| Unger , Christian: Analyse funktioneller Domänen von SEC71 und SEC72 im posttranslationalen Translokationsprozeß Saccharomyces cerevisiae |
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Die hier vorgelegte Arbeit beschäftigt sich mit dem posttranslationalen Transport in das ER der Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae. Der besondere Fokus liegt auf der Untersuchung von Sec71p, Sec72p und Sbh1p, drei Proteinen, die größtenteils cytosolisch orientiert sind und deren Funktion bei der posttranslationalen Translokation bisher ungeklärt ist.
Lyman und Schekman (1997) haben das Modell eines Signalsequenz-Antennenkomplexes, bestehend aus Sec62p, Sec71p und Sec72p, vorgeschlagen. Ein solcher Signalsequenz-Antennenkomplex wäre der erste Kontaktpunkt eines posttranslationalen Transportsubstrats und eventueller Targeting-Faktoren mit dem SEC-Komplex.
Einen Schwerpunkt dieser Arbeit bildet die Analyse von wichtigen Bereichen des Sec71p für die Assoziation mit dem SEC-Komplex und für die Komplementation einer
sec71/
sbh1 Doppelmuntante. Durch Einsatz sowohl N- als auch C-terminal verkürzter Varianten von Sec71p wurden entsprechende funktionelle Domänen von Sec71p identifiziert. Sowohl für die Bindung von Sec72p, als auch für die Assoziation mit dem SEC-Komplex ist ein Bereich von Pos. 120 bis Pos. 160 des Sec71p minimal notwendig. Die Hinzunahme des angrenzenden C-terminalen Sequenzbereichs bis Pos. 180 steigert die Effizienz der beiden Funktionen.
Wie mittels Coimmunpräzipitationen von Sec71p mit Antikörpern gegen Sec62p in einem
sec72-Hintergrund gezeigt werden konnte, ist die Assoziation der beiden Proteine im SEC-Komplex unabhängig von der Anwesenheit von Sec72p.
Eine N-terminal verkürzte Variante Sec711-120p bindet weder Sec72p (Abb. 8), noch kann sie mit Antikörpern gegen Sec62p coimmunpräzipitiert werden (Abb. 10). Wie von Feldheim et al. (1994) bekannt, wird Sec72p in Abwesenheit von Sec71p mit einer Halbwertszeit von ca. 12 min degradiert. Eine Sec71-Variante ohne Sec72p-Bindungsstelle verursacht somit einen zusätzlichen
sec72p Phänotyp. Da die Kombination
sbh1/
sec72 letal ist (Abb. 14), muß aufgrund des Abbaus von Sec72p in Anwesenheit der Sec711-120p-Variante zwangsläufig auch
sbh1/
sec71/SEC711-120 letal sein. Es bleibt zu klären, ob die Abwesenheit von Sec72p der einzige Grund für die Unfähigkeit von Sec711-120p ist, einen
sbh1/
sec71-Stamm zu komplementieren.
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Durch Ersetzen des N-terminalen Membranankers von Sec71p durch die P450Cm1-Membranankerdomäne von Candida maltosa wurde die Bedeutung des Transmembranbereichs von Sec71p getestet. Zum Vergleich wurde eine Sec71p-Variante ohne Membrananker und luminalen Teil betrachtet.
Der Versuch einer Komplementation eines
sbh1/
sec71-Stamms mit den drei Fusionsproteinen bzw. einer Sec71p-Variante ohne Membrananker und luminalen Teil zeigte, daß der cytosolische Teil von Sec71p genügt, um für das wt-Protein zu komplementieren, und daß der Membrananker dazu nicht notwendig ist. Andererseits wirkt sich der Austausch gegen einen fremden Membrananker, in diesem Fall den des P450Cm1 aus C. maltosa, negativ auf die Funktionalität des Sec71p aus. Die drei Fusionsproteine können daher den
sbh1/
sec71-Stammhintergrund nicht komplementieren. Der Membrananker des Sec71p ist somit nicht essentiell, aber seine Struktur von Bedeutung für die korrekte Integration in den SEC-Komplex.
Interessant und aufschlußreich sind auch die Glykosylierungsmuster der verwendeten myc-Fusionsproteine. Es ist offensichtlich, daß durch N-terminale Fusion des 3x-myc-Epitops der Grad der vollständigen Glykosylierung deutlich abnimmt (Abb. 10). Betrachtet man das Verhalten der unterschiedlich glykosylierten Formen in den Coimmunpräzipitationen mit Antikörpern gegen Sec62p, so fällt auf, daß vornehmlich die vollständig glykosylierten Varianten zusammen mit Sec62p gefällt werden, obwohl sie teilweise nur einen Bruchteil an der Gesamtpopulation des Sec71-myc Fusionsproteins ausmachen (Abb. 10). Die vollständige Glykosylierung scheint somit ein Indikator für die korrekte Orientierung in der Membran und für die Assoziation mit dem SEC-Komplex zu sein. Betrachtet man unter diesem Aspekt die P450-Membranankerkonstrukte, so ist der P450Cm1-Membrananker von C. maltosa nicht in der Lage, sich problemlos in den SEC-Komplex zu integrieren.
Die Versuche mit den P450-Sec71p-myc Konstrukten bestätigten auch, daß der cytosolische Teil von Sec71p ausreicht, um Sec72p zu binden. Selbst ein Fusionsprotein, daß nur die letzten 46 Aminosäuren von Sec71p enthielt, war zu einer eingeschränkten Bindung von Sec72p fähig (Abb. 12).
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Zusammenfassend kann man sagen, daß sich Sec71p in mindestens zwei Domänen mit unterschiedlichen Funktionen unterteilen läßt:
sec71/
sbh1-Stamms.
Sec72p ist die einzige Komponente des SEC-Komplexes, die keine Transmembrandomäne besitzt und ein peripheres Membranprotein mit ungewöhnlicher Bindung an die ER-Membran darstellt. Unter Bedingungen, die andere periphere Membranproteine von der Membran ablösen (pH = 11 oder 500 mM NaCl), bleibt Sec72p unverändert mit dem SEC-Komplex assoziiert (Abb. 17).
Sequenzvergleiche von Sec72p mit anderen Proteinen zeigten im C-terminalen Bereich von Sec72p eine Aminosäuresequenz mit Ähnlichkeit zu einer TPR-Domäne. TPR-Domänen sind als Protein-Interaktionsdomänen beschrieben. In der Regel kommt die Konsensus-Sequenz aus 34 Aminosäuren zwischen drei und zwölf Mal in einem Protein vor (für einen Überblick siehe Goebl und Yanagida, 1991). Für Proteine mit TPR-Domänen sind Beteiligungen an der Mitose, der Transkription und auch am Proteinimport in Mitochondrien und Peroxisomen nachgewiesen. S.c.Tom70p als Teil des mitochondrialen Translokationskomplexes ist ein Protein mit 7 TPRs (Woolford, 1989). S.c.Pas10p interagiert mit der peroxisomalen Targetingsequenz und ist ebenfalls ein Protein mit mehreren TPR Domänen (Brocard et al., 1994). Außerdem zeigten Radanyi et al. (1994), daß das Immunophilin FKBP59-HBI mit Hsp90 durch seine TPR-Domänen interagiert. Sec72p besitzt nur eine einzelne TPR-Domäne, mit eingeschränkter Ähnlichkeit zu der TPR-Konsensus-Sequenz. Die Deletion dieser TPR-Domäne des Sec72p führt zu einem Funktionsverlust. Dieser Funktionsverlust kommt phänotypisch erst zum Tragen, wenn Sec72
TPRp mit einer SBH1-Deletion kombiniert wird,
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dann aber ist er synthetisch letal. Experimente zur Membran-Anlagerung von Sec72
TPRp haben bewiesen, daß die TPR-Domäne nicht für die Interaktion mit dem SEC-Komplex notwendig ist. Sec72
TPRp zeigt wie das wt-Protein eine Alkali- und Hochsalz-resistente Anlagerung an Sec72p-freie Membranen (Abb. 17). Außerdem ist seine Anlagerung an die Membran, wie auch die des nativen Sec72p, abhängig von der Anwesenheit von Sec71p (Daten nicht gezeigt). Somit bleibt die TPR-Domäne des Sec72p eine potentielle Stelle für Wechselwirkungen mit Signalsequenzen, cytosolischen Chaperonen oder Proteinen eines posttranslationalen Targetingmechanismus.
In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, bisher unbekannte Interaktionspartner von Sec72p zu identifizieren. Die Versuche zur photochemischen Quervernetzung unterstrichen die räumliche Nähe zu Sec71p. Die Durchführung eines Screen zur Identifizierung synthetisch letaler Mutanten bestätigte die Coletalität von
sec72 mit
sbh1. Beide Ansätze führten nicht zur Identifizierung neuer Interaktionspartner von Sec72p. Diese Ergebnisse sind jedoch nicht gleichbedeutend mit dem Fehlen derartiger Wechselwirkungen. Beide experimentellen Ansätze haben ihre Grenzen und müssen daher nicht notwendigerweise zur Identifizierung neuer Proteine führen.
Sind es z.B. mehrere Interaktionspartner, die sich in ihrer Funktion überlagern und ersetzen können, so ist es sehr unwahrscheinlich, daß sie im Rahmen eines synthetisch letalen Screens identifiziert werden. Dazu wäre es notwendig, störende Mutationen in allen Interaktionspartnern gleichzeitig zu setzen. Für die photochemische Quervernetzung gilt, daß sie vor allem geeignet ist für stabile, langanhaltende Wechselwirkungen. Je kürzer die räumliche Interaktion, desto geringer ist die Ausbeute an Quervernetzungsprodukt. Das gleiche gilt für den Fall, daß es mehrere verschiedene Interaktionspartner gibt. Die Ausbeute an Quervernetzungsprodukt verteilt sich dann auf alle möglichen Wechselwirkungspartner und geht somit zu Lasten der Detektierbarkeit einzelner Banden.
Ein möglicher Ansatz, um in zukünftigen Experimenten eventuelle posttranslationale Targetingfaktoren zu identifizieren, wäre die Durchführung eines high-copy Suppressor Screens. Die Kombination der Einzelmutanten und der synthetisch letale Screen haben ergeben, daß
sec72 und
sbh1 coletal sind. Wie weiter unten diskutiert wird, könnte dies durch eine überlappende Funktion beim Signalsequenz-Erkennungsmechanismus bedingt sein. Eine solche Störung könnte sich durch einen erhöhten Gehalt an Targetingfaktoren beheben lassen. Deshalb wäre es sinnvoll, einen regulierbaren
sec72/
sbh1-Doppeldeletionsstamm mit einer genomischen high copy Bank zu transformieren, um zu untersuchen, ob es ein Gen gibt, das in erhöhter Konzentration für
sec72/
sbh1
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komplementieren kann. Potentielle Kandidaten wären die Mitglieder der SSA-Familie und andere Chaperone. SEC72, SBH1 und SBH2 wären interne Positivkontrollen.
Photochemische Quervernetzungsexperimente haben gezeigt, daß sich Sec72p mit Sec71p kovalent verknüpfen läßt. Alle anderen getesteten Komponenten des SEC-Komplexes wurden nicht zu Sec72p quervernetzt (Abb. 18 und Abb. 19). Dieser Befund bestätigt, daß die starke Bindung an die Membran vor allem von Sec71p vermittelt wird. Das ist konform mit der Beobachtung, daß Sec72p in einem
sec71 Stammhintergrund nicht an der Membran bzw. im SEC-Komplex gefunden wird (Feldheim et al. (1994), Abb. 8 diese Arbeit).
Während alle bekannten Daten dafür sprechen, daß Sec71p und Sec72p eine Rolle während der Translokation in das ER ausüben, findet man sie in der Literatur auch in anderen Zusammenhängen:
In einem genetischen Screen zur Regulation der DNA-Replikation während der Mitose wurde SEC72 als SIM2 (SIM = ’start independent of mitosis‘) gefunden (Dahmann, C. et al., 1995). Ein Hefestamm der in den Genen CLB1 bis CLB4 deletiert ist, repliziert nur einmal seine DNA und kann nicht in eine Mitose eintreten. Eine Mutation in SIM2 (= SEC72) ermöglicht es diesem Stamm seine DNA ein weiteres Mal zu replizieren. Es liegt der Verdacht nahe, daß es sich um einen indirekten Effekt handelt, der durch die Mißlokalisierung von Proteinen des sekretorischen Weges (dazu gehören auch integrale Proteine der Kernmembran) auftritt. Denkbar wäre aber auch eine Mutation im Bereich der TPR-Domäne von Sec72p, die dann mit TPR-Domänen von Proteinen, die an der Regulation der Mitose beteiligt sind, konkurrieren könnte und dadurch den Level an wichtigen Steuerungsfaktoren herabsetzt. Um dies zu klären, wäre es hilfreich mehr über die Mutation im SIM2 zu erfahren. Eine direkte Rolle von Sec72p in der Mitose ist sehr unwahrscheinlich.
In zwei Veröffentlichungen (Brizzio et al., 1999; Ng und Walter, 1996) werden Sec63p, Sec71p, Sec72p und Kar2p als Beteiligte an der Verschmelzung von Kernmembranen nach einer Zellfusion beschrieben. SEC63, KAR2 und KAR7 (= SEC71) wurden in einem genetischen Screen zur Kernfusion gefunden. Weder Brizzio et al. Noch Ng und Walter präsentieren Daten, in denen sie eine Assoziation eines der vier Proteine mit Komponenten der Kernfusionsmaschinerie zeigen. Einen einfachen Translokationsdefekt als Ursache schließen sie aus, da Mutanten von SEC61 und SEC62 deutlich stärkere Translokationsdefekte als SEC63, KAR2, SEC71 und SEC72 aber keine Hemmung der Kernmembranverschmelzung zeigen. Meiner Meinung nach handelt es sich bei den
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beobachteten Defekten dennoch um indirekte Auswirkungen einer Translokationshemmung. Bis heute ist ungeklärt, ob bestimmte Substrate auf einige Komponenten des SEC-Komplexes mehr angewiesen sind als andere, vergleichbar der Abhängigkeit von TRAMp im cotranslationalen Transport. Es ist denkbar, daß integrale Membranproteine, die notwendig für die Verschmelzung der Kernmembranen sind, stärker von Mutationen in SEC63, KAR2, KAR7 oder SEC72 betroffen sind als andere Transportsubstrate. Ein Beispiel könnte Kar5p sein, dessen mRNA in Northern Blots detektiert werden kann, daß aber in einem
sec71-Stamm in der Zelle nicht nachweisbar ist (Brizzio et al., 1999). Wahrscheinlicher als daß Sec71p zur Stabilisierung von Kar5p gebraucht wird, ist, daß Kar5p in Abwesenheit von Sec71p nicht in die Membran integriert werden kann und deswegen degradiert wird. Eine direkte Beteiligung der genannten Komponenten des Translokationsapparates an der Verschmelzung der Kernmembranen halte ich für eher unwahrscheinlich.
Die Kombinationen der Deletionsmutanten von SEC71 und SEC72 mit Nullmutanten von SBH1 bzw. SBH2 führten zu den coletalen Genotypen
sec71/
sbh1 bzw.
sec72/
sbh1 und zu den vitalen Genotypen
sec71/
sbh2 bzw.
sec72/
sbh2. Diese Doppeldeletionsmutanten ermöglichen eine Reihe von Aussagen über die Bedeutung von Sbh1p und Sbh2p im co- bzw. posttranslationalen Transport. Synthetische Letalität ist nach Huffacker et al. (1987) ein Indiz für die Beteiligung zweier Proteine an einem gemeinsamen Stoffwechsel- oder Transportweg. Demnach sind Sec71p, Sec72p und Sbh1p an einem gemeinsamen Transportweg beteiligt, während Sbh2p in ein anderes Transportsystem eingebunden ist. Dies bestätigen Daten von Finke et al. (1996), die zeigen, daß die beiden homologen Beta-Untereinheiten sich trotz ca. 50% Identität der Aminosäuren nicht gegenseitig ersetzen können. Die vorliegende Arbeit belegt, daß Sbh2p in einem letalen
sbh1/
sec71-Hintergrund eher im Ssh1-Komplex assoziiert bleibt, als im Sec61-Komplex für Sbh1p zu komplementieren. Das dies prinzipiell möglich ist, zeigt der
sbh1/
sec71/
ssh1 -Stamm, in dem Sbh2p in Abwesenheit seines eigentlichen Bindungspartners in Assoziation mit dem SEC-Komplex gefunden wird und den letalen Phänotyp komplementiert (Abb. 5).
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Mit biochemischen Versuchen wurde gezeigt, daß Sec71p und Sec72p Bestandteil des posttranslationalen Translokationswegs sind. Welche Rolle aber spielt Sbh1p bei der Translokation in das ER? Sbh1p ist sowohl Bestandteil des cotranslationalen Sec61-Komplexes als auch des posttranslationalen SEC-Komplexes. Eine Einzeldeletion von SBH1 zeigt keinen Phänotyp, so daß Sbh1p allein weder im co- noch im posttranslationalen Transport essentiell ist. Experimente zur Akkumulation von präpro-
-Faktor - nach Ng et al. (1996) ein posttranslationales Substrat - im
sbh1-Stamm haben keine Anhäufung von Präkursoren gezeigt. Erst wenn zusätzlich SBH2 deletiert wird, und der cotranslationale Transport sowohl im Sec61-Komplex als auch im Ssh1-Komplex beeinträchtigt ist, kommt es zur Akkumulation von posttranslationalen Substraten (proOmpA und präpro-
-Faktor) (Finke et al., 1996). Diese Präkursoren-Akkumulation ist dabei wahrscheinlich das Produkt eines erhöhten posttranslationalen Transportaufkommens bei vermindertem cotranslationalen Transport.
Einzeldeletionsmutanten von SEC71 bzw. SEC72 sind unter normalen Wachstumsbedingungen ebenfalls nicht essentiell für das Wachstum der Zelle. Aus den coletalen Genotypen
sec71/
sbh1 bzw.
sec72/
sbh1 läßt sich allerdings ableiten, daß Sec71p und Sec72p in Abwesenheit von Sbh1p notwendig für das Überleben der Zelle sind. Andersherum ist Sbh1p in einem
sec71 bzw.
sec72 -Hintergrund essentiell.
Eine naheliegende Schlußfolgerung ist, daß Sbh1p in Abwesenheit von Sec71p und/oder Sec72p eine tragende Funktion im posttranslationalen Transport einnimmt. Wäre dies nicht der Fall, und Sbh1p wäre nur für den cotranslationalen Weg wichtig, dürfte sich die Präkursor-Akkumulation eines posttranslationalen Substrates im letalen
sec72/
sbh1-Hintergrund nicht wesentlich von der eines
sec72-Stamms unterscheiden. Abb. 21 bis Abb. 23 im Kapitel 4.5 zeigen dagegen die deutlichen Unterschiede in der Präkursor-Akkmulation dieser beiden Stämme.
Über die Rolle von Sbh1p und Sbh2p im Translokationsprozeß gibt es derzeit keine konkreten Vorstellungen. Daten aus dem homologen Säuger-System erlauben dennoch erste Vermutungen.
Bei Untersuchungen zur Rolle von Sec61ß im cotranslationalen Transport der Säuger haben Kalies et al. (1998) Proteoliposomen von Sec61ß depletierten und dadurch eine starke Reduzierung der Translokationseffizienz erzeugt. Dieser Defekt konnte behoben werden, wenn die Proteoliposomen vor dem eigentlichen Translokationsprozeß zusammen mit dem Transportsubstrat auf Eis inkubiert wurden, und somit für den Insertionsschritt der
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naszierenden Kette in das Translokon mehr Zeit war. Demnach hat die Beta-Untereinheit eher eine Funktion bei der Insertion des Polypeptids in das Translokon als bei der darauffolgenden Translokation durch die Pore.In Quervernetzungsexperimenten mit cotranslationalen Transportsubstraten wurden in Abhängigkeit von der Kettenlänge zuerst Verknüpfungen zu Sec61ß und dann zu Sec61
beschrieben (Laird und High, 1997). Dies ist ein weiterer Hinweis für eine Beteiligung der Beta-Untereinheit an einem sehr frühen Schritt der Translokation.
Aus diesen Daten läßt sich ableiten, daß Sbh1p und Sec71p/Sec72p im posttranslationalen Transport eine gemeinsame essentielle Funktion übernehmen , daß es sich dabei um einen frühen Schrittes der Translokation handelt , und daß Sbh1p und Sec71p/Sec72p sich aufgrund von ergänzenden bzw. überlappenden Funktionen gegenseitig im SEC-Komplex ersetzen können.
Es ist somit folgendes Modell vorstellbar: Ein posttranslationales Substrat bindet zuerst an den Signalsequenz-Antennenkomplex aus Sec72p, Sec71p und Sec62p und wird dann an Sbh1p weitergereicht. Sbh1p stabilisiert die Anlagerung der Signalsequenz an das Translokon und ermöglicht eine effiziente Translokation. In Abwesenheit von Sbh1p reicht die Funktion des Signalsequenz-Antennenkomplexes aus, um die Signalsequenz mit dem SEC-Komplex zu assoziieren. In Abwesenheit von Sec71p und/oder Sec72p kann der verbleibende Signalsequenz-Antennenkomplex aus Sec62p (im Falle des
sec71-Stammes) bzw. Sec62p und Sec71p (im Falle des
sec72-Stammes) die Signalsequenz ausreichend binden, um eine stabile Integration der Signalsequenz in das Translokon durch Sbh1p und somit eine Translokation zu ermöglichen.
Für Sec62p ergibt sich daraus eine zentrale Rolle im Signalsequenz-Antennenkomplex, der seine Funktion bei normalen Wachstumsbedingungen nur in Anwesenheit von Sec62p ausüben kann. Erst bei einer Wachstumstemperatur von 17°C ist SEC62 nicht mehr essentiell für die Zelle (Deshaies et al., 1989). Der posttranslationale Targetingprozeß ist dann wahrscheinlich so stark verlangsamt, daß die Effizienz der Interaktion des Transportsubstrates mit dem Translokon auch ohne Signalsequenz-Antennenkomplex ausreicht für einen erfolgreichen Membrandurchtritt.
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Die ergänzende Funktion von Sec71p/Sec72p und Sbh1p in einem frühen Schritt der Translokation ist ein überraschender Befund. Die hier präsentierten Daten passen sich in das Modell eines Signalsequenz-Antennenkomplexes - wie es von Lyman und Schekman (1997) vorgeschlagen wurde -ein. Sie ergänzen es jedoch um eine wichtige Funktion für Sbh1p, das in Abwesenheit von Sec71p oder Sec72p essentiell für den posttranslationalen Transport wird und einen unvollständigen Signalsequenz-Antennenkomplex komplementieren kann. Die ergänzende bzw. überlappende Funktion von Sbh1p und Sec71p/Sec72p ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Grund, warum sie nicht in den bisher durchgeführten genetischen Screens als essentiell für die Zelle gefunden wurden.
In S. cerevisiae kennt man drei destinkte Translokationskomplexe, die nebeneinander vorliegen und sowohl cotranslationalen, als auch posttranslationalen Transport durch die ER-Membran ermöglichen. Auf der Suche nach Homologen des posttranslationalen Sec62/63-Subkomplexes wurden in Drosophila ein essentielles Sec62-Homologes (Noel und Cartwright, 1994) und im Hund Homologe zu S.c.SEC62 und S.c.SEC63 (Skowronek et al., 1999; Woollatt et al., 1999; H. Meyer, persönliche Mitteilung) gefunden. Homologe zu S.c.SEC71 und S.c.SEC72 wurden bisher nicht entdeckt. Aufgrund der zahlreichen Genom-Projekte erscheint es mit fortschreitender Zeit immer unwahrscheinlicher, daß entsprechende Homologe zu S.c.SEC71 bzw. S.c.SEC72 außerhalb des Reichs der Pilze noch gefunden werden.
Höhere Eukaryonten translozieren bekanntermaßen vornehmlich cotranslational in das ER. Es wäre daher vorstellbar, daß sie auf die spezialisierte Funktion von Sec71p/Sec72p-Homologen während eines posttranslationalen Transports verzichten können, und gegebenenfalls die jeweilige Beta-Untereinheit die Funktion im Signalsequenz-Antennenkomplex übernimmt.
In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß Sec61ß aus dem Hund einen
sec71/
sbh1- Doppeldeletionsstamm bei 25°C komplementieren kann (Abb.5). Wie schon für Sbh1p im
sec71-bzw.
sec72-Hintergrund argumentiert, muß auch Sec61ß bei 25°C im
sec71/
sbh1-Stamm eine wichtige Rolle im posttranslationalen Transport von S. cerevisiae übernehmen, um den letalen Hintergrund zu retten. Sec61ß des Hundes ist somit prinzipiell in der Lage eine posttranslationale Funktion zu erfüllen.
Weitere Untersuchungen des posttranslationalen Transports und der beteiligten Proteine im Säuger
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bzw. anderen höheren Eukaryonten werden zeigen müssen, inwiefern es funktionelle80
Homologe von S.c. Sec71 und S.c. Sec72 in anderen Organismen gibt, oder ob sich das Modell der Austauschbarkeit von Beta-Untereinheit und Sec71p/Sec72p im posttranslationalen Transport bestätigt.
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