit.

Diese Erkenntnisse stellen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der beiden Faktoren in klinischen Studien zu Herz- Kreislauf-Erkrankungen dar.


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