Nützel, Gerda Ursula: Die Kontextualität der Theologinnenarbeit - dargestellt am Beispiel der Entwicklung in den lutherischen Kirchen Bayerns, Mecklenburgs und Brasiliens

TEIL C: Die Theologinnenarbeit in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs (ELLM)

Kapitel 2. Der sozioökonomische und der kirchliche Kontext

2.1. Die sozioökonomische Situation von Frauen in der DDR

2.1.1. Von 1945 bis 1960: Die Förderung der Erwerbstätigkeit von Frauen

Die ideologische Grundlage für die offizielle DDR-Frauenpolitik bildete die Emanzipationskonzeption, die im 19. Jahrhundert die proletarische Frauenbewegung in Zusammenarbeit mit der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung entwickelt hatte. Demnach stellt die Partizipation von Frauen an der gesellschaftlich produktiven Erwerbsarbeit die Voraussetzung für die ökonomische Selbständigkeit der Frauen dar, die wiederum die Basis für ihre wirkliche Befreiung und die Gleichstellung der Geschlechter bildet.<669>

Diese Auffassung kam auch in der Verfassung der DDR aus dem Jahre 1949 in Art. 7 zum Tragen: “Mann und Frau sind gleichberechtigt. Alle Gesetze und Bestimmungen, die der Gleichstellung der Frau entgegenstehen, sind aufgehoben.“<670> Ein Gesetz aus dem Jahre 1950 bestimmte dies für den Erwerbsbereich noch genauer. Frauen stand das Recht auf uneingeschränkte Berufswahl, Möglichkeit der Berufsausübung und berufliche Qualifizierung zu. Frauen sollten in allen ökonomischen Bereichen berufstätig werden, auch gerade in solchen Sektoren, in denen bisher eine Männerdominanz bestand. Dieses gesellschaftliche Leitbild sollten, auch unter Aufnahme der Erfahrungen in anderen sozialistischen Ländern, die Medien der Öffentlichkeit vermitteln.<671>

Die wirtschaftliche Situation der DDR, die infolge der Kriegstoten und der Massenflucht vor allem junger gut ausgebildeter Männer in den Westteil Deutschlands von einem enormen Bedarf an Arbeitskräften für den Wiederaufbau geprägt war, stimmte mit diesem ideologischen Postulat bezüglich der Frauenerwerbsarbeit überein. Der Beschäftigungsgrad der Frauen stieg bis zum Jahre 1955 bereits auf 52,4% und ebenso ihr Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung.<672> Viele Kriegerwitwen, ledige und geschiedene Frauen sahen sich aus ökonomischen Gründen zur Erwerbsarbeit gedrängt, da die entsprechenden Unterstützungszahlungen eingeschränkt wurden. Von den verheirateten Frauen waren hingegen 1958 erst 18,3% erwerbstätig.<673>

Nur wenige der erwerbstätigen Frauen verfügten über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Viele arbeiteten als un- bzw. angelernte Arbeitskräfte in der Industrie.<674> Um den Frauen die Verbindung zwischen Erwerbs- und Reproduktionsarbeit zu erleichtern, sah die offizielle Konzeption vor, daß gesellschaftliche Einrichtungen wie Kindergärten und -krippen sowie Reinigungs- und Reparaturbetriebe einen erheblichen Anteil der reproduktiven Aufgaben übernehmen sollten. Das Angebot in diesem Bereich blieb jedoch zunächst unzureichend. 1950 gab es lediglich für 20% der Kinder Kindergartenplätze.<675> Primär war damals das Interesse, Frauen für die Erwerbsarbeit zu gewinnen. Dazu diente auch eine Kampagne gegen sog. “Nur-Hausfrauen“, denen Egoismus und eine


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“unverantwortliche Einstellung zu der Frage der praktischen Gleichstellung“<676> vorgeworfen wurde. Die in den Jahren 1945-1948 den Frauen überlassene Selbstbestimmung im Schwangerschaftskonflikt wurde wieder zurückgenommen und durch rechtliche und finanzielle Hilfen für ledige Mütter ersetzt.<677>

In den Werken von Schriftstellerinnen aus dieser Phase dominierte folgender Frauentyp: “Sie gehen in den Beruf und meistern die Schwierigkeiten, die dort, vor allem aber im Privatbereich entstehen, auf vorbildliche Weise.“<678> Um die Probleme auch in der Realität lösen zu helfen, beschloß der Ministerrat der DDR im Jahre 1952, jährlich Frauenförderpläne zu erstellen und verheirateten erwerbstätigen Frauen unter bestimmten Umständen einen monatlichen Haushaltstag zu gewähren. Der Gewerkschaftsdachverband der DDR (FDGB) proklamierte 1956 ein Programm zur Verbesserung der Lebenssituation werktätiger Frauen und Mädchen, das auch die Wahrnehmung von deren Belangen und Bedürfnissen sowie Möglichkeiten zur Verbesserung ihres Qualifikationsniveaus zum Inhalt haben sollte.<679>

Die erste Phase der DDR-Frauenpolitik war außerdem durch eine äußerst engagierte und auch kritische Beteiligung von Frauenorganisationen bestimmt. Unmittelbar nach Kriegsende hatten antifaschistische Frauenausschüsse öffentlich verkündet, daß sich Frauen nie mehr von der gesellschaftlichen Mitwirkung und der beruflichen Tätigkeit ausschließen lassen würden. Für letzteres setzte sich auch der 1947 am Internationalen Frauentag zunächst als überparteiliche Frauenorganisation gegründete DFD ein.<680> Er forderte, daß zur Verbesserung der Frauenerwerbsarbeit spezifische Qualifikationsangebote sowie Kinderbetreuungseinrichtungen nötig seien. Jegliche Lohndiskriminierung sollte abgeschafft werden, und die Verfassung sollte die uneingeschränkte Gleichberechtigung der Geschlechter festschreiben. Die Zeitschrift “Frau von heute“ stand für kontroverse Diskussionen offen.<681> Allerdings beschränkte ein SED-Beschluß aus dem Jahre 1949 die Wirksamkeit des DFD relativ schnell auf das Wohngebiet. Spezielle betriebliche Frauenausschüsse sollten die Probleme von Frauen am Arbeitsplatz behandeln.<682> Für andere berufliche Belange von Frauen wurde der FDGB zuständig, dem 1965 dann auch die betrieblichen Frauenausschüsse untergeordnet wurden.<683> Diese institutionelle und inhaltliche Aufspaltung der Frauenfragen erschwerte es in der Folgezeit, Veränderungsvorschläge für die Frauensituation in der DDR zu formulieren und zu realisieren. Der DFD diente immer mehr dazu, die Entscheidungen der SED auf die lokale Ebene durchzustellen und zur Verschönerung des Familienlebens durch Handarbeiten und Kochrezepte


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beizutragen.<684> Ein letzter kritischer Impuls kam von Seiten des DFD im Jahre 1964. Danach fungierte der DFD quasi nur noch als Claqueur, als die SED beim 8. Parteitag 1971 feststellte: “Die Gleichberechtigung der Frau ist in unserem Staat sowohl gesetzlich als auch im Leben weitgehend verwirklicht.“<685>

2.1.2.


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Von 1961 bis Anfang der 70er Jahre: Bestrebungen zur Qualifizierung von Frauen

Das Politbüro des Zentralkomitees der SED stellte Ende 1961 nach dem Mauerbau in dem Kommuniqué “Die Frauen, der Frieden und der Sozialismus“ fest, daß bislang “große Fähigkeiten und Leistungen der Frauen und Mädchen ungenügend für ihre Entwicklung und für den gesellschaftlichen Fortschritt genutzt“<686> wurden. Um dies zu verändern, beschloß der Ministerrat der DDR im April 1962 einen Maßnahmenkatalog, der zu einer Verbeserung der Qualifikations- und Reproduktionsmöglichkeiten für Frauen beitragen sollte. Frauen und Mädchen sollten verstärkt Zugang zu schulischen und beruflichen Bildungsangeboten bekommen, um sich auch für leitende Aufgaben zu qualifizieren, besonders auch in den bisher von Männern geprägten Bereichen wie Landwirtschaft, Industrie, technische und staatliche Aufgaben. Spezielle Werbestrategien und Frauenquoten für Ausbildungs- und Arbeitsplätze in diesen Bereichen sollten zur Durchsetzung dieser Ziele beitragen.<687> Mit den Massenorganisationen in der DDR sollten “klärende Gespräche“ geführt werden, um auch auf der Bewußtseinsebene einen Abschied von überholten Auffassungen bezüglich der Frauenrolle in Gang zu setzen. Nicht zuletzt sollten dazu auch Kunst und Literatur einen produktiven Beitrag leisten. Die Initiativen zur Vergesellschaftung der Kindererziehung und zur Verbesserung im Versorgungs- und Dienstleistungsbereich sollten erneut verstärkt werden.<688>

Auch die Wissenschaft sollte diesen Prozeß begleiten. Dazu wurde 1964 ein offizieller Bereich “Frauenforschung“ inklusive eines wissenschaftlichen Beirates an der Akademie der Wissenschaften eingerichtet. Er sollte die Themenfindung und Koordinierung wissenschaftlicher Untersuchungen zur gesellschaftlichen Rolle von Frauen und Mädchen im Entwicklungsprozeß der Gesellschaft begleiten.<689> Die Ergebnisse dieser Forschung gelangten jedoch kaum an die Öffentlichkeit.<690>

Das Qualifikationsniveau der Frauen in der DDR verbesserte sich deutlich. So stieg der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Studierenden von 25,2% im Jahre 1960 auf 35,4% im Jahre 1970.<691> Von fünf Millionen DDR-Frauen im erwerbstätigen Alter waren 1970 3,3 Milllionen erwerbstätig.<692> Der Frauenanteil an der erwerbstätigen Bevölkerung wuchs bis zum Jahr 1975 auf mehr als 50%, von denen mehr als 60% über eine berufliche Qualifizierung als Facharbeiterin oder Meisterin bzw. einen Fachschul- oder Hochschulabschluß verfügten.<693> Ihre Anstellungsverhältnisse gliederten sich im Jahre 1970 so auf: 86,8% Angestellte oder Arbeiterinnen, 10,6% waren in Produktionsgenossenschaften tätig und 2,6% übrige Beschäftigte.<694> Allerdings blieb die Geschlechterpolarisierung hinsichtlich der Beschäftigungsbereiche deutlich erhalten. Frauen arbeiteten vor allem im Dienstleistungssektor (sozialer Bereich, Gesundheit, Bildung, Fernmeldewesen, Post und Handel). Dagegen waren sie kaum in den Bereichen Bauwirtschaft und Verkehr anzutreffen.<695> Nur wenige Frauen waren in leitender Stellung beschäftigt.<696> Hinsichtlich der reproduktiven Arbeit war es durch die Eröffnung einer Vielzahl von Krippen, Kindergärten und Schulhorten zu einer spürbaren Verbesserung gekommen. Die Versorgung mit Konsumgütern und Lebensmitteln blieb weiterhin anstrengend, vor allem für Frauen.<697>


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Den rechtlichen Veränderungen, die besonders die Situation von Frauen betrafen, gingen in dieser zweiten Phase der DDR-Frauenpolitik für DDR-Verhältnisse ungewöhnlich lange, teilweise öffentlich geführte Diskussionen voraus. Bei der Überarbeitung der DDR-Verfassung im Jahre 1968 kam es zu einer knappen Mehrheit. Dort heißt es in Art. 10 (2): “Mann und Frau sind gleichberechtigt und haben die gleiche Rechtsstellung in allen Bereichen des gesellschaftlichen, staatlichen und persönlichen Lebens. Die Förderung der Frau, insbesondere in der beruflichen Qualifizierung, ist eine gesellschaftliche und staatliche Aufgabe.“<698> In der Realität blieb allerdings die Erledigung der reproduktiven Aufgaben weiterhin vor allem den Frauen vorbehalten.<699> Ihre Unzufriedenheit mit dieser innerfamiliären Arbeitsteilung zeigte sich in einer hohen Zahl von Scheidungsklagen, die insbesondere Frauen einreichten.<700>

Ebenfalls ein monatelanger Diskussionsprozeß war der Verabschiedung eines Familiengesetzbuches der DDR im Jahre 1965 vorausgegangen.<701> Ein erster Anlauf im Jahre 1954 war gescheitert. Es herrschte eine ideologische Unsicherheit, welche Aufgaben jeweils der Familie, dem Individuum und den gesellschaftlichen Institutionen bei der Sozialisation zukommen sollten. Die verabschiedete Version von 1965 hob die große Bedeutung der Familie für die Erziehung, Betreuung und Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden hervor.<702>

Zu einer weiteren ausführlichen Diskussion und schließlich einer Entscheidung mit einer knappen Volkskammermehrheit kam es 1972, als den Frauen erneut das Selbstbestimmungsrecht im Schwangerschaftskonflikt eingeräumt wurde.<703> Entsprechend dem Plädoyer für die Bedeutung der Familie änderte sich ab Anfang der 70er Jahre die Zielrichtung der staatlichen Frauenförderung, die sich - auch angesichts des Geburtenrückgangs - stärker zur Familienförderung im Sinne einer Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen wandelte.

Das Leitbild war in dieser Phase die “tüchtige, aber doch weibliche“ Superfrau, die die Vereinbarkeit der Belastungen in Beruf, Ehe, Familie und gesellschaftlichem Engagement “spielend“ bewältigt. So sollte ihr die Erledigung der Hausarbeit zugleich die “liebste Erzählstunde“ mit dem Ehemann sein. Die oft durch eine unzureichende Versorgungslage erschwerte Erledigung der Einkäufe sollte sie zum "liebsten Spaziergang“ mit dem Ehemann nutzen. Die geringe Freizeit sollte sie rationell und intensiv gestalten, um “schöne, nachwirkende“ Familienerlebnisse zu schaffen.<704>

Die Schriftstellerinnen gingen zunächst in den 60er Jahren den “Bitterfelder Weg“ in die Produktion mit. Sie beschäftigten sich weiter mit der Frage der Partizipation von Frauen an der Erwerbsarbeit und ihrem gesellschaftlichen Engagement. Zunehmend erschien ihnen jedoch dieses an männlichen Maßstäben ausgerichtete Lebensmodell für Frauen fragwürdig und sie wandten sich in den 70er Jahren stärker der subjektiven Auseinandersetzung mit erfahrenen Widersprüchen zu.<705>

2.1.3. Von Mitte der 70er Jahre bis zum Ende der DDR: Die Unterstützung der “Muttis“ und die
Infragestellung des sozialistischen Emanzipationsleitbildes

Die gesetzlichen Regelungen, die in dieser dritten Phase der DDR-Frauenpolitik bezüglich der


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Frauensituation erlassen wurden, zielten weniger auf eine Verbesserung der Qualifikation und Partizipation von Frauen im Erwerbsarbeitsbereich bzw. im gesellschaftlichen Engagement. Statt dessen gewährten sie verschiedene finanzielle und zeitliche Erleichterungen, um die Frauen (“Muttis“) bei Mutterschaft und Familienarbeit zu unterstützen. So räumte das Arbeitsgesetzbuch der DDR 1977 eine Reduzierung der Arbeitszeit für Mütter sowie einen monatlichen Haushaltstag ein. Teilzeitarbeit sollte beim Vorliegen familiärer Verpflichtungen und bei Vereinbarkeit mit den betrieblichen Bedürfnissen möglich sein.<706> Der in Höhe von 60 bis 95% des letzten durchschnittlichen Nettoeinkommens bezahlte Mutterschaftsurlaub - mit Kündigungsschutz und Arbeitsplatzgarantie - wurde in einzelnen Schritten in dieser Phase erheblich ausgedehnt.<707> Frauen standen als Reproduktionsarbeiterinnen, als “Muttis“, im Zentrum des öffentlichen Blicks. Väter und ggf. Großmütter konnten erst ab Mitte der 80er Jahre im zu begründenden Einzelfall ihre Erwerbsarbeit zugunsten der Kindererziehung einschränken. Mit der Verlagerung des Schwerpunktes der weiblichen Arbeitskraft in den familiären Reproduktionsbereich ging eine Aufwertung der männlichen Erwerbsarbeitskraft als kontinuierlich verfügbarer, flexibel disponierbarer und insofern bei Qualifikationskursen und für Leitungsaufgaben bevorzugter Arbeitskraft einher.<708>

Das Bildungsniveau der erwerbstätigen Frauen verbesserte sich kontinuierlich.<709> In den 80er Jahren war die Hälfte der Studierenden Frauen.<710> Aber die geschlechtsspezifische Zuteilung bestimmter Arbeitsfelder verstärkte sich aufs Neue.<711> Frauen waren insbesondere nach einer Berufsunterbrechung wegen der Geburt eines Kindes oft auf Arbeitsplätzen anzutreffen, die unterhalb ihres Qualifikationsniveaus lagen.<712>

Besonders unterqualifizierte und unattraktive Arbeitsplätze hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und Entlohnung erhielten in den 80er Jahren oft ArbeitsmigrantInnen aus mit der DDR verbundenen staatssozialistischen Ländern. Sie kamen als ledige Einzelpersonen im Alter von 18-25 Jahren für vier bis fünf Jahre in die DDR, um nach einem kurzen Sprachkurs ohne Rücksicht auf ihre individuellen Bedürfnisse und Wünsche meist im industriellen Bereich eingesetzt zu werden. Im Falle der Schwangerschaft wurden sie in der Regel sofort ins Heimatland zurückgeschickt.<713>


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Insgesamt blieben gerade die Frauenarbeitsplätze in der DDR bis in die 80er Jahre davon bestimmt, daß sie vor allem auf un- und angelernte Arbeitskräfte ausgerichtet waren und wenig Möglichkeiten zur Kommunikation boten.<714> Frauen blieben unterrepräsentiert auf leitender Ebene in Beruf und Politik.<715> Ihren höchsten Anteil hatten sie weiterhin in den traditionellen Frauenerwerbsarbeitsbereichen Bildung, Gesundheit, Handel. In der Wissenschaft betrug der Frauenanteil bei den DozentInnen und ProfessorInnen ca. 15%.<716> Teilweise äußerten die Frauen selbst nur geringes Interesse an Leitungspositionen, da sich diese ihrer Meinung nach mit geringen Gestaltungsspielräumen, mehr Arbeitszeit, dem Zwang zur Teilnahme an politischen Veranstaltungen und viel Bürokratie verbunden waren, während ihnen dadurch zu wenig Zeit für die Erledigung ihrer familiären Aufgaben bliebe.<717>

Erhalten blieb in der DDR auch in dieser Zeit eine deutliche geschlechtshierarchische Lohndifferenz. So bewegten sich die Frauenlöhne mehrheitlich im Spektrum zwischen 400 und 900 Mark, während die Mehrzahl der Männer über 900 Mark verdiente.<718> 27% der DDR-Frauen arbeiteten in Teilzeitarbeitsverhältnissen zwischen 25 und 35 Stunden. Noch mehr Frauen wünschten sich selbst eine solche Arbeitszeitreduzierung, bei der in der DDR alle Arbeitsrechte erhalten blieben. Im Unterschied zu den 50er und 60er Jahren, als Teilzeitarbeit für Frauen der Einstieg in den Erwerbsarbeitsbereich war, reduzierten in den 80er Jahren oft junge, gut ausgebildete Frauen ihre Vollzeit- auf Teilzeitstellen, um ihrer Priorisierung des Familien- und Freizeitbereichs auch zeitlich Ausdruck zu verleihen.<719> Hinsichtlich der Lebensformen war in den 80er Jahren auffällig, daß weniger frühzeitig Ehen eingegangen wurden, sondern eher uneheliche Lebensgemeinschaften dominierten. So kam die Mehrzahl der erstgeborenen Kinder in dieser Lebensform zur Welt.<720> Kostenlose Kindergarten- und Schulhortplätze inklusive einer kostengünstigen Hauptmahlzeit standen in den 80er Jahren nahezu für alle Kinder zur Verfügung. 90% der SchülerInnen nahmen an Ferienlagern in den Schulferien teil.<721>

Vielen Frauen reichte jedoch die Zeit für ihre eigenen Interessen, Fortbildung, Hobbys und Erholung


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nicht aus, und sie kritisierten ihre chronische physische und psychische Überlastung.<722> Sie stellten die Gültigkeit des sozialistischen Emanzipationsmodells in Frage.<723> Staat und DFD schufen keine neuen Leitbilder und Perspektiven. Der DFD baute Beratungsstellen auf, die sich z.B. mit der Thematik beschäftigten: "Wie können Frauen rationeller ihren Haushalt erledigen?“. Er versuchte nach Kräften zur Stabilisierung der DDR-Gesellschaft beizutragen, z.B. mit Grußbotschaften wie dieser: “Ich freue mich auf das Babyjahr und danke der Partei und der Regierung von Herzen dafür.“<724>

Die Schriftstellerinnen formulierten radikale Infragestellungen des herrschenden Frauenleitbildes und detaillierte Bestandsaufnahmen des weiblichen Alltags auch aufgrund individueller Lebenserfahrungen von Frauen. Teilweise bezogen sie sich durch den Rückgriff auf das Geschlechterverhältnis in der Romantik bzw. auf matriarchale Mytholgien auf Verhältnisse jenseits der DDR-Gesellschaft. Nicht zuletzt im Kontext von Friedensbewegung und der Einführung des Wehrkundeunterrichtes in der Schule fragten Frauen nach dem Zusammenhang von patriarchalen und militaristischen Gesellschaftsformationen. Manche der jungen Frauen mit qualifizierten Ausbildungen verweigerten sich zumindest phasenweise der Erwerbsarbeit und setzten ihre Priorität in der Kindererziehung innerhalb der Familie statt in staatlichen Einrichtungen. Gerade auch Gruppen solcher Frauen wurden schließlich in der Wendezeit aktiv und formulierten z.B. innerhalb des Unabhängigen Frauenverbandes (UFV) Vorstellungen über andere Lebens- und Arbeitsformen.<725>

2.2. Die Entwicklung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs

2.2.1. Bis 1918: Obrigkeitskirche mit Reformbestrebungen

Die Gebiete, auf denen sich heute die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs erstreckt, wurden relativ spät christianisiert. Erst ab 1300 war das Christentum offiziell vorherrschende Religion.<726> 1432 richtete die 1419 gegründete Universität Rostock eine theologische Fakultät ein, die bis heute die Mehrzahl der mecklenburgischen TheologInnen ausbildet.<727>

Bereits im Vorfeld der Reformation wurde um 1500 eine zentralistische Reorganisation der politischen, wirtschaftlichen und kirchlichen Verhältnisse in Mecklenburg durchgeführt. Durch evangelische Predigten fand die Reformation dann in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Verbreitung. Ein neuer Katechismus und eine reformatorische Kirchenordnung wurden erstellt. 1549 kam es in Mecklenburg bei einem Landtag in der Nähe von Sternberg zur offiziellen Anerkennung der Reformation durch die Landstände und den Herzog. Diese beschlossen, bei der Lehre Luthers zu bleiben, und dafür notfalls auch “Gut und Blut“<728> einzusetzen. Das Patronatswesen sowie die materiellen Erträge aus dem


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Pfründewesen stellten in den folgenden Jahrhunderten die materielle Basis und den rechtlichen Rahmen für die einzelnen Pfarrer dar.<729>

Der 30-jährige Krieg und die darauffolgende Ausbeutung der Landbevölkerung, die teilweise von freien Bauernfamilien zu Leibeigenen erniedrigt wurde, und größere Auswanderungswellen im 19. Jahrhundert reduzierten die Bevölkerung Mecklenburgs drastisch. Die Verbliebenen hatten unter harten Bedingungen für ihr Überleben zu sorgen. Die kirchlichen Repräsentanten erlebte die Landbevölkerung vor allem als verlängerten Arm der Obrigkeit, als Sittenpolizei und Schulaufsicht.<730>

Für eine Erneuerung der Kirche, ihres geistlichen Lebens und ihrer institutionellen Gestalt, setzte sich um 1850 der Theologe Theodor Kliefoth ein, der als Prinzenerzieher auch bei Hofe Vertrauen genoß. Ihm wurde ein gewisser Gestaltungsspielraum für Veränderungen eingeräumt. Um eine größere kirchliche Selbständigkeit gegenüber den staatlichen Organen zu erreichen, setzte er 1850 einen Oberkirchenrat als kirchenleitende Behörde ein, der dem Landesherrn als Oberbischof direkt untergeordnet war.<731> Die von ihm vorgesehene Bildung einer Landessynode, Kirchgemeindeordnung und Ältestenwahl in Mecklenburg sowie den von ihm angestrebten Zusammenschluß aller lutherischen Kirchen in Deutschland konnte er nicht mehr durchsetzen.<732> Für die Erneuerung des geistlichen Lebens in den Gemeinden war für ihn die lutherisch-konfessionelle Orientierung maßgeblich. So hatten für ihn das Pfarramt sowie die Kirche als göttliche Heilsanstalt zentrale Funktionen. Sie sollten sich auf Schrift und Bekenntnis gründen. Eine einheitliche Ordnung für Gottesdienste und Amtshandlungen sollte den Gemeinden dabei helfen.<733>

Ebenfalls etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts gründeten einige engagierte Persönlichkeiten, unter ihnen die Adlige Helene von Bülow, die selbst Diakonisse wurde, eine Reihe von sozialdiakonischen Einrichtungen, wie das Diakonissenmutter- und Krankenhaus Stift Bethlehem, das Rettungshaus für verwahrloste Jugendliche Rostock-Michaelshof und Kinderverwahranstalten als Hilfe für erwerbstätige Mütter.<734> Manche Kirchengemeinden zeigten besonders Interesse an der Arbeit der verschiedenen Missionsgesellschaften, um damit auch Kontakt zu den Ausgewanderten zu halten.<735> Die kirchlichen Repräsentanten nahmen weiterhin wenig Notiz von der Lebenssituation der Mehrheit der Kirchenmitglieder, die als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft oder in der aufkommenden Industrie tätig waren. Auch die religiösen Fragen des liberalen Bürgertums fanden wenig Aufmerksamkeit.<736> Statt dessen orientierten sich die Kirchenvertreter vor allem an ihren Patronatsherrschaften und suchten zu der glanzvollen Inszenierung und ideologischen Legitimierung von deren Herrschaft beizutragen.<737> Die Folge war, daß im allgemeinen wenig Interesse an den kirchlichen Gottesdiensten bestand und die biblischen Kenntnisse minimal waren. Am ehesten wurden noch die kirchlichen Amtshandlungen, insbesondere Trauungen, in Anspruch genommen. Eine scharfe Kritik der kirchlichen Zustände in Mecklenburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts lieferte 1916 der Adlige Friedrich von Bülow. Er plädierte für die Einrichtung einer Landessynode zur Beteiligung der Laien und für die Einführung des Kindergottesdienstes zur Verbreitung der biblischen Geschichten. Den Laien warf er ihre stumpfe Gleichgültigkeit und das Verbleiben bei innerlichem Räsonnieren vor. Die Pastoren kritisierte er wegen ihres Schweigens über die kirchlichen Mißstände aus Ehrfurcht vor dem Gehorsam einfordernden


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Landesherren als Oberbischof. Die Kirchenleitung schließlich bezichtigte er der Ignoranz gegenüber den Wünschen der Gemeinde und der daraus erwachsenden Entkirchlichung. Er schloß mit folgendem Satz: “Die Totengräber einer absterbenden Richtung, die statt auf das Wort Gottes auf überlebte Sitten sich beruft, sind vor der Tür.“<738>


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2.2.2. Weimarer Republik: Konstituierung und volkskirchliche Impulse

Das Ende des landesherrlichen Kirchenregiments rief zunächst in den beiden mecklenburgischen Kirchen, Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin, wenig Begeisterung hervor.<739> Beide Landeskirchen erarbeiteten in Übereinstimmung mit der Weimarer Reichsverfassung eigene Kirchenverfassungen. Die Mecklenburg-Schweriner Landessynode wies den ersten Entwurf des Oberkirchenrats als zu autoritär zurück.<740> Die dann verabschiedete Fassung sah vor, daß an der Spitze der Kirchenleitung ein Landesbischof stand, dem ein weltliches Mitglied des Oberkirchenrats als Stellvertreter in der Funktion eines Kirchenpräsidenten zur Seite stand. Die Landessynode sollte zu Zweidrittel aus LaiInnen und zu einem Drittel aus Geistlichen bestehen.<741> Der Staat übernahm die Ablösung der Patronatsverpflichtungen. Außerdem wurde die Zahlung von Kirchensteuer eingeführt. Das Pfründesystem blieb dagegen unangetastet. Trotzdem blieb die finanzielle Situation der Kirche schwierig.<742> Die geistliche Schulaufsicht wurde abgeschafft und der Umfang des schulischen Religionsunterrichts geregelt.<743>

Neue volksmissionarische Impulse gingen von dem 1922 zum Landesbischof von Mecklenburg-Schwerin gewählten Heinrich Behm aus. Er wünschte die neue kirchliche Ordnung mit Leben zu erfüllen. Die gewählten Ältesten aus den Kirchengemeinden führten Rüstzeiten in ihre Aufgaben ein. Ein Landesjugendpastor erprobte in der Jugendarbeit eine Reihe neuer ganzheitlicher Arbeitsformen. Er begann auch mit der Kindergottesdienstarbeit, an der sich Jugendliche als KindergottesdiensthelferInnen beteiligten. Die Frauenhilfe wurde ausgeweitet. Es entstanden einige Männerkreise. Die Aufgaben der Äußeren und Inneren Mission fanden neue Aufmerksamkeit. Spezielle Angebote für Studierende und das gebildete Bürgertum wurden entwickelt. Eine intensive kirchliche Pressearbeit informierte über die vielfältigen Aktivitäten. An der Fortbildung der Geistlichen beteiligten sich auch die Professoren an der Rostocker Fakultät.<744>

Die ekklesiologische Grundlage Behms bildete sein Verständnis von Volkskirche als Hüterin der gesellschaftlichen Ordnung und Moral, die er in einem Staat ohne sittliche Verbindlichkeit für besonders nötig hielt. Damit suchte sich Behm auch gegen die katholische Kirche abzugrenzen, der er Askese und Weltflucht vorwarf.<745>

Die politische Haltung eines Großteils der mecklenburgischen Pfarrerschaft war in dieser Zeit dagegen noch von einer gewissen Rückwärtsgewandtheit und Distanz gegenüber den politischen Veränderungen bestimmt. Sie rezipierten den theologischen Neuansatz Karl Barths vor allem im Hinblick auf die grundlegende Differenz zwischen Gott und Welt. Andere nahmen stärkeren Anteil an der Lutherrenaissance der 20er Jahre.<746> Der 1930 zum neuen Landesbischof gewählte Volksmissionar und praktische Theologe Heinrich Rendtorff setzte sich dagegen für ein dynamisches Verhältnis von Kirche und Gesellschaft ein und wollte die Distanz zwischen beiden verringern.<747> Seine Predigten


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und Vorträge stießen in der Öffentlichkeit auf großes Interesse. So kamen z.B. beim Güstrower Kirchentag 1932 über 20 000 ZuhörerInnen.<748> Er meinte mit seinen Intentionen, wie der Betonung des sozialen und bruderschaftlichen Gedanken des Christentums, beim Nationalsozialismus auf einen entsprechenden Partner zu stoßen. So würdigte er bereits 1931 den Nationalsozialismus öffentlich und engagierte sich 1932 in der deutschchristlichen Bewegung, die wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb etwa 25% der Stimmen bei den Kirchenwahlen gewinnen konnte.<749>

2.2.3. Nationalsozialismus: Die Spaltung der vereinten mecklenburgischen Kirche in die DC-reichskirchlich orientierte Kirchenleitung und den BK-lutherisch-intakt bestimmten Landesbruderrat.

Auch in der Mecklenburg-Strelitzer Kirche kam der dortige nationalkonservative Landesbischof Tolzien zunächst zu einer positiven Bewertung des Nationalsozialismus. Im Oktober 1933 vereinigten sich die beiden mecklenburgischen Kirchen mit Landesbischof Rendtorff an der Spitze der Kirchenleitung.<750> Dieser demonstrierte seine NS-freundliche Haltung im Mai 1933 durch eine öffentliche Loyalitätserklärung gegenüber Reichsbischof Müller, den die Mehrheit der Mecklenburger Pastorenschaft ablehnte. Trotz Rendtorffs eigenem NSDAP-Eintritt sowie der Kandidatur seiner Ehefrau auf der DC-Liste bei den Kirchenwahlen sollte Rendtorff die Leitung der mecklenburgischen Kirche an einen eingesetzten Staatskommissar abgeben, der sofort alle weiteren Kirchenleitungsorgane wie LS und LSA auflöste. Rendtorff sperrte sich gegen dieses Vorgehen. Viele Pfarrer, Professoren und Studierende der theologischen Fakultät Rostock sowie bayerische Pfarrer unterstützten ihn. Er konnte sich jedoch gegen den Eingriff nicht durchsetzen und wurde im August 1933 beurlaubt.<751> An seiner Stelle wurde der ehemalige religiöse Sozialist Walther Schultz mecklenburgischer Landesbischof. Dieser bezeichnete seine Position als “lutherisch und nationalsozialistisch“ und führte die Gleichschaltung der mecklenburgischen Kirche durch.<752> Gegen sein Vorgehen richtete sich der Protest des “Bundes deutscher Lutheraner“, der dann bei den Kirchenwahlen mit der Gegenliste “Kirche und Evangelium“ antrat. Er wandte sich anschließend an den Pfarrernotbund. Es bildete sich ein Landesbruderrat, an dessen Spitze Niklot Beste stand. Als im August 1934 schließlich die mecklenburgische Kirche in die Reichskirche eingegliedert wurde, erhob die Bekennende Kirche Mecklenburgs scharfen Einspruch mit der Begründung, daß damit das in der Kirchenverfassung als unangreifbare Grundlage festgelegte lutherische Bekenntnis tangiert war.<753> Sie schickte zwei Vertreter zur BK-Synode in Dahlem sowie dann zur 1. Vorläufigen Kirchenleitung der BK.

In Mecklenburg gewann die BK durch Gottesdienste und die Einbeziehung kirchlicher Verbände immer mehr Einfluß. Im Oktober 1935 zählte mehr als die Hälfte der mecklenburgischen Pastorenschaft zur Bekennenden Kirche. Auch an Orten, an denen die Pastoren gegen die BK votierten, bildeten sich auf Initiative engagierter LaiInnen BK-Gruppen.<754> Finanzielle und kirchenpolitische Unterstützung erhielten die mecklenburgischen Gruppen und Pfarrer der BK von den anderen BK-Kirchen, insbesondere von den lutherisch-intakten Kirchen, die eine entsprechende Hilfskasse einrichteten, aus der monatlich 20 000 Reichsmark an die mecklenburgische BK gingen. Mit den BK-orientierten lutherischen Kirchen schloß sich die BK Mecklenburgs zunächst 1935 im niederdeutschen Lutherrat und dann 1936 im Rat der evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland zusammen. So konnten mecklenburgische BK-


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TheologInnen ihre Prüfungen und Predigerseminarkurse bei der Hannoverschen Kirche ablegen, nachdem 1935 die mecklenburgische Kirchenleitung verboten hatte, daß die jungen TheologInnen weiterhin an der BK-orientierten theologischen Fakultät in Rostock ihre kirchlichen Examina ablegten. Manche der jungen BK-TheologInnen gingen nach den Prüfungen auch vertretungsweise in andere Landeskirchen.<755>

Die kirchlichen Werke in Mecklenburg, die teilweise erst einige Jahre vor dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft ihre Arbeit begonnen hatten und einen kontinuierlichen Aufbau benötigt hätten, litten zum einen unter den von staatlicher Seite verhängten Einschränkungen ihrer Arbeit, zum anderen aber auch unter den infolge des Kirchenkampfes erfolgenden Strafversetzungen, bzw. der Einweisung deutschchristlichen Ersatzes. Die Jugendarbeit suchten im Burckhardthaus ausgebildete Reisesekretärinnen notdürftig aufrechtzuerhalten. Eine ganze Reihe kirchlicher Anstalten und Einrichtungen kamen trotz Einspruchs von Landesbischof Schultz in den Besitz der NSV.<756>

Vor Kriegsbeginn kam es in der mecklenburgischen Kirche noch zu einer scharfen Auseinandersetzung, ob in der mecklenburgischen Kirche Platz für JudenchristInnen sein sollte. Landesbischof Schultz verneinte dies, während die mecklenburgische BK die Position vertrat, daß Gottes Taufbefehl über die Grenzen von Völkern hinweg für die Kirche maßgeblich sei. Dies fomulierte eine Gruppe von 131 mecklenburgischen Pastoren in der “Güstrower Erklärung“.<757>

Als der Zweite Weltkrieg begann, forderte Landesbischof Schultz dazu auf, den kirchenpolitischen Kampf einzustellen. Nach Verhandlungen mit der BK Mecklenburgs zeigte er sich bereit, die jungen BK-Theologen in den offiziellen kirchlichen Dienst zu nehmen. Als dann binnen kurzer Zeit ein großer Teil der Pfarrer im Krieg war, erhielten 1940 die Mecklenburger Gemeinden die Freiheit, sich selbst geeignete MitarbeiterInnen für den Verkündigungsdienst zu suchen.<758> Die mecklenburgische BK arbeitete weiterhin eng mit den Landesbruderräten zusammen, nicht jedoch mit der 2. VKL. Sie verlas die Fürbittlisten für verhaftete Mitglieder der BK, aber übernahm nicht die Gebetsliturgie der BK im Jahre 1938.<759> Landesbischof Schultz behielt sein kirchenleitendes Amt bis zu seiner Verhaftung bei Kriegsende, als er seine “fürchterliche Enttäuschung“ bekannte angesichts der Entwicklungen, die er darin begründet sah, daß die NSDAP ihre Versprechungen nicht eingehalten habe.<760>

2.2.4. Von 1945 bis Ende der 60er Jahre: Die Existenz als lutherische Landeskirche unter den Bedingungen der DDR

Die Landessynode, die sich nach Kriegsende neu konstitutierte, wählte 1946 Niklot Beste zum Landesbischof. Viele Kirchen waren zerstört, gerade auch die großen mittelalterlichen Backsteinkirchen in den Hansestädten. Flüchtlinge, vor allem aus Ostpreußen, waren in großer Zahl materiell zu versorgen und suchten in der mecklenburgischen Kirche eine neue geistliche Heimat. Gleichzeitig war etwa die Hälfte der Mecklenburger Pastorenschaft durch den Krieg zu Tode gekommen, so daß ein extremer Pfarrermangel herrschte.<761>

Die mecklenburgische Landesverfassung aus den ersten Nachkriegsjahren räumte den Kirchen etwa die gleichen Rechte wie vorher die WRV ein. Die mecklenburgische Kirche versuchte, wieder die Vielfalt der volkskirchlichen Arbeitsgebiete zu entwickeln, die sie zur Zeit der Weimarer Republik initiiert hatte.<762> Zusätzlich startete sie neue Initiativen auf dem Gebiet der Jugendarbeit, der kirchlichen Presse, der Kirchenmusik und der Inneren Mission. Sie gründete eine kirchliche Akademie, um besonders auch den Glaubensfragen des Bürgertums Beachtung zu schenken. Als neue volksmissionarische Arbeitsform erprobte sie Dorfmissionswochen, bei denen eine Gruppe aus


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Pastoren und LaiInnen in den Wintermonaten jeweils für eine Woche in einem Dorf Station machte.<763> Ihren Auftrag zur öffentlichen Verkündigung suchte die Kirchenleitung durch Hirtenbriefe und Kanzelabkündigungen zu konkreten kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen wahrzunehmen.<764> Die mecklenburgische Kirchenleitung sah in dem ihr in der DDR-Verfassung von 1949 in § 41 eingeräumten weiten Feld für kirchliche Aktivitäten ein Zeichen, daß der Staat ein kooperatives Verhältnis zur Kirche anstrebte.<765> Dies veränderte sich dann allerdings grundlegend. Wohl aufgrund der weltpolitischen Lagebeurteilung Stalins im Jahre 1952 schlug die DDR-Regierung einen konfrontativen Kurs gegenüber den Kirchen ein, indem sie z.B. den schulischen Religionsunterricht und die Anstaltsseelsorge verbot. Durch die Gründung verschiedener staatsnaher christlicher Organisationen, wie z.B. der CDU, versuchte sie, in der Kirche Konflikte zu schüren. Besonders betroffen waren von der konfrontativen Linie des Staates christliche Jugendliche. Ihnen wurde Zugehörigkeit zu einer staatsfeindlichen Organisation vorgeworfen und teilweise der Zugang zur Oberschule und Universität verweigert.<766>

Die mecklenburgische Kirche begegnete wie andere Kirchen in der DDR dem Verbot des Religionsunterrichts mit der Institutionalisierung gemeindlichen Christenlehreunterrichts, für den das neugegründete “Katechetische Seminar“ in Schwerin ausbilden sollte.<767> Nach einem Spitzengespräch kirchlicher Vertreter mit dem Minsterpräsidenten der DDR, Otto Grotewohl, nahm der Staat zunächst einen Teil der gegen die Kirchen gerichteten Maßnahmen zurück.<768> Allerdings bestimmte der Konfrontationskurs auch die folgenden Jahre das Verhältnis zwischen Staat und Kirche. So wurde ab 1954 die Jugendweihe als Alternative zur Konfirmation propagiert. Die Bahnhofsmissionen wurden geschlossen. Der Einzug der Kirchensteuer über die staatlichen Steuerbehörden wurde unvermittelt eingestellt. Dies führte zu erheblichen Einbußen für die Kirche und in der Folge zu einer wachsenden finanziellen Abhängigkeit von den westdeutschen Kirchen.<769> Das dadurch bestärkte gesamtdeutsche Band zwischen den ost- und westdeutschen Kirchen, die weiterhin über gemeinsame Organe, Treffen und Gesetzgebung in den kirchlichen Zusammenschlüssen EKD und auch in der VELKD verfügten, war der DDR-Regierung ein besonderer Dorn im Auge. Als dann 1957 mit den Stimmen von SynodalInnen aus der DDR der Militärseelsorgevertrag gebilligt wurde, drängte die DDR-Regierung auf den Abbruch der gesamtdeutschen Kirchenbeziehungen.<770> Zur Entschärfung der Konflikte sollte 1958 ein von dem thüringischen Landesbischof Mitzenheim angeregtes Gespräch zwischen staatlichen Vertretern und kirchenleitenden Personen aus der DDR beitragen. Letztere versicherten dabei ihre grundsätzliche Loyalität gegenüber dem Staat der DDR und nahmen den Vorwurf des Verfassungsbruches angesichts der Angriffe auf das kirchliche Leben zurück.<771>

Die institutionelle Struktur der mecklenburgischen Kirche im Jahre 1961 beschrieb der Landesbischof


206

Beste so: An der Spitze von jedem der zehn Kirchenkreise stand ein Landessuperintendent, dem ein Teil der Verwaltungsaufgaben und die geistliche Führung der Pastoren und Vikarinnen oblag. 35 Pröpste waren in ihren Propsteien dagegen ausschließlich für die geistliche Leitung zuständig. Auf pädagogischem Gebiet arbeiteten damals 8 Kreiskatechetinnen und 372 Katechetinnen sowie 43 Pfarrfrauen und 48 Pfarrer, die Christenlehre erteilten. Von 416 geistlichen Stellen in 380 Kirchspielen waren damals 363 besetzt und in 18 Vikarinnenstellen waren 14 Theologinnen tätig. Einer Reform der kirchlichen Strukturen hatte 1958 der Staat nicht zugestimmt. So blieb in der mecklenburgischen Kirche auch in der DDR-Zeit bei abnehmenden Kirchenmitgliederzahlen das Parochialprinzip und die kirchenbehördliche Verwaltungsstruktur erhalten. Der landeskirchliche Haushalt war in den 60er Jahren auf der Einnahme- und Ausgabeseite noch ausgeglichen. Für Bauarbeiten hatte die Kirche wenig Ressourcen zur Verfügung und bezahlte niedrige Löhne.<772>

Als theologische Aufgabe formulierte Landesbischof Beste im Jahre 1961, daß es nicht primär um die Bewahrung liebgewordener Traditionsbestände gehen könne, sondern die Kirche und ihre Mitglieder zur Bewährung der christlichen Existenz an einem konkreten Ort im Alltag herausgefordert seien. Dabei habe sich die Kirche auch um öffentliche Fragen wie den Frieden in der Welt und die Menschheitsprobleme zu kümmern.<773> Im Jahr 1968 wurde in der DDR eine neue Verfassung verabschiedet. Sie gewährte den BürgerInnen der DDR Glaubens- und Gewissensfreiheit und sicherte den Kirchen ein Recht auf selbständige Regelung ihrer Angelegenheiten in Übereinstimmung mit der Verfassung, mit den gesetzlichen Bestimmungen der DDR sowie speziellen Verlautbarungen zu.<774>

In Anerkennung der Langfristigkeit der durch den Mauerbau vollzogenen Teilung Deutschlands beschlossen die drei Bischöfe der lutherischen Kirchen in der DDR bei einer nichtöffentlichen regionalen VELKD-Generalsynode 1968, sich von der VELKD zu trennen und eine eigene VELK-DDR zu gründen, in der Niklot Beste Leitender Bischof wurde. Daß dieser Schritt ohne vorherige Beratung mit den jeweiligen Landessynoden, aber auch als “lutherisches Sonderunternehmen“ gegenüber den anderen evangelischen Kirchen in der DDR durchgeführt wurde, stieß in der mecklenburgischen Synode auf scharfe Kritik. Nicht zuletzt deswegen, weil die mecklenburgische Kirche in den 50er und 60er Jahren Rücksicht auf ein gemeinsames Vorgehen innerhalb der VELKD genommen hatte.<775> Als im Jahre 1969 der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK-DDR) gegründet wurde, hielt er - im Unterschied zum Verhältnis zwischen VELK-DDR und VELKD - an der “besonderen Gemeinschaft der ganzen evangelischen Christenheit in Deutschland“<776> fest.

2.2.5. Von 1971 bis zum Ende der DDR: Gemeindekirche im Sozialismus

Als 1971 Heinrich Rathke zum mecklenburgischen Bischof gewählt wurde, trat er sein Amt mit der expliziten Absicht an, innerhalb der mecklenburgischen Kirche “gemeindekirchliche“ Akzente zu setzen.<777> In seinem Hauptreferat bei der Bundessynode 1971 zum Thema “Der Standort der Kirche in der sozialistischen Gesellschaft“ hob Rathke den dynamischen Charakter des kirchlichen Engagements hervor und betonte, daß das Bonhoeffersche Konzept der “Kirche für andere“ zu einem Verhältnis kritischer Solidarität der Kirche gegenüber dem sozialistischen Staat führen könnte. Er grenzte dieses deutlich ab gegenüber einem von Integration, Stabilisierung oder Legitimierung geprägten Verhalten der Kirche zum sozialistischen Staat.<778> Diese Differenzierung nahm das


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Schlußdokument der Bundessynode in verkürzter Form auf. So hieß es dort, daß die Kirche Zeugnis- und Dienstgemeinschaft “nicht neben, nicht gegen, sondern im Sozialismus“<779> sein solle.

Die Regierung der DDR erkannte 1971 den Kirchenbund als Vertreter der Landeskirchen an und bemühte sich auf offizieller Ebene eher um ein kooperatives als um ein konfrontatives Verhältnis, nicht zuletzt um einer positiven Darstellung der DDR-Kirchenpolitik in der Ökumene wegen.<780> Allerdings machte die Selbstverbrennung von Pfr. Brüsewitz 1976 deutlich, daß die Kommunikation zwischen Kirchenleitungen und Gemeinden teilweise unzureichend waren. So erwarteten manche Gemeinden auch öffentliche Kritik an den von den ChristInnen in ihrem Alltag erfahrenen Repressionen.<781> Der Staat der DDR betonte in einem Gespräch am 6. März 1978 mit Vertretern der Konferenz der Kirchenleitungen, daß ihm daran gelegen war, daß die Kirchen sich an der Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft beteiligten. Die kirchlichen Vertreter gaben an, daß dafür Offenheit und Transparenz des Handelns staatlicher Behörden nötig seien, die von jedem einzelnen Kirchenmitglied vor Ort erfahrbar sein müßten.<782> Die kirchlichen Arbeitsmöglichkeiten wurden nach diesem Gespräch deutlich erweitert. Anstaltsseelsorge wurde nun wieder offiziell möglich. Der Staat stimmte dem Kirchenbau in Neubauvierteln grundsätzlich zu. Die diakonischen Einrichtungen der Kirche übernahmen einen spezifischen Beitrag zur medizinischen Versorgung in der DDR.<783>

Das kircheneigene Arbeitsrecht, das für PastorInnen die sonst in der DDR nicht mehr vorhandene "BeamtInnen“-Anstellungsform fortführte, blieb auch nach dem Inkrafttreten des neuen Arbeitsgesetzbuches der DDR 1978 bestehen. Die behördenmäßige Ordnung des Verwaltungsapparates, das Laufbahnsystem, die Amtsbezeichnungen und die “Dienst“-Vorstellung blieben erhalten. Damit waren die Kirchen die einzige nichtsozialistische Großorgansiation mit einer gewissen inneren Autonomie hinsichtlich der Rechtsverhältnisse, Inhalte, Organisationsformen, Personalauswahl und eigener Ausbildungsstätten.<784>

Der Zusammenschluß zwischen den einzelnen Landeskirchen in der DDR wurde weiter intensiviert. Dabei sollte das jeweilige Bekenntnis nicht in den Hintergrund geraten, sondern im ökumenischen Zusammenleben fruchtbar werden. Die VELK-DDR löste sich 1987 auf. Mit den Minderheitenkirchen in der DDR fanden theologische Gespräche statt.<785> In der mecklenburgischen Kirche führte Bischof


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Rathke gemeinsame Gespräche und ökumenische Gottesdienste mit seinem katholischen Amtskollegen durch.<786> Mit der methodistischen Kirche wurde Abendmahlsgemeinschaft vereinbart. Die schon von Landesbischof Rathke gepflegten Verbindungen zum LWB und zum ÖRK führte der 1983 gewählte Landesbischof Stier fort. Er bemühte sich, ökumenische Erfahrungen in den Gemeinden durch Gäste und BesucherInnen aus anderen Kirchen sowie durch die Delegierung verschiedener Kirchenglieder zu ökumenischen Begegnungen zu ermöglichen.<787>

Ein besonderes Verhältnis blieb das zwischen ost- und westdeutschen Kirchen. Die Partnerschaft zwischen der mecklenburgischen und der bayerischen Kirche, die urspünglich auf die persönliche Freundschaft zwischen Bischof Meiser und Bischof Beste zurückging, wurde durch eine Partnerschaftsvereinbarung neu geregelt. Kontakte auf Gemeinde- und Gruppenebene und wechselseitige Besuche von Delegierten bei den jeweiligen Synoden vertieften sie. Die mecklenburgische Kirche stand in den 80er Jahren wie die anderen ostdeutschen Kirchen vor dem Konflikt, daß ihre Haushaltslöcher kontinuierlich wuchsen, weil die Kirchenmitgliederzahl seit 1960 um die Hälfte gesunken war, und der Staat ihr gleichzeitig mehr Raum für neue Aktivitäten einräumte.<788> Das Ergebnis war eine steigende finanzielle Abhängigkeit von den Westkirchen. Die mecklenburgische Kirchenleitung versuchte, auch den Gemeinden eine stärkere Verantwortung für ihre finanzielle Situation zu geben. Um dem Pfarrermangel zu begegnen und die pastorale Arbeit vielfältiger zu gestalten, trug die mecklenburgische Kirche die in Potsdam angesiedelte Ausbildungsstätte für Gemeindepädagoginnen mit.<789> Das ekklesiologische Konzept der 80er Jahre in dem BEK-DDR lautete “Kirche als Lerngemeinschaft“. Er betonte die Diasporasituation der Kirchenmitglieder in der DDR.

In Mecklenburg versuchte Bischof Rathke auch ein neues Verständnis für das kirchenleitende Handeln zu entwickeln, indem er dieses als “Haushalterschaft“ in einer “Dienstgruppe“ bezeichnete und die Landessynode eher als Weggemeinschaft denn als Kirchenparlament verstand.<790> Um der größeren Partizipation an kirchenleitenden Ämtern willen setzte er sich für eine auf 12 Jahre begrenzte Übernahme von Leitungsaufgaben wie Landesbischof oder LandessuperintendentIn ein.

Zum Konflikt kam es in den 80er Jahren zunehmend zwischen den Kirchenleitungen in der DDR und neu entstehenden Basisgruppen, die sich für eine Demokratisierung und Transparenz der gesellschaftlichen und kirchlichen Strukturen in der DDR sowie eine Umkehr zu einem sozial und ökologisch verantwortlichen Lebensstil einsetzten.<791> Die staatliche Seite stellte an die Kirchenleitungen den Anspruch, daß diese mäßigend auf die Basisgruppen einwirken sollten. Daraufhin warfen letztere den Kirchenleitungen einen Mangel an kirchlicher Autonomie und grundsätzlicher Kritik gegenüber staatlichen Maßnahmen vor.<792> Auch eine Gruppe mecklenburgischer SynodalInnen stellten 1987 deutliche Anfragen an das kirchenleitende Handeln.<793>


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Kritische Infragestellungen der gesellschaftlichen und kirchlichen Situation gingen in diesen Jahren auch insbesondere von Frauen aus, die sich innerhalb kirchlicher Frauengruppen mit Friedensfragen, Kindererziehung und feministischer Theologie beschäftigten.<794> Sie wiesen auf die patriarchalen Strukturen auch in den evangelischen Kirchen der DDR hin, in der sich fast ausschließlich Frauen in den Gemeinden beteiligten, während auf der Leitungsebene eine klare Männerdominanz herrschte. Von Seiten des BEK-DDR beschäftigte sich seit 1982 ein Facharbeitskreis mit einzelnen sozialethischen Fragen des Geschlechterverhältnisses in Familie, Kirche und Gesellschaft.<795> Welch unterschiedliche Positionen hinsichtlich des kirchlich adäquaten Geschlechterverhältnisses in der mecklenburgischen Kirche auch zwischen verschiedenen Frauen bestanden, machte eine in Leserinnenbriefen der mecklenburgischen Kirchenzeitung 1987 geführte Diskussion über die Pfarrfrauensituation deutlich.<796>

Fußnoten:

<669>

Vgl. KUHRIG/SPEIGNER, Gleichberechtigung.

<670>

Zitiert bei BASTIAN/LABSCH/MÜLLER, Frauen, S. 72.

<671>

Siehe BASTIAN/LABSCH/MÜLLER, Frauen, S. 73f.

<672>

Vgl. MIETHE/RADTKE/SALLMON/LÖTSCH/EBERT, Berufstätigkeit, S. 63. Zur Einschätzung dieser Zahlen ist hilfreich der Hinweis von HOFFMANN/MENNING/SPEIGNER/TRAPPER, Entwicklung, S. 16, daß 1950 im Gebiet der DDR 55,6% Frauen und 44,4% Männer lebten. Dieses Verhältnis der Geschlechter veränderte sich bis 1960 geringfügig, als 9,5 Mio Frauen und 7,8 Mio Männer dort lebten. 1,15 Mio Menschen haben in dieser Zeit die DDR verlassen.

<673>

Vgl. STOLT, Leitbilder, S. 93.

<674>

RÖTH, Gretchenfrage, S. 134, gibt an, daß in den Anfangsjahren der DDR nur 5% der dort lebenden Frauen über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten.

<675>

Vgl. GYSI/LIEBSCHER/EBERT/ZIERKE, Familie, S. 140f.; DOTSCHEW, Anhang, S. 229, gibt an, daß Kindergeld erst ab dem vierten Kind in Höhe von 20 Mark monatlich bezahlt wurde. Beihilfen zur Geburt eines Kindes gab es erst ab 1950.

<676>

STOLT, Leitbilder, S. 98.

<677>

BASTIAN/LABSCH/MÜLLER, Frauen, S. 77, führen die straffreie Duldung von Schwangerschaftsabbrüchen in den Jahren 1945 bis 1948 auf den drastischen Mangel an Wohnraum, Nahrung und Erwerbsarbeitskräften einerseits, aber auch auf die massenhaften Vergewaltigungen von Frauen durch Besatzungssoldaten andererseits zurück. Die Unterstützung insbesondere alleinstehender Mütter, denen alle Elternrechte - ohne amtliche Vormundschaft - zugesprochen wurden, erfolgte 1950. Außerdem erhielten 1956 alleinstehende Mütter die Möglichkeit, bis zu vier Wochen pro Jahr zur Betreuung eines erkrankten Kindes bezahlt der Erwerbsarbeit fernzubleiben. Vgl. DOTSCHEW, Anhang, S. 231.

<678>

SCHMITZ-KÖSTER, Trobadora, S. 15.

<679>

Siehe DOTSCHEW, Anhang, S. 231.

<680>

GRÖSCHNER, Abteilung, S. 93, zitiert aus dem Gründungsaufruf des DFD: "Wir dürfen niemals mehr zulassen, daß über Deutschlands Gestalt und Geschichte ohne uns Frauen entschieden wird. Wir werden von jetzt ab mitwissen, mitverantworten und mitbestimmen."

<681>

Siehe GRÖSCHNER, Abteilung, S. 94f.

<682>

Vgl. CLEMENS, Kehrseite, S. 22f. Die Forderungen, die Frauen in den betrieblichen Frauenausschüssen in den 50er Jahren erhoben, stießen bei den meist männlichen Adressaten auf der betrieblichen und politischen Leitungsebene nur auf wenig Ressonanz. Sie waren teils sozialen Inhalts, z.B. Forderungen nach mehr Wohnraum, Erhöhung der Kapazitäten für Versorgungseinrichtungen wie Betriebsverkaufsstätten und Kindereinrichtungen. Sie mischten sich jedoch auch in ökonomische Fragen ein, forderten Veränderungen bei der Arbeitsverteilung, Aufhebung von Frauenlohngruppen, Verkürzung der Arbeitszeit und Freistellung finanzieller Mittel, um bei der Vergesellschaftung der Hausarbeit voranzuschreiten.

<683>

Siehe CLEMENS, Kehrseite, S. 21f.

<684>

GRÖSCHNER, Abteilung, S .95f., zitiert aus den DFD-Protokollen zum 1. Frauenkongreß 1964: "Es sind vor allem Männer, die daran zweifeln, daß Frauen auch in der Lage sind, mittlere und leitende Funktionen auszuüben. Die Frauen sind doch geradezu berufen, unsere Wirtschaft mitzuplanen und zu leiten und an der Spitze eines Kollektivs zu stehen, denn das tut doch jede Frau im eigenen Haushalt in ihrer eigenen Familie täglich."

<685>

SCHMITZ-KÖSTER, Trobadora, S. 11. Gröschner zitiert aus der DFD-Stellungnahme zurm SED-Parteitag 1971: "Tief beeindruckte sie (die Mitglieder des DFD) die Feststellung über die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frauen in der DDR. Zu dieser stolzen Errungenschaft des Sozialismus leistete der DFD einen hohen Beitrag. Das erfüllte die Mitglieder mit Stolz und war zugleich Ansporn, auch an den neuen Aufgaben zur Verwirklichung der Frauenpolitik der SED mit ganzer Kraft mitzuwirken."

<686>

STOLT, Leitbilder, S. 94.

<687>

Vgl. GAST, Frauen, S. 415.

<688>

Siehe DOTSCHEW, Anhang, S. 233f.

<689>

Siehe DOTSCHEW, Anhang, S. 235.

<690>

Vgl. ZIMMERMANN, Frauenbewegung, S. 43.

<691>

Vgl. LÖTSCH/FALCONERE, Bildung, S. 42.

<692>

Siehe MIETHE/RADTKE/SALLMON/LÖTSCH/EBERT, Berufstätigkeit, S. 42.

<693>

Vgl. RÖTH, Gretchenfrage, S. 134.

<694>

Siehe MIETHE/RADTKE/SALLMON/LÖTSCH/EBERT, Berufstätigkeit, S. 55.

<695>

Siehe NICKEL, Geschlechtertrennung, S. 75f.

<696>

Siehe STOLT, Leitbilder, S. 94.

<697>

So GYSI/LIEBSCHER/EBERT/ZIERKE, S. 141f.; Kindergartenplätze waren 1970 für 64% und Schulhortplätze für 46% der Kinder im entsprechenden Alter vorhanden. Zur Versorgung der Haushalte siehe STOLT, Leitbilder, S. 94.

<698>

Alle Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches, die dieser Gleichberechtigung der Geschlechter entgegenstanden, wurden mit dieser Verfassung aufgehoben. Siehe BASTIAN/LABSCH/MÜLLER, Frauen, S. 75.

<699>

Vgl. STOLT, Leitbilder, S. 98.

<700>

Siehe GYSI/LIEBSCH/EBERT/ZIERKE, Familie, S. 111: 1970 wurden 63,9% der Scheidungsklagen in der DDR von Frauen eingereicht.

<701>

Siehe BASTIAN/LABSCH/MÜLLER, Frauen, S. 75.

<702>

Siehe STOLT, Leitbilder, S. 96.

<703>

Die entscheidende Passage des Gesetzes lautete: "Die Gleichberechtigung der Frau in Ausbildung und Beruf, Ehe und Familie erfordert, daß die Frau über die Schwangerschaft und deren Austragung selbst entscheiden kann." Zitiert bei BASTIAN/LABSCH/MÜLER, Frauen, S. 77.

<704>

Vgl. STOLT, Leitbilder, S. 94.

<705>

Siehe SCHMITZ-KÖSTER, Trobadora, S. 15f.

<706>

Vgl. BASTIAN/LABSCH/MÜLLER, Frauen, S. 76.

<707>

Er betrug 1972 18 Wochen und wurde 1976 auf 26 Wochen, bzw. ab dem zweiten Kind bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres ausgedehnt. Letzteres wurde ab Mai 1986 schon beim ersten Kind gewährt und ab dem dritten Kind auf 18 Monate erweitert. Außerdem wurde die Zeit der Freistellung von der Erwerbsarbeit für die Pflege kranker Kinder bei fortlaufender Bezahlung ausgedehnt. Vgl. DOTSCHEW, Anhang, S. 238-244, sowie HOGAN, Frauenerwerbsarbeit, S. 76: 1 Kind 4 Wochen, 2 Kinder 6 Wochen, 3 Kinder 8 Wochen, 4 Kinder 10 Wochen, 5 und mehr Kinder 13 Wochen.

<708>

Vgl. HOGAN, Frauenerwerbsarbeit, S. 74; RÖTH, Gretchenfrage, S. 138f.; LÖTSCH/FALCONERE, Bildung, S. 50.

<709>

Vgl. LÖTSCH/FALCONERE, Bildung, S. 38: So verfügten 1989 84,8% der weiblichen erwerbstätigen Bevölkerung der DDR über eine abgeschlosssene berufliche Bildung. Einen Hochschulabschluß konnten 6,7% vorweisen (Männer: 9,7%); 18,5% hatten einen Fachschulabschluß (Männer: 9,9%). 59,7% hatten sich als Meisterinnen oder Facharbeiterinnen qualifiziert (Männer: 69,7%).

<710>

Vgl. LÖTSCH/FALCONERE, Bildung, S. 42. Das Maximum weiblicher Studienanfängerinnen an den Neuimmatrikulationen wurde 1980 mit 53,1% erreicht.

<711>

Siehe BASTIAN/LABSCH/MÜLLER, Frauen, S. 80-83. Allerdings wählten immer noch wesentlich mehr Frauen eine Ausbildung in bisher männerdominierten, z..B. technischen Berufen, als umgekehrt Männer Interesse an bisher frauendominierten Berufen oder Studienrichtungen zeigten.

<712>

Siehe LÖTSCH/FALCONERE, Bildung, S. 51f. MIETHE/RADTKE/SALLMON/LÖTSCH/EBERT, Berufstätigkeit, S. 66f.

<713>

Siehe KEHLER, Migrantin. HOFFMANN/MENNING/SPEIGNER/TRAPPE, Entwicklung, S. 34f. Dieser Vernutzung der Arbeitsmigrantinnen als billigen Arbeitskräften auf für die DDR-Bevölkerung meist wenig attraktiven Arbeitsplätzen war in den 70er Jahren eine Phase vorangegangen, in der die DDR junge Menschen aus mit der DDR befreundeten "Entwicklungsländern" einlud, auf der Basis staatlicher Vereinbarungen in der DDR eine Ausbildung als Facharbeiterin zu erhalten. Dem ging ein halbes Jahr Sprachkurs voraus. Siehe KEHLER, Migrantin, S. 47.

<714>

Vgl. MIETHE/RADTKE/SALLMON/LÖTSCH/EBERT, Berufstätigkeit, S. 67.

<715>

Was die politsche Ebene anbelangt, war nach GAST, Frauen, S. 419, in den 80er Jahren immerhin ein Viertel der Bürgermeisterinnen in der DDR weiblich, aber nur fünf Mitglieder des Staatsrates und vier von etwa 200 StaatssekretärInnen und MinisterstellvertreterInnen. Es existierte eine Bezirksrätin und eine Ministerin. Diesen Frauen wurde jedoch, wie den wenigen weiblichen Abgeordneten, in der Regel nur eine Kompetenz in sozial-, kultur- und handelspolitischen Bereichen zugetraut.

<716>

Siehe MIETHE/RADTKE/SALLMON/LÖTSCH/EBERT, Berufstätigkeit, S. 93ff.

<717>

Vgl. EHRHARDT, Karriere; sowie MIETHE/RADTKE/SALLMON/LÖTSCH/EBERT, Berufstätigkeit, S. 93-96.

<718>

Vgl. MIETHE/RADTKE/SALLMON/LÖTSCH/EBERT, Berufstätigkeit, S. 88.

<719>

Vgl. MIETHE/RADTKE/SALLMON/LÖTSCH/EBERT, Berufstätigkeit, S. 85f. Die Abwertung des Erwerbsarbeitsbereiches hing auch damit zusammen, daß dieser nicht die Erwartungen erfüllte, z.B. eine gesellschaftlich nützliche Arbeit zu leisten, eigene Kompetenzen zu erproben, selbständig und eigenverantwortlich vorgehen zu können, ein gutes Einkommen zu erzielen und die sozialen Kontakte zu erweitern. Siehe GYSI, Partnerschaft, S. 94.

<720>

Siehe SCHWARZ, Lebensformen, S. 86f.; Ende der 80er Jahre lebten knapp 30% der unverheirateten DDR-Bürgerinnen zwischen 18 und 40 Jahren in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft. Von den Erstgeborenen, die bei der Hälfte der Familien auch das einzige Kind blieben, kamen 1989 70% in nichtehelichen Beziehungen zur Welt. Dies hängt sicher auch mit den staatlichen Unterstützungsmaßnahmen für alleinerziehende Mütter zusammen und mit der hohen Scheidungsrate Ende der 80er Jahre, wonach jede dritte Ehe geschieden wurde. Allerdings wurde auch nach dem Scheitern einer ersten ehelichen oder unehelichen Lebensgemeinschaft meist an dem Ideal der Kleinfamilie festgehalten, und Versuche mit neuen PartnerInnen eingegangen. Als Familien mit nur einem Elternteil lebten etwa 20% der Familienhaushalte, überwiegend alleinerziehende Mütter. Das Interesse an alternativen Lebensformen war gering.

<721>

Siehe GYSI/LIEBSCHER/BERT/ZIERKE, Familie, S. 141.

<722>

GYSI/LIEBSCHER/EBERT/ZIERKE, Familie, S. 133, stellten folgende geschlechtsspezifische Verteilung des täglichen Zeitbudgets fest: Frauen verbrachten 26% ihrer Zeit mit Erwerbsarbeit, 17% mit Hausarbeit, 3% mit Kindererziehung, 10% mit Freizeit. Ihre männlichen Lebenspartner verwanden dagegen 34% für Erwerbsarbeit, 8-9% für Hausarbeit, 1% für Kindererziehung und 12-13% für Freizeitaktivitäten. Grundsätzlich wurde die Kindererziehung eher als gemeinsame Aufgabe verstanden.

<723>

Vgl. SCHMITZ-KÖSTER, Trobadora, S. 16ff.; Christa Wolf, die eine unterschiedliche Wahrnehmung der Welt durch Männer und Frauen als Grundlage für ihr Konzept des "weiblichen Schreibens" ansah, formulierte als Herausforderung, die die neuen Frauengenerationen an die sozialistische Gesellschaft richteten: "Wir werden uns daran gewöhnen müssen, daß Frauen nicht mehr nur nach Gleichberechtigung, sondern nach neuen Lebensformen suchen. Vernunft, Sinnlichkeit, Glückssehnsucht setzen sie dem bloßen Nützlichkeitsdenken und Pragmatismus entgegen - jener Ratio, die sich selbst betrügt, als könne es normale Beziehungen unter Menschen irgendwo auf der Welt geben, solange eine Hälfte der Menschheit unterernährt ist oder des Hungers stirbt." (WOLF, Schreiben, S. 220).

<724>

GRÖSCHNER, Abteilung, S. 97; siehe NICKEL, Geschlechtertrennung, S. 18: "Seit Ende der 60er Jahre fehlen gesellschaftliche, in die Zukunft weisende Strategien und Konzepte, die auf eine bewußte Aufhebung traditioneller Geschlechterverhältnisse - insbesondere durch Schulpolitik - abzielten."

<725>

Siehe UFV, Frauen.

<726>

Siehe BESTE, Bericht, S. 220f.

<727>

Vgl. STÜBER, Kirchengeschichte, S. 136.

<728>

BESTE, Bericht, S. 221.

<729>

Siehe SCHNOOR, Vergangenheit, S. 4f.

<730>

Vgl. SCHNOOR, Vergangenheit, S. 5ff.

<731>

Siehe STÜBER, Kirchengeschichte, S. 139.

<732>

Siehe SCHNOOR, Vergangenheit, S. 10.

<733>

Vgl. SCHNOOR, Vergangenheit, S. 12; BESTE, Bericht, S. 221.

<734>

Siehe SCHNOOR, Vergangenheit , S. 13.

<735>

Vgl. BESTE, Bericht, S. 221; STÜBER, Kirchengeschichte, S. 141, zitiert aus dem Brief eines Ausgewanderten über das Gemeindeleben in Nordamerika: "Wir haben hier viel mehr Interesse an Kirchensachen. Wir haben hier nicht bloß zu zahlen, wir haben auch mitzusagen und zu beschließen."

<736>

STÜBER, Vergangenheit, S. 143, berichtet, daß ein Güstrower Domprediger sich 1894 für streikende Waggonarbeiter einsetzte und forderte, daß deren Menschenwürde und Persönlichkeit geachtet werde. Dieses Engagement sei jedoch von allen Seiten wegen seiner Außergewöhnlichkeit mißtrauisch beobachtet worden.

<737>

Vgl. SCHNOOR, Vergangenheit, S. 20ff.

<738>

Zitiert bei SCHNOOR, Vergangenheit, S. 17f.

<739>

In Mecklenburg bestanden zwei Herzogtümer, die bis 1703 ihre Regierungssitze in Schwerin und Güstrow, anschließend in Schwerin und Strelitz hatten. Entsprechend dem landesherrlichen Kirchenregiment existierten deshalb auch zwei Landeskirchen, Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz, bis zu deren Vereinigung 1933. Die vorherigen Ausführungen bezogen sich vor allem auf Mecklenburg-Schwerin. Siehe BESTE, Bericht, S. 220.

<740>

Siehe SCHNOOR, Vergangenheit, S. 30.

<741>

Vgl. BESTE, Bericht, S. 17.

<742>

Vgl. MEIER, Kirchenkampf I, S. 335.

<743>

Vgl. SCHNOOR, Vergangenheit, S. 31.

<744>

Siehe STÜBER, Kirchengeschichte, S. 152ff.; MEIER, Kirchenkampf I, S. 334; SCHNOOR, Vergangenheit, S. 34.

<745>

Die katholische Kirche hatte in Mecklenburg in den Jahren 1900 bis 1920 durch Zuwanderung verschiedener katholischer Einwanderergruppen ihren Anteil an der Bevölkerung von 1,2% auf 5% steigern können und einige eindrucksvolle Kirchen in mecklenburgischen Städten errichtet. Die evangelische Bevölkerung befürchtete darauf hin einen "Vormarsch Roms". Siehe STÜBER, Kirchengeschichte, S. 155f.

<746>

Vgl. SCHNOOR, Vergangenheit, S. 36.

<747>

SCHNOOR, Vergangenheit, S. 40, zitiert Rendtorff: "Der Schlüssel zum Verständnis der Kirche liegt...in dem Glauben an das Wort, das wesenhaft Gottes Wort ist, von Gott herkommend, seine Kraft in die Geschichte hineintragend, in der Geschichte Fleisch werdend, Gestalt gewinnend.(...) Kirche ist eine Bewegung, ein Vorgang, ein Geschehen, eben das von Gottes Wort gewirkte Geschehen."

<748>

Siehe BESTE, Bericht, S. 221.

<749>

Vgl. MEIER, Kirchenkampf I, S. 335.

<750>

Siehe MEIER, Kirchenkampf I, S. 337.

<751>

Siehe MEIER, Kirchenkampf I, S. 341.

<752>

Siehe MEIER, Kirchenkampf I, S. 345.

<753>

Siehe MEIER, Kirchenkampf I, S. 347ff.

<754>

So berichtet z.B. BESTE, Kirchenkampf, S. 163f.: "Bad Doberan, wo die Pröpstin i.R. Hildegard von Thadden, die in Altenburg das Stift geleitet hatte, unermüdlich in der Sammlung eines Kreises von treuen Gemeindegliedern war, die immer wieder zusammen kamen, um sich über die kirchlichen Verhältnisse unterrichten zu lassen, an Überlegungen teilzunehmen und durch Gebet und Opfer die Bekennende Kirche zu tragen."

<755>

Vgl. BESTE, Kirchenkampf, S. 135f. und S. 160; MEIER, Kirchenkampf II, S. 106, Kirchenkampf III, S. 377.

<756>

Siehe MEIER, Kirchenkampf III, S. 213.

<757>

Siehe MEIER, Kirchenkampf III, S. 384.

<758>

Siehe MEIER, Kirchenkampf III, S. 384.

<759>

Siehe MEIER, Kirchenkampf III, S. 371.

<760>

Siehe SCHNOOR, Vergangenheit, S. 54.

<761>

Vgl. BESTE, Bericht, S. 222.

<762>

Siehe SCHNOOR, Vergangenheit, S. 61.

<763>

Siehe SCHNOOR, Vergangenheit, S. 62f.

<764>

Siehe LANGER, Kultur I, S. 22-30.

<765>

Vgl. LUCHTERHANDT, Gegenwartslage, S. 7f.

<766>

Siehe LUCHTERHANDT, Gegenwartslage, S. 9.

<767>

Siehe SCHNOOR, Vergangenheit, S. 62.

<768>

Vgl. LANGER, Kultur I, S. 32.

<769>

Vgl. LUCHTERHANDT, Gegenwartslage, S. 8ff; BESIER/WOLF, Staatssicherheit, S. 10f., beschreiben den Weg und den Umfang dieser finanziellen Unterstützung der Kirchen in der BRD an die Kirchen in der DDR durch die Hände des Staates der DDR. Demnach wurden Transaktionsgeschäfte mit dem Ministerium für Außenhandel und innerdeutschem Handel der DDR getätigt, die im Jahre 1957 ein Handelsvolumen im Wert von 23,5 Millionen DM erreichten. In der Zeit von 1957 bis 1990 soll der Kirchentransfer ein Volumen von 2,2 Milliarden DM umfaßt haben. Die westdeutschen Kirchen lieferten der DDR Produkte, die für die DDR schwer oder gar nicht zugänglich waren. Die Kirchen in der DDR erhielten den Gegenwert der Waren und einen Zuschlag in Mark der DDR.

<770>

Siehe BESIER/WOLF, Staatssicherheit, S. 11; LANGER, Kultur I, S. 32.

<771>

HENKYS, Kirchen, S. 721, zitiert aus der Erklärung der Kirchenvertreter im Kommuniqué vom 21.7.1958: "Ihrem Glauben entsprechend erfüllen die Christen ihre staatsbürgerlichen Pflichten auf der Grundlage der Gesetzlichkeit. Sie respektieren die Entwicklung zum Sozialismus und tragen zum friedlichen Aufbau des Volkslebens bei."

<772>

Siehe BESTE, Bericht, S. 222.

<773>

Siehe BESTE, Bericht, S. 223.

<774>

Siehe Verfassung der DDR vom 6.April 1968, Art. 20(1) bzw. Art. 39.

<775>

Vgl. SCHNOOR, Vergangenheit, S. 69f.

<776>

Art. 4 (4) der Ordnung des BEK-DDR von 1969.

<777>

Siehe MÜLLER, Protestanten, S. 90. RATHKE, Gemeinde, S. 73: "Es lohnt sich, diesen Schritt in die Gemeinde und mit der Gemeinde zu tun, weil es immer ein Schritt ins Morgen bleibt, ein Schritt, bei dem wir erwarten und hoffen können. Dabei aber müssen wir wissen, daß es um das Abenteuer Gemeinde geht. Wer sich auf die Gemeinde einläßt, auf die anderen Christen, auf die anderen Menschen, läßt sich ein auf den im anderen verborgenen Christus, den wir immer neu begreifen können. Er läßt sich ein auf das große Abenteuer seines Lebens."

<778>

Siehe RATHKE, Zeugnis, S. 174ff.; LANGER, Kultur I, S. 41f., weist auf das dynamische Element - im Sinne eines vorbehaltlosen Engagements - im ekklesiologischen Konzept von Rathke hin, der sich zunächst einer qualitativen und eindeutigen Chrakteristik des anderen enthielt - im Unterschied zu Falcke, der ein Jahr später die Perspektive eines "verbesserlichen Sozialismus" als Konsequenz seines Ansatzes "Christus befreit - darum Kirche für andere" entwarf.

<779>

Aus dem Beschluß der 3. Tagung der ersten Synode des BEK-DDR in Eisenach 1971, zitiert bei LANGER, Kultur I, S. 41.

<780>

Vgl. Theologische Studienabteilung, Informationen, S. 5. Dort finden sich verschiedene Äußerungen von seiten des Staates ab dem Jahre 1958 zum Thema "Kirche im Sozialismus". In diesen wird betont, daß die Kirche sich ihrer Verantwortung in der sozialistischen Gesellschaft stellen, die Außenpolitik der DDR würdigen und bei der Gestaltung ihrer ökumenischen Beziehungen berücksichtigen solle. Dies solle aber nicht das Aufgeben der unterschiedlichen ideologisch-weltanschaulichen Auffassungen bedeuten.

<781>

Vgl. HENKYS, Kirchen, S. 724.

<782>

Siehe BESIER/WOLF, Staatssicherheit, S. 33; LANGER, Kultur I, S. 43.

<783>

Vgl. LUCHTERHANDT, Gegenwartslage, S. 44f. und S. 56f; REUER, Diakonie, S. 224-228. Zum diakonischen Werk der DDR gehörten 1976 u.a. 51 Krankenhäser und Heilstätten, 89 Heime für körperlich und geistig Behinderte, 226 Feierabend- und Pflegeheime, 326 Kindertagesstätten mit ca. 17 000 Plätzen, 425 Gemeindepflegestationen, 39 Diakonissenmutterhäuser und Schwesternschaften sowie 6 Diakonenanstalten. In diesen diakonischen Einrichtungen arbeiteten 15 000 MitarbeiterInnen, denen Löhne entsprechend den staatlichen Tarifen bezahlt wurden. Sie waren wesentlich höher als die normalen kirchlichen Löhne. Die Gelder für die Behandlung erstattete die staatliche Sozialversicherung. Alle weiteren Kosten mußten aus kirchlichen Mitteln bestritten werden.

<784>

Vgl. HENKYS, Kirchen, S. 715 und S. 721.

<785>

Siehe LUCHTERHANDT, Gegenwartslage, S. 91f.; HENKYS, Partner, S. 196f.: Anfang der 80er Jahre zählte der BEK-DDR 7,85 Millionen Mitglieder gegenüber 2,2 Millionen katholischen ChristInnen und 100 000 DDR-Bürgerinnen, die Mitglied in einer der elf Freikirchen waren, und weiteren 140 000, die Sondergemeinschaften angehörten. Außerdem existierten zu diesem Zeitpunkt acht jüdische und fünf russisch-orthodoxe Gemeinden.

<786>

Siehe SCHNOOR, Vergangenheit, S. 109.

<787>

Siehe z.B die Äußerung von Bischof Stier, daß es für kirchenleitende Personen am leichtesten sei, in westliche Länder zu reisen und er sich deshalb bemühe, durch Delegierung auch anderen Kirchengliedern Zugang zu solchen Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Er bezog sich damit auf Bölls Aussage: "Ich weiß, was ich nicht will. Privilegien haben und dann anderen predigen, die keine haben." Siehe das Protokoll der bayerischen LS INGOLSTADT 1985, S. 63.

<788>

So Propst Struck, LS ANSBACH 1987, S. 50f.

<789>

Vgl. HENKYS, Kirche, S. 324.

<790>

Siehe SCHNOOR, Vergangenheit, S. 77f.

<791>

Vgl. FALCKE, Befreiung, S. 24f.

<792>

Siehe BESIER/WOLF, Staatssicherheit, S. 49.

<793>

Vgl. THEOLOGISCHE STUDIENABTEILUNG, Informationen 15, S. 21: Dort wird aus dem einleitenden Abschnitt der Stellungnahme der SynodalInnen zitiert: "Eine Kirche, die ihre gesellschaftliche Situation nicht analysiert, das Leben ihrer Glieder in der Gesellschaft nicht bewertet, läßt Christen in ihrem gesellschaftlichen Alltag allein.(...) Gerade in ihrer historisch neuen gesellschaftlichen Umwelt als "Kirche im Sozialismus" kann sich unsere Kirche dieser Aufgabe nicht entziehen. Daß diese Aufgabe nur wahrgenommen werden kann im lernbereiten Austausch zwischen kirchlicher Basis und den leitenden Organen der Kirche, ist offenkundig. Aber wie dieser Austausch zu klareren Haltungen an der Basis führen soll, so doch auch zu deutlicheren Aussagen von Synoden und Kirchenleitungen. Leider hat die Konkretisierung der Formel ’Kirche im Sozialismus‘ seit 1973 kaum Fortschritte gemacht. Allein mit der Zitierung des bisher Gesagten ist aber der Aufgabe nicht gerecht zu werden."

<794>

Siehe z.B. KÖCKERT, Frauen, S. 28; BOHNET, Spuren, S. 30f; ENGELMANN, Aufbrüche, S. 39-42.

<795>

Die Stellungnahmen des Facharbeitskreises, die zu Erfahrungsaustauch und gemeinsamer prüfender Suche nach situationsgerechten Handlungsorientierungen anleiten sollten, beschäftigten sich mit folgenden Themen: Schwangerschaftsabbruch (1972), Sexualethik (1974), Partnerschaft (1975), Familie (1980) und Alleinlebende (1985). Siehe BEK-DDR FACHARBEITSKREIS "Zusammenarbeit von Mann und Frau in Kirche, Familie und Gesellschaft", Frau und Mann.

<796>

Siehe MECKLENBURGISCHE KIRCHENZEITUNG, 42.Jg/1987, Nr. 30, Nr. 35, Nr. 42. Eine Vikarsfrau stellte die Frage: "Endet die Gleichberechtigung von Mann und Frau an der Kirchen- bzw. Pfarrhaustür?" Eine andere Pfarrfrau kritisierte, daß die kirchlichen Vorgesetzten kaum zu einer gemeinsamen Problemanalyse bei Konflikten in jungen Pfarrersehen bereit seien, sondern lediglich in Form von Vorwürfen, persönlichen Schuldzuweisungen und der Vermittlung eines schlechten Gewissens reagieren würden und damit die strukturelle Problematik nicht einbezögen. Von einer älteren Pfarrfrau wurde dagegen darauf bestanden, daß die traditionelle Pfarrfrauenrolle als theologisch und praktisch angemessene Frauenrolle aufrechterhalten werden sollte. Sie schloß mit dem Satz: "Ich war gerne Pfarrfrau und hatte ein reiches, erfülltes Leben. Ich wünsche Ihnen, daß Sie das auch einmal sagen können."


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Wed Jul 5 17:32:57 2000