Nützel, Gerda Ursula: Die Kontextualität der Theologinnenarbeit - dargestellt am Beispiel der Entwicklung in den lutherischen Kirchen Bayerns, Mecklenburgs und Brasiliens

TEIL D: Die Theologinnenarbeit in der Evangelischen Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB)

Kapitel 5. Zusammenfassung und Auswertung: Die Kontextualität der Arbeit von Theologinnen in der IECLB

5.1. Der Bezug der Theologinnenarbeit zur sozioökonomischen Situation von Frauen in Brasilien

5.1.1. Ausbildungsmöglichkeiten

Prinzipiell standen den brasilianischen Frauen der Oberschicht seit dem 19. Jahrhundert qualifizierte schulische Ausbildungsmöglichkeiten in einigen größeren Städten zur Verfügung. Dort konnten sie sich die Zugangsvoraussetzungen zum Universitätsstudium verschaffen. Für eine Erweiterung der


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Bildungschancen der Mehrheit der brasilianischen Frauen trat in den 20er Jahren die damalige Frauenbewegung ein. Einen Rückschlag für diese Bemühungen um Verbesserung und geschlechtsunspezifische Angleichung der Bildungsschancen bedeutete das in den 30er und 40er Jahren im Estado Novo von Getulio Vargas verfolgte Konzept einer weiblichen Bildung, die vor allem auf die Hausarbeit vorbereitete. Mitte der 60er Jahre, als sich die ersten Frauen mit einem pastoralen Berufsziel an der Theologischen Fakultät immatrikulierten, studierte die Mehrheit der insgesamt relativ geringen Anzahl von Studentinnen in Brasilien Sozial- oder Humanwissenschaften, insbesondere Pädagogik. Zu diesem Zeitpunkt war bemerkenswert, daß zum einen die Mädchen durchschnittlich ein Jahr länger als die Jungen die Schule besuchten, zum anderen aber nur 17% der erwerbstätigen Frauen eine mehr als vierjährige Schulzeit absolviert hatten.

Der Zugang zur kirchlichen Hochschule scheint den ersten studierwilligen Frauen zunächst ohne Einschränkungen offen gestanden zu haben. Als sich jedoch ein wachsendes Interesse von Frauen an diesem Ausbildungsweg abzeichnete und es zu Problemen zwischen einer Theologiestudentin und ihren männlichen Kommilitonen kam, erfolgte die Zulassung von Frauen nur unter bestimmten Bedingungen, wie z.B. einem Aufnahmegespräch bei dem zuständigen Kirchenleitungsvertreter und bei Garantie eines guten Benehmens. Ein Stipendium wurde weiblichen Studentinnen erst nach Erweis ihrer Leistungsfähigkeit gewährt. Unter Hinweis auf die beschränkten Wohnmöglichkeiten für Frauen auf dem Gelände der Campusfakultät sollte der Anteil der weiblichen Studierenden zunächst auf eine Anzahl von fünf Studentinnen und dann auf eine Höchstquote von 10% an der Gesamtzahl der Studierenden beschränkt werden.

Ein Teil der Theologiestudentinnen hatte bereits vor dem Studium eine andere Berufsausbildung erworben oder durch Jobs für den eigenen Lebensunterhalt gesorgt. Einige Studentinnen hatten vorher ein anderes Studium begonnen und manche führten ein solches parallel zum Theologiestudium durch. Die Kirchenleitung bot mehreren der Studentinnen Spezialisierungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten in Form von Studienaufenthalten, z.B. in USA und Deutschland, an, um den Magister- oder Doktortitel zu erwerben. Der Frauenanteil an der kirchlichen Hochschule stieg parallel mit der gesellschaftlichen Bildungsexpansion von Frauen auf mehr als 50% Ende der 80er Jahre an. Auf Initiative der Frauengruppe fanden spezifische feministisch-befreiungstheologische Seminare an der kirchlichen Hochschule statt. Durch die Kooperation mit einzelnen Professoren und einer deutschen Gastprofessorin erfuhren sie offizielle Anerkennung. Lediglich eine Theologin führte ihr Theologiestudium an einer staatlichen Fakultät durch. Dessen inhaltliche Gestaltung bestimmte wesentlich die katholische Kirche. Der Anerkennung dieser Ausbildung für die pastorale Mitarbeit in der IECLB ging ein Kolloquium voraus, nachdem die Kirchenleitung die Theologin zur Vertiefung ihrer Kenntnisse der reformatorischen Theologie mit Hilfe eines Studienplans und der Begleitung durch einen Mentor aufgefordert hatte.

Die Theologinnen, die an der kirchlichen Hochschule der IECLB studiert hatten, äußerten in der IECLB-Untersuchung, daß ihnen dort ein klares Konzept christlicher Ethik und Theologie gefehlt habe, das die bürgerliche Individualethik in Frage stellt. Es sei keine methodische Klarheit vermittelt worden, die gesellschaftlichen Probleme und die Bedingungen zu verstehen, die sie konstituieren, um nach einer theologischen Reflexion das pastorale Handeln zu kontextualisieren.

5.1.2. Anstellungsformen

Ein Großteil der brasilianischen Frauen war in den Jahrhunderten seit der Eroberung Lateinamerikas in der Land- und Hauswirtschaft ohne formale Anstellung in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen tätig. Seit der Jahrhundertwende arbeiteten Frauen auch in der Industrie. Ein wachsender Teil nahm qualifizierte Arbeitsplätze im sekundären und tertiären Sektor ein, während gleichzeitig bis in die Gegenwart ein deutlicher Anteil von ihnen in diskontinuierlichen und informellen Beschäftigungsverhältnissen arbeitet. Der Anstellungsstatus der Theologinnen war zunächst unklar. Dann wurden für sie die gleichen Regelungen wie für ihre männlichen Kollegen angewandt, wobei ihnen als geschlechtsspezifisches Privileg der staatlich garantierte Mutterschaftsurlaub von 90 Tagen eingeräumt wurde. Grundsätzlich waren sie jedoch im Status von Selbständigen, die mit der jeweiligen Gemeinde ein Vertragsverhältnis eingingen, in dem sich diese zur Zahlung des für PastorInnen der IECLB vorgesehenen Unterhalts und der Versicherungsbeiträge zur kirchlichen Versorgungskasse FERAP verpflichtete.

Als ein Problem für die Anstellung insbesondere von Theologinnen, die mit einem Berufskollegen verheiratet waren, sah es die Kirchenleitung an, daß es nur wenige Gemeinden gab, die in der Lage waren, für zwei Pastorate aufzukommen. Bis zu Beginn der 80er Jahre war jedoch die Einrichtung eines Pastorats an die Existenz einer Gemeinde gebunden, die die finanziellen Verpflichtungen eines Pastorats tragen konnte. Auch auf Initiative der Theologinnen, die Interesse an flexiblen Anstellungsformen hatten, in denen sie Teilzeit oder im Team arbeiten und mit ihrer Lebensform näher


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bei den Marginalisierten sein konnten, ließ die Kirchenleitung 1983 neue pastorale Anstellungsformen zu, deren kirchenrechtliche Konsequenzen lange nicht vollständig klar waren: TheologInnenehepaar in einem Pastorat, Teampastorat, TheologIn verheiratet mit Nicht-Pastor. Gleichzeitig zeigte die IECLB wenig Bereitschaft zur Bezahlung während des Mutterschaftsurlaubs aufgrund des Selbständigenstatus.

Auch nach der offiziellen Anerkennung der alternativen Formen des Pastorats blieb die Kirchenleitung bei der Praxis, bei TheologInnenehepaaren prinzipiell den Ehemann als Stelleninhaber anzusehen, an den sie die offizielle Korrespondenz richtete und das Weihnachtsgeld der EKD überwies. In vielen Fällen erhielten die Theologinnen sogar nicht einmal die bei der Verabschiedung der alternativen Pastoratsformen vorgesehene Anstellung mit einem Mindestlohn und mit einer entsprechenden Zahlung von Versorgungsleistungen bei der staatlichen Versicherungskasse. Die Kirchenleitung behandelte sie lediglich in der Qualität "Ehefrau".

Alleinstehende Theologinnen und verheiratete Theologinnen, deren Ehepartner einen kirchenfremden Beruf ausübte, sowie Theologinnen, die in alternativen Pastoraten arbeiteten, mußten oft monatelang oder jahrelang auf die offizielle Anstellung und Entlohnung warten. Da manche Pastoren in alternativen Pastoraten schneller berücksichtigt wurden, und da überdurchschnittlich viele Theologinnen in alternativen Pastoraten tätig waren, ist darin eine geschlechtsspezifische Diskriminierung zu sehen.

5.1.3. Arbeitsfelder

Jahrhundertelang ist die Mehrheit der brasilianischen Frauen in der Haus- und Landwirtschaft tätig gewesen. Durch die Industrialisierung und die Abwesenheit der Männer infolge des Kriegseinsatzes gerieten sie auch in den sekundären Bereich. Später übernahmen sie Aufgaben vor allem im tertiären Bereich, z.B. in Schulen und Büros, im Gesundheitswesen und im Dienstleistungsbereich. Die Vorschläge der brasilianischen Kirchenleitung beim Wechsel der ersten examinierten Theologinnen in kirchliche Arbeitsfelder orientierten sich an den auch in Deutschland üblichen Arbeitsfeldern für Theologinnen wie übergemeindlicher Dienst im Bereich der Kinder-, Jugend- und Frauenarbeit, Krankenseelsorge, Sozialarbeit und Religionspädagogik. Dagegen schienen ihnen Landgemeinden nicht geeignet aufgrund der physischen Anstrengungen bei vielen Predigtplätzen sowie der konservativen Mentalität, die sie den Landgemeinden zuschrieben.

Die Theologinnen selbst strebten z.T. aufgrund ihrer Vorerfahrungen Tätigkeiten im Bereich übergemeindlicher Tätigkeiten wie Jugendarbeit oder Seelsorge an. Teilweise wollten sie jedoch Gemeindepastorinnen werden. Dies gelang durch das Beharren und den Erfolg von Rita Panke als erster Gemeindepfarrerin. In den folgenden Phasen waren die Theologinnen etwa zur Hälfte in gemeindlichen Arbeitsfeldern, vor allem Landgemeinden, und zur Hälfte in alternativen Arbeitsfeldern tätig, die stärker eine sozialpolitische Prägung hatten (Indigena-, Gesundheits-, Peripheriearbeit sowie Bewußtseinsarbeit mit Betroffenen von Staudammprojekten) bzw. im schulischen Bereich lagen oder in der übergemeindlichen Frauenarbeit angesiedelt waren.

5.1.4. Arbeitsbedingungen

Ihre Wohnbedingungen bezeichneten die meisten Theologinnen als gut. Theologinnen, die in Gemeinden tätig waren, wohnten oft in einem der Gemeinde oder der Kirche gehörenden Pfarrhaus, während Theologinnen, die in alternativen Pastoraten arbeiteten, sich oft selbst eine Privatwohnung besorgt hatten. Eine ledige Theologin setzte entgegen den Gemeinderwartungen durch, daß sie alleine im Pfarrhaus wohnte und ein gastfreies Haus führte. Dagegen bekam eine junge alleinstehende Theologin über längere Zeit keinen eigenen Wohnraum von ihrer Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Die meisten Theologinnen, insbesondere Gemeindepastorinnen, verfügten über einen Dienstwagen. Theologinnen, die in einem Projekt arbeiteten, bekamen teilweise durch die Vermittlung des Projektträgers ein Fahrzeug. Schwierigkeiten mit den notwendigen Absprachen hatten manche TheogInnenehepaare in einem Pastorat, die sich einen Wagen teilen mußten.

Als Problem empfanden es viele Theologinnen, ihre berufliche Arbeit mit einem befriedigenden Privatleben zu verbinden. Für verheiratete Theologinnen mit Kindern war vor allem die ungeregelte Arbeitszeit ein Problem, wobei sie es in unterschiedlicher Form lösten, einige mit Hilfe einer Hausangestellten, manche durch teilweise oder völlige Aufgabe der Berufstätigkeit. Entsprechend dem Anstieg verheirateter erwerbstätiger Frauen in der brasilianischen Gesellschaft ist jedoch auch bei einem großen Teil der erwerbstätigen IECLB-Theologinnen eine Verbindung zwischen Erwerbsarbeit und Familienarbeit zu beobachten. Probleme sah vor allem auch die Kirchenleitung auf verheiratete Theologinnen aufgrund ihrer Lebensform zukommen. Waren sie mit einem Ehemann verheiratet, der einen anderen Beruf ausübte, galten sie als nicht allgemein verfügbar. Waren sie mit einem


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Berufskollegen verheiratet, befürchtete die Kirchenleitung eine Konkurrenz zwischen den Ehepartnern und sah Schwierigkeiten darin, daß nur wenige Gemeinden zur Bezahlung von zwei vollen Pfarrgehältern in der Lage waren. Zugleich legte sie die Pastorin in dieser Konstellation auf die Rolle der Ehefrau fest, die sich - wie die Pfarrfrauen der vorherigen Generationen - "mit der durch das Ehepaar übernommenen Arbeit identifiziert“. Obwohl die Kirchenleitung eine vorbildliche christliche Lebensführung der Pfarrfamilie anstrebte, nahm sie zugleich bei der Entsendung der Pastorinnen wenig Rücksicht auf deren familiäre Situation und war nur in einzelnen Fällen bereit, während des Mutterschaftsurlaubs, der den Theologinnen wie allen brasilianischen Arbeitskräften zustand, eine Vertretung zu bezahlen.

Die Lohndifferenz, die in der brasilianischen Gesellschaft entsprechend den Kriterien Geschlecht, Alter, Familienstand, Hautfarbe, Qualifikationen bestand, zeigte sich teilweise auch bei dem Gehalt der Theologinnen im Verhältnis zu dem ihrer männlichen Kollegen. Sie war stark von ihrer Lebensform, vom Arbeitsbereich und von der Region abhängig. Alleinstehende Theologinnen, die in traditionellen Gemeinden tätig waren, erhielten in der Regel den von der IECLB für ihre Pastoren vorgesehenen Lohn in Höhe von fünf Mindestlöhnen plus Ortszuschlag und Dienstalterzulage. Diese Zulage legte in der Regel die Gemeinde fest. Manche Gemeinden verdoppelten dadurch den Grundlohn. Theologinnen, die mit Männern anderer Ausbildung verheiratet waren und in einer Gemeinde tätig waren, erhielten in der Regel auch ihren Lohn in der regulären Höhe. Dagegen mußten Theologinnen, die in Projekten arbeiteten, oft erhebliche Zeit auf eine finanzielle Entgeltung ihrer Arbeit warten. Sie erhielten oft lediglich den Grundlohn ohne Zulagen.

Am kompliziertesten stellte sich die Situation von Theologinnen dar, die mit einem Berufskollegen verheiratet waren. Wenige dieser Theologinnen erhielten wie ihr Ehemann ein volles Gehalt. Lediglich in einem Fall hatte die Theologin die voll bezahlte Stelle übernommen und ihr Ehemann eine Teilstelle. In vielen anderen Fällen verhielt es sich umgekehrt: Die Theologin hatte eine Teilstelle im gemeindlichen oder übergemeindlichen Bereich und erhielt dafür ein bis drei Mindestlöhne. Die Theologinnen waren mit diesen Einzelfallregelungen unzufrieden und forderten transparente Regelungen. Diese erschienen insbesondere innerhalb der Projektarbeit möglich. Die jeweiligen Mittel dafür beantragte und verwaltete die Kirchenleitung. Hinzu kam, daß sich die ökonomische Lage Brasiliens im Laufe der 80er Jahre dramatisch verschärft hatte und ein PastorInnengehalt kaum noch ausreichte für den Unterhalt einer Mittelschichtsfamilie. Gleichzeitig betonten viele der Theologinnen, daß ihre Entlohnung wesentlich besser war als die der Mehrheit der brasilianischen Frauen, die nur über ein Einkommen von bis zu 1,5 Mindestlöhnen verfügten. Theologinnen, die nicht mit einem Berufskollegen verheiratet waren, erhielten durchschnittlich eine bessere Entlohnung als Frauen in anderen qualifizierten Berufen, die nur 40-60% des jeweiligen Männerlohns erhielten.

Abhängig von der Besoldung der Theologinnnen waren auch ihre Beiträge zur Sozialversicherung. Ledige und verheiratete Theologinnen in vollen Pastoratsstellen in Gemeinden und Projekten zahlten ihre Anteile zur kirchlichen Versorgungskasse FERAP. Die Gemeinden bzw. bei Projekten die Kirchenleitung leisteten den Arbeitgeberanteil. Bei Theologinnen, die teilbeschäftigt waren bzw. sich mit ihrem Ehemann das Pastorat teilten, war in der Regel der Ehemann voll in der kirchlichen Versorgungskasse versichert, während die Theologin überhaupt nicht versichert war oder lediglich Anteile über ein bis zwei Mindestlöhne an das staatliche Versorgungssystem bezahlte. Nur in einem Fall war es umgekehrt. Dies war auch erst seit Inkrafttreten der neuen brasilianischen Verfassung von 1988 möglich, die die gleichen Rechte und Pflichten für Männer und Frauen in ehelichen und unehelichen Lebensgemeinschaften festegte.

5.1.5. Geschlechterverhältnis und Berufsbild

Während in der brasilianischen Gesellschaft praktisch in vielen Familien, vor allem in den Städten, ein Bruch mit der Ideologie stattgefunden hat, daß der Mann Familienernährer und alleiniger Entscheidungsträger sei, versuchte die Kirchenleitung der IECLB so weit es ging, an diesem Familienideal festzuhalten. Obwohl sie seit Ende der 70er Jahre einen stärker egalitären Diskurs hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses vertrat und dieses auch in der Ökumene präsentierte, versuchte sie vor allem bei TheologInnenehepaaren eine geschlechtshierarchische Lebensform durchzusetzen. Die Theologinnen verstand sie eher als nebenerwerbstätige Ehefrauen. Allerdings erkannte die Kirchenleitung bei ihren Neuregelungen der Richtlinien für das pastorale Amt die Existenz von Theologinnen an und betonte auch in offiziellen Stellungnahmen die gleiche, teilweise sogar größere Kompetenz von Theologinnen für die pastorale Arbeit, mit Ausnahme in den Gemeinden im Landesinneren mit vielen Filialgemeinden.

Die Theologinnen, die ein egalitäres, ein komplementäres oder ein frauenzentriertes Verständnis der Geschlechterdifferenz hatten, vertraten entsprechend unterschiedliche Konzeptionen der pastoralen Arbeit. So verstanden manche ihre Arbeit als gleichartig der ihrer männlichen Kollegen. Andere plädierten


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eher für eine Kooperation von Mann und Frau aufgrund ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten. Die jüngeren Theologinnen wollten mit ihrer Arbeit vor allem den unterdrückten und armen Frauen eine Möglichkeit der Bewußtseinsbildung und Befreiung bieten.

Sie sahen in Kirche wie Gesellschaft die gleiche geschlechtshierarchische und rassistische Herrschaftstruktur, daß weiße Männer der Mittelschicht die Leitungspositionen innehatten und die Frauen an der Basis wichtige Aufgaben wahrnahmen, wobei einzelne von ihnen in Leitungsaufgaben eingebunden wurden. Insgesamt würden Frauen immer mehr Räume erobern. Die Kirche sahen sie gleichzeitig als eine Institution, die mit ihrer Dienstideologie Frauen mancherorts klein hielt, auf dem Land aber oft den einzigen Treffpunkt für Frauen darstellte, um eigenes Bewußtsein zu erlangen.

5.1.6. Berufliche Organisation der Theologinnen

Der Zusammenschluß der Theologinnen vollzog sich parallel zur Organisierung von Frauen in verschiedenen Bewegungen und Gruppen im gesellschaftlichen Bereich, die sich für eine Transformation der Gesellschaft und insbesondere der Frauenrealität seit Beginn der 80er Jahre einsetzten und dafür Konferenzen und berufsbezogene Versammlungen veranstalteten. Die Organisierung der Theologinnen begann mit dem Zusammenwohnen der Frauen im Frauenflügel der Fakultät und erhielt wesentliche Impulse durch die Gründung der Frauen-Wohngemeinschaft außerhalb der Fakultät. Die Veranstaltung von feministisch-theologischen Seminaren an der kirchlichen Hochschule bot Möglichkeiten zur qualifizierten Arbeit. Charakteristisch für die Organisierung der brasilianischen Theologinnen ist ihre Suche nach Kontakten mit den Frauen anderer kirchlicher Frauenberufe wie den Katechetinnen sowie die Kooperation mit Gesellschaftswissenschaftlerinnen zur Analyse der brasilianischen Frauenrealität. Eine wichtige Rolle spielten auch die ökumenischen Treffen mit den Theologinnen anderer Konfessionen und Kontexte. Für die Theologinnen selbst waren ihre jährlichen Treffen wichtig, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen, eine feministische Analyse der gesellschaftlichen, kirchlichen und theologischen Situation vorzunehmen, Konzeptionen für spezielle Frauenpastorate aufgrund einer feministischen Perspektive zu entwerfen, als Berufsgruppe geschlechtshierarchische Diskriminierungen in den Arbeitsbeziehungen zu bekämpfen, statt sich als Einzelfall behandeln zu lassen.

5.1.7. Das Verhältnis zu den anderen Frauen im gesellschaftlichen Kontext

Angesichts der großen Differenzen in den Lebensverhältnissen brasilianischer Frauen aufgrund ihrer sozioökonomischen Klassenzugehörigkeit ordneten sich die Theologinnen eindeutig der Mittelschicht zu, entsprechend ihrer ökonomischen Verhältnisse bezüglich Lohn, Wohnung, Ernährung, Kleidung, Bildungs-, Rede- und Entscheidungsmöglichkeiten, Zugang zu Information und Kommunikation, Reisemöglichkeiten. Einige nahmen ihre Einordnung aufgrund ihrer Ausbildung zur denkenden Elite vor. Ihren Umgang mit ihrer privilegierten Stellung wollten sie verantwortlich und bewußt wahrnehmen, um damit die Marginalisierten zu befähigen, ihre Situation zu verbessern. Sie wollten diese im Konfliktfall unterstützen und ihnen helfen, eigene Kompetenzen zu entwickeln und den theologischen Diskurs weiterzuentwickeln, daß er zum Erkennen und Reflektieren dieser Situation sowie einer befreienden Verkündigung nützlich werde. Die Theologinnen wollten ihren Beitrag zu den Volksbewegungen leisten. Sie kritisierten die Arbeit der Frauenhilfegruppen, soweit diese nur zur Elitebildung innerhalb der Gemeinde beitrugen und nicht die Lebensrealität der marginalisierten Frauen im Blick hatten. Diese Zielsetzung hatte für die meisten Theologinnen der IECLB in den 80er Jahren Priorität. Sie strebten die Befreiung und Selbstbestimmung aller Frauen und aller anderen Unterdrückten an und entwickelten Pastoratsformen, in denen sie spezifische Aspekte der Lebensrealität von Frauen in befreiender Weise mitleben und verändern wollten: Indigenasfrauen, Peripheriebewohnerinnen, Mädchen, OASE-Frauen, kranke Frauen. Auch die Idee des ökumenischen Zentrums eines Frauenpastorats zielte darauf ab. Allerdings wiesen sie bei ökumenischen Treffen auch wiederholt darauf hin, daß die sogenannten Frauenfragen in der Regel gesellschaftliche Probleme seien und nicht nur Frauen betreffen.

5.1.8. Explizite Äußerungen

Mitglieder der Kirchenleitung der IECLB verwiesen 1980 zunächst auf den gesellschaftlichen Machismo, um die verspätete Entwicklung der Theologinnenarbeit zu begründen. Auch in der Gegenwart erschwere es die Tradition des dominanten, autoritär geprägten Auftretens von Männern in der Öffentlichkeit, daß die Theologinnen eine eigene Weise des Pastorats entwickeln. Im Unterschied zur Zeit Jesu sei die gegenwärtige Gesellschaft jedoch mit dem Prinzip der Gleichberechtigung konfrontiert, das sich allmählich durchsetze. Entsprechend mußten die Theologinnen wie andere erwerbstätige Ehefrauen und Mütter im brasilianischen Kontext nach Möglichkeiten einer Vereinbarung von Familie und Beruf suchen. Die männlichen Kollegen der Theologinnen befürchteten, daß die


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Theologinnen wie Frauen in anderen Berufen bereit wären, zu einem geringeren Lohn zu arbeiten. Damit könnten sie den Kämpfen der Pastoren um Lohnerhöhungen schaden.

Die Kirchenleitung wies bei der Konzeption der "neuen Formen des Pastorats" darauf hin, daß nach der damaligen brasilianischen Verfassung der Mann nicht finanziell von seiner Ehefrau abhängig sein konnte und eine Teilung der Versicherungsleistungen zur kirchlichen Versorgungskasse FERAP nicht möglich sei. So waren die geschlechtshierarchischen Regelungen des Kontextes auch für kirchliche Regelungen maßgeblich. Entgegen diesem Verweis der Kirchenleitung auf die geschlechtshierarchischen Bestimmungen im gesellschaftlichen Kontext wies eine Gemeinde auf die gesellschaftliche, in der Kirche bisher unzureichend beachtete Norm hin, daß jeder Mensch für seine Arbeit bezahlt werde und nicht die Ehefrau umsonst mitarbeite. Die Theologinnen hielten eine umfassende Transformation der gesellschaftlichen und kirchlichen Arbeit für nötig, die sie gleichermaßen von machistischen, autoritären, rassistischen und sexistischen Strukturen geprägt sahen, die der Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems dienten. Ihr Ziel war eine Befreiung der Frauen in Gesellschaft und Kirche. Sie hielten dafür eine Veränderung und Beachtung der nationalen und internationalen Kontextbedingungen nötig.

5.2. Der Einfluß der kirchlich-institutionellen Strukturen auf die Entwicklung der Theologinnenarbeit

5.2.1. Die Partizipation verschiedener kirchlich-institutioneller Organe

Die Entwicklung der Theologinnenarbeit wurde zunächst durch die Zustimmung einiger kirchenleitender Personen zum Studienbeginn einzelner Frauen an der kirchlichen Hochschule und dann zum mehrmonatigen Gemeindepraktikum ermöglicht. Als zweite institutionelle Größe spielte der Rektor und das Kuratorium der erst Ende der 40er Jahre gegründeten kirchlichen Hochschule eine wichtige Rolle mit ihren Überlegungen zur Anzahl der Theologiestudentinnen und der Praxis der unbeschränkten Aufnahme. In einer späteren Phase gingen von dort strukturelle Analysen über die Insuffizienz der bisherigen Regelungen und Anregungen für die Einsetzung einer Kommission zur Erarbeitung "neuer Formen des Pastorats" aus. Der Leitungsrat der erst 1968 offiziell gegründeten IECLB spielte zunächst beim Übergang der Theologinnen in den Pfarrberuf eine sehr restriktve Rolle. Er stellte eher zögerlich überhaupt Überlegungen zur Verwendung der Theologinnen an und wollte dann diese als überregionale Koordinatorinnen der kirchlichen Frauenhilfe einsetzen. Erst angesichts der bestandenen Examina einiger Theologinnen stellte er praktische Überlegungen an. Angesichts der gelingenden Praxis der ersten Gemeindepastorinnen griff er dann das ökumenische und kirchliche Interesse auf und schickte die Theologinnen als Attraktionen zu kirchlichen Veranstaltungen, politischen Treffen und ökumenischen Ereignissen. Mit dem Interesse an alternativen Pastoraten hatte die Kirchenleitung eher Schwierigkeiten, obwohl sie offiziell als missionarische Kirche mit Bezug auf die gesellschaftliche Realität Brasiliens wirken wollte. Sie ließ sich jedoch darauf ein, daß eine Kommission, in der Vertreter der Kirchenleitung, Hochschulprofessoren, Pastorinnen und Theologiestudentinnen vertreten waren, Vorschläge für neue Konzeptionen des Pastorats entwarf und akzeptierte diese. Ihr eigenes Interesse war es vor allem, Regelungen für TheologInnenehepaare und Theologinnen zu finden, deren Ehepartner einen anderen Beruf hatte. In der Praxis blieb es oft bei einem geschlechtshierarchischen Umgang, z.B. indem Theologinnen nur in der Qualität der Ehefrau ihres Mannes betrachtet wurden. Auch nach der Verabschiedung der neuen Formen des Pastorats war die Kirchenleitung teilweise wenig hilfreich, Theologinnen bei der Gemeindesuche zu unterstützen. Allerdings erkannten sie bei der Überarbeitung der Richtlinien für das pastorale Amt die Existenz der Theologinnenarbeit durch entsprechende Formulierungen und die Regelung des Mutterschaftsurlaubs als spezielle Form der Beurlaubung an. Das Generalkonzil der IECLB scheint nur bei der Verabschiedung der neuen Richtlinien für die pastorale Arbeit beteiligt gewesen zu sein. Die Versicherungskommission, die mit der Verfahrensregelung für die Regelungen der Versicherungsfragen hinsichtlich der neuen Formen des Pastorats beauftragt worden war, legte offensichtlich längere Zeit keinen ausgearbeiteten Vorschlag vor.

Institutionelle Organe auf der nachgeordneten Ebene scheinen teilweise vermittelnd, so der
Distriktspfarrer im Falle Lori Altmanns, oder parteilich, wie z.B. im Falle Marga Rothes, eingegriffen zu haben. Einzelne Referenten in der kirchlichen Verwaltung der IECLB verhielten sich dagegen eher restriktiv und diskriminierend gegenüber der Theologinnenarbeit.

5.2.2. Die Einmischung weiterer Gruppierungen, Einzelpersonen und Institutionen

Zur Realisierung ihres Studienwunsches wurden viele Theologinnen von Menschen aus ihrem Lebenskontext ermutigt, die in einer engen Beziehung zur Kirche standen, wie Pfarrer und Pfarrfrauen, Religionslehrer und Diakonissen. In ihren Herkunftsfamilien stieß ihr Berufswunsch dagegen nur


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manchmal auf Unterstützung, öfter jedoch auch auf heftige Ablehnung. Manche Professoren an der kirchlichen Hochschule nahmen die Theologinnen eher mit Zurückhaltung auf, akzeptierten sie dann aber nach Erweis ihrer intellektuellen Fähigkeiten. Das feministisch-theologische Engagement der Frauengruppe an der Fakultät befremdete zuerst die Mehrzahl der Professoren. Einzelne unterstützten es dann jedoch in der Form, daß sie feministische Themen in offizielle Seminare aufnahmen. Mehrere Theologinnen erhielten von Dozenten der kirchlichen Hochschule eine Empfehlung für ein Auslandsstipendium.

In den Bemühungen um die Anerkennung der alternativen Pastorate und beim Gewinnen von Aufmerksamkeit für diskriminierende Umgangsformen der Kirchenleitung mit der Theologinnenarbeit spielte die kirchliche Hochschule seit Anfang der 80er Jahre eine große Rolle, da von dort mehrmals größere Öffentlichkeitsaktionen ausgingen, z.B. durch offene Briefe. Auch einzelne Leiter kirchlicher Institutionen und Einrichtungen, wie der Präsident der Indianermissionsrates, Pastor Gierus, sowie die Kirchenzeitung der IECLB unterstützten durch Analysen und Veröffentlichungen die Theologinnen bei dem Versuch, Anerkennung für die von ihnen entwickelten neuen pastoralen Arbeitsformen zu finden. Die jungen Theologinnen, die in Gemeinden gingen, wurden dort nach einer ersten Kennenlernphase oft sehr gut akzeptiert aufgrund ihrer klareren Sprache und ihres weniger autoritären Auftretens. Probleme mit der Akzeptanz durch die Gemeinde hatten vor allem TheologInnenehepaare, deren Gemeinden oft ihr Bemühen um eine gleichberechtigte innerfamiliäre Arbeitsteilung nicht akzeptierten, sondern die Erwartung nach einem traditionellen Pfarrer und Pfarrfrau äußerten. Manche Gemeinden sahen in der Anstellung eines Theologlnnenehepaares auch eine günstige Möglichkeit, zwei qualifizierte Arbeitskräfte für einen Lohn zur Verfügung zu haben.

Am schwierigsten war für die Theologinnen das Verhalten mancher ihrer männlichen Kollegen. Manche belästigten sie z.T. schon während des Studiums mit der Projektion, die Frauen würden sich dort lediglich "einen Mann jagen" wollen. In der Berufspraxis waren einige Pastoren neidisch auf die besondere Aufmerksamkeit, die die Existenz der ersten Pfarrerinnen erregte und schwankten zwischen Konkurrenz- und Ignoranzverhalten. In anderen Fällen kam es aber auch zu einer gelingenden Teamarbeit und Unterstützung für das Engagement der Theologinnen, daß ihre Arbeit anerkannt wird. Einen wichtigen Rückhalt stellten der Zusammenschluß der Theologiestudentinnen zu einer Frauengruppe und die Treffen der Pastorinnen mit den Theologiestudentinnen und mit den Katechetinnen sowie mit den Theologinnen anderer Kirchen und Länder dar.

5.2.3. Das Verhältnis zu gesamtkirchlichen und ökumenischen Zusammenschlüssen

Ein Vertreter der Kirchenleitung, der Anfang der 70er Jahre an der Diskussion über die Theologinnenarbeit beteiligt war, berichtete, daß die Position in der Ökumene zur Theologinnenarbeit keine Rolle bei den Entscheidungen der IECLB gespielt habe Auch in den Dokumenten findet sich kein spezieller Hinweis darauf. Hinsichtlich der Überlegungen für Arbeitsfelder der Theologinnenarbeit scheinen allerdings die Regelungen in den deutschen Kirchen eine gewisse Beachtung gefunden zu haben.

Als die Gemeindepraxis der ersten Pastorin in der IECLB erfolgreich war, wurde diese zur Profilierung der IECLB als fortschrittlicher Kirche zu ökumenischen Treffen geschickt. Auch andere Theologinnen vertraten die IECLB bei Versammlungen des LWB und ÖRK in aller Welt. Innerhalb Brasiliens war die IECLB offensichtlich die erste Kirche, die Frauen ordinierte. Sie hatte damit einen Innovationseffekt für die anderen Kirchen.

Die Mehrzahl der Theologinnen pflegte in den 80er Jahren vor allem die ökumenischen Kontakte durch eine gemeinsame Arbeit vor Ort. Im Studium hatten sie durch die isolierte Lage der kirchlichen Hochschule nur vereinzelt Möglichkeiten zur Begegnung mit anderen Konfessionen und Religionen. Lediglich eine Theologin studierte an einer staatlichen Fakultät, wo die katholische Theologie prägend war. Mehrere Theologinnen verbrachten jedoch einen Teil ihres Studiums oder eine Qualifizierungsphase nach Studienabschluß in anderen Ländern und sammelten dort ökumenische Erfahrungen. Insbesondere die Theologinnen in missionarischen Pastoraten der Konvivenz arbeiteten oft in ökumenischer Kooperation. Diese fand in Form von gesellschaftlich-politischem Engagement, gemeinsamer Bibellektüre, ökumenischen Gottesdiensten und Seminaren statt. Insbesondere Ende der 80er Jahre gewannen für die feministisch-theologische Reflexion der pastoralen Arbeit ökumenische Theologinnentreffen große Bedeutung. Gleichzeitig kritisierten manche Theologinnen die weltweiten ökumenischen Bewegungen, da deren Ergebnisse für die Basisarbeit wenig Relevanz zeigten.

5.2.4. Der Einfluß der staatskirchenrechtlichen Verhältnisse

Explizite Erwähnung fanden die staatskirchenrechtlichen Verhältnisse Anfang der 80er Jahre, als die Kirchenleitung angesichts der Regelung der Versorgungsbezüge in alternativen Pastoraten feststellte,


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daß laut brasilianischer Verfassung der Mann nicht von der Frau ökonomisch abhängig sein könne. Ein Engagement der Kirche für eine Gleichberechtigung der Geschlechter in der brasilianischen Gesellschaft scheint jedoch aus diesem Konflikt nicht erwachsen zu sein, obwohl die IECLB Anfang der 70er Jahre nach einer intensiven Diskussion in der Erklärung von Curitiba ihre prophetische Verantwortung für die Demokratisierung und Neuordnung Brasiliens öffentlich deutlich gemacht hat. Umgekehrt bewirkte Ende der 80er Jahre die Überlegung einer Theologin, die Beschränkung eines TheologInnenehepaares auf eine Pfarrstelle hinsichtlich ihrer Verfassungsgemäßheit vor einem staatlichen Gericht prüfen zu lassen, daß ihre Arbeit zumindest eine minimale Anerkennung fand. Die Aufgabe einer sozioökonomischen Analyse der Frauensituation als eine Form des Beitrags zur von der IECLB angestrebten politischen Verantwortlichkeit als Kirche im Kontext Brasiliens nahmen in den 80er Jahren hinsichtlich des Frauenaspektes vor allem die Theologinnen wahr. Die Änderung der brasilianischen Verfassung hinsichtlich eines gleichberechtigten Teilens der familiären und beruflichen Verantwortung zwischen Frauen und Männern 1988 fand bei der Kirchenleitung offenbar keinerlei Beachtung als Impuls für die eigene rechtliche Gestaltung.

5.2.5. Die Beteiligung an der Transformation kirchlicher Arbeitsfelder

Der Beginn der Theologinnenarbeit in der IECLB fiel in eine Phase der innerkirchlichen Neuorientierung über die Prioritäten kirchlichen Handelns in bezug auf die Herausforderungen des gesellschaftlichen Kontextes. Die ersten Überlegungen der Kirchenleitung zielten auf eine Übernahme vor allem übergemeindlicher Arbeitsfelder durch die Theologinnen, in denen bis dahin kaum pastorale Mitarbeiter - aufgrund des kirchlichen Selbstverständnisses und des Pfarrermangels bei der Versorgung der Gemeindeglieder - tätig gewesen waren. Die ersten Theologinnen strebten jedoch ein Gemeindepfarramt an, da ihrer Meinung nach auch für sie Basiserfahrungen in der Gemeinde für die Übernahme übergemeindlicher Aufgaben eine sinnvolle Voraussetzung waren.

Ein Interesse an einer pastoralen Arbeit außerhalb der tradititonellen Gemeinden kam bei ihnen angesichts der Diskussion um alternative Pastorate auf, deren Arbeitsfelder in gesellschaftlichen Brennpunkten wie Indigena-Arbeit oder Peripheriearbeit lagen. Bei dieser Tätigkeit sahen sie sich mit strukturellen Problemen der IECLB konfrontiert, die die Migrationsprozesse ihrer Mitglieder zur Gründung von immer mehr Gemeinden und Arbeitsfeldern herausforderten, obwohl gleichzeitig ihre Gesamtmitgliederzahl abnahm. Ein Akzent der Veränderung der kirchlichen Arbeitsfelder durch die Theologinnenarbeit lag auch in den dadurch verstärkten ökumenischen Kontakten vor Ort, den Beziehungen zu verschiedenen Volksbewegungen sowie dem Umgang mit verschiedenen kulturellen und religiösen Traditionen.

5.2.6. Der Einfluß auf die Entwicklung des pastoralen Berufs

Die ersten Theologinnen versuchten innerhalb des traditionellen Gemeindepfarramts eine Veränderung vorzunehmen, indem sie sich weniger autoritär verhielten. Sie pflegten einen eher demokratischen oder partizipatorischen Arbeitsstil. Während zu Beginn ihres Eintritts in den Pfarrberuf eher PastorInnen zur Gewährleistung der Gemeindegrundversorgung fehlten, sah sich die Kirchenleitung im Laufe der Zeit mit der Frage von Teilbeschäftigung, Stellenteilung, Gestaltungsformen für die Arbeit eines TheologInnehepaares bzw. einer TheologIn konfrontiert, dessen EhepartnerIn in einem anderen Beruf arbeitete. Gleichzeitig gab es Bestrebungen mancher Theologinnen, das Maß für die Subsistenz von TheologInnen nicht in der Mittelschichtszugehörigkeit, sondern in der Nähe zu den Marginalisierten zu suchen, mit denen sie im Pastorat der Konvivenz zusammenlebten und arbeiteten. Gleichzeitig verringerte sich der Kaufwert eines Pfarrlohns infolge der ökonomischen Lage Brasiliens dramatisch. Die Theologinnen stellten durch ihre Reflexionen neu die Frage nach dem Bezug zwischen Pastorat und Gemeinde bzw. Arbeitsfeld. Sie erprobten die pastorale Arbeit in neuen missionarischen Arbeitsfeldern. Durch ihre Beurlaubungen infolge Schwangerschafts- und Erziehungszeiten setzten sie in der Praxis durch, daß eine Unterbrechung der pastoralen Berufstätigkeit möglich war. Mancherorts wurden Vertretungen organisiert.

5.2.7. Der Einfluß der Situation von Frauen in der Kirche auf die Entwicklung der
Theologinnenarbeit

Manche der ersten theologisch interessierten Studienanfängerinnen waren von Frauen in kirchlichen Arbeitsverhältnissen wie Diakonissen, Pfarrfrauen, Katechetinnen in ihrem Studienwunsch unterstützt worden. Die Idee der Kirchenleitung, examinierte Theologinnen als Koordinatorinnen der Frauenhilfsarbeit OASE einzusetzen, stieß jedoch bei diesen auf Ablehnung. Auch die Theologiestudentinnen, die sich an der kirchlichen Hochschule zu einer feministisch-theologischen Frauengruppe zusammenfanden, kritisierten die traditionelle Arbeit der OASE-Gruppen und forderten eine Berücksichtigung anderer Frauen und Organisationsformen. Einige der Theologinnen engagierten


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sich für eine Veränderung der OASE-Gruppen vor Ort oder als regionale Orientatorinnen auf regionaler Ebene. Manche Theologinnen gründeten neue Frauengruppen, teilweise auch ökumenisch orientiert. Dies geschah vor allem in den Neusiedlungsgebieten und in alternativen Arbeitsfeldern, wo oft nur wenige lutherische Gemeindeglieder unter anderen Frauen lebten. Ein Ziel vieler Theologinnen für eine Neuorientierung der kirchlichen Frauenarbeit war es, daß die Mittelschichtszugehörigkeit der OASE-Frauen nicht mehr als Ghetto wirken sollte, sondern sie sich um die Lebensrealität der anderen Frauen, vor allem der marginalisierten Frauen in ihrem Kontext kümmern sollten. Ein zweiter Aspekt war, Frauen zu befähigen, Leitungpositionen in der Kirche einzunehmen und die sozioökonomische Situation zu reflektieren. Frauen wurden in den Leitungsrat der IECLB gewählt. Neben den OASE-Frauen waren auch die Katechetinnen und Diakonissen teilweise wichtige Kooperationspartnerinnen der Theologinnen.

5.3. Theologische Aspekte der Entwicklung der Theologinnenarbeit

5.3.1. Geschlechterverhältnis

Die Mehrzahl der ersten Theologinnen vertrat unter Hinweis auf die Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau ein egalitäres Geschlechterverhältnis: Männer und Frauen sind gleichermaßen fähig, die Anforderungen des Pfarramtes zu bewältigen. Eine Theologin plädierte für ein stärker komplementäres Verständnis unter Hinweis auf jeweils unterschiedliche Kompetenzen von Männern und Frauen. Die Kirchenleitung vertrat in ihrer theologischen Begründung ein egalitäres Verständnis, sah sich jedoch aufgrund verschiedener Aspekte zu einer Berücksichtigung geschlechtshierarchischer Stereotypen veranlaßt. So stellte sie die Behauptung auf, Frauen seien von Natur aus schwächer und deshalb nicht in der Lage, Landgemeinden mit vielen Familien zu versorgen. Die Gesellschaft sei machistisch und dies wirke sich auch in Form einer konservativen Mentalität der Landgemeindemitglieder aus. Prinzipiell sei jedoch ein großer Unterschied zu der Gesellschaft zur Zeit Jesu festzustellen, die durch eine starke Unterdrückung der Frauen gekennzeichnet war, aus der Jesus Frauen befreite. Aufgrund des gesellschaftlichen Usus seien vor allem die Frauen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Sexualität verpflichtet. Es bestehe die Gefahr, daß Männer vom Inhalt der Rede einer Frau durch ihr Äußeres abgelenkt würden. Wegen ihrer Mutterschaft können sie in Konflikte zwischen Beruf und Familie kommen, die sie in Absprache mit dem Gemeindevorstand und dem Ehemann, wie andere Frauen in dieser Situation, bewältigen müssen. Allerdings sahen sie auch die Gefahr, daß die Frauen trotz dieser Handicaps, wegen ihres sympathischeren Auftretens, eine Konkurrenz für männliche Theologen darstellen könnten. Dies könnte insbesondere für TheologInnenehepaare ein Problem werden.

Die Theologinnen, die in den 80er Jahren ihr Studium abschlossen und in den Pfarrberuf gingen, vertraten vor allem ein feministisch-befreiungstheologisches Geschlechterverständnis. Sie gingen von einer Analyse der Realität von Frauen in Gesellschaft und Kirche aus und stellten die patriarchalen Denkmuster in Frage. Sie wiesen auf die Differenz von Frauen verschiedener Klassen hin und riefen die Frauen dazu auf, mit diesem Unterschied bewußt umzugehen. Sie forderten eine Teilnahme der Frauen an Leitungspositionen und Ausbildung. Ihrer Meinung nach hatten die Frauen eine umfassendere Realitätssicht als die Männer, da sie in ihren verschiedenen Lebensbereichen existenziell mit Fragen von Leben und Tod konfrontiert waren. Sie bezogen sich auf biblische Frauengestalten wie Hanna, Maria und Jael, die Hoffnung für ihr Volk bedeuteten.

5.3.2. Biblische Hermeneutik

Die Kirchenleitung der IECLB sah keinen Anlaß zu biblischen Einwänden gegen die Mitarbeit von Theologinnen im pastoralen Amt und ihre Ordination. Sie ging vielmehr von der Gleichheit und Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau vor Gott aus, die durch die Beteiligung von Frauen sogar noch deutlicher verkündigt werden könnte. Jesus habe die Frauen aus der Unterdrückung befreit. Das Neue Testament schildere Frauen als Trägerinnen des Geistes und Paulus berichte von ihrem Predigen. Die Theologinnen beschäftigten sich in den 80er Jahren unter Verwendung einer feministisch-befreiungstheologischen Hermeneutik mit den Frauen in der Bibel und sahen in ihnen Paradigmen für ihr eigenes Engagement. So interpretierten sie Ruth, Debora, Maria, Jael als Frauen, die im Zentrum der Konflikte, im Kampf der Verzweiflung sich engagierten. Hanna, Judith und Maria waren in ihren Augen Frauen, die Hoffnung für das Volk Gottes verkörperten und deutlich ein mutiges eigenständiges Vorgehen zeigten, das auf ihre gesellschaftliche Situation bezogen war. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre rückten die Passagen der Bibel in den Mittelpunkt, in denen weniger heroische und weniger eindeutig positive Frauengestalten anzutreffen waren, so z.B. die Geschichte in Richter 19 von der Gewalt gegen Frauen und der Konflikt zwischen Maria und Martha (Lk 10). Die samaritanische Frau wurde als marginalisierte Frau verstanden. Die gekrümmte Frau interpretierten sie als Paradigma für die zum Schweigen gebrachten Frauen, die sich aufrichteten. Sie betonten, daß die Bibel und ihre


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Frauengestalten nicht von neuem sakralisiert werden dürften, sondern die Bibel mit einer Hermeneutik des Verdachts gegen die dort anzutreffenden Strukturen und Denkmuster zu lesen sei. Dieser Vorbehalt bei gleichzeitig intensiver gemeinsamer Bibellektüre gerade auch in ökumenischen Frauengruppen war für die feministisch-theologische Hermeneutik der Theologinnen bis Ende der 80er Jahre charakteristisch.

5.3.3. Amtsverständnis

Die Theologinnen der IECLB, die nach den ersten Konflikten um ihren Eintritt ins Gemeindepfarramt mit den gleichen Regelungen wie ihre männlichen Kollegen konfrontiert wurden, stellten im Laufe der Jahre, teilweise gemeinsam mit einer größeren Zahl von Pastoren, Anfragen an die Veränderbarkeit dieses Amtes. Dies betraf zum einen die Arbeitsfelder in der Gemeindearbeit, in der die befreiungstheologische Beschäftigung mit der konkreten Lebensrealität der Gemeindeglieder stärker berücksichtigt werden sollte, und zum anderen die Schaffung neuer missionarischer Arbeitsfelder in Brennpunkten der brasilianischen Lebensrealität, wie z.B. zur Lebenssituation von FavelabewohnerInnen, Menschenrechtsverletzungen und Gesundheitsfragen. Prinzipiell schätzten die Theologinnen die Vielfalt ihres Berufs und die Möglichkeit intensiver theologischer Arbeit. Sie plädierten für eine stärkere Berücksichtigung der Zielgruppen Jugend, Frauen und Kinder in der pastoralen Arbeit und für neue Arbeitsformen wie Reflexionsgruppen, um über die Verbindung von Glauben, Leben und Bibel neu nachzudenken, sowie für praktische Projekte zur Bewältigung der Herausforderungen der jeweiligen lokalen Realität.

Hinsichtlich der Bezahlung stellten sie die Orientierung an der Mittelschichtszugehörigkeit und das Verständnis einer Familienbesoldung in Frage. Sie plädierten für eine Trennung der Bezahlung von einer konkreten Gemeinde und statt dessen für eine Umschichtung von Finanzen zugunsten alternativer Pastorate. Sie erwogen auch die Möglichkeit, daß TheologInnen eine zweite Ausbildung absolvieren und dann die pastorale Arbeit mit der Berufsarbeit verbinden. Die enge Abhängigkeit von einer Gemeinde wurde kritisiert. Hinsichtlich der zeitlichen Gestaltung der pastoralen Arbeit traten sie für ein Recht auf freie Tage und Teilbeschäftigungsmöglichkeiten ein. Die Lebensform der pastoralen MitarbeiterInnen sollte in Zukunft in größerer Freiheit und Distanz zur Arbeit gestaltet werden. Die privaten Wohnräume sollten von den Gemeinderäumen getrennt werden, und es sollten weniger Eingriffe ins Privatleben möglich sein, z.B. durch Disziplinarprozeßandrohungen bei Scheidungen, durch die Verpflichtung zur IECLB-Mitgliedschaft des Ehepartners oder durch fehlende Vertretungsregelungen bei Schwangerschaft. Das Amt wollten sie stärker kollegial ausüben. Die Gemeindeglieder, ökumenische PartnerInnen, pastorale KollegInnen sowie Volksbewegungen sahen sie als mögliche KooperationspartnerInnen an.

5.3.4. Kirchliche Ordnung und Kirchenrecht

Die Theologinnen wollten eine demokratische, partizipatorische, kooperationswillige und weniger autoritäre Kirchenordnung, in der auf dezentraler Ebene mit den Betroffenen Entscheidungen gefällt werden sollten. Prinzipiell stimmte dem die Kirchenleitung zu und ging auch auf die Initiative ein, statt vieler Einzelfallentscheidungen neue Regelungen für neue Formen des Pastorats zu schaffen sowie schließlich Ende der 80er Jahre das Regulamento für das Ministério pastoral neu zu formulieren, um alle Bestimmungen in einen Rahmen zu integrieren.

Nach Meinung vieler Theologinnen sollte die IECLB mit ihrer Evangeliumsverkündigung insbesondere auch die Menschen erreichen, deren Unterdrückung besonders groß war und die wenig Unterstützung fanden. Sie wollten im Gottesdienst, in den Glaubens- und Lebensformen der Gemeinden stärker nach solchen Ausdrucksmöglichkeiten suchen, die von gleichberechtigter GefährtInnenschaft zeugten. Die Laien sollten mehr Gewicht auf Gemeindeebene erhalten und ihnen sollten Ausbildungskurse angeboten werden, in denen sie ihre Kompetenz stärken könnten.

Das Kirchenrecht sollte die arbeitsrechtliche Position der MitarbeiterInnen stärken, auch gegenüber Gemeinde und Kirchenleitung. Es sollte experimentell sein, um Erprobungen zuzulassen. Die kirchliche Bürokratie und ihr hierarchischer Aufbau sollten reduziert und die Entscheidungstruktur transparenter werden.

5.3.5. Ökumene, Kircheneinheit, Konfessionsspezifika

Die Kirchenleitung äußerte, daß sie keine ökumenische Rücksicht bei den ersten Entscheidungen über die Theologinnenarbeit genommen habe. Später erregte die Existenz der ersten lutherischen Pastorinnen ökumenische Aufmerksamkeit in der brasilianischen Ökumene. Im Vordergrund des ökumenischen Engagements der Theologinnen standen ihre Kontakte in ihren Arbeitsfeldern mit Menschen anderer Konfessionen, Religionen und Kulturen. Ihre Perspektive war insofern mehr auf das ökumenische Zusammenleben in einem "Haus" unter respektvoller Anerkennung der anderen


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ausgerichtet als auf dogmatische Gespräche über Kircheneinheit. Eine positive Bewertung fanden ökumenische Theologinnentreffen auf nationaler, kontinentaler und internationaler Ebene, bei denen eine gemeinsame Situationsanalyse vollzogen und Perspektiven entworfen wurden. Manche Theologinnen äußerten sich hingegen skeptisch, ob die Ergebnisse von Weltökumenetreffen für die Arbeit an der Basis fruchtbar wären. Auch die Weltgebetstagsmaterialien und die Ökumenische Dekade der Frau empfanden einige Theologinnen als stark von außen aufgesetzt.

Positiv an der eigenen konfessionellen Identität bewerteten sie die Betonung der Rechtfertigung aus Glauben, die Freiheit eines Christenmenschen, den Zugang zur Heiligen Schrift in der Landessprache und das allgemeine Priestertum aller Gläubigen. Diese Aspekte der lutherischen Theologie versuchten sie aus befreiungstheologischer Sicht neu zu interpretieren, um die lutherische Kirche von ihrer pfarrer- und ethnozentrischen Identität und einem starren Traditionalismus zu befreien.


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