5 Zusammenfassung

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Mit der Entwicklung sogenannter schneller Sequenzen wie sie in der MR-angiographischen Technik Anwendung finden, stellte sich die Frage, ob durch Verwendung einer kontrastmittelunterstützten T1-gewichteten Sequenz mit einer Schichtdicke von nur 1,7 mm im Rahmen der MR-angiographischen Technik die Diagnostik eines Ovarialtumors im Hinblick auf Dignität und Artdiagnose im Vergleich zur konventionellen MRT-Technik verbessert werden kann.

51 Patientinnen mit Ovarial-Raumforderungen in der klinischen Untersuchung und der Sonographie wurden in der MRT bei 1,5 Tesla mit der Body-Phased-Array-Spule untersucht. Dabei wurden verschiedene T1- und T2-gewichtete Aufnahmen in coronarer, axialer und transversaler Schichtführung, sogenannte HASTE-, Protonengewichtete- und Flash-Sequenzen nativ sowie mit der angiographischen MR-Technik während der arteriellen und venösen Perfusion aufgenommen. Ausgewertet wurde das Vorhandensein solider Anteile, die Wand- und Septendicke wurde an den dünnen Schichten ermittelt. Daraus wurde der Wert der klassischen Kriterien zur Dignitätseinschätzung von Ovarialtumoren bestimmt. Zusätzlich wurde überprüft, ob die Signalsteigerung nach Kontrastmittelapplikation eines Ovarialtumors mit der Dignität korreliert.

Nach dem Goldstandard (Histologie und Verlaufsbeurteilung) wurden 97 Ovarien mit 15 benignen einfachen Zysten, 19 benignen komplizierten Zysten, fünf Dermoiden, zwei Fibromen, 21 Malignomen, einem luteinisierten Thekom und einem Tuboovarialabszeß untersucht. 33 Ovarien waren unauffällig.

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Bei 43 Patientinnen wurde die Diagnose operativ gesichert. Bei acht Patientinnen mit benignen Befunden erfolgte eine engmaschige klinische Kontrolle mit mindestens einjähriger Nachbeobachtungszeit.

Die statistische Auswertung zeigte, daß als einzelnes Kriterium das Vorhandensein solider Anteile in einem zystischen Prozeß am aussagekräftigsten für einen malignen Ovarialtumor ist (Treffsicherheit 86%, Sensitivität 75%, Spezifität 91%). Die Kriterien verdickte Wände (78%, 67%, 83%) sowie verdickte Septen (69%, 56%, 86%) erreichen einzeln überprüft nicht dessen Wert. Die beiden letztgenannten Kriterien in Kombination kommen jedoch an den Wert der soliden Anteile heran (86%, 72%, 89%). Das weitere Heranziehen des Kriteriums Aszites steigert die Treffsicherheit auf 87%. Die zusätzliche Verwendung des Kriteriums Lymphknotenvergrößerung zu den drei letztgenannten Kriterien steigert die Treffsicherheit auf 90%. In der Auswertung der MR-angiographischen Technik mit hochaufgelöster Darstellung eines arteriellen und venösen Enhancements erreichte das Kriterium der Signalsteigerung in der arteriellen Phase eine Treffsicherheit von 85%, eine Sensitivität von 43% und eine Spezifität von 96% und das Kriterium Signalsteigerung in der venösen Phase eine Treffsicherheit von 84%, eine Sensitivität von 91% und eine Spezifität von 82%. Damit stehen durch die MR-angiographische Technik Kriterien zur Verfügung, die die konventionellen Kriterien in der Spezifität übertreffen. Durch die gute Darstellung auch kleiner solider Anteile in zystischen Ovarial-Raumforderungen kann sie speziell in diesen Fällen die Dignitätsbeurteilung im Vergleich zur konventionellen Bildgebung verbessern.

Die prospektive artdiagnostische Beurteilung zeigte sich lediglich im Falle der Fibrome (zwei von drei) und der Dermoide (drei von fünf) als möglich, wobei hier das Vorhandensein der soliden Anteile in einem sonst zystischen Tumor die Fehldiagnose verursachte. Endometriosezysten können durch Verwendung der fettgesättigten Sequenzen von Dermoiden sicher unterschieden und durch Verwendung aller Kriterien als benigne diagnostiziert werden.

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So erreichte die MRT prospektiv durch die histologische Sicherung einen Kappa-Index von 0,75 (sehr gut).


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15.09.2006