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1  Einleitung und Problemstellung

Die Milchgewinnung ist ein Prozess, auf den eine Reihe von Einflussfaktoren wirken. Neben den Beziehungen Tier – Mensch oder Tier – Technik ist der Beziehung Tier – Produktionsumwelt ein hohes Maß an Einfluss zuzuschreiben. Unter dem Begriff der Produktionsumwelt werden Parameter verstanden, die als abiotische und biotische Faktoren Einfluss auf das Tier und das Produkt ausüben.

Die Produktionsumwelt in der Milchgewinnung hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten in allen Teilbereichen enorm weiterentwickelt. Sowohl der Neu- bzw. Umbau von Ställen, zu weitestgehend der äußeren Witterung folgenden Außenklimaställen, die Anwendung neuer Fütterungsverfahren (Totale Mischration (TMR)) als auch der Einsatz moderner Melksysteme (z.B. Automatische Melksysteme (AMS)) bilden die Rahmenbedingungen für die heutige Milcherzeugung.

Während sich die Milchgewinnung in konventionellen Melksystemen dadurch auszeichnet, dass eine feste zeitliche Bindung an das Melken vorliegt, bieten AMS die Möglichkeit der Entkopplung des Melkprozesses von diesen festen Terminen. Den Kühen wird in AMS die Möglichkeit gegeben, freiwillig die Melkbox aufzusuchen und gemolken zu werden. Die Ausprägung einer tierindividuellen Melkfrequenz wird dadurch ermöglicht.

AMS wurden bereits in zahlreichen Arbeiten hinsichtlich der Parameter Funktionssicherheit, Tierverhalten, Tiergesundheit, Milchqualität, Produktivität, Ökonomie und Hygiene untersucht. Einen bislang nicht untersuchten Parameter stellt die Produktionsumwelt bei der Milchgewinnung mit AMS als wichtigen Aspekt der Prozessqualität beim automatischen Melken dar.

Zur Produktionsumwelt zählen unter anderem das Stallklima (Mikroklima in der Melkbox, z.B. Temperatur, rel. Luftfeuchte und Luftqualität), der Schallpegel im AMS und der sich in direkter Verbindung dazu befindliche Haltungsraum sowie die Verschmutzungs- und Keimsituation der Oberfläche der Melkeinheit (vgl. Abb1).

Für den Betrieb eines AMS könnten ungünstige mikroklimatische Bedingungen eine ungenügende Besuchsfrequenz der Anlage durch die Kühe zur Folge haben. Die mikroklimatischen Gegebenheiten innerhalb von AMS sind in der Literatur jedoch [Seite 15↓]noch nicht beschrieben worden. Die aus unzureichendem Mikroklima im AMS resultierenden fehlenden Besuche würden dazu führen, dass mittels erhöhten Arbeitsaufwands Kühe nachgetrieben werden müssen, was die erhofften positiven Effekte der Arbeitszeitersparnis schmälert und zu Unruhe in der Herde führt.

Abbildung 1:Schematische Darstellung von Faktoren der Produktionsumwelt beim Melken mit AMS

Quelle: eigene Zusammenstellung

Das Ziel der durchgeführten Untersuchungen bestand darin, diese Parameter in einem Praxisbetrieb zu analysieren und die mikroklimatischen Bedingungen zu bewerten. Dazu wurde an geeigneten Punkten innerhalb des AMS und des Stalles die Stallklimaparameter Temperatur, rel. Luftfeuchte, Luftqualität, Schall sowie der Verschmutzungsgrad der Systemoberfläche untersucht. Um mögliche witterungsbedingte Einflüsse auf das Mikroklima darstellen zu können, wurden die Untersuchungen in verschiedenen Jahreszeiten durchgeführt.


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Folgende Arbeitshypothesen wurden zur Bearbeitung des Themas aufgestellt:

  1. Im AMS bestehen durch den Aufenthalt der Tiere besondere Stallklimaverhältnisse und Gaskonzentrationen, die sich von der Situation im Stallraum unterscheiden.
  2. Durch die verschiedenen maschinellen Funktionen des AMS entsteht eine signifikante Schallkulisse.
  3. Der hohe Nutzungsgrad der automatischen Melkeinheit führt zu erheblichen Verschmutzungen und damit verbunden zu einer Keimbelastung, die ein Risiko für die Produktqualität und die Eutergesundheit darstellt.


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13.06.2005