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5  Diskussion

Es sind unterschiedlichste Effekte von UV Licht auf menschliche Zellen bekannt. So wurde in bisherigen Studien berichtet, dass UV Bestrahlung pro- oder antiinflammatorische Effekte im Bereich der Haut, insbesondere durch die Beeinflussung von Keratinozyten, Melanozyten, Fibroblasten und Leukozyten, bewirken kann. Beispielsweise wird von UV Licht induzierter IL-10[ 92] und IL-6[ 93, 94] Freisetzung bei Keratinozyten und von UVA-1 verursachten oxidativen Schäden an Lipiden und Proteinen bei Fibroblasten[ 82] berichtet. Auch eine UVA-1 induzierte Apoptose von dermalen Fibroblasten ist bekannt[ 95].

Die Einsatzmöglichkeiten von UV Licht bei Hauterkrankungen haben sich als äußerst vielfältig erwiesen. So findet allein die PUVA-1 Therapie bei Psoriasis vulgaris, Psoriasis pustulosa, Lichen ruber planus, Mycosis fungoides und Urticaria pigmentosa seine Anwendung. Die einzelnen Wirkmechanismen des UV Lichtes, die genauen Ursachen für den therapeutischen Nutzen beziehungsweise die Unterschiede zwischen den einzelnen Bestrahlungsarten sind verglichen mit der routinemäßigen und täglichen Anwendung der Phototherapie überraschend wenig für humane dermale Mastzellen erforscht.

Bisherige Studien befassten sich größtenteils mit der Untersuchung von Ratten abstammender Mastzellen oder mit den zur Verfügung stehenden Mastzelllinien. Solche Zellen, wie beispielsweise die der HMC-1 Mastzelllinie (leukämische Mastzellen) weisen hinsichtlich ihrer Stimulierbarkeit und ihres Zytokinprofils Parallelen im Verhalten mit den menschlichen Mastzellen auf. Allerdings zeigen sie auch gravierende Unterschiede. So verfügen sie über ein hohes proliferatives Potential, mit der daraus resultierenden permanenten Zellteilung. Eine Eigenschaft die bei den reifen humanen Mastzellen in dem Ausmaße nicht zu finden ist. Aus diesem Sachverhalt ergeben sich Unterschiede in dem Apoptoseverhalten bei UV Bestrahlung. Denn anders als die apoptosefreudigen, unreifen, leukämischen Mastzellen (HMC-1), gelten die ausdifferenzierten, menschlichen Mastzellen als äußerst langlebig und strahlenresistent, so dass ihr Zelluntergang während der Phototherapie unwahrscheinlich ist. Das dieses Verhalten der HMC-1 Zellen von der Teilungsrate und nicht von dem leukämischen Status [Seite 49↓]abhängt, zeigt sich, wenn reife humane Mastzellen mittels SCF und IL-4 zum Proliferieren gebracht werden und dann ebenso apoptosefreudig auf die UV Strahlung reagieren[ 96]. Genaue Auskünfte über das Verhalten von humanen Mastzellen erlangt man also nur von diesen selbst.

Ist die Apoptose bei den reifen Mastzellen eher vernachlässigbar, so wird die Inaktivierung, das heißt die verminderte Mediatorfreisetzung um so bedeutender, für die Erklärung therapeutischer Erfolge mit UV Licht. Ein ähnliches Angriffsmuster findet sich bei weiteren Therapiemaßnahmen. Antiallergika (wie zum Beispiel Cromoglycinsäure und Oxatomid) auch Mastzellstabilisatoren genannt, hemmen die Freisetzung von Entzündungsmediatoren aus Mastzellen. Sie werden wegen ihrer begrenzten Wirksamkeit allerdings nur in der topischen Therapie bei Erkrankungen aus dem allergischen Formenkreis eingesetzt. Antihistaminika wie beispielsweise Dimetinden (Fenistil), Fexofenadin (Telfast) und Cetericin (Zyrtec) hemmen die Wirkung des Histamins durch reversible Blockade der H1- Rezeptoren. Damit können sie sinnvoll gegen Urtikaria, allergische Rhinitis, atopische Dermatitis, Pruritus und Prurigo eingesetzt werden. Auch die in der Dermatologie häufig verwendeten Glukokortikoide wirken antientzündlich, allgemein immunsupprimierend sowie antiproliferativ und induzieren ebenfalls keine Apoptose.

Die Erforschung der Einwirkungen des UV Lichtes auf die Mediatorfreisetzung der dermalen Mastzellen macht unter dem Gesichtspunkt der therapeutischen Relevanz für die Fülle an Erkrankungen durchaus Sinn.

Das Histamin gilt als der wohl prominentester Vertreter aus der Gruppe der Mastzellmediatoren. Es liegt bereits präformiert in der Granula gespeichert vor und kann nach Exozytose an H1- und H2- Rezeptoren sowie an sensible Nervenendigungen binden, um so zu einer Senkung des Blutdruckes, einer Erweiterung und Erhöhung der Durchlässigkeit der Blutgefäße, einer Erregung der glatten Darmmuskulatur, einer Kontraktion der Bronchien, einer Herzfrequenzsteigerung und einer Steigerung der Magensekretion führen[ 39].

Diese Freisetzung von Histamin kann auf unterschiedlichste Art und Weise getriggert werden. Typische Stimuli der Mastzelle sind Immunglobuline (Immunglobulin E), Neuropeptide (Substanz P, Neuropeptid Y), Zytokine (Stem cell factor) und [Seite 50↓]Komplementsystem Proteine (C3a, C4a, C5a). Aber auch andere Proteine (Histamin releasing factor) und Infektionen (Parasiten, Toxine) sind in der Lage die Mastzelle zu aktivieren[ 97, 98]. Mit der Aktivierung ist per definitionem die Degranulation der Mastzelle und die darauf folgende Freisetzung der präformierten und in den Granula gespeicherten Mediatoren gemeint.

Bei der Stimulation mit Immunglobulinen, die beispielsweise bei der spezifischen Sensibilisierungsphase der Typ-1-Sofortreaktion gebildet werden, spielen die Fc-Rezeptoren eine herausragende Rolle. IgE bindet an FcεR und durch multivalente Antigene oder Antikörper gegen dieses Immunglobulin findet eine Quervernetzung auf der Oberfläche der Mastzelle statt. Es folgt eine Signalkaskade an deren Ende eine intrazelluläre Calciumkonzentrationserhöhung und damit eng verbunden eine Sezernierung der Mediatoren steht[ 37].

Bei der nicht-immunologischen Stimulation der Mastzelle durch Substanz P ist der genaue molekulare Mechanismus noch Gegenstand der aktuellen Forschung. Außer Frage steht, dass Substanz P prinzipiell eine Degranulation der Mastzelle provozieren kann[ 99]. Studien haben gezeigt, dass das Neuropeptid eine maximale histaminfreisetzende Wirkung bei einer Konzentration von 30µmol/l hat. Aber schon ab einer Konzentration von 5 pmol/l ist eine elektrophysiologische Erregung der Mastzelle feststellbar, so dass nach mehrmaliger Wiederholung dieser Stimulation eine Freisetzung von Mediatoren stattfindet[ 100]. Bei Nagetier-Mastzellen und auch bei der Rattenmastzelllinie RBL-2H3 konnte ein pertussistoxin-sensitiver G-Protein gekoppelter Neurokininrezeptor (NK-Rezeptor) festgestellt werden[ 101]. Insbesondere der NK-1-Rezeptor ließ sich durch Substanz P Dosen im mikromolaren Bereich aktivieren, so dass eine Mastzellaktivierung resultierte[ 102-104]. Da sich ein vergleichbarer Rezeptor auf humanen Mastzellen noch nicht nachweisen ließ, wird derzeit beim Menschen eine rezeptorunabhängige direkte G-Protein Aktivierung diskutiert[ 105-108]. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Strukturformel von Substanz P mit der speziellen Anordnung einer basischen NH2-Gruppe direkt neben der hydrophoben COOH-Gruppe hierbei eine Schlüsselposition einnimmt[ 36]. So konnte mit einer synthetisch hergestellten Hybridtetrapeptidvariante eine fünfzigfach potentere Histaminfreisetzung erzielt werden, verglichen mit dem natürlich vorkommendem Substanz P.


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Diese beiden Stimulierungsvorgänge, mit anti-IgE (Maus-Antikörper der IgM-Klasse, die sich gegen Fc-Epitope auf menschlichem IgE richten) und nativem Substanz P, wurden in dieser Arbeit in bezug auf die Histaminfreisetzung, insbesondere nach Bestrahlung, untersucht. Auch die spontane, also die nicht stimulierte Histaminausschüttung wurde erforscht. Interessanterweise hat das UV Licht zweierlei Effekte auf humane dermale Mastzellen. So provoziert es in hochsignifikanter Weise die basale Mediatorfreisetzung, um 56,15% bei UVB (75mJ/cm²), um 52,75% bei UVA-1 (15J/cm²) und um 60,90% bei PUVA-1 (5J/cm²), inhibiert jedoch die stimulierte Histaminausschüttung.

Hier ergab sich, dass unbestrahlte anti-IgE stimulierte Mastzellen eine durchschnittliche Netto-Histaminfreisetzung von 30,1% zeigten, die nach Bestrahlung dosisabhängig und signifikant verringert wurde. So konnte, nach jeweils maximaler Bestrahlungsdosis, durch UVB Licht eine Inhibierung der Histaminausschüttung um 81,1% durch PUVA-1 um 71,5% und durch UVA-1 sogar um 95,3% erzielt werden. Zeigte sich für die anti-IgE induzierte Mediatorfreisetzung nach Bestrahlung ein zumindest tendenziell einheitlich inhibitorisches Bild, so ergab sich für die Substanz P Untersuchungen ein differenzierterer Zusammenhang. Unbestrahlte dermale Mastzellen gaben netto, auf den Substanz P Stimulus hin, 8,9% vom Gesamthistamingehalt frei. Nach Behandlung mit UVB und PUVA-1 büßten die MC nicht ihre Fähigkeit ein auf den Substanz P Reiz adäquat zu reagieren und schütteten ähnlich viel Histamin aus, wie die unbestrahlten Zellen. Anders bei der UVA-1 Bestrahlung; hier konnte nach maximaler Dosis eine signifikante Inhibierung der Histaminfreisetzung um 82,3% beobachtet werden.

Das unterschiedliche Verhalten der Mastzellen bezüglich der Stimulation ist wahrscheinlich auf die unterschiedlichen Wirkmechanismen der verwendeten Strahlungsarten zurückzuführen.

Durch UVB und PUVA-1 Behandlung werden bei humanen Mastzellen in erster Linie Störungen auf DNA-Ebene induziert. So kann UVB Licht aufgrund seiner Wellenlänge von der DNA absorbiert werden und sie daher direkt und unmittelbar schädigen[ 109, 110]. Durch die PUVA-1 Therapie kommt es zur Ausbildung sogenannter Photoaddukte zwischen den Pyrimidinbasen der DNA und aktiviertem 8-Methoxypsoralen[ 85, 86]. Daraus resultiert eine verzögerte und fehlerhafte Ablesung des Doppelstranges, was in einer Änderung von Quantität und Qualität der Transkripte münden kann. Zusammenfassend sind dieses Störungen der Zellhomöostase auf DNA-Ebene von [Seite 52↓]eher langfristigem Charakter. Bereits vorhandene, fertig synthetisierte Enzyme bleiben größtenteils ebenso unbeeinflusst, wie bereits gebildete m-RNA-Moleküle.

Die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies wie Singulett-Sauerstoffe und Hydroxylradikale wird durch das längerwellige UVA-1-Licht angeregt. Sie können an zahlreichen Punkten im Stoffwechsel der Zelle Störungen hervorrufen. So können Auswirkungen auf die verschiedenen Membranen durch Oxidation von ungesättigten Fettsäuren genauso beobachtet werden, wie Strukturveränderungen diverser Proteine[ 82-84]. Es werden wichtige Enzyme durch oxidative Modifikationen in ihrer Funktion beeinträchtigt und verstärkt dem Abbau durch Proteasomen-Komplexe zugeführt. Zwar sind Läsionen der DNA auch bei dieser Bestrahlungsform nicht gänzlich auszuschließen, sie sind aber definitiv nicht vordergründig.

Die Sauerstoffradikale sind extrem reaktionsfreudig und beginnen innerhalb von Sekunden bis Minuten die oxidativen Veränderungen an Proteinen und Membranen zu provozieren. Nun sind die meisten menschlichen Zellen diesen schädigenden Einflüssen nicht völlig schutzlos ausgeliefert. So besitzen sie Verteidigungsmechanismen wie beispielsweise Hitzeschockptroteine und Radikalfänger. Man kann davon ausgehen, dass auch humane Mastzellen aus diesem Arsenal einiges zur Verfügung steht[ 73, 111, 112]. Jedoch können die hohen Bestrahlungsdosen von bis zu 25J/cm2 zu einer Überbelastung der Schutzmechansimen führen, was einen zumindest temporären Totalausfall der Zelle zu Folge hat. Für die Funktionslosigkeit der Zelle sprechen die drastische Inhibierung der anti-IgE und SP induzierten Histaminausschüttung nach maximaler UVA-1 Bestrahlung. Das es sich hierbei um einen reversiblen Effekt handelt, die Mastzellen sich also zu einem gewissen Teil von der Belastung wieder erholen können zeigen Untersuchungen aus unserer Arbeitsgruppe, in denen nach 48 beziehungsweise nach 72 Stunden wieder vermehrt Histamin ausgeschüttet wurde. An dieser Stelle ist es lohnenswert, auf die im Rahmen der PUVA-1 Behandlung entstehenden Sauerstoffspezies einzugehen. Denn auch bei dieser Bestrahlungsform wird das UVA-1 Licht eingesetzt. Allerdings in einer wesentlich geringeren Dosis (maximal 5J/cm2), so dass die Exposition der Zellen weitaus kürzer ist und die Bildung der Radikale nur auf niedrigem Niveau vollzogen wird. Die Schutzmechanismen werden bei weitem nicht in dem Maße überfordert, wie [Seite 53↓]bei UVA-1 Behandlung und somit rücken die eher längerfristigen DNA-Schäden in den Vordergrund.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine Beeinflussung der verschiedenen Funktionen der bestrahlten Zellen wahrscheinlich auf eine Fülle unterschiedlicher kleinerer und größerer Modifikationen im komplexen Zusammenspiel der einzelnen Stoffwechselprozesse zurückzuführen ist.

Die Serinprotease Tryptase wird fast ausschließlich in Mastzellen exprimiert. Sie liegt in enzymatisch aktiver Form in der sekretorischen Granula bereit, wobei ihre Aktivität durch die Kombination von saurem pH, hoher Histaminkonzentration und hoher Konzentration von divalenten Kationen reguliert wird. Gemeinsam mit anderen Mediatoren wie Histamin wird sie während der Mastzelldegranulation in den Extrazellulärraum freigesetzt.

Bisherige in vitro Studien konnten belegen, dass Tryptase neben einer Bedeutung für die klassischen mastzellassoziierten Erkrankungen eine Funktion als Mediator bei weiteren Entzündungsreaktionen sowie bei dem Auf- und Umbau von Gewebe hat. Tryptase gilt außerdem als spezifischer Marker für die Aktivierung von Mastzellen. So ist die Konzentration der beim Gesunden kontinuierlich, in geringen Mengen ins Blut sezernierten Tryptase offensichtlich proportional zu der Anzahl im Körper zirkulierender Mastzellen. Die Konzentration der Protease steigt bei Krankheiten wie dem allergischen Asthma, der allergischen Rhinitis, dem Atopischen Ekzem, der Urtikaria, der Psoriasis, dem Lichen ruber planus, dem nummulären Ekzem, den Mastozytosen, den interstitiellen Lungenerkrankungen, der Multiplen Sklerose und bei Autoimmunerkrankungen, wie dem Bullösen Pemphigoid und dem Pemphigus vulgaris. Nicht nur unter diesem Aspekt schien es sinnvoll die anti-IgE induzierte Tryptasefreisetzung in Abhängigkeit von den drei Bestrahlungsarten zu erforschen.

Es wurde nun nach den vorangegangenen Versuchen, bei denen sich eine signifikante und dosisabhängige Inhibierung der anti-IgE induzierten Histaminausschüttung darstellen ließ mit ähnlichen Ergebnissen bezüglich der Tryptasefreisetzung gerechnet. Schließlich weisen beide Mediatoren prinzipiell viele Gemeinsamkeiten auf (siehe unten).


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So konnte in der vorliegenden Arbeit gezeigt werden, dass die anti-IgE stimulierten und bestrahlten dermalen Mastzellen deutlich weniger Tryptase abgaben, als die unbestrahlten Kontrollgruppen. Die Tryptaseausschüttung wurde nach UVB (75mJ/cm2) und UVA-1 (15J/cm2) Bestrahlung um 38,7% beziehungsweise um 39,2% inhibiert und nach PUVA-1 (5J/cm2) Bestrahlung um 48,1%. Die in den Histaminversuchen ermittelten äquivalenten Bestrahlungsdosen (s. 4.1) zeigten sich in diesem Versuch als zutreffend, denn die erzielten Effekte der einzelnen Bestrahlungsarten sind in etwa auf dem gleichen Niveau und zeigen untereinander keinen signifikanten Unterschied.

Aber auch sonst harmonieren die ermittelten Tryptasewerte gut mit den Histamindaten. Während beider Versuchabläufe hat sich gezeigt, dass eine UV Licht induzierte Inhibierung der stimulierten Mediatorausschüttung stattfindet. Aufgrund der prinzipiellen Gemeinsamkeiten von Histamin und Tryptase, beide liegen präformiert in der Mastzellgranula vor, beide werden in der ersten Phase der Mediatorfreisetzung ausgeschüttet und beide unterliegen dem Einfluss der anti-IgE Stimulation, ist das ähnliche Freisetzungsverhalten der bestrahlten MC bezogen auf Histamin und Tryptase gut nachzuvollziehen.

Neben den bereits präformiert in Sekretgranula vorliegenden Mediatoren gehören auch Zytokine zu den Botenstoffen der Mastzelle. Diese in der Spätphase also innerhalb von Stunden freigesetzten Mediatoren umfassen die Interleukine 4, 5, 6 und 8, den Fibroblast growth factor, den Vascular endothelial growth factor und teilweise den Tumornekrosefaktor-α.

Das proinflammatorische Interleukin-6 ist ein Polypeptid mit pleiotropen Funktionen. Es beeinflusst die Immunantwort, greift in den Prozess der Hämatopoese ein, fungiert als Wachstumsfaktor für verschiedene Zelllinien und als Wachstumshemmer einiger Tumorzellen.

Trotz seiner Bedeutung gibt es wenige Arbeiten, die sich mit der Freisetzung von IL-6 aus humanen dermalen Mastzellen befassen. Derzeit veröffentlichte Studien konnten zeigen, dass durch Neuropeptiden stimulierte periphere Blutmonozyten und dermale Fibroblasten mit einer gesteigerten Synthese des Mediators reagierten. Andererseits ließ sich in einer Arbeit feststellen, dass Substance P einen eher inhibitorischen Effekt auf Keratinozyten ausübte, was ihre Produktion von IL-6 betraf[ 113].


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Es zeigt sich also bei den durch Neuropeptide stimulierten Zellen ein uneinheitliches Bild bezüglich der IL-6 Synthese.

Das zu den neutrophil-spezifischen Chemokinen gehörende Interleukin-8 ist vor allem ein hochpotenter Mediator für die neutrophile Chemotaxis und spielt bei der Aktivierung entzündlicher Prozesse eine wichtige Rolle.

In bisherigen Studien ist man sich dahingehend einig, dass einer Stimulation von Mastzellen innerhalb von Stunden eine messbare Sekretion von IL-8 folgt[ 62]. Eine weitere Arbeitsgruppe, die zur Überprüfung der These, ob das Zytokin nicht bereits präformiert in der Mastzellgranula vorliegt, untersuchte den m-RNA Gehalt für Interleukin-8 in unstimulierten Mastzellen. Hier kam man zu dem Resultat, dass die entsprechende m-RNA und somit auch IL-8 kontinuierlich von den humanen dermalen Zellen gebildet wird[ 51].

TNF-α ist ein äußerst pleiotropes Zytokin. So stimuliert es die Immunantwort, moduliert Entzündungsprozesse, aktiviert katabolische Prozesse, führt zu einer Gerinnungsaktivierung und hat eine direkte zytotoxische Wirkung für einige Tumorzellen.

Zurzeit unumstritten ist, dass der Tumornekrosefaktor-α von menschlichen Mastzellen durch Stimulation innerhalb von Stunden vermehrt sezerniert wird[ 114]. Es konnte auch eine Freisetzung von TNF-α innerhalb der ersten dreißig Minuten nach der Stimulation beobachtet werden. Dieses spricht für eine zumindest teilweise Präformierung des Zytokins mit nachfolgender Speicherung in der Mastzellgranula[ 51].

In der vorliegenden Arbeit interessierte inwiefern UV Licht einen Einfluss auf die basale also unstimulierte Freisetzung dieser drei Zytokine hat.

Gaben die unbestrahlten Mastzellen innerhalb von 24 Stunden durchschnittlich 220,7 pg/ml (8-MOP: 219,1 pg/ml) IL-6 an ihre Umgebung ab, so wurde diese Freisetzung nach UVB und PUVA-1 Bestrahlung um 60,8% beziehungsweise um 66,9% inhibiert und nach UVA-1 Bestrahlung gar um 82,3%. Eine ebenso signifikante Inhibierung ergab sich bei den Versuchen zu Interleukin-8. Die von unbestrahlten Mastzellen ausgeschüttete Menge des Mediators (sham: 2953,2 pg/ml und 8-MOP: 3318,3 pg/ml) konnte nach UVB und PUVA-1 Behandlung um 57,9% beziehungsweise um 73,3% reduziert werden und nach UVA-1 sogar um 78,6%.


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Anders verhielt es sich bei den Untersuchungen von TNF-α. Nur durchschnittlich 6-7 pg/ml wurden von den Mastzellen innerhalb von 24 Stunden sezerniert. Eine derart geringe Freisetzung, die auch nach Bestrahlung mit UV Licht nicht signifikant beeinflusst werden konnte.

Wie ist dieses unterschiedliche Verhalten der Mastzelle, bezüglich der Sekretion dieser drei Zytokine zu erklären? Eine Interpretationsmöglichkeit ist, dass wie oben schon erwähnt Interleukin-8 kontinuierlich in der menschlichen Mastzelle gebildet und ebenso kontinuierlich in die Umgebung freigesetzt wird. Eine Freisetzung die ähnlich intensiv auch Interleukin-6 betrifft und dafür spricht, dass die Zytokine nicht oder nur in geringem Umfang in der Sekretgranula der Mastzelle gespeichert werden. Deswegen ist die Inhibierung der Sekretion, wenn auch von unstimulierten Mastzellen gut in Einklang zu bringen mit der verminderten anti-IgE induzierten Mehrsekretion von Histamin und Tryptase nach UV Bestrahlung. Dafür sprechen auch nachfolgende Untersuchungen unserer Arbeitsgruppe. Für die beiden Interleukine konnte bezüglich ihrer innerhalb von 24 Stunden ausgeschütteten Menge demonstriert werden, dass unabhängig vom Aktivierungsgrad dermalen Mastzellen eine Suppression der Freisetzung stattfindet [ 115].

Der Tumornekrosefaktor-α wird wie in der Studie von Gibbs et al. berichtet zwar auch kontinuierlich also ohne besonderen Stimulus von der Zelle produziert, aber dann in der Mastzellgranula gespeichert. Ein wesentlicher Unterschied verglichen mit den Interleukinen-6 und -8 der erklärt, dass TNF-α in nur so geringer Weise von den unstimulierten Mastzellen an die Umgebung abgegeben wird. Denn dieser Zusammenhang deutet auf eine enge Kopplung zwischen TNF-α Ausschüttung und Stimulation der Mastzelle hin.

In weitergehenden Studien unserer Arbeitsgruppe ließ sich zeigen, dass anti-IgE induziert eine signifikant größere Menge des Zytokins freigsetzt wird. Diese beachtliche Mehrsekretion konnte wie auch schon für Histamin und Tryptase nachgewiesen durch UV Licht inhibiert werden[ 115].

CD 107a, CD 107b und CD 63 lassen sich auf Membranen von Lysosomen und lysosomenähnlicher Strukturen nachweisen, was zu der Namensgebung Lysosomen-[Seite 57↓]assoziierter Membran Proteine (LAMPs) geführt hat. Es konnte in Studien bereits dargestellt werden, dass diese Klasse von Molekülen in unterschiedlichen sekretorischen Prozessen involviert ist[ 116, 117]. So werden sie, wenn es zu einer Fusion zwischen Zellorganell- und Oberflächenmembran kommt, deutlich vermehrt auf der Oberfläche exprimiert. Insbesondere bei Basophilen und Eosinophilen Granulozyten[ 118] aber auch bei humanen Mastzellen[ 21] konnte dieses Phänomen bereits nachgewiesen werden.

In der vorliegenden Arbeit konnte gezeigt werden, dass Mastzellen nach anti-IgE Stimulation also nach Fusion der Granula- und Zellmembran die LAMPs eins und drei in einer höheren Dichte auf ihrer Oberfläche präsentieren. Desweiteren konnte nach Bestrahlung mit UVB, PUVA-1 und besonders nach UVA-1 ein Anstieg der basalen Expression verzeichnet werden. Im eigentlichen Mittelpunkt des Interesses ist jedoch der Zusammenhang, dass nach Einwirkung von UV Licht die der Stimulation folgende deutlichere Ausprägung von CD 63 und CD 107a auf der Mastzelloberfläche geringer ausfällt als bei den unbestrahlten Zellen. Die bei anti-IgE Stimulation vermehrt auftretende Fusion von Granula- und Zellmembran wird folglich durch UV Licht inhibiert.

Die Ergebnisse dieser Versuchsreihe können sehr gut in Einklang mit den übrigen Untersuchungen gebracht werden. So kommt es durch UV Licht zu einer erhöhten spontanen Histaminfreisetzung, was sich in der vermehrten basalen Expression der LAMPs wiederspiegelt. Die verminderte Histamin- und Tryptasefreisetzung bei anti-IgE stimulierten und bestrahlten Mastzellen spricht für eine geringere Bereitschaft der Zellen zur Degranulation. Eben dieses Verhalten bestätigt sich bei denen als Marker für die Mastzelldegranulation dienenden LAMPs[ 21], da sie bei gleichfalls behandelten Zellen (stimuliert und bestrahlt) in geringerer Weise auf der Oberfläche exprimiert werden.

Aufgrund der in der vorliegenden Arbeit erzielten Ergebnisse ist der Schluss zulässig, dass sowohl Produktion als auch Freisetzung der Mediatoren menschlicher Mastzellen bis zu einem gewissen Grad gehemmt werden können. Da viele mastzellassoziierten Erkrankungen mit einer verstärkten Produktion und Ausschüttung von Transmittern einhergehen, kann davon ausgegangen werden, dass durch Bestrahlung der Patienten eine positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufes ermöglicht wird. Allerdings sollten [Seite 58↓]nicht die weiteren Auswirkungen einer Bestrahlung außer Acht gelassen werden, denn eine Behandlung isolierter Mastzellen dürfte sich als nahezu unmöglich erweisen. Erst durch das Zusammenspiel aller bestrahlten Zellverbände kann ein Rückschluss hinsichtlich des Krankheitsbildes gezogen werden.


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31.01.2005