Kapitel 3:
Sonntäglicher Bibliotheksservice in Deutschland?

↓60

Im Frühjahr 2001 fand eine lebhafte Diskussion in den bibliothekarischen Mailinglisten statt, die sich mit dem Thema der Konstanzer „24-Stunden-Bibliothek“ beschäftigte.439 Sollten Bibliotheken vierundzwanzig Stunden am Tag öffnen? Brauchen Sie für die nächtlichen Besucher einen Pizzaservice? Das waren u.a. die Fragen, die kontrovers erörtert wurden. Kurz zuvor hatte die Universitätsbibliothek Konstanz ihr Modell der „24-Stunden-Bibliothek“ versuchsweise eingeführt. Danach war die Bibliothek wochentags rund um die Uhr und zusätzlich an Sonn- und Feiertagen von 9.00 bis 20.00 Uhr zugänglich. Die Ausweitung der Konstanzer Besuchszeiten von zuvor 89 auf 136 Wochenöffnungsstunden440 kam einer Sensation im deutschen Bibliothekswesen gleich.441 Hinter diesem Angebot blieb selbst die fortschrittliche Universitätsbibliothek Bielefeld mit ihren bis dahin längsten Öffnungszeiten von 111 Wochenöffnungsstunden weit zurück.442

↓61

Aufsehen erregten indes nicht nur die langen Öffnungszeiten, sondern auch die Art ihrer Ausgestaltung. Nachts sowie sonn- und feiertags ist nunmehr kein Bibliothekspersonal vor Ort, sondern lediglich ein privater Wachdienst. Darüber hinaus ist eine Videoüberwachung installiert. Bibliothekarischer Service wie Ausleihe und Information wird nicht geboten, statt dessen wird an das leibliche Wohl gedacht.443 Neben der Aufstellung von Speise- und Getränkeautomaten lassen sich beim Wachpersonal an der Ausgangskontrolle sowohl Pizzas als auch Taxis bestellen.444 Nach Abschluß des sechsmonatigen Versuchs hat die Universitätsbibliothek Konstanz die Öffnungszeiten nicht nur beibehalten, sondern sie aufgrund der guten Nachfrage sonn- und feiertags nochmals von 20.00 auf 23.00 Uhr erweitert.

In den USA ist der Ausdruck Twentyfour/Seven, abgekürzt „24/7“, eine stehende Redewendung und bedeutet 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Betrachtet man das Konstanzer Modell, stellt sich die Frage, ob dieser Dienstleistungsgedanke auch im deutschen Bibliothekswesen Einzug hält. Nimmt die Konstanzer „24-Stunden-Bibliothek“ eine Vorreiter-Rolle ein und wird die 7-Tage-Woche bei Bibliotheken bald zur Normalität? Zur Beantwortung dieser Frage erfolgt im vorliegenden Kapitel eine Analyse deutscher Bibliotheksöffnungszeiten, insbesondere der sonntäglichen. Verschiedene Modelle für die Gestaltung und Finanzierung der Sonntagsöffnung werden ergründet und dabei die Ausgangsthese überprüft, daß der Sonntag im deutschen Bibliothekswesen kein regulärer Öffnungstag ist, weder unter dem Aspekt seiner Verbreitung noch unter dem Aspekt des Serviceangebots.

A. Bibliotheksöffnungszeiten in statistischer Analyse

Die Öffnungszeiten hauptamtlich geleiteter Bibliotheken in Deutschland mit Zutritt für die allgemeine Öffentlichkeit zu festen Besuchszeiten, von denen 2.011 kommunale öffentliche Einrichtungen, 583 universitäre Fachbereichsbibliotheken, 209 Fachhochschulbibliotheken,445 73 zentrale Universitätsbibliotheken, 43 sonstige Hochschulbibliotheken, 23 Landes- und Regionalbibliotheken,446 sechs Staats- und Zentrale Fachbibliotheken, die drei Standorte der Nationalbibliothek sowie 233 sonstige Bibliotheken analysiert wurden,447 betragen im Durchschnitt viereinhalb Tage bzw. dreißig Stunden in der Woche.448

↓62

Tab. 12: Durchschnittliche wöchentliche Öffnungsdauer deutscher Bibliotheken

Öffnungstage pro Woche

alle Bibl.

Wöchentliche Öffnungsstunden

alle Bibl.

weniger als 10 Std.

5%

10 bis weniger als 20 Std.

23%

1 Tag

0%

20 bis weniger als 30 Std.

29%

2 Tage

4%

30 bis weniger als 40 Std.

19%

3 Tage

9%

40 bis weniger als 50 Std.

11%

4 Tage

24%

50 bis weniger als 60 Std.

7%

5 Tage

51%

60 bis weniger als 70 Std.

3%

6 Tage

11%

70 bis weniger als 80 Std.

2%

7 Tage

1%

mehr als 80 Std.

1%

Durchschnitt in Tagen

4,6

Durchschnitt in Std.

30,3

Die Lesezeiten verteilen sich im wesentlichen auf den Zeitraum Montag bis Freitag und nur knapp ein Drittel der Bibliotheken öffnet am Samstag. Während der Dienstag und Donnerstag die häufigsten Öffnungstage bilden, schließen sonntags 98% aller Einrichtungen.

Tab. 13: Öffnungszeiten deutscher Bibliotheken an unterschiedlichen Wochentagen

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Samstag

Sonntag

Anteil geöffneter Bibliotheken

77%

95%

73%

95%

87%

30%

2%

durchschnittliche Öffnungszeit

7 Std.

7 Std.

7 Std.

7 Std.

6 Std.

4 Std.

7 Std.

↓63

Ausreichende Besuchsmöglichkeiten außerhalb der üblichen Arbeitszeiten von Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr bieten 15% der Bibliotheken, indem sie entsprechend den Forderungen des Grundsatzpapiers „Bibliotheken ’93“ mindestens ein Drittel ihrer Öffnungszeiten auf den Feierabend oder auf das Wochenende legen.449 Nach 19 Uhr sind 14% und am Samstagnachmittag nach 14 Uhr 5% aller Einrichtungen zugänglich.

Die ermittelten Durchschnittswerte bieten ein Gesamtbild des deutschen Bibliothekswesens, das im wesentlichen von behördlichen Dienstzeiten geprägt ist. Als adäquate Besuchszeiten für eine Kultur- und Freizeiteinrichtung fällt die Abend- und Wochenendöffnung in der Mehrheit zu kurz ausAndererseits bieten rund 10% der Bibliotheken mehr als fünfzig Lesestunden an sechs Wochentagen. Die strukturelle Heterogenität der untersuchten Institutionen erfordert damit eine tiefergehende Analyse der unterschiedlichen Öffnungs-zeiten, differenziert nach einzelnen Bibliothekssparten, Fachrichtungen und Regionen, bei der das Hauptaugenmerk auf die Sonntagsöffnung gerichtet ist.

1. National-, Staats- und Zentrale Fachbibliotheken

Als Bibliotheken von nationaler Bedeutung werden Die Deutsche Bibliothek mit ihren drei Standorten, die Bayerische Staatsbibliothek, die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz mit ihren zwei Häusern sowie die Zentralen Fachbibliotheken in Kiel, Köln, Bonn, und Hannover bewertet.450 Diese Einrichtungen dienen vornehmlich der überregionalen Literaturversorgung und der Archivierung des Schrifttums. Gleichwohl verzeichnen ihre Bestände auch eine hohe lokale Frequentierung, wie die Tatsache zeigt, daß beispielsweise der Lesesaal der Berliner Staatsbibliothek in der Potsdamer Straße bereits mehrmals wegen Überfüllung geschlossen wurde.451

↓64

Tab. 14: Durchschnittliche Wochenöffnungsstunden der überregionalen Bibliotheken

Wöchentliche Öffnungsstunden

Durchschnitt

Nationalbibl.

Staatsbibl.

Zentrale Fachbibl.

weniger als 10 Std.

0

0

0

0

10 bis weniger als 20 Std.

0

0

0

0

20 bis weniger als 30 Std.

10%

33,3%

0

0

30 bis weniger als 40 Std.

0

0

0

0

40 bis weniger als 50 Std.

10%

0

0

25%

50 bis weniger als 60 Std.

20%

33,3%

0

25%

60 bis weniger als 70 Std.

20%

0

33%

25%

70 bis weniger als 80 Std.

30%

33,3%

67%

0

mehr als 80 Std.

10%

0

0

25%

Durchschnitt in Std.

62

54

71

62

Die Öffnungszeiten dieser großen Universal- und Fachbibliotheken liegen mit 62 Wochen-stunden an sechs Tagen deutlich über dem allgemeinen Durchschnittswerten, wobei die Staatsbibliotheken mit 71 Stunden in der Woche als Mittelwert ihren Besuchern den längsten Zugang gewähren.452

Tab. 15: Durchschnittliche Öffnungstage pro Woche bei den überregionalen Bibliotheken

Öffnungstage pro Woche

Durchschnitt

Nationalbibl.

Staatsbibl.

Zentrale Fachbibl.

1 Tag

0

0

0

0

2 Tage

0

0

0

0

3 Tage

0

0

0

0

4 Tage

0

0

0

0

5 Tage

30%

33%

0

50%

6 Tage

50%

67%

67%

25%

7 Tage

20%

0

33%

25%

Durchschnitt in Tagen

5,9

5,7

6,3

5,8

↓65

Montag bis Freitag ist jede der Bibliotheken im Durchschnitt elf Stunden geöffnet und selbst am Samstag noch 70% der Einrichtungen acht Stunden.453 Im Gegensatz zu der Untersuchung aus dem Jahr 2000, als keine der überregionalen Bibliotheken sonntägliche Besuchszeiten anbot, öffnen mittlerweile zwei der insgesamt zehn Institutionen sechs Stunden auch an diesem Wochentag.454

Tab. 16: Öffnungszeiten der überregionalen Bibliotheken an unterschiedlichen Wochentagen

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Samstag

Sonntag

Anteil geöffneter Bibliotheken

100%

100%

100%

100%

100%

70%

20%

durchschnittliche Öffnungszeit

11 Std.

11 Std.

11 Std.

11 Std.

11 Std.

8 Std.

6 Std.

Nachdem die benötigten Haushaltsmittel sowie zusätzliche Sondermittel durch die Staatsregierung des Freistaates bereitgestellt wurden, hat die Bayerische Staatsbibliothek im Sommer 2001 Öffnungszeiten am Sonntag von 10 bis 17 Uhr eingeführt, um damit einem dringenden Benutzerbedürfnis Rechnung zu tragen. Die zusätzlichen Arbeitsstunden werden im wesentlichen vom Stammpersonal auf freiwilliger Basis geleistet.455 Die sonntäglichen Besuchszeiten der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin von 12 bis 18 Uhr, die ein Jahr später zunächst nur probeweise eingeführt wurden, beruhen dagegen auf einer Finanzspritze der medizinischen Fakultät und dem Arbeitseinsatz eines privaten Wachdienstes, der die Nutzung des Lesesaals kontrolliert.

2. Landes- und andere Regionalbibliotheken

↓66

Die Literaturversorgung für den jeweiligen Landesteil, Archivierung von Pflichtexemplaren, die Pflege zum Teil wertvoller Altbestände als auch die Konzentration auf die inhaltliche Erschließung der Regionalliteratur kennzeichnen die Aufgaben von Landes- und anderen Regionalbibliotheken. Nach dem Grundsatzpapier Bibliotheken ’93 zählen sie zur Funktionsstufe 3 und sollten demnach „möglichst lange Öffnungszeiten auch in den Abendstunden und am Wochenende bieten“.456 Keine einzige Einrichtung, die ausschließlich der regionalen Literaturversorgung dient, hat jedoch ihre Besuchsstunden zu wenigstens einem Drittel außerhalb der allgemeinen Arbeitszeiten gelegt. Obgleich jede zweite Regionalbibliothek ihre Leser am Sonnabend an durchschnittlich drei Stunden empfängt, sind nur 13% an einem Wochentag nach 19 Uhr zugänglich. An keinem Ort sind Lesemöglichkeiten am Samstagnachmittag oder Sonntag zu finden

Tab 17: Öffnungszeiten der Regionalbibliotheken an unterschiedlichen Wochentagen

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Samstag

Sonntag

Anteil geöffneter Bibliotheken

87%

100%

96%%

100%

92%

50%

0

durchschnittliche Öffnungszeit

7 Std.

8 Std.

8 Std.

8 Std.

7 Std.

3 Std.

0

Tab. 18: Durchschnittliche wöchentliche Öffnungsdauer der Regionalbibliotheken

Wöchentliche Öffnungsstunden

Öffnungstage pro Woche

weniger als 10 Std.

0

1 Tag

0

10 bis weniger als 20 Std.

4%

2 Tage

4%

20 bis weniger als 30 Std.

4%

3 Tage

0

30 bis weniger als 40 Std.

46%

4 Tage

8%

40 bis weniger als 50 Std.

33%

5 Tage

42%

50 bis weniger als 60 Std.

13%

6 Tage

46%

mehr al 60 Std.

0

7 Tage

0

Durchschnitt in Std.

39

Durchschnitt in Tagen

5,3

↓67

Bei der Bewertung der durchschnittlichen Öffnungszeiten von 39 Wochenstunden457 ist indes zu berücksichtigen, daß zahlreichen Landesbibliotheken eine Doppelrolle zukommt, indem sie zugleich und gemeinhin in der Hauptfunktion als Hochschul-, Staats- oder Stadtbibliothek in Erscheinung treten. Unter der weiteren Einbeziehung dieser Einrichtungen lassen sich mehrere mit ausgedehnten Öffnungszeiten auch am Sonntag nennen wie beispielsweise die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, die Bayerische Staatsbibliothek, die Sächsische Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und zukünftig die Zentral- und Landesbibliothek Berlin.458

3. Hochschulbibliotheken

Bei der Frage nach den längsten Bibliotheksöffnungszeiten in Deutschland rücken die Hochschulbibliotheken ins Blickfeld. Die einschichtigen zentralen Universitätsbibliotheken Konstanz, Bielefeld und Paderborn bieten jeweils wöchentliche Besuchszeiten von 139, 111 und 99:30 Stunden. Diese Größenordnung wird auch von dezentralen Fachbereichs-bibliotheken wie der Zweigbibliothek Rechtswissenschaft in Halle mit ihren 113 und der Zentralbibliothek Recht in Hamburg mit ihren 115 Wochenöffnungsstunden erreicht. Eine Gesamtbetrachtung aller Hochschuleinrichtungen ergibt jedoch wesentlich geringere Durchschnittswerte, die auf sehr große Abweichungen zwischen den Öffnungszeitmodellen der einzelnen Institutionen hinweisen.

Tab. 19: Durchschnittlichen Wochenöffnungsstunden der Hochschulbibliotheken459

Wöchentliche Öffnungsstunden

Durch-schnitt

Zentrale Universitätsbibl.

Fachbe-reichsbibl.

Fachhoch-schulbibl.

Sonstige Hochschulbibl.

weniger als 10 Std.

0%

0

0%

1%

0

10 bis weniger als 20

2%

0

1%

7%

5%

20 bis weniger als 30

8%

0

8%

15%

7%

30 bis weniger als 40

20%

0

18%

30%

37%

40 bis weniger als 50

28%

7%

28%

36%

21%

50 bis weniger als 60

20%

22%

23%

9%

18%

60 bis weniger als 70

12%

29%

13%

1%

7%

70 bis weniger als 80

6%

29%

5%

0

0

mehr als 80

4%

13%

3%

1%

5%

Durchschnitt in Std.

48

68

48

38

43

↓68

Auffällig sind insbesondere die kurzen Öffnungszeiten der Fachhochschulbibliotheken, die sich an den üblichen Dienstzeiten orientieren. Nur drei Prozent der untersuchten Institutionen offeriert ein Drittel ihrer Besuchszeiten außerhalb der allgemeinen Arbeitszeiten.460 Eine Sonntagsöffnung von 14 bis 19 Uhr bietet als einzige die Fachhochschulbibliothek Pforzheim an ihrem Standort Technik und Wirtschaft seit Bezug ihres Neubaus im Jahr 2001.461 Insge-samt betrachtet ist die Zugänglichkeit dieses Bibliothekstyps, dessen Personalressourcen im Verhältnis zu den zentralen Universitätsbibliotheken vergleichsweise knapp bemessen sind, gegenüber einer Erhebung aus dem Jahr 1996 als rückläufig zu bewerten.462

Tab. 20: Öffnungszeiten der Hochschulbibliotheken außerhalb der Arbeitszeiten

Durch-schnitt

Zentrale Uni-versitätsbibl.

Fachbe-reichsbibl.

Fachhoch-schulbibl.

Sonstige Hochschulbibl.

mind. 33% Öffnungsstunden

außerhalb von Mo-Fr 8-17 Uhr

18%

67%

16%

3%

14%

Abendöffnung nach 19 Uhr an mind. 1 Tag

30%

79%

31%

7%

23%

Samstagsöffnung

25%

89%

22%

11%

19%

Samstag nach 14 Uhr

12%

53%

11%

1%

7%

Sonntagsöffnung

3%

12%

3%

1%

5%

Während die Öffnungszeiten an rund Dreiviertel der dezentralen Fachbereichs- und sonstigen Hochschulbibliotheken463 ebenfalls von dem Modell der Fünf-Tage-Woche bestimmt sind, bieten die zentralen Universitätsbibliotheken beinahe flächendeckend samstägliche und abendliche Besuchszeiten.464 Keine einzige dieser Einrichtungen ist an weniger als fünf Tagen in der Woche geöffnet, die überwiegende Mehrzahl an sechs und ein nicht unerheblicher Anteil von 12% sogar an allen Wochentagen.

↓69

Tab 21: Durchschnittliche Öffnungstage pro Woche bei den Hochschulbibliotheken

Öffnungstage

pro Woche

Durch-schnitt

Zentrale Universitätsbibl.

Fachbe-reichsbibl.

Fachhoch-schulbib.

Sonstige Hochschulbibl.

1 Tag

0%

0

0

1%

0

2 Tage

0%

0

0

1%

0

3 Tage

1%

0

1%

2%

0

4 Tage

2%

0

2%

1%

2%

5 Tage

73%

15%

75%

85%

78%

6 Tage

21%

73%

19%

9%

17%

7 Tage

3%

12%

3%

1%

3%

Durchschnitt in Tagen

5,2

6

5,2

4,9

5,2

Gegenüber der Untersuchung aus dem Jahr 1996 haben sich damit nicht nur die durchschnittlichen wöchentlichen Öffnungszeiten der zentralen Universitätsbibliotheken um fünf Stunden erhöht, sondern insbesondere der Anteil der Besuchsstunden am Wochenende ist deutlich angestiegen, auch wenn insgesamt von Freitag bis Sonntag kürzere Lesezeiten als unter der Woche gelten.465

Tab. 22: Öffnungszeiten der Hochschulbibliotheken an unterschiedlichen Wochentagen

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Samstag

Sonntag

Anteil geöffneter Bibliotheken

99%

100%

99%

100%

98%

25%

3%

durchschnittliche Öffnungszeit

10

10

10

10

8

6

9

↓70

Große Unterschiede bestehen nicht nur zwischen den unterschiedlichen Typen von Hochschulbibliotheken, sondern bei näherer Betrachtung kommt auch der Fachausrichtung der Institutionen eine entscheidende Rolle zu.

Tab. 23: Öffnungszeiten der Hochschulbibliotheken in Korrelation zur Fachrichtung

Fachrichtung

Tage/ Woche

Std./ Woche

Samstag -

öffnung

Sonntags -

öffnung

Abend-öffnung

33% nicht zu Arbeitszeiten

Agrar- und Forstwissenschaften

5

38

0

0

0

0

Architektur und Design

5,1

45

9%

0

18%

18%

Biologie

5,3

47

19%

6%

14%

19%

Chemie

5,2

45

24%

0

12%

21%

Erziehungswissenschaften

5,2

49

15%

4%

22%

33%

Geowissenschaften

4,9

36

0

0

5%

5%

Geschichtswissenschaft

5,2

53

21%

0

39%

57%

Informatik

5,1

44

14%

0

14%

29%

Kunst

5

41

5%

0

10%

20%

Mathematik

5,1

46

9%

0

15%

26%

Medizin

5,7

57

56%

21%

62%

71%

Musik

5

36

4%

0

4%

12%

Philosophie

4,9

48

0

0

50%

50%

Physik

5,1

43

8%

0

8%

16%

Psychologie

4,9

42

7%

0

29%

29%

Rechtswissenschaft

6,2

77

97%

23%

100%

100%

Sozialwissenschaften

5,2

48

18%

0

36%

36%

Sportwissenschaft

4,9

33

0

0

0

0

Sprach - u Literaturwissensch.

5,1

47

16%

1%

33%

33%

Technik und Elektrotechnik

5

42

0

0

5%

5%

Theologie

5,2

48

23%

3%

31%

43%

Wirtschaftswissenschaften

5,4

56

45%

3%

55%

65%

Durchschnitt

5,2

48

22%

3%

31%

16%

↓71

Während die Bibliotheken kleinerer Fachbereiche wie der Musik-, Sport-, Geo-, Agrar- und Forstwissenschaften sowie die Einrichtungen technischer Ausrichtung mit weniger als vierzig Wochenöffnungsstunden und ohne nennenswerte Besuchszeiten am Wochenende und am Abend auskommen, bieten Institutionen, die medizinischen, wirtschafts-, geschichts- und rechtswissenschaftlichen Fakultäten zugeordnet sind, großzügige Öffnungszeiten mit hohen Prozentanteilen am Samstag und am Abend. Besonders fallen bei der Analyse die juristischen Fachbereichsbibliotheken auf, die ihre Leser ohne Ausnahme auch ausgiebig außerhalb der allgemeinen Arbeitszeiten empfangen. Mit einer durchschnittlichen Besuchs-zeit von 6,2 Öffnungstagen pro Woche zählen sie neben den Staatsbibliotheken, zu den am längsten geöffneten Bibliotheken in Deutschland. Diese hohe Zugänglichkeit beinhaltet auch sonntägliche Nutzungsmöglichkeiten, die 23% der rechtswissenschaftlichen und 21% der medizinischen Fachbereichsbibliotheken bieten.466

4. Öffentliche Bibliotheken

Unter mehr als 2.000 analysierten kommunalen Bibliotheken findet sich nur eine einzige, deren wöchentliche Öffnungsstunden die Anzahl 60 überschreitet. Die Berliner Stadtbibliothek im Bezirk Mitte erhöhte im Mai 2004 ihre Besuchszeiten aufgrund des starken Publikumszuspruchs von zuvor 51 auf 64 Stunden. Obgleich sie damit unter den Großstadtbibliotheken die längste Wochenstundenzahl aufweist, erfüllt sie nur knapp das Soll, das im Positionspapier Bibliotheken ’93 für Einrichtungen zur Deckung des gehobenen Literaturbedarfs empfohlen ist, und bleibt noch vier Stunden hinter den durchschnittlichen Öffnungszeiten zentraler Universitätsbibliotheken zurück.467 Neben diesem Haus erhöhte die Berliner Zentral- und Landesbibliothek die Zugänglichkeit an ihrem zweiten Standort von 44 auf 59 Wochenstunden, so daß die Amerika-Gedenkbibliothek unter den kommunalen Einrichtungen nunmehr die zweitlängsten Besuchszeiten deutschlandweit aufweist.468 Darüber hinaus bieten nur zehn weitere von über 2.000 Stadtbibliotheken Öffnungszeiten von fünfzig oder mehr Wochenöffnungsstunden und entsprechen damit einem Gesamtteil von gerade einem halben Prozentpunkt.

Tab. 24: Durchschnittliche Wochenöffnungsstunden öffentlicher Bibliotheken

Wöchentliche Öffnungsstunden

Durch-schnitt

über 400.000 Einwohner

100.001-400.000

31.000-100.000

5.100-30.000

unter

5.000

 

weniger als 10 Std.

7%

0

0

0

5%

17%

10 bis weniger als 20

33%

0

0

5%

36,7%

51%

20 bis weniger als 30

39%

0

7%

42%

46%

26%

30 bis weniger als 40

17%

27%

56%

46%

11%

5%

40 bis weniger als 50

3,5%

50%

33%

7%

1%

1%

50 bis weniger als 60

0,5%

19%

4%

0

0,3%

0

mehr als 60

0%

4%

0

0

0

0

Durchschnitt in Std.

22

45

38

30

21

17

 

↓72

Diese Werte und eine durchschnittliche wöchentliche Besuchszeit von 38 anstatt der laut Planungspapier „Bibliotheken ’93“ geforderten sechzig Stunden in großstädtischen Zentralbibliotheken erklären, weshalb Konrad Umlauf die Öffnungszeiten öffentlicher Bibliotheken, die seit seiner Erhebung im Jahr 1990 keine wesentlichen Änderungen erfahren haben, als unbefriedigend u.a. mit dem Hinweis auf die wesentlich längeren Geschäftszeiten der benachbarten Buchhandlungen kritisiert.469 Der Vergleich mit dem örtlichen Einzelhandel fällt in kleinen Gemeinden noch schlechter aus, da die Anzahl der Wochenöffnungsstunden grundsätzlich mit der nachlassenden Größe der Institution ab-nimmt. Entgegen dem für Einrichtungen der Funktionsstufe 1 festgesetzten Leistungsmerk-mal von 35 Wochenstunden liegt die durchschnittliche Zugänglichkeit der Mittelstadtbiblio-theken in Kommunen mit 30.000 bis 100.000 Einwohnern bei dreißig Stunden in der Woche und bei Kleinstadtbibliotheken entsprechen rund zwanzig wöchentliche Besuchsstunden an vier Tagen der Norm. Doch die Gemeindegröße ist nicht immer ein zuverlässiger Indikator für die Länge der Besuchszeiten, denn während beispielsweise die zentrale Stadtbücherei der Großstadt Recklinghausen ihren Lesern an nur zwanzig Wochenstunden Einlaß gewährt, bietet die Stadtbibliothek Bad Brückenau ihren 7.200 Einwohnern täglichen Zugang an 58 Stunden in der Woche.

Tab. 25: Durchschnittliche Öffnungstage pro Woche bei den öffentlichen Bibliotheken

Öffnungstage pro Woche

Durch-schnitt

über 400.000 Einwohner

100.001-400.000

31.000-100.000

5.100-30.000

unter 5.000

1 Tag

0,5%

0

0

0

0,3%

2%

2 Tage

6%

0

0

1%

4%

16%

3 Tage

13%

0

0

1%

13%

25,8%

4 Tage

35%

0

1%

19%

39,5%

40%

5 Tage

39%

35%

69%

68%

39%

14%

6 Tage

6,35%

65%

30%

11%

4%

2%

7 Tage

0,15%

0

0%

0%

0,2%

0,2%

Durchschnitt in Tagen

4,25

5,7

5,3

4,9

4,3

3,6

Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Einrichtungen werden die Öffnungszeiten kommunaler Bibliotheken weniger von der allgemeinen Fünftagewoche dominiert. Montag und Mittwoch sind häufige Schließungstage und Besuchsmöglichkeiten am Samstag werden im Verhältnis häufiger gewährt als an den deutschen Hochschulbibliotheken, wenn auch im Mittelwert für nur drei Stunden. Die Hauptöffnungszeit der Stadtbibliotheken fällt indes ebenfalls auf die üblichen Arbeitszeiten von Montag bis Freitag und am Sonntag werden die Leser nur in raren Ausnahmefällen und in Großstädten gar nicht empfangen.

↓73

Tab. 26: Öffnungszeiten öffentlicher Bibliotheken an unterschiedlichen Wochentagen

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Samstag

Sonntag

Anteil geöffneter Bibliotheken

66%

93%

59%

92%

82%

34%

1%

durchschnittliche Öffnungszeit

5,1 Std.

5,8 Std.

4,9 Std.

5,8 Std.

5,1 Std.

2,9 Std.

3,1 Std.

Stattdessen besteht in großstädtischen Bibliothekssystemen fast flächendeckend die Möglichkeit, sich Bücher am Sonnabend auszuleihen. Und selbst in kleinen Gemeinden liegt die durchschnittliche Quote samstäglicher Besuchszeiten mit 30% noch um fünf Prozentpunkte höher als bei den Hochschulbibliotheken trotz der insgesamt wesentlich kürzeren Öffnungszeiten kommunaler Einrichtungen. Allerdings werden mit Ausnahme der Bibliotheken für den spezialisierten Bedarf in Städten mit mehr als 400.000 Einwohnern470 Besuchsmöglichkeiten am Abend nur vereinzelt gewährt, obwohl sich gelegentliche Sonderaktionen zur späten Stunde wie beispielsweise Bibliotheksnächte für Kinder einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen.471

Tab. 27: Öffnungszeiten öffentlicher Bibliotheken außerhalb der Arbeitszeiten

Durch-schnitt

über 400.000 Einwohner

100.001-400.000

31.000-100.000

5.100-30.000

unter

5.000

33% nicht zu Arbeitszeiten

15%

46%

15%

11%

17%

10%

Abendöffnung nach 19 Uhr

7%

50%

7%

9%

7%

2%

Samstagsöffnung

34%

100%

90%

67%

30%

9%

Samstag nach 14 Uhr

2%

37%

11%

1%

1%

1%

Sonntagsöffnung

1%

0%

0%

1%

1%

1%

↓74

Noch seltener als am Abend besteht die Chance, städtische Bibliotheken an einem Sonntag zu betreten. Im deutschen Bibliothekswesen bieten derzeit lediglich dreizehn Einrichtungen in alleiniger kommunaler Trägerschaft472 sonntägliche Öffnungszeiten an durchschnittlich drei Stunden, die alle in Kleinstädten liegen.473 Auch die insgesamt drei Büchereien, die täglich an sieben Tagen in der Woche öffnen, befinden sich in Gemeinden, die nicht mehr als 8.000 Einwohner zählen, dafür jedoch stark von Kurgästen besucht werden.474 Auch wenn zwei der sonntagsgeöffneten Institutionen in Ostdeutschland ansässig sind, fällt bei einem regionalen Vergleich kommunaler Bibliotheksöffnungszeiten auf, daß in den neuen Bundesländern die Samstagsöffnung und die Anzahl der Öffnungsstunden außerhalb der allgemeinen Arbeitszeiten generell am niedrigsten ausfällt. Von den Stadtstaaten abgesehen erzielt der ebenfalls ländlich strukturierte Flächenstaat Baden-Württemberg dagegen in diesen Kategorien erheblich bessere Werte, obwohl seine durchschnittliche wöchentliche Besuchszeit nicht höher als in Ostdeutschland liegt.

Tab. 28: Regionale Unterschiede bei den Öffnungszeiten öffentlicher Bibliotheken

Bundesland

Tage/

Woche

Stunden/Wochen

mind. 33% Öffnungsstunden nicht in den Arbeitszeiten

Abend-öffnung

Samstags-

öffnung

Sonntags-öffnung

Baden-Württ.

4,4

21

31%

11%

55%

1%

Bayern

4,4

22

24%

12%

30%

2%

Berlin

5,8

46

71%

69%

100%

0%

Brandenburg

3,9

22

3%

1%

22%

1%

Bremen

5,5

34

0

0%

100%

0%

Hamburg

5

35

0

0%

100%

0%

Hessen

4,2

18

24%

7%

27%

1%

Meckl.-Vorp.

4,1

22

2%

1%

13%

0%

Niedersachsen

4,3

25

14%

5%

24%

0%

Nordrhein-W.

4,8

20

15%

13%

59%

1%

Rheinland-Pfalz

4,4

21

29%

6%

45%

0%

Saarland

4,6

26

0

0%

13%

6%475

Sachsen

3,7

21

2%

0%

14%

0%

Sachsen-Anhalt

3,9

22

1%

3%

17%

0%

Schleswig-Hol.

4,7

27

8%

1%

37%

0%

Thüringen

3,8

20

2%

3%

13%

0%

Durchschnitt

4,25

22

15%

7%

34%

1%

Einheitlich für alle öffentlichen Bibliotheken gilt jedoch, daß sie ein gleichbleibend hohes Dienstleistungsniveau bieten.476 Im Gegensatz zu vielen wissenschaftlichen Einrichtungen werden Auskunft und Ausleihe sowie weitere Serviceangebote auch in den Abendstunden und am Wochenende nicht eingeschränkt. Entsprechend höher fallen die Personalkosten aus, die städtischen Büchereien in zusätzliche Besuchszeiten mit uneingeschränktem Kundenservice investieren müssen, zumal ihnen keine günstigen studentischen Hilfskräfte zur Verfügung stehen.

5. Kirchliche Bibliotheken

↓75

Einen wesentlichen Beitrag zur öffentlichen Literaturversorgung in Deutschland leisten nicht nur die rund 2.000 hauptamtlich geleiteten kommunalen Bibliotheken, sondern im hohen Maße auch das kirchliche Büchereiwesen, das im wesentlichen auf ehrenamtlichem Engagement beruht. Die großen katholischen und evangelischen Dachverbände, der Borromäusverein, der St. Michaelsbund sowie der Deutsche Verband Evangelischer Büchereien, zählen zusammen mehr als 5.000 institutionelle Mitglieder, in der Mehrzahl sog. Katholische öffentliche Bibliotheken (KÖB). Im Gegensatz zu den wissenschaftlich ausgerichteten Einrichtungen wie landeskirchliche Bibliotheken, Diözesan- und Dombiblio-theken haben diese nur sehr kurze Öffnungszeiten, die in rund zwei von drei Fällen auf den Sonntagvormittag gelegt sind.477 Im Bistum Aachen beispielsweise öffnen die 151 katholischen öffentlichen Bibliotheken im Durchschnitt nur an zwei Tagen und mit insgesamt vier Wochenstunden, die überwiegend außerhalb der allgemeinen Arbeitszeiten liegen. Allein anderthalb der vier Öffnungsstunden entfallen auf den Sonntag, der wiederum für ein Viertel der Bibliotheken der einzige Besuchstag ist.478

Tab. 29: Öffnungszeiten öffentlicher kirchlicher Bibliotheken im Bistum Aachen

Wöchentl. Öffnungstd. im Durchschnitt

4 Std.

Öffnungstage pro Woche im Durchschnitt

2,2 Tage

Montagsöffnung

16%

Dienstagsöffnung

30%

Mittwochsöffnung

49%

Donnerstagsöffnung

36%

Freitagsöffnung

16%

Samstagsöffnung

13%

Sonntagsöffnung

68%

Abendöffnung nach 19 Uhr an mindestens einem Tag

8%

Samstag nach 14 Uhr

9%

mind. 33% Öffnungsstunden außerhalb von Mo. bis Fr. von 9 bis 17 Uhr

89%

Die sonntäglichen Öffnungszeiten der Pfarrbüchereien stehen im engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit den Gottesdiensten, damit die Gemeindemitglieder diese in Verbindung mit dem Kirchgang aufsuchen und zugleich als kulturellen Treffpunkt nutzen können.479 Schon 1877 hieß es in der „Denkschrift des Evangelischen Ober-Kirchenraths betreffend die Sonntagsfrage: „Sonntagsheiligung durch geistliches Engagement und Beschäftigung z.B. durch Lesung guter Bücher, Bibelstunden oder Aktivitäten in christlichen Bibliotheken oder Lesezirkeln, in denen auch Zusammenkünfte wahrer Christen stattfinden sollen.“480 Allerdings war die Sonntagsöffnung christlicher Leihbibliotheken im 19. Jahrhundert keine Selbstverständlichkeit. Nach einer Übersicht von Rüppel war nur rund jede dritte Einrichtung am siebten Wochentag für jeweils eine Stunde zum Gottesdienst zugänglich gegenüber weitaus längeren Öffnungszeiten unter der Woche.481 Auftrieb erhielt der kirchliche Bibliothekssonntag 1925 durch einen Beschluß der Fuldaer Bischofskonferenz, nach dem der 32. Sonntag im Jahreskreis zum Festtag des heiligen Karl Borromeo anläßlich seines Namenstags am 4. November bestimmt wurde.482 Der Mailänder Erzbischof Karl Borromeo (1538-1584) ist dem Bibliothekswesen als Schutzpatron des 1845 gegründeten „Vereins vom Heiligen Karl Borromäus zur Förderung des katholischen Lebens und zur Begünstigung guter Schriften und Bücher“ verbunden. 483 Den „Borromäussonntag“ feiern die im Borromäusverein organisierten katholischen öffentlichen Bibliotheken alljährlich als „Buchsonntag“ mit vielen Ausstellungen und ähnlichen Sonderaktionen.484

↓76

Die kirchliche Tradition der Sonntagsöffnung bleibt nicht ohne Einfluß auf das öffentliche Bibliothekswesen. Viele Büchereien in gemeinsamer Trägerschaft von Kommune und Kirche bieten am Sonntagvormittag Einlaß, beispielsweise die Bücherei der Stadt Kerpen, die Stadtbüchereien in Meppen, Pfaffenhofen, Regen, Rödermark und Vilshofen, die Gemeindebücherei Aschheim sowie eine Zweigstelle der Stadtbücherei Dachau. Und es ist auffällig, daß sich über die Hälfte der sonntagsgeöffneten kommunalen Bibliotheken als kleine Einrichtungen in katholisch geprägten Gebieten erweisen, die gerade am Sonntagvormittag zu den Gottesdienstzeiten zugänglich sind.485

6. Sonstige Bibliotheken

Der Begriff „sonstige Bibliotheken“ steht für eine Vielfalt von Spezialbibliotheken, darunter Forschungs-, Gerichts-, Parlaments-, Behörden-, Privat- und Museumsbibliotheken. Zahlreiche dieser Einrichtungen bieten keinen Einlaß für die allgemeine Öffentlichkeit und verfügen damit auch nicht über klar definierte Öffnungszeiten.486 Andererseits erlaubt ihre überschaubare Größe oftmals individuelle Zugangsmöglichkeiten wie Besuche nach Vereinbarung oder 24stündige Präsenznutzung für die Mitarbeiter vor Ort, auch an Sonntagen.487 Allerdings ist für keine größere dieser Bibliotheken eine reguläre Sonntagsöffnung mit allgemeiner Zugänglichkeit bekannt, die Museumsbibliotheken ausgenommen.488 Die Bibliothek des Deutschen Museums in München hat bereits 1932 den Bibliothekssonntag eingeführt und kann damit auf die längste Tradition ununterbrochener Sonntagsöffnungszeiten in Deutschland verweisen. Nach der Konzeption des Museums-gründers Oskar von Miller bietet die Bibliothek den Museumsbesuchern die Möglichkeit, ihr Wissen zu vertiefen und wird demnach als integrativer Bestandteil des Museumsangebots gesehen, auch wenn sie zugleich als Arbeitsinstrument für die Mitarbeiter und Wissenschaftler vor Ort dient. Die sonntägliche Besucherresonanz ist ebenso positiv wie in der Mediathek des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe, das seit 1997 an diesem Wochentag öffnet, wenn auch nur halb so lang wie die angeschlossenen Ausstellungsräume. Bei anderen bedeutenden Museumsbibliotheken sind die Öffnungs-zeiten noch weniger auf die des Ausstellungsgebäudes abgestimmt und in der Regel wesentlich kürzer. Manche Bibliotheken sind sogar am Montag geöffnet, wenn das Museum selbst keine Besucher empfängt, schließen dafür aber durchweg am Wochenende und in den Abendstunden wie beispielsweise die Bibliothek des Museums für Post und Kommunikation in Frankfurt am Main, die Bibliothek des Rheinischen Landesmuseums in Trier oder die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.489

Diese klare Trennung zwischen Lesesälen und Exponaten findet sich auch bei mehreren Bibliotheken mit musealer Nutzung wieder: Während die Präsenznutzung des Bestandes sonntags nicht freigestellt wird, sind die Ausstellungsräume zugänglich.

↓77

Tab. 30: Bibliotheken mit sonntäglichen Öffnungszeiten für die ausschließliche museale Nutzung

Ort

Museale Bibliotheksnutzung

Sonntagsöffnung

Berlin

Ausstellungssaal der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen

11.00-18.00

Emden

Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden (kein sonntäglicher Bibliotheksservice)

11.00-17.00

Göttingen

SUB:490 Sondersausstellungen in der Paulinerkirche

11.00-18.00

Halle/Saale

Historische Bibliothek der Franckeschen Stiftungen (Lesesaal sonntags geschlossen)

10.00-12.00 14.00-16.00

Kiel

Landesgeschichtliche Sammlung (Ausstellungen) der Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek

11.00-17.00

München

Lesemuseen der Internationalen Jugendbibliothek

14.00-17.00

Wolfen-büttel

Museale Räume der Herzog August Bibliothek in der Bibliotheca Augusta und im Lessinghaus

10.00-17.00

In kleineren Einrichtungen dagegen ist schon aus Personalgründen eine Trennung zwischen dem Ausstellungs- und Literaturangebot nicht gebräuchlich, so daß zahlreiche Museums-bibliotheken gar nicht über eigenständige Öffnungszeiten verfügen.491 Auch in der branden-burgischen Kleinstadt Belzig wirkten sich die kundenfreundlichen Besuchszeiten des Burgmuseums auf die Zugänglichkeit der Stadtbibliothek aus. Im Jahr 1994 wurde diese aufgrund wirtschaftlicher Zwänge in das Museumsgebäude integriert und mußte damit dessen Öffnungszeiten übernehmen. Als einzige öffentliche Bibliothek in Brandenburg empfängt sie seither Leser am Sonntag und an allen Feiertagen von 10 bis 17 Uhr.

7. Zusammenfassung und Vergleich

Georg Leyh, ehemaliger Direktor der Universitätsbibliothek Tübingen und Mitherausgeber des Handbuchs der Bibliothekswissenschaft, schrieb 1940: „Einer Bibliothek kommt der Charakter der Öffentlichkeit nicht zu, wenn sie nur von Fall zu Fall nach Bedarf geöffnet ist.“492 In diesem Zitat findet der untrennbare, nicht nur sprachliche Zusammenhang zwischen Öffentlichkeit und Öffnungszeiten Nachdruck. Die Hauptaufgabe einer öffentlichen Bibliothek ist, wie der Name bereits impliziert, in der Zugänglichkeit für die Allgemeinheit zu sehen, die nur durch ausreichende Öffnungszeiten gewährleistet wird.493 Und während manche Bibliothekare kontrovers über das Thema Nutzungsgebühren diskutieren, ist von der zeitlichen Chancengleichheit im Zugang zum öffentlichen Literaturangebot nicht die Rede. Da auch Berufstätige Bibliotheksbesuche ohne Hast und Eile und ohne Gedränge in den Spitzenzeiten beanspruchen, ist bei der Bewertung deutscher Bibliotheksöffnungszeiten nicht nur ihr Gesamtumfang, sondern insbesondere auch ihre zeitliche Anordnung zu begutachten, auch wenn der qualitative Aspekt der Besuchszeiten bei einer statistischen Analyse zwangsläufig hinter dem quantitativen zurückbleibt.

↓78

Zusammenfassend ist für die Öffnungszeiten hauptamtlich geleiteter Bibliotheken in Deutschland festzuhalten, daß diese in rund Zweidrittel aller Fälle auf die Wochentage Montag bis Freitag entfallen und oftmals an die behördlichen Dienstzeiten angepaßt sind. Dies trifft insbesondere auf die Fachhochschulbibliotheken und im geringeren Maße auch auf die Regionalbibliotheken zu. Dagegen bieten die Einrichtungen mit überregionaler Bedeutung sowie die zentralen Universitätsbibliotheken mit durchschnittlich sechzig bis siebzig Wochenöffnungsstunden ausgesprochen kundenfreundliche Besuchszeiten, die sich auch auf das Wochenende und die Abendstunden erstrecken. Sie übertreffen damit in zahlreichen Fällen die Ladenschlußzeiten der lokalen Einzelhändler, insbesondere dank der sonntäglichen Besuchszeiten, die im nicht unmaßgeblichen Umfang gerade bei den großen wissenschaftlichen Bibliotheken vorzufinden sind.494 Eine noch höhere Quote der Sonntags-öffnung bieten nur die kirchlichen Bibliotheken, die in den Gesamtvergleich jedoch aufgrund ihrer ehrenamtlichen Struktur und stichprobenartigen Erfassung nicht einbezogen sind.

Tab. 31: Bibliotheksöffnung an unterschiedlichen Wochentagen im Vergleich

Mo.

Di.

Mi.

Do.

Fr.

Sa.

So.

Nationalbibl.

100%

100%

100%

100%

100%

67%

0

Staatsbibliothek

100%

100%

100%

100%

100%

100%

33%

Zentrale Fachbibl.

100%

100%

100%

100%

100%

50%

25%

Regionalbibl.

87%

100%

96%

100%

92%

50%

0

Zentr. Universitätsbibl.

100%

100%

100%

100%

100%

89%

12%

Fachbereichsbibl.

99%

100%

100%

100%

98%

22%

3%

Fachhochschulbibl.

99%

98%

98%

99%

95%

11%

1%

Sonstige Hochschulbibl.

93%

100%

100%

100%

100%

19%

5%

Große Großstadtbibl.

78%

100%

89%

100%

100%

100%

0

Großstadtbibl.

67%

97%

77%

99%

99%

90%

0

Mittelstadtbibl.

56%

99%

71%

97%

97%

67%

1%

Kleinstadtbibl.

67%

91%

61%

92%

83%

29%

1%

Kleine Kleinstadtbibl.

69%

91%

34%

87%

61%

8%

1%

Kirchliche öffentl. Bibl.

16%

30%

49%

36%

16%

13%

68%

Durchschnitt

77%

95%

73%

95%

87%

30%

2%

Keine oder nur marginale sonntägliche Lesemöglichkeiten sind dagegen bei den öffentlichen Bibliotheken zu verzeichnen, die im Vergleich zu den wissenschaftlichen Institutionen über wesentlich kürzere Besuchszeiten verfügen. Diesem Manko begegnen sie, indem sie verhältnismäßig häufiger am Samstag öffnen, die Großstadtbibliotheken nahezu flächen-deckend, und dafür vielfach am Montag oder Mittwoch schließen.

↓79

Tab. 32: Durchschnittliche Bibliotheksöffnungszeiten im Vergleich

Öffnungs-

tage

Öffnungs-

stunden

33% außerhalb der Arbeitszeiten

Abend-öffnung

Samstag-

Nachmittag

Nationalbibl.

5,7

54

33%

67%

67%

Staatsbibliothek

6,3

71

100%

100%

100%

Zentrale Fachbibl.

5,8

62

25%

75%

25%

Regionalbibl.

5,3

39

0

13%

0

Zentr. Universitätsbibl.

6

68

67%

79%

53%

Fachbereichsbibl.

5,2

48

16%

31%

11%

Fachhochschulbibl.

4,9

38

3%

74%

1%

Sonstige Hochschulbibl.

5,2

43

14%

23%

7%

Große Großstadtbibl.

5,7

45

46%

50%

37%

Großstadtbibl.

5,3

38

15%

7%

11%

Mittelstadtbibl.

4,9

30

11%

9%

1%

Kleinstadtbibl.

4,3

21

17%

7%

1%

Kleine Kleinstadtbibl.

3,6

17

10%

2%

1%

Kirchliche öffentl. Bibl.

2,2

4

97%

8%

9%

Durchschnitt

4,6

30

42%

14%

5%

Bereits vor sechzig Jahren riefen die zu kurzen Besuchszeiten öffentlicher Bibliotheken, die mehr an eine Behörde als an eine dienstleistungsorientierte Freizeiteinrichtung erinnerten, Kritik hervor. Der ehemalige Direktor der Ernst-Abbe-Bücherei in Jena und spätere Verlagsgründer Joseph Caspar Witsch schrieb 1942: „Viele Büchereien verkennen offenbar noch den Zusammenhang zwischen Leserzahlen, Ausleihzahlen und Öffnungszeiten. Eine Bücherei darf sich grundsätzlich nicht als Behörde geben.“ Die Bibliothek habe sich mit ihren Öffnungsstunden an die Zeiten anzupassen, die ihre Leser auch wirklich für einen Besuch der Bücherei nutzen könnten. Er hielt es für unhaltbar, daß die Bibliotheken gerade am allgemein arbeitsfreien Samstagnachmittag schließen. Nicht nur möglichst lange Ausleih-zeiten seien erstrebenswert, sondern es müsse insbesondere überlegt werden, auf welche Stunden die Lesezeiten zu verteilen sind. Die Bücherei solle sowohl zu den Zeiten, wenn Hausfrauen einkaufen gehen, als auch in den Arbeitspausen der Berufstätigen zugänglich sein. Dementsprechend verlangte Witsch, daß die Lesesäle der Großstadtbibliotheken mindestens zehn Abendöffnungsstunden bis 20 Uhr bieten sollen. Eine Kleinstadtbücherei benötige drei oder besser vier feste Öffnungstage pro Woche, von denen wenigstens zwei Tage die Zeitspanne von 15 bis 20 Uhr umfassen. Eine Dorfbücherei wiederum sollte zweimal pro Woche für jeweils zwei Stunden und möglichst auch sonntags zugänglich sein.495

Die Forderung nach der Sonntagsöffnung, die sich bisher nur bei den großen Universalbibliotheken im nennenswerten Umfang durchgesetzt hat, ist auch in jüngster Zeit nicht verklungen. Aktuelle Umfrageergebnisse496 ebenso wie zahlreiche Gesuche von studentischer Seite497 dokumentieren den sonntäglichen Nutzungsbedarf, der ebenfalls von heutigen Wissenschaftlern erkannt wird. Neben Umlauf, der den Bibliothekssonntag für die öffentlichen Bibliotheken befürwortet, empfiehlt Usemann-Keller vier sonntägliche Öffnungsstunden für Universitätsbibliotheken mit mehr als einer Million Bänden bei einer optimalen Besuchszeit von 75 Wochenstunden.498 Darüber hinaus betont sie, daß die Verteilung der Öffnungszeiten genauso wichtig wie die Zahl der Tage und Stunden zu bewerten sei.499 Diese wird jedoch weder in den offiziellen Bibliotheksstatistiken noch mit den bekannten Methoden der Leistungsmessung erfaßt.

B. Bibliotheksangebote am Sonntag

↓80

Der Bibliothekssonntag mit seinem minimalen Verbreitungsgrad von 2% aller hauptamtlich geleiteten Einrichtungen500 ist so wenig im Bewußtsein der Allgemeinheit verankert, daß die sonntägliche Schließung der Bibliotheken oftmals stillschweigend vorausgesetzt wird. Bei der Recherche von Bibliotheksöffnungszeiten fällt auf, daß viele Häuser zwar auf ihre Schließungstage beispielsweise am Montag oder Samstag ausdrücklich verweisen, den Sonntag indes nicht erwähnen.501 Entsprechend verbirgt sich in der fachwissenschaftlichen Literatur hinter dem Ausdruck „täglicher Besuchszeiten“ bei genauer Analyse nicht notwendig auch die sonntägliche Öffnung.502

1. Verbreitung sonntäglicher Öffnungszeiten

Eine regionale Betrachtung des Bibliothekssonntags zeigt ein leichtes Süd-Nord und West-Ost-Gefälle und daß sich einzelne Bundesländer, namentlich Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, mit großzügigen sonntäglichen Besuchs-zeiten hervorheben.

Abb. 6: Lokale Streuung der Sonntagsöffnung

↓81

Insgesamt erfaßt die vorliegende Untersuchung einundfünfzig sonntagsgeöffnete Biblio-theken, darunter neunzehn Fachbereichsbibliotheken, dreizehn öffentliche Bibliotheken, elf zentrale Universitätsbibliotheken, drei sonstige Hochschulbibliotheken, zwei Museums-bibliotheken, eine Fachhochschulbibliothek, eine Zentrale Fachbibliothek, eine Staats-bibliothek sowie schließlich eine Studentenbibliothek.

Tab. 33: Sonntagsöffnung hauptamtlich geleiteter Bibliotheken

Ort

Name

Öffnungszeit

Besonderheit

Aichtal

Stadtbücherei

10.00-12.00

nur am 1. Sonntag im Monat geöffnet

Bad Brückenau

Stadtbibliothek

14.00-17.00

Stadtbibliothek mit den drittlängsten Wochenöffnungszeiten in Deutschland

Belzig

Stadtbibliothek

10.00-17.00

gleiche Öffnungszeiten wie das Museum im selben Gebäude

Berlin

Fachbereichsbibliothek Rechtswissenschaft der Freien Universität

12.00-18.00

einziges Bundesland mit sonntäglichem Lohnzuschlag für studentische Hilfskräfte

Bielefeld

Universitätsbibliothek

9.00- 22.00

Einstellung spezieller Kräfte für den Spät- und Wochenenddienst

Binz

Bibliothek

14.00-18.00

saisonal unterschiedliche Sonntagsöffnungszeiten

Burgkirchen

Bücherei

9.30-10.30

kommunale Bibliothek mit der ältesten Sonntagsöffnung seit 1952

Dietramszell

Gemeindebücherei

10.00-11.30

Besucherandrang nach dem Kirchgang

Dresden

Sächsische Landes-bibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek

10.00-18.00

Sonntagsöffnung finanziert durch „freiwillige Studiengebühren“

Düsseldorf

Universitäts- und Landesbibliothek

13.00-20.00

sonntägliche Ausleihe nur über Selbstverbuchungsgeräte

Frankfurt a.M.

Stadt- und Universitätsbibliothek

10.00-18.00

sonntags Aufsicht durch einen Mitarbeiter des höheren Dienstes

Friedensau

Bibliothek der Theolo-gischen Hochschule

8.00-22.00

Bibliothek wird von der Freikirche der Sie-benten-Tags-Adventisten betrieben, die den Samstag als wöchentlichen Ruhetag feiert.

Gießen

Universitätsbibliothek

8.30-21.00

beschäftigt sonntags mit 6 Personen die höchste Zahl an Mitarbeitern

Göttingen

Bereichsbibliothek Medizin

8.00-22.00

viele fachfremde Nutzer

Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek

10.00-19.00

Sonntagsöffnung nur am Semesterende

Halle (Saale)

Universitäts- und Lan-desbibliothek Sachsen-Anhalt

14.00-23.00

klassische Magazinbibliothek im zweischichtigen Bibliothekssystem

Zweigbibliothek Erzie-hungswissenschaften

14.00-23.00

keine Sonntagsöffnung in den Semesterferien

Zweigbibliothek Neuphilologie

14.00-22.00

führte als letzte von fünf Einrichtungen im selben Bibliothekssystem die Sonntags-öffnung ein

Zweigbibliothek Rechtswissenschaft

14.00-1.00

die spätesten Sonntagsöffnungszeiten in Deutschland bis 1 Uhr nachts

Zweigbibliothek Weinberg

14.00-23.00

einzige naturwissenschaftliche Fachbe-reichsbibliothek mit Sonntagsöffnung

Hamburg

Ärztl. Zentralbibliothek

9.00-18.00

sonntags nur Präsenznutzung

Zentralbibliothek Recht

10.00-24.00

plant die Einführung eines 24-Stunden-Betriebs503

Hannover

Bibliothek der Medi-zinischen Hochschule

9.00- 18.00

die erste medizinische Bibliothek, die sonntägliche Öffnungszeiten einführte

Heidelberg

Juristisches Seminar

10.00-16.00

die früheste sonntägliche Schließungszeit bei wissenschaftlichen Bibliotheken

Heimbach

Stadtbücherei

10.00-12.00 14.00-17.00

einzige Bibliothek mit sonntäglicher Mittagspause (in den Sommermonaten)

Jena

Teilbibliothek Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

10.00-18.00

sonntags sind drei Ausgänge zu überwachen

Karlsruhe

Mediathek des Zen-trums für Kunst und Medientechnologie

12.00-18.00

sonntägliche Sonderaktionen wie Führungen oder Ausstellungsbeteiligung

Köln

Deutsche Zentral-bibliothek für Medizin

12.00-17.00

einzige Zentrale Fachbibliothek mit Sonntagsöffnung

Konstanz

Universitätsbibliothek

9.00-23.00

Modell 24-Stunden-Bibliothek

Kösching

Gemeindebücherei

10.00-12.00

Sonntagsöffnung durch ehrenamtl. Kräfte

Kreuztal

Stadtbibliothek

14.00-18.00504

größte öffentliche Bibliothek mit Sonntagsöffnung

Mannheim

Bereichsbibliothek Be-triebswirtschaftslehre

10.00-18.00

Präsenzbibliothek

Bibliothek der Fakultät für Klinische Medizin

12.00-18.00

reguläre Sonntagsöffnungszeiten nach erfolgreicher Testphase

Marburg

Juristisches Seminar

14.00-21.30

spätester Beginn der Sonntagsöffnung um 14 Uhr

Zentrale Medizinische Bibliothek

9.00- 20.00

verkürzte Öffnungszeit an Feiertagen (14 bis 20 Uhr)

Universitätsbibliothek

13.00-21.30505

erste Universitätsbibliothek mit sonntäglicher Öffnung (seit 1967)

München

Bayerische Staatsbibliothek

10.00-17.00

Sonntagsdienst beruht auf Freiwilligkeit

Bibliothek des Deutschen Museums

9.00-17.00506

älteste durchgängige Sonntagsöffnungs-zeiten seit 1932

Studentenbibliothek

14.00-23.00507

täglich einheitliche Öffnungszeiten

Bibliothek der Tier-ärztlichen Fakultät

10.00-16.00

viele auswärtige Besucher

Münster

Rechtswissenschaft-liches Seminar I

10.15-20.00

für die Sonntagsöffnung wurden aus Fördergeldern zwei zusätzliche ¼-Stellen geschaffen

Zweigbibliothek Medizin

14.00-18.00

jährliche Steigerung der sonntäglichen Besucherzahlen

Osnabrück

Bereichsbibliothek Rechts- und Wirt-schaftswissenschaften

14.00-22.00

sonntags Rufbereitschaft des hauptamt-lichen Personals zur Unterstützung der studentischen Hilfskräfte

Paderborn

Universitätsbibliothek

10.00-18.00

sonntags ebenso viele Nutzer wie samstags (bei weniger Ausleihen)

Pforzheim

Hochschulbibliothek Pforzheim – Standort Wirtschaft/Technik

14.00-19.00

einzige Fachhochschulbibliothek mit öffentlichem Zugang am Sonntag

Regensburg

Teilbibliothek Recht

10.00-18.00

Sonntagsschließung in den Semesterferien

Quierschied

Gemeindebücherei

10.00-12.00

samstags geschlossen

Schotten

Stadtbibliothek

14.00-17.00

Sonntagsöffnung wurde von den Mitarbeitern angeregt

Stuttgart /

Hohenheim

Universitätsbibliothek

10.00-17.00

Einführung der Sonntagsöffnung mit Gründung der Bereichsbibliothek für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Velen

Andreas-Bücherei

9.30-12.30

Sonntag ist der ausleihstärkste Tag

Westerheim

Gemeindebücherei

10.00-11.00

kürzeste Sonntagsöffnung von nur einer Stunde

Die Tabelle zeigt nicht nur die Unterschiede in der tageszeitlichen Verteilung der sonntäg-lichen Öffnungsstunden, die von einer bis vierzehn Stunden reicht, sondern deutet in der Auflistung der individuellen Besonderheiten bereits die Vielfältigkeit der äußeren Nutzungs-bedingungen an. Spezielle Sonntagsöffnungszeiten am Semesterende stehen Schließungs-zeiten in den Ferien gegenüber. Auch ein vierwöchiger oder saisonaler Öffnungsrhythmus ist ebenso wie sonntägliche Mittagspausen und Sonderaktionen zu verzeichnen.

↓82

Die These, daß großzügige Öffnungszeiten durch Freihandaufstellung und moderne Gebäude mit zentralen Zugängen begünstigt werden, findet beim Bibliothekssonntag keine Bestätigung.508 Besuchszeiten am Sonntag sind sowohl in ein- als auch zweischichtigen Bibliothekssystemen verbreitet. Unter den wissenschaftlichen Einrichtungen befinden sich zudem mehrere Häuser, die mehr als einen Ausgang bewachen müssen509 und deren Bestände zum Großteil magaziniert sind.510 Auch als Antwort auf die Frage, ob sich die Integration in ein größeres Universitätsgebäude für die Großzügigkeit der Besuchszeiten von Vorteil erweist, ergibt sich ein klares Unentschieden, da knapp die Hälfte der sonntags-geöffneten Bibliotheken über eigenständige Bauten verfügt. Genauso wenig ist ein Trend in Bezug auf die örtliche Ansiedlung in der Innenstadt oder auf dem abseits gelegenen Campus erkennbar.

2. Serviceleistungen am Sonntag

Besser als die äußeren Gegebenheiten läßt sich das sonntägliche Dienstleistungsangebot bewußt gestalten durch vielfältige Lösungsmöglichkeiten im Servicebereich und bei der Festlegung der Öffnungsstunden. Die meisten Bibliotheksverantwortlichen folgen dabei dem dominierenden Leitmotiv, großzügige Besuchsmöglichkeiten bei möglichst geringem Perso-naleinsatz und niedrigen Kosten zu gewähren. In diesem Sinne wird der Bibliothekssonntag nur als „Erweiterung“ des ursprünglichen Dienstleistungsangebots und nicht als „Kernöffnungszeit“ verstanden. Infolgedessen sind die sonntäglichen Serviceleistungen in deutschen Bibliotheken in der Mehrzahl stark reduziert.

Abb. 7: Unterschiedliche Serviceangebote am Sonntag

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Bei der Betrachtung der zwei bibliothekarischen Hauptaufgaben, der Ausleihtätigkeit und der Besucherberatung, zeigen sich zum einen die deutlichen Nutzungseinschränkungen und zum anderen die wesentlichen Unterschiede zwischen den öffentlichen und wissenschaft-lichen Einrichtungen. Während nur die Hälfe der akademischen Bibliotheken sonntags Bücher ausleiht,511 verzichtet keine einzige kommunale Institution auf diese Dienstleistung. Darüber hinaus gewährleisten sie zu 83% bibliothekarische Fachauskünfte, die im wissenschaftlichen Bereich nur zu 8% erreicht werden. Das überwiegende Fehlen des qualifizierten Stammpersonals ist auch in anderen Bereichen zu bemerken, indem sonntags regelmäßig die Sonderlesesäle, Fernleihabteilungen und zum Teil auch Magazine schließen und keine Leseausweise ausgestellt oder Gebühren bearbeitet werden können. Dagegen sind automatisierte Dienstleistungen wie Datenbanknutzung, Kopieren und Internet-recherchen in der Regel möglich. Nach den Erfahrungen der Bibliotheken trifft insbesondere der Ausfall an Fachauskünften vielfach auf das Unverständnis der Leser, die doch gerade am Sonntag genügend Zeit für Beratungsgespräche mitbringen.512

3. Bibliothekssonntag in verschiedenen Modellen

Die Analyse deutscher Bibliotheksöffnungszeiten zeigt deutlich, daß der Bibliothekssonntag keinem normalen Öffnungstag gleichkommt. Die kirchlichen Einrichtungen ausgenommen, ist in allen Bibliothekssparten und Regionen sonntags mit weitem Abstand vor anderen Wochentagen am häufigsten geschlossen. Hinzu kommen zum Teil erhebliche Einschnitte beim Serviceangebot, das grundsätzlich von einem möglichst geringen Einsatz des Stammpersonals geprägt ist.

Die jeweiligen Öffnungskonzepte mit ihren abgestuften Qualitätsangeboten lassen sich in verschiedene Modelle gliedern, die auf unterschiedlichste Weise miteinander kombinierbar sind.513 Zunächst ist das Modell des umfassenden Kundenservice zu nennen, das insbeson-dere die kommunalen Bibliotheken offerieren. Ausgebildetes Stammpersonal bietet den Bibliotheksbesuchern die gleichen Dienstleistungen von der Beratung bis zur Fernleihe wie unter der Woche. Da dieses Öffnungskonzept sehr personalintensiv ist, bedingt es in der Regel nur kurze sonntägliche Öffnungsstunden und eine Reduzierung der Besuchszeiten an anderen Tagen. Der überwachte Lesebetrieb ist das Gegenmodell, das sich gerade in den vergangenen Jahren verstärkt durchgesetzt hat. Unter Beibehaltung der sonstigen Öffnungs-zeiten möchten speziell Hochschulbibliotheken ihren Studierenden eine kostengünstige Mög-lichkeit bieten, die Lesesäle zusätzlich am Sonntag zu nutzen. Abgesehen von den elek-tronischen Dienstleistungen wird kein weiterer Kundenservice angeboten, so daß mangels inhaltlicher Bezüge ein Outsourcing der reinen Überwachungstätigkeit an private Wach- und Schließgesellschaften wie beispielsweise an der Universitätsbibliothek Konstanz oder an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf möglich ist. Zwischen diesen beiden Polen existieren verschiedene Modelle des eingeschränkten Serviceangebots am Sonntag, die durch einen reduzierten Personaleinsatz geprägt sind. So können die in den Wochenend-stunden vorwiegend eingesetzten studentischen Hilfskräfte oft nur begrenzt Auskünfte ertei-len oder keine Fernleihbestellungen entgegennehmen.514 Auch die Öffnung von Zweigstellen, Sonderlesesälen oder der Magazine erfordern den Einsatz zusätzlicher Mitarbeiter, die nicht zur Sonntagsarbeit verpflichtet werden. Gegen die am Wochenende in den wissenschaft-lichen Bibliotheken übliche Praxis des eingeschränkten Serviceangebots sind Umfrageergeb-nisse aus dem öffentlichen Bibliothekswesen von 1990 anzuführen. Mehr als Zweidrittel der befragten Mittel- und Großstadtbibliotheken gaben jeweils an, daß keine Bibliothek ohne Beratung (Selbstbedienungskonzept) und Ausleihe (Lesesaalkonzept) öffnen solle.515

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Den Sonntag für zusätzliche Serviceangebote, insbesondere Veranstaltungen, zu nutzen, ist ein weiteres Öffnungskonzept, das auch Bibliotheken anwenden, die an diesem Wochentag regulär schließen. Ostdeutsche Bibliotheken haben beispielsweise Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre außerhalb der Öffnungszeiten sonntägliche Bibliotheksführungen durchgeführt und die Stadtbibliothek Magdeburg über zwanzig Jahre lang erfolgreich Sonntagsmatinéen und andere monatliche Veranstaltungen an diesem Wochentag angeboten.516 Als weitere Sonderaktionen an Sonntagen sind Ausstellungseröffnungen sowie Führungen mit musealem Charakter zu nennen und selbst Einweihungen von Bibliotheken, die sonntags geschlossen sind, werden an diesem Wochentag gefeiert.517

Neben dem Qualitätsaspekt zeichnet auch die zeitliche Komponente die Besonderheit des Bibliothekssonntags aus. Obgleich die Mehrzahl der sonntagsgeöffneten Bibliotheken wöchentlich ihre Besucher empfängt, haben sich aus Personal- und Kostengründen auch weitere Konzepte durchgesetzt. Viele kirchliche Einrichtungen sowie kleinere Stadtbüchereien öffnen beispielsweise sonntags nur ein- bis zweimal im Monat.518 Im Hochschulbereich dagegen wurde ein flexibles Öffnungszeitmodell aus den USA importiert, das sich an den Bedarf der Studierenden anpaßt, indem die Öffnungszeiten in den Schul- und Semesterferien auf die Kernzeiten reduziert und in den Examenszeiten zusätzlich ausgeweitet werden. So verzichtet beispielsweise das Juristische Seminar Heidelberg in der vorlesungsfreien Zeit auf die Sonntagsöffnung, während die Staats- und Universitäts-bibliothek Göttingen als auch die Sächsische Landesbibliothek, Staats- und Universitäts-bibliothek Dresden diese nur zum Semesterende anbieten.519 Auch wenn die Bayerische Staatsbibliothek ihr Angebot des Bibliothekssonntags während der Sommermonate August und September unterbricht, hat das in den Niederlanden und Skandinavien praktizierte Konzept, die Sonntagsöffnung angesichts geringerer Freizeitalternativen nur während der Wintermonate anzubieten, in Deutschland noch keine Nachahmung gefunden.520 In den Kurorten Binz und Heimbach werden im Gegenteil die sonntäglichen Bibliotheksöffnungs-zeiten im Sommer für die Badegäste sogar noch verlängert.

Ein weiteres Öffnungsmodell, das aus den angelsächsischen Ländern jüngst auch seinen Weg nach Deutschland gefunden hat, ist das Konzept der sog. „24-Stunden-Bibliothek“. Es verspricht den Lesern die größtmögliche Zugänglichkeit zu den Beständen, im Optimum täglich 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. In der Praxis schließen viele Einrichtungen mit dieser Ausrichtung dennoch oft mehrere Nachtstunden, begleitet von einem abgestuften Serviceangebot in unterschiedlichen Öffnungsperioden, wie das Beispiel der Universitätsbibliothek Konstanz, die erste große „24-Stunden-Bibliothek“ Deutschlands, illustriert.521 Mit Bibliotheksöffnungszeiten rund um die Uhr werde den Studierenden „ein Vollzeitstudium im wahrsten Sinne des Wortes ermöglicht“, lautet die Aussage des baden-württembergischen Finanzministers Stratthaus anläßlich der Grundsteinlegung für den Neubau der Universitätsbibliothek Karlsruhe, deren Eröffnung im Jahr 2005 ebenfalls als 24-Stunden-Betrieb geplant ist.522 Im Gegensatz zu diesem innovativen, in Süddeutschland praktizierten Bibliothekskonzept,523 das der allgemeinen Öffentlichkeit erstmals einen ununterbrochenen Zugang zu Informationen und Wissensquellen garantiert, haben spezielle Nutzergruppen wie Hochschullehrer oder Institutsangehörige bereits früher das Privileg der zeitlich uneingeschränkten Bibliotheksnutzung genossen, indem sie sich mit Schlüsseln oder Chipkarten jederzeit Einlaß ins Gebäude verschaffen konnten.524

C. Finanzierungsmöglichkeiten der Sonntagsöffnung

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Die CDU-Fraktion unter ihrem damaligen Fraktionsvorsitzenden Erwin Teufel stellte 1985 im baden-württembergischen Landtag den Antrag, daß die Landesregierung darauf hinwirken solle, die Seminar- und Universitätsbibliotheken des Landes „auch am Sonntag eine angemessene Zeit zu öffnen.“ Die Anfrage wurde damit begründet, daß die Bibliotheksöffnungszeiten insbesondere an den Wochenenden, wenn die Studenten mangels Vorlesungen Zeit hätten, ihr Studium voranzutreiben, stark eingeschränkt seien. Zudem heißt es in der Vorlage: „Wer berufstätig ist, ist nach den gegenwärtigen Öffnungszeiten von dem gesamten Bücher- und Zeitschriftenbestand ausgeschlossen.“525 Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst des Landes Baden-Württembergs reagierte mit einer Empfehlung, am Wochenende Bibliotheksöffnungszeiten von 9.00 bis 13.00 Uhr an Samstagen anzustreben. Denn der finanzielle Aufwand, den darüber hinausgehende Besuchszeiten erforderten, sei nicht mit den Vorteilen für die Benutzer aufzumessen.526

Wie in diesem Fall werden zumeist finanzielle Gründe genannt, die gegen eine Ausweitung von Bibliotheksöffnungszeiten sprechen. Und angesichts stagnierender Bibliotheksetats scheint es so, daß sich die wenigsten Einrichtungen die Einführung einer Sonntagsöffnung leisten können. Dennoch nimmt die Zahl der Bibliotheken, die sonntags öffnen, kontinuierlich zu. Unterschiedliche Finanzierungsmodelle und weitere Kostenaspekte werden anhand aktueller Vorgaben aus der Praxis analysiert.

1. Kosten des Bibliothekssonntags

Eine generelle Aussage, wie viel Geld genau eine Bibliothek in sonntägliche Besuchszeiten investieren muß, läßt sich nicht treffen. Die Kosten hängen im hohen Grad vom Umfang der Öffnungszeiten, des Serviceangebots, der Anzahl und der Qualifikation des Personals und der Größe der jeweiligen Einrichtung ab. Die Befragung der sonntagsgeöffneten Hochschul-bibliotheken ergab, daß viele Betroffene ihren finanziellen Aufwand für die Sonntagsöffnung selbst nicht präzise beziffern können.527 Im Vergleich schwanken die jährlichen Ausgaben für den Bibliothekssonntag zwischen rund 2.800,- € (Zweigbibliothek Rechtswissenschaft in Halle an der Saale)528 und 30.000,- € (Universitätsbibliothek Konstanz).529

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Tab. 34: Jährliche Kosten der Sonntagsöffnung an deutschen Hochschulbibliotheken530

bis 5.000,- €

bis 10.000,- €

bis 20.000,- €

bis 30.000,- €

Friedensau Theo. Bibl.

Halle UB

Dresden SLUB

Berlin Jur. Bibl.

Halle Jur. Bibl.

Hannover Med. Bibl.

Gießen UB

Konstanz UB

Heidelberg Jur. Bibl.

Jena Jur. Bibl.

Hohenheim UB

München Dt. Mus.

Karlsruhe ZKM Bibl.

Marburg Med. Bibl.

Köln ZB Med.

München Tier. Bibl.

Osnabrück Jur. Bibl.

Münster Jur. Bibl.

Münster Med. Bibl.

Trier UB531

Paderborn UB

Pforzheim FH-Bibl.

Die meisten angegebenen Werte beruhen fast ausschließlich auf den Personalkosten, die den Hauptbestandteil der finanziellen Belastung ergeben. Diese lassen sich ebenfalls nur schwer vergleichen, nicht nur aufgrund der jeweils unterschiedlichen Personalstärke und Qualifikation, sondern auch weil die Stundensätze, insbesondere für die studentischen Hilfskräfte nicht in allen Bundesländern einheitlich geregelt sind, ebensowenig wie die Zahlung von Sonntagszuschlägen.532 Zu den Personalkosten sind schließlich noch stark variierende Ausgaben für Wach- und Schließgesellschaften, technische Reparaturleistungen, Hausmeister- und Bereitschaftsdienste zu rechnen.533

Tab. 35: Vergleich der sonntäglichen Personalkosten an Hochschulbibliotheken

Bibliothek 534

Anzahl Öffnungs - stunden

Anzahl Per-sonal

Qualifika-tion des Personals

jährliche Kosten in €

Kosten für eine Öffnungs-stunde in € 535

Berlin Jur. Bibl.

6 Std.

3-4

Überwieg. Studenten

23.000,- Personalkosten

rd. 76,-

Dresden SLUB

8 Std.

4

Dipl.-Bibl. + Wachdienst

18.333,- Personalkosten536

rd. 46,-

Gießen UB

12:30

6

Studenten

rd. 13.000,- Personal.

rd. 21,-

Friedensau Theo. Bibl.

14 Std.

3

Studenten

rd. 4.200,- Personalkosten

rd. 6,-

Halle Jur. Bibl. 537

9 Std.

2

Studenten

rd. 2.800,- Personal.

rd. 6,-

Halle UB

9 Std.

4

Studenten

rd. 6.000,- Personal.

rd. 13,-

Hannover Med Bibl

9 Std.

2

Studenten

10.000,-

rd. 22,-

Heidelberg Jur Bibl

6 Std.

2

Studenten

3.849,60

rd. 13,-

Hohenheim UB

7 Std.

3

Studenten

13.000,- Personal.

rd. 37,-

Jena Jur. Bibl.

8 Std.

3

Studenten + Hilfskräfte

rd. 10.000,- Personalkosten

rd. 25,-

Karlsruhe ZKM Bibl

6 Std.

2

Studenten

3.140,- Personal.

rd. 11,-

Köln ZB Med.

5 Std.

2

Wachdienst

12.655,- (f. Personal) 19.500,- (mit Energie)

51,- (f. Personal) 79,- (mit Energie)

Konstanz UB

14 Std.

2

Wachdienst

rd. 30.000,- Personal.

rd. 43,- €

Marburg Med Bibl

11 Std.

2

Hilfskräfte

rd. 10.000,- Personal.

rd. 18,-

München Dt. Mus.

8 Std.

5

Stammpers.

rd. 25.000,- Personal.

rd. 63,-

München Vet. Bibl

6 Std.

1

Hilfskraft

rd. 2400,- Personal.

rd. 8,-

Münster Med Bibl

4 Std.

2

Studenten

rd. 4.000,-

rd. 20,-

Münster Jur. Bibl.

9:45 Std.

3

Studenten + Arbeiter

rd. 15.000,-

rd. 30,-

O sna b rüc k J ur B i bl

8 Std.

2

Studenten538

rd. 6.000,-

rd. 15,-

Paderborn UB

8 Std.

2

Studenten

rd. 12.500,- Personal.

rd. 31,-

Pforzheim FH - Bibl

5 Std.

1

Wachdienst

rd. 5.000,-

rd. 20,-

Trier UB 539

4 Std.

2

Stamm-pers.+ Stud.

rd. 6.500,- Personalkosten

rd. 33,-

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Darüber hinaus sind Ausgaben für die Gebäudebewirtschaftung zu veranschlagen, insbesondere für Strom und Heizung bzw. Klimaanlage.540 Viele Einrichtungen sind jedoch in der glücklichen Lage, daß ihre Energiekosten pauschal von den Unterhaltsträgern übernom-men werden oder in jedem Fall anfallen, wenn die Bibliothek in einen größeren Gebäudekomplex integriert ist, der sonntags ohnehin beheizt wird. Die Gestaltung des Bibliotheksgebäudes wirkt sich nicht nur auf die laufenden Fix-, sondern oft auch maßgeblich auf die Personalkosten aus. Ein übersichtlicher Lesesaal mit nur einem Zugang bedarf weniger Aufsichtspersonals als mehrstöckige und verwinkelte Häuser, so daß viele Bibliotheken die Einführung der Sonntagsöffnung erst mit Bezug eines modernen Neubaus verwirklicht haben.541 Die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen nimmt zur Kostenre-duzierung der Sonntagsöffnung sogar Umbaumaßnahmen vor. Nach den bisherigen räumlichen Gegebenheiten waren neben der Besetzung der Eingangstheke auch zwei Kräfte zur Aufsicht der Ausleihtheke notwendig. In ihr lagern regelmäßig kostbare Bücher, die aufgrund des eingeschränkten Serviceangebots am Sonntag ohnedies nicht ausgeliehen werden. Der Einbau eines sicheren Verschlußmechanismus der langen Ausleihtheke führt mithin zur Einsparung von zwei Mitarbeiterstellen bei den Wochenenddiensten.

Ferner bietet die Automatisierung Möglichkeiten, die Personalausgaben zu reduzieren. Buchrückgabekästen und Selbstverbuchungsgeräte, auf die in der Universitäts- und Landes-bibliothek Düsseldorf in den Abendstunden und am Wochenende ausschließlich verwiesen wird, ermöglichen eine kostengünstige Buchausleihe. Eine Videoüberwachung und Buch-sicherungsanalgen wiederum gestattet die Aufsicht auch in weitläufigen Gebäudekomplexen.

2. Unterschiedliche Finanzierungsmodelle

Ein ebenso breites Spektrum wie bei den verschiedenen Serviceangeboten am Sonntag bietet die Bibliothekspraxis in Bezug auf die Kostengestaltung. Trotz der allseits schlechten Haushaltslage können mehrere Einrichtungen zusätzliche Gelder für die Kosten der Sonntagsöffnung aufbringen. So stellte das Land Bayern seinen Hochschulen im Jahr 2003 1,15 Mio. € Sondermittel für die Verlängerungen von Bibliotheksöffnungszeiten zur Verfügung.542 Zusätzliche Haushaltsgelder für den Bibliothekssonntag erhalten beispiels-weise die Bayerische Staatsbibliothek in München sowie die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin.543 An der juristischen Fachbereichsbibliothek in Münster544 wiederum wird der Großteil der Kosten für die Sonntagsöffnung von der als gemeinnützig anerkannten GmbH „JurGrad“ übernommen, die wissenschaftliche Aus- und Weiterbildungsangebote der Fakul-tät fördert.545 Neben der Unterstützung von Förder- und Freundschaftsvereinen ermöglicht auch ehrenamtliches Engagement insbesondere durch unentgeltlichen Arbeitseinsatz nicht nur den kirchlichen Bibliotheken, sondern ebenso kleineren öffentlichen Büchereien sonntägliche Öffnungszeiten.546

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Die Finanzierung des Bibliothekssonntags durch Werbung oder Sponsoring findet in Deutschland im Gegensatz zur Schweiz noch keine Anwendung. In einem Public-Private-Partnership-Projekt übernahm dort eine ortsansässige Chemiefirma zwei Jahre lang die komplette Anschubfinanzierung für die sonntäglichen Öffnungszeiten547 der Kantons-bibliothek Baselland.548 Das wohl interessanteste Finanzierungsmodell sonntäglicher Öffnungszeiten erprobt zur Zeit die Sächsische Landesbibliothek, Staats- und Universitäts-bibliothek Dresden. Während die Erhebung von Gebühren oder auch Eintrittsgeldern zur Kostendeckung von zusätzlichen Öffnungszeiten im deutschen Bibliothekswesen nicht zur Debatte steht, offerierte in der sächsischen Landeshauptstadt die Studenteninitiative „unternehmen selbst!beteiligen“549 im Jahr 2003 der Bibliotheksleitung 1.100,- € selbst gesammelter Spendengelder, sog. „freiwillige Studiengebühren“, für die sonntägliche Öffnung der zentralen Einrichtung. Für diesen Betrag konnte die Bibliothek an drei Sonntagen hintereinander von 10 bis 18 Uhr öffnen, an denen die Besucher wiederum Gelder für zusätzliche Sonntagsöffnungsstunden spendeten. Mit einer aufgestellten Sammelbox und persönlichen Ansprachen wie „Möchten Sie uns nochmals sonntags besuchen?“ oder „Bekommen wir Ihr Spindgeld?“ wurden zuletzt 205,- € an einem Bibliothekssonntag gesammelt.550 Die eingezahlten Beiträge werden auf einem Notarander-konto treuhänderisch hinterlegt und regelmäßig im Internet veröffentlicht.551 Unterstützt durch eine hohe Kundennachfrage nach den sonntäglichen Besuchszeiten und durch eine überregionale Presseresonanz konnte die gut organisierte Studenteninitiative während ihres rund zweijährigen Bestehens bereits für die Kosten von insgesamt achtzehn Bibliothekssonntagen aufkommen.

Wenn keine zusätzlichen Gelder für den Bibliothekssonntag aufzubringen sind, besteht noch die Möglichkeit diesen durch Einsparmöglichkeiten an anderer Stelle zu finanzieren. Die Integration zerstreuter Teil- und Zweigstellen in ein zentrales Bibliothekssystem beispielsweise bietet Synergieeffekte, die in großzügige Öffnungszeiten reinvestiert werden können. Auch stellt sich die Frage, Öffnungsstunden an den übrigen Wochentagen zugunsten des Sonntags zu streichen. Jede Einrichtung sollte diesbezüglich kritisch prüfen, ob sie beispielsweise an einem Donnerstagvormittag oder an einem Sonntagnachmittag eine bessere Kundenresonanz erwarten kann.552 Als die Gemeindebücherei Quierschied im Jahr 2002 aufgrund von Geldmangel ihre Öffnungszeiten von 28 auf 20 Wochenstunden reduzieren mußte, ließ sie den gutfrequentierten Bibliothekssonntag unangetastet.

Eine weitere Finanzierungsmaßnahme besteht darin, mehr Personalkapazitäten von internen Arbeiten abzuziehen und in den Publikumsverkehr zu investieren. In deutschen öffentlichen Bibliotheken wird durchschnittlich nur ein Drittel der Arbeitskraft im direkten Kundenkontakt eingesetzt mit einer erheblichen Schwankungsbreite und zunehmendem Prozentanteil in kleineren Einrichtungen.553 Aus dieser Tatsache zieht Umlauf die Schlußfolgerung, daß unzureichende Öffnungszeiten nicht auf zu wenig Personal, sondern auf Mängel im Mitarbeitereinsatz zurückzuführen sind.554 So erzielen beispielsweise finnische Bibliotheken mit kleineren Belegschaften bessere Ausleihzahlen und längere Besuchszeiten.555 Auch Steiner forderte bereits 1950 mehr Personal in die Ausweitung der Öffnungszeiten zu investieren und dabei auch die Leitungsebene miteinzubeziehen, damit der verstärkte Leserkontakt zugleich dienstleistungsorientierte Innovationen nach sich zieht.556 Und Witsch mahnte schon 1942, daß die „Volksbibliothekare“ zuviel Zeit für interne Arbeiten benötigten.557 Dabei könnte man heutzutage angesichts steigender Medienpreise und stagnierender Erwerbungsetats die geringere Arbeitsbelastung beim Bestandsaufbau der direkten Kundenbetreuung zugute kommen lassen, insbesondere da die Präsenznutzung aufgrund des geringeren Ankaufs von Staffelexemplaren an Bedeutung gewinnt. In Jena zwang die unzureichende Anzahl der nachgefragten Bücher die Präsenzbibliothek Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bereits 1994 zur Einführung sonntäglicher Öffnungs-zeiten, um eine Entzerrung sowie maximale Auslastung der Bestände zu ermöglichen. Das gleiche gilt für die zunehmende Nutzung von Datenbanken, die meist aufgrund der teuren Lizenzen nur in der Bibliothek selbst bereitgestellt werden. Da die Erwerbungskosten dieser Produkte ebenso wie für den nicht ausleihbaren Zeitschriftenbestand, die Personalkosten für ihre Bereitstellung und Erschließung miteingerechnet, sehr hoch sind, ist allein unter dem Aspekt der Kostenamortisation ihre Zugänglichkeit zu möglichst ausgedehnten Öffnungs-zeiten empfehlenswert.558

D. Feiertagsöffnung

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Die Bibliothek der Medizinischen Hochschule Hannover empfing ihre Leser im Jahr 2003 an insgesamt 360 Tagen und schloß damit an weniger Tagen als irgendeine andere Bibliothek. Keine Institution in Deutschland, und mag sie noch so lange Öffnungszeiten haben wie beispielsweise die 24-Stunden-Bibliothek in Konstanz mit summarisch 139 Wochenöffnungs-stunden und 348 Besuchstagen, ist ganzjährig und damit an allen Feiertagen zugänglich. Von den bundeseinheitlichen Urlaubstagen finden insbesondere die hohen kirchlichen Feste als Ruhetage Berücksichtigung, während die weltlichen Feiertage an Daten wie dem 1. Mai oder dem 3. Oktober öfter zum Bibliotheksbesuch einladen.559

Abb. 8: Die Zugänglichkeit sonntagsgeöffneter Bibliotheken
an bundeseinheitlichen Feiertagen

Nicht alle sonntagsgeöffneten Bibliotheken bieten indes Besuchsmöglichkeiten an den Feiertagen. Während rund eine knappe Hälfte dieser Einrichtungen verschiedene Modelle der Feiertagsöffnung praktiziert, unterläßt die andere, bei den öffentlichen Bibliotheken dominierende Hälfte, den Lesebetrieb grundsätzlich an diesen Tagen.

↓90

Abb. 9: Feiertagsöffnung in sonntagsgeöffneten Bibliotheken

Die sehr individuellen Regelungen der Feiertagsöffnung illustrieren beispielsweise die Zentrale Medizinische Bibliothek in Marburg, die an den staatlich festgesetzten Ruhetagen spezielle Öffnungszeiten anbietet,560 oder die Bereichsbibliothek Rechts- und Wirtschafts-wissenschaften in Osnabrück, die an Feiertagen zwar grundsätzlich schließt, aber nicht in den Examenszeiten. Und während die Gemeindebücherei Quierschied nur an den Feiertagen ihre Leser empfängt, die auf einen Sonntag fallen, entspricht es der allgemeinen Norm, daß sonntagsgeöffnete Bibliotheken ohne Feiertagsöffnung der Allgemeinheit an den Sonntagen, die zugleich Feiertage sind, den Einlaß verwehren. Und ohne Ausnahme sind Einrichtungen, die über keine regulären sonntäglichen Besuchszeiten verfügen, an Feiertagen stets geschlossen.

E. Ergebnis

„Dienstleistung für unsere Benutzerinnen und Benutzer ist der Inhalt unserer Arbeit. Dahinter steht die Überzeugung, daß hohe staatliche Investitionen in Bibliotheken deren intensive Nutzung erfordern, sonst besteht die Gefahr von Fehlinvestitionen. Die Universität will in der Konkurrenz zu anderen Hochschulen auch im Dienstleistungsangebot Maßstäbe setzen. Mit dem Versuch einer 24-Stunden-Bibliothek wollen die Universität Konstanz und ihre Bibliothek die Informationsstruktur für die Angehörigen der Universität Konstanz, sowohl für die Wissenschaftler wie die Studierenden, deutlich verbessern.“561 Aus diesen Sätzen der Presseerklärung zur Einführung der 24-Stunden-Bibiothek geht hervor, daß die Universitäts-bibliothek Konstanz mit der Verlängerung ihrer Besuchszeiten einerseits eine maximale Auslastung des Bestandes und andererseits eine Imagesteigerung durch eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit auch in der Presse und im Ausland anstrebt.562 In Erfüllung dieser Erwartungen hat sich das Konstanzer Modell mittlerweile mit einem hohen Publikumszuspruch gerade an den Sonn- und Feiertagen etabliert, so daß in den Ferienzeiten nur die nächtlichen, aber nicht die bereits verlängerten sonntäglichen Öffnungs-zeiten eingeschränkt werden. Neben der Bibliothek am Bodensee bieten noch andere, wenn auch wenige Einrichtungen Nutzungsmöglichkeiten, rund um die Uhr, jedoch stets eingeschränkt für Instituts- und Hochschulangehörige und nicht für die allgemeine Öffentlichkeit. Im Südbadischen ist der 24-Stunden-Betrieb jedoch inzwischen auf soviel Widerhall gestoßen, daß die zentralen Universitätsbibliotheken in Karlsruhe und Freiburg bereits seine Nachahmung planen.563 Dieser Trend der umfänglichen Ausweitung von Lesezeiten insbesondere am Wochenende ist bei zahlreichen großen wissenschaftlichen Bibliotheken mit einer durchschnittlichen Wochenöffnungszeit von 60 bis 70 Stunden zu beobachten. Die ursprünglichen Wochenöffnungsstunden zu den allgemeinen Arbeitszeiten werden grundsätzlich beibehalten und gelten als „Kern-Öffnungszeiten“ mit komplettem Serviceangebot, während die hinzugekommenen „Ergänzungs-Öffnungszeiten“ ohne personalintensive Dienstleistungen auskommen müssen. Nur knapp die Hälfte der sonntagsgeöffneten Hochschulbibliotheken verleiht sonntags Bücher und weniger als 10% bietet eine fachkundige Leserberatung. Im Unterschied zu dieser Praxis reduzieren die öffentlichen Bibliotheken mit ihren wesentlich kürzeren wöchentlichen Besuchszeiten, die klar hinter den Maßgaben der bundesweiten Zielvereinbarungen zurückbleiben, den Kundenservice am Sonntag nicht. Allerdings findet sich dieses Angebot im Gegensatz zu den kirchlichen Büchereien nur bei einer verschwindenden Minderheit, obgleich die kommunalen Einrichtungen verhältnismäßig häufiger außerhalb der allgemeinen Arbeitszeiten öffnen und ihre Lesestunden weniger an behördlichen Dienststunden ausrichten als im Hochschulbereich.

↓91

Zusammenfassend ist festzuhalten, daß der Sonntag in deutschen Bibliotheken mit erheblichem Abstand der häufigste Schließungstag ist und selbst bei den Institutionen wie den großen Universal- sowie medizinischen und juristischen Fachbereichsbibliotheken, die ihre Leser vielfach an diesem Wochentag empfangen, nicht als normale Öffnungszeit anzusehen ist. Andererseits gilt im Gegensatz bis noch vor wenigen Jahren ein sonntäglicher Bibliotheksbesuch nicht mehr als rare Ausnahmeerscheinung oder gar Tabubruch. Und die allgemeine Entwicklung führt angesichts weiterer Einrichtungen, die trotz der angespannten Haushaltssituation eine Verlängerung ihrer Besuchszeiten am Wochenende oder die Einführung der Sonntagsöffnung anstreben, zu einer verstärkten Flexibilisierung und Freizeitorientierung von Bibliotheksöffnungszeiten. Entsprechende Forderungen stellen selbst Kritiker unserer „Non-Stop-Gesellschaft“ wie zum Beispiel der Münsteraner Sozial-wissenschaftler Jürgen Rinderspacher: „Im Gegenteil sollten sogar einige Anbieter ihr [sonntägliches] Angebot ausdehnen – vor allem die öffentlichen. Warum sind Stadtbüchereien immer dann geschlossen, wenn Väter Zeit für ihre Kinder haben?“564


Fußnoten und Endnoten

439  U.a. nachzulesen im „Archiv der Inetbib-Mailinglist“ (http://www.hbz-nrw.de/produkte_dienstl/mlist/inetbib/200102-month.html).

440  Mittlerweile 139 Wochenöffnungsstunden, wobei die Besucherzahlen an Sonn- und Feiertagen kontinuierlich ansteigen.

441  Und war auch Gegenstand eines Seminars, das die ekz.bibliothekservice GmbH (Einkaufszentrale für Bibliotheken) 2003 in Reutlingen unter dem Titel „24x7 – Bibliotheksservice und Information total“ veranstaltete; vgl. Stabenau S. 646ff.

442  Auch die Universitätsbibliothek Bielefeld war früher zu Gründungszeiten über Nacht geöffnet. Dieser Service wurde aber aufgrund zu geringer Nachfrage wieder eingestellt; vgl. „Die Stadt, die nie schläft“ in „Neue Westfälische“ vom 21.1.2003.

443  Die Sonderlesesäle sind ebenfalls geschlossen. Mittlerweile ist auch die Rückgabe von Büchern beim Wachdienst auf eigenes Risiko möglich.

444  Vgl. Pressemeldung der Bibliothek der Universität Konstanz zur 24-Stunden-Bibliothek vom 14.2.2001.

445  Die große Zahl der Fachhochschulbibliotheken beruht auf der Erfassungsmethode, nach der die verschiedenen Bibliotheksstandorte an einer Hochschule einzeln ausgewertet wurden.

446  Unter diese Kategorie wurden nur solche Landesbibliotheken eingeordnet, die nicht zugleich Hochschulbibliotheken sind.

447  Aufgrund ihrer großen Anzahl, Unübersichtlichkeit und insbesondere dem mangelndem Nachweis in Bibliotheksverzeichnissen wurde auf die Einbeziehung der Instituts- und Lehrstuhlbibliotheken verzichtet. Zur sonstigen Auswahl der Bibliotheken siehe Einleitung C 1 a.

448  Die aktuelle Erhebung der Bertelsmannstiftung im Rahmen des Projekts „Bibliothek 2007“ nennt die Zahl von 2.100 kommunalen und 1.700 wissenschaftlichen Bibliotheken; „Bibliothek 2007“ (http://www.bibliothek2007.de).

449  Explizit ist dieses Leistungsmerkmal nur für die Einrichtungen der Funktionsstufe 2 formuliert; Bibliotheken’ 93 (1994), S. 19.

450  Die ehemalige Landwirtschaftliche Zentralbibliothek in Bonn, die 2001 aufgelöst wurde, ist unter ihrem neuen Namen Bereichsbibliothek für Ernährung, Umwelt und Agrarwissenschaften ebenfalls neben der Deutschen Zentralbibliothek der Medizin in Köln, der Technischen Informationsbibliothek (TIB) in Hannover und der Kieler Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (Bibliothek des Instituts für Weltwirtschaft) berücksichtigt.

451  Vgl. „Staatsbibliothek Haus Potsdamer Straße überfüllt“, Pressemitteilung der Staatsbibliothek zu Berlin vom 15.1.2003 und „Zu viele Leser“ in „Morgenpost“ vom 18.1.2003.

452  Für die Institutionen der Funktionsstufe 4 enthält das Planungspapier Bibliotheken ’93 keine spezifischen Leistungsmerkmale in Bezug auf die Öffnungszeiten.

453  Eine noch höhere Quote von 80% erzielen die überregionalen Universalbibliotheken an den Abenden nach 19 Uhr. Damit kann die Hälfte der erfaßten Einrichtungen auf Öffnungszeiten verweisen, von denen mindestens ein Drittel außerhalb der üblichen Arbeitszeiten liegt; Details siehe Tab. 32.

454  Im Jahr 2000 lag die Anzahl der durchschnittlichen Wochenöffnungsstunden in dieser Bibliothekssparte noch bei 59,5 Wochenstunden und erfüllte damit die Zielbestimmung des Grundsatzpapiers „Bibliotheken ’93“; vgl. Verch (2002), S. 11.

455  Siehe Fragebogen im Anhang und „7-Tage-Woche in der Bayerischen Staatsbibliothek“ sowie „Gelungener Start der Sonntagsöffnung“, Pressemitteilungen der Bayerischen Staatsbibliothek vom 7.6.2001 und 19.6.2001.

456  Bibliotheken '93 (1994), S. 36.

457  Gegenüber der Untersuchung aus dem Jahr 2000 haben sich die durchschnittlichen Wochen-öffnungszeiten der Regionalbibliotheken damit nicht in nennenswerter Weise verändert; vgl. Verch (2002), S. 16.

458  Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin plant die Einführung der Sonntagsöffnung im Jahr 2006.

459  Zur Auswahl der Hochschulbibliotheken siehe Einleitung C 1 a.

460  Bei der Untersuchung wurden die Öffnungszeiten der Fachhochschulbibliotheken an verschiedenen Standorten erfaßt, so daß zum Teil für eine Hochschule auch mehrere Besuchszeiten Berücksichtigung fanden.

461  Die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls eingeführten Nachtöffnungszeiten wurden dagegen im Herbst 2002 aufgrund der geringen Nachfrage wieder aufgegeben.

462  Vgl. Usemann-Keller (1997), S. 2136ff. Diese Auswertung wurde jedoch durch den gleichzeitigen Orts- und Systemwechsel vieler Fachhochschulbibliotheken erschwert.

463  Die beispielsweise selbständigen Medizinischen, Theologischen, Pädagogischen, Kunst- oder Musikhochschulen angegliedert sind.

464  Diese Werte berücksichtigen nicht die zum Teil gesondert geregelte Zugänglichkeit von Magazinen, Sonderlesesälen sowie Ausleih- und Informationsstellen.

465  Nach der Auswertung von 1996 waren 69% der Universitätsbibliotheken (gegenüber 89% im Jahr 2004) am Samstag und nur 5% (gegenüber 12% im Jahr 2004) am Sonntag zugänglich; Usemann-Keller (1997), S. 2134.

466  Zu den unterschiedlich langen Öffnungszeiten der verschiedenen Fachbereichsbibliotheken siehe auch Kap. 6 A 1 d.

467  Die Berliner Bibliothek ist als zentrale Einrichtung in einer Großstadt mit mehr als 400.000 Einwohnern bereits der höheren Funktionsstufe 3 für den spezialisierten Bedarf zuzurechnen; Bibliotheken ’93 (1994), S. 19.

468  Vgl. „Zentralbibliothek verlängert Öffnungszeiten“ in „Welt am Sonntag“ vom 19.5.2004.

469  Die Untersuchung erfaßte 67 zufällig ausgewählte öffentliche Bibliotheken in den alten Bundesländern in Städten zwischen 30.000 und 400.000 Einwohnern; Umlauf (1993), S. 5 und 14f.

470  Namentlich Berlin, Düsseldorf und München.

471  Während sich bei den Mittelstadtbibliotheken gegenüber der Untersuchung von Umlauf aus dem Jahr 1990 keine wesentlichen Änderungen bei der Struktur der Öffnungszeiten ergeben haben, nahm die Samstagsöffnung der Großstadtbibliotheken bei gleich bleibender Wochenstundenanzahl etwas zu. Bei den Besuchsmöglichkeiten nach 19 Uhr zeichnet sich dagegen eine unklare Entwicklung ab. Während in Städten mit über 400.000 Einwohnern die Anzahl der Bibliotheken mit Öffnungsstunden am Abend um 40% angestiegen ist, erfolgte in den anderen Großstadtbibliotheken ein Rückgang um 20%. (Kleinstadtbibliotheken wurden in die Erhebung nicht einbezogen). Vgl. Umlauf (1990), S. 3ff.

472  Zum Bibliothekssonntag an Institutionen in gemeinsamer kirchlicher und kommunaler Trägerschaft siehe unter 5.

473  Stadtbücherei Aichtal, Stadtbibliothek Bad Brückenau, Stadtbibliothek Belzig, Bibliothek Binz, Bücherei Burgkirchen, Gemeindebücherei Dietramszell, Stadtbücherei Heimbach, Gemeindebücherei Kösching, Stadtbibliothek Kreuztal, Gemeindebücherei Quierschied, Stadtbibliothek Schotten, Andreas-Bücherei Velen und Gemeindebücherei Westerheim. Geplant ist die Einführung der Sonntagsöffnung in der Stadtbibliothek Bremen und der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Dagegen haben die Städtischen Bibliotheken Dresden aufgrund rechtlicher Bedenken diese Absichten wieder aufgegeben, während in der Stadtbibliothek Ratingen aktuell eine entsprechende Diskussion geführt wird; vgl. http://www.hbz-nrw.de/produkte_dienstl/mlist/forumoeb/200405-month.html.

474  Bibliothek Binz, Stadtbibliothek Bad Brückenau und Stadtbücherei Heimbach.

475  Eine Bibliothek mit Sonntagsöffnung auf insgesamt nur 14 saarländische Bibliotheken.

476  Vgl. Umlauf (1990), S. 7 und S. 14.

477  Eine Stichprobe bei sechzehn großen wissenschaftlichen Kirchenbibliotheken (vgl. beiliegende Datenbank im Anhang) ergab, daß keine von diesen am Sonntag zugänglich ist, sondern sich die Öffnungszeiten fast ausschließlich von Montag bis Freitag auf die Hauptgeschäftszeiten verteilen.

478  Verch (2002), S. 22.

479  Mücke (1993), S. 264.

480  Entsprechend 1869 in einem Erlaß über Jünglingsvereine und Ortsbibliotheken der obersten evangelischen Schulbehörde: „„Indessen mit der Hilfe wackerer Lehrer dürfte es auch hier dem Geistlichen nicht schwer sein, wenigstens an einigen Abenden der Woche solche Jünglinge zusammenzubringen, die eine ansprechende gebildete Unterhaltung zu schätzen wissen. Ein wesentliches Mittel ist wohl vor Allem hierzu eine Volksbibliothek von unterhaltenden, belehrenden und sittlich anregenden Schriften, die theils ausgeliehen, am Sonntag nach der Kirche abgeholt und wieder gebracht werden, theils in einem Winters geheizten Lokal an den Abenden, besonders Sonntags, zur Benützung gegeben werden.“

481  Rüppel (1977), S. 391.

482  „Beitrag zur Versöhnung“ - Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 38. vom 15.10.1998.

483  Borromeo gilt auch als Begründer des Sonntagsunterrichts, vgl. Kap. 2 A 1.

484  „Stichwort Buchsonntag“ (http://www.bistum-essen.de/stw_b.htm).

485  Stadtbücherei Aichtal, Bücherei Burgkirchen, Gemeindebücherei Dietramszell, Gemeindebücherei Kösching, Gemeindebücherei Quierschied, Andreas-Bücherei Velen und Gemeindebücherei Westerheim.

486  Daher wurden sie auch nicht in die Analyse der Bibliotheksöffnungszeiten miteinbezogen, vgl. Einleitung C 1 a.

487  Beispielsweise die Bibliothek der Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven oder die Bibliothek des Zentrums der Radiologie an der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main.

488  Basierend auf den stichprobenartig erhobenen Öffnungszeiten in der beiliegenden Datenbank.

489  Nachweise in der beiliegenden Datenbank im Anhang.

490  Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, die im Jahr 2003 auch für die Zentrale sonntägliche Öffnungszeiten, allerdings nur zum Semesterende, einführte.

491  Z.B. das Literaturmuseum in Karlsruhe.

492  Leyh (1940), S. 338.

493  So auch Waligora (1978), S. 9.

494  Nach den gesetzlichen Ladenschlußzeiten dürfen Einzelhändler nur 84 Wochenstunden von jeweils 6 bis 20 Uhr von Montag bis Samstag öffnen.

495  Zitiert nach Hohenstein (1992), S. 57f.

496  Follmer (2002a), S. 24.

497  Vgl. Einleitung zu Kap. 6.

498  Usemann-Keller rät wissenschaftlichen Einrichtungen, die ausschließlich Gegenstand ihrer Untersuchung waren, zudem zu einer durchgängigen Samstagsöffnung, die sich nicht nur auf drei Vormittagstunden beschränkt; Usemann-Keller (1997), S. 2142f. Umlauf (1997), S. 348.

499  Usemann-Keller (1997), S. 2140.

500  Eine siebentägige Bibliotheksöffnung bietet nur 1% aller Einrichtungen.

501  Stellvertretend für viele andere sind die Internetseiten der öffentlichen Bibliotheken in Offenburg, Wesel, Grevenbroich, Soest, Lörrach, Frechen, Lemgo und Saarbrücken genannt.

502  Beispielsweise Deutsche Staatsbibliothek (1961), S. 181.

503  Da die Hamburger Zentralbibliothek Recht ihre sonntäglichen Öffnungszeiten erst am 9.8.2004 eingeführt hat, konnte diese in den folgenden Kapiteln nicht mehr berücksichtigt werden.

504  Gegenüber dem Jahr 2000 öffnet die Stadtbibliothek Kreuztal damit am Sonntag eine (zusätzliche) Stunde früher. Dagegen wurden die Öffnungszeiten unter der Woche verkürzt.

505  In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts bis 22.00 Uhr.

506  Bis 1969 von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

507  1979 von 15.00 bis 21.00 Uhr.

508  Vgl. Usemann-Keller (1997), S. 2132.

509  U.a. die Universitätsbibliotheken in Bielefeld, Halle, Hohenheim und Konstanz.

510  So hat beispielsweise die Magazinbibliothek Marburg 1967 als erste Universitätsbibliothek sonntägliche Öffnungszeiten eingeführt.

511  Dieser Wert beinhaltet nicht die zehn sonntagsgeöffneten Bibliotheken, die ihren Bestand ohnedies präsent aufgestellt haben.

512  Diese Kritik wird speziell von den Ärzten der Medizinischen Hochschule in Hannover als auch von den Bibliotheken in Jena, Hohenheim und Friedensau berichtet.

513  Es lassen sich insbesondere die Modelle mit einer zeitlichen Komponente mit denen kombinieren, die von ihrer unterschiedlichen Servicequalität geprägt sind. Manche Varianten allerdings, wie beispielsweise die 24-Stunden-Öffnung mit umfassendem Kundenservice, sind in der Bibliothekspraxis nicht umsetzbar.

514  Zu den unterschiedlichen Personalkonzepten siehe Kap. 5 C 1.

515  Allerdings vertraten ebenfalls 71% der Mittelstadtbibliotheken die Meinung, daß sie bei Personalkürzungen eher die Beratung als die Öffnungszeiten einschränken würden. Und 55% der Mittelstadtbibliotheken zogen in Erwägung, die Öffnungszeiten um den Preis der Serviceein-schränkung zu erweitern. Vgl. Umlauf (1990), S. 11ff.

516  Seit 1991 fand der Bibliothekssonntag nur noch alle zwei Monate statt; Kriewald (1992), S. 822. Siehe auch Kap. 2 B 5.

517  Beispielsweise die Neueröffnung der Stadtbibliothek Bergheim im Juni 2004; vgl. „Einfach eine tolle Bibliothek“ in der „Kölnischen Rundschau“ vom 3.6.2004.

518  U.a. die Stadtbücherei Aichtal, die Gemeindebücherei Aschheim und die Stadtbücherei Rödermark

519  Darüber hinaus setzt auch die Bibliothek der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Sonntagsöffnung während der Semesterferien aus.

520  Vgl. Kap. 1 Abschnitte B 1, 2 und 4. Allerdings beschrieb bereits Erwin Ackerknecht eine städtische Volksbücherei, die 1921 nur im Winter sonntags öffnete; Ackernecht (1926), S. 59.

521  Die Universitätsbibliothek Konstanz hat von Planungsbeginn bis zur Einführung des 24-Stunden-Modells nicht länger als eine halbes Jahr benötigt, Stabenau (2003), S. 646. Zur Diskussion in den USA siehe Engel (2002), S. 95ff.

522  Dieser soll durch einen reduzierten Personaleinsatz von zwei Personen, ein Selbstverbuchungs-system, eine Buchsicherungsanlage sowie den Verzicht auf weitere Serviceleistungen praktiziert werden. „Grundstein für 24-Stunden-Bibliothek in Karlsruhe gelegt“, Pressemitteilung des Finanzministeriums Baden-Württemberg vom 27.8.2003 und Kristen (2001), S. 366.

523  Die Universitätsbibliothek Freiburg plant die Einführung eines 24-Stunden-Betriebes ab dem Jahr 2007; BUB 56 (2004) S. 472. Darüber hinaus verkündet die Zentralbibliothek Recht in Hamburg auf ihren Internetseiten, daß sie nach Abschluß der Integration aller Teilbibliotheken in das neuerrichtete Hauptgebäude ihre großzügigen Öffnungszeiten auf 24 Stunden am Tag ausdehnen wird; vgl. http://www.jura.uni-hamburg.de/zentralbibliothek/index.php?21.

524  So verfügen z.B. die Mitarbeiter des Forschungszentrums Jülich über einen gesonderten Leseaus-weis, der ihnen jederzeit Zutritt zur Zentralbibliothek verschafft. Und auch Hochschulangehörigen wird dieses Privileg zugestanden, so in den Privaten Hochschulen der Bankakademie Frankfurt a.M., der Bucerius Law School in Hamburg als auch in der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau sowie in der staatlichen Fachhochschule Landshut, die 2002 das Projekt „24-Stunden-Bibliothek“ ins Leben rief.

525  Landtag von Baden-Württemberg (1985), S. 1f.

526  Landtag (1985), S. 3.

527  Siehe Fragebögen im Anhang.

528  Diese Angaben berücksichtigen noch nicht die Verlängerung der sonntäglichen Öffnungszeiten um weitere zwei Stunden im Jahr 2003.

529  Wobei viele Einrichtungen ausschließlich ihre Personalkosten angegeben haben.

530  Von der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, der Universitätsbibliothek Bielefeld, der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt, der Universitätsbibliothek Marburg, der Bayerischen Staatsbibliothek, der Zweigbibliothek Weinberg in Halle, der Bibliothek der Fakultät für Klinische Medizin in Mannheim liegen keine genauen Kostenangaben vor.

531  Die Universitätsbibliothek Trier hat ihre Sonntagsöffnung zu Beginn des Jahres 2004 aufgrund von Sparzwängen wieder aufgegeben.

532  Vgl. Kap. 5 A.

533  Im privaten Wachgewerbe betrug der durchschnittliche Stundenlohn für einen einfachen Wachmann 1998 in Westdeutschland zwischen 11,- und 17,- DM; Gollan (1999), S. 65.

534  Vgl. Tab. 33 für die genauen Bezeichnungen der aufgelisteten Bibliotheken.

535  Bei den Angaben wurde von 50 geöffneten Sonntagen im Jahr ausgegangen, der aufgrund der unterschiedlichen Feiertagsöffnung der jeweiligen Einrichtungen als Durchschnittswert anzusehen ist.

536  Die SLUB Dresden ist nicht durchgängig im Jahr sonntags geöffnet, sondern nur am Ende des Semesters.

537  Diese Angaben berücksichtigen noch nicht die Verlängerung der sonntäglichen Öffnungszeiten um weitere zwei Stunden im Jahr 2003.

538  Sowie Rufbereitschaft des Stammpersonals bei Problem- und Notfällen.

539  Die Universitätsbibliothek Trier hat ihre Sonntagsöffnung zu Beginn des Jahres 2004 aus Spargründen wieder aufgegeben.

540  Für große Hochschulbibliotheken ist mit täglichen Fixkosten von rund 2.000,- € zu rechnen.

541  Beispielsweise die Universitätsbibliotheken Marburg, Bielefeld und der Zweigbibliothek Rechtswissenschaft Halle sowie in Planung für den Neubau der Stadtbibliothek Bremen 2004.

542  Sowie weitere 1,5 Mio. € für den Medienetat; vgl. BUB 55 (2003), S. 300.

543  Das Land Niedersachsen hatte 1996 ebenfalls Sondermittel für die geplante Einführung des Bibliothekssonntags am Bibliotheks- und Informationssystem Oldenburg genehmigt; vgl. Universitätsbibliothek (1996).

544  „Rechtswissenschaftliches Seminar I“.

545  „Studium auch am Sonntag“, Pressemitteilung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster vom 19. April 2004.

546  Z.B. Bücherei Burgkirchen, Gemeindebücherei Kösching und Andreas-Bücherei Velen.

547  Von rund 1.000,- SFR im Monat allein an Personalkosten.

548  Nach Abschluß des Projekts übernahm der Bibliotheksträger die anfallenden Kosten für den Bibliothekssonntag; Sonntagsöffnung der Kantonsbibliothek Baselland (2001), S. 31.

549  Vgl. „unternehmen selbst!beteiligen“ (http://www.unternehmen-selbst-beteiligen.de).

550  „Ungewöhnliche Studentenrevolte“ in „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vom 25.1.2004.

551  Vgl. „Unternehmen selbst!beteiligen“ (http://www.unternehmen-selbst-beteiligen.de/beitrag.html).

552  In diesem Sinne fordert Umlauf bei schwieriger Haushaltslage eher auf den Montag als Schließungstag statt auf den Samstag zu verzichten; Umlauf (1990), S. 6.

553  Umlauf (1997), S. 348.

554  Ibid.

555  Bernstein (2003), S. 298.

556  Steiner (1950), S. 388. Dies setzt u.a. eine verstärkte Qualifizierung des Personals voraus, um dessen Disponibilität und Flexibilität zu erhöhen; vgl. Rosoll (1981), S. 394 sowie Kap. 5 c.

557  „Man hat jedoch sehr häufig den Eindruck, daß in dieser Hinsicht [interne Arbeiten] des Guten zuviel geschehe.“ Zitiert nach Hohenstein, S. 57.

558  So auch Umlauf (1987), S. 348.

559  In der Bibliothekspraxis werden auch der Heiligabend und Silvester, an denen nur sehr wenige Einrichtungen öffnen (z.B. Universitätsbibliothek Bielefeld), wie gesetzliche Feiertage gehandhabt.

560  Die gegenüber der Sonntagsöffnung nochmals um fünf Stunden verkürzt sind.

561  Der erste Satz ist zugleich Leitbild der Bibliothek. Vgl. „Bücher und Medien rund um die Uhr.“ Pressemeldung der Bibliothek der Universität Konstanz zur 24-Stunden-Bibliothek vom 14.2.2001.

562  Vgl. Stabenau (2003), S. 647.

563  BUB 56 (2004) S. 472.

564  Rinderspacher (2002), S. 106.



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21.10.2005