Umstätter, Christina: Tier-Technik-Beziehung bei der automatischen Milchgewinnung

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Kapitel 7. Zusammenfassung

In der Dissertation wurden die Melk-, und Milchparameter sowie das Tierverhalten bei der automatischen Milchgewinnung untersucht. Messungen haben gezeigt, dass auf die Milchabgabe einzelner Individuen und insbesondere auf deren Euterviertel sehr differenziert eingegangen werden sollte, obwohl sich die derzeitige Sensorik in diesem Bereich eher an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit befand. Das Automatische Melksystem (AMS) vermag auf die speziellen Unterschiede der einzelnen Viertel, im Sinne einer verbesserten Tiergerechtheit, Rücksicht zu nehmen. Ein weiterer wichtiger Aspekt die Tiergerechtheit zu verbessern ist es, eine zuverlässige Prozesskontrolle durchzuführen. Dazu muss zunächst einmal festgestellt werden, wie sich die natürliche Variationsbreite der einzelnen Parameter darstellt, um pathologisch bedingte Abweichungen signifikant erkennen zu können. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass verlässliche Aussagen über den Gesundheitszustand von Kühen im AMS voraussetzen, dass verschiedene interdependente Parameter so verknüpft oder deren Messungen sooft wiederholt werden, bis ein intelligentes Entscheidungssystem seine Schlüsse ziehen kann. Stark auffällige Werte haben ein hohes Maß an Information, aber eine entsprechend geringe Verlässlichkeit. Sich wiederholende Werte haben hingegen einen geringen Informationsgehalt, dafür aber ein hohes Maß an Redundanz bzw. Verlässlichkeit, insbesondere dann, wenn sie durch systematische Fehler entstehen. Für eine zuverlässige Prozesskontrolle kann es vorteilhafter sein, eine automatisierte Datengewinnung zu installieren, auch wenn der einzelne Parameter (z.B. die Leitfähigkeit) zwar wenig aussagekräftig, dafür aber die Durchführung deutlich zuverlässiger ist als bei Tests, die von Menschen manuell durchgeführt werden. Hier ist die Entdeckung von zufälligen, wie auch die von systematischen Fehlern oft sehr schwierig, weil sie sich gegenseitig überlagern. Eine durch Automation dominierte Umwelt kann für Tiere deutlich berechenbarer und damit zuverlässiger gestaltet werden. Das bedeutet, dass für die Individuen weniger Stresssituationen mit den für sie unabsehbaren Folgen entstehen. Es sollte aber dabei beachtet werden, dass es zwingend ist, auf die Lerngeschwindigkeit der einzelnen Tiere, in Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Lernsituation, einzugehen, um zuverlässige Umweltbedingungen für die Kühe bereitzustellen. Es konnte weiterhin festgestellt werden, dass das Melken in einem AMS bei den Kühen nicht als belastender Stressfaktor identifiziert werden kann, wenn man die Herzfrequenz als Indikator he


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ranzieht und diese über eine längere Zeit analysiert. Der annähernd lineare Anstieg der Herzfrequenz über einen Zeitraum von mehr als einer halben Stunde macht deutlich, dass sich die Tiere auf die Nahrungsaufnahme in zunehmendem Maße einstellen. Der steigende Einsatz von Technik in der Milchviehhaltung kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Haltungsumwelt der Kühe human und tiergerecht zu gestalten.

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Tue Sep 17 11:51:36 2002