Nützel, Gerda Ursula: Die Kontextualität der Theologinnenarbeit - dargestellt am Beispiel der Entwicklung in den lutherischen Kirchen Bayerns, Mecklenburgs und Brasiliens

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TEIL B: Die Theologinnenarbeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKiB)

Kapitel 3. Die geschichtliche Entwicklung der Theologinnenarbeit in der ELKiB

3.1. Von der ersten Teilnahme an kirchlichen Prüfungen bis zum Vikarinnengesetz 1944

3.1.1. Die ersten Teilnehmerinnen an kirchlichen Prüfungen und ihre Berufsperspektiven zur Zeit der Weimarer Republik

Größeres Aufsehen als die Teilnahme von je einer Theologin am ersten Theologischen Examen der bayerischen Landeskirche in den Jahren 1923<334> und 1924 erregte die Meldung von vier Theologinnen zur kirchlichen Prüfung 1929. Die Verunsicherungen und Befürchtungen, die dadurch bei der bayerischen Kirchenleitung ausgelöst wurden, beschreibt das Gedicht “Theologische Aufnahmeprüfung 1929“ des Prüfers Loy.<335>.

Nach diesem Quartett kam 1930 eine weitere bayerische Theologin nach Ansbach, um mit einer im Jahre 1929 durchgefallenen Theologin das erste Theologische Examen abzulegen.<336> Im Jahre 1932 nahmen zwei Theologinnen, die 1929 bzw 1930 erste Theologische Examen gemacht hatten, am zweiten Theologischen Examen teil. Eine andere bayerische Theologin zog es vor, in diesem Jahr ihr Theologiestudium mit dem Fakultätsexamen in Erlangen abzuschließen.<337>

Auf die Anfragen nach Berufsperspektiven für theologisch gebildete Frauen, wie sie Pfarrer, Religionslehrer und Väter im Blick auf ihre theologisch interessierten Konfirmandinnen, Schülerinnen und Töchter an das Landeskirchenamt ab dem Jahre 1927 mit dem Hinweis auf die Anstellung von theologisch gebildeten Pfarrgehilfinnen in anderen Landeskirchen richteten, antwortete der bayerische Landeskirchenrat durchweg ablehnend.<338> Als einzige Möglichkeit, für die er aber nur einen geringen Bedarf sah, galt die Verwendung als hauptamtliche Religionslehrerin an höheren weiblichen Lehranstalten. Entsprechend gab das kirchliche Amtsblatt im Juli 1929 bekannt: “Evang. Töchter, die ihrer Kirche dienen wollen, werden in erster Linie auf den Diakonissenberuf aufmerksam gemacht.“<339> Auch Antworten auf die Anfragen anderer deutscher Landeskirchen, z.B. 1930 der thüringischen Landeskirche,


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nach Zugeständnissen an die Theologinnen hinsichtlich der Sakramentsverwaltung, zeigten die äußerst restriktive Haltung der bayerischen Kirchenleitung.<340> Die Aufnahme examinierter Theologinnen auf die Kandidatenliste lehnte sie 1931 mit dem Hinweis auf fehlende Anstellungsmöglichkeiten ab.<341>

So waren die ersten bayerischen Theologinnen darauf angewiesen, sich selbst Erwerbsarbeitsmöglichkeiten zu erschließen. Die 1923 als erste bayerische Theologin examinierte Hilde von Liederscron erteilte Religionsunterricht an einer Höheren Mädchenschule. Dafür stellte die Stadt München sie an.<342> Die 1924 examinierte Erna Ullmann erteilte ab 1926 als Hilfskatechetin Religionsunterricht an einer Volksschule.<343> Insgesamt arbeiteten von den bis 1933 examinierten Theologinnen zwei im Schuldienst (je eine an einer Höheren Mädchenschule und an einer Volksschule) und zwei im Archivbereich.<344>

Eine der 1929 examinierten Theologinnen, Gertrud Dorn, ging von Mai 1929 bis April 1930 nach Eisenach, um in der Thüringischen Kirche als Pfarrgehilfin zu arbeiten, was sie als “sehr schön und befriedigend“<345> bewertete. Nach dem Zeugnis für ihre Pfarrgehilfinnentätigkeit bestand diese aus der Mitarbeit in Kindergottesdienst, Seelsorge an kranken Frauen, der Leitung eines Jungmädchenvereins und der Protokollführung bei Sitzungen kirchlicher Körperschaften.<346> In ihrem Bewerbungsschreiben an die bayerische Kirchenleitung fügte Gertrud Dorn noch ergänzend hinzu, daß sie auch Konfirmandenunterricht, Bibelstunden und Andachten gehalten habe. Die Korrespondenz anläßlich ihrer Rückkehr aus familiären Gründen nach Bayern hinsichtlich einer Anstellung als Religionslehrerin in Coburg zeigt die Langwierigkeit der Abklärung der Zuständigkeiten zwischen bayerischer Kirchenleitung und dem Unterrichtsministerium selbst für eine “aushilfsweise Verwendung im Religionsunterricht“. Unklar war insbesondere die Frage der Berufseingruppierung.<347>


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3.1.2. Der Zusammenschluß zum bayerischen Theologinnenverband 1935-1938

Nachdem in den Jahren 1933 bis 1935 acht weitere bayerische Theologinnen das erste Theologische Examen in Ansbach abgelegt hatten, lud die frisch examinierte Theologin Liesel Bruckner zu einem ersten bayerischen Theologinnentreffen im September 1935 nach Nürnberg ein.<348> Auf der Tagesordnung stand zum einen die Frage, an welche kirchliche Vereinigung sich die Theologinnen anschließen sollten, an die Bekennende Kirche, an das Burckhardthaus oder an ein Diakonissenmutterhaus, wie es der bayerische Landesbischof Meiser wünschte. Die Theologinnen entschieden, zunächst den Kontakt untereinander zu stärken.<349> Ein zweiter wichtiger Punkt war der gegenseitige Bericht über die jeweiligen Tätigkeiten als Religionslehrerin, Jugendpflegerin und Pfarramtsgehilfin. Neue Arbeitsmöglichkeiten zeigten den Theologinnen die Vorträge des bayerischen Landesjugendpfarrers Riedel und der Leiterin des bayerischen Mütterdienstes, Dr. Nopitsch, in ihren neugegründeten Dienststellen auf landeskirchlicher Ebene. Die in einem Bericht festgehaltenen Reaktionen auf diese Vorträge machen deutlich, daß solche übergemeindlichen Tätigkeiten den Berufsvorstellungen mancher bayerischer Theologinnen entsprachen. Andere empfanden sie jedoch als Notlösung.<350>

Der bayerische Landeskirchenrat reagierte auf das erste bayerische Theologinnentreffen damit, daß er Ende November 1935 beschloß, keine Theologinnen mehr zu kirchlichen Prüfungen zuzulassen. Bereits studierende Frauen wollte er nur noch prüfen, “wenn sie mit ihrer Meldung zur Prüfung die schriftliche Erklärung abgeben, daß sie sich bewußt sind, durch die erfolgreich abgelegte Prüfung einen Anspruch auf Anstellung nicht zu erwerben.“<351> Bischof Meiser begründete dies Verbot auf eine Anfrage von Präses Jacobi aus der Bekennenden Kirche Berlin damit, daß es “grundsätzliche, vom Evangelium herkommende Einwände“ gebe.<352> Die Anstellungsmöglichkeiten als Religionslehrerinnen an staatlichen Schulen seien sehr begrenzt und jeder falschen Hoffnung auf eine kirchliche Anstellung sollte frühzeitig Einhalt geboten werden. Dies liege auch im Interesse der Theologinnen selbst, aus deren Kreis die Anregung für den Beschluß gekommen wäre. Aufgrund der Aktenlage und der Gespräche mit Zeitzeuginnen wird allerdings nicht klar, welche “Kreise von Theologinnen“ den Wunsch nach Ausschluß von den kirchlichen Prüfungen geäußert haben - oder ob nicht vielmehr das starke Ansteigen der Anzahl männlicher Kandidaten in der bayerischen Kirche<353> bzw. die Anpassung an entsprechende rechtliche Einschränkungen des Frauenstudiums und der qualifizierten Frauenerwerbsarbeit durch die staatliche Gesetzgebung den Ausschlag gaben.<354> Solche Gründe gibt z.B. die Begründung der etwa gleichzeitig


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ergehenden Rücknahme des 1927 in der Hamburger Kirche beschlossenen Vikarinnengesetzes an.<355>

Zum zweiten bayerischen Theologinnentreffen im Juni 1938 kamen zehn bayerische Theologinnen zusammen, die fast alle in Nürnberg und Umgebung beschäftigt waren. Sie trafen einige Entscheidungen hinsichtlich der Organisationsstruktur des Theologinnenverbands und wählten Liesel Bruckner als Vorsitzende. Als Teilnehmerinnen ließen sie auch Studentinnen und verheiratete Theologinnen sowie eine österreichische Theologin im Gaststatus zu. Hinsichtlich der Beziehung zum “Verband evangelischer Theologinnen Deutschlands“ beschlossen sie, sich als Landesgruppe des Gesamtverbands zu verstehen. Sie wollten den Hauptakzent jedoch auf die Arbeit in der Landesgruppe legen. Daß der Austausch mit den Theologinnen aus anderen Landeskirchen durchaus Anregungen für die Entwicklung in Bayern geben konnte, hatte sich für die bayerischen Theologinnen bereits bei ihrer Teilnahme an einem süddeutschen Theologinnentreffen gezeigt. Dort erfuhren sie, daß auch in der intakten Nachbarkirche Württemberg wesentlich vielfältigere Arbeitsmöglichkeiten und gesichertere Arbeitsbedingungen für Theologinnen bestanden. Die bayerischen Theologinnen beschlossen 1938, eine Verbesserung ihrer kirchlichen Arbeitsmöglichkeiten anzustreben, insbesondere hinsichtlich der Gehaltsfrage, der praktischen Fortbildung nach dem ersten Theologischen Examen und der Teilnahme an Pfarrkonferenzen. Auf die Anfrage des Landeskirchenamtes, warum sie nicht den Diakonissenberuf ergreifen wollten, hoben sie hervor, daß es ihnen um das Amt der Wortverkündigung als Ergänzung zum Amt des Pfarrers gehe. Sie wollten dafür eine entsprechende Ausbildung und Einsegnung ähnlich der für Missionare bekommen, um sich von der Gemeinde getragen zu wissen.<356>

3.1.3. Die Erstellung der Denkschrift “Das Amt der Theologin“ 1938

Bei dem nächsten Theologinnentreffen im November 1938 griffen die bayerischen Theologinnen den Ratschlag von Lic. Trillhaas auf, eine Denkschrift über die Vorstellungen des Theologinnenverbands hinsichtlich der Gestaltung des kirchlichen Theologinnenamtes zu verfassen und an den Landeskirchenrat zu schicken, um mit diesem in ein Gespräch einzutreten. Mehrere Theologinnen verfaßten dazu schriftliche Stellungnahmen.<357> Liesel Bruckner erarbeitete daraus mit Ilse Hartmann die Denkschrift “Das Amt der Theologin“. Der Theologinnenverband schickte sie Ende Dezember 1938 mit einem Begleitbrief an den bayerischen Evangelisch- Lutherischen Landeskirchenrat, verbunden mit der Bitte, den für die Theologinnenarbeit zuständigen Referenten im Landeskirchenamt zu benennen.<358>

In einem Vorspann formulierten sie, daß eine Analyse des aktuellen Standes kirchlicher Arbeit den Ausgangspunkt für die Gestaltung des Theologinnenamtes darstellte. Die sich daraus ergebenden Perspektiven sollten einer theologischen Prüfung unter Einbeziehung der Heiligen Schrift und der Bekenntnisschriften unterzogen werden. Männer- oder frauenrechtlerische Gesichtspunkte, sei es im Sinne der Anpassung an die gesellschaftliche Entwicklung der Frauenerwerbsarbeit oder sei es im Sinne des Beharrens auf hergebrachten Traditionen, dürften dagegen nicht ausschlaggebend sein.

Hinsichtlich des aktuellen Standes der kirchlichen Arbeit stellten sie fest, daß sich eine ständische Aufgliederung der kirchlichen Arbeit nach Alter und Geschlecht entwickelt habe, sowohl auf gemeindlicher als auch auf landeskirchlicher Ebene. Um die dadurch gestiegene Arbeit zu bewältigen, seien außer männlichen Theologen und Laien auch theologisch gebildete Frauen nötig. Dies entspreche auch den bisherigen Erfahrungen der Theologinnen in ihrer Arbeit. Als mögliche Arbeitsgebiete für Theologinnen mit einer kirchlich geregelten Anstellung sahen die Theologinnen alle Formen der Lehre, Wortverkündigung und Seelsorge insbesondere gegenüber Frauen und weiblichen Jugendlichen an sowie die Ausbildung von Laien für diese Aufgabe. Sie grenzten ihren Arbeitsbereich vom Pfarramt, das sie als Tätigkeitsfeld männlicher Theologen betrachteten, dadurch ab, daß sie betonten, die Verkündigung vor der Gesamtgemeinde und die Gemeindeleitung entsprächen nicht dem Wesen der Frau. Zur Abgrenzung gegenüber anderen kirchlichen MitarbeiterInnen, die für einen spezifischen Beruf ausgebildet waren, verwiesen die Theologinnen auf ihre wissenschaftliche Ausbildung, die ihnen vielseitigere Anwendungsmöglichkeiten in jedem Bereich der Wortverkündigung erlaube. So sollte auch


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die wissenschaftliche Ausbildung mit den landeskirchlichen Examina als Abschlußprüfungen gemeinsam mit den männlichen Kollegen erhalten bleiben und sich eine praktische und wissenschaftliche Ausbildung für die Theologinnen an das erste Examen anschließen. Die kirchliche Anerkennung ihrer Arbeit sollte eine Einsegnung im Gemeindegottesdienst, die kirchliche Beauftragung zur Wahrnehmung ihres Amtes und eine entsprechende Amtsbezeichnung, z.B. Vikarin, deutlich machen.

In der theologischen Begründung einer solchen Gestaltung des Theologinnenamtes hielten sie zunächst fest: “Aus Gründen der Heiligen Schrift läßt sich das Amt der Theologin weder fordern noch verwehren. Ihr Dienst ist wie alle Wortverkündigung in dem Missionsbefehl des Herrn Christus begründet. Die Stellen, die von der Stellung der Frau und der Wortverkündigung durch sie reden, haben allerdings etwas zur Umgrenzung des Amtes der Theologin zu sagen.“ Unter Hinweis auf 1.Kor 14,34ff. und 1.Tim 2,9ff. konkretisierten sie diese “Eingrenzung“ dahingehend, daß das Sprechen der Frau vor der Gesamtgemeinde aufgrund der von Gott gesetzten bleibenden Ordnung verboten sei, um Unordnung in der Gemeindeversammlung zu vermeiden. Die Basis für die Ordnung des Geschlechterverhältnisses sei in Gen 2,18 zu sehen, wo der Frau das Herrschen über den Mann verboten wird. Das gelte auch für die berufstätigen Frauen der Gegenwart und insofern für die Theologinnen. Eine Anmerkung wies dann allerdings darauf hin, daß sich in der Bibel auch in die Verkündigung gerufene Frauen finden, wie z.B. Prophetinnen im Alten und Neuen Testament sowie betende und weissagende Frauen und Lehrerinnen. Was die Bekenntnisschriften anbelange, sei in ihnen - entsprechend dem Schriftzeugnis - keine Stellungnahme für oder gegen das Theologinnenamt anzutreffen.

Ein Vergleich zwischen der Endfassung der Denkschrift und vorausgegangenen Stellungnahmen einzelner Theologinnen zeigt, daß Übereinstimmung bestand, daß der Theologin als Frau nicht die Gemeindeleitung und damit auch nicht das volle Pfarramt zustand. Spezielle Akzente legten einzelne Stellungnahmen, die z.B. betonten, daß es sich beim Theologinnenamt um eine der vielfältigen Formen des geistlichen Amts handele. Andere hoben dagegen hervor, daß es ein Amt eigener frauenspezifischer Art sei.<359> In einer Stellungnahme erfolgte eine ausführliche exegetische Auseinandersetzung mit den Mitteln der historisch-kritischen Methode, während eine andere Theologin eine detaillierte Abgrenzung des Theologinnenberufs von den anderen kirchlichen Frauenberufen wie Diakonisse, Bibelschwester, Katechetin, Gemeindehelferin, Sekretärin vornahm.<360> Eine betonte, daß die Theologinnen sich insbesondere auch zur Wortverkündigung im Gemeindebereich, zur Ausbildung von Laienkräften und zur weltanschaulichen Auseinandersetzung Fähigkeiten erworben hätten.<361> Auffällig ist, daß die Frage der Sakramentsverwaltung durch Theologinnen, die beim Treffen im Juni 1938 durch den Hinweis auf eine entsprechende Äußerung von Trillhaas und die Erwähnung ihres Fehlens in der Praxis von Theologinnen angesprochen worden war, in keiner Stellungnahme und auch nicht in der Denkschrift auftaucht.<362> Manche Stellungnahmen wiesen wesentlich deutlicher darauf hin, daß es notwendig wäre, endlich auch in Bayern eine kirchliche Ordnung für die faktisch schon existierende Arbeit der Theologinnen zu schaffen, statt jede ihrem individuellen Schicksal zu überlassen.

3.1.4. Die Reaktion der bayerischen Kirchenleitung und deren Überlegungen für ein bayerisches
Vikarinnengesetz

Als Reaktion auf ihre Denkschrift “Das Amt der Theologin“, die durch die Veröffentlichung im Korrespondenzblatt des bayerischen Pfarrervereins eine größere Bekanntheit erreichte<363>, erhielten die bayerischen Theologinnen im März 1939 einen Brief von Landesbischof Meiser, in dem dieser feststellte: “Wir haben jedoch erhebliche theologische und allgemein kirchliche Bedenken, in unserer


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Landeskirche ein Amt der Theologinnen zu schaffen.“<364> Es sollte aber weiterhin für einzelne Theologinnen möglich sein, in Kirchengemeinden oder auch als Katechetin zu arbeiten. Immerhin sollten die Theologinnen wieder zu den theologischen Prüfungen der Landeskirche ohne Einschränkungen zugelassen werden.<365> Als Ansprechpartner im Landeskirchenamt wurde der Referent für nichtständige Geistliche, OKR Hanemann, benannt. Zunächst scheiterten jedoch alle Versuche des Theologinnenverbands, mit ihm ins Gespräch zu kommen, so daß erst im Januar 1943 ein erstes Treffen zwischen ihm und zwei Vertreterinnen des bayerischen Theologinnenverbands zustande gekommen zu sein scheint.<366>

Erste Überlegungen von Landesbischof Meiser für eine kirchliche Ordnung der Theologinnenarbeit finden sich in einem Brief an den Kreisdekan von München Ende 1940.<367> Meiser stellte sich damals als Dienstaufgaben der Theologinnen Wortverkündigung, Seelsorge, Kirchenmusik sowie die Mitarbeit an den Verwaltungsgeschäften des Pfarramts vor. Predigt und Sakramentsverwaltung sollten hingegen ausgeschlossen sein. Als Zielgruppe sah er Frauen und Kinder vor. Das Anstellungsverhältnis der Theologinnnen sollte ein vorläufiges sein, dem eines Vikars vergleichbar. Entsprechend sollte auch ihr Titel “Vikarin“ lauten. Eventuell sollten sie kein volles zweites Theologisches Examen ablegen.

Weitere bayerische Spezifika bei der Regelung der Theologinnenarbeit deuteten sich bei der Geistlichen Sitzung des bayerischen Landeskirchenrates am 10.6.1943 an.<368> Zum einen sollte - offensichtlich auf Anregung von Maria Weigle und Frau Dr. Nopitsch vom bayerischen Mütterdienst - ein einjähriges Praktikum der Aufnahme in die Anwärterinnenliste im Bereich des Mütterdienstes, der Jugendarbeit, eines Pfarramtes oder einer Anstalt der Inneren Mission vorausgehen. Zum anderen sollten die Theologinnen zusätzliche Vorkenntnisse in Gestalt von Maschineschreiben, Stenographie und eine kirchenmusikalische Ausbildung vorweisen. Im Anschluß an diese Landeskirchenratssitzung gingen schriftliche Anfragen an die anderen intakten Kirchen Württemberg und Hannover sowie die lutherischen Kirchen Westfalens und Hamburgs, welche kirchenrechtlichen Regelungen dort bestanden.<369>

Der bayerische Theologinnenverband erhielt am 9.4.1944 eine Anfrage von OKR Hanemann bezüglich seiner Vorstellungen für das Vorpraktikum. Als dessen Zweck wurde dort angegeben: “Das Vorpraktikum soll die Möglichkeit geben, ungeeignete Bewerberinnen noch vor Aufnahme des Studiums auszuschalten und die übrigen an ihre künftige praktische Tätigkeit und an wissenschaftliche Arbeit heranzuführen.“<370>

Liesel Bruckner stellte im Mai 1944 in einem Antwortschreiben an OKR Hanemann einige Überlegungen der Theologinnen zum Vorpraktikum dar, die insgesamt darauf hinausliefen, stärker den Aspekt der Einführung in das wissenschaftliche Studium hervorzuheben und die praktische Arbeit mit der “blauen Schürze“ der Diakonissen in Form von Ferieneinsätzen abzuleisten.<371>

Im Mai 1944 wurde der Gesetzentwurf schließlich in den Landessynodalausschuß eingebracht, der zu diesem Zeitpunkt wieder seine Zustimmung zu den Gesetzesvorlagen zu erteilen hatte.<372> Der Neuendettelsauer Rektor Lauerer kommentierte ihn in einem Gutachten kritisch und empfahl trotzdem seine Annahme. Nach Meinung Lauerers stand nicht zur Diskussion, ob Frauen überhaupt in der Kirche Dienst tun sollten oder ob Frauen überhaupt zur geistlichen Rede begabt seien, sondern die Frage laute, wie die Gleichrangigkeit und die Verschiedenartigkeit der Frau gegenüber dem Mann zum Ausdruck gebracht werden könne. Er empfand die Bestimmung der Theologinnenarbeit als “Hilfsdienst“ oder “Mitarbeit im Pfarramt“ als problematisch, da dies immer “Unterstufe, Unselbständigkeit, Zweitrangigkeit“


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bedeute. Die Gesetzesvorlage solle aber angenommen werden, um überhaupt eine gesetzliche Regelung zu haben. Jedoch sei die Notwendigkeit von Änderungen bereits absehbar, da zum Beispiel Sakramentsverwaltung in bestimmten Fällen erforderlich sei.<373>

Nach der Annahme der Gesetzesvorlage durch den LSA wurde diese sowohl der DEK-Kirchenleitung nach Berlin zur Beurteilung geschickt als auch erstmals den bayerischen Theologinnen zur Besprechung bei ihrem Treffen Ende 1944 zugänglich gemacht. Diese äußerten eine Reihe von Anfragen zur Gesetzesvorlage, z. B. hinsichtlich ihres Aufgabenbereiches: Was bedeutete “Mitwirkung bei der Erledigung pfarramtlicher Geschäfte“? Gab es nicht Notfälle, in denen Sakramentsverwaltung erforderlich war? Außerdem lehnten sie die ihnen zusätzlich auferlegten Voraussetzungen in Form von Sekretärinnen- und Katechetinnenfähigkeiten sowie ein unklares Vorpraktikum an Stelle einer geregelten Ausbildung zwischen erstem und zweitem Examen ab. Außerdem blieb für sie in dem Gesetzentwurf weiterhin die Frage einer zweckmäßigen Amtstracht und ihre Teilnahme an den Informations- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Pfarrer ungeklärt.<374>

Unabhängig von den bayerischen Theologinnen kritisierte die DEK-Kirchenleitung, der in dieser Phase die bayerische Kirchenleitung eine gewisse rechtliche Autorität einräumte<375>, etwa die gleichen Punkte des bayerischen Gesetzentwurfes. Sie hielt die Streichung der geschlechtsspezifischen Anforderungen in Form von Stenographie- und Schreibmaschinenkenntnissen für erforderlich, um das Amt der Vikarin von dem Berufsbild der Gemeindehelferin abzugrenzen. Statt dessen sollte, wie von der DEK bereits 1942 vorgeschlagen<376> und durch den Hinweis auf entsprechende Regelungen in anderen Landeskirchen unterstrichen, den Theologinnen unter besonderen Umständen auch die Wortverkündigung im Gemeindegottesdienst, Sakramentsverwaltung und die Durchführung von Amtshandlungen gestattet werden.<377> Doch all diese Änderungsvorschläge wurden von der bayerischen Kirchenleitung zurückgewiesen. Am 9. Oktober 1944 erließ sie das “Kirchengesetz über das Dienstverhältnis der Vikarinnen (Vikarinnengesetz)“<378>, quasi unverändert gegenüber der Entwurfsfassung und deutlich geprägt von den Vorstellungen Bischof Meisers.

3.1.5. Das bayerische Vikarinnengesetz von 1944

Das Verhältnis zwischen Vikarinnenamt und Pfarramt bestimmt der erste Paragraph folgendermaßen: “Zur Mitarbeit im geistlichen Amt können Frauen berufsmäßig im Dienst der Landeskirche angestellt werden.“ Hinsichtlich der Dienstaufgaben (§2) lehnten sich die bayerischen Bestimmungen ziemlich eng an die vorangegangenen Regelungen in der intakten Lutherischen Schwesterkirche Hannover<379> an: Wortverkündigung im Kindergottesdienst, in Bibelstunden und Andachten vor Frauen und Mädchen; im Religionsunterricht und in der kirchlichen Unterweisung, vor allem an der weiblichen Jugend; in der Seelsorge an Frauen, Müttern und der weiblichen Jugend. Dazu kam noch die Wahrnehmung


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besonderer kirchlicher Aufgaben und als bayerische Spezialität die “Mitwirkung bei der Erledigung pfarramtlicher Geschäfte“. An welche Art von Mitwirkung gedacht war, ließ sich aus den in den Paragraphen 3 und 4 genannten Anstellungsvoraussetzungen erschließen, die die bayerischen Theologinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen und auch den Theologinnen anderer Landeskirchen zusätzlich zu erbringen hatten. Neben einem halbjährigen Vorpraktikum hatten sie eine “besondere pädagogische und katechetische Vorbildung (...), ausreichende Fertigkeit in Stenographie und Maschineschreiben sowie in der Regel entsprechende musikalische Kenntnisse“ vorzuweisen. Nach dem ersten Examen war “eine nach näherer Anordnung des Landeskirchenrates bestimmte praktische Dienstzeit“ mit einer jeweils vom LKR festzulegenden Vergütung vorgesehen.

Ausdrücklich untersagt wurden den Theologinnen in der bayerischen Landeskirche folgende Bereiche des geistlichen Amtes: Wortverkündigung im Gemeindegottesdienst (Liturgie und Predigt); Verwaltung der Sakramente; Amtshandlungen, die herkömmlich den Geistlichen übertragen sind.<380>

Als Dienstgeber der Theologinnen war in Paragraph 7 der Landeskirchenrat vorgesehen, der die Theologinnen zur Dienstleistung an Pfarrämter oder Dekanatsbezirke zuweisen oder zum landeskirchlichen Dienst bestimmen konnte bzw. für die Dienstleistung bei kirchlichen Vereinen, Verbänden und Anstalten beurlauben konnte. Ein gewisser Schritt zur Selbständigkeit der einzelnen Theologin in ihrer Arbeit wurde dadurch möglich, daß eine Dienstanweisung die jeweiligen Arbeitsgebiete aufführen sollte und Paragraph 10 ihre Teilnahme mit beratender Stimme als Vikarin und mit beschließender Stimme als Pfarrvikarin im Kirchenvorstand und bei Bezirkssynoden festlegte.

Insgesamt blieb die dienstrechtliche Anstellungsform in dem Widerspruch stecken zwischen einer arbeitsrechtlichen Einordnung im Sinne eines Angestelltenverhältnisses und dienstrechtlichen Pflichten, die weitgehend denen von Inhabern des geistlichen Amtes entsprachen. So legte das bayerische Vikarinnengesetz einerseits fest, daß die Theologinnen unter die gleichen Bestimmungen wie Pfarramtsinhaber fielen, was Lebensordnung, Residenzpflicht, Fortbildung, Beurteilung und Konsequenzen aus Pflichtverletzungen anbelangte. Andererseits räumte es ihnen nicht die solchen beamtenähnlichen Pflichten entsprechenden Rechte ein, wie zum Beispiel die Zusicherung lebenslänglicher Verwendung und Versorgung oder eine ihrer Ausbildung entsprechende Besoldung. Was letztere anbelangte, sollten die bayerischen Theologinnen in den ersten sieben Dienstjahren nach dem zweiten Examen wie Hilfsgeistliche behandelt werden und die auf einer ständigen Stelle befindlichen Theologinnen sollten nur 80% der Besoldung eines Pfarrers auf ungehobener Pfarrstelle sowie freie Wohnung bzw. Wohngeldzuschuß erhalten. Dies galt als angemessen für die in Paragraph 23 auf unverheiratete Frauen beschränkte Theologinnenarbeit. Dem Verlangen der Theologinnen nach einer kirchlichen Anerkennung ihrer Arbeit vor der Gemeinde trug das Vikarinnengesetz dadurch Rechnung, daß sie nach der Aufnahme in die Liste der Vikarinnen den Titel “Vikarin“ erhalten (§ 5) und “nach einer angemessenen Bewährungsfrist“ (§ 6) durch den Kreisdekan eingesegnet werden sollten. Nach dem Bestehen der Anstellungsprüfung sollten sie den Titel “Pfarrvikarin“ führen (§ 9) und beim Antritt einer ständigen Stelle sollte sie der zuständige Dekan in ihr Amt einführen (§ 8). Sowohl für die Einsegnung als auch für die Einführung wurden dem Gesetz liturgische Ordnungen beigelegt.<381> Mit dem seelsorgerlichen Dienst an den Theologinnen sollte der Landeskirchenrat zur Unterstützung der zuständigen Aufsichtsorgane der Landeskirche eine Pfarrvikarin betrauen, die auch das Vertrauen der Pfarrvikarinnen der Landeskirche besitzen sollte (§ 16).

3.1.6. Die Praxis der bayerischen Theologinnen bis 1945

Die Gesamtzahl der im Jahre 1944 in Bayern tätigen Theologinnen betrug 18. Laut einer von Liesel


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Bruckner für den bayerischen Landeskirchenrat erstellten Liste der bayerischen Theologinnen, die den Stand vom 1. Juli 1944 wiedergibt, erteilten fünf davon als Katechetinnen und eine Theologin als Studienprofessorin Religionsunterricht. Zwei Theologinnen waren als Dekanatsjugendleiterinnen und zwei als Berufsarbeiterinnen im Jugendwerk in der Arbeit mit weiblichen Jugendlichen beschäftigt. Zwei weitere arbeiteten in der Mütterarbeit und weitere zwei als wissenschaftliche Hilfsarbeiterinnen im landeskirchlichen Archiv bzw. in einer Sammelstelle für landeskirchliches Schrifttum. Eine Theologin fungierte als Sekretärin eines Dekans und zwei waren in der Gemeindearbeit tätig. Das bedeutete, daß nach wie vor der Erziehungssektor als Arbeitsfeld der Theologinnen dominierte, wobei sich die neun ausschließlich damit beschäftigten Theologinnen etwa zur Hälfte im schulischen Bereich zur Erteilung von Religionsunterricht und zur anderen Hälfte im außerschulischen Bereich der kirchlichen Jugendarbeit bewegten.

Hinsichtlich der Arbeitsbedingungen von Theologinnen in den Jahren bis 1945 ist festzustellen, daß ihre Entlohnung - entsprechend der ungeregelten kirchlichen Anstellung - weitgehend im Ermessen des Anstellungsträgers lag. Als “Spitzenverdienerin“ ist wohl eine Theologin zu bezeichnen, die als Beamtin an einer Höheren Mädchenschule angestellt war und dort etwa 5000 Mark jährlich verdiente, während eine Katechetin etwa die Hälfte davon erhielt.<382> Besonders niedrig scheinen die Löhne im Bereich der kirchlichen Jugendarbeit gewesen zu sein.<383> Hinsichtlich der sozialversicherungsrechtlichen Absicherung der Theologinnen ist keine generelle Regelung bekannt. Ihre Wohnverhältnisse waren ebenfalls sehr unterschiedlich. Manche kehrten in ihr Elternhaus zurück, andere wohnten in einem Pfarrhaus, zur Untermiete oder mit anderen Mitarbeiterinnen in einer Art Wohngemeinschaft, wie in dem “Jungfernzwinger“ des Jugendwerks.

3.1.7. Theologinnenpraxis im Bereich der landeskirchlichen Jugendarbeit und der Gemeindearbeit

Die Jugendarbeit hatte den bayerischen Theologinnen der bayerische Landesjugendpfarrer Riedel als Arbeitsbereich eröffnet.<384> Er benötigte angesichts der von der nationalsozialistischen Jugendpolitik ausgehenden Gleichschaltung der Jugendverbände für den Aufbau einer landeskirchlichen Jugendarbeit eine Reihe von Mitarbeiterinnen und betrachtete die Theologinnen als geeignet dafür. Sie erhielten in der Regel eine praktische Ausbildung durch die Teilnahme an mehrwöchigen Kursen für die weibliche Jugendarbeit im Burckhardthaus Berlin<385> und wurden dann auf der Ebene von Gemeinden, Dekanaten oder Kirchenkreisen tätig. Entsprechend der immer restriktiveren nationalsozialistischen Gesetzgebung im Hinblick auf die Jugendarbeit hatte sich diese auf die religiösen Fragen zu beschränken. Dies stimmte wiederum mit dem Selbstverständnis der Theologinnen überein, vor allem für die Wortverkündigung ausgebildet zu sein. Liesel Bruckner formulierte als Ziel ihrer Arbeit mit weiblichen Jugendlichen im


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Dekanat Erlangen 1940, “daß den Mädchen die Bibel zur Heimat wird“.<386> Dazu dienten vor allem Bibelarbeiten und die Beschäftigung mit bibelkundlichen Themen, aber auch das Singen von Liedern und das Besprechen von Büchern mit älteren Jugendlichen. Ab 1941 war Liesel Bruckner dann als Berufsarbeiterin im Landesjugendpfarramt für die weibliche Jugendarbeit im Kirchenkreis Ansbach zuständig. Um die Kontinuität der gemeindlichen Jugendarbeit zu fördern, trotz reduzierter Kommunikationsmöglichkeiten und in Übereinstimmung mit dem ekklesiologischen Konzept der Befähigung von LaiInnen, bildeten sie “Verantwortliche“ für die gemeindlichen Jugendgruppen aus. Sie bereiteten diese bei biblischen Besinnungstagen vor, bevor diese in einem feierlichen Abendmahlsgottesdienst ihre Zustimmung zu dieser besonderen Aufgabe bekundeten.<387>

Mit dem Reisedienst der Theologinnen war auch das Abhalten öffentlicher Veranstaltungen verbunden, deren Ablauf Liesel Bruckner so beschreibt: “In Schweinfurt oder Aschaffenburg oder sonst einem Ort, wo sich oft ein paar hundert Menschen versammelten, da habe ich zuerst Lieder singen lassen, dann habe ich zur Lage der Kirche gesprochen und Bibelarbeit gehalten. Zur Lage der Kirche zu sprechen war natürlich ein heißes Eisen. Aber wir haben über das gesprochen, was wir erfahren haben. Das war ja nicht einfach damals. Es ging nur über Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir mußten ja immer überprüfen, ob dabei nicht geschwindelt worden ist usw. Da hat man sich schon immer darum bemüht, daß man handfeste, gesicherte Dinge zur Sprache brachte. Ein Spitzel saß immer dabei, und es kam eben darauf an, ob er es kapiert hat oder nicht.“<388> Insbesondere bei solchen durchaus nicht ungefährlichen Aktivitäten verstärkte sich das Bedürfnis der Theologinnen nach einer geistlichen Beauftragung und kirchenrechtlichen Absicherung ihrer Arbeit.<389> Sie fragten dadurch nicht zuletzt auch die Plausibiblität der bürgerlichen Auffassung des Geschlechterverhältnisses an, daß der Mann im öffentlichen Raum für den Schutz der im privaten Raum agierenden Frau zu sorgen hat.<390>

Auf gemeindlicher Ebene waren Theologinnen bis 1945 in ganz unterschiedlicher Weise beschäftigt, als gebildetes Hausmädchen, Pfarramtssekretärin oder zur Unterstützung einer Diakonisse, teilweise aber auch in relativ eigenverantwortlicher und nahezu alle Bereiche der pfarramtlichen Gemeindearbeit umfassender Form.<391> So leistete eine verheiratete Theologin Kriegsstellvertretung für ihren eingezogenen Ehemann. Sie gab an, Religionsunterricht, Kindergottesdienst, Bibelstunde für Evakuierte und Besuche durchzuführen.<392> Eine in einer bayerischen Diasporaenklave tätige Theologin benannte als ihre Arbeitsgebiete: Religionsunterricht, Konfirmandenunterricht in der Diasporagemeinde, Andachten, Kindergottesdienst, Jugend- und Frauenarbeit sowie Seelsorge. Insbesondere für letztere fehlte ihr in der abgeschiedenen Diasporasituation die Sakramentsverwaltung.<393> Eine junge Theologin, die 1944 direkt


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nach dem ersten theologischen Examen in die Gemeindearbeit gesandt wurde, berichtete von der Fülle der ihr übertragenen Arbeit und daß ihr die Möglichkeit zu theologischer Reflexion und praktischer Fortbildung fehlte:

"Bald hatte ich 8 Wochenstunden zu halten, vor allem auf den weitverstreuten Dörfern. Dazu kamen vielerlei Hausbesuche, bei Flüchtlingen, Bauern und chronisch Kranken in der Stadt, denen ich vom Land Blumen und Eier mitbrachte. Im Kindergottesdienst hatte ich eine Gruppe. Im Jugendkreis, den eine alte Diakonisse leitete, mußte ich, wenn sie Waschtag hatte und müde war, die Andacht halten, manchmal bekam ich sogar die Bibelstunde anvertraut. ’Ich konnte kein Privatleben feststellen‘, schrieb mein Dekan über mich an den Landeskirchenrat.“ Verschärft wurde diese Situation noch durch die fehlenden Möglichkeiten zur Fortbildung und Reflexion der Erfahrungen, denn der Dekan "fand keinen Pfarrer, der bereit gewesen wäre, die Verantwortung für die Fortbildung einer ’so theologisch gebildeten Frau‘ zu übernehmen. Ins Predigerseminar kamen Frauen natürlich nicht.“<394>


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3.2. Die Anwendung des Vikarinnengesetzes und seine Novellierung im Jahre 1954

3.2.1. Die Anwendung des bayerischen Vikarinnengesetzes

Im Oktober 1944 war das bayerische Vikarinnengesetz rechtskräftig geworden. Eine Reihe von Vikarinnen hatte beim LKR Aufnahmegesuche für die im Vikarinnengesetz vorgesehene Vikarinnenliste eingereicht. Je nachdem, ob ihre bisherige Praxis den Vorstellungen des bayerischen LKR entsprach, hatten sie eine bejahende, verzögernde oder ablehnende Antwort erhalten.<395> Zum Kontakt zwischen LKR und dem bayerischen Theologinnenkonvent kam es aufgrund der Kriegswirren erst wieder im Jahre 1946, als Liesel Bruckner in einem Brief OKR Hanemann mitteilte, daß die Theologinnen auf die Anwendung des Vikarinnengesetzes von 1944 warteten. Die Arbeit der Theologinnen sei auch in einer Zeit des Pfarrerüberschusses nötig, da eine grundsätzliche Differenz zwischen Pfarramt und dem Dienst der theologisch gebildeten Frau bestehe. Außerdem habe sich die Arbeit der Theologinnen in den letzten Jahren bewährt. Um die Einrichtung der im Gesetz vorgesehenen Vikarinnenstellen zu vereinfachen, schlug Liesel Bruckner eine Prüfung der bisher von Theologinnen wahrgenommenen Stellen auf ihre Tauglichkeit als Vikarinnenstellen vor.<396>

Durch einen mehrmaligen Referentenwechsel im LKA stand erst im November 1946 für die Theologinnen ihr neuer Ansprechpartner, OKR Lic. Schmidt, fest. Mit ihm führten Vertreterinnen des Theologinnenkonvents im Dezember 1946 ein erstes Gespräch, in dem er ihre Aufnahme auf die Liste der Vikarinnen bzw. Pfarrvikarinnen bestätigte und sie zu Gesuchen hinsichtlich der Einsegnung aufforderte.<397>

Im Sommer 1947 wurden die ersten neun bayerischen Vikarinnen eingesegnet, fünf davon gemeinsam im September 1947 in der Nürnberger Lorenzkirche. Dies machte offensichtlich einen großen Eindruck auf Gemeindeglieder und männliche Kollegen.<398> Bereits im März 1947 waren die Dekanate aufgefordert worden, die Theologinnen zu den Pfarrkonventen einzuladen, damit sie den "rechten Anschluß an die Arbeitsgemeinschaft der Geistlichen finden und Gelegenheit zur Fortbildung haben"<399>. Liesel Bruckner, die schon 1938 die bayerischen Theologinnen zur Vorsitzenden des Theologinnenkonvents gewählt hatten, bestätigte im Mai 1947 offiziell der Landeskirchenrat in ihrem Amt als Vertrauensvikarin, wie es § 16 des Vikarinnengesetzes vorsah.

3.2.2. Überlegungen hinsichtlich der Lebensform sowie der Aus- und Fortbildung der Theologinnen

Der Landeskirchenrat äußerte in den Nachkriegsjahren wiederum den Vorschlag, die Theologinnen sollten den Anschluß an ein Diakonissenmutterhaus suchen, z.B. an das neu gegründete Haus in München. Liesel Bruckner und Ilse Hartmann kamen jedoch nach einer Begegnung mit der Leiterin dieser Einrichtung erneut zu einer ablehnenden Stellungnahme im Hinblick auf den kollektiven Eintritt der Theologinnen. Sie verwiesen auf die Differenzen hinsichtlich der Arbeits- und Lebensform zwischen Diakonissen und Theologinnen. Bei letzteren sei der Schwerpunkt ihrer Arbeit entsprechend ihrer theologischen Ausbildung die Wortverkündigung. Ihre Lebensform sei die einer selbständigen alleinstehenden berufstätigen Frau.<400>


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Als verbindliche Form des Zusammenkommens beschlossen die Theologinnen lediglich ein jährliches Treffen, wie es erstmals 1947 als Vikarinnenkurs im Pastoralkolleg Neuendettelsau stattgefunden hatte. Dort wollten sie theologische Themen und in der Praxis auftretende Fragen auch mit Hilfe von Universitätstheologen reflektieren sowie an der Fortentwicklung einer geistlichen Gemeinschaft der Theologinnen und an ihrem Verständnis der Theologinnenarbeit gemeinsam weiterarbeiten.<401>

Die in den ersten Nachkriegsjahren gegründete kirchliche Hochschule in Neuendettelsau ließ bis zum Wintersemester 1954/55 keine Theologinnen zu.<402> Noch Mitte der 60er Jahre berichteten Theologiestudentinnen über demotivierende Auseinandersetzungen im Studienalltag an der Augustana-Hochschule, so daß sich der Theologinnenkonvent zu einer Stellungnahme veranlaßt sah.<403>

3.2.3. Die Forderung der Theologinnen nach Überarbeitung des Vikarinnengesetzes, insbesondere hinsichtlich der Sakramentsverwaltung und der Wohnungsfrage

Liesel Bruckner hob 1950 in einem Brief an den bayerischen LKR hervor, daß das bayerische Vikarinnengesetz von 1944 noch nicht als endgültige gesetzliche Regelung der Theologinnenarbeit betrachtet werden könne. Zum einen sei der Unterschied zu anderen kirchlichen Frauenberufen wie dem der Gemeindehelferin in der Praxis unklar. Dies zeige sich auch an der Berufsbezeichnung. Zum zweiten könne an der bisher gegenüber dem Pfarramt bestehenden Differenz durch die Untersagung der "öffentlichen" Wortverkündigung und der Sakramentsverwaltung nicht festgehalten werden, da die Sakramentsverwaltung den Theologinnen in der Gemeinde- und Krankenhausseelsorge fehle.<404>


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Aus der Perspektive von Schrift und Bekenntnis könne die Ausübung von Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung nicht auseinandergerissen werden.<405> Die Reduzierung der Theologinnenarbeit bei der Krankenhausseelsorge auf die Wortverkündigung erwecke außerdem den Eindruck, daß der Besuch der Vikarin minderwertig und eher mit dem ehrenamtlichen Besuchsdienst des Frauenbundes gleichzusetzen sei. Vor allem bei Schwer- und Todkranken führe die Einschränkung der Theologinnenarbeit in diesem Punkte sogar manchmal dazu, daß diese angesichts der Arbeitsüberlastung der Pfarrer kein Abendmahl erhielten.<406> Bei kirchenfernen Menschen, zu denen eine Vikarin ein Vertrauensverhältnis entwickelt habe, lasse sich dieses nicht einfach auf einen fremden Pfarrer übertragen. Aufgrund dieser defizitären Erfahrungen in der Seelsorgearbeit würden die Theologinnen immer stärker in den Schuldienst gedrängt, selbst wenn dieser nicht ihren Fähigkeiten entspreche. Darüber hinaus bewirke diese unbefriedigende Situation der Theologinnenarbeit, daß Eltern ihren zum Theologiestudium entschlossenen Töchtern die Einwilligung verweigerten.<407>

Der Landeskirchenrat versuchte, eine grundlegende Neuorientierung hinsichtlich der Konzeption der Theologinnenarbeit zu vermeiden, und erklärte sich bereit, lediglich Verbesserungen an den arbeitsrechtlichen Regelungen, wie z.B. der Frage von Wohnung, Gehalt und Urlaub, zugunsten der Theologinnen anzustreben.<408>

Die Vorstellungen der Theologinnen hinsichtlich der "Wohnungsfrage" beschrieb Liesel Bruckner 1950 so: "Für uns Ältere wäre es notwendig, daß wir zwei Räume hätten, da wir ja meist auch einen Haushalt haben und es für unseren Dienst schwierig ist, wenn wir in einem Raum kochen, schlafen, waschen, unsere Besuche empfangen müssen. In den meisten Fällen haben wir ja unsere eigenen Möbel. Gut wäre, wenn das Pfarramt verantwortlich wäre, die Wohnung zu stellen. Es ist sehr schwer, wenn man an eine neue Stelle kommt, eine Wohnung zu suchen."<409> Nach einer ersten Antwort des LKR, daß die Vikarinnen nach § 18 des Vikarinnengesetzes Anspruch auf eine freie Dienstwohnung hätten und daß das Pfarramt selbstverständlich dafür zu sorgen habe, formulierte OKR Schmidt Ende 1951 eine eingeschränktere Vorstellung hinsichtlich des Lebens- und Arbeitsraumes für Theologinnnen: "Die Vikarinnen haben Anrecht auf freie Dienstwohnung seitens der Gemeinde, der sie zugewiesen sind. Ein offizieller Anspruch auf ein Amtszimmer besteht nicht, doch wirken wir darauf hin, daß die Damen, besonders, wenn sie ständig angestellt sind, 2 Räume bekommen, vielleicht ein kleines Schlafzimmer und ein Wohnzimmer. Damit sind m.E. die notwendigen Bedürfnisse erfüllt."<410>


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3.2.4. Die Novellierung des bayerischen Vikarinnengesetzes im Jahre 1954

Das Prinzip, keine grundsätzliche Neukonzeption der Theologinnenarbeit ins Auge zu fassen, prägte auch die Novellierung des bayerischen Vikarinnengesetzes im Jahre 1954.<411> Lediglich an einigen dienstrechtlichen Fragen sollten Korrekturen vorgenommen werden.<412>

So waren die in § 2 des novellierten Kirchengesetzes zugestandenen bzw. verweigerten Dienstaufgaben identisch mit denen aus dem Jahre 1944. Beibehalten und auch wieder stärker eingefordert werden sollten die geschlechtsspezifischen Anstellungsvoraussetzungen in Form eines halbjährigen Vorpraktikums und einer pädagogischen und katechetischen Vorbildung, der Vorweis von Kenntnissen in Stenographie und Maschineschreiben sowie auf kirchenmusikalischem Gebiet.<413> Dies entsprach der vom Landeskirchenrat gewünschten Berufskonzeption der Theologinnenarbeit: "Da sie aber dem Pfarrer zur Hilfe gehen sollen, wird man diese Bestimmungen am besten nicht verändern."<414>

Eine Teilnahme der Theologinnen an den frauenspezifischen Vikarinnenseminaren, wie sie in Hannover-Birkenhof vor allem für lutherische Theologinnen und in Berlin-Spandau vor allem für unierte Theologinnen angeboten wurden, erübrigte sich aus der Perspektive der bayerischen Kirchenleitung. Sie beschloß angesichts der "Leitsätze zur Ausbildung der Vikarinnen", wie sie 1954 die EKD den Landeskirchen übermittelt hatte, daß für die bayerischen Theologinnen die Teilnahme an einem zweimonatigen Kurs im katechetischen Amt Heilsbronn ausreichend war, der ursprünglich für Kriegsheimkehrer eingerichtet worden war.<415>

Veränderungen aufgrund der Unzweckmäßigkeit der Regelung von 1944 nahm die Kirchenleitung in § 7(1) vor. So gab sie die Einrichtung örtlich gebundener Vikarinnenstellen auf und unterschied lediglich zwischen gemeindlichen und übergemeindlichen Stellen. Als Dienstgeber war in beiden Fällen der Landeskirchenrat vorgesehen. Hinsichtlich der Mitgliedschaft in kirchlichen Körperschaften (§ 20) hob sie die 1944 vorgenommene Differenzierung zwischen der beratenden Stimme der Vikarinnen und der beschließenden Stimme von Pfarrvikarinnen auf. Die Urlaubsansprüche von Pfarrvikarinnen, die das Kirchengesetz von 1944 überhaupt nicht regelte, glich das Gesetz von 1954 denen ihrer männlichen Kollegen an. In § 18 verpflichtete es den jeweiligen Anstellungsträger, Kirchengemeinde, Landeskirche oder Kirchenkreis, zur Bereitstellung einer Dienstwohnung. Als Alternative mußten sie einen angemessenen Wohngeldzuschuß gewähren.

3.2.5. Die Praxis der bayerischen Theologinnen 1945-1954, einschließlich Exkurs: Der Konflikt um die Gemeindearbeit der Theologin Lydia Schröder

Die Namen von 38 bayerischen Vikarinnen im kirchlichen Anstellungsverhältnis gibt eine Adressenliste des Theologinnenkonvents aus dem Jahre 1954 an. Hinzu kamen noch weitere 20 Namen von Theologinnen, die nicht in einem kirchlichen Erwerbsarbeitsverhältnis standen. Bei neun von diesen


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wies der Zusatz "Frau Pfr." vor ihrem Namen auf eine ehrenamtliche Mitarbeit als Pfarrfrau hin.<416> Im Vergleich zu 1946, als 18 Theologinnen auf der Liste des Theologinnenkonvents standen, hatte sich die Zahl der im kirchlichen Anstellungsverhältnis stehenden Theologinnen damit bis 1954 verdoppelt.

Exkurs: Der Konflikt um die Gemeindearbeit der Theologin Lydia Schröder

Lydia Schröder stammte aus dem Rheinland. Sie hatte in den 30er Jahren Examen bei der mecklenburgischen Bekennenden Kirche abgelegt. Anschließend war sie einige Zeit auf übergemeindlicher Ebene in der mecklenburgischen Jugendarbeit tätig<417>, bis sie diese Arbeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mußte. Auf Anregung eines bayerischen Kollegen kam sie nach Bayern. Der bayerische Landeskirchenrat beauftragte sie 1943 mit einer Vertretungstätigkeit in einer Diasporaenklave der bayerischen Kirche, die politisch zu Österreich gehörte. Ihre Praxis beschrieb sie kurz nach Kriegsende so: Religionsunterricht, Konfirmandenunterricht in einer Diasporagemeinde, Andachten, Kindergottesdienste, Jugend- und Frauenarbeit, Seelsorge.<418> Sie äußerte nach Kriegsende das Interesse, die übernommene Gemeindearbeit fortzuführen, da Kontinuität für den Gemeindeaufbau notwendig sei. Außerdem sei das Klima ihrer Gesundheit und damit auch ihrer Arbeitsfähigkeit außerordentlich förderlich.<419>

Hinsichtlich der Konzeption der Theologinnenarbeit grenzte sie sich zunächst von der Übernahme des vollen Pfarramtes durch Theologinnen, wie z.B. in der DDR<420>, ab und plädierte dafür, "in der uns gemäßen Art unseren Dienst" zu tun, d.h. in einer partnerschaftlichen Komplementarität im Amt, "im echten und biblischen Sinne eines wirklichen Gegenübers, nicht daß die Frau in allem die Geführte und Nachgebende ist"<421>.

Nach einer guten Kooperation in den Kriegsjahren mit dem für die Gemeindeleitung in der abgelegenen Diasporaenklave offiziell zuständigen Pfarrer, der in einer Gemeinde im Tal arbeitete, kam es 1951 zu einem ersten Konflikt hinsichtlich der von Lydia Schröder entwickelten Andachtsform. Nach Auffassung von Pfr. Gabriel überschritt sie durch das Anzünden von Kerzen und die Integration von Sündenbekenntnis und Gnadenzuspruch die Grenze zum Gemeindegottesdienst, der den Theologinnen im Vikarinnengesetz untersagt war. Er forderte sie zu einer "Selbstbescheidung" auf dem Gebiet der öffentlichen Wortverkündigung auf.<422>

Zu einem zweiten ernsthaften Zusammenstoß kam es dann im Zusammenhang mit einem Kirchenbau


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in der Diasporaenklave, den Lydia Schröder mit einigen Gemeindegliedern iniitiert und für den sie eine größere Summe an Spenden gesammelt hatte. Nach Auffassung von Lydia Schröder und der Mehrheit der Gemeindeglieder sollte damit ein Bau geschaffen werden, der Sakralraum, Gemeindesaal und eine kleine Wohnung integrierte, um eine möglichst große Funktionalität zu erreichen. Für die volksmissionarische Arbeit der Kur- und Freizeitseelsorge hielt Lydia Schröder neben Gemeindegottesdiensten auch andere Arbeitsformen für wichtig. Sie wollte dafür mehrere verschiedene, auch kleine und rasch beheizbare Räume. Dies entsprach auch ihrer ekklesiologischen Auffassung.<423> Pfr. Gabriel plädierte dagegen für die Schaffung eines ausschließlich kultisch-sakralen Raumes, der nicht für andere Zwecke nutzbar sein sollte.

Ende 1951 kam es durch das intrigierende Verhalten des neugewählten Vorsitzenden des Kirchbauvereins zur Eskalation des Konfliktes. Der Dekan hatte schon vorher im Pfarrkonvent geäußert, daß er in der Diasporaarbeit kein "Frauenzimmer" gebrauchen könne und hatte Pfr. Gabriel zur Beantragung eines Vikars aufgefordert. Er bewegte Lydia Schröder und Pfr. Gabriel im Februar 1952 zu einem "faulen Frieden" auf Kosten Lydia Schröders, der sich als nicht tragfähig erwies.<424>

Lydia Schröder wurde durch diesen Konflikt zum Überdenken ihrer bisherigen Haltung gegenüber den Einschränkungen der Theologinnenarbeit gedrängt. Zunächst hatte sie für das Sich-führen-lassen im duldenden Gehorsam der Nachfolge Christi plädiert im Sinne eines "Stücklein Mitleidens des Kreuzes unseres Herrn". Diesen Weg wählte sie aus Sorge, "daß wir eigenmächtig dieses Kreuz und damit seinen Segen abschütteln können, wenn wir um unser Recht kämpfen."<425> Aufgrund der Erfahrungen im Konflikt mit ihrem Kollegen trat sie nun entschieden für eine zweckmäßige Realisierung des von ihr angestrebten Kirchenbaus ein, "aus Verantwortung heraus und ohne Rücksicht, was das für Folgen für meine Person hat."<426>.

Einer beabsichtigten Klärung der gegen sie von Pfr. Gabriel auch auf landeskirchlicher Ebene erhobenen Vorwürfe von ihrer Seite kam ein Brief des für die Theologinnenarbeit zuständigen Referenten im Landeskirchenrat zuvor. Darin teilte er ihr mit, daß es durch den Kirchbau zu solch einer starken Ausformung der kirchlichen Arbeit gekommen sei, daß diese mit dem Vikarinnengesetz unvereinbar sei und außerdem offensichtlich auch Lydia Schröder überfordere.<427>

Lydia Schröder suchte daraufhin das Gespräch mit Lic. Schmidt im Mai 1952. Dieser verließ sich jedoch allein auf die von Pfr. Gabriel erhobenen Vorwürfe, daß Lydia Schröder mit dem Kirchbau lediglich ihr persönliches Interesse an einer Wohnung verfolge und außerdem die Diasporaenklave von der bayerischen Kirche abtrennen wolle. Den Gemeindegliedern, die Lydia Schröder zu diesem Gespräch begleitet hatten, wurde keine Kompetenz zugebilligt, und der Gemeinde wurden bereits bewilligte Gelder für den Kirchenbau gesperrt.<428>

In ihrer Abschiedsandacht vor dem Wechsel in die Arbeit mit berufstätigen Frauen in Wuppertal erinnerte Lydia Schröder an Gottes Handeln gegenüber Mächtigen und Geringen, wie es im Magnifikat besungen wird, und verwies auf die in der vierten These der BTE verworfenen Ausübung von Herrschaft und Gewalt innerhalb der Kirche. In einem Abschiedsbrief an Liesel Bruckner wies Lydia Schröder darauf hin, daß im bayerischen Vikarinnengesetz nähere Ausführungen hinsichtlich der Bedingungen für die Versetzung der Theologinnen durch die Landeskirche fehlten.<429> So veränderte


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sich im Laufe des Konfliktes ihr Verhältnis zum Umgang mit der "Rechtslage" und hinsichtlich der Einschränkungen der Theologinnenarbeit.<430>


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3.3. Die Suche nach einer geschlechtsspezifischen Berufskonzeption bis 1970

3.3.1. Bestrebungen für eine Neuregelung einzelner Aspekte der Theologinnenarbeit

Sowohl die bayerischen Theologinnen als auch der bayerische Landeskirchenrat führten in dieser Phase die Diskussionen um die Weiterentwicklung der Theologinnenarbeit in intensiver Kommunikation mit kirchlichen Zusammenschlüssen und Gruppierungen, auch auf gesamtdeutscher Ebene. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die beiden Komponenten Amt und Geschlecht bei der Konstruktion eines Amtes sui generis ins Verhältnis gesetzt werden und welche Auswirkungen dies auf die Regelung einzelner Aspekte haben sollte.

In den direkten Verhandlungen zwischen Theologinnenkonvent und Landeskirchenrat bis Anfang der 60er Jahre kam nur ein Teil dieser Aspekte vor, obwohl der bayerische Theologinnenkonvent bei einem gesamtdeutschen Theologinnentreffen in den 50er Jahren den dort erhobenen Forderungen, z.B. nach einer dem Predigerseminar gleichwertigen Ausbildung für Theologinnen nach dem zweiten Theologischen Examen, einer adäquaten Dienstkleidung und Amtsbezeichnung, Aufhebung des Zölibats, Einführung der Ordination anstelle der Einsegnung zugestimmt hatte.<431> So wurden in Bayern nur die Aspekte diskutiert, die sich in der Praxis der Theologinnen besonders nachteilig auswirkten.

Die Vorsitzende des bayerischen Theologinnenkonvents Liesel Bruckner stellte im Jahre 1954 in einer Stellungnahme die Frage: "Ob eine Vikarin die Einsegnung von Mädchen bei der Konfirmation vollziehen kann?"<432>. In ihrer Reflexion ging sie in der gleichen Weise vor wie 1938 in der Denkschrift des Theologinnenkonvents. Als ersten Schritt beschrieb sie die aktuelle Situation. Diese war durch eine Trennung der Personen geprägt, die Unterricht und Einsegnung erteilten. Dadurch fehlte das Vertrauensverhältnis zwischen den einzusegnenden Mädchen und dem einsegnenden Pfarrer. Außerdem entstand der Eindruck der Minderwertigkeit der Vikarinnenarbeit. Diese Situation konfrontierte Liesel Bruckner mit Schrift und Bekenntnis. Dort fand sie keinen Hinderungsgrund, daß auch Theologinnen die Segenshandlung durchführten. Lediglich die Tradition männlicher Amtsausübung sprach dagegen. Diese stand aber im Widerspruch zur neuentdeckten gemeinsamen Teilhabe der Geschlechter an Gnade und Verheißung. Diese bedeutete zwar nicht eine Aufhebung der schöpfungsgemäßen Verschiedenheit der Geschlechter, aber erlaubte doch, den Theologinnen Anteil am geistlichen Amt zu geben und sie z.B. offiziell mit der Handauflegung bei Konfirmationen zu beauftragen. Der Landeskirchenrat reagierte auf dieses Schreiben nicht.

In der zweiten Frage, der Klärung der Residenzpflicht der Theologinnen, war der bayerische Landeskirchenrat zu bestimmten Zugeständnissen bereit, vermutlich, weil dadurch die Distanz zu dem bis dahin auf die männliche Lebens- und Arbeitswelt zugeschnittenen Pfarramt vergrößert wurde. Die bayerischen Theologinnen hatten beim Vikarinnenkolleg 1957 Überlegungen angestellt, wie die für sie analog zu ihren männlichen Kollegen geltende Residenzpflicht eingeschränkt werden könnte.<433> Sie wiesen auf die erhebliche Differenz ihrer Lebens- und Arbeitsform zu der von Gemeindepfarrern hin. Deren Amtssitz sei mit dem Aufenthaltsort ihrer Verwandten identisch. Bei den Theologinnen sei dies anders. Sie müßten oft Reisen unternehmen, um vertrauten Menschen zu begegnen. Nachdem ihnen Sakramentsverwaltung und die Übernahme von Amtshandlungen ohnehin verboten waren, sahen sie ihre dauernde Präsenz am Dienstort nicht als erforderlich an, insbesondere nicht bei Theologinnen in der schulischen oder übergemeindlichen Arbeit. Der Landeskirchenrat ging auf diese Anfrage Liesel Bruckners<434> ein, schränkte jedoch den von ihr gewünschten Umfang der Abwesenheit deutlich ein. Er empfahl den Dekanen, den Theologinnen einmal im Monat von Samstag auf Sonntag freizugeben unter Berücksichtigung der persönlichen und dienstlichen Verpflichtungen. Um die Sache nicht


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"ausufern" zu lassen, billigte er nur den Besuch von Angehörigen zu.<435>

Bezüglich der Sakramentsverwaltung, dem dritten Aspekt, in dem die Theologinnen eine Verbesserung ihrer Arbeitssituation wünschten, machte die Kirchenleitung erneut keinerlei Zugeständnisse. Die Theologinnen begründeten wiederholt die Notwendigkeit der Sakramentsverwaltung vor allem im Anstalten- und Freizeitbereich, z.B. mit kirchenfernen Jugendlichen.<436> Der Landeskirchenrat lehnte aus "allgemeinkirchlichen Erwägungen" ab. Er verwies auf die Tendenzen zur Erweiterung der Theologinnenarbeit aufgrund der Gewährung der Sakramentsverwaltung in anderen Landeskirchen, bis dahin, daß in Lübeck eine Theologin sogar das Amt der Pastorin übernommen hatte.<437>

3.3.2. Konzeptionelle Überlegungen der bayerischen Theologinnen hinsichtlich eines Amtes sui generis

Wichtige Anstöße für die Entwicklung einer geschlechtsspezifischen Amtskonzeption gab in Bayern die Theologin Maria Weigle, die seit 1945 beim bayerischen Mütterdienst tätig war. Sie hielt jahrelang die Bibelarbeiten bei den jährlichen Theologinnenkonventen. Ihr Ausgangspunkt war eine Kritik an der Reduktion des geistlichen Amtes auf das patriarchale Einmannpfarramt. Dieses entspreche nicht mehr der sich verändernden gesellschaftlichen Situation. Die Theologinnen sollten deshalb nicht zur Verewigung von dessen Tradition beitragen, sondern eigene flexible, auch interparochiale Formen entwickeln, die dem Charisma der jeweiligen Theologin und den Bedürfnissen der jeweiligen Situation entsprechen. Als Beispiel nannte sie die Pionierarbeit in neu entstehenden Stadtrandsiedlungen. Die Theologinnen sollten ihr Amt selbständig und verantwortlich ausüben. Ihnen sollte Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung übertragen werden. Die Amtsbezeichnung sollte diesem Frauenberuf in der Öffentlichkeit Ehre geben.<438>

Da sich in der Theologinnenpraxis die Amtskonzeption sui generis lediglich in Form einer Subtraktion von geistlichen und materiellen Rechten des geistlichen Amtes äußerte, meldete im Jahre 1960 die Theologin Ilse Hartmann erste Zweifel an dieser geschlechtsspezifischen Konzeption an: "Ich glaube nicht, daß wir uns auf ein Amt sui generis abdrängen lassen können, sondern daß es um das eine geistliche Amt geht, in dessen verschiedenen Ausformungen die Menschen nach ihren Gaben eingesetzt werden sollen."<439> Eine Aufhebung der die Theologinnenarbeit behindernden Einschränkungen sah sie allerdings "höchstens im Schlepptau der VELKD" als möglich an. Bei einer bayerischen Pfarrbruderschaftstagung hatte sie erlebt, daß eine Reihe neuer Argumente gegen die Theologinnenarbeit gesammelt wurden, "nachdem 1. Kor 14,34 nicht mehr durchkommt". So sahen die Pfarrer die Gefahr einer Verweiblichung des Pfarrerstandes analog zum Lehrerinnenberuf. Als Folge einer Einführung der Frauenordination befürchteten sie außerdem eine Behinderung der ökumenischen Beziehungen. Ilse Hartmann kritisierte an dieser Argumentation die Gleichsetzung des geistlichen Amtes mit dem "Pfarramt in der heutigen Form".


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3.3.3. Die Berufskonzeption von Landesbischof Dietzfelbinger: "Theologisch gebildete Diakonisse"

Die bayerischen Theologinnen hatten mit der Wahl von Hermann Dietzfelbinger 1955 zum neuen Landesbischof die Hoffnung verbunden, daß die durch Hinhaltetaktik geprägte Umgangsweise mit der Theologinnenarbeit zuende sei.<440> Ein Gespräch zwischen der Konventsvorsitzenden Liesel Bruckner und Landesbischof Dietzfelbinger im Jahre 1959 zeigte jedoch fundamentale Differenzen. Ähnlich wie bei seinem Vorgänger war Dietzfelbingers Leitbild die "theologisch gebildete Diakonisse". Als deren mögliche Arbeitsgebiete, in denen die Theologinnen u.U. auch Pfarrer ersetzen können sollten, sah er die Innere Mission, die Lehr- und Anstaltsdiakonie, den Unterricht und die Leitung von Hausgemeinschaften an. Dietzfelbinger rief die Theologinnen zu einem Einsatz mit der eigenen Person auf und äußerte die Befürchtung, daß die Theologinnen sonst der Diakonie etwas schuldig bleiben könnten.<441> Er sah in einer solchen Konzeption auch die Chance, daß die Diakonie als eine Heimstatt für die christliche Akademikerin erkennbar würde. Die theologischen Begründungen für sein Konzept machte Dietzfelbinger 1961 in einem Votum vor der Landessynode deutlich. So verwehrten seiner Meinung nach die neutestamentlichen, insbesondere die paulinischen Ordnungsvorstellungen eine Nivellierung der Stände. Die ökumenische Verantwortung gerade der lutherischen Kirchen spreche gegen die Gestaltung des Berufsbildes der theologisch gebildeten Frau aus anderen Erwägungen.<442>


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3.3.4. Die Position des bayerischen Landeskirchenrates gegenüber den Entwicklungen in der VELKD und der EKD

Gegenüber Initiativen von seiten der VELKD und der EKD zu einer Neuregelung der Theologinnenarbeit hinsichtlich der Aspekte Ausbildung<443>, Dienstkleidung<444> und Besoldung<445> verhielt sich der bayerische Landeskirchenrat ablehnend. In dem Prozeß der Formulierung von gemeinsamen VELKD-Richtlinien für die Theologinnenarbeit versuchte der bayerische Referent zunächst die bayerischen Regelungen als gemeinsame Basis durchzusetzen, z.B. hinsichtlich des Vorpraktikums und der Grenzen der Theologinnenarbeit. Dafür fand sich jedoch keine Mehrheit in der VELKD. Die 1956 verabschiedeten VELKD-Richtlinien formulierten positive Bestimmungen eines Theologinnenamtes sui generis.<446>

Die Überlegungen in manchen Landeskirchen hin zur Ordination von Theologinnen und deren Übernahme eines vollen Gemeindepfarramtes kritisierte der bayerische Landeskirchenrat als Einbruch säkularer Strömungen in die Kirche und als Zerstörung der Schöpfungsordnungen Gottes.<447> Die Möglichkeit einer begrenzten Ordination für Theologinnen mit der Übertragung der Sakramentsverwaltung im Dienstbereich z.B. der Gefängnisseelsorge oder bei einer Frauengemeinde schlug erstmals 1959 ein Oberkirchenrat unter Hinweis auf ähnliche Einschränkungen für seminaristisch gebildete Brasilienpfarrer vor. Nachdem Landesbischof Dietzfelbinger daraufhin einwandte, ob das Wesen des geistlichen Amtes nicht männlich geprägt sei, wurde dieser Vorschlag


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jedoch nicht weiterverfolgt.<448>

Zu einem scharfen Protest des bayerischen Landeskirchenrates führte 1961 der Entwurf der Hannoverschen Landeskirche, Theologinnen unter bestimmten Umständen mit dem Gemeindepfarramt zu betrauen. Landesbischof Dietzfelbinger zog angesichts des drohenden Beschlusses dieses Entwurfes einer VELKD-Kirche sogar die Existenzberechtigung der VELKD in Zweifel: "Der Landesbischof stellt fest: Wenn Hannover das KG über die Frauenordination beschließt, erlischt sein wesentliches Interesse an der VELKD, für die übrige Zusammenarbeit würde die EKD auch genügen. Hannover ist über diese, seine Meinung informiert. Beschluß: Zur Kenntnis genommen."<449> An dem Entwurf für neue VELKD-Richtlinien kritisierte er, daß dort die Regelung der Ordinationsfrage, des Titels, der Übernahme von Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung sowie örtlich begrenzter Seelsorgebereiche den einzelnen Landeskirchen überlassen wurde und damit der Weg zu einer rechtlichen Diversifizierung offen war, statt zu einer rechtlichen Angleichung zu kommen, wie es innerhalb der VELKD-Verfassung als Zielvorstellung formuliert war.<450>

Nachdem die Hannoversche Landeskirche das umstrittene Pastorinnengesetz beschlossen hatte und immer mehr Stellungnahmen die Frauenordination forderten, sah sich auch der bayerische Landeskirchenrat genötigt, ein positives Konzept der Theologinnenarbeit zu entwickeln. Allerdings tat er das voller Bedauern, Theologinnen überhaupt zu kirchlichen Examina zugelassen zu haben, und daß nicht alle Theologiestudentinnen durch Heirat in "schöpfungsmäßiger Weise" zu einer vom Landeskirchenrat gewünschten Problemlösung beitrugen.<451> Um überhaupt eine Veränderungsbereitschaft zu zeigen, stimmte der bayerische Landeskirchenrat 1962 der Anhebung der Theologinnenbesoldung von 80% auf 100% des Gehaltes ihrer männlichen Kollegen zu.<452> Allen


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Beteiligten war zu diesem Zeitpunkt deutlich, daß ein positives Konzept für die Theologinnenarbeit entwickelt werden mußte.<453>

3.3.5. Der Meinungsbildungsprozeß der Theologinnen bis hin zu ihrer Stellungnahme "Das gute Wort" 1963

Einen intensiven Meinungsbildungsprozeß innerhalb des bayerischen Theologinnenkonvents lösten 1961 die fünf Thesen des gesamtdeutschen Theologinnenkonvents zur Entwicklung der Theologinnenarbeit aus. Die bayerischen Theologinnen akzeptierten vier dieser fünf Thesen, meldeten jedoch hinsichtlich des Amtsverständnisses Widerspruch an. So hatte es in der ersten These geheißen, daß das geistliche Amt nicht unbedingt die Gemeindeleitung einschließen und die Ordination von Theologinnen diese nicht unbedingt zum vollen Gemeindepfarramt berechtigen müßten. Die bayerischen Theologinnen sahen darin einen unklaren Amtsbegriff und die Gefahr, die Theologinnen zu Laiinnen zu erklären. Nach ihrer Auffassung sollte ihre Amtsgestalt Raum für experimentelle Neuansätze im gemeindlichen Raum lassen, um Alternativen zur Arbeit in geschlossenen Kreisen und zur traditionellen Pfarramtstätigkeit zu entwickeln. Sie verstanden ihre Tätigkeit als Brückenfunktion, um dazu beizutragen, daß die Gemeinden die gesellschaftlichen Umbrüche verarbeiteten.<454> Dieser Meinungsbildungsprozeß machte deutlich, daß die bayerischen Theologinnen die im Vikarinnengesetz vorgenommenen Einschränkungen ihrer Arbeitsbefugnisse immer klarer ablehnten. Sie erschienen ihnen sowohl in ihrer theologischen Begründbarkeit als auch in ihrer praktischen Realisierbarkeit fragwürdig. Weiterhin undiskutiert blieb die in anderen Landeskirchen bereits gesetzlich ermöglichte Ordination von Theologinnen sowie die Frage des Zölibates.

Eine Ausformulierung ihrer eigenen Position zum Weg der Theologinnenarbeit nahmen die bayerischen Theologinnen 1963 in der Stellungnahme "Das gute Wort" vor. Landesbischof Dietzfelbinger hatte sie gebeten, ein solches zu erstellen, um es zu veröffentlichen.<455> Wie bei der Erarbeitung ihrer vorherigen Stellungnahmen bemühten sich die Theologinnen um einen gemeinsamen Reflexionsprozeß und gingen von einer Situationsanalyse und einer Darstellung des historischen Hintergrundes aus, um dann eine theologische Beurteilung vorzunehmen.

Sie äußerten im Eingangsteil, daß sie bewußt darauf verzichteten, alle schon in anderen Dokumenten diskutierten Argumente zu wiederholen. In ihrem geschichtlichen Rückblick verwiesen sie auf die Parallelität des Entstehungskontextes des Diakonissenberufes im 19. Jahrhundert mit dem


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Theologinnenberuf im 20. Jahrhundert. In beiden Fällen hätten kirchlich engagierte Frauen auf die gewaltigen kirchlichen und gesellschaftlichen Umbrüche reagiert und die Kirchenleitungen sich zunächst eher ablehnend gezeigt. Zur Zeit des III. Reiches und dann vor allem während des Krieges hätten die Theologinnen verantwortungsvolle und verschiedenartige Aufgaben übernommen. In Bayern sei die Entwicklung verzögert erfolgt. In nahezu allen evangelischen Kirchen Europas und auch in andern Kontinenten sei eine Beschäftigung mit der Theologinnenarbeit im Gange. Teilweise erfolge sogar eine reguläre Übertragung des Gemeindedienstes mit Wortverkündigung. In Bayern fehle dagegen sogar die Sakramentsverwaltung, vor allem bei der Seelsorge.

Nach Meinung der Theologinnen galt es in dieser Situation als theologische Themen das Verständnis des geistlichen Amtes, das Verhältnis von Wort und Sakrament sowie die biblischen Aussagen über das Geschlechterverhältnis neu zu bedenken. Sie hielten eine neue Entscheidung über ihre Einordnung ins geistliche Amt und über die Sakramentsverwaltung für erforderlich. Wie schon 1938 betonten sie, daß weder "althergebrachte Vorstellungen und Gefühle" noch "irgendein Prinzip der Gleichberechtigung" entscheidend sein könnten, sondern allein die Förderung des Evangeliums und die Erbauung der Gemeinde. Die Entscheidung über die Integration der Theologinnen ins geistliche Amt sei ähnlich schwerwiegend wie die Entscheidung der urchristlichen Gemeinde über die Aufnahme von Nichtisraeliten. Einen geistlichen Hinweis für die Entscheidungsfindung sahen sie darin, daß die Kirche gleichzeitig um "Arbeiter für die Ernte“ bete und Theologinnen mit einer qualifizierten Ausbildung für die kirchliche Arbeit vorhanden seien.<456>

Landesbischof Dietzfelbinger reagierte auf dieses "gute Wort" ablehnend. Er bezeichnete es als zu "einlinig". Die theologischen Fragestellungen wie z.B. Amt, Gemeinde, Geschlechterverhältnis und die einschlägigen Schriftstellen seien zu Unrecht am Rande. Umgekehrt lasse die Forderung nach Sakramentsverwaltung alle Möglichkeiten der Entwicklung hin zur Pfarramtsausübung durch Frauen offen. Eine alternative Konzeption sah Dietzfelbinger in einem geschlechtsspezifischen Frauendienst auf den Gebieten der Gemeinde- und Jugendarbeit, vor allem aber der Diakonie.<457> Auf die Darstellung dieses Konzeptes und seiner Grundlagen in einem bestimmten Frauenbild reagierten wiederum die Theologinnen mit Ablehnung und Empörung.<458>

3.3.6. Die Beteiligung der Landessynode an der Diskussion um die Theologinnenarbeit

Anders als in anderen Landeskirchen war in Bayern die Landessynode bis Anfang der 60er Jahre an der Diskussion über die Theologinnenarbeit kaum beteiligt. Aufgrund der Entwicklung in der VELKD, insbesondere in Hannover, und der Differenz zwischen Landeskirchenrat und Theologinnenkonvent brachte Landesbischof Dietzfelbinger 1961 die Diskussion in die Synode ein. Vier SynodalInnen stellten daraufhin den Antrag, einen gemischten Ausschuß einzusetzen. In diesem waren außer SynodalInnen auch VertreterInnen des Landeskirchenrates, des Theologinnenkonvents und anderer


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kirchlicher Frauenverbände sowie eine Pfarrfrau vertreten.<459> Durch Krankheit und Urlaub des Landesbischofs, der den Vorsitz einnehmen wollte, verzögerte sich zunächst die Tätigkeit des Ausschusses.<460>

Im Jahre 1963 gründete sich ein synodaler Ausschuß für die "Frage der theologisch gebildeten Frau", an dem Gudrun Diestel als Vertreterin des Theologinnenkonventes teilnahm. Seine Arbeitsergebnisse trug am Ende der Synodalperiode 1965 die Synodalin und Leiterin des bayerischen Mütterdienstes, Dr. Liselotte Nold, in Vertretung des Ausschußvorsitzenden vor.<461> Sie betonte eingangs, daß ein allgemeines Interesse an einer befriedigenden Lösung bestehe, auch beim Landesbischof. In der Ausschußarbeit seien zwei Aspekte zentral gewesen. Hinsichtlich des Amtes sei deutlich geworden, daß neue differenzierte Formen zu entwickeln seien, um auf die gesellschaftliche Situation, vor allem in Großstadtgemeinden zu reagieren. Hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses sei zu beachten, daß sich ein Wandel in Gesellschaft, Arbeitswelt, Kirche und auch in der Theologie vollziehe, der mit der biblischen Weisung korrespondiere, die Mann und Frau gemeinsam mit der Bewahrung des Lebens beauftrage. Die meisten neueren Theologinnengesetze in lutherischen und unierten Landeskirchen übertrügen deshalb der Theologin Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung sowie den Titel "Pastorin". Selbst die anglikanische und die katholische Kirche sowie Kirchen in Afrika und Asien beschäftigten sich mit der Frage der Frauenordination. Man könne sagen: "Alle Konfessionen in fast allen Ländern sind mit der Frage befaßt." Im Ausschuß sei deutlich geworden, daß das Amt von der Christologie und der Ekklesiologie und nicht von der Seinsordnung her zu diskutieren sei. Sowohl der Synodalausschuß als auch der gemischte Ausschuß unter der Ägide des Landeskirchenrates hätten die Sakramentsverwaltung im Dienstbereich "für eine wichtige Entscheidungsfrage und in der Mehrzahl mit verschiedenen Motiven für möglich gehalten". Praktische Versuche sollten mit weiteren theologischen Überlegungen parallel laufen. Grundlegende Verbesserungen müßten jedoch rasch erfolgen, da der Theologinnenberuf sonst auszusterben drohe, obwohl die Mitarbeit der Theologinnen in vielen Bereichen, wie z.B. Mütterdienst und Ökumene, unentbehrlich geworden sei.

Die Landessynode folgte diesen Empfehlungen und beauftragte den Landeskirchenrat, "möglichst bald ein Änderungsgesetz zum Vikarinnengesetz vorzulegen, das eine entsprechende Gestaltung des Berufsbildes für die Vikarinnen zum Ziel"<462> haben sollte. Als Vorgaben legte die Landessynode fest: Schaffung eines Stellenplans, Einführung einer geeigneten Amtsbezeichnung, Überführung der planmäßig angestellten Theologinnen vom Kandidaten- zum Personalreferat, Übertragung der Sakramentsverwaltung im Dienstbereich, Wahlrecht der planmäßig angestellten Pfarrvikarinnen bei Senioratswahlen .

Die bayerischen Theologinnen begrüßten diesen Beschluß. Sie blieben aber angesichts der bisherigen Verschiebetaktik des Landeskirchenrates skeptisch hinsichtlich einer grundlegenden Verbesserung ihrer Situation. Die Zahl der bayerischen Theologinnen stagnierte, da weniger Frauen Theologie studierten und manche bayerische Theologin in eine andere Landeskirche wechselte, in der sie bessere Arbeitsmöglichkeiten hatte. Eine Theologiestudentin berichtet in einem Brief an Liesel Bruckner über die demotivierende Wirkung, die das Verhalten des Landeskirchenrates auf sie hatte: "Offenbar schweben dem Landeskirchenrat 4 Frauenberufe vor, wenn der Platz der Vikarin gefunden werden soll: die Gemeindehelferin, die Krankenschwester, die Lehrerin und die Sekretärin. Die Theologin soll nun anscheinend, da sie mit keinem dieser Berufe sich zufriedengibt, diese 4 Berufe in sich vereinen. Es ist ziemlich erschütternd, feststellen zu müssen, daß man dem LKR durch die Wahl


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des Theologiestudiums, anstatt zu helfen, offensichtlich Mühe macht. Anscheinend denkt dort niemand nach, daß auch wir Mädchen viele Kräfte in unser Studium investieren und uns auf unseren zukünftigen Beruf wirklich freuen. Aber von der Studentin wird mit Nachdruck eine umfassendere Ausbildung verlangt als von Theologiestudenten, um ihr dann Aufgaben anzuvertrauen, die diese Ausbildung nicht rechtfertigen."<463>

3.3.7. Die Erstellung, Ablehnung und Überarbeitung des Referentenentwurfes

Gemäß dem Auftrag der Landessynode bemühte sich der bayerische Landeskirchenrat, ein neues Theologinnengesetz vorzulegen. Landesbischof Dietzfelbinger beschrieb die Grundlage dafür so: Ausgangspunkt war für ihn, die "Grenzen" gegenüber dem männlichen Hirtenamt, das er mit dem Pfarramt gleichsetzte, einzuhalten. Deshalb sollten die Aspekte Ordination, Gemeindeleitung, öffentliche Gemeindegottesdienste, Amt der Schlüssel und Sakramentsverwaltung durch Theologinnen außer Betracht bleiben. Statt dessen sah er "Arbeitsgebiete" bzw. "Fachrichtungen" als Ansatzpunkte für die Entwicklung eines "Dienstes eigener Art" der Theologinnen, für den sie hinsichtlich der sozialen Bedingungen mit den Pfarrern gleichgestellt werden sollten. Als "Arbeitsgebiete" faßte er zum einen die katechetische und schulische Unterweisung ins Auge. Der Titel sollte dafür "Studienrätin im Kirchendienst" lauten. Ein zweiter Bereich sollte die gemeindliche und übergemeindliche Arbeit sein, wo "Pfarrkuratinnen" und "Kirchenrätinnen" wirken sollten. "Ephorinnen" sollten im dritten Bereich, der Diakonie, Inneren Mission und sozialen Arbeit, tätig werden. Entsprechend dieser Orientierung des Berufsbildes an einzelnen Aufgabengebieten wollte er dafür auch eine geschlechts- und aufgabenspezifische Ausbildung mit entsprechenden Studienschwerpunkten und Praktika schaffen. Landesbischof Dietzfelbinger sah in seinem Konzept ein "Berufsbild für nachwachsende Theologinnen, dem zu widmen sich lohnt", und die Chance, daß wichtige Arbeitsgebiete der Kirche "theologisch durchdacht, durchgearbeitet und durchlitten werden".<464> Es sollte sich um einen Dienst eigener Art handeln, der nicht in das Pfarrerrecht, sondern das Kirchenbeamtenrecht integriert sein sollte. Im Unterschied zum Hirtenamt sollte er nicht mit Sakramentsverwaltung verbunden sein. Eine Besserstellung der Theologinnen im Vergleich zur vorherigen Rechtslage sollte hinsichtlich ihrer Bezahlung und der Möglichkeit zur Weiterarbeit bei Heirat erfolgen.

Der Theologinnenkonvent, der Ende September 1966 den auf dem Konzept Dietzfelbingers beruhenden Referentenentwurf für ein neues Theologinnengesetz mit der Bitte um Stellungnahme erhielt, lehnte den Entwurf ab. Er begründete dies mit dem vorgesehenen Ausschluß der Theologinnen aus dem geistlichen Amt bei gleichzeitigem Beharren auf dem Einmannpfarramt, der frühen Festlegung auf ein Arbeitsgebiet und der erneuten Verweigerung der Sakramentsverwaltung.

Wie bei den vorangegangenen Stellungnahmen setzten die Theologinnen wiederum einen breiten Reflexionsprozeß in Gang.<465> Die Theologin Johanna Höhne erarbeitete daraus ein sechzehnseitiges Positionspapier, das der Theologinnenkonvent dem Landeskirchenrat zusandte. In besonderer Weise fanden die Erwägungen Marianne Pflügers und die Traunsteiner Thesen Beachtung. Liesel Bruckner wies in einem Begleitschreiben an ihre Amtsschwestern auf zwei wichtige Punkte hin. Zum einen wiesen die Theologinnen die Einstufung ihrer Arbeit als Laiendienst zurück. Zum anderen hielten sie hinsichtlich der Sakramentsverwaltung bewußt die Entwicklung zum Amt der Pastorin, wie in den VELKD-Regelungen vorgesehen, offen und boten keinen Rückzug auf eine eingeschränkte Sakramentsverwaltung an. Die Gefahr sei sonst groß, das Hauptziel aufzugeben und die


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Sakramentsverwaltung angesichts des Amts- und Ordinationsverständnisses des Landeskirchenrates trotzdem nicht zu bekommen.<466>

Das Schwergewicht in der Stellungnahme des Theologinnenkonvents lag auf der Kritik der theologischen Konzeption des Gesetzentwurfes.<467> In einem ersten Teil kritisierten sie das dort anzutreffende Amtsverständnis. Die Arbeit der Theologinnen wurde in dem Entwurf dem geistlichen Amt nur noch "zugeordnet", während in den Vikarinnengesetzen von 1944 und 1954 von der Mitarbeit der Theologinnen im geistlichen Amt die Rede gewesen war. Erneut wiesen sie die Gleichsetzung von geistlichem Amt gleich Hirtenamt gleich Gemeindepfarramt in der heutigen Gestalt zurück. Dieses Amtsverständnis entspreche nicht der neutestamentlichen Vielfalt des Amtes und berücksichtige auch nicht die theologische Kritik in der Reformationszeit an einer Trennung zwischen Laien und Geistlichen. Die notwendige Differenzierung des Amtes in einer Epoche des Wandels von einer patriarchal-paternalistischen zu einer partnerschaftlichen Gesellschaftsstruktur werde damit nicht vollzogen. Die Ordination sei nicht als notwendige Voraussetzung für die Sakramentsverwaltung zu betrachten. Die Wortverkündigung und die Sakramentsverwaltung würden so in unzulässiger Weise auseinandergerissen und der Anschein erweckt, daß die Sakramentsverwaltung einen höheren Stellenwert habe als die Wortverkündigung. Dies entspreche aber eher der römisch-katholischen Theologie.

In ähnlicher Weise rekurrierten sie bei der Frage des Geschlechterverhältnisses als zweitem Aspekt der Zulassung von Frauen zum geistlichen Amt auf die reformatorische Theologie. Dieser entspreche das Bedenken des biblischen Gesamtzusammenhanges und nicht der biblizistische Verweis auf einzelne Bibelstellen wie z.B. 1. Kor 14. Dann falle der Blick auch auf die in der Nachfolge Christi verantwortlich handelnden Frauen, die sich an der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums beteiligten. Die Position Luthers in der Geschlechterfrage sei stark von seinem patriarchalischen Kontext bestimmt gewesen. Er habe die Fragen nur unzureichend wahrgenommen. Im Gegensatz dazu seien Frauen in der Gegenwart bereits auf mannigfache Weise auch im kirchlichen Bereich öffentlich tätig, so z.B. als Diakonissen. Theologinnen, die im Bereich der Publizistik arbeiteten, erreichten eine viel größere Öffentlichkeit als ein Gemeindegottesdienst.

Hinsichtlich des dritten Argumentes, des Bemühens um die Einheit der Kirche, wiesen die Theologinnen darauf hin, daß es nach CA VII ausreichend sei, das Evangelium schriftgemäß zu predigen und die Sakramente ordnungsgemäß zu verwalten. Unterschiedliche Regelungen in den Kirchenverfassungen seien auch in vielen sonstigen Fragen in der Ökumene akzeptabel. So kamen die Theologinnen zu dem Ergebnis, daß die Frauenordination dem Amts- und Kirchenverständnis der Heiligen Schrift und den Bekenntnisschriften entspreche. Maßstab müsse sein, was dem Gemeindeaufbau in der jetzigen Notzeit der Volkskirche dient. In einem zweiten Abschnitt kritisierten sie einzelne Bestimmungen, z.B. die Unklarheit hinsichtlich der Weiterbeschäftigung bei Eheschließung, das Zustandekommen von Dienstanweisungen, die Einrichtung von Planstellen. Sie bemängelten die Abwertung ihrer Einsegnung, da diese nur noch als Kann-Bestimmung vorgesehen wäre und damit zu einer individuellen Beliebigkeit werde. Sie stellten die Rechtmäßigkeit der Übergangsbestimmung im Gesetzentwurf in Frage, da sie eine Schlechterstellung gegenüber dem vorherigen Zustand bedeute.

In ihrer Schlußbemerkung wiesen die Theologinnen erneut auf den historischen Kontext der Entstehung des Theologinnenberufes hin. So habe die allgemein-kirchliche Lage eine "Ausdifferenzierung kirchlicher Arbeit gegenüber den klassischen Formen in Gottesdienst und Unterweisung" erforderlich gemacht. Die Orientierung der ersten Theologinnengesetze am Pfarrerrecht habe die Auseinandersetzung mit dem Amts- und Gemeindeverständnis nötig gemacht. Entsprechend förderten viele neue Theologinnengesetze anderer Landeskirchen neue Formen der Arbeitsteilung, wie dies strukturelle Überlegungen in der Kirche heute zu Recht verlangten. Der vorliegende Referentenentwurf biete im Gegensatz dazu keine neue Lösung, und der Theologinnenkonvent stimme diesem deshalb nicht zu.

Nachdem der Referentenentwurf so wenig Zustimmung fand, zog ihn der Landeskirchenrat stillschweigend zurück. Der Synodalausschuß erinnerte während des Überarbeitungsprozesses des Referententwurfes mehrfach daran, daß die Synode beschlossen hatte, den Theologinnen die Sakramentsverwaltung im Amtsbereich zu übertragen. Trotzdem fehlte dies auch in den


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überarbeiteten Entwürfen des Landeskirchenrates in den folgenden Jahren.<468> Die Landessynode erklärte sich schließlich zu einer weiteren Einschränkung bereit. Die Sakramentsverwaltung sollte den Theologinnen nur "in geschlossenen Gruppen, Anstalten und Krankenhäusern" übertragen werden.<469>

Der Theologinnenkonvent war inzwischen grundsätzlich gegen eine solche Begrenzung der Sakramentsverwaltung und skeptisch, da bereits dreimal ein kirchliches Gremium die Sakramentsverwaltung der Theologinnen beschlossen hatte. Liesel Bruckner kritisierte gegenüber Landesbischof Dietzfelbinger die praxisferne Position des Landeskirchenrates, die allein dem Zweck diene, daß der Pfarrer seine Sonderstellung in der Gemeinde behalte. Dies entspreche aber nicht der Absicht der Synode. Liesel Bruckner stellte die Frage nach dem weiteren Entscheidungsverfahren: "Hier steht nun Meinung gegen Meinung. Ich glaube kaum, daß Sie bei der Fülle Ihrer Aufgaben sich noch mit der Theologinnen-Frage beschäftigen können. Aber es ist doch auch nicht so, daß Ihre Meinung allein gültig sein kann, sondern daß wir uns um eine für beide Teile gute Lösung bemühen müssen."<470>

In einem überarbeiteten Entwurf des Landeskirchenrates, der im Januar 1968 als sogenannter Beamtenentwurf präsentiert wurde, fehlte erneut die Sakramentsverwaltung der Theologinnen. Der Landeskirchenrat begründete dies damit, daß die Austeilung des Heiligen Abendmahls das ordinierte geistliche Amt voraussetze. Eine Abgrenzung der eingeschränkten von der öffentlichen Sakramentsverwaltung sei schwierig. Außerdem sei es denkbar, daß auch andere kirchliche Mitarbeiter die Sakramentsverwaltung übertragen bekommen wollten. Im Falle von Lebensgefahr könnten die Theologinnen wie bisher Nottaufe und Abendmahl erteilen.<471>

Der Theologinnenkonvent nahm zu diesem Entwurf mit einer Überarbeitung des Positionspapiers von 1966 Stellung und legte außerdem noch eine Übersicht über die Regelungen der Theologinnenarbeit in anderen Kirchen bei. Sie zeigte, daß alle anderen deutschen Landeskirchen, die zu diesem Zeitpunkt Theologinnengesetze hatten, den Theologinnen die Sakramentsverwaltung übertragen hatten.<472> Hinsichtlich des Amtverständnisses stellten die Theologinnen noch einmal deutlicher dessen Charakteristik als männliches Hirtenamt in Frage. Sie wiesen darauf hin, daß die Repräsentation Christi im Dienstcharakter des geistlichen Amtes und nicht im männlichen Geschlecht des Amtsträgers bestehe. Überdies werde das Hirtenbild zwar im Alten Testament vom "Lenken und Leiten der Herde" geprägt, im Neuen Testament stehe dagegen der Moment der Fürsorge, Begleitung und des Schutzes im Vordergrund. Sie bezweifelten, ob es dem lutherischen Amtsbegriff entspreche, daß die Sakramentsverwaltung nur durch Ordinierte ausgeübt werde. Hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses wiesen sie die Behauptung zurück, daß die Unterordnung der Frau unter den Mann seit dem Sündenfall auch die angemessene Ordnung des Geschlechterverhältnisses im Leib Christi darstelle.<473>

3.3.8. Äußerungen pro und contra Ausweitung der Theologinnenarbeit in der Synodaldiskussion 1969/70

Die Mehrheit der bayerischen SynodalInnen und mit ihnen der Landessynodalausschuß drängten auf die Realisierung des 1965 gefaßten Beschlusses der Landessynode, den Theologinnen die Sakramentsverwaltung zu übertragen. Sie verwiesen auf die positiven Erfahrungen mit der Theologinnenarbeit in verschiedenen Arbeitsfeldern und darauf, daß eine Reform des geistlichen


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Amtes nötig sei. Dieses sei nicht identisch mit dem königlich-bayerischen Pfarramt, wie es 150 Jahre vorher unter bestimmten Umständen entstanden sei.<474> Diese Auffassung der Mehrheit der SynodalInnen unterstützten Stellungnahmen des Arbeitskreises Evangelische Erneuerung<475>, der Evangelischen Akademikerschaft<476> und ein Gutachten der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen/Nürnberg<477>. In diesem hieß es, daß von Schrift und Bekenntnis her keinerlei Einwände gegen die Übertragung des geistlichen Amtes an Theologinnen zu erheben seien. Dies sei vielmehr eine Frage der kirchlichen Ordnung. Über diese zu entscheiden komme sowohl nach Auffassung Luthers als auch des Neuen Testamentes den Gemeinden zu. Nach Meinung der Evangelischen Akademikerschaft sollten die Theologinnen uneingeschränkt Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung ausüben und Zugang zum Gemeindepfarramt erhalten.

Eine Minderheit der bayerischen SynodalInnen forderte dagegen den Verzicht der Theologinnen auf die Sakramentsverwaltung, um den betroffenen Pfarrern und auch dem bayerischen Landesbischof die Gewissensnot zu ersparen. Sie bekamen ebenfalls von einer Reihe kirchlicher Gruppierungen mit Stellungnahmen Unterstützung, wie z.B. dem theologischen Ausschuß für Innere und Äußere Mission und der evangelisch-lutherischen Gebetsbruderschaft.<478> Hinzu kamen noch Einzelinitiativen, z.B. von dem Wunsiedler Dekan Dr. Reissinger, der ein Papier mit dem Titel "Das Amt der Kirche und die Frau" mit Hilfe des Landeskirchenamtsapparates an alle bayerischen SynodalInnen sandte. Er bot darin der Kirchenleitung Unterstützung bei der Bewahrung der bayerischen Landeskirche vor Häresie und Kirchenspaltung an.<479> Eine Stellungnahme des Pfarramtes in Holzkirchen bezeichnete es als Pflicht jedes Christen, der Amtsausübung durch Theologinnen zu widerstehen.<480>

Die Stellungnahme des theologischen Ausschusses für die Innere und Äußere Mission im Sinne der lutherischen Kirche e.V. bemühte sich noch einmal, ein Amt sui generis zu konstruieren, das auf der besonderen Wesensart der Frau beruhen sollte. Diese charakterisierte er so: Ihre stärkere Empfindlichkeit erfordere eine behutsamere Regelung des Verhältnisses zum Dienstvorgesetzten. Auch ihr früheres Altern und ihr stärker sensitives Engagement seien zu berücksichtigen. Angesichts ihrer Verpflichtungen gegenüber Verwandten, insbesondere dem Ehepartner gegenüber, sei ihr die Einschränkung des Dienstverhätnisses zu ermöglichen, da die Zölibatsforderung unevangelisch sei. Die Kirche müsse jedoch an der bleibenden gottgewollten Bedeutung des Geschlechtsunterschieds gegenüber schwärmerischen und Säkularisationstendenzen festhalten, die eine Kopie des "Amtes der Männer" bezwecken. Schließlich habe Jesus das Amt allein den Männern gegeben, obwohl geeignete Frauen vorhanden gewesen seien. Als Aspekte, die für Mann und Frau gleich zu regeln seien, nannten sie die Bekenntnisgebundenheit, die Frage der Aus- und Fortbildung, die Lehrverpflichtung, die


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Einsegnung, Wohnraum und Gehalt.<481>

Landesbischof Dietzfelbinger betonte in der Synodaldiskussion erstmals den Aspekt, daß die Kirche die schwachen Gewissen von Amtsbrüdern schützen müsse. Theologinnen sollten nicht die Gemeindeleitung erhalten. Die Sakramentsverwaltung könne ihnen - wie in der finnischen Kirche - auch als Nichtordinierten übertragen werden. Wenn die Theologinnen sie zugesprochen bekämen, sollten auch andere kirchliche Mitarbeiter Zugang zur Sakramentsverwaltung bekommen, um einer Verfestigung des geistlichen Amtes entgegenzuwirken.<482>

Der Alterspräsident der bayerischen Landessynode, Dr. Lentrodt, stellte die ablehnende Argumentation gegenüber der Frauenordination in Frage. Hinsichtlich der ökumenischen Verantwortung der bayerischen Landeskirche wandte er ein, daß Bayern nicht den "theologischen Nabel der Welt" darstelle. Weltweit gehe die Bewegung hin zur Beteiligung der Frauen als "gleichberechtigte Mitkämpferinnen in vielen Kirchen der Ökumene". Ein biblizistisches Vorgehen sei abzulehnen. Vielmehr sei der biblische Gesamtzusammenhang zu berücksichtigen. Gegenüber dem befürchteten Leiden des geistlichen Amtes, wenn Frauen es ausüben, verwies er darauf, daß "bisher die Männer nicht wenig zum Leiden der Kirche beigetragen haben". Er äußerte den Verdacht, daß diese Einwände in "archaischer und patriachalischer Weise die Selbsteinschätzung des Mannes und die Sakralisierung seiner männlichen Würde bei vielen Mitläufern aus anderen als neutestamentlichen Gründen" nähren würden. Die schlichte Berufung der Gegner auf ihr Gewissen, ihre Drohung mit der Amtsniederlegung berücksichtige nicht die Gewissensentscheidung der Befürworter.<483>

Die Initiative "Kritische Begleitung der Synode" (KRIBS), die mit Flugblättern die Diskussion der Synode kommentierte, äußerte ebenfalls Anfragen an die Verhältnisbestimmung zwischen Schwachen und Starken, wie sie Landesbischof Dietzfelbinger vorgenommen hatte: "Wer sind die Schwachen? Eine Gruppe von etablierten Pfarrern, die in gleicher Weise vom Pfarrergesetz geschützt sind wie ihre Kollegen und die in der Lage scheinen, bei Nichtberücksichtigung ihrer Wünsche eine eigene Kirche zu gründen, oder die Theologinnen selbst, die seit Jahren aus Bayern abwandern, weil ihre Berufung mißachtet wird?"<484> Außerdem kritisierte sie die Anfragen einiger Gruppierungen und den Umgang des Landesbischofs mit der Kompetenz der Landessynode hinsichtlich von Entscheidungen, die Fragen des geistlichen Amtes betreffen: "Oder weichen Sie auf eine illusionäre Einmütigkeit aller Amtsträger aus, weil Sie einer Mehrheit in der Synode nicht mehr sicher sind? Wo ist in der Verfassung unserer Kirche das Plebiszit aller Amtsträger vorgesehen? Ist Nichtstun der gesuchte gemeinsame Weg?"<485>


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Angesichts dieser Diskussion kam es zu einer weiteren Überarbeitung der Entwürfe in dem synodalen Ausschuß, der inzwischen den Namen "Amt und Ordination" trug.<486> Die Mehrheit der bayerischen SynodalInnen war gegen eine Gleichsetzung der Theologinnen mit anderen Laiinen und Laien als kirchlichen MitarbeiterInnen. So bekam der bayerische Landeskirchenrat den Auftrag, den Referentenentwurf für die Gestaltung der Theologinnenarbeit zu überarbeiten und ein Beauftragungsgesetz zu entwerfen, das die Sakramentsverwaltung auch für LaiInnen öffnen sollte.<487> Ein weiterer Gegenstand der Debatte war die Weiterbeschäftigung verheirateter Theologinnen.<488> Sie schlug sich in einer Reihe von Bestimmungen zur Frage von Beurlaubung und Teilbeschäftigung im Theologinnengesetz von 1970 nieder.


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3.3.9. Das Theologinnengesetz von 1970

Vor der Synode, bei der das Theologinnengesetz zur Abstimmung stand, kam es erneut zu Debatten über den richtigen Zeitpunkt und die Reife der theologischen Diskussion. Ein Synodaler kommentierte dies mit der Bemerkung: "Es ist schwer, keine Satire zu schreiben."<489> Der Landeskirchenrat zog den Entwurf für das Beauftragungsgesetz zurück. Landesbischof Dietzfelbinger nahm aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Synodaltagung teil und behielt sich seine weitere Entscheidung vor.<490> Trotzdem erhielt der Vorschlag für das wiederholt überarbeitete Theologinnengesetz bei seiner ersten Lesung bei der Landessynode 1970 eine deutliche Mehrheit von 73 Pro- bei neun Contra-Stimmen.

In seinem ersten Paragraphen war wie in den vorangegangenen Vikarinnengesetzen von der "Mitarbeit im geistlichen Amt" die Rede. Eine grundlegende Veränderung machte der zweite Paragraph deutlich, der nicht mehr ausgegrenzte Arbeitsgebiete aufzählte, sondern auf eine Festlegung der Arbeitsgebiete in einer Dienstordnung verwies.<491> Als Dienstgeber konnten Kirchengemeinden, Dekanatsbezirke, kirchliche Werke und Dienste auftreten. Auch mittelbare Dienstverhältnisse waren möglich. Die Sakramentsverwaltung konnte den Theologinnen in bestimmten Fällen übertragen werden, Amtshandlungen nur im Einzelfall.<492> Den Predigtdienst konnten sie nur bei Zustimmung des Kirchenvorstandes übernehmen. Für die Regelung all dieser Aspekte war die Dienstordnung entscheidend. Das Gesetz glich die Ausbildung der Theologinnen an die ihrer männlichen Kollegen an. Nach der Anstellungsprüfung sollten die Pfarrvikarinnen auf Probe zwei Jahre in einer Stelle tätig sein. Anschließend wurden sie zur Pfarrvikarin auf Lebenszeit ernannt. Eine weitgehende Angleichung an die Arbeitsverhältnisse ihrer männlichen Kollegen erfolgte auch dadurch, daß ihr unmittelbarer Dienstvorgesetzter nun der Dekan oder Dienststellenleiter bzw. Landeskirchenrat sein sollte und daß sie an allen Dienstbesprechungen des Pfarramtes teilnehmen sollten. Der Theologinnenkonvent sollte zur Beratung, Vertretung und Weiterbildung weiterbestehen. Eine Pfarrvikarin sollte in der Schlichtungskommission mitarbeiten. Als Sprecherin des Theologinnenkonvents sollte eine Pfarrvikarin für sechs Jahre bestellt werden. Erstmals regelte ein bayerisches Theologinnengesetz auch die Beschäftigungsverhältnisse verheirateter Theologinnen. So klärte es die Beschäftigung von TheologInnenehepaaren und enthielt Mutterschutzbestimmungen, Regelungen für die Beurlaubung und die Versetzung in den Wartestand.<493>


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3.3.10. Die Entwicklung der Theologinnenpraxis bis 1970

Bis 1960 war zunächst die Gesamtzahl der bayerischen Theologinnen auf 40 gestiegen, von denen 31 als Pfarrvikarinnen und vier als Vikarinnen im direkten Dienst der bayerischen Landeskirche standen.<494> Fünf Theologinnen arbeiteten als Studienrätin, Oberstudienrätin oder Studienprofessorin in einem staatlichen Anstellungsverhältnis. Auch von den Theologinnen im kirchlichen Dienst war etwa ein Drittel vorwiegend unterrichtend in verschiedenen Schultypen (Berufsschule, Oberschule, Frauenfachschule, Bibelschule usw. ) tätig, z.T. in Kombination mit Gemeindearbeit. Diese stellte ebenfalls für eine ganze Reihe von Theologinnen den Arbeitsschwerpunkt dar. Andere Theologinnen arbeiteten in verschiedenen kirchlichen Diensten, sei es in Anstalten und Werken, sei es in speziellen Seelsorgefeldern, wie z.B. der Einwanderermission in New York. Eine Theologin arbeitete u.a. an der Erstellung der lutherischen Kirchenzeitung ELKZ mit.

In der Zeit zwischen 1960 und 1969 verringerte sich die Zahl der bayerischen Theologinnen auf 30.<495> Etwa zehn bayerische Theologinnen waren in diesem Zeitraum in Landeskirchen gegangen, die für die Theologinnenarbeit offener waren. Außerdem war auch die Anzahl verheirateter Theologinnen, die von der Zölibatsforderung betroffen waren, erheblich angestiegen. So fanden sich auf der offiziellen Vikarinnenliste 1965 36 Namen und auf einer Zusatzliste 49 weitere Theologinnen, die nicht im Dienstverhältnis der bayerischen Landeskirche standen.<496> Bei einer ganzen Reihe von ihnen machte der Vermerk "Pfarrfrau" deutlich, daß sie ihre theologische Kompetenz ehrenamtlich einbrachten. In der Verteilung der Theologinnen auf die einzelnen Arbeitsfelder kommt das gestiegene Durchschnittsalter zum Ausdruck. So war 1965 nur noch eine Theologin in der Jugendarbeit tätig, während die Anzahl der Theologinnen im Bereich der Frauenarbeit mit fünf Theologinnen relativ stabil blieb. In der Gemeindearbeit standen 1965 zwölf Theologinnen (1969 neun) als ausschließlichem Arbeitsfeld, fünf von ihnen (1969 vier) waren dort in Kombination mit unterrichtender Tätigkeit. Ausschließlich Unterricht erteilten 1965 noch vier Theologinnen. Je eine verband die Lehrtätigkeit mit Krankenhausseelsorge bzw. der Mitarbeit in einem Heim für gefährdete Mädchen. Einzelne Theologinnen arbeiteten weiterhin in der kirchlichen Sozialarbeit und im Katechetischen Seminar.


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3.4. Vom Theologinnengesetz 1970 bis zum Pfarrerinnengesetz 1975

3.4.1. Probleme bei der Anwendung des Theologinnengesetzes und die Entscheidung für die Integration der Theologinnen ins Pfarrergesetz

Der bayerische Theologinnenkonvent hatte gehofft, daß sich durch das Theologinnengesetz die Arbeitsbedingungen für Theologinnen in Bayern grundlegend verbessern würden.<497> Liesel Bruckner hatte nach der ersten erfolgreichen Lesung des Theologinnengesetzes nach 35 Jahren ihr Amt als Konventsvorsitzende niedergelegt. An ihrer Stelle bildeten fünf Theologinnen aus unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsformen ein leitendes Team. Dessen Sprecherin Elisabeth Wolf bestätigte der Landeskirchenrat als offizielle Vertreterin des Theologinnenkonvents.<498>

Das Beauftragungsgesetz, wonach auch LaiInnen die Sakramentsverwaltung übertragen werden konnte, verabschiedete die Frühjahrssynode 1971 mit der nötigen Zweidrittelmehrheit.<499> In der Landessynode ging die Diskussion über das Pfarrerbild und den Pfarrberuf weiter.<500> Eine Gruppe von Gegnern der Übertragung der Sakramentsverwaltung an Frauen um den Wunsiedler Dekan Dr. Reissinger legte Rechtsverwahrung gegen das Theologinnengesetz ein. Dieses griff ihrer Meinung nach in das lutherische Bekenntnis ein, und eine solche Entscheidung stand der Synode nach der Kirchenverfassung nicht zu.<501>

Die erste Schwierigkeit bei der Anwendung des Theologinnengesetzes zeigte sich bei der Einrichtung spezieller Planstellen für Pfarrvikarinnen. Der Ausbildungsreferent bat inoffiziell um Auskünfte über die Beschaffenheit der aktuell von Pfarrvikarinnen eingenommenen Arbeitsstellen und fragte, ob durch eine Umstrukturierung der Stelle unter Umständen ein männlicher Theologe freigestellt werden und die Theologin seine Aufgabe übernehmen könnte.<502> Die Landessynode beschloß bei ihrer Frühjahrssynode 1971 die Einrichtung von folgenden Pfarrvikarinnenstellen: sechs im Bereich von Pfarrämtern, drei waren Dekanaten zugeordnet, zwei dem Amt für Gemeindedienst, eine dem Landesjugendpfarramt. Weitere zehn Pfarrvikarinnenplanstellen legte sie ohne feste örtliche Bindung fest. Bei ihnen hielt sie weitere Prüfungen für nötig, ob "wirklich alle Voraussetzungen für eine sinnvolle dauernde Arbeit einer Pfarrvikarin (losgelöst von der Person der bisherigen Inhaberin) vorhanden sind".<503>

Bis zum Jahreswechsel 1971/72 traten weitere massive Probleme bei der Anwendung des Theologinnengesetzes auf, so daß der Theologinnenkonvent zu der Auffassung kam, daß das


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Theologinnengesetz "theologisch fragwürdig, menschlich diskriminierend, praktisch kaum durchführbar"<504> sei. Als theologisch fragwürdig sahen sie zum einen die erneute Beauftragung in speziellen Gottesdiensten nun mit der Sakramentsverwaltung an. Zum zweiten war für sie die Beschränkung der Sakramentsverwaltung theologisch nicht vertretbar hinsichtlich der damit verbundenen Unterscheidung zwischen öffentlichem und halböffentlichem sakramentalem Handeln und der geforderten Begründung, warum Sakramentsverwaltung notwendig sei. Menschlich diskriminierend fanden sie ihre erweiterte Abhängigkeit vom theologischen Standpunkt und Einspruchsrecht ihrer männlichen Kollegen bei der Ausweitung der Theologinnentätigkeit über das Berufsfeld einer Gemeindehelferin oder eines "Mädchens für alles" hinaus.<505> Zu einer herabwürdigenden Einschätzung ihres Status trug ihrer Meinung nach auch ihre Amtsbezeichnung "Pfarrvikarin" und ihre gebliebene Zuordnung zum Ausbildungs- statt zum Personalreferat bei. Wie schwierig das Theologinnengesetz von 1970 praktisch durchführbar war, machten sie daran deutlich, daß mehrere Theologinnen angesichts des komplizierten Verfahrens der Übertragung der Sakramentsverwaltung via Theologinnengesetz den einfacheren und schnelleren Weg des Beauftragungsgesetzes wählten.<506> Dies führte jedoch zu merkwürdigen Konstellationen: "Wenn Frau H. seelsorgerlich tätig wird, tut sie das als Pfarrvikarin, führt die Seelsorge jedoch zum Abendmahl, so teilt Frau H. das Sakrament als ein von der Kirche beauftragter Laie aus."<507>

Im Theologinnenkonvent nahm angesichts dieser Situation die Verärgerung zu. Die älteren Theologinnen waren enttäuscht. Der Landeskirchenrat zeigte nur zu deutlich, daß er dem Theologinnengesetz nur deshalb zugestimmt hatte, um die Gleichstellung der Theologinnen mit ihren männlichen Kollegen zu verhindern. Selbst auf der Besoldungsebene, auf der die Theologinnen seit den 60er Jahren offiziell gleichgestellt waren, wurde ihnen nur ein Gehalt bis Stufe IV zugestanden und z.B. nicht die für die Leitung einer Dienststelle übliche Besoldung.<508> Der Theologinnenkonvent machte die für ihn nicht mehr tragbare Situation der kirchlichen Öffentlichkeit in einem "Theologinnenreport" bekannt, den er in Kooperation mit dem Arbeitskreis Evangelische Erneuerung (AEE) und dem evangelischen Pressedienst herstellte. Dieser stellte zehn verschiedene Arbeitssituationen bayerischer Theologinnen vor.<509>


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Selbst die Gegner des Theologinnengesetzes bescheinigten dem Theologinnengesetz von 1970, daß es inkonsequent und ein schlechter Kompromiß sei. Einzig die Einführung einer klaren Vocatio zur Sakramentsverwaltung sei anzuerkennen. Letztlich bleibe es jedoch ihr Ziel, ein Kirchengesetz zu schaffen, das die gottgewollte Polarität von Mann und Frau in Analogie zum Verhältnis von Amt und Gemeinde bei Fortsetzung der Tradition des männlichen Priestertums zum Ausdruck bringe.<510> Auch der für die Theologinnen zuständige Ausbildungsreferent Wolf und das lutherische Kirchenamt in Hannover plädierten für ein neues Kirchengesetz.<511>

Die Theologinnen selbst planten zunächst, die neu gebildete Landessynode lediglich auf ihre schwierige Situation aufmerksam zu machen und nicht sofort einen neuen Gesetzgebungsprozeß in Gang zu setzen.<512> 40 SynodalInnen stellten jedoch bereits bei der Frühjahrssynode 1972 den Antrag, daß möglichst rasch eine Vorlage für eine Verbesserung des Theologinnengesetzes vorbereitet werden solle: "Die Synode soll in den Stand gesetzt werden, anhand der Vorlage erneut zu prüfen, ob sie angesichts der kirchlichen Lage an der Verweigerung der Ordination für Frauen festhalten kann."<513> Zusätzlich griff die Herbstsynode 1972 die Eingabe einer verheirateten Theologin als Anstoß auf, über Teilbeschäftigungsverhältnisse für verheiratete Theologinnen nachzudenken.<514> Es bildete sich ein gemischter Ausschuß aus fünf SynodalInnen, fünf Vertretern des Landeskirchenrates und fünf Sachverständigen, darunter drei Theologinnen.<515> Der Landeskirchenrat und Landesbischof Dietzfelbinger versuchten erneut, durch eine Hinhaltetaktik die Arbeit des Ausschusses zu verzögern bzw. zu verhindern.<516>

Bereits bei der Herbstsynode 1973 waren jedoch die praktischen und theologischen Grundlagen für die angestrebte Neuregelung der Theologinnenarbeit deutlich. Der Grundgedanke war die Gleichstellung der Theologinnen mit den Pfarrern, wie sie inzwischen in fast allen Kirchen der VELKD, der EKD und des BEK-DDR eingeführt war und auch als bekenntnisgemäß galt. Die Bedenken gegen die Frauenordination wurden nicht mehr als ausreichend angesehen.<517> Um eine rasche Novellierung zu erreichen, strebte der Ausschuß keine Verknüpfung mit der ebenfalls als notwendig angesehenen Auffächerung des geistlichen Amtes an.<518> Der Landeskirchenrat forderte erneut, daß die Frauenordination im Zusammenhang mit der Lehre des Amtes der Kirche theologisch reflektiert werden müsse und die Entscheidung offengehalten werden müsse, ob nicht ein eigenes Theologinnengesetz angemessener sei als die Integration ins Pfarramt. OKR Wolf wies darauf hin,


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daß das Selbstverständnis des Pfarrers in einer Krise sei. Die Regelung der Theologinnenarbeit solle deshalb nicht auf das unvollkommene Pfarrerrecht zurückgreifen, das selbst umzustrukturieren sei.<519>

Die Landessynode beharrte jedoch angesichts der problematischen Berufssituation auf der Integration der Theologinnen ins Pfarrerrecht und setzte eigene Ausschüsse ein, um ein zügigeres Vorgehen zu erreichen. Sie entschied, daß der Ordination als lebenslänglicher Verpflichtung der Beamtenstatus besser entspreche als das Angestelltenverhältnis. Deshalb sollten auch teilbeschäftigte ordinierte Theologinnen im Beamtenstatus arbeiten, während Theologinnen, die sich nicht ordinieren lassen wollten, im Angestelltenverhältnis verbleiben sollten.<520> Den SynodalInnen war deutlich, daß die Theologinnen in ein keineswegs geschlechtsneutrales Pfarramtskonzept integriert würden: "Wir haben uns streng gehütet, aus dem Stand der Frau grundsätzliche Veränderungen im Verständnis von Amt und Ordination herzuleiten. Es hätte Rückwirkungen auf den Pfarrer gehabt, die nicht in unserer Kompetenz gelegen wären und von uns auch gar nicht gewünscht würden. Wir haben aus diesem Grunde auch darauf verzichtet, manche für die Frauen leichter praktikable Lösungen vorzuschlagen, aus theologischen und rechtlichen Gründen. Den Weg in das Pfarrergesetz für die Frau zu schaffen - das war auch den anwesenden Damen klar - kostet etwas und muß mit Verzicht erkauft werden."<521>

Da es nicht möglich war, die Gegner der Frauenordination zu überzeugen, bemühte sich der Vorsitzende des Synodalausschusses, akzeptable Regelungen des Gewissensschutzes zu finden. Er sicherte zu, daß diese als Dauer- und nicht als Übergangsbestimmungen gedacht waren.<522> Damit sollte eine Kirchenspaltung<523> bzw. weitere Konversionen lutherischer Pfarrer zur katholischen Kirche<524> verhindert werden. Die kirchenpolitische Situation war nicht zuletzt dadurch angespannt, daß Landesbischof Dietzfelbinger ankündigte, seine Unterschrift unter ein derartiges Gesetz zu verweigern, und unklare Aussagen über die Dauer seiner weiteren Amtzeit machte.<525> Die BefürworterInnen des Gesetzes setzten sich als Ziel, den Gesetzentwurf bei der Frühjahrssynode 1974 bis zur ersten Lesung zu bringen, um eine sachlich und rechtlich verbindliche Basis für die Weiterarbeit zu haben. Andererseits wollten sie verhindern, daß die in der Synode erkennbare Mehrheit für die Frauenordination aus Rücksicht auf Landesbischof Dietzfelbinger gegen das Gesetz stimmte. Der Bruderrat sollte ein Gespräch mit ihm führen, um ihm deutlich zu machen, daß sein eigenes Verhalten - entgegen seiner Absicht - zur Kirchenspaltung beitrage. Auch unter den SynodalInnen setzten sie


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noch einmal einen intensiven Meinungsaustausch in Gang. Dabei verdeutlichten sie vor allem auch die theologischen Argumente.<526>

3.4.2. Die theologische Auseinandersetzung über die Frauenordination in den synodalen Arbeitsgruppen

Sowohl die synodale Arbeitsgruppe "Offene Kirche "(AOK), die die Frauenordination befürwortete, als auch der synodale Arbeitskreis "Frau und Kirche" (AFK), der diese ablehnte, formulierten Thesenreihen, als die Entscheidung über die Frauenordination bei der bayerischen Landessynode 1974 anstand. In diesen Thesenreihen stellten sie jeweils aus ihrer Sicht die theologischen Argumente für bzw. gegen die Frauenordination dar. Zusammen geben diese beiden Dokumente einen guten Überblick über den damaligen Stand der Diskussion.<527>

In den ersten beiden Thesen benannten sie ihre jeweilige biblisch-hermeneutische Auffassung. Nach Meinung der AOK war die Orientierung am Liebesgebot und "dem, was Christum treibet", entscheidend und nicht das Zitieren einzelner Bibelstellen wie z.B. 1. Korinther 14,34. Für den AFK stand dagegen der Gedanke der Unterordnung im Zentrum der biblischen Botschaft, wie er sowohl bei Jesus als auch in Epheser 5 und 1. Korinther 14 erkennbar sei. Dieser bleibenden Weisung sollten sich Frauen geistlich unterordnen.

Die dritte, vierte und fünfte These beschäftigten sich mit dem Aspekt einer geschlechtsspezifischen Bindung des Amtes in der Bibel. Die AOK argumentierte, daß das Neue Testament nur Christus als Hohenpriester bezeichne und sonst vom Priestertum aller Gläubigen ausgehe. Die Erlösungsordnung eröffne gegenüber der Schöpfungsordnung für die Frauen neue Möglichkeiten. Die biblische Rede vom Hirtenamt sei ein Bildwort, das die Fürsorge und verantwortliche Liebe im Amt ins Zentrum stelle. Der AFK betonte dagegen, daß Christus ausschließlich Männer mit dem Apostel-, Leitungs-, Schutz- und Wächteramt beauftragt habe. Frauen habe er dagegen bei ihrer natürlichen Fähigkeit zur Mutterschaft behaftet. In Galater 3 sei nicht von der Gleichheit, sondern vom Einssein der Geschlechter die Rede. Die Bibel spreche immer von Männern als Hirten.

In den jeweiligen sechsten bis achten Thesen wurde die Frage der Bekenntnisgemäßheit und die Relevanz der lutherischen Tradition des Amtes reflektiert. Die AOK wies darauf hin, daß die Bekenntnisschriften zur Übertragung des Amtes, d.h. der öffentlichen Verkündigung und Sakramentsverwaltung, lediglich die ordentliche Berufung, d.h. die Ordination, voraussetzten. Weder sei dort von einer bestimmten Ausbildung, der apostolischen Sukzession, einem bestimmten Alter oder Geschlecht die Rede. Auch in der lutherischen Tradition sei keine grundsätzliche Ablehnung von Frauen anzutreffen. Die Apologie z.B. zeige große Achtung vor dem Dienst der ledigen und verheirateten Frauen. Die Gutachten der theologischen Fakultäten der Universitäten Erlangen und München hätten außerdem die Bekenntnisgemäßheit der Frauenordination bestätigt. Der AFK betonte hingegen, daß allein die Schrift Richtschnur sei und kein spezielles Verbot der Frauenordination in den Bekenntnisschriften nötig sei. Die Verschiedenartigkeit der Aufgaben bei aller Gleichwertigkeit sei zu beachten. Den Wert des Erlanger Gutachtens stellte jemand in Frage, da es eine "Frau" unterschrieben habe und nicht alle Erlanger "Professoren" damit einverstanden gewesen seien.<528>

Als vierten Aspekt diskutierten zwei Thesen die ökumenischen Konsequenzen. Die AOK stellte die These auf, daß in fast allen Kirchen der Ökumene, auch in vielen lutherischen Kirchen die Frauenordination inzwischen eingeführt sei. Hinsichtlich der Auswirkungen auf das Verhältnis zur katholischen Kirche müsse sich die bayerische Kirche nicht an deren konservativsten Kräften orientieren. Der AFK führte unter Hinweis auf eine neuere ÖRK-Untersuchung dagegen an, daß bisher


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lediglich 72 von 267 ÖRK-Mitgliedern Frauen ordinierten. Von der katholischen Kirche sei gerade zu lernen, wie Frauen ohne Ordination in der Kirche zu ehren seien.

Die letzten beiden der jeweils zwölf Thesen diskutierten die Relevanz der historischen Kontextualität der aktuellen Entscheidung für oder gegen die Frauenordination. Die AOK wies darauf hin, daß das Argument der zu hohen Belastung niemals im Blick auf die schwere Arbeit der Diakonissen oder die unter wesentlich schwierigeren Bedingungen stattfindende pastorale Arbeit der Theologinnen in der DDR gebraucht worden sei. Außerdem gebe es auch bei den Männern Versager. Die Entscheidung für die Frauenordination sei angesichts der 40jährigen Diskussion und der unhaltbaren Situation in Bayern längst überfällig. Nach Meinung des AFK konnte dagegen aus dem in Notzeiten mit Gottes außergewöhnlicher Hilfe Möglichen kein Gesetz gemacht werden.<529> Angesichts der aktuellen Situation sei es gerade Aufgabe der Kirche, den Tendenzen zur unbiblischen Emanzipation, Anarchie und Auflösung tragender Ordnungen zu wehren. Dies erfordere ein klares Nein zur Frauenordination.


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3.4.3. Die synodale Diskussion bis zur Verabschiedung des Pfarrerinnengesetzes

In der synodalen Diskussion bis zur mehrheitlichen Entscheidung der bayerischen SynodalInnen für die Integration der Theologinnen in das Pfarrerrecht waren drei Themen vorherrschend:

Die Frage nach den ökumenischen Auswirkungen einer Entscheidung für die Frauenordination insbesondere hinsichtlich des Verhältnisses zur katholischen Kirche entdramatisierte die Verlesung eines Briefes des katholischen Theologieprofessors Karl Rahner in der bayerischen Synode. Rahner schrieb in diesem Brief, daß er sich zwar nicht in den Beratungsprozeß der bayerischen Synode einmischen wolle, aber bereit sei, ohne von seiner Kirche autorisiert zu sein, sich zur Frage der ökumenischen Beziehungen zu äußern. Seiner Meinung nach stellte eine Entscheidung für die Frauenordination lediglich "eine weitere kirchenrechtliche und pastorale Differenz" dar, die aber nicht den dogmatischen Dissens verstärke. Angesichts der vielen bereits existierenden Differenzen und der Vielzahl von Kirchen, die bereits Frauen ordinierten, habe eine solche Entscheidung der bayerischen Kirche kein großes Gewicht. Die lange Tradition von männlichen Priestern in der katholischen Kirche hielt er "für eine bloß menschlich geschichtliche, für einen für vergangene oder vergehende Zeiten notwendigen oder legitimen Reflex der profanen kulturellen oder gesellschaftlichen Situation der Frau, eine Situation, die sich heute sehr schnell wandelt".<530>

Als zweiten Aspekt diskutierten die SynodalInnen nochmals ausführlich die Frage, welche Regelungen hinsichtlich der familiären Belastungen verheirateter Theologinnen zu treffen waren. Zunächst klärten sie, daß es sich bei der reproduktiven Arbeit der Theologinnen nicht um einen Zweitberuf handle. Wenn Theologinnen mit Rücksicht auf ihre familiären Verpflichtungen von Anfang an nur Teilzeit arbeiten wollten, sollten sie nicht ordiniert werden und im Angestelltenverhältnis arbeiten.<531> Einige Synodale äußerten die Befürchtung, daß in Zukunft auch männliche Theologen aus familiären Gründen eine Teilzeitbeschäftigung anstreben könnten und dann die Gefahr bestünde, daß sich Wesen und Struktur des Amtes änderten. Diese Frage betreffe dann aber die VELKD im ganzen.<532> Diese Angst wiesen andere SynodalInnen zurück. Zwar sei es prinzipiell männlichen Beamten seit der Gleichstellung der Geschlechter 1974 auch möglich, ihre Arbeitszeit aus familiären Gründen zu reduzieren, jedoch unterscheide sich die männliche Berufsausübung grundsätzlich von der weiblichen. Das männliche Berufsbewußtsein und Engagement sei sehr stark. Deshalb sei es kaum vorstellbar, daß eine größere Zahl männlicher Theologen Sonderrechte in Anspruch nehmen und eine zeitliche Reduzierung der Arbeit anstreben würden.<533> Die Gegner der Frauenordination befürchteten erneut eine Überforderung der verheirateten Theologinnen im Pfarramt und daß die Gemeinden nur "ältere, geburtsunwillige Theologinnen" akzeptieren würden.<534> Eine Synodalin und auch der Vorsitzende des


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Theologinnenausschusses wiesen dagegen darauf hin, daß die Frage der Doppelbelastung der berufstätigen Frau die ganze Gesellschaft betreffe. Sie sei deshalb auch in diesem Rahmen zu lösen und nicht dadurch, daß die Kirche Frauen daran hindere, den Pfarrberuf auszuüben. Die Theologinnen sollten selbst entscheiden, wie sie pastorale Arbeit und Familienarbeit verbinden. Statt perfekte Kontrollregelungen zu schaffen, sei es Pflicht der Kirche, Schutz- und Hilfsangebote in großem Umfang zu schaffen.<535>

Als Ergebnis dieser Diskussion wurde der Verfahrensweg bei einer Beurlaubung aufgrund familiärer Belastung durch den LKR neu geordnet. Der Landeskirchenrat sollte die Theologin anhören und mit ihr überlegen, ob sie eine andere Aufgabe übernehmen könne. Falls er auf diesem Wege keine Lösung finden könne, sollte der Landeskirchenrat seine Entscheidung begründen.

Die SynodalInnen diskutierten ebenfalls erneut die Frage, ob ein TheologInnenehepaar gemeinsam in einer Gemeinde arbeiten könne. Sie wiesen auf den Widerspruch mit der 1970 in der Kirchgemeindeordnung getroffenen Entscheidung hin: Von der Pfarrfrau werde das Engagement in der Gemeinde ihres Mannes verlangt, der Theologin werde es dagegen untersagt. Nachdem sie die Kirchgemeindeordnung zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht ändern wollten, beauftragten sie den Pfarrerverein, Erfahrungsberichte über die Regelungen in anderen Landeskirchen zu sammeln und Vorschläge zu machen.<536> Ein Synodaler betonte, daß gerade die Unterscheidung zwischen Pfarrfrau und Pfarrerin wichtig sei.<537>

Der dritte Aspekt, dem die synodalen Beratungen erneut große Aufmerksamkeit widmeten, war die Frage des Gewissensschutzes der Gegner der Frauenordination. Diese machten deutlich, daß sie zwar nicht zur Akzeptanz, aber immerhin zur Toleranz der Frauenordination bereit waren.<538> In der Synode selbst wuchsen dagegen die Bedenken gegen eine rechtliche Institutionalisierung der Einwände gegen die ordinierten Theologinnen mit Blick auf die zukünftige Entwicklung und andere kirchliche Fragen, in denen kein Konsens zu erreichen war.<539> Sie kritisierte auch die Sonderstellung des Pfarrers, der als einzelner Veto gegen die Bewerbung einer Pfarrerin einlegen konnte, während dem Kirchenvorstand dies nur in seiner Mehrheit möglich war. Sie äußerte die Hoffnung, daß sich der "Vetoparagraph" durch die Praxis der Theologinnen erübrigen werde.<540> Die Gegner wiesen wiederum darauf hin, daß ihrer Meinung nach die bisherige theologische Diskussion noch nicht ausreichend gewesen sei. Die Integration der Theologinnen ins Pfarramt zementiere das bisherige "Ein-Mann-Schema“ statt es zu einem "Dienst-Diener-Organismus" zu erweitern.<541>

Während der Herbstsynode 1974 kam es schließlich zur ersten Lesung des Pfarrerinnengesetzes, das mit 70 Pro- bei 22 Contra-Stimmen die Zweidrittelmehrheit erreichte. Nicht unerheblich war für dieses Ergebnis die Ankündigung von Landesbischof Dietzfelbinger, daß er zum 1. Mai 1975, ein Jahr vor dem regulären Ablauf seiner Amtszeit, in den Ruhestand gehen werde. Er gab dafür gesundheitliche


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Gründe sowie andere "Tatsachen und Erfahrungen“ an.<542> Vor der Synode hatte er noch einmal versucht, seine Vorstellungen in die Diskussion einzubringen. Er plädierte für eine Ordination auf Zeit oder Teilzeit, um die Kollision von Amts- und Mutterpflichten zu verhindern. Die Theologinnen sollten zumindest nicht die Gemeindeleitung erhalten, da es die Gleichberechtigung des Mannes verletze, wenn die Verbindlichkeit des geistlichen Amtes gelockert werde.<543>

Bei der zweiten Lesung und Schlußabstimmung über die Integration der Theologinnen ins Pfarrerrecht stimmten 79 von 100 SynodalInnen zu.<544> Der Abstimmung ging eine befürwortende Stellungnahme des neu im Amt befindlichen Landesbischofs Hanselmann voraus. Seiner Meinung nach war die Ausübung von öffentlicher Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung nicht von der Gemeindeleitung trennbar. Nachdem ersteres den Theologinnen aber schon zustand, leisteten die Theologinnen seiner Auffassung nach faktisch bereits Pfarramtsarbeit. Dafür sollten sie auch den geistlichen Zuspruch und Schutz der Ordination erhalten. Diese Entscheidung sei nicht als Anpassung der kirchlichen Ordnung an gegenwärtige Emanzipationsbestrebungen zu verstehen, sondern sei das Ergebnis eines intensiven kirchlichen Reflexions- und Entscheidungsprozesses. Er habe deutlich gemacht, daß die unterschiedlichen Auffassungen von Schrift und Bekenntnis weiterbearbeitet werden müßten. Dazu seien auch die Interpretationen exegetischer Fachleute heranzuziehen. Diese erhöben keine Einwände gegen die Frauenordination. Landesbischof Hanselmann stellte die Frage, ob die lange Diskussion über die Frauenordination unter Umständen die innerkirchliche Gemeinschaft vielleicht sogar gestärkt habe. Er betonte, daß es wichtig sei, die jeweiligen Gewissensentscheidungen gegenseitig zu respektieren.<545>

Die Gegner der Frauenordination stellten nach der Entscheidung Überlegungen an, welche Konsequenzen sie zu treffen hätten. So fragten sie an, ob sich Pfarrer frühzeitig pensionieren lassen könnten, da sie ja für die Theologinnen eine Zumutung sein müßten, vor allem wenn diese Dekaninnen und Oberkirchenrätinnen werden würden. Andere kündigten an, in die innere Emigration gehen zu wollen. Einige Gegner der Frauenordination äußerten die Befürchtung, daß sich der Pfarrermangel in Bayern durch den Weggang von Pfarrern, die die Frauenordination ablehnten, noch vergrößern könnte. Im Gegensatz dazu sahen andere schon negative Konsequenzen für junge Theologen in Zukunft drohen, wenn deren Plätze durch Theologinnen besetzt wären. Auch befürchteten sie, daß kein Mann mehr Kreisdekan werden könne, der die Frauenordination ablehnt.<546>

3.4.4. Die Eingliederung der Theologinnen in den Pfarrdienst und in das Pfarr- und Kandidatenrecht 1975

Die im November 1975 von der bayerischen Herbstsynode verabschiedeten gesetzlichen Regelungen wurden am 4. Dezember 1975 mit der Unterschrift des neuen Landesbischofs rechtsgültig.<547> Die


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Grundbestimmung in dem "Kirchengesetz über die Berufung der Theologin zum Dienst des Pfarrers" lautete: "In das Dienstverhältnis als Pfarrer nach dem Pfarrergesetz kann eine Frau berufen werden, welche die Anstellungsfähigkeit erworben hat.“ (Art.1). Eine Übergangsbestimmung regelte, daß Pfarrvikarinnen auf Lebenszeit ordiniert werden und auf ihrer bisherigen Stelle verbleiben konnten. Die Schlußbestimmung hob alle anderen Gesetze über die Theologinnenarbeit auf.

Das "Kirchengesetz zur Eingliederung der Theologinnen in das Pfarrer- und Kandidatenrecht" legte Veränderungen im Pfarrergesetz, in der Pfarrstellenbesetzungsordnung, im Pfarrerbesoldungsrecht sowie Übergangs- und Schlußbestimmungen fest. Die Amtsbezeichnung sollte in Zukunft "Pfarrer" oder "Pfarrerin" lauten. Die Beurlaubungsmöglichkeiten, die das Theologinnengesetz von 1970 eingeräumt hatte, wurden aufgenommen und zugunsten der Theologinnen erweitert. So hatte die Theologin nun einen Rechtsanspruch auf Beurlaubung aus familiären Gründen, sofern ein Kind unter sechs oder zwei Kinder unter zehn Jahren in ihrem Haushalt lebten. Der beurlaubten Theologin stand das Recht auf Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen zu und ihre Rückkehr in den Beruf wurde geregelt. Die Möglichkeit einer Beurlaubung auf Initiative des LKRs bei einer familiären Belastung, die die Theologin andauernd an ihrer Berufsausübung hindert, behielt das Gesetz bei, aber klärte genau den Verfahrensweg und verpflichtete den Landeskirchenrat zu einer Begründung.<548> Das Recht auf öffentliche Wortverkündigung, Sakramentsverwaltung, Amtshandlungen und Führen der Amtstracht blieb auch der beurlaubten und entlassenen Theologin erhalten. Für letztere war als Amtsbezeichnung "außer Dienst" vorgesehen und eine Übernahme kirchlicher Aufgaben im Angestelltenverhältnis möglich.<549> Für TheologInnenehepaare sollte weiterhin nur eine Pfarrstelle in einer Kirchengemeinde offenstehen und das Recht auf eine Dienstwohnung bzw. Ortszuschlag oder Dienstwohnungsentschädigung.<550>

Die Übergangsbestimmungen legten fest, die bisherigen Planstellen für Pfarrvikarinnen in Stellen für Pfarrer mit allgemeinkirchlichen Aufgaben umzuwandeln. Pfarrvikarinnen auf Lebenszeit sicherten sie den Verbleib auf ihrer Stelle zu. Die bisherigen Paragraphen zu "Schutz und Fürsorge" in den Theologinnengesetzen entfielen. Den Mutterschutz der Theologinnen regelte das Gesetz analog zu dem für KirchenbeamtInnen. Weiterhin konnten Theologinnen bereits mit 62 Jahren auf eigenen Antrag oder dem der Kirchenleitung in Ruhestand gehen.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, daß der Ausgangspunkt der gesetzlichen Neuregelung die Absicht war, die Theologinnen ihren männlichen Kollegen gleichzustellen. Das bisher männlich geprägte Pfarramt sollte hingegen nicht kurzfristig verändert werden.<551> Das Gesetz realisierte die Gleichstellung hinsichtlich der Dienststellung und Dienstaufgaben. Speziell für Frauen schuf es Regelungen zur Bewältigung des Konflikts Beruf/Familie durch Beurlaubung, Übertragung anderer Aufgaben, Entlassung unter Beibehaltung ihrer geistlichen Rechte. Alleine auf das biologische Geschlecht bezog sich die Einschränkung der Bewerbungsfähigkeit durch den Kirchenvorstand oder Pfarrer in der Gemeinde.<552> Zu einer Einschränkung der Berufstätigkeit auch von männlichen


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Theologen konnte u.U. die Bestimmung der Kirchgemeindeordnung führen, wonach nur ein Ehepartner in einem Kirchenvorstand stimmberechtigt sein durfte.

3.4.5. Die Praxis der bayerischen Theologinnen in den Jahren 1970 bis 1975

Die Anzahl der Namen der bayerischen Theologinnen im kirchlichen Dienstverhältnis auf den Listen des Theologinnenkonvents verdoppelte sich nach der offiziellen Zulassung verheirateter Theologinnen im Jahre 1970.<553> Die Zahl der unverheirateten Theologinnen stagnierte bis 1975 bei etwa 30, von denen 23 als Pfarrvikarinnen, fünf als Vikarinnen und einzelne Theologinnen im übergemeindlichen oder schulischen Dienst tätig waren. Von den verheirateten Theologinnen waren 1972 je sechs Pfarrvikarinnen oder Vikarinnen. Zwei arbeiteten in Teilbeschäftigungsverhältnissen und eine beim bayerischen Mütterdienst. Mit der im Kirchengesetz 1970 vorgesehenen Möglichkeit zur Erweiterung ihrer Befugnisse zu Predigtdienst, Sakramentsverwaltung und Amtshandlungen in Einzelfällen machten die Theologinnen unterschiedliche Erfahrungen.

Die Praxisberichte verdeutlichen, daß die Gemeinden bzw. die übergemeindlichen, auch ökumenischen Zielgruppen grundsätzlich positiv auf die Theologinnenarbeit reagierten.<554> Nur eine Theologin berichtete, daß Hinterbliebene für eine Beerdigung "wegen der Leute" einen männlichen Pfarrer wünschten. Umgekehrt fragten andere Kirchenmitglieder für einen Traugottesdienst explizit nach einer Pfarrerin. Die Gemeinden und Kirchenvorstände drängten in der Regel auf eine Erweiterung der Arbeitsmöglichkeiten der Theologinnen. Der Landeskirchenrat reagierte durchgehend restriktiv.<555> Manche männlichen Amtskollegen unterstützten engagiert die Forderungen der Theologinnen nach Erweiterung ihrer Arbeitsmöglichkeiten. Teilweise billigten sie auch in Absprache mit den Gemeinden, daß die Theologinnen über das im Theologinnengesetz von 1970 Vorgesehene hinausgingen. Manche nutzten jedoch auch ihre Möglichkeiten zur Eingrenzung der Theologinnenarbeit. Die Theologinnen und Gemeinden konnten die Widersprüche, die die Haltung des Landeskirchenrates bewirkte, immer weniger akzeptieren, da es immer merkwürdigere Konstellationen in der Gemeindearbeit gab.<556> Durch immer neue Beauftragungen und Einführungen der Theologinnen in immer neue, graduell erweiterte Befugnisse entstand eine Unsicherheit über die theologische Qualität der von den Theologinnen ausgeführten Tätigkeiten. Das galt vor allem dann, wenn Befugnisse eingeräumt wurden, die bereits vorher die Theologinnen in Einzel- bzw. Notfällen ausgeübt hatten. Eine Pfarrvikarin auf Lebenszeit schilderte folgende "Qualifikationstreppe": "1. zweimal examiniert, 2. eingesegnet, 3. in Gemeinde eingeführt, 4. mit dem Predigtdienst beauftragt, 5. mit Sakramentsverwaltung im Dienstbereich und 6. mit unbeschränkter Sakramentsverwaltung


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beauftragt."<557>


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3.5. 1975-1990: Geschlechtsspezifische Aspekte der Theologinnenarbeit in der Zeit der grundsätzlichen rechtlichen Gleichstellung

3.5.1. Reaktionen auf das Pfarrerinnengesetz und die Umstrukturierung des Theologinnenkonvents

Nach der Unterzeichnung des Pfarrerinnengesetzes durch den neuen Landesbischof Hanselmann konnten Pfarrvikarinnen auf Lebenszeit ihre Ordination beantragen.<558> Die bisherigen Pfarrstellen für Pfarrvikarinnen wurden in Stellen für Pfarrer mit allgemeinkirchlichen Aufgaben umgewandelt. Deren Notwendigkeit und Charakter sollte der Organisationsausschuß der Landessynode in Zusammenarbeit mit den örtlichen Stellen und dem Landeskirchenrat überprüfen. Für einige bisherige Pfarrvikarinnenstellen wurde die im Pfarrerinnengesetz vorgesehene Möglichkeit der Ausschreibungsbeschränkung auf Theologinnen ins Auge gefaßt. Alle anderen bisher von Pfarrvikarinnen besetzten und weiter existierenden Stellen standen nun für Theologinnen und Theologen offen. Pfarrvikarinnen auf Lebenszeit, die sich nicht ordinieren lassen wollten, konnten in ihren bisherigen Stellen bleiben. Die Erwartung des Landeskirchenrates und auch der Landessynode war allerdings, daß ordinationswillige Theologinnen angesichts des eklatanten Pfarrermangels einige Gemeindepfarrstellen übernehmen und so zur Verringerung der unversorgten Gemeinden beitragen würden.<559>

Die ersten Ordinationen bayerischer Pfarrerinnen im Jahre 1976 fanden lokal, überregional und ökumenisch große Beachtung. So kamen etwa zur Ordination von Liesel Bruckner, der dienstältesten bayerischen Theologin, eine ganze Reihe von Amtsschwestern, ihre schon jahrzehntelang als "Pfarrfrau" engagierte Schwester und als Zeichen der ökumenischen Solidarität eine Gruppe katholischer Ordensschwestern.<560> Bis Ende 1976 waren bereits vierzehn bayerische Theologinnen ordiniert.<561>

Die Reaktionen von kirchenleitender Seite wiesen auf die Probleme, aber auch die Chancen der Entscheidung für die Frauenordination hin. So machte der bayerische Ausbildungsreferent, dessen Zuständigkeit für die Theologinnen nun endete, diese noch einmal darauf aufmerksam, daß die Integration in das Pfarrerrecht auch den Verzicht an flexiblen, teilweise auf die individuellen Fähigkeiten zugeschnittenen Berufsfeldern mit sich brachte. Er sah auf die verheirateten Theologinnen als besonderes Problem zukommen, wie sie den Konflikt zwischen Beruf und Familie bewältigten. Gleichzeitig sah er genau darin auch eine Chance für ein beispielgebendes Verhalten der Pfarrerinnen für andere erwerbstätige Mütter. Die Theologinnen könnten damit der biblischen Weisung gemäß "Salz der Erde" in einer bestimmten gesellschaftlichen Situation sein. Er betonte, daß die Frauenordination durch die Weiterentwicklung der Exegese von 1.Kor 11 und 14 theologisch legitim geworden sei. Sie habe deutlich gemacht, daß Paulus den geistgewirkten Dienst der Frau in der Gemeinde auch im Gottesdienst nicht ausschließen wollte. Allerdings dürften die Theologinnen auch die göttliche Ordnung der Ehe weder verachten noch vernachlässigen.<562>

Landesbischof Hanselmann akzentuierte seine Einschätzung der theologischen Reflexion, die die Frauenordination ermöglichte, anders. Seiner Auffassung nach war weniger die neutestamentliche Exegese zur Situation der Frau ausschlaggebend gewesen, sondern vielmehr das Überdenken des Amtes als "Stiftung des Herrn" und bestimmter Traditionen in der christlichen Kirche. Er hielt angesichts der vorausgegangenen Diskussionen ein gemeinsames Bemühen um eine angemessene Hermeneutik für die Heilige Schrift und die Bekenntnisschriften für nötig. Den Gegnern der Frauenordination versicherte er, daß er ihre Gewissensentscheidung achte und daß Pfarrer entsprechend einem Landeskirchenratsbeschluß vom 1.12.1975 auch dann als Dekane berufen


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werden können, wenn sie die Frauenordination ablehnen.<563>

Die VELKD begrüßte die Entscheidung der bayerischen Landeskirche für die Frauenordination als Chance zu einer Weiterentwicklung der gemeinsamen Rechtspositionen hinsichtlich der Theologinnenfrage. In Anlehnung an die in Bayern gewählte Rechtsform wurde auf der VELKD-Ebene kein spezielles Theologinnenrecht mehr geschaffen, sondern die ausschließlich Pfarrerinnen betreffenden Artikel als Zusätze ins Pfarrerrecht aufgenommen. Die Gliedkirchen erhielten Spielraum für spezielle Bestimmungen.<564> Der bayerische Landeskirchenrat hatte dies als Bedingung für seine Zustimmung gemacht. Er regte an, die speziell für den öffentlich-rechtlichen Dienst erlassenen Varianten des Mutterschutzes auch für Kirchenbeamtinnen und Theologinnen in das VELKD-Recht aufzunehmen.<565>

Außer für die einzelnen Theologinnen hatte die Entscheidung für die Integration der Theologinnen ins Pfarrerrecht auch Konsequenzen für ihren kollektiven Zusammenschluß, den Theologinnenkonvent. Er war nun nicht mehr die offizielle Standesorganisation der Theologinnen gegenüber dem Landeskirchenrat, sondern der Pfarrerverein bzw. die Pfarrerkommission hatte nun auch die Interessen der Theologinnen zu vertreten. Der Theologinnenkonvent diskutierte, ob die Theologinnen wie bisher und wie auch andere Untergruppen mit spezifischen Anliegen, z.B. Emeriti und Vikare, eine berufene Vertreterin im Pfarrervereinsvorstand haben sollten oder ob sie nur noch bei spezifischen Problemen der Theologinnen mitberaten sollten.<566> Außerdem überlegten die Theologinnen, ob und wenn ja in welcher Form und mit welchen Aufgaben der Theologinnenkonvent weiterexistieren sollte. Die jüngeren Theologinnen zeigten wenig Interesse an einem solchen "Frauenverein", und einige ältere Theologinnen stellten die Existenzberechtigung eines "Seniorenclubs" in Frage. Zumindest für die Übergangszeit während der ersten Erfahrungen mit der Anwendung des neuen Gesetzes sollte er jedoch weiterbestehen.<567>

Bei dem als letztem Konventstreffen geplanten Termin im Jahre 1976 faßten die versammelten Theologinnen dann jedoch folgenden Beschluß: "Im Bewußtsein, daß es auch weiterhin Probleme von Theologinnen geben wird, einigte sich der Konvent, auf freiwilliger Ebene fortzubestehen."<568> Diesen Beschluß bekräftigten sie beim nächsten Treffen 1977 und stellten Überlegungen zur künftigen Struktur und Arbeitsweise an. Die Mitgliedschaft stand allen bayerischen Pfarrvikarinnen, Pfarrerinnen, Vikarinnen, Ruheständlerinnen, Theologinnen im Anstellungsverhältnis und ohne Dienstverhältnis offen. Einmal jährlich sollte an einem Wochenende eine Zusammenkunft stattfinden. Die Leitung sollte wie bisher durch ein Team von Theologinnen mit unterschiedlichen Praxiserfahrungen (Gemeinde, Werke, Teilzeit, Vikariat) geschehen. Der Konvent hatte drei Aufgaben. Zum einen sollte er als eine Beobachtergruppe wirken hinsichtlich der Probleme und Erfahrungen von Theologinnen in der Praxis und bezüglich des Verhältnisses der Theologinnen untereinander, z.B. zwischen den verschiedenen Generationen. Zum zweiten verstanden sie ihn als Interessenvertretung zur Weitergestaltung besonderer Arbeitssituationen von Theologinnen, wie etwa Teilzeitarbeit oder TheologInnenehepaar.


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Seine dritte Aufgabe sollte darin bestehen, den Kontakt zu anderen Gruppen zu halten, wie z.B. zum gesamtdeutschen Theologinnenkonvent, zu ökumenischen Gruppen, zum bayerischen Pfarrerverein oder zu Frauen in anderen kirchlichen Berufen, wie z.B. zu Gemeindehelferinnen und Katechetinnen.<569>

3.5.2. Teilzeitarbeit und TheologInnenehepaar als spezifische Formen der Theologinnenarbeit

Nicht nur die bayerische Kirchenleitung, sondern auch die Theologinnen selbst sahen mögliche Konflikte zwischen familiären und beruflichen Verpflichtungen auf Pfarrerinnen mit einer vollen Stelle zukommen. Bei mehreren Theologinnentreffen stellten sie Überlegungen für rechtlich geregelte Teilzeitarbeitsformen an, zuerst nur für Frauen, ab 1978 auch für Männer.<570> Der Landeskirchenrat sah dafür zunächst eine "pastorale Praxis ohne Ordination im Vertragsverhältnis" vor. Beim Theologinnenkonvent 1976 wurde in einem Gespräch mit OKR Maser und OKR Dr. Wolf die pastorale Teilzeitarbeitsform so charakterisiert: "Sie muß sich deutlich von einer ehrenamtlichen Tätigkeit in einer Gemeinde abheben, sollte also zumindest die Hälfte des Dienstes eines Pfarrers sein (wie man diese definiert, blieb allerdings offen). Diese Regelung gilt nicht für Ruheständler, auch nicht für die Erteilung von Religionsunterricht."<571>

Als zweite besondere Arbeitsform, die mit der Frauenordination einen neuen Stellenwert bekam, betrachteten die Theologinnen und die Kirchenleitung die Situation einer ordinierten Theologin, die mit einem Pfarrer verheiratet war. Die Theologinnen in dieser Lebensform gewannen durch die Zahlenspiele des Landeskirchenrates mit Blick auf den "Pfarrerberg" den Eindruck, daß er sie ins landeskirchliche Angestelltenverhältnis abdrängen wollte. OKR Maser verneinte solche Tendenzen. Seiner Meinung nach gab es lediglich praktische Schwierigkeiten bei der Stellenfindung, die sich dadurch verringern ließen, wenn ein Ehepartner geeignet und bereit war, hauptsächlich Religionsunterricht zu geben. Für Frauen hielt er das Angestelltenverhältnis für die ideale Dienstform, da dieses ein flexibles Dienstverhältnis darstelle, das Beurlaubung sowie eine ad-hoc-Anstellung ohne Planstelle und auch Teilzeitverträge zulasse. Es räume Frauen im Falle von Mutterpflichten Privilegien ein, die eigentlich nicht mit der Arbeit im Gemeindepfarramt zu vereinbaren seien, sondern eine Art "Notbehelf" darstellten. Seiner Meinung nach war vor allem Verständnis für die schwierige psychologische Situation der verheirateten Theologin im konkreten Fall nötig. Der Erlaß spezieller Ordnungen und Gesetze gefährde dagegen die Möglichkeit, in den jeweils individuellen Sonderfällen sachgerecht entscheiden zu können.<572>

3.5.3. Die Suche nach flexiblen und partnerschaftlichen Arbeitsformen im Rahmen der Personalplanung und deren rechtliche Regelung im Erprobungsgesetz 1980

Ab Ende der 70er Jahre stellten die Kirchenleitung und andere Gruppierungen Überlegungen für eine Erweiterung und rechtliche Absicherung der bisher nur für Theologinnen möglichen, vom "normalen" Pfarramt abweichenden Arbeitsformen im Rahmen der Personalplanungsdiskussion an. In der Untergruppe "Theologen" der Personalplanungskommission des Landeskirchenrats arbeiteten VertreterInnen der kirchenleitenden Organe, des Leitenden Teams des Theologinnenkonvents, des Pfarrervereins, zwei VertreterInnen der Theologiestudierenden (LabeT), der VikarInnen (VbV) und der


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PfarrerInnen zur Anstellung (VBB) zusammen. Die beiden zuletzt genannten Vereinigungen hatten schon vorher Interesse an neuen zufriedenstellenden Regelungen der Theologinnenarbeit gezeigt, und der LabeT hatte in der "Thiersteiner Erklärung" alternative Pastoratsformen vorgeschlagen.<573> Das Hauptinteresse des Landeskirchenrates war es nach der Darstellung von OKR Grethlein, herauszufinden, welche Gestaltungsmöglichkeiten das kirchliche Dienst- und Arbeitsrecht bot, damit die Kirche zur Erfüllung ihres Auftrages in Zeiten eines Überangebotes qualifizierter MitarbeiterInnen bei stagnierendem Finanzvolumen mehr MitarbeiterInnen in den kirchlichen Dienst aufnehmen konnte.<574> Dabei diskutierte die Arbeitsgruppe "Theologen" zunächst über das Verhältnis von Ordination und Dienstverhältnis und erwog verschiedene Möglichkeiten, unter anderem auch, daß ordinierte TheologInnen zur materiellen Existenzsicherung in einem anderen Beruf tätig sein und ihren durch die Ordination übernommenen Pflichten etwa durch volksmissionarische Arbeit nachkommen könnten.<575>

Ein erster Vorschlag für die rechtliche Gestaltung neuer pastoraler Anstellungs- und Arbeitsformen wurde bei der Landessynode 1979 eingebracht. OKR Grethlein begründete ihn damit in der Synode, daß die junge TheologInnengeneration veränderte Vorstellungen über die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in Beruf und Familie habe, die den Wunsch nach veränderten Arbeitsformen mit sich bringen. Als konkrete Ideen stellte er zum einen die Verwendung eines TheologInnenehepaares auf einer Stelle vor und zum anderen Teildienstverhältnisse. Grundsätzlich sollte es in Zukunft konstante Stellen geben, die die herkömmlichen kirchlichen Aufgaben erfüllen, und variable Stellen, mit denen örtlich Schwerpunkte gesetzt werden konnten. Rechtlich sollten die neuen Arbeitsformen zunächst durch ein Erprobungsgesetz geregelt werden, um vor einer allgemeinen Einführung erst einmal Erfahrungen sammeln zu können.<576>

Da die erste Vorlage für ein solches Erprobungsgesetz ziemlich vage war und die Landessynode damit die Regelungskompetenz nahezu vollständig an den Landeskirchenrat abgetreten hätte, lehnte der Rechtsausschuß der Synode diese Vorlage ab. Er bestand auf einer rechtlichen Konkretisierung der Vorschläge einschließlich der Benennung von konkreten Modellen, abzuwandelnden Rechtsregeln und der Möglichkeiten im bestehenden Rechtsrahmen. Auch die Erfahrungen in anderen Landeskirchen sollten berücksichtigt werden.<577> In Kooperation mit dem Landessynodalausschuß und dem Rechtsausschuß der Landessynode erarbeitete der Landeskirchenrat einen neuen Entwurf und legte diesen bei der Landessynode 1980 vor. In seiner Präambel wurden als Hintergrund des Gesetzes ausschließlich personalpolitische Absichten angegeben.<578> In der Grundbestimmung wurde darauf hingewiesen, daß es sich um ein zeitlich beschränktes und für einen begrenzten Personenkreis vorgesehenes Vorgehen handle, bei dem die Zustimmung aller im konkreten Fall Beteiligten jeweils notwendig sei.<579> Folgende neue Dienstformen gab das Gesetz zur Erprobung frei:


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1. Die Möglichkeit einer Beurlaubung aus eigenem Interesse ohne familiäre oder dienstliche Gründe bei Verlust der Stelle, der Dienstbezüge und ohne Anrechnung auf das Besoldungsdienstalter und die ruhegehaltsfähige Dienstzeit. (§2)

2. Die Möglichkeit einer Teilbeschäftigung im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis. Eine Dienstordnung sollte die Dienstaufgaben vor Beginn der Tätigkeit einzeln festlegen. Es sollte sich dabei um arbeitsmäßig abgrenzbare Teilbereiche aus der Tätigkeit von PfarrstelleninhaberInnen oder PfarrerInnen mit allgemeinkirchlichen Aufgaben handeln. An der Erstellung der Dienstordnung sollten der/die zuständige DekanIn, der/die betreffende PfarrerIn, andere in der Gemeinde tätige PfarrerInnen und der Kirchenvorstand beteiligt sein. Eine solche Teilbeschäftigung sollte nur möglich sein in Gemeinden mit mindestens einem/einer vollbeschäftigten PfarrerIn oder in kleinen Gemeinden, die Teil eines Gemeindeverbundes waren. Die Dauer konnte drei bis acht Jahre betragen und sollte vorher feststehen. Im Anschluß war die Rückkehr in ein volles Anstellungsverhältnis vorgesehen. Besoldung und Nebenleistungen sollten entsprechend dem Umfang der Teilbeschäftigung prozentual errechnet werden. Ein Teildienstverhältnis sollte mindestens die Hälfte eines vollen Dienstverhältnisses umfassen. Nebentätigkeiten wurden nur im Rahmen der Nebentätigkeitsverordnung gestattet. Es galt der Grundsatz, daß damit nicht andere Arbeitskräfte verdrängt werden sollten und die Pfarramtstätigkeit nicht zum Nebenjob verkommen sollte. (§3)

3. Neu eingeführt wurde auch die Arbeitsform "TheologInnenehepaar auf einer Stelle". Voraussetzung war, daß mindestens ein Ehepartner die Anstellungsfähigkeit besaß und der andere die Anstellungsprüfung bestanden hatte. Eine Dienstordnung sollte die Dienstaufgaben beider Ehepartner und die Dauer der gemeinsamen Tätigkeit analog für andere Teildienstbeschäftigungsverhältnisse festlegen. Die Vertretung im Kirchenvorstand, die 1970 und 1975 als Hauptproblem bei der gemeinsamen Arbeit eines TheologInnenehepaares in einer Gemeinde galt, regelte das Gesetz in der Form, daß ein Ehepartner stimmberechtigt, der andere nur beratend teilnehmen sollte. Die Besoldung sollte für die Dauer des gemeinsamen Dienstes an dem Gehalt des Ehepartners mit der höheren Besoldungsgruppe und dem höheren Besoldungsdienstalter orientiert sein. Ein vorzeitiges Ende der gemeinsamen Tätigkeit sollte nur dann möglich sein, wenn der Landeskirchenrat dies im Blick auf die eheliche Situation des TheologInnenehepaares für nötig hielt. Für beide war anschließend die Rückkehr auf jeweils eine volle Stelle vorgesehen. Maximal acht Jahre lang sollten sie gemeinsam eine Stelle wahrnehmen können. (§4)

Die Vorstellung dieser Arbeitsform führte unter den SynodalInnen zu engagierten Diskussionen. So befürchteten manche von ihnen, damit weitere Schwierigkeiten in die Pfarrehen hineinzutragen und die Konflikte zwischen Theologinnen und Pfarrfrauen zu verstärken. Die BefürworterInnen wiesen auf gute Erfahrungen mit dieser Arbeitsform in anderen Landeskirchen hin und daß sich das Pfarrfrauenteam ausdrücklich für das Erprobungsgesetz ausgesprochen hatte. Schließlich stimmte die große Mehrheit der SynodalInnen auch dieser Regelung zu. Lediglich zwölf stimmten dagegen und vier enthielten sich.<580>

4. Die vierte neue Form war ein zeitlich befristetes öffentlich-rechtliches Teildienstverhältnis. Es sollte situationsspezifische und zeitlich begrenzte Schwerpunktsetzungen ermöglichen.

Als Anwendungszeitraum für das Erprobungsgesetz galt zunächst der Zeitraum von 1981 bis 1985.<581> Die in diesen Jahren eingegangenen reduzierten Arbeitsverhältnisse sollten entsprechend der vorgesehenen Fristen anschließend auslaufen. Zu ersten Änderungen dieser Bestimmungen kam es zwei Jahre später, als der Landeskirchenrat bereits die Anstellungsprüfung als ausreichende Voraussetzung zur Übernahme von Dienstverhältnissen nach dem Erprobungsgesetz akzeptierte. Allerdings verlängerte er zugleich die z.A. Zeit der "ErproberInnen" von drei auf fünf Jahre.<582> Ab Juni 1982 waren die ersten bayerischen TheologInnen in Erprobungsdienstverhältnissen tätig.<583>


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3.5.4. Von der freiwilligen zur verordneten Einschränkung der Dienstverhältnisse verheirateter Theologinnen

Bereits kurze Zeit nach dem Einstieg der ersten bayerischen Theologinnen in die konkrete Erprobung neuer Dienstformen zog der bayerische Landeskirchenrat unter Hinweis auf die guten Erfahrungen der ersten ErproberInnenehepaare auf einer Pfarrstelle die Konsequenz, einerseits das Angebot an halben Stellen auszuweiten und andererseits die Rückkehrgarantie auf volle Stellen aufzuheben. Jedem Ehepaar sollte nach Ablauf der Erprobungsfrist nur eine Stelle zustehen. Bei Uneinigkeit der Ehepartner sollte der Landeskirchenrat entscheiden, wer von beiden die Stelle übernehmen werde.<584>

Die Anfrage einer Synodalin, die selbst ein Erprobungsdienstverhältnis eingegangen war, bei der Landessynode 1984 ließ darauf schließen, daß der Landeskirchenrat inzwischen weitere Einschränkungen bei der Wahl der Dienstverhältnisse festgelegt hatte. Wenn ein oder beide Ehepartner neu in den kirchlichen Dienst traten, erhielten sie nur noch ein Stellenangebot im Umfang einer ganzen Stelle, auch wenn sie kein Interesse an einem eingeschränkten gemeinsamen Dienstverhältnis hatten. Der Ausbildungsreferent im bayerischen Landeskirchenrat, OKR Birkhölzer, bestätigte in seiner Antwort, daß der Landeskirchenrat die Übernahmekriterien in den kirchlichen Dienst geändert hatte. Er verwies auf einen Grundsatzbeschluß des Landeskirchenrates vom 29./30. Oktober 1984, nach dem im Landeskirchenrat jedoch "im wesentlichen schon länger verfahren wurde".<585> Ausgangspunkt für diesen Beschluß war die Auffassung des Landeskirchenrates, daß es in Zeiten allgemeiner Arbeitslosigkeit problematisch sei, wenn in der Kirche Ehepaare, vor allem solche im höheren Dienst, zwei volle Bezüge erhielten. Auf diesem Hintergrund hatte er drei Grundsätze für die Übernahme in den Probedienst festgelegt, die er differenziert anwandte. Erstens ging er mit einem TheologInnenehepaar grundsätzlich nur ein Dienstverhältnis in Höhe einer ganzen Stelle ein. Zweitens mußten TheologInnen, deren EhepartnerInnen über ein existenzsicherndes Einkommen verfügten, in der Regel entsprechend der "Erklärung der grundsätzlichen Verfügbarkeit im Blick auf Art und Ort der Stelle" die Entscheidung treffen, welcher der beiden Ehepartner eine Stelle übernehmen sollte. Drittens habe er die Möglichkeit einer Übernahme in den Probedienst bei gleichzeitiger Beurlaubung aus familiären Gründen abgeschafft, die ohnehin eine bayerische Sonderpraxis gewesen sei, die davon ausging, daß "in Einzelfällen die Ordination auch ohne Dienstverhältnis unter der Voraussetzung eines ehrenamtlich übernommenen Dienstauftrags gewährt werden könne". Eine generelle Erweiterung des Stellenumfangs für ein Ehepaar von 100% auf 150% Stellenumfang sei in Zeiten der Stellenknappheit nicht möglich und auch deshalb schwierig, weil halbe Stellen in der Nachbarschaft eines vollen Gemeindepfarramtes nur selten vorhanden seien. Außerdem seien die dienstlichen und privaten Gründe nicht einsichtig, die gegen eine gemeinsame Tätigkeit auf einer Stelle sprächen. Der Landeskirchenrat wolle Theologinnen nicht aus dem Pfarrdienst verdrängen. Jedoch treffe es zu, daß er bisher nur Frauen nicht in den Probedienst übernommen habe.

Der Theologinnenkonvent, der urspünglich die Verabschiedung des Erprobungsgesetzes begrüßt hatte und darin die Chance einer emanzipatorischen Veränderung hin zu partnerschaftlicher Arbeitsteilung insbesondere für TheologInnenehepaare gesehen hatte<586>, brachte nun seinen Widerspruch gegen die Anwendung des Grundsatzbeschlusses in einer Eingabe an die Landessynode und in einer Erklärung zur Personalplanung zur Sprache.

In der Eingabe an die Landessynode bat der Theologinnenkonvent angesichts der problematischen Konsequenzen des Grundsatzbeschlusses darum, dessen Vereinbarkeit mit dem geltenden Rechts- und Selbstverständnis der Kirche zu überprüfen. Er erinnerte an die Stellungnahmen des Rechtsausschusses der bayerischen Landessynode 1983 zur Frage der "Doppelverdiener", in der der Rechtsausschuß unter Verweis auf die verfassungsmäßig garantierte Gleichberechtigung der Geschlechter eine Unterbindung des Doppelverdienertums zurückgewiesen und betont hatte, daß die Kirche keine andersartigen Regelungen treffen könne und wolle.<587> Nach Meinung des


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Theologinnenkonvents widersprach der Grundsatzbeschluß dem Schutz von Ehe und Familie, da er Ehe und Berufstätigkeit gegeneinander ausspiele. Die Folge sei, daß gerade junge Frauen ihren Beruf aufgeben würden, da sie durchschnittlich jünger als ihre Ehemänner seien und deshalb nach ihrem Ehepartner in ihren Beruf einstiegen. Die Last der Arbeitslosigkeit und der Neuverteilung von Arbeit und Einkommen trügen damit allein die neu in den Dienst tretenden TheologInnen, während vorher eingegangene Dienst- und Einkommensverhältnisse unangetastet blieben und weiterreichende Überlegungen, z.B. hinsichtlich eines familiengerechten Einkommens, nicht diskutiert würden.<588>

In seiner Erklärung zur Personalplanung machte der Theologinnenkonvent auf die problematischen Veränderungen des Anstellungsrechts insbesondere für Theologinnen aufmerksam. Zum einen verlängere sich durch die Einführung des einjährigen Vorpraktikums für Theologiestudierende und die verlängerte Vikariatszeit die Ausbildungszeit erheblich, während gleichzeitig das Aufnahmealter für das Vikariat auf 35 Jahre und für den Probedienst auf 40 Jahre begrenzt werde. Für Theologinnen werde es dadurch noch schwieriger, nach dem ersten oder zweiten Examen Zeiten für die Kindererziehung einzuplanen. Die Ausnahmeregelungen für diese Altersbegrenzungen für Frauen aus familiären Gründen, die der Konvent prinzipiell begrüßte, dürften durch die darin vorgesehene Anstellung im Angestelltenverhältnis statt im BeamtInnenverhältnis nicht zu einem Zweiklassendienstrecht führen, z.B. hinsichtlich der Dienstbezeichnung.<589>

Die vom Landeskirchenrat getroffene Regelung, daß Ehepaaren nach Ablauf der gemeinsamen Zeit nur eine volle Pfarrstelle zur Verfügung stehen sollte, trug nach Meinung des Theologinnenkonvents Konflikte in diese Ehen hinein und bestrafte die experimentierbereiten Ehepaare. Der Konvent forderte eine Erweiterung auf eineinhalb oder wenigstens zwei halbe Stellen bzw. bei Beurlaubung eines Ehepartners dessen garantierte Rückkehrmöglichkeit in den kirchlichen Dienst zu einem späteren Zeitpunkt. Grundsätzlich sollte sich nach seiner Meinung eine größere Anzahl kirchlicher MitarbeiterInnen an den neuen Formen des Teilens von Arbeit und Einkommen beteiligen.

Die Theologinnen problematisierten die vom Landeskirchenrat beabsichtigte zeugnishafte Ausstrahlung der kirchlichen Regelungen in den gesellschaftlichen Bereich. Die Ausdehnung des 100%-Beschlusses auf TheologInnen mit einem mindestens A 13 verdienenden Ehepartner berücksichtige nicht, daß es bisher kaum Teilbeschäftigungsverhältnisse oder andere Möglichkeiten zur Beurlaubung aus familiären Gründen für Männer in anderen Berufen gebe. Außerdem erwecke diese Regelung fälschlicherweise den Eindruck, als ob die Ursache für die Arbeitslosigkeit in den Ehepaaren mit zwei Einkommen bestehe. Der Konvent machte darauf aufmerksam, daß 70% aller erwerbstätigen Frauen in der Bunderepublik ein sehr niedriges Einkommen bezögen, das sie zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes dringend benötigten. Die Theologinnen forderten den Landeskirchenrat auf, in Zukunft Regelungen zu vermeiden, die Frauen in einem strukturell geschaffenen Konflikt dazu drängen, auf die eigene Berufstätigkeit zugunsten des Ehemannes zu verzichten.<590>


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3.5.5. Die Überarbeitung des Erprobungsgesetzes und die Einführung der ehrenamtlichen Ordination

Auf Bitten des Landeskirchenrates bildete sich bereits 1984 ein neuer gemischter Ausschuß mit VertreterInnen des Landeskirchenrates und der Landessynode sowie verschiedenen kirchlichen Berufsgruppen.<591> Dieser sollte die Konsequenzen aus den bisherigen Erfahrungen mit dem Erprobungsgesetz formulieren und Anregungen zu dessen Verlängerung über den vorgesehenen Schlußtermin Ende 1985 hinaus geben. Die VELKD hatte den Gliedkirchen den Zeitraum bis Ende 1989 zur Erprobung neuer Dienstformen eingeräumt.<592>

Von den ersten Erfahrungen mit ErproberInnen, die meist als "TheologInnenehepaar" auf einer Stelle tätig waren und weniger als Teildienstbeschäftigte auf einer halben Stelle, berichtete der Personalreferent OKR Grethlein der Synode weiterhin vor allem positive Rückmeldungen. Die Gemeinden würden den reicheren Dienst eines Ehepaares mit unterschiedlichen Gaben ebenso befürworten wie die TheologInnenehepaare selbst ihre Arbeitsform schätzten. Bisher sei es stets zu einem befriedigenden Interessenausgleich zwischen den Gemeinden, den betreffenden TheologInnen und der Kirchenleitung gekommen. Die Flexibilität des Erprobungsgesetzes habe sich bewährt.

OKR Grethlein benannte zwei Faktoren, die seiner Meinung nach für eine Fortführung und Ausgestaltung des Erprobungsgesetzes förderlich wären. Zum einen sei es inzwischen auch im staatlichen BeamtInnenrecht anerkannt, daß Teildienstverhältnisse auf Dauer mit dem öffentlich-rechtlichen Anstellungsverhältnis vereinbar sind. Während Grethlein 1979 noch die Auffassung vertreten hatte, daß Teildienstverhältnisse aufgrund der uneingeschränkten Treuepflicht gegenüber dem Dienstherrn nur für einen bestimmten Zeitraum möglich wären<593>, sah er nun den Alimentationsgrundsatz als Zentrum des BeamtInnenrechts an. Dieser erlaube es, mit Blick auf den Arbeitsmarkt die Arbeit zwischen und innerhalb der Familien besser zu verteilen. Auch dem gesellschaftspolitischen Aspekt, den veränderten Rollenerwartungen von Männern und Frauen, sei


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Rechnung zu tragen. Beide Geschlechter wollten in Beruf und Familie wirken und wünschten außerdem noch Freiraum für ihre individuelle Lebensgestaltung. OKR Grethlein vertrat die Auffassung, daß die Kirche in dieser Situation eher politische als rechtliche Abwägungen vornehmen und die Grundsätze des Berufsbeamtentums weiterentwickeln sollte.<594> Dies habe im staatlichen Bereich bereits begonnen. Vor einer endgültigen Veränderung des Pfarrerrechts sollte die Kirche allerdings eventuelle negative Auswirkungen auf das Pfarrerberufsbild weiter beobachten.

Der zweite Faktor, der die längerfristige Institutionalisierung eingeschränkter Dienstverhältnisse aus seiner Sicht möglich machte, war der Umstand, daß die VELKD bereits in den 70er Jahren die grundsätzliche Vereinbarkeit von Ordination und nebenamtlichem Dienst festgestellt hatte. Allerdings stelle sich das Problem der Präsenzpflicht bei Teildienst. Andererseits müsse der Pfarrer mit seiner Existenz für die von ihm vertretene Botschaft und die Glaubwürdigkeit der Kirche eintreten. Dies sah OKR Grethlein in Frage gestellt, wenn eine Pfarrfamilie in Zeiten allgemeiner Arbeitslosigkeit über zwei volle Einkommen verfügte.<595>

Entsprechend dem Interesse der Kirche, ihre arbeitsrechtliche Autonomie zu wahren, sollte sie auch zeitlich unbefristete Teildienstverhältnisse als öffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse gestatten. Den Dienstauftrag sollte sie in einem festumrissenen Dienstvertrag unter Berücksichtigung der Präsenzpflicht, aber ohne Eingrenzung der Arbeitszeit festlegen. Durch die Einrichtung von Teildienstverhältnissen sollte möglichst kein zusätzlicher Arbeitsaufwand entstehen. Den in ihnen Beschäftigten sollten eine halbe Besoldung, halbe Versorgungsbezüge und eine halbe Dienstwohnung zur Verfügung stehen. Als ideal sah es OKR Grethlein nach wie vor an, wenn sich ein TheologInnenehepaar eine Stelle teilte und durch gegenseitige Vertretung, z.B. bei Mutterschaft, infolge der gemeinsamen Nutzung der Dienstwohnung und die optimale Aufteilung der Dienstaufgaben im Einzelfall möglichst wenig zusätzlicher Aufwand entstehe.<596> Der Alimentationsgrundsatz bleibe gerade in diesem Fall auch bei langfristigen Teildienstverhältnissen gewährleistet.<597>

Sowohl innerhalb des gemischten Ausschusses als auch in der synodalen Diskussion war vor allem umstritten, ob und in welcher Form der 100-%-Grundsatzbeschluß des Landeskirchenrates in das überarbeitete Erprobungsgesetz aufzunehmen sei. Der Landeskirchenrat vertrat die Auffassung, daß


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nur in "besonderen Fällen" ein Ehepartner aus dienstlichen oder persönlichen Gründen ein volles Dienstverhältnis vorübergehend erhalten sollte. Dies sollte unter Umständen in Form eines Teildienstverhältnisses auf Lebenszeit und eines befristeten Teildienstverhältnisses für den einen Ehepartner geschehen, während der andere Ehepartner weiter teildienstbeschäftigt bleibe. Grundsätzlich sollte die Kirche in Zeiten des Stellenmangels nicht zwei volle Dienstverhältnisse mit einem Ehepaar eingehen.

Innerhalb der Synode mehrten sich die Stimmen, die es fragwürdig fanden, ein Problem, das die ganze Kirche betraf, allein auf Kosten der jungen TheologInnenehepaare zu regeln. Eine junge Synodalin und Erproberin kritisierte, daß diese Praxis auch noch mit Moralappellen überhöht werde statt mit "Liebe und Phantasie" nach gerechteren Lösungen zu suchen. Mehrere SynodalInnen unterstützten die Empfehlung des Theologinnenkonvents, in "begründeten Fällen" einer Ausweitung des Dienstverhältnisses junger TheologInnenehepaare auf 150% vorzunehmen. Schon diese Regelung bedeute einen Verzicht auf eine halbe Stelle im Vergleich zu den Bedingungen vor 1984.<598> Eine Minderheit brachte den Aspekt ein, die jungen TheologInnenehepaare hinsichtlich Besoldung und Bezahlung nicht gegenüber traditionellen Pfarrfamilien zu bevorzugen, in denen die Pfarrfrauen früher noch zur Berufsaufgabe gezwungen worden waren.<599>


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Nach sechs Sitzungen des gemischten Ausschusses legte dieser einen Entwurf für ein neues Erprobungsgesetz der Landesynode vor. Der Landeskirchenrat überarbeitete ihn in Zusammenarbeit mit dem Landessynodalsausschuß nochmals. Die beteiligten Gremien und Berufsgruppen gaben trotz unterschiedlicher Bedenken letztlich ihre Zustimmung. Das Verhältnis zwischen altem und neuem Erprobungsgesetz wurde bei der Vorstellung des neuen Gesetzes in der Landessynode so charakterisiert: Es handele sich "im wesentlichen um eine Fortentwicklung des bestehenden Rechts unter Berücksichtigung der bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse mit dem praktischen Vollzug der bisherigen Regelungen".<600> Lücken, z.B. hinsichtlich der Mitwirkung der ErproberInnen im Kirchenvorstand und in anderen kirchlichen Organen und Gremien, sowie besoldungs- und versorgungsrechtliche Fragen seien geklärt worden.

Beim Vergleich der Präambel des alten und des neuen Erprobungsgesetzes fällt allerdings auf, daß der Geltungsbereich hinsichtlich des zeitlichen, personellen und konzeptionellen Umfangs entscheidend verändert wurde.<601> Es handelte sich nicht mehr um eine nur vorübergehend gültige personalpolitische Hilfe für die Bewältigung des "TheologInnenbergs", sondern das Gesetz sollte die veränderten Vorstellungen einer Verbindung von Ehe, Familie und Beruf aufgreifen und einen Beitrag zur besseren Erfüllung der kirchlichen Aufgaben leisten. Es war als dauerhaftes Recht innerhalb des VELKD-Dienstrechts vorgesehen. Neben PfarrerInnen und KirchenbeamtInnen sollte es nun auch für ReligionspädagogInnen und DiakonInnen Anwendung finden.<602>

Die im Erprobungsgesetz von 1980 genannten eingeschränkten Arbeitsformen, Beurlaubung, Teildienstverhältnis und TheologInnenehepaar auf einer Stelle, sollten ebenso erhalten bleiben wie die den Dekanaten eingeräumten haushaltsrechtlichen Freiräume für bestimmte Schwerpunktsetzungen. Der Titel für TheologInnen in einem solchen Dienstverhältnis sollte allerdings nicht mehr "PfarrvikarInnen", sondern "Pfarrerdienstverhältnis auf Zeit" lauten und als Angestelltenverhältnis gestaltet sein.

Die entscheidende Neuerung war, daß Teildienstverhältnisse nicht mehr zeitlich begrenzt werden mußten. Die Möglichkeit eines vorübergehenden Wechsels von einem Voll- zu einem Teildienstverhältnis blieb erhalten. Die Beschränkung eines Dienstverhältnisses sollte durch die klare Erfassung arbeitsmäßig abgrenzbarer Teilbereiche aus der Tätigkeit einer Pfarrstelle, jedoch nicht stundenmäßig festgelegt sein. Die Voraussetzung für die Übernahme eines Teildienstverhältnisses war, daß der Lebensunterhalt abgesichert war, wie es der Alimentationsgrundsatz forderte. Eine Rückkehr von einem halben zu einem vollen Dienstverhältnis sollte sowohl aus persönlichen als auch aus dienstlichen Gründen, z.B. bei Veränderung der kirchlichen Personalstruktur, erfolgen können. Im letzten Fall sollten die persönlichen Verhältnisse berücksichtigt werden.

Für Leitungspositionen galten Teilbeschäftigte weiterhin als ungeeignet, da sich die engen personalen Beziehungen zwischen Vorgesetztem und Untergebenen nicht auf mehrere Personen übertragen ließen.<603> Allerdings sollte eventuell die Übernahme des SeniorInnenamtes möglich sein, wenn dieses


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von der Funktion "Stellvertretung des Dekans" entlastet würde. Neu war auch, daß sich zwei Teilbeschäftigte eine Pfarrstelle teilen konnten, die mit der Geschäftsführung des Pfarramts verbunden war. Der Landeskirchenrat sollte nach Anhörung der beiden Teilbeschäftigten entscheiden, wem von beiden die Geschäftsführung zu übertragen sei. In der Regel sollte mit der Pfarramtsführung auch das Bewohnen der Dienstwohnung verbunden sein.

TheologInnenehepaare konnten sich nun zeitlich unbefristet eine Stelle teilen. Das Gesetz schränkte den ihnen möglichen Stellenumfang - gegen die Stellungnahme des AEE und des TheologInnenkonvents - kirchenrechtlich auf eine ganze Stelle ein. Der Landeskirchenrat fand eine Erweiterung auf eineinhalb Stellen "für die flexible Handhabung hinderlich", machte jedoch die Zusage, "über das faktisch Nicht-Mögliche hinaus keine weiteren Beschränkungen" vorzunehmen.<604> Jedoch gebe es auch in Zeiten ohne Stellenmangel nur sehr begrenzte Möglichkeiten, zwei volle Gemeindepfarrstellen in räumlicher Nähe zu übertragen. Dies sei lediglich in größeren Städten oder als Kombination von Gemeinde- und Funktionspfarramt möglich. Vorübergehend müsse ein TheologInnenehepaar auch die Beurlaubung eines Ehepartners in Kauf nehmen. Grundsätzlich behandelte das neue Erprobungsgesetz TheologInnenehepaare allerdings eher wie zwei Teildienstbeschäftigte. So mußten sie sich z.B. bei Mutterschutz und Erziehungsurlaub nicht mehr gegenseitig vertreten, sondern wurden in den Vertretungsplan des Dekanates einbezogen. Sie wurden jetzt getrennt besoldet entsprechend ihrem individuellen Dienstalter. Die Übernahme einer Nebenbeschäftigung war für sie nun wie für andere Teilbeschäftigte möglich. Sie durften dabei nicht in Konkurrenz zu anderen Arbeitskräften treten. Ihre Versorgungsleistungen wurden gegenüber anderen Teildienstleistenden reduziert, um TheologInnenehepaare nicht besser als eine traditionelle Pfarrfamilie zu stellen.<605>

Die vierte Form der neuen Dienstverhältnisse, den Pfarrdienst im Angestelltenverhältnis, wollte der Landeskirchenrat nur in begründeten Sonderfällen wie Alter, Gesundheit oder Auslandstätigkeit eingehen.

Die Einschätzung des überarbeiteten Erprobungsgesetzes war im Gegensatz zur Aufbruchstimmung bei der Verabschiedung des Erprobungsgesetzes 1980 eher nüchtern. Es handele sich um eine "Mangelverwaltung", die allerdings jungen TheologInnen eine Einstiegschance biete. Der Landessynode wurde eine "Neuordnung des Besoldungssystems unter Verarbeitung des Gedankens der familiengerechten Besoldung" empfohlen.<606> Es sei kein "ideales Kirchengesetz", aber ein Versuch, "die Herausforderungen unserer Jahre anzunehmen und darauf angemessen zu reagieren". Ein Synodaler wies auf den erheblichen Handlungs- und Entscheidungsspielraum hin, den der Landeskirchenrat mit seinem Interesse an einer "möglichst flexiblen Handhabung" in dem neuen Gesetz gewann. Dem dienten Formulierungen, wie "in besonderen Fällen“, "im Hinblick auf die familiäre Situation“, "wenn gewichtige Gründe vorliegen“, "in der Regel".<607> Die Landessynode 1986 in Neuendettelsau stimmte trotz mancherlei Bedenken diesem Gesetz mit lediglich drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen zu.


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Den zehn TheologInnenehepaaren, die ihren Dienst unter den besoldungsrechtlich besseren Bedingungen des alten Erprobungsgesetzes angetreten hatten, stellte die Synode Ausgleichszahlungen in Aussicht.<608> Sie beauftragte den Landeskirchenrat, weitere in der Praxis auftretende Probleme durch eine entsprechende Verwaltungspraxis oder Gesetzesentwürfe aufzugreifen.<609>

In der Folgezeit sah der bayerische Landeskirchenrat vor allem in der Ausschreibung und Besetzung von Teildienststellen erhebliche Probleme, insbesondere bei der Umwandlung normaler Pfarrstellen in Teildienstverhältnisse. Seiner Meinung nach waren gemeindliche Teildienststellen vor allem in Pfarrstellen mit einer verminderten Gemeindemitgliederzahl bzw. bei der Auflösung von zusammengelegten Gemeindeverbänden möglich. Der geistliche Ausschuß der bayerischen Landessynode regte die Einrichtung von Teildienststellen auch über den Landesstellenplan hinaus dort an, "wo die Verantwortlichen einer Gemeinde eine besondere missionarische Initiative ergreifen und ein entsprechendes Konzept vorlegen".<610>

Die Einführung einer "Ordination ohne Dienstverhältnis" hatte die VELKD ihren Gliedkirchen empfohlen. In der bayerischen Landeskirche waren Anfang 1986 bereits vier "ins Ehrenamt ordinierte Theologinnen" anzutreffen, deren Lebensunterhalt in der Regel der Ehepartner absicherte. Wie andere Ordinierte wurden sie in ihrer Ordination auf Schrift und Bekenntnis, die Wahrung des Beichtgeheimnisses und eine dem geistlichen Stand angemessene Lebensführung verpflichtet. Sie bekamen einen fest umschriebenen Dienstauftrag. Die ins Ehrenamt Ordinierten gehörten den Pfarrkapiteln, jedoch nicht den Kirchenvorständen der Gemeinden an, in deren Bereich sie mitarbeiteten. Der bayerische Theologinnenkonvent äußerte Bedenken gegen diese zunächst ausschließlich von Frauen ergriffene Ordinationsform. Seiner Meinung nach war diese Entscheidung nicht ausreichend theologisch reflektiert, und es bestand die Gefahr einer Ordination zweiter Klasse. Die Bezeichnung "Ordination ins Ehrenamt" stelle außerdem nicht klar, ob in einer anderen kirchlichen Personalsituation auch eine Übernahme in ein reguläres Dienstverhältnis möglich sei. Um zu verhindern, daß bisher bezahlte Stellen verlorengingen, z.B. in der Krankenhausseelsorge, sollten die ins Ehrenamt ordinierten Theologinnen ausschließlich in zusätzliche Arbeitsfelder kommen und, wie in anderen Landeskirchen, die Möglichkeit zu nebenamtlichen Dienstverhältnissen auf Honorarebene erhalten.<611>

Der Landeskirchenrat wiederum betonte, daß die ehrenamtliche Ordination es in Zeiten der Stellenknappheit möglich mache, daß Theologinnen nicht umsonst studiert hätten. Es sei theologisch bedeutsam, daß die Ordination zum Dienst der Kirche nun auch ohne Bindung an ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis möglich sei. Dies sei die erste Abkoppelung der Kirche von den im öffentlichen Dienst übernommenen Dienst- und Tarifforderungen. Auch der Apostel Paulus habe seine Predigttätigkeit ohne Bezahlung neben seiner Erwerbstätigkeit als Teppichweber ausgeführt. Kirche und Gesellschaft müßten neue Wege gehen, da durch die technische und industrielle Entwicklung sowie die Emanzipation der Frau nicht mehr ausreichend Arbeitsplätze für alle vorhanden seien.<612>

3.5.6. Die Weiterarbeit des bayerischen Theologinnenkonvents: Situationsanalyse, Schwerpunktsetzung und Kooperation mit anderen kirchlichen Gruppierungen

Ab Beginn der achtziger Jahre stieß der bayerische Theologinnenkonvent einerseits durch das Aufkommen der feministischen Theologie und andererseits durch die neuerlichen Einschränkungen der Theologinnenarbeit bei den jungen Theologinnen wieder auf stärkeres Interesse. Das Bedürfnis nach einer kollektiven Meinungsbildung und Interessenvertretung wuchs.

Dies wurde 1985 anläßlich des zehnjährigen Jubiläums der Frauenordination in Bayern und des 50jährigen Bestehens des bayerischen Theologinnenkonvents deutlich. Das leitende Team des


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Theologinnenkonvents versuchte durch verschiedene Beiträge einen Einblick in die historischen, ökumenischen und kirchenpolitischen Aspekte und Erfahrungen von Theologinnen in den neuen Dienstverhältnissen und im Vikariat zu geben. Für die Theologinnen stellte sich die Frage: "Wir waren vor 10 Jahren von dem Wunsch ausgegangen, uns von alten mächtigen Leitbildern im Pfarramt frei zu machen und ein alternatives Berufsbild zu entwickeln, in dem Werte eingebracht werden, die gemeinhin Frauen zugeschrieben werden. Wieweit ist die Verwirklichung dieses Wunsches wirklich geglückt? Wie geht das anderswo?"<613>

Als spezielle Probleme der weiblichen Berufstätigkeit im geistlichen Amt sahen sie die Berufssituation in Teildienstverhältnissen, die Frage der Familienplanung infolge der Ausbildungsverlängerung, die Angst vor der Verdrängung durch männliche Kollegen und die Unsicherheit im Umgang mit der ehrenamtlichen Ordination an. Gemeinsam mit ihren männlichen Berufskollegen hatten sie mit der Bruchstückhaftigkeit ihrer eigenen Arbeit, den Konflikten mit starren Kirchenstrukturen und Gebräuchen umzugehen und für ihre theologische Weiterbildung zu sorgen.

Bei dem vom Theologinnenkonvent organisierten Studientag in Nürnberg zum Thema "Frauen in der Kirche" wurde über den historischen Weg der bayerischen Theologinnen, über ihre aktuellen Probleme und über die Solidarität der Theologinnen mit anderen Frauen in der Kirche gesprochen. Ein "Markt der Möglichkeiten" machte die Vielfalt kirchlicher Frauenberufe und die Vielzahl der Kontakte des Theologinnenkonvents mit anderen kirchlichen Gruppierungen deutlich. Grußworte des Landeskirchenrates und des gesamtdeutschen Theologinnenkonvents, einer Pastorin der mecklenburgischen Partnerkirche sowie katholischer Theologinnen zeigten Aspekte der Berufsgeschichte im ökumenischen Horizont. Den feministisch-theologischen Horizont brachte der Vortrag Elisabeth Moltmann-Wendels zum Thema "Gottesbild und Weiblichkeit" zur Sprache. Kabarettbeiträge und die Arbeitsgruppe "Rechtliche und gesellschaftliche Aspekte der Mitarbeit von Frauen in der Kirche" machten die differenten Positionen des Theologinnenkonvents und des Landeskirchenrats hinsichtlich des 100%-Beschlusses unüberhörbar. Als einen künftigen Schwerpunkt faßten die Teilnehmerinnen die Auseinandersetzung mit der ehrenamtlichen Arbeit von Frauen in der Kirche ins Auge.<614>

Der Wunsch nach einer stärkeren Solidarisierung zwischen den Frauen in der Kirche hatte bereits im Jahre 1978 zu einem Treffen des Theologinnenkonvents mit den Gemeindereferentinnen geführt, bei dem sie das Problem hierarchisch-patriarchalischer Strukturen und Rollenbilder in Kirche und Theologie, Familie, Jugendarbeit und Gemeinde diskutierten.<615> Bei einer Begegnung zwischen Pfarrfrauen und Theologinnen 1986 versuchten sich beide Gruppen zunächst ihre unterschiedlichen Lebens- und Arbeitssituationen verständlich zu machen, um die daraus entstehenden Konflikte, gegenseitigen Zuschreibungen und Erwartungen aufzuspüren und Möglichkeiten einer gegenseitigen Akzeptanz und Solidarisierung zu suchen. Als eine mögliche Konfliktsituation sahen sie das Nebeneinander von TheologInnenehepaar und traditioneller Pfarrfamilie an. Diese Konstellation führte häufig zu Konkurrenzgefühlen bei Interesse an gleichen Arbeitsfeldern, Minderwertigkeitsgefühlen infolge fehlender theologischer Ausbildung oder mangelnder langjähriger Erfahrung sowie Neidgefühlen gegenüber der finanziellen Unabhängigkeit der Theologinnen. Die jungen Theologinnen erinnerten die älteren Pfarrfrauen manchmal schmerzhaft an deren erzwungene Berufsaufgabe. Die jungen Theologinnen wiesen darauf hin, daß ihre Privilegien in Form eigener Gehalts- und Rechtsansprüche auch bedeuteten, daß sie die Verantwortung gegenüber der Kirchenleitung selbst tragen mußten und z.B. zur Präsenz verpflichtet waren. Alleinstehende Theologinnen fühlten sich manchmal gegenüber Pfarrfrauen diskriminiert, wenn Entscheidungen über die Gemeindearbeit am Eßtisch der Pfarrfamilie statt in der Dienstbesprechung getroffen würden und sich die Pfarrfrauen in das Privatleben der Theologinnen einmischten. Beide Gruppen verabredeten gemeinsame Absprachen und die Suche nach Möglichkeiten, sich gegenseitig zu entlasten statt zu konkurrieren. Die jeweiligen persönlichen Entscheidungen für die eigene Lebens- und Arbeitsform wollten sie wechselseitig respektieren. Gemeinsam wollten sie sich um eine Verbesserung der Bedingungen ehrenamtlicher Frauenarbeit in der Kirche bemühen, z.B. was die Unkostenerstattung, die Teilnahme an Fortbildungsangeboten, die Anerkennung von Kompetenz und Grenzen anbelangte.<616>


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Einen anderen wichtigen Kooperationspartner fand der bayerische Theologinnenkonvent in der zweiten Hälfte der 80er Jahre im bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenverein, der dem Theologinnenkonvent in seinen Gremien einen zusätzlichen Platz einräumte. Beide Gruppierungen waren der Ansicht, daß der Strukturwandel innerhalb der PfarrerInnenschaft eine Neuordnung des Pfarrberufs erfordere. Sie entwickelten gemeinsam Vorschläge für eine Arbeitszeitverkürzung und Entlastung im Pfarramt durch eine verbesserte persönliche Arbeitsorganisation und strukturelle dienstliche Veränderungen. Sie traten für angemessene Vertretungsregelungen bei längerfristigen Dienstunterbrechungen infolge Vakanz, Krankheitszeiten, Erholungs- und Fortbildungsurlaub, Mutterschutz und Erziehungsurlaub ein. Als Vertretungen kamen in ihren Augen z.B. TheologInnenehepaare in Frage, deren Dienstverhältnisse vorübergehend erweitert werden sollten.<617>

Angesichts der wachsenden Anzahl von Theologinnen in der bayerischen Landeskirche stellte der Theologinnenkonvent Überlegungen hinsichtlich der künftigen Struktur des Konvents an und erwog eine Vereinsgründung. Die Theologinnen richteten an den Konvent die Erwartung, daß er feministisch-theologische Fragestellungen, wie die Suche nach einer frauenspezifischen Spiritualität, die Bearbeitung gesellschaftlicher Fragen und Bemühungen um eine frauengerechte Sprache sowie Initiativen zur Veränderung des traditionellen Pfarrerbildes aufgreife. Außerdem strebten sie juristische Beratung und die Unterstützung des Kommunikationsflusses zwischen den Theologinnen an. Eine Vereinsgründung lehnte die Mehrheit ab.

Die neue Satzung von 1990 charakterisiert den Konvent folgendermaßen: "Der Konvent der evangelischen Theologinnen ist ein freiwilliger und unabhängiger Zusammenschluß von Theologinnen in Bayern, die zusammenwirken, indem sie sich in konzentrischen Kreisen zusammenfinden; diese Kreise sind die jeweilige Konventstagung, die Regionalkonvente, das erweiterte Team und das Leitende Team und verschiedene Arbeits- und Interessengruppen."<618> Die Mitgliedschaft sollte jeder Frau offenstehen, die ihr Theologiestudium abgeschlossen hatte und der bayerischen Landeskirche angehörte. Bei Übergang in eine andere Landeskirche sollte auf Antrag die Mitgliedschaft weiterhin möglich sein. Studentinnen konnten ohne Stimmrecht teilnehmen. Rundbriefe sollten die Verbindung zwischen den Theologinnen aufrechterhalten. In dem Leitenden Team des Konvents sollten weiterhin Theologinnen aus unterschiedlichen Arbeits- und Lebenssituationen repräsentiert sein. Als Aufgaben des Konvents legte die neue Ordnung fest, daß er die Kommunikation über "theologische und gesellschaftliche Fragen der Gegenwart" pflegen, die anstehenden Probleme aufgreifen sowie kirchenreformerische Arbeit mit Bezug auf die gesellschaftliche Situation und in Kontakt mit anderen Gruppierungen wie Pfarrer- und Pfarrerinnenverein, dem gesamtdeutschen Theologinnenkonvent, VbV und LabeT betreiben solle.

3.5.7. Die erneute Diskussion über geschlechtsspezifische Regelungen für den Pfarrberuf hinsichtlich der Gewährung des Erziehungsurlaubs und der Abschaffung des Vetoparagraphen

Die Frage nach speziellen Sonderbestimmungen zur Anwendung des staatlichen Erziehungsurlaubsgesetzes stellte sich für die bayerische Landeskirche, nachdem die VELKD in ihrer Generalsynode am 22.10.1986 den Beschluß gefaßt hatte, PfarrerInnen und KirchenbeamtInnen einen Rechtsanspruch auf Erziehungsurlaub einzuräumen. Den Gliedkirchen gab sie jedoch die Möglichkeit zu abweichenden Regelungen.<619>

Der bayerische Landeskirchenrat erarbeitete daraufhin mit dem Landessynodalausschuß eine Vorlage für die Frühjahrssynode 1987. Dort hieß es: "Der Landeskirchenrat kann im Einzelfall Erziehungsurlaub gewähren, wenn gewichtige persönliche Gründe bestehen und die dienstlichen Belange in angemessener Weise gewahrt sind. Bei Gemeindepfarrern sind Kirchenvorstand und Dekanatsausschuß vorher zu hören."<620>


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Bei der Behandlung dieser Vorlage kam es zur Uneinigkeit zwischen Rechtsausschuß und Organisationsausschuß, ob eine geschlechtsspezifische Regelung getroffen werden sollte und welche Auswirkungen auf das Pfarrerbild sowie das Verständnis von Ordination und Installation zu erwarten bzw. zu befürchten waren. Als es zu keiner Einigung kam, vertagten sie die Frage und vereinbarten ein gemeinsames Treffen der beiden Ausschüsse.<621> Es zeigte sich, daß es vier verschiedene Positionen gab. Drei davon plädierten für eine geschlechtsunspezifische Regelung. Von diesen wollten wiederum zwei eine Formulierung, die den Landeskirchenrat verpflichten sollte, den Erziehungsurlaub zu gewähren. Eine Position war bereit, dies auf den "Regelfall" einzugrenzen.

Der Synodale Anders plädierte als einziger für eine geschlechtsspezifische Regelung in der Form, daß der Landeskirchenrat Theologinnen in der Regel, außer bei zwingenden dienstlichen Einwänden, den Erziehungsurlaub genehmigen sollte, während er ihn Theologen nur im Ausnahmefall gewähren sollte, wenn zwingende persönliche Gründe bestanden und die dienstlichen Belange angemessen geregelt waren.<622> Anders begründete seine geschlechtsspezifische Position damit, daß durch Schwangerschaft, Geburt und Stillen des Kindes eine natürliche Nähe zwischen Mutter und Kind existiere, während die Bindung zwischen Vater und Kind erst im Laufe der Zeit wachse. Die Mutter brauche nach der Geburt eine längere Erholungspause. Dafür habe die Gemeinde Verständnis. Nur in außergewöhnlichen familiären Situationen habe die Gemeinde jedoch Verständnis dafür, wenn sich der männliche Theologe bei der Abwägung der Verpflichtungen, die er durch Ordination, Installation und Ehe eingegangen sei, ausgerechnet gegen die geistlichen Bindungen entscheide, die ihm Privilegien in Form von Dienstwohnung und Stelleninhaberschaft einbrächten. Einen Konflikt mit dem staatlichen Gleichstellungsgrundsatz sah Anders bei seiner Regelung nicht, da es sich bei dem betreffenden Lebensverhältnis um "biologische Unterschiede" handele.

Die große Mehrheit der SynodalInnen und auch die Vertreter des Landeskirchenrates lehnten jedoch eine geschlechtsspezifische Regelung ab. Diese habe eine Diskriminierung der Theologinnen bei der Stellenbewerbung zur Folge, verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes und mißachte die Bemühungen der jungen Generation, zu einer Neuaufteilung der beruflichen und familiären Aufgaben zu kommen. Die Differenz zwischen dem Mutterschutz, der der Frau aufgrund von Schwangerschaft und Geburt zukomme, und dem Erziehungsurlaub, der vor allem das Wohl des Kindes im Auge habe, werde nicht beachtet.<623> Eine Minderheit von fünf SynodalInnen befürwortete eine generelle geschlechtsunspezifische Anwendung und Übernahme des staatlichen Rechtsanspruchs auf Erziehungsurlaub in das Kirchenrecht. Die anderen beiden Positionen unterschieden sich darin, ob der Landeskirchenrat den Erziehungsurlaub gewähren konnte oder im Regelfall gewähren mußte. Einig waren sie sich darin, daß die Einschränkung "im Einzelfall" aus der Vorlage des Landeskirchenrates entfernt werden sollte.<624>

Der Personalreferent des Landeskirchenrates, OKR Grethlein, begründete das Interesse des Landeskirchenrates an einer Kann-Regelung damit, daß er sich einen großen Entscheidungsspielraum sichern und keine Beweispflicht bei Ablehnung haben wolle. Streitfälle sollten nicht in die Öffentlichkeit gelangen. "In aller Regel" gewähre der Landeskirchenrat den Erziehungsurlaub. Er forderte die SynodalInnen auf, Vertrauen in den Landeskirchenrat zu setzen, "daß wir im Interesse der betroffenen Gemeinden und Pfarrfamilien verantwortlich, großzügig und familienfreundlich entscheiden werden".<625>

Die Gegner einer Gewährung des Erziehungsurlaubs "im Regelfall" wiesen auf die Schwierigkeiten hin, die den Gemeinden durch die Entgeltung von Vertretungsleistungen und belegte Dienstwohnungen entstehen könnten. Bei mehreren aufeinanderfolgenden Geburten könne es so zu einer faktischen Stillegung der Stelle kommen.<626> Eine andere Gruppe, die die "Regelfall-Regelung" ablehnte,


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begründete dies mit der Besonderheit des Pfarrberufs aufgrund von Ordination und Installation.<627> Die PfarrerInnen wären mit dem Erziehungsurlaub gegenüber Gemeindegliedern, die als Selbständige oder Handwerker ihr Geld verdienten, privilegiert. Sie würden dadurch ihre Mittelschichtszugehörigkeit betonen, statt ihre Klammerfunktion zwischen allen Gesellschaftsschichten der Gemeinde wahrzunehmen.<628>

Die BefürworterInnen einer Gewährung des Erziehungsurlaubs im Regelfall sahen hingegen in einer solchen Regelung die Vorbildfunktion des Pfarrhauses für eine gleichberechtigte familiäre Arbeitsteilung am besten gewährleistet. Die Kirche könne damit ihren in kirchlichen Stellungnahmen für eine kindergerechte Familien- und Gesellschaftspolitik geäußerten Forderungen entsprechen und ein Beispiel für andere Arbeitgeber im öffentlichen Dienst oder in der Wirtschaft geben.<629> Die praktischen Probleme sollte sie wie bei anderen Vakanzen regeln. Schwangerschaft und Erziehungsurlaub seien nicht mehr als Ausnahmesituation zu betrachten, sondern es seien für Gemeinden und TheologInnen befriedigende Regelungen zu treffen. Einige Synodalinnen machten darauf aufmerksam, daß nach der staatlichen Regelung des Erziehungsurlaubs eine Weiterarbeit bei dem alten Arbeitgeber mit einer halben Stelle möglich wäre. Vermutlich würden nur wenige TheologInnen den Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen, da sie mit der damit verbundenen finanziellen Versorgung den Lebensunterhalt nicht sichern könnten.<630> Andere SynodalInnen wiesen darauf hin, daß die Debatte über den Erziehungsurlaub zeige, daß eine Beschäftigung mit dem Pfarrerbild und den Pflichten, die aus der Ordination hinsichtlich der Lebensführung und dem Lebensstil erwachsen, sowie mit den Spezifika des kirchlichen Arbeitsrechts dringend nötig sei. Die Regelungen sollten die jüngere Generation zum kirchlichen Dienst ermutigen statt bei ihnen Mißtrauen gegen die kirchliche Struktur hervorzurufen.<631> Schließlich stimmte die Mehrheit der SynodalInnen für eine geschlechtsunspezifische "Kann-Regelung": "Der Landeskirchenrat kann Erziehungsurlaub gewähren, wenn gewichtige persönliche Gründe bestehen und wenn die dienstlichen Belange in angemessener Weise geregelt sind. Bei Gemeindepfarrern sind Kirchenvorstand und Dekanatsausschuß vorher zu hören."<632>

Der zweite Zusammenhang, in dem Ende der 80er Jahre die bayerische Synode erneut über die Notwendigkeit bzw. Begründbarkeit geschlechtsspezifscher Regelungen für den Pfarrberuf diskutierte, war die Debatte um das Fortbestehen des Vetoparagraphen. Dieser war 1975 als Gewissensschutz für die Gegner der Frauenordination in die Pfarrstellenbesetzungsordnung aufgenommen worden. Er gab einem in seinem Arbeitsfeld betroffenen Pfarrer bzw. der Mehrheit eines Kirchenvorstandes die Möglichkeit, ein Veto gegen die Ausschreibung einer Pfarrstelle auch für Theologinnen einzulegen.<633>

Bereits beim zehnjährigen Jubiläum der Frauenordination 1985 wurde eine Streichung des Vetoparagraphen gefordert. Der Dienst der Theologinnen habe sich bewährt. Eine Fortdauer der


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Einschränkung sei nicht begründbar und nicht mehr tragbar.<634> Zwischen Gegnern und BefürworterInnen der Frauenordination begann daraufhin von neuem eine theologische Debatte, in der sie alte und neue Argumente austauschten. Die Gegner verwiesen erneut auf 1.Kor 14 und 1.Tim 2 sowie auf die Entwicklung in der Ökumene.<635> Als neues Argument brachten sie ein, daß es in der evangelischen Kirche kein Lehramt mit autoritativer Entscheidungsgewalt gebe. Deshalb sei die Diskussion über die hermeneutischen Differenzen und die dogmatischen Fragen, z.B. des Amtes, bis zur Einmütigkeit fortzusetzen. Mit den Ostkirchen sollten die evangelischen Kirchen einen Dialog über den Dienst der theologisch gebildeten Frau führen, mit dem Ziel, das urchristliche Diakonissenamt wieder zu erwecken und Frauen zu diesem zu ordinieren. Die Gegner der Frauenordination sollte die Kirchenleitung nicht als Einzelfälle für die Seelsorge behandeln, wie wenn Dissidenten in die Psychiatrie abgeschoben würden, sondern ihre Gewissensentscheidung respektieren. Der Vetoparagraph müsse bleiben, "bis der letzte überzeugt ist".<636>

Die Befürworter der Frauenordination richteten dagegen ein Wort an die Gemeinden, in dem sie deren Schriftgemäßheit darlegten. 1.Tim 2 und 1.Kor 14 seien im Gesamtzusammenhang der Bibel zu interpretieren. Paulus habe damit vor Mißständen warnen wollen. Es handele sich nicht um ein allgemeingültiges Lehrverbot für Frauen. Grundlegendes zum Geschlechterverhältnis verkündige dagegen Galater 3,28. Ein katholischer Theologe unterstützte diese hermeneutischen Klarstellungen. Er wies darauf hin, daß die zwölf Jünger Jesu eine repräsentative Funktion für die zwölf Stämme Israels hatten. Voraussetzung für die Übernahme des geistlichen Amtes könne es aber nicht sein, eine möglichst weitgehende biologische Identität mit diesen zwölf arabischen Männern jüdischen Glaubens zu reproduzieren. Die paulinischen Schriften erwähnen auch Frauen als "Mitkämpferinnen". Andere wiesen auf die Mitverantwortung von Frauen in der Gegenwart hin. Die systematisch-theologische Besinnung über das Geschlechterverhältnis habe von der Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau auszugehen und führe dazu, daß beide Geschlechter in gleicher Weise am geistlichen Amt teilhaben könnten.<637>

Der bayerische Theologinnenkonvent reichte nach Gesprächen mit dem bayerischen Pfarrerverein, mit dem LabeT und mit der VbV bei der Herbstsynode 1988 eine Eingabe an die bayerische Landessynode ein, daß der Vetoparagraph aufgehoben werden sollte. Die Theologinnen begründeten dies mit aktuellen Konflikten, die sich durch die mißbräuchliche Anwendung des Vetoparagraphen ereignet hatten.<638> So hatte ein männlicher Kollege eine ordinierte Theologin handgreiflich daran gehindert, an der Installation eines anderen Kollegen im Talar teilzunehmen. Der anwesende Dekan hatte nicht eingegriffen. Der Landeskirchenrat stellte dazu fest, daß der Vetoparagraph sich ausschließlich auf die Bewerbungssituation beziehe, nicht jedoch ein Einspruchsrecht gegen die gemeinsame Teilnahme an dienstlichen Veranstaltungen begründe.<639> In anderen Fällen weigerten


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sich katholische Geistliche unter Berufung auf den Vetoparagrahen, mit ordinierten evangelischen Amtsträgerinnen ökumenische Trauungen zu vollziehen. Das Pfarrkapitel einer davon betroffenen Theologin richtete an die Landessynode die Bitte, den Vetoparagraph aufzuheben.<640> Auch acht weitere Eingaben an die Landessynode 1988 in Hof forderten die sofortige Aufhebung, die befristete oder die eingeschränkte Weitergeltung des Vetoparagraphen. Die Gruppe, die schon lange gegen die Frauenordination votierte, wandte dagegen ein, daß weiterhin kein theologischer Konsens bestehe. Ihr Minderheitenstatus sei weiterhin zu schützen statt "unter dem Vorwand der Gleichberechtigung einer bestimmten Gruppe von Frauen weiter Privilegien" zu gewähren. Weder die "Trümmerfrauen der Kirche", d.h. die älteren Pfarrfrauen, noch das "Aussterben des Diakonissenberufs" finde genug Beachtung.<641>

Der Theologinnenkonvent forderte zunächst die völlige Streichung des Vetoparagraphen und ließ sich dann mit VbV und Pfarrerverein auf den Kompromiß ein, daß der Vetoparagraph weiterhin für die bis zum 4.12.1975 ordinierten Pfarrer gelten sollte. Es dürfe nicht auf die Dauer eine Ordination erster und zweiter Klasse geben.<642> Ähnlich wie in der AEE-Eingabe wiesen die Theologinnen darauf hin, daß der Vetoparagraph bereits 1975 eine Kompromißlösung dargestellt habe. Inzwischen habe sich der Dienst der Theologinnen bewährt und sei akzeptiert. Es müsse auch auf rechtlicher Ebene klargestellt werden, daß die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter auch in der Kirche akzeptiert sei. Das Gewissen der einzelnen werde respektiert, dürfe aber nicht die Erkenntnis relativieren, daß Mann und Frau zur Verkündigung des Evangeliums gerufen sind.<643>

Landeskirchenrat und Landessynodalausschuß plädierten unter Verweis auf die Kriterien Rechtssicherheit und Vertrauensschutz dafür, das Einspruchsrecht allen Pfarrern zu gewähren, die bis zum Erlaß der neuen Rechtsordnung, d.h. bis zum 1.7.1989, ordiniert werden würden. Den Theologinnen sei die Einschränkung des Vetoparagraphen bei ihrer Ordinaton bewußt gewesen.<644> Die Diskussion in der Ökumene sei auch noch nicht abgeschlossen. Allerdings müsse klar sein, daß die Kirche prinzipiell nach dem 1. Januar 1976 TheologInnen in eine inklusive Gemeinschaft hineinordiniert habe und Frauen prinzipiell die gleichen Rechte bei der Pfarrstellenbesetzung hätten. Der Landeskirchenrat hielt dagegen an einer geschlechtsspezifischen Option bei der Stellenbesetzung fest: "Der Landeskirchenrat muß die Ausschreibung auf Pfarrer, Pfarrverwalter oder Pfarramtskandidaten beschränken, wenn bei der Stellenbesetzungsbesprechung ein zum Dienst in der betreffenden Kirchengemeinde berufener Pfarrer oder Pfarrverwalter, der vor dem 1.Juli 1989 zum Dienst in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern ordiniert wurde, es verlangt."(RS 510 PfrStBO §2 Abs. 4)

Die Mehrheit der SynodalInnen unterstützte schließlich in der Schlußabstimmung diese Position des Landeskirchenrates, daß allen bis zum 1. Juli 1989 ordinierten Pfarrern das Einspruchsrecht gegen die Bewerbung einer Pfarrerin in ihrem unmittelbaren Dienstbereich weiterhin zu gewähren sei. Sie entschieden sich damit gegen das Votum des lutherischen Kirchenamtes, das für eine sofortige Streichung optierte, und gegen den vom Theologinnenkonvent angebotenen Kompromiß, daß der Vetoparagraph für alle bis zur Einführung der Frauenordination 1976 ordinierten Pfarrer weitergelten sollte.<645>


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Gegen die Entscheidung für das Stichdatum 1989 meldete der Theologinnenkonvent auch in der Öffentlichkeit Widerspruch an und forderte weiterhin die Abschaffung des Vetoparagraphen. Er wies darauf hin, daß selbst bei einer Eingrenzung auf Ordinationen bis zum Jahre 1975 der Vetoparagraph bis zum Jahre 2012/2015 in Anspruch genommen werden könnte. Er fragte an, ob nicht zunächst die Betroffenen selbst ihre Gewissensnöte tragen müßten. Außerdem sollten auch die Gewissen derjenigen Beachtung finden, die eine weitere Ungleichbehandlung von Männern und Frauen aus theologischen Gründen nicht mehr akzeptieren könnten.<646>

Nach Auffassung des LabeT gab es in Bayern nach dieser Entscheidung ein Dreiklassenrecht der Ordinierten. Zur ersten Klasse gehörten die bis zum 1.7.1989 ordinierten Pfarrer, die ein Einspruchsrecht gegen Theologinnen besaßen. Die nach dem 1.7.1989 ordinierten Theologen stellten die zweite Klasse dar. Zur dritten und letzten Klasse gehörten schließlich die Pfarrerinnen, deren Gleichberechtigung aufgeschoben wurde, bis der letzte von den bis zum 1.Juli 1989 ordinierten Pfarrern in den Ruhestand gegangen sei.<647>

3.5.8. Die Praxis der bayerischen Theologinnen in den Jahren 1975 bis 1990

Die Zahl der Theologinnen im Dienst der bayerischen Landeskirche stieg in den 80er Jahren sprunghaft an.<648> In einem offiziellen Dienstverhältnis standen 1988 148 Theologinnen, 1989 183 und 1990 schließlich 243 Theologinnen inklusive der Vikarinnen.<649> Von den 183 Theologinnen, die 1989 im kirchlichen Dienst standen, waren 111 im Gemeindepfarramt, 33 in Sonderpfarrämtern. Vier Theologinnen standen in allgemein-kirchlichen Diensten und 35 waren beurlaubt. Es herrschte eine enorme Vielfalt der Anstellungs- und Praxisformen. In "normalen" vollen Gemeindepfarrstellen waren lediglich 58 Theologinnen. 46 von ihnen leisteten als ErproberInnenehepaare ihren Dienst, vier davon hatten eine Anstellung nach dem "Pfarrer helfen Pfarrer"-Modell. 23 waren in Teildienstverhältnissen, acht davon nach Einzelfallregelungen. Jeweils einzelne Theologinnen hatten weitere spezifische Anstellungsverhältnisse, z.B. eine über ein Sonderkonto finanzierte Schulstelle oder eine Sonderregelung für die Krankenhausseelsorge. Eine Theologin war nach der Übergangsregelung des Jahres 1975 angestellt. Die vier ehrenamtlich ordinierten Theologinnen waren in der Krankenhausseelsorge tätig.

Die Altersstruktur zeigte ein relativ niedriges Durchschnittsalter und schlug sich auch in dem dienstrechtlichen Status nieder. So waren 1989 38 Pfarrerinnen und 62 Pfarrerinnen zur Anstellung in vollen Dienstverhältnissen tätig. 24 Pfarrerinnen und 59 Pfarrerinnen zur Anstellung, also fast die Hälfte, waren in eingeschränkten Erprobungsdienstverhältnissen. Ein Überblick über die Beschäfti


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gungssituation der Gesamtzahl der bayerischen PfarrerInnen macht den geschlechtshierarchischen Aspekt der Beschäftigungsstruktur deutlich. Von 2168 bayerischen PfarrerInnen im aktiven Dienst waren 1,3% freigestellt. Das waren 15% der ordinierten Frauen und 0,35% der ordinierten Männer. In reduzierten Dienstverhältnissen arbeiteten 40% der ordinierten Theologinnen, jedoch nur 4,2% der ordinierten männlichen Kollegen.<650> Angesichts dieser Zahlen ist festzustellen: Das normale Dienstverhältnis der Theologinnen ist ein Besonderes.

Die eingeschränkten Dienstverhältnisse bewertete die bayerische Kirchenleitung weiterhin grundsätzlich positiv. Die Gemeinden würden teilweise sogar den Einsatz eines TheologInnenehepaares wünschen, da zwei Menschen effektiver seien als einer und nicht Probleme aufträten wie u.U. bei zwei Teildienstleistenden hinsichtlich der Dienstwohnung. Mit anderen Formen des Erprobungsdienstes gab es bis Ende der 80er Jahre noch immer wenig Erfahrung.<651>

Die ErprobungsdienstlerInnen selbst werteten 1990, zehn Jahre nach dem Inkrafttreten des ersten Erprobungsgesetzes, ihre Erfahrungen aus. Als gelungen bezeichneten sie die Verbindung zwischen Beruf und Familie.<652> Sie konnten in ihrer Arbeit je nach Begabung und Interesse Schwerpunkte setzen und sich mit den EhepartnerInnen austauschen. Negativ bewerteten sie das hohe Konflikt- und Konkurrenzpotential zwischen den EhepartnerInnen, die erhöhten Arbeitsanforderungen durch die gestiegenen Gemeindeerwartungen sowie die unzureichenden Vertretungsregelungen bei Krankheit eines Partners.<653> Das besondere berufliche Engagement eines Ehepartners nötige angesichts des 100%-Beschlusses den anderen Ehepartner zum Berufsverzicht.<654> Die Stellenteilung erfordere einen zusätzlichen Energieaufwand und sei durch die Tendenz zu einer symbiotischen Beziehung problembeladen. Die Paarbeziehung unterliege einer intensiven innerkirchlichen Beobachtung. Familie und Kinder müßten funktionieren, insbesondere auch in arbeitsintensiven Festzeiten. Ein Theologe im Erprobungsdienst kritisierte die "antimodernistischen Träume" und "romantischen Visionen", auf denen diese Arbeitsform beruhe, und forderte eine Trennung von Beruf und Privatleben.<655> Die ErprobungsdienstlerInnen zeigten sich enttäuscht, weil sich ihre Hoffnungen eines kirchenreformerischen Potentials ihrer Arbeit, sich in Anlehnung an die französischen Arbeiterpriester Zeit und Raum für ein außerkirchliches Engagement im gesellschaftlichen, musischen oder politischen Raum zu schaffen, nicht erfüllt hatten. Ihre freie Zeit ginge fast ausschließlich in die Regeneration im privaten Bereich.<656> Sie bemängelten, daß es 1990, 10 Jahre nach dem Beschluß des Erprobungsgesetzes, noch immer keine ausschreibefähigen, ausgewiesenen halben Stellen gäbe, sondern der Landeskirchenrat diese in nicht nachvollziehbarer Weise willkürlich ad personam vergebe. Grundsätzlich entspreche der Status von Theologinnen im Erprobungsdienst eher dem von PfarrerInnen z.A.<657> Die gesellschaftliche Ausstrahlung der Erprobungsdienstverhältnisse bezeichneten


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sie eher als problematisch, wenn der gewerkschaftliche Maßstab angelegt werde: "Ist die individuelle Freiheit der Beschäftigten oder die Deregulierung und arbeitsrechtliche Schwächung der Beschäftigungsverhältnisse das Ziel der Regelung?"<658> Das EPG in der vorliegenden Form könne keine gesellschaftliche Vorreiterrolle im Blick auf die arbeitsmarktrechtliche Neuorientierung beanspruchen. Weder Freiwiligkeit bei der Wahl des Arbeitszeitumfangs noch materielle Sicherheit und individuelle Planung seien gewährleistet. Es fehlten starke individuelle und kollektive Mitbestimmungs- und Selbstbestimmungsrechte, die tarifrechtlich zu normieren wären.<659> Die Theologin im AFik, Brigitte Probst, beschrieb die Arbeitsverhältnisse von Theologinnen auf halben Stellen als klassische Frauenarbeitsplätze mit geringem Entscheidungsspielraum, unklaren Kompetenzerfordernissen und beschränkten Aufstiegsmöglichkeiten, in denen viel Energie in die Auseinandersetzungen mit vollbeschäftigten Kollegen fließe.<660>

Als ein positives Signal sahen die bayerischen Theologinnen die Wahl einer Dekanin Anfang 1990 an.<661> Diese äußerte, daß sie das Amt aus Liebe zur Volkskirche übernommen habe. Ihre Wahl war auf viel Offenheit und Neugierde und nur wenig Ablehnung gestoßen.<662> Sie sah sich als Frau mit einem besonderen Leistungsdruck konfrontiert und setzte sich zum Ziel, die eingefahrenen Strukturen zu überwinden, z.B. durch Delegierung von Aufgaben auch im Verwaltungsbereich. Als problematisch erlebte sie es, daß an sie als Junggesellin ähnliche Erwartungen wie an eine Pfarrfamilie gestellt wurden. Die Kleinfamilie herrschte in den Köpfen der Gemeindeglieder vor, obwohl sie weder für diese selbst noch gesellschaftlich die tatsächlich dominante und funktionierende Lebensform war.


Fußnoten:

<334>

Ein Hinweis auf die Examensteilnahme von Hilde von Liederscron findet sich in einem Brief von Landesbischof Meiser an den Vorsitzenden des LSA, den Rektor der neugegründeten Kirchlichen Hochschule in Neuendettelsau, Georg Merz, 22.10.1946 (LKAN:LKR IV 407bI). Dies bestätigt die "Übersicht über die Dienstverhältnisse der Vikarinnen", die Liesel Bruckner als Beilage eines Briefes an den LKR vom 16.9.1946 sandte. Dort ist bei Hilde von Liederscron außerdem die Teilnahme am Zweiten Examen in Ansbach für das Jahr 1926 angegeben (LKAN:LKR IV 407bI).

Eine Bestätigung, daß 1924 Erna Ullmann das erste Theologische Examen abgelegt hat, findet sich in: LANDESKIRCHENAMT BAYERN (Hg.), Personalstand 1927 (25.Ausgabe), VIII.Kapitel: Verzeichnis der evang. Religionslehrer und -lehrerinnen an Volksschulen, S. 267.

<335>

ABTK: Loy, Gedicht: "Theologische Aufnahmeprüfung 1929". Das Gedicht ist dieser Arbeit vorangestellt.

<336>

ABTK: Liste der Kandidatinnen bei der Theologischen Aufnahmeprüfung 1929-1935.

<337>

LKAN:LKR 407bI: Brief Liesel Bruckners an den bayerischen LKR vom 19.6.1946, dem eine "Übersicht über die Dienstverhältnisse der Vikarinnen" beilag, der die genannten Angaben entnommen sind.

<338>

LKAN:LKR IV 407bI: In dieser Akte findet sich als erstes ein entsprechender Brief von Pfr. Alt, Kaufbeuren, an den LKR vom 4.3.1927. Die Haltung des LKR drückt z.B. folgende Passage aus dem Antwortbrief des LKR am 13.3.1934 auf die Anfrage von Konrad Klein aus: "Unsere Landeskirche hat keine ordnungsmäßige Verwendung für akademisch gebildete Theologinnen - es besteht z.Zt. keine Aussicht, daß sich daran etwas ändern könnte. Wir können Ihrer Tochter daher nicht raten, sich dem Theologiestudium zuzuwenden."

<339>

Siehe BARTHEL, Stellung, S. 53, mit Hinweis auf das Amtsblatt der Evang.-Luth. Landeskirchenrats München vom 27.11.1929, Betreff: Weibliche Theologiestudierende: "In den letzten Jahren haben sich eine größere Zahl von Töchtern evangelischer Familien dem Studium der Theologie zugewandt. So erfreulich diese Tatsache vom kirchlichen Standpunkt gesehen auch ist, so muß doch darauf aufmerksam gemacht werden, daß ein irgendwie nennenswerter Bedarf an Theologinnen in unserer Landeskirche nicht besteht und daß nur in ganz besonders gelagerten seltenen Ausnahmefällen auf Anstellung im kirchlichen Dienst gerechnet werden kann. Evang. Töchter, die ihrer Kirche dienen wollen, werden in erster Linie auf den Diakonissenberuf aufmerksam gemacht."

<340>

LKAN:LKR IV 407bI: Der bayerische LKR erklärte in einem Antwortschreiben vom 19.2.1930 auf eine Anfrage der thüringischen Kirche vom 12.2.1930 hinsichtlich der Sakramtentsverwaltung durch Theologinnen, daß diese in der bayerischen Kirche "keinerlei Rechte" auf Sakramentsverwaltung hätten, ihnen bisher überhaupt "keinerlei" Zugeständnisse gemacht worden seien und auch "keine in Aussicht" stünden.

<341>

LKAN:LKRIV 407bI: Antwortbrief des LKR an das Dekanat Coburg vom 20.1.1931.

<342>

LKAN:LKR IV 407bI: Brief von Bischof Meiser an den LSA-Vorsitzenden Georg Merz vom 22.10.1946.

<343>

Siehe PERSONALSTAND 1927, S. 267.

<344>

Siehe BARTHEL, Stellung, S. 53.

<345>

LKAR:LKR IV 407 bI: Brief der cand. theol. Gertrud Dorn an den LKR München vom 9.11.1930, der als Beilage dem Brief von Dekan Weiß/Coburg an den LKR München vom 10.11.1930 beigefügt war. Darin gab dieser die Bitte Gertrud Dorns um eine Anstellung als Religionslehrerin unterstützend weiter.

<346>

LKAN:LKR IV 407bI: Eine Abschrift des Zeugnisses des Oberpfarramtes des Kirchenkreises Eisenach-Stadt vom 22.6.1930 lag ebenfalls dem Brief von Dekan Weiß/Coburg an den LKR München vom 10.11.1930 bei.

<347>

LKAN: LKR IV 407bI: Antwortbrief des LKR München an das Dekanat Coburg vom 20.1.1931.

<348>

ABTK: Liesel Bruckner, Rundschreiben 1, 29.7.1935, an die Mitglieder des Verbandes Evangelischer Theologinnen Bayerns.

<349>

ABTK: Bericht über das erste bayerische Theologinnentreffen in Nürnberg am 28. und 29. September 1935. Dort findet sich folgende Erklärung zum Vorschlag Meisers: "Wenn er sich ablehnend zu uns verhält, dann tut er das deshalb, weil wir zu frei dastünden und für später auch nicht gesichert seien in unserer Existenz. Er riet uns, den Anschluß an ein Mutterhaus zu suchen, z.B. Neuendettelsau. Sein Handeln ist also aus der Sorge um uns so ablehnend."

<350>

Siehe MITTEILUNGEN, Bericht über das erste bayerische Theologinnentreffen 1935, S. 13. Dort heißt es: Aus den Referaten "klang eins besonders deutlich heraus: Die Theologin muß offen sein für jedes Gebiet, auch wenn es außerhalb ihres eigentlichen oder ihres augenblicklichen Berufes zu liegen scheint. (...) So ist jede nach dem ersten Examen darauf angewiesen, sich selbst irgendwo eine Arbeitsmöglichkeit zu suchen, von welcher Seite ihr gerade eine Tür geöffnet wird."

<351>

KABL der ELKiB, Nr. 30, 30.11.1935, S.1.

<352>

LKAN: LKR IV 407bI: Antwortschreiben Bischof Meisers am 17.2.1936 auf die Anfrage der Berliner BK durch deren Präses Jacobi vom 18.1.1936. Dieser Briefwechsel stellt übrigens die einzige schriftlich überlieferte Kommunikation zwischen der Bekennenden Kirche und der bayerischen Landeskirche in der Theologinnenfrage dar.

<353>

So ließen sich laut Bericht des Referats GI bei der Landessynode in Ansbach 1946 im Jahre 1935 110 Kandidaten prüfen. Der durchschnittliche Jahresbedarf an Nachwuchstheologen wurde jedoch nur auf 40 veranschlagt. (LS ANSBACH 1946, S. 7.)

<354>

Vgl. die Darstellung der sozioökonomischen Situation von Frauen zur Zeit des Nationalsozialismus unter 2.1.

<355>

BIELER, Frauenpolitik, S. 263, zitiert aus der Präambel des Hamburger Gesetzes vom 23. Mai 1935. Dort ist von "einer überholten Auffassung von der Berufstätigkeit der Frau" die Rede.

<356>

ABTK: Protokoll des bayerischen Theologinnentreffens am 25./26. Juni 1938.

<357>

ABTK: Den Entstehungsprozeß der Denkschrift beschreibt Liesel Bruckner in einem Rundbrief an ihre Kolleginnen vom 3.3.1939.

<358>

ABTK: Brief Liesel Bruckners an den Evang.-Luth. LKR vom 21.12.1938 mit der Anlage: Denkschrift: "Das Amt der Theologin".

<359>

ABTK: N.N.:Thesen zur Frage des Amtes der Vikarin (2 S.). Dort heißt es: "Das Amt der Vikarin ist dem Pfarramt verwandt. Die Zusammenschrumpfung der Fülle der kirchlichen Ämter auf ein einziges Amt ist einer der Gründe für das Absterben des Protestantismus. (...) Im Amt der Vikarin wirkt sich das weibliche Element aus."

<360>

ABTK: K.K: "Wie wird das Amt der Theologin begründet?" (6 S.)

<361>

ABTK: Darauf wies insbesondere Gertrud Dorn in ihrer Stellungnahme hin.

<362>

ABTK: Protokoll des bayerischen Theologinnentreffens am 25./26. Juni 1938. Dort wurde von einer Vorlesung zur Theologinnenfrage von Lic. Trillhaas berichtet. Dieser habe auf die Zusammengehörigkeit von Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung hingewiesen und die Auffassung vertreten, daß beides der Theologin für die Arbeit an dem ihr zugewiesenen Gemeindeausschnitt zugesprochen werden solle.

<363>

Siehe Korrespondenzblatt des bayerischen Pfarrervereins vom 7.2.1939.

<364>

ABTK: Brief Bischof Meisers an Liesel Bruckner vom 24.3.1939.

<365>

KABL der ELKiB vom 27.3.1939, Betreff: Studentinnen der Theologie, Nr. 3580.

<366>

ABTK: Brief von OKR Hanemann an Liesel Bruckner vom 21.1.1943 mit Absprachen für ein Treffen Ende der Woche.

<367>

LKAN:LKR IV 407bI: Brief Bischof Meisers an den Kreisdekan von München, 22.11.1940.

<368>

LKAN:LKR IV 407bI: Niederschrift über die geistliche Sitzung am 10.6.1943.

<369>

Siehe zur Gesetzgebung und Praxis der Theologinnenarbeit in den anderen intakten Kirchen NÜTZEL, Theologinnenarbeit.

<370>

ABTK: Brief von OKR Hanemann an Liesel Bruckner vom 9.2.1944.

<371>

ABTK: Brief Liesel Bruckners an OKR Hanemann vom 11.5.1944.

<372>

Zur kirchenrechtlichen Situation der ELKiB im NS siehe den entsprechenden Abschnitt unter 2.2.

<373>

ABTK: Gutachten des Referenten des LSA zum Kirchengesetz über das Dienstverhältnis der Theologinnen (Abschrift des Gutachtens von Rektor Lauerer für den Landessynodalausschuß), 24. Mai 1944 (4 S.). Dieser grenzte sich jedoch unter Hinweis auf die Ökumene von der Ausübung des Pfarramtes durch Frauen ab. Die evangelische Kirche habe eine grundsätzliche Abneigung gegen weibliche Pfarrer. Deren Heimat sei bei den Sekten, den Quäkern und der Heilsarmee, z.T. auch in Norddeutschland. Hingegen habe die katholische Kirche 1918 im Ius Canonicum die Priesterweihe explizit auf getaufte Männer beschränkt.

<374>

ABTK: Brief von Liesel Bruckner an OKR Hanemann vom 4.7.1944.

<375>

Vgl. den Abschnitt zur kirchlichen Entwicklung zur Zeit des Nationalsozialismus unter 2.2.

<376>

Die DEK schlug 1942 eine ordinationsähnliche kirchliche Beauftragung und eine der beamtenähnlichen Stellung der Pfarrer entsprechende Rechtsform für die Theologinnenarbeit vor. Ihre Auffassung, daß Vikarinnen als Geistliche zu betrachten sind, teilte die DEK auch dem staatlichen Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz mit und forderte, daß die Theologinnen von der Meldepflicht zum Arbeitseinsatz ausgeschlossen sein sollten. Siehe LKAN: Vereine und Institutionen III/ Theologinnenkonvent Nr.1. Stellungnahme des EOK von Evers, Berlin 15.2.1943.

<377>

LKAN:LKR IV 407aI: Brief der DEK an den bayerischen LKR vom 29.8.1944.

<378>

KABL der ELKiB vom 27.10.1944, Nr.18, S. 55-60.

<379>

Die kirchenrechtliche Situation in Hannover war der bayerischen Kirchenleitung durch ein Antwortschreiben aus Hannover auf die Anfrage Bayerns bekannt, das am 27.1.1944 verfaßt wurde (LKAN: LKR IV 407bI).

<380>

In den beiden anderen intakten Landeskirchen Württemberg und Hannover war es dagegen bereits zur Erweiterung der Theologinnenarbeit mit Hilfe von Ausnahmeregelungen gekommen, die auch Sakramentsverwaltung gestatteten, in Württemberg in den weiblichen Krankenhausabteilungen, in Hannover sogar in Hauptgottesdiensten inklusive Konfirmationsgottesdiensten. Dies entsprach auch den Vorschlägen der DEK für die Kriegssituation. Lediglich die Übernahme der Gemeindeleitung durch Theologinnen wurde noch nicht diskutiert. Siehe zur Frage der Entwicklung in den intakten Kirchen: NÜTZEL, Theologinnenarbeit.

<381>

Im Einsegnungsformular zum Amt/Dienst einer Vikarin wurde bei der Auswahl aller drei biblischen Voten (Joh 12; Lk 12; Jak 1) der Gedanke des "Dienstes" hervorgehoben, während in dem liturgischen Formular für die Einführung einer Pfarrvikarin in allen drei ausgewählten biblischen Voten (2. Kor 6; 1. Kor 12; 1. Petr 4) der Begriff "Amt" im Zentrum stand. Siehe LKAN: Amtsblatt der Evang.-Luth. Kirche rechts des Rheins, Nr. 18 vom 27. Oktober 1944, Bekanntmachung Nr. 5867: Betreff Dienstverhältnis der Vikarinnen S. 58f.: Anlage 1 Einsegnung einer Vikarin und Anlage 2 Einführung einer Pfarrvikarin.

<382>

LKAN:LKR IV 407aI:Übersicht der Dienststelle München des LKR, am 6. Juli 1944 an den nach Ansbach ausgelagerten LKR gesandt. Dort wird als Anfangsgehalt einer Studienrätin (inklusive Wohngeldzuschuß und abzüglich eines generellen Abzugs vom BeamtInnengehalt zugunsten des Krieges) 5081,64 Reichsmark pro Jahr angegeben. Das entsprechende Anfangsgehalt einer Katechetin betrug dagegen nur 2579,36 Reichsmark, während ein Pfarrer in seinen Anfangsjahren 3488,04 Reichsmark bezog.

<383>

Vgl. RIEDEL, Jugendarbeit, S. 134: "Alle diese haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter haben große Opfer gebracht. In einer einmaligen Weise haben sie sich eingesetzt und eine geregelte Arbeitszeit nie einhalten können. Ihre Gehaltsansprüche sind minimal gewesen, so daß man heute staunt, mit welch geringen Gehältern sie ausgekommen sind. Aber Zeit und Geld spielten für sie im Blick auf ihre große Aufgabe keine Rolle. Die Kirche konnte damals wirtschaftlich nicht mehr leisten, zumal auch die Pfarrer erheblich eingeschränkt waren. Neue zusätzliche Aufgaben konnten nur schwer verkraftet werden. (...) Auch wenn die Kirche in normalen Zeiten nicht das Recht hat, um einen ´Hungerlohn´ arbeiten zu lassen, kann das in außerordentlichen Situationen anders sein. Der Beweis für die Opferbereitschaft ganz um der Sache willen ist damals erbracht worden."

<384>

Siehe dazu ausführlicher NÜTZEL, Jugendarbeit.

<385>

Davon berichteten die Theologinnen Liesel BRUCKNER und Ilse HARTMANN in den Interviews, die ich mit ihnen im Februar 1991 führte. Pfr. Ernst Kern bat in einem Brief an den bayerischen Landeskirchenrat vom 29.4.1937 um eine Fortsetzung der Jugendarbeit durch die Theologin Käthe Fischer in der Gostenhofer Gemeinde. Er wies darauf hin, daß Käthe Fischer zur Vorbereitung einen dreimonatigen Kurs im Burckhardthaus besuchte, dessen Kosten zu einem Drittel die Gostenhofer Gemeinde trug. (LKAN:LKR IV 407bI).

<386>

BRUCKNER, Arbeitsbericht.

<387>

Zum Konzept der Ausbildung von "Verantwortlichen“ siehe RIEDEL, Jugendarbeit, S. 135.

<388>

Aus dem Interview mit Liesel BRUCKNER im Februar 1991.

<389>

Liesel BRUCKNER berichtete dazu im Interview 1991: "Wir sind nicht einmal eingesegnet gewesen. Einmal, noch während des Krieges, traf ich einen Kollegen, der zu mir sagte: ’Weißt Du, jetzt ist mir aufgegangen, warum wir eine Ordination brauchen: damit wir jemand haben, der mit uns trägt.‘ ’Ach‘, sagte ich, ’das starke Geschlecht wird getragen - und was ist mit dem schwachen Geschlecht?‘ Da sah er mich groß an, und ich sagte: ’Ich bin nicht einmal eingesegnet.‘"

<390>

Liesel BRUCKNER berichtete im Interview 1991: "Wie waren ja durch unsere Arbeit in der Jugendarbeit Leute, die stark unter Beschuß waren.(...) Es hieß ja immer, die Frau kann den Weg ins Pfarramt nicht gehen, weil sie ja doch den Schutz des Mannes braucht. Und dann war der Krieg da, und ich habe zu meinen lieben Männern gesagt: ’Und wer beschützt uns jetzt? Ihr seid an der Front draußen. Wir sitzen hier. Und wenn die Bomben kommen - wer beschützt uns denn da?‘"

<391>

Siehe eine Liste der geforderten Fähigkeiten bei BARTHEL, Stellung, S. 113f. Sie beschreibt dort auf S. 116 ihre eigene vorwiegend organisatorische Tätigkeit nach einer zusätzlichen Ausbildung in den kaufmännischen Fächern als Sekretärin im Amt für Gemeindedienst in Nürnberg von Oktober 1935 bis Frühjahr 1938.

<392>

LKAN:LKR IV 407bI: Schreiben Hildegard Kolbs an den bayerischen LKR, 30.12.1944.

<393>

LKAN:LKR IV 407bI: Vgl. "Übersicht über die Dienstverhältnisse der Vikarinnen", Beilage des Briefes von Liesel Bruckner an den LKR, 16.9.1946. Siehe folgende Passsage aus dem Brief Liesel Bruckners an OKR Hanemann vom 4.7.1944, in dem es um das Vorpraktikum ging: "Gibt es nicht Notfälle, die die Verwaltung der Sakramente notwendig machen? Vikarin Schröder aus dem Walsertal erzählte einiges über ihre Arbeit."

<394>

SCHÖN, Vikar, S. 15.

<395>

Siehe NÜTZEL, Theologinnenarbeit, S. 378-383.

<396>

ABTK: Brief Liesel Bruckners an OKR Hanemann vom 14.1.1946.

<397>

ABTK: Die Zeittafel Johanna Höhnes weist ein entsprechendes Treffen mit OKR Lic. Schmidt am 11.12.1946 in Nürnberg aus.

<398>

ABTK: Brief Liesel Bruckners an Else Breuning vom 19./23.September 1947: "Die Feier hat auch auf die Gemeinde einen großen Eindruck gemacht. Ich bin ganz erstaunt, wie ernst das sowohl von der Gemeinde als auch von den Pfarrern gewertet wird. Manche Pfarrer erwarten, daß ich sie jetzt mit ’Amtsbruder‘ anrede."

<399>

ABTK: Brief von OKR Bezzel an sämtliche Dekanate vom 20.3.1947: "Betreff: Beteiligung der Vikarinnen an der Pfarrkonferenz."

<400>

ABTK: Siehe Briefe Liesel Bruckners an Maria Weigle vom 14.3.1947, an Diakonisse Schwester Chlothilde Reutzel vom 20.5.1947 sowie an OKR Lic. Schmidt vom 21.5.1947. Als alternative Form des Zusammenschlusses wurde kurzfristig die Gründung eines gemeinsamen Ferien- und Ruhestandsheimes mit den württembergischen Theologinnen bzw. eine Kombination mit einem Heim für Theologiestudentinnen in Erlangen erwogen.

<401>

ABTK: Rundbrief Liesel Bruckners an ihre Amtsschwestern vom 27.8.1947. Das Programm für das Vikarinnenkolleg des Theologinnenkonventes im Jahre 1953 sah z.B. Vorträge zu folgenden Themen vor: "Die Frau im Alten und Neuen Testament"; "Die soziologische Umwandlung"; "Bericht über neuere Literatur über Frauen in der Kirche" und "Praktische Arbeitshinweise im Bereich der kirchlichen Frauenarbeit" (ABTK).

<402>

Der LKR beriet am 20.5.1952 über eine Aufnahme weiblicher Theologiestudierender an der kirchlichen Hochschule in Neuendettelsau. Er stellte fest, daß dies in der Satzung der Augustana-Hochschule nicht ausgeschlossen war. Es bestanden Bedenken, daß dadurch Konkurrenz zu dem Kindergärtnerinnen- und dem Lehrerbildungsseminar entstünde. Um die Anzahl zu begrenzen und die Verdrängung männlicher Studierender soweit es ging zu vermeiden, wurde die Einführung eines Numerus clausus für Frauen in Erwägung gezogen (LKAN:LKR IV 407bI: Protokoll: LKR-Haussitzung, Frauenstudium an der Augustana, 20.5.1952 sowie LKAN:LKR IV 407bI: OKR Bezzel an die Augustana-Hochschule vom 20.5.1952). Der Leiter der Augustana-Hochschule, Georg Merz, der die Theologinnenarbeit befürwortete, teilte dem Landeskirchenrat auf dessen Frage nach der Position der Augustana mit, daß dort ein "eigentümlicher Charakter" ohne Studentinnen bestehe. In der Studentenschaft bestehe jedoch kein Wunsch zur Änderung. Eine Frauen-Wohngemeinschaft sei zur Zeit nicht möglich, da weder ein entsprechendes Haus noch eine Leiterin verfügbar seien. (LKAN:LKR IV 407bI Brief von Georg Merz an den Landeskirchenrat vom 24.5.1952). Der LKR teilte daraufhin einem Pfarrer mit, der offensichtlich die Anfrage nach Aufnahme von weiblichen Theologiestudierenden geäußert hatte, daß derzeitig keine Aufnahme einzelner Theologiestudentinnen möglich sei. Auch solche, die ihre Eltern am Ort hatten, müßten abgewiesen werden (LKAN:LKR IV 407bI: Brief von OKR Bezzel an Pfr. Weinheim vom 14.6.1952). Im Wintersemester 1954/55 wurde dann die Aufnahme von sieben Theologiestudentinnen vorgesehen, wobei es zunächst offenbar nur wenig Interesse gab. (ABTK: Rektor Merz an Liesel Bruckner vom 18.6.1954: "Wenn wir es schon tun, dann liegt uns natürlich daran, nicht mit einer ’Lücke‘ zu beginnen, zumal nach verschiedenen seltsamen Zwischenfällen der Landeskirchenrat und auch der Bischof merkwürdig ’positiv‘ stehen".)

<403>

ABTK: Protokoll des Konventes bayerischer Vikarinnen in Rummelsberg am 23.4.1965: "Verschiedene Kolleginnen berichten über Beeinträchtigungen des Studiengangs, welche weiblichen Theologiestudenten in Dettelsau zugemutet werden. Schwester Bruckner wird deshalb mit Rektor Andrezen Rücksprache halten. Es erscheint ratsam, Studentinnen davon abzuraten, ihr Studium in Dettelsau durchzuführen."

<404>

ABTK: Brief Liesel Bruckners an OKR Riedel vom 11.6.1950. Die Notwendigkeit der Sakramentsverwaltung durch Theologinnen ergab sich auch aus einer veränderten Abendmahlspraxis in der Kirche. Darauf wies Liesel Bruckner hin: "Während es in früheren Zeiten Sitte war, daß man ein- bis zweimal im Jahr zum Abendmahl ging und dann noch, wenn es zum Sterben kam, so wurde das in der Kirche nun anders. Neben dem Gemeindeabendmahl allmonatlich setzte sich die Feier des Abendmahls bei der Seelsorge in Krankenhäusern und Altenheimen, auf Freizeiten und Einkehrtagen (z.B. bei dem neuentstandenen Dienst für berufstätige Frauen) durch. Weil hier oft Theologinnen allein den Dienst taten, verband sich damit auch die Notwendigkeit, daß Frauen die Sakramentsverwaltung übertragen wurde."(ABTK: Liesel Bruckner, Bericht 1985, S. 9.)

<405>

ABTK: Stellungnahme von Pauline Zeile, Sakramentsverwaltung der Vikarin in der Krankenhausseelsorge vom 1.11.1950: "Letzten Endes steht hinter unserer Bitte um die Ermächtigung der Sakramentsverwaltung die Erkenntnis, daß Wort und Sakrament zusammengehören. Wir wollen die Not, daß beide in unserem Dienst nicht zusammengehören, wohl weitertragen, aber wo sie auch den Dienst der Wortverkündigung hindert, da meinen wir, müssen wir reden."

<406>

ABTK, Stellungnahme von Pauline Zeile.

<407>

ABTK: Stellungnahme zur Frage der Sakramentsverwaltung durch Vikarinnen 1950. Mehrere Theologinnen, die in den 50er Jahren mit ihrem Theologiestudium begannen, berichteten, daß Eltern den Studienwunsch Theologie angesichts der fehlenden Möglichkeiten einer befriedigenden Berufsausübung für Frauen ablehnten. Dies kam auch in mehreren Interviews mit Theologinnen zur Sprache, die in den 50er Jahren mit dem Theologiestudium begannen.

<408>

LKAN: LKR IV 407bI: Dies drückte sich auch in dem Engagement der bayerischen Kirchenleitung zu Initiativen der VELKD und der EKD hinsichtlich der Theologinnenarbeit aus. Siehe z.B. die Diskussionsbeiträge von OKR Lic. Schmidt im Protokoll der "Sitzung eines vorläufigen Ausschusses für die Erörterung der Vikarinnenfrage im Rahmen der VELKD" (19.1.1951).

<409>

ABTK: Brief Liesel Bruckners an OKR Schmidt vom 14.12.1950.

<410>

ABTK: Brief von OKR Lic. Schmidt an Liesel Bruckner vom 29.11.1951. Einen entsprechenden Hinweis auf die Verantwortlichkeit der kirchlichen Anstellungsträger hinsichtlich der Bereitstellung einer adäquaten Wohnmöglichkeit für die Theologinnen im Amtsblatt kommentierte Ilse Hartmann angesichts ihrer eigenen langwierigen Wohnungssuche. Sie mußte ihre Arbeit mit berufstätigen Frauen in ihrem winzigen Wohn-, Schlaf- und Arbeitsraum erledigen und schrieb in einem Brief an Liesel Bruckner vom 5.1.1954: "Hoffentlich halte ich innerlich und gesundheitlich noch so lange durch.(...) Im neuen Amtsblatt kommt ja auch die Wohnung der Vikarinnen dran. Hoffentlich werden die Dinge auch in die Praxis umgesetzt. Ilse Rudert schläft noch im Badezimmer. Traudl Kern mußte auch ihre Möbel einstellen, um in Starnberg möbliert zu wohnen." (ABTK)

<411>

Das am 10. Mai 1954 in einer novellierten Form beschlossene Vikarinnengesetz wurde am 11. Juni 1954 im Kirchlichen Amtsblatt 1954, Nr. 7277: Betreff:"Vikarinnengesetz" S. 66ff. veröffentlicht.

<412>

LKAN:LKR 407aI: Brief von Lic. Schmidt an die Herren Mitglieder der Landessynode am 1. April 1954: "Der Entwurf ändert an der Stellung der Vikarin nichts Grundsätzliches. Es hat sich herausgestellt, daß dienstrechtlich in mancher Beziehung eine Angleichung an die Dienstverhältnisse der Predigtamts- bzw. Pfarramtskandidaten zu empfehlen ist. Diesem Zweck dienen, aufs Ganze gesehen, die in dem Entwurf vorgesehenen Änderungsvorschläge. Die beiden liturgischen Beilagen des Gesetzes werden durch das Erscheinen von Band IV der Agende überflüssig."

<413>

LKAN:LKR IV 407bI: Ergebnisprotokoll der Haussitzung des LKR vom 10.6.1952.

<414>

LKAN:LKR IV 407aI: Ergebnisprotokoll der LKR-Vollsitzung vom 18.2.1954.

<415>

LKAN:LKR 407bI: Siehe Rundbrief der EKiD-Kirchenkanzlei an die Gliedkirchen vom 19.3.1954 mit der Anlage: "Leitsätze zur Ausbildung der Vikarinnen" sowie Ergebnisprotokoll der LKR-Haussitzung vom 1./2.4.1954: Entsprechender Beschluß bei Punkt 7: "Vikarinnenseminare".

<416>

ABTK: Adressen der bayerischen Vikarinnen und Adressen der "übrigen Vikarinnen" vom August 1954.

<417>

Vgl. Teil C über die Entwicklung der Theologinnenarbeit in Mecklenburg.

<418>

ABTK: Brief Liesel Bruckners an den bayerischen Evang.- Luth. LKR vom 16.9.1946 mit der Beilage: "Übersicht über die Dienstverhältnisse der Vikarinnen".

<419>

ABTK: Brief Lydia Schröders an OKR Lic. Schmidt vom 26.9.1950 sowie Brief Lydia Schröders an Liesel Bruckner vom 20.9.1950, die wiederum Lydia Schröders Gesuch in einem Brief an OKR Lic. Schmidt vom 7.10.1950 unterstützte.

<420>

ABTK: Brief Lydia Schröders an Liesel Bruckner vom 28.3.1951: "Aber die Pfarramtsleitung ist wohl doch niemals eine uns gemäße Aufgabe. Wo Frauen in solche Arbeit hineingestellt werden, z.B. im Osten, und im Segen darin stehen, von Gott hineingestellt sind, da verzehren sie sich doch sehr schnell."

<421>

ABTK: Brief Lydia Schröders an Liesel Bruckner vom 28.3.1951. Allerdings beschrieb sie dort auch, daß es in der Realität oft zu einem konflikthaftem Herrschaftsverhältnis statt zu einem komplementären Gegenüber kam:" Und weil der Bruder im Amt dieses echte, darum auch kritische und selbständige und manchmal anders entscheidende Gegenüber nicht will, darum gibt es zwischen uns so viel ’unglückliche Ehen‘."

<422>

ABTK: Brief Pfr. Gabriels an Lydia Schröder vom 16.2.1951: "Es ist m.E. auch in Ihrem eigenen Interesse, wenn Sie auf diesem Gebiet der öffentlichen Wortverkündigung eine weise Selbstbescheidung üben. Bei der Normalisierung der kirchlichen Verhältnisse und dem stärkeren jungen Pfarrernachwuchs ist die Gefahr zudem leicht, daß Sie bei der Überschreitung des im Vikarinnengesetz vorgesehenen Bereiches von anderer Seite Beanstandung bekommen. Das in Ihrem Fall so langsam gewordene Gewohnheitsrecht muß sich mit der Ordnung der Landeskirche abgleichen."

<423>

ABTK: Brief Lydia Schröders an Liesel Bruckner vom 24.7.1951 im Anschluß an einen Rundbrief Lydia Schröders an die Mitglieder des Kirchbauvereins Ende Juli 1951: "Ich bin aber der Überzeugung, daß wir völlig an der uns gestellten Aufgabe vorbeigehen, wenn wir uns auf den kleinen Kreis derer beschränken, die den Zugang zum kultischen Gottesdienst haben, wenn wir nicht auf mancherlei Weise versuchen, das Evangelium in die Welt zu rufen. Gemeinde wird gebaut durch Verkündigung der Evangeliums in Wort und Sakrament, aber das Wort muß ja den Menschen von heute erst wieder zum Sakrament und zur Anbetung rufen."

<424>

ABTK: Brief Lydia Schröders an Liesel Bruckner vom 29.2.1952.

<425>

ABTK: Brief Lydia Schröders an Liesel Bruckner vom 28.3.1951.

<426>

ABTK: Brief Lydia Schröders an Liesel Bruckner vom 29.2.1952.

<427>

ABTK: Brief von OKR Lic. Schmidt an Lydia Schröder vom 9.5.1952.

<428>

ABTK: Brief Lydia Schröders an Maria Weigle vom 6.6.1952.

<429>

ABTK: Brief Lydia Schröders an Liesel Bruckner vom 1.9.1952.

<430>

ABTK: Brief Lydia Schröders an Maria Weigle vom 6.6.1952. Eine Veränderung deutet sich bereits in ihrem Brief vom 28.3.1951 an Liesel Bruckner an. Dort heißt es: "Allerdings weiß ich das andere nicht, ob nicht durch eine klarere Rechtslage unsererseits manches verhindert werden kann, was uns jetzt so viel Not und Kampf kostet, und ob wir nicht in der Verantwortung für die anderen, auch wenn wird für uns selbst bereit sind, das zu tragen, an dieser Klärung der Rechtslage mitarbeiten müssen. (...) Du weißt, es geht mir in keiner Weise um Recht oder Ruhm oder dergl. Aber an mir selbst merke ich, daß auch uns Frauen die Möglichkeit geschenkt ist und die Fähigkeit, in der Gemeinde zu arbeiten, so wie ich es hier darf."

<431>

ABTK: Bericht über die Tagung des Konvents evangelischer Theologinnen Deutschlands im Jahre 1954 von Ilse Hartmann. Darin schreibt sie u.a.: "Was wir über das ’Predigerseminar‘ für Vikarinnen, das Christine Bourbeck in Spandau leitet, erfahren haben, weckt Sehnsucht nach einer solchen Möglichkeit auch für Vikarinnen der bayerischen Landeskirche."

<432>

ABTK: Stellungnahme Liesel Bruckners im Juli 1954: "Ob eine Vikarin die Einsegnung von Mädchen bei der Konfirmation vollziehen kann?"

<433>

ABTK: Zur „Residenzpflicht“ der Vikarinnen. Zusammenfassung der Überlegungen beim Vikarinnenkonvent 29.10-3.11.1957 in Neuendettelsau.

<434>

ABTK: Brief Liesel Bruckners an OKR Schmidt vom 2.7.1958.

<435>

ABTK: Rundbrief des LKR an die Dekanate: Betreff Dienstbefreiung für Vikarinnen vom 9.1.1959. Dort regte OKR Schmidt auch an, daß für Theologinnen, die als Religionslehrerinnen tätig waren, entgegenkommendere Regelungen für die Freizeit getroffen werden könnten.

<436>

ABTK: Stellungnahme: "Zur Sakramentsverwaltung" von Liesel Bruckner. Sie verfaßte diese nach Rücksprache mit einigen bayerischen und außerbayerischen Theologinnen und sandte sie am 9.4.1958 mit einem Begleitschreiben an den bayerischen Landesbischof.

<437>

ABTK: Brief von Landesbischof Dietzfelbinger an Liesel Bruckner vom 10.6.1958.

<438>

ABTK: Brief Maria Weigles an Landesbischof Dietzfelbinger vom 10.10.1958. Siehe auch den Brief Ilse Hartmanns an Liesel Bruckner vom 15.7.1954, in dem sie Weigles Position beim Leipziger Sondertreffen der Vikarinnen am Rande des Leipziger Kirchentages darstellt.

<439>

So Ilse Hartmann in einem Brief an Liesel Bruckner vom 2.3.1960 (ABTK). Dort gehen diesen Schlußfolgerungen folgende Überlegungen voran: "M.E. können sie überall arbeiten; man kann höchstens sagen, wofür sie besonders geeignet sind, aber auch das ist individuell verschieden (...) Dekane, Kreisdekane und Bischöfe wollen wir nicht gerade werden, auch die Leitung eines Predigerseminars stelle ich mir in männlichen Händen besser vor; aber sonst sehe ich grundsätzlich nichts, was nicht der einen oder anderen Vikarin gemäß sein könnte, vorausgesetzt, daß ihr nicht Grenzen gezogen sind in dem, was sie darf."

<440>

Diese Hoffnung beruhte nicht zuletzt darauf, daß Hermann Dietzfelbinger schon relativ früh Interesse an der Theologinnenarbeit gezeigt hatte und z.B. im November 1941 an einem Treffen der bayerischen Theologinnen in Nürnberg teilgenommen hatte. Damals hatte er die Bibelstellen 1.Tim 2 und 1.Kor 14 als Bahnschranken bezeichnet, vor denen das Auto anhalten und warten müsse, um dann Schritt für Schritt weiterzufahren. Siehe: ABTK: Rundbrief des bayerischen Theologinnenkonventes von Liesel Bruckner vom 12.2.1942 mit einem Bericht über das Treffen am 22./23.November 1941 in Nürnberg.

<441>

ABTK: Brief von Landesbischof Dietzfelbinger an Liesel Bruckner vom 9.2.1959.

<442>

Siehe LS ANSBACH 1961, S. 10f.: Bericht des Landesbischofs.

<443>

LKAN:LKR IV 407bI: Antwortschreiben des LKR München an das Luth. Kirchenamt der VELKD Hannover vom 22.9.1954. Letzteres hatte in einem Schreiben vom 9.9.1954 an die Kirchenleitungen der Gliedkirchen die Ausbildungsmöglichkeiten speziell für lutherische Vikarinnen in dem Kandidatinnenseminar in Hannover erläutert. Das Protokoll einer Vollsitzung des LKR am 3./4.9.1956 hielt fest, daß entsprechend dem Vorschlag des zuständigen Referenten die examinierten Theologinnen zunächst ein halbes Jahr praktischen Dienst tun sollten, um danach an einem katechetischen Kurs für Pfarrverwalter teilzunehmen. Nur sich als besonders geschickt erweisende Theologinnen sollten in das Vikarinnenseminar nach Hannover geschickt werden. (LKAN:LKR IV 407aI.)

<444>

LKAN:LKR IV 407aI: Antwortschreiben des LKR München an das Luth. Kirchenamt Berlin vom 23.7.1957: "Auf das dortige Rundschreiben vom 12.7.1957 Nr. 621/57/29 teilen wir mit, daß wir von der Einführung einer besonderen Amtskleidung für Vikarinnen absehen möchten, da uns für die Dienstleistungen, die unsere Vikarinnen haben, eine besondere Amtskleidung als entbehrlich erscheint." An dieser Ablehnung wurde auch bei einem entsprechenden Antrag der bayerischen Vikarin Rohleder festgehalten. (LKAN:LKR IV 407aI: Ergebnisprotokoll der Haussitzung des bayerischen LKR am 22.10.1960).

<445>

LKAN:LKR IV 407bI: Antwort des LKR München an die Kirchenkanzlei der EKiD in Hannover vom 4.11.1955 auf die Rundfrage der EKiD -Kirchenkanzlei an die Leitungen der deutschen evangelischen Landeskirchen vom 20.10.1955. Die Rundfrage war durch die Forderung des deutschen Theologinnenkonvents nach einer besoldungsrechtlichen Gleichstellung der Geschlechter entsprechend Artikel 3 des Grundgesetzes ausgelöst worden. Der bayerische LKR wies diese Forderung zurück: "Nach unserem Pfarrerbesoldungsgesetz erhalten die Vikarinnen in der Anfangszeit ihres Dienstes die gleichen Bezüge wie die Vikare, doch nur solange, bis sie 80% des Anfangsgehaltes eines Pfarrers erreicht haben. Bei der definitiven Anstellung erhalten sie 80% des Pfarrergehaltes mit den entsprechenden Vorrückungen. Dieser Regelung liegt die Überlegung zugrunde, daß die Vikarin für ihren Lebensunterhalt zunächst die gleichen Bedürfnisse hat wie ein Vikar, daß aber die weiteren Steigerungen des Pfarrergehaltes, die auf die Erhaltung einer Familie zugeschnitten sind, auch nach sozialen Gesichtspunkten für die unverheiratete Vikarin nicht veranlaßt sind. Daß auch vom rechtlichen Standpunkt eine Sonderregelung des Gehalts der Vikarinnen gegenüber dem Gehalt eines Geistlichen in Ordnung geht, ergibt sich schon daraus, daß nach unserem Vikarinnengesetz Vikarinnen nicht die gleiche Dienstleistung wie die ordinierten Geistlichen haben."

<446>

Richtlinien über die Regelung der Dienstverhältnisse von Theologinnen innerhalb der VELKD vom 5.1.1956. Vgl. dazu den ersten Entwurf für "Richtlinien über die Regelung der Dienstverhältnisse von Theologinnen innerhalb der VELKD".

<447>

LKAN:LKR IV 407bI: Protokoll von der Vollsitzung des bayerischen Landeskirchenrates am 2.11.1955.

<448>

LKAN: LKR IV 407aI: Ergebnisprotokoll der Vollsitzung des Landeskirchenrates am 16.-19.2.1959.

<449>

LKAN:LKR IV 407aI: Protokoll der Vollsitzung des bayerischen Landeskirchenrates vom 10.9.-12.9.1962.

<450>

LKAN:LKR IV 407aI: Brief von OKR Schmidt an das Luth. Kirchenamt Hannover vom 26.3.1963.

<451>

LKAN:LKR IV 407aI: So schrieb das Dekanat München in einem Brief an den bayerischen LKR vom 3.9.1963 : "Zu seiner großen Freude teilt das Dekanat dem LKR mit, daß aus dem Kreis der Münchner Theologiestudierenden sich im August 1963 verheiratet haben: (...) Das Problem der theologisch gebildeten Frau hat sich damit wieder in einer schöpfungsgemäßen Weise gelöst."

<452>

LKAN:LKR IV 407aI: So wurde im Protokoll der Haussitzung des LKR vom 28.12.1961 der Antrag auf Anhebung der Vikarinnenbesoldung auf 100% der Pfarrerbesoldung befürwortend behandelt, mit der Begründung: "als Gegengewicht für die Nichtordination". Siehe dazu LKAN:LKR IV 407bI: Brief des Evang.-Luth. Dekanates München an den bayerischen Landeskirchenrat vom 7.12.1961 mit der Übersendung der Eingabe an die Landessynode in Bayreuth 1962. Darin wurde die Beschränkung der Besoldung der Theologinnen auf 80% des Lohns und Wohngeldes männlicher Theologen als "Härte und Unrecht" bezeichnet, da Theologinnen oft durch ihre Arbeit die "volle Arbeitskraft eines männlichen Theologen gleichen Dienstalters" ersetzen würden. Gegenüber dem anderen Argument, daß die Pfarrerbesoldung in ihrer vollen Höhe auf den Unterhalt einer Pfarrfamilie zugeschnitten sei und die - zwangsweise - unverheirateten Theologinnen für ihren Haushalt auch weniger Aufwendungen zu veranschlagen hätten als ledige Pfarrer, da sie die Hausarbeit selbst erledigen könnten, wurde eingewandt: "Manche Sorge und Aufgabe, die dem verheirateten Pfarrer eine tüchtige Pfarrfrau abnimmt, hat die Pfarrvikarin allein zu bewältigen. Ihre häusliche Umgebung, die Behaglichkeit und Kultur des Heimes ist für sie als Frau ein besonderes Bedürfnis und zugleich Kraftquelle." Und: "Ihre Beanspruchung im Dienst ist so groß, daß ihnen für ihre Arbeiten im Haushalt nur Zeit auf Kosten einer notwendigen Erholung bleibt." Außerdem sei dies hinderlich für den Nachwuchs an Theologinnen, da diese schlechter gestellt seien als andere Akademikerinnen, aber teilweise nicht nur für sich selbst zu sorgen hätten, sondern auch zum Lebensunterhalt von Angehörigen beitragen müßten.

Die bayerischen Theologinnen hatten bereits 1955 anläßlich einer Besoldungsreform überlegt, ob sie nicht eine besoldungsmäßige Gleichstellung mit ihren Kollegen anstreben sollten: "Daß unsere verheirateten Pfarrer mit ihren Kindern mehr kriegen sollen, ist uns allen sehr klar; warum wir aber weniger bekommen als ein unverheirateter Pfarrer, sehen wir nicht ganz ein. Unsere Lebenshaltung ist auch nicht billiger. Heißt das, daß wir weniger arbeiten?"Brief Ilse Hartmanns an Liesel Bruckner vom 6.1.1955 (ABTK). Ähnlich äußerte sich auch Gertraud Kern in einem Brief an Liesel Bruckner vom 16.1.1955 (ABTK), in dem sie zunächst von ihren vielfältigen Arbeitsfeldern berichtete: "Ich habe jetzt 26 Stunden, davon 24 auswärts, einen Mädchenkreis, einen Kinderkreis und 14tägig Kindergottesdienst. Wenn man Kochen, Waschen, Flicken alles selber machen muß, weiß man nicht, wo man übrige Zeit wegnehmen soll, so komme ich halt gar nicht mehr zum Lesen und theologischen Weiterarbeiten." Von diesem Hintergrund her kam sie zu folgender Beurteilung der geschlechtshierarchischen Besoldungsdifferenz: "Nun komme ich natürlich mit dem Geld aus, was ich kriege, aber ich bin doch froh um das bißchen mehr, das ich durch Mittelschule und Berufsschule bekomme. Wenn das dann wegfällt, sehe ich eigentlich nicht ein, warum wir immer noch bloß 80% von dem Gehalt der Männer kriegen sollen, vor allem, wenn man dauernd gesagt kriegt, wieviel die Männer zu tun haben, und selbst auch nach und nach immer mehr zugeschoben bekommt. Ich glaube wirklich nicht, daß wir weniger arbeiten als die Männer im allgemeinen."

<453>

Diese Gedanken äußerte der bayerische OKR Greifenstein in einem Antwortschreiben an Pastor Dr. Ludwig/Braunschweig vom 26.7.1963, in dem er grundsätzlich seine Zustimmung zu der die Frauenordination ablehnenden Stellungnahme aus den Kreisen der Gesellschaft für Innere und Äußere Mission äußerte, jedoch diese Gruppe zur Ausarbeitung eines gründlichen Dokumentes aufforderte, wobei er auf die Bemühungen des bayerischen Landesbischofs um die Ausprägung eines solchen Ansatzes hinwies und bemerkte: "Denn nichts ist notwendiger als eine klare positive Zielsetzung in dieser Frage. Mit den bisherigen Negationen allein können wir nach meiner Überzeugung nicht mehr weiterkommen." (LKAN:LKR IV 407bI.)

<454>

ABTK: Rundbrief Liesel Bruckners an ihre Amtsschwestern vom 10.4.1961. Die bayerischen Theologinnen stimmten folgenden Thesen zu: Von Schrift und Bekenntnis her kann die Sakramentsverwaltung durch Theologinnen nicht abgelehnt werden. Die Beschränkung auf einen weiblichen Adressatinnenkreis ist weder durchführbar noch einsichtig, insbesondere nicht für Flüchtlinge aus anderen Landeskirchen. Die Ausbildung nach dem Ersten Examen muß dringend geregelt werden. Selbständige Arbeitsbereiche für Theologinnen, vor allem im Gemeindebereich, müssen eingerichtet werden. (Siehe dazu ABTK: Antworten verschiedener Theologinnen auf den Brief Liesel Bruckners vom 10.4.1961.)

<455>

ABTK: Rundbrief Liesel Bruckners an ihre Amtsschwestern im Juli 1963.

<456>

ABTK: "Das Gute Wort": "Die Theologin im Dienst der Kirche“ (6.Fassung). Beim Vergleich der letzten Fassung des "Guten Wortes" mit vorhergehenden Entwürfen fällt auf, daß letztere zunächst eine differenziertere Stellung hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Theologinnenarbeit und dem traditionellen geistlichen Amt bezogen hatten. Sie versicherte den Verzicht der Theologinnen auf die Ausübung der Pfarramtsleitung und akzeptierte damit eine Subtraktion von Funktionen des traditionellen Pfarramtes. In anderen Entwürfen strebten die Theologinnen dagegen eine geschlechterübergreifende Transformation des traditionellen Pfarramtes mit dem Ziel der Teamarbeit an. Beide Ansätze wurden in der endgültigen Fassung nur noch indirekt zur Sprache gebracht, zum einen in der Formel "Einordnung von Frauen in das geistliche Amt" sowie der Aussage: Christus "allein ist der Herr der Gemeinde und alle, die in seiner Kirche mitarbeiten, sind Diener, die er erweckt".

<457>

ABTK: Brief von Landesbischof Dietzfelbinger an Liesel Bruckner vom 26.11.1963. Siehe auch die ausführlichere Darstellung des Artikels Dietzfelbingers, der in der Oktoberausgabe der LM 1963 veröffentlicht wurde, in der Literaturübersicht (Teil A 2.2.).

<458>

So urteilte die auf der Ebene des deutschen Gesamtverbandes der Theologinnen tätige Theologin Anna Paulsen in einem Brief an Liesel Bruckner vom 29.11.1963 über den Beitrag Dietzfelbingers: "Ich habe ihn nun aufmerksam gelesen, bin immer mehr erschrocken über die Dürftigkeit der theologischen Argumente in puncto Amt und ’Pfarramt‘. Es muß hier wirklich etwas geschehen. Das wird einem immer deutlicher. Ich wollte nun noch einmal fragen, ob von Ihrer Seite etwas geplant ist. Außerdem möchte ich gerne wissen, ob Ihr ’Gutes Wort‘ nun erschienen ist und wo. Es ist eine wirklich sorgfältige Darstellung, die auch in diesem Zusammenhang Bedeutung gewinnen könnte."(ABTK)

<459>

Vgl. LS ANSBACH 1961, S. 32: Der Antrag zur Gründung dieses Ausschusses lautete: "Der Landeskirchenrat wird gebeten, ein Gremium zu bilden aus Mitgliedern der Synode, des Landeskirchenrates und zusätzlichen Sachverständigen, das das vorhandene Vergleichsmaterial und Erfahrungsberichte zu Fragen und Weiterbehandlung der im Bericht des Herrn Landesbischofs angesprochenen Probleme des Dienstes der theologisch gebildeten Frau sammelt und bearbeitet und Vorschläge machen soll, um diese Frage einer befriedigenden Lösung zuzuführen. Dieses Gremium soll der Synode in der nächsten Sitzung Bericht über seine Tätigkeit erstatten."

<460>

ABTK: Einladung des bayerischen Landeskirchenrates vom 14.11.1961 zur Ausschußsitzung am 20.11.1961. Dort fand sich als Beilage eine "Materialsammlung zum Stand der Diskussion über das Amt der Vikarinnen", die vier ablehnende und eine befürwortende Stellungnahme hinsichtlich Frauenordination und Theologinnenarbeit enthielt.

<461>

ABTK: Liselotte Nold, Bericht über die Arbeit des Ausschusses für die theologisch gebildete Frau, gehalten bei der LS ANSBACH, Oktober 1965.

<462>

ABTK/GÖTTINGEN: Beschluß der bayerischen Landessynode in Ansbach am 29.10.1965.

<463>

ABTK: Brief der Theologiestudentin Sieglinde Wolff an Liesel Bruckner vom 25.1.1966. Siehe auch den Brief von Marianne Pflüger an Liesel Bruckner vom 20.4.1966, in dem diese berichtet, daß manche Vorgesetzten die Vikarinnen sogar zum Fensterputzen einsetzten.(ABTK)

<464>

LS BAYREUTH 1966, Bericht von Landesbischof Dietzfelbinger, S. 19-21, hier S. 21. Die SynodalInnen waren von diesem Konzept nicht durchgehend begeistert. So äußerte der Synodale Beisbart in der Aussprache zum Bischofsbericht: "Ist ein männlicher Beobachter überhaupt in der Lage, den aktuellen Befund über das Wesen der wissenschaftlich gebildeten Frau, also auch der Theologin zu erheben, ohne an das Selbstzeugnis der Frau als letzthin einzig zureichende Erkenntnisgrundlage zu appellieren? Haben Männer heute überhaupt noch die Vollmacht, über die heute erst vollmündige Frau zu beschließen, wie sie das in vergangenen Jahrhunderten über unmündige Kinder und Frauen getan haben?"(LS BAYREUTH 1966, S. 56.)

<465>

ABTK: Rundbrief Liesel Bruckners an ihre Amtsschwestern vom 15.10.1966: "Machen Sie sich dazu nicht nur negative, sondern auch positive Gedanken, wie Sie sich den Dienst der Theologin in der sich verändernden Welt von heute vorstellen und wie Sie ihn doch auch schon tun. Ich halte es für nötig, daß wir gute Vorschläge bringen, die unser Berufsbild betreffen."

<466>

ABTK: Brief Johanna Höhnes an Liesel Bruckner vom 23.11.66.

<467>

ABTK: Stellungnahme des Theologinnenkonvents zum Referentenentwurf 1966 - Beilage des Briefes von Liesel Bruckner an Landesbischof Dietzfelbinger vom 24.11.1966.

<468>

ABTK: Siehe z.B. den überarbeiteten 3. Referentenentwurf vom 10.11.1967. Liesel Bruckner kommentierte diesen in einem Brief an die bayerische Theologin Jünger vom 15.11.1967 (ABTK) folgendermaßen: "Er ist ungefähr so ausgefallen wie der 2. Obwohl der 2. Entwurf vom LKR zurückgezogen wurde. Ich war schon sehr erschüttert darüber."

<469>

ABTK: 3. Referentenentwurf (Dezember 1967): Kirchengesetz über das Dienstverhältnis der Theologinnen (Theologinnengesetz) Anlage des Briefes von OKR D. Schmidt an Liesel Bruckner.

<470>

ABTK: Brief Liesel Bruckners an Landesbischof Dietzfelbinger vom 19.12.1967.

<471>

ABTK: Zur Begründung des Theologinnengesetzes im Beamtenentwurf (22. Januar 1968).

<472>

ABTK: Bayerischer Theologinnenkonvent, Eingabe an die bayerische Landessynode vom 19.2.1969 mit Teil 1: "Übersicht über Ordination und Sakramentsverwaltung der Theologinnen in Deutschland" (10 S.).

<473>

ABTK: Stellungnahme des Konvents zum Entwurf eines Kirchengesetzes über das Dienstverhältnis der Theologinnen und seine Begründung (22.1.1968).

<474>

Vgl. LS BAYREUTH 1969, S.55f.: Synodaler Kelber.

<475>

ABTK: AEE-Stellungnahme zu der Erklärung: "Das Amt der Kirche und die Frau" (1.3.1968).

<476>

ABTK: Stellungnahme der Evangelischen Akademikerschaft an die bayerische Landessynode im Jahre 1969.

<477>

ABTK: Theologische Fakultät der FAU ER/N, Stellungnahme zur Frage des Frauenpfarramtes im Oktober 1969- Eingabe für die Augsburger LS 1969.

<478>

ABTK: Evang.-lutherische Gebetsbruderschaft Konvent - Bayern, Notruf: Zur angestrebten Sakramentsverwaltung durch Frauen, 8.2.1970. Deren Unterstützer sahen sich mit dem drohenden Verlust ihrer letzten Bastion wahrhaft lutherischer Schrifts-, Amts- und Geschlechterlehre in Deutschland konfrontiert und bestritten der Landessynode das Recht, Kirchengesetze zu verabschieden, "die die Bekenntnisgrundlage der Kirche antasten und von manchen aus Gewissensgründen nicht angenommen werden dürfen". Im klaren Bewußtsein, daß ihre Auffassung nur noch von einer Minderheit geteilt wurde, forderten sie die Mehrheit zur nötigen "Glaubensstärke" auf, um "auf uns, die Schwachen“ Rücksicht zu nehmen und um "gemeinsam und ohne eine Minderheit zu vergewaltigen, Wege zu suchen, die uns eine Zukunft in einer Kirche öffnen". Schließlich seien die männlichen Eigenschaften zur verantwortungsvollen Amtsführung notwendig: "Wenn in den letzten 200 ruhigen ’Beamtenjahren‘ des Pfarrerstandes weithin ein anderes ’weibisches‘ Pfarrerbild entstanden ist, so wird die nahe Zukunft das Bild des rechten Hirten gewiß wieder zurechtbiegen."

<479>

ABTK: Rundschreiben von Dekan Dr. Reissinger, Das Amt der Kirche und die Frau (2 S.), 1968.

<480>

Vgl. LS AUGSBURG 1969, S. 12.

<481>

ABTK: Theologischer Ausschuß der Gesellschaft für Innere und Äußere Mission im Sinne der lutherischen Kirche e.V.: Eingabe an die bayerische Landessynode vom 19.2.1969 Betreff: Dienst der Theologin (2 S.) mit Anlage: Memorandum zum Dienst der Theologin (4 S.).

<482>

Vgl. LS AUGSBURG 1969, Bericht des Landesbischofs, S. 34.

<483>

Vgl. LS BAYREUTH 1969, Alterspräsident Lentrodt, S. 54.

<484>

ABTK: KRIBS-Flugblatt 11. In Flugblatt 1 wurde das Ziel von KRIBS erläutert, nämlich mit den SynodalInnen auf der Grundlage eines zukunfts- und veränderungsorientierten Kirchenverständnisses Gespräche über Sachfragen, Argumente und Entscheidungen zu führen. Außerdem stellte Flugblatt 1 die an KRIBS beteiligten Gruppierungen vor: Arbeitskreis Evangelische Erneuerung, Fachschaft Theologie Erlangen, Arbeitskreis für Theologie und Praxis, Konvent der Vikare, theologischer Arbeitskreis.

<485>

ABTK: KRIBS-Flugblatt 11. Um die Vielfalt der für die KRIBS-Flugblätter gewählten formalen Ausdrucksmittel vor Augen zu führen, sei hier auch Flugblatt Nr.12 mit dem Titel: "Das Märchen vom Weg nach vorn" wiedergegeben: "Es war einmal ein Ausschuß. Der plagte sich redlich. Viele, viele Monate lang. Und die Arbeit trug auch Früchte. Ein neues verheißungsvolles Gesetz für die Priesterinnen des Landes reifte heran. Der Ausschuß glaubte, er habe dem königlichen Hof ein königliches Geschenk gemacht. Da kamen die königlichen Räte voll Entsetzen zusammen. Sie glaubten nämlich, in dieser Frucht sei an einigen Stellen ein geheimnisvolles Gift verborgen, das gewisse Priester und Weise des Landes in unheilvolle Raserei versetzen würde. Flugs schnitten sie mit einem scharfen Messer hier und da ein Stückchen weg. Da begann die restliche Frucht gar fürchterlich zu faulen und zu stinken. So wurde sie der königlichen Hofversammlung angeboten. Aber selbst die Priesterinnen des Landes, die sonst alles schluckten, wandten sich entsetzt ab. Seitdem stinkt die Frucht vor sich hin ...und stinkt...und stinkt... und stinkt... und hoffentlich stinkt es dem Ausschuß auch!"

<486>

Siehe LS BAYREUTH 1969, S. 126. Liesel Bruckner und Gudrun Diestel begründeten die Zustimmung zu einer weiteren Vertagung der Entscheidung in einem Rundschreiben an ihre Kolleginnen damit, daß es wichtig sei, daß die Landessynode ihre Zustimmung aus voller Überzeugung und auf möglichst breiter Basis gebe. Auch in anderen Landeskirchen habe sich gezeigt, daß dies für die weitere Arbeit der Theologinnen wichtig sei. Außerdem riefen sie ihre Kolleginnen von neuem dazu auf, sich Gedanken über Änderungen der bestehenden, bzw. die Formulierung neuer Rechtsbestimmungen für den Dienst der Theologinnen zu machen. (ABTK: Liesel Bruckner und Gudrun Diestel: Beilage zum Rundbrief an die im aktiven Dienst stehenden Mitglieder des Theologinnenkonventes: "Bericht über die Verhandlungen auf der Landessynode (vertraulich)" vom 27.3.1969).

<487>

Ein Resultat war der Referentenentwurf eines Kirchengesetzes über die Beauftragung kirchlicher Mitarbeiter zur Sakramentsverwaltung (Januar 1970): § 8(1) " Dieses Gesetz kann auf Vikare, (Pfarr-) Vikarinnen, Pfarrverwalter im Vorbereitungsdienst, Religionsphilologen(innen), die mit der Erteilung von RU kirchlich beauftragt sind, und Lektoren mit Predigterlaubnis (Prädikanten) unmittelbar angewendet werden. Andere Gruppen von Mitarbeitern können nur aufgrund eines Kirchengesetzes einbezogen werden."(ABTK).

<488>

Im Zusammenhang mit der rechtlichen Regelung der Nebenbeschäftigung im Theologinnengesetz kam es zu folgender Debatte: Syn. Dr. Franz: "Ist Hausfrau eine Nebenbeschäftigung?“ Syn. Wolf: "Es heißt nur insoweit, als es mit dem Charakter ihres Dienstes vereinbar ist.“ Präsident der Landessynode: "Ich glaube, Ihre Frau wird sagen, es ist eine Hauptbeschäftigung.“ Syn. Wolf: "Es gibt viele Junggesellen unter den Pfarrern, die für sich selber kochen müssen. Da ist im Pfarrergesetz auch keine Bestimmung enthalten. (Heiterkeit)." LS COBURG 1970, S. 90.

<489>

LS COBURG 1970, Synodaler Kelber.

<490>

Siehe LS COBURG 1970, Bericht des Präsidenten des LSA, S. 16.

<491>

Kirchengesetz über das Dienstverhältnis der Theologinnen (Theologinnengesetz), veröffentlicht im KABL, Nr. 22/1970, S. 240-246, § 20 (2): "Die Dienstleistung richtet sich nach einer Dienstordnung, die von dem unmittelbaren Dienstvorgesetzten im Einvernehmen mit der Pfarrvikarin aufgestellt wird und der Genehmigung des LKR bedarf."

<492>

Vgl. Theologinnengesetz 1970, § 18:

(1) Wenn in der Dienstordnung für die Pfarrvikarin im Gemeindedienst Predigtdienst im Dienstbereich vorgesehen werden soll, so ist die Zustimmung des Kirchenvorstandes erforderlich.

(2) Wenn in der Dienstordnung für die Pfarrvikarin Sakramentsverwaltung im Dienstbereich vorgesehen werden soll, so ist durch die kirchliche Dienststelle, in deren Bereich die Beauftragung gelten soll, die Notwendigkeit festzustellen und zu begründen. In Kirchengemeinden ist ein Beschluß des Kirchenvorstandes erforderlich. Die Sakramentsverwaltung kann nur mit Zustimmung der Pfarrer übertragen werden, deren Dienstbereich durch den Auftrag unmittelbar berührt wird.

<493>

Grundsätzlich wurde die Zölibatsforderung aufgehoben. Jedoch wurde weiterhin, allerdings in differenzierten Restriktionen, die Berufsausübung der Theologinnen von ihrer Lebensform abhängig gemacht. Zum einen sollten sie bei der Wahl ihres Lebensgefährten auf die besonderen Erfordernisse des kirchlichen Dienstes Rücksicht nehmen, Verlobung und Eheschließung unter Angabe der entsprechenden Personaldaten dem LKR anzeigen (§22). Zum zweiten - dies war wie alle Veränderungen der ihre Lebensform betreffenden rechtlichen Regelungen von den Theologinnen bisher weitgehend unkommentiert geblieben - wurde als geschlechtsspezifische Diskriminierung festgelegt: "Pfarrvikarinnen, die mit einem Vikar oder Pfarrer verheiratet sind, können nicht in der gleichen Gemeinde wie ihr Mann hauptamtlich im Gemeindedienst beschäftigt werden. Sie haben keinen Anspruch darauf, daß ihr Mann eine Stelle bekommt, die sich nach ihrem Dienstort richtet" §22 (5). In Anwendung der bürgerlichen Vorstellung über die geschlechtsspezifische innerfamiliäre Arbeitsteilung wurde verheirateten Theologinnen die Möglichkeit eingeräumt, auf eigenen Antrag entlassen zu werden und eine Abfindung zu erhalten (§22). Als geschlechtsspezifisches Privileg wurde der Pfarrvikarin - in Anlehnung an analoge Bestimmungen des BeamtInnenrechts - die Möglichkeit zu einer Beurlaubung aus familiären Gründen für eine Höchstdauer von 6 Jahren zugestanden (§22 (1) und (2)). Neben der freiwilligen Beurlaubung auf eigenen Antrag der Theologin wurde auch die Möglichkeit vorgesehen, daß der Landeskirchenrat die familiär gebundene Pfarrvikarin ohne deren Antrag beurlauben kann, "wenn Tatsachen bekannt sind, die die Annahme begründen, daß der Dienst der Pfarrvikarin durch ihre persönlichen Verhältnisse nicht nur kurzfristig beeinträchtigt wird"(§22 (3)). Allerdings sollte diesem dienstherrlichen Eingriff eine Anhörung des unmittelbaren Dienstvorgesetzten und der Pfarrvikarin vorangehen.

<494>

ABTK: Liste der bayerischen Vikarinnen (Stand: 1.6.1960).

<495>

ABTK: Liste der bayerischen Vikarinnen und Pfarrvikarinnen (Stand: 1969).

<496>

ABTK: Liste der bayerischen Vikarinnen und Pfarrvikarinnen (Stand: 1965) und Anhang: Liste der verheirateten Theologinnen (Stand: 1965).

<497>

ABTK: Brief der neuen Sprecherin des Theologinnenkonvents, Elisabeth Wolf, an den Präsidenten der bayerischen Landessynode vom 22.10.1970: "Das Warten ist uns oft bitter schwer geworden und hat viel Kraft gekostet. Manche Begabung mußte brachliegen, weil zum vollen Einsatz die Sakramentsverwaltung fehlte oder sonst durch das Gesetz blockiert war. (...) Nun ist für unseren Dienst der Raum ein Stück weiter abgesteckt. Wir sind dankbar dafür und wollen weiterhin mit Gottes Hilfe an die Arbeit gehen."

<498>

ABTK: Brief des neuen Ausbildungsreferenten, Dr. Wolf, an die Pfarrvikarin Elisabeth Wolf vom 23.4.1970.

<499>

Siehe LS SCHWEINFURT 1971, S. 114, Beschluß des Beauftragungsgesetzes; S. 51 und S. 109ff. Debatte.

<500>

Siehe zum Beispiel die unterschiedlichen Profile des Pfarrerberufes, die zum einen Landesbischof Dietzfelbinger entwarf: "Verkündiger, Seelsorger, Hirte, der uns für unser Leben und unsere Verantwortung das Wort Gottes auf den Weg gibt" (LS SCHWEINFURT 1971, S. 19). Zum anderen etwa die Überlegungen des Münchner Synodalen und Praktischen Theologen Peter Krusche, der folgendes Pfarrerbild entwarf: Der Pfarrer muß weibliche, therapeutische, personenbegleitende Eigenschaften für die Seelsorge mit dem Ziel der Befreiung der Menschen und ihrer emotionalen Stabilisierung mitbringen. Sein Berufsbild soll an die vorgegebene gesellschaftliche Berufsstruktur angepaßt werden.(LS BAYREUTH 1970, S. 75f.)

<501>

LKAN: Pers CLX/Rüdel 4: Beilage 2b zum Rundbrief 4 des "Vorläufigen Leitungskreises der kirchlichen Gruppen" an den Landeskirchenrat, 20.1.1971, Betreff: Bayreuther Gesetze.

<502>

ABTK: Brief von Elisabeth Wolf und Marianne Pflüger an ihre Kolleginnen vom 21.1.1971.

<503>

LS SCHWEINFURT 1971, S. 164: Antrag des Landeskirchenrates vom 15.2.1971 (Errichtung von Planstellen für Pfarrvikarinnen auf Lebenszeit).

<504>

ABTK/JESSE: Claus Roepke in Zusammenarbeit mit Marianne Pflüger und Ludwig Blendinger: "Das Gesetz ist neben eingekommen, auf daß die Sünde mächtiger wurde. Röm 5,20" - ein Theologinnenreport, 6 S.

<505>

Der Synodale Erbrich brachte dies auf die Formel: "Wo seine Schwächen sind, da haben ihre Gaben zu sein." (LS SCHWEINFURT 1973, S. 55.) Dies bedeutete auch, daß bei jedem Pfarrerwechsel der Theologin völlig neue Arbeitsgebiete zugewiesen werden konnten.

<506>

ABTK/JESSE: Brief von Marianne Pflüger an die Synodalen im Leitenden Team des AEE vom 16.2.1972: "Am ersten Abend unseres Theologinnenkonventes bestätigte sich die mir nicht neue Tatsache: Das Theologinnengesetz wird von der landeskirchlichen Stelle möglichst eng ausgelegt. Das hat zur Folge: Die Anträge zur Sakramentsverwaltung werden der betreffenden Stelle ein paar Mal zurückgegeben, weil die dazugehörige Dienstordnung nicht ausweist, daß die Theologin in einem möglichst eng begrenzten Dienstbereich tätig ist. Man spürt die Angst, sie könnte am Ende gar einen Sprengel zugeteilt bekommen. Am liebsten setzt man junge Theologinnen in Altersheimen ein!"

<507>

ABTK/JESSE: Roepke/Pflüger/Blendinger, Theologinnenreport.

<508>

ABTK/PFLÜGER: Brief von Marianne Pflüger an die Synodalen im Leitenden Team des AEE vom 16.2.1972: "Sie werden verstehen, daß die Verärgerung in unserem Konvent immer mehr zunimmt. Die älteren unter uns, um derentwillen wir jüngeren das Theologinnengesetz ungehindert über die Bühne gehen ließen, sind maßlos enttäuscht, ihre Resignation hat sich verstärkt, wirft man ihnen doch seit über 30 Jahren nur Prügel in den Weg. Mich macht das beinahe krank, wenn ich sehe, wie eine Kirchenleitung hier mit Menschen umgeht. Leider hat ein Gespräch im Landeskirchenamt, an dem ich als Mitglied des Leitenden Teams der Theologinnen teilnahm, den oben geschilderten Eindruck nur bestätigt. Man gab uns deutlich zu erkennen, das Theologinnengesetz wurde geschaffen, um die Gleichberechtigung der Theologinnen zu verhindern! Wir können auch nur bis Gehaltsstufe IV vordringen. In der Zwischenzeit sind die meisten der Meinung, das wird sich nur ändern, wenn wir in das Pfarrergesetz übernommen sind."

<509>

ABTK/JESSE: Roepke/Pflüger/Blendinger, Theologinnenreport. Das Resümee lautete dort: "Die Theologinnen selbst denken inzwischen nicht mehr daran, daß einige Schönheitsreparaturen das neue Gesetz doch noch ertragbar und praktikabel machen könnten."

<510>

Vgl. GRIESE, Wort.

<511>

Vgl. BLENDINGER, Theologinnengesetz, S. 411.

<512>

ABTK: Brief von Marianne Pflüger an die Synodalen im leitenden Team des AEE vom 16.2.1972.

<513>

Zitiert bei BLENDINGER, Theologinnengesetz, S. 411.

<514>

Vgl. LS SCHWEINFURT 1973, Beitrag des Synodalen Viebig, S. 55. Auch innerhalb des deutschen Gesamtkonventes wurde die Frage der Arbeit verheirateter Theologinnen diskutiert und festgestellt, daß deren Mitarbeit zwar oft praktisch in Anspruch genommen, aber nicht gesetzlich geregelt wurde. Insbesondere unter den DDR-Theologinnen gab es einen großen Teil junger verheirateter Theologinnen im Pfarramt (ABTK/JESSE: Bericht über das Treffen des Gesamtkonventes am 6./7.3.1973 in Berlin).

<515>

ABTK/PFLÜGER: Marianne Pflüger, Einige Anmerkungen zu den bevorstehenden Regelungen des Theologinnengesetzes - ohne Datum, vermutlich 1974. Siehe auch: Brief von Marianne Pflüger an ihre Kolleginnen im Advent 1973.

<516>

Vgl. LS SCHWEINFURT 1973, Synodaler Erbrich, S. 55.

<517>

Vgl. LS SCHWEINFURT 1973, Synodaler Erbrich, S. 54f. Dies bedeutete auch eine - zumindest pragmatische - Akzeptanz des geltenden Ordinationsverständnisses durch den Theologinnenausschuß. Siehe LS RUMMELSBERG 1974, Synodaler Blendinger, S. 39. Die Bedenken vor allem der Vikare gegen die Ordinationspraxis kamen insbesondere 1969 bei der Landessynode zur Sprache. Von den Gegnern des Theologinnengesetzes wurde den jungen Theologen vorgeworfen, daß sie sich für die Ordination der Frauen (die damals offiziell nicht zur Entscheidung stand - G.N.) einsetzten und diese gleichzeitig für sich selbst ablehnten.

<518>

Vgl. LS SCHWEINFURT 1973, Synodaler Viebig, S. 56f. Siehe auch LS RUMMELSBERG 1974, Synodaler Blendinger, S. 38: "Eine Auffächerung des Amtes als Neubesinnung auf seiner ganzen Basis fand nicht statt."

<519>

Siehe LS SCHWEINFURT 1973, OKR Dr. Wolf, S. 57f. Siehe auch ABTK/PFLÜGER: Rundbrief von Marianne Pflüger an ihre Kolleginnen (undatiert, vermutlich 1973).

<520>

Vgl. BLENDINGER, Theologinnengesetz, S. 412.

<521>

LS RUMMELSBERG 1974, Blendinger, S. 39. Zu dem Verzicht auf ein frauenspezifisches Theologinnengesetz siehe auch BLENDINGER, Theologinnengesetz, S. 412: "Das war ein Idealbild, das manche hatten, aber es zeigte sich sehr bald, daß es eigentlich nicht zu verwirklichen war und auch niemand wußte, wo man es hätte theologisch ansiedeln können, wenn es gleichwertig, wenn auch andersartig gegenüber dem männlichen Pfarramt gedacht sein sollte."

<522>

Siehe BLENDINGER, Theologinnengesetz, S. 412.

<523>

So forderte z.B. der bayerische Dekan Schlichting im Falle der Annahme des Gesetzes eine "lutherische Klasse" innerhalb der Landeskirche. Andere drohten mit Ausrufung des Status confessionis und der Gründung einer eigenen bekenntnisbestimmten Kirche (LKAN: Vereine III 20 (AEE), Nr. 37, Bl. 8: Protokoll über die Besprechung der synodalen Arbeitsgruppe "Offene Kirche" am 23.2.1974 in Nürnberg).

<524>

Drei bayerische Pfarrer waren bereits zu diesem Zeitpunkt aufgrund ihrer Ablehnung der Frauenordination mitsamt ihren Familien in den Priesterdienst der katholischen Kirche übergetreten. Siehe: LKAN: Vereine III 20 (AEE), Nr. 37, Bl. 8: Protokoll über die Besprechung der synodalen Arbeitsgruppe "Offene Kirche" am 23.2.1974 in Nürnberg.

<525>

LKAN: Vereine III 20 (AEE), Nr .37, Bl. 8: Protokoll über die Besprechung der synodalen Arbeitsgruppe "Offene Kirche" am 23.2.1974 in Nürnberg: "Über die Amtszeit des Bischofs liegen folgende Informationen vor: Der Bischof hat verschiedentlich geäußert, daß der Arzt ihm geraten habe, aus gesundheitlichen Gründen nicht über das Jahr 1975 hinaus im Amt zu bleiben. Es könnte jedoch die Situation eintreten, daß er sich verpflichtet fühlt, länger im Amt zu bleiben. Es könnte aber auch die Situation eintreten, daß er früher vom Amt zurücktritt. Das Theologinnengesetz könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht unterschreiben. Von der Möglichkeit, die Synode aufzulösen, möchte er nicht Gebrauch machen."

<526>

LKAN: Vereine III 20 (AEE), Nr. 37, Bl. 8: Protokoll über die Besprechung der synodalen Arbeitsgruppe "Offene Kirche" am 23.2.1974 in Nürnberg.

<527>

Martin Bogdahn und Claus-Dieter Roepke verfaßten im Auftrag der synodalen Arbeitsgruppe "Offene Kirche" "Thesen zur Theologinnenfrage" (3 S./ABTK), in denen sie vielfach geäußerte Argumente der Gegner der Frauenordination aufgriffen und aus ihrer Sicht für die Frauenordination Stellung bezogen. Für den synodalen Arbeitskreis "Frau und Kirche" meldete der Synodale Söllner in einem Flugblatt mit dem Titel "Erwiderungen auf die 12 Thesen zur Theologinnenfrage (Offene Kirche)" (3 S./ABTK) Widerspruch gegen die Argumentation der AOK an.

<528>

Bei der "Frau" als Gegenüber der scheinbar geschlechtsneutralen "Professoren" handelte es sich um die Erlanger Theologieprofessorin und damalige Dekanin der Theologischen Fakultät, Fairy von Lilienfeld.

<529>

ABTK: Soellner, Erwiderungen des AFK: "Wenn Gott in Notzeiten Frauen bevollmächtigt hat, auch in Berufsbereichen des Mannes ihren Mann zu stehen (ohne Ordination, wie bei Deborah, Richter 4), so darf man daraus noch lange kein Gesetz machen."

<530>

ABTK/PFLÜGER: Brief von Prof. Karl Rahner an Martin Bogdahn vom 18.2.1974. Dort wies er auch auf die in der katholischen Kirche geführten Diskussionen über die Ordination von Frauen zum priesterlichen Amt hin. Selbst eine negative Entscheidung der damit befaßten Kommission in Rom könnte vermutlich nur vorläufige Relevanz haben: "Mit anderen Worten: die Sache ginge als katholisches und weiter zu diskutierendes Problem weiter; eine solche vorläufige und reformable Entscheidung (mehr kann ich hier in diesem Fall gar nicht denken) könnte nur ein retardierendes Moment in einem weitergehenden Prozeß das kirchlichen Bewußtseins sein."

<531>

Siehe LS RUMMELSBERG 1974, Synodaler Blendinger, S. 121.

<532>

Siehe LS RUMMELSBERG 1974, Synodaler Wehrmann, S. 122.

<533>

Vgl. LS RUMMELSBERG 1974, Synodaler Birkhölzer, S. 125f. Er begründete dies so: "Das lebenslange Berufsausüben einer Frau ist irgendwo etwas anderes als das lebenslange Berufsausüben eines Mannes, und zwar aus einem sehr simplen vorgegebenen Grunde, der sich an vielen Einzelproblemen darstellen läßt, nämlich der Möglichkeit der Mutterschaft."

<534>

Vgl. LS RUMMELSBERG 1974 , S. 131. Dort entwarf der Synodale Söllner folgendes Szenario: "Ein Mann, der nach Hause kommt, kann sich in den Schaukelstuhl setzen und eine halbe Stunde in aller Ruhe meditieren. Das kann die Frau nicht (Heiterkeit, Unruhe). (...) Da kommt also eine junge Pfarrerin mit ihrem Mann. Jetzt ist von Anfang an die Angst der Gemeinde da, daß ein freudiges Ereignis eintritt (Heiterkeit), und das vielleicht nach kürzester Zeit. Denn dann ist ja zu erwarten, daß sie ihre Beurlaubung beantragen muß. Wenn also bis jetzt in einer Stellenausschreibung steht: "Junger leistungsfähiger Pfarrer gesucht", dann könnte es sein, daß eine Gemeinde es bald so formuliert: "Ältere, geburtsunwillige Theologin gesucht"(Widerspruch,Unruhe). (...) Ich persönlich möchte erklären, ich möchte nicht mit einer Pfarrerin verheiratet sein, wenn mir meine Frau auch immer wieder versichert, daß ich ein idealer Ehemann bin (Große Heiterkeit)."

<535>

Vgl. LS RUMMELSBERG 1974, Synodale Rau, S. 131.

<536>

Siehe LS BAYREUTH 1974, Synodaler Blendinger, S. 111.

<537>

Vgl. LS BAYREUTH 1974 , Synodaler Kretschmar, S. 112.

<538>

Vgl. LS RUMMELSBERG 1974, Synodaler Ost, S. 121: "Trotzdem bin ich der Meinung - und deswegen habe ich eigentlich hier gesprochen - daß wir mit diesem Gesetz in einer Kirche weiterleben und arbeiten können. Darum bitte ich die, die mit mir dieses Gesetz ablehnen müssen: Lassen Sie uns diese Einheit nicht aus dem Blick bekommen. Sie ist in unserer Zeit ein hohes Gut. Wer um der Wahrheit willen ringt, wird manchen dornigen Weg gehen müssen. Die Mehrheit muß nicht die Wahrheit sein, und auch die Minderheit muß sie nicht haben. Bei meinem ’Nein‘ gebe ich zu, daß ich mich irren kann. Dies soll mein weiteres Handeln bestimmen (Beifall)."

<539>

Siehe BLENDINGER, Theologinnengesetz, S. 413; LS BAYREUTH 1974, Synodaler Blendinger, S. 103.

<540>

Vgl. LS BAYREUTH 1974, Synodaler Blendinger S. 103.

<541>

Siehe LS BAYREUTH 1974, S. 120: Synodaler Horneber verliest eine von ihm und von dem Synodalen Taig verfaßte Erklärung, in der es heißt: "Wir befürchten, daß durch solche Beschlüsse gottgewollte Entwicklungen blockiert und traditionelle Amtsformen zementiert werden. Auch die Pfarrerin stellt lediglich eine Spielart des einen Pfarramts dar."

<542>

Vgl. BLENDINGER, Theologinnengesetz, S. 413. Daß sich der Landesbischof durch den Antrag der SynodalInnen, Theologinnen in das Pfarrergesetz zu integrieren, in eine außerordentliche Konfliktsituation gebracht sah, war bereits bei einem Gespräch zwischen ihm und zwei Initiatoren des Antrags, Karl-Heinz Erbrich und Dr. Martin Bogdahn, am 2. November 1973 deutlich geworden. Er verglich darin seine Situation mit der in 1. Sam 3, "wo der alte Samuel vom Volk Israel aufgefordert wurde, der Ernennung eines Königs zuzustimmen, wie ihn die Heiden auch haben. Samuel erhalte im Gebet von Gott die Weisung, der Ernennung zuzustimmen, denn nicht er habe gesündigt, sondern das Volk sei von Gott abgefallen. Über dieses Wort müsse er ständig nachdenken, das gehöre zur nüchternen Überdenkung der Situation. Er sehe, daß die Initiatoren die Wucht der öffentlichen Meinung in der Kirche hinter sich haben." Siehe ABTK/PFLÜGER: Unautorisiertes, aber anerkanntes Gedächtnisprotokoll des Gespräches zwischen Landesbischof D. Hermann Dietzfelbinger und den Synodalen Karl-Heinz Erbrich und Dr. Martin Bogdahn am 2. November 1973 im Landeskirchenamt in München, verfaßt von Karl-Heinz Erbrich und Dr. Martin Bogdahn.

<543>

ABTK/JESSE: Rundbrief Marianne Pflügers an ihre Kolleginnen im Advent 1973.

<544>

Vgl. BLENDINGER, Theologinnengesetz, S. 414.

<545>

Siehe LS ANSBACH 1975, Landesbischof Hanselmann, S. 57.

<546>

Vgl. LS ANSBACH 1975, Synodaler Ost, S. 57; Synodaler Heimbucher, S. 78; Synodaler Falk, S. 82; Kreisdekan Luther, S. 83.

<547>

Siehe KABL Nr. 23 vom 19.Dezember 1975: "Kirchengesetz über die Berufung der Theologin zum Dienst des Pfarrers", S. 326f., und "Kirchengesetz zur Eingliederung der Theologinnen in das Pfarrer- und Kandidatenrecht", S. 327f. Auf letzteres beziehen sich alle im folgenden angeführten Artikel und Paragraphenangaben, wenn nichts anderes vermerkt ist.

<548>

Siehe Art.1 § 3 unter Bezug auf Art. 79 des Pfarrergesetzes.

<549>

Vgl. Art.1 § 5 unter Bezug auf Art. 95 des Pfarrergesetzes.

<550>

Vgl. Art. 3 § 10: Der Pfarrstellenbesetzungsordnung § 4 Abs.2 wurde folgendes hinzugefügt: "Eine Bewerbung ist ausgeschlossen, wenn der Ehegatte Inhaber einer Pfarrstelle der gleichen Kirchengemeinde ist."

<551>

Hinsichtlich der Anfragen an die durchgängig maskuline Sprachform des Gesetzentwurfes stellte der Vorsitzende des Theologinnenausschusses, Blendinger, fest: "Wer sich an der männlichen Bezeichnung stört, den möchte ich daran erinnern, daß sowohl im Pfarrergesetz wie auch im Kandidatengesetz - übrigens nicht bei uns, sondern auch in anderen Landeskirchen - durchgängig die männliche Form gewählt wird."(LS BAYREUTH 1974, Synodaler Blendinger, S. 110.)

<552>

Vgl. HEINTZEL, 510 Pfr StBO II. Abschnitt § 2: "Das Recht, sich um eine bestimmte Stelle zu bewerben, kann auf Pfarrer, Pfarrerinnen, Pfarramtskandidaten oder Pfarramtskandidatinnen beschränkt werden."(...) "Der Landeskirchenrat muß die Ausschreibung auf Pfarrer oder Pfarramtskandidaten beschränken, wenn bei der Stellenbesetzungsbesprechung die Mehrheit der Kirchenvorsteher oder ein zum Dienst in der betreffenden Gemeinde berufener Pfarrer oder Pfarrerverwalter es verlangen. Das gilt nicht für den Pfarrer oder Pfarrverwalter, dessen Stelle zu besetzen ist. War der bisherige Inhaber der Stelle eine Pfarrerin, so entscheidet der Landeskirchenrat über seine Beschränkung der Ausschreibung gem. Abs.2 Satz 2."

<553>

ABTK: Liste Theologinnen in Bayern. Stand Mai 1972: 63 Theologinnen; ABTK: Liste Evang. Theologinnen in Bayern. Stand Februar 1975: 69 Namen. Dabei muß berücksichtigt werden, daß die Listen von 1972 und 1975 möglicherweise nicht ganz vollständig die Anzahl bayerischer Theologinnen wiedergeben, da sich einige handschriftliche Zusätze mit Namen weiterer Theologinnen dort finden, die aber z.T. unvollständig und undatiert sind, so daß sie hier außer Betracht bleiben.

<554>

So berichtete eine speziell für die Seelsorge an Schwestern in Heimen und Feierabendheimen eingesetzte Theologin: "Selbst alte Diakonissen haben die Beauftragung mit Freude aufgenommen" (ABTK/JESSE: Theologinnenreport). Daß die neue Theologinnenpraxis sogar über Konfessionsgrenzen hinweg gut akzeptiert wurde, erzählte eine andere Theologin, die die Erlaubnis zur Sakramentsverwaltung bei Freizeiten mit berufstätigen Frauen als sinnvolle Erweiterung ihrer Arbeit empfand: "Das war dann oft noch sehr schön, gerade auch in katholischen Freizeithäusern. Die haben dann manchmal die Kapelle extra geschmückt oder die besten Decken gegeben." (Aus dem Interview mit Ilse HARTMANN im Februar 1991.)

<555>

Wie sehr die Genehmigungen des Landeskirchenrates zu Predigtdienst und Sakramentsverwaltung möglichst restriktiv und kaum mehr praktisch und theologisch einsichtig formuliert waren, machen folgende Formulierungen deutlich: die Beschränkung "auf berufstätige alleinstehende Frauen, wenn keine Möglichkeit besteht, einen Gemeindegottesdienst zu besuchen." (Interview mit Ilse HARTMANN) Einer anderen Theologin wurde die Sakramentsverwaltung gewährt "nur in Notfällen, wenn kein anderer Pfarrer telefonisch zu erreichen ist". (ABTK/JESSE, Theologinnenreport).

<556>

ABTK/JESSE: Theologinnenreport: "Frau G. arbeitet nunmehr im städtischen Bereich als Theologin und im kirchlichen Bereich als Laie. Als Laie wurde sie zum Ausbildungskurs für Prädikanten aufgefordert." Ebenfalls strukturell unmöglich war die Regelung der Sakramentsverwaltung für eine Theologin im Teildienstverhältnis über das Theologinnengesetz, da dort die Teilzeitarbeit nicht rechtlich ausgestaltet, sondern nur erwähnt war.

<557>

ABTK/JESSE: Theologinnenreport.

<558>

Dem Ordinationsantrag hatten sie - "unbeschadet der vollzogenen Einsegnung - eine persönliche Stellungnahme zur Heiligen Schrift und zum evangelisch-lutherischen Bekenntnis beizugeben" - so OKR Wolf in einem Brief an die bayerischen Pfarrvikarinnen auf Lebenszeit und auf Probe vom 18.12.1975 (ABTK).

<559>

ABTK/JESSE: Brief von Marianne Pflüger und Ursula Seiler an ihre Kolleginnen vom 9.12.1975.

<560>

Vgl. Interview mit Liesel BRUCKNER und die Fotodokumentation der Ordination von Liesel Bruckner.

<561>

Siehe ABTK/JESSE: Rundbrief von Ursula Seiler an ihre Kolleginnen von Ende 1976.

<562>

ABTK/PFLÜGER: Brief von OKR Dr. Wolf an die bayerischen Pfarrvikarinnen vom 18.12.1975.

<563>

ABTK: Rundbrief von Landesbischof Hanselmann an die "Schwestern und Brüder" vom 11.12.1975.

<564>

ABTK/PFLÜGER: Rundbrief Ursula Seilers an ihre Kolleginnen Ende 1976. Dort zitiert sie aus dem Vorwort der Begründung zu dem Entwurf des Luth. Kirchenamts Hannover zu einer Änderung des Pfarrergesetzes der VELKD vom 12.5. 1976.

<565>

ABTK/PFLÜGER: Antwortschreiben von OKR Dr. Grethlein im Namen des Landeskirchenrats der ELKiB an das Lutherische Kirchenamt Hannovers am 20.7.1976 betreffs des Kirchengesetzes zur Änderung des Pfarrergesetz-Entwurf vom 12.5.1976. Im Namen des Konvents der evangelischen Theologinnen in der Bundesrepublik und Berlin/West arbeitete Erika Reichle eine Stellungnahme zum VELKD-Entwurf aus, in der geschlechtsspezifische Regelungen, z.B. hinsichtlich des Ruhestandsalters, abgelehnt wurden. Statt dessen wurden eindeutigere Möglichkeiten zur Beurlaubung oder Einschränkung von Dienstverhältnissen für Männer und Frauen gefordert. Positive Diskriminierungen von Frauen könnten dagegen leicht ins Gegenteil umschlagen, und sachliche Gründe seien nicht erkennbar. Siehe ABTK/PFLÜGER: Rundbrief des Konvents Evang. Theologinnen in der BRD und Berlin/West an ihre Kolleginnen im November 1976.

<566>

ABTK/PFLÜGER: Rundbrief Ursula Seilers an ihre Kolleginnen von Ende 1976.

<567>

ABTK/PFLÜGER: Brief von Eva Kotzschmar an Marianne Pflüger vom 29.1.1976.

<568>

ABTK/PFLÜGER: Kathrin Jesse, Bericht über den Theologinnenkonvent vom 30.4. - 2.5.1976 in Josefstal - Beilage des Rundbriefes von Ursula Seiler an ihre Kolleginnen, Dezember 1976.

<569>

ABTK/PFLÜGER: Kathrin Jesse, Bericht über den Theologinnenkonvent vom 30.4.-2.5.1976 in Josefstal - Beilage des Rundbriefes von Ursula Seiler an ihre Kolleginnen, Dezember 1976. Auffällig ist, daß die 1976 formulierte Aufgabenstellung fehlte: "Ein eigenständiges Berufsbild entwickeln, das eine bloße Nachahmung des Pfarrerberufsbildes vermeidet."

<570>

Siehe die Berichte von den Theologinnentreffen 1976 -1978 (ABTK/PFLÜGER): Bericht über den Theologinnenkonvent vom 30.4.-2.5.1976 in Josefstal - Anlage zum Rundbrief Ursula Seilers an ihre Kolleginnen von Ende 1976; Rundbrief Katharina Jesses an ihre Kolleginnen vom 28.7.1977 sowie Rundbrief Katharina Jesses an ihre Kolleginnen vom 14.5.1979.

<571>

ABTK/PFLÜGER: Katharina Jesse, Bericht über den Theologinnenkonvent vom 30.4. - 2.5.1976 in Josefstal - Anlage zum Rundbrief Ursula Seilers an ihre Kolleginnen Ende 1976.

<572>

Siehe LS ERLANGEN 1976, S. 138. Verlesen und Beantworten der Anfrage von Synodalin Rau durch OKR Maser. Angesichts dieser Situationsanalyse kam OKR Maser zu folgendem Schluß: "Ich glaube wirklich, daß die Beachtung biologischer Fakten und nicht ’sexistische Motive‘ Pate standen, als man diese Regelungen z.B. des Teildienstvertrages, der BAT-Anstellung für die Frau in stärkerem Maße vorgesehen hat." Als Reaktion der Landessynode auf diese Äußerung wurde im Protokoll "Heiterkeit" vermerkt.

<573>

ABTK/PFLÜGER: Brief Ursula Seilers an Barbara Kittelberger vom 7.11.1978.

<574>

Siehe GRETHLEIN, Autonomie, S. 272-274. Allerdings sollte dabei auch an den für die Personalplanung aufgestellten Grundsätzen festgehalten werden, daß von den bereits im kirchlichen Dienstverhältnis befindlichen MitarbeiterInnen niemand entlassen werden sollte und ehrenamtliche sowie nichttheologische MitarbeiterInnen nicht durch TheologInnen verdrängt werden sollten. Rigorose Gehaltskürzungen oder Gehaltsnivellierungen wurden ebenso abgelehnt wie eine Abkoppelung vom staatlichen Dienst- und Besoldungssystem, z.B. durch eine Vereinheitlichung des kirchlichen Dienstrechts oder eine kircheneigene Besoldungsordnung, die sich an den Bedürfnissen der einzelnen statt an Ausbildungsqualifikationen, Dienst- und Lebensalter sowie Dienstposition orientierte.

<575>

Siehe LS BAD ALEXANDERSBAD 1979, OKR Grethlein, S. 31.

<576>

Vgl. LS GARMISCH-PARTENKIRCHEN 1979, S. 42: OKR Grethlein, Einführung der Vorlage 5 EPG.

<577>

Vgl. LS GARMISCH-PARTENKIRCHEN 1979, S. 105: Synodaler Schwab im Namen des Rechtsausschusses.

<578>

Siehe LS SCHWEINFURT 1980, S. 75: Präambel des Erprobungsgesetzes: "Ziel dieses Kirchengesetzes ist es, durch rechtzeitige Erprobung neuer Regelungen im Bereich des kirchlichen Dienst- und Haushaltsgesetzes, Hilfe bei der Bewältigung eines zeitweisen Überangebotes von qualifizierten theologischen Bewerbern für das Pfarramt zu geben. Entscheidend ist bei allen Maßnahmen das kirchliche Interesse, möglichst viele geeignete Bewerber aufzunehmen."

<579>

Siehe LS SCHWEINFURT 1980, S. 76.

<580>

Siehe LS SCHWEINFURT 1980, S. 81-105, Diskussion um EPG § 4(1) TheologInnenehepaar auf einer Stelle; S. 85 Abstimmung.

<581>

Vgl. LS SCHWEINFURT 1980, S. 74-90, Diskussion und Beschlußfassung des EPG.

<582>

Siehe LS WEIDEN 1982, S. 66f.

<583>

Siehe STÖHR, Geschichte, S. 14; LS ANSBACH 1983, S. 51, OKR Kamm.

<584>

Siehe LS ANSBACH 1983, S. 52f.

<585>

LS LANDSHUT 1984, S. 103f. Antwort von OKR Birkhölzer auf die Anfrage der Synodalin Höcht-Stöhr. Die rechtliche Qualität eines "Grundsatzbeschlusses" des LKR beschrieb er dort so: "In Grundsatzbeschlüssen gibt der Landeskirchenrat Richtlinien für die Auslegung einzelner rechtlicher Bestimmungen und legt Grundsätze fest, nach denen in Zukunft verfahren werden soll."

<586>

Vgl. ABTK/JESSE: Antwort von Kathrin Jesse auf die Anfrage der Journalistin Emmerich am 24.1.1983.

<587>

Siehe ABTK/JESSE: Eingabe des Theologinnenkonventes an die Landessynode in Ingolstadt 1985 zum Grundsatzbeschluß des Landeskirchenrates vom 29./30.10.1984 bezüglich des Verfahrens bei der Übernahme von Theologen und Theologinnen in den Probedienst - veröffentlicht im Korrespondenzblatt März 1985. Die angeführte rechtliche Stellungnahme des Rechtsausschusses zur Frage des "Doppelverdienertums" im kirchlichen Dienst bezog sich auf eine Eingabe des VBV an die Landessynode in Ansbach 1983. Die Antwort des Rechtsausschusses findet sich in LS ANSBACH 1983, S. 109.

<588>

Vgl. ABTK/JESSE: Eingabe des Theologinnenkonventes an die Landessynode in Ingolstadt 1985 zum Grundsatzbeschluß des Landeskirchenrates vom 29./30.10.1984 bezüglich des Verfahrens bei der Übernahme von Theologen und Theologinnen in den Probedienst (Eingabe 4 zur Landessynode 1985 in Ingolstadt).

<589>

Dagegen waren bei einer Diskussion über aktuelle Probleme der Anstellung und des Pfarrerrechts beim Regionaltag Nordbayern des Theologinnenkonvents am 17. November 1984 frauenspezifische Ausnahmeregelungen abgelehnt worden, "weil dies dann wieder den männlichen Kollegen die Chance der Beteiligung an familiären Aufgaben nimmt". Statt dessen wurde folgende Formulierung vorgeschlagen: "Zeiten der Beurlaubung oder der Teilbeschäftigung im Angestelltenverhältnis aus vorwiegend familiären sowie auch aus dienstlichen (Assistentenzeit, Promotion) Gründen verlängern die Altersgrenze entsprechend." (ABTK/JESSE: Stellungnahme von Gabi Graeter, Karola Glenk, Elisabeth Neunzig mit Bezug auf die Diskussion am Regionaltag Nordbayern des Theologinnenkonventes am 17. November 1984.)

<590>

Vgl. LS NEUENDETTELSAU 1986, S. 162: Begründung zur Vorlage 1: Entwurf für eine Neufassung des Kirchengesetzes zur Erprobung neuer Regelungen im Bereich des kirchlichen Dienst- und Haushaltungsrechtes (Erprobungsgesetz) und Übersicht über die Entwicklung der Dienstverhältnisse nach dem EPG:

 

insgesamt

TheologInnen

§2

§3

§4: Ehepaare.

1982

13

0

3

5

1983

25

2

5

9

1984

34

2

8

12

<591>

Als TeilnehmerInnen an dem gemischten Ausschuß wurden vorgeschlagen: Drei Oberkirchenräte der Personalhauptabteilung des Landeskirchenrates, ein Kreisdekan, sechs SynodalInnen sowie VertreterInnen der bisher vom Erprobungsgesetz betroffenen Berufsgruppen: zwei Vertreter des Pfarrervereins, je ein Vertreter der VbV, der Kirchenbamten, des LabeTs und auch der Leiter der Gemeindeakademie in Rummelsberg, Pfr. Dr. Lindner, der die "ErproberInnen" begleitete. Auf Vorschlag des Pfarrervereins kamen noch ein weitere Synodale und je eine Vertreterin des Theologinnenkonvents und des Pfarrfrauenteams nach der ersten Sitzung hinzu. Siehe LS LANDSHUT 1984, S. 42f.: Bericht von OKR Grethlein zum EPG. Siehe auch LS NEUENDETTELSAU 1986, S. 158-181: Vorlage 1: Entwurf für eine Neufassung des Kirchengesetzes zur Erprobung neuer Regelungen im Bereich des kirchlichen Dienst- und Haushaltsrechtes (Erprobungsgesetz) S. 162: Begründung. Vergleiche auch ABTK/JESSE: Brief von OKR Queißer an den Theologinnenkonvent z.Hd. Kathrin Jesse und an das Team für Pfarrfrauenarbeit z.Hd. Barbara Dietzfelbinger vom 20.2.1986. Der Theologinnenkonvent delegierte Dr. Brigitte Probst für die Mitarbeit im gemischten Ausschuß. (ABTK/JESSE: Rundbrief Kathrin Jesse an ihre Kolleginnen im Mai 1985).

<592>

Vgl. LS LANDSHUT 1984, S. 42: OKR Grethlein.

<593>

Siehe GRETHLEIN, Autonomie.

<594>

Vgl. GRETHLEIN, Teildienstverhältnisse, S. 143. Die Entwicklung der Teilbeschäftigung im staatlichen Bereich stellte er dort auf S. 135, Anm. 42, dar: "Das Gesetz vom 31.März 1969 (BGBL. S. 257) ermöglichte erstmals eine Teilbeschäftigung, aber nur für Beamtinnen aus familiären Gründen. Diese familienbezogene Regelung wurde durch Gesetz vom 24. Juli 1974 (Bay. GVBl. S. 371) auf männliche Beamte ausgedehnt. Erst ein Gesetzentwurf des Bundesrates und ein weiterer Entwurf des Bundesinnenministeriums von 1977 strebte eine Teilzeitbeschäftigung von Beamten auch aus arbeitsmarktpolitischen Gründen an. Die Sachdiskussion über Notwendigkeit, Zulässigkeit und Umfang einer solchen Ausweitung ist bis heute noch nicht abgeschlossen."

<595>

Siehe GRETHLEIN, Teildienstverhältnisse, S. 146: "Gerade, wenn man dies ernst nimmt, ist es schlecht vorstellbar, daß ein Pfarrer in einer Gemeinde mit vielen Arbeitslosen, ja überhaupt in einer Zeit großer Arbeitslosigkeit glaubwürdig als Pfarrer wirken kann, wenn er voll verdient und gleichzeitig seine Ehefrau aus einer Beschäftigung - sei es beim Staat oder bei der Kirche - entsprechendes Einkommen bezieht. Soll die Glaubwürdigkeit der Kirche in der gegenwärtigen Situation nicht Schaden nehmen, muß die Kirche entweder dafür sorgen, daß der Ehepartner des Pfarrers kein eigenes Einkommen hat (was faktisch nicht erreichbar und rechtlich nicht durchsetzbar sein dürfte) oder daß der Pfarrer nur ein halbes Einkommen bezieht."

<596>

Siehe GRETHLEIN, Autonomie, S. 307: Dort hatte er allerdings nach einer grundsätzlichen Befürwortung der Arbeitsform "TheologInnenehepaar auf einer gemeinsamen Stelle" zu bedenken gegeben, ob es nicht einfacher wäre, ein Dienstverhältnis mit nur einem Ehepartner zu begründen und dem anderen in Form ehrenamtlicher Mitarbeit vertraglich einen Arbeitsbereich aus dem Dienstbereich des Ehegatten zu eigener Erledigung zu überlassen. Siehe auch GRETHLEIN, Teildienstverhältnisse, S. 154f.

<597>

Vgl. GRETHLEIN, Teildienstverhältnisse, S. 155f., bezüglich des Alimentationsgrundsatzes: "Die Alimentation als Garant der Unabhängigkeit, aber auch als Grenze für einen übertriebenen Lebensaufwand wird im herkömmlichen Sinn voll gewahrt durch eine Besoldung für eine Familie. Der herkömmlichen Alimentation entspricht es deshalb sogar mehr, Mann und Frau, die beide arbeiten, in einer Ehe jeweils nur halbe Bezüge zukommen zu lassen als beiden volle Bezüge zu gewähren. Auch bei einem unverheirateten Pfarrer kann ein halbes Gehalt bei halber Dienstleistung noch als ausreichende Alimentation angesehen werden."

<598>

Vgl. LS INGOLSTADT 1985, Synodaler Berichterstatter des EPG-Ausschusses Walther, S. 84; Synodale Höcht-Stöhr, S. 87; Synodale Becker, S. 89.

<599>

Siehe LS NEUENDETTELSAU 1986, Synodaler Ost, S. 106.

<600>

LS NEUENDETTELSAU 1986, Begründung des Erprobungsgesetzes, S. 162f.

<601>

Vgl. LS NEUENDETTELSAU 1986, S. 179: Neuer Wortlaut der Präambel zu Vorlage 1 Betr. Gemeinsame Vorlage von Landeskirchenrat und Landessynodalausschuß zum Erprobungsgesetz - Hier: Ergebnisse der Beratungen des Rechts- und Verfassungsausschusses der Landessynode; Präambel des neuen EPG: "Zweck dieses Kirchengesetzes ist es, im Bereich des kirchlichen Dienstrechtes die Voraussetzungen für die Ausgestaltung neuer Dienstverhältnisse für Pfarrer, Diakone und Kirchenbeamte zu schaffen und neue haushaltsrechtliche Formen zu erproben. Bei dem Bestreben, möglichst viele geeignete Bewerber aufzunehmen, steht der Auftrag der Kirche im Mittelpunkt." Eine Erläuterung zu der in der Präambelveränderung zum Ausdruck kommenden Verschiebung der mit dem EPG verfolgten Interessen findet sich in der Begründung zum neuen Erprobungsgesetz, LS NEUENDETTELSAU 1986, S. 164.

<602>

Hinsichtlich der Frage eines geschlechtsspezifischen Geltungsbereiches des Erprobungsgesetzes angesichts dessen ausschließlich maskuliner Berufsbezeichnungen wurde in der zum Gesetzestext vorgelegten Begründung festgestellt: "Entsprechend der bisherigen Übung beim Ausformulieren von Gesetzen wird darauf verzichtet, neben der maskulinen Form jeweils noch das Femininum aufzulisten. Es ist selbstverständlich, daß das Erprobungsgesetz auch für Frauen Anwendung findet." LS NEUENDETTELSAU 1986, S. 178: Begründung zu §24 Geltungsbereich.

<603>

Vgl. LS NEUENDETTELSAU 1986, S. 74: OKR Grethlein, Einführung zum neuen Erprobungsgesetz.

<604>

Im ursprünglichen Entwurf war dies in § 14 festgelegt worden. In der überarbeiteten Fassung kam es in § 17. Die Begründung für die flexible Handhabung findet sich in LS NEUENDETTELSAU 1986, S. 172.

<605>

Während anderen Teildienstleistenden ein Versorgungsanspruch in einer Höhe bis maximal 43% eingeräumt wurde - wodurch der Kirchenkasse bei der Versorgung zweier Teildienstleistender Kosten in Höhe von 86% gegenüber dem Höchstsatz von 75% bei einem Volldienstbeschäftigten entstanden - wurde einem TheologInnenehepaar ein Versorgungsanspruch in Höhe von mindestens 35% bis maximal 75% zugestanden, so daß sie keinesfalls mehr erhielten als eine traditionelle Pfarrfamilie im Ruhestand. Der tatsächliche Versorgungsanspruch errechnete sich aus einer Multiplikation der "tatsächlich ruhegehaltsfähigen Dienstzeit" mit dem "fiktiven Ruhegehaltssatz" und der Division dieser Summe durch die "fiktive ruhegehaltsfähige Dienstzeit". Dieses sog. Zeit-Zeit-Modell entsprach den staatlichen Regelungen für Versorgungsansprüche Teildienstbeschäftigter. Erklärung inklusive Beispiele: Siehe Begründung des Gesetzentwurfes in LS NEUENDETTELSAU 1986, S. 176.

<606>

Siehe LS NEUENDETTELSAU 1986, S. 74, OKR Grethlein, Einführung in das neue EPG sowie Begründung, S. 163.

<607>

LS NEUENDETTELSAU 1986, S. 77, Synodaler Walther.

<608>

Siehe LS MEMMINGEN 1986, S. 109, Beschluß.

<609>

Vgl. LS ANSBACH 1987, S. 78f, OKR Birkhölzer, Ausschußbericht.

<610>

LS ANSBACH 1987, OKR Birkhölzer, S. 78 und Synodaler Pfannschmidt, S. 79.

<611>

ABTK/JESSE: Gabriele Gräter, Karola Glenk, Empfehlung des Theologinnenkonventes bei seiner letzten Tagung in Grafrath vom 17.-19.1.1986 an den Gemischten Ausschuß zur Novellierung des Erprobungsgesetzes und an den Landessynodalausschuß.

<612>

Entsprechende Äußerungen von OKR Birkhölzer und Kreisdekan Kalb finden sich in dem Artikel "Pfarrerin für Gotteslohn" in der SZ vom 11./12.1.1986, S. 27.

<613>

ABTK/JESSE: Brief von Kathrin Jesse an Gudrun Diestel vom 11.10.1984.

<614>

ABTK/JESSE: Dr. Dorothea Vorländer, Bericht über den Studientag "Frauen in der Kirche" in Nürnberg/St. Egidien am 19.10.1985 (4 S.), verfaßt am 18.2.1986.

<615>

ABTK/JESSE: Rundbrief Katharina Jesses an ihre Kolleginnen vom 14.9.1979 mit einem Bericht über den Theologinnenkonvent vom 23.5.-25.4.1978.

<616>

ABTK/JESSE: Protokoll des Gespräches zwischen Pfarrfrauen und Pfarrerinnen am 20.6.1986 in Nürnberg, abgefaßt von Barbara Dietzfelbinger am 24.6.1986.

<617>

ABTK/JESSE: Ergebnisprotokoll des Treffens zwischen Theologinnenkonvent (Leitendes Team) und Pfarrerverein (Hauptvorstand) am 11.5.1987 21.00 Uhr Rummelsberg, Protokoll Dr. Brigitte Probst, 20.5.1987.

<618>

ABTK/JESSE 1990: Satzung des Konventes evangelischer Theologinnen in Bayern (Fassung vom 23.1.1990 in Puschendorf).

<619>

Vgl. LS NÖRDLINGEN 1987, S. 157: Wiedergabe des VELKD-Generalsynodenbeschlusses.

<620>

LS NÖRDLINGEN 1987, S. 156f.: Vorlage 1 zur LS Ansbach: Entwurf eines Kirchengesetzes zu den Ergänzungs- und Ausführungsbestimmungen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

<621>

Vgl. LS ANSBACH 1987, S. 81f.

<622>

Siehe LS NÖRDLINGEN 1987, Änderungsantrag des Synodalen Anders zum Entwurf eines Kirchengesetzes, S. 157, sowie Begründung S. 158f.

<623>

Vgl. LS NÖRDLINGEN 1987, OKR Glaser, S. 103; Synodalin Atzkern, S. 102; Synodalin Höcht-Stöhr, S. 41. S. 101. Synodalin Becker, S. 42.

<624>

Vgl. LS NÖRDLINGEN 1987, Bericht des Landessynodalausschuß-Präsidenten, S. 27.

<625>

LS NÖRDLINGEN 1987, OKR Glaser, Vorlage des Landeskirchenrats, S. 103.

<626>

Vgl. LS NÖRDLINGEN 1987, Bericht von Landesbischof Hanselmann, S. 21.

<627>

Vgl. LS NÖRDLINGEN 1987, S. 39. Dies stellte der Berichterstatter als die Meinung der Mehrheit des Rechtsausschusses dar.

<628>

Siehe LS NÖRDLINGEN 1987, Synodaler Scheler, S. 107.

<629>

Siehe LS NÖRDLINGEN 1987, Synodalin Höcht-Stöhr, S. 44; Synodalin Atzkern, S. 108.

<630>

Siehe LS NÖRDLINGEN 1987, Synodalin Becker, S. 42; Synodalin Höcht-Stöhr, S. 41.

<631>

Siehe LS NÖRDLINGEN 1987, Synodale Sommer und Haag, S. 108.

<632>

LS NÖRDLINGEN 1987, S. 123.

<633>

Die entsprechende gesetzliche Bestimmung findet sich: HEINTZEL 510 Pfr StBO II.Abschnitt: Ausschreibung §2 (in Zukunft abgekürzt: 510):

Absatz 3:"Das Recht, sich um eine bestimmte Stelle zu bewerben, kann der Landeskirchenrat auf Pfarrer, Pfarrerinnen, Pfarrverwalter, Pfarrverwalter im Probedienst, Pfarramtskandidaten oder Pfarramtskandidatinnen beschränken."

Absatz 4: "Der Landeskirchenrat muß die Ausschreibung auf Pfarrer, Pfarrverwalter oder Pfarramtskandidaten beschränken, wenn bei der Stellenbesetzungsbesprechung die Mehrheit der Kirchenvorsteher oder ein zum Dienst in der betreffenden Kirchengemeinde berufener Pfarrer oder Pfarrverwalter es verlangen. Der Inhaber oder Verwalter der Stelle, die zu besetzen ist, kann das Verlangen nach Satz 1 nicht stellen. War der bisherige Inhaber der Stelle eine Pfarrerin, so kann der Landeskirchenrat gemäß Absatz 3 eine Beschränkung der Pfarrstelle vornehmen."

<634>

ABTK/JESSE: Eingabe an die Landessynode der ELKiB: Betr.: §2(4) der Pfarrstellenbesetzungsordnung (RS 510): Ausschluß von Frauen als Bewerberinnen in Ausschreibungen für Pfarrstellen - unterzeichnet von den Teilnehmerinnen des Frauentages anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Frauenordination in der ELKiB, 19.10.1985.

<635>

Vgl. Korrespondenzblatt Juni 1986, S. 108f.: Beitrag "Kirchenrecht gegen Gottesrecht".

<636>

SCHLICHTING, Letzte, S. 150-152.

<637>

Vgl. die Stellungnahme mehrerer Pfarrer im Korrespondenzblatt Mai 1986, S. 73ff. und S. 412. Im Korrespondenzblatt vom Juli 1986 finden sich auf S. 139-142 Leserbriefe von Prof. Dr. Dorothea Wendebourg, Dr. M. M. Carijo Guembe, Oberin i.R. Schwester Luise Deutschmann und Pfr. Martin Meiser.

<638>

ABTK/JESSE: Protokoll des Theologinnenkonvents Januar 1988 in Algertshausen.

<639>

ABTK/JESSE: Brief von Regina Haller-Beckmann an die Pfarrerkommission z.Hd. Pfr. Weber mit Durchschlägen an OKR Naether, Dekan Zeilinger, Landeskirchenrat, Landessynodalausschuß, Pfr. Greifenberg, Pfrin z.A. Kampf, AFiK. Im Rundbrief des Theologinnenkonvents 1989 gibt Haller-Beckmann einen Auszug aus dem Antwortschreiben von OKR Glaser an den Theologinnenkonvent vom 18.5.1988 wieder, in dem OKR Glaser einen entsprechenden Beschluß des Landeskirchenrats vom 10.5.1988 darstellte. Der betreffende Pfarrer wiederum legte in einer Sondernummer seines Gemeindebriefes ausführlich seine Argumente gegen die Frauenordination dar, wofür er die Heilige Schrift, die ökumenische Diskussion, die Schöpfungstheologie, das Verhältnis von Christus und Gemeinde sowie Gott als Vater heranzog und betonte, daß er gerade durch seinen Einspruch die Würde und Persönlichkeit der Frau schützen wolle.

<640>

ABTK/GÖTTINGEN: Resolution des Pfarrkapitels Landshut zur Frage der Ordination von Frauen zum Geistlichen Amt (Eingabe 13).

<641>

ABTK/GÖTTINGEN: Eingabe des AKE (Pfr. Steinlein, 2.Vorsitzender) an den Präsidenten der bayerischen Landessynode Schwab vom 12.10.1988 (Eingabe 18): Betr.: Gewissensschutz; Brief der Evangelisch lutherischen Gebetsbruderschaft/Konvent Bayern (Pfr. Herwig Herr) an die Landessynode vom 14.10.1988; Gesellschaft für Innere und Äußere Mission/Theologischer Ausschuß an die Landessynode vom 10.10.1988 (Eingabe 17): Betr.: Pfr St BO §2 Abs.4.

<642>

ABTK/GÖTTINGEN: Eingabe des Pfarrervereins, Theologinnenkonvents und VbV an die bayerische Landessynode vom 4.10.1988 (Eingabe 14): Betr.: Änderung von §2 Abs. 3 und 4 Pfarrstellenbesetzungsordnung (RS 510).

<643>

ABTK/JESSE: Eingabe des Arbeitskreises Evangelische Erneuerung, Resolution zur Pfarrstellenbesetzungsordnung (Eingabe 25), verabschiedet bei der Jahrestagung des AEE am 15.10.1988 in Höhenbrunn.

<644>

Vgl. LS GUNZENHAUSEN 1989, Rechenschaftsbericht des Präsidenten des LSA, S. 67.

<645>

Vgl. LS GUNZENHAUSEN 1989, OKR Tröger, Einbringen der Vorlage 2 Pfarrstellenbesetzungsordnung, S. 76-78 inklusive Begründung der Vorlage.

<646>

ABTK/JESSE: Protokoll des Konventes vom 20.-22.1.1989 in Augsburg, S. 1; Rundbrief des Theologinnenkonventes an die Pfarrkapitel mit der Bitte um Unterschrift und Stellungnahme aus den Pfarrkapitel an den Landeskirchenrat (Januar 1989); Team des Theologinnenkonvents: Erklärung an kirchliche Stellen und Presse vom 30.6.1989 - dokumentiert in: ABTK/JESSE: Konvent der evangelischen Theologinnen in Bayern, Rundbrief III/1989.

<647>

ABTK/JESSE: LabeT/Flugblatt: "Frauenordination - Ordination Dritter Klasse? - Auswertung der Aktion des LabeT zu Art 510 Pfr StBO " 2 Abs. 4 (4 S.): Dort wurde von der Zustimmung von 6 Dekanen, 2 Prodekanen, 10 Senioren und 10 stellvertretenden Senioren berichtet. Als Gründe für ihre ablehnende Position führten nur vier der 19 Pfarrer an, daß sie selbst Gegner der Frauenordination seien. Die Mehrzahl von ihnen wollte lediglich die Position der Gegner der Frauenordination respektiert wissen. Auf eine Selbstverpflichtungsaktion des LabeT, durch die sich Pfarrer verpflichten sollten, weder selbst Veto gegen die Zusammenarbeit mit einer Pfarrerin einzulegen noch sich um solch eine Pfarrstelle zu bewerben, antworteten fast 250 Pfarrer, darunter auch Dekane und Senioren mit positiven Rückmeldungen. 19 Pfarrer lehnten dies dagegen ab. Sie begründeten dies zum großen Teil damit, daß sie Rücksicht auf die Gegner der Frauenordination nehmen wollten.

<648>

ABTK: Laut Adressenlisten des Theologinnenkonvents gab es 1975 57 Theologinnen in der bayerischen Landeskirche, 1981 129 und 1982 164. Im Jahre 1986 waren es bereits 230. Die Adressenliste des Theologinnenkonvents, auf der auch beurlaubte, pensionierte und nichtbeschäftigte Theologinnen stehen, umfaßte 1990 etwa 450 Adressen.

<649>

Vgl. LANDESKIRCHENAMT: Stand der ordinierten Theologinnen im kirchlichen Dienst 1988 und überarbeiteter Stand: 1.1.1989; Alphaliste (Datenstand 7.5.1990) 243 Theologinnen im kirchlichen Dienstverhältnis. Davon fielen 104 in die Altersspanne der 30-40jährigen (Geburtsjahrgänge 1950 -1959) und 118 waren noch keine 30 Jahre alt (Geburtsjahr 1960 -1964).

<650>

Siehe EKD-KIRCHENAMT (Hg.), Vereinheitlichung, S. 69f. Als weitere Quelle wird die Theologinnenliste des Landeskirchenamts herangezogen, die Angaben zum gleichen Stichtag (1.1.1988) wiedergibt.

<651>

Siehe EKD-KIRCHENAMT (Hg.), Vereinheitlichung, S. 93, S. 95 und S. 100.

<652>

So STÖHR, Erfahrungen.

<653>

Siehe SPERL, EPG, S. 8.

<654>

Siehe STÖHR, Erfahrungen, S. 21.

<655>

Siehe OSTERMAYER, Tagungsprotokoll, S. 23.

<656>

Sieh SPERL, EPG, S. 7; STÖHR, Erfahrungen, S. 19.

<657>

ABTK/JESSE: Bericht über den Stand der Erfahrungen mit dem Erprobungsgesetz von Brigitte Probst bei der Hauptvorstandssitzung des bayerischen Pfarrervereins am 5.10.1986. Dort werden folgende Regelungen als Belege für die These angeführt:

- Dienstordnung im Benehmen mit dem Dekan erstellen.

- Grundsatz der Unversetzbarkeit tangiert, z.B. bei ungesetzlichem Wirken des einen Partners (§ 14,4).

- Normale Bewerbungsfähigkeit auf eine Stelle durch Vetorecht des Kirchenvorstandes eingeschränkt, ähnlich der Bewerbung von Theologinnen (§ 317,3).

- Möglichkeit der Zwangsbeurlaubung, wenn beide Partner eine halbe Stelle möchten und keine Stelle gefunden werden kann. Diese Möglichkeit ist im Pfarrerdienstrecht nur bei Vergehen vorgesehen.

- Möglichkeit zum "Senior" gewählt zu werden, ist ausgeschlossen (§ 18,1).

<658>

LUDWIG, Selbstausbeuter, S. 8: Er ging dort die Erwerbsarbeitsverhältnisse entsprechend den Regelungen des EPG nach folgenden Kriterien durch:

1. Freiwilligkeit bei der Wahl des Arbeitszeitumfangs: nicht gegeben.

2. Zusätzlichkeit der Stelle: kein Vollbeschäftigungsersatz, aber z.T. zusätzliche Stellen.

3. Stellensicherung im Sinne einer Reversibilität auf Vollzeitarbeitsplatz: teilweise, nicht bei Ehepaaren.

4. Materielle Sicherheit im Sinne einer ausreichenden Bezahlung: teilweise.

5. Planbarkeit im Sinne einer Zeitsouveränität der Beschäftigten: nicht gegeben.

6. Ausschluß von Leistungsverdichtung und Mehrarbeit: keine klaren Vertretungsregelungen.

7. Chancengleichheit gegenüber Vollbeschäftigten: nicht gegeben.

8. Gleichberechtigung der Geschlechter fördernd, zumindest nicht kontraproduktiv.: teilweise ja, teilweise nein.

<659>

Vgl. LUDWIG, Selbstausbeuter, S. 13.

<660>

Siehe PROBST, Zwischenbericht, S. 44.

<661>

Auf die Beachtung in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit im kommunalen und überregionalen Raum weisen z.B. folgende Zeitungsartikel hin: Nürnberger Nachrichten vom 8.4.1990, S.18: Bayerns erste Dekanin; Münchberg-Helmbrechtser Zeitung/Frankenpost vom 29.1.1991.

<662>

Vgl. Interview mit Susanne KASCH. Eine negative Reaktion kam von der Seite der konstanten Gegner der Frauenordination, die die Wahl einer Dekanin als "Folge der von den Medien betriebenen Geschlechter-Nivellierung" beurteilten. Diese entspreche nicht den biblischen Weisungen und verletze die Empfindungen derer, deren "Glaubenskräfte die Kirche tragen". Es wurde allerdings zugestanden, daß es auch Pfarrerinnen gebe, die sich zu Bibel und Bekenntnis hielten. Grundsätzlich müßten sich die Befürworter der Frauenordination allerdings fragen lassen, "ob durch die immer zahlreicher werdenden Frauen im Pfarramt nicht ein Druck zugunsten der feministischen Theologie herbeigeführt werde." So IDEA-Spektrum, 12.4.1990, Kritik in Bayern. Erste Berufung einer Dekanin.


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Wed Jul 5 17:32:57 2000