Umstätter, Christina: Tier-Technik-Beziehung bei der automatischen Milchgewinnung

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Kapitel 1. Einleitung

Durch die zunehmende Automatisierung der Tierhaltung, den rasanten Informationsgewinn der technischen Systeme mit ihrer hochentwickelten Sensorik und die damit verbundene Effizienzsteigerung der Prozesskontrolle gewinnt der Aspekt der Tiergerechtheit und die Einbeziehung des Tierverhaltens in das Gesamtkonzept der Tier-Technik-Beziehung einen immer größeren Einfluss. Dabei darf die Verantwortung des Menschen weiterhin nicht außer Acht gelassen werden. Die Kühe beispielsweise, sind bezüglich ihrer kognitiven Fähigkeiten und ihres Lernverhaltens bei Automatischen Melksystemen (AMS) stärker als bisher ins Kalkül zu ziehen.

AMS haben bei der Technisierung in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle gespielt, da gerade das Melken einen großen Arbeitszeitbedarf erfordert und das Melkpersonal mit mindestens zwei Melkzeiten fest an einen Tagesablauf gebunden ist. Schon beim konventionellen Melken sind viele Teilroutinen automatisiert worden, wobei in diesem Zusammenhang nur an die Abnahmeautomatik oder die Stimulation erinnert werden soll. Die technische Problematik lag zu Beginn der Entwicklung des AMS vor allem im Ansetzen des Melkzeugs. Aber auch dieser Bereich ist bereits recht gut gelöst. Schon in den 90er Jahren konnten die ersten automatischen Melksysteme in die Praxis eingeführt werden. Die Auswirkungen der Technik auf das einzelne Tier und die Reaktionen der Tiere auf die Technik sind seitdem stärker in das Zentrum der Betrachtungen gerückt. Dabei ist hier nicht nur das Verhalten der Kühe im direkten Zusammenhang mit der Milchproduktion von Interesse, sondern beispielsweise auch die Verhaltensparameter, wie die Besuchsfrequenz an der Melkbox oder die Herzfrequenz, zur Beurteilung von Stress.

Die aus Aktion und Reaktion der Tiere in Bezug auf den Melkroboter anfallenden Daten können und sollten in Zukunft direkt in der Prozesskontrolle genutzt werden, um die Produktion, die Tiergesundheit, den Kuhkomfort und nicht weniger das Arbeitsklima für den Menschen zu verbessern. Ziel ist es daher, durch die Vernetzung leicht ermittelbarer und möglichst differenzierter Daten ein Gesamtbild zu gewinnen, das zuverlässig bzw. selbstkorrigierend ist.


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Nach eingehender Analyse dieser sehr komplexen Beziehung zwischen Tier und Technik haben sich drei besonders relevante Bereiche herauskristallisiert, die in der vorliegenden Arbeit gezielt untersucht werden sollen. Zunächst ist der Komplex Melkparameter zu nennen, der unterteilt werden kann in die Parameter: Viertelverteilung der Milch, Blindmelken und Zwischenmelkzeiten. Diese Aspekte können eine direkte Auswirkung auf die Eutergesundheit haben. Außerdem spielen die Zwischenmelkzeiten eine wichtige Rolle bei den Automatischen Melksystemen, da die Milchmenge durch sie direkt beeinflusst wird. Die Milchparameter, als zweiter wichtiger Komplex, sind untersucht worden, um herauszufinden, ob und welche Auswirkungen das AMS auf die Milchmenge, die Inhaltsstoffe, den Harnstoffgehalt, die somatische Zellzahl und nicht zuletzt die Leitfähigkeit hat.

Das Verhalten der Kühe spielt eine entscheidende Rolle bei der Besuchsfrequenz. Dabei war darauf zu achten, dass möglichst leicht messbare und aussagekräftige Verhaltensparameter heranzuziehen und in Relation zu setzen waren. Das trifft zum einen auf die Melkfrequenz und die Besuchshäufigkeit zu, die automatisch vom Prozessrechner gespeichert werden, und zum anderen auf die Herzfrequenz, wobei man hier feststellen muss, dass dies zumindest momentan noch kein Messparameter ist, der vom System automatisch erfasst wird. Diese Parameter wurden auf ihren Einfluss hinsichtlich der Tier-Technik-Beziehung untersucht. Die Ergebnisse können einen entscheidenden Einfluss auf die zukünftige Gestaltung der Prozesskontrolle haben.


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Tue Sep 17 11:51:36 2002