Nützel, Gerda Ursula: Die Kontextualität der Theologinnenarbeit - dargestellt am Beispiel der Entwicklung in den lutherischen Kirchen Bayerns, Mecklenburgs und Brasiliens

TEIL B: Die Theologinnenarbeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKiB)

Kapitel 1. Vorbemerkungen

Durch die Teilnahme am ersten kirchlichen Examen entstand Anfang der 20er Jahre eine erste offizielle Verbindung zwischen Theologinnen und der ELKiB. Um den gesellschaftlichen und kirchlichen Kontext zu der folgenden Entwicklung der Theologinnenarbeit in der ELKiB bis zum Jahre 1990 ins richtige Verhältnis zu setzen, gibt das zweite Kapitel einen Überblick über die sozioökonomische Situation von Frauen in Deutschland bzw. in der Bundesrepublik Deutschland sowie über die kirchliche Situation in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Das dritte Kapitel stellt die einzelnen Phasen der Theologinnengeschichte dar entsprechend der Schritte der Rechtsentwicklung. Die erste Phase reicht bis zur Verabschiedung des Vikarinnengesetzes 1944. In dieser Zeit arbeiteten die Theologinnen in individuell organisierten Arbeitsfeldern. Sie gründeten den bayerischen Theologinnenkonvent. Sowohl die Theologinnen als auch die Kirchenleitung stellten die ersten Überlegungen zu einer Konzeption der Theologinnenarbeit an. In der zweiten Phase, in der Nachkriegszeit bis 1970, waren die Überlegungen der Theologinnen und des Landesbischofs von der Frage bestimmt, ob und wie ein geschlechtsspezifisches Amt sui generis für die Theologinnen entwickelt werden sollte und könnte. Verbesserungen der Arbeitsbedingungen der Theologinnen und insbesondere auch die Übertragung der Sakramentsverwaltung wurden diskutiert. Die dritte Phase von 1970 bis 1975 war von der Entscheidung der Theologinnen und vieler SynodalInnen für die Einführung der Frauenordination gekennzeichnet - im Dissens zum bayerischen Landesbischof Dietzfelbinger, der seine Amtszeit daraufhin vorzeitig beendete. In der vierten Phase von 1975 bis 1990 standen die Bemühungen um eine Erweiterung der bisherigen Amtsformen für Frauen und Männer mit Hilfe des Erprobungsgesetzes sowie die erneute Diskussion über geschlechtsspezifische Regelungen im Falle des Erziehungsurlaubs und des Vetoparagraphen im Mittelpunkt.

Die Ergebnisse aus den Interviews mit 20 bayerischen Theologinnen, die deren subjektive Reflexion ihrer Berufsgeschichte, des Geschlechterverhältnisses und ihres Amts- und Ökumeneverständnisses zeigen, stellt das vierte Kapitel dar.

Eine Zusammenfassung und Auswertung folgt im fünften Kapitel, das die Bezüge zwischen der Entwicklung der Theologinnenarbeit und der subjektiven Reflexion der Theologinnen sowie dem sozioökonomischen Kontext von Frauen und dem kirchlich-institutionellen Kontext herstellt.

Die Quellenbasis für die Darstellung des Kontextes und der Entwicklung der Theologinnenarbeit in Bayern ist ausgesprochen gut. Für die Darstellung des Kontextes habe ich entsprechende Monographien und Aufsätze herangezogen, insbesondere für die Darstellung der letzten Phase der Entwicklung in der ELKiB auch Landessynodenprotokolle. Die Darstellung der historischen Entwicklung der Theologinnenarbeit in der ELKIB beruht zum einen auf den Akten des bayerischen Theologinnenkonvents (ABTK), die mit Dokumenten aus den Sammlungen einzelner bayerischer Theologinnen und dem Archiv des Frauenforschungsprojektes für die Geschichte der Theologinnen in Deutschland, Göttingen-Bovenden, ergänzt wurden. Die Akten des bayerischen Theologinnenkonvents sind im landeskirchlichen Archiv der ELKiB in Nürnberg anzutreffen, wie auch die zweite wichtige unveröffentlichte Quelle, die Akten des bayerischen Landeskirchenrates zur Theologinnenarbeit sowie die Dokumente einzelner kirchlicher Organisationen, wie z.B. des Arbeitskreises Evangelische Erneuerung (AEE). Eine weitere wichtige Quelle stellen die Protokolle der bayerischen Landessynode dar. Außerdem existieren Zeitschriftenartikel und Dokumente von Einzelpersonen, die im Quellen- und Literaturverzeichnis sowie am konkreten Ort angegeben sind. Grundlage für die Darstellung der subjektiven Reflexionen der bayerischen Theologinnen sind die Interviews, deren Entstehung die Vorbemerkungen zum vierten Kapitel beschreiben.


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Wed Jul 5 17:32:57 2000