Aus der Klinik für Geburtsmedizin Charitè Campus Virchow-Klinikum Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
DISSERTATION
Einzelfallanalysen von Totgeburten
RETROSPEKTIVE 5-JAHRE-ANALYSE AN EINEM PERINATALZENTRUM UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER VERMEIDUNGSFAKTOREN
Zur Erlangung des akademischen Grades
Doctor medicinae (Dr. med.)
vorgelegt der Medizinischen Fakultät Charité
der Humboldt-Universität zu Berlin
Dekan: Prof. Dr. med. Joachim W. Dudenhausen
Gutachter:
1. Prof. Dr. med. Joachim W. Dudenhausen
2. Prof. Dr. med. Horst Halle
3. Prof. Dr. med. Wolfgang Friedmann
Datum der Promotion: 12.06.2003
Meinen Eltern und Charlotte gewidmet
Zusammenfassung
Einzellfallanalyse von Totgeburten hinsichtlich ihrer Vermeidbarkeit und Vermeidungsfaktoren wurde als ein wesentlicher Anteil der internen Qualitätssicherung durchgeführt. Im Zeitraum von 1996 bis 2000 wurden nach dem Ausschluss der Abbrüche bei Fehlbildungen 100 Totgeburten bei 99 Entbindungen mit einem Geburtsgewicht von mindestens 500 g in die Analyse miteinbezogen. Die korrigierte Totgeburtenrate lag bei 5,23 Totgeburten/1000 Geburten. Der Anteil von totgeborenen Mehrlingen (11%) war 4fach so hoch dem Normalkollektiv (2,8%) gegenüber.Die relativ große Zahl der zwischen 20-23 vollendeten SSW (22%) und vor 28 vollendeten SSW (36%) auftretenden intrauterinen Fruchttode in unserer Untersuchung weist auf eine Population mit einem großen Anteil an früher Frühgeburtlichkeit hin. Die meisten Totgeburten (38%) befanden sich in der Gewichtsgruppe 500-999 g. Zwei Drittel (14/21) der Kinder mit SGA wurden ab 32 SSW und knapp die Hälfte (10/21) am Entbindungstermin mit 37 bis 41 SSW geboren. Die Todesursachen waren Plazentainsuffizienz (31%), AIS (21%), vorzeitige Plazentalösung (20%), Nabelschnurkomplikationen (7%), FFTS (2%) und Hydrops fetalis (2%). Das Amnioninfektionssyndrom (AIS) als Todesursache trat häufiger in frühen Schwangerschaftswochen (20-24 SSW: n= 17 von 21 Fällen mit AIS als Todesursache) auf. Nabelschnurkomplikationen fanden sich dagegen in späteren Schwangerschaftswochen (34-40 SSW: n=7). Unabhängig von den Todesursachen waren 51% der Totgeburten nach unserer Analyse nicht vermeidbar, 12% waren intern vermeidbar und 37% möglicherweise vermeidbar durch die Frauenärzte/Innen bzw. die Patientinnen selber. Eine gute Schwangerschaftsvorsorge, eine ausreichende fetale Überwachung und ein gutes Geburtsmanagement hätten viele Totgeburten vermeiden können. Die Betrachtung der Todesursache allein ist zur Beurteilung der Vermeidbarkeit nicht ausreichend. Das Verständnis der Ereignisse, die zu den Totgeburten führten, ist der Ausgangspunkt für eine kritische Auswertung.
Eigene Schlagworte: Totgeburt, Einzellfallanalyse, Frühgeburtlichkeit, Vermeidbarkeit.
Abstract
The avoidability and the preventive factors relating to stillbirths were evaluated as an important part of internal quality control. After exclusion of abruptions because of fetal malformations, case records of 100 stillbirths from 1996 to 2000 with a minimal birth weight of 500 g from 99 deliveries in our department were retrospectively analysed case by case. The corrected rate of stillbirth was 5,23 per 1000 births. The proportion of the stillborn multiplets (11%) was 4 times higher then the proportion in the normal population (2,8%). There was a high proportion of stillbirths between 20 and 23 weeks of gestation (22%) and before 28 weeks (36%) indicating an important influence of early prematurity. Most of the stillbirths (38%) had a birth weight between 500-999 g. Two third (14/21) of the stillbirths after 32 gestational weeks and almost the half of the stillbirths (10/21) between 37 till 41 weeks were small for gestational age (SGA) at birth. The principal causes of stillbirths were placental insufficiency (31%), chorioamnionitis (21%), placental abruption (20%), cord complications (7%), twin-twin transfusion syndrom (2%) and hydrops (2%). An intraamniotic infection with subsequent chorioamnionitis accounted for fetal death more frequently in early gestational weeks (20-24 gestational weeks: n=17 of 21 cases with chorioamnionitis), whereas cord complications occurred more often in late pregnancy (34-40 gestational weeks: n=7). Independent of the causes of deaths, 51% of the stillbirths could not be avoided, 12% could have been prevented by a different obstetric management of ours and 37% could have been prevented by obstetricians outside our department or the patients themselves. A qualified prenatal care and a good compliance of the pregnant women, a sufficient fetal surveillance and a good management of delivery could avoid many stillbirths. The only consideration of the cause of death is not sufficient to evaluate the preventability of stilllbirths. The insight of the events that lead to stillbirths is the starting point for a critical interpretation.
Keywords: Stillbirth, single case analysis, prematurity, prevention.
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