Kapitel 2:
Sonntagsöffnung auf historischer Grundlage?

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„Die Tür der Volksbibliothek läßt sich nur so weit öffnen, daß eine Person eintreten kann, hat sich diese hinter die Tür gestellt, so kann ein weiterer eintreten. Sind aber sechs Personen zugleich in dem Raume, so ist mir der Zugang zu einem Teil der Bücher versperrt. Die übrigen Besucher, wenn sich sonntags manchmal 30-40 zugleich dort befinden, müssen im kalten Hausflur oder gar vor der Haustür warten. Infolge des Gedränges kommen oftmals Personen dem Ofen zu nahe und verbrennen sich die Kleider.“

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Mit diesen Zeilen wurde im Jahr 1923 ein kommunaler Antrag begründet, die Stadtbücherei Ratingen in einem besseren Gebäude unterzubringen.166 Und zur Geschichte der Stadt-bibliothek Bremen weiß die derzeitige Leiterin, Barbara Lison, in Bezugnahme auf das Gründungsjahr 1902 folgendes zu berichten: „[Die Angebote der Lesehalle richteten sich] an die unteren Schichten, Handwerksgesellen, Hausmädchen, Boten. Die Öffnungszeiten richteten sich auch nach ihnen: Unter der Woche bis 21 Uhr und auch am Sonntag war geöffnet. Man mußte mit gewaschenen Händen kommen. Man ging an eine Ausleihtheke und nannte dort seine Interessen. Die Bibliothekarin suchte dann das passende Buch dazu raus.“167

Diese beiden sehr anschaulichen Schilderungen aus den Anfängen des öffentlichen Bibliothekswesens in Deutschland erwähnen jeweils die Sonntagsöffnung der Bibliotheken. Da zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch keine flächendeckenden Bibliotheksstatistiken oder überregionale Verzeichnisse mit den Öffnungszeiten öffentlicher Bibliotheken geführt wurden, bieten allein die Bibliotheksarchive gesicherte Indizien auf die Verbreitung der Sonntagsöffnung.168 Zum Teil waren die Öffnungszeiten auch Bestandteil der damaligen Benutzungsordnungen. So statuierte beispielsweise § 1 der Benutzungsordnung der Berliner Lesehallen am Ende des 19. Jahrhunderts: „Die Lesehalle und die mit ihr verbundene Volksbibliothek sind täglich geöffnet: an den Wochentagen abends von 6 bis 9 Uhr, an den Sonntagen vormittags von 10 bis 12 Uhr.“169 Und selbst in der belletristischen Literatur finden sich Hinweise auf die Sonntagsöffnung der zeitgenössischen Lesehallen. So schildert Theodor Fontane in seinem postum erschienen Roman Mathilde Möhring über die Berliner Lesehalle für Frauen: „Es war ein Sonntag, an welchem Tage die Lesehalle nur von elf bis eins auf war, und um eineinhalb war Thilde wieder zu Hause“.170

Diese und weitere Anhaltspunkte zur Geschichte des Bibliothekssonntags werden im vorliegenden Kapitel zur Überprüfung der These ausgewertet, daß die Sonntagsöffnung von Bibliotheken auch in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreitet war. Die gut dokumentierte Debatte über sonntagsgeöffnete Bibliotheken, die Ende des 19. Jahr-hunderts in Großbritannien und den USA geführt wurde, sowie die Darstellung der Entwicklung deutscher Bibliotheksöffnungszeiten und des Sonntagsschutzes im allgemeinen runden das Bild ab.

A. Die Entstehung des Bibliothekssonntags in Großbritannien und in den USA

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Im Jahr 1893 fand die Weltausstellung und zugleich der World’s Congress of Libraries in Chicago statt, zu der auch der deutsche Bibliothekar Constantin Nörrenberg (1862-1937), anreiste. Er gilt als Mitbegründer der sogenannten Bücherhallenbewegung und die Bibliotheksneugründungen, an denen er maßgeblich mitwirkte, wie z.B. in Charlottenburg, Elberfeld, Jena, Hamburg, Bremen oder Essen, waren deutlich vom Modell der amerikanischen Free Public Library geprägt, die er auf dieser Reise kennenlernte.171 In seiner Hauptschrift „Die Volksbibliothek: Ihre Aufgabe und Reform“ aus dem Jahr 1896 hob er die Öffnungszeiten angelsächsischer Bibliotheken als vorbildlich hervor: „Können wir uns ein Postamt vorstellen, das seine Schalter nur wöchentlich ein- bis zweimal auf eine oder zwei Stunden öffnet? Ebensowenig sollen wir uns eine Bibliothek denken können, die vorgibt, öffentlich zu sein, und dabei wöchentlich nur sechs, vier oder gar zwei Stunden zugänglich ist. Ich erwähnte oben, daß viele deutsche Stadtbibliotheken dazu zählen (so die zu Braunschweig, Chemnitz, Elbing, Hildesheim, Königsberg, Ulm, Zittau); daß so etwas möglich ist, dessen müssen wir uns vor dem Auslande geradezu schämen. Eine Bibliothek wöchentlich nur ein paar Stunden öffnen, heißt nicht viel weniger, als die Benutzung böswillig hintertreiben. Siebzig, achtzig Stunden sind die größten Bibliotheken in England und Amerika geöffnet; können wir das nicht, können wir es nur ein paar Stunden täglich, so sollten es wenigstens die Abendstunden sein; die Wahl anderer Stunden würde fast den ganzen erwerbenden Teil der Bevölkerung von der Wohltat ausschließen.“172

Zu der Zeit, als Nörrenbergs Schrift erschien, waren sonntägliche Öffnungszeiten in angelsächsischen Bibliotheken schon weit verbreitet. Doch galten sie noch als Neuerungen, denen im gläubigen Amerika zunächst der Boden geebnet werden mußte. Und in England entbrannte im 19. Jahrhundert ein heftiger Streit um die Sonntagsöffnung kultureller Einrichtungen („The Sunday Opening Question“).173

1. Die Bibliotheken der Sonntagsschulen als Wegbereiter sonntäglicher Bibliotheks-öffnungszeiten

Nach Meyers Konversationslexikon aus dem Jahr 1897 ist unter einer Sonntagsschule eine Einrichtung zu verstehen, in welcher sonntags unterrichtet wird, insbesondere die Jugend des „niedern Volkes“ im religiösen Interesse. Es ist überliefert, daß der Erzbischof Karl Borromeo im 16. Jahrhundert die erste Sonntagsschule in Mailand gründete. Als Sunday School erfolgreich wiederbelebt wurden die sonntäglichen Bildungsanstalten vom reichen englischen Buchdrucker Robert Raikes (1735-1811), der in seiner Heimatstadt Gleucester 1781 eine Sonntagsschule eröffnete, um Straßenkindern das Lesen beizubringen. Er verfolgte mit diesem kostenlosen Schulangebot sowohl religiöse als auch soziale Ziele. Im vorindustriellen Großbritannien verdingten sich viele Jugendliche bereits im frühen Alter als Fabrikarbeiter und lungerten sonntags ohne eigenen Wohnraum untätig auf den Straßen. In den Sonntagsschulen konnten sie an den Nachmittagen lernen, die Bibel und den Katechismus zu lesen.174Raikes’ Sonntagsschule war so erfolgreich, daß in den folgenden Jahren viele vergleichbare Schulanstalten im ganzen Land eröffnet wurden und bereits 1785 der Stifter William Fox mit großem Erfolg die London Sunday School Society ins Leben rief. Gerade in den protestantischen Kreisen Großbritanniens und Nordamerikas fand die Idee der Sonntagsschule, unterstützt durch die Kirche, rasche Verbreitung, wobei in den jeweiligen Einrichtungen unterschiedliche Schwerpunkte auf die religiöse Erziehung, Allgemeinbildung oder den Leseunterricht gesetzt wurden. In jedem Fall ergänzten die Sonntagsschulen den öffentlichen Schulunterricht, getragen von privater Wohltätigkeit. In den USA, in denen es 1824 zur Gründung der American Sunday School Union kam, genoß diese Form der Lehranstalten im 19. Jahrhundert eine außerordentliche Popularität. Auf rund 300.000 wird die Anzahl der Sonntagsschulen mitsamt 3 Millionen Lehrern und über 25 Millionen Schülern vor dem 1. Weltkrieg im anglo-amerikanischen Raum geschätzt.175

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Bereits in den Anfangsjahren der britischen Sonntagsschulen zeigte es sich, daß Schüler, die Lesen lernen, auch Lektüre benötigen, mit der sie unter der Woche üben können. Zu diesem Zwecke wurde 1794 in London die Religious Tract Society und in den USA 1825 die American Tract Society gegründet, die für die Sonntagsschulen religiöse Traktate bzw. Hefte herausbrachten, die einfach zu lesen und günstig zu erwerben waren. Daneben publizierte die American Sunday School Union eigene Zeitschriften für unterschiedliche Altersgruppen, die im 19. Jahrhundert für viele Gesellschaftsschichten, insbesondere für die Land-bevölkerung, neben der Lokalzeitung die einzige zugängliche aktuelle Literatur darstellte.176 1839 hatte die amerikanische Sonntagsschulvereinigung bereits 18 Millionen Drucker-zeugnisse verbreitet.177

Diese als auch andere Publikationen wurden ursprünglich als sogenannte „premium books“ für gute Unterrichtsleistungen an einzelne Schüler vergeben. Um die Bücher jedoch der Schule langfristig zu erhalten, kam es ab 1820 zur ersten Angliederung von Bibliotheken an die Sonntagsschulen und die Honorierung fleißiger Schüler erfolgte seitdem über Ausleihprivilegien.178 Die Einrichtung der Sunday School Libraries sollte auch das Interesse der Bevölkerung an den Sonntagsschulen generell steigern und zur weiteren Vermittlung von Religion, Moral und Bildung179 beitragen.180 Sammelschwerpunkte der Bibliotheken waren religiöse, moralische und erst in den späteren Jahren auch belletristische Literatur, wobei sich historische Werke sowie missionarische Reiseberichte großer Beliebtheit erfreuten.181 Zu Beginn unterhielten die Sonntagsschulbibliotheken nur kleine Buchsammlungen, die erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Spenden ausgebaut werden konnten.182 Auch wenn der Bestandsumfang der einzelnen Sunday School Libraries stark variierte, erreichte er nicht die Größe einer öffentlichen Kleinstadtbibliothek.183 Selbst zur Blütezeit der Sonntagsschul-bibliotheken zwischen 1850 und 1870 umfaßte die durchschnittliche Einrichtung nicht mehr als 200 bis 300 Bände.184 Somit konnten sich die Betreiber mit einer einfachen Bibliotheksorganisation begnügen, die ohne Klassifikation und Kataloge auskam. Allerdings galten strenge Ausleihregeln sowie nur eingeschränkte Möglichkeiten der Buchauswahl.185 Zum Teil wurden auch Bibliotheksgebühren erhoben und grundsätzlich bloß eingeschriebene Schüler als Nutzer zugelassen. Die Bibliotheken waren wie die angegliederten Schulen in den meisten Fällen ausschließlich an Sonntagen während der Schulzeiten geöffnet und nur wenige auch zusätzlich unter der Woche zugänglich.186

Während der United States Census für das Jahr 1850 bereits 1.988 Sonntagsschul-bibliotheken mit über 1.647.000 Medieneinheiten nannte,187 waren es zwanzig Jahre später über 33.580 Einrichtungen mit über 8.000.000 Büchern.188 Um die Jahrhundertwende indes nahm die Zahl der Sonntagsschulbibliotheken rapide ab,189 bedingt durch den wachsenden Konkurrenzdruck der öffentlichen Bibliotheken, mit deren gut sortiertem Bestand, liberalen Auswahl- und Ausleihmethoden sowie moderner Verwaltung die Sunday School Libraries in der Publikumsgunst nicht mithalten konnten.190

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Nichtsdestoweniger kommt den Sonntagsschulbibliotheken als halb-öffentlichen Einrichtungen in der Literaturversorgung der USA des 19. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle zu.191 Sie sind als Vorgänger und Wegbereiter der Public Libraries anzusehen und reüssierten in einer Zeit, in der die einfache Bevölkerung, insbesondere außerhalb der großen Städte, kaum Lesestoff hatte.192 Bezeichnend brachte dies der Literaturkritiker William Lyon Phelps (1865-1934) in seiner biographischen Aussage über Mark Twain zum Ausdruck: „he was brought up on the Bible, on hymnbooks, and presumably on what he found in the Sunday School library.“193

2. Die Entwicklung der Sonntagsöffnung in den USA

Aufgrund der Tatsache, daß die Sonntagsschulbibliotheken gerade im gläubigen Amerika des 19. Jahrhunderts eine weite Verbreitung und große Popularität genossen, können sie als Vorreiter des Bibliothekssonntags in den USA angesehen werden.194 Obwohl auch jenseits des Atlantiks über die „Sunday Opening Question“ äußerst kontrovers diskutiert wurde und Konzert- sowie Theaterbesuche am Sonntag vor hundertfünfzig Jahren noch ein Tabu darstellten, richtete sich im Gegensatz zu Großbritannien beim Thema Sonntagsöffnung das öffentliche Augenmerk nicht auf die Bibliotheken.195

Die Bewegung für öffentliche Bibliotheken, Public Library Movement, setzte in den USA zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Als 1848 die ersten Bibliotheksgesetze für Massachusetts, New Hampshire und Maine verabschiedet wurden, hatte sich der Dienstleistungsgedanke in den bestehenden wissenschaftlichen Bibliotheken noch nicht durchgesetzt. Selbst renommierte Einrichtungen öffneten in der Regel nur wenige Stunden in der Woche.196 Noch 1876 verzeichnete die Bibliothek der Columbia University lediglich zwölf Wochenöffnungsstunden, deren Anzahl sich in den folgenden zwanzig Jahren auf 87 Stunden erhöhte. Als erste bekannte Hochschulbibliothek öffnete die Harvard College Library ab 1880 auch vier Stunden an Sonntagen von 13 bis 17 Uhr.197 Bereits zehn Jahre zuvor hatten große kommunale Bibliotheken die sonntäglichen Öffnungszeiten mit beachtlichem Erfolg eingeführt. 1870 öffnete zunächst die PhiladelphiaPublic Library sonntags, gefolgt von der Cincinnatti Public Library sowie von den kommunalen Bibliotheken in New York, Boston und St. Louis.198

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Im Jahr 1889 führte die New York State Library anläßlich der bevorstehenden Konferenz der American Library Association in St. Louis eine Befragung zum Thema Sonntagsöffnung durch, bei der über 200 amerikanische Bibliotheken mit mehr 10.000 Medieneinheiten angeschrieben wurden. Die Untersuchung zeigte, daß zum damaligen Zeitpunkt rund ein Drittel der öffentlichen Bibliotheken und ein Fünftel der Hochschulbibliotheken, darunter auch die Bibliotheken des Yale und Trinity College, sonntags öffneten.199 Die Öffnungszeiten lagen in der Regel zwischen 14 und 21 Uhr und nur wenige Einrichtungen waren am Sonntagvormittag zugänglich.200 Schließungstage unter der Woche waren unüblich. Die Mehrzahl der Bibliotheken beschränkte sich am Wochenende ausschließlich auf die Präsenznutzung, verzeichnete aber nichtsdestoweniger einen großen Publikumszuspruch, insbesondere in den Zeitungslesesälen.201 Auch die meisten der befragten Bibliothekare, die sonntags vorwiegend auf freiwilliger Basis arbeiteten, befürworteten den Bibliothekssonntag ausdrücklich.202 Wiederholte Betonung fand der soziale Gesichtspunkt der Sonntagsöffnung, der sich deutlich an einer speziellen, überwiegend männlichen Zusammensetzung der sonntäglichen Besucher sowie einer überdurchschnittlich langen Aufenthaltsdauer zeigte.203 Viele Arbeiter hatten in der damaligen Zeit oft nur ein einfaches nächtliches Lager, so daß ihnen der sonntägliche Bibliotheksbesuch mangels anderer Aufenthalts- und Unterhaltungs-möglichkeiten eine gute Alternative zum üblichen Gasthausbesuch bot. Und selbst die-jenigen, die über eigene Wohnräume verfügten, fanden dort am Sonntag nicht stets die nötige Ruhe und Muße zum Lesen und Lernen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schließlich war die überwiegende Zahl der US-amerikanischen Großstadtbibliotheken sonntags geöffnet, ohne daß diese Tatsache größere Debatten oder Gegenwehr von Seiten der Kirche oder der Gewerkschaften auf sich gezogen hätte.204

3. Die Auseinandersetzung um die „Sunday Opening Question“ in Großbritannien

Auch im Vereinigten Königreich setzte die Verbreitung öffentlicher Bibliotheken moderner Prägung mit dem Public Library Movement um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein.205 In dieser Zeitepoche dauerte ein normaler Arbeitstag mindestens zehn Stunden und endete nicht vor dem Abend, an dem insbesondere die Beschäftigten im Einzelhandel lange arbeiten mußten.206 Nur die wenigsten Berufstätigen fanden nach Dienstschluß und einer mehrstündigen, auch körperlich anstrengenden Tätigkeit noch die entsprechende Muße, eine Bibliothek aufzusuchen. Zudem bestand bei abendlicher Öffnung bis zur Einführung des elektrischen Lichts ab 1880 ein Beleuchtungsproblem. Das Gaslicht verursachte Rauch, Aufwand und Kosten und stellte eine nicht unerhebliche Feuergefahr dar. Da auch der Samstag ein regulärer Arbeitstag war,207 bot sich als adäquate Öffnungszeit gerade der Sonntag an, um auch Arbeitern und Angestellten einen Bibliotheksbesuch zu ermöglichen.208 Mit der Sonntagsöffnung betrat das Public Library Movement jedoch ein politisches und gesellschaftliches Minenfeld.

Hauptopponenten der kontroversen Auseinandersetzung waren die National Sunday League auf der einen und The Lord’s Day Observance Society auf der anderen Seite. Die National Sunday League wurde 1855 mit dem Zweck gegründet, die Öffnung des Britischen Museums, der Nationalgalerie sowie öffentlicher Bibliotheken zu fördern und war auch personell eng mit dem Public Library Movement verbunden.209 Zwischen 1876 und 1890 gab die Vereinigung unter dem Titel The Sunday Review 210 eine Zeitschrift heraus, mit der sie für ihre Ziele warb.211 Sie illustrierte viktorianische bzw. gutbürgerliche Vorstellungen, nach denen die Arbeiter ihre wenige Freizeit „sinnvoll“ mit dem Besuch von Museen und Bibliotheken statt auf der Straße oder in den Gasthäusern verbringen sollten.212 Mit dem pädagogischen Anspruch, das moralische und intellektuelle Niveau der Arbeiterklasse anzuheben, unterstützte die National Sunday League konsequenterweise nicht die sonntäglichen Öffnungszeiten von Theatern und anderen „Unterhaltungseinrichtungen“.213 Dagegen wurden Bibliotheken und Museen in der öffentlichen Diskussion über die Sonntagsöffnung grundsätzlich gemeinsam ohne Differenzierung betrachtet.214

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Den Befürwortern der Sonntagsöffnung stand The Lord’s Day Observance Society (LDOS) gegenüber, die für die strikte Einhaltung der Sonntagsruhe plädierte und eng mit der Working Men’s Lord’s Day Rest Association kooperierte.215 Deren Vorsitzender Frederic Peake veröffentlichte 1891 unter dem Titel: „Has Sunday opening of museums, art galleries, and libraries been a success? A question for the governing bodies of such institutions“ ein religiös motiviertes Pamphlet, das in insgesamt acht Auflagen erschien.216 In dieser Schrift berief der Verfasser sich auf umstrittene Statistiken, mit denen er den Nachweis suchte, daß die Sonntagsöffnung die Arbeiterschaft nicht in die öffentlichen Bildungseinrichtungen zu locken vermag.217 Obwohl die LDOS nicht nur aus religiösen Motiven handelte, sondern auch vor der Ausbeutung der Arbeiterschaft durch die Aufweichung der Sonntagsruhe warnte, zog sie mit ihrer Position scharfen Protest von Teilen der Gewerkschaften auf sich, die sich angesichts unzulänglicher Fortbildungsmöglichkeiten für einfache Bürger pro sonntäglichem Bibliotheksbesuch engagierte.218 Auch die Kirche, die in ihren eigenen Feiertagsschulen sonntägliche Bibliotheksöffnungszeiten anbot, war in der Frage der Sonntagsöffnung ebenso gespalten wie die Bibliothekare219 sowie die öffentliche Meinung. Im Jahr 1890 beispielsweise wurden in Leicester zwei Bibliotheken auf Initiative privater Spender eröffnet. Während jedoch der eine Wohltäter seine Gabe mit der Auflage der Sonntagsöffnung versah, bedingte sich der andere aus, daß die von ihm geförderte Einrichtung sonntags schließen müsse.220 Am Ende des 19. Jahrhunderts galt die Sunday Opening Question als wichtigste Frage des britischen Bibliothekswesens, mit der sich sogar das Parlament mehrmals beschäftigte.221 Nachdem etliche Anträge (motions) zugunsten der Sonntagsöffnung von Museen und Bibliotheken trotz prominenter Unterstützung, u.a. durch Charles Dickens, wiederholt abgelehnt wurden,222 faßte das Parlament 1896 schließlich einen Beschluß, nach dem Bibliotheken sonntags nach 14 Uhr unter der Bedingung öffnen sollten, daß kein Mitarbeiter mehr als eine Sechs-Tage-Woche arbeiten muß.223

Doch der Bibliothekssonntag hatte schon zuvor in England Fuß gefaßt. Das Jahr 1848 ist als frühestes Datum einer für die Allgemeinheit an Sonntagen zugänglichen Bibliothek, der Free Library of Oxford, überliefert.224 Die erste größere Stadtbibliothek, die den Service der Sonntagsöffnung anbot, war 1871 diePublic Library of Birmingham.225 Im Jahr 1890 öffneten bereits sechzehn kommunale Einrichtungen an Sonntagen, in der Regel vom frühen Nachmittag bis zum Einbruch der Dämmerung.226 Als besonders beliebt erwies sich der Bibliothekssonntag in den Großstädten, speziell in der Metropole London, in der 1895 mehr als die Hälfte aller Public Libraries sonntags öffnete und an diesem Tag allein ein Drittel ihres wöchentlichen Umsatzes erzielte.227 In Manchester, in dem damals rund 350.000 Menschen lebten, registrierte die Bibliothek, die sich aus einer Zentralbücherei und sechs Zweigstellen zusammensetzte, für das Jahr 1891 eine durchschnittliche sonntägliche Besucherzahl von 5.885 Personen.228 Dennoch empfing die Mehrzahl der britischen Bibliotheken auch zum Höhepunkt des Bibliothekssonntags am Ende des 19. Jahrhunderts keine Besucher an diesem Wochentag.229

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts reduzierten allmählich viele öffentliche Bibliotheken die Sonntagsöffnungszeiten, einerseits wegen der Verkürzung der allgemeinen Arbeitszeiten und andererseits wegen des öffentlichen Spardrucks, der durch den Ersten Weltkrieg und die anschließende Wirtschaftskrise ausgelöst wurde.230 Der Zweite Weltkrieg dagegen führte nochmals zu einer Wiederbelebung der englischen Sonntagsöffnung, da zum einen die Arbeitstage wieder länger wurden und zum anderen die Verdunkelungspflicht den Ausfall der abendlichen Öffnungsstunden bedingte.231 In den Nachkriegsjahren behielten nur wenige kommunale Einrichtungen den Bibliothekssonntag bis in die 70er Jahre bei, insbesondere in den nördlichen Industriegebieten. Während sich sonntägliche Öffnungszeiten in den akademischen Bibliotheken der Insel nach amerikanischem Vorbild weiter durchsetzten, bot 1980 nur noch eine einzige öffentliche Bibliothek, die Battersea Reference Library, diese Serviceleistung seit dem Jahr 1890 ununterbrochen an.232 Erst mit Beginn der 90iger Jahre, als mehrere Stadtbüchereien sonntägliche Öffnungszeiten als Mittel der Kundenorientierung wiederentdeckten, sorgte die Sunday Opening Question erneut für kontroversen Gesprächs-stoff im Bibliothekswesen Großbritanniens.233

B. Die Geschichte des Bibliothekssonntags in Deutschland

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Im 5. Buch Moses, Kapitel 5, Vers 14 heißt es: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt.“

Diese Bibelstelle bildet die Grundlage für die christliche Prägung des Sonntags, seine Herausgehobenheit und seine rechtliche Anerkennung als Tag der Arbeitsruhe, die jedoch von Land zu Land unterschiedlich ausgestaltet ist. Während in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht nur der sonntägliche Kirchgang, sondern ebenso der Einkaufsbummel und Bibliotheksbesuch zur Alltagskultur zählen, wird der siebte Wochentag in Deutschland vornehmlich durch die Sonntagsruhe geprägt, die auch das Bibliothekswesen umfaßt. Bereits 1931 schrieb Gustav Abb im Handbuch der Bibliothekswissenschaft: „Während die europäischen Bibliotheken gewöhnlich an Sonntagen geschlossen sind, ist in den Vereinigten Staaten die sonntägliche Öffnung seit jeher üblich.“234 Und sein Kollege Joseph Caspar Witsch235 schrieb zehn Jahre später: „Mir ist aber keine Bücherei bekannt, die am Sonntag während der eigentlichen Freizeit des berufstätigen Menschen geöffnet ist. Nun, die Leihbüchereien sind am Sonntag auch nicht geöffnet, aber am Sonnabendnachmittag sind sie offen, und der Sonnabendnachmittag ist nach Aussage vieler Leihbüchereiinhaber und Leihbüchereiangestellter der Hauptgeschäftstag der Woche. Wir sollten jedoch auch einmal die Möglichkeit prüfen, unsere Ausleihe am Sonntagvormittag zu öffnen, wenigstens im Winterhalbjahr! [….] Die Bücherei muß zu einem Institut werden, das für jedermann jederzeit zugänglich und offen ist. In einer großzügigen Regelung der Öffnungszeiten zeigt sich die Fürsorge der Bücherei für ihre Leser eindrucksvoller und auch nachhaltiger als in vielen anderen Dingen.“236 Damit läßt sich die Auseinandersetzung über sonntägliche Bibliotheks-öffnungszeiten, die stets in Verbindung mit der jeweiligen gesellschaftlichen und juristischen Ausgestaltung der Sonntagsruhe zu sehen ist, auch in Deutschland auf historische Wurzeln zurückführen.

1. Die besondere Stellung des Sonntags in historischer Betrachtung

Die heilige Notburga (1265-1313) gilt als Schutzheilige der Sonn- und Feierabendruhe. Als das Tiroler Dienstmädchen von ihrem Dienstherrn nach Feierabend zur Feldarbeit gezwungen wurde, warf sie ihre Sichel in die Luft, die daraufhin an einem Sonnenstrahl hängenblieb.237

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Die Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz sowie zwischen Arbeits- und Freizeit ist ein modernes Phänomen, das im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung einsetzte.238 Im Mittelalter mußten die Menschen regelmäßig von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang arbeiten, mit Ausnahme des Sonntags, an dem viele Verrichtungen und Tätigkeiten nach dem Vorbild des jüdischen Sabbats streng verboten waren.239 Verletzungen des Dritten Gebots wurden als sogenannte „Sonntagsfrevel“ geahndet und zahlreiche Legenden über „Strafwunder“ als Reaktion auf Aktivitäten, die den „Tag des Herrn“ entweihten, gebildet.240 Die Reformatoren Calvin, Zwingli und Luther, die auch erstmals den sozialen Aspekt eines allwöchentlich wiederkehrenden Ruhetags betonten, lehnten die strenge „ceremonische“ Einhaltung der Sonntagsfeierlichkeiten ab.241 Gleichwohl wird der sonntägliche Alltag der Menschen auch in den protestantischen Gebieten noch lange Jahre von kirchlichen Reglementierungen bestimmt, wie Gottfried Keller in seiner Novelle „Der Landvogt vom Greifensee“ anschaulich schildert.242 Erst mit der Säkularisierung im 19. Jahrhundert vollzieht sich die endgültige Trennung zwischen der innerkirchlichen Gottesdienstfeier und der staatlich-bürgerlichen Sonntagsgestaltung.243

Eine besondere Rechtsstellung bekam der Sonntag erstmalig durch ein Gesetz, das Kaiser Konstantin der Große 321 n. Chr. erließ: "Alle Richter und Einwohner der Städte, auch die Arbeiter aller Künste, sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen."244 Unter den nachkommenden römischen Herrschern entwickelte sich der Sonntag zum allgemeinen Ruhetag und sein rechtlicher Schutz, der in Folge ebenfalls im Kodex Justinians Eingang fand, wurde zunehmend verschärft.245 Im Jahr 554 n. Chr. drohte beispielsweise der germa-nische König Childbert I. harte Strafen bei Verletzung des sonntäglichen Arbeitsverbots an und auch noch im ausgehenden Mittelalter enthielten zahlreiche Reichspolizeiordnungen Strafnormen für Verletzungen der Sabbatfeiern, die sogenannten Religionsverbrechen.246 Die meisten staatlichen Vorschriften über die Sonntagsruhe, von denen § 385 ALR (Allgemeines Preußisches Landrecht)247 die größte Bedeutung zukam, beabsichtigten indes nicht einen Schutz für die arbeitende Bevölkerung, sondern die Gewährleistung der ungestörten Durchführung des Gottesdienstes.“248

Im Zuge der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wandelte sich der Sonntag gerade in Fabriken, in denen die teuren Maschinen möglichst effizient eingesetzt werden sollten, verbreitet zum profanen Arbeitstag.249 Dem versuchten verschiedene soziale Bewegungen entgegenzuwirken, die für mehr Arbeitsschutz sowie kürzere Arbeitszeiten eintraten, insbesondere für Kinder, Jugendliche und Frauen.250 In jener Zeit dauerte ein durchschnittlicher Arbeitstag in deutschen Textilfabriken 14 bis 16 Stunden, der sich erst am Ende des 19. Jahrhunderts mit zunehmender Einführung der Schichtarbeit deutlich verkürzte.251 In bürgerlichen Kreisen entwickelte sich parallel eine neue Sonntagskultur nach biedermeierlichen Vorstellungen mit obligatorischem Kirchgang, gutem Essen und anschließendem Spaziergang im feinen „Sonntagsstaat“. Außer für die Familie nutzten die Männer den arbeitsfreien Tag auch für gesellige Zusammenkünfte, Sportveranstaltungen und für Aktivitäten in Vereinen, die im 19. Jahrhundert aufblühten.252

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Ein erster Erfolg der Arbeiterbewegung und zugleich Vorreiter der modernen Arbeitsschutzgesetzgebung war das „Preußische Regulativ über die Beschäftigung Jugendlicher in Fabriken“ von 1839,253 das die Sonn- und Feiertagsarbeit für Jugendliche unter 16 Jahren verbot.254 Dreißig Jahre später, 1869, folgte mit dem Erlaß der Gewerbeordnung (GewO) für den Norddeutschen Bund ein allgemeines sonntägliches Beschäftigungsverbot für Handel und Gewerbe.255 Mit der Reichsgründung im Jahre 1871 wurde es auf das übrige Reichsgebiet ausgedehnt und 1891 durch das Verbot sonntäglicher Ladenöffnungszeiten ergänzt, das jedoch zahlreiche Ausnahmen vorsah.256

Mit der Entstehung der Weimarer Republik fand 1919 nicht nur erstmalig der Acht-Stunden-Tag für Angestellte seine gesetzliche Verankerung, sondern vor allem auch der Schutz des Sonntags.257 Art. 139 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) statuiert: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“258 und ist bis heute in unveränderter Fassung als inkorporierter Kirchenartikel gemäß Art. 140 Grundgesetz Bestandteil der deutschen Verfassung, da sich der parlamentarische Rat 1949 nicht auf eine selbständige Regelung religiöser Sachverhalte einigen konnte.259 Abweichend hieß es dagegen im Art. 16 Abs. 2 der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik von 1949: „Der Sonntag, die Feiertage und der 1. Mai sind Tage der Arbeitsruhe und stehen unter dem Schutz der Gesetze“.260 In der neuen DDR-Verfassung von 1968 fand der Sonntag keine explizite Erwähnung, sondern Art. 34 Abs. 1 statuierte statt dessen: „Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht auf Freizeit und Erholung.“261

Während des Dritten Reiches mußte der Sonntag als Plattform für nationalsozialistische Aufmärsche, Feste und Parteiveranstaltungen dienen, ebenso für Veranstaltungen der Hitlerjugend, des Bundes Deutscher Mädel und der Organisation „Kraft durch Freude“.262 An den ersten Sonntagen der Wintermonate propagierte die Reichsregierung die sogenannten „Eintopfsonntage“, an denen die Bevölkerung auf den Sonntagsbraten verzichten und das eingesparte Geld dem Winterhilfswerk spenden sollte. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war wiederum eine erhebliche Zunahme der Sonntagsarbeit, insbesondere in der Kriegsproduktion, verbunden.

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Auch in den Anfangsjahren der Deutschen Demokratischen Republik wurde der siebte Tag der Woche, der sich von seiner christlichen zugunsten einer sozialistischen Prägung lösen sollte, für den Dienst am Volk vereinnahmt. In den 50er Jahren ergingen Appelle an die Bevölkerung, ihre Freizeit gesellschaftlichen Interessen zu widmen, namentlich dem Wiederaufbau des Landes. Selbst Lieder über den sogenannten „Aufbausonntag“ entstanden.263 Noch bis in die 60er Jahre war die individuelle, zweckfreie Erholung am Sonntag offiziell verpönt, da politisch eine „sinnvolle“ Freizeitgestaltung gewünscht war, die insbesondere die Bildung des Bürgers, beispielsweise durch das Studium klassischer oder wissenschaftlicher Werke, beinhaltete. Statt des gesellschaftlichen Engagements suchten die Menschen am Wochenende indes den Rückzug in die Privatsphäre und verbrachten ihre Freizeit vornehmlich gemeinsam mit der Familie in den eigenen Lauben und Datschen.264

Die Sonntage in der Bundesrepublik Deutschland waren vornehmlich vom privaten Häuslebauen, Sportaktivitäten, Sonntagsausflügen ins Grüne und dem wöchentlichen Kirchgang dominiert, der jedoch seit Mitte der 60er Jahre kontinuierlich an Bedeutung verlor.265 Bedingt durch das einsetzende wirtschaftliche Wachstum stieg die Nachfrage nach personenbezogenen Dienstleistungen am Sonntag an, der verstärkt zur aktiven, individuellen Freizeitgestaltung und Selbstverwirklichung genutzt wurde.266 Wesentlich dazu beigetragen hat auch der arbeitsfreie Samstag, der viele geschäftliche Besorgungen und häusliche Arbeiten auffing. Seit Mitte der 60er Jahre war die Fünftagewoche, die bereits zehn Jahre zuvor zu den wichtigsten Forderungen der Gewerkschaften zählte, für die meisten Beschäftigten in der Bundesrepublik Deutschland verwirklicht, während sie in der DDR erst nach 1967 schrittweise eingeführt wurde.267

Zur selben Zeit setzte sich in Tarifverhandlungen auch die 40-Stunden-Woche durch, obwohl die Arbeitszeitordnung (AZO) von 1938268 noch bis 1994 eine Regelarbeitszeit von 48 Stunden vorschrieb.269 Wiederholte Versuche, den in viele Rechtsgrundlagen zersplitterten Arbeitszeitschutz bereits in den Jahren zuvor umfassend neu zu regeln, scheiterten mehrmals an politischen Differenzen.270 Erst die politische Wiedervereinigung271 sowie eine Richtlinie der Europäischen Union zur Arbeitszeitgestaltung272 als auch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Gleichberechtigung von Mann und Frau im Arbeitsleben273 führten schließlich zur Vereinheitlichung des Arbeitszeitrechts.274 Mit dem Gesetz zur Vereinheitlichung und Flexibilisierung des Arbeitsrechts vom 6.6.1994 trat nach langwieriger Reformdiskussion und Gesetzgebungsverfahren das neue Arbeitszeitgesetz in Kraft, das neben der Arbeitszeitordnung von 1938 auch die Vorschriften der Gewerbeordnung über die Sonntagsruhe aufhob, die über hundert Jahre in Kraft waren.275 Das Arbeitszeitgesetz führte ebenso wie neue Ausnahmeregelungen im Ladenschlußgesetz und in den Feiertags-gesetzen der Länder zu einer Liberalisierung und Aufweichung des Beschäftigungsverbots an Sonntagen und fachte die Diskussion über das sonntägliche Verkaufsverbot nochmals an.276 Diese ist auch im neuen Jahrtausend noch nicht verklungen, in dem im Anschluß an den Güterwohlstand nun der sogenannte „Zeitwohlstand“ zunehmend an Bedeutung gewinnen wird.277

2. Die Entwicklung deutscher Bibliotheksöffnungszeiten

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Im Jahr 1785 verkündete der Erlanger Philosophie-Professor Friedrich Carl Gottlob Hirsching (1762–1800): „Wem nützen Schätze in Pallästen, wenn sie der Weisheit nicht zum Besten, als Weisheitstempel offen stehn“ und nahm mit diesem Ausspruch Bezug auf die ungenügende Zugänglichkeit der Universitätsbibliothek Heidelberg.278Das Zitat gebietet, die damaligen Nutzungsbedingungen von Bibliotheken zu hinterfragen. Eine umfassende Antwort, die der Vielfältigkeit des damaligen Bibliotheks- und Bildungswesens gerecht wird sowie die Lehrsituation an den Universitäten berücksichtigt, vermag diese Arbeit mit dem Schwerpunkt der Sonntagsöffnung indes nicht zu leisten. Um jedoch die Entstehung des Bibliothekssonntags historisch einzuordnen, folgt eine kurze Darstellung von überlieferten Öffnungszeiten vorrangig wissenschaftlicher Bibliotheken, wie sie in gängigen Sekundärquellen verzeichnet sind.279

Die Übersicht über deutsche Bibliotheksöffnungszeiten beginnt im Zeitalter des Barocks und der Aufklärung, als das wachsende Bildungsbürgertum Zugang zu den Präsenzbeständen der entstehenden weltlichen Bibliotheken suchte.280 Die öffentliche Zugänglichkeit dieser Einrichtungen, im besten Fall geregelt durch eine Benutzungsordnung, feste Besuchszeiten oder auch nur durch die Einrichtung von Lesezimmern, sind noch bis ins 19. Jahrhundert nach modernen Maßstäben als sehr eingeschränkt zu betrachten.281 Die Benutzbarkeit der Bibliothek hing in der Regel von der Dienstfertigkeit des zuständigen Bibliothekars, vom seinem guten Willen und nicht zuletzt seiner Anwesenheit ab.282 Über die Nutzungsbedingungen der Universitätsbibliothek in Heidelberg im 18. Jahrhundert ist beispielsweise überliefert, daß diese nur selten zugänglich war, weil der Bibliothekar in Mannheim wohnte und allenfalls gelegentlich in die Neckarstadt kam.283 Auch die Universitätsbibliothek Marburg blieb zehn Winter lang in Rücksichtnahme auf die Gesundheit des Bibliothekars geschlossen.284 Aufgrund der schlechten Bezahlung der Bibliothekare waren diese auf Nebentätigkeiten angewiesen und die in den Benutzungsordnungen festgeschriebenen Öffnungszeiten kamen oftmals mehr gutgemeinten Programmsätzen oder vorgeschriebenen Dienststunden als praktizierten Besuchszeiten gleich.285 Ferner verlangten verschiedene Einrichtungen eine vorherige Anmeldung des Besuchs, und Umbaumaß-nahmen bildeten Vorwände, um Bibliotheken teilweise jahrelang zu schließen.286

Die Professoren indes waren von unzulänglichen Öffnungszeiten weniger betroffen als die Studierenden. Bereits für das 16. und 17. Jahrhundert wird berichtet, daß die Magister über eigene Schlüssel verfügten oder ihnen als ausschließliche Nutzergruppe Zutritt zur Bibliothek gewährt wurde.287 So war die Universitätsbibliothek in Leipzig bis 1711 nicht für den akademischen Nachwuchs geöffnet, obwohl er verpflichtet war, Beiträge zum Unterhalt der Einrichtung zu leisten. Und die Universitätsbibliothek Marburg gewährte erst 1779 ihren Studenten vier Stunden in der Woche Zutritt, während die Professoren bereits seit 1680 tägliche Öffnungszeiten beanspruchen konnten. Dagegen ließ die Helmstedter Bibliothek Kandidaten bereits seit 1656 zur Benutzung zu.288 Als vorbildlich galt auch die 1735 gegründete Universitätsbibliothek Göttingen, die im Sinne einer modernen wissenschaft-lichen Gebrauchsbibliothek 1738 feste Öffnungszeiten von insgesamt acht Wochenstunden einführte, die Studierende nicht ausschlossen.289 Entsprechend dem Göttinger Modell waren der Mittwoch und Samstag als Öffnungstage auch in anderen Bibliotheken gebräuchlich ebenso wie längere Nutzungsmöglichkeiten im Sommerhalbjahr.290 Die längsten Besuchs-zeiten seit dem Jahr 1744 sind für die Universitätsbibliothek Würzburg überliefert, die rund 25 Stunden in der Woche öffnete.291 Ansonsten schwankten die Öffnungszeiten akade-mischer Bibliotheken im 18. Jahrhundert zwischen zwei und zwölf Wochenöffnungsstunden, ohne daß ein geregelter und regelmäßiger Zugang Standard an deutschen Hochschulen war.292 Als 1774 der Tübinger Bibliothekar Jeremias David Reuß tägliche Öffnungszeiten für die Universitätsbibliothek forderte, entschied der Senat, daß auch zwei Öffnungsstunden an zwei Wochentagen ausreichen.293

↓50

Tab. 5: Beispiele für Bibliotheksöffnungszeiten im 18. Jahrhundert294

Ort

Bibliothek

Öffnungszeiten

Wochenstd.

Jahr

Berlin

Churfürstliche Bibliothek

im Sommer von 9 bis 12 und 15 bis 19 sowie im Winter von 10 bis 12 und 15 bis 16

15 bzw. 35

295

1693 bis mind. 1734

Königliche Bibliothek

im Sommer täglich 6-19 und im Winter 8-17

45 bzw. 65

296

1783 bis 1790

Mo., Do. u. Fr. 10-12 und 14-16

12

ab 1790297

Bonn

Kurfürstliche Bibliothek

täglich morgens und mittags

18. Jh.298

Dresden

Kurfürstliche Öffentliche Bibliothek

täglich vor- und nachmittags

1788299

Erlangen

Universitätsbibliothek

vier Stunden

4

1744-1789300

Mi. und Sa. von 14-15

2

ab 1789301

Frankfurt (Oder)

Universitätsbibliothek

Täglich

täglich

1673 - 1717

2 Std. an 2 Tagen

4

ab 1717302

Freiburg

Universitätsbibliothek

Di., Do. 9-12 und 14-16 von Nov. bis März bzw. 15-17 von April bis Okt.

10

1789303

Göttingen

Universitätsbibliothek

Mi. und Sa. 14 bis 18, später Erweiterung auf 10 Wochenstd.

8 bzw. 10

1738304

Greifswald

Universitätsbibliothek

10 Wochenstunden

10

1749-1882305

Hannover

Königliche Bibliothek

täglich 10-12

rd. 10

1720

Mi. u. Sa. 10-11

2

1763306

Heidelberg

Universitätsbibliothek

nur seltener, kein regelmäßiger Zugang

 

1781307

Mi. u. Sa. Jeweils 2 Std.

4

ab 1786

Jena

Universitätsbibliothek

täglich 13-14 sowie Mi. und Sa. bis 16

9

1722 bis ins 19. Jh.308

Marburg

Universitätsbibliothek

4 Wochenstunden für Stud.

4

1779309

Straßburg

Universitätsbibliothek

ca. 8 Wochenstunden

8

17. bis 19. Jh.310

Stuttgart

Herzogliche Bibliothek

an 2 Tagen jeweils 3 Std.

6

18. Jh.311

Tübingen

Universitätsbibliothek

 

2

bis 1774

Do. 14-16 und Sa. 13-15

4

ab 1774312

Würzburg

Universitätsbibliothek

24 Wochenstunden im Sommer und 18 im Winter

24 bzw. 18

1724-1729

35 Wochenstunden

35

1729-1744

28 Wochenstunden im Sommer und 20 im Winter

28 bzw. 20

seit 1744 bis ca. 1800313

Auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts boten unzulängliche Öffnungszeiten noch Anlaß zur Klage. Im Jahr 1811 bemerkte der bedeutende Dresdner Bibliothekar und Bibliograph Friedrich Adolf Ebert (1791-1834): "Allein dann hindert das die Nützlichkeit dieser Institute [akademische Bibliotheken], daß sie größtenteils nur vier Stunden in der Woche eröffnet werden. Diese Zeit ist offenbar zu kurz, als daß man während derselben aus der Bibliothek nur ein einziges Buch gehörig lesen und excerpieren könnte. Daher kommt es eben, daß jetzt so viele Gelehrte sich die Bücher nach Hause leihen lassen, weil sie dieselben aus der Bibliothek selbst nur wenig benutzen können. Diesem würde am besten dadurch ein Ende gemacht werden, wenn man die Bibliothek wöchentlich auf wenigstens acht Stunden eröffnete. Wo es Lokalverhältnisse zulassen, öffne man sie täglich. Studierende würden sich dann mit dem größten Nutzen derselben zum Repetiren ihrer Kollegien bedienen können. Aus derselben Rücksicht dürften die Nachmittagsstunden zur Eröffnung der Bibliothek am schicklichsten und passendsten sein."314

Auch wenn die Bibliotheksöffnungszeiten des 19. Jahrhunderts für die jeweiligen Ein-richtungen in vielen Fällen hinreichend dokumentiert sind, fällt es schwer, eine systematische Übersicht zu erstellen und die oft erheblichen Differenzen zu klären. Nicht nur die Anzahl der Wochenstunden, sondern auch die Verteilung der Öffnungsstunden auf die Tageszeiten und Wochentage sowie der zugelassene Nutzerkreis waren zum Teil sehr unterschiedlich. Während Professoren in vielen Einrichtungen auch außerhalb der Öffnungszeiten Einlaß erhielten, wurden Studenten an manchen Universitäten nicht während der gesamten offiziellen Öffnungszeiten Besuchsmöglichkeiten gewährt.315 Manche Bibliothek wiederum öffnete nur für eine sogenannte „beschränkte Gebrauchsöffentlichkeit“, wie die Karlsruher Hofbibliothek, nach deren Benutzungsordnung von 1843 Nutzer lediglich „für amtliche Berufsarbeiten oder zu erwiesenen wissenschaftlichen Zwecken“ zugelassen wurden.316 Wie schon im 18. Jahrhundert waren die Öffnungszeiten im Winter aufgrund der Heiz- und Beleuchtungsprobleme oft kürzer als im Sommer, auch wenn die Bibliotheken in der kalten Jahreszeit in der Regel mehr Besucher empfingen. Eine Ausdehnung der Bibliotheksnutzung in die Abendstunden war wegen der zuvor bestehenden Rußprobleme und Feuergefahr erst ab 1870 gebräuchlich.317 Die wesentliche Ursache für die unbefriedigenden Besuchszeiten ist jedoch im unzulänglichen Einsatz an Bibliothekspersonal.zu sehen. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die „Professorenbibliothekare“ durch hauptamtliche, fachlich spezialisierte Bibliothekare abgelöst, deren Dienststunden erstmals auch tatsächlich der Zahl der Öffnungsstunden entsprachen.318 Ab 1880 läßt sich landesweit eine Vervielfachung von Bibliotheksöffnungszeiten feststellen, nachdem sie sich zuvor nur sehr langsam ausgedehnt hatten.319 Zur Jahrhundertwende hatte sich schließlich an den meisten Universitäten die moderne Gebrauchsbibliothek mit großzügiger Ausleihpraxis sowie ganztägigen und werktäglichen Öffnungszeiten durchgesetzt.320

↓51

Tab. 6: Beispiele für Bibliotheksöffnungszeiten im 19. Jahrhundert321

Ort

Bibliothek

Öffnungszeiten

Wochenstd.

Jahr

Berlin

Königliche Bibliothek

Mo. bis Sa 14 bis 17 Uhr

18

1813-1823322

Mo. bis Fr. 14 bis 16 Uhr

15

1823-1844323

Mo. bis Fr. 9 bis 13 und 14 bis 16 Uhr

30

1844-1849

Mo. bis Fr. 9 bis 16 Uhr und Sa. 9 bis 13 Uhr

39

1849-1879

Mo. bis Sa. 9 bis 19 Uhr

60

ab 1882

Bonn

Universitätsbibliothek

12 Wochenstunden

12

bis 1882324

Breslau

Universitätsbibliothek

8 Wochenstunden

8

19. Jh.325

Halle

Universitätsbibliothek

4 Wochenstunden

4

1802326

Gießen

Universitätsbibliothek

täglich 10 bis 12 Uhr

4

1837327

Göttingen328

Universitätsbibliothek

8 Wochenstunden

8

1813-1879329

36 Wochenstunden

36

ab 1883330

Greifswald

Universitätsbibliothek

10 Wochenstunden

10

1749-1882331

Jena

Universitätsbibliothek

täglich 13 bis 14 Uhr sowie mittwochs und samstags bis 16 Uhr

9

1722 bis ins 19. Jh.332

Landshut

Universitätsbibliothek

Mo.–Fr. 9-12 und 14-17

30

1811333

München

Hof- und

Staatsbibliothek

jeweils 5 Öffnungsstunden an 3 Vormittagen

15

1830

29 Wochenstunden

29

1894334

Universitätsbibliothek

Mo.-Fr. 9-12 und 14-17 sowie Sa. 9-12 (im Winter nur bis 16 Uhr)

33 bzw. 39

1828335

Oldenburg

Landesbibliothek

Mo.-Fr. 10-14 sowie Mi. und Sa. 15-17 Uhr

24

um 1850336

Straßburg

Universitätsbibliothek

ca. 8 Wochenstunden

8

17. bis 19. Jh.337

Tübingen

Universitätsbibliothek

Mo. – Fr. 6 Std. und Sa. 3 Std.

33

1881-1920338

Würzburg

Universitätsbibliothek

23 Wochenstunden

23

1823339

Dennoch reißen auch im 20. Jahrhundert Klagen über ungenügende sowie sehr unterschied-liche Bibliotheksöffnungszeiten nicht ab. Noch 1901 ließ die renommierte Heidelberger Universitätsbibliothek nur an 12 Stunden in der Woche Besucher ein und die Univer-sitätsbibliothek Tübingen verwahrte sich 1908 gegen den Wunsch längerer Ausleihzeiten mit folgender Begründung: “Der Schalterverkehr könne zu keiner Zeit ausgedehnt werden; morgens nicht, weil sonst die eingegangenen Bestellungen nicht erledigt werden könnten; mittags nicht, weil hier überall zwischen 12 und 12½ Uhr das Mittagessen beginnt; nachmittags nicht, weil keine Beleuchtungseinrichtung vorhanden sei.“340

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es als Selbstverständlichkeit angesehen, daß die Öffnungszeiten wissenschaftlicher Bibliotheken deutlich kürzer als die der öffentlichen Einrichtungen ausfielen.341 Doch haben sich die durchschnittlichen Öffnungszeiten der Hoch-schulbibliotheken in den letzten hundert Jahren mehr als verdoppelt, wie ein exemplarischer Querschnitt aus dem Jahrbuch deutscher Bibliotheken zeigt. Bei insgesamt kontinuierlicher Zunahme der Besuchszeiten ist nur in den Jahren 1940 bis 1960 ein allgemeiner Rückgang bzw. Stagnation der wöchentlichen Öffnungsstunden zu verzeichnen.342

↓52

Tab. 7: Entwicklung der Wochenöffnungsstunden zentraler Universitätsbibliotheken in Westdeutschland seit Beginn des 20. Jahrhunderts343

Bibliothek

1900

1910

1920

1930

1940

1950

1960

1970

1980

1990

2000

2004

Bonn UB

40

44

44

56

56

50

54

63

63

63

69

63

Göttingen UB

36

42,5

42,5

46,5

44

44

36

69

62,5

59,5

72

72

Hamburg UB344

48

48

60

48

34

43

45

39

41

53

63

64

Heidelberg UB

12

39

39

60

60

33,5

39

60

75,5

82,5

78

77,5

Kiel UB

30

54

54

59,5

32,5

54

54

69

66,5

56,5

66

74

Marburg UB

48

44

44

44

44

44

31

87

87

83,5

83,5

83

Münster UB

42

38

39

44

44

24

54

54

59

69

73

73

München BSB

31

55

55

55

42

35

73

63

63

60

60

74

Würzburg UB

28

36

41,5

41,5

41,5

84

58

58

70

64

74

74

Durchschnitt

35

44,5

46,5

50,5

44,2

45,7

49,3

65,4

68,3

65,7

71

72,7

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs öffneten die kommunalen Bibliotheken, bei wiederum zum Teil erheblichen Differenzen zwischen den einzelnen Häusern, im allgemeinen ein bis zwei Stunden am Vormittag, in der Regel nicht vor 11 Uhr, sowie zwei bis drei Stunden am Nach-mittag für die Ausleihe (maximal vier Nachmittagsstunden für die Lesesaalnutzung) von 16 bis 19 Uhr.345 Die Zugänglichkeit am Samstagnachmittag war eher die Ausnahme.346 Zwanzig Jahre später hatte sich die Samstagsöffnung in den westdeutschen Bibliotheken durchgesetzt. Nach einer Erhebung von 1967, in der die Besuchszeiten von 53 öffentlichen Bibliotheken in Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern einbezogen wurden, ergaben sich als Durchschnittswert 25 wöchentliche Öffnungsstunden bei zum Teil erheblichen Schwankungen.347 Rund zwei Drittel der Einrichtungen bot eine Samstags-öffnung, ungefähr die Hälfte eine Sechstagewoche und nur zwei Büchereien eine Abendöffnung bis 21 Uhr an.348

Buchausleihen in den Abendstunden stellten in den öffentlichen Bibliotheken der DDR gleichfalls eine Ausnahme dar, ebenso wie die Samstagsöffnung. Mitte der 70iger Jahre öffneten die Hauptbibliotheken der Städte mit mehr 100.000 Einwohnern rund 35 Stunden in der Woche, keine an sechs Tagen und keine länger als 19 Uhr.349 Nach den „Empfehlungen zur Gestaltung optimaler Öffnungszeiten in den Staatlichen Allgemeinbibliotheken“ des Ministeriums für Kultur der Deutschen Demokratischen Republik von 1981 sollten jedoch die wissenschaftlichen Allgemeinbibliotheken der Bezirke sowie die Stadt- und Bezirksbibliotheken an sechs Wochentagen geöffnet sein, Stadt- und Kreisbibliotheken sowie Hauptbibliotheken in Städten mit über 20.000 Einwohnern an 5 Tagen und alle übrigen an mindestens vier Tagen in der Woche. Weiter wurden möglichst gleichbleibende und einheitliche Öffnungszeiten vor allem in den Nachmittags- und Abendstunden empfohlen, damit auch Berufstätige ausreichend Gelegenheit zur Bibliotheksnutzung fänden.350

↓53

Doch nicht nur in der DDR, auch in der Bundesrepublik Deutschland wurden zentrale Vorgaben für bessere Bibliotheksöffnungszeiten nicht umgesetzt. Nach den Zielbestim-mungen des „Bibliotheksplans 1973“351 ebenso wie des Grundsatzpapiers der Bundesver-einigung Deutscher Bibliotheksverbände „Bibliotheken ’93“ sollten öffentliche Bibliotheken kleinerer und mittlerer Größe352 mindestens 35 Wochenstunden einschließlich am Samstag und großstädtische Einrichtungen353 sechzig Wochenstunden, davon zwanzig außerhalb der üblichen Arbeitszeit öffnen.354 Diese Vorgabe gilt als Mindeststandard gleichfalls für die gros-sen wissenschaftlichen Sammlungen.355 In den vergangenen zwanzig Jahren haben diese Zielvorgaben elf westdeutsche Großstadtbibliotheken, deren Besuchszeiten stellvertretend für jedes Bundesland anhand der Bibliotheksstatistik ermittelt wurden, mit einer durchschnitt-lichen, stagnierenden Wochenöffnungszeit von rund 40 Stunden auch nicht annähernd erfüllt.

Tab. 8: Entwicklung der Wochenöffnungsstunden westdeutscher Großstadt-bibliotheken in den vergangenen 20 Jahren

Bibliothek

1981

1989 356

1995

2002 357

Berlin (AGB)358

49

49

44

44

Bremen

43

41

38

37,5

Frankfurt

39

39

39

39

Hamburg

35

35

35

35

Hannover

42

42

42

37

Kiel

36

36

36

49

Köln

60

40

40

41

Mainz

36

36

36

36

München

37

51

48

52

Saarbrücken

31

30

26

31

Stuttgart

51

51

46

46

Durchschnitt

41,7

40,9

39,1

40,7

Der Bibliothekssonntag blieb nicht nur in den bibliothekspolitischen Empfehlungen, sondern auch in der bisherigen Darstellung der historischen Entwicklung der Öffnungszeiten ohne Erwähnung. Im Jahr 1811 empfing die Münchener Hofbibliothek als eine der ersten großen Bibliotheken in Deutschland ihre Leser für vier Stunden auch am Sonntag.359 Aus früheren Jahrhunderten werden zwar auch tägliche Besuchszeiten berichtet, doch es fehlt der Nachweis, daß die tägliche Bibliotheksöffnung die sonntägliche miteinschließt. Es ist vielmehr von der gegenteiligen Praxis auszugehen, wie die Benutzungsordnung der Universitätsbibliothek München aus dem Jahre 1828 anschaulich dokumentiert:„Die Bibliothek steht geöffnet alle Tage Vormittags von 9-12 Uhr und Nachmittags von 14 bis 16 Uhr, Sonn- und Feiertage mit dem Nachmittage des Sonnabends ausgenommen.“360

↓54

Ähnlich wie in den USA erhielt der deutsche Bibliothekssonntag seinen maßgeblichen Entwicklungsantrieb erst durch das Aufblühen der Sonntagsschulen, die hierzulande jedoch vermehrt gewerblich ausgerichtet waren.

3. Die Bedeutung der Sonntagsschulbibliotheken in Deutschland

Der Erfolg britischer Sonntagsschulen nach dem Vorbild von Robert Raikes strahlte auch nach Deutschland aus.361 Obwohl sonntäglicher Katechismusunterricht für Kinder schon seit der Reformation verbreitet war, entstanden am Ende des 18. Jahrhunderts Sonntagsschulen neuen Typus, die sich vornehmlich an Jugendliche richteten und als nachträgliche Ergänzung der Schulbildung und Mittel der Volksbildung verstanden wurden.362 In Abgrenzung zu den kirchlichen Sonntagsschulen wurden sie gewerbliche Sonntagsschulen genannt - auch die Bezeichnungen bürgerliche Sonntagsschule, Feiertagsschule oder Handwerker-Sonntagsschule waren gebräuchlich363 -, weil ihre primäre Zielgruppe junge Menschen waren, die sich früh gewerblich beschäftigen mußten und keine ausreichenden Bildungschancen besaßen.364 Gerade am Sonntag, an dem für Jugendliche unter sechzehn Jahren in Preußen ab 1839 ein allgemeines Arbeitsverbot bestand, wurden viele junge Männer, für die kaum altersgerechte Freizeitmöglichkeiten bestanden, sozial auffällig durch Prügeleien, Trunkenheit, Kleinkriminalität u.ä.365

Entsprechend der Vielfältigkeit des damaligen Schulwesens, das noch wenig durch zentrale Instanzen reglementiert war, hatten die Sonntagsschulen nicht nur verschiedene Namen und Konzepte, sondern ebenso unterschiedliche Träger. Neben den Kommunen und dem Staat engagierten sich insbesondere Vereine und Privatleute, die zumeist aus wohltätiger und moralischer Gesinnung handelten.366 In Deutschland gründeten Andreas Forster 1788 die erste gewerbliche Sonntagsschule in Landshut und Franz Xaver Kefer 1793 eine Einrich-tung in München. Den Erfolg dieser letztgenannten Schule nahm Kurfürst Maximilian IV. Joseph367 als Vorbild für seinen Sonn- und Feiertagsschulerlaß von 1803,368 nach dem in allen bayerischen „Städten, Märkten und Pfarrdörfern“ Sonntagsschulen zu errichten waren.369 Die Blütezeit der gewerblichen Sonntagsschulen in Deutschland ist zwischen 1825 und 1870 anzusetzen, die sich jedoch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend in werktägliche Handwerkerschulen, Gewerbeschulen, Fachschulen, Berufsschulen, Fort-bildungsschulen für Freie Berufe, städtische Berufskollegs und später auch in Fachhochschulen umwandelten,370 in denen insbesondere Abendunterricht erteilt wurde.371 Auch wenn der Einfluß der gewerblichen Sonntagsschulen als Keimzelle des modernen Berufsschul- und Fachschulwesens nicht zu unterschätzen ist, haben sie indes aufgrund eines insgesamt besser organisierten öffentlichen Schulwesens nie eine vergleichbar große Bedeutung wie die Sunday Schools in den Vereinigten Staaten errungen.372 Im Jahr 1888 wurden im gesamten Reichsgebiet schließlich nur noch rund 230.000 Schüler von 30.000 Lehrern regulär sonntags unterrichtet.373

↓55

Durch zeitgenössische Veröffentlichungen und grundlegende theoretische Konzepte374 wirkte insbesondere eine Person wegweisend für die neue Schulform der gewerblichen Sonn-tagsschule: der sächsische Rentamtmann Karl Benjamin Preusker (1786-1871).375 Über seine 1828 in der industriell geprägten Kleinstadt Großenhain gegründete Polytechnische Sonntagsschule schrieb er: „Der Zweck der Sonntagsschule ist im Allgemeinen die Ausbil-dung der Handwerkslehrlinge und Gesellen in den zu ihrem Stande erforderlichen Schul-kenntnissen. Insbesondere solle diese Anstalt dazu dienen, theils um frühern mangelhaften Schulunterricht ersetzen, theils um in den, mit besonderer Hinsicht auf den Gewerbsstand vorgetragenen wissenschaftlichen Kenntnissen weiter fortschreiten, und sich zugleich in mehrern für ihr Fach unentbehrlichen Kunstfertigkeiten üben zu können.“376 Die Bekanntheit des Altertums- und Heimatforschers Preusker gründete jedoch nicht nur auf seinem neuartigen Schulkonzept, sondern im wesentlichen auf seiner zeitgleichen intensiven Werbung und Förderung von Bibliotheken, die ihn zum Wegbereiter des öffentlichen Bibliothekswesens in Deutschland werden ließen.377 Die Großenhainer Sonntagsschule war von Beginn an mit einer eigenen Schulbibliothek ausgestattet, die anfänglich 131 Bücher umfaßte.378 Sie wurde in den folgenden Jahren weiter ausgebaut und im Jahr 1833 zur „Stadtbibliothek“ und damit zur ersten öffentlichen Bürgerbibliothek im Lande.379

Doch nicht nur in Großenhain bestand diese enge Verzahnung zwischen Bibliotheks-gründung und Sonntagsschule. Ein weiteres Beispiel ist aus dem sächsischen Zwickau anzuführen. Die heutige Bibliothek der Westsächsischen Hochschule Zwickau führt ihre Entstehung ebenfalls auf das Jahr 1828 zurück, als der polytechnische Leseverein der Stadt die Zwickauer Sonntagsschule ins Leben rief. 1848 schrieb der Zwickauer Stadtrat an Karl Benjamin Preusker in einem Dankesschreiben für ein Buchgeschenk: "[...] eine Bibliothek, wie Sie sie in Ihrem Werke nach Inhalt und Zweck beschreiben, ist in unserer Stadt mit der Sonntagsschule verbunden und daher jedem zugänglich, der entweder diese besucht oder gegen einen sehr geringen Beitrag Mitglied des Vereins für Unterhaltung und Beförderung der Sonntagsschule ist. Wir glauben daher in Ihrem Sinne gehandelt zu haben, indem wir Ihr Werk zur Bibliothek der Sonntagsschule gegeben haben."380 Im Jahr 1872 umfaßte die Bibliothek 208 Bände, die auch für acht Tage nach Hause entliehen wurden, und war sonntags jeweils von 13 bis 14 Uhr geöffnet.381

Auch in Württemberg nahmen sonntagsgeöffnete Schulbibliotheken eine herausgehobene Stellung in der allgemeinen Literaturversorgung ein. Bereits 1808 wurde eine Königliche Ver-ordnung über Schulbibliotheken erlassen, in der zu lesen ist: „Die Schulbüchersammlung kann auch von Gemeindegliedern benützt werden, wenn ihnen das Schulzimmer von Sonn- und Feiertagen Abends (wenigstens im Sommer) geöffnet wird, wozu sie ein verständiger Pfarrer durch mancherlei Vorstellungen und Mittel reizen kann.“382 Stärker auf gewerbliche Inhalte waren wiederum die Sonntags-Leseanstalten für Handwerksgehilfen ausgerichtet, deren Existenz u.a. in den Städten Tübingen, Stuttgart, Geislingen, Biberach, Hall und Heidenheim nachzuweisen ist und deren Stuttgarter Einrichtung 1835 rund 200 Besucher pro Sonntag empfing.383

4. Die Bücherhallenbewegung und sonntägliche Öffnungszeiten

↓56

Als der preußische Jurist und Historiker Friedrich von Raumer (1781-1873) im Jahr 1846 dem Berliner Senat eine Stiftung zur Errichtung von Volksbibliotheken anbot, forderte er Mindestöffnungszeiten von einer Stunde täglich.384 Fünfzig Jahre später konstatierte Emil Jaeschke, Stadtbibliothekar von Elberfeld: „Als zwei der hauptsächlichen Unterscheidungs-merkmale zwischen der alten und neuen Volksbibliothek hatten wir die Ausdehnung der Öffnungszeiten auf mehrere Stunden an jedem Tage und die Befreiung der Besucher von allen irgendwie entbehrlichen Förmlichkeiten kennen gelernt. Die frühere Volksbibliothek war überall nur an einigen Stunden in der Woche geöffnet, und ihre Benutzung von der Beibringung eines Bürgschaftsscheines oder Hinterlegung eines Pfandes abhängig gemacht. Daher erklärt sich auch zu einem großen Teil der geringe Erfolg, den viele dieser Anstalten aufzuweisen hatten. Wenn die Bibliothek, wie es ja ihr Zweck ist, wirklich allen 385 Bevölkerungsschichten zugänglich sein soll, so muß sie auch zu denjenigen Zeiten geöffnet sein, an denen die Bewohner der Stadt Muße zu ihrem Besuche haben [….386]. In allen Fällen muß aber darauf hingearbeitet werden, daß er [der Lesesaal] an allen Wochentagen und unbedingt auch sonntags geöffnet ist. Denn oft sind ganze Bevölkerungsklassen, wie z.B. die männlichen und weiblichen kaufmännischen Angestellten, nur an Sonn- und Feiertagen in der Lage, die Lesehalle zu besuchen; sie ihnen zu erschließen, muß als eine unserer vornehmsten Aufgaben angesehen werden.“387 Die Elberfelder Stadtbücherei entstand 1902 aus der Bücherhallenbewegung unter maßgeblicher Mitwirkung von Nörrenberg nach anglo-amerikanischem Vorbild.388 Drei Jahre zuvor erging an die Magistrate aller deutschen Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern der Aufruf der Comenius-Gesellschaft389 „Schafft Bücherhallen!“390 Der Appell enthielt eine Anlage mit sechs „Grundsätzen für die Einrichtung freier öffentlicher Bibliotheken (Bücherhallen)“, in denen abschließend gefordert wurde: „freier, durch unnötige Förmlichkeiten nicht erschwerter Zutritt für Jedermann an jedem Tage“.391

Die um die Jahrhundertwende neugegründeten Lesehallen sahen sich als bedarfsorientierte Gebrauchsbibliotheken, die sich insbesondere die Ansprache der unteren sozialen Klassen, die kein ruhiges Heim besaßen, in dem ungestörtes Lesen möglich war, zur Aufgabe gesetzt hatten.392 Nachdem 1891 im Deutschen Reich sonntägliche Ladenöffnungszeiten generell verboten wurden, war der Sonntag angesichts einer regulären Sechs-Tage-Woche und einer insgesamt hohen Arbeitsbelastung der einzige Wochentag, an dem alle Bevölkerungs-schichten ausreichend Muße für einen Bibliotheksbesuch fanden.393 Vor diesem Hintergrund führten die freien öffentlichen Bibliotheken, wie sie sich auch in Anlehnung an den eng-lischen Begriff Free Public Libraries nannten, großzügige Öffnungszeiten vornehmlich in den Abendstunden und am Sonntag ein.394 Manche Einrichtungen wie die Berliner Lesehallen, die Kölner Volksbibliothek,395 die Städtische Volksbücherei Duisburg, die Lesehalle in Ulm und die Volksbücherei Lübeck waren sogar ausschließlich außerhalb der üblichen Arbeitszeiten, zum Teil bis 22 Uhr am Abend geöffnet.396 Daß sechs Besuchsstunden am Sonntag zusätzlich zu den drei täglichen Abendstunden für das Lesepublikum eine enorme Serviceerweiterung darstellten, zeigt das Lübecker Beispiel anschaulich. Noch fünf Jahre zuvor war die Bücherei an lediglich zwei Stunden in der Woche zugänglich.397 Die Kölner Volksbibliothek erhöhte ihre Besuchszeiten sogar von drei Wochenstunden im Gründungsjahr 1890 auf 63 Wochenöffnungsstunden im Jahr 1907.398

Tab. 9: Beispiele ehemals sonntagsgeöffneter Lesehallen, Stadt- und Volksbibliotheken399

Ort

Bibliothek

Sonntagsöffnung

Jahr

Berlin

Lesehalle der deutschen Gesellschaft für ethische Kultur

9.30-13.00 und 17.00-22.00

1895 bis ca. 1927400

Lesehallen und Volksbibliotheken der Stadt Berlin

10.00-12.00

1896401

Bremen

Lesehalle

1902402

Dresden

Städtische Zentralbibliothek

11.00-13.00

um 1915403

Zentral-Arbeiterbibliothek, Zweigstellen Döhlen und Coschütz

10.00-12.00

um 1915404

Duisburg

Städtische Volksbücherei

11.00-13.00

1901405

Essen

Lesehalle im Waldthausengebäude

11-13 und 16-20

1904406

Großenhain

Stadtbibliothek

1833407

Hagen

Volksbibliothek

11.00-13.00

1899408

Köln

Volksbibliothek

15.00-18.00

mind. von 1891-1907409

Lübeck

Volksbücherei

6 Stunden

1897410

Ratingen

Volksbibliothek

1923411

Stuttgart

Volksbibliothek

17.00-21.00

1897 und 1907412

Ulm

Lesehalle

16.00-18.00

1896413

↓57

Die Mehrzahl der aufgelisteten Nachweise sonntäglicher Besuchszeiten fällt in die Periode von 1890 bis 1915. Nach dem Ersten Weltkrieg ist der Bibliothekssonntag nur noch in Ausnahmefällen nachzuweisen, wozu zum einen finanzielle Engpässe aufgrund der Inflation und zum anderen eine veränderte Schwerpunktsetzung der Bibliothekspolitik beigetragen haben.414 Gerade die Einrichtungen, die der „neuen“ oder „Leipziger Richtung“ von Walter Hofmann (1879–1952) folgten und ihre Hauptaufgabe in der pädagogischen Führung des Lesers hin zu anspruchsvoller Lektüre sahen, fokussierten sich vornehmlich auf den Bestandsaufbau und das Beratungsgespräch. Den Öffnungszeiten kam in diesem Konzept keine Bedeutung zu und die rege Besuchernachfrage in den Lesehallen am Wochenende wurde von Anhängern Hofmanns u.a. als „Massenbetrieb“ und „Mißbrauch als Wärmehallen“ kritisiert.415 Folgerichtig stellte Gustav Abb 1931 im Handbuch der Bibliothekswissenschaft fest, daß „europäische Bibliotheken gewöhnlich an Sonntagen geschlossen sind.“ Und Joseph Caspar Witsch erklärte 1942, keine Bibliothek zu kennen, die sonntags Besucher empfange.416

5. Der Bibliothekssonntag nach 1945

Während die Sonntagsöffnung im öffentlichen Bibliothekswesen um die Jahrhundertwende recht verbreitet war, fand diese Entwicklung keinen Widerhall bei den wissenschaftlichen Einrichtungen. Nur von drei Bibliotheken ist bekannt, daß sie bereits vor dem Zweiten Weltkrieg sonntägliche Besuchszeiten anboten: die Münchner Hofbibliothek um das Jahr 1811,417 die Markgräflich-Badische Hofbibliothek in Karlsruhe um das Jahr 1906418 und die Bibliothek des Deutschen Museums in München durchgehend seit 1932.419

Auch in den Aufbaujahren nach 1945 erlangte der Bibliothekssonntag keinerlei Relevanz - mit Ausnahme der großen Bibliotheken in der Deutschen Demokratischen Republik. Die Deutsche Bücherei in Leipzig führte 1947 die Sonntagsöffnung ein, gefolgt von der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin sowie der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden im Jahr 1949. Die mehrstündigen Öffnungszeiten bis zum Teil spät am Abend sowie auch regel-mäßige Bibliotheksführungen am Sonntag wurden bis ca. 1965 beibehalten.420 In dieser Zeit propagierte die DDR-Führung noch den sog. „Aufbau-Sonntag“, an dem individuelle, zweckfreie Erholung verpönt und „sinnvolle“, politisch engagierte Freizeitgestaltung, wozu auch literarische Weiterbildung zählte, offiziell erwünscht war.421 Zeitgleich mit der Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit, der schrittweisen Einführung der Fünftagewoche sowie der verfassungsrechtlichen Verankerung eines persönlichen Erholungsanspruchs in den 60er Jahren entfielen auch die sonntäglichen Öffnungszeiten.422

↓58

Tab. 10: Sonntagsgeöffnete Bibliotheken in der Deutschen Demokratischen Republik

Ort

Bibliothek

Sonntagsöffnung

Jahr

Berlin

Deutsche Staatsbibliothek

13.00-20.00

1949 bis Mitte der 60er Jahre423

Dresden

Sächsische Landesbibliothek

10.00-19.00

1949 bis 1965424

Leipzig

Deutsche Bücherei

14.00-22.00

1947 bis 1963425

Magdeburg

Stadtbibliothek

Bibliotheksführungen und andere Veranstaltungen im 4-Wochenrhythmus

1970 bis mind. 1993426

Sonntagsöffnungszeiten im öffentlichen Bibliothekswesen der DDR sind nicht bekannt und selbst Besuchsmöglichkeiten am Samstag waren Mitte der 70er Jahren eher der Ausnahme- als der Regelfall.427 Eine besondere Tradition pflegte dagegen die Stadtbibliothek Magdeburg. Seit 1970 organisierte sie einmal im Monat Sonntagsführungen, um insbesondere ihre Altbestände einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nachdem dieses Angebot nur eine geringe Nachfrage fand, entwickelte sie 1981 unter dem Namen „Bibliothekssonntag“ ein neues Programm mit thematischen Schwerpunkten, das bis Mitte der 90er Jahre zur bestbesuchten Veranstaltungsreihe der Stadtbibliothek zählte.428

In der Bundesrepublik Deutschland setzte die Entwicklung sonntäglicher Bibliotheksöff-nungszeiten im Jahr 1967 ein, als die Universitätsbibliothek Marburg beim Bezug ihres Neubaus als erste Hochschuleinrichtung Besuchszeiten am Sonntag einführte. In den 70er und 80er Jahren folgten ihr neben einigen kleineren kommunalen Büchereien die Bibliothek der Medizinischen Hochschule Hannover (1970), die Bereichsbibliothek Rechts- und Wirt-schaftswissenschaften Osnabrück (1981), die Zentrale Medizinische Bibliothek Marburg (1984) sowie die Universitätsbibliotheken Hohenheim und Bielefeld (jeweils 1975).429

↓59

Tab. 11: Einführungsjahr noch bestehender sonntäglicher Bibliotheksöffnungszeiten430

Jahr

Anzahl

Bibliotheken

1932

1

Bibliothek des Deutschen Museums München

1952

1

Bücherei der Gemeinde Burgkirchen

1957

1

Gemeindebücherei Dietramszell

1967

1

Universitätsbibliothek Marburg

1970

1

Bibliothek der Medizinischen Hochschule Hannover

1975

2

Universitätsbibliothek Bielefeld, Universitätsbibliothek Hohenheim

1977

1

Gemeindebücherei Kösching

1981

2

Bereichsbibliothek Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Osnabrück, Stadtbücherei Heimbach

1984

1

Zentrale Medizinische Bibliothek Marburg

1985

1

Gemeindebücherei Quierschied

1989

1

Gemeindebücherei Westerheim

1990

2

Bibliothek am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin, Stadtbücherei Aichtal

1993

1

Zweigbibliothek Medizin Münster

1994

6

Bibliothek der Theologischen Hochschule Friedensau,431 Juristisches Seminar Heidelberg, Stadtbibliothek Belzig, Stadtbibliothek Schotten, Teilbibliothek Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Jena, Universitätsbibliothek Paderborn

1996

1

Stadtbibliothek Bad Brückenau

1997

3

Juristisches Seminar Marburg,432 Mediathek des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, Stadtbibliothek Kreuztal

1998

1

Zweigbibliothek Rechtswissenschaft Halle

1999

1

Universitätsbibliothek Halle

2000

1

Ärztliche Zentralbibliothek Hamburg

2001

4

Bayerische Staatsbibliothek München, Hochschulbibliothek Pforzheim Standort Wirtschaft und Technik, Universitätsbibliothek Konstanz

2002

5

Bibliothek der Fakultät für klinische Medizin Mannheim, Bibliothek der Tierärztlichen Fakultät München, Universitätsbibliothek Gießen, Zweigbibliothek Erziehungswissenschaften Halle, Zweigbibliothek Weinberg Halle

2003433

8

Bereichsbibliothek Betriebswirtschaftslehre Mannheim, Deutsche Zentralbibliothek für Medizin Köln,434 Sächsische Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden,435 Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen,436 Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt a.M., Teilbibliothek Recht I und Wirtschaft Regensburg, Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Zweigbibliothek Neuphilologie Halle

Während in den vierzig Jahren (1949 bis 1989) vor der Wiedervereinigung nur insgesamt zwölf westdeutsche Bibliotheken die Sonntagsöffnung dauerhaft einführten, stieg die Anzahl der Einrichtungen in den 90er Jahren sprunghaft an. Allein im Zeitraum 1990 bis 2000 kamen 17 weitere Institutionen hinzu, unter ihnen fünf ostdeutsche.437 Im neuen Jahrtausend erhöhte sich das Quantum in nur drei Jahren nochmals um 17 Bibliotheken, die ihre Öffnungszeiten auf sieben Tage in der Woche erweiterten. Bei einer genauen Analyse der Daten lassen sich für bestimmte Städte wie München, Marburg und Mannheim interessante Dominoeffekte nicht übersehen, die insbesondere beim Bibliothekssystem der Universitäts- und Landesbibliothek Halle ins Auge fallen: Nachdem die Zweigbibliothek Rechtswissen-schaft im Jahr 1998 als erste Einrichtung die Sonntagsöffnung einführte, folgte ihr nur ein Jahr später die zentrale Universitätsbibliothek nach. 2002 kamen zwei weitere Zweigbiblio-theken hinzu und 2003 schließlich die fünfte Institution vor Ort. Diese Entwicklung spricht nicht nur für eine gute Nachfragedeckung, sondern zeigt auch, daß durch die Einführung des neuen Serviceangebots das Interesse bei den benachbarten Bibliotheken geweckt wurde.

C. Ergebnis

Der Wegbereiter des öffentlichen Bibliothekswesens Karl Benjamin Preusker schrieb 1839: „Die Öffnung der Bibliothek muß zu einer, auch für den vielbeschäftigten Bürger geeigneten Zeit erfolgen und zwar wenigstens 1-2 Stunden an einigen Wochentagen und unerlässlich auch ebenso an einem Sonntags-Vor- oder Nachmittage. [….] Will man die Bibliothek benutzt sehen, und zwar auch von dem gewerbetreibenden Bürger, so muß man auch auf deren eigenthümlichen Verhältnisse Rücksicht nehmen, welche denselben oft nur am Sonntage auszugehen erlauben,438 will man dieses nicht beachten, so kann die Errichtung solcher Bibliotheken unterbleiben, denn sie würden nur das Schicksal so vieler Schul-, Raths- und sonstigen Bibliotheken haben, nehmlich nicht oder nur selten beachtet, selbst auch wohl nicht gekannt zu sein, wenigstens vom gewerbetreibenden Bürgerstande, dem es zugleich gilt.“

↓60

Das Los der Bibliotheken, das Preusker in diesen Zeilen beschreibt, zeugt mit nur wenigen Ausnahmen von unzulänglichen Benutzungsbedingungen aufgrund zu kurzer und oft beliebiger Öffnungszeiten, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts dominierten. Erst mit der Professionalisierung des Bibliothekswesens und dem zunehmenden Vorbild der bedarfsorientierten Gebrauchsbibliothek aus den USA setzten sich in Deutschland allmählich großzügigere Öffnungszeiten durch. In diesen Zeitraum fällt auch der Entwicklungsbeginn des Bibliothekssonntags, der hierzulande im Gegensatz zu Großbritannien keine politischen Diskussionen hervorrief. Als sein Wegbereiter dienten die Bibliotheken der gewerblichen Sonntagsschulen, an deren Entwicklung Preusker maßgeblich beteiligt war. Wirklich zum Durchbruch verhalf der Sonntagsöffnung indes die Bücherhallenbewegung zur Jahrhundert-wende, als viele neugegründete und bedeutende Lesehallen mehrstündige Sonntags-öffnungszeiten nach amerikanischem Beispiel unterhielten. Doch die benutzungsfreundlichen Grundsätze der „freien öffentlichen Bibliotheken“ gerieten nach dem Ersten Weltkrieg zunehmend in Vergessenheit und die Sonntagsöffnungszeiten der großen ostdeutschen Bibliotheken in den Anfangsjahren der Deutschen Demokratischen Republik basierten ideologisch auf dem Gedanken der Volkserziehung und der gesellschaftlich engagierten Freizeitgestaltung.

Nicht früher als Ende der 60er und Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde der dienstleistungsorientierte Bibliothekssonntag amerikanischer Prägung in der Bundesrepublik Deutschland wiederentdeckt, weniger von kleineren öffentlichen Bibliotheken als erstmals von den, zum Teil neugegründeten Universitätsbibliotheken. Nach der Wiedervereinigung nahm die Entwicklung sonntäglicher Bibliotheksöffnungszeiten einen lebhaften Aufschwung, der sich im neuen Jahrhundert nochmals beschleunigte und als Beginn einer großflächigen Durchsetzung des Bibliothekssonntags zu werten ist. Doch während sich die bisherige Ausbreitung im wesentlichen auf den wissenschaftlichen Bereich beschränkte, richtet sich die Zukunftsperspektive auf das öffentliche Bibliothekswesen. Für 2004 plant die Stadtbibliothek Bremen die Einführung der Sonntagsöffnung ebenso wie die Zentral- und Landesbibliothek Berlin für das Jahr 2006. Sie wären gegenwärtig die ersten Großstadtbibliotheken mit diesem Serviceangebot und würden damit wieder an die hundert Jahre zurückliegende Tradition der Bücherhallenbewegung anknüpfen.


Fußnoten und Endnoten

166  Vgl. Brandenstein (1999), S. 207.

167  In einem Interview „Auf der Suche nach Mäusepang“ mit der taz Bremen vom 14.5.2002.

168  Siehe zu dieser Problematik Einleitung Punkt B.

169  Und weiter: „Nur an folgenden Tagen sind sie geschlossen: am Neujahrstage, am Charfreitage, an dem ersten und zweiten Oster- und Pfingstfeiertage, am Bußtage und vom 24. bis zum 26. Dezember.“ Zitiert nach Buchholtz (1900), S. 110f.

170  Fontane (1929), S. 62.

171  Graf (1999), S. 217.

172  Nörrenberg (1896), S. 15. Bereits zehn Jahre zuvor hatte sein österreichischer Kollege Eduard Reyer (1849-1914) amerikanische Bibliotheksöffnungszeiten ebenfalls als wegweisend beschrieben: „Bei einer vergleichenden Betrachtung der amerikanischen und europäischen Bibliotheken fallen folgende Punkte auf: Unsere Bibliotheken standen in der alten Zeit oft nur an einigen Tage der Woche und nur während weniger Stunden offen, sie wurden im Laufe eines Jahres nur einige hundert, sicher selten über 1.000 Stunden lang benutzt, ein Missverhältnis, welches sich in den letzten Decennien fast überall gebessert hat, indem die meisten europäischen Bibliotheken jetzt doch etwa 2.000 Nutzstunden aufweisen; die amerikanischen Bibliotheken sind aber noch rascher vorgegangen, viele haben jährlich über 3.000, ja 3.600 Nutzstunden, das Journalzimmer mancher Bibliothek hat sogar 4.000 Nutzstunden“; vgl. Reyer (1886), S. 125.

173  Die Entwicklung und Konflikte werden in den folgenden Abschnitten dargestellt.

174  Keller (1942), S. 732.

175  Davis (1994), S. 610.

176  Keller (1942), S. 733f.

177  So zu lesen im Jahresbericht der American Sunday School Union und weiter: „to circulate moral and religious publications in every part of the land and to endeavor to plan a Sunday school wherever there is a population“.

178  Davis (1994), S. 611 und Briggs (1961), S. 166.

179  Durchaus in dieser Reihenfolge.

180  Briggs (1961), S. 167.

181  Keller (1942), S. 736f.

182  Rovelstad (1988), S. 17.

183  Über die Sonntagsöffnung der Kommunalbibliotheken siehe weiter unten im Abschnitt A 2.

184  Briggs (1961), S. 171f.

185  Keller (1942), S. 735.

186  Briggs (1961), S. 169.

187  Gegenüber 1.210 Public Libraries mit 1.380.000 Medieneinheiten; vgl. „Census Data for the Year 1850“ unter http://fisher.lib.virginia.edu/cgi-local/censusbin/census/cen.pl?year=850.

188  Keller (1942), S. 737.

189  Der Niedergang der Sonntagsschulen dagegen setzte erst nach dem Ersten Weltkrieg ein; Davis (1994), S. 610.

190  Die Public Library Movement setzte um 1850 ein; vgl. Briggs (1961), S. 176, Keller (1942), S. 738 und Rovelstad (1988), S. 17.

191  Briggs (1961), S. 176 und Rovelstad (1988), S. 17.

192  Davis (1994), S. 611 und Keller (1942), S. 731.

193  Vgl. Keller (1942), S. 736.

194  Vgl. Keller (1942), S. 731.

195  Auch wenn die Befürchtung bestand, daß die Sonntagsöffnung von Bibliotheken zur weiteren „Aushöhlung“ der allgemeinen Sonntagsruhe beitrage könne, vgl. Cutler (1889), S. 176 und S. 183.

196 Vgl. Abb (1931), S. 378.

197  Als erste wissenschaftliche Bibliothek mit Sonntagsöffnung, die bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts an Sonntagen zugänglich war, gilt das Boston Athenaeum; vgl. Cutler (1889), S. 176.

198  Jackaman (1980), S. 101 sowie Green (1884), S. 85.

199  Cutler (1889), S. 180f.

200  Die längsten sonntäglichen Öffnungszeiten von 7 bis 22 Uhr wurden von der Library Association of Portland (Oregon) berichtet, vgl. Cutler, S. 181.

201  Green (1884), S. 85 sowie Anonymus (1907), S. 103.

202  Anonymus (1907), S. 103ff und vgl. auch Moffet (1907), S. 112.

203  Green (1884), S. 85 sowie Anonymus (1907), S. 103ff.

204  Vgl. Moffet (1907), S. 112f.

205  1850 wurden bereits die Public Library Acts erlassen; vgl. Jackaman (1980), S. 92.

206  Ohne Essenspausen und oft noch zusätzlichen Überstunden; vgl. Jackaman (1980), S. 93.

207  Auch wenn an diesem oft nur bis zum frühen Nachmittag gearbeitet wurde.

208  Jackaman (1980), S. 94f.

209  Jackaman (1980), S. 96 und 98.

210  The Sunday Review. A quarterly Journal of the Sunday Society, advocating the Opening of Museums, Art Galleries, Libraries and Gardens on Sundays. Bd. 1. Nr.1 – Bd. 14. Nr. 53. OKt. 1876-Jan. 1890. Publisher: London, 1876-90.

211  Hedges (1996), S. 32.

212  Davis (1994), S. 18.

213  Jackaman (1980); S. 98.

214  Vgl. Davis (1890), S. 9-18.

215  Die LDOS vereinigte sich bereits 1831; Jackaman (1980), S. 96f und Hedges (1996), S. 32.

216  Herausgegeben in London von der Lord's Day Observance Society.

217  Vgl. Hedges (1996), S. 32 sowie Jackaman (1980), S. 103 und auch Cutler (1889), S 180.

218  Vgl. Jackaman (1980), S. 96f.

219  Bei einer Befragung im Jahr 1903 gaben nur sechs von 33 Bibliotheken an, daß die Sonntagsöffnung die hohen Erwartungen rechtfertige; wobei der Personaleinsatz am Wochenende je nach Einrichtung unterschiedlich gestaltet war: mit dem Einsatz von Extra-Personal, nach dem Rotationsprinzip oder Ausgleichsruhetagen unter der Woche; vgl. Jackaman (1980), S. 104. Im übrigen waren die Arbeitszeiten der Bibliothekare ähnlich lang wie die der Fabrikarbeiter. Während ein normaler Arbeitstag zur damaligen Zeit von 6 bis 18 Uhr dauerte, öffneten die britischen Bibliotheken Ende des 19. Jahrhunderts von 9 bis 21 Uhr, manche ausschließlich am Abend.

220  Hedges (1996), S. 31f.

221  Vgl. Hedges (2002).

222  U.a. 1856 und 1882; vgl. Jackaman (1980), S. 99f und Cutler (1889), S. 177.

223  Jackaman (1980), S. 103f. Dennoch wurden im Jahr 1905 mehrere Fälle bekannt, in denen Bibliothekare an sieben Tagen der Woche arbeiteten.

224  Jackaman (1980), S. 98.

225  Von 15 bis 21 Uhr; vgl. Davis (1994), S. 16.

226  Darunter die Kommunen Manchester, Birmingham, Bradford, Northampton, Stockport, Chelsea, Kensal Town, Kensington, Newcastle-on-Tyne, Middlesborough, Salford, St. Helens, Oldham, Rochdale, Wigan und Oxford, vgl. Davis (1994), S. 15. Im Jahr 1891 konnte Thomas Greenwood in seinem Buch über öffentliche Bibliotheken insgesamt 24 sonntagsgeöffnete Bibliotheken, darunter sieben Londoner Einrichtungen, nachweisen; vgl. Greenwood, Thomas: Public libraries: a history of the movement and a manual for the organization and management of rate-supported libraries. 4th ed., London, 1891.

227  1900 öffneten 18 von 33 öffentlichen Bibliotheken in London sonntags; vgl. Jackaman (1980) S. 103 und Hedges (1996) S. 31.

228  Jackaman (1980), S. 102 sowie Davis (1994), S. 16. 1878 waren es im Durchschnitt noch 2.714 sonntägliche Besucher; vgl. Hedges (1996), S. 35.

229  Außerhalb Londons hatten 13 von 24 Bibliotheken in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern die Sonntagsöffnung eingeführt. Eine Vielzahl dieser Bibliotheken berichtete, daß an diesem Wochentag vornehmlich Kinder und jugendliche Nutzer kämen, und nannte diesen Umstand auch als Grund für eine spätere Einstellung des Angebots. Im Jahr 1905 standen, die hauptstädtischen Einrichtungen nicht mitgerechnet, fünfzig Bibliotheken, die sonntags öffneten, 52 geschlossenen Häusern gegenüber, von denen 26 die Sonntagsöffnung, zumeist wegen schlechter Resonanz, wieder aufgegeben hatten; vgl. Jackaman (1980), S. 102ff. Davis berichtet indessen, daß noch 1890 der Sonntag in vielen Kommunen der bestfrequentierte Besuchstag war; Davis (1994), S. 16.

230  Die Kosten für die sonntägliche Öffnung sollten in den Ankauf neuer Bücher investiert werden. 1933 gab es in London nochmals eine Kampagne für die Sonntagsöffnung von Bibliotheken und auch der National Council of Women forderte 1949 beiseiner jährlichen Konferenz die Wiedereinführung des Bibliothekssonntags, jedoch ohne nachhaltige Wirkung; vgl: Jackaman (1980), S. 104ff.

231  Hedges (1996), S. 35.

232  Jackaman (1980), S. 106.

233  Siehe hierzu Kap. 1 B 3.

234  Abb (1931), S. 378.

235  Zu Witschs Rolle im Nationalsozialismus vgl. Angelika Hohenstein: Joseph Caspar Witsch und das Volksbüchereiwesen unter nationalsozialistischer Herrschaft. Wiesbaden: Harrassowitz, 1992.

236  Witsch (1942), S. 220f.

237  Kranemann (2002), S. 22.

238  Fiedler (1995), S. 31.

239  Zudem war am Sonntag fehdefreie Zeit. Besonders in den Handwerksberufen galt darüber hinaus der „blaue Montag“, auch „guter oder fauler Montag“ genannt, beruhend auf germanischen Ursprüngen als Tag der Arbeitsruhe, der noch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgeübt wurde; vgl. Münchener Handbuch (2000) § 217 Rn. 1.

240  Kranemann (2002), 20.

241  Dirksen (1961), S. 9 und Kranemann (2002), S. 22.

242  „Sonst aber begann ihr Vergnügen schon mit der Sonntagsfrühe. Als Mitglied der Reformationskammer, das heißt der Behörde, welche über die Religions- und Sittenverbesserung zu wachen hatte, lag ihrem Onkel ob, denjenigen Einwohnern, die an einem Sonntage aus den Toren gehen wollten, die Erlaubnis mittelst einer Marke zu erteilen, welche sie den Torwachen abgeben mußten. Denn allen andern war das Verlassen der Stadt an Tagen des Gottesdienstes durch geschärfte Sittenmandate verboten. Über diese Funktion machte sich der aufgeklärte Herr heimlich sehr lustig, wenn sie ihn nicht allzusehr belästigte; denn an manchen Sonntagen erschienen an die hundert Personen, die unter den verschiedensten Vorwänden ins Freie zu gelangen suchten. Noch mehr aber belustigte sich daran die Jungfrau Figura, welche die Bittsteller auf der geräumigen Hausflur vorläufig einteilte und aufstellte je nach der Art ihrer Begründung und sie dann klassenweise in das Kabinett des Reformationsherrn führte.“ Keller (1920), S. 841f.

243  Dirksen (1961), S. 10.

244  Und weiter: „Die Bauern sollen frei und ungehindert die Felder bestellen, weil es häufig vorkommt, daß kein freier Tag dafür geeignet ist, das Getreide den Furchen und die Weinstöcke den Setzlöchern anzuvertrauen, damit nicht die Gunst der Gelegenheit, die durch himmlische Vorsehung gegeben ist, verpaßt werde.“ Im Judentum dagegen war am Sabbat auch jede Form der Feldarbeit untersagt; Bürkle (2004), S. 27 und Kranemann (2002), S. 19.

245  Bürkle (2004), S. 26f.

246  In der Sabbatfeierordnung des Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach aus dem Jahr 1756 ist zu lesen:“ „Ferner sollen alle diejenige, welcher unter dem Gottesdienst vor der Kirche sitzen, gehen, oder stehen, oder welche auch sonst zu solcher Zeit auf denen Gassen sich aufhalten und unnützes Geschwätz treiben, in die Kirche gehen, von den Kirchen-Rügern, und andern zu Umgang beorderten Personen, ermahnet – und da solche Vermahnung bey ihnen nichts verfangen wollte, bey der Kirchen-Censur angezeigt, somit daselbst, so wie auch alle die, so durch Verabsäumung derer Predigten und Catechismus-Lehren, durch Abhaltung ihrer Kinder und Gesinds von solchem Gottesdienst oder durch andere Handlungen gegen ein- oder andern Punct dieses Unsers Befehls sich vergehen, nach Ermessen mit ernstlicher Verwarnung oder mit Geld-Busse, oder mit etlichständiger – auch höchstens ein- bis zweytägiger Einthürmung bestraft, oder nach Beschaffenheit des Vergehens dem Oberamt und Specialat zur Bestrafung angezeigt werden.“ Zitiert nach Bürkle (2004), S. 231.

247  Die Vorschrift lautete: „Nur an Sonn- und solchen Festtagen, deren Feyer nach den Gesetzen des Staats verordnet ist, mag er (der Geselle) die Arbeit unterlassen.“

248  „Bekanntmachung betreffend Ausnahmen von dem Verbot der Sonntagsarbeit im Gewerbebetriebe“ vom 5.2.1895 (RGBl. I, S. 12). Vgl. Fiedler (1995), S. 34f und Münchener Handbuch (2000), § 217, Rn. 22.

249  Auf dem Lande wurde traditionell, insbesondere in Erntezeiten, auch sonntags gearbeitet, wie bereits der Erlaß Konstantin des Großen anschaulich dokumentiert; vgl. Fn. 80.

250  Fiedler (1995), S. 33.

251  Die damaligen Wochenarbeitszeiten beliefen sich dementsprechend auf durchschnittliche 80 bis 90 Stunden; vgl. Fiedler (1995), S. 32.

252  Vgl. Bausinger (2002), S. 24ff.

253  Vom 9.3.1839, Preußische Gesetzessammlung S. 156.

254  Fiedler (1995), S. 33 und Neumann (2001), S. 49.

255  § 105 S. 2 GewO: „Zum Arbeiten an Sonn- und Festtagen ist, vorbehaltlich der anderweitigen Vereinbarung in Dringlichkeitsfällen, Niemand verpflichtet.“ Vgl. Mattner (1987), S. 12ff.

256  Nach §§ 41 und 55 GewO, die auch fahrende Händler erfaßten. Die Beschäftigung von Arbeiterinnen in Fabriken an Sonntagen wurde ebenfalls 1891 durch die sog. „Lex Berlepsch“ untersagt; vgl. Münchener Handbuch (2000), § 217, Rn. 28.

257  Bereits am 12.11.1918 wurde der Achtstundentag in einem Aufruf des Rats der Volksbeauftragten proklamiert (RGBl. I, S. 1303). Dirksen (1961), S. 12 und Fiedler (1995), S. 34.

258 RGBl. 1919, S. 24.

259  Zur verfassungsrechtlichen Stellung des Art. 139 WRV siehe Kap. 4 A.

260  Vom 7. Oktober 1949, Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik 1949, S. 5.

261  Und Art. 34 Abs. 2 lautete: „Das Recht auf Freizeit und Erholung wird gewährleistet durch die gesetzliche Begrenzung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit, durch einen vollbezahlten Jahresurlaub und durch den planmäßigen Ausbau des Netzes volkseigener und anderer gesellschaftlicher Erholungs- und Urlaubszentren.“ Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 6. April 1968, Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik 1968, S. 192.

262  Hehl (2002), S. 35ff.

263  Gribas (2002), S. 82.

264  Gries (2002), S. 88.

265  Altermatt (2002), S. 43.

266  Vgl. Opaschewski, S. 100.

267  Schulz (2002), S. 56ff.

268  In der Fassung vom 30.4.1938, vgl. RGBl. I S. 447.

269  Schulz (2002), S. 56.

270  So konnten Gesetzesentwürfe zur Neuregelung der Sonntagsarbeit aus den Jahren 1961 und 1970 nicht umgesetzt werden, vgl. Münchener Handbuch (2000), § 217, Rn. 55f und Berger-Delhey (1994), S. 2199.

271  Art. 30 Abs. 1 Nr. 1 Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands – Einigungsvertrag – vom 31. August 1990, BGBl. II S. 889.

272  Dort heißt es in Art. 5 Abs. 2: „Die Mindestruhezeit gemäß Absatz 1 schließt grundsätzlich den Sonntag ein.“ Vgl. Richtlinie 93/104/EG des Rates vom 23. November 1993 über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung, Abl. EG Nr. L 307/18 vom 13.12.1993.

273  Streitgegenstand war das Nachtarbeitverbot für Frauen; vgl. BVerfG in NJW 1992, S. 964.

274  In der DDR war gem. § 168 Abs. 3 AGB (Gesetzbuch der Arbeit v. 19.4.1950, GBl. I S. 27) die Sonn- und Feiertagsarbeit zulässig, wenn es die Versorgung und Betreuung der Bevölkerung, der ununterbrochene Produktionsablauf, die volle Ausnutzung von Anlagen oder die Durchführung volkswirtschaftlich besonders wichtiger Aufgaben erforderte. Die Sonntagsarbeit durfte nur durchgeführt werden in Notfällen, zur Versorgung der Bevölkerung und zur Befriedigung berechtigter Freizeitbedürfnisse der Bevölkerung, wenn eine Arbeitsunterbrechung aus technischen oder zwingenden Gründen des Gemeinwohls erforderlich war.

275  Schnieders (1996), S. 216.

276  Näheres zum Arbeitszeitgesetz in Kap. 4 C 1 und C 2 c.

277  Vgl. Ergebnis-Kapitel und Rinderspacher (2000), S. 141.

278  Zitiert nach Plassmann (1972), S. 159.

279  Siehe auch Einleitung C 1 a.

280 

Für die Bibliotheken der Antike werden lange Öffnungszeiten von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang berichtet und für die Universitätsbibliothek Oxford eine tägliche fünfstündige Öffnung im Jahre 1412; Weimann (1975), S. 89 und Barth: 5.000 Jahre Bibliotheken. (http://www.stub.unibe.ch/stub/vorl96/10/

mit.html).

281  Weimann (1975), S. 116.

282  Plassmann (1972), S. 155.

283  Plassmann (1972), S. 149 und Leyh (1940), S. 341.

284  Auch zahlreiche andere Bibliotheken blieben im Winter grundsätzlich wegen Heizungs- und Beleuchtungsproblemen ungenutzt (beispielsweise die bedeutende Wiener Hofbibliothek bis ins Jahr 1769, als erstmals ein beheizbares Lesezimmer eingerichtet wurde) oder auch wegen der Erkrankung des Bibliothekars; Leyh (1940), S. 341, Witsch (1942), S. 219 und Plassmann (1972), S. 154.

285  So beispielsweise eine frühe Verfügung der Berliner Churfürstlichen Bibliothek aus dem Jahr 1693, die tägliche, mehrstündige „Öffnungszeiten“ regelte. Grundsätzlich gilt für die Berliner Bibliothek, daß die ersten 150 Jahre ihrer Geschichte von erheblich schwankenden Öffnungszeiten und Nutzungsbedingungen gekennzeichnet war; Deutsche Staatsbibliothek (1961), S. 178 und 182. Vgl. auch Leyh (1956), S. 108.

286  Leyh (1940), S. 341 und Wilmsmeier (1999), S. 279.

287  Nach der Gießener Bibliotheksordnung von 1629 hatte der Bibliothekar den Schlüssel an Professoren zu übergeben, die um Einlaß baten; Leyh (1956), S. 106.

288  Leyh (1956), S. 106f.

289  Die am Ende des Jahrhunderts auf zehn Wochenöffnungsstunden erhöht wurden; Kind-Doerne (1986), S. 81 und S. 83 sowie Leyh (1940), S. 348.

290  Vgl. Tab. 5.

291  Leyh (1920), S. 26. Die offiziell langen Öffnungszeiten der Königlichen Bibliothek in Berlin bis 1790 wurden vermutlich nicht praktiziert und sind demnach nur unter Vorbehalt zu werten; vgl. Deutsche Staatsbibliothek (1961), S. 181.

292 Vgl.Wilmsmeier (1999), S. 279 und Leyh (1940), S. 341. Nach Leyh sind Bibliotheken katholischer Universitäten tendenziell länger geöffnet als die der protestantischen. Ein wesentlicher Beleg dieser These sind die langen Öffnungszeiten österreichischer Bibliotheken; vgl. Leyh (1956), S. 107.

293  Leyh (1940), S. 341. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stand bei sehr geringen Stu-dentenzahlen noch die mündliche Lehre im Vordergrund bei einer jedoch steigenden Anzahl wissenschaftlicher Publikationen.

294  Die aufgelisteten Beispiele fester Besuchszeiten sind möglichst umfassend gewählt, aber nicht vollständig. Auch von der Bibliothek in Mannheim und der Stadtbibliothek in Frankfurt am Main wird über regelmäßige Öffnungszeiten berichtet; vgl. Plassmann (1972), S. 160.

295  Eine Verfügung von 1693 der Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln, die 1701 in Königliche Bibliothek zu Berlin umbenannt wurde, regelte die genannten Öffnungszeiten als „Besuchszeiten“, auch wenn sie eher als obligatorische Dienststunden der Bibliothekare anzusehen sind. Diese galten bis mindestens 1734; Deutsche Staatsbibliothek (1961), S. 178. Vgl. auch Fußnote 127.

296  Diese festgesetzten Besuchszeiten sind in der praktischen Umsetzung aufgrund des wenigen Personals als unrealistisch zu bewerten; Deutsche Staatsbibliothek (1961), S. 181.

297  Diese neuen Besuchszeiten stellten eine erhebliche Reduzierung gegenüber den bisherigen Nutzungsmöglichkeiten dar, beinhalteten dafür aber auch erstmals die Möglichkeit der Buchausleihe; Deutsche Staatsbibliothek (1961), S. 182.

298  Plassmann (1972), S. 160.

299  Plassmann (1972), S. 151.

300  Leyh (1956), S. 106.

301  Nach der Erlanger Bibliotheksordnung von 1789; Plassmann (1972), S. 169.

302  Leyh (1956), S. 106.

303  Nach der Benutzungsordnung von 1789; Schmidt (1987), S. 171.

304  Ende des 18. Jahrhunderts Erweiterung auf insgesamt 10 Wochenöffnungsstunden, indem jeweils eine weitere Öffnungsstunde zur Mittagszeit eingeführt wurde; Kind-Doerne (1986), S. 81 und 83.

305  Seit 1702 waren Mittwoch und Samstag die Öffnungstage der Greifswalder Universitätsbibliothek, wobei laut einer Beschwerde von 1743 diese Besuchszeiten seit mehreren Jahren nicht mehr eingehalten worden waren; Leyh (1956), S. 107 und Leyh (1920), S. 26.

306  Die Öffnungszeit von zehn Wochenstunden wurde 1763 auf zwei Stunden verkürzt, nachdem sich der verantwortliche Bibliothekspräfekt Johann Heinrich Jung beim zuständigen Ministerium über die „zu liberalen Benutzungsgepflogenheiten“ beschwert hatte; Die Niedersächsische Landesbibliothek in Hannover (1976), S 27 und 30.

307  Die Nutzungsbedingungen verbesserte sich erst im Jubiläumsjahr 1786; Leyh (1940), S. 341.

308  Geschichte der Universitätsbibliothek Jena (1958), S. 30.

309  Professoren und andere Standespersonen hatten dagegen täglichen Zutritt; Leyh (1956), S. 107.

310  Leyh (1920), S. 26.

311  Barth: 5.000 Jahre Bibliotheken (http://www.stub.unibe.ch/stub/vorl96/07/wei.html).

312  Leyh (1956), S. 106f.

313  Leyh (1956), S. 107 und Leyh (1920), S. 26.

314  Ebert (1811), S. 56f.

315 Buzás (1978), S. 158.

316  Plassmann (1972), S. 189.

317  Buzás (1978), S. 158.

318  Leyh (1940), S. 349 und Buzás (1978), S. 158 und Abb (1931), S. 379.

319 Abb (1931), S. 378 und Wilmsmeier (1999), S. 279.

320  Vgl. Abb (1931), S. 379; Weimann (1975), S. 116; Buzás (1978), S. 158 und Wilmsmeier (1999), S. 279.

321  Diese Beispiele dokumentieren anschaulich die sehr unterschiedliche Entwicklung der Öffnungszeiten.

322  Im Winter nur 12 Wochenstunden von jeweils 14 bis 16 Uhr. Es wurde die Nachmittagsöffnung gewählt, um nicht mit den Vorlesungen am Vormittag zu kollidieren, an denen auch vereinzelt Nutzer zugelassen wurden; Deutsche Staatsbibliothek (1961), S. 185.

323  Die Öffnung am Samstagnachmittag fiel auf Wunsch der Bibliothekare weg, die an diesem Wochentag lieber Bücher einstellen wollten; Deutsche Staatsbibliothek (1961), S. 185f.

324  Buzás (1978), S. 158.

325  Leyh (1920), S. 26.

326  Leyh (1920), S. 26.

327  § 1 der Benutzungsordnung von 1837; vgl. Plassmann (1972), S. 188.

328  Die Lesegesellschaft für Medizinstudenten in Göttingen hatte 1826 nur sechs Öffnungsstunden pro Woche: montags, dienstags, donnerstags und freitags von 13 bis 14 Uhr sowie samstags von 14 bis 16 Uhr; vgl. Füssel (1980), S. 232.

329  Leyh (1920), S. 26.

330  24 Stunden in den Semesterferien; Kind-Doerne (1986), S. 96.

331  Leyh (1920), S. 26.

332  Geschichte der Universitätsbibliothek Jena (1958), S. 30.

333  Buzás (1978), S. 158.

334 

Zahn: Geschichte der Bayerischen Staatsbibliothek (http://www.ib.huberlin.de/~pz/zahnpage/

muenchen.htm).

335  Buzás (1972), S. 157 und Buzás (1978), S. 158.

336  Müller (1987), S. 77.

337  Leyh (1920), S. 26.

338  Während dieser Öffnungszeiten des Lesesaals, die nach dem 1. Weltkrieg bis Abends 20 Uhr erweitert wurden, war die Buchausgabe für Studierende nur an einer Stunde am Tag zugänglich; Syré (1986), S. 82 und S. 84.

339  Buzás (1978), S. 158.

340  Zitiert nach Syré (1986), S. 83.

341  Noch 1942 schrieb Joseph Caspar Witsch: „Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß die Öffnungszeiten der wissenschaftlichen Bibliothek auch bei größter Modernität hinter den Öffnungszeiten unserer Stadtbüchereien zurückbleiben können und müssen.“ und nannte als Begründung das geringere Ausleihgeschäft an Hochschulbibliotheken; Witsch (1942), S. 219.

342  Auch Usemann-Keller stellt für Hochschulbibliotheken im Untersuchungszeitraum 1992 bis 1996 eine allgemeine Ausweitung ihrer Öffnungszeiten fest; Usemann-Keller (1997), S. 2133 und 2137.

343  Als hauptsächliches Kriterium für die Auswahl der Bibliotheken diente deren durchgängige Erfassung im Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken. Darüber hinaus wurde regionale Ausgewogenheit angestrebt.

344  Die niedrigen Werte aus den Jahren 1970 und 1980 sind nur Ausleihzeiten und deshalb nicht in die Durchschnittsberechnung miteinbezogen.

345  Im Durchschnitt ergeben diese Zahlen 20 bis 30 Wochenöffnungsstunden; Witsch (1942), S. 218 und 220.

346  Witsch (1942), S. 220. In seinem Aufsatz bemängelt Witsch zugleich, daß die privaten Leihbüchereien wesentlich längere Öffnungszeiten anbieten und daß das Bibliothekspersonal zuviel Zeit für interne Arbeiten aufwende.

347  Die Öffnungszeiten variierten zwischen 15 und 54 Wochenöffnungsstunden; Frings (1968), S. 10.

348  Häufigste Schließungstage nach dem Samstag waren der Montag und Mittwoch; Frings (1968), S. 11 und 13.

349  Waligora (1978), S. 11.

350  Zitiert nach Rosoll (1981), S. 393.

351  Wörtlich heißt es dort zur Gestaltung optimaler Öffnungszeiten: „Benutzbarkeit und Leistung der Öffentlichen Bibliothek werden durch die Dauer der Öffnungszeit wesentlich beeinflußt. Öffnungszeiten sollen den Bedürfnissen angepaßt sein. Sie sind so anzusetzen, daß alle Gruppen der Bevölkerung, insbesondere die Berufstätigen, ausreichend Zeit zur Benutzung der Öffentlichen Bibliothek finden. Es sind gleichmäßige und regelmäßige Öffnungszeiten festzulegen. Für Zentral-bibliotheken wird eine Öffnungszeit von 60 Stunden an 6 Wochentagen für erforderlich gehalten. Bibliotheken der Grundversorgung und Mittelpunktbibliotheken sollten mindestens 35 Stunden an 5 Wochentagen einschließlich Sonnabend geöffnet sein. Interne Arbeiten, vor allem Ordnungsarbeiten, sollen nach Möglichkeit die Öffnungszeiten nicht verkürzen. Schließungszeiten während der Schulferien usw. sind im Interesse der Benutzer abzulehnen.“ Bibliotheksplan (1973), S. 32.

352  Bibliotheken der Funktionssstufe 1 (Grundbedarf).

353  Bibliotheken der Funktionsstufe 2 (Gehobener Bedarf).

354  Bibliotheken '93 (1994), S. 14 und 19.

355  Bibliotheken der Funktionsstufe 3 und 4 (spezialisierter und hochspezialisierter Bedarf); Bibliotheken '93 (1994), S. 36.

356  Umlauf ermittelte 1990 für große Großstadtbibliotheken in Städten mit mehr als 400.000 Ein-wohnern eine durchschnittliche Öffnungszeit von 44 Wochenstunden, für Bibliotheken in Großstädten mit 100.000 bis 400.000 Einwohnern von 37 Wochenöffnungsstunden und für Bibliotheken in Mittel-städten mit 30.000 bis 100.000 Einwohnern von 30 Wochenöffnungsstunden; Umlauf (1990), S. 5ff.

357  Die Angaben für das Jahr 2002 sind dem Jahrbuch der Öffentlichen Bibliotheken entnommen.

358  Amerika-Gedenkbibliothek in Westberlin.

359  Abb (1931), S. 379. Und für das Jahr 1799 heißt es im Prospekt des Lesemuseums von Arnold und Pinther in Dresden am Altmarkt, es sei täglich von 9-12 und 15-21 Uhr geöffnet, Sonn- und Feiertag 16-21 Uhr

360  Zitiert nach Buzás (1972), S. 157.

361  Meyers Konversationslexikon von 1897, Bd. 16, Stichwort Sonntagsschule. Zur Entstehung und Entwicklung der Sonntagsschulen in England siehe oben unter A 1.

362  Demmel (1978), S. 51 und vgl. auch Anonymus (1845), S. 96.

363  Gedrath (2002), S. 558f; Demmel (1978), S. 55.

364  Aufnahmekriterien der Duisburger Sonntagsschule waren beispielsweise gewerbliche Beschäftigung, Unbemitteltheit und eine Altersgrenze ab 14 Jahren. Die Vermittlung berufsbezogener Stoffe war zunächst zweitrangig und gewann erst im Laufe des Jahrhunderts an Bedeutung; Gedrath (2002), S. 558, 560 und 562.

365  Zur preußischen Arbeitsschutzgesetzgebung siehe oben unter B 1.

366  Demmel (1978), S. 46.

367  Der spätere König Maximilian I. von Bayern.

368  „Allerhöchste Entschließung, die Sonn- und Feiertagsschulen betreffend“ vom 12.9.1803.

369  Erst ein Jahr zuvor war in Bayern die allgemeine Schulpflicht eingeführt worden (Verordnung vom 23.12.1802). Vgl. Demmel (1978), S. 76.

370  Und die unter ihren neuen Bezeichnung seit rund 200 Jahren bis zum heutigen Tage – allerdings ohne Sonntagsunterricht - fortbestehen, wie beispielsweise das Städtische Berufskolleg in Duisburg; vgl. Vgl. Gedrath (2002), S. 564.

371  Gedrath (2002), S. 563f und Demmel (1978), S. 55.

372  Vgl. Demmel (1978), S. 46 und Meyers Konversationslexikon von 1897, Bd. 16, Stichwort Sonntagsschule.

373  Meyers Konversationslexikon von 1897, Bd. 16, Stichwort Sonntagsschule.

374  Vgl. Andeutungen über Sonntags- und Gewerbschulen, Vereine, Bibliotheken, und andere För-derungsmittel des vaterländischen Gewerbfleißes und der Volksbildung im Allgemeinen : den hohen Landesbehörden, den Vaterlands-Vertretern und Freunden, und den gewerbtreibenden Classen. - Leipzig: Hartmann, 1834. * Die Dorf-Bibliothek. Lesezirkel, Gemeinde- oder Kirchspiel- und Wander-Bibliotheken, zur Verbreitung nützlicher Bücher auf dem Lande und in kleinen Städten, mit Bezug auf Sonntags-Schulen und Unterhaltungsvereine. - Leipzig: Hinrichs, 1843. * Förderungsmittel der Volks-wohlfahrt in Bezug auf Wissenschaft, Kunst und Leben : Haus- und Handbuch für Jeden, welcher für sein und Anderer Wohl zu wirken wünscht ; zugleich als Fortsetzung der Bausteine, Andeutungen über Sonntags- und Realschulen, Gewerbsbildung u.s.w. – Leipzig: Wigand, 1836. * Historischer Überblick der gewerblichen Sonntagsschule zu Großenhain : Gedenkblatt der Feier des 25jährigen Bestehens derselben am 7. Jan. 1855. - Großenhain: Starke, 1855 * Nachricht von dem Bestehen und den Leistungen der Sonntags- und Gewerbschulen, dem Gewerbe-Verein und der Stadt-Bibliothek zu Großenhayn während des Jahres 1833. - Großenhain : Rothe, 1834. * Nachricht von dem Fortgange und der jetzigen Einrichtung der Sonntagsschule zu Großenhayn, sowie von dem daselbst gebildeten Gewerbe-Vereine. - Großenhain: Rothe, 1832. * Die Sonntagsschule zu Großenhayn. - Großenhain : Rothe, 1833. * Ueber Nacherziehung und Nachschulen, in Bezug auf die bereits aus der Schule entlassene, gereiftere Jugend. - Leipzig, Hinrichs, 1842.

375  Gedrath (2002), S. 560.

376  Karl Benjamin Preusker (1986), S. 40.

377 Weimann (1975), S. 144; Jaeschke (1907), S. 5.

378 Vodosek (2000).

379  Weimann (1975), S. 144; Jaeschke (1907), S. 5.

380  Zitiert nach: „Geschichtliche Entwicklung der Hochschulbibliothek der Westsächsischen Hochschule Zwickau (FH)“ (http://www.fh-zwickau.de/hsb/hsb_geschichte.htm).

381  Geschichtliche Entwicklung der Hochschulbibliothek der Westsächsischen Hochschule Zwickau (FH)“ (http://www.fh-zwickau.de/hsb/hsb_geschichte.htm).

382  Königliche Verordnung vom 10.9.1808, zitiert nach Hanselmann (1988), S. 36.

383  Hohoff (1990), S. 54 und 242. Ebenfalls zu erwähnen ist die Technische Bibliothek des Gewerbevereins für das Großherzogthum Hessen in Darmstadt, die 1839 sonntags öffnete; Preusker (1839), S. 67.

384  Buzás (1978), S. 63.

385  Die Hervorhebungen entsprechen der Originalschrift.

386  [Dabei spielen natürlich die örtlichen Verhältnisse eine große Rolle. Am besten ist es selbstverständlich, wenn der Lesesaal von früh bis abends ununterbrochen im Betrieb ist. Dann zeigt sich bald, wie zu den verschiedenen Tageszeiten auch die verschiednen Bevölkerungsklassen sich einfinden, sie lösen sich gewissermaßen schichtenweise ab. Da sich aber dieses Ziel nur selten erreichen läßt, empfiehlt es sich, die Mittags- und Abendstunden zu wählen, etwa 11-2 und 6-10 Uhr. Sind die Mittel sehr begrenzt und wird insbesondere in der betreffenden Stadt viel Acker- und Gartenbau betrieben, wodurch die Einwohner im Sommer stark beschäftigt sind, so kann während dieser Jahreszeit der Betrieb in der Weise eingeschränkt werden, daß der Lesesaal während der Mittagstunden geschlossen bleibt.]

387  Jaeschke (1907), S. 44f.

388  Zu Nörrenberg und dem amerikanischen Einfluß auf die Bücherhallenbewegung siehe oben (unter A).

389  Dieser Bildungsverein wurde 1892 gegründet.

390  Bücherhallenbewegung (1970), S. 65.

391  Zitiert nach Bücherhallenbewegung (1970), S. 69.

392  Bericht über die Verwaltung der Ersten Öffentlichen Lesehalle zu Berlin im Jahre 1895 (1896), S. 7.

393  Zur rechtlichen und gesellschaftlichen Entwicklung des Sonntags siehe oben unter B 1.

394  Als Kuriosum seien noch die besonderen wöchentlichen Öffnungsstunden für Frauen zu nennen, wie sie in den Volksbibliotheken von Köln und Düsseldorf praktiziert wurden; Robenek (1983), S. 28. Nur für die Lesehalle in Jena, die 1903 wochentags von 9 bis 22 Uhr geöffnet war, konnten keine sonntäglichen Besuchszeiten ermittelt werden; Petrenz (1903), S. 45.

395  Von 1900 bis 1907.

396  Genaue Übersicht und Quellenangaben vgl. Tab. 9.

397  Mielke (2000), S. 25.

398  Die letztgenannten Besuchszeiten galten für die Volksbibliothek an der Rechtsschule. Im einzelnen sahen die Öffnungszeiten wie folgt aus: Im Jahr 1891 war mittwochs von 11.30-13.00, sonntags von 10.00-13.00 und freitags nur für Frauen von 12 bis 13 Uhr geöffnet; ab 1900 bereits tägliche Öffnungszeiten von 18 bis 22 Uhr an Werktagen und von 15 bis 20 Uhr an Sonn- und Feiertagen; nach der Benutzungsordnung von 1907 werktäglich 10 bis 13 und 15 bis 21.30 sowie sonn- und feiertags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr; Robenek (1983), S. 28f.

399  Die Tabelle enthält keine vollständige Aufzählung. Erwähnenswert sind zudem die Sonntags-öffnungszeiten der Kinderbibliothek der Augsburger Kammgarnspinnerei, die 1889 ausschließlich sonntags von 14 bis 16 Uhr öffnete [Auf dem Weg zur öffentlichen Literaturversorgung (1985), 143]; der Leihbibliothek Baedeker in Essen, die bereits im Jahr 1830 sonntags von 10 bis 12 Uhr öffnete [Kamp (1991), S. 365] sowie folgender Dresdner Bibliotheken im Jahr 1915: Bibliothek der israelitischen Religionsgemeinde, Königliche Kunstgewerbe-Bibliothek und Russische Bibliothek zum ehrenden Gedächtnis an Prof. A. J. Tschuproff [Brunn (1916), S. 60.

400  Bericht über die Verwaltung der Ersten Öffentlichen Lesehalle zu Berlin im Jahre 1895 (1896), S. 7f. Ab 1913 wurden sonntags Märchennachmittage für Kinder veranstaltet.

401  Benutzungsordnung vom 19.10.1896, zitiert nach Buchholtz (1900), 110f. Hinzu kamen werktägliche Öffnungszeiten von 18 bis 21 Uhr.

402  Vgl. „Auf der Suche nach Mäusepang“ in „taz Bremen“ vom 14.5.2002.

403  "Die Hauptstelle ist täglich von 10-2 und 4-9 Uhr, im Winter auch an Sonntagen von 11-1 Uhr geöffnet. Die Öffnungszeiten der Zweigstellen sind werktäglich von 5-9 Uhr abends, der Hauptzweig-stelle Neustadt auch an Vormittagen von 10-1½ Uhr, sonntäglich von 11-1 Uhr." Brunn (1916), S. 60.

404 Von Mai bis August sonntags geschlossen; Brunn (1916), S. 60.

405  Die Stadtbücherei am Burgplatz war bei ihrer Eröffnung zusätzlich von Dienstag bis Samstag von 19 bis 22 Uhr geöffnet. Vgl. „Nothwendigkeit öffentlicher Bücher“ in „Rheinische Post“ vom 8.3.2001.

406  Dagegen waren die Städtische Bücherhalle (werktags 11.30-13.30 und 17 bis 19 Uhr) sowie die wissenschaftliche Stadtbibliothek (9 bis 13 und 15 bis 20 Uhr) am Sonntag geschlossen. Auch die Lesehalle konnte in ihrer Anfangsphase wegen Personalmangel an diesem Wochentag nicht geöffnet werden; Kamp (1991), S. 382.

407  Zur Entstehung der Stadtbibliothek Großenhain siehe oben unter B 3.

408  Zudem mittwochs und samstags von 17 bis 19 Uhr geöffnet; Lohmann (2000).

409  Vor 1900 von 10 bis 13 Uhr; Robenek S. 28f.

410  Bei insgesamt 24 Wochenöffnungsstunden, die sich neben der sechsstündigen Sonntagsöffnung auf sechs Werktagabende verteilten. Noch 1891 betrug die Wochenöffnungszeit zwei Stunden, die sich 1895 auf vier Stunden erhöhte. Vgl. Mielke (2000), S. 25.

411  Brandenstein (1999), S. 208.

412  Die Volksbibliothek in Stuttgart wurde am 1.3.1896, einem Sonntag eröffnet; Wiegandt (1996), S. 2 (des Internetdokuments). Die zitierten Öffnungszeiten von 17 bis 21 Uhr werden für das Jahr 1907 genannt; Hohoff (1990), S 17 und vgl. auch „Stuttgart wird zu einer Stadt des Buches“ (http://www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/vortrag_sauer.htm).

413  Zudem montags und donnerstags von 20 bis 22 Uhr; Wiegandt (1996), S. 2 (des Internetdokuments).

414  In den Kölner Volksbibliotheken wurde die Sonntagsausleihe während des Ersten Weltkriegs aufgegeben und die Öffnungszeiten beliefen sich im Jahr 1923 nur noch auf 21 Wochenstunden (gegenüber 63 im Jahr 1907), die auf 12 bis 13 und 16.30 bis 19 Uhr an Werktagen festgesetzt wurden; Robenek (1983), S. 38.

415  Vgl. Robenek (1983), S. 45ff, die am Beispiel der Kölner Volksbibliothek die Umgestaltung der Einrichtung entsprechend den Vorgaben von Walter Hofmann darstellt.

416  Witsch (1942), S. 220f. Das genaue Zitat ist oben unter Punkt B nachzulesen. Im Jahr 1942 war indes zumindest die Bibliothek des Deutschen Museums in München (seit dem Jahr 1932 durchgehend) am Sonntag geöffnet.

417  Sie war an den Sonntagen für vier Stunden geöffnet; Abb (1931), S. 379.

418  ZfB 1906, S. 270.

419  Sie war an den Sonntagen bis 1969 von 9 bis 18 Uhr (danach bis zum heutigen Tag von 9 bis 17 Uhr) geöffnet; vgl. Fragebogen im Anhang.

420  Die sächsische Landesbibliothek bot von 1956 bis Herbst 1970 jeweils am 1. Sonntag im Monat Bibliotheksführungen an und die Deutsche Staatsbibliothek behielt ihre speziellen Sonntagsführungen für Fernstudierende sogar noch bis Mitte der 70iger Jahre bei; Sächsische Landesbibliothek (1956), S. 76 und Deutsche Staatsbibliothek (1961), S. 217.

421  Zur gesellschaftlichen Stellung und Entwicklung des Sonntags siehe oben unter B 1.

422  Gries (2002), S. 87 und siehe oben unter Punkt B.

423 Die Sonntagsöffnung wurde am 30.1.1949 bei insgesamt 79 Wochenstunden eingeführt; Zehn-Jahresbericht der Dt. Staatsbibliothek (1956), S. 110; Deutsche Staatsbibliothek (1961), S. 210; Jahrbuch der Bibliotheken, Archive und Dokumentationsstellen der DDR (1965). Danach werden die Öffnungszeiten im Jahrbuch nicht mehr erfaßt.

424  Sächsische Landesbibliothek (1956), S. 76; Jahrbuch der Bibliotheken, Archive und Doku-mentationsstellen der DDR (1965).

425 Aus der Arbeit der wissenschaftlichen Bibliotheken in der Deutschen Demokratischen Republik (1955), S. 148 sowie Jahrbuch der Bibliotheken, Archive und Dokumentationsstellen der DDR (1965).

426  Kriewald (1992), S. 820ff.

427  Siehe oben unter B 2.

428  Die durchgeführten Veranstaltungen beinhalteten entweder literarische, musikalische oder örtliche Themen und ein zusätzliches Kinderprogramm als Angebot für die ganze Familie; Kriewald (1992), S. 820ff.

429  In den Jahrbüchern der Deutschen Bibliotheken ließen sich zudem für folgende Einrichtungen sonntägliche Bibliotheksöffnungszeiten nachweisen: Bibliothek des Predigerseminars der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck von 8.00 bis 12.30 Uhr im Jahr 1969, Bibliothek der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover von 9.00 bis 13.00 Uhr im Jahr 1969 und Bibliothek des Bundespostmuseums in Frankfurt a.M. von 10.00 bis 16.00 Uhr im Jahr 1979.

430  Quellenangaben für die jeweiligen Einführungsjahre der Sonntagsöffnungszeiten in den abgedruckten Fragebögen im Anhang.

431  Kontinuierliche 14stündige Sonntagsöffnung seit 1994. Eine halbstündige Öffnungszeit am Sonntagabend ist aber bereits für das Jahr 1947 dokumentiert und reicht wahrscheinlich bis ins Gründungsjahr 1899 zurück.

432  Für das Juristische Seminar Marburg ist die Sonntagsöffnung seit mindestens 1997 nachzuweisen.

433  Für das Jahr 2004 sind mit Stand August noch die Hamburger Zentralbibliothek Recht sowie das Rechtswissenschaftliche Seminar I in Münster hinzugekommen.

434  Testweise bereits 2002.

435  Sonntagsöffnung nur zum Semesterende.

436  Sonntagsöffnung nur zum Semesterende.

437  Die Universitätsbibliothek Trier, die 1999 eine vierstündige Sonntagsöffnung von 11 bis 15 Uhr anbot, hat diesen Service 2004 aufgrund der angespannten Haushaltslage wieder aufgegeben. Gescheitert sind die Pläne zur Einführung des Bibliothekssonntags am Bibliotheks- und Informationssystem Oldenburg 1996 (siehe Einleitung zu Kap. 5) und an den Städtischen Bibliotheken Dresden 2002 (siehe Einleitung zu Kap. 4).

438  „Noch dringend nöthiger erscheint es wegen der Gewerbsgehülfen, Gesellen und Lehrlinge, welche weit weniger an Wochentagen Zeit haben, sich Bücher aus der Bibliothek abzuholen. Sie würden stets erst den Herrn oder Meister um die dazu (von diesem schwerlich öfters gewährte) nöthige Zeit ersuchen, die Arbeitskleidung mit einer reinlichern vertauschen müssen. Daher die Öffnung z.B. nicht nur Mittwochs (u. Sonnab.) von 2-3 Uhr, sondern auch Sonntags von 10-12 Uhr, oder noch besser 2-4 Uhr, wo Jedermann wohl Zeit haben möchte, sich zum Bibliotheksbesuch einfinden zu können. Könnte die Öffnung nur an einem Tage erfolgen, so muß der Sonntag dazu gewählt werden; sie wird um so länger dauern müssen, je mehr das Lesen hauptsächlich nur im Bibliotheks-Locale erfolgen kann…“.



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21.10.2005